Kurz zusammengefasst

Ernährungsmuster und Lebensmittel

Die Ernährung gehört zu den am besten erforschten und gleichzeitig am leichtesten beeinflussbaren Faktoren der männlichen Fruchtbarkeit. Spermien werden fortlaufend neu gebildet – ein kompletter Spermatogenese-Zyklus dauert rund 74 Tage –, sodass sich Ernährungsumstellungen theoretisch innerhalb weniger Monate in veränderten Spermiogramm-Werten niederschlagen können. Die Studienlage stützt sich überwiegend auf Querschnitts- und Kohortenstudien an Männern aus Kinderwunschkliniken oder an jungen, gesunden Studienpopulationen; randomisiert-kontrollierte Interventionsstudien sind selten, was die Aussagekraft einschränkt und meist nur "niedrige" bis "moderate" Evidenzgrade erlaubt. Übergreifend zeichnet sich jedoch ein konsistentes Muster ab: Ernährungsmuster, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Fisch, Nüssen und ungesättigten Fettsäuren sind (allen voran die mediterrane Diät), korrelieren mit besseren Spermienparametern, während stark verarbeitete, zucker- und transfettreiche „westliche" Ernährungsmuster mit schlechteren Werten einhergehen. Bei Einzelfaktoren wie Soja, Milchprodukten oder gesüßten Getränken bleibt die Evidenz uneinheitlicher. Im Folgenden werden die wichtigsten Ernährungsfaktoren und Lebensmittelgruppen im Detail dargestellt.

Mediterrane Diät

+ positiv Evidenz: hoch
Ernährungsmuster reich an Olivenöl, Gemüse, Obst, Fisch, Vollkorn und Nüssen; eines der am besten belegten Gesamternährungsmuster für bessere Spermienqualität.

Die mediterrane Diät – reich an Olivenöl, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Fisch und Nüssen, arm an rotem/verarbeitetem Fleisch und raffiniertem Zucker – ist das am umfassendsten untersuchte Gesamternährungsmuster in Bezug auf Spermienqualität. Eine 2025 in Advances in Nutrition publizierte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse fasste die Datenlage aus elf Studien mit insgesamt 2.558 Männern zusammen, davon acht Beobachtungsstudien mit 1.835 Teilnehmern in der quantitativen Meta-Analyse (Agarwal et al., 2025). Eine höhere Adhärenz an die mediterrane Diät war signifikant assoziiert mit einer um 24,37 Millionen höheren Gesamtspermienzahl, einer um 8,81 Prozentpunkte höheren Gesamtmotilität, einer um 7,49 Prozentpunkte höheren progressiven Motilität und einem um 1,02 Prozentpunkte höheren Anteil normal geformter Spermien (Agarwal et al., 2025). Die Heterogenität zwischen den eingeschlossenen Studien war mit I²-Werten von 77–89 % allerdings beträchtlich, was auf unterschiedliche Erhebungsinstrumente, Studienpopulationen (allgemeine Bevölkerung vs. Kinderwunschklinik-Patienten) und Diät-Score-Varianten zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist, dass sich der positive Zusammenhang mit den Spermienparametern nicht durchgängig auf harte reproduktionsmedizinische Endpunkte wie Fertilisationsraten oder Lebendgeburten nach assistierter Reproduktion übertrug – hier fand die Meta-Analyse keine signifikanten Assoziationen (Agarwal et al., 2025). Mechanistisch werden mehrere Wirkpfade diskutiert: Der hohe Gehalt an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (v. a. Omega-3 aus Fisch und Olivenöl) beeinflusst die Fluidität der Spermienmembran, während die hohe Zufuhr an Antioxidantien (Vitamin C, E, Polyphenole, Carotinoide aus Gemüse und Obst) oxidativen Stress in den Spermatozoen reduzieren kann, der als einer der zentralen Schädigungsmechanismen für Membranintegrität, Motilität und DNA-Fragmentierung gilt. Zudem ist die mediterrane Diät mit einem günstigeren metabolischen Profil (weniger Übergewicht, bessere Insulinsensitivität) assoziiert, was indirekt auch die Spermienbildung begünstigt. Eine 2025 im European Journal of Public Health vorgestellte Kohortenstudie an jungen italienischen Männern fand zudem, dass eine hohe Mediterrane-Diät-Adhärenz mit einem geringeren Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel einhergeht, was die beiden Ernährungsmuster als gegensätzliche Pole eines Spektrums erscheinen lässt. Insgesamt gehört die mediterrane Diät zu den am konsistentesten mit besserer Spermienqualität assoziierten Gesamternährungsmustern, auch wenn kausale Interventionsstudien mit Spermiogramm als primärem Endpunkt noch weitgehend fehlen.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Mediterrane Diät (hohe Adhärenz)+hochmoderat (+8,8 %-Punkte Motilität, +24,4 Mio. Spermienzahl)Agarwal et al., 2025

Vegetarische Ernährung

0 kein Effekt Evidenz: hoch
Ernährung ohne Fleisch und Fisch, meist mit Milchprodukten/Eiern; im Vergleich zur Mischkost laut Meta-Analyse ohne signifikanten Effekt auf Spermienparameter, Einzelstudien uneinheitlich.

