TNF-Blocker (Infliximab, Etanercept, Adalimumab, Golimumab)
Alle prospektiven Studien am Menschen sind klein (10 bis rund 50 Männer). Sie finden überwiegend unveränderte oder verbesserte Samenparameter unter TNF-Blockern gegenüber dem unbehandelten Zustand. Die Beobachtung erklärt sich zwanglos durch die Entzündungshemmung, ist aber damit nicht bewiesen. Eine Studie zeigte unter Infliximab vorübergehend schlechtere Beweglichkeit. Registerdaten zu Kindern sind unauffällig, bei breiten Konfidenzintervallen.
Laborbefunde. Said und Mitarbeiter 2005 (Ejakulate von 31 Spendern) fanden einen dosis- und zeitabhängigen Qualitätsverlust der Spermien unter TNF-alpha, den Infliximab (400 µg/ml) aufhob [s264]. Pascarelli und Mitarbeiter 2017 sahen dies in vitro für TNF-alpha (300 und 500 ng/ml) ebenso wie für hohe Etanercept-Konzentrationen (800 bis 2.000 µg/ml), während Etanercept in Konzentrationen von 100 und 200 µg/ml die TNF-Toxizität blockierte [s188]. Suominen und Mitarbeiter 2004 zeigten in Rattensamenkanälchen das Gegenteil für die Keimzellen: TNF-alpha fördert ihr Überleben, Infliximab blockiert dies [s269]. Sosnin und Mitarbeiter 2024 (Perm/Ufa; 70 Männer: 18 mit Azoospermie, 18 mit Oligoasthenozoospermie, 34 mit normalem Spermiogramm): TNF-alpha im Serum 2,75 ± 2,18 pg/ml, im Seminalplasma 7,01 ± 5,98 pg/ml (2,55-fach höher; p < 0,00001); der Unterschied bestand zwischen Oligoasthenozoospermie und Kontrolle, nicht zwischen Azoospermie und Kontrolle; keine Korrelation von Serum- und Seminalplasma-TNF (R = 0,295) und keine von TNF mit Spermienzahl (R = minus 0,028); es waren keine Patienten mit Autoimmunerkrankung [s60].
Spondyloarthritis (SpA, ankylosierende Spondylitis, AS).
Villiger und Mitarbeiter 2010 (Annals of the Rheumatic Diseases) [s248]: 26 SpA-Patienten, Proben mit und ohne TNF-Blocker, 102 gesunde Kontrollen. Bei 10 von 11 Patienten ohne Anti-TNF-Therapie fanden sich Spermienauffälligkeiten; deren Beweglichkeit (p = 0,001) und Vitalität (p = 0,001) waren signifikant schlechter als bei 15 Patienten unter langer Therapie, Konzentration und Morphologie ähnlich. Zwischen Gesunden und behandelten Patienten bestand kein signifikanter Unterschied; Auffälligkeiten fanden sich auch bei den 102 Gesunden. Schwäche: Querschnittsvergleich verschiedener Personen.
Ramonda und Mitarbeiter 2014 (Fertility and Sterility) [s225]: 10 SpA-Patienten gegen 20 Gesunde. Zu Beginn verminderte Beweglichkeit, höheres LH und FSH und niedrigeres Testosteron, korreliert mit der Krankheitsaktivität; nach 12 Monaten Anti-TNF signifikant weniger Spermien-Aneuploidien und normale Hormonwerte.
Micu und Mitarbeiter 2014 (Rheumatology) [s221]: 23 aktive Patienten, 42 Kontrollen, Proben vor und 3 bis 6 Monate nach Beginn. Zu Beginn Normozoospermie bei 91 % und Oligozoospermie bei 9 %; keine signifikante Änderung unter Therapie; die Kontrollen hatten sogar mehr unbewegliche Spermien und mehr Kopf- und Flagellum-Anomalien.
Nukumizu und Mitarbeiter 2012 [s239] und Almeida und Mitarbeiter 2013 [s231]: 20 Patienten gegen 24 Gesunde, ohne Sulfasalazin, Methotrexat oder Biologika; die Spermienqualität war gleich, die Varikozele aber häufiger (40 % gegen 8 %; p = 0,027) mit niedrigerem Anteil normaler Formen bei Varikozele (13,5 gegen 22 %; p = 0,049). Inhibin B blieb unter Anti-TNF stabil (116,5 gegen 126,5 pg/ml; p = 0,431) bei CRP-Abfall von 27,8 auf 2,27 mg/l (p = 0,039). Ozgocmen und Mitarbeiter 2002 (Elazığ): 21 Männer mit AS ohne Sulfasalazin und altersgleiche Kontrollen; klinische Varikozele bei 52 % gegen 20 %, in der Farbduplexsonographie bei 12 Patienten (57 %); die Venendurchmesser waren signifikant größer; die Ergebnisse der Ejakulatanalyse stehen im Abstract nicht [s272].
Sigmo und Mitarbeiter 2025 (norwegisches Arthritisregister; 2.649 Männer mit Psoriasis-Arthritis, 1.716 mit rheumatoider Arthritis, 2.766 mit axialer Spondyloarthritis gegen 35.655 Kontrollen) und Meridor und Mitarbeiter 2026 (102 Männer mit Psoriasis-Arthritis oder axialer SpA gegen 32 Gesunde) sind im Abschnitt zu Rheuma beschrieben [s33, s08].
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Mahadevan und Mitarbeiter 2005 (Inflammatory Bowel Disease) [s263]: 10 Männer, Eigenkontrolle; eine Woche nach Infusion höheres Ejakulatvolumen (P = 0,013) und Trend zu geringerer Beweglichkeit (P = 0,061), bei Dauertherapie weniger normale Formen (P = 0,038); der Zusammenhang mit der Fertilität blieb offen. Grosen und Mitarbeiter 2019 (Journal of Crohn's and Colitis) [s147]: Von 19 Patienten, die Anti-TNF begannen, und 17, die absetzten, blieben alle Samenparameter bis auf einen statistisch signifikanten, klinisch bedeutungslosen Abfall des DNA-Fragmentierungsindex (12,8 % auf 10,0 %; p = 0,02) unverändert; die Wirkstoffspiegel im Samen waren vernachlässigbar. Valer und Mitarbeiter 2017: bessere Beweglichkeit und Morphologie unter Anti-TNF bei Crohn (siehe oben) [s192]. Die russische Darstellung des europäischen Konsenses hält fest, Infliximab könne bei einer kleinen Zahl von Patienten die Beweglichkeit verringern; das steht in Kontrast zum Befund unter Adalimumab, betrifft aber einen anderen Wirkstoff und ist eine Sekundärquelle [s158].
Psoriasis. Heppt und Mitarbeiter 2017 (27 Patienten, 101 Proben, TNF-Blocker oder Fumarsäureester): nur 14,8 % hatten reine Normozoospermie, 85,2 % mindestens eine Auffälligkeit (zwei mit Azoospermie), 48,1 % Hinweise auf Genitaltrakt-Entzündung; es fand sich keine negative Therapiewirkung auf Gesamtzahl, Konzentration und Beweglichkeit [s185]. Yüksek und Mitarbeiter 2024, Türkei [s66]: 33 biologikanaive Männer (18 bis 50 Jahre) mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis (PASI über 10) unter Adalimumab, sechs Monate. Der IIEF-5-Wert stieg von 21,3 ± 2,2 auf 22,2 ± 1,9 (p = 0,03), der Anteil mit erektiler Dysfunktion sank von 51,5 % auf 36,4 % (p < 0,001); progressive Beweglichkeit (p = 0,02) und Vitalität (p = 0,04) besserten sich, die übrigen Spermienparameter blieben unverändert; das Gesamttestosteron stieg von 3,4 ± 0,4 auf 3,5 ± 0,4 ng/ml (p = 0,02), LH, FSH, Östradiol und Prolaktin änderten sich nicht signifikant. Schwächen: keine Kontrollgruppe, kleine Veränderungen (der Testosteronunterschied liegt innerhalb einer Standardabweichung), viele Vergleiche ohne Korrektur, Hautbesserung und Medikamentenwirkung nicht trennbar. Ixekizumab (kein TNF-Blocker): Micu und Mitarbeiter 2025, 10 Männer mit SpA oder Psoriasis, nach mindestens 6 Monaten alle mit normalen Parametern; ein Patient mit anfänglicher Oligozoospermie hatte bei der Kontrolle normale Werte und erreichte eine Schwangerschaft [s26].
Väterliche Exposition und Kinder. Larsen und Mitarbeiter 2016 (Dänemark; 372 exponierte Kinder gegen 399.498): Fehlbildungen und Frühgeburt nahe 1; zu geringes Geburtsgewicht OR 1,70 (0,94 bis 3,09); in der Teilgruppe der Väter mit CED Frühgeburt OR 1,42 (0,52 bis 3,86) [s200]. Meserve und Mitarbeiter 2021: TNF-alpha-Antagonisten RR 1,14 (0,81 bis 1,57; 1.082 Väter), Biologika ohne TNF-Wirkung RR 1,75 (0,80 bis 3,24; 132 Väter) [s118]. Goto und Mitarbeiter 2026: OR 1,30 (0,28 bis 6,14) für große Fehlbildungen bei väterlicher TNF-Blocker-Exposition [s02]. Gubatan und Mitarbeiter 2023: Biologika und Frühaborte OR 1,26, Frühgeburt 1,10, Fehlbildungen 1,03 (ohne KI im Abstract) [s76]. Taiwanische Kohorte (118 exponierte Väter): Fehlbildungen OR 0,93 (0,68 bis 1,28), sehr geringes Geburtsgewicht 0,65 (0,41 bis 1,01), Frühgeburt 0,60 (0,46 bis 0,78); die Zahl der Ereignisse ist sehr klein [s32]. Cooley und Mitarbeiter 2020 (1.010 Männer unter Anti-TNF): nur 10,3 % wurden beraten; Spermienkryokonservierung wurde bei 5,77 % mit gegen 1,10 % ohne Beratung durchgeführt (p = 0,002) [s127].
Übersichten. Mouyis und Mitarbeiter 2019: 84 Arbeiten, mehr als 611 männliche Expositionen und mehr als 5.986 Schwangerschaften, keine sichere Evidenz für Schaden durch TNF-Blocker; für Golimumab keine Daten [s151]. Yiu und Mitarbeiter sowie Fischer-Betz und Østensen kommen zu ähnlichen Bewertungen [s229, s114, s123].
Fallserien. Unter Infliximab oder Etanercept zeugten Männer mit SpA gesunde Kinder (Paschou und Mitarbeiter 2009: 4 Männer, 6 Kinder [s251]; Saougou und Mitarbeiter 2013: 10 Väter, 14 Kinder, ein Fall mit Fehlbildung unter Infliximab plus Methotrexat [s232]; Rezvani und Ozaras 2008: Schwangerschaft nach Etanercept bei zuvor infertilem Ehemann [s255]). Uyaroglu und Mitarbeiter 2020: 45 Schwangerschaften, 86,7 % gesunde Lebendgeburten, 6,7 % Spontanaborte, keine Fehlbildung [s138]. Toker Dincer und Mitarbeiter 2025 (Istanbul, 101 Männer unter Anti-TNF; 70 wünschten keine Kinder und verhüteten): Die Partnerinnen von 27 Männern wurden schwanger, vier Paare galten als infertil; 52 Schwangerschaften mit 36 Termingeburten, 1 Frühgeburt, 1 Totgeburt, 4 Abbrüchen auf Wunsch und 10 Spontanaborten; zwischen den Zeiträumen vor und unter Therapie fanden sich bei 11 Partnerinnen mit Vergleich keine signifikanten Unterschiede [s34]. Da die Gruppe nach dem Kinderwunsch vorselektiert ist, taugt der Anteil infertiler Paare nicht für eine Häufigkeitsaussage; es wurden keine Spermiogramme berichtet. Zwei Fallberichte (Golimumab; Celecoxib plus Sulfasalazin) fanden normale Standardwerte, aber elektronenmikroskopisch Kopf-, Hals- und Flagellum-Anomalien [s93, s162]. Ein türkischer Fallbericht beschreibt eine Hodentuberkulose unter Infliximab; das ist eine infektiöse Komplikation, kein Spermienbefund [s119].
Neuere Wirkstoffe: JAK-Hemmer, IL-17-Hemmer und weitere
Filgotinib, MANTA und MANTA-RAy (Reinisch und Mitarbeiter 2023, Annals of the Rheumatic Diseases) [s81]. Zwei randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-2-Studien an Männern (21 bis 65 Jahre) mit aktiver CED bzw. rheumatischen Erkrankungen (rheumatoide Arthritis, Spondyloarthritis, Psoriasis-Arthritis) und zu Beginn normalen Samenwerten. Filgotinib 200 mg täglich gegen Placebo über 13 Wochen, gepoolte Auswertung; von 631 Gescreenten wurden 248 randomisiert. Den primären Endpunkt (Abfall der Spermienkonzentration um mindestens 50 %) erreichten 8 von 120 (6,7 %) unter Filgotinib und 10 von 120 (8,3 %) unter Placebo; Differenz minus 1,7 % (95-%-KI minus 9,3 bis 5,8 %). Bei Samenparametern und Geschlechtshormonen gab es keine klinisch relevanten Änderungen oder Muster in der Reversibilität. Stärke: Randomisierung und Placebo. Schwächen: 13 Wochen entsprechen nur einem Spermatogenesezyklus, und es wurden nur Männer mit normalen Ausgangswerten eingeschlossen. Das Studiendesign beschreiben Hellstrom und Mitarbeiter 2022 [s100]. Filgotinib ist kein Wirkstoff der Fragestellung; die Studie ist der einzige randomisierte placebokontrollierte Spermienbefund bei CED und rheumatischen Erkrankungen.
Tofacitinib und Upadacitinib. In Sicherheitsdatenbanken zu Colitis ulcerosa wurden 14 väterliche Tofacitinib-Expositionen erfasst (Mahadevan 2018): über alle Studien 15 gesunde Neugeborene, keine Fehlbildung, 2 Spontan- und 2 medizinische Aborte (mütterliche und väterliche Fälle zusammen) [s170]. Das Update 2026 meldet 99 väterliche Expositionsereignisse: 67 gesunde Neugeborene, 1 Totgeburt, 9 Spontanaborte, 22 offen [s07]. Eine Arbeit von Grosen und Mitarbeitern 2025 trägt den Titel „Tofacitinib Does Not Impair Sperm Quality in Men With Ulcerative Colitis“; ein Abstract war nicht abrufbar, die Daten sind daher nicht prüfbar. Für Upadacitinib liegt eine Serie von sechs Männern mit blauer bis grünlicher Ejakulatverfärbung nach im Median 2 Monaten Therapie mit 45 mg täglich vor; die Spermaanalyse war unauffällig, die Verfärbung bildete sich bei Dosisreduktion oder Absetzen zurück [s05]. Im Rattenmodell führt Tofacitinib zu Leydig-Zell-Hyperplasie und Adenomen über eine Hemmung der Prolaktin-Signalübertragung; die Autoren halten dies für den Menschen nicht relevant [s177]. Die taiwanische Kohorte nennt für zielgerichtete synthetische Mittel ein OR für Fehlbildungen von 5,19 (2,33 bis 11,39), das auf nur fünf exponierten Vätern beruht [s32].
Weitere Biologika. Für Vedolizumab (2019) und Ustekinumab (2022) existieren Arbeiten der Gruppe um Grosen zur Spermien-DNA mit Titeln, die eine unbeeinträchtigte DNA-Integrität nennen; beide lagen ohne Abstract vor, ihre Daten ließen sich nicht prüfen. Für IL-23-Hemmer fehlen Daten; die Autoren einer Übersicht sehen keine klinischen Daten zu IL-17-, IL-12/23- und IL-23-Hemmern [s57]. Rituximab verminderte bei Mäusen mit kollageninduzierter Arthritis arthritisbedingte Hodenstörungen [s89] und die durch die Arthritis erhöhte Disomie-Rate in Spermien [s70]. Die taiwanische Kohorte weist für Nicht-TNF-Biologika ein OR für Fehlbildungen von 1,69 (1,48 bis 1,93) aus [s32]; Meserve 2021: RR 1,75 (0,80 bis 3,24) [s118].
Psoriasis als Erkrankung
Die Datenlage ist dünn: eine Fall-Kontroll-Studie mit 50 Männern, mehrere Hormonstudien und Mendelsche Randomisierungen.
Caldarola und Mitarbeiter 2017 (Dermatology), „Untreated Psoriasis Impairs Male Fertility“ [s176]. 50 unbehandelte Männer (18 bis 55 Jahre) gegen 50 nach Alter, BMI und Herkunft gepaarte Gesunde; Samenanalyse, Mikrobiologie, Ultraschall, Hormone, löslicher Urokinase-Rezeptor (suPAR) im Samen. Testosteron und SHBG waren signifikant erniedrigt, Östradiol erhöht; Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen waren signifikant vermindert; suPAR war erhöht; Ultraschallzeichen einer Entzündung der akzessorischen Drüsen fanden sich bei 35 von 50 Patienten und bei keinem Kontrollmann. Stärke: gepaarte Kontrollen. Schwäche: Einzelzentrum, Zahlenwerte im Abstract nur qualitativ. Heppt und Mitarbeiter 2017 [s185]: Bei 27 Patienten hatten zu Beginn nur 14,8 % einen normalen Samenbefund.
Testosteron und Hormone. Cemil und Mitarbeiter 2015 (47 Patienten, 20 Kontrollen): Testosteron signifikant niedriger, Östradiol höher, inverse Korrelation zwischen Östradiol und dem Psoriasis-Schweregrad PASI [s209]. Eltaweel und Mitarbeiter 2018 (50 gegen 30): niedrigeres Testosteron, höheres Östradiol, schlechtere Erektionsfunktion [s165]. Allam und Mitarbeiter 2019 (121 Patienten, 217 Kontrollen): niedriges Gesamttestosteron bei 52,1 %, inverse Korrelation mit dem PASI auch ohne metabolisches Syndrom (PASI ≥ 10) [s140]. Boehncke und Mitarbeiter 2011 (23 Männer, 24 Wochen systemische Therapie): Testosteron zu Beginn zwischen 212 und 660 (Median 377,0; Einheit laut Abstract ng/ml), die Autoren sehen keinen Hypogonadismus [s241]. Saad und Mitarbeiter 2016: 15 hypogonadale Männer mit Psoriasis, deren Haut sich unter Testosteron besserte; Fallserie ohne Kontrolle [s202].
Genetik, Epigenetik und Kinder. Huang und Mitarbeiter 2023 (Taiwan, 1.498.892 Einlingsschwangerschaften): Neugeborene von Vätern mit Psoriasis hatten eine adjustierte HR von 3,69 (KI 1,65 bis 8,26) für Psoriasis, 1,13 (1,06 bis 1,21) für atopische Dermatitis und 1,05 (1,01 bis 1,10) für allergische Rhinitis; ungünstige Geburtsmaße fanden sich bei mütterlicher, nicht bei väterlicher Psoriasis [s77]. Pollock und Mitarbeiter 2019: DNA-Methylierungsprofile in Spermien von 23 Psoriasis-Patienten, 13 mit Psoriasis-Arthritis und 18 Kontrollen unterschieden sich (169 und 754 differenziell methylierte Regionen), mit Hypermethylierung von IL22; Medikamente beeinflussten die Methylierung [s153].
Mendelsche Randomisierung und Registerstudien. Ma und Mitarbeiter 2025 (11.109 Instrumentvariablen): Psoriasis insgesamt IVW-OR 1,143 (1,041 bis 1,254; p = 0,005), Psoriasis vulgaris 1,137 (1,040 bis 1,243), Psoriasis-Arthritis 1,112 (1,003 bis 1,234; p = 0,044), Psoriasis guttata 1,041 (1,005 bis 1,079) als Risikofaktoren für auffällige Spermien, vermittelt über Entzündungsfaktoren und Metabolite [s24]. Bei den Untertypen waren die robusteren Verfahren (Egger, gewichteter Median) überwiegend nicht signifikant, die Effekte sind klein, die Tabelle der Arbeit enthält Unstimmigkeiten (ein OR passt nicht zum zugehörigen Beta, eine Tabellenüberschrift stammt offenbar aus einer anderen Arbeit), und das Ergebnismaß ist ein Diagnosecode. Die breitere Analyse von Sun 2026 fand für Psoriasis keinen Zusammenhang mit auffälligen Spermien [s12]. Brubaker und Mitarbeiter 2018 (US-Versicherungsdaten; 33.077 infertile Männer, 77.693 vasektomierte, 330.770 Kontrollen): Infertile Männer hatten ein höheres Risiko für spätere Psoriasis (HR 1,28; 1,09 bis 1,50 gegen Vasektomierte; 1,20; 1,04 bis 1,37 gegen Kontrollen), rheumatoide Arthritis (1,56; 1,19 bis 2,05 bzw. 1,29; 1,02 bis 1,62) und allgemeine Immunstörungen [s161]; das ist die umgekehrte Richtung, nicht die Folge der Erkrankung.
Retinoid als Randbefund. Suzuki und Mitarbeiter 1986: Neun Männer mit Psoriasis unter 50 bis 75 mg Etretinat täglich über mehr als drei Monate; kein Unterdrücken der Spermatogenese, ein Rückgang der Spermienzahl nur bei einem Patienten, Prolaktin stieg [s292]. Takahashi und Mitarbeiter 1987: ein 27-jähriger Mann mit fünf Jahren Etretinat (kumulativ 29.140 mg) mit schwerer Oligospermie, Hemmung der Spermatogenese noch acht Monate nach Absetzen, aber linksseitige Varikozele als Störfaktor [s289]. Etretinat ist kein Wirkstoff der Fragestellung; beide Arbeiten widersprechen sich in der Tendenz.
Übersichten. Perez-Garcia und Mitarbeiter 2021: Sexualstörungen bei 34 bis 81 % der Psoriasis-Patienten, Hypogonadismus in 2 von 3 Studien, Spermienauffälligkeiten in 3 von 4 Studien, keine Daten zu Kindern [s122]. Cacciapuoti und Mitarbeiter schreiben, konventionelle Therapien seien am häufigsten mit Infertilität verbunden, Biologika schienen die Fertilität zu verbessern, wenn eine entzündliche Gonadenstörung vorliegt [s109]. Weitere Übersichten bewerten Daten zu Männern als schwach [s229, s215]. Abdel-Naser und Zouboulis 2016 nennen Methotrexat unter den zytotoxischen Arzneimitteln, die für Wirkungen auf die männliche Fertilität „berüchtigt“ seien, ohne psoriasisspezifische Zahlen [s194].
Rheuma (rheumatoide Arthritis, Spondyloarthritis, Lupus) als Erkrankung
Für Spondyloarthritis wurden die meisten Studien gemacht (siehe TNF-Blocker): bei aktiver Erkrankung schlechtere Beweglichkeit, unter Remission und Anti-TNF Normalwerte. Für rheumatoide Arthritis gibt es kaum Spermiendaten; vorhanden sind Hormonstudien und Registerdaten. Beim Lupus sind die Befunde deutlicher, hier spielen Cyclophosphamid und Antispermien-Antikörper eine Rolle.
Registerstudie zur Kinderzahl. Sigmo und Mitarbeiter 2025 (Norwegen): In allen drei Gruppen waren weniger Männer kinderlos als in den Kontrollen (p < 0,001), mit mehr Kindern je Mann; der Unterschied bestand schon vor Krankheitsbeginn, die Männer waren beim ersten Kind jünger [s33]. Die Autoren nennen den Befund neu; er stellt die Annahme geringerer Fertilität infrage, trifft aber keine Aussage zu Spermienparametern. Meridor und Mitarbeiter 2026 (102 Männer mit Psoriasis-Arthritis oder axialer SpA gegen 32 Gesunde): Morphologie, Konzentration und DNA-Fragmentierung waren vergleichbar; die Vitalität war leicht niedriger (81,2 ± 7,6 gegen 84,4 ± 4,5 %; p = 0,02) [s08].
Testosteron und Sexualfunktion bei rheumatoider Arthritis. Mateo und Mitarbeiter 1998 (91 Männer mit RA gegen 68 Kontrollen): Prolaktin erhöht (249 ± 162 gegen 189 ± 85 mU/l; p = 0,0015), korreliert mit der Krankheitsdauer (r = 0,23; p = 0,01); mit den niedrigen Androgenspiegeln der Patienten bestand keine Korrelation [s275]. Wen und Mitarbeiter 2024 (NHANES, 3.110 Männer, 191 mit RA): niedriges Testosteron unter 300 ng/dl OR 2,30 (KI 1,65 bis 3,21), hohes SHBG über 57 nmol/l OR 1,65 (1,14 bis 2,39) [s63]. Baillargeon und Mitarbeiter 2016 (Versicherungsdaten): unbehandelter Hypogonadismus ging einer rheumatischen Autoimmunerkrankung voraus (HR 1,33; 1,28 bis 1,38; RA 1,31; 1,22 bis 1,44) [s196]. Nisihara und Mitarbeiter 2021 (35 Männer mit AS gegen 104): schlechtere Erektionsfunktion (P = 0,02), Gesamttestosteron und SHBG höher, kein Zusammenhang mit der Hormonlage, wohl aber mit der Krankheitsaktivität [s120]; Odeh und Mitarbeiter 2019 (hebräisch, 20 Männer): keine Korrelation zwischen Syndesmophytenscore und Testosteron [s152].
Die russische Testosteron-Serie (Panevin und Mitarbeiter, Nasonov-Institut Moskau). Mehrere Querschnittsstudien an meist stationär behandelten Männern definieren Testosteronmangel als Gesamttestosteron von höchstens 12 nmol/l; es wurden keine Spermiogramme erhoben. Zur Häufigkeit in drei Erkrankungen (2024): RA 24,1 % (170 Männer), AS 17,5 % (57 Männer), Psoriasis-Arthritis 31,8 % (85 Männer); Testosteron und Hypogonadismus waren nicht mit Stadium und Aktivität der rheumatischen Erkrankung assoziiert [s68]. Zur RA (170 Männer; 2023 und 2024 in zwei Veröffentlichungen): Mangel bei 24,1 %; das Gesamttestosteron korrelierte negativ mit BMI (r = minus 0,29), Harnsäure (r = minus 0,19) und CRP (r = minus 0,18). Männer mit Mangel hatten gegenüber normalem Testosteron einen höheren BMI (29,3 ± 5,6 gegen 26,3 ± 4,0 kg/m²; p < 0,001), Adipositas (41,6 % gegen 15,7 %; p = 0,001), Anämie (32,4 % gegen 16,7 %; p = 0,041) und eine höhere Blutsenkung (46,5 ± 42,2 gegen 31,0 ± 30,9 mm/h; p = 0,012) [s79, s67]. Zur AS (124 Männer, 2025): Mangel bei 25,0 %; bei Mangel häufiger Uveitis (45,2 % gegen 23,6 %; p = 0,022), Hypertonie (51,6 % gegen 30,1 %; p = 0,030), Hypercholesterinämie (43,3 % gegen 16,3 %; p = 0,010) und Hyperurikämie (67,9 % gegen 41,2 %; p = 0,014); kein Zusammenhang mit Stadium und Aktivität [s44]. Zur Psoriasis-Arthritis (54 Männer, 2025): Mangel bei 22 von 54 (40,7 %); die Arthritisaktivität nach DAPSA war höher (Median 44,0 gegen 28,3; p = 0,027), ebenso die Zahl schmerzhafter (14,5 gegen 9,0; p = 0,04) und geschwollener Gelenke (7,0 gegen 4,0; p = 0,029); Gesamttestosteron korrelierte negativ mit PASI (r = minus 0,29), DAPSA (r = minus 0,37), CRP (r = minus 0,28) und BMI (r = minus 0,44; p = 0,001) [s43]. Zwei Fragebogenstudien prüften den AMS-Fragebogen gegen den Laborwert: RA (78 Männer) Fläche unter der ROC-Kurve 0,728 (KI 0,604 bis 0,851), AS (82 Männer) 0,558 (0,386 bis 0,729; p = 0,54); der Fragebogenwert korreliert mit der Krankheitsaktivität und trennt Aktivität und Androgenmangel nicht sauber [s41, s42]. Die Überlappung der Kohorten zwischen den Veröffentlichungen ist aus den Abstracts nicht erkennbar (AS: 57, 124 und 82 Männer mit 17,5 %, 25,0 % und 13,4 %). Schwächen der Serie: Selektion stationärer Patienten eines Spezialzentrums, Querschnitt, keine gesunde Kontrollgruppe, Medikamente nicht ausgewertet. Eine Übersicht der Gruppe (2023) fasst zusammen, dass erhöhte proinflammatorische Zytokine mit sinkenden Sexualhormonen einhergehen können und umgekehrt Hypogonadismus das Risiko einiger rheumatischer Erkrankungen erhöhen könne [s87].
Lupus. Farhat und Mitarbeiter 2016: Bei 28 Männern mit Lupus war intravenöses Cyclophosphamid mit einem Abfall von 64,3 Mio Spermien/ml (KI 39,01 bis 89,65; p = 0,0001) verbunden; auch Ozonexposition senkte die Spermienkonzentration (Abfall 22,9 Mio/ml je Interquartilsabstand, KI 5,8 bis 40) [s198]. Tiseo und Mitarbeiter 2019 fanden bei 28 Lupus-Patienten höhere DNA-Fragmentierung als bei 34 Gesunden [s155]. Eine Metaanalyse ergab ein OR von 7,44 (5,00 bis 11,06) für erektile Dysfunktion beim Lupus [s39]. Im Umbrella-Review ist der Effekt von Lupus auf die Spermienkonzentration ohne Signifikanz verzeichnet (minus 38,71; KI minus 106,13 bis 28,70; drei Studien, 162 Teilnehmer), obwohl der Abstract Lupus unter den möglichen Risikofaktoren auffälliger Samenparameter nennt [s14].
Übersichten. Systematische Übersichten (Tiseo 2016, 19 Artikel [s207]; Perez-Garcia 2020, 87 Artikel [s135]; Boussaid 2022, 25 Studien [s92]; Finelli 2021 [s113]) stimmen darin überein, dass die Samenqualität bei Lupus, Spondyloarthritis und Morbus Behçet beeinträchtigt sein kann, bei rheumatoider Arthritis die Datenlage dünn ist und Anti-TNF mit Verbesserung der Samenqualität in Verbindung gebracht wird. Boussaid und Mitarbeiter (Recherche bis 16. September 2021, eingeschlossen 25 Studien aus den Jahren 1981 bis 2018: Spondyloarthritis n = 9, Lupus n = 6, Morbus Behçet n = 5, rheumatoide Arthritis n = 5, Antiphospholipid-Syndrom und Dermatomyositis je 1) berichten zusätzlich häufigere Varikozele bei Morbus Behçet und Spondyloarthritis und bei Vätern mit Morbus Behçet keine erhöhte Zahl von Fehlgeburten oder Fehlbildungen [s92]. De Cock und Mitarbeiter 2020 fanden für RA nur 4 Studien zur Fertilität, alle an Frauen [s128]. Interviews mit 20 Männern mit rheumatischen Erkrankungen zeigten, dass sie Familienplanung und Sexualität selten mit Rheumatologen besprachen [s104]. Weitere Übersichten stammen aus Kasachstan und der Türkei (Yessirkepov 2024: viel Evidenz für Sexualstörungen, Forschung speziell zur männlichen Infertilität spärlich [s64]), Japan (Funakubo 2015, überwiegend Frauen [s216]) und Russland (Mysaeva 2019, Schwerpunkt Frauen [s157]). Das japanische Register PRAISE-H (Takai 2026) umfasste bis November 2024 100 Personen, davon 10 Männer, und liefert keine Samendaten [s13].
Leitlinien, Konsensuspapiere und Gesamtübersichten
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EULAR-Empfehlungen 2024 (Rüegg und Mitarbeiter 2025) [s30]. Eine internationale Arbeitsgruppe formuliert 5 Grundsätze und 12 Empfehlungen zur Anwendung antirheumatischer Arzneimittel vor und während der Schwangerschaft, in der Stillzeit und bei Männern. Für Männer nennt der Abstract als verträgliche Optionen Antimalariamittel, Azathioprin, Colchicin, Ciclosporin, intravenöse Immunglobuline, Leflunomid, Methotrexat, Mycophenolat, nichtsteroidale Antirheumatika, Glukokortikoide, Sildenafil, Sulfasalazin, Tacrolimus und biologische DMARD. In der russischen Fassung mit Kommentar (Kosheleva und Mitarbeiter 2025) sind den Wirkstoffen Evidenzgrade zugeordnet: Azathioprin und Mercaptopurin 2b/B, Methotrexat unter 25 mg pro Woche 2b/C, Mycophenolat 2b/C, Leflunomid 2c/C, Sulfasalazin 2b/C mit dem Zusatz, es könne einen reversiblen Einfluss auf die Spermienqualität haben und bei verzögerter Empfängnis sei ein Absetzen zusammen mit der Abklärung anderer Ursachen zu erwägen, alle TNF-Inhibitoren 1b/B. Die Reihenfolge der Evidenzangaben in der maschinenlesbaren Tabelle ist dort an einigen Stellen vermischt; für die Zuordnung ist die Originalfassung maßgeblich [s40]. Cyclophosphamid sei mit einem dosisabhängigen Risiko irreversibler Unfruchtbarkeit verbunden, Männer sollten vor Beginn über Möglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit beraten werden (2b/B). Für mehrere neuere Wirkstoffe (genannt unter anderem Apremilast, Baricitinib, Tofacitinib, Upadacitinib, Guselkumab, Risankizumab) seien die Daten bei Männern begrenzt oder fehlend, für Filgotinib sei kein negativer Einfluss auf die Spermienqualität festgestellt worden, Daten zum Schwangerschaftsausgang seien aber sehr begrenzt. Allen Patienten solle frühzeitig und regelmäßig eine Beratung zur reproduktiven Gesundheit angeboten werden.
Die zugrundeliegende systematische Übersicht (Pluma und Mitarbeiter 2025) [s29]. 6.680 gesichtete, 255 eingeschlossene Arbeiten. Bei Männern fand die Übersicht für Methotrexat und die meisten anderen Mittel keine Nachteile für Spermienqualität oder Geburtsergebnisse; Cyclophosphamid sei das einzige Mittel mit dosisabhängiger irreversibler Infertilität. Für männliche Daten dienten zwei bereits bewertete systematische Übersichten als Grundlage.
Expertenbefragung der EULAR-Arbeitsgruppe (Pluma und Mitarbeiter 2026, 20 Fachleute) [s10]. Viele Mittel würden bei Männern mit Kinderwunsch wie sonst verordnet, darunter Methotrexat, Leflunomid, Colchicin und Biologika; JAK-Hemmer würden vermieden oder nur bei schwerer Erkrankung eingesetzt.
Chin und Mitarbeiter 2025, Vergleich von 18 Leitlinien [s17]. Empfehlungen zur männlichen Fertilität fanden sich in 6 von 18 Leitlinien (33 %), solche zur Konzeption in 10 (56 %) und zur Stillzeit in 12 (67 %). Empfehlungen zu konventionellen DMARD seien zwischen den Leitlinien ähnlich und durch mäßige Evidenz gestützt, die zu Biologika und gezielten synthetischen DMARD uneinheitlich bei minimaler Evidenz.
Italienische Gesellschaft für Rheumatologie (SIR) 2025 [s18]. GRADE-ADOLOPMENT, 18 Fachleute, aufbauend auf den Empfehlungen des American College of Rheumatology; Empfehlungen zu Kontrazeption, assistierter Reproduktion, Beratung vor der Konzeption und Medikamenten vor, während und nach der Schwangerschaft unter Berücksichtigung väterlicher und mütterlicher Exposition. Die Einzelaussagen lagen im Abstract nicht vor.
Asia Pacific League of Associations for Rheumatology (APLAR) 2026 [s11]. 16 Fachleute aus 13 Ländern, modifiziertes Delphi-Verfahren mit mindestens 75 % Zustimmung; 4 Grundsätze und 86 Aussagen in 16 Kategorien, darunter männliche Aspekte, Fertilitätserhalt und assistierte Reproduktion. Der Abstract nennt keine Einzelaussagen zu Männern.
Japan College of Rheumatology (Goto und Mitarbeiter 2026) [s02]. Systematische Übersicht mit Metaanalysen zur Aktualisierung der Leitlinie 2024 unter Einbeziehung der japanischen Datenbank Ichushi; für väterliche Exposition OR 1,30 (0,28 bis 6,14) für TNF-Blocker und OR 0,94 (0,38 bis 2,33) für Methotrexat bei großen Fehlbildungen; die Konfidenzintervalle sind sehr weit [s02].
Gastroenterologie. Der zweite europäische Konsens zu Reproduktion und Schwangerschaft bei CED (ECCO 2015) behandelt Fertilität und Arzneimittelsicherheit; der Abstract enthält keine Aussagen zu Männern [s213]. Die russische Darstellung nennt die männerbezogenen Aussagen mit Evidenzgraden: Sulfasalazin verursache bei Männern eine reversible Oligospermie (Evidenzgrad 3), Azathioprin habe die Spermienqualität bei 18 Männern mit CED, die es mindestens drei Monate eingenommen hatten, nicht beeinflusst, Methotrexat verursache eine Oligospermie, die innerhalb weniger Monate nach Absetzen aufhöre, und sei für Männer mit Kinderwunsch nach der Darstellung kontraindiziert, Infliximab könne bei einer kleinen Zahl von Patienten die Beweglichkeit verringern, und Operationen mit ileoanalem Pouch könnten bei Männern retrograde Ejakulation und erektile Dysfunktion verursachen (Evidenzgrad 4); der Einfluss von Operationen auf die Konzeptionsrate beim Mann sei nicht untersucht worden. Die Primärdaten sind im Text nicht aufgeschlüsselt, die Quelle ist als Zahlenquelle ungeeignet [s158]. Sousa und Mitarbeiter 2024 halten fest, außer Methotrexat gälten die meisten konventionellen Mittel bei Empfängnis als risikoarm [s61]. Ibarra Barrueta und Mitarbeiter 2023 (Farmacia Hospitalaria): Die meisten Mittel seien mit väterlicher Exposition vereinbar, außer Sulfasalazin, Mycophenolat und Leflunomid, bei denen die Autoren ein Absetzen vor der Konzeption empfehlen [s78]. Die deutschen S2k- und S3-Leitlinien zu Zöliakie, Colitis ulcerosa und Morbus Crohn (AWMF und DGVS, 2022 bis 2026) waren nur als Titel ohne Abstract abrufbar; zu ihren Aussagen über männliche Fertilität kann nichts berichtet werden.
Dermatologie. Die deutsche S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris (adaptiert von EuroGuiDerm, Teil 1, 2026) verweist in der Kurzfassung für männliche Methotrexat-Anwender hinsichtlich des Konzeptionsschutzes auf das Kapitel „Kinderwunsch/Schwangerschaft“ der Langfassung und auf die Fachinformation; der Wortlaut des Langfassungskapitels war nicht zugänglich [s09].
Urologie und Reproduktionsmedizin. In der EAU-Leitlinie Sexual and Reproductive Health sind in Tabelle 3.1 (Klassifikation des männlichen Hypogonadismus) aufgeführt: Methotrexat unter „primärer Hypogonadismus, erworben, medikamenteninduziert“, chronische entzündliche Arthritis unter „chronischen systemischen Erkrankungen mit Wirkung auf Hypothalamus und Hypophyse“ und Zöliakie unter „Androgenresistenz, erworben, lokale Probleme“ [s311]. In der AUA/ASRM-Leitlinie Male Infertility (Webseite; Aktualisierung 2024) steht, die Evidenz zu den in Tabelle 8 gelisteten Medikamenten sei gering, keines habe signifikante Auswirkungen außer Finasterid (geringeres Ejakulatvolumen); bei Zweifeln könnten Datenbanken wie REPROTOX konsultiert werden. Weder Sulfasalazin noch Methotrexat noch Erkrankungen wie Zöliakie oder CED werden im abgerufenen Seitentext genannt [s48]. Die Aktualisierung 2024 nennt als Neuerungen geänderte Schwellen für Y-Chromosom-Mikrodeletionstests, Indikationen für die Becken-Magnetresonanztomographie und Hinweise zu testikulären Spermien bei nichtazoospermen Männern, nichts zu den hier behandelten Erkrankungen. ESHRE-Leitlinien zu psychosozialer Betreuung und ungeklärter Infertilität betreffen diese Erkrankungen dem Titel nach nicht und wurden nicht ausgewertet. Die Cochrane-Datenbank enthält über Europe PMC keine Übersicht zu Sulfasalazin, Methotrexat, TNF-Blockern oder Zöliakie und männlicher Fertilität.
Allgemeine Arzneimittelübersichten. Perez-Garcia und Mitarbeiter 2020 (161 Arbeiten): deutlich negative Wirkung auf Spermien für Sulfasalazin und Cyclophosphamid, fraglich für Colchicin, Methotrexat, Thiopurine und Sirolimus; eine Metaanalyse war nicht möglich [s134]. Gubatan und Mitarbeiter 2023: Biologika, Thiopurine und Methotrexat waren nicht mit verminderten Spermienwerten verbunden [s76]. Die aktualisierte Übersicht 2026 (184 Studien) bestätigt die Schädlichkeit von Sulfasalazin und ergänzt Thiopurine [s03]. Ding und Mitarbeiter 2017 durchsuchten Arzneimitteletiketten der US-Behörde FDA: 65 Etiketten wiesen auf mögliche Beeinträchtigung der Spermienbildung hin; mehrere entzündungshemmende Arzneimittel beeinflussten nach den Etiketten die Spermatogenese, was durch die begutachtete Literatur nicht gestützt werde [s178]. Bermas 2020 schreibt, Cyclophosphamid sei das einzige Antirheumatikum, das irreversible Infertilität verursacht, und Sulfasalazin könne eine reversible Azoospermie hervorrufen [s126]. Alijotas-Reig und Mitarbeiter 2016: Außer bei Cyclophosphamid und Sulfasalazin seien keine negativen Wirkungen von Immunsuppressiva auf die Spermienqualität beschrieben [s195]. Mehrere Übersichten nennen Methotrexat unter den Substanzen, bei denen eine Kryokonservierung vorgeschlagen wird [s189, s163]; andere sehen dafür keinen Beleg [s99].