Pränatale Exposition gegenüber einer Mischung endokriner Disruptoren und Biomarker männlicher Fruchtbarkeit: eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie (2026)
Hull SD et al. — Andrology · Endokrine Disruptoren
In dieser bevölkerungsbasierten Kohortenstudie (Fetal Programming of Semen Quality-Kohorte, eine Sub-Kohorte der dänischen Geburtskohorte) wurde bei 841 jungen erwachsenen Männern untersucht, ob die pränatale Exposition ihrer Mütter gegenüber einer Mischung endokriner Disruptoren (PFAS, Phthalatmetabolite, Triclosan, gemessen im mütterlichen Blut) mit Biomarkern männlicher Fruchtbarkeit im jungen Erwachsenenalter zusammenhängt. Mittels Quantil-g-Computation wurde der Effekt eines Anstiegs um ein Quartil in der Gesamtmischung sowie separat für eine PFAS-Mischung und eine Mischung nicht-persistenter Chemikalien geschätzt. Eine Erhöhung der Gesamtchemikalienmischung um ein Quartil war assoziiert mit 4,0 Mio./ml niedrigerer Spermienkonzentration, 16,1 Mio. niedrigerer Gesamtspermienzahl, 0,5 ml kleinerem Hodenvolumen, 5 % höherem Anteil unbeweglicher Spermien und 7 % höherem FSH – allerdings mit breiten Konfidenzintervallen, die auch keinen Effekt einschließen. Ähnliche, wenn auch schwächere, Assoziationen zeigten sich für die PFAS-Mischung, während die nicht-persistente Chemikalienmischung keine Effekte zeigte. Die Ergebnisse sind mit einem PFAS-getriebenen Effekt vereinbar, aber statistisch nicht eindeutig gesichert.
PMID 40220336 — Original auf PubMed →
Spermien-DNA-Fragmentierung bei Männern mit Varikozele: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2026)
Palani A et al. — The world journal of men's health · Genetik & Anatomie
Diese systematische Übersicht und Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang zwischen Varikozele und Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF) sowie klassischen Spermaparametern. Aus 476 gefundenen Artikeln wurden 40 Studien eingeschlossen, davon 35 in die quantitative Synthese. Männer mit Varikozele zeigten eine signifikant höhere SDF als Männer ohne Varikozele (mittlere Differenz 15,34 %, 95%-KI 9,74-20,9; p<0,001), unabhängig von der verwendeten Testmethode. Zudem war eine Varikozele signifikant assoziiert mit geringerer Spermienkonzentration (-29 Mio./ml), niedrigerer Gesamtspermienzahl (-188 Mio./Ejakulat), geringerer Vitalität (-5,7 %), geringerer Gesamt- und progressiver Motilität (jeweils -17 %), weniger normal geformten (-3,1 %) und mehr abnormal geformten Spermien (+2,25 %; alle p≤0,007). Samenvolumen und Gesamtzahl motiler Spermien unterschieden sich dagegen nicht signifikant. Die Autoren folgern, dass die Varikozele die männliche Fertilität wesentlich über eine erhöhte DNA-Fragmentierung beeinträchtigt, und befürworten den routinemäßigen Einsatz der SDF-Analyse zur Entscheidungsfindung bei operativer Varikozelenbehandlung.
PMID 40583011 — Original auf PubMed →
Entwicklung eines Nomogramms zur Vorhersage der Spermiengewinnung bei microTESE bei idiopathischer nicht-obstruktiver Azoospermie: eine multizentrische Kohortenstudie (2026)
Russo GI et al. — Andrology · Genetik & Anatomie
Multizentrische retrospektiv-prospektive Kohortenstudie (2022–2024, 333 Männer mit nicht-obstruktiver Azoospermie [NOA] ohne genetische Auffälligkeiten an sechs akademischen Zentren) zur Entwicklung eines Vorhersagemodells (Nomogramm) für den Erfolg der Spermiengewinnung mittels mikrochirurgischer testikulärer Spermienextraktion (microTESE). Erfasst wurden Alter, BMI, Hormonprofil (FSH, LH, Testosteron), genetische Befunde, sonografisches Hodenvolumen sowie histopathologische Befunde; die Auswertung erfolgte per logistischer Regression mit interner Validierung über 1000 Bootstrap-Stichproben. Die Gesamterfolgsrate der Spermiengewinnung lag bei 52,55 %. Unabhängige Prädiktoren für Misserfolg waren höhere FSH-Werte (OR 0,97; p=0,049), Reifungsarrest (OR 0,04; p<0,01) und Sertoli-Cell-only-Syndrom (OR 0,03; p<0,01). Das Nomogramm erreichte einen C-Index von 0,75, eine Sensitivität von 73 % und eine Spezifität von 82 %. Es soll künftig die präoperative Beratung und Therapieplanung bei Paaren mit NOA-bedingter Unfruchtbarkeit unterstützen; eine externe Validierung steht noch aus.
PMID 40884056 — Original auf PubMed →
Quecksilberbelastung und männliche Fruchtbarkeit: Untersuchung der Auswirkungen der Umwelt-Bioakkumulation auf die Spermienqualität (2026)
Henriques MC et al. — Food and chemical toxicology · Umweltschadstoffe
Querschnittsstudie zum Zusammenhang zwischen Quecksilberbelastung (Hg) und Spermienqualität anhand von Kopfhaar- und Samenproben sowie einem Fragebogen zu soziodemografischen, sozioökonomischen, Lebensstil- und Reproduktionsfaktoren. Die Analyse zeigte eine deutliche Hg-Bioakkumulation in allen Haarproben, wobei 41 % über 1000 ng/g und 11 % über 2000 ng/g lagen. Es fand sich eine signifikante positive Korrelation zwischen dem Gesamt-Hg-Gehalt im Haar und Defekten am Hauptstück der Spermien sowie einem erhöhten Teratozoospermie-Index (Anteil abnormal geformter Spermien). Fischkonsum wurde als wichtiger Beitragsfaktor zur Hg-Belastung identifiziert. Die Autoren interpretieren die Ergebnisse als zusätzlichen Beleg für ein reproduktionstoxisches Risiko durch Quecksilber und fordern eine kontinuierliche Expositionsüberwachung zum Schutz der männlichen Fruchtbarkeit. Konkrete Zahlen zur Stichprobengröße werden im Abstract nicht genannt.
PMID 41077376 — Original auf PubMed →
Die Rolle des seminalen Oxidations-Reduktions-Potenzials bei männlicher Unfruchtbarkeit: systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (2026)
Christoforaki V et al. — Reproductive biomedicine online · Messmethodik
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Literatursuche in MEDLINE, CENTRAL, Embase und Studienregistern bis Dezember 2024) zur Frage, ob sich das seminale oxidativ-reduktive Potenzial (ORP) als Marker für oxidativen Stress zwischen fertilen und unfruchtbaren Männern unterscheidet und mit der Spermienqualität zusammenhängt. In die Metaanalyse gingen 13 Studien ein. Fertile Männer hatten niedrigere ORP-Werte als unfruchtbare Männer (gewichtete mittlere Differenz [WMD] -4,07; 95%-KI -5,80 bis -2,35), ebenso Männer mit normalen im Vergleich zu abnormalen Spermienparametern (WMD -2,39). Hohe ORP-Werte gingen mit niedrigerer Spermienkonzentration (WMD -35,76), niedrigerer Gesamtspermienzahl (WMD -126,41), reduzierter Gesamt- und progressiver Motilität sowie schlechterer Morphologie und einem höheren Anteil unbeweglicher Spermien einher. Die Autoren schlussfolgern, dass das seminale ORP negativ mit männlicher Fertilität und mehreren Spermienqualitätsparametern assoziiert ist und sich als ergänzender diagnostischer Marker für oxidativen Stress bei männlicher Unfruchtbarkeit eignen könnte.
PMID 41207812 — Original auf PubMed →
Auswirkungen einer Ureaplasma-urealyticum-Infektion des Urogenitaltrakts auf Spermien-DNA und Samenqualität bei männlichen Patienten (2026)
Zhao L et al. — European journal of clinical microbiology & infectious diseases · Grunderkrankungen & Infektionen
Laboranalytische Studie zu den Auswirkungen einer Infektion mit Ureaplasma urealyticum (UU) im männlichen Genitaltrakt auf Spermien-DNA und Samenqualität. Die Spermienmorphologie wurde mikroskopisch nach HE-Färbung beurteilt, biochemische Samenparameter (Zink, Fruktose, Zitronensäure, neutrale α-Glukosidase, Elastase, Akrosin-Aktivität) automatisiert bestimmt, die DNA-Fragmentierung (DFI) sowie hohe DNA-Anfärbbarkeit (HDS) mittels Sperm-Chromatin-Structure-Assay (SCSA) gemessen. In der UU-positiven Gruppe waren die seminale Elastase (p=0,0006) und der Anteil morphologisch abnormaler Spermien signifikant erhöht; auch der DFI-Wert lag signifikant höher als in der UU-negativen Vergleichsgruppe. Die Autoren schlussfolgern, dass eine UU-Infektion nicht nur biochemische Samenparameter und die Spermienmorphologie verschlechtert, sondern auch die DNA-Fragmentierung erhöht und die DNA-Integrität der Spermien senkt, was einen relevanten Pathomechanismus für UU-assoziierte männliche Unfruchtbarkeit darstellen könnte. Genaue Stichprobenzahlen werden im verfügbaren Abstract nicht genannt.
PMID 41217668 — Original auf PubMed →
Eine nordamerikanische Präkonzeptionsstudie zu Schlafgesundheit und Spermienqualität (2026)
Coleman CM et al. — Human reproduction (Oxford, England) · Alter, Stress & Schlaf
Querschnittsanalyse innerhalb der nordamerikanischen Präkonzeptionskohorte "Pregnancy Study Online" mit 690 männlichen Teilnehmern (≥21 Jahre, 1247 Samenproben, Einschluss 2015–2023), bei der selbstberichtete Angaben zu Schlafdauer, Schlafstörungshäufigkeit und (bei einer Teilstichprobe) zum Pittsburgh-Schlafqualitätsindex mit Ergebnissen eines Heim-Testkits für Spermienparameter verknüpft wurden. Mittels GEE-Modellen zeigte sich: Sehr kurzer bzw. sehr langer Schlaf, häufige Schlafstörungen und schlechte Schlafqualität waren mit reduzierter Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl und gesamtbeweglicher Spermienzahl assoziiert, kurzer Schlaf und häufige Schlafstörungen zusätzlich mit vermindertem Samenvolumen. Bei schlechter im Vergleich zu guter Schlafqualität lagen die prozentualen Unterschiede bei -19,2 % für die Gesamtspermienzahl und -18,1 % für die Spermienkonzentration. Trotz möglicher Fehlklassifikation durch Selbstauskünfte und einer auf internetaffine, kinderwunschplanende Paare beschränkten Stichprobe stützen die Ergebnisse einen Zusammenhang zwischen schlechter Schlafgesundheit und verminderter Spermienqualität.
PMID 41330355 — Original auf PubMed →
Einfluss von humanen Papillomaviren auf Spermienparameter und männliche Unfruchtbarkeit: eine Einzelzentrumsstudie (2026)
Matik S et al. — JBRA assisted reproduction · Grunderkrankungen & Infektionen
Single-Center-Fall-Kontroll-Studie mit 50 Männern aus unfruchtbaren Paaren und 10 Männern mit nachgewiesener Fertilität als Kontrollen, die den Nachweis von seminalem HPV (mittels Real-Time-PCR mit Genotypisierung) und dessen Zusammenhang mit computerassistierter Spermienanalyse untersuchte. HPV-DNA fand sich bei 9 von 50 Männern (18,0 %) aus unfruchtbaren Paaren und bei 1 von 10 fertilen Kontrollen (10,0 %). Innerhalb der unfruchtbaren Gruppe war HPV-Positivität mit veränderten Spermienparametern assoziiert, unter anderem erhöhter progressiver Motilität, vermehrtem residualem Zytoplasma und reduziertem Anteil normaler Akrosomen. Im Vergleich zu fertilen Kontrollen zeigten HPV-positive unfruchtbare Männer signifikant niedrigere Spermienkonzentration, geringere Gesamtzahl beweglicher Spermien, schlechtere Penetrationsfähigkeit in Zervixschleim sowie mehr Schwanz-, Hals- und Mittelstückdefekte. Die kleine Stichprobe begrenzt die Aussagekraft, dennoch deuten die Ergebnisse auf eine mögliche Rolle von HPV als Kofaktor männlicher Unfruchtbarkeit hin.
PMID 41428716 — Original auf PubMed →
Saisonale Schwankungen der menschlichen Spermienparameter: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (2026)
Dehghanbanadaki H et al. — Andrology · Sonne & Klima
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Literatursuche in PubMed, Web of Science und Scopus bis März 2025, 641 zunächst identifizierte Studien, 21 in die Metaanalyse eingeschlossen) zu saisonalen Schwankungen menschlicher Spermienparameter. Mittels Random-Effects-Modellen wurden gepoolte mittlere Differenzen zwischen den Jahreszeiten berechnet. Winter und Frühling zeigten insgesamt eine bessere Spermienqualität als Sommer und Herbst: höhere Spermienkonzentration (+3,24 bis 6,07 Mio./mL), höhere Gesamtspermienzahl (+14,63 bis 19,74 Mio.) und geringere langsame Motilität (-5,17 bis -11,75 Prozentpunkte). Im Winter fand sich zudem eine um 1,30 Prozentpunkte höhere normale Morphologie als in Herbst/Sommer, im Frühling eine um 4,34–4,38 Millionen höhere Gesamtzahl beweglicher Spermien sowie bessere Morphologie als im Sommer; im Sommer war die langsame Motilität niedriger als im Herbst. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Jahreszeit bei Planung und Interpretation von Spermiogrammen berücksichtigt werden sollte, da Winter und Frühling im Mittel günstigere Werte liefern.
PMID 41474168 — Original auf PubMed →
Bewertung der Monotherapie mit Coenzym Q10, L-Carnitin oder Kombinationstherapie auf Spermienparameter bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit: eine placebokontrollierte doppelblinde randomisierte klinische Studie (2026)
Higazy A et al. — Arab journal of urology · Supplements & Nährstoffe
Placebokontrollierte, doppelblinde randomisierte klinische Studie mit 200 Männern mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (OAT), aufgeteilt in vier gleich große Gruppen (CoQ10-Monotherapie, L-Carnitin-Monotherapie, Kombinationstherapie, Placebo); 174 Patienten schlossen die dreimonatige Nachbeobachtung ab. Primärer Endpunkt war die Veränderung der Spermienparameter, sekundäre Endpunkte waren der Spermien-DNA-Fragmentierungsindex (SDF) und das Hormonprofil. Sowohl Mono- als auch Kombinationstherapie führten nach drei Monaten zu einer hochsignifikanten Verbesserung aller Spermienparameter und des SDF-Index gegenüber dem Ausgangswert, während die Placebogruppe keine Verbesserung zeigte. In den Behandlungsgruppen stieg zudem der Testosteronspiegel und das luteinisierende Hormon (LH) sank, während sich in der Placebogruppe nichts änderte; Prolaktin blieb in allen Gruppen unverändert. Die Kombination aus CoQ10 und L-Carnitin erzielte eine stärkere Verbesserung als die jeweilige Monotherapie und erscheint damit als wirksamste antioxidative Behandlungsoption bei idiopathischer OAT.
PMID 41509099 — Original auf PubMed →
Pränatale berufliche Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren während der Schwangerschaft und reproduktive Hormone bei erwachsenen Männern (2026)
Blanc-Petitjean P et al. — Reproductive biomedicine online · Endokrine Disruptoren
Querschnittsstudie mit 2326 Schweizer Rekruten (Datenerhebung 2005–2017), in der mittels eines Job-Expositions-Musters die berufliche Exposition der Mütter gegenüber endokrinen Disruptoren (EDC) während der Schwangerschaft erfasst und mit Reproduktionshormonen (FSH, LH, Gesamt- und freies Testosteron, Östradiol, SHBG) der erwachsenen Söhne in Verbindung gebracht wurde. Serumproben lagen von allen Rekruten mit pränatal EDC-exponierten Müttern (n=138) sowie einer Zufallsstichprobe nicht exponierter Rekruten (n=276) vor; die Auswertung erfolgte mittels multipler linearer Regression unter Adjustierung für Störvariablen. Pränatale Exposition gegenüber Phthalaten bzw. Alkylphenolverbindungen war signifikant mit höheren FSH-Werten assoziiert (adjustiertes β=0,26 bzw. 0,22), pränatale Pestizidexposition mit höheren SHBG-Werten (adjustiertes β=0,22). Für andere EDC-Kategorien fanden sich keine signifikanten Zusammenhänge. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf mögliche langfristige, transgenerationale hormonelle Effekte pränataler EDC-Exposition und fordern eine Replikation in größeren prospektiven Studien.
PMID 41520584 — Original auf PubMed →
Aktuelle Risikofaktoren für männliche Unfruchtbarkeit und Spermienparameter: eine Dachübersicht (Umbrella Review) systematischer Übersichtsarbeiten und Metaanalysen (2026)
Wang QH et al. — Asian journal of andrology · Sonstiges
Dachübersicht (Umbrella Review) über systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen (Literatursuche in Web of Science, MEDLINE und Embase, Januar 2000 bis Februar 2025) zu Risikofaktoren für männliche Unfruchtbarkeit und abnormale Spermienparameter. Eingeschlossen wurden 43 Studien zu 67 Risikofaktoren mit insgesamt 249 einzeln nach GRADE bewerteten Effektschätzern, von denen 54,6 % als "sehr niedrig", 23,7 % als "niedrig" und nur 21,7 % als "moderat" in der Evidenzqualität eingestuft wurden. Als risikoerhöhend identifiziert wurden unter anderem Typ-1-Diabetes, metabolisches Syndrom, Hyperthyreose, systemischer Lupus erythematodes, chronische Prostatitis und Leukozytospermie sowie ungünstige Lebensstilfaktoren (Adipositas, Schlafstörungen, Rauchen), Schadstoffexposition (Schwefelkohlenstoff, Organophosphate, Blei), bestimmte Medikamente (Sulfasalazin, Mesalazin, SSRI) und virale Infektionen (SARS-CoV-2, HPV, Hepatitisviren). Regelmäßige körperliche Aktivität, Nusskonsum und gesunde Ernährungsmuster könnten diesen Effekten entgegenwirken. Die Autoren betonen, dass die Evidenzqualität überwiegend gering und ein kausaler Nachweis für viele Zusammenhänge noch offen ist.
PMID 41527944 — Original auf PubMed →
Ernährungsmuster und Spermien-DNA-Fragmentierung bei Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit: eine Fall-Kontroll-Studie (2026)
Ganji M et al. — Scientific reports · Ernährung
Fall-Kontroll-Studie an einer Kinderwunschklinik in Teheran (Mai 2024 bis März 2025) mit 310 zunächst rekrutierten, idiopathisch unfruchtbaren Männern (18–50 Jahre), von denen nach Ausschlüssen 150 mit hohem Spermien-DNA-Fragmentierungsindex (DFI >30 %) und 150 mit niedrigem DFI (<20 %) in die Analyse eingingen. Die Ernährung wurde mittels eines validierten 168-Punkte-Fragebogens erfasst, per Hauptkomponentenanalyse wurden drei Ernährungsmuster identifiziert (erklären 26,9 % der Varianz): ein pflanzlich-pescetarisches Muster, ein "semi-westliches" Muster und ein Muster mit hohem Anteil ultra-verarbeiteter Lebensmittel. Nach Adjustierung für Alter, BMI, Rauchen, körperliche Aktivität und Supplementeinnahme war eine höhere Adhärenz zum pflanzlich-pescetarischen Muster mit geringeren Odds für hohen DFI assoziiert (oberstes vs. unterstes Tertil: OR 0,39; 95%-KI 0,15–0,73; p für Trend<0,001), während das semi-westliche (OR 3,06) und das ultra-verarbeitete Muster (OR 3,77) mit höheren Odds für hohen DFI einhergingen. Als Beobachtungsstudie erlaubt sie keine Kausalaussagen.
PMID 41565880 — Original auf PubMed →
Der Zusammenhang zwischen dem seminalen Mikrobiom und männlicher reproduktiver Gesundheit: eine systematische Übersichtsarbeit (2026)
Bazzar B et al. — Biology of reproduction · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematische Übersichtsarbeit (PRISMA-2020-konform mit 2025-Erweiterungen) zum Zusammenhang zwischen dem seminalen Mikrobiom und männlicher reproduktiver Gesundheit, basierend auf Studien aus PubMed, Scopus und Science Direct (2015–2025) an Menschen, in vitro und im Nagetiermodell. Der männliche Genitaltrakt, früher als steril angesehen, enthält demnach Mikroben aus Magen-Darm-Trakt, Fortpflanzungsorganen und externen Quellen wie Sexualpartnern; dominierende Stämme sind Firmicutes, Proteobacteria, Actinobacteria und Bacteroidetes. Eine Dysbiose verändert Spermienparameter, löst Entzündung und oxidativen Stress aus und wird mit Unfruchtbarkeit, HPV-Infektion, Prostatitis, Prostatakrebs und Azoospermie in Verbindung gebracht. Während günstige Gattungen wie Lactobacillus Motilität, Konzentration und DNA-Integrität der Spermien verbessern, sind dysbiotische Taxa wie Prevotella, Pseudomonas und Ureaplasma mit Verschlechterungen assoziiert; Sexualkontakte fördern einen bidirektionalen mikrobiellen Austausch. Standardisierte Methoden und Langzeitstudien werden für den Kausalitätsnachweis gefordert; Probiotika gelten als vielversprechender therapeutischer Ansatz.
PMID 41615012 — Original auf PubMed →
Ein neues Entscheidungsprotokoll zur Vorhersage der Spermiengewinnung bei Patienten mit Klinefelter-Syndrom (2026)
Barak S et al. — Urologia internationalis · Genetik & Anatomie
Retrospektive Kohortenstudie (Dezember 2019 bis März 2023) zur Entwicklung eines Entscheidungsprotokolls für die Vorhersage des Erfolgs der Spermiengewinnung bei Männern mit nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom (KS), die vor mikrochirurgischer testikulärer Spermienextraktion (micro-TESE) mit rekombinantem hCG vorbehandelt wurden. Eingeschlossen wurden 38 Patienten; bei 28 (73,7 %) gelang die Spermiengewinnung erfolgreich. Während sich die Testosteronwerte vor Therapiebeginn zwischen erfolgreicher und erfolgloser Gruppe kaum unterschieden, war die Testosteronveränderung nach hormoneller Vorbehandlung signifikant unterschiedlich (p=0,001) und bildete die Basis eines Entscheidungsbaums: primärer Faktor war die Testosteronveränderung, sekundär das Hodenvolumen, tertiär (bei niedrigem Hodenvolumen) das Alter. Männer mit einer Testosteronveränderung von mindestens 9 nmol/L und einem Hodenvolumen ab 3 cm³ erreichten die höchste Erfolgsrate (97 %), während Männer ohne Testosteronanstieg, niedrigem Hodenvolumen und einem Alter ab 25 Jahren nur eine Erfolgsrate von 63 % aufwiesen. Das Modell bedarf noch externer Validierung.
PMID 41678432 — Original auf PubMed →
Wert der Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF) zur Vorhersage reproduktiver Ergebnisse – eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (2026)
Vitthala S et al. — Human fertility (Cambridge, England) · Messmethodik
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Literatursuche in MEDLINE, EMBASE, CINAHL, Google Scholar, Web of Science und SCISEARCH bis März 2025) zum diagnostischen Wert der Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF, gemessen mittels COMET-, SCSA-, TUNEL- oder SCD-Test) zur Vorhersage von Schwangerschaft oder Fehlgeburt bei natürlicher Konzeption sowie nach IUI, IVF und ICSI. Eingeschlossen wurden 52 Studien mit insgesamt 19.930 Personen (alle mit Schwangerschaftsdaten, 41 zusätzlich mit Fehlgeburtsdaten); die Auswertung erfolgte mittels HSROC-Random-Effects-Modellen nach PRISMA- und QUADAS-2-Standards. Ein hoher SDF-Wert zeigte über alle Konzeptionswege hinweg eine niedrige Sensitivität, aber höhere Spezifität, mit nur mäßigen Likelihood- und diagnostischen Odds-Ratios und insgesamt schwacher bis mäßiger Unterscheidungsfähigkeit bei deutlicher Heterogenität zwischen Studien. Auch zur Vorhersage von Fehlgeburten hatte ein hoher SDF-Wert eine niedrige Sensitivität bei hoher Spezifität. Die Autoren schlussfolgern, dass der alleinige klinische Nutzen von SDF-Tests derzeit begrenzt ist und weitere, gut konzipierte Studien nötig sind.
PMID 41693253 — Original auf PubMed →
Prädiktive Faktoren für das Fertilitätspotenzial und reproduktive Ergebnisse bei Männern mit Klinefelter-Syndrom (2026)
Atar I, Barda S, Kalma Y, et al. — Asian Journal of Andrology · Genetik & Anatomie
Retrospektive Kohortenstudie mit 79 karyotypisch bestätigten Klinefelter-Syndrom(KS)-Patienten, die zwischen 2001 und 2024 eine konventionelle (cTESE) oder mikrochirurgische testikuläre Spermienextraktion (micro-TESE) erhielten. Analysiert wurden klinische, hormonelle, histologische und embryologische Daten sowie reproduktive Ergebnisse. Eine erfolgreiche Spermiengewinnung gelang bei 40,5 % der Patienten und war signifikant assoziiert mit größerem Hodenvolumen (links p=0,018; rechts p=0,028), niedrigerem FSH (29,06 vs. 38,22 IU/l; p=0,016) und niedrigerem LH (16,41 vs. 20,65 IU/l; p=0,047). Bei 46 durchgeführten Embryotransferzyklen (79 Embryonen) lagen Fertilisierungsrate bei 50,3 %, Blastulationsrate bei 40,2 % sowie klinische Schwangerschafts- und Lebendgeburtenrate pro Transfer bei 39,1 % bzw. 39,5 %. Die reproduktiven Ergebnisse nach erfolgreicher Spermiengewinnung entsprachen damit denen von Nicht-KS-Populationen. Die Studie unterstreicht, dass günstige Hormon- und Hodenparameter die TESE-Erfolgswahrscheinlichkeit bei Klinefelter-Patienten vorhersagen können und TESE ein valider Weg zur genetischen Elternschaft bleibt.
PMID 41749042 — Original auf PubMed →
Luftverschmutzung und männliche Unfruchtbarkeit: eine Meta-Umbrella-Studie zur Spermienqualität (2026)
Margiana R, Abdulrahman Najim M, Tariq Abed A, et al. — Medicine · Umweltschadstoffe
Meta-Umbrella-Analyse (Zusammenfassung mehrerer Meta-Analysen), die systematisch PubMed, Web of Science und Scopus bis Januar 2025 nach Meta-Analysen zum Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Samenqualität durchsuchte; vier Studien erfüllten die Einschlusskriterien und wurden mittels AMSTAR 2 auf methodische Qualität geprüft. In Random-Effects-Modellen zeigte höhere Schadstoffbelastung signifikant negative Assoziationen mit der Gesamtmotilität (SMD -0,24; 95%-KI -0,48 bis -0,01; p=0,04), der progressiven Motilität (SMD -0,06; p<0,001) und der Morphologie (SMD -0,09; p<0,001) sowie mit der Spermienkonzentration (SMD -0,14; p<0,001); die Spermienzahl zeigte einen nicht signifikanten Trend zur Reduktion (SMD -0,12; p=0,06). Die Effekte waren durchweg moderat, aber konsistent. Die Autoren bewerten Luftverschmutzung als modifizierbaren Risikofaktor für männliche Unfruchtbarkeit und fordern weitere Forschung zu Schwellenwerten und Schutzmaßnahmen. Kausale Rückschlüsse sind angesichts der zugrunde liegenden Beobachtungsdaten nur eingeschränkt möglich.
PMID 41790664 — Original auf PubMed →
Phthalate als stille Saboteure der männlichen Fertilität durch Veränderungen der Spermienqualität: eine systematische Übersichtsarbeit (2026)
Dhar S, Tomar A, N A, et al. — Reproductive Biology and Endocrinology · Endokrine Disruptoren
Systematische Übersichtsarbeit nach SWiM-Methodik (Synthesis without Meta-Analysis) zu 38 Studien (2014 bis Oktober 2024) über den Zusammenhang zwischen Phthalat-Exposition und Samenqualität; eine Meta-Analyse wurde aufgrund heterogener Studiendesigns nicht durchgeführt, das Verzerrungsrisiko wurde mit ROBINS-E bewertet. Insbesondere die Weichmacher MEHP, DEHP und DBP waren in mehreren Studien mit reduzierter Spermienkonzentration, geringerer Motilität und schlechterer Gesamtsamenqualität assoziiert, vermutlich vermittelt über endokrine Disruption und oxidativen Stress mit Beeinträchtigung der Hodenfunktion. Die Ergebnisse variierten jedoch deutlich zwischen Populationen und Expositionshöhen. Die Autoren stufen die Evidenzqualität insgesamt als niedrig bis moderat ein, da überwiegend Beobachtungsstudien vorliegen, sprechen sich aber angesichts der potenziellen Risiken für einen vorsorgeorientierten Ansatz mit strengerer Regulierung von Phthalaten in Alltagsprodukten aus.
PMID 41803857 — Original auf PubMed →
Einfluss von Genitalinfektionen bei Männern auf die Spermienqualität: eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (2026)
Campbell KJ, Venkatesh A, Golan R, et al. — Fertility and Sterility · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse kontrollierter Vergleichsstudien (PubMed, Web of Science, Embase) zum Zusammenhang zwischen urogenitalen Infektionen und Samenqualität sowie reproduktiven bzw. ART-Ergebnissen; 51 Studien wurden qualitativ ausgewertet, 35 davon quantitativ gepoolt. Männer mit dokumentierten Genitalinfektionen zeigten signifikant reduziertes Samenvolumen (MD -0,37 ml), geringere Spermienkonzentration (MD -6,65 Mio./ml, I²=90 %), niedrigere progressive Motilität (MD -5,93 %), geringere Gesamtspermienzahl (MD -47,15 Mio.) und schlechtere Morphologie (MD -0,76 %); Gesamtmotilität, Vitalität und DNA-Fragmentationsindex unterschieden sich nicht signifikant. HPV-Infektion war mit erhöhter Antispermien-Antikörper-Prävalenz assoziiert (OR 10,63), Hepatitis B mit erhöhtem Fehlgeburtsrisiko (OR 1,43). Die Heterogenität zwischen den Studien war erheblich (I²: 66-95 %). Die Autoren mahnen aufgrund überwiegend beobachtender Studiendesigns zu vorsichtiger Interpretation und fordern prospektive Studien mit standardisierten Diagnosekriterien.
PMID 41825760 — Original auf PubMed →
Der Einfluss von SARS-CoV-2 auf die männliche Fertilität: eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von Kohortenstudien (2026)
Barzoki MG, Farahmand M, Mahmodi MJ, et al. — Reviews in Medical Virology · Grunderkrankungen & Infektionen
Meta-Analyse von Kohortenstudien (Einzelarm- und kontrollierte Studien) zur Wirkung einer SARS-CoV-2-Infektion auf Samenparameter, basierend auf einer Literatursuche in PubMed, Scopus, Cochrane Library und Web of Science für den Zeitraum 2019 bis Dezember 2023; verglichen wurden Männer nach COVID-19-Erkrankung mit nicht infizierten Kontrollen sowie Prä-/Post-Vergleiche bei denselben Personen. In Einzelarm-Studien zeigte sich eine signifikante Abnahme des Samenvolumens (p=0,0023); in kontrollierten Kohortenstudien fanden sich signifikante Reduktionen von Spermienkonzentration (p<0,0001), Gesamtspermienzahl (p=0,0001), Gesamtmotilität (p=0,0009) und progressiver Motilität (p=0,0391) sowie eine signifikante Veränderung des DNA-Fragmentationsindex (p=0,04) - die Richtung dieses letzten Effekts geht aus dem Abstract nicht eindeutig hervor. Die Autoren werten die Befunde als überzeugenden Beleg dafür, dass eine SARS-CoV-2-Infektion die männliche Samenqualität beeinträchtigen kann. Als aktuellste Metaanalyse mit Kohortendaten liefert die Arbeit robuste, aber weiterhin beobachtende Evidenz; Langzeitverläufe und Erholungszeiten bleiben unklar.
PMID 41863427 — Original auf PubMed →
Y-Chromosom und männliche Fertilität: die AZF-Gene und ihre Deletionen (2026)
Krausz C, Abrardo C, Vargha J, et al. — Annales d'Endocrinologie · Genetik & Anatomie
Narrative Übersichtsarbeit, die publizierte Evidenz zu Ergebnissen der testikulären Spermienextraktion (TESE) bei Männern mit Azoospermie-Faktor(AZF)-Mikrodeletionen des Y-Chromosoms mit eigenen Originaldaten der Autoren zusammenführt. Das Yq-Chromosom trägt Gene, die für Hodenentwicklung und Spermatogenese essenziell sind; ihr Verlust durch Mikrodeletionen der AZF-Regionen beeinträchtigt die Spermienproduktion. Die Auswertung bestätigt, dass unter den kompletten AZF-Deletionen nur komplette AZFc-Deletionen mit positiven TESE-Ergebnissen assoziiert sind, mit einer Gesamterfolgsrate von 58,85 %; bei partiellen AZFa- und AZFb-Deletionen variiert der Samen- und Hodenphänotyp dagegen erheblich. Eine präzise molekulargenetische Abgrenzung zwischen kompletten und partiellen Deletionen wird daher als entscheidend hervorgehoben. AZF-Screening gilt als bislang einziger verfügbarer prädiktiver Test vor TESE. Die Arbeit diskutiert zudem klinische Implikationen der verschiedenen Deletionstypen, einschließlich genetischer Beratung betroffener Männer und ihrer Familien.
PMID 41864329 — Original auf PubMed →
Metabolische und bariatrische Chirurgie und männliche endokrine sowie reproduktive Gesundheit: eine GRADE-bewertete Meta-Analyse (2026)
Zhu R, Li L — Frontiers in Nutrition · Gewicht & Sport
Systematische Literaturrecherche (PubMed, Embase, Cochrane Library, Web of Science bis Juli 2024) und Meta-Analyse von 59 Studien mit 60 Studienarmen zu Reproduktionshormonen, Samenparametern und Sexualfunktion bei adipösen Männern vor und nach metabolisch-bariatrischer Chirurgie (MBS); die Evidenz wurde mittels GRADE bewertet, gewichtete Mittelwertdifferenzen (WMD) wurden in Random- bzw. Fixed-Effects-Modellen berechnet. Der Abstract enthält an mehreren Stellen unvollständige Zahlenangaben, insbesondere fehlende p-Werte. Eindeutig berichtet wurde ein signifikanter Anstieg des Gesamttestosterons (WMD 5,46 nmol/l) sowie des freien Testosterons nach 6-9 Monaten (WMD 66,61 nmol/l) und ab 12 Monaten (WMD 78,94 nmol/l) postoperativ. Zusätzlich wird ein signifikanter Rückgang eines weiteren Hormonparameters beschrieben (WMD -14,52 bzw. -11,63 nmol/l zu den beiden Zeitpunkten), der im Abstract vermutlich, aber nicht eindeutig Östradiol zugeordnet ist. Insgesamt deutet die Meta-Analyse auf eine deutliche Verbesserung des männlichen Hormonprofils nach bariatrischer Chirurgie hin; die Autoren werten MBS als wirksame Option bei adipositas-bedingten reproduktiven Störungen.
PMID 41919084 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index und Spermienqualität bei unfruchtbaren Männern: eine Querschnittsstudie mit 28.167 Patienten (2026)
Cao X, Gao L, Fu XJ, et al. — Asian Journal of Andrology · Gewicht & Sport
Retrospektive Querschnittsstudie an 28.167 Männern, die zwischen Januar 2019 und Dezember 2023 vor einer assistierten Reproduktionsbehandlung an einer chinesischen Klinik (Xi'an) auf Unfruchtbarkeit untersucht wurden; die Samenanalyse erfolgte nach WHO-Kriterien, BMI-Gruppen wurden als untergewichtig, normal, übergewichtig und adipös klassifiziert, ausgewertet mittels multivariabler Regression und Schwellenwertanalysen. Untergewichtige Männer hatten niedrigere Spermienzahlen, übergewichtige Männer geringfügig höhere progressive Motilität; adipöse Männer (BMI ≥30 kg/m²) zeigten signifikant reduziertes Samenvolumen, geringere Spermienkonzentration, niedrigere Spermienzahl, weniger motile Spermien und eine geringere Wahrscheinlichkeit, eine „gute“ Samenqualität zu erreichen, im Vergleich zu Normalgewichtigen. Eine kurvenlineare Analyse ergab einen umgekehrt u-förmigen Zusammenhang mit optimaler Samenqualität bis zu einem BMI von 26,0 kg/m², danach Verschlechterung. Die Autoren schließen, dass ein BMI zwischen 18,5 und 26,0 kg/m² die Samenqualität und reproduktive Kapazität bei unfruchtbaren Männern am besten unterstützt.
PMID 41923456 — Original auf PubMed →
Effekt der Varikozelektomie auf Testosteronparameter bei Hypogonadismus: eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (2026)
Aboukhshaba A, Almajed E, Bin Shunayf M, et al. — The World Journal of Men's Health · Genetik & Anatomie
PRISMA-konforme systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (PROSPERO-registriert) von 18 Studien mit insgesamt 1.225 Patienten (mittleres Alter Ende 20 bis Mitte 40) mit Hypogonadismus, die sich überwiegend einer mikrochirurgischen subinguinalen Varikozelektomie unterzogen; das Verzerrungsrisiko wurde mit der Newcastle-Ottawa-Scale bewertet, gepoolte Mittelwertdifferenzen (MD) wurden in Random-Effects-Modellen berechnet. Die Varikozelektomie führte zu einem signifikanten Anstieg des Serumtestosterons (MD 113,87 ng/dl; 95%-KI 103-124,75; p<0,00001), der sowohl vor als auch ab 6 Monaten postoperativ anhielt, sowie zu einer signifikanten Verbesserung der Erektionsfunktion (MD 3,25 Punkte; p=0,0003). Das luteinisierende Hormon sank leicht (MD -0,28 mIU/ml; p=0,04), das follikelstimulierende Hormon veränderte sich nicht signifikant. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die operative Korrektur einer Varikozele bei hypogonadalen Männern eine wirksame Option zur Steigerung von Testosteron und Sexualfunktion sein kann.
PMID 41946661 — Original auf PubMed →
Steigerung der männlichen Fertilität: der Einfluss der Gonadotropintherapie bei hypogonadotropem Hypogonadismus - eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (2026)
Huijben M, Prinsen A, de Kort L, et al. — Andrology · Hormone & Medikamente
Systematische Literaturrecherche (Medline, Embase, Cochrane bis Mai 2025) und Meta-Analyse von 50 klinischen Studien (RCTs, Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien) mit insgesamt 1.583 Männern mit hypogonadotropem Hypogonadismus und Azoospermie, die eine Gonadotropintherapie zur Induktion der Spermatogenese erhielten; die methodische Qualität war überwiegend gering. Die gepoolte Erfolgsrate der Spermatogeneseinduktion betrug 74 % (95%-KI 66-82 %) nach durchschnittlich 11,8 Monaten; die Schwangerschaftsrate bei Paaren mit Kinderwunsch lag bei 52 % (95%-KI 42-62 %), im Mittel nach 19 Monaten. Die mittlere Spermienkonzentration nach Behandlung betrug 9,8 Mio./ml (95%-KI 8,6-11,0); spontane Schwangerschaften traten auch bei suboptimalen Samenwerten auf. Eine Kombinationstherapie aus zwei Gonadotropinen war wirksamer als eine hCG-Monotherapie. Die Autoren empfehlen die kombinierte Gonadotropintherapie als Erstlinienbehandlung zur Fertilitätsinduktion bei dieser Patientengruppe, trotz häufig unterdurchschnittlicher Spermienqualität.
PMID 41987691 — Original auf PubMed →
Einfluss von Mycoplasma hominis auf die Spermienqualität bei unfruchtbaren Männern: eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (2026)
Boujemaa S, Suri GS, Kaur G — Health Science Reports · Grunderkrankungen & Infektionen
Meta-Analyse von 11 Studien (Suche in PubMed, Embase, Web of Science, Scopus, Cochrane Library, Google Scholar und CINAHL bis Oktober 2025) zum Einfluss einer Infektion mit dem Bakterium Mycoplasma hominis auf Samenparameter bei unfruchtbaren Männern; berechnet wurden standardisierte Mittelwertdifferenzen (SMD) mit Publikationsbias- und Sensitivitätsanalysen. Infizierte Männer zeigten signifikant niedrigere Spermienkonzentration (SMD -0,815; p=0,001), geringere progressive Motilität (SMD -0,360; p=0,03), reduzierte Spermienvitalität (SMD -0,831; p=0,005) und schlechtere Morphologie (SMD -0,631; p=0,02), während der pH-Wert des Seminalplasmas erhöht war (SMD 0,586; p=0,006). Geografische Herkunft und diagnostische Methode trugen zur beobachteten Heterogenität bei; ein relevanter Publikationsbias wurde nicht festgestellt (Egger-Test p=0,10). Die Ergebnisse sprechen für einen Zusammenhang zwischen M.-hominis-Infektion und beeinträchtigter Samenqualität, wobei prospektive Studien zur Klärung der Kausalität und verbesserten Diagnostik weiterhin fehlen.
