Für keine der betrachteten Substanzen gibt es beim Menschen eine Studie, die verschiedene Dosen systematisch vergleicht und daraus eine Dosis-Wirkungs-Kurve ableitet. Aussagen zur Dosis stützen sich auf den Vergleich verschiedener Studien, auf Tierversuche mit Dosisstufen und auf Korrelationen mit der Krankheitsschwere. Die Ergebnisse dieses Abschnitts beschreiben, was berichtet wird; sie sind keine Dosierungsempfehlung.
Dosis beim Menschen und im Tier
| Substanz | Dosis in den Humanstudien | Dosis in den Tierversuchen | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Sulfasalazin | 2 bis 4 g täglich (Toovey) [s305]; 3 g täglich über mehr als 6 Monate (Ragni) [s296]; mindestens 5 Jahre (Cosentino) [s293] | Ratte 150 bis 600 mg/kg über 14 Tage [s278]; 300 und 600 mg/kg über 28 Tage [s274]; 500 mg/kg über 60 Tage (Schwelle für signifikante Veränderung) [s279]; 600 mg/kg über 28 Tage [s262] | Tierdosen deutlich höher je Körpergewicht; im Tier dosisabhängig und reversibel [s295] |
| Mesalazin | Umstellungsstudien über mindestens 3 bis 4 Monate [s288, s287]; Beschichtung mit Dibutylphthalat im Crossover [s201] | keine Arbeit | Effekt des Beschichtungsstoffs, nicht des Wirkstoffs |
| Azathioprin, Mercaptopurin | 1,5 bis 2 mg/kg, mindestens 3 Monate, Beobachtung bis 49 ± 14 Monate [s273] | Maus 0,5 mg/kg täglich Mercaptopurin [s65]; Nager 2- bis 20-fache Humanäquivalenzdosis [s173] | Registerstudien ohne Dosisangaben |
| Methotrexat | unter 15 mg pro Woche über 6 Monate [s46]; 7,5 bis 30 mg pro Woche [s240]; Methotrexat unter 25 mg pro Woche als Evidenzangabe in der russischen EULAR-Fassung [s40] | einmalig 20 mg/kg bis 30 mg/kg [s242, s59]; wiederholt 0,5 bis 1 mg/kg über 4 Wochen [s117, s108]; 0,7 mg/kg wöchentlich über 6 Wochen [s276]; Maus 5 bis 40 mg/kg wöchentlich [s254]; 20 mg/kg täglich an fünf Tagen [s16] | Die meisten Tierdosen sind akute Hochdosismodelle, die der Dauertherapie bei Psoriasis oder Rheuma nicht entsprechen |
| TNF-Blocker | übliche klinische Dosierung, in den Abstracts nicht aufgeschlüsselt | in vitro Infliximab 400 µg/ml [s264]; Etanercept 100 und 200 µg/ml schützend, 800 bis 2.000 µg/ml schädigend [s188]; Ratte Infliximab 5 und 7 mg/kg wöchentlich [s149], Etanercept 5 bis 15 mg/kg alle drei Tage [s90] | Tierversuche mit TNF-Blockern sind keine Krankheitsmodelle |
| Filgotinib | 200 mg täglich über 13 Wochen [s81] | nicht Gegenstand | randomisiert, kein Effekt |
| Upadacitinib | 45 mg täglich, später 30 mg oder 15 mg [s05] | nicht Gegenstand | betrifft die Ejakulatfarbe, nicht Spermienwerte |
| Cyclophosphamid (Kontext) | intravenös, bei Lupus [s198] | nicht Gegenstand | Abfall der Konzentration um 64,3 Mio/ml (KI 39,01 bis 89,65); laut EULAR dosisabhängig irreversibel [s30] |
| Tripterygium-Glykoside (Kontext) | nicht Gegenstand | Ratte 12 mg/kg über 12 Wochen [s95] | klinisch äquivalent angegeben |
Sulfasalazin. Die Tierdaten sind die einzigen, die eine Dosisabhängigkeit zeigen. O'Moráin sah bei Ratten eine dosisabhängige, reversible Verkleinerung der Würfe unter Sulfasalazin und Sulfapyridin [s295]. Sharma fand signifikante Veränderungen von Beweglichkeit und Fertilität erst bei 500 mg/kg über 60 Tage [s279]; Hoyt sah nach 14 Tagen (150 bis 600 mg/kg) die Hodenhistopathologie als empfindlichsten Endpunkt, mit leicht gesenkter Fertilität bei 600 mg/kg nach Therapieende [s278]. Horimoto fand bei 300 und 600 mg/kg verminderte progressive Motilität bei unveränderter Zahl [s274]; Fukushima zeigte, dass Beweglichkeit und Akrosomreaktion schon nach 7 Tagen vermindert sind [s256]. Beim Menschen berichten die Serien Sulfasalazin-Dosen von 2 bis 4 g und 3 g täglich; einen Vergleich verschiedener Dosen enthalten sie nicht [s305, s296]. Birnie fand bei 21 Patienten einen abnormen Samenbefund bei 86 % und eine Oligospermie bei 72 % [s302]; Riley zählte in 48 Proben 39,6 % mit Oligospermie, 41,7 % mit mehr abnormen Formen und 91,7 % mit verminderter Beweglichkeit [s288]. Der Anteil betroffener Männer reicht damit in den Serien von „18 von 28“ bis nahezu allen [s305, s302, s296]. Diese Streuung hängt von Auswahl, Dauer und Indikation ab und ist nicht als Dosis-Wirkung lesbar. Toovey spricht von einer möglicherweise universellen Wirkung, was über die unkontrollierten Daten hinausgeht [s305]. Die Metaanalyse von Banerjee berichtet gegenüber Mesalazin niedrigere Spermienzahl und Beweglichkeit und höheres Oligospermie-Risiko; die im Umbrella-Review genannten Werte (mittlere Differenz der Spermienzahl minus 28,31 × 10^6) beruhen auf vier Studien [s143, s14].
Methotrexat. Beim Menschen finden vier prospektive Studien mit üblichen niedrigen Wochendosen keine signifikante Abnahme von Spermienzahl oder Beweglichkeit [s46, s19, s99, s80]; die DNA-Schäden der kleinen Serie von Ley sind nicht bestätigt [s169]. Die Tiermodelle zeigen Dosisabhängigkeit bei Mäusen (5 bis 40 mg/kg wöchentlich: weniger Spermien, mehr Kopfanomalien) [s254], bei Ratten nach wiederholter niedriger Gabe Asthenospermie und Pathospermie bei erhaltener Zeugungsfähigkeit [s108], und bei hoher Einzeldosis Keimepithelschäden mit Zeitverlauf (Hodenmasse minus 13,07 % an Tag 7, minus 7,91 % an Tag 30) [s174]. Mit 20 mg/kg einmalig fanden sich in einer Ratten-Studie 58,5 ± 3,7 % der Kanälchen mit abgelöstem Keimepithel, 10,8 ± 2,1 % atrophisch und 2,0 ± 0,6 % degeneriert [s252]. Diese Zahlen sind nicht auf Menschen mit Wochendosen von unter 15 bis 25 mg übertragbar; die Autoren der Übersicht von Jensen halten fest, bei immunsuppressiven Dosen seien beim Menschen vorübergehende Effekte beschrieben, bei zytotoxischen Dosen im Tier ausgeprägte Wirkung [s115].
TNF-Blocker. In vitro ist die Wirkung dosisabhängig und zweiphasig: Etanercept in 100 und 200 µg/ml blockierte die TNF-Toxizität, in 800 bis 2.000 µg/ml schädigte es selbst [s188]. Die im Samen gemessenen Wirkstoffspiegel waren vernachlässigbar [s147]. Eine Dosis-Wirkungs-Studie am Menschen gibt es nicht.
Dosis und Krankheitsschwere. Deutlicher als die Arzneimitteldosis sind die Gradienten der Krankheitsschwere. Im Mayo-Score der Colitis ulcerosa zeigte sich bei 120 Männern ein Gradient (Spermienkonzentration r = minus 0,375; schnelle progressive Beweglichkeit r = minus 0,660; freies Testosteron r = minus 0,732; Gesamttestosteron r = minus 0,721; jeweils P < 0,0001), bei 59 Männern verschlechterten sich Beweglichkeit und Morphologie mit dem Grad der Rektalblutung (Grad 3: progressive Spermien 24,81 ± 5,85 %) [s51, s71]. Beim Psoriasis-Schweregrad PASI korrelierte das Testosteron negativ (r = minus 0,29 bei Psoriasis-Arthritis; PASI ≥ 10 auch ohne metabolisches Syndrom) [s43, s140]; bei Psoriasis-Arthritis war die Aktivität nach DAPSA bei Männern mit Testosteronmangel höher (Median 44,0 gegen 28,3; p = 0,027) [s43]. Bei SpA korrelierten Hormonstörungen mit der Krankheitsaktivität [s225]. Bei rheumatoider Arthritis und AS bestand dagegen in der russischen Serie kein Zusammenhang des Testosterons mit Stadium und Aktivität [s68, s44]. Die Studien sind Querschnitte, nicht auf Medikamente adjustiert und von Stoffwechselmerkmalen überlagert.
Reversibilität und Zeitverlauf
Die Spermatogenese dauert rund 74 Tage (Angabe im Volltext der taiwanischen Registerstudie, die danach ihr Expositionsfenster von 38 bis 60 Wochen vor dem errechneten Termin wählte) [s32]. Die Reversibilitätsangaben in den Studien bewegen sich entsprechend im Bereich von Wochen bis Monaten.
| Substanz | Quelle | Zeit bis zur Besserung nach Absetzen oder Wechsel | Befund |
|---|---|---|---|
| Sulfasalazin | Levi 1979 [s308] | rasch (keine Zahl im Abstract) | alle vier Patienten besser; drei Partnerinnen wurden viermal schwanger; Wiedereinführung verschlechterte rasch bei zwei |
| Sulfasalazin | Toth 1979 [s309] | innerhalb von drei Monaten | drei Patienten deutliche Besserung und Schwangerschaften |
| Sulfasalazin | Toovey 1981 [s305] | mehr als zwei Monate Pause | Besserung; 10 Schwangerschaften nach dem Absetzen |
| Sulfasalazin | O'Moráin 1984 [s295] | Schwangerschaften im Median 2,5 Monate nach Absetzen | reversibel; 15 Schwangerschaften |
| Sulfasalazin | Cosentino 1984 [s293] | nach Absetzen umkehrbar (Dauer im Abstract nicht genannt) | Kontrollvergleich |
| Sulfasalazin zu Mesalazin | Riley 1987 [s288] | mindestens drei Monate | Zahl p < 0,02, Beweglichkeit p < 0,001, Morphologie p < 0,02; vier Schwangerschaften |
| Sulfasalazin zu Mesalazin | Zelissen 1988 [s287] | vier Monate | Zahl p < 0,01, Morphologie und Beweglichkeit p < 0,02; drei Schwangerschaften |
| Sulfasalazin zu Mesalazin | Kjaergaard 1989 [s283] | Dauer im Abstract nicht berichtet | Beweglichkeit signifikant besser (acht Männer) |
| Sulfasalazin (koreanische Übersicht, aus zweiter Hand) | [s133] | drei Monate | alle Fruchtbarkeitsparameter gebessert |
| Mesalazin | Chermesh 2004 [s267] | nach dem Absetzen normalisiert; nach Wiederbeginn erneut Verschlechterung | Einzelfall |
| Mesalazin | Shin 2014 [s226] | bei sechs Absetzenden (Dauer nicht berichtet) | Beweglichkeit und Zahl beweglicher Spermien p < 0,05; vier Schwangerschaften |
| Methotrexat | Sussman 1980 [s306] | nach Absetzen reversibel | ein Mann mit schwerer Oligospermie in zwei Therapiephasen |
| Methotrexat | Jensen 2021 [s115] | innerhalb von drei Monaten | Rückkehr der Spermienparameter zu Referenzwerten (Übersicht, 25 Humanstudien) |
| Methotrexat | Grosen 2022 [s99] | gepaarte Proben, 5 Patienten | progressive Beweglichkeit aus der Therapie 65,0 % gegen 45,0 % unter Therapie (p = 0,04) |
| Methotrexat | Zarén 2023 [s85] | Absetzen mindestens zwei Jahre vor der Zeugung | Bedarf an Spermieninjektion nicht erhöht (OR 0,9; 0,4 bis 1,9) gegenüber OR 3,9 insgesamt |
| Methotrexat (Tier) | Anafarta 1997 [s276] | nicht gemessen | Umkehrbarkeit aus Schonung der Spermatogonien gefolgert |
| Methotrexat (Tier) | Kashchenko 2018 [s174] | Tag 7, 15, 30 | Abnahme der Hodenmasse wird kleiner (13,07, 10,78, 7,91 %), mögliche beginnende Erholung |
| Thiopurin (Tier) | Yokota 2024 [s65] | 12 Wochen | Hodenatrophie bildete sich zurück |
| Etretinat | Takahashi 1987 [s289] | nach 8 Monaten noch Hemmung der Spermatogenese | Einzelfall mit Varikozele |
| Upadacitinib | Lee 2026 [s05] | Dosisreduktion oder Absetzen | Rückbildung der Ejakulatverfärbung; Spermaanalyse unauffällig |
| Filgotinib | Reinisch 2023 [s81] | Überwachung von 52 Wochen für Männer mit Konzentrationsabfall um mindestens 50 % | keine Muster der Reversibilität zwischen den Armen |
| Cyclophosphamid | EULAR 2024 [s30, s29] | dosisabhängig, irreversibel | einziges Mittel mit irreversibler Infertilität |
Aus diesen Angaben lassen sich drei Aussagen ableiten. Erstens zeigen alle Sulfasalazin-Arbeiten eine Rückbildung innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten, passend zur Dauer der Spermatogenese; ein dauerhafter Schaden wurde in diesen Serien nicht berichtet, aber auch nicht gezielt über lange Zeit nachverfolgt. Zweitens stützt sich die Aussage der Reversibilität bei Methotrexat auf eine Übersicht, einen Einzelfall, eine kleine gepaarte Probe und die registerbasierte Beobachtung bei Männern mit mindestens zweijähriger Pause; beim Tier wird sie aus der Schonung der Stammzellen gefolgert. Drittens sind die Angaben zur Reversibilität bei TNF-Blockern kaum vorhanden, weil unter TNF-Blockern meist keine Verschlechterung vorlag [s248, s225, s66, s147]. Die tatsächlich gemessene Zeit bis zur Erholung ist in den Arbeiten selten genannt; Semet und Mitarbeiter und die Aktualisierung 2026 führen Sulfasalazin, Azathioprin, Mycophenolat und Methotrexat unter den Stoffen auf, bei denen ein irreversibler Einfluss auf Samenparameter oder Spermien-DNA möglich sei, und schlagen für diese eine Kryokonservierung vor [s189, s03]. Grosen sehen dafür bei Methotrexat keinen Beleg [s99]. Beide Positionen sind in der Literatur vertreten; die vorhandenen Studien sind zu klein, um sie zu entscheiden.
Registerdaten zu den Kindern: Ergebnisse im Überblick
Die folgende Übersicht stellt die Effektschätzer der großen Registerstudien zur väterlichen Exposition vor der Zeugung dar (Fehlbildungen; Odds Ratio oder relatives Risiko mit 95-%-Konfidenzintervall; 1 bedeutet keinen Unterschied).
| Exposition | Studie (Land, Zahl der exponierten) | Ergebnis |
|---|---|---|
| Methotrexat | Weber-Schoendorfer 2014 (113 Schwangerschaften) [s228] | 1,02 (0,05 bis 7,0) |
| Methotrexat | Eck 2017 (Dänemark, 127 Geburten, adjustiert) [s179] | 1,01 (0,37 bis 2,74) |
| Methotrexat | Winter 2017 (Dänemark, 193 Kinder) [s193] | 1,10 (0,57 bis 2,13) |
| Methotrexat | Meserve 2021 (USA, 171 Väter) [s118] | 0,67 (0,21 bis 1,55) |
| Methotrexat | Zarén 2023 (Schweden, 223 Kinder, adjustiert) [s85] | 1,1 (0,4 bis 2,6) |
| Methotrexat | Shao 2025 (Taiwan, 1.045 Väter) [s32] | 0,88 (0,78 bis 0,99) |
| Methotrexat | Uysal 2025 (Metaanalyse) [s35] | 1,00 (0,62 bis 1,61) |
| Methotrexat | Goto 2026 (Metaanalyse) [s02] | 0,94 (0,38 bis 2,33) |
| Thiopurine | Nørgård 2004 (54 Schwangerschaften) [s268] | 1,8 (0,7 bis 5,0) |
| Thiopurine | Nørgård 2017 (699 Kinder) [s187] | 0,82 (0,53 bis 1,28) |
| Thiopurine | Meserve 2021 (461 Väter) [s118] | 1,12 (0,66 bis 1,76) |
| Thiopurine | Simsek 2018 (Metaanalyse) [s173] | 1,32 (0,75 bis 2,34) |
| Azathioprin | Shao 2025 (Taiwan) [s32] | 1,47 (1,31 bis 1,65) |
| Sulfasalazin | Shao 2025 (Taiwan, 3.771 Väter) [s32] | 0,83 (0,76 bis 0,91) |
| TNF-Blocker | Meserve 2021 (1.082 Väter) [s118] | 1,14 (0,81 bis 1,57) |
| TNF-Blocker | Shao 2025 (118 Väter) [s32] | 0,93 (0,68 bis 1,28) |
| TNF-Blocker | Goto 2026 (Metaanalyse) [s02] | 1,30 (0,28 bis 6,14) |
| Biologika ohne TNF-Wirkung | Meserve 2021 (132 Väter) [s118] | 1,75 (0,80 bis 3,24) |
| Biologika ohne TNF-Wirkung | Shao 2025 [s32] | 1,69 (1,48 bis 1,93) |
| Zielgerichtete synthetische Mittel | Shao 2025 (5 Väter) [s32] | 5,19 (2,33 bis 11,39) |
| Väterliche Zöliakie ohne Medikamente | Zugna 2014 (6.002 Kinder) [s230] | 1,14 (1,00 bis 1,29) |
Bei den Expositionsfenstern unterscheiden sich die Studien: Eck erfasste Methotrexat in den 90 Tagen vor der Schwangerschaft [s179], Friedman die Exposition innerhalb von drei Monaten vor der Konzeption [s182], Shao ein Fenster von 38 bis 60 Wochen vor dem errechneten Termin [s32]. Die taiwanischen Punktschätzer unter 1 für Methotrexat und Sulfasalazin bei Fehlbildungen sowie die starken Signale für Azathioprin, Nicht-TNF-Biologika und zielgerichtete Mittel (letztere auf fünf Vätern) wurden von den Autoren selbst mit Verzerrung durch die Behandlungsindikation und kleinen Ereigniszahlen in Verbindung gebracht; Verschreibungen belegen nicht die Einnahme. Weil die Samenqualität nicht gemessen wird, sagen diese Daten nur indirekt etwas über Spermien.
Subgruppen
Die Literatur erlaubt nur wenige echte Subgruppenanalysen; häufiger sind Vergleiche zwischen Studien oder zwischen Untergruppen derselben Studie ohne Korrektur für Mehrfachtests. Die folgende Tabelle stellt zusammen, welche Untergruppen in den Arbeiten unterschieden wurden und was sich zeigte.
| Subgruppe | Befund | Quelle | Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Morbus Crohn gegenüber Colitis ulcerosa | Konzentration Median 34,5 gegen 70 Mio/ml (P = 0,02); weniger Zink im Samen bei Crohn | Valer 2017 [s192] | Querschnitt |
| Geburten HR 0,95 (Crohn), 0,93 (Colitis), 0,92 (unklassifiziert) | Druvefors 2022 [s96] | Kinderzahl als Maß | |
| Fertilität bei Crohn um 18 bis 50 % vermindert, bei Colitis nicht | Tavernier 2013 [s234] | Autoren sehen freiwillige Kinderlosigkeit | |
| klinische Schwangerschaft nach assistierter Reproduktion: Crohn OR 0,58 (0,34 bis 0,97), Colitis OR 0,91 (0,59 bis 1,40) | Friedman 2025 [s20] | eine von sechs Analysen signifikant | |
| erektile Dysfunktion: Crohn OR 1,085 (1,015 bis 1,160), Colitis OR 1,018 (0,917 bis 1,129) | Chen 2024 [s49] | genetische Schätzung, Sexualfunktion | |
| Prävalenz erektiler Dysfunktion 36,3 % (Crohn) gegen 26,8 % (Colitis) | Li 2019 [s150] | chinesische Metaanalyse, 9 Studien | |
| Krankheitsaktivität | schwere aktive CED: progressive Beweglichkeit 28,4 %, in Remission 37,4 % (p = 0,045) | Grosen 2019 [s147] | 20 Patienten |
| Mayo-Score korreliert mit Samen- und Hormonwerten | Darmadi 2024 [s51] | keine Kontrollgruppe | |
| Testosteron: Aktivität nur univariat (P = 0,02), nicht multivariat (P = 0,06) | Judge 2025 [s22] | 85 Männer | |
| Schleimhautheilung, Remission und Medikation nicht mit erektiler Dysfunktion verbunden | Furukawa 2023 [s74] | nur SHIM-Fragebogen | |
| Remission | Samenparameter unverändert gegenüber Kontrollen | Martin 2017 [s186] | 55 Männer |
| alle Parameter niedriger, DNA-Fragmentierung 28,9 % gegen 14,6 % | Wdowiak 2021 [s124] | 50 Männer; widersprüchlich zu Martin | |
| Operation | Kolektomie: HR 0,89 (0,85 bis 0,94), unabhängig von der Rekonstruktion | Druvefors 2023 [s72] | Register |
| Behandelte gegenüber unbehandelter Zöliakie | Geburtsgewicht bei unbehandelter väterlicher Zöliakie minus 3 g (KI minus 46 bis 40), bei behandelter minus 81 g (minus 161 bis minus 3) | Khashan 2010 [s244] | Register |
| erhöhtes Kaiserschnittrisiko bei undiagnostizierter väterlicher Zöliakie (OR 1,83; 1,13 bis 2,95) | Ludvigsson 2006 [s258] | Register | |
| Zeitraum der Geburt | Fehlbildungen bei Vätern mit Zöliakie OR 1,14, bei Geburten seit 2000 OR 1,01 (0,81 bis 1,26) | Zugna 2014 [s230] | Register |
| Genotyp (Nudt15) | Hodenatrophie unter Mercaptopurin genotypabhängig | Yokota 2024 [s65] | Maus |
| Acetylierer-Phänotyp | erklärt den Sulfasalazin-Effekt nicht | Toovey 1981; Wu 1989 [s305, s285] | sehr kleine Studien |
| Vorbehandlung mit Anti-TNF | Männer mit Crohn unter Anti-TNF: progressive Beweglichkeit 56,7 gegen 35,1 %, Morphologie 14,4 gegen 7,6 % | Valer 2017 [s192] | Querschnitt |
| bei 10 von 11 Patienten ohne Anti-TNF Auffälligkeiten, schlechtere Beweglichkeit und Vitalität (je p = 0,001) gegenüber 15 unter Therapie | Villiger 2010 [s248] | verschiedene Personen | |
| Begleitmedikation | Sulfasalazin bei 5 Patienten unter Azathioprin ging mit schlechterer Morphologie einher | Dejaco 2001 [s273] | n = 5 |
| alle 11 Patienten mit Sulfasalazin plus Methylprednisolon pathologisch, höherer Aktivitätsindex | Karbach 1982 [s301] | n = 11 | |
| Väter mit konventionellen DMARD allein oder in Kombination mit Biologika: Fehlbildungen OR 1,71 (1,47 bis 2,00) | Shao 2025 [s32] | Behandlungsindikation | |
| Alter | ab 63 Jahren: erektile Dysfunktion OR 12,93 (4,51 bis 43,00), schwere Form OR 9,02 (3,66 bis 23,91) | Furukawa 2023 [s74] | sehr weite KI |
| Varikozele | Spondylitis 40 % gegen 8 % (p = 0,027); normale Formen 13,5 gegen 22 % (p = 0,049) bei Varikozele | Nukumizu 2012 [s239] | 20 und 24 Männer |
| klinische Varikozele 52 % gegen 20 % | Ozgocmen 2002 [s272] | 21 Männer | |
| Psoriasis-Untertyp | vulgaris OR 1,137, Arthritis 1,112, guttata 1,041 | Ma 2025 [s24] | Egger und Median überwiegend nicht signifikant |
| Krankheit gegenüber Medikament bei Psoriasis | nur 14,8 % mit Normozoospermie zu Beginn, keine negative Therapiewirkung | Heppt 2017 [s185] | 27 Patienten |
| Geschlecht der Eltern | Kinder von Vätern, nicht von Müttern mit Psoriasis: aHR 3,69 für Psoriasis; ungünstige Geburtsmaße nur bei mütterlicher Psoriasis | Huang 2023 [s77] | Diagnosedaten |
| Beratung | nur 10,3 % der Männer unter Anti-TNF beraten; Kryokonservierung 5,77 % mit gegen 1,10 % ohne Beratung (p = 0,002) | Cooley 2020 [s127] | Befragung |
| Alter der Tiere | DSS-Kolitis bei juvenilen Tieren ausgeprägter; Sulfasalazin in Trächtigkeit: Hodenveränderungen in Kindheit und Pubertät, im Erwachsenenalter keine Spermienstörung | Parmar 2014, Xiao 2022; Forcato 2023 [s224, s105, s73] | Tier |
| Gesund gegenüber krank (Tier) | nur eine Arbeit prüft die Wechselwirkung von Arthritis und Methotrexat | Soboleva 2019 [s159] | unreife Tiere, Abstract ohne Zahlen |
| Bevölkerung | genetische Studien verwenden überwiegend europäische Daten | Wang 2024, Sun 2026, Ma 2025 [s62, s12, s24] | keine Aussage zu Ostasien |
Mehrere Muster fallen auf. Der Unterschied zwischen Crohn und Colitis ulcerosa ist in der Konzentration und in den Registerdaten angedeutet, aber in der Größe klein (Hazard-Ratios 0,92 bis 0,95); er wird von Teilen der Autoren der freiwilligen Kinderlosigkeit zugeschrieben [s234, s96]. Die Befunde zur Krankheitsaktivität sind in jeder Studie, die sie berücksichtigt, eher deutlich als die zur Medikation, aber nur wenige Studien betrachten Aktivität und Medikation gleichzeitig. Die gepaarten Designs (Probe an und aus Therapie beim selben Mann) sind die einzigen, die beides trennen; sie umfassen 5 bis 19 Männer [s148, s147, s99, s80]. Drittens sind die Vergleichsgruppen uneinheitlich (gesunde Freiwillige bei Grosen, Männer aus Fertilitätszentren bei Ley); in der Studie von Villiger hatten auch 102 gesunde Kontrollen Auffälligkeiten, in der von Micu hatten die Kontrollen mehr unbewegliche Spermien und mehr Kopf- und Flagellum-Anomalien als die Patienten [s248, s221].
Was sich über Dosis, Subgruppen und Reversibilität sagen lässt
Für Sulfasalazin liegen die stärksten Hinweise auf eine behandlungsbedingte, umkehrbare Beeinträchtigung vor, im Mittel mit Rückbildung innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten und im Tier mit Dosisabhängigkeit. Für Methotrexat in üblichen niedrigen Wochendosen sind die vier prospektiven Studien am Menschen (7 bis 40 Männer) überwiegend unauffällig, bei einer kleinen Serie mit erhöhter DNA-Fragmentierung; Tierversuche sind bei hohen Einzeldosen eindeutig, bei wiederholten niedrigen Dosen weniger ausgeprägt, mit erhaltener Zeugungsfähigkeit. Für TNF-Blocker finden die Studien unveränderte oder verbesserte Samenparameter, was nicht von der Entzündungshemmung trennbar ist. Für Thiopurine ist die Beweglichkeit in einer Studie vermindert. Für Zöliakie liegen zwei kleine Samenstudien vor. Die Grenzen sind dieselben für alle Abschnitte: kleine Gruppen, fehlende Kontrollgruppen mit kranken, unbehandelten Männern, meist kurze Beobachtungsdauer (3 bis 6 Monate; 13 Wochen entsprechen einem Spermatogenesezyklus), Abstracts ohne Effektgrößen und Konfidenzintervalle in vielen klinischen Studien (Ausnahmen: die Filgotinib-Studie und die ROC-Flächen), überlappende Kohorten in der russischen Serie und die Vermischung von Krankheitsaktivität, Körpergewicht und Medikation. Nicht erreichbar waren arabischsprachige Quellen (Datenbanken nicht zugänglich), die chinesischen Datenbanken CNKI und Wanfang, die koreanischen KCI, DBpia und RISS sowie Cairn, SciELO und LILACS; die Abdeckung der Sprachräume ist deshalb unvollständig. Die Aussagen beruhen allein auf den zitierten Veröffentlichungen. Dieses Kapitel gibt keine Therapieempfehlung. Wo Leitlinien Aussagen treffen, sind sie als solche wiedergegeben; eine Behandlungsentscheidung erfordert ärztliche Beratung auf Basis der individuellen Situation.