Gesamtstudie aus 12 Sprachräumen · aufgebaut wie ein Buch
Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Psoriasis, Rheuma und ihre Medikamente (Methotrexat, TNF-Blocker, Sulfasalazin) und die Spermienqualität: Eine Gesamtstudie der Literatur
Weitere Themen der Recherche
- 79.574 Wörter
- 23 Kapitel
- 311 Quellen
- 42 Diagramme
- Literatur aus Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch
Kurzfassung
Diese Studie fragt, ob Männer mit Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Psoriasis oder entzündlichem Rheuma eine schlechtere Spermienqualität haben und ob dazu die Krankheit selbst oder die Medikamente Methotrexat, TNF-Blocker und Sulfasalazin beitragen. Ausgewertet wurden 311 Quellen aus den Jahren 1977 bis 2026, gesucht über Europe PMC und ergänzende Datenbanken in 15 Sprachen, mit Treffern in elf davon. Die Auswertung stützt sich überwiegend auf Abstracts. Eine Therapieempfehlung gibt diese Studie nicht.
Das Gesamtbild ist uneinheitlich und dünn. Für keine der vier Krankheitsgruppen und keines der drei Hauptmedikamente liegt ein großer, kontrollierter Versuch mit Spermienwerten vor. Die einzige randomisierte, placebokontrollierte Studie betrifft den JAK-Hemmer Filgotinib und fand nach 13 Wochen keinen Unterschied: Einen Abfall der Spermienkonzentration um mindestens die Hälfte erlebten 8 von 120 Männern unter Filgotinib und 10 von 120 unter Placebo [s81]. Die meisten Samenstudien umfassen 7 bis 50 Männer und vergleichen mit gesunden Freiwilligen, nicht mit gleich kranken Männern ohne Medikament. Krankheitsaktivität und Medikament lassen sich dadurch kaum trennen.
Sulfasalazin hat die dichteste und eindeutigste Evidenz für eine Schädigung der Spermienqualität. Sie stammt aus Fallserien und kleinen Kohorten von 1979 bis 1989 und zeigt Oligospermie, verminderte Beweglichkeit und veränderte Spermienformen, die nach Absetzen oder Wechsel auf Mesalazin zurückgingen [s308, s305, s288]. Als verantwortlich gilt in den Arbeiten der Bestandteil Sulfapyridin, nicht die 5-Aminosalicylsäure [s295]. Moderne kontrollierte Studien fehlen.
Methotrexat zeigt bei Männern in den prospektiven Kohorten der letzten Jahre (14 bis 40 Männer) überwiegend keine statistisch gesicherte Veränderung der Standardwerte [s99, s80, s19, s46]. Eine Mini-Serie mit sieben Männern fand erhöhte DNA-Schäden in Spermien [s169]. Registerstudien und eine Metaanalyse finden bei Kindern von Vätern unter Methotrexat keine erhöhte Fehlbildungsrate (gepoolt OR 1,00; 95-%-Konfidenzintervall 0,62 bis 1,61) [s35]. Tierversuche zeigen fast durchgehend Hodenschäden, überwiegend nach einer einmaligen hohen Dosis, die der Dauertherapie beim Menschen nicht entspricht.
TNF-Blocker zeigen in kleinen prospektiven Studien unveränderte oder verbesserte Samenwerte gegenüber dem unbehandelten Zustand [s248, s225, s221, s66]. Das passt zur Deutung, dass die Entzündungshemmung der Spermienqualität zugutekommt, ist aber nicht für sich bewiesen. Registerdaten zu den Kindern sind unauffällig bei breiten Konfidenzintervallen [s200, s118].