PMID 42011280 — Original auf PubMed →
Y-Chromosom und männliche Fertilität: die AZF-Gene und ihre Deletionen (2026)
Krausz C, Abrardo C, Vargha J, et al. — Annales d'Endocrinologie · Genetik & Anatomie
Narrative Übersichtsarbeit, die publizierte Evidenz zu TESE-Ergebnissen bei Y-chromosomalen Azoospermie-Faktor(AZF)-Mikrodeletionen mit eigenen Originaldaten der Autoren zusammenführt. Das Yq-Chromosom trägt Gene, die für Hodenentwicklung und Spermatogenese essenziell sind; Mikrodeletionen der AZF-Regionen beeinträchtigen die Spermienproduktion und beeinflussen die Erfolgsaussichten einer testikulären Spermienextraktion (TESE) bei azoospermen Männern. Die Auswertung bestätigt, dass unter den kompletten AZF-Deletionen ausschließlich komplette AZFc-Deletionen mit positiven TESE-Ergebnissen assoziiert sind, mit einer Gesamterfolgsrate von 58,85 %, während bei partiellen AZFa- und AZFb-Deletionen der Samen- und Hodenphänotyp erheblich variiert. Eine präzise molekulargenetische Abgrenzung zwischen kompletten und partiellen Deletionen wird als klinisch entscheidend hervorgehoben; AZF-Screening gilt als bislang einziger verfügbarer prädiktiver Test vor TESE. Die Arbeit diskutiert zudem klinische Implikationen der verschiedenen Deletionstypen, einschließlich genetischer Beratung betroffener Männer.
PMID 42103583 — Original auf PubMed →
Erhöhte Blutfettwerte und veränderte Samenparameter bei Männern von Paaren in Kinderwunschbehandlung (2026)
Grandi SM, Mumford SL, Hinkle SN, et al. — American Journal of Epidemiology · Grunderkrankungen & Infektionen
Sekundäranalyse von Daten der Folic Acid and Zinc Supplementation Trial (FAZST), einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie (2013-2017), mit 2.321 Männern aus Paaren in Kinderwunschbehandlung, die zu Studienbeginn Blut- und Samenproben abgaben; mittels generalisierter linearer und log-binomialer Modelle mit Gewichtung für Confounder und Studienausfälle wurden Zusammenhänge zwischen erhöhten Blutfettwerten und Samenvolumen, -konzentration, -morphologie, -zahl, Gesamtmotilität sowie DNA-Fragmentation (nach 6 Monaten) untersucht. Zu Studienbeginn hatten 1.343 Männer (57,9 %) erhöhte Lipidwerte, häufiger verbunden mit höherem BMI, mehr Komorbiditäten und männlicher Infertilität. Männer mit erhöhten Lipidwerten zeigten in adjustierten Modellen reduziertes Samenvolumen und veränderte Morphologie; auch Spermienkonzentration und -zahl waren tendenziell vermindert, jedoch mit weniger präzisen Schätzungen. Nach 6 Monaten zeigte sich zusätzlich reduzierte Gesamtmotilität. Die Autoren folgern, dass erhöhte Blutfettwerte die Samenqualität und Fertilität negativ beeinflussen könnten - ein relevanter Befund angesichts zunehmender kardiometabolischer Erkrankungen.
PMID 42118581 — Original auf PubMed →
Schilddrüsenhormone und Samenqualität bei unfruchtbaren Männern: eine großangelegte stratifizierte Analyse mit graduellen Zusammenhängen (2026)
Lei X, Xu Y, Shao Y, et al. — Scandinavian Journal of Clinical and Laboratory Investigation · Hormone & Medikamente
Stratifizierte Querschnittsanalyse an 5.142 unfruchtbaren Männern (20-45 Jahre), bei denen die Serumkonzentrationen von freiem T3, freiem T4, Gesamt-T3, Gesamt-T4 und TSH gemessen und in Quartile eingeteilt wurden; mittels multivariabler logistischer Regression wurde das Risiko spezifischer Samenanomalien untersucht. Niedrigere FT3- und TT3-Werte (unterste zwei Quartile) waren unabhängig mit erhöhtem Oligozoospermie-Risiko assoziiert (adjustierte Odds Ratios 1,434-1,785), während moderate FT3- und FT4-Werte (drittes Quartil) protektiv gegen Asthenozoospermie wirkten (aOR 0,740 bzw. 0,664). Niedrigstes TT3 erhöhte das Teratozoospermie-Risiko (aOR 1,219), moderates FT4 wirkte protektiv (aOR 0,705). Das niedrigste TSH-Quartil zeigte überraschend ein geringeres Risiko für Oligo- und Asthenozoospermie. FT3 und TT4 waren zudem am stärksten mit detaillierten Motilitäts-, Morphologie- und Kinematikparametern assoziiert. Die Autoren schlagen vor, eine umfassende Schilddrüsendiagnostik in die Abklärung männlicher Infertilität zu integrieren, auch innerhalb konventioneller Referenzbereiche.
PMID 42142361 — Original auf PubMed →
Einfluss verschiedener bariatrischer Operationsverfahren auf männliche Sexualhormone und Samenparameter bei unfruchtbaren adipösen Männern: eine Beobachtungsstudie (2026)
Azhary M, Ali MH, AbdELsalam MA, et al. — BMC Surgery · Gewicht & Sport
Prospektive Fallserie mit 43 unfruchtbaren, schwer adipösen Männern (BMI ≥35 kg/m², Kinderwunschdauer über 1 Jahr), die eine Schlauchmagenoperation, einen One-Anastomosis-Magenbypass (OAGB) oder einen Roux-en-Y-Magenbypass erhielten; Samenanalyse und Hormonprofil (FSH, LH, Gesamttestosteron, Östradiol, Prolaktin) wurden präoperativ sowie 3, 6 und 12 Monate postoperativ erhoben. Bei signifikantem Gewichtsverlust zu allen Nachuntersuchungszeitpunkten (p≤0,003) verbesserten sich Motilität, progressive Motilität, Vitalität und der Anteil abnormaler Spermienformen deutlich (jeweils p≤0,003); das Serumtestosteron stieg signifikant an, während Östradiol signifikant abfiel (p≤0,003). FSH, LH und Prolaktin veränderten sich nicht signifikant. Innerhalb des 12-monatigen Nachbeobachtungszeitraums wurde keine Schwangerschaft dokumentiert. Einschränkend sind die kleine, unkontrollierte Fallserie ohne Vergleichsgruppe sowie die kurze Nachbeobachtungszeit zu berücksichtigen. Dennoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass bariatrische Chirurgie Samenqualität und Testosteronspiegel bei adipositas-bedingter männlicher Infertilität deutlich verbessern kann.
PMID 42177498 — Original auf PubMed →
Therapeutischer Nutzen von Gonadotropinen bei männlichem hypogonadotropem Hypogonadismus: Fokus auf Spermatogenese und Fertilität (2026)
Huijben M, Prinsen AMA, de Keyser CE, et al. — Reproduction & Fertility · Hormone & Medikamente
Retrospektive Einzelzentrums-Kohortenstudie an 35 Männern (≥18 Jahre) mit hypogonadotropem Hypogonadismus und Azoospermie, die eine Gonadotropintherapie zur Testosteronnormalisierung und Spermatogeneseinduktion erhielten; primärer Endpunkt war die erfolgreiche Induktion der Spermatogenese, zusätzlich wurden Regressionsanalysen zu Erfolgsfaktoren durchgeführt. Bei 74 % der Männer gelang die Spermatogenese, mit höherer Erfolgsrate unter kombinierter hCG/FSH-Therapie (78 %) gegenüber hCG-Monotherapie (33 %); 69 % der spermienproduzierenden Männer erreichten eine höhere WHO-Samenkategorie, 29 % Normospermie. Die mediane maximale Spermienkonzentration betrug 8,3 Mio./ml (IQR 1,9-36,3). Ein größeres Ausgangshodenvolumen war mit höherer Erfolgsrate und kürzerer Zeit bis zur Schwangerschaft assoziiert. Eine Schwangerschaft trat bei 68 % der Paare ein (39 % spontan), im Median nach 21 Monaten (erste Spermatogenese nach 7 Monaten). Milde Nebenwirkungen traten bei 16 % auf. Die Autoren bestätigen Gonadotropintherapie als sichere und wirksame Option zur Fertilitätswiederherstellung in dieser modernen westlichen Kohorte.
PMID 42189927 — Original auf PubMed →
Pharmakologische und ernährungsbezogene Therapien bei idiopathischer männlicher Infertilität: eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (2026)
Melhem SJ, Melhem M, Haddad R, et al. — Andrology · Supplements & Nährstoffe
Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse randomisiert-kontrollierter Studien (RCTs; PubMed, Embase, Scopus, Cochrane CENTRAL, ClinicalTrials.gov, Google Scholar, Januar 2010 bis Januar 2026) zu pharmakologischen und nutritiven Interventionen bei idiopathischer männlicher Infertilität im Vergleich zu Placebo/Nichtbehandlung, ausgewertet nach Wirkmechanismus mittels Random-Effects-Modellen (GRADE-Bewertung); eingeschlossen wurden 41 RCTs mit 3.615 Männern. Antioxidantien waren mit höherer Spermienkonzentration (SMD 1,09), besserer progressiver Motilität (SMD 1,11), Gesamtmotilität (SMD 0,69) und normaler Morphologie (SMD 0,43) assoziiert, allerdings mit sehr niedriger Evidenzsicherheit und breiten Prädiktionsintervallen, die die Nulllinie einschlossen. PDE-Hemmer und Methyldonatoren zeigten numerisch positive, aber statistisch nicht signifikante Effekte (Konfidenzintervalle schlossen die Null ein). Die Heterogenität war erheblich (I²>80 %). Die Autoren schlussfolgern, dass Antioxidantien-Supplementation zwar mit besseren Samenparametern assoziiert ist, die Evidenzqualität aber gering bleibt und größere Studien mit Lebendgeburten als Endpunkt notwendig sind.
PMID 42206761 — Original auf PubMed →
Endokrine Disruption und männliche Fertilität (2026)
Ulaganathan G, Murphy SK — Current Environmental Health Reports · Endokrine Disruptoren
Narrative Übersichtsarbeit zur Wirkung endokriner Disruptoren (u. a. polychlorierte Biphenyle, polybromierte Diphenylether, PFAS, Bisphenole, Phthalate, Parabene) auf die männliche Fertilität, mit Fokus auf präkonzeptionelle väterliche Exposition und deren Effekte auf Befruchtung sowie Gesundheit der Nachkommen. Die Autoren beschreiben, wie diese Chemikalien über Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse und direkte Effekte auf das Reproduktionssystem Samenqualität (Konzentration, Morphologie, Motilität), Spermatogenese, mitochondriale Funktion, oxidativen Stress, Zellstoffwechsel, Keimzellapoptose und das Spermien-Epigenom (DNA-Methylierung, Histonmodifikationen, nichtkodierende RNAs) beeinträchtigen können. Tiermodelle zeigen Fertilitätsstörungen bis in die F1- und F2-Generation, während Studien zu beruflicher Exposition beim Menschen erhöhte Risiken für niedriges Geburtsgewicht und angeborene Herzfehler bei Kindern exponierter Väter beschreiben. Die Hypothese transgenerationaler Effekte väterlicher Expositionen gewinnt zunehmend an Bedeutung, wenngleich weitere Forschung zu den zugrunde liegenden Mechanismen und zu Minderungsstrategien angesichts der Allgegenwart dieser Chemikalien in Nahrung und Umwelt notwendig ist.
PMID 42234061 — Original auf PubMed →
Machine-Learning-basierte Vorhersage der Ergebnisse einer Spermiengewinnung bei Patienten mit Klinefelter-Syndrom: eine multizentrische Studie mit externer Validierung (2026)
Gül M, Şahin A, Özer C, et al. — Andrology · Genetik & Anatomie
Multizentrische retrospektive Studie mit 470 unfruchtbaren Klinefelter-Patienten, die zwischen Januar 2021 und November 2025 eine TESE erhielten; Daten von 12 Zentren (n=307) dienten als internes Trainings-/Testset (80/20-Split), Daten eines unabhängigen Zentrums (n=163) zur externen Validierung. Fünf überwachte ML-Algorithmen (u. a. Random Forest, Gradient Boosting, XGBoost) wurden mittels wiederholter stratifizierter 5-fach-Kreuzvalidierung auf Basis klinischer, hormoneller und testikulärer Parameter trainiert und mit Genauigkeit, F1-Score, Sensitivität, Spezifität und AUROC bewertet; SHAP-Werte dienten der Modellinterpretation. In der internen Validierung erreichten alle Ensemble-Modelle eine AUROC>0,95; in der externen Validierung erzielte das Random-Forest-Modell die beste Generalisierbarkeit (Genauigkeit 0,83; AUROC 0,95; Youden-J-Index 0,73). FSH war der einflussreichste Prädiktor, gefolgt von Gesamttestosteron, LH und beidseitigem Hodenvolumen; höheres FSH/LH senkte, höheres Testosteron und größeres Hodenvolumen erhöhten die Erfolgswahrscheinlichkeit der Spermiengewinnung. Solche ML-Modelle könnten künftig die individualisierte Beratung von Klinefelter-Patienten vor TESE unterstützen.
PMID 42384919 — Original auf PubMed →
Mäßig intensive körperliche Aktivität ist mit günstigen Veränderungen der Samenparameter und der Normalisierung ausgewählter Auffälligkeiten bei Männern mit eingeschränkter Samenqualität assoziiert (2026)
Tian T, Che M, Yang K, et al. — Reproductive Biology and Endocrinology · Gewicht & Sport
Prospektive Beobachtungskohortenstudie an 1.316 Männern mit mindestens einem unterhalb der WHO-Referenzwerte (6. Auflage) liegenden Samenparameter, die sich zwischen Juni 2024 und Januar 2026 an einem Kinderwunschzentrum vorstellten; die körperliche Aktivität während der Nachbeobachtung wurde per Fragebogen (Borg-Skala/Talk-Test) erfasst und in inaktiv (n=434), niedrig-aktiv (n=430) und mäßig-aktiv (n=452) eingeteilt, ohne dass eine bestimmte Trainingsform vorgegeben wurde. Verglichen mit Inaktivität war mäßige körperliche Aktivität nach 3 Monaten mit günstigeren Werten bei Spermienkonzentration, Motilität, Morphologie, Gesamtzahl progressiv motiler Spermien (+51,01 %; 95%-KI 18,03-93,64 %; p für Trend=0,001) und DNA-Fragmentationsindex assoziiert sowie mit höheren Odds für die Normalisierung von niedriger Spermienkonzentration (OR 2,32), niedriger progressiver Motilität (OR 1,53), niedriger Gesamtmotilität (OR 2,17) und abnormaler Morphologie (OR 1,54). Die niedrig-aktive Gruppe zeigte keine konsistenten Effekte. Aufgrund des Beobachtungsdesigns und selbstberichteter Aktivität sind die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren und bedürfen kontrollierter Bestätigung.
PMID 42399977 — Original auf PubMed →
Psychischer Stress und Beeinträchtigung der Samenqualität: eine systematische Übersichtsarbeit (2026)
Costa AF, Silveira LV, Onofre FBM, et al. — JBRA Assisted Reproduction · Alter, Stress & Schlaf
Systematische Übersichtsarbeit (Embase, PubMed, Scopus, Web of Science) zu 34 Studien (veröffentlicht 1988-2023) mit insgesamt 11.141 Teilnehmern (20 bis 1.362 Probanden pro Studie) zum Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Samenqualität; drei Studien (8,82 %) wiesen ein hohes Verzerrungsrisiko auf, die Synthese erfolgte narrativ. Psychischer Stress war in 12,9 % der Studien mit reduziertem Samenvolumen, in 52,9 % mit geringerer Spermienkonzentration, in 56,3 % mit niedrigerer Gesamtspermienzahl, in 63,3 % mit verminderter Motilität und in 21,4 % mit veränderter Morphologie assoziiert; verschiedene Stressquellen (akademischer, alltäglicher, infertilitätsbedingter und arbeitsbedingter Stress sowie belastende Lebensereignisse) waren in 70,6 % der Studien mit beeinträchtigten Samenparametern korreliert. Aufgrund erheblicher Heterogenität zwischen den Studien sind die Ergebnisse nur eingeschränkt belastbar. Die Autoren betonen, dass es sich überwiegend um Beobachtungsdaten handelt, die keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Stress und Samenqualität belegen, auch wenn ein solcher insbesondere bei Motilität und Konzentration häufig beobachtet wurde.
PMID 42441879 — Original auf PubMed →
Zusammenhänge zwischen per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen und Samenparametern: eine aktualisierte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (2026)
Di Nisio A, López-Gil JF, Pizzol D, et al. — Journal of Hazardous Materials · Endokrine Disruptoren
PRISMA-konforme systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (vier Datenbanken, Suche bis 13. Juli 2025, PROSPERO-registriert) von 14 Studien mit 7.465 Teilnehmern zum Zusammenhang zwischen Exposition gegenüber per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS, sogenannte „Ewigkeitschemikalien“) und Samenparametern wie Konzentration, Volumen, Gesamtspermienzahl, Motilität, Morphologie, pH-Wert und DNA-Fragmentation; primäres Effektmaß war der Pearson-Korrelationskoeffizient (r). PFAS-Gemische zeigten nur begrenzte Zusammenhänge mit konventionellen Samenparametern, aber konsistente inverse Korrelationen mit der progressiven Motilität (r=-0,058; 95%-KI -0,100 bis -0,015) sowie eine positive Korrelation mit erhöhter DNA-Fragmentation (r=0,141; 95%-KI 0,087-0,195). Einzelne PFAS-Verbindungen (Kongenere) zeigten unterschiedliche Assoziationsprofile, was auf substanzspezifische Effekte hindeutet. Die Autoren sehen insbesondere den konsistenten Zusammenhang mit erhöhter DNA-Fragmentation als Hinweis auf eine mögliche Rolle von PFAS bei ungeklärter männlicher Infertilität und fordern weitere Forschung zu den zugrunde liegenden Mechanismen.
PMID 42570390 — Original auf PubMed →
Die Wirkung von humanen Papillomaviren auf Spermienparameter: eine Umbrella-Review und Meta-Analyse (2026)
Iravani M, Dastoorpour M, Mohammadi S, et al. — International Journal of Fertility & Sterility · Grunderkrankungen & Infektionen
Umbrella-Review (Übersicht über systematische Übersichtsarbeiten) mit Meta-Analyse, die am 24. August 2024 in Web of Science, PubMed, Cochrane Library, Medline und Embase nach zwischen 1996 und 2024 publizierten Reviews zum Zusammenhang zwischen HPV-Infektion und Spermienqualität suchte; aus 537 identifizierten Artikeln wurden 16 systematische Übersichtsarbeiten/Meta-Analysen eingeschlossen und mittels AMSTAR auf Verzerrungsrisiko geprüft. HPV-Infektion im Ejakulat war signifikant assoziiert mit reduzierter progressiver Motilität (SMD -0,48; 95%-KI -0,75 bis -0,21), geringerer Gesamtmotilität (SMD -0,59), niedrigerer Spermienzahl (SMD -0,27), verminderter Vitalität (SMD -0,38) und schlechterer Morphologie (SMD -0,32) im Vergleich zu HPV-negativen Männern. Die Autoren werten HPV-Infektionen des Ejakulats als möglichen relevanten Faktor für eine verminderte Spermienqualität und damit als potenziellen Beitrag zu ungeklärter männlicher Infertilität, wobei die Arbeit als Übersicht über bestehende Reviews selbst keine neuen Primärdaten liefert.
PMID 42703824 — Original auf PubMed →
Geringfügige Veränderungen der Samenqualität über drei Jahrzehnte (1996-2022) bei 8.320 Männern in der Danish Young Men Study (DYMS): Kohortenprofil und Trends (2026)
Priskorn L, Baslund-Storch C, Hansen LS, et al. — Andrology · Beruf & globale Trends
Prospektive bevölkerungsbasierte Kohortenstudie (Kopenhagen, Dänemark) mit jährlichen Querschnittsuntersuchungen von 1996 bis 2022 an insgesamt 8.320 jungen Männern im Rahmen der Musterung zum Wehrdienst; erhoben wurden Samen-, Urin- und Blutproben, Fragebögen und eine körperliche Untersuchung, zeitliche Trends wurden per linearer Regression analysiert und mit nationalen Hodenkrebs-Inzidenztrends verglichen. Der mediane Spermienkonzentrationswert über den gesamten Zeitraum betrug 45 Mio./ml, die mediane Gesamtspermienzahl 141 Millionen, 61 % der Spermien waren progressiv motil und 6,5 % morphologisch normal geformt; 36 % der Teilnehmer hatten mindestens einen Samenparameter unterhalb der WHO-Referenzwerte. Die Samenqualität blieb über die Jahrzehnte weitgehend stabil, mit einer leichten Verbesserung im Zeitraum 2017-2022 gegenüber 1996-2000 (mediane Spermienkonzentration 44 auf 49 Mio./ml). Ein leichter Anstieg der Spermienkonzentration bei jüngeren Geburtsjahrgängen fiel zeitlich mit einem Plateau der zuvor steigenden Hodenkrebsinzidenz zusammen. Die jüngste leichte Verbesserung ist vorsichtig zu interpretieren, da es sich nach Einschätzung der Autoren auch um eine zufällige Schwankung handeln könnte.
PMID 42730477 — Original auf PubMed →
Mögliche Zusammenhänge zwischen Samenqualität und psychischem Stress: eine Querschnittsstudie (2026)
Yang T, Li M, Tang W, et al. — Reproductive Biomedicine Online · Alter, Stress & Schlaf
Querschnittsstudie an 550 Männern, die eine Kinderwunschsprechstunde aufsuchten; Spermienkonzentration und -motilität wurden mittels automatisiertem Samenanalysegerät nach WHO-6.-Auflage-Kriterien bestimmt, psychischer Stress mit der Kurzform der Perceived-Stress-Scale (4 Items) sowie einer Checkliste belastender Lebensereignisse im letzten Jahr erfasst; logistische Regressionsmodelle wurden für Lebensstilfaktoren adjustiert. Spermienzahl und -konzentration unterschieden sich signifikant zwischen den Stressgruppen. Bei mittlerer (25.-<75. Perzentil) bzw. hoher (≥75. Perzentil) Stressbelastung war das Risiko für Oligozoospermie deutlich erhöht (aOR 2,78 bzw. 5,10; 95%-KI 1,66-4,76 bzw. 2,87-9,30), nicht jedoch für Asthenozoospermie. Hohe wahrgenommene Stressbelastung war signifikant mit höherem Oligozoospermie-Risiko assoziiert, belastende Lebensereignisse zusätzlich mit erhöhtem Asthenozoospermie-Risiko. Die Autoren betonen die Bedeutung von Stressreduktion in der reproduktiven Gesundheitsbildung und der präkonzeptionellen Beratung, weisen jedoch auf die Grenzen des Querschnittsdesigns hinsichtlich der Kausalität hin.
PMID 42731382 — Original auf PubMed →
Väterliches präkonzeptionelles Rauchen und Samenqualität beim erwachsenen Sohn (2025)
Hærvig KK, et al. — Andrology · Rauchen, Alkohol & Drogen
Kohortenstudie (FEPOS-Kohorte, Dänemark) an 867 jungen erwachsenen Männern, die frühere Analysen zu Unterschieden in Samenparametern und Hodengröße in Abhängigkeit vom väterlichen Rauchen erneut durchführte, diesmal zusätzlich adjustiert für mütterliches Plasma-Cotinin im ersten Trimester (statt nur Selbstauskunft der Mutter). Zusätzlich wurde die Spermien-DNA-Fragmentierung untersucht; väterliches Rauchen wurde von der schwangeren Mutter um die 16. Schwangerschaftswoche berichtet, weitere Adjustierungen erfolgten u. a. für Berufsstatus, elterliches Alter, mütterlichen BMI und Alkoholkonsum sowie Abstinenzzeit. Es zeigte sich keine Assoziation zwischen väterlichem präkonzeptionellem Rauchen und Samenparametern, Hodengröße oder DNA-Fragmentierung, auch nicht nach Adjustierung für eigenes Rauchen der Söhne. Einordnung: Die Autoren diskutieren mögliche Überadjustierung durch die hohe Korrelation zwischen väterlichem Rauchen und mütterlichem Cotinin sowie Fehlklassifikation als Erklärungen für das Nullresultat und fordern detailliertere Rauchdaten für künftige Studien.
PMID 37885366 — Original auf PubMed →
Diagnose und Behandlung des Hypogonadismus bei Männern mit Kinderwunsch – welche Optionen gibt es? (2025)
Lockie AWC, Grice P, Mathur R, Pearce I, Modgil V — International journal of impotence research · Hormone & Medikamente
Narrativer Literaturüberblick zu Behandlungsoptionen des männlichen Hypogonadismus bei bestehendem Fertilitätswunsch. Eine klassische Testosteronersatztherapie (TRT) unterdrückt die endogene Gonadotropinproduktion und wirkt daher fertilitätsschädlich, weshalb bei Kinderwunsch alternative Ansätze nötig sind. Die Übersicht bewertet nasale TRT, Clomifencitrat, exogene Gonadotropine, Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) und Aromatasehemmer hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit. GnRH kann die Spermatogenese wirksam induzieren, ist aber wegen der pulsatilen Applikation praktisch schwer umsetzbar; Aromatasehemmer sind wegen des Risikos einer Osteopenie nur eingeschränkt einsetzbar. Nasale TRT erscheint vielversprechend, wurde bislang aber nur an kleinen Fallzahlen untersucht. Clomifencitrat und exogene Gonadotropine gelten laut den Autoren als sicher, kontrollieren die Symptomatik gut und können die Fertilität bei Hypogonadismus-Patienten erfolgreich wiederherstellen. Die Arbeit ist ein Übersichtsartikel ohne eigene Primärdaten und dient der klinischen Orientierung.
PMID 38693209 — Original auf PubMed →
Typ-1-Diabetes mellitus und Spermienqualität: eine Fall-Kontroll-Studie (2025)
Delbarba A, Anelli V, Bambini F, Buoso C, Facondo P, Gatta E, Girelli A, Cappelli C, Ferlin A — Andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Beobachtende Fall-Kontroll-Studie mit 42 Männern mit Typ-1-Diabetes (DM1) und 43 nicht-diabetischen Kontrollpersonen vergleichbaren Alters. Alle Teilnehmer durchliefen eine umfassende andrologische Untersuchung mit Anamnese, körperlicher Untersuchung, Spermaanalyse sowie den Fragebögen IIEF-5 (erektile Funktion) und AMS (Alterssymptome des Mannes); bei auffälligen Spermabefunden erfolgten zusätzlich Spermakultur und Skrotalsonografie. DM1-Patienten wiesen eine höhere Prävalenz von Infertilität und erektiler Dysfunktion sowie schlechtere Spermaparameter auf: Ejakulatvolumen, Gesamtspermienzahl sowie Gesamt- und progressive Motilität waren signifikant reduziert (p<0,001, p=0,003, p=0,048 bzw. p=0,022). Zudem waren Anti-Spermien-Antikörper, AMS-Score und FSH-Spiegel erhöht. Als mögliche Mechanismen nennen die Autoren oxidativen Stress in der Spermatogenese, seminale Infektionen und diabetesbedingte neurologische Veränderungen im Becken. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit einer andrologisch-reproduktionsmedizinischen Beratung von Männern mit Typ-1-Diabetes.
PMID 38924386 — Original auf PubMed →
Gewichtsabnahme als Therapieoption zur Wiederherstellung der Fertilität bei adipösen Männern: eine Metaanalyse (2025)
Santi D, Greco C, Barbonetti A, Simoni M, Maggi M, Corona G — The world journal of men's health · Gewicht & Sport
Metaanalyse von zwölf klinischen Studien mit insgesamt 345 adipösen Männern (mittleres Alter 37,6 Jahre, mittlerer Ausgangs-BMI 45,4 kg/m²), die jeweils eine Spermaanalyse vor und nach einer Gewichtsreduktion (unabhängig von der gewählten Methode) durchführten. Primärer Endpunkt war der Vergleich konventioneller Spermaparameter vor und nach der Intervention. Eine Gewichtsabnahme führte zu einem signifikanten Anstieg der Spermienkonzentration (Effektstärke 0,495; p=0,049) und der progressiven Motilität (Effektstärke 0,567; p<0,001) sowie zu einer signifikanten Abnahme des DNA-Fragmentationsindex der Spermien (Effektstärke -0,689; p=0,002). Die Autoren schließen daraus, dass eine Gewichtsreduktion bei adipösen Männern sowohl qualitative als auch quantitative Spermaparameter verbessern kann, und sehen darin eine Grundlage, adipösen Männern in Paaren mit Kinderwunsch und auffälliger Spermaanalyse eine Gewichtsabnahme als therapeutische Maßnahme zu empfehlen.
PMID 39344112 — Original auf PubMed →
Wirksamkeit einer Gonadotropin-Behandlung zur Induktion der Spermatogenese bei Männern mit pathologischem Gonadotropinmangel: eine Metaanalyse (2025)
Muir CA, Zhang T, Jayadev V, Conway AJ, Handelsman DJ — Clinical endocrinology · Hormone & Medikamente
Systematisches Review und Metaanalyse von 41 Studien mit insgesamt 1.673 Patienten (mittleres Alter 25±5 Jahre) mit hypogonadotropem Hypogonadismus (HH), einer behandelbaren Ursache nicht-obstruktiver Azoospermie. Untersucht wurden Ergebnisse einer Gonadotropin-Behandlung (hCG allein oder kombiniert mit FSH) zur Induktion der Spermatogenese. Nach im Median 18 Monaten Behandlung betrug die durchschnittlich erreichte Spermienkonzentration 11,6 Mio./ml (95 %-KI 8,4–14,9); je nach Schwellenwert erreichten 78 % (>0), 55 % (>1), 36 % (>5), 24 % (>10) und 15 % (>20 Mio./ml) der Patienten das jeweilige Ziel. Die kombinierte hCG/FSH-Therapie war der hCG-Monotherapie hinsichtlich Spermienausbeute überlegen; Patienten mit angeborenem HH (CHH) erreichten im Schnitt eine geringere Spermienausbeute als Patienten mit Hypopituitarismus. Insgesamt gelang bei den meisten Patienten eine Spermatogenese-Induktion, doch die für eine natürliche Zeugung typischerweise nötigen höheren Spermienkonzentrationen wurden seltener erreicht.
PMID 39445789 — Original auf PubMed →
Einfluss nicht-ionisierender Strahlung auf die männliche Fertilität: ein systematisches Review (2025)
Motchidlover L, Sari-Minodier I, Sunyach C, Metzler-Guillemain C, Perrin J — The French journal of urology · Strahlung & Bildschirmzeit
Systematisches Review von zwölf ausgewählten Studien zur Wirkung nicht-ionisierender Strahlung – insbesondere von Mobiltelefonen und weiteren Quellen elektromagnetischer Felder wie WLAN – auf Spermaparameter, da eine Exposition gegenüber solchen Feldern im Alltag praktisch unvermeidbar geworden ist. Als möglicher Wirkmechanismus wird die durch die abgestrahlte Energie verursachte lokale Erwärmung diskutiert, die die Spermienqualität beeinträchtigen könnte. Die Mehrheit der eingeschlossenen In-vivo-Studien am Menschen sowie In-vitro-Studien im Tiermodell berichtete über signifikante negative Auswirkungen auf Spermienzahl, -beweglichkeit und -vitalität, wobei Motilität und Vitalität am konsistentesten betroffen waren. Die Autoren betonen, dass angesichts neuerer Mobilfunkgenerationen mit potenziell anderen Expositionsprofilen weitere Studien nötig sind, um das Wissen über gesundheitliche Auswirkungen zu vertiefen. Es handelt sich um eine reine Literaturübersicht ohne eigene Primärdaten und ohne Metaanalyse quantitativer Effektgrößen.
PMID 39461727 — Original auf PubMed →
Längsschnittliche Trends der Hodenvolumen-Z-Werte von der Pubertät bis ins Erwachsenenalter, Spermienqualität und Vaterschaftsergebnisse nach Krebserkrankung im Kindesalter (2025)
Korhonen M, Jahnukainen K, Koskela M — Cancer · Grunderkrankungen & Infektionen
Longitudinale Kohortenstudie mit 255 männlichen Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindesalter (Helsinki Children's Hospital, Diagnose 1964–2000, Überlebenszeit ≥5 Jahre). Das Hodenvolumen wurde im Alter von 12, 14, 16 und 18 Jahren sowie im Erwachsenenalter (medianes Alter 27 Jahre) gemessen und in altersspezifische Z-Werte umgerechnet; 92 Teilnehmer gaben zusätzlich eine Samenprobe ab, Vaterschaftsdaten aus nationalen Registern lagen für 252 Männer vor. Gegenüber Referenzwerten zeigten die Überlebenden im Alter von 12–18 Jahren niedrige Hodenvolumen-Z-Werte; bei rein chemotherapeutisch behandelten Patienten normalisierten sich diese im Erwachsenenalter, bei testikulärer Bestrahlung ≥1 Gy (Mediandosis 12 Gy) blieb dagegen keine Erholung aus. Testikuläre Bestrahlung ≥1 Gy und eine Cyclophosphamid-Äquivalentdosis ≥12 g/m² waren Risikofaktoren für eine Azoospermie im Erwachsenenalter; die Kombination aus Bestrahlung ≥1 Gy und Äquivalentdosis ≥4 g/m² ging zudem mit geringeren Vaterschaftsraten einher. Hochdosierte testikuläre Bestrahlung war insgesamt der stärkste Risikofaktor für dauerhafte Azoospermie und Kinderlosigkeit.
PMID 39470456 — Original auf PubMed →
Die sitzenden Männer: Eine systematische Übersicht zu Sitzzeit in Freizeit und Beruf im Zusammenhang mit Spermaparametern (2025)
Sterpi V et al. — Andrology · Gewicht & Sport
Diese systematische Übersichtsarbeit nach PRISMA-Kriterien fasst 16 Beobachtungsstudien mit insgesamt 13.509 Männern zusammen (9.877 gesunde Männer, 3.632 Patienten aus Kinderwunschkliniken), die den Zusammenhang zwischen sitzendem Verhalten in Freizeit und Beruf und Spermaparametern untersuchten (Literatursuche in Embase/PubMed bis Mai 2023). Beim Samenvolumen zeigte sich in den meisten Studien kein klarer Zusammenhang. Zwölf von dreizehn Studien fanden keinen Unterschied bei der Spermienkonzentration, während einzelne Studien bei mehr als drei Stunden täglichem Fernsehkonsum eine geringere Konzentration, eine niedrigere Gesamtspermienzahl und einen geringeren Anteil normal geformter Spermien beschrieben. Die Spermienmotilität war in keiner Studie signifikant assoziiert. Zwei von drei Studien zur DNA-Fragmentierung fanden bei längeren Sitzzeiten einen höheren Fragmentierungsindex. Insgesamt deutet die Übersicht auf eine schwache, aber inkonsistente Assoziation zwischen Sitzzeit und Spermienkonzentration hin; die Autoren fordern weitere, methodisch einheitlichere Forschung.
PMID 39648572 — Original auf PubMed →
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen im Sperma im Zusammenhang mit wiederholt gemessener Spermaqualität bei gesunden erwachsenen Männern (2025)
Sun F et al. — Environmental science & technology · Endokrine Disruptoren
Diese Kohortenstudie an gesunden erwachsenen Männern untersuchte den Zusammenhang zwischen Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) in Plasma und Sperma und wiederholt gemessener Spermaqualität. Plasma wurde bei Studieneinschluss entnommen, Samenproben wurden über etwa drei Monate zu bis zu fünf Zeitpunkten gesammelt; PFAS wurden in 1.252 Plasmaproben und 1.019 gepoolten bzw. einzelnen Samenproben analysiert. Bestimmte PFAS im Seminalplasma (u. a. Perfluoroktansäure, Perfluoroktansulfonsäure, Perfluorhexansulfonsäure und 6:2-Chlor-Polyfluorether-Sulfonat) waren signifikant mit verringerter progressiver und Gesamtmotilität der Spermien assoziiert, während mehrere seminale PFAS positiv mit Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl korrelierten. Für PFAS im Blutplasma zeigte sich dagegen kein Zusammenhang mit der Spermaqualität. Die Studie liefert epidemiologische Evidenz dafür, dass PFAS-Belastung die männliche Fruchtbarkeit beeinflussen könnte, und legt nahe, dass die direkte Messung von PFAS im Seminalplasma für eine präzisere Risikoeinschätzung sinnvoller ist als die Messung im Blut.
PMID 39745179 — Original auf PubMed →
Systemischer Lupus erythematodes und männliche reproduktive Gesundheit: Eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2025)
Zhu J et al. — Autoimmunity reviews · Grunderkrankungen & Infektionen
Diese systematische Übersicht und Metaanalyse (Literatursuche in sechs Datenbanken, Januar 2000 bis Dezember 2024) untersuchte den Einfluss von systemischem Lupus erythematodes (SLE) auf die männliche Sexual- und Reproduktionsgesundheit. Von 5.002 identifizierten Publikationen erfüllten 9 Studien die Einschlusskriterien; die Auswertung erfolgte mit Review Manager 5.3, das Bias-Risiko wurde anhand der AHRQ-Checkliste bewertet. Männer mit SLE hatten ein deutlich höheres Risiko für erektile Dysfunktion (Odds Ratio 7,44; 95%-KI 5,00–11,06; p<0,001), erhöhte FSH-Werte (mittlere Differenz 4,02; p=0,002) und LH-Werte (mittlere Differenz 2,21; p<0,001) sowie eine signifikant verringerte Spermienzahl (mittlere Differenz -0,54; p<0,001) im Vergleich zu Kontrollen. Die Autoren folgern, dass männliche SLE-Patienten überdurchschnittlich häufig Störungen der Sexualfunktion, des Hormonhaushalts und der Spermaqualität aufweisen, und fordern mehr klinische Aufmerksamkeit und gezielte Interventionen für diese Patientengruppe.
PMID 39788440 — Original auf PubMed →
Leitfaden für Kliniker zum Management der durch exogenes Testosteron oder anabol-androgene Steroide verursachten Azoospermie (2025)
Hashimi MA et al. — Asian journal of andrology · Hormone & Medikamente
Dieser narrative Übersichtsartikel für Kliniker beschreibt die Pathophysiologie und das Management der Azoospermie, die durch exogenes Testosteron (ET) oder anabol-androgene Steroide (AAS) ausgelöst wird. Beide Substanzklassen unterdrücken die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse, senken das intratestikuläre Testosteron und beeinträchtigen so die Spermatogenese. Die Autoren unterscheiden prätestikuläre, testikuläre und posttestikuläre Formen und beschreiben ein abgestuftes Behandlungskonzept: Absetzen von ET mit Beobachtung auf spontane Erholung (v. a. bei kurzer Einnahmedauer), bei anhaltender Azoospermie Gonadotropine (hCG, FSH) und selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren wie Clomifen, einzeln oder kombiniert. Als präventive Strategie werden kurzwirksame Testosteronpräparate oder niedrig dosiertes hCG zur Fertilitätserhaltung während einer Testosterontherapie genannt. Die Autoren betonen den weltweit zunehmenden Gebrauch von exogenem Testosteron und AAS sowie den Mangel an gut kontrollierten Langzeitstudien, der belastbare, evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen bislang erschwert.
PMID 39820213 — Original auf PubMed →
Systematische Übersicht zum Einfluss von Kalziumkanalblockern auf die Spermienfunktion (2025)
Allard-Phillips E et al. — Reproductive toxicology (Elmsford, N.Y.) · Hormone & Medikamente
Diese systematische Literaturübersicht analysiert die Wirkung von Kalziumkanalblockern (CCBs), einer häufig verordneten Medikamentenklasse bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf die Spermienfunktion. Da männliche Infertilität für 30-50 % der Kinderlosigkeitsfälle verantwortlich ist und Spermienmotilität sowie Kapazitation stark von Kalziumionen und Kanälen wie CatSper und spannungsabhängigen Kalziumkanälen (VDCCs) abhängen, untersuchten die Autoren, wie CCBs diese Prozesse beeinflussen. Die Befundlage ist uneinheitlich: Einzelne Studien zeigten, dass Wirkstoffe wie Nifedipin die Spermienmotilität und die Akrosomreaktion verringern und eine reversible Infertilität verursachen können, während andere Arbeiten keine relevanten Effekte auf Befruchtungsraten bei IVF-Behandlungen fanden. Tierstudien deuten zusätzlich darauf hin, dass CCBs die Spermatogenese und Spermienfunktion beeinträchtigen können, ohne die Hormonspiegel zu verändern. Die Autoren betonen, dass die Effekte reversibel erscheinen, fordern aber umfangreichere In-vivo-Studien, um die klinische Relevanz für Patienten unter CCB-Therapie besser einordnen zu können.