Ob eine vegetarische Ernährungsweise (ohne Fleisch und Fisch, meist mit Milchprodukten und Eiern) die Spermienqualität gegenüber einer Mischkost verbessert oder verschlechtert, wird in der Literatur uneinheitlich beantwortet. Die bislang umfassendste Datensynthese ist eine 2024 in Journal of Human Nutrition and Dietetics erschienene systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, die 16 Beobachtungsstudien zu Vegetariern im Vergleich zu Mischköstlern auswertete (Samimisedeh et al., 2024). Sie fand keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Vegetariern und Allesessern bei Gesamtspermienzahl, Gesamt- und progressiver Motilität, Morphologie oder Spermienkonzentration (Samimisedeh et al., 2024). Einzelne zugrunde liegende Studien zeichnen jedoch ein widersprüchlicheres Bild: Die "Loma Linda Study" an 474 Männern (davon 26 lebenslange lakto-ovo-Vegetarier) fand bei Vegetariern eine niedrigere Spermienkonzentration (50,7 ± 7,4 Mio./ml gegenüber 69,6 ± 3,2 Mio./ml bei Nicht-Vegetariern) sowie eine niedrigere Gesamtmotilität (33,2 % vs. 58,2 %), wobei die Autoren betonen, dass die Werte der Vegetarier weiterhin im fertilen Referenzbereich lagen (Orzylowska et al., 2016). Umgekehrt zeigte eine große dänische Kohortenstudie an knapp 3.000 jungen Männern für ein "vegetarisch-ähnliches" Ernährungsmuster (wenig Fleisch, viel Gemüse, Eier, Milch) eine mediane Gesamtspermienzahl von 151 Millionen – höher als bei einem "westlichen" Muster, jedoch niedriger als beim "prudent"-Muster (167 Millionen), das zusätzlich Fisch und Geflügel einschließt (Nassan et al., 2020). Die Diskrepanz zwischen diesen Einzelstudien lässt sich am ehesten durch Unterschiede in der Ernährungsqualität innerhalb der Gruppe "Vegetarier" erklären: Eine vegetarische Ernährung kann ausgewogen und nährstoffreich sein oder aber überwiegend aus raffinierten Kohlenhydraten und verarbeiteten Fertigprodukten bestehen. Mehrere Autoren betonen daher, dass nicht der Verzicht auf Fleisch an sich, sondern die Gesamtqualität der Ernährung (Anteil pflanzlicher Vollwertkost, Mikronährstoffversorgung mit Zink, Selen, Folat, Vitamin B12) den entscheidenden Faktor darstellt. Insgesamt deutet die aktuelle Meta-Analyse-Evidenz darauf hin, dass eine gut geplante vegetarische Ernährung gegenüber einer durchschnittlichen Mischkost weder eindeutig vor- noch nachteilig für die Spermienqualität ist.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Vegetarische Ernährung (vs. Mischkost)0hochgering (keine signifikanten Unterschiede in Meta-Analyse)Samimisedeh et al., 2024

Vegane Ernährung

+ positiv Evidenz: niedrig
Rein pflanzliche Ernährung ohne jegliche Tierprodukte; einzelne kleine Studie zeigt positive Effekte, Datenlage aber sehr dünn.

Zur rein pflanzlichen (veganen) Ernährung ohne jegliche Tierprodukte existiert bislang nur sehr begrenzte direkte Evidenz zur Spermienqualität. Die aussagekräftigste verfügbare Studie ist eine 2021 im Journal of Human Reproductive Sciences veröffentlichte prospektive Vergleichsstudie, die zehn sich seit mindestens einem Jahr vegan ernährende Männer mit zehn Kontrollprobanden ohne Diätrestriktion verglich (Kljajic et al., 2021). Die vegane Gruppe zeigte eine deutlich höhere Gesamtspermienzahl (224,7 vs. 119,7 Millionen), einen höheren Anteil schnell-progressiv beweglicher Spermien (17,5 % vs. 1,0 %), ein günstigeres (niedrigeres) Oxidations-Reduktions-Potenzial im Seminalplasma sowie eine geringere DNA-Fragmentierungsrate (8,2 % vs. 14,7 %) (Kljajic et al., 2021). Die Autoren führen dies auf den hohen Gehalt an Antioxidantien, Polyphenolen und sekundären Pflanzenstoffen in einer vollwertigen veganen Kost zurück, die den oxidativen Stress in den Spermatozoen reduzieren können. Auch die bereits erwähnte Loma-Linda-Studie enthielt eine kleine vegane Untergruppe (n = 5): Deren Gesamtmotilität lag mit 51,8 % zwar über der lakto-ovo-vegetarischen Gruppe (33,2 %), aber weiterhin unter dem Wert der Nicht-Vegetarier (58,2 %) (Orzylowska et al., 2016) – ein Befund, der der positiveren Einschätzung von Kljajic et al. (2021) widerspricht und die Uneinheitlichkeit der insgesamt sehr kleinen Datenbasis zu veganer Ernährung unterstreicht. Diese Ergebnisse sind angesichts der sehr kleinen Stichprobe (n = 20) und des Querschnittsdesigns mit großer Vorsicht zu interpretieren; ein Selektionsbias ist wahrscheinlich, da Männer, die sich bewusst vegan ernähren, häufig auch in anderen gesundheitsrelevanten Bereichen (Rauchverzicht, Alkoholkonsum, Sport, Körpergewicht) günstigere Verhaltensweisen zeigen, was in der kleinen Stichprobe nicht vollständig kontrolliert werden konnte. Größere, unabhängig replizierte Kohorten fehlen bislang vollständig. Gleichzeitig ist bei einer streng veganen Ernährung auf eine ausreichende Zufuhr potenziell fertilitätsrelevanter Nährstoffe zu achten, die in pflanzlicher Kost limitiert oder schlechter bioverfügbar sind – insbesondere Vitamin B12, Zink, langkettige Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) und Vitamin D, deren Mangel sich negativ auf die Spermienbildung auswirken kann. Eine gut geplante, vollwertige vegane Ernährung erscheint nach aktueller, allerdings dünner Datenlage mit guter Spermienqualität vereinbar; belastbare Aussagen zur Kausalität sind derzeit nicht möglich.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Vegane Ernährung (vollwertig, gut geplant)+niedrigstark (in Einzelstudie n=20, unsicher)Kljajic et al., 2021

"Western Diet" / stark verarbeitete Lebensmittel und Fast Food

− negativ Evidenz: hoch
Ernährungsmuster mit viel rotem/verarbeitetem Fleisch, raffinierten Kohlenhydraten, Zucker und Fast Food sowie hohem Anteil ultra-verarbeiteter Lebensmittel; konsistent mit schlechterer Spermienqualität assoziiert.

Das Gegenstück zur mediterranen Diät ist das sogenannte "westliche" Ernährungsmuster: viel rotes und verarbeitetes Fleisch, raffinierte Getreideprodukte, Zucker, frittierte Speisen, fettreiche Milchprodukte und Fast Food bei gleichzeitig wenig Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von fünf Beobachtungsstudien mit insgesamt 7.679 Teilnehmern fand, dass ein westliches Ernährungsmuster mit einer signifikant reduzierten Spermienkonzentration assoziiert war, während für Motilität und Morphologie keine signifikanten Zusammenhänge nachweisbar waren (Hasanizadeh et al., 2018). Konzeptionell verwandt, aber methodisch distinkt ist die Klassifikation nach dem Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln (NOVA-System): "Ultra-verarbeitete Lebensmittel" (UPF) umfassen industriell gefertigte Fertigprodukte, Softdrinks, Fast Food und Snacks mit hohem Anteil an Zusatzstoffen. In der spanischen Led-Fertyl-Studie an 200 gesunden Männern war ein höherer UPF-Konsum in vollständig adjustierten Modellen mit signifikant niedrigerer Spermienkonzentration, niedrigerer Gesamtspermienzahl und niedrigerer Gesamtmotilität assoziiert (Valle-Hita et al., 2024): Beim Vergleich der höchsten mit der niedrigsten Tertile sank die Gesamtmotilität um durchschnittlich 7,83 Prozentpunkte. Eine ergänzende Studie an jungen italienischen Männern (FASt-Studie, n=126) fand eine tendenziell reduzierte normale Spermienmorphologie bei hohem UPF-Konsum, wenn auch mit schwächerer statistischer Absicherung. Als Erklärungsmodell wird ein Bündel ungünstiger Faktoren diskutiert, die im "westlichen" Muster gemeinsam auftreten: hohe Zufuhr an gesättigten und Transfetten, hohe glykämische Last mit resultierender Insulinresistenz, ein ungünstiges Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren, ein Mangel an Antioxidantien sowie – speziell bei UPF – die Aufnahme von Lebensmittelkontaktstoffen wie Bisphenolen und Phthalaten aus Verpackungen, die endokrin wirksam sein können. Da "westliche Diät" und "UPF-Konsum" in Studien meist gemeinsam mit einem niedrigeren Bildungsstand, höherem Körpergewicht und weniger körperlicher Aktivität einhergehen, ist eine vollständige Trennung des reinen Ernährungseffekts von Begleitfaktoren in Beobachtungsstudien nicht möglich. Dennoch ist die Gesamtevidenz – mehrere unabhängige Kohorten aus unterschiedlichen Ländern mit konsistenter Richtung des Effekts – als vergleichsweise robust einzustufen.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
"Western Diet" / stark verarbeitete Lebensmittel (Fast Food)-hochmoderat (u.a. -7,8 %-Punkte Motilität höchste vs. niedrigste UPF-Tertile)Valle-Hita et al., 2024; Hasanizadeh et al., 2018

Fleischkonsum insgesamt (Häufigkeit und Menge)

? unklar Evidenz: niedrig
Gesamtmenge an konsumiertem Fleisch (unabhängig vom Typ); Studienlage deutet darauf hin, dass Fleischart/Verarbeitungsgrad wichtiger ist als die reine Menge.

Losgelöst von der Unterscheidung zwischen rotem/verarbeitetem und anderem Fleisch stellt sich die Frage, ob die Gesamtmenge an konsumiertem Fleisch (rotes Fleisch, Geflügel, verarbeitetes Fleisch, Innereien zusammengenommen) die Spermienqualität beeinflusst. Eine iranische Querschnittsstudie an 400 Männern aus einer Kinderwunschklinik untersuchte den Konsum verschiedener "Fleischtypen" (rotes Fleisch, Geflügel, frischer Fisch, Dosenfisch, verarbeitetes Fleisch, Innereien) getrennt und fand für den Gesamtkonsum von rotem Fleisch, Geflügel, verarbeitetem Fleisch und Innereien keine signifikante Assoziation mit Spermienparametern; lediglich ein hoher Konsum von Dosenfisch war mit geringerer Immotilität assoziiert (Ghiasvand et al., 2020). Dies steht im Kontrast zu der US-amerikanischen Kinderwunschklinik-Kohorte, in der Geflügel und weißer Fisch zusammen bereits über 60 % des gesamten Fleisch-/Fischkonsums ausmachten und in der insbesondere der Anteil an verarbeitetem Fleisch (nicht Fleisch insgesamt) mit ungünstigeren Spermienparametern verknüpft war (Afeiche et al., 2014). Diese scheinbar widersprüchlichen Befunde lassen sich dahingehend einordnen, dass es offenbar nicht die Fleischmenge per se, sondern die Fleischart und der Verarbeitungsgrad sind, die den Ausschlag geben: Unverarbeitetes Fleisch und Geflügel in moderaten Mengen zeigen in den meisten Studien keine klare nachteilige Assoziation, während verarbeitetes Fleisch (siehe eigener Abschnitt) konsistenter negativ auffällt. Für eine generelle, typenunabhängige "Dosis-Wirkungs-Beziehung" der reinen Fleischmenge existiert bislang keine belastbare, quantifizierbare Evidenz; systematische Reviews zu Ernährungsmustern (z. B. Nassan et al., 2020 zum "prudent"-Muster, das Fleisch in Form von magerem Fisch und Geflügel einschließt) deuten eher darauf hin, dass die Gesamtqualität der Proteinquelle wichtiger ist als die absolute Fleischmenge. Für eine praktische Einordnung im Rechner ist daher primär die Art und Verarbeitungsstufe des Fleisches (siehe folgender Abschnitt) aussagekräftiger als die reine Verzehrhäufigkeit. Eine methodisch sorgfältige Kohortenstudie an 206 jungen südspanischen Männern bestätigt dieses Bild: Für den Gesamtfleischkonsum ließ sich keinerlei Zusammenhang mit Spermienqualität oder Reproduktionshormonen nachweisen, ebenso wenig für die meisten Einzelfleischtypen (Maldonado-Cárceles et al., 2019). Interessanterweise fielen in dieser Studie zwei Untergruppen aus dem Rahmen: Ein hoher Konsum von Muscheln/Meeresfrüchten war mit einer über die Quartile ansteigenden progressiven Motilität (45,2 % auf 53,2 %) sowie niedrigeren Estradiolwerten assoziiert, während ein hoher Konsum von Innereien/Organfleisch mit einer niedrigeren progressiven Motilität (44,8 % vs. 50,2 % bei Nicht-Konsumenten) und erhöhten LH-Werten einherging (Maldonado-Cárceles et al., 2019). Dies untermauert die These, dass innerhalb der Kategorie "Fleisch" einzelne Subtypen (Meeresfrüchte, Innereien, verarbeitetes vs. unverarbeitetes Fleisch) sehr unterschiedliche, teils gegenläufige Assoziationen aufweisen, die in einer reinen Gesamtmengen-Betrachtung untergehen.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Fleischkonsum insgesamt (Menge/Häufigkeit, unabhängig vom Typ)?niedrignicht_quantifiziertGhiasvand et al., 2020

Rotes und verarbeitetes Fleisch

− negativ Evidenz: niedrig
Wurstwaren, Schinken, Speck und geräuchertes/gepökeltes Fleisch; konsistent mit ungünstigerer Spermienmorphologie und -motilität assoziiert.

Verarbeitetes Fleisch (Wurstwaren, Speck, Schinken, geräuchertes oder gepökeltes Fleisch) gehört zu den in Ernährungsstudien am konsistentesten negativ auffälligen Einzellebensmitteln. In der Kohorte der Harvard-geführten "Environment and Reproductive Health"(EARTH)-Studie an 155 Männern einer Kinderwunschklinik hatten Männer im höchsten Quartil des Verzehrs verarbeiteten Fleisches im Schnitt 1,7 Prozentpunkte weniger morphologisch normale Spermien als Männer im niedrigsten Quartil; ein hoher Konsum an verarbeitetem Fleisch war zudem positiv mit Asthenozoospermie (eingeschränkter Beweglichkeit) korreliert (Afeiche et al., 2014). Eine ergänzende, im britischen Fachjournal veröffentlichte Auswertung derselben Kohorte fand außerdem, dass ein Ersatz von zwei wöchentlichen Portionen verarbeiteten roten Fleisches durch zwei Portionen Fisch mit einer rund 60 % höheren Anzahl normal geformter Spermien assoziiert war – ein Hinweis auf den relativen (Substitutions-)Effekt innerhalb des Ernährungsmusters. Als biologische Mechanismen werden mehrere Faktoren diskutiert: Verarbeitetes Fleisch ist reich an gesättigten Fettsäuren und teils an Transfetten, die die Fluidität der Spermienmembran beeinträchtigen können; zudem enthält es häufig Nitrite/Nitrate und bei der Verarbeitung (Pökeln, Räuchern, Braten bei hoher Temperatur) entstehende heterozyklische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die oxidativen Stress fördern können. In einigen Ländern werden Masttieren zudem anabole Steroidhormone verabreicht, deren Rückstände im Fleisch verbleiben können und möglicherweise die endokrine Achse beeinflussen – allerdings ist dieser Mechanismus beim Menschen nicht direkt belegt (nicht sicher belegt). Für unverarbeitetes rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) in moderaten Mengen ist die Evidenzlage deutlich schwächer und uneinheitlicher: Eine Kohortenstudie an 206 jungen südspanischen Männern fand für unverarbeitetes rotes Fleisch keine robuste unabhängige Assoziation mit Spermienparametern, während lediglich für Innereien eine niedrigere progressive Motilität (44,8 % vs. 50,2 % bei Nicht-Konsumenten) beobachtet wurde (Maldonado-Cárceles et al., 2019). Insgesamt ist die Datenlage für verarbeitetes Fleisch klarer negativ, aber die absolute Effektgröße (rund 1,7 Prozentpunkte Morphologie-Unterschied) ist als eher gering einzustufen, während die "Fisch-statt-Fleisch"-Substitution einen moderateren bis stärkeren relativen Effekt zeigt.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Verarbeitetes Fleisch (Wurst, Schinken, Speck)-niedriggering (−1,7 %-Punkte normale Morphologie, höchstes vs. niedrigstes Quartil)Afeiche et al., 2014

Fischkonsum

+ positiv Evidenz: hoch
Regelmäßiger Konsum von fettreichem Seefisch und weißem Fisch; eine der konsistentesten positiven Ernährungsassoziationen mit Spermienqualität.

Fisch – insbesondere fettreicher Seefisch wie Lachs, Thunfisch oder Blaubarsch – gilt als eine der günstigsten Proteinquellen für die Spermienqualität. In der EARTH-Kohorte hatten Männer mit dem höchsten Konsum von fettreichem Fisch eine um 34 % höhere Gesamtspermienzahl als Männer mit dem niedrigsten Konsum, während auch weißer Fisch (Kabeljau, Seelachs) mit besseren Werten assoziiert war (Afeiche et al., 2014). Eine systematische PRISMA-Übersichtsarbeit zu Omega-3-Fettsäuren und Spermienqualität fand, dass 14 von 16 eingeschlossenen Studien einen positiven Effekt oder eine positive Assoziation von Omega-3-Zufuhr bzw. fischreicher (mediterraner) Ernährung mit mindestens einem Spermienparameter zeigten, darunter Konzentration, Gesamtzahl, Motilität, Volumen und ein reduziertes Risiko für Asthenozoospermie sowie geringere DNA-Fragmentierung (Falsig et al., 2019). Eine 2024 publizierte Studie fand zudem, dass bereits ein wöchentlicher Fischkonsum mit verbesserten Spermienparametern und höheren Testosteronwerten assoziiert war, wobei die Gruppe mit moderatem Fischkonsum die günstigsten Gesamtwerte im Referenzbereich aufwies (Roussev et al., 2024). Ergänzend berichtet die PRISMA-Übersichtsarbeit, dass auch die Einnahme von Fischölpräparaten (als konzentrierte Omega-3-Quelle) in mehreren Studien mit höherem Ejakulatvolumen, höherer Gesamtspermienzahl, größerem Hodenvolumen, einem günstigeren Verhältnis von freiem Testosteron zu LH sowie niedrigeren FSH- und LH-Werten assoziiert war (Falsig et al., 2019) – ein Hinweis darauf, dass nicht nur der Fisch als Lebensmittel, sondern spezifisch die enthaltenen langkettigen Omega-3-Fettsäuren für den Effekt verantwortlich sein könnten. Der zugrunde liegende Mechanismus ist vergleichsweise gut erforscht: Die Spermienmembran ist besonders reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Docosahexaensäure (DHA), die für Membranfluidität, Kapazitationsfähigkeit und Befruchtungsfähigkeit der Spermien wichtig ist. Eine ausreichende Zufuhr an langkettigen Omega-3-Fettsäuren aus Fisch kann diesen Membranbaustein direkt liefern und gleichzeitig entzündungshemmend sowie antioxidativ wirken. Bemerkenswert ist, dass der positive Zusammenhang in mehreren Studien bei unfruchtbaren Männern bzw. Männern aus Kinderwunschkliniken ausgeprägter erscheint als bei jungen, gesunden Männern ohne Fertilitätsprobleme – ein Hinweis darauf, dass ein bereits eingeschränktes Ausgangsniveau eher von einer Ernährungsoptimierung profitiert ("Regression zur Mitte" bzw. größerer Verbesserungsspielraum). Einschränkend zu nennen ist, dass ein Teil der positiven Effekte durch Quecksilber- und andere Schwermetallbelastung bei sehr hohem Konsum bestimmter Raubfischarten (z. B. Thunfisch, Schwertfisch) potenziell abgeschwächt werden könnte, wozu direkte Humandaten zur Spermienqualität jedoch spärlich sind (nicht sicher belegt).

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Regelmäßiger Fischkonsum (v.a. fettreicher Seefisch)+hochmoderat (+34 % Gesamtspermienzahl höchste vs. niedrigste Kategorie)Afeiche et al., 2014; Falsig et al., 2019

Soja und Phytoöstrogene

? unklar Evidenz: niedrig
Sojaprodukte enthalten Isoflavone mit schwacher östrogenähnlicher Wirkung; Beobachtungsdaten und Interventionsstudien widersprechen sich.

Sojaprodukte (Tofu, Sojamilch, Edamame, Tempeh) enthalten Isoflavone – pflanzliche Phytoöstrogene, die schwach an Östrogenrezeptoren binden können. Dies hat zu der verbreiteten Sorge geführt, ein hoher Sojakonsum könne bei Männern "feminisierend" wirken und die Spermienqualität verschlechtern. Die Datenlage ist jedoch uneinheitlich. Eine Beobachtungsstudie an 99 Männern aus einer Kinderwunschklinik fand, dass Männer in der höchsten Kategorie des Sojakonsums eine um 41 Millionen Spermien/ml niedrigere Spermienkonzentration aufwiesen als Männer ohne Sojakonsum; etwa die Hälfte dieses Unterschieds ließ sich allerdings durch ein höheres Ejakulatvolumen in der sojareichen Gruppe erklären (reine Verdünnung), und der Zusammenhang war bei übergewichtigen/adipösen Männern ausgeprägter als bei normalgewichtigen. Motilität, Morphologie und Ejakulatvolumen selbst zeigten in dieser Studie keine Assoziation mit dem Sojakonsum (Chavarro et al., 2008). Im Gegensatz dazu fand eine randomisierte Crossover-Interventionsstudie an gesunden jungen Männern, bei der über jeweils 57 Tage Milchprotein, sojaproteinreich mit niedrigem (1,6 mg/Tag) und mit hohem Isoflavongehalt (61,7 mg/Tag) verabreicht wurde, keinerlei nachteilige Wirkung auf die untersuchten Spermienqualitätsparameter (Beaton et al., 2010). Auch mehrere Übersichtsarbeiten, die klinische und experimentelle Evidenz zusammenfassen, kommen zu dem Schluss, dass belastbare Hinweise auf "feminisierende" Effekte von Sojaisoflavonen beim erwachsenen Mann überwiegend aus Tier- und In-vitro-Modellen stammen und sich nicht konsistent auf den Menschen übertragen lassen; als kritischste Expositionsfenster gelten eher die vorgeburtliche und frühkindliche Entwicklungsphase als das Erwachsenenalter. Insgesamt ist die Evidenz zu Soja und Spermienqualität bei erwachsenen Männern als widersprüchlich und von niedriger Qualität einzustufen: Eine einzelne Beobachtungsstudie zeigt einen möglichen (teils durch Volumeneffekte erklärbaren) negativen Zusammenhang bei sehr hohem Konsum, während eine kontrollierte Interventionsstudie keinen Effekt findet. Ein moderater Sojakonsum (z. B. gelegentlicher Tofu- oder Sojamilchverzehr) erscheint nach aktueller Datenlage unproblematisch.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Hoher Soja-/Isoflavonkonsum?niedrignicht_quantifiziert (Einzelstudie: −41 Mio./ml höchste vs. keine Kategorie)Chavarro et al., 2008; Beaton et al., 2010

Vollfett-Milchprodukte

− negativ Evidenz: niedrig
Vollmilch, Vollfettkäse und andere fettreiche Milchprodukte; in Kohortenstudie mit schlechterer Spermienmorphologie und -motilität assoziiert, v.a. getrieben durch Käsekonsum.

Milchprodukte enthalten neben Kalzium und Eiweiß auch natürliche Steroidhormone und deren Vorstufen aus der Milch trächtiger Kühe sowie – je nach Fettgehalt unterschiedlich stark – fettlösliche Kontaminanten. In einer Kohortenstudie an 189 körperlich aktiven jungen Männern (18–22 Jahre) war ein hoher Konsum von Vollfett-Milchprodukten mit einer signifikant niedrigeren Spermienmorphologie assoziiert: Der adjustierte Unterschied im Anteil normal geformter Spermien betrug −3,2 Prozentpunkte zwischen der oberen und unteren Hälfte der Aufnahme; auch die progressive Motilität war bei hohem Vollfett-Milchkonsum signifikant reduziert (Afeiche et al., 2013). Die Assoziation wurde in erster Linie durch den Konsum von Käse getrieben und war unabhängig vom übrigen Ernährungsmuster nachweisbar (Afeiche et al., 2013). Als möglicher Mechanismus wird diskutiert, dass in handelsüblicher Kuhmilch – insbesondere in Milch von Kühen, die während der Trächtigkeit gemolken werden – messbare Konzentrationen von Östrogenen und Progesteron vorhanden sind, die sich überwiegend im Fettanteil der Milch anreichern. Eine chronisch erhöhte Zufuhr könnte theoretisch über eine negative Rückkopplung auf die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse educative Effekte auf die Spermatogenese haben (nicht sicher belegt, da direkte Hormonmessungen im Blut in den zitierten Studien keine konsistenten Effekte auf Testosteron zeigten). Zusätzlich könnten in fettreichen Milchprodukten akkumulierte lipophile Umweltschadstoffe (z. B. bestimmte Organochlor-Rückstände) eine Rolle spielen. Da die Evidenz im Wesentlichen auf einer einzelnen, wenn auch sorgfältig durchgeführten Kohortenstudie an einer relativ jungen, nicht notwendigerweise repräsentativen Population beruht und eine kausale Bestätigung durch unabhängige Studien oder Interventionsstudien fehlt, ist der Evidenzgrad als niedrig einzustufen, auch wenn die Effektrichtung mit dem übrigen Bild "gesättigtfettreicher, tierproduktlastiger Ernährungsmuster" konsistent ist.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Vollfett-Milchprodukte (v.a. Käse), hoher Konsum-niedriggering (−3,2 %-Punkte normale Morphologie)Afeiche et al., 2013

Fettarme Milchprodukte

+ positiv Evidenz: niedrig
Magermilch, fettreduzierter Joghurt und Käse; in derselben Kohortenstudie mit besserer Spermienkonzentration und Motilität assoziiert, gegenläufig zu Vollfett-Varianten.

Im Gegensatz zu Vollfett-Varianten zeigte sich für fettarme Milchprodukte (Magermilch, fettreduzierter Joghurt und Käse) in derselben Kohortenstudie an jungen aktiven Männern ein positiver Zusammenhang mit der Spermienqualität: Männer im höchsten Viertel des Konsums fettarmer Milchprodukte hatten eine um 33 % höhere Spermienkonzentration und eine um 9,3 Prozentpunkte höhere Spermienmotilität als Männer im niedrigsten Viertel (Afeiche et al., 2013). Der negative Zusammenhang zwischen Milchprodukten und Morphologie war bei fettarmen Varianten mit −1,3 Prozentpunkten deutlich schwächer ausgeprägt als bei Vollfett-Produkten und statistisch nur grenzwertig signifikant (Afeiche et al., 2013). Diese gegenläufigen Befunde für fettarme vs. fettreiche Milchprodukte innerhalb derselben Studienpopulation stützen die Hypothese, dass es primär der Fettanteil der Milch ist – und die darin gelösten, lipophilen Steroidhormone bzw. andere fettlösliche Substanzen –, der für die ungünstigen Effekte bei Vollfett-Produkten verantwortlich sein könnte, während die in Magermilchprodukten enthaltenen wasserlöslichen Proteine, Kalzium und andere Mikronährstoffe (z. B. Jod, Vitamin B12) eher günstig wirken könnten. Eine spätere unabhängige Auswertung an Männern aus einer Kinderwunschklinik lieferte teilweise abweichende, weniger eindeutige Ergebnisse zum Gesamtmilchkonsum, was die Übertragbarkeit auf ältere oder subfertile Populationen einschränkt. Da auch dieser Befund im Wesentlichen auf einer einzelnen Kohortenstudie an einer jungen, überwiegend gesunden Population beruht, ist trotz der beachtlichen Effektgröße von einer niedrigen Evidenzstärke auszugehen; Verzerrungen durch andere gesundheitsbewusste Verhaltensweisen von Männern, die bevorzugt fettarme statt fettreiche Milchprodukte konsumieren, können in einer Querschnittsstudie nicht ausgeschlossen werden. Aus praktischer Sicht lässt sich aus den vorliegenden Daten immerhin eine konsistente Handlungsempfehlung ableiten: Nicht der Verzicht auf Milchprodukte insgesamt, sondern die Bevorzugung fettreduzierter gegenüber vollfetten Varianten (insbesondere bei Käse) erscheint auf Basis der aktuellen, wenn auch begrenzten Evidenz sinnvoll.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Fettarme Milchprodukte, hoher Konsum+niedrigstark (+33 % Spermienkonzentration höchstes vs. niedrigstes Quartil)Afeiche et al., 2013

Zucker und gesüßte Getränke (Softdrinks)

− negativ Evidenz: niedrig
Zuckergesüßte Limonaden, Energydrinks und Fruchtsäfte; bei hohem Konsum (≥7 Portionen/Woche) mit reduzierter Spermienkonzentration und -zahl assoziiert, bei moderatem Konsum uneinheitlich.

Der Zusammenhang zwischen zuckergesüßten Getränken und Spermienqualität wird in der Literatur uneinheitlich berichtet, wobei neuere, größere Studien eher für einen negativen Zusammenhang bei hohem Konsum sprechen. Eine dänische Querschnittsstudie an 1.047 jungen Männern (FEPOS-Kohorte) fand keine starke Assoziation zwischen dem Konsum zucker- oder künstlich gesüßter Getränke und Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl oder Gesamtmotilität; lediglich bei künstlich gesüßten Getränken war der Anteil morphologisch normaler Spermien bei moderatem Konsum (≥3 Tage/Woche) um 11 % niedriger als bei seltenerem Konsum (Meldgaard et al., 2022). Eine neuere, 2024 publizierte präkonzeptionelle Kohortenstudie fand hingegen bei einem Konsum von sieben oder mehr Softdrink-Portionen pro Woche eine um 22 % niedrigere Spermienkonzentration und eine um 22 % niedrigere Gesamtspermienzahl im Vergleich zu geringerem Konsum, mit einem mehr als verdoppelten relativen Risiko für eine unterdurchschnittliche Spermienkonzentration (Joseph et al., 2024). Eine 2025 erschienene Narrative-Review-Arbeit fasst die verfügbare Evidenz zusammen und bestätigt einen Dosis-Wirkungs-Trend, wonach insbesondere zuckergesüßte Limonaden, Energydrinks und Fruchtsäfte mit reduzierter Spermienqualität assoziiert sind, während für Sportgetränke kein klarer Zusammenhang bestand (Win et al., 2025). Als Erklärungsmodell wird ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen angenommen: Ein hoher Konsum zuckergesüßter Getränke begünstigt Übergewicht und viszerale Adipositas, die ihrerseits über eine periphere Umwandlung von Testosteron zu Östrogen im Fettgewebe (Aromatase-Aktivität) sowie über eine Erhöhung der Hodentemperatur die Spermienbildung beeinträchtigen können. Zusätzlich löst eine hohe Zuckerzufuhr Insulinresistenz, erhöhte Triglyceridwerte und beschleunigte Glykierungsprozesse aus, die auch auf zellulärer Ebene der Spermien oxidativen Stress fördern können. Da die Studienergebnisse zwischen einzelnen Kohorten different ausfallen (kein Effekt bei moderatem Konsum vs. deutlicher Effekt erst ab hohem Schwellenwert von ≥7 Portionen/Woche), ist die Gesamtevidenz trotz teils großer Stichproben als niedrig bis moderat und nicht vollständig konsistent einzuordnen; ein klarer Schwelleneffekt bei sehr hohem Konsum erscheint aber plausibel.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Zuckergesüßte Getränke, hoher Konsum (≥7 Portionen/Woche)-niedrigmoderat (−22 % Spermienkonzentration/-zahl)Joseph et al., 2024; Meldgaard et al., 2022

Transfette

− negativ Evidenz: niedrig
Industriell gehärtete Transfettsäuren aus Frittiertem, Fast Food und Backwaren; in der zentralen Studie stark negativ mit Gesamtspermienzahl und Testosteron assoziiert.

Industriell gehärtete Transfettsäuren, wie sie in frittierten Speisen, Fast Food, Backwaren und manchen Fertigprodukten vorkommen, zeigen in der bislang aussagekräftigsten Studie zu diesem Thema einen ausgeprägten negativen Zusammenhang mit der Spermienzahl. In einer Querschnittsstudie an 209 gesunden spanischen Universitätsstudenten (18–23 Jahre) sank die multivariat adjustierte mittlere Gesamtspermienzahl kontinuierlich über die Quartile der Transfettzufuhr: von 144 Millionen im niedrigsten Quartil auf 89 Millionen im höchsten Quartil – ein Rückgang um rund 38 % (Chavarro et al., 2014). Männer im obersten Viertel der Transfettzufuhr wiesen darüber hinaus rund 15 % niedrigere Testosteronwerte und ein um etwa 4 % geringeres Hodenvolumen auf als Männer im untersten Viertel. Der Zusammenhang blieb nach Adjustierung für Gesamtkalorienzufuhr, Body-Mass-Index, Rauchen und weitere Ernährungsfaktoren bestehen (Chavarro et al., 2014). Biologisch plausibel ist dieser Effekt durch den direkten Einbau von Transfettsäuren in die Phospholipid-Doppelschicht der Zellmembranen, einschließlich der Spermienmembran, die für die Beweglichkeit, Kapazitation und Fusion mit der Eizelle essenziell ist; ein hoher Transfettanteil verändert die Membranfluidität ungünstig. Tiermodelle und Biomarker-Studien bei Männern aus Kinderwunschkliniken – bei denen erhöhte Transfettsäure-Spiegel direkt im Seminalplasma bzw. in der Spermienmembran gemessen und mit niedrigerer Spermienkonzentration assoziiert wurden – stützen diesen Mechanismus zusätzlich. Einschränkend ist zu erwähnen, dass die zentrale Studie zu diesem Thema bislang nicht durch eine unabhängige, ähnlich große Kohorte repliziert wurde und ausschließlich auf einer Querschnittsanalyse ohne Interventionsarm beruht; auch war die Studienpopulation jung und gesund, sodass die Übertragbarkeit auf ältere oder bereits subfertile Männer unklar bleibt. Angesichts des international sinkenden, aber weiterhin relevanten Transfettanteils in vielen verarbeiteten Lebensmitteln (trotz regulatorischer Verbote in einigen Ländern, u. a. der EU-Grenzwertregelung seit 2021) bleibt der Faktor praktisch relevant für Rechner-Einschätzungen.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Hohe Transfettzufuhr (oberstes vs. unterstes Quartil)-niedrigstark (−38 % Gesamtspermienzahl)Chavarro et al., 2014

Bio- vs. konventionelle Lebensmittel (Pestizidrückstände)

− negativ Evidenz: niedrig
Obst und Gemüse mit hohem Pestizidrückstand (konventioneller Anbau) ist mit deutlich schlechterer Spermienzahl und -morphologie assoziiert; Bio-Erzeugnisse als Strategie zur Expositionsreduktion diskutiert.

Ob der Umstieg auf biologisch erzeugte Lebensmittel die Spermienqualität verbessert, wurde bislang nicht direkt in randomisierten Studien untersucht; die verfügbare Evidenz stützt sich stattdessen auf die Analyse von Pestizidrückständen in konventionell angebautem Obst und Gemüse als Proxy. In der EARTH-Kohorte an 155 Männern einer Kinderwunschklinik wurden Obst- und Gemüsesorten anhand von USDA-Rückstandsdaten in Kategorien mit hohem, moderatem und niedrigem Pestizidrückstand eingeteilt. Männer mit dem höchsten Konsum an hochbelastetem Obst und Gemüse (z. B. Erdbeeren, Spinat, Paprika, Äpfel) hatten eine um 49 % niedrigere Gesamtspermienzahl und einen um 32 % niedrigeren Anteil morphologisch normaler Spermien als Männer mit dem niedrigsten Konsum solcher Produkte – während die Gesamtmenge an konsumiertem Obst und Gemüse für sich genommen mit keinem Spermienparameter assoziiert war (Chiu et al., 2015). In einer unabhängigen zweiten Kohorte junger, gesunder Männer (Rochester Young Men's Study, n=189) zeigte sich das Bild spiegelbildlich: Ein hoher Konsum von Obst und Gemüse mit niedrigem bis moderatem Pestizidrückstand war positiv mit Spermienzahl und -konzentration assoziiert (Chiu et al., 2016). Als Wirkmechanismus werden vor allem Organophosphat- und andere nicht-persistente Insektizide diskutiert, die in mehreren Übersichtsarbeiten mit einer Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse sowie direkt toxischen Effekten auf die Spermatogenese in Verbindung gebracht werden, unter anderem über eine endokrin-disruptive (antiandrogene bzw. östrogenähnliche) Wirkung einzelner Wirkstoffe. Da Bio-Erzeugnisse im Schnitt deutlich geringere Pestizidrückstände aufweisen als konventionell angebaute Produkte, wird eine Umstellung auf biologisch erzeugtes Obst und Gemüse – oder gezieltes Meiden besonders belasteter konventioneller Sorten – als praktikable Strategie zur Reduktion der Pestizidexposition diskutiert. Einschränkend ist zu betonen, dass beide zentralen Studien aus derselben Forschungsgruppe stammen, auf Nahrungsmittelhäufigkeitsfragebögen (mit Rückstandsschätzung auf Warengruppen-, nicht Individualebene) beruhen und keine direkte biologische Pestizidmessung im Urin oder Blut der Probanden einschließen; unabhängige Replikationsstudien außerhalb der USA fehlen bislang weitgehend. Der Effekt selbst ist in den vorliegenden Studien jedoch bemerkenswert groß und in zwei unabhängigen Kohorten in konsistenter Richtung nachweisbar.

FaktorRichtungEvidenzEffektgrößeHauptquelle
Hoher Konsum pestizidbelasteten Obsts/Gemüses (konventionell)-niedrigstark (−49 % Gesamtspermienzahl, −32 % normale Morphologie)Chiu et al., 2015

Quellen

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