Die Krankheiten selbst. Bei Zöliakie zeigt die große schwedische Registerstudie eine unveränderte Kinderzahl (Hazard Ratio 1,02; 0,99 bis 1,04) [s243]. Bei CED ist die Fertilität auf Bevölkerungsebene nur leicht vermindert (Hazard Ratios 0,92 bis 0,95) [s96]. Bei Psoriasis und Rheuma finden mehrere Studien niedrigeres Testosteron, das häufig mit Entzündungsmarkern und Übergewicht zusammenhängt, aber kaum Spermiendaten; eine große norwegische Registerstudie fand bei Männern mit Psoriasisarthritis, rheumatoider Arthritis und axialer Spondyloarthritis sogar weniger Kinderlosigkeit als bei Kontrollen [s33].
Kinder und Leitlinien. Die großen Registerstudien messen nicht die Spermien, sondern die Kinder. In einer taiwanischen Kohorte mit 42.493 Geburten von Vätern mit rheumatischen Erkrankungen zeigten Methotrexat und TNF-Blocker keinen Anstieg der Fehlbildungen, Azathioprin und Nicht-TNF-Biologika dagegen schon [s32]. Die EULAR-Empfehlungen führen für Männer Methotrexat, Sulfasalazin und TNF-Blocker unter den verträglichen Optionen [s30]; die Evidenz dahinter ist dünn, und nur ein Drittel der verglichenen Leitlinien äußert sich überhaupt zur männlichen Fertilität [s17].
Grenzen. Ein großer Teil der Befunde stammt aus Tierversuchen (grob ein Drittel der Quellen), viele aus Übersichten, die einander zitieren. Die nicht englischsprachige Literatur ergänzt die englische kaum. Bei Zöliakie, Psoriasis und Rheuma ist die Datenlage für den Mann am dünnsten.
Stand 4. Oktober 2026
Inhaltsverzeichnis
Die Studie ist in 23 Kapitel gegliedert, jedes mit eigener Seite. Der Text ist derselbe wie in der Markdown-Fassung, nur nach Kapiteln getrennt.
Mit Kapitel 1 beginnen: Das Wichtigste in Kürze
- 1Das Wichtigste in Kürze1.092 Wörter
- 2Aufbau und Methodik dieser Studie941 Wörter
- 3Hintergrund2.629 Wörter
- Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
- Studienlage: Beobachtungsstudien
- 6Lesehilfe: Fragestellungen, Vergleichsgruppen und typische Schwächen bis Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen als Erkrankung3.580 Wörter
- 7Sulfasalazin und Mesalazin bis Methotrexat5.730 Wörter
- 8TNF-Blocker (Infliximab, Etanercept, Adalimumab, Golimumab) und Psoriasis und Psoriasis-Arthritis als Erkrankung4.173 Wörter
- 9Rheumatische Erkrankungen (rheumatoide Arthritis, Spondyloarthritis, Lupus) bis Gesamtbilanz der Beobachtungsstudien4.898 Wörter
- Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche
- 13Mechanismen und biologische Plausibilität1.792 Wörter
- 14Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität3.433 Wörter
- Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt
- 15Englisch bis Chinesisch6.135 Wörter
- 16Japanisch bis Türkisch4.909 Wörter
- 17Widersprüche und ihre mögliche Erklärung4.678 Wörter
- 18Limitationen der Evidenz1.682 Wörter
- 19Offene Forschungsfragen972 Wörter
- 20Praktische Einordnung788 Wörter
- 21Glossar690 Wörter
- 22Quellenverzeichnis (Teil 1 von 2)5.890 Wörter
- 23Quellenverzeichnis (Teil 2 von 2)5.862 Wörter
Anhang
- +Diagramme42 Diagramme
- +Quellen s01–s148148 von 311 Quellen
- +Quellen s149–s311163 von 311 Quellen
- +Prüfprotokoll der Quellenkontrolle
Häufige Fragen
Beeinträchtigt Zöliakie die Spermienqualität?
Dazu gibt es nur wenige Daten. Eine große schwedische Registerstudie fand bei 7.121 Männern mit gesicherter Zöliakie eine unveränderte Kinderzahl. Zwei kleine Samenstudien mit 28 und 10 Männern zeigten Auffälligkeiten bei Morphologie, Beweglichkeit, Chromatin und Vitalität. Die Kinderzahl ist ein grobes Maß, und die Samenqualität ist nur sehr schwach belegt.
Haben Männer mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa schlechtere Spermien?
Die Ergebnisse widersprechen sich. Bei 29.104 schwedischen Männern mit CED war die Fertilität auf Bevölkerungsebene nur leicht vermindert. Eine Studie fand bei 55 Männern keinen Unterschied der Samenwerte, eine andere bei 50 Männern in Remission deutlich schlechtere Werte. Bei schwerer aktiver Erkrankung war die Beweglichkeit niedriger. Alle Samenstudien sind klein.
Kann Sulfasalazin die Spermienzahl senken?
Sulfasalazin hat die dichteste Evidenz für eine Schädigung. Fallserien und kleine Kohorten aus den Jahren 1979 bis 1989 beschrieben Oligospermie, verminderte Beweglichkeit und veränderte Formen, die sich nach dem Absetzen oder dem Wechsel auf Mesalazin besserten. Verantwortlich gemacht wird der Bestandteil Sulfapyridin. Moderne kontrollierte Studien fehlen, die Häufigkeit unter heutigen Dosierungen ist unklar.
Schadet Methotrexat den Spermien?
In kleinen prospektiven Studien mit 14 bis 40 Männern zeigte sich überwiegend keine statistisch gesicherte Veränderung der Standardwerte. Eine Mini-Serie mit sieben Männern fand erhöhte DNA-Schäden. Registerstudien und eine Metaanalyse fanden bei Kindern von Vätern unter Methotrexat keine erhöhte Fehlbildungsrate. Wegen der kleinen Gruppen ist ein fehlender Unterschied kein Beleg für Unbedenklichkeit.
Wie wirken sich TNF-Blocker auf die Spermienqualität aus?
Kleine prospektive Studien fanden unter TNF-Blockern unveränderte oder verbesserte Samenwerte im Vergleich zum unbehandelten Zustand. Das passt zur Deutung, dass die Entzündungshemmung der Spermienqualität zugutekommt, ist aber nicht bewiesen. Eine Studie sah unter Infliximab einen Trend zu geringerer Beweglichkeit. Registerdaten zu den Kindern sind bei breiten Konfidenzintervallen unauffällig.
Ist die Spermienqualität bei Psoriasis oder Rheuma vermindert?
Das ist unsicher. Bei beiden Erkrankungen fanden mehrere Studien niedrigeres Testosteron, das oft mit Entzündungsmarkern und Übergewicht zusammenhängt. Spermiendaten sind selten; eine Fall-Kontroll-Studie mit 50 Männern mit Psoriasis fand schlechtere Werte. Eine norwegische Registerstudie fand bei Männern mit Rheuma sogar weniger Kinderlosigkeit als bei Kontrollen.
Liegt es an der Krankheit oder an den Medikamenten?
Das lässt sich mit den vorliegenden Studien kaum trennen. Die meisten Samenstudien vergleichen mit gesunden Freiwilligen, nicht mit gleich kranken Männern ohne Medikament. Krankheitsaktivität, Operationen, Körpergewicht und frühere Medikamente überlagern sich. Die einzige randomisierte, placebokontrollierte Studie betrifft den JAK-Hemmer Filgotinib und fand nach 13 Wochen keinen Unterschied.
Wie verlässlich ist die Studienlage insgesamt?
Sie ist dünn. Ausgewertet wurden 311 Quellen, überwiegend anhand von Abstracts. Grob ein Drittel sind Tierversuche, die sich schlecht übertragen lassen. Die klinischen Samenstudien umfassen meist 7 bis 50 Männer, und für keine der vier Krankheitsgruppen liegt ein großer kontrollierter Versuch mit Spermienwerten vor. Die Studie gibt keine Therapieempfehlung.