PMID 39855487 — Original auf PubMed →
Der Zusammenhang zwischen Bluthochdruck, blutdrucksenkenden Medikamenten und Spermaparametern bei Männern in fertilitätsmedizinischer Abklärung (2025)
Greenberg DR et al. — Andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Diese retrospektive Kohortenstudie untersuchte bei 14.009 Männern, die sich zwischen 2002 und 2023 einer Fertilitätsabklärung unterzogen, den Zusammenhang zwischen Bluthochdruck bzw. blutdrucksenkender Medikation und Spermaparametern. 10,1 % (n=1.410) der Männer hatten die Diagnose Hypertonie. Hypertoniker wiesen ein signifikant geringeres Ejakulatvolumen (2,8 ml vs. 2,9 ml, p<0,001) und eine geringere Spermienmotilität (58 % vs. 60 %, p<0,001) auf; Hypertonie war zudem unabhängig mit einer abnormen Gesamtzahl motiler Spermien (TMSC<20 Mio.) assoziiert (Odds Ratio 1,21; 95%-KI 1,05-1,40; p=0,008). Innerhalb der Hypertoniker hatten Männer unter aktueller antihypertensiver Medikation eine niedrigere Motilität, schlechtere Morphologie und niedrigere TMSC als unbehandelte Hypertoniker; in der multivariablen Analyse zeigte die Medikation selbst jedoch kein zusätzliches signifikantes Risiko gegenüber unbehandelten Patienten. Mehr als jeder zehnte Mann in fertilitätsmedizinischer Abklärung hatte Bluthochdruck; die Autoren empfehlen eine entsprechende Lebensstilberatung und weitere Forschung zur Rolle der Medikamente.
PMID 39912558 — Original auf PubMed →
Wahrgenommener Stress im Zusammenhang mit Markern der Hodenfunktion bei Männern in einem Kinderwunschzentrum (2025)
Reddy AG et al. — Fertility and sterility · Alter, Stress & Schlaf
Diese Beobachtungsstudie an 718 Männern (18-55 Jahre) einer Kinderwunschklinik des Massachusetts General Hospital untersuchte, ob selbstberichteter psychologischer Stress mit beeinträchtigten Spermaparametern und Reproduktionshormonen zusammenhängt. Der wahrgenommene Stress wurde mit der Kurzform der Cohen Perceived Stress Scale (PSS-4) erfasst; erhoben wurden WHO-Spermiogrammparameter, Spermien-DNA-Schäden mittels Comet-Assay sowie Serumhormone (LH, FSH, Prolaktin, Inhibin, Testosteron, Östrogen). Mittels linearer Regression, adjustiert für Alter, BMI, Karenzzeit und weitere Faktoren, zeigte sich: Männer im höchsten PSS-4-Quartil hatten eine signifikant niedrigere adjustierte Gesamtspermienzahl (118 vs. 153 Mio./Ejakulat) und eine niedrigere Zahl normal geformter Spermien (5,97 vs. 9,13 Mio./Ejakulat) im Vergleich zum niedrigsten Quartil. Höherer Stress zeigte zudem konsistente Trends zu niedrigerer Spermienkonzentration, geringerer Gesamtmotilzahl und mehr Zellen mit hohem DNA-Schaden. Kein Zusammenhang bestand zwischen Stress und Hormonwerten. Die Studie liefert Hinweise, dass psychologischer Stress mit reduzierter Spermaqualität und erhöhtem Zell-DNA-Schaden einhergeht.
PMID 39954980 — Original auf PubMed →
Das Sperma-Mikrobiom, männliche Infertilität und reproduktive Gesundheit (2025)
Chatzokou D et al. — International journal of molecular sciences · Grunderkrankungen & Infektionen
Dieser narrative Übersichtsartikel fasst den aktuellen Kenntnisstand zum Sperma-Mikrobiom und dessen Rolle für männliche Infertilität und reproduktive Gesundheit zusammen. Entgegen der früheren Annahme, Samenflüssigkeit sei steril, gilt sie heute als dynamisches Ökosystem mit vielfältigen Mikroorganismen. Die Autoren diskutieren, wie Next-Generation-Sequencing und Bioinformatik die Erforschung dieses Ökosystems verändert haben, und referieren Belege für eine komplexe Beziehung zwischen der Zusammensetzung des Sperma-Mikrobioms und der männlichen Fruchtbarkeit: Bestimmte Bakteriengattungen wie Lactobacillus und Prevotella zeigen dabei gegensätzliche Effekte auf Spermienqualität und DNA-Integrität. Der Einfluss des Mikrobioms reicht über die natürliche Fertilität hinaus bis zu Ergebnissen assistierter Reproduktionstechniken und Schwangerschaften. Die Autoren betonen fehlende standardisierte Methoden und uneinheitliche Studienergebnisse als zentrale Limitation und fordern die Entwicklung eines diagnostisch-therapeutischen Algorithmus sowie weitere Forschung, um personalisierte Fertilitätsstrategien auf Basis des Mikrobioms zu ermöglichen. Es handelt sich um eine qualitative Literaturübersicht ohne eigene Metaanalyse.
PMID 40003912 — Original auf PubMed →
Verursacht Außenluftverschmutzung eine schlechte Spermaqualität? Eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2025)
Margiana R et al. — BMC urology · Umweltschadstoffe
Diese systematische Übersicht und Metaanalyse von Beobachtungsstudien untersuchte den Zusammenhang zwischen Außenluftverschmutzung und Spermaparametern. Nach systematischer Suche in PubMed, Scopus und Web of Science anhand des PICO-Schemas wurden 17 Studien mit insgesamt 24.065 Teilnehmern eingeschlossen; die Effekte wurden als gewichtete Mittelwertdifferenz (WMD) mit 95%-Konfidenzintervall berechnet. Höhere Luftschadstoffbelastung war signifikant assoziiert mit geringerem Samenvolumen (WMD -0,13 ml), niedrigerer Spermienkonzentration (WMD -12,41 Mio./ml), geringerer Gesamtmotilität (WMD -5,96 %), geringerer progressiver Motilität (WMD -4,89 %), niedrigerem Anteil normal geformter Spermien (WMD -2,64 %) sowie einem erhöhten DNA-Fragmentierungsindex (WMD +5,41 %; alle p≤0,03). Allerdings war die statistische Heterogenität zwischen den Studien bei fast allen Parametern sehr hoch (I²-Werte bis 98,7 %). Die Autoren folgern, dass Luftverschmutzung die Spermaqualität beeinträchtigen kann, fordern aber weitere prospektive Kohortenstudien, um die zugrundeliegenden Mechanismen zu klären und die Heterogenität der Befunde zu reduzieren.
PMID 40082868 — Original auf PubMed →
Wirksamkeit von Bewegungsinterventionen auf die Spermaqualität: eine systematische Übersicht und Netzwerk-Metaanalyse (2025)
Song W et al. — Frontiers in endocrinology · Gewicht & Sport
Diese Netzwerk-Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien verglich die Wirksamkeit unterschiedlicher Bewegungsinterventionen auf die Spermaqualität. Aus sieben Datenbanken (u. a. PubMed, Cochrane, EMBASE) wurden 14 RCTs mit insgesamt 1.079 Teilnehmern eingeschlossen und mittels Netzwerk-Metaanalyse ausgewertet (präregistriert bei PROSPERO). Im Vergleich zu körperlicher Inaktivität verbesserten verschiedene Trainingsformen unterschiedliche Parameter: Outdoor-Aerobic zeigte den stärksten Effekt auf das Samenvolumen, sonstige Sportarten verbesserten Motilität und Gesamtspermienzahl am deutlichsten, Krafttraining verbesserte die Spermienmorphologie am stärksten, und Fahrrad-Aerobic hatte den größten Effekt auf die Spermienkonzentration (jeweils mit signifikanten mittleren Differenzen, p<0,05). Die Studie liefert eine vergleichende Rangfolge verschiedener Trainingsarten hinsichtlich unterschiedlicher Spermaparameter bei infertilen Männern, wobei die Effekte je nach Parameter unterschiedlichen Trainingsformen zugeordnet werden. Einschränkend zu nennen ist die relativ geringe Zahl eingeschlossener Studien und mögliche Unterschiede in Trainingsintensität und -dauer zwischen den Primärstudien.
PMID 40104136 — Original auf PubMed →
Bewertung der Wirksamkeit von Varikozelektomie, Antioxidantien, FSH-Therapie und Lebensstiländerungen auf die Spermien-DNA-Fragmentierung: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2025)
Szabó A et al. — Scientific reports · Genetik & Anatomie
Diese umfangreiche systematische Übersicht und Metaanalyse bewertete die Wirksamkeit verschiedener Interventionen auf die Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF): Varikozelektomie, Antioxidantien, FSH-Therapie und Lebensstiländerungen. Von initial 36.531 gefundenen Artikeln wurden 86 Studien mit über 8.000 Patienten eingeschlossen und mittels Random-Effects-Modell gepoolt. Drei Monate nach Varikozelektomie sank die SDF im Mittel um -6,74 %, nach sechs Monaten um -12,39 % (bei Grad-II/III-Varikozelen zeigte sich ein dosisabhängiger Effekt), nach zwölf Monaten war der Effekt nicht mehr signifikant. Antioxidantien senkten die SDF nach drei Monaten um -4,27 % (kombinierte Therapie -4,51 %, Monotherapie -3,36 %), FSH-Therapie um -6,66 % und Lebensstiländerungen um -3,24 %. Die Autoren schlussfolgern, dass die Varikozelektomie die wirksamste Intervention zur SDF-Reduktion nach sechs Monaten ist, FSH-Therapie nützlich sein könnte, der Nutzen von Antioxidantien fraglich bleibt und für Lebensstilinterventionen weitere vergleichbare Studien nötig sind.
PMID 40128318 — Original auf PubMed →
Einfluss von Antidepressiva auf männliche Fertilität und Samenparameter: eine systematische Übersicht (2025)
Dos Santos LOP et al. — Reproductive sciences (Thousand Oaks, Calif.) · Hormone & Medikamente
Diese systematische Literaturübersicht (Suche in PubMed/Medline, Web of Science und Scopus, Stand April 2023) untersuchte die Wirkung verschiedener Antidepressiva auf Spermien- und Fertilitätsparameter bei Männern. Eingeschlossen wurden fünf klinische Humanstudien; extrahiert wurden Angaben zu Wirkstoffklasse, konkretem Medikament, Dosierung, Behandlungsdauer, Alter der Probanden sowie Spermiogramm- und Fertilitätsdaten. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) waren die am besten untersuchte Substanzklasse, wobei die Befunde zu spermienschädigenden Effekten widersprüchlich ausfielen. Die verfügbaren Humanstudien sind limitiert und untersuchen überwiegend kurzfristige Behandlungszeiträume, sodass sie die Effekte einer Langzeiteinnahme möglicherweise nicht adäquat abbilden. Die Autoren betonen die erhebliche Evidenzlücke bezüglich der Auswirkungen von Antidepressiva auf Sperma- und Fertilitätsparameter bei Männern im reproduktiven Alter und fordern methodisch bessere und längerfristig angelegte Studien, um klinisch verlässliche Aussagen für die Beratung depressiver Patienten mit Kinderwunsch treffen zu können.
PMID 40232638 — Original auf PubMed →
Ureaplasma urealyticum erhöht Leukozyten in der Samenflüssigkeit und verschlechtert die menschliche Spermaqualität: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2025)
Kukoyi OS et al. — Basic and clinical andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Diese systematische Übersicht und Metaanalyse (Literatursuche bis 31. Mai 2024 in Cochrane, Google Scholar und PubMed nach dem PECOS-Modell) untersuchte den Effekt einer Infektion mit Ureaplasma urealyticum, Erreger einer nicht-gonokokkalen Urethritis, auf die Spermaqualität. Im Vergleich zu nicht infizierten Kontrollen zeigte sich bei infizierten Männern eine signifikante Reduktion von Ejakulatvolumen (SMD 0,33), Spermienkonzentration (SMD 0,47), Gesamtmotilität (SMD 0,73), Gesamtzahl motiler Spermien (SMD 0,21) und normaler Morphologie (SMD 0,88; alle p≤0,0004), bei gleichzeitig erhöhter Leukozytenzahl in der Samenflüssigkeit (SMD -0,82; p=0,04). Qualitativ zeigten infizierte Männer zudem erhöhte Entzündungsmarker (IL-1β, IL-6, IL-8, TNF-α, Peroxidase, Neutrophile, CD4+- und CD8+-T-Zellen) sowie eine höhere Spermien-DNA-Fragmentierung und mehr apoptotische Spermien. Die Autoren schließen, dass U. urealyticum die Spermaqualität über eine Hochregulierung von Leukozyten, Elastase, proinflammatorischen Zytokinen und DNA-Fragmentierung verschlechtert, und fordern weitere Forschung zu Mechanismen und wirksamen Therapien.
PMID 40247169 — Original auf PubMed →
Die Wirkung einer Antioxidantien-Gabe auf die Spermaqualität bei infertilen Männern: eine randomisierte, placebokontrollierte klinische Studie (2025)
Ioannidou P et al. — Antioxidants (Basel, Switzerland) · Supplements & Nährstoffe
In dieser randomisierten, placebokontrollierten, vierfach verblindeten klinischen Studie wurde die Wirkung einer dreimonatigen oralen Gabe der Antioxidantienkombination Spermotrend® auf die Spermaqualität bei infertilen Männern mit mindestens einem auffälligen Spermiogrammwert untersucht. Von 2019 bis 2022 wurden 80 Männer randomisiert (je n=40 Verum/Placebo), Daten von 70 Teilnehmern lagen für die Endauswertung vor; primärer Endpunkt war die Spermienmotilität. In der Spermotrend-Gruppe stieg die schnelle progressive Motilität signifikant um +1,0 % (p=0,04) und die progressive Motilität um +3,0 % (p=0,02), zudem sank der DNA-Fragmentierungsindex (DFI) signifikant um -3,2 % (p=0,02) - jeweils ohne entsprechende Veränderung in der Placebogruppe. Im direkten Gruppenvergleich der Veränderungen zwischen Behandlungsbeginn und -ende zeigten sich jedoch keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Verum und Placebo bei progressiver Motilität, Konzentration, Morphologie, DFI und 8-OH-dG. Die Autoren bewerten den Nutzen von Spermotrend® auf Motilität und DFI insgesamt als begrenzt.
PMID 40298809 — Original auf PubMed →
Prädiktoren für eine erfolgreiche Spermiengewinnung mittels Mikro-TESE bei mosaikartigem versus nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom: eine prospektive Fallserienstudie (2025)
Elahwany A et al. — Basic and clinical andrology · Genetik & Anatomie
Diese prospektive Fallserienstudie untersuchte Prädiktoren für eine erfolgreiche mikrochirurgische testikuläre Spermienextraktion (micro-TESE) bei 50 infertilen Männern mit Klinefelter-Syndrom (mittleres Alter 32,4±6,3 Jahre), aufgeteilt in mosaikartige und nicht-mosaikartige Formen. Erfasst wurden Hormonwerte (FSH, LH, Gesamttestosteron, Östradiol, Prolaktin), Hodenvolumina sowie FISH-Ergebnisse. Insgesamt wurden bei 26 von 50 Patienten (52 %) reife Spermien gefunden; die Erfolgsrate der Spermiengewinnung (SRR) lag bei mosaikartigem Klinefelter-Syndrom bei 57,1 % gegenüber 32,1 % bei nicht-mosaikartiger Form. Ein Hodenvolumen >2 ml, ein Gesamthodenvolumen >5 ml und ein LH-Wert <21,29 IU/l waren signifikant mit erfolgreicher Spermiengewinnung assoziiert (p=0,007; 0,005; 0,044), ebenso ein höherer Anteil der 46,XY-Zelllinie in der FISH-Untersuchung. Alter, Serum-FSH, Gesamttestosteron, Östradiol und Prolaktin zeigten dagegen keine signifikante Korrelation mit dem Erfolg. Die Studie liefert konkrete klinische Schwellenwerte (u. a. 2 ml Hodenvolumen), die bei der Beratung von Klinefelter-Patienten vor micro-TESE zur Einschätzung der Erfolgsaussichten herangezogen werden könnten.
PMID 40389812 — Original auf PubMed →
Mediterrane Ernährung, Spermaqualität und Ergebnisse assistierter Reproduktion bei Männern: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2025)
Agarwal R et al. — Advances in nutrition (Bethesda, Md.) · Ernährung
Diese systematische Übersicht und Metaanalyse untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einhaltung einer Mediterranen Diät (MedDiet) und Spermaqualität bzw. Ergebnissen assistierter Reproduktion bei Männern (Literatursuche in PubMed, Embase und Scopus bis Oktober 2024, PROSPERO-registriert). In die qualitative Analyse gingen 11 Studien mit 2.558 Teilnehmern ein, davon 8 Studien mit 1.835 Teilnehmern in die quantitative Metaanalyse. Neun Beobachtungsstudien zeigten überwiegend positive Zusammenhänge zwischen MedDiet-Adhärenz und Spermienkonzentration, -zahl, Gesamt- und progressiver Motilität sowie Morphologie. In der Metaanalyse war eine hohe MedDiet-Adhärenz signifikant assoziiert mit höherer Spermienzahl (+24,37 Mio., 95%-KI 1,30-47,44), höherer Gesamtmotilität (+8,81 %), höherer progressiver Motilität (+7,49 %) und höherem Anteil normaler Morphologie (+1,02 %), bei allerdings hoher Heterogenität zwischen den Studien (I²=77-89 %). Bezüglich konkreter Fertilitätsergebnisse bei assistierter Reproduktion fand sich in der einzigen prospektiven Studie dazu kein Zusammenhang. Die Autoren sehen einen potenziellen Nutzen der MedDiet für die Spermaqualität, jedoch keine gesicherte Evidenz für bessere Fertilitätsergebnisse.
PMID 40419219 — Original auf PubMed →
Süße Getränke, saure Folgen: Der Einfluss zuckergesüßter Getränke auf die Spermiengesundheit, eine narrative Übersicht (2025)
Win WKY et al. — Nutrients · Ernährung
Diese narrative Übersichtsarbeit fasst die aktuelle Evidenz zum Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckergesüßter Getränke (Sugar-Sweetened Beverages, SSB) und der Spermiengesundheit zusammen. Basierend auf einer gezielten Literatursuche in PubMed, Scopus und Google Scholar wurden 11 relevante Beobachtungs- und Kohortenstudien eingeschlossen; reine Tiermodellstudien wurden ausgeschlossen. Die einbezogenen Primärstudien berichten konsistent über einen negativen Zusammenhang zwischen hohem SSB-Konsum und Spermaparametern, insbesondere über eine geringere Spermienzahl und -motilität sowie eine erhöhte DNA-Fragmentierung. Als mögliche biologische Mechanismen werden oxidativer Stress, hormonelle Dysregulation sowie mit Adipositas und Insulinresistenz verbundene Stoffwechselstörungen diskutiert. Die Autoren weisen jedoch auf erhebliche Unterschiede in Studiendesign, Expositionserfassung und untersuchten Populationen hin, die die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse einschränken. Sie folgern, dass regelmäßiger SSB-Konsum die männliche Reproduktionsgesundheit über oxidative Schäden und Hormonstörungen beeinträchtigen könnte, und fordern weitere Längsschnittstudien mit standardisierter Methodik, insbesondere in bislang unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen.
PMID 40431472 — Original auf PubMed →
Zusammenhänge zwischen Mischungen urinärer Phthalatmetabolite, Spermaqualität und Serum-Reproduktionshormonen bei japanischen Männern in Kinderwunschbehandlung (2025)
Mizuno Y et al. — Reproductive toxicology (Elmsford, N.Y.) · Endokrine Disruptoren
Diese Querschnittsstudie analysierte bei 197 japanischen Männern, die sich 2020/2021 wegen Kinderwunsch in Behandlung befanden, den Zusammenhang zwischen urinären Phthalatmetabolit-Mischungen, Spermaqualität und Serum-Reproduktionshormonen. Samenproben (Volumen, Zahl, Konzentration, Motilität) und Spontanurin (Phthalatmetabolite mittels LC-MS/MS) wurden erhoben, Hormonwerte (Testosteron, Östradiol, LH, FSH, Prolaktin) aus Klinikdaten entnommen; die statistische Auswertung erfolgte mit drei unabhängigen Mixture-Modellen (WQS-Regression, Quantil-g-Computation, Bayesian Kernel Machine Regression). Höhere urinäre Phthalatmetabolit-Konzentrationen waren konsistent über alle drei Methoden hinweg positiv mit der Spermienmotilität assoziiert (Monoethylphthalat als wichtigster Einzelbeitrag), zeigten aber keinen Zusammenhang mit Samenvolumen, Spermienzahl oder -konzentration. Zudem waren höhere Phthalat-Expositionen mit niedrigerem Serum-Testosteron und höherem Prolaktin assoziiert, nicht jedoch mit Östradiol, FSH oder LH. Die Autoren schließen, dass bereits eine relativ geringe Phthalat-Exposition die männliche Reproduktionsgesundheit über hormonelle Veränderungen beeinflussen könnte.
PMID 40460943 — Original auf PubMed →
Die Wirkung der mediterranen und der persischen Ernährung auf Sexualfunktion und Spermaqualität bei infertilen Männern: eine randomisierte kontrollierte Studie (2025)
Ghasemi A et al. — Scientific reports · Ernährung
Diese einfach verblindete randomisierte kontrollierte Studie untersuchte bei 159 Männern mit Oligoasthenospermie (Alter 18-45 Jahre, Shiraz, Iran, Juli 2022 bis Februar 2023) die Wirkung einer Persischen Medizin-Diät (PMD) und einer Mediterranen Diät (MD) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe (je n=53) über zwei Monate auf Sexualfunktion (IIEF-15-Fragebogen) und Spermaqualität. Der Gesamt-IIEF-Score verbesserte sich unter PMD am stärksten (p≤0,001), ebenso die Subskalen erektile Funktion und Zufriedenheit mit dem Geschlechtsverkehr (p≤0,001 bzw. p≤0,003); die MD zeigte den größten Effekt auf die Orgasmusfunktion (p=0,053). Bei den Spermiogrammparametern verbesserten sich unter MD Spermienzahl, -motilität und -morphologie signifikant (alle p≤0,001). Die Autoren schließen, dass sowohl die persische als auch die mediterrane Ernährungsintervention die männliche Sexualfunktion und Spermaqualität bei infertilen Männern positiv beeinflussen können, wobei größere und länger angelegte Studien für gesicherte Aussagen nötig sind.
PMID 40593139 — Original auf PubMed →
Vaterschaft nach Behandlung des Kryptorchismus: eine systematische Übersicht (2025)
Henriksen AL et al. — Journal of clinical medicine · Genetik & Anatomie
Diese systematische Übersicht (PRISMA-konform, PROSPERO-registriert, Datenbanksuche in Medline, Embase und PubMed von 1990 bis Februar 2025) untersuchte Vaterschaftsraten bei Männern, die in der Kindheit wegen Kryptorchismus (Hodenhochstand) operiert wurden, sowie das optimale Operationsalter im Hinblick auf die spätere Fruchtbarkeit. Sechs Studien erfüllten die Einschlusskriterien und wurden mittels Newcastle-Ottawa-Scale auf Verzerrungsrisiko geprüft. Fünf der sechs Studien fanden höhere Vaterschaftsraten bei einseitigem im Vergleich zu beidseitigem Kryptorchismus. Eine frühzeitige Operation erwies sich als vorteilhaft, wobei eine verzögerte Behandlung im frühen Kindesalter die Fertilität dennoch teilweise erhalten kann; eine große Studie zeigte einen Anstieg des Bedarfs an assistierter Reproduktion (ART) um 5 % je sechs Monate Operationsverzögerung, mit signifikant höherem ART-Bedarf bei einem Eingriff nach dem 18. Lebensmonat. Die Autoren folgern, dass beidseitiger Kryptorchismus und verzögerte Orchidopexie mit geringerer Fertilität und höherem ART-Bedarf einhergehen, und fordern qualitativ hochwertigere Studien zur Festlegung des optimalen Operationszeitpunkts.
PMID 40649142 — Original auf PubMed →
Chirurgische Spermiengewinnung bei nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom (47,XXY) kann sicher bis ins Erwachsenenalter verschoben werden: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2025)
Momtazi-Mar L et al. — Fertility and sterility · Genetik & Anatomie
Diese systematische Übersicht und Metaanalyse untersuchte, ob die chirurgische Spermiengewinnung bei nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom (47,XXY) - der häufigsten genetischen Ursache der Azoospermie - sicher bis ins Erwachsenenalter verschoben werden kann. Nach Literatursuche in PubMed, Embase und Medline (bis 15.1.2025) wurden 48 Studien mit insgesamt 2.815 Teilnehmern eingeschlossen, die konventionelle oder mikrochirurgische testikuläre Spermienextraktion (TESE) untersuchten; die mediane Erfolgsrate der Spermiengewinnung (SRR) lag bei 44 %. Neun Studien bzw. Substudiengruppen betrafen Jugendliche; zwischen adoleszenten und erwachsenen Kohorten zeigte sich kein Unterschied in der mittleren SRR (45 % vs. 42 %). Ein nicht-signifikanter quadratischer Zusammenhang deutete auf einen möglichen SRR-Rückgang nach dem 40. Lebensjahr hin. 22 Studien berichteten Lebendgeburtenraten mit einem medianen Wert von 11,1 %. Die Autoren schließen, dass Patienten mit nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom beruhigt werden können: Ein Aufschub der Spermiengewinnung bis ins mittlere Erwachsenenalter verändert die Chancen auf biologische Vaterschaft nicht wesentlich, auch wenn die Gesamt-Lebendgeburtenrate durch kumulierte Verluste bei Spermiengewinnung und assistierter Reproduktion insgesamt moderat bleibt.
PMID 40691963 — Original auf PubMed →
Spermienqualität bei Patienten mit akuter Leukämie: eine retrospektive Studie (2025)
Buonacquisto A et al. — Annals of hematology · Grunderkrankungen & Infektionen
Retrospektive Studie zur Spermienqualität von Männern mit akuter Leukämie vor Beginn der Chemotherapie, mit Nachuntersuchung eines Teils der Patienten sowie Erhebung von Fertilitätsdaten und Kryokonservierungspraxis. Erfasst wurden Spermiogramm-Parameter, Kinderwunsch, Anzahl der durchgeführten Kryokonservierungen und deren Durchführbarkeit. Vor Therapiebeginn lagen die medianen Spermienwerte der Patienten oberhalb der 25. Perzentile der Referenzwerte. Nach der Chemotherapie stieg der Anteil an Azoospermie im Verlauf von einem Jahr an. Vier Patienten erreichten mittels assistierter Reproduktionstechniken (mindestens ein Zyklus) eine Vaterschaft. Die Autoren schlussfolgern, dass die Spermienqualität vor einer Leukämiebehandlung meist noch im Normbereich liegt, die Chemotherapie jedoch häufig zu einer deutlichen, teils dauerhaften Verschlechterung bis zur Azoospermie führt. Die Studie unterstreicht die Bedeutung einer frühzeitigen Aufklärung über und Durchführung von Spermienkryokonservierung bei jungen Leukämiepatienten vor Therapiebeginn, um spätere Elternschaft zu ermöglichen.
PMID 40707629 — Original auf PubMed →
Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung und Spermienqualität sowie männlicher Unfruchtbarkeit: eine groß angelegte Multicenter-Studie in China (2025)
Chen W et al. — Journal of hazardous materials · Umweltschadstoffe
Retrospektive Multicenter-Kohortenstudie mit 25.682 Männern aus drei Kinderwunschzentren in Ostchina (2015–2022), die den Zusammenhang zwischen Luftschadstoffbelastung während verschiedener Phasen der Spermatogenese und Spermienqualität bzw. männlicher Unfruchtbarkeit untersuchte. Die Exposition gegenüber Feinstaub (PM2.5, PM10), SO2, NO2, O3 und CO wurde über den gesamten Spermienentwicklungszeitraum erfasst (z. B. PM2.5-Median 27,6 µg/m³). Höhere Belastungen mit PM2.5, PM10, SO2, NO2 und CO waren signifikant mit geringerer progressiver Motilität, schlechterer Morphologie und einem erhöhten Unfruchtbarkeitsrisiko assoziiert (jeweils p<0,05), wobei die Effekte in den frühen Spermatogenese-Stadien I und II am stärksten waren. Mediationsanalysen zeigten, dass reduzierte Motilität und Morphologie einen Teil des Zusammenhangs zwischen Luftverschmutzung und Unfruchtbarkeitsrisiko statistisch erklären. Die große Stichprobe stützt die Annahme, dass Luftverschmutzung ein relevanter, potenziell vermeidbarer Risikofaktor für die männliche Fertilität ist.
PMID 40773849 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von Carnitin und Coenzym Q10 auf Spermienqualität und Schwangerschaftsraten bei Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit: eine systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse (2025)
Niu C et al. — Reproductive sciences (Thousand Oaks, Calif.) · Supplements & Nährstoffe
Systematische Übersichtsarbeit mit Netzwerk-Metaanalyse (16 eingeschlossene Studien) zur Wirkung oraler Antioxidantien – Carnitin und Coenzym Q10 (CoQ10) – auf Spermienqualität und Schwangerschaftsrate bei Männern mit ungeklärter (idiopathischer) Unfruchtbarkeit. Durchsucht wurden Cochrane Library, EMBASE, Web of Science und PubMed; Zielgrößen waren Spermienkonzentration, progressive Motilität, Morphologie und Schwangerschaftsrate. L-Carnitin, CoQ10 sowie die Kombination L-Carnitin plus Acetyl-L-Carnitin verbesserten die Spermienparameter im Vergleich zu Placebo signifikant. CoQ10 zeigte den stärksten Anstieg der Spermienkonzentration (SMD 2,98; 95%-KI 1,13–7,87), während L-Carnitin den größten Effekt auf die progressive Motilität hatte (SMD 4,19; 95%-KI 1,60–10,95). Die Autoren identifizieren CoQ10 als wirksamste Option zur Steigerung der Spermienkonzentration und L-Carnitin als beste Option zur Verbesserung der Motilität, betonen jedoch die Notwendigkeit größerer, qualitativ hochwertiger Studien zur Bestätigung dieser Ergebnisse.
PMID 40813743 — Original auf PubMed →
Wirksamkeit und Sicherheit von Coenzym Q10 bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse randomisierter Studien (2025)
Bakri S et al. — The world journal of men's health · Supplements & Nährstoffe
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von neun randomisiert-kontrollierten Studien (781 Teilnehmer: 430 Behandlung, 351 Kontrolle) zur Wirksamkeit und Sicherheit von Coenzym Q10 (CoQ10) bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit. Die methodische Qualität wurde mit dem Cochrane-Risk-of-Bias-Tool (RoB2) bewertet, die Auswertung erfolgte mit Review Manager 5.4 (PROSPERO-Registrierung). CoQ10 verbesserte signifikant die Spermienkonzentration (mittlere Differenz 10,22×10⁶/mL; 95%-KI 3,51–16,93; p=0,003), das Ejakulatvolumen (+0,17 mL; p=0,02), die Gesamtmotilität (+4,95 %; p=0,01) sowie den seminalen CoQ10-Spiegel. Eine Anwendungsdauer von über drei Monaten verbesserte zusätzlich signifikant die Spermienmorphologie (p<0,05). Drei Studien berichteten keine Nebenwirkungen, eine milde, vorübergehende Nebenwirkungen. Die Autoren schlussfolgern, dass CoQ10 – insbesondere bei mehr als dreimonatiger Einnahme, allein oder in Kombination mit anderen Antioxidantien – die Spermienqualität und Schwangerschaftsraten bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit sicher verbessern kann.
PMID 40878114 — Original auf PubMed →
Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Spermiogramm-Parameter: eine prospektive Kohortenstudie (2025)
Madab IQ et al. — The journal of medicine access · Grunderkrankungen & Infektionen
Prospektive Kohortenstudie (Baghdad Medical City Complex, August 2020 bis August 2022) zu den Auswirkungen einer COVID-19-Infektion auf Spermiogramm-Parameter. Von ursprünglich 50 Teilnehmern gingen 44 männliche Patienten (mittleres Alter 31,8 ± 5,1 Jahre, BMI 24,7 ± 3,4 kg/m², 77,3 % Raucher) in die Endauswertung ein; geimpfte Männer wurden ausgeschlossen. Alle untersuchten Samenparameter verschlechterten sich signifikant vom Ausgangswert bis zur 3-Monats-Kontrolle nach der Infektion, erholten sich jedoch zwischen dem 3. und 6. Monat signifikant und erreichten wieder ein mit dem Ausgangswert vergleichbares Niveau. Die Autoren folgern, dass eine COVID-19-Infektion die Spermienqualität vorübergehend, insbesondere in den ersten drei Monaten nach Infektion, beeinträchtigt, sich diese Effekte aber innerhalb von etwa einem halben Jahr weitgehend zurückbilden. Einschränkend zu nennen sind die kleine Stichprobe, der hohe Raucheranteil und der Verlust von sechs Teilnehmern im Follow-up.
PMID 40905004 — Original auf PubMed →
Geografische Unterschiede in der Spermienqualität junger Männer: eine räumliche Abhängigkeitsanalyse (2025)
Rahban R et al. — Human reproduction (Oxford, England) · Umweltschadstoffe
Querschnittsstudie mit 2677 Männern im Alter von 18–22 Jahren aus der Schweizer Allgemeinbevölkerung (rekrutiert 2005–2018 im Rahmen der Rekrutenaushebung), die mittels räumlicher Abhängigkeitsanalyse (lokale Getis-Ord-Gi*-Statistik, 25-km-Radius) untersuchte, ob Spermienqualitätsparameter geografisch zufällig verteilt sind oder räumliche Muster aufweisen. Erfasst wurden Samenvolumen, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl und Morphologie sowie georeferenzierte Wohnortdaten und nationale Landnutzungsdaten. Es zeigten sich deutliche, persistente räumliche Cluster mit auffällig hohen ("Hotspots") und niedrigen Werten ("Coldspots"), unter anderem ein andauernder Bereich niedriger Werte im westlichen Mittelland. Im Coldspot-Cluster war der Anteil an Futter- und Ackerbauflächen deutlich höher (52,0 % vs. 28,3 % bzw. 30,1 %) und der Anteil bebauter Fläche niedriger (32,6 % vs. 53,3 %) als im Hotspot. Dies deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen landwirtschaftlicher Landnutzung und regional schlechterer Spermienqualität hin; die für Einzelanalysen begrenzte Stichprobengröße schränkt die statistische Aussagekraft ein.
PMID 41022404 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen männlicher Schlafqualität, Spermienparametern und Schwangerschaftsergebnissen bei unfruchtbaren Paaren (2025)
Zhou R et al. — Basic and clinical andrology · Alter, Stress & Schlaf
Querschnittsstudie mit 727 männlichen Partnern aus unfruchtbaren Paaren (Oktober 2023 bis Februar 2025), die den Zusammenhang zwischen männlicher Schlafqualität (erfasst mit dem Pittsburgh-Schlafqualitätsindex) und Spermienparametern, Hormonprofil sowie Schwangerschaftserfolg der Partnerin untersuchte. 75,1 % der Teilnehmer berichteten eine schlechte Schlafqualität. Männer mit schlechter Schlafqualität zeigten eine signifikant niedrigere Spermienkonzentration (β=-1,39; 95%-KI -2,11 bis -0,67; p<0,001) sowie reduzierte progressive und Gesamtmotilität (β=-1,25; 95%-KI -1,61 bis -0,88; p<0,001). Bei den Hormonwerten (FSH, LH, Östradiol, Prolaktin, Testosteron) fanden sich keine signifikanten Unterschiede. Schlechte Schlafqualität war zudem mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit einer klinischen Schwangerschaft assoziiert (OR 4,67; 95%-KI 3,08–7,09; p<0,0001). Die Autoren sehen in der Verbesserung der Schlafqualität einen potenziell modifizierbaren Ansatzpunkt zur Unterstützung männlicher Fertilität.
PMID 41029517 — Original auf PubMed →
Belastung mit Organophosphat-Pestiziden und Spermienqualität bei gesunden jungen Männern: eine Pilotstudie (2025)
Stapleton JL et al. — Antioxidants (Basel, Switzerland) · Umweltschadstoffe
Querschnittlich angelegte Pilotstudie mit 42 gesunden jungen Männern zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen urinären Metaboliten von Organophosphat(OP)-Pestiziden und Spermienqualität. Neben Fragebögen und anthropometrischen Messungen wurden Urin- und Samenplasmaproben mittels HPLC-Elektrospray-Tandem-Massenspektrometrie auf Dialkylphosphat(DAP)-Metaboliten untersucht; Spermienparameter wurden nach WHO-Kriterien bewertet, oxidativer Stress im Samen mit dem MiOXSYS-System (oxidativ-reduktives Potenzial, ORP) gemessen. Eine höhere OP-Pestizidbelastung war mit insgesamt schlechterer Spermienqualität assoziiert; insbesondere die Summe der DAP-Metaboliten (vor allem Diethyl-Metaboliten) korrelierte invers mit dem Anteil beweglicher Spermien, wobei dieser Zusammenhang nicht durch das seminale ORP vermittelt wurde. Das seminale ORP selbst war invers mit der Spermienkonzentration assoziiert, jedoch nicht mit der OP-Pestizidbelastung verknüpft. Aufgrund der kleinen Stichprobe hat die Studie explorativen Charakter und liefert erste Hinweise auf einen möglichen, mechanistisch aber noch ungeklärten Zusammenhang zwischen Pestizidbelastung und Spermienqualität.
PMID 41154467 — Original auf PubMed →
Bleibelastung ist mit erhöhter Bleianreicherung und einer Verschlechterung der Spermienqualität assoziiert: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (2025)
Adisa VI et al. — JBRA assisted reproduction · Umweltschadstoffe
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Literatursuche in Google Scholar, PubMed und Scopus, März–April 2024, PECOS-Modell) zu Bleibelastung und Spermienqualität; 17 Studien erfüllten die Einschlusskriterien. Bleiexponierte Männer wiesen deutlich höhere Blutbleiwerte (standardisierte Mittelwertdifferenz [SMD] -7,06; 95%-KI -9,03 bis -5,08) und Samenbleiwerte (SMD -3,42) auf als Kontrollen. Bleibelastung war mit signifikant reduziertem Ejakulatvolumen (SMD 0,81), verringerter Spermienzahl (SMD 2,10), niedrigerer Spermienkonzentration (SMD 0,77), verminderter Gesamtmotilität (SMD 2,20) sowie vermehrten morphologischen Spermienauffälligkeiten (SMD -3,29) assoziiert. Veränderungen bei Testosteron und dem oxidativen Stressmarker Malondialdehyd waren erkennbar, erreichten aber keine statistische Signifikanz. Die Autoren sehen die Ergebnisse als Beleg dafür, dass Bleibelastung die Spermienqualität in mehreren Parametern relevant verschlechtert, und fordern Maßnahmen zur Expositionsreduktion sowie weitere Forschung zu wirksamen Gegenmaßnahmen.
PMID 41370422 — Original auf PubMed →
BMI ist bei Männern mit Spermienqualität und Sexualhormonen assoziiert: eine Metaanalyse (2025)
Ji F et al. — Frontiers in endocrinology · Gewicht & Sport
Metaanalyse (Literatursuche in PubMed, Embase, Cochrane Library, CNKI und Wanfang) zum Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index (BMI) und Spermienqualität sowie Sexualhormonen bei erwachsenen Männern. Aus 275 identifizierten Studien wurden 14 mit insgesamt 8443 Männern eingeschlossen (3467 mit Normalgewicht, 3444 mit Übergewicht, 1532 mit Adipositas); vier Studien untersuchten zusätzlich Sexualhormone. Zwischen den drei BMI-Gruppen zeigten sich statistisch signifikante Unterschiede bei normaler Morphologie, Gesamt- und progressiver Motilität, Spermienkonzentration, Ejakulatvolumen und Gesamtspermienzahl – jeweils mit ungünstigeren Werten bei höherem BMI. Auch Gesamttestosteron, FSH und LH unterschieden sich signifikant zwischen den Gruppen. Die Autoren folgern, dass ein erhöhter BMI signifikant mit verschlechterter Spermienqualität und veränderten Sexualhormonspiegeln assoziiert ist und als Risikofaktor in der Fertilitätsdiagnostik berücksichtigt werden sollte; longitudinale Studien zur möglichen Reversibilität durch Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion werden als nächster Schritt empfohlen.
PMID 41427049 — Original auf PubMed →
Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Arsenbelastung und Spermienqualität: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (2025)
Gautam R et al. — Journal of human reproductive sciences · Umweltschadstoffe
Systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (Datenbanken Scopus, PubMed, Cochrane Central, 361 zunächst identifizierte Studien) zum Zusammenhang zwischen Arsenbelastung und Spermienqualität. Nach zweistufigem Screening wurden vier Studien eingeschlossen, davon zwei Querschnittsstudien für die eigentliche Metaanalyse; zwei weitere Fall-Kontroll-Studien konnten mangels geeigneter Kontrollen nicht gepoolt werden und wurden narrativ beschrieben. In den gepoolten Querschnittsdaten lagen mittleres Samenvolumen (3,18 ml), Spermienkonzentration (78,69×10⁶/mL) und Motilität (52,13 %) im bzw. über dem WHO-Referenzbereich, allerdings bei hoher statistischer Heterogenität (I² bis 95 %). Die Metaanalyse deutet auf einen möglichen negativen Effekt von Arsen auf das Samenvolumen hin, während die Effekte auf Konzentration und Motilität uneinheitlich blieben. Trotz biologisch plausibler Mechanismen (oxidativer Stress, endokrine Disruption) lassen die geringe Studienanzahl und methodische Heterogenität keine gesicherten Schlussfolgerungen zu; die Autoren fordern größere, längsschnittliche Studien mit standardisierter Expositions- und Ergebnismessung.
PMID 41560877 — Original auf PubMed →
Beeinträchtigt eine Zunahme des Fettgewebes die männliche Fertilität? (2024)
Santi D, et al. — Andrology · Gewicht & Sport
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse prospektiver und retrospektiver Beobachtungsstudien an Männern über 18 Jahren mit Übergewicht bis schwerer Adipositas, ausschließlich Studien mit Samenanalyse nach WHO-Kriterien (5. Auflage, 2010). Verglichen wurden übergewichtige/adipöse mit normalgewichtigen Männern; 28 Studien wurden eingeschlossen. Übergewichtige Männer zeigten signifikant niedrigere Gesamtspermienzahl und progressive Motilität als Normalgewichtige; bei adipösen Männern waren zusätzlich Spermienkonzentration, Gesamt- und progressive Motilität sowie normale Morphologie reduziert. Metaregressionen zeigten Einflüsse von Alter, Rauchen, Varikozele und Gesamttestosteron auf die verringerte Spermienkonzentration bei Adipösen. Einordnung: Die Arbeit bestätigt Adipositas als eigenständigen, nicht übertragbaren Risikofaktor für männliche Infertilität - je höher das Körpergewicht, desto ausgeprägter die Verschlechterung von Spermienmenge und -qualität, was die gonadale Funktion insgesamt betrifft.
PMID 37226894 — Original auf PubMed →
Effekt der Östrogenmodulation auf Samenparameter bei Männern mit sekundärem Hypogonadismus (2024)
de Silva NL, et al. — Andrology · Hormone & Medikamente
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (PubMed, MEDLINE, Cochrane Library, ClinicalTrials.gov) zur Wirkung selektiver Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs) und Aromatasehemmer auf Samenparameter und Fertilität bei Männern mit sekundärem Hypogonadismus; Bias-Bewertung mittels ROB-2/ROBINS-I, Evidenzgrad nach GRADE. Fünf nicht randomisierte Interventionsstudien (n=105) zu SERMs zeigten einen Anstieg der Spermienkonzentration (gepoolte mittlere Differenz 6,64 Mio./ml), drei Studien (n=83) einen Anstieg der Gesamtzahl motiler Spermien (+10,52), jeweils bei sehr niedriger Evidenzqualität. Vier randomisiert-kontrollierte Studien (n=591, SERMs vs. Placebo) zeigten heterogene Effekte auf die Spermienkonzentration; die meisten Teilnehmer waren übergewichtig/adipös. Zu Aromatasehemmern lagen keine placebokontrollierten Studien vor, Schwangerschafts-/Lebendgeburtendaten waren spärlich. Einordnung: Aktuelle Studien sind klein und von begrenzter Qualität, deuten aber an, dass SERMs Samenparameter insbesondere bei adipösen hypogonadalen Männern verbessern können.
PMID 37306109 — Original auf PubMed →
Verbessert eine Varikozelen-Operation konventionelle Samenparameter? (2024)
Cannarella R, et al. — The World Journal of Men's Health · Genetik & Anatomie
Große Metaanalyse (PRISMA-P/MOOSE) intraindividueller Vorher-Nachher-Vergleiche bei infertilen Männern mit klinischer Varikozele nach operativer Varikozelenbehandlung. Systematische Suche in Scopus, PubMed, Cochrane und Embase; von 1.632 gescreenten Abstracts wurden 351 Studien eingeschlossen (23 RCTs, 292 Beobachtungs-, 36 Fall-Kontroll-Studien). Nach dem Eingriff verbesserten sich nahezu alle Samenparameter signifikant (außer Vitalität): Ejakulatvolumen (SMD 0,203), Spermienkonzentration (SMD 1,590), Gesamtspermienzahl (SMD 1,824), Gesamtzahl motiler Spermien (SMD 1,643), progressive Motilität (SMD 1,845), Gesamtmotilität (SMD 1,613) und Morphologie (SMD 1,066), jeweils p<0,001, bei hoher statistischer Heterogenität (I²>83%). Einordnung: Dies ist die bislang größte Paar-Analyse zu diesem Thema und bestätigt robust, dass eine Varikozelenkorrektur die klassischen Spermiogrammparameter bei infertilen Männern mit klinischer Varikozele signifikant verbessert.
PMID 37382284 — Original auf PubMed →
Erholung der Spermatogenese nach Missbrauch anabol-androgener Steroide bei Männern (2024)
Rajmil O, Moreno-Sepulveda J — Actas Urológicas Españolas · Hormone & Medikamente
Systematische Übersichtsarbeit (PRISMA) zur optimalen Behandlung männlicher Infertilität infolge des Missbrauchs anabol-androgener Steroide (AAS). Eingeschlossen wurden Studien, die verschiedene Behandlungsprotokolle zur Wiederherstellung der Spermatogenese nach AAS-Gebrauch verglichen; 13 Studien erfüllten die Einschlusskriterien. Als wirksame Substanzen zur Wiederherstellung der Spermatogenese werden injizierbare Gonadotropine, selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren und Aromatasehemmer beschrieben, wobei ihr Einsatz in der Literatur noch unzureichend dokumentiert ist. Die AAS-bedingte Infertilität kann reversibel sein, die Normalisierung der Spermienproduktion kann jedoch über ein Jahr dauern. Sowohl konservative als auch aggressivere Therapieansätze können die Spermatogenese mit positiven Ergebnissen fördern. Einordnung: Kliniker sollten sich der schädlichen Wirkung von AAS auf die Spermatogenese bewusst sein; belastbare, hochwertige Daten zur optimalen Erholungstherapie fehlen bislang weitgehend, weshalb weitere Forschung notwendig ist.
PMID 37567343 — Original auf PubMed →
Testikuläre Funktionsstörung bei männlichen Kinderkrebs-Überlebenden nach Strahlentherapie (2024)
Baliga S, et al. — International Journal of Radiation Oncology, Biology, Physics · Strahlung & Bildschirmzeit
Umfassende Übersichtsarbeit mit Metaanalyse der "Pediatric Normal Tissue Effects in the Clinic" (PENTEC)-Initiative zu strahlendosisabhängigen Effekten auf Fertilität und Hormonfunktion nach Strahlentherapie bei pädiatrischen Krebserkrankungen. Von 31 analysierten Studien lieferten 4 Dosis-Wirkungs-Daten für deskriptive Streudiagramme, unterteilt in Streustrahlung (Kohorte 1) und direkte testikuläre Bestrahlung (Kohorte 2). Bei mittleren Hodendosen von 1 Gy stieg die Oligospermierate nach 12 Monaten auf über 90%. Testosteron blieb bei niedrigen Dosen meist unbeeinflusst, während Dosen >20 Gy bei mindestens 68% der Patienten mit deutlich erhöhtem Risiko für abnormale Testosteronwerte einhergingen; FSH war ab >0,5 Gy bei 40-100% erhöht, LH bei 33-75% betroffen. Bei direkter Bestrahlung >10 Gy stieg das Risiko reproduktiver Toxizität deutlich an. Einordnung: Die Arbeit liefert wichtige Dosis-Wirkungs-Referenzwerte für Beratung und Nachsorge strahlentherapierter Kinder und Jugendlicher.
PMID 37791936 — Original auf PubMed →
Schlafdauer und Biomarker der Fekundität bei jungen Männern (2024)
Gaml-Sørensen A, et al. — Andrology · Alter, Stress & Schlaf
Querschnittsstudie an 1.055 jungen Männern der dänischen FEPOS-Kohorte (2017-2019). Die Schlafdauer wurde per Online-Fragebogen vor dem klinischen Termin erfasst, bei dem Samen- und Blutproben genommen sowie das Hodenvolumen mittels Orchidometer selbst eingeschätzt wurde; die Auswertung erfolgte mittels multivariabler negativer Binomialregression, die Schlafdauer wurde dichotomisiert (empfohlen: 6-9 Std./Nacht vs. abweichend) und zusätzlich als Spline-Kurve dargestellt. Abweichende Schlafdauer war assoziiert mit einer um 5% höheren "high DNA stainability" (HDS), 3% höherem Testosteron und 6% höherem freiem Androgenindex (FAI). Die Spline-Analysen zeigten U-förmige Zusammenhänge zwischen Schlafdauer und HDS, Testosteron sowie FAI, einen linearen Zusammenhang mit Ejakulatvolumen und SHBG sowie einen umgekehrt U-förmigen Zusammenhang mit normaler Morphologie. Einschränkend war die grobe Kategorisierung der selbstberichteten Schlafdauer. Einordnung: Eine empfohlene Schlafdauer könnte für die reproduktive Gesundheit junger Männer von Vorteil sein.
PMID 37985426 — Original auf PubMed →
Ist eine Varikozelen-Operation bei infertilen Männern mit isolierter Teratozoospermie indiziert? (2024)
Dursun M, et al. — Andrology · Genetik & Anatomie
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (PRISMA, PROSPERO CRD42023467933) zur Wirksamkeit der Varikozelenoperation bei isolierter Teratozoospermie (auffällige Spermienmorphologie bei sonst unauffälligem Spermiogramm) und klinisch tastbarer Varikozele - einer eher seltenen Konstellation. Von 1.013 identifizierten Studien wurden fünf in die systematische Übersicht und vier in die Metaanalyse eingeschlossen (348 Patienten, 18-44 Jahre). Die gepoolte Analyse zeigte eine signifikante Verbesserung der Spermienmorphologie nach Varikozelenoperation (bei hoher Heterogenität, I²=98,49%), jedoch keine signifikante Verbesserung der Spermienkonzentration (I²=64,85%). Drei Studien berichteten hohe Schwangerschaftsraten nach dem Eingriff. Der Qualitätsscore der Studien betrug nach Newcastle-Ottawa-Skala 7 Punkte; Funnel-Plot sowie Begg-Mazumdar-Test zeigten Hinweise auf Publikationsbias (p=0,04). Einordnung: Die Varikozelenoperation kann bei Männern mit isolierter Teratozoospermie und klinischer Varikozele die Spermienmorphologie und möglicherweise die Schwangerschaftsrate verbessern, die Evidenzbasis ist jedoch noch begrenzt.
PMID 38345602 — Original auf PubMed →
Einfluss der mediterranen Ernährung auf die Samenqualität (2024)
Piera-Jordán CÁ, et al. — Frontiers in Nutrition · Ernährung
Systematische Übersichtsarbeit nach PRISMA-Methodik (PubMed, Scopus, Cochrane Library, Web of Science) zum Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und Samenqualität bei Männern im reproduktiven Alter (18-55 Jahre); eingeschlossen wurden 10 Studien mit insgesamt 2.032 Männern, publiziert zwischen 2012 und 2022. Der Ernährungsstatus wurde über Gewicht, Größe und BMI erfasst, die Ernährungsgewohnheiten mittels verschiedener Diät-Indizes und Verzehrhäufigkeitsfragebögen, die Samenqualität über Spermienkonzentration und -motilität (progressiv und nicht progressiv). In sechs der zehn Studien (60%) zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Einhaltung einer mediterranen Ernährungsweise und der Samenqualität, in zwei Studien (20%) kein Zusammenhang, zwei weitere untersuchten andere Aspekte des Diätmusters. Einordnung: Erste systematische Übersichtsarbeit zu diesem Thema; die überwiegend positiven Befunde sprechen dafür, dass die mediterrane Ernährung durch antioxidative und entzündungshemmende Effekte die männliche reproduktive Gesundheit fördern könnte, die Evidenz ist aber noch begrenzt.
PMID 38425483 — Original auf PubMed →
Eine Präkonzeptions-Kohortenstudie zu Zuckergetränke-Konsum und Spermienqualität (2024)
Joseph MD, Koenig MR, Kuriyama AS, Wang TR, Wesselink AK, Eisenberg ML, Sommer GJ, Rothman KJ, Stuver SO, Wise LA, Hatch EE — Andrology · Ernährung
Prospektive Kohortenstudie im Rahmen der nordamerikanischen PRESTO-Studie (2015–2022) mit 690 Männern (1.247 Proben), die vor einer geplanten Schwangerschaft rekrutiert wurden. Der Konsum zuckergesüßter Getränke (Limonaden, Energy-Drinks, Sportgetränke, Fruchtsäfte) wurde per Fragebogen erfasst, die Spermaqualität mittels At-Home-Testkits bestimmt; ausgewertet wurde mit linearer und Poisson-Regression unter Adjustierung für Störfaktoren. Männer mit ≥7 zuckergesüßten Getränken pro Woche zeigten gegenüber Nicht-Konsumenten ein um 6 % geringeres Ejakulatvolumen, 22 % geringere Spermienkonzentration, 22 % geringere Gesamtspermienzahl und 25 % geringere Gesamtzahl motiler Spermien; das Risiko für eine Spermienkonzentration ≤16 Mio./ml war fast verdoppelt (RR 1,89). Die Effekte waren bei Männern mit BMI ≥25 kg/m² ausgeprägter. Die Studie liefert Hinweise, dass ein hoher Konsum zuckerhaltiger Getränke – besonders in Kombination mit Übergewicht – mit schlechterer Spermienqualität einhergeht; kausale Schlüsse sind wegen des Beobachtungsdesigns nicht möglich.
PMID 38450974 — Original auf PubMed →
Belastung durch potenziell toxische Elemente und das Risiko männlicher Unfruchtbarkeit – systematisches Review und Metaanalyse (2024)
Kaur M, Ghosal A, Kaur R, Chhabra K, Kapoor HS, Khetarpal P — Journal of gynecology obstetrics and human reproduction · Umweltschadstoffe
Systematisches Review und Metaanalyse nach PRISMA-Leitlinien (PROSPERO-Registrierung CRD42023465776), das Studien aus PubMed, Google Scholar und Science Direct zur Belastung mit potenziell toxischen Elementen (PTEs) wie Blei, Cadmium, Arsen, Barium und Quecksilber bei männlicher Infertilität zusammenfasst. Ausgewertet wurden Konzentrationen in Blut und Samenflüssigkeit infertiler Männer im Vergleich zu gesunden Kontrollen mittels standardisierter Mittelwertdifferenz (SMD). Blei im Blut zeigte einen signifikanten Zusammenhang mit männlicher Infertilität (SMD 0,67; 95 %-KI 0,07–1,28; p=0,03), ebenso Blei im Sperma (SMD 1,19; p=0,002) und Cadmium im Sperma (SMD 0,92; p<0,00001). Für Arsen, Barium und Quecksilber im Blut fand sich kein signifikanter Zusammenhang. Die Autoren schlussfolgern, dass insbesondere Blei- und Cadmiumexposition mit männlicher Unfruchtbarkeit assoziiert ist, während die Datenlage für andere Schwermetalle uneinheitlich bleibt.
PMID 38554943 — Original auf PubMed →
Fertilitätsergebnisse bei Männern mit angeborenem hypogonadotropem Hypogonadismus nach pubertärer Behandlung mit hCG und rekombinantem FSH (2024)
Grob F, Keshwani R, Angley E, Zacharin M — Journal of paediatrics and child health · Hormone & Medikamente
Retrospektive Fallserie von sechs Patienten mit angeborenem hypogonadotropem Hypogonadismus (CHH; drei mit Kallmann-Syndrom, drei mit isoliertem HH), die während der Pubertät statt mit Testosteron mit humanem Choriongonadotropin (hCG) und rekombinantem follikelstimulierendem Hormon (rFSH) behandelt wurden – einer Kombination, die im Gegensatz zur reinen Testosteronsubstitution sowohl Virilisierung als auch Spermatogenese anstoßen kann. Fünf der sechs Patienten durchliefen im Erwachsenenalter eine gezielte Fertilitätsinduktion. Bei allen fünf wurden bei den Partnerinnen Schwangerschaften erzielt, die alle mit termingerechten Lebendgeburten unauffälliger Kinder endeten. Die kleine, unkontrollierte Fallserie liefert einen frühen Wirksamkeitsnachweis (Proof of Concept), dass eine gonadotropinbasierte Pubertätsinduktion bei CHH die spätere reproduktive Fähigkeit begünstigen kann; wegen der geringen Fallzahl und fehlender Kontrollgruppe sind die Ergebnisse nicht verallgemeinerbar.
PMID 38572627 — Original auf PubMed →
Nicht länger warten – rechtzeitig Kinder zeugen: systematisches Review und Metaanalyse zu Spermaparametern nach Varikozelektomie (2024)
Mei Y, Ji N, Feng X, Xu R, Xue D — International urology and nephrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review und Metaanalyse prospektiver Studien (Suche in PubMed, Web of Science und Cochrane Library, Auswertung mit STATA) zur Frage, wie lange nach einer Varikozelektomie gewartet werden sollte, bis sich die Spermaqualität optimal verbessert hat. Verglichen wurden Spermaparameter vor der Operation mit Nachuntersuchungen nach unterschiedlichen Zeitabständen, ausgedrückt als gewichtete Mittelwertdifferenzen (WMD). Innerhalb von drei Monaten nach dem Eingriff zeigte sich bereits eine signifikante Verbesserung der Spermaparameter gegenüber dem präoperativen Ausgangswert; nach sechs Monaten oder länger war keine weitere Verbesserung mehr nachweisbar (z. B. Spermienkonzentration WMD -1,33; Motilität WMD 2,31; Morphologie WMD 1,29). Die Autoren schlussfolgern, dass drei Monate nach Varikozelektomie der optimale Zeitpunkt für eine Bewertung der Spermaqualität bzw. für einen Zeugungsversuch sein könnte, betonen jedoch den Bedarf an weiteren gut kontrollierten prospektiven Studien zur Bestätigung.
PMID 38761331 — Original auf PubMed →
Beeinträchtigte Spermienqualität bei Patienten mit chronischer Prostatitis (2024)
Rosellen J, Dittmar F, Hauptmann A, Diemer T, Schuppe HC, Schagdarsurengin U, Fritzenwanker M, Wagenlehner F, Pilatz A — Journal of clinical medicine · Grunderkrankungen & Infektionen
Prospektive Kohortenstudie mit 1.071 Patienten, die zwischen 2013 und 2022 wegen Verdachts auf chronische Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS) andrologisch untersucht wurden. Die Spermaanalyse erfolgte nach WHO-2010-Kriterien und wurde mit den WHO-2021-Referenzwerten (Vergleichsgruppe von rund 3.500 Männern) verglichen. Im Median lagen alle untersuchten Spermaparameter im Normalbereich, dennoch fielen bei rund 25 % der Patienten die Werte jedes einzelnen Parameters unterhalb der 5. Perzentile der WHO-Referenzgruppe. Insbesondere eine Bakteriospermie war mit einem negativen Effekt auf das Ejakulatvolumen assoziiert. Mit über 1.000 Teilnehmern handelt es sich um die bislang größte Studie, die sämtliche Standard-Spermaparameter von CP/CPPS-Patienten mit aktuellen WHO-Referenzwerten vergleicht, und liefert damit belastbare Evidenz für eine relevante Beeinträchtigung der konventionellen Spermaparameter bei einem Teil der Betroffenen.
PMID 38792425 — Original auf PubMed →
Mütterliche Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft und Biomarker der männlichen Fruchtbarkeit bei erwachsenen Söhnen (2024)
Laursen TQ, Ramlau-Hansen CH, Tøttenborg SS, Liew Z, Toft G, Gaml-Sørensen A, Hougaard KS, Bonde JPE, Ernst A — Reproductive toxicology (Elmsford, N.Y.) · Endokrine Disruptoren
Longitudinale Kohortenstudie im Rahmen der Danish National Birth Cohort mit 1.058 jungen Männern (Jahrgänge 1998–2000), die im Alter von 18–21 Jahren nachuntersucht wurden. Die mütterliche Paracetamol-Einnahme während der Schwangerschaft, der endokrin wirksame Eigenschaften zugeschrieben werden, wurde retrospektiv erfasst und nach Trimester sowie Einnahmedauer (kurz: 1–2 Wochen, mittel: 3–9 Wochen, lang: >9 Wochen) kategorisiert; Endpunkte waren Spermaparameter, selbst gemessenes Hodenvolumen und Reproduktionshormone, ausgewertet mittels negativer Binomialregression. 48 % der Söhne waren pränatal exponiert. Insgesamt zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen mütterlicher Paracetamol-Einnahme und den untersuchten Fruchtbarkeitsmarkern. Bei langer Einnahmedauer fanden sich jedoch statistisch nicht signifikante Trends zu niedrigerer Spermienkonzentration (-14 %), einem höheren Anteil unbeweglicher/nicht progressiver Spermien (+8 %) und höherem DNA-Fragmentationsindex (+16 %). Ein Zusammenhang zwischen langer pränataler Exposition und beeinträchtigter Spermaqualität kann somit nicht ausgeschlossen werden.
PMID 38815769 — Original auf PubMed →
Einfluss von Faktoren des metabolischen Syndroms auf die Spermien-DNA-Fragmentierung bei Männern aus unfruchtbaren Paaren – systematisches Review und Metaanalyse (2024)
Mulya IC, Hasan MA, Iqhrammullah M — Journal of gynecology obstetrics and human reproduction · Gewicht & Sport
Systematisches Review und Metaanalyse (PRISMA-konform, PROSPERO-Registrierung CRD42023458359) von elf Studien (aus ursprünglich 2.579 gescreenten Publikationen, 2013–2023), die den Zusammenhang zwischen Komponenten des metabolischen Syndroms und dem Spermien-DNA-Fragmentationsindex (%DFI) bei Männern aus unfruchtbaren Paaren untersuchten. Die Auswertung erfolgte mit Random-Effects-Modellen und einem Bayesianischen Netzwerkansatz, dargestellt als standardisierte Mittelwertdifferenzen (SMD). Weder das metabolische Syndrom insgesamt (SMD 0,57; 95 %-KI -0,37–1,52) noch erhöhter BMI (SMD 0,71) oder ein ungünstiges Glukoseprofil (SMD 0,13) zeigten einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit der DNA-Fragmentierung; die Heterogenität zwischen den Studien war durchgehend hoch. Die Autoren mahnen zur vorsichtigen Interpretation, da unberücksichtigte Störfaktoren die tatsächlichen Effekte verschleiern könnten, betonen aber, dass ein metabolisches Syndrom die männliche Fertilität über andere Mechanismen beeinträchtigen kann, weshalb ein gesunder Lebensstil weiterhin empfehlenswert bleibt.
PMID 38825166 — Original auf PubMed →
Auswirkungen langer und kurzer Ejakulationskarenz auf Spermaparameter – Metaanalyse randomisiert-kontrollierter Studien (2024)
Lo Giudice A, Asmundo MG, Cimino S, Cocci A, Falcone M, Capece M, Abdelhameed AS, Capogrosso P, Morgado A, Tsampoukas G, Manfredi C, Russo GI — Frontiers in endocrinology · Messmethodik
Metaanalyse von 13 randomisiert-kontrollierten Studien (2013–2022, PROSPERO-Registrierung CRD42023472124) mit insgesamt 2.315 Patienten (6 bis 836 pro Studienkohorte), die den Einfluss der Karenzzeit vor Samengewinnung (Ejakulationsabstinenz) auf Spermaparameter untersuchte; als Grenzwert zwischen „kurzer" und „langer" Karenz wurden zwei Tage definiert. Eine längere Karenzzeit war mit höherer Spermienkonzentration (mittlere Differenz [MD] 8,19; p<0,01) und höherem Ejakulatvolumen (MD 0,96; p<0,01) assoziiert, jedoch auch mit stärkerer DNA-Fragmentierung (SDF, MD 3,46; p<0,01) und geringerer progressiver Motilität (MD -1,83; p<0,01); die Gesamtmotilität unterschied sich nicht signifikant. Eine Metaregression zeigte einen linearen Zusammenhang zwischen Karenztagen und sowohl Spermienkonzentration als auch DNA-Fragmentierung. Kurze Karenzzeiten gehen demnach mit besserer funktioneller Spermienqualität (höhere progressive Motilität, geringere DNA-Fragmentierung) einher, während lange Karenz vor allem die Konzentration erhöht – relevant für die Planung von Samenproben in der Kinderwunschbehandlung.
PMID 38828413 — Original auf PubMed →
Senkt eine Pyrethroid-Belastung die menschliche Spermienqualität? Systematisches Review und Metaanalyse (2024)
Akhigbe RE, Oyedokun PA, Akhigbe TM, Adenike S, Oladipo AA, Hughes JR — Frontiers in toxicology · Umweltschadstoffe
Systematisches Review und Metaanalyse nach PRISMA-Kriterien mit Bewertung des Verzerrungsrisikos (OHAT) und der Evidenzqualität (GRADE), basierend auf zwölf eingeschlossenen Querschnittsstudien aus 4.050 gescreenten Publikationen (China, Japan, Polen, USA) mit insgesamt 2.050 männlichen Probanden. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen einer Belastung mit Pyrethroiden – häufig eingesetzten Insektiziden – und der Spermienqualität. Insgesamt reduzierte eine Pyrethroid-Exposition die Spermienmotilität signifikant; in Subgruppenanalysen zeigte sich eine verringerte Motilität bei Männern in Polen und den USA sowie eine geringere Spermienzahl bei Männern in Japan. In Polen sank zudem die Spermienkonzentration, während sie in den USA paradoxerweise anstieg. Die Autoren bewerten die Evidenz insgesamt als uneinheitlich, sehen aber ein schädigendes Potenzial von Pyrethroiden auf Motilität, Spermienzahl und Konzentration und fordern weitere prospektive Kohorten- bzw. kontrollierte Querschnittsstudien mit differenzierter Expositionsmessung.
PMID 38919453 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index und Spermienqualität: systematisches Review und Metaanalyse (2024)
Li Y, Lin Y, Ou C, Xu R, Liu T, Zhong Z, Liu L, Zheng Y, Hou S, Lv Z, Huang S, Duan YG, Wang Q, Zhang X, Liu Y — International journal of obesity (2005) · Gewicht & Sport
Umfangreiches systematisches Review und Metaanalyse von 50 Studien mit insgesamt 71.337 Teilnehmern (Literatursuche in PubMed, Embase und Web of Science bis April 2022), das den Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index (BMI) und Spermienqualität untersuchte. Referenzgruppe waren normalgewichtige Männer; verglichen wurden gepoolte gewichtete Mittelwertdifferenzen für Übergewicht (BMI 25–29,9) sowie unterschiedliche Adipositas-Grade (≥30, Klasse I: 30–34,9, Klasse II/III: ≥35). Gegenüber Normalgewichtigen zeigten Männer mit Adipositas im Mittel ein um 0,24 ml geringeres Ejakulatvolumen, 19,56 Millionen weniger Spermien insgesamt, 2,21 Prozentpunkte geringere Gesamtmotilität, 5,95 Prozentpunkte geringere progressive Motilität und 1,08 Prozentpunkte weniger normal geformte Spermien; bei Übergewichtigen fielen die Einbußen geringer aus (-0,08 ml Volumen, -2,91 Prozentpunkte progressive Motilität). Die Effekte verstärkten sich mit zunehmendem Adipositas-Grad und zeigten sich konsistent in der Allgemeinbevölkerung sowie bei sub-/infertilen Männern.
PMID 39003321 — Original auf PubMed →
Aktualisierung zur männlichen Infertilität: AUA/ASRM-Leitlinie (2024) (2024)
Brannigan RE, Hermanson L, Kaczmarek J, Kim SK, Kirkby E, Tanrikut C — The Journal of urology · Sonstiges
Kein klassischer Forschungsartikel, sondern eine evidenzbasierte Leitlinien-Aktualisierung der American Urological Association (AUA) und American Society for Reproductive Medicine (ASRM) zur Diagnostik und Behandlung männlicher Infertilität. Grundlage war ein strukturiertes Update-Literaturreview: Von 4.093 neu identifizierten Abstracts erfüllten 125 die Einschlusskriterien für die Volltextprüfung, von denen letztlich 22 Studien in die evidenzbasierte Überarbeitung der Empfehlungen einflossen; ein Expertengremium formulierte darauf aufbauend konsens- und evidenzbasierte Aussagen. Zu den wesentlichen Neuerungen zählen überarbeitete Schwellenwerte für die Testung auf Y-Chromosom-Mikrodeletionen, präzisierte Indikationen für eine Becken-MRT bei infertilen Männern sowie Empfehlungen zum Einsatz testikulärer Spermien bei nicht-azoospermen Männern. Die Autoren betonen, dass sich Diagnostik und Therapieoptionen in diesem Feld weiterhin rasch entwickeln und künftige Überarbeitungen erforderlich sein werden.
PMID 39145501 — Original auf PubMed →
[Veränderungen der Samenplasma-Zusammensetzung und entsprechende Spermienqualität bei Patienten mit chronischer Prostatitis/chronischem Beckenschmerzsyndrom: Fortschritte der Forschung] (2024)
Xu WL, Ma WM, Liang CZ — Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Chinesischsprachiger narrativer Übersichtsartikel ohne eigene Primärdaten, der den aktuellen Forschungsstand zu Veränderungen der Samenplasma-Zusammensetzung bei chronischer Prostatitis/chronischem Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS) und deren Auswirkung auf die Spermienqualität zusammenfasst. Die Autoren durchsuchten PubMed und weitere Datenbanken nach Originalarbeiten, Reviews, klinischen Studien und Fallberichten zu den Stichworten chronische Prostatitis, Beckenschmerzsyndrom, Spermien, Samen und Samenplasma bei Mensch und Tier bis 2024. Hintergrund ist, dass Prostatitis zu den drei häufigsten Prostatakrankheiten zählt und weltweit etwa die Hälfte aller Männer im Laufe ihres Lebens betrifft; bei CP/CPPS-Patienten ist die Infertilitätsrate deutlich erhöht, was maßgeblich auf Veränderungen der Samenzusammensetzung zurückgeführt wird. Der Artikel diskutiert Mechanismen und Zusammenhänge, liefert jedoch keine eigenen quantitativen Ergebnisse, sondern dient als Übersicht über bestehende Evidenz.
PMID 39210495 — Original auf PubMed →
Papillomavirus-Infektion und männliche Infertilität: systematisches Review und Metaanalyse (2024)
Garolla A, Mereu S, Pizzol D, Yon DK, Rahmati M, Soysal P, Ilie PC, Bertoldo A, Trott M, Smith L — Health science reports · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review und Metaanalyse (Datenbanksuche in PubMed/MEDLINE, Scopus, Embase, Web of Science u. a. bis Juli 2024) zum Zusammenhang zwischen humaner Papillomavirus-Infektion (HPV) und männlicher Fertilität. Eingeschlossen wurden 25 Studien mit insgesamt 6.942 Patienten; die quantitative Metaanalyse basierte auf Mittelwerten und Standardabweichungen. Bei HPV-positiven Männern war die Spermienmorphologie signifikant schlechter als bei HPV-negativen Kontrollen (standardisierte Mittelwertdifferenz [SMD] -0,52; 95 %-KI -0,84 bis -0,21; p=0,001), ebenso die Spermienmotilität (SMD -0,82; 95 %-KI -1,07 bis -0,57; p<0,001); Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration und pH-Wert unterschieden sich hingegen nicht signifikant. Die weiteren 15 in das systematische Review eingeschlossenen, aber nicht meta-analysierbaren Studien zeigten zusätzlich starke Assoziationen zwischen HPV-Infektion und beeinträchtigter Paarfertilität sowie einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftsverlust. HPV-Infektionen können die männliche Fruchtbarkeit demnach über eine Beeinträchtigung von Spermienmorphologie und -motilität relevant einschränken.
PMID 39221052 — Original auf PubMed →
Der Einfluss von Valproat auf die männliche Fertilität: Erkenntnisse aus präklinischer und klinischer Metaanalyse (2024)
Asghar MA, Tang S, Wan B, Han H, Wong LP, Zhang X, Zhao Q — BMC pharmacology & toxicology · Hormone & Medikamente
Systematisches Review und Metaanalyse präklinischer und klinischer Studien (Suche in PubMed, Web of Science, PsycINFO) zur Wirkung des Antiepileptikums Valproinsäure (VPA) auf männliche Fertilitätsparameter, ausgewertet als standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD). Eingeschlossen wurden 7 präklinische Tierstudien (112 Tiere) und 5 klinische Studien (274 Männer mit Epilepsie). In Tierstudien reduzierte VPA signifikant Spermienzahl (SMD -2,28) und Spermienmotilität (SMD -2,32) und erhöhte den Anteil abnormer Spermien deutlich (SMD 3,27; p=0,019); das Hodengewicht war nicht signifikant reduziert. In klinischen Studien an Epilepsiepatienten fand sich eine nicht-signifikante Abnahme der Spermienzahl, jedoch eine signifikante Reduktion der Spermienmotilität (SMD -1,62; p=0,033); FSH und LH waren tendenziell, aber nicht signifikant erniedrigt. VPA beeinträchtigt somit die männliche Fertilität sowohl im Tiermodell als auch klinisch; die Autoren raten Neurologen zu besonderer Vorsicht bei der Verschreibung an junge Männer.
PMID 39334455 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen mediterranem Ernährungsmuster, Lebensstilfaktoren und Spermienqualität bei Männern in Kinderwunschkliniken: eine Querschnittsstudie (2024)
Palani A, Lateef Fateh H, Ahmed DH, Dutta S, Sengupta P — European journal of obstetrics, gynecology, and reproductive biology · Ernährung
Querschnittsstudie mit 274 Männern mit normalen und auffälligen Spermaparametern, die eine Kinderwunschklinik aufsuchten. Die Ernährung wurde mittels eines 147 Punkte umfassenden Food-Frequency-Fragebogens erfasst und die Teilnehmer anhand ihres Grades der Einhaltung einer alternativen mediterranen Diät (aMED) in drei Tertile (T1–T3) eingeteilt; ausgewertet wurde mit ANOVA, Chi-Quadrat-Tests und multivariabler logistischer Regression. Männer mit höchster Diät-Adhärenz (T3) waren jünger, hatten einen niedrigeren BMI und deutlich bessere Spermaparameter als die Gruppe mit geringster Adhärenz (T1): u. a. Spermienkonzentration 57,5±36,2 vs. 11,9±22,3 Mio./ml, Gesamtmotilität 73,4±25,9 % vs. 36,7±33,8 %. Die Regressionsanalyse bestätigte eine signifikante positive Korrelation zwischen aMED-Score und Spermienkonzentration (B=1,32; p=0,001), Gesamtspermienzahl (B=1,12; p=0,001) und Gesamtmotilität (B=0,71; p=0,001); Volumen und Viskosität waren nicht betroffen. Eine hohe Einhaltung einer mediterranen Ernährungsweise ist demnach mit besserer Spermienqualität assoziiert.
PMID 39340894 — Original auf PubMed →
Einfluss des Body-Mass-Index auf Spermienqualität, Chromatin-Integrität und DNA-Methylierung der Spermien (2024)
Vozdova M, Kubickova S, Kopecka V, Sipek J, Rubes J — Obesity research & clinical practice · Gewicht & Sport
Studie an 116 gesunden Männern aus der Normalbevölkerung, die entsprechend ihrem Body-Mass-Index (BMI) in drei Gruppen eingeteilt wurden. Die Ejakulate wurden mit Standardmethoden, dem Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) sowie Next-Generation-Sequencing (NGS) und gezieltem Amplicon-Sequencing zur Analyse genspezifischer CpG-Methylierung untersucht. Die NGS-basierte Methylierungsanalyse identifizierte sechs signifikant unterschiedlich methylierte Regionen (DMRs); zwei davon, in den Genen EPHA8 und ANKRD11, konnten mittels Amplicon-Sequencing bei allen 116 Männern als differenziell methyliert zwischen Normalgewicht und BMI ≥25 bestätigt werden. Zusätzlich sank die Methylierung von EPHA8, ANKRD11 und dem für die Flagellenbildung relevanten Gen CFAP46 mit steigendem BMI. Bei Männern mit BMI ≥30 war der Anteil beweglicher und progressiv beweglicher Spermien signifikant reduziert. Übergewicht bewirkt demnach spezifische epigenetische Veränderungen in Spermien, die Motilität und Chromatinintegrität beeinträchtigen und potenziell an nachfolgende Generationen weitergegeben werden könnten.
PMID 39358131 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Spermienqualität südasiatischer Männer in einer Kinderwunschklinik: eine Querschnittsstudie (2024)
Chakraborty J, Gowri M, Joseph T, Babuji M, Kavitha K, Kunjummen AT, Kamath MS — Reproductive sciences (Thousand Oaks, Calif.) · Ernährung
Querschnittsstudie mit 162 südasiatischen Männern im Alter von 21–40 Jahren, die sich einer Fertilitätsabklärung unterzogen und anhand der Spermaanalyse in Gruppen mit normalen bzw. auffälligen Spermaparametern eingeteilt wurden. Die Ernährung wurde per 24-Stunden-Recall und Food-Frequency-Fragebogen erfasst; per Faktorenanalyse wurden sechs Ernährungsmuster identifiziert. Männer mit normalen Spermaparametern konsumierten signifikant häufiger eine „Küstendiät" reich an Meeresfrüchten, Fisch, Getreide, Bohnen und Kokosöl als Männer mit auffälligen Parametern; im für Alter, BMI, körperliche Aktivität, Rauchen und Karenzzeit adjustierten Modell war diese Diät mit einem geringeren Risiko auffälliger Spermaparameter assoziiert (Odds Ratio 0,56; 95 %-KI 0,37–0,82). Zudem konsumierten Männer mit normalen Spermaparametern signifikant weniger einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFA) als Männer mit auffälligen Parametern (p=0,008). Eine „Küstendiät" senkt demnach das Risiko auffälliger Spermaqualität, während der MUFA-Zusammenhang vorsichtig interpretiert und künftig repliziert werden sollte.
PMID 39365422 — Original auf PubMed →
Nimmt der Spermien-DNA-Fragmentationsindex nach Varikozelektomie bei varikozelebedingter Infertilität kontinuierlich weiter ab? Systematisches Review und Metaanalyse (2024)
Wang L, Zheng L, Jiang H, Jiang T — American journal of men's health · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review und Metaanalyse von vier Studien (Suche in PubMed, Embase, Scopus, Web of Science und Cochrane Library) zur Frage, wie sich der Spermien-DNA-Fragmentationsindex (DFI) nach einer Varikozelektomie über die Zeit entwickelt und welcher Nachbeobachtungszeitpunkt für eine Zeugung optimal ist. Ergebnisse wurden als mittlere Differenz (MD) mit 95 %-Konfidenzintervall unter Berücksichtigung der Heterogenität (I²) dargestellt. Innerhalb von drei Monaten nach dem Eingriff zeigte sich gegenüber dem präoperativen Ausgangswert bereits eine signifikante Verbesserung des DFI (MD -3,66; 95 %-KI -5,17 bis -2,14); nach zwölf Monaten Nachbeobachtung war hingegen keine weitere signifikante Verbesserung mehr nachweisbar (MD -1,59; 95 %-KI -3,22 bis 0,05; p=0,06). Die Autoren schließen daraus, dass sechs Monate nach Varikozelektomie der optimale Zeitpunkt für die DFI-Bewertung bzw. den Versuch einer Zeugung sein könnte, mahnen aber angesichts der geringen Studienzahl weitere prospektive Untersuchungen an.
PMID 39376021 — Original auf PubMed →
Systematisches Review und Metaanalyse zum Einfluss einer Triclosan-Exposition auf die menschliche Spermienqualität (2024)
Adegbola CA, Akhigbe TM, Adeogun AE, Tvrdá E, Pizent A, Akhigbe RE — Frontiers in toxicology · Endokrine Disruptoren
Systematisches Review und Metaanalyse (PROSPERO-Registrierung CRD42024524192, PRISMA-konform) zum Zusammenhang zwischen einer Belastung mit Triclosan – einem in Körperpflege- und Konsumprodukten weit verbreiteten antibakteriellen und antimykotischen Wirkstoff mit endokrin wirksamem Potenzial – und der menschlichen Spermienqualität. Von 562 gescreenten Studien wurden fünf Fall-Kontroll- bzw. Querschnittsstudien mit insgesamt 1.312 männlichen Probanden aus China, Belgien und Polen eingeschlossen. Die Metaanalyse zeigte eine signifikante Reduktion der Spermienkonzentration (standardisierte Mittelwertdifferenz [SMD] -0,42; 95 %-KI -0,75 bis -0,10; p=0,01) und der Gesamtmotilität (SMD -1,30; 95 %-KI -2,26 bis -0,34; p=0,008) bei Triclosan-Exposition. Ergänzende Tier- und In-vitro-Daten deuten darauf hin, dass oxidativer Stress den schädigenden Effekt von Triclosan auf die Spermaqualität vermittelt. Es handelt sich um die erste umfassende Bewertung dieses Zusammenhangs beim Menschen; die Autoren betonen jedoch die hohe Heterogenität zwischen den Studien und fordern weitere qualitativ hochwertige Forschung.
PMID 39483697 — Original auf PubMed →
Der Einfluss von Antioxidantien auf antioxidative Kapazität, DNA-Fragmentierung und Chromatinqualität bei subfertilen Männern: eine randomisierte klinische Studie (2024)
Sengul M et al. — Revista da Associacao Medica Brasileira (1992) · Supplements & Nährstoffe
In dieser randomisierten klinischen Studie (RCT) wurden 48 subfertile Männer mit moderater körperlicher Aktivität in zwei Gruppen aufgeteilt: Gruppe 1 erhielt Antioxidans-Nahrungsergänzungsmittel, Gruppe 2 keine. Vor und nach der Behandlung wurden die Gesamtantioxidanskapazität des Seminalplasmas (ELISA), die Spermien-DNA-Fragmentierung (TUNEL-Methode), die Chromatinstruktur (Anilinblau-Färbung), Hormonspiegel und klassische Spermiogrammparameter erfasst. Unter Antioxidans-Gabe sanken die Spermien-DNA-Fragmentierung signifikant (p=0,003) sowie das Histon/Protamin-Verhältnis als Maß für die Chromatinreifung (p<0,001). Die Gesamtantioxidanskapazität unterschied sich zwischen den Gruppen nach Behandlung jedoch nicht signifikant. Die Autoren schließen, dass eine Antioxidans-Therapie die DNA-Integrität und Chromatinqualität von Spermien bei subfertilen Männern verbessern kann, auch wenn sich dies nicht in einer messbaren Änderung der antioxidativen Gesamtkapazität niederschlägt. Die Studie ist unter NCT06042738 registriert und liefert einen kontrollierten, wenn auch kleinen, Wirksamkeitsnachweis für Antioxidans-Supplemente bei männlicher Subfertilität.
PMID 39536246 — Original auf PubMed →
Verbessert Coenzym Q10 die Spermaqualität und den zirkulierenden Testosteronspiegel? Eine systematische Übersicht und Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (2024)
Akhigbe TM et al. — Frontiers in pharmacology · Supplements & Nährstoffe
Diese systematische Übersicht und Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) untersuchte die Wirkung von Coenzym Q10 (CoQ10) auf Spermaqualität und reproduktive Hormone. Nach Literatursuche in fünf Datenbanken wurden von 2.144 gefundenen Arbeiten acht RCTs mit insgesamt 877 Männern eingeschlossen (462 CoQ10-behandelt, 415 unbehandelt/Placebo). CoQ10-Gabe war assoziiert mit signifikant höherer Gesamtspermienzahl, höherer progressiver Motilität und einem höheren Anteil normal geformter Spermien sowie mit höherem Serum-Testosteron und Inhibin-B, bei gleichzeitig niedrigeren LH- und FSH-Werten (alle p≤0,001 bzw. p=0,0006–0,004). Kein signifikanter Effekt zeigte sich bei Samenvolumen und Spermienkonzentration. Zwischen den Studien bestand eine deutliche Heterogenität bei den Spermaparametern, nicht jedoch bei den Hormonwerten. Die Autoren interpretieren die Ergebnisse als Beleg für einen potenziellen Nutzen von CoQ10 bei männlicher Infertilität, fordern aber weitere große, methodisch einheitliche RCTs zur Bestätigung.
PMID 39830337 — Original auf PubMed →
Einfluss anaboler androgener Steroide auf die männliche sexuelle und reproduktive Funktion: Ein systematisches Review (2023)
Esposito M, et al. — Panminerva medica · Rauchen, Alkohol & Drogen
Systematisches Review (Literatursuche in SCOPUS, PubMed, Google Scholar und Web of Science bis Ende 2021, 62 von 66 identifizierten Artikeln eingeschlossen, Human- und Tierstudien) zu den Auswirkungen des Missbrauchs anaboler androgener Steroide (AAS) auf die männliche Sexual- und Reproduktionsfunktion. AAS sind synthetische Testosteronderivate mit einer geschätzten Prävalenz von 14 % bei jungen Athleten und 30-75 % bei Profisportlern bzw. Bodybuildern; sie binden den Androgenrezeptor und stören die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse ähnlich wie exogenes Testosteron. Der Review beschreibt Hodenatrophie und Azoospermie als Folge (als „anaboler Steroid-induzierter Hypogonadismus" bezeichnet) sowie Oligo-/Azoospermie und Störungen von Spermienmotilität und -morphologie. Während sich die Spermienqualität bei den meisten Betroffenen innerhalb von 4 Monaten nach Absetzen erholt, können die negativen Effekte auf die Spermatogenese bis zu 3 Jahre anhalten. Tierstudien zeigten zudem eine Zerstörung von Leydig-Zellen und Hodenatrophie. Die Autoren betonen den anhaltenden Schwarzmarkt für AAS trotz gesetzlicher Verbote und den Bedarf an mehr Aufklärung.
PMID 35146992 — Original auf PubMed →
Wahrgenommener Stress und Spermaqualität (2023)
Lund KH, et al. — Andrology · Alter, Stress & Schlaf
Prospektive Kohortenstudie mit Auswertung von Baseline-Daten aus zwei präkonzeptionellen Kohorten (PRESTO und SnartForaeldre.dk, 2015-2021). Stichprobe: 644 Männer mit 1.159 Samenproben. Methodik: Erhebung von Lebensstil- und Stressdaten per Fragebogen inklusive Perceived Stress Scale (PSS, 10 Items); Heim-Spermaanalyse mit dem Trak-Testsystem zweimal im Abstand von 7-10 Tagen; adjustierte lineare Regressionsmodelle für vier PSS-Gruppen. Ergebnisse: Der mediane PSS-Score lag bei 15 (Interquartilsabstand 10-19), 21,1% der Männer hatten einen Score ≥20. Im Vergleich zu Männern mit PSS <10 zeigten Männer mit PSS ≥20 keine relevanten Unterschiede: Samenvolumen -2,7%, Spermienkonzentration +6,8%, Gesamtspermienzahl +4,3% (alle Konfidenzintervalle schlossen die Null ein). Einordnung: Wahrgenommener psychischer Stress war in dieser großen prospektiven Untersuchung nicht signifikant mit schlechteren Spermaparametern assoziiert.
PMID 36151857 — Original auf PubMed →
Fertilitätserhalt bei Jugendlichen mit Klinefelter-Syndrom: Gegenposition (Contra) (2023)
Suarez Arbelaez MC, Nassau DE — European urology focus · Genetik & Anatomie
Meinungsbeitrag im Pro-Contra-Debattenformat (kein empirisches Studiendesign mit eigener Datenerhebung) zur Frage des Fertilitätserhalts bei Jugendlichen mit Klinefelter-Syndrom (KS, zusätzliches X-Chromosom, Karyotyp 47,XXY). Kernargument: Eine Kryokonservierung von Hodengewebe bzw. Spermien würde bei Jugendlichen einen chirurgischen Eingriff erfordern, der die eigentlich notwendige Testosteron-Ersatztherapie bei Testosteronmangel verzögern könnte. Da die Erfolgsraten der chirurgischen Spermiengewinnung bei KS-Patienten über alle Altersgruppen hinweg ähnlich hoch seien, argumentieren die Autoren, dass ein frühzeitiger operativer Fertilitätserhalt im Jugendalter nicht generell empfohlen werden sollte - man könne stattdessen bis zum Erwachsenenalter warten, ohne die Chancen auf eine spätere Spermiengewinnung wesentlich zu verschlechtern. Einordnung: Gegenposition in einer fachinternen Kontroverse; keine neuen Daten, sondern eine klinisch-ethische Abwägung zwischen Fertilitätserhalt und notwendiger Hormonbehandlung.
PMID 36220761 — Original auf PubMed →
Auswirkungen der Varikozelen-Operation auf Spermaparameter bei unfruchtbaren Männern: Systematische Übersicht und Metaanalyse (2023)
Agarwal A, et al. — The world journal of men's health · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (Scopus, PubMed, Embase, Cochrane) nach PICOS-Modell, die operierte gegen unbehandelte Kontrollpatienten vergleicht (nicht nur Vorher-Nachher-Vergleiche). Eingeschlossen wurden 16 Studien mit insgesamt 2.420 unfruchtbaren Männern mit klinischer Varikozele (1.424 operiert, 996 unbehandelte Kontrollen). Ergebnisse: Nach Varikozelen-Operation zeigten sich gegenüber Kontrollen signifikant verbesserte Werte bei Spermienkonzentration (standardisierte Mittelwertdifferenz 1,74), Gesamtspermienzahl (1,89), progressiver Motilität (3,30), Gesamtmotilität (0,89) und normaler Morphologie (1,67); kein signifikanter Unterschied beim Samenvolumen. Die Heterogenität zwischen Studien war hoch (I²>97%), laut Sensitivitätsanalyse aber robust. Einordnung: Erste Metaanalyse, die Verbesserungen nach Varikozelen-Operation explizit gegen eine unbehandelte Kontrollgruppe statt nur prä-post vergleicht, und stärkt damit die Evidenz für den Nutzen der Operation bei klinischer Varikozele.
PMID 36326166 — Original auf PubMed →
Zeitliche Trends der Spermienzahl: Systematische Übersicht und Metaregressionsanalyse weltweit gesammelter Proben im 20. und 21. Jahrhundert (2023)
Levine H, et al. — Human reproduction update · Beruf & globale Trends
Aktualisierte systematische Übersicht mit Metaregression (Suche in PubMed/MEDLINE und EMBASE für 2014-2019, kombiniert mit den Daten der Vorgängerstudie). Insgesamt wurden 223 Studien mit 288 Schätzwerten aus Samenproben, gesammelt zwischen 1973 und 2018, einbezogen - erstmals mit ausreichender Stichprobe auch für Süd-/Mittelamerika, Asien und Afrika, zusätzlich zu Nordamerika, Europa und Australien. Methodik: lineare Regression und gewichtete Metaregression, adjustiert für Fertilitätsstatus und Kontinent. Ergebnisse: Die Spermienkonzentration sank weltweit im Mittel um 51,6% zwischen 1973 und 2018 (Steigung -1,17 Mio./ml/Jahr; p<0,001); die Gesamtspermienzahl sank um 62,3%. Der jährliche prozentuale Rückgang beschleunigte sich nach 2000 von 1,16% auf 2,64%. Einordnung: Die bislang umfassendste Analyse bestätigt einen weltweiten, sich beschleunigenden Rückgang der Spermienzahl auch in bisher unzureichend untersuchten Weltregionen und unterstreicht dringenden Forschungsbedarf zu den Ursachen.
PMID 36377604 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen PFAS-Exposition und Spermaqualität (2023)
Wang H, et al. — Environmental science and pollution research international · Endokrine Disruptoren
Metaanalyse (Datenbanken Embase, PubMed, Cochrane Library, Ovid, Web of Science, Suche bis März 2022) zum Zusammenhang zwischen per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) und Spermaparametern in der Allgemeinbevölkerung. Eingeschlossen wurden 7 Studien mit insgesamt 2.190 Teilnehmern; extrahiert wurden Beta-Koeffizienten mit 95%-Konfidenzintervallen, ergänzt durch Subgruppenanalysen nach Stichprobengröße, geografischer Region und Probentyp. Ergebnisse: Perfluoroctansäure (PFOA, β=-1,38) und Perfluornonansäure (PFNA, β=-1,31) waren signifikant negativ mit der progressiven Spermienmotilität assoziiert. In der Subgruppe mit mehr als 200 Teilnehmern zeigte PFNA zudem einen negativen Zusammenhang mit der Spermienmorphologie (β=-0,14). Einordnung: Die Metaanalyse liefert weitere Evidenz, dass bestimmte PFAS - insbesondere PFNA und PFOA - mit reduzierter Spermaqualität, vor allem geringerer progressiver Motilität, assoziiert sind, und plädiert für eine Reduktion der PFAS-Nutzung zur Prävention männlicher Unfruchtbarkeit.
PMID 36396760 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von Diabetes mellitus auf Spermaqualität und Fertilitätsergebnisse: Klinische Evidenz (2023)
Lotti F, Maggi M — Andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Narrative Übersichtsarbeit (umfassende Medline-Recherche englischsprachiger Studien) zu Diabetes mellitus und männlicher Fertilität. Ergebnisse: Die Prävalenz von Diabetes bei unfruchtbaren Männern liegt bei 0,7-1,4%, während die Infertilitätsprävalenz bei Diabetikern in wenigen Studien mit 35-51% beziffert wird. Zwei Metaanalysen zeigen einen negativen Effekt von Diabetes auf die normale Spermienmorphologie, jedoch keinen Effekt auf die Gesamtspermienzahl; bei Typ-1-Diabetes zeigte sich zusätzlich eine verminderte Motilität. Männer mit Typ-1-Diabetes hatten insgesamt seltener Kinder als Kontrollen, besonders bei längerer Diabetesdauer; Paare mit diabetischem Partner erzielten niedrigere Schwangerschaftsraten bei assistierter Reproduktion. Keine Studie untersuchte den Effekt einer Diabetestherapie auf die Spermaqualität. Einordnung: Die vorhandenen Einzelstudien sind meist klein und uneinheitlich, insgesamt deutet die Evidenz aber auf eine Beeinträchtigung der männlichen Fertilität durch Diabetes mellitus hin.
PMID 36416060 — Original auf PubMed →
Verursachen Phthalate und ihre Metaboliten eine schlechte Spermaqualität? Systematische Übersicht und Metaanalyse epidemiologischer Studien (2023)
Wang H, et al. — Environmental science and pollution research international · Endokrine Disruptoren
Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Embase, Web of Science, Suche bis 30.06.2022; Auswertung mit Stata 11 und RevMan 5.3). Eingeschlossen wurden 12 epidemiologische Studien zum Zusammenhang zwischen Urin-Phthalatmetaboliten und Spermaqualität. Ergebnisse: Monobutylphthalat (gepooltes Odds Ratio 2,19) und Monobenzylphthalat im Urin waren signifikant negativ mit der Spermienkonzentration korreliert; ebenso zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen Seminalplasma-DEHP und Spermienkonzentration. Für Monoethylphthalat, Monomethylphthalat und Mono-2-ethylhexylphthalat fand sich dagegen kein signifikanter Zusammenhang mit Konzentration, Motilität oder Morphologie. Einordnung: Die Autoren sehen moderate Evidenz für einen negativen Zusammenhang bestimmter Phthalat-Metaboliten (v. a. MBP, MBzP, DEHP) mit der Spermienkonzentration, fordern jedoch weitere longitudinale Kohortenstudien zur Absicherung, da die aktuelle Datenlage überwiegend auf Querschnittsstudien beruht.
PMID 36504299 — Original auf PubMed →
Beeinflusst SARS-CoV-2 das menschliche Sperma? Systematische Übersicht und Metaanalyse (2023)
Klepinowski T, et al. — Archives of sexual behavior · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematische Übersicht mit Metaanalyse (Literaturrecherche nach PRISMA-Leitlinien, Bias-Bewertung mit der Newcastle-Ottawa-Scale). Eingeschlossen wurden 24 Beobachtungsstudien mit insgesamt 1.589 Teilnehmern (947 SARS-CoV-2-Infizierte, 642 nicht infizierte Kontrollen). Ergebnisse: SARS-CoV-2-RNA wurde nur in 3 Studien bei 8 Personen nachgewiesen (gepoolte Prävalenz 1,76%), was gegen eine relevante sexuelle Übertragung über Sperma spricht. Infizierte zeigten jedoch signifikant reduzierte Spermienkonzentration (gewichtete mittlere Differenz -16,23), reduzierte Gesamtspermienzahl im Ejakulat (-34,84) und geringeres Ejakulatvolumen (-0,48) gegenüber Kontrollen; kein signifikanter Effekt auf progressive Motilität oder Leukozyten im Sperma. Einordnung: SARS-CoV-2 wird selten im Sperma nachgewiesen, ist aber mit einer messbaren, wohl vorübergehenden Verschlechterung mehrerer Spermaparameter assoziiert; Studien mit längerer Nachbeobachtung zur Klärung möglicher Langzeitfolgen fehlen bislang.
PMID 36602657 — Original auf PubMed →
Prädiktoren für die Spermiengewinnung mittels mikrochirurgischer TESE und ICSI-Ergebnisse bei nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom: Eine Zwei-Zentren-Studie (2023)
Baeck JH, et al. — Investigative and clinical urology · Genetik & Anatomie
Retrospektive Zwei-Zentren-Studie mit 118 Patienten mit nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom, die zwischen 2011 und 2021 eine mikrochirurgische testikuläre Spermienextraktion (mTESE) erhielten. Methodik: Analyse klinisch-pathologischer Faktoren (Komorbiditäten, Hormonprofile, Hodenvolumen) im Vergleich zwischen erfolgreicher und erfolgloser Spermiengewinnung. Ergebnisse: Bei 58 Patienten (49,2%) gelang die Spermiengewinnung. Erfolglose Fälle hatten häufiger Adipositas, Diabetes und zerebrovaskuläre Erkrankungen; erfolgreiche Fälle hatten ein signifikant größeres linkes Hodenvolumen (p=0,039) und ein niedrigeres Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis (p=0,011). In der multivariaten Analyse waren ein Gesamthodenvolumen über 3,93 ml, ein linkes Hodenvolumen über 1,79 ml und ein Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis bis 1,82 signifikant mit erfolgreicher Spermiengewinnung assoziiert; 53,4% der erfolgreichen Fälle führten zu einer Lebendgeburt. Einordnung: Liefert praktikable klinische Prädiktoren zur Vorhersage des mTESE-Erfolgs bei Klinefelter-Patienten.
PMID 36629064 — Original auf PubMed →
Lebensstil-, Umwelt- und weitere Gesundheitsfaktoren im Zusammenhang mit erhöhter Spermien-DNA-Fragmentierung: Systematische Übersicht und Metaanalyse (2023)
Szabó A, et al. — Reproductive biology and endocrinology : RB&E · Sonstiges
Umfangreiche, präregistrierte systematische Übersicht mit Metaanalyse (Suche in drei medizinischen Datenbanken), die 190 Studien zu Risikofaktoren für erhöhte Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF) einschließt; berechnet wurden mittlere Differenzen (MD) mit 95%-Konfidenzintervall zwischen exponierten und nicht-exponierten Männern. Ergebnisse: Die stärksten Anstiege der SDF zeigten sich bei Varikozele (MD 13,62%) und gestörter Glukosetoleranz (MD 13,75%); unter den Tumoren hatte der Hodentumor den größten Effekt (MD bis 11,3%). Rauchen erhöhte die SDF um 9,19%, Umweltverschmutzung um 9,68%, und ab einem väterlichen Alter über 50 Jahren stieg die SDF im Mittel um 12,58%. Chlamydien- und HPV-Infektionen sowie unterschiedliche Karenzzeiten zeigten dagegen keinen relevanten Einfluss. Einordnung: Breit angelegte Zusammenschau, die Varikozele, gestörte Glukosetoleranz, Hodentumoren, Rauchen, Umweltverschmutzung und höheres väterliches Alter als wichtigste Risikofaktoren für erhöhte Spermien-DNA-Fragmentierung über verschiedene Themenfelder hinweg identifiziert.
PMID 36653793 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Luftschadstoffbelastung und Spermaqualität: Systematische Übersicht und Metaanalyse (2023)
Xu R, et al. — The Science of the total environment · Umweltschadstoffe
Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PubMed, Embase, Web of Science, Suche bis 20.04.2022) zu Expositions-Wirkungs-Beziehungen zwischen Luftschadstoffen (PM2,5, PM10, SO2, NO2, CO, O3) und Spermaqualität; 11 von 850 gesichteten Studien waren geeignet. Ergebnisse: Je 10 µg/m³ Anstieg von PM10 bzw. SO2 sank die Spermienkonzentration um 2,18% bzw. 8,61%, die Gesamtspermienzahl um 2,76% bzw. 9,52%. Je 10 µg/m³ Anstieg von PM2,5 bzw. PM10 sank die Gesamtmotilität um 1,06% bzw. 0,75% und die progressive Motilität um 0,55% bzw. 0,31%. Für Samenvolumen sowie für NO2, CO und O3 auf Konzentration bzw. Gesamtzahl fanden sich keine signifikanten Zusammenhänge; ein relevanter Publikationsbias wurde nicht festgestellt. Einordnung: Feinstaub (PM2,5/PM10) und SO2 sind mit dosisabhängig schlechterer Spermaqualität assoziiert; die Autoren folgern, dass eine Reduktion der Luftverschmutzung zum Erhalt der männlichen Fertilität beitragen könnte.
PMID 36731563 — Original auf PubMed →
Entwicklung eines Vorhersagemodells zur Steigerung des Erfolgs der Spermiengewinnung mittels mikrochirurgischer TESE bei nicht-obstruktiver Azoospermie (2023)
Deng CY, et al. — Asian journal of andrology · Genetik & Anatomie
Retrospektive Studie mit 200 Patienten mit nicht-obstruktiver Azoospermie (Behandlungszeitraum Januar bis Dezember 2021), die eine mikrochirurgische testikuläre Spermienextraktion (micro-TESE) erhielten. Methodik: Binäre logistische Regression (Backward-Verfahren) zur Identifikation von Prädiktoren für erfolgreiche Spermiengewinnung; Modellgüte anhand ROC-Kurve bewertet. Ergebnisse: Bei 67 Patienten (33,5%) gelang die Spermiengewinnung. FSH-, Anti-Müller-Hormon- und Inhibin-B-Spiegel unterschieden sich signifikant zwischen erfolgreichen und erfolglosen Fällen. Sechs Prädiktoren gingen ins finale Modell ein, u. a. Anti-Müller-Hormon (Odds Ratio 0,902), Inhibin B (OR 1,012), Klinefelter-Syndrom (OR 0,022), Y-Chromosom-Mikrodeletion (OR 0,050) und Kryptorchismus mit Orchidopexie (OR 0,085). Das Modell erreichte eine Fläche unter der ROC-Kurve von 0,720, eine Sensitivität von 65,7% und eine Spezifität von 72,2%. Einordnung: Das Modell kann helfen, die Erfolgswahrscheinlichkeit einer micro-TESE vorab einzuschätzen.
PMID 36814170 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Triclosan im Seminalplasma und verminderter Spermaqualität: Eine Fall-Kontroll-Studie (2023)
Guo Y, et al. — European journal of obstetrics, gynecology, and reproductive biology · Endokrine Disruptoren
Fall-Kontroll-Studie aus einer Kinderwunschklinik in Shijiazhuang, China (2018-2019). Stichprobe: 100 Männer mit verminderter Spermaqualität (Fälle) und 100 Männer mit normaler Spermaqualität (Kontrollen). Methodik: Bestimmung der Triclosan-Konzentration im Seminalplasma mittels UPLC-MS/MS; Spermaparameter nach WHO-Kriterien bewertet; logistische Regression adjustiert für Alter, BMI, Karenzzeit, Rauchen und Alkoholkonsum. Ergebnisse: Die Triclosan-Konzentration war in der Fallgruppe geringfügig, aber nicht signifikant höher als bei den Kontrollen. Männer im obersten Quartil der Seminalplasma-Triclosan-Konzentration hatten jedoch ein signifikant erhöhtes Risiko für verminderte Spermaqualität (adjustiertes Odds Ratio 2,36; 95%-KI 1,03-5,39) verglichen mit dem untersten Quartil. Einordnung: Triclosan, ein in Körperpflegeprodukten weit verbreiteter endokriner Disruptor, zeigt in dieser Studie eine dosisabhängige Assoziation mit schlechterer Spermaqualität, was auf mögliche reproduktionstoxische Effekte alltäglicher Konsumgüter hinweist.
PMID 36848763 — Original auf PubMed →
Das Klinefelter-Syndrom und Ergebnisse der testikulären Spermiengewinnung (2023)
Sá R, et al. — Genes · Genetik & Anatomie
Narrative Übersichtsarbeit zum Klinefelter-Syndrom (KS, Karyotyp 47,XXY), der häufigsten chromosomalen Geschlechtsanomalie mit einer geschätzten Inzidenz von 1:500-1.000 männlichen Lebendgeburten. Beschrieben werden das klinische Bild (Hochwuchs, kleine Hoden, Gynäkomastie, viszerale Adipositas, Hodenversagen), Begleiterkrankungen (Osteoporose, Diabetes, kardiovaskuläre und Autoimmunerkrankungen, neurokognitive Einschränkungen) sowie Ursachentheorien, Hormonprofil und Hodenhistologie. Zur testikulären Spermienextraktion werden trotz Hodenatrophie Erfolgsraten von 40-60% für die Spermiengewinnung, 60% für klinische Schwangerschaften und 50% für Lebendgeburten berichtet; Prädiktoren für erfolgreiche Spermiengewinnung werden diskutiert. Das Risiko einer Weitergabe des genetischen Defekts an Nachkommen liegt mit 0,63% nur leicht über der Allgemeinbevölkerung (0,5-1%); präimplantationsdiagnostische Embryonenauswahl wird als Option genannt. Einordnung: Umfassender Überblick, der KS-Patienten trotz testikulärer Schäden gute Chancen auf biologische Elternschaft mittels assistierter Reproduktion bescheinigt.
PMID 36980920 — Original auf PubMed →
Faktoren, die die Erfolgsrate der mikrochirurgischen TESE bei nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom beeinflussen (2023)
Liu DF, et al. — Asian journal of andrology · Genetik & Anatomie
Retrospektive Studie mit 64 Patienten mit nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom, die zwischen Januar 2016 und Dezember 2017 an der Peking University Third Hospital eine mikrochirurgische testikuläre Spermienextraktion (micro-TESE) erhielten. Methodik: Vergleich von Anamnese-, Untersuchungs- und Laborparametern (Alter, Hodengröße, FSH, LH, Testosteron, Anti-Müller-Hormon) zwischen erfolgreicher und erfolgloser Spermiengewinnung mittels Mann-Whitney-U-Test bzw. t-Test sowie logistischer Regression. Ergebnisse: Die Gesamterfolgsrate der Spermiengewinnung betrug 50,0%. Das Hodenvolumen korrelierte positiv mit dem Testosteronspiegel. In der logistischen Regression erwiesen sich Alter und Anti-Müller-Hormon-Spiegel als bessere Prädiktoren für den Erfolg der Spermiengewinnung als die übrigen Parameter. Einordnung: Bestätigt Alter und Anti-Müller-Hormon als klinisch nutzbare Prädiktoren für den micro-TESE-Erfolg bei nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom und unterstützt eine individualisierte Beratung betroffener Patienten vor dem Eingriff.
PMID 37005982 — Original auf PubMed →
Einfluss von Antioxidantien auf Spermienzahl, Motilität und DNA-Fragmentierung bei subfertilen Männern (2023)
Patki A, et al. — Translational and Clinical Pharmacology · Supplements & Nährstoffe
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Studie (RCT) an 300 subfertilen Männern (25-45 Jahre) an zehn Studienzentren in Indien. Untersucht wurde die Wirkung einer Antioxidantien-Kombination über 90 Tage auf Spermienzahl, -motilität, -morphologie, Ejakulatvolumen und den DNA-Fragmentierungsindex (DFI) im Vergleich zu Placebo. In der Verumgruppe verbesserten sich Spermienzahl, Ejakulatvolumen, Motilität und normale Morphologie; auch bei Männern mit schwerer Oligospermie zeigte sich eine Zunahme der Spermienzahl in Post-hoc-Analysen. Die Behandlung wurde gut vertragen, es gab keine Studienabbrüche wegen Nebenwirkungen. Die Autoren schließen, dass die getestete Antioxidantien-Kombination oxidativen Stress reduziert, die DNA-Integrität der Spermien verbessert und Samenparameter auch bei Männern ab 40 Jahren positiv beeinflusst. Einordnung: Die Ergebnisse bestätigen frühere Evidenz zum Nutzen von Antioxidantien bei männlicher Subfertilität, konkrete Effektgrößen werden im Abstract jedoch nicht beziffert. Registriert unter CTRI/2020/12/029590.
PMID 37034126 — Original auf PubMed →
Der Einfluss von Bleibelastung auf männliche Samenparameter (2023)
Giulioni C, et al. — Reproductive Toxicology · Umweltschadstoffe
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse zu Bleibelastung (Pb) und Samenqualität bei gesunden Männern. Literatursuche in MEDLINE/PubMed, Scopus und Embase (Stand November 2022); eingeschlossen wurden Beobachtungsstudien, die Samenparameter bleiexponierter mit nicht exponierten Männern verglichen (Cochran-Mantel-Haenszel-Methode, Random-Effects-Modell). Insgesamt 10 Studien wurden eingeschlossen. Bleiexposition war signifikant assoziiert mit reduziertem Ejakulatvolumen (gewichtete mittlere Differenz WMD -0,76 ml), geringerer Spermienkonzentration (WMD -0,63 x10^6/ml), niedrigerer Gesamtspermienzahl (WMD -1,94 x10^6), verminderter Spermienvitalität (WMD -2,18%) und reduzierter Gesamtmotilität (WMD -1,31%; alle p<0,05). Kein Unterschied zeigte sich bei normaler Morphologie, progressiver Motilität und Ejakulatviskosität. Einordnung: Angesichts der weiten Verbreitung von Blei in Umwelt und an Arbeitsplätzen unterstreicht die Arbeit die Bedeutung von Expositionsvermeidung und andrologischer Überwachung exponierter Personen als Public-Health-Thema.
PMID 37119974 — Original auf PubMed →
Mediationseffekt von Samenparametern auf den Zusammenhang zwischen fortgeschrittenem väterlichem Alter und IVF-Ergebnissen (2023)
Ye X, et al. — Maturitas · Alter, Stress & Schlaf
Retrospektive Kohortenstudie mit 21.959 IVF-Zyklen (2011-2020), bei denen die Partnerinnen keine die Ergebnisse wesentlich verschlechternden Vorerkrankungen aufwiesen. Mittels kausaler Mediationsanalyse (lineare/logistische Regression, gemischte Modelle) wurde untersucht, wie väterliches Alter über Samenparameter die IVF-Ergebnisse beeinflusst. Ejakulatvolumen, Spermienmotilität und -morphologie waren signifikant mit dem väterlichen Alter assoziiert (p<0,05). Nach Adjustierung für das mütterliche Alter war höheres väterliches Alter mit einer niedrigeren Fertilisationsrate verknüpft (adjustierte OR 0,800; 95%-KI 0,678-0,943; p=0,008). Der Anteil A-graduiger bzw. schnell progressiv beweglicher Spermien vermittelte 37,0% respektive 41,0% des Zusammenhangs zwischen väterlichem Alter und Fertilisationsrate. Einordnung: Ein Teil des negativen Effekts steigenden väterlichen Alters auf den IVF-Erfolg wird demnach durch eine Verschlechterung der Spermienmotilität vermittelt, was die klinische Relevanz des väterlichen Alters in der Reproduktionsmedizin unterstreicht.
PMID 37182387 — Original auf PubMed →
Mütterlicher Alkoholkonsum in der Frühschwangerschaft und Biomarker der Fekundität bei erwachsenen Söhnen (2023)
Thomsen AH, et al. — Reproductive Toxicology · Rauchen, Alkohol & Drogen
Kohortenstudie im Rahmen der dänischen "Fetal Programming of Semen Quality" (FEPOS)-Kohorte, eingebettet in die Danish National Birth Cohort. 1.058 Söhne im Alter von rund 19 Jahren gaben Blut- und Samenproben ab. Der mütterliche wöchentliche Alkoholkonsum (0, >0-1, >1-3, >3 Drinks) sowie Rauschtrinken (≥5 Drinks pro Anlass: 0, 1-2, ≥3 Episoden) während der Schwangerschaft wurden um die 17. Schwangerschaftswoche selbstberichtet erfasst; untersucht wurden Samenparameter, Hodenvolumen und Reproduktionshormone der Söhne. Bei Söhnen von Müttern mit >3 Drinks/Woche bzw. ≥3 Rauschtrinken-Episoden zeigten sich leicht schlechtere Samenparameter und ein verändertes Hormonprofil, die Effekte waren jedoch insgesamt klein, inkonsistent und ohne klare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Wegen der geringen Zahl von Müttern mit hohem Alkoholkonsum konnte ein schädlicher Effekt höherer Dosen (>4,5 Drinks/Woche) nicht ausgeschlossen werden. Einordnung: Die Evidenz für pränatale Alkoholeffekte auf die spätere männliche Fruchtbarkeit bleibt vorläufig und schwach.
PMID 37217037 — Original auf PubMed →
Reproduktive Überlebensfürsorge bei männlichen pädiatrischen, adoleszenten und jungen erwachsenen Krebsüberlebenden (2023)
Burns K, et al. — Pediatric Blood & Cancer · Grunderkrankungen & Infektionen
Narrativer Übersichtsartikel (kein Primärforschungsdesign, keine Stichprobengröße) zur reproduktiven Langzeitversorgung männlicher Kinder-, Jugend- und junger Erwachsenen-Krebsüberlebender. Mit steigenden Überlebensraten pädiatrischer Krebserkrankungen rückt die Vermeidung von Spätfolgen, insbesondere reproduktiver Komplikationen, in den Fokus. Männliche Überlebende tragen ein Risiko für Spermienanomalien, Hormonmangel und sexuelle Funktionsstörungen, was Pubertätsentwicklung, biologische Elternschaft und Lebensqualität nach der Behandlung beeinträchtigen kann. Der Artikel behandelt reproduktionsassoziierte Komplikationen der Krebstherapie, Standarddiagnostik sowie therapeutische Interventionsmöglichkeiten und betont die Bedeutung des Zugangs zu reproduktionsmedizinischer Versorgung inklusive angemessener Überweisung an Spezialisten. Auch psychologische Auswirkungen auf die psychosexuelle Funktion werden thematisiert. Einordnung: Klinische Übersichtsarbeit ohne eigene quantitative Daten, die die Notwendigkeit einer strukturierten Nachsorge und Fertilitätsberatung bei jungen Krebsüberlebenden unterstreicht.
PMID 37381156 — Original auf PubMed →
Serumlipidwerte und Samenqualität: neue Erkenntnisse für männliche Infertilität und Männergesundheit (2023)
Andrade G, et al. — International Urology and Nephrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Retrospektive Studie anhand von Krankenakten von 278 infertilen Männern, die zwischen 2000 und 2019 andrologisch betreut wurden; erfasst wurden Spermiogrammdaten, Lipidprofil und Gesamttestosteron im Serum, ausgewertet mittels multipler linearer Regression. Die seminale Kreatinkinase-Aktivität war negativ mit HDL-Cholesterin und Triglyceriden assoziiert; Gesamttestosteron und Ejakulatvolumen waren ebenfalls negativ mit den Triglyceridwerten verknüpft (jeweils p<0,05). Einordnung: Die Autoren schlagen vor, dass Männer mit Fertilitätsproblemen von denselben präventiven Maßnahmen profitieren könnten, die zur Vorbeugung endothelialer Dysfunktion und kardiovaskulärer Erkrankungen sowie zur Verbesserung von HDL- und Triglyceridwerten bei Dyslipidämie empfohlen werden. Die Studie plädiert für eine umfassendere andrologische Gesundheitsuntersuchung infertiler Männer, die über die reine Spermiogramm-Beurteilung hinausgeht und Lipid- sowie Hormonstatus einschließt - als Hinweis auf eine Verbindung zwischen metabolischer Gesundheit und Fruchtbarkeit.
PMID 37442905 — Original auf PubMed →
Umwelt- und berufsbedingte Cadmiumexposition und Risiken für die männliche reproduktive Gesundheit (2023)
Gao X, et al. — Environmental Geochemistry and Health · Umweltschadstoffe
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse epidemiologischer Studien (PubMed, Embase, Web of Science, letzte drei Jahrzehnte) zum Zusammenhang zwischen Cadmium(Cd)-Exposition und männlicher reproduktiver Gesundheit, unter Berücksichtigung verschiedener biologischer Matrices (Blut, Sperma, Urin). Cd-Werte korrelierten insgesamt negativ mit Samenparametern (gepoolter Korrelationskoeffizient r=-0,122) und positiv mit Sexualhormonen im Serum (r=0,104). Blut-Cd war negativ assoziiert mit Spermiendichte, -motilität, -morphologie und -zahl; Samen-Cd korrelierte negativ mit der Spermienkonzentration sowie mit Testosteron im Ejakulat. Blut-Cd zeigte keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit den drei untersuchten Hormonen. Einordnung: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Cadmiumexposition mit einer Verschlechterung der Spermienqualität und veränderten Sexualhormonspiegeln assoziiert sein könnte, wobei die Autoren die Evidenzlage angesichts uneinheitlicher epidemiologischer und tierexperimenteller Befunde insgesamt als nicht abschließend geklärt bezeichnen.
PMID 37584848 — Original auf PubMed →
Beeinträchtigt Luftverschmutzung die Samenqualität? Evidenz an 93.996 chinesischen Männern (2023)
Liu J, et al. — Frontiers in Public Health · Umweltschadstoffe
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (sieben Datenbanken, ohne Sprach- oder Datumsbeschränkung) zu den Effekten von sechs Luftschadstoffen auf die Samenqualität bei insgesamt 93.996 chinesischen Männern, untersucht für das gesamte Expositionsfenster (0-90 Tage vor Ejakulation) sowie kritische Zeitfenster (0-9, 10-14, 70-90 Tage). Regressionskoeffizienten wurden mittels DerSimonian-Laird-Random-Effects-Modellen gepoolt. Feinstaub PM2,5 war mit reduzierter Gesamtspermienzahl (Lag 10-14 Tage) und geringerer Gesamtmotilität (mehrere Zeitfenster) assoziiert; PM10 mit reduzierter Gesamtspermienzahl und Gesamtmotilität; NO2 mit reduzierter Gesamtspermienzahl; SO2 mit reduzierter Gesamtmotilität und Gesamtspermienzahl. Einordnung: Die Studie mit sehr großer Stichprobe legt nahe, dass Luftverschmutzung die Samenqualität beeinträchtigt und eine Reduktion der Schadstoffexposition, besonders während kritischer Phasen der Spermienentwicklung, sinnvoll erscheint.
PMID 37601219 — Original auf PubMed →
Exposition gegenüber Parabenen und Samenqualität bei Männern im reproduktiven Alter (2023)
Shen X, et al. — Ecotoxicology and Environmental Safety · Endokrine Disruptoren
Querschnittsstudie an 795 männlichen Partnern von Paaren mit Kinderwunsch; Urinproben wurden auf sechs Parabene analysiert (Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Butyl-, Benzyl- und Heptylparaben), gängige Konservierungsstoffe in Kosmetika, Körperpflege- und Medizinprodukten. Mittels multipler linearer Regression und Weighted-Quantile-Sum(WQS)-Regression wurde der Zusammenhang zwischen einzelnen Parabenen bzw. der Paraben-Mischexposition und Samenparametern untersucht. Nach Adjustierung für Störfaktoren war die Paraben-Mischexposition signifikant mit sinkender Spermienkonzentration, geringerer Gesamtspermienzahl und reduzierter progressiver Motilität assoziiert; Butylparaben trug hauptsächlich zur Assoziation mit Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl bei, Methylparaben zur progressiven Motilität. Die WQS-Ergebnisse stimmten weitgehend mit den Regressionsmodellen überein. Einordnung: Die Studie liefert humane Evidenz für negative Effekte einer Paraben-Mischexposition auf mehrere Samenparameter und ergänzt damit bisherige tierexperimentelle Befunde zur reproduktiven Toxizität dieser weitverbreiteten Chemikaliengruppe.
PMID 37688867 — Original auf PubMed →
Fertilitätsergebnisse bei Männern mit vorheriger Anwendung anaboler Steroide (2023)
Ledesma BR, et al. — Fertility and Sterility · Hormone & Medikamente
Retrospektive Kohortenstudie (2018-2022) an 45 Männern (medianes Alter 37 Jahre) mit Azoospermie oder schwerer Oligospermie infolge früherer Anwendung anaboler Steroide (mediane Anwendungsdauer 4 Jahre), die ein standardisiertes Therapieprotokoll erhielten: Absetzen der Testosteronersatztherapie und Kombinationsbehandlung mit Clomifencitrat und humanem Choriongonadotropin (hCG) über median 5 Monate. Die mediane initiale Spermienkonzentration betrug 0 Mio./ml (IQR 0-1,15), 51,1% der Männer waren initial azoosperm. Nach der Behandlung entwickelten 33,3% der zunächst azoospermen Männer eine schwere Oligospermie, 27,8% blieben azoosperm. Von 24 nachverfolgten Paaren erzielten 37,5% eine Schwangerschaft (33,3% mittels assistierter Reproduktion, 66,7% spontan); signifikante Prädiktoren für ein Therapieansprechen fanden sich nicht. Einordnung: Trotz leitliniengerechter Therapie zeigt ein erheblicher Teil der Männer mit Steroidmissbrauch in der Vorgeschichte anhaltend schwere Spermienstörungen; nur ein Teil erreicht eine normale Spermienzahl.
PMID 37769866 — Original auf PubMed →
Menschliche Samenqualität und Umwelt- sowie berufsbedingte Schadstoffexposition (2023)
Cofone L, et al. — Annali di Igiene: Medicina Preventiva e di Comunità · Umweltschadstoffe
Systematische Übersichtsarbeit (PRISMA 2020, PROSPERO-registriert) zum Zusammenhang zwischen Umwelt- bzw. berufsbedingter Schadstoffexposition und Samenqualität, basierend auf Studien mit Humanbiomonitoring (Scopus, PubMed, Web of Science, bis Mai 2023). Insgesamt 21 Artikel aus verschiedenen Ländern wurden eingeschlossen; die Qualitätsbewertung erfolgte mittels Newcastle-Ottawa-Skala. Als Biomonitoring-Matrices dienten überwiegend Urin und Blut, untersucht wurden vor allem Bisphenole, Phthalate, Pestizide, polychlorierte Biphenyle, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und weitere anorganische Spurenelemente. Die eingeschlossenen Studien zeigten einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen steigenden Schadstoffkonzentrationen in den untersuchten biologischen Matrices und Verschlechterungen der Samenqualität, insbesondere einer Abnahme von Motilität, Konzentration und Morphologie der Spermien. Einordnung: Die Autoren empfehlen Humanbiomonitoring-Programme als Instrument, um stärker exponierte Personen frühzeitig zu identifizieren und gezielte Maßnahmen zur Expositionsreduktion einzuleiten.
PMID 37796470 — Original auf PubMed →
Endokrine Disruptoren und männliche reproduktive Gesundheit (2023)
Mínguez-Alarcón L, et al. — Fertility and Sterility · Endokrine Disruptoren
Narrativer Übersichtsartikel (keine eigene Metaanalyse, keine Stichprobengröße), der die potenziellen Effekte wichtiger endokriner Disruptoren auf die männliche reproduktive Gesundheit zusammenfasst, gestützt auf experimentelle, tierexperimentelle und humanepidemiologische Daten. Die meisten experimentellen und tierexperimentellen Befunde zeigen starke Evidenz für negative Effekte von Phenolen, Phthalaten, Pestiziden sowie per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) auf die männliche reproduktive Gesundheit. Beim Menschen war die Evidenz für negative Zusammenhänge insbesondere für Phthalate und Pestizide insgesamt robust, während sie für andere untersuchte Chemikalien-Biomarker begrenzt und uneinheitlich blieb. Als Gründe für diese Diskrepanzen nennen die Autoren unter anderem unterschiedliche Studienpopulationen, Expositionshöhen, Probenzahlen, Stichprobengrößen, Studiendesigns und Restconfounding. Einordnung: Die Autoren betonen den weiteren Forschungsbedarf, insbesondere zu neueren Phenolen und PFAS, angesichts spärlicher Literatur und zunehmender Expositionen über die Zeit.
PMID 37827483 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen selbstberichteter Mobiltelefonnutzung und der Samenqualität junger Männer (2023)
Rahban R, et al. — Fertility and Sterility · Strahlung & Bildschirmzeit
Landesweite Querschnittsstudie an 2.886 Schweizer Männern (18-22 Jahre), rekrutiert 2005-2018 im Rahmen der Militärrekrutierung; Teilnehmer gaben eine Samenprobe ab und beantworteten Fragebögen zu Gesundheit, Lebensstil und Mobiltelefonnutzung (Nutzungsdauer, Aufbewahrungsort). Mittels logistischer und multipler linearer Regression wurden Zusammenhänge zwischen Handynutzung und Samenparametern untersucht (n=2.759 bzw. 2.764 mit auswertbaren Angaben). Häufige Handynutzung (>20-mal täglich) war mit niedrigerer Spermienkonzentration (adjustiertes β -0,152) und geringerer Gesamtspermienzahl (adjustiertes β -0,271) assoziiert, entsprechend einem 30% bzw. 21% erhöhten Risiko, unter den WHO-Referenzwerten für fertile Männer zu liegen. Der Zusammenhang war 2005-2007 am stärksten und nahm mit der Zeit ab, passend zur sinkenden Sendeleistung neuerer Mobiltelefone. Keine konsistente Assoziation zeigte sich mit Motilität, Morphologie oder Aufbewahrung in der Hosentasche. Einordnung: Große Beobachtungsstudie mit Hinweis auf einen möglichen, aber abnehmenden Zusammenhang; Kausalität ist nicht belegt.
PMID 37921737 — Original auf PubMed →
Einfluss der Exposition gegenüber Organophosphat-Pestiziden auf Samenparameter und Testosteron (2023)
Hamed MA, et al. — Frontiers in Endocrinology · Umweltschadstoffe
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (PRISMA, PECOS-Rahmen, OHAT-Bias-Bewertung, GRADE-Evidenzgrad) zu den Effekten von Organophosphat(OP)-Pestiziden auf Samenqualität und reproduktive Hormone. Eingeschlossen wurden 766 Männer (349 OP-exponiert, 417 unexponierte Kontrollen). Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied bei Ejakulatvolumen, Samenflüssigkeitsvolumen, dem Spermien-Anomalie-Index, Leukozytenwerten sowie den Serumkonzentrationen von FSH, LH und Testosteron. Jedoch fanden sich signifikante Reduktionen bei Spermienzahl, -konzentration, progressiver und totaler Motilität sowie normaler Morphologie bei OP-exponierten gegenüber unexponierten Männern; nach Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen blieben die Effekte auf Spermienzahl und progressive Motilität jedoch nicht durchgehend stabil. Einordnung: Die Studie legt nahe, dass OP-Pestizide die Samenqualität über einen testosteron-unabhängigen Mechanismus beeinträchtigen können, wobei einzelne Befunde je nach Analysemethode variierten, was auf Bedarf an methodisch einheitlicherer Forschung hinweist.
PMID 37964951 — Original auf PubMed →
Schwankungen der Samenqualität im Jahresverlauf: Einfluss von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck (2023)
Ramírez ND, et al. — Journal of Human Reproductive Sciences · Hitze & Kälte
Retrospektive, querschnittliche und korrelative Studie an 15.665 andrologischen Patienten, die je nach Vorstellungsdatum in der Kinderwunschklinik den vier Jahreszeiten zugeordnet wurden. Tageswerte für Temperatur, gefühlte Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck (nationaler Wetterdienst) wurden als Durchschnitt der 74 Tage vor der Samenabgabe berechnet, entsprechend dem spermatogenetischen Zyklus; Auswertung mittels Varianzanalyse/Kruskal-Wallis, Chi-Quadrat-Test, t-Test/Mann-Whitney, Regressionsmodellen und Korrelationen. Es zeigte sich ein saisonaler Effekt auf Spermienzahl, Gesamtspermienzahl und Gesamtzahl motiler Spermien, mit höchsten Werten im Winter und niedrigsten im Sommer. Temperatur, gefühlte Temperatur und Luftfeuchtigkeit korrelierten negativ mit den Samenparametern, wobei die Luftfeuchtigkeit der stärkste Prädiktor war. Einordnung: Die Studie mit sehr großer Stichprobe bestätigt eine ausgeprägte saisonale Schwankung der Spermienqualität, wobei erhöhte Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit die Samenqualität negativ beeinflussen.
PMID 38045501 — Original auf PubMed →
Anwendung anabol-androgener Steroide und männliche Fertilität (2023)
Mulawkar PM, et al. — Journal of Human Reproductive Sciences · Hormone & Medikamente
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (PubMed, MEDLINE, Embase, Google Scholar, Web of Science; PROSPERO CRD42023411294) zur Wirkung anabol-androgener Steroide (AAS) auf männliche Fertilitätsparameter, Spermiogramm, Testosteron, FSH und LH sowie deren Reversibilität. Eingeschlossen wurden 32 Studien (12 Kohorten-, 5 Fall-Kontroll-Studien, 9 Querschnittserhebungen, 6 Fallberichte) mit insgesamt 9.371 Personen, davon 2.671 AAS-Anwender, bewertet mittels Newcastle-Ottawa-Skala. AAS-Anwender hatten niedrigere FSH- und LH-Werte als Nichtanwender, die bis 3-6 Monate nach Absetzen niedrig blieben und sich erst nach einem Jahr angleichen; Gesamttestosteron war nach einem Jahr bei Anwendern niedriger. Die Spermienkonzentration unterschied sich kaum zwischen den Gruppen, die Motilität war jedoch bei AAS-Anwendern reduziert, ebenso die Hodengröße. Die erektile Funktion verbesserte sich unter AAS-Einnahme, verschlechterte sich jedoch beim Absetzen. Einordnung: AAS-Gebrauch beeinträchtigt Spermienmotilität und Hodengröße und wirkt sich teilweise reversibel negativ auf die männliche Fertilität aus.
PMID 38322636 — Original auf PubMed →
Fortgeschrittenes väterliches Alter und Spermien-DNA-Fragmentierung: ein systematisches Review (2022)
Gonzalez DC, Ory J, Blachman-Braun R, Nackeeran S, Best JC, Ramasamy R — The World Journal of Men's Health · Alter, Stress & Schlaf
Systematisches Review nach PRISMA-Kriterien mit 19 eingeschlossenen Studien und insgesamt 40.668 untersuchten Männern (Suche in Scopus, PubMed und EMBASE aus ursprünglich 3120 identifizierten Artikeln) zur Frage, ob fortgeschrittenes väterliches Alter (Advanced Paternal Age, APA) mit einem erhöhten Spermien-DNA-Fragmentationsindex (DFI%) assoziiert ist. Die eingeschlossenen Studien umfassten unterschiedliche Populationen: normozoosperme und subfertile Männer, oligo-astheno-teratozoosperme Männer, fertile und infertile Männer sowie Allgemeinbevölkerungen. 17 der 19 Studien zeigten einen nachweisbaren Effekt von APA auf den DFI%. Trotz fehlender einheitlicher Altersdefinition für „fortgeschrittenes Alter" deutete die Mehrheit der Evidenz auf einen Anstieg der Spermien-DNA-Fragmentierung mit zunehmendem väterlichem Alter hin. Die Autoren betonen, dass die klinische Bedeutung dieses Zusammenhangs bei Männern mit unauffälligem konventionellem Spermiogramm weiterer Untersuchung bedarf, da ein Standardspermiogramm eine altersbedingte DNA-Schädigung als Infertilitätsursache oft nicht erfasst.
PMID 33987998 — Original auf PubMed →
Niedrig dosierte Methotrexat-Therapie beeinträchtigt Samenparameter und Spermien-DNA nicht (2022)
Grosen A, et al. — Inflammatory bowel diseases · Hormone & Medikamente
Vergleichsstudie zu Samenparametern und Spermien-DNA-Integrität bei Männern mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen unter niedrig dosierter Methotrexat-Erhaltungstherapie. Proben von 14 behandelten Patienten wurden mit denen von 40 gesunden Freiwilligen verglichen, zusätzlich lieferten 5 Patienten gepaarte Proben unter und ohne Therapie. Erfasst wurden DNA-Fragmentationsindex (DFI), Spermienkonzentration, Motilität, Morphologie sowie Sexualhormone und Methotrexat-Spiegel in Blut und Samen. Der DFI unterschied sich nicht signifikant zwischen behandelten Patienten und Kontrollen (11,5 vs. 15,0; p=0,06) und veränderte sich auch im Paarvergleich nicht relevant (12,0 vs. 14,0; p=0,35). Konzentration, Motilität und Morphologie waren zwischen den Gruppen vergleichbar; die progressive Motilität war ohne Therapie zwar höher (65 % vs. 45 %, p=0,04), lag aber in beiden Fällen im WHO-Referenzbereich. Serumtestosteron blieb unbeeinflusst. Die Autoren schließen, dass niedrig dosiertes Methotrexat die Samenqualität nicht relevant beeinträchtigt und weder Kryokonservierung noch eine Therapiepause vor Zeugung notwendig sind.
PMID 34463329 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Belastung durch Luftverschmutzung und Samenqualität bei Erwachsenen: Eine Metaanalyse (2022)
Qian H, et al. — Environmental science and pollution research international · Umweltschadstoffe
Metaanalyse epidemiologischer Studien (Suche in PubMed, Web of Science und Cochrane Library bis Dezember 2019) zum Zusammenhang zwischen Luftverschmutzungsexposition und Samenqualität beim Menschen. Je nach Heterogenität der Primärstudien (I²>50 % bzw. p<0,05) wurden Random- oder Fixed-Effects-Modelle verwendet; eine Publikationsbias-Prüfung entfiel wegen zu geringer Studienzahl. Die gepoolten standardisierten Mitteldifferenzen (SMD) zeigten eine Reduktion von Spermienkonzentration (-0,17; 95%-KI -0,20 bis -0,13), Spermienzahl (-0,05; 95%-KI -0,08 bis -0,02) und Gesamtmotilität (-0,33; 95%-KI -0,54 bis -0,11) bei höherer Luftschadstoffbelastung. Die progressive Motilität war dagegen nicht signifikant betroffen (SMD 0,00). Die Autoren interpretieren dies als Hinweis, dass eine höhere Luftverschmutzungsbelastung mit verschlechterter Samenqualität einhergeht, und betonen die Bedeutung von Luftqualitätsverbesserungen für die männliche Reproduktionsgesundheit. Da die Studien überwiegend beobachtend sind, lässt sich Kausalität nicht sicher belegen.
PMID 34532803 — Original auf PubMed →
Effekt der Varikozele auf Spermien-DNA-Schäden: Systematisches Review und Metaanalyse (2022)
Zhang Y, et al. — Andrologia · Genetik & Anatomie
Aktualisierte Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen Varikozele und Spermien-DNA-Schäden, gemessen anhand des DNA-Fragmentationsindex (DFI), einem engen Korrelat der männlichen Fertilität. Über eine systematische Suche in PubMed, Web of Science und Cochrane Library wurden 12 Studien mit insgesamt 845 Varikozele-Patienten und 2377 gesunden Kontrollen identifiziert. Die gepoolte Analyse ergab eine statistisch signifikant höhere DFI bei Varikozele-Patienten gegenüber Kontrollen (standardisierte Mitteldifferenz, SMD, 1,40; 95%-KI 0,83-1,98). Aufgrund erheblicher Heterogenität zwischen den Primärstudien wurden zusätzlich Subgruppenanalysen nach Varikozele-Grad und Patientenalter (Schwellenwert u. a. 30 Jahre) durchgeführt; eine Sensitivitätsanalyse (Stata 16.0) bestätigte die Stabilität der Ergebnisse. Die Autoren schließen, dass eine klinisch manifeste Varikozele mit erhöhter Spermien-DNA-Schädigung einhergeht und dadurch die Fertilitätsfähigkeit betroffener Männer beeinträchtigen kann, was die Bedeutung einer DFI-Bestimmung in der andrologischen Abklärung unterstreicht.
PMID 34658054 — Original auf PubMed →
Effekt von Antioxidantien auf Spermienqualitätsparameter bei subfertilen Männern: Systematisches Review und Netzwerk-Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (2022)
Su L, et al. — Advances in nutrition (Bethesda, Md.) · Supplements & Nährstoffe
Netzwerk-Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (RCTs), die die Wirksamkeit verschiedener Antioxidantien-Supplemente bei subfertilen Männern verglich. Eingeschlossen wurden 18 Studien mit 1790 Teilnehmern, die acht Antioxidantien (Folsäure, Zink, Vitamin E, Carnitin, Selen, Coenzym Q10, N-Acetylcystein, Vitamin C) gegen Placebo verglichen; mittels Bayesianischer Netzwerk-Metaanalyse und SUCRA-Rangwerten wurde die jeweils wirksamste Intervention für Spermienkonzentration, -motilität und -morphologie ermittelt. Coenzym Q10 zeigte die signifikanteste Verbesserung der Spermienkonzentration (mittlere Differenz, MD, 5,95; 95%-KI 0,05-10,79; SUCRA 79,4 %). Bei der Motilität verbesserten Carnitin (MD 12,43; SUCRA 88,7 %, bester Rang) und Coenzym Q10 (MD 7,33) die Werte signifikant gegenüber Placebo. Bei der Morphologie erzielte Vitamin C den höchsten Rang (SUCRA 93,6 %), ohne jedoch statistische Signifikanz zu erreichen. Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass Coenzym Q10 vor allem die Spermienkonzentration und Carnitin vor allem die Motilität bei subfertilen Männern verbessern kann.
PMID 34694345 — Original auf PubMed →
Systematisches Review und Metaanalyse zu Prädiktoren der Spermiengewinnung bei Patienten mit nicht-obstruktiver Azoospermie und Chromosomenanomalien (2022)
Majzoub A, et al. — Andrologia · Genetik & Anatomie
Systematisches Review mit Metaanalyse, das über eine PubMed-Suche 53 Studien mit insgesamt 2965 Patienten mit nicht-obstruktiver Azoospermie (NOA) identifizierte, um die häufigsten Chromosomenanomalien, die Erfolgsraten der chirurgischen Spermiengewinnung (SSR) und deren Prädiktoren zu bestimmen. Das Klinefelter-Syndrom (KS) war mit 75,5 % (2239 Fälle) die häufigste Chromosomenanomalie, gefolgt von AZFc-Mikrodeletionen (18,6 %); Männer mit AZFc-Deletionen hatten höhere SSR-Raten als KS-Patienten (41,95 % vs. 38,63 %). Bei KS-Patienten erwies sich jüngeres Alter als signifikanter Prädiktor für erfolgreiche Spermiengewinnung mittels mikrochirurgischer testikulärer Spermienextraktion (micro-TESE), höheres Testosteron war sowohl bei micro-TESE als auch konventioneller TESE günstig, niedrigere LH/FSH-Werte begünstigten den Erfolg bei testikulärer Spermienaspiration (TESA). Bei AZFc-Mikrodeletionen ließ sich hingegen kein Prädiktor für den Erfolg identifizieren. Die Autoren schließen, dass genetische Anomalien erhebliche Auswirkungen auf den Erfolg der operativen Spermiengewinnung bei NOA haben und in die klinische Beratung einfließen sollten.
PMID 34729809 — Original auf PubMed →
Wirksamkeit von Sporttraining bei männlicher Infertilität: Systematisches Review und Netzwerk-Metaanalyse (2022)
Hajizadeh Maleki B, Tartibian B, Chehrazi M — Sports health · Gewicht & Sport
Systematisches Review mit Netzwerk-Metaanalyse (Evidenzlevel 1, da ausschließlich RCTs) zur Wirksamkeit verschiedener Trainingsinterventionen bei männlicher Infertilität. Aus 336 identifizierten Publikationen wurden 7 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2641 fertilen und infertilen Männern eingeschlossen und verglichen: kombiniertes Ausdauer-Kraft-Training (CET), moderates kontinuierliches Ausdauertraining (MICT), Krafttraining (RT), hochintensives kontinuierliches Training (HICT) sowie hochintensives Intervalltraining (HIIT). Gegenüber einer Kontrollgruppe ohne Intervention zeigte CET das höchste relative Risiko für Schwangerschaft (RR 27,81), gefolgt von MICT (RR 26,67); für die Lebendgeburtenrate war MICT am wirksamsten (RR 10,05), gefolgt von RT (RR 4,92). Auch bei Samenqualität, oxidativem Stress, Entzündungsmarkern und Körperzusammensetzung/VO2max zeigte sich überwiegend die Rangfolge CET>MICT>weitere Trainingsformen. Die Autoren empfehlen kombiniertes Ausdauer-Kraft-Training als die insgesamt wirksamste Trainingsform zur Verbesserung männlicher Fertilitätsparameter.
PMID 34806474 — Original auf PubMed →
Der Einfluss von Diabetes mellitus Typ 1 auf die männliche Fertilität: Systematisches Review und Metaanalyse (2022)
Facondo P, et al. — Andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review mit Metaanalyse zum Einfluss von Diabetes mellitus Typ 1 (DM1) auf männliche Fertilität anhand von Literatur aus den Jahren 1980 bis Dezember 2020. Von 14 relevanten Artikeln wurden 8 Studien mit Samenparametern metaanalysiert (380 DM1-Patienten vs. 434 Kontrollen). Vier Studien zur Vaterschaftsrate zeigten eine niedrigere Rate bei DM1-Betroffenen, insbesondere bei längerer Erkrankungsdauer; die Datenlage zum hormonellen Achsenprofil war heterogen, sodass weder ein neutraler Effekt noch ein subklinischer Hypogonadismus sicher ausgeschlossen werden konnte. In der Metaanalyse fanden sich bei DM1-Männern signifikant reduzierte normale Spermienmorphologie (-0,36 %; p<0,05) und progressive Motilität (deutlich reduziert; p<0,001) sowie ein Trend zu geringerem Ejakulatvolumen (p=0,06), ohne Unterschiede bei Gesamtspermienzahl und -konzentration. Daten zu Skrotalsonographie und Spermien-DNA-Fragmentation waren zu spärlich für belastbare Aussagen. Die Autoren empfehlen bei DM1-Patienten eine vollständige hormonelle, seminale und sonographische Fertilitätsabklärung mit Verlaufskontrolle der Hodenfunktion.
PMID 34904793 — Original auf PubMed →
Prädiktive Faktoren und ICSI-Ergebnisse für die Spermiengewinnung mittels micro-TESE bei Patienten mit Klinefelter-Syndrom (2022)
Özkan B, Coşkuner ER, Güdelci T — Urology · Genetik & Anatomie
Retrospektive Studie mit den Daten von 67 Männern mit Klinefelter-Syndrom (KS), die zwischen April 2016 und August 2020 eine mikrochirurgische testikuläre Spermienextraktion (micro-TESE) erhielten, um Prädiktoren für eine erfolgreiche Spermiengewinnung zu identifizieren. Erfasst wurden Serumhormone (LH, FSH, Testosteron, Prolaktin, Östradiol) sowie sonographisch bestimmtes Hodenvolumen. Bei 35 Patienten (52,2 %) war die micro-TESE erfolgreich (positiv), bei 32 (47,8 %) negativ. Die negative Gruppe war signifikant älter (34,9 ± 5,1 vs. 32,3 ± 4,7 Jahre; p=0,035) und hatte ein geringeres linkes Hodenvolumen (p=0,019); FSH, LH und Prolaktin waren in der negativen Gruppe tendenziell höher, Testosteron und Hodenvolumen tendenziell niedriger, jedoch ohne statistische Signifikanz. Bei anschließender ICSI (31 Paare) wurden 20 Schwangerschaften und 16 Lebendgeburten erzielt (51,06 %). Die Autoren schließen, dass jüngeres Alter ein möglicher Prädiktor für micro-TESE-Erfolg bei KS ist und Betroffene über realistische Chancen auf eigene Kinder mittels micro-TESE-ICSI beraten werden sollten.
PMID 34968572 — Original auf PubMed →
Konsum von zucker- oder künstlich gesüßten Getränken und Samenqualität bei jungen Männern: Eine Querschnittsstudie (2022)
Meldgaard M, et al. — International journal of environmental research and public health · Ernährung
Querschnittsstudie auf Basis der dänischen FEPOS-Kohorte (Fetal Programming of Semen Quality) mit 1047 jungen Männern (Durchschnittsalter 19 Jahre), die einen Online-Fragebogen zu Gesundheit, Lebensstil und Ernährung ausfüllten und eine Samenprobe abgaben. Mittels multivariabler negativer Binomialregression wurde der Zusammenhang zwischen dem Konsum zucker- bzw. künstlich gesüßter Getränke (moderat: ≥3 Tage/Woche vs. selten: <3 Tage/Woche) und Samenqualität untersucht – motiviert durch Vorbefunde, wonach Süßstoffe wie Saccharin oder Aspartam bei Mäusen dosisabhängige Effekte auf Spermien- und Hodenfunktion zeigten. Insgesamt fand sich kein starker Zusammenhang zwischen dem Getränkekonsum und Samenvolumen, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl oder Gesamtmotilität. Der Anteil morphologisch normaler Spermien war bei moderatem Konsum künstlich gesüßter Getränke um 11 % niedriger (95%-KI 0,76-1,04), jedoch statistisch nicht signifikant. Die Autoren schließen, dass der Konsum gesüßter Getränke bei den in dieser jungen Population beobachteten Mengen nur einen begrenzten Effekt auf die Samenqualität hat.
PMID 35055501 — Original auf PubMed →
Die Einnahme selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) ist nicht mit beeinträchtigten Samenparametern assoziiert (2022)
Pham MN, et al. — Urology · Hormone & Medikamente
Retrospektive Kohortenstudie an einem akademischen Zentrum zu allen Männern, die zwischen 2002 und 2020 im Rahmen einer Fertilitätsabklärung eine Samenanalyse erhielten, hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen der Einnahme selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und der Samenqualität. Ausgeschlossen wurden Männer mit vorheriger Exposition gegenüber anderen spermientoxischen Medikamenten. SSRI-Exposition wurde als Verschreibung innerhalb von 90 Tagen vor der Samenanalyse definiert; univariable und multivariable lineare Regressionsmodelle wurden für Alter und Begleitmedikation adjustiert. Von 8861 identifizierten Männern (medianes Alter 35 Jahre) waren 153 (1,7 %) SSRI-exponiert; diese nahmen deutlich häufiger auch andere Medikamente ein (78,4 % vs. 23,3 %). In den Regressionsmodellen zeigte sich kein Zusammenhang zwischen SSRI-Einnahme und Samenvolumen, Spermienkonzentration, Motilität, gesamter motiler Spermienzahl oder normaler Morphologie. Die Autoren folgern, dass SSRI-Einnahme bei Männern mit Kinderwunsch nicht mit beeinträchtigter Samenqualität assoziiert ist, was für die reproduktionsmedizinische Beratung relevant ist.
PMID 35093399 — Original auf PubMed →
Retrospektive Analyse von Faktoren, die die Spermiengewinnung mittels mTESE bei infertilen Männern mit Klinefelter-Syndrom beeinflussen: Eine Multizenterstudie (2022)
Kızılay F, et al. — Andrologia · Genetik & Anatomie
Retrospektive Multizenterstudie aus sechs andrologischen Ambulanzen, die Daten infertiler Männer mit Klinefelter-Syndrom (KS) analysierte, um Prädiktoren für die Spermiengewinnung (SR) mittels mikroskopischer testikulärer Spermienextraktion (mTESE) zu ermitteln. Erfasst wurden SR-, Fertilisations- und Schwangerschaftsraten sowie Karyotyp, Hormonwerte und vorangehende medikamentöse Behandlung. Eine erfolgreiche Spermiengewinnung gelang bei 57,7 % der Fälle, die Schwangerschaftsrate lag bei 22 %. Mosaizismus war signifikant mit dem Erreichen einer Schwangerschaft assoziiert (p=0,002), nicht jedoch mit dem SR-Erfolg selbst (p=0,136). Eine medikamentöse Vorbehandlung vor mTESE war sowohl für die Schwangerschaftsrate (p=0,010) als auch für die erfolgreiche Spermiengewinnung (p=0,032) ein positiver Faktor, ebenso korrelierte der Gesamttestosteronwert signifikant mit dem SR-Erfolg (p<0,001). Die Autoren schließen, dass bei KS-Patienten mit mosaikartigem Karyotyp, normaler Partnerfertilität, hoher Fertilisationsrate und geeigneter medikamentöser Vorbehandlung realistische Chancen auf eine Schwangerschaft mittels mTESE bestehen.
PMID 35102587 — Original auf PubMed →
Bariatrische Chirurgie verbessert die Samenqualität nicht: Evidenz aus einer Metaanalyse (2022)
Gao Z, et al. — Obesity surgery · Gewicht & Sport
Metaanalyse zum Effekt einer bariatrischen Operation auf die Samenqualität adipöser Männer. Über eine Literatursuche in PubMed, EMBASE und CENTRAL (bis Oktober 2021) wurden 9 Studien mit insgesamt 218 Patienten eingeschlossen, die Samenparameter vor und nach bariatrischer Operation verglichen. Das mittlere präoperative Alter der Patienten lag zwischen 18 und 50 Jahren, der präoperative BMI zwischen 36,7 und 70,5 kg/m², die Nachbeobachtungszeit zwischen 6 und 24 Monaten. Die gepoolte Analyse zeigte keinen signifikanten Effekt der bariatrischen Chirurgie auf Samenvolumen, -konzentration, Gesamtspermienzahl, Morphologie, Gesamt- und progressive Motilität, Vitalität, Samen-pH oder Leukozytengehalt. Die Autoren schließen daraus, dass eine bariatrische Operation bei adipösen Männern die Samenqualität nicht verbessert – ein Kontrast zu Studien, in denen moderate diätinduzierte Gewichtsreduktion positive Effekte auf Spermienparameter zeigte, was auf unterschiedliche zugrunde liegende Mechanismen (z. B. drastischerer Gewichtsverlust, metabolische Umstellungen) hindeuten könnte.
PMID 35143010 — Original auf PubMed →
Bisphenol A und rückläufige Samenqualität: Ein systematisches Review zur Ableitung eines Referenzwerts für Mischungsrisikobewertungen (2022)
Kortenkamp A, et al. — International journal of hygiene and environmental health · Endokrine Disruptoren
Systematisches Review, das im Rahmen einer Mischungsrisikobewertung mit Fokus auf männliche Reproduktionsgesundheit einen Referenzwert für Bisphenol A (BPA) ableiten sollte, basierend auf Tier- und epidemiologischen Studien zum Zusammenhang zwischen BPA-Exposition und rückläufiger Samenqualität. Entgegen der verbreiteten Annahme „widersprüchlicher" Evidenz kommen die Autoren nach einem eigenen Konfidenzbewertungsansatz zu dem Schluss, dass Tierstudien überzeugende Belege für eine Verschlechterung der Samenqualität nach pränataler (gestationeller) BPA-Exposition liefern; viele negative Befunde in anderen Studien werden auf unzureichende Sensitivität, unkontrollierte Hintergrundkontamination oder Störfaktoren durch sojahaltige Diäten zurückgeführt. Adulte BPA-Expositionsstudien wurden nicht bewertet. Aus den vertrauenswürdigsten Tierstudien wurde eine Bandbreite möglicher Referenzdosen von 0,0001 bis 0,0099 µg/kg/Tag ermittelt, wovon die Autoren 0,003 µg/kg/Tag als Kompromisswert wählten. Die aktuelle BPA-Exposition europäischer Bevölkerungen übersteigt diesen Wert und liegt teils im Bereich, in dem epidemiologische Studien bereits Effekte auf die Samenqualität beobachtet haben – ein Hinweis auf reale Relevanz dieses endokrinen Disruptors.
PMID 35168014 — Original auf PubMed →
Vergleich der Effekte von Coenzym Q10 und Centrum-Multivitaminen auf Samenparameter, oxidative Stressmarker und Spermien-DNA-Fragmentation bei infertilen Männern mit idiopathischer Oligoasthenospermie (2022)
Alahmar AT, Singh R — Clinical and experimental reproductive medicine · Supplements & Nährstoffe
Prospektive kontrollierte klinische Studie, die die Wirkung von Coenzym Q10 (CoQ10) und einem Kombinationspräparat (Centrum-Multivitamin) auf Samenparameter, antioxidative Kapazität und Spermien-DNA-Fragmentation (SDF) bei Männern mit idiopathischer Oligoasthenospermie verglich. Eingeschlossen wurden 130 betroffene Patienten und 58 fertile Kontrollen; die Patienten wurden randomisiert einer Gruppe mit CoQ10 (200 mg/Tag oral) oder Centrum (1 Tablette/Tag) über 3 Monate zugeteilt. Erfasst wurden Samenparameter, CoQ10-Spiegel, reaktive Sauerstoffspezies (ROS), Gesamtantioxidationskapazität (TAC), Katalase, SDF sowie Hormonspiegel vor und nach Behandlung. Beide Therapien verbesserten Spermienkonzentration und -motilität, wobei die Verbesserung unter Centrum signifikant größer ausfiel (p<0,05). Die Verbesserung der TAC und Katalase-Aktivität war unter CoQ10 stärker (p<0,01 bzw. p<0,001), während ROS- und SDF-Verbesserungen unter Centrum ausgeprägter waren (p<0,01 bzw. p<0,001); Centrum senkte zudem das Serumtestosteron leicht (p<0,05). Die Autoren schließen, dass ein Multivitaminpräparat mit kombinierten Antioxidantien wirksamer sein könnte als ein Einzelsupplement wie CoQ10 bei idiopathischer Oligoasthenospermie.
PMID 35255658 — Original auf PubMed →
Langzeitfolgen von Hodentorsion und ihrer operativen Erhaltung auf Samenparameter und Gonadenfunktion (2022)
Aggarwal D, et al. — Indian journal of urology : IJU : journal of the Urological Society of India · Genetik & Anatomie
Ambispektive Beobachtungsstudie (Januar 2014 bis Dezember 2019) zu den Langzeitfolgen der Hodentorsion, einer urologischen Notfallsituation, auf Infertilität, Hormonfunktion und Hodengröße nach Erhaltungsoperation. Von ursprünglich 85 Patienten konnten 67 im Follow-up (Median 42 ± 12 Monate, Spanne 2-6 Jahre) hinsichtlich Hodengröße, Hormonspiegeln, Samenanalyse und Erektionsfunktion nachuntersucht werden; 44 Patienten hatten eine Orchiektomie (Gruppe 1), 23 eine testikelerhaltende Operation (Gruppe 2, Salvage). Die mediane Zeit bis zur Vorstellung war in Gruppe 1 deutlich länger (48 Stunden) als in Gruppe 2 (12 Stunden); die Erfolgsrate der Hodenerhaltung war altersunabhängig. Die Dopplersonographie erkannte 92,5 % aller Torsionsfälle. Etwa 47 % der Salvage-Gruppe entwickelten im Verlauf dennoch eine Hodenatrophie. Das Serumtestosteron war in Gruppe 1 und bei Patienten mit Hodenatrophie signifikant niedriger; andere Hormonwerte, Samenanalyse und Erektionsfunktion unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht. Die Autoren betonen die Bedeutung einer schnellen Behandlung sowie einer langfristigen Nachsorge wegen des Atrophie- und Testosteronmangelrisikos auch nach erfolgreicher Erhaltungsoperation.
PMID 35400863 — Original auf PubMed →
Männliche Schlafqualität und Ergebnisse der assistierten Reproduktion bei Paaren einer Kinderwunschklinik: Eine chinesische Kohortenstudie (2022)
Du CQ, et al. — Nature and science of sleep · Alter, Stress & Schlaf
Retrospektive Kohortenstudie an einer chinesischen Kinderwunschklinik, die untersuchte, ob die Schlafqualität von Männern mit den Behandlungsergebnissen der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) bei subfertilen Paaren zusammenhängt. Zwischen September 2017 und November 2019 wurden 282 subfertile Paare eingeschlossen; die männliche Schlafqualität wurde mittels Pittsburgh-Schlafqualitätsindex (PSQI) erfasst und die Teilnehmer in „guter Schlaf" (PSQI<5) und „schlechter Schlaf" (PSQI≥5) eingeteilt. Anschließend wurden Fertilisationsrate, Embryoqualität, Implantations-, Schwangerschafts- und Lebendgeburtenrate sowie Geburtsgewicht zwischen den Gruppen sowie mittels multivariater Regression verglichen. Männer mit schlechter Schlafqualität hatten eine niedrigere Fertilisationsrate (60,13 % vs. 67,36 %) sowie nach Adjustierung eine niedrigere Lebendgeburtenrate (Odds Ratio 0,88; 95%-KI 0,78-0,99; p=0,047); Embryoqualität, Implantations-, Schwangerschafts- und Fehlgeburtsrate unterschieden sich nicht. Die Autoren folgern, dass männliche Schlafqualität positiv mit Fertilisationsrate, Geburtsgewicht und Lebendgeburtenrate bei ART-Behandlungen assoziiert ist und daher in der reproduktionsmedizinischen Beratung berücksichtigt werden sollte.
PMID 35401018 — Original auf PubMed →
Pränatale Exposition gegenüber mütterlichem Zigarettenrauchen und männliche Reproduktionsfunktion im jungen Erwachsenenalter (2022)
Hærvig KK, et al. — European journal of epidemiology · Rauchen, Alkohol & Drogen
Prospektive Kohortenstudie auf Basis der bislang größten longitudinalen FEPOS-Kohorte (984 junge dänische Männer), die Biomarker der Reproduktionsfunktion in Abhängigkeit vom mütterlichen Rauchen im ersten Trimester untersuchte und prüfte, ob ein Rauchstopp vor dem fetalen „Maskulinisierungsfenster" schützend wirkt. Mütterliches Rauchen wurde per Interview und gemessenem Plasma-Cotinin während der Schwangerschaft erfasst; negative Binomial-, logistische und lineare Regressionsmodelle schätzten Unterschiede in Samenparametern, Hodenvolumen und Reproduktionshormonen der erwachsenen Söhne. Söhne leichter Raucherinnen (≤10 Zigaretten/Tag) hatten eine 19 % niedrigere Spermienkonzentration und 24 % niedrigere Gesamtspermienzahl als Söhne von Nichtraucherinnen; bei starken Raucherinnen (>10 Zigaretten/Tag) betrugen diese Reduktionen 38 % bzw. 33 %, zudem war das follikelstimulierende Hormon um 25 % erhöht. Auch hohe mütterliche Cotininspiegel (>10 ng/ml) waren mit niedrigerer Spermienkonzentration/-zahl assoziiert. Ein Rauchstopp vor der 7. Schwangerschaftswoche änderte daran nichts. Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass mütterliches Rauchen die männliche Reproduktionsfunktion der Nachkommen dauerhaft beeinträchtigt.
PMID 35476275 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen generalisierten Angstsymptomen und Samenqualität bei infertilen Männern: Eine Multizenterstudie in Nordchina (2022)
Pan Y, et al. — Andrologia · Alter, Stress & Schlaf
Multizentrische Studie an drei Lehrkrankenhäusern in Nordchina zum Zusammenhang zwischen generalisierten Angstsymptomen und Samenqualität bei 378 infertilen Männern (Durchschnittsalter 31,43 Jahre). Die Angstsymptomatik wurde mit dem 7-Item-Fragebogen zur generalisierten Angststörung (GAD-7) erfasst, die Samenanalyse erfolgte nach WHO-Richtlinien; die Teilnehmer wurden in eine Normal- (n=174, 46 %) und eine Angstgruppe (n=204, 54 %) eingeteilt. Männer mit auffälligem GAD-7-Wert hatten eine signifikant niedrigere Spermienzahl (166,80 vs. 202,48 Millionen pro Ejakulat, p=0,023), niedrigere Konzentration (46,54 vs. 54,75 Millionen/ml, p=0,033) und niedrigere progressive Motilität (37,16 vs. 40,25 %, p=0,020). In multivariaten linearen Regressionsmodellen war Angst signifikant negativ mit Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, progressiver und Gesamtmotilität sowie normaler Morphologie assoziiert. Die Autoren schließen, dass generalisierte Angst die klinische Samenqualität infertiler Männer relevant beeinflussen kann und psychologisches Stressmanagement Teil der Fertilitätsbehandlung sein sollte.
PMID 35491407 — Original auf PubMed →
Spermienzahl steigt durch diätinduzierten Gewichtsverlust und wird durch Sport oder GLP-1-Analogon-Behandlung erhalten: Eine randomisierte kontrollierte Studie (2022)
Andersen E, et al. — Human reproduction (Oxford, England) · Gewicht & Sport
Randomisierte kontrollierte Substudie der dänischen S-LITE-Studie an 56 adipösen Männern (BMI 32-43 kg/m², 18-65 Jahre), die untersuchte, ob eine diätinduzierte Gewichtsreduktion die Samenqualität verbessert und ob diese Verbesserung erhalten bleibt. Nach einer 8-wöchigen Low-Calorie-Diät (800 kcal/Tag) wurden die Teilnehmer für 52 Wochen randomisiert einer von vier Erhaltungsstrategien zugeteilt: Placebo, Sporttraining, das GLP-1-Analogon Liraglutid oder die Kombination aus Liraglutid und Training. Samenparameter, Anthropometrie und Blutwerte wurden vor, direkt nach und 52 Wochen nach der Diät erfasst. Die Männer verloren im Mittel 16,5 kg Körpergewicht während der Diätphase, was die Spermienkonzentration um das 1,49-Fache und die Spermienzahl um das 1,41-Fache erhöhte (beide p<0,01); diese Verbesserungen blieben nach 52 Wochen bei den Männern erhalten, die ihr reduziertes Gewicht hielten, nicht jedoch bei jenen mit Gewichtswiederzunahme. Samenvolumen und Motilitätsparameter änderten sich nicht. Die Autoren schließen, dass Sporttraining und Liraglutid geeignete Strategien zur Aufrechterhaltung der durch Gewichtsverlust erzielten Verbesserungen sein können, betonen aber, dass wegen des Studiendesigns keine endgültigen kausalen Schlüsse möglich sind.
PMID 35580859 — Original auf PubMed →
Effekte von Vitamin E und Vitamin C auf männliche Infertilität: Eine Metaanalyse (2022)
Zhou X, et al. — International urology and nephrology · Supplements & Nährstoffe
Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) zur Wirksamkeit der Antioxidantien Vitamin E und Vitamin C bei männlicher Infertilität. Über eine Suche in Cochrane Library, Embase, PubMed, CBMdisc und Web of Science (bis Juni 2020) wurden 11 Studien mit insgesamt 832 Patienten eingeschlossen; die Evidenzqualität wurde als moderat bis niedrig eingestuft. Die Schwangerschaftsrate war unter Vitamin E gegenüber Kontrollen deutlich verbessert (relatives Risiko, RR, 1,86; 95%-KI 1,02-3,41). Im Vergleich zur Kontrollgruppe verbesserten Vitamin E und Vitamin C zudem signifikant die progressive Motilität (standardisierte Mitteldifferenz, SMD, 0,38), die Spermienkonzentration (SMD 0,21), die Spermienmorphologie (SMD 0,32) und die Gesamtspermienzahl (SMD 0,28), jeweils ohne vermehrte Nebenwirkungen. Die Autoren schließen, dass Vitamin C und Vitamin E die Schwangerschaftsrate der Partnerin sowie mehrere Samenqualitätsparameter bei infertilen Männern verbessern können, weisen jedoch auf die moderate bis niedrige Qualität der zugrunde liegenden Evidenz hin, die weitere hochwertige Studien erfordert.
PMID 35604582 — Original auf PubMed →
Geografische Unterschiede bei Spermaparametern in den Daten der WHO-Referenzwerte für die Spermiogramm-Analyse (2022)
Feferkorn I, et al. — Fertility and sterility · Beruf & globale Trends
Retrospektive Auswertung (kein Interventionsstudiendesign) der Originaldaten aus 11 Studien, die den WHO-Referenzwerten von 2021 zugrunde liegen; Stichprobe: 3.484 Männer von fünf Kontinenten. Methodik: Vergleich der Spermaparameter nach geografischer Herkunft (Asien, Afrika, Europa, USA, Australien). Ergebnisse: Das Samenvolumen war in Asien und Afrika signifikant niedriger als anderswo; die Spermienkonzentration war am niedrigsten in Afrika, am höchsten in Australien. Gesamtzahl beweglicher (TMSC) und progressiv beweglicher Spermien (TMPS) waren in Afrika am niedrigsten, in Asien und den USA niedriger als in Europa/Australien. Das 5. Perzentil der Konzentration war in den USA am niedrigsten (12,5 Mio./ml), das Morphologie-Perzentil in den USA am niedrigsten (3%), in Asien am höchsten (5%). Einordnung: Die Autoren fordern regionale statt einheitlicher globaler Referenzwerte, da die geografische Variabilität der Spermaparameter erheblich ist.
PMID 35750517 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von Schlafstörungen und Veränderungen des zirkadianen Rhythmus auf die männliche reproduktive Gesundheit: Systematische Übersicht und Metaanalyse (2022)
Zhong O, et al. — Frontiers in physiology · Alter, Stress & Schlaf
Systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse klinischer Studien (Recherche in PubMed, Embase, Cochrane Library, Web of Science und Scopus bis Februar 2022; Auswertung mit RevMan 5.4, Publikationsbias-Prüfung mit Stata16). Die Stichprobengröße der Einzelstudien wird im Abstract nicht beziffert. Ergebnisse: Schlafstörungen waren assoziiert mit einer reduzierten Gesamtspermienzahl (mittlere Differenz -27,91; 95%-KI -37,82 bis -18,01), verringerter progressiver Motilität (-2,94%) und schlechterer normaler Morphologie (-0,52%). Ein Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und reproduktiven Hormonspiegeln ließ sich nicht nachweisen. Einordnung: Die Autoren vermuten eine Vermittlung über Störungen des zirkadianen Rhythmus, weisen aber auf die begrenzte Zahl und Qualität der eingeschlossenen Studien hin und fordern weitere hochwertige Forschung, bevor belastbare klinische Schlussfolgerungen möglich sind.
PMID 35910569 — Original auf PubMed →
Der Einfluss gesunder Ernährungsmuster auf die männliche Spermaqualität: Systematische Übersicht und Metaanalyse (2022)
Cao LL, et al. — Asian journal of andrology · Ernährung
Systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von Querschnittsstudien (Literatursuche in Embase, Web of Science und PubMed, Stichtag 21.08.2021). Eingeschlossen wurden 6 Studien mit insgesamt 1.244 Probanden, die den Zusammenhang von Mittelmeerdiät, DASH-Diät und sogenanntem 'prudent'-Ernährungsmuster mit der Spermaqualität untersuchten. Methodik: Vergleich von hohem versus niedrigem Konsum gesunder Ernährungsmuster. Ergebnisse: Höherer Konsum war mit signifikant höherer Spermienkonzentration assoziiert (mittlere Differenz 6,88 Mio./ml; 95%-KI 1,26-12,49 Mio./ml), einer höheren Gesamtspermienzahl sowie einer signifikant gesteigerten progressiven Motilität (+5,85%, 95%-KI 2,59-9,12%; p<0,01). Einordnung: Die Ergebnisse sprechen für einen positiven Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und Spermaqualität, beruhen aber ausschließlich auf Querschnittsdaten, weshalb die Autoren zu vorsichtiger Interpretation raten - Kausalität lässt sich daraus nicht ableiten.
PMID 35915543 — Original auf PubMed →
Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA®) zur Fertilitätsbeurteilung (2022)
Evenson DP — Current protocols · Messmethodik
Methodenartikel bzw. Laborprotokoll (kein klinisches Studiendesign), das den Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) beschreibt - ein durchflusszytometrisches Verfahren zur Messung von DNA-Fragmentierung (%DFI) und Chromatinstruktur-Anomalien (%HDS, 'high DNA stainable sperm') in Spermien. Methodik: Frische oder aufgetaute Samenproben werden verdünnt, kurz bei pH 1,2 behandelt, um DNA-Bruchstellen zu öffnen, anschließend mit Acridinorange gefärbt und per Durchflusszytometer an 5.000-10.000 Spermien innerhalb von rund 10 Minuten ausgewertet. Klinischer Schwellenwert ist jeweils 25%: Ab 25% DFI sollte statt IUI eine ICSI erwogen werden, Werte über 25% HDS erhöhen das Risiko für frühen Embryonalverlust durch abnormale Chromatinstruktur. Reaktive Sauerstoffspezies gelten als wesentlicher Mechanismus der DNA-Fragmentierung, die durch zahlreiche Lebensstil- und Umweltfaktoren beeinflusst wird. Einordnung: Referenzprotokoll für ein etabliertes, standardisiertes DNA-Fragmentierungs-Testverfahren in der Andrologie.
PMID 35926128 — Original auf PubMed →
Von oxidativem Stress zu männlicher Unfruchtbarkeit: Übersicht zu endokrinen Disruptoren (Bisphenole, Phthalate, Parabene) und menschlicher Spermaqualität (2022)
Virant-Klun I, et al. — Antioxidants (Basel, Switzerland) · Endokrine Disruptoren
Narrative Literaturübersicht (elektronische PubMed-Recherche, 25 eingeschlossene Artikel) zu endokrin wirksamen Chemikalien (EDCs) - Bisphenolen, Phthalaten und Parabenen - und deren Zusammenhang mit oxidativem Stress und männlicher Spermaqualität. Ergebnisse: Höhere Bisphenol-Konzentrationen im Urin korrelierten mit verschlechterter Spermaqualität und vermehrten DNA-Schäden. Für Phthalate und ihre Metaboliten fand sich in allen berücksichtigten Studien eine positive Assoziation zwischen Urinkonzentration und mindestens einem verminderten Spermaparameter, teils auch DNA-Schäden. Für Parabene war der Zusammenhang mit Spermienzahl, Motilität und DNA-Schäden seltener nachweisbar. Als Mechanismen werden vermehrte ROS-Bildung, Lipidperoxidation, gesteigerte Apoptose, epigenetische Veränderungen sowie eine veränderte Y:X-Spermien-Chromosomenratio diskutiert. Einordnung: Die Übersicht bestätigt vor allem für Bisphenol A und Phthalate schädliche Effekte auf Spermaqualität und DNA-Integrität, während die Evidenz für Parabene schwächer ausfällt.
PMID 36009337 — Original auf PubMed →
Spermaqualität nach langfristiger beruflicher Formaldehyd-Exposition in China (2022)
Lv MQ, et al. — JAMA network open · Umweltschadstoffe
Bevölkerungsbasierte Kohortenstudie aus Xi'an, China (Erhebung im Juni 2021). Stichprobe: 205 Männer im Alter von 23-40 Jahren, davon 124 beruflich formaldehydexponierte Arbeiter (mittlerer Expositionsindex FEI 73,72) und 81 altersgematchte Kontrollen. Methodik: Die Formaldehyd-Exposition wurde per Messgerät erfasst und als Expositionsindex (Konzentration × Arbeitszeit × kumulierte Arbeitstage) berechnet; die Spermaanalyse erfolgte computergestützt, ergänzt durch Chromatinstruktur-Test. Ergebnisse: Ein Anstieg des Expositionsindex um eine Einheit war mit signifikanten Verschlechterungen fast aller Parameter assoziiert, u. a. Gesamtmotilität (-0,99%), progressive Motilität (-0,99%), normale Morphologie (-0,98%), Seminalplasma-Zink (-0,61%) sowie einem Anstieg der DNA-Fragmentierung (+0,10%); die Zusammenhänge blieben nach Adjustierung signifikant. Subgruppenanalysen deuteten auf oxidativen Stress als verstärkenden Mechanismus hin. Einordnung: Dosis- und zeitabhängige Verschlechterung der Spermaqualität durch berufliche Formaldehyd-Exposition, vermutlich oxidativ vermittelt.
PMID 36069982 — Original auf PubMed →
Der Effekt von SSRI auf die Spermaqualität: Systematische Übersicht und Metaanalyse (2022)
Xu J, et al. — Frontiers in pharmacology · Hormone & Medikamente
Systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (Suche in PubMed und Embase). Eingeschlossen wurden 4 Studien mit insgesamt 222 männlichen Teilnehmern zur Wirkung selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) auf die Spermaqualität. Ergebnisse: Die SSRI-Einnahme war assoziiert mit reduzierter normaler Spermienmorphologie (p=0,002), verringerter Spermienkonzentration (p=0,02), verminderter Motilität (p=0,04) und erhöhtem DNA-Fragmentierungsindex (p=0,0002); kein signifikanter Effekt zeigte sich beim Samenvolumen (p=0,89). Die Effekte auf Morphologie und Konzentration traten bereits innerhalb der ersten drei Monate der SSRI-Einnahme auf. Einordnung: Trotz kleiner Stichprobenzahl deutet die Metaanalyse auf einen negativen Effekt von SSRI-Antidepressiva auf mehrere Spermaparameter hin; die Autoren fordern größere, randomisierte kontrollierte Studien zur Bestätigung, bevor klinische Konsequenzen für Männer mit Kinderwunsch gezogen werden können.
PMID 36188547 — Original auf PubMed →
Mütterliche PFAS-Exposition und männliche Reproduktionsfunktion im jungen Erwachsenenalter: Kombinierte Exposition gegenüber sieben PFAS (2022)
Hærvig KK, et al. — Environmental health perspectives · Endokrine Disruptoren
Prospektive Kohortenstudie (Fetal Programming of Semen Quality, FEPOS-Kohorte, Dänemark, 2017-2019). Stichprobe: 864 junge Männer (18,9-21,2 Jahre), deren mütterliche Blutplasmaproben aus dem ersten Trimenon auf 15 per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) untersucht wurden; 7 PFAS lagen bei über 80% der Proben über der Nachweisgrenze. Methodik: Weighted-Quantile-Sum-Regression für die kombinierte PFAS-Exposition, negative Binomialregression für Einzelsubstanzen, adjustiert für prä- und postnatale Risikofaktoren. Ergebnisse: Pro Einheit Anstieg des Belastungsindex war die kombinierte mütterliche PFAS-Exposition mit niedrigerer Spermienkonzentration (-8%), niedrigerer Gesamtspermienzahl (-10%) und höherem Anteil unbeweglicher/nicht-progressiver Spermien (+5%) beim erwachsenen Sohn assoziiert; Perfluorheptansäure trug trotz niedriger Konzentration am stärksten bei. Kein Zusammenhang mit Hodenvolumen oder Reproduktionshormonen. Einordnung: Hinweis auf eine fetale Programmierung der späteren Spermaqualität durch pränatale PFAS-Exposition; Replikation in weiteren Populationen wird gefordert.
PMID 36197086 — Original auf PubMed →
Antioxidanzien-Supplementierung bei Spermien-DNA-Fragmentierung und Spermaparametern: Systematische Übersicht und Metaanalyse (2022)
Noegroho BS, et al. — Turkish journal of urology · Supplements & Nährstoffe
Systematische Übersichtsarbeit (Datenbanken PubMed und ScienceDirect, unabhängige Sichtung durch zwei Reviewer) zur Wirkung von Antioxidanzien-Supplementen auf die Spermien-DNA-Fragmentierung. Eingeschlossen wurden 9 Studien. Ergebnisse: In 4 Studien zeigte sich eine statistisch signifikante Reduktion der DNA-Fragmentierung, in 5 weiteren eine nicht-signifikante Abnahme. Spermienkonzentration, Motilität und Morphologie verbesserten sich ebenfalls unter Supplementierung. Schwangerschaftsraten wurden in 3 Studien berichtet: in 2 Studien erhöht, in einer Studie vergleichbar mit Placebo. Einordnung: Die Autoren schließen, dass Antioxidanzien oxidativem Stress entgegenwirken und die Spermatogenese unterstützen können, erkennbar an sinkendem DNA-Fragmentierungsindex, verbesserten Standardparametern und teils höheren Schwangerschaftsraten - die Evidenzbasis bleibt jedoch heterogen und nicht in allen Endpunkten eindeutig positiv, sodass keine übertriebenen Erwartungen geweckt werden sollten.
PMID 36197144 — Original auf PubMed →
Gonadotropin-Behandlung des männlichen hypogonadotropen Hypogonadismus (2021)
Boeri L, Capogrosso P, Salonia A — Current pharmaceutical design · Hormone & Medikamente
Narrativer Übersichtsartikel zur medikamentösen Behandlung des hypogonadotropen Hypogonadismus (HH) beim Mann, einer angeborenen oder erworbenen Störung von Hypothalamus/Hypophyse mit niedrigem Testosteron bei inadäquat niedrigem bzw. normalem Gonadotropinspiegel. Bei bestehendem Kinderwunsch wird statt Testosteronersatz eine Gonadotropintherapie (meist humanes Choriongonadotropin hCG kombiniert mit FSH-Präparaten wie hMG, hpFSH oder rekombinantem FSH) oder GnRH-Substitution eingesetzt, um die Spermatogenese anzustoßen. Laut zitierter Literatur führt die Kombination aus hCG und FSH über 12-24 Monate bei nahezu allen Patienten zu Hodenwachstum, induziert bei etwa 80% eine Spermatogenese und erreicht Schwangerschaftsraten von rund 50%. Häufigste Nebenwirkung ist eine Gynäkomastie durch hCG-bedingt gesteigerte Aromatisierung zu Estradiol. Der Therapieerfolg ist höher bei postpubertärem HH-Beginn, fehlendem Hodenhochstand in der Vorgeschichte, größerem Ausgangshodenvolumen, wiederholten Therapiezyklen und höheren Inhibin-B-Spiegeln. Bei bis zu 10% der Patienten kann sich der Hypogonadismus spontan zurückbilden. Der Artikel fasst etablierte Therapieprinzipien und Erfolgsprädiktoren zusammen, liefert aber keine neuen Primärdaten.
PMID 32445446 — Original auf PubMed →
Männliche Adipositas, Spermienparameter und Reproduktionshormone: Aktualisiertes systematisches Review und Metaanalyse (2021)
Salas-Huetos A, Maghsoumi-Norouzabad L, James ER, Carrell DT, Aston KI, Jenkins TG, Becerra-Tomás N, Javid AZ, Abed R, Torres PJ, Luque EM, Ramírez ND, Martini AC, Salas-Salvadó J — Obesity reviews : an official journal of the International Association for the Study of Obesity · Gewicht & Sport
Umfassendes aktualisiertes systematisches Review mit Literatursuche in MEDLINE-PubMed und EMBASE bis Juni 2019; von 169 methodisch geeigneten Publikationen (mit geringem Bias-Risiko) wurden 60 für die qualitative und 28 für die quantitative Analyse (Metaanalyse) herangezogen. Übergewicht und/oder Adipositas waren mit reduzierter Spermaqualität assoziiert (Ejakulatvolumen, Spermienzahl und -konzentration, Vitalität, normale Morphologie) sowie mit veränderten Reproduktionshormonen (u. a. niedrigeres Inhibin B, Gesamttestosteron und SHBG, erhöhtes Estradiol). Die Metaanalyse bestätigte statistisch signifikant niedrigere Werte für Volumen, Spermienzahl, Konzentration, Vitalität, Gesamtmotilität und normale Morphologie bei Übergewichtigen/Adipösen; auch Untergewicht war mit schlechterer Spermienmorphologie assoziiert. Als eine der größten und methodisch strengsten Übersichtsarbeiten zu diesem Thema untermauert die Studie, dass sowohl Adipositas als auch Untergewicht mit verminderter Spermaqualität einhergehen, und unterstreicht die Bedeutung eines gesunden Körpergewichts für die männliche Fertilität.
PMID 32705766 — Original auf PubMed →
Das Sperma-Mikrobiom und sein Einfluss auf Spermienfunktion und männliche Fertilität: Systematisches Review und Metaanalyse (2021)
Farahani L, Tharakan T, Yap T, Ramsay JW, Jayasena CN, Minhas S — Andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review nach PRISMA-Kriterien mit Literatursuche in MEDLINE, OVID und PubMed (1992-2019); eingeschlossen wurden 55 Beobachtungsstudien mit insgesamt 51.299 Probanden, die Bakterien im Sperma fertiler und infertiler Männer mittels Next-Generation-Sequencing, Kultur oder PCR identifizierten. Das Sperma-Mikrobiom erwies sich als reich und divers; drei NGS-Studien zeigten eine Clusterbildung mit Lactobacillus- bzw. Prevotella-Dominanz. Lactobacillus war mit besseren Samenparametern assoziiert, Prevotella hingegen mit schlechterer Spermienqualität. Bakteriospermie insgesamt beeinträchtigte Spermienkonzentration, progressive Motilität und DNA-Fragmentationsindex (mittlere Differenz 3,518). Ureaplasma urealyticum war bei infertilen Männern häufiger nachweisbar (OR 2,25) und beeinträchtigte Konzentration und Morphologie; Enterococcus faecalis reduzierte die Gesamtmotilität, Mycoplasma hominis Konzentration, progressive Motilität und Morphologie, während Chlamydia trachomatis keinen Effekt zeigte. Die Autoren sehen im Sperma-Mikrobiom einen möglichen Ansatzpunkt für neue Therapien (z. B. Probiotika), betonen jedoch, dass die Evidenz insgesamt noch uneinheitlich ist.
PMID 32794312 — Original auf PubMed →
Effekt der Karenzzeit vor der Ejakulation auf Spermien-DNA-Fragmentierung und Schwangerschaftserfolg bei intrauteriner Insemination: Prospektive randomisierte Studie (2021)
Kabukçu C, Çil N, Çabuş Ü, Alataş E — Archives of gynecology and obstetrics · Messmethodik
Prospektive randomisierte Studie an 120 Paaren mit unerklärter Infertilität, die am zweiten Zyklustag in zwei Gruppen randomisiert wurden: Gruppe A mit einer Ejakulationskarenz von 1 Tag, Gruppe B mit der Standardkarenz von 3 Tagen vor intrauteriner Insemination (IUI) nach Stimulation mit Gonadotropinen. Primäre Endpunkte waren klinische Schwangerschaftsrate und Spermien-DNA-Fragmentierungsindex. Die Schwangerschaftsrate unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen (17,3% vs. 18,5%, p=0,803), ebenso wenig die DNA-Fragmentierungsrate (20,71% vs. 23,78%, p=0,187). Auch zwischen schwangeren und nicht-schwangeren Paaren zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der DNA-Fragmentierung (24,89% vs. 21,71%, p=0,288). Die Autoren schließen, dass eine verkürzte Karenzzeit von nur 1 Tag vor IUI ähnliche Ergebnisse liefert wie die konventionelle 3-tägige Karenz, was praktische Vorteile für die Terminplanung in der Kinderwunschbehandlung bieten könnte, ohne die Erfolgsaussichten zu beeinträchtigen.
PMID 32902676 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von ABVD- und BEACOPP-Chemotherapie auf die Fertilität junger Männer mit Hodgkin-Lymphom (2021)
Amin MSA, Brunckhorst O, Scott C, Wrench D, Gleeson M, Kazmi M, Ahmed K — Clinical & translational oncology : official publication of the Federation of Spanish Oncology Societies and of the National Cancer Institute of Mexico · Hormone & Medikamente
Systematisches Review (prospektiv bei PROSPERO registriert) von fünf Studien mit insgesamt 1344 Männern im Alter von 13-51 Jahren, die wegen eines Hodgkin-Lymphoms entweder mit dem ABVD-Schema (Doxorubicin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin) oder dem intensiveren BEACOPP-Schema (u. a. Bleomycin, Etoposid, Doxorubicin, Cyclophosphamid, Vincristin, Procarbazin, Prednisolon) behandelt wurden; verglichen wurden Spermienparameter, FSH und Inhibin B als Fertilitätsmarker. Sechs Monate nach ABVD zeigte sich eine deutliche Verschlechterung der Spermienzahl, die mit zunehmender Zyklenzahl weiter abnahm (p=0,05). Unter BEACOPP trat häufiger eine Oligospermie auf als unter ABVD, und Patienten mit 6-8 BEACOPP-Zyklen erholten ihre Spermiogenese in der Regel nicht mehr, während weniger Zyklen beider Regime die Erholungschancen erhöhten. Die Autoren schlussfolgern, dass ABVD die männliche Fertilität meist nur vorübergehend beeinträchtigt, BEACOPP hingegen häufig dauerhafte Schäden verursacht, und empfehlen, mit männlichen Patienten vor gonadotoxischer Chemotherapie routinemäßig Optionen zum Fertilitätserhalt zu besprechen.
PMID 32944834 — Original auf PubMed →
Spermiogramm und behandlungsassoziierte Risikofaktoren bei Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung im Kindesalter (2021)
Kruseová J, Černíková J, Zámečníková M, Křivnová L, Koloušková S, Čepelová M, Kabíčková E, Čapek V, Lukš A, Eckschlager T — Andrologia · Hormone & Medikamente
Vergleichende Studie an 143 Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung im Kindesalter (medianes Alter 23,6 Jahre) und 200 gleichaltrigen Kontrollen ohne Krebsanamnese (medianes Alter 27,9 Jahre), bei denen Spermiendichte, progressive Motilität und Ejakulatvolumen sowie Gonadotropinspiegel bestimmt und mit Krebstherapie und Endokrinstatus korreliert wurden. 65% der Überlebenden hatten ein auffälliges Spermiogramm gegenüber 26,5% der Kontrollen (p<0,0001); Überlebende ohne Aspermie hatten zudem eine niedrigere Spermiendichte als Kontrollen (p<0,001). Eine Behandlung mit alkylierenden Chemotherapeutika war signifikant mit einem auffälligen Spermiogramm assoziiert (p=0,008), ebenso erhöhte FSH- und LH-Werte (p<0,0001). Andere untersuchte Zusammenhänge erreichten keine Signifikanz. Die Autoren folgern, dass Krebsüberlebende im Kindesalter ein deutlich erhöhtes Risiko für therapieassoziierte Infertilität tragen, insbesondere nach alkylierender Chemotherapie, und dass erhöhte Gonadotropinspiegel als klinischer Hinweis auf ein gestörtes Spermiogramm dienen können. Eine entsprechende Aufklärung aller Krebsüberlebenden über mögliche Fertilitätsfolgen wird empfohlen.
PMID 33070396 — Original auf PubMed →
Wirksamkeit der Varikozelektomie zur Verbesserung der Spermien-DNA-Integrität: Eine Metaanalyse (2021)
Qiu D, Shi Q, Pan L — Andrologia · Genetik & Anatomie
Metaanalyse von 11 prospektiven Studien mit insgesamt 394 Patienten mit klinischer Varikozele. Die Autoren durchsuchten Medline/PubMed, Cochrane Library und OVID Embase bis Juni 2020 nach Studien, die den Spermien-DNA-Fragmentationsindex (DFI) vor und nach Varikozelektomie verglichen, und werteten die Daten mit Random- bzw. Fixed-Effect-Modellen aus. Im Random-Effect-Modell sank der DFI nach der Operation im Mittel um 5,79 Prozentpunkte (95%-KI -7,39 bis -4,19); nach Ausschluss einer Studie mit hoher statistischer Heterogenität ergab das Fixed-Effect-Modell einen Rückgang um 6,14 Prozentpunkte (95%-KI -6,90 bis -5,37). Die Ergebnisse belegen eine signifikante Verbesserung der Spermien-DNA-Integrität nach chirurgischer Varikozelenkorrektur. Die Autoren schlagen vor, einen erhöhten DFI künftig als zusätzlichen molekularen Indikator für die OP-Indikation bei klinischer Varikozele heranzuziehen. Einschränkend bleibt, dass Einzelstudien meist klein waren und deutliche Heterogenität zwischen den Studien bestand.
PMID 33118219 — Original auf PubMed →
Dreistündige Karenzzeit als Behandlung für hohe Spermien-DNA-Fragmentierung: eine prospektive Kohortenstudie (2021)
Dahan MH, Mills G, Khoudja R, Gagnon A, Tan G, Tan SL — Journal of Assisted Reproduction and Genetics · Messmethodik
Prospektive Kohortenstudie mit 112 Männern, die sich erstmals im Rahmen einer Infertilitätsabklärung einer Samenanalyse unterzogen. Jeder Teilnehmer lieferte zunächst eine Probe nach 3 Tagen sexueller Karenz und anschließend eine zweite Probe bereits 3 Stunden nach der ersten Ejakulation; die DNA-Fragmentierung (SDF) wurde mittels Halo-Test verblindet bestimmt. Der DFI sank im Mittel von 34,6% (±19,4) auf 23,7% (±16,0; p=0,0001); bei Männern mit initial hohem DFI (>35%) normalisierte sich der Wert bei 55% in den Referenzbereich. Ejakulatvolumen und Spermienkonzentration nahmen in der zweiten Probe erwartungsgemäß ab. Jüngeres Alter und die Einnahme von Antioxidantien sagten eine Verbesserung um mehr als 30% voraus. Andere Samenparameter veränderten sich klinisch nicht relevant, ebenso die ICSI-Rate. Die Autoren folgern, dass eine zweite Ejakulation nach kurzer Karenzzeit bei hoher SDF eine einfache, kostengünstige Option sein kann, die aufwendigere ART-Verfahren möglicherweise überflüssig macht.
PMID 33179134 — Original auf PubMed →
Seminale Infektion mit humanem Papillomavirus und Reproduktion: ein systematisches Review und Metaanalyse (2021)
Moreno-Sepulveda J, Rajmil O — Andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review und Metaanalyse nach PRISMA-Kriterien auf Basis von 50 Studien (Literatursuche in PubMed, MEDLINE, SCOPUS und Cochrane bis November 2019) zur seminalen Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) und deren Effekt auf männliche Fertilität. Die Prävalenz seminaler HPV-Infektion war bei infertilen Männern mit 20,9% deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung (8,2%), und HPV-Infektion war signifikant mit männlicher Infertilität assoziiert (OR 3,30; 95%-KI 1,87-5,84; adjustiert für weibliche Infertilität OR 3,02). HPV-positive Proben zeigten reduzierte progressive Motilität (Differenz -10,35 Prozentpunkte), niedrigere Morphologie-Scores (-2,46) und höhere DNA-Fragmentationsindizes (+7,24). Bei Paaren mit assistierter Reproduktion war das Fehlgeburtsrisiko erhöht (OR 5,13) und die Chance auf eine fortlaufende Schwangerschaft reduziert (OR 0,33). Die Autoren schließen auf einen relevanten, aber noch unzureichend erforschten Zusammenhang zwischen seminaler HPV-Infektion, Spermienqualität und Reproduktionsergebnissen und fordern weitere qualitativ hochwertige Studien.
PMID 33220146 — Original auf PubMed →
Spermien-mtDNA-Kopienzahl, Telomerlänge und seminale spermatogene Zellen in Bezug auf Luftverschmutzung: Ergebnisse einer Querschnittsstudie in der Region Jing-Jin-Ji, China (2021)
Zhou L, Li L, Hao G, Li B, Yang S, Wang N, Liang J, Sun H, Ma S, Yan L, Zhao C, Wei Y, Niu Y, Zhang R — Journal of Hazardous Materials · Umweltschadstoffe
Querschnittsstudie mit 423 Männern einer Fertilitätsklinik in Shijiazhuang, China. Die Luftschadstoffbelastung (PM2.5, PM10, CO, SO2, NO2, O3) über verschiedene Zeitfenster (0-90, 0-9, 10-14 und 70-90 Tage vor Probenentnahme) wurde per Kriging-Modell geschätzt und mittels multipler linearer Regression mit konventionellen Samenparametern, mitochondrialer DNA-Kopienzahl (mtDNAcn), Spermien-Telomerlänge (STL) und seminalen spermatogenen Zellen in Bezug gesetzt. CO, PM2.5 und PM10 waren negativ mit Spermienzahl, Motilität und Morphologie assoziiert. CO korrelierte zudem positiv mit primären Spermatozyten und mtDNAcn (z. B. Lag0-90: 0,37) und negativ mit STL (Lag0-9: -0,30); PM2.5 zeigte ein ähnliches Muster (mtDNAcn +0,50, STL -0,49). PM10 und NO2 waren ebenfalls positiv mit mtDNAcn assoziiert. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis, dass Kohlenmonoxid und Feinstaub die Spermatogenese sowohl testikulär als auch post-testikulär über mitochondriale Dysfunktion und Telomerverkürzung beeinträchtigen könnten.
PMID 33257117 — Original auf PubMed →
Samenqualität bei Überlebenden eines Non-Hodgkin-Lymphoms: eine monozentrische retrospektive Studie (2021)
Pallotti F, Pelloni M, Faja F, Di Chiano S, Di Rocco A, Lenzi A, Lombardo F, Paoli D — Human Reproduction · Grunderkrankungen & Infektionen
Monozentrische retrospektive Studie an 222 Männern mit Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), die sich zwischen 2002 und 2017 vor einer antineoplastischen Therapie einer Spermakryokonservierung unterzogen; mediane Nachbeobachtung 47,5 Monate (28-140). Samenparameter wurden vor Therapie (T0) und zu mehreren Nachsorgezeitpunkten (6 bis über 24 Monate) erfasst, ergänzt durch einen Fertilitätsfragebogen. Vor Therapie waren über 80% der Patienten normozoosperm. Standard-Erstlinientherapien zeigten einen günstigeren Verlauf als intensivierte Regime: Die Gesamtspermienzahl erholte sich nach 18 Monaten nahezu auf den Ausgangswert (195,0±189,8 vs. 113,4±103,1; p=0,278), die Azoospermie-Prävalenz nach 2 Jahren betrug 7,7%. Beckenbestrahlung erhöhte das Azoospermie-Risiko deutlich (OR 4,29). Nach Salvage-Therapie mit/ohne Stammzelltransplantation wurden zwei Drittel der Patienten azoosperm. 14 von 176 befragten Patienten wurden nach der Behandlung Väter. Die Autoren betonen die Bedeutung der Kryokonservierung vor jeder NHL-Therapie, da insbesondere intensivierte Regime bleibende Schäden der Spermatogenese verursachen können.
PMID 33257989 — Original auf PubMed →
Handy-Exposition bei Männern, Fekundabilität und Samenqualität: Ergebnisse zweier Präkonzeptions-Kohortenstudien (2021)
Hatch EE, Willis SK, Wesselink AK, Mikkelsen EM, Eisenberg ML, Sommer GJ, Sorensen HT, Rothman KJ, Wise LA — Human Reproduction · Strahlung & Bildschirmzeit
Zwei prospektive Präkonzeptions-Kohortenstudien (Dänemark, n=751; Nordamerika, n=2349), online rekrutiert zwischen 2012 und 2020. Männer gaben zu Studienbeginn an, wie viele Stunden täglich sie ein Mobiltelefon an welcher Körperstelle trugen; die Zeit bis zur Schwangerschaft wurde über bis zu 12 Monate mittels zweimonatlicher Fragebögen der Partnerinnen erfasst und mittels proportionaler Wahrscheinlichkeitsregression zu Fecundability Ratios (FR) ausgewertet; bei einer Teilstichprobe wurden Samenparameter per Heim-Testkit erhoben. Insgesamt zeigte sich kaum ein Zusammenhang zwischen dem Tragen des Handys in der vorderen Hosentasche und der Fekundabilität (FR 0,94; 95%-KI 0,83-1,05). Bei schlankeren Männern (BMI <25 kg/m²) fand sich jedoch ein inverser Zusammenhang (FR 0,72; 95%-KI 0,59-0,88), bei Männern mit BMI ≥25 kg/m² nicht (FR 1,05). Konsistente Assoziationen mit Samenvolumen, -konzentration oder -motilität ergaben sich nicht. Die Autoren mahnen zur Vorsicht wegen möglicher Fehlklassifikation der Handyexposition.
PMID 33564831 — Original auf PubMed →
Y-Chromosom-Mikrodeletionen: ein Review zu Prävalenz, Screening und klinischen Aspekten (2021)
Rabinowitz MJ, Huffman PJ, Haney NM, Kohn TP — The Application of Clinical Genetics · Genetik & Anatomie
Narratives Review zu Y-Chromosom-Mikrodeletionen (YCM), Deletionen innerhalb der männerspezifischen Region des Y-Chromosoms, die bei bis zu 5% schwer oligospermer und bis zu 10% azoospermer Männer nachweisbar sind. Je nach betroffenem Segment werden AZFa (proximal), AZFb (mittig) und AZFc (distal) unterschieden; die weltweite Prävalenz bei infertilen Männern schwankt je nach Region und Ethnie zwischen unter 2% und über 24%. AZFc-Deletionen sind am häufigsten und mit den besten Fertilitätschancen mittels assistierter Reproduktion verbunden, vermutlich durch kompensatorische autosomale DAZ-ähnliche Gene, während AZFa-, AZFb- oder kombinierte Deletionen mit sehr geringer Schwangerschaftswahrscheinlichkeit einhergehen. Die Autoren plädieren dafür, die Screening-Schwelle von bislang 5 Mio. Spermien/ml auf 1 Mio./ml zu senken, da YCM im Bereich 1-5 Mio./ml nur bei etwa 0,8% der Männer vorkommen. Über partielle Deletionen wie b1/b3, b2/b3 oder gr/gr ist laut Review bislang wenig bekannt.
PMID 33603438 — Original auf PubMed →
Effekt von Diclofenac auf die Samenqualität: ein Review (2021)
Banihani SA — Andrologia · Hormone & Medikamente
Narratives Review zum nichtsteroidalen Antirheumatikum (NSAR) Diclofenac und dessen Einfluss auf die Samenqualität, basierend auf einer Literatursuche in Scopus, Embase und PubMed von August 1987 bis November 2020. Es handelt sich um die erste zusammenfassende Übersicht zu diesem Thema, da bislang keine umfassende Sichtung der bereits publizierten Einzelstudien vorlag. Die zusammengetragenen Studien deuten übereinstimmend auf negative Effekte von Diclofenac auf sowohl qualitative als auch quantitative Spermienparameter hin. Als mögliche zugrunde liegende Mechanismen werden reduzierte Gonadenhormonspiegel, eine geschwächte antioxidative Abwehr, erhöhter oxidativer Stress, veränderte Stickstoffmonoxid-Konzentrationen sowie eine verminderte Prostaglandinsynthese diskutiert. Der Autor betont jedoch ausdrücklich, dass diese Schlussfolgerung überwiegend auf tierexperimentellen bzw. In-vitro-Daten beruht und durch belastbare Humanstudien noch bestätigt werden muss. Angesichts der weiten Verbreitung von Diclofenac als rezeptfreies/verschreibungspflichtiges Schmerzmittel liefert das Review einen begründeten Anlass für weitere klinische Forschung bei Männern mit Kinderwunsch.
PMID 33650710 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen humaner Papillomavirus-Infektion und Spermienqualität: ein systematisches Review und eine Metaanalyse (2021)
Wang S, Liu L, Zhang A, Song Y, Kang J, Liu X — Andrologia · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review und Metaanalyse mit 17 eingeschlossenen Studien zur Assoziation zwischen humaner Papillomavirus (HPV)-Infektion im Ejakulat und Spermienqualität, basierend auf einer Suche in PubMed, MEDLINE, EMBASE, Web of Science, Cochrane Library, WanFang und der China National Knowledge Infrastructure. Die Metaanalyse zeigte, dass eine seminale HPV-Infektion signifikant mit reduzierter Spermienkonzentration (SMD -0,12; 95%-KI -0,21 bis -0,03; p=0,009), verminderter Motilität (SMD -0,55; p<0,001), geringerer Vitalität (SMD -0,55; p<0,001) und schlechterer Morphologie (SMD -0,34; p=0,015) assoziiert war. Eine Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen (HrHPV) reduzierte die Spermienzahl zusätzlich signifikant stärker als eine Infektion mit Niedrigrisiko-Typen (SMD -0,65; 95%-KI -1,11 bis -0,18; p=0,007). Die Ergebnisse bestätigen und ergänzen eine weitere in dieser Datenbank enthaltene Metaanalyse zur seminalen HPV-Infektion und untermauern den Zusammenhang zwischen HPV, insbesondere Hochrisikotypen, und einer messbaren Verschlechterung mehrerer Spermienqualitätsparameter.
PMID 33666259 — Original auf PubMed →
Mütterliche berufliche Exposition gegenüber endokrinen Disruptoren während der Schwangerschaft und Samenparameter im Erwachsenenalter: Ergebnisse einer landesweiten Querschnittsstudie an Schweizer Rekruten (2021)
Istvan M, Rahban R, Dananche B, Senn A, Stettler E, Multigner L, Nef S, Garlantézec R — Human Reproduction · Endokrine Disruptoren
Landesweite Querschnittsstudie an 1737 Schweizer Rekruten im Alter von 18 bis 22 Jahren (2005-2017), bei denen neben einer Samenprobe auch Fragebögen von Rekruten und Eltern erhoben wurden; bei 1045 Müttern war während der Schwangerschaft eine Berufstätigkeit dokumentiert. Die mütterliche berufliche Exposition gegenüber potenziellen endokrinen Disruptoren (EDC) während der Schwangerschaft wurde über eine Job-Expositions-Matrix (JEM) kategorisiert und mittels logistischer Regression, adjustiert für Confounder, mit den Samenparametern der erwachsenen Söhne in Beziehung gesetzt. Mütterliche Exposition gegenüber Pestiziden (OR 2,07 für niedriges Volumen, OR 2,14 für niedrige Gesamtspermienzahl), Phthalaten (OR 1,92 bzw. 1,89) und Schwermetallen (OR 2,02 bzw. 2,29) war mit reduziertem Samenvolumen und Gesamtspermienzahl der Söhne assoziiert; Schwermetallexposition ging zusätzlich mit niedrigerer Spermienkonzentration einher (OR 1,89). Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf mögliche transgenerationale Effekte pränataler EDC-Exposition, betonen jedoch die Limitationen durch indirekte Expositionsschätzung und Querschnittsdesign.
PMID 33729457 — Original auf PubMed →
Psychopharmaka-Spiegel im Seminalplasma: eine neue Methode zum Therapeutischen Drug Monitoring? (2021)
Mazzilli R, Curto M, De Bernardini D, Olana S, Capi M, Salerno G, Cipolla F, Zamponi V, Santi D, Mazzilli F, Simmaco M, Lionetto L — Frontiers in Endocrinology · Hormone & Medikamente
Observationsstudie an 20 Männern mit idiopathischer bzw. unerklärter Infertilität unter mindestens dreimonatiger Psychopharmakotherapie (6 Antidepressiva, 4 Benzodiazepine, 10 Antipsychotika) sowie 10 unbehandelten fertilen Kontrollen. Ziel war die Entwicklung und Validierung einer LC-MS/MS-Methode zur Bestimmung von Psychopharmaka-Wirkstoffen und deren Metaboliten im Seminalplasma (Therapeutisches Drug Monitoring, TDM) sowie die Untersuchung möglicher gonadotoxischer Effekte mittels andrologischer Untersuchung und Samenanalyse. In allen Proben waren Wirkstoffe/Metaboliten nachweisbar; Alprazolam, Olanzapin und Levetiracetam zeigten im Seminalplasma ähnliche Konzentrationen wie im Serum, während Fluoxetin, Quetiapin und Aripiprazol im Ejakulat deutlich niedriger als im therapeutischen Serumbereich lagen. Die progressive Spermienmotilität war unter Psychopharmakotherapie insgesamt signifikant reduziert (p=0,03), besonders ausgeprägt unter Antipsychotika, die zusätzlich mit niedrigerer Spermienkonzentration einhergingen (p<0,05). Die Autoren sehen in der validierten Methode ein mögliches neues Instrument für das klinische Management reduzierter Fertilität unter Psychopharmakotherapie, weisen aber auf die kleine Stichprobe hin.
PMID 33776918 — Original auf PubMed →
Aktueller Forschungsstand zum Effekt von Mobiltelefonstrahlung auf die Spermienqualität: ein aktualisiertes systematisches Review und Metaanalyse von Human- und Tierstudien (2021)
Yu G, Bai Z, Song C, Cheng Q, Wang G, Tang Z, Yang S — Environmental Pollution · Strahlung & Bildschirmzeit
Aktualisiertes systematisches Review und Metaanalyse zu Effekten von Mobiltelefonstrahlung auf die Spermienqualität, basierend auf 39 Studien (Human- und Tierstudien) aus MEDLINE/PubMed, Embase, Web of Science, CENTRAL und ClinicalTrials.gov bis Dezember 2020, inklusive Subgruppen-, Sensitivitäts- und Publikationsbias-Analysen. Die gepoolten Ergebnisse humaner Querschnittsstudien zeigten insgesamt keine generelle Assoziation zwischen Handynutzung und verschlechterter Spermienqualität; in Osteuropa und Westasien korrelierte Handynutzung jedoch mit reduzierter Spermiendichte und -motilität. In-vitro-Exposition reifer menschlicher Spermien gegenüber Radiofrequenzstrahlung (RF-EMR) verringerte Motilität und Vitalität; Tierstudien zeigten konsistent verminderte Spermienmotilität, -vitalität und teils -dichte, besonders bei älteren oder während der Exposition fixierten (restrainierten) Nagern. Unterschiede in Alter, Modellierungsmethode, Expositionsgerät und -dauer erklärten die Heterogenität zwischen Tierstudien. Beim Menschen bleibt die Evidenz uneinheitlich, während In-vitro- und Tiermodelle robustere negative Effekte zeigen; die Autoren fordern standardisierte Expositionskriterien für künftige Forschung.
PMID 33862271 — Original auf PubMed →
Bewertung des Effekts von Schichtarbeit und Schlafqualität auf Samenparameter bei Männern in einer Infertilitätsklinik (2021)
Demirkol MK, Yıldırım A, Gıca Ş, Doğan NT, Resim S — Andrologia · Alter, Stress & Schlaf
Vergleichende Querschnittsstudie an 220 Männern einer Infertilitätsklinik, unterteilt in 104 Schichtarbeiter und 116 Nicht-Schichtarbeiter. Verglichen wurden Samenparameter sowie Werte der Depression-Angst-Stress-Skala (DASS-21) und des Pittsburgh-Schlafqualitätsindex (PSQI); eine logistische Regression untersuchte Prädiktoren für Oligozoospermie. Schichtarbeiter zeigten häufiger eine Oligozoospermie, häufiger eine schlechte Schlafqualität und einen niedrigeren Anteil normal geformter Spermien (p=0,006, p=0,039 bzw. p=0,036). Es fand sich eine positive Korrelation zwischen Schlafdauer und Spermienkonzentration sowie eine negative Korrelation zwischen Einschlaflatenz und Gesamtspermienzahl. Schichtarbeit in Kombination mit hohem PSQI-Score war auch nach Adjustierung für Alter, Testosteron, Stress-Score, Rauchen und Varikozele unabhängig mit Oligozoospermie assoziiert (OR 2,11 bzw. OR 1,18 pro PSQI-Punkt). Die Autoren folgern, dass Schichtarbeit über eine Störung des zirkadianen Rhythmus und der Schlafqualität die Spermienqualität bei infertilen Männern negativ beeinflusst.
PMID 33978248 — Original auf PubMed →
Effekt der Varikozelektomie auf die Spermien-DNA-Fragmentierung bei infertilen Männern mit klinischer Varikozele: ein systematisches Review und Metaanalyse (2021)
Lira Neto FT, Roque M, Esteves SC — Fertility and Sterility · Genetik & Anatomie
Systematisches Review und Metaanalyse von 19 Studien mit insgesamt 1070 Patienten zur Wirkung der Varikozelektomie auf die Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF) bei infertilen Männern mit klinischer Varikozele. Literatursuche in PubMed/Medline, EMBASE, Cochrane, Scielo und Google Scholar bis Januar 2021; Auswertung mittels gewichteter Mittelwertdifferenzen (WMD) im Random-Effects-Modell sowie Subgruppenanalysen nach SDF-Testverfahren, OP-Technik, präoperativem SDF-Niveau und Varikozelegrad. Die Varikozelektomie war mit einer Reduktion des postoperativen SDF-Werts um durchschnittlich 7,23 Prozentpunkte assoziiert (95%-KI -8,86 bis -5,59; I²=91%), entsprechend einer moderaten Effektstärke (Cohen's d=0,68). Der Effekt war bei präoperativ erhöhtem SDF stärker ausgeprägt als bei normalen Ausgangswerten; eine Metaregression zeigte, dass der SDF-Rückgang proportional zum präoperativen Ausgangswert war (Koeffizient 0,23). Die Ergebnisse waren über verschiedene SDF-Testmethoden und Operationstechniken hinweg konsistent und bestätigen, übereinstimmend mit einer weiteren in dieser Datenbank enthaltenen Metaanalyse, die Wirksamkeit der Varikozelektomie zur Verbesserung der Spermien-DNA-Integrität.
PMID 33985792 — Original auf PubMed →
Beeinflusst Adipositas gemessen am Body-Mass-Index die Samenqualität? Eine Metaanalyse und systematisches Review an der Allgemeinbevölkerung statt an Infertilitätspatienten (2021)
Wang S, Sun J, Wang J, Ping Z, Liu L — Andrologia · Gewicht & Sport
Systematisches Review und Metaanalyse, die bewusst nicht an bereits diagnostizierten Infertilitätspatienten, sondern an adipösen Männern der Allgemeinbevölkerung durchgeführt wurde, um eine Verzerrung durch bestehende Fertilitätsprobleme zu vermeiden. Ausgewertet wurden mittels standardisierter Mittelwertdifferenzen (SMD) mehrere Samenparameter im Vergleich zu normalgewichtigen Männern. Adipositas zeigte keinen signifikanten Effekt auf Spermienkonzentration (SMD -0,15; 95%-KI -0,32 bis 0,02; p=0,088) oder den Anteil morphologisch normaler Spermien (SMD -0,17; p=0,487). Signifikant reduziert waren jedoch das Ejakulatvolumen (SMD -0,32; p=0,002), die Gesamtspermienzahl (SMD -0,77; p=0,005), der Anteil progressiv motiler Spermien (SMD -0,95; p=0,014) sowie die Vitalität (SMD -0,812; p=0,027). Die Autoren folgern, dass Adipositas die Spermienqualität in bestimmten Parametern (v.a. Volumen, Gesamtzahl, Motilität, Vitalität) auch außerhalb selektierter Infertilitätskollektive beeinträchtigt und normales Körpergewicht daher einen sinnvollen Ansatzpunkt zur Verbesserung der männlichen Fertilität darstellen könnte.
PMID 34028074 — Original auf PubMed →
Untersuchung von Sexualhormonprofil und Samenparametern bei männlichen Akromegalie-Patienten (2021)
Yilmaz MK, Sulu C, Ozkaya HM, Kadioglu A, Ortac M, Kadioglu P — Journal of Endocrinological Investigation · Hormone & Medikamente
Vergleichende Querschnittsstudie mit 24 Patienten mit aktiver Akromegalie, 22 Patienten in Remission, 10 Patienten mit nicht-funktionellem Hypophysenadenom (NFA) und 10 gesunden Kontrollen. Verglichen wurden Gesamt- und bioverfügbares Testosteron sowie Samenparameter zwischen den Gruppen in Abhängigkeit von der Krankheitsaktivität. Alle Patienten mit Hypophysenerkrankung hatten niedrigere Testosteronwerte als gesunde Kontrollen; Patienten mit aktiver Akromegalie zeigten die stärksten Beeinträchtigungen von Testosteron und Samenqualität im Vergleich zu Kontrollen und NFA-Patienten. Auch Patienten in Remission wiesen weiterhin Restbeeinträchtigungen bei Samenqualität und Testosteron auf. NFA-Patienten hatten die niedrigsten bioverfügbaren Testosteronwerte, gefolgt von aktiver und remittierter Akromegalie. Steigende Wachstumshormon(GH)-Spiegel korrelierten mit stärker beeinträchtigter Samenqualität und Androgenkonzentration. Die Autoren folgern, dass ein Wachstumshormonüberschuss die reproduktive Achse und Samenqualität beeinträchtigt und sich diese Schäden nach Erreichen einer Krankheitskontrolle nicht immer vollständig zurückbilden, weshalb Kliniker bei Akromegalie-Patienten auf mögliche Fertilitätseinschränkungen achten sollten.
PMID 34050506 — Original auf PubMed →
Umwelt- und berufliche Expositionen im Zusammenhang mit männlicher Infertilität (2021)
Marić T, Fučić A, Aghayanian A — Arhiv za higijenu rada i toksikologiju · Beruf & globale Trends
Systematisches Literaturreview basierend auf einer Suche in PubMed, Scopus und Web of Science für Publikationen zwischen Januar 2000 und September 2020 zu Umwelt- und beruflichen Expositionen im Zusammenhang mit männlicher Infertilität. Die Autoren stellen fest, dass der Anstieg männlicher Infertilität über die letzten zwei Jahrzehnte durch chronische Erkrankungen und genetische bzw. hereditäre Faktoren allein nur teilweise erklärbar ist. Gut dokumentierte Faktoren umfassen Rauchen sowie chronische Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes, die ihrerseits Lifestyle und Umweltexposition widerspiegeln können, insbesondere gegenüber endokrinen Disruptoren (ED) wie Phthalaten, Bisphenolen, Pestiziden und Flammschutzmitteln. Die Autoren kritisieren, dass arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen und Überwachungsprogramme bislang keine Daten zu männlicher Infertilität erheben, obwohl ED-Chemikalien in zahlreichen technologischen Prozessen zum Einsatz kommen, und dass insgesamt zu wenige Studien zur Ätiologie männlicher Infertilität im Verhältnis zur betroffenen Bevölkerungsgröße vorliegen. Die Arbeit ist ein Aufruf zu besserer Datenlage und arbeitsmedizinischer Überwachung bezüglich endokriner Disruptoren am Arbeitsplatz.
PMID 34187108 — Original auf PubMed →
Vergleichende Studie zu den Effekten von Valproat und Oxcarbazepin auf Sexualfunktion, Samenqualität und Sexualhormone bei Männern mit Epilepsie (2021)
Guo Y, Chen L, Wu D, Yu L, Sun H, Zhu Q — BioMed Research International · Hormone & Medikamente
Vergleichende prospektive Studie an 44 jungen Männern mit neu diagnostizierter Epilepsie (23 unter Valproat/VPA, 21 unter Oxcarbazepin/OXC) sowie 30 altersgematchten gesunden Kontrollen. Erfasst wurden Sexualfunktion mittels International Index of Erectile Function (IIEF-5), Samenqualität und Sexualhormonspiegel vor Behandlungsbeginn sowie nach 6 Monaten Monotherapie. Sexualfunktion, Samenqualität sowie Heirats- und Fertilitätsraten waren bei den Epilepsiepatienten insgesamt niedriger als bei gesunden Kontrollen. Nach 6-monatiger VPA-Behandlung war die Samenqualität der jungen Männer signifikant reduziert. Unter OXC-Behandlung stieg lediglich der follikelstimulierende Hormonspiegel (FSH) an, ohne dass sich Sexualfunktion oder Samenqualität verschlechterten. Die Autoren folgern, dass Valproat im Gegensatz zu Oxcarbazepin einen negativen Effekt auf die Spermienqualität bei jungen epilepsiekranken Männern hat, während die Sexualfunktion durch keines der beiden Präparate signifikant beeinträchtigt wird. Diese Erkenntnis ist relevant für die Wahl des Antiepileptikums bei Männern mit Kinderwunsch.
PMID 34285917 — Original auf PubMed →
Auswirkungen der Handynutzung auf die Spermienqualität – keine zeitabhängige Beziehung: Systematisches Review und aktualisierte Metaanalyse (2021)
Kim S, et al. — Environmental research · Strahlung & Bildschirmzeit
Systematisches Review mit aktualisierter Metaanalyse nach PRISMA-Leitlinien, das 18 Studien mit insgesamt 4280 Proben einschloss. Untersucht wurde, ob die Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Wellen (RF-EMW) durch Mobiltelefone die Spermienqualität beeinflusst, gemessen an Motilität, Vitalität und Konzentration – den in der Klinik gebräuchlichsten Fertilitätsparametern. Die gepoolten Daten zeigten eine Assoziation zwischen Handynutzung und reduzierter Spermienmotilität, -vitalität und -konzentration, wobei sich dieser Zusammenhang konsistent sowohl in In-vitro-Experimenten als auch in Beobachtungsstudien am Menschen (in vivo) zeigte. Bemerkenswert ist, dass die Verschlechterung der Spermienqualität nicht signifikant mit zunehmender Nutzungsdauer zunahm, also kein klarer Dosis-Wirkungs-Zusammenhang nachweisbar war. Die Autoren schließen daraus, dass Handystrahlung der Spermienqualität schaden kann, fordern aber weitere Studien zu aktuellen Gerätegenerationen, da sich Sendeleistung und Nutzungsmuster seit den ausgewerteten Primärstudien verändert haben.
PMID 34333014 — Original auf PubMed →
Beeinflussen Umwelt- und berufliche Exposition gegenüber Pyrethroiden und Organophosphaten die menschlichen Samenparameter? Ergebnisse eines systematischen Reviews und einer Metaanalyse (2021)
Giulioni C, et al. — Andrologia · Umweltschadstoffe
Systematisches Review mit Metaanalyse zum Einfluss von Umwelt- und Berufsexposition gegenüber Pyrethroiden und Organophosphaten (beides Insektizidklassen) auf menschliche Samenparameter, basierend auf Kohorten- bzw. Querschnittsstudien aus MEDLINE, Scopus und Web of Science. Für Pyrethroide wurden 7 Querschnittsstudien identifiziert, 4 davon metaanalysiert; einzig die normale Spermienmorphologie war signifikant reduziert (gewichtete mittlere Differenz, WMD, -7,61 %; 95%-KI -11,92 bis -3,30; p=0,005), andere Parameter blieben unbeeinflusst. Für Organophosphate wurden 9 Studien identifiziert, 6 metaanalysiert; hier zeigten sich signifikante Reduktionen bei Ejakulatvolumen (-0,47 ml), Spermienzahl (-40,03 Millionen) und Spermienkonzentration (-13,69 ×10⁶/ml), während die Motilität nur tendenziell (-5,70 %, p=0,12) abnahm. Die Autoren folgern, dass Pyrethroide trotz erhöhter Morphologieauffälligkeiten nicht eindeutig mit verminderter Samenqualität insgesamt assoziiert sind, wohingegen die negative Beziehung zwischen Organophosphat-Exposition und Spermatogenese deutlicher und klinisch relevanter erscheint.
PMID 34410018 — Original auf PubMed →
Faktoren, die männliche Infertilität beeinflussen: Ein systematisches Review (2021)
Jafari H, et al. — International journal of reproductive biomedicine · Sonstiges
Systematisches Review zu Risikofaktoren männlicher Infertilität in der iranischen Bevölkerung. Nach einer Literatursuche ohne Zeitbegrenzung bis April 2020 in mehreren Datenbanken (u. a. PubMed, Google Scholar) wurden aus ursprünglich 691 Treffern 14 Studien mit insgesamt 26.324 infertilen Männern eingeschlossen. Eine quantitative Metaanalyse wurde nicht durchgeführt, stattdessen wurden die berichteten Einflussfaktoren deskriptiv zusammengetragen. Am häufigsten genannt wurden Samenanomalien und Varikozele bzw. Hodenerkrankungen, gefolgt von Rauchen, Hitzeexposition, Adipositas, anabolen Steroiden, Gefäßanomalien, bestimmten Medikamenten (u. a. Antidepressiva, Ranitidin, Cimetidin), urogenitalen Infektionen/Erkrankungen, beruflichen Faktoren, Alkohol, chronischen Erkrankungen, sexuellen Funktionsstörungen sowie genetischen Faktoren und Herpesinfektionen. Die Autoren stellen fest, dass die in Iran identifizierten Faktoren weitgehend mit denen anderer Länder übereinstimmen, und schlagen vor, diese Übersicht als Grundlage für regionale Präventions- und Managementstrategien bei männlicher Infertilität zu nutzen.
PMID 34568728 — Original auf PubMed →
Einfluss des Obst- und Gemüsekonsums auf antioxidativen Status und Samenqualität: Eine Querschnittsstudie bei erwachsenen Männern (2021)
Madej D, et al. — Frontiers in nutrition · Ernährung
Querschnittsstudie an 90 Männern im Alter von 18-40 Jahren zum Zusammenhang zwischen Obst- und Gemüsekonsum, antioxidativem Status und Samenqualität. Der Verzehr wurde per 3-Tage-Ernährungsprotokoll erfasst; die Samenanalyse (Konzentration, Vitalität, Motilität, Morphologie, Leukozyten) erfolgte computerunterstützt (CASA), ergänzt durch Messung der Gesamtantioxidationskapazität (TAC) in Samen und Blut sowie weiterer antioxidativer Enzyme (SOD, GPx, Katalase, Glutathionreduktase) und Malondialdehyd. Ein höherer Obst-/Gemüsekonsum korrelierte positiv mit Spermienkonzentration, Vitalität, Motilität sowie mit TAC in Samen und Blut und SOD-Aktivität. TAC im Samen war zudem positiv mit der Motilität und invers mit Schwanzdefekten der Spermien assoziiert. Männer im obersten Konsumquartil (≥734 g/Tag) hatten in multivariaten Modellen die höchste Spermienkonzentration, Vitalität, Motilität und TAC sowie die niedrigste Malondialdehyd-Konzentration im Blut. Die Autoren folgern, dass ein hoher Obst- und Gemüsekonsum über eine Verbesserung des antioxidativen Status ausgewählte Samenqualitätsparameter positiv beeinflussen kann; kausale Aussagen sind aufgrund des Querschnittsdesigns jedoch nicht möglich.
PMID 34722613 — Original auf PubMed →
Wie erfolgreich ist die chirurgische Spermiengewinnung beim Klinefelter-Syndrom? (2021)
Kailash Y, et al. — Frontiers in reproductive health · Genetik & Anatomie
Narrative Übersichtsarbeit zum Klinefelter-Syndrom (KS, überzähliges X-Chromosom, Erstbeschreibung 1942), der häufigsten chromosomalen Ursache für Azoospermie (über 10% der Fälle). Zusammengefasst werden Erfolgsraten chirurgischer Verfahren zur Spermiengewinnung (konventionelle TESE und mikrochirurgische TESE) mit anschließender ICSI. Ergebnisse: Bei nicht-mosaikartigem KS sind die Erfolgsraten der Spermiengewinnung mit denen von Männern mit normalem Karyotyp vergleichbar, mit berichteten Retrieval-Raten von bis zu 55%. Als wichtigster Einzelfaktor für den Erfolg wird das Alter des Patienten identifiziert; auch Aneuploidierate, körperliche Merkmale, Komorbiditäten, endokrines Gleichgewicht, Hormontherapie sowie OP-Technik und Erfahrung des Teams beeinflussen das Ergebnis. Eine 'Rescue'-mikro-TESE nach zuvor erfolgloser TESE kann in Kombination mit Hormonstimulation erfolgreich sein. Einordnung: Bestätigt mikro-TESE/ICSI als wirksame Fertilitätsoption bei KS, mit dem Patientenalter als entscheidendem prognostischem Faktor.
PMID 36303963 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Leukozytospermie, reproduktivem Erfolg nach assistierter Reproduktion und Spermienparametern: systematische Übersicht und Meta-Analyse von Fall-Kontroll-Studien (2020)
Castellini C et al. — Andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse von 28 retrospektiven Fall-Kontroll-Studien zum Zusammenhang zwischen Leukozytospermie (≥1×10⁶ Leukozyten/ml Ejakulat gemäß WHO) und Fertilitätsergebnissen. Methodik: Literatursuche in MEDLINE und SCOPUS bis Juni 2018; Vergleich von Spermienparametern sowie Fertilisierungs- bzw. Schwangerschaftsraten nach assistierter Reproduktion (ART) zwischen Männern mit und ohne Leukozytospermie mittels gepoolter standardisierter Mittelwertdifferenzen (SMD) und Odds Ratios. Ergebnisse: Fertilisierungs- und Schwangerschaftsraten nach ART unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Leukozytospermische Proben zeigten eine geringfügig niedrigere Spermienkonzentration (SMD −0,14; 95%-KI −0,28 bis −0,01) bei hoher Heterogenität (I²=71%); dieser Unterschied verschwand jedoch, wenn nur Studien mit explizitem Ausschluss klinischer Genitaltraktinfektionen betrachtet wurden. Einordnung: Leukozytospermie bei asymptomatischen subfertilen Männern ohne nachgewiesene Infektion ist nicht eindeutig mit schlechterer Spermienqualität oder geringerem ART-Erfolg assoziiert; die Autoren empfehlen eine Überarbeitung der klinischen Diagnosekriterien.
PMID 31250986 — Original auf PubMed →
Effekt von Antidepressiva auf Spermienparameter und männliche Fertilität (2020)
Beeder LA, Samplaski MK — International journal of urology · Hormone & Medikamente
Narrativer Übersichtsartikel zu den Effekten von Antidepressiva auf Spermienqualität und männliche Fertilität, basierend auf In-vitro-, Tier- und Humanstudien. Inhalt: Der Großteil der verfügbaren Studien betrifft selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), die die Spermienqualität negativ beeinflussen können. Besonders gut untersucht ist Fluoxetin, das mit gonadotoxischen Effekten wie verringerter Spermienkonzentration und -motilität, erhöhter DNA-Fragmentierung und reduziertem Gewicht der Reproduktionsorgane assoziiert wurde; ähnliche Ergebnisse zeigten sich für weitere SSRI. Die Effekte scheinen reversibel zu sein. Zu Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern, Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmern, trizyklischen Antidepressiva, MAO-Hemmern und atypischen Antidepressiva liegen nur spärliche, uneinheitliche und widersprüchliche Daten vor. Einordnung: Angesichts der weit verbreiteten und oft langfristigen Einnahme von Antidepressiva besteht deutlicher Bedarf an weiterer Forschung zu deren Einfluss auf Spermienqualität und männliche Fertilität, insbesondere jenseits der SSRI-Klasse.
PMID 31542895 — Original auf PubMed →
Randomisierte, placebokontrollierte Studie zum Effekt von Lactolycopin auf die Spermienqualität bei gesunden Männern (2020)
Williams EA et al. — European journal of nutrition · Supplements & Nährstoffe
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie (RCT) mit 60 gesunden männlichen Teilnehmern, von denen 56 die 12-wöchige Intervention abschlossen. Methodik: Tägliche Einnahme von 14 mg Lactolycopin oder Placebo über 12 Wochen; primärer Endpunkt war die Veränderung der Konzentration beweglicher Spermien, sekundäre Endpunkte weitere Spermienqualitätsparameter einschließlich Spermien-DNA-Schäden; Plasma-Lycopinspiegel wurden zur Compliance-Kontrolle gemessen. Ergebnisse: Der primäre Endpunkt (Konzentration beweglicher Spermien) verfehlte knapp die Signifikanz (p=0,058); jedoch verbesserten sich der Anteil schnell progressiv beweglicher Spermien (p=0,006) und der Anteil normal geformter Spermien (p<0,001) signifikant unter Lactolycopin gegenüber Placebo. Einordnung: 14 mg/Tag Lactolycopin über 12 Wochen verbessert bei gesunden jungen Männern Spermienmotilität und -morphologie, wenn auch der primäre Endpunkt formal nicht erreicht wurde — eine gut verträgliche Nahrungsergänzung mit potenziell positivem Effekt auf die Spermienqualität.
PMID 31591650 — Original auf PubMed →
Prädiktive Faktoren für die Spermiengewinnung bei Männern mit Azoospermie im Rahmen der testikulären Spermienextraktion (TESE) (2020)
Pavan-Jukic D et al. — Systems biology in reproductive medicine · Genetik & Anatomie
Prospektive klinische Studie mit 64 infertilen Männern mit obstruktiver Azoospermie (OA), nicht-obstruktiver Azoospermie (NOA), Klinefelter-Syndrom (KS) oder Kryptozoospermie. Methodik: Erfassung von Alter, BMI, Begleiterkrankungen, Hodenvolumen sowie Serumhormonen (FSH, LH, Testosteron, Prolaktin) vor testikulärer Spermienextraktion (TESE); Vergleich TESE-positiver und -negativer Fälle. Ergebnisse: Das Durchschnittsalter betrug 36,8 Jahre, die TESE-Erfolgsrate lag bei 50,0%. 83,9% hatten einen normalen 46,XY-Karyotyp; alle 5 Männer mit Klinefelter-Syndrom waren TESE-negativ. Es zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede bei Alter, Hodenvolumen, Varikozele, Mikrokalzifikationen oder Hormonwerten zwischen TESE-positiven und -negativen Männern. Rauchen war der einzige unabhängige Faktor, der ein negatives TESE-Ergebnis vorhersagte (OR=0,269; p=0,045). Einordnung: Klassische klinische und hormonelle Parameter sagen den Erfolg der Spermiengewinnung bei Azoospermie kaum voraus; in dieser kleinen Stichprobe erwies sich Rauchen als einziger signifikanter Risikofaktor für ein negatives TESE-Ergebnis, was auf einen zusätzlich schädigenden Effekt von Tabakkonsum bei bereits eingeschränkter Spermatogenese hindeutet.
PMID 31687848 — Original auf PubMed →
Randomisierte Studie zu den Effekten einer Folsäure- und Zink-Supplementierung auf männliche Fertilität und Lebendgeburtenrate: Studiendesign und Ausgangscharakteristika (2020)
Schisterman EF et al. — American journal of epidemiology · Supplements & Nährstoffe
Beschreibung des Studiendesigns und der Baseline-Charakteristika einer multizentrischen, doppelblinden, blockrandomisierten, placebokontrollierten Studie (FAZST-Studie, RCT) mit 2.370 Männern (2013–2017), deren Partnerinnen (18–45 Jahre) wegen unerfülltem Kinderwunsch in Behandlung waren. Methodik: Randomisierung 1:1 zu täglich 5 mg Folsäure plus 30 mg elementarem Zink oder Placebo über 6 Monate, stratifiziert nach Zentrum und geplanter Fertilitätsbehandlung (IVF vs. Nicht-IVF); Nachbeobachtung der Männer über 6 Monate, der Partnerinnen über mindestens 9 Monate inklusive Schwangerschaftsverlauf. Ergebnisse: Die Männer waren im Mittel 33 Jahre alt mit einem BMI von 29,8 kg/m²; überwiegend weiß (82%), gut ausgebildet (83% mit Hochschulerfahrung) und berufstätig (72%). Studienbesuche wurden von 89%, 77% bzw. 75% der Männer nach 2, 4 und 6 Monaten wahrgenommen. Einordnung: Dieses Studienprotokoll-/Baseline-Paper liefert noch keine Wirksamkeitsergebnisse zu Folsäure/Zink auf Spermienqualität oder Lebendgeburtenrate, sondern beschreibt Methodik und Ausgangspopulation der bislang größten RCT zu diesem Thema.
PMID 31712803 — Original auf PubMed →
Schlafdauer und -qualität in Bezug auf Spermaqualität bei gesunden Männern als potenzielle Samenspender (2020)
Chen HG, Sun B, Chen YJ, Chavarro JE, Hu SH, Xiong CL, Pan A, Meng TQ, Wang YX, Messerlian C — Environment international · Alter, Stress & Schlaf
Kohortenstudie mit wiederholten Messungen an 842 gesunden chinesischen Männern, die sich als potenzielle Samenspender bewarben; insgesamt wurden 5601 Ejakulatproben ausgewertet. Schlafdauer (Nachtschlaf und Tagesschlaf) sowie Schlafqualität wurden mittels Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) erfasst und mittels linearer gemischter Modelle mit wiederholten Spermiogramm-Messungen in Beziehung gesetzt. Sowohl Spermienmotilität als auch progressive Motilität zeigten eine hohe intraindividuelle Schwankung (Intraklassenkorrelation ICC 0,20 bzw. 0,22), während Volumen, Konzentration und Gesamtzahl reproduzierbarer waren (ICC 0,54, 0,62, 0,50). Im Vergleich zu Männern mit 8,0-8,5 Stunden Schlaf pro Tag hatten Männer mit unter 6 bzw. über 9 Stunden Schlaf ein um 12% bzw. 3,9% geringeres Ejakulatvolumen. Kurzer Nachtschlaf (<6 h) war mit 4,4% geringerer Gesamtmotilität und 5,0% geringerer progressiver Motilität assoziiert. Schlechte Schlafqualität (PSQI-Score >5) ging mit reduzierter Gesamtspermienzahl (-8,0%) und Motilität einher. Sowohl zu kurzer als auch zu langer Schlaf sowie schlechte Schlafqualität waren mit verminderter Spermaqualität assoziiert.
PMID 31830732 — Original auf PubMed →
Spermaqualität bei hypogonadalen Akromegalie-Patienten (2020)
Andreassen M, Juul A, Feldt-Rasmussen U, Jørgensen N — Pituitary · Hormone & Medikamente
Retrospektive Fallkontrollstudie mit nur zehn unbehandelten hypogonadalen Akromegalie-Patienten (Medianalter 29 Jahre), die vor Beginn einer Testosterontherapie Sperma zur Kryokonservierung abgaben. Verglichen wurden Samenparameter und Hormonwerte mit zehn nicht-akromegalen hypogonadalen Männern mit Hypophysenerkrankung sowie mit gesunden jungen Kontrollen. Akromegalie-Patienten hatten einen höheren Anteil progressiv motiler Spermien als die nicht-akromegalen Patienten (62% vs. 47%, p=0,04); acht von zehn erreichten die WHO-2010-Referenzwerte für Gesamtspermienzahl und Motilität, ähnlich wie 82% der Kontrollen. Die nicht-akromegalen Hypophysenpatienten hingegen zeigten gegenüber gesunden Kontrollen eine reduzierte progressive Motilität (47% vs. 57%, p=0,02); nur fünf von zehn erreichten die WHO-Referenzwerte. Trotz schwerem Testosteronmangel in beiden Patientengruppen fand sich bei Akromegalie-Patienten keine schlechtere Spermaqualität als bei Gesunden. Die Autoren schließen, dass Akromegalie per se die Spermaqualität nicht wesentlich beeinträchtigt, während andere Hypophysenerkrankungen mit Hypogonadismus die Spermienmotilität reduzieren können.
PMID 31834539 — Original auf PubMed →
Wirkung einer Folsäure- und Zink-Supplementierung bei Männern auf Spermaqualität und Lebendgeburten bei Paaren in Kinderwunschbehandlung: Eine randomisierte klinische Studie (2020)
Schisterman EF, Sjaarda LA, Clemons T, Carrell DT, Perkins NJ, Johnstone E, Lamb D, Chaney K, Van Voorhis BJ, Ryan G, Summers K, Hotaling J, Robins J, Mills JL, Mendola P, Chen Z, DeVilbiss EA, Peterson CM, Mumford SL — JAMA · Supplements & Nährstoffe
Multizentrische, doppelblinde, placebokontrollierte randomisierte klinische Studie (RCT) an vier US-Zentren mit 2370 Paaren in Kinderwunschbehandlung. Männer erhielten über 6 Monate täglich entweder 5 mg Folsäure plus 30 mg elementares Zink (n=1185) oder Placebo (n=1185); primäre Endpunkte waren Lebendgeburt und Samenparameter nach 6 Monaten. 1773 Männer (75%) nahmen die Abschlussuntersuchung wahr, 1629 (69%) lieferten Sperma zur Analyse. Die Lebendgeburtenrate unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen (34% vs. 35%; Risikodifferenz -0,9%, 95%-KI -4,7% bis 2,8%). Die meisten Samenparameter (Konzentration, Motilität, Morphologie, Volumen, Gesamtspermienzahl) zeigten ebenfalls keine signifikanten Unterschiede. Überraschend war die DNA-Fragmentierung in der Verum-Gruppe signifikant höher (29,7% vs. 27,2%; mittlere Differenz 2,4%). Gastrointestinale Nebenwirkungen (Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen) traten unter Supplementierung häufiger auf. Die große, methodisch hochwertige Studie liefert damit keine Evidenz für einen Nutzen von Folsäure/Zink bei männlicher Infertilität und deutet sogar auf einen möglichen Nachteil hin.
PMID 31910279 — Original auf PubMed →
AZF-Deletionen in indischen Populationen: Originalstudie und Metaanalysen (2020)
Waseem AS, Singh V, Makker GC, Trivedi S, Mishra G, Singh K, Rajender S — Journal of assisted reproduction and genetics · Genetik & Anatomie
Kombinierte Original-Fall-Kontroll-Studie und Metaanalyse zu Y-Chromosom-Mikrodeletionen (AZF-Region) bei männlicher Infertilität in Indien. In der Originalstudie wurden 379 infertile Männer (302 azoosperm, 77 oligozoosperm) und 265 normozoosperme fertile Kontrollen mittels PCR und Gelelektrophorese auf AZF-Deletionen untersucht; 38 Patienten (10,02%) wiesen Deletionen auf, keine in der Kontrollgruppe, am häufigsten in der AZFc-Region. Die anschließende Metaanalyse gepoolter Studien (AZFa: 2079 Fälle/1217 Kontrollen; AZFb: 2212/1267; AZFc: 4131/2008; AZFb+c: 1573/942) ergab signifikante Assoziationen zwischen Infertilität und Deletionen in AZFa (OR 6,74), AZFb (OR 4,69), AZFc (OR 13,58) und AZFb+c (OR 5,95). Die gepoolte Deletionshäufigkeit in indischen Infertilitätskohorten lag im Mittel bei 13,48% (Spanne 0,59-32,62%). Die Autoren empfehlen, das Screening auf Y-Chromosom-Mikrodeletionen als Standarddiagnostik bei männlicher Infertilität einzusetzen, da genetische Ursachen relevant häufig und diagnostisch wie therapeutisch bedeutsam sind.
PMID 31919744 — Original auf PubMed →
Der Effekt des Body-Mass-Index auf die Spermien-DNA-Fragmentierung: Systematisches Review und Metaanalyse (2020)
Sepidarkish M, Maleki-Hajiagha A, Maroufizadeh S, Rezaeinejad M, Almasi-Hashiani A, Razavi M — International journal of obesity (2005) · Gewicht & Sport
Systematisches Review und Metaanalyse zur Frage, ob ein hoher Body-Mass-Index (BMI) mit erhöhter Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF) assoziiert ist. Nach Durchsicht von über 33.700 Treffern in Medline, Embase, Scopus und Web of Science (bis Mai 2019) wurden 14 Studien (9 Querschnitts-, 4 Kohorten-, 1 Fall-Kontroll-Studie) mit insgesamt 8255 Teilnehmern eingeschlossen. Mittels Random-Effects-Modell wurden standardisierte Mittelwertdifferenzen (SMD) für sechs BMI-Kategorien (Untergewicht bis Adipositas Grad III) berechnet. Lediglich drei Studien zeigten eine höhere SDF bei adipösen Männern (BMI 30-34,99) im Vergleich zu Normalgewichtigen; für andere BMI-Kategorien fand sich kein Unterschied. Insgesamt liefert die Datenlage keine ausreichende Evidenz für einen generellen positiven Zusammenhang zwischen BMI und DNA-Fragmentierung. Die Autoren fordern weitere, konfundervariablenkontrollierte Kohortenstudien, um diese Assoziation belastbarer zu klären. Die Studie relativiert damit die verbreitete Annahme eines direkten, dosisabhängigen Zusammenhangs zwischen Übergewicht und geschädigter Spermien-DNA.
PMID 31949297 — Original auf PubMed →
Die Wirkung von Antioxidantien auf männliche Infertilität: Die MOXI-randomisierte klinische Studie (2020)
Steiner AZ, Hansen KR, Barnhart KT, Cedars MI, Legro RS, Diamond MP, Krawetz SA, Usadi R, Baker VL, Coward RM, Huang H, Wild R, Masson P, Smith JF, Santoro N, Eisenberg E, Zhang H — Fertility and sterility · Supplements & Nährstoffe
Multizentrische, doppelblinde, placebokontrollierte RCT (MOXI-Studie) an neun US-Fertilitätszentren mit 174 Männern mit eingeschränkten Samenparametern (Konzentration ≤15 Mio./ml, Motilität ≤40%, Normalmorphologie ≤4% oder DNA-Fragmentierung >25%) und deren Partnerinnen. Männer erhielten über 3-6 Monate täglich eine Antioxidantien-Kombination (u. a. Vitamin C, Vitamin E, Selen, L-Carnitin, Zink, Folsäure, Lycopin; n=85) oder Placebo (n=86); primärer Endpunkt war die Lebendgeburt. Nach 3 Monaten unterschied sich die Veränderung der Spermienkonzentration zwischen den Gruppen (Median -4,0 vs. +2,4 Mio./ml), jedoch ohne signifikante Unterschiede bei Morphologie, Motilität oder DNA-Fragmentierung. Auch bei oligo- bzw. asthenospermen Subgruppen zeigten sich keine relevanten Verbesserungen. Die kumulative Lebendgeburtenrate nach 6 Monaten unterschied sich nicht signifikant (15% vs. 24%). Die Studie liefert damit keine Evidenz, dass eine Antioxidantien-Supplementierung bei männlicher Subfertilität Samenqualität oder Schwangerschaftsraten verbessert.
PMID 32111479 — Original auf PubMed →
Fetale Exposition gegenüber väterlichem Rauchen und Spermaqualität beim erwachsenen Sohn (2020)
Haervig KK, Høyer BB, Giwercman A, Hougaard KS, Ramlau-Hansen CH, Specht IO, Toft G, Bonde JP, Søgaard Tøttenborg S — Andrology · Rauchen, Alkohol & Drogen
Kohortenstudie im Rahmen der Danish National Birth Cohort mit 772 erwachsenen Söhnen, deren Eltern um die 16. Schwangerschaftswoche zu ihrem Rauchverhalten befragt wurden. Untersucht wurden Samenparameter und Hodenvolumen im Erwachsenenalter der Söhne in Abhängigkeit vom elterlichen Rauchen, adjustiert für elterliches Alter, mütterlichen BMI, Alkohol-/Koffeinkonsum, sozioökonomischen Status, Abstinenzzeit und Analysezentrum. Söhne rauchender Väter (bei nicht-rauchenden Müttern) hatten eine um 10% niedrigere Spermienkonzentration und 11% niedrigere Spermienzahl als Söhne nicht-rauchender Eltern; rauchten beide Elternteile, sank die Spermienzahl um 19%. Väterliches Rauchen war zudem mit einem um 26% erhöhten Risiko für ein kleines Hodenvolumen assoziiert, während Volumen, Motilität und Morphologie des Ejakulats nicht beeinflusst waren. Die Konfidenzintervalle waren jedoch breit und schlossen teilweise auch keinen Effekt ein. Die Studie liefert damit nur begrenzte, statistisch nicht durchgehend signifikante Hinweise auf eine mögliche Wirkung väterlichen Rauchens während der Schwangerschaft auf die spätere Spermaqualität des Sohnes.
PMID 32150347 — Original auf PubMed →
Coenzym-Q10-Effekt auf Samenparameter: Tiefgreifend oder gering? (2020)
Vishvkarma R, Alahmar AT, Gupta G, Rajender S — Andrologia · Supplements & Nährstoffe
Quantitative Metaanalyse, die Daten aus drei placebokontrollierten randomisierten klinischen Studien (RCTs) zur Wirkung von oral verabreichtem Coenzym Q10 (CoQ10) bei männlicher Infertilität zusammenführt. Untersucht wurden Spermienzahl, Gesamt- und Vorwärtsmotilität, Morphologie sowie CoQ10-Spiegel im Seminalplasma. Die gepoolte Analyse zeigte eine signifikante Verbesserung von Gesamt- und Vorwärtsmotilität unter CoQ10, während Spermienzahl, Morphologie, Ejakulatvolumen und der CoQ10-Spiegel im Seminalplasma unverändert blieben. Die Wirksamkeit war bei höherer Dosierung und einer Behandlungsdauer von mehr als drei, aber nicht länger als sechs Monaten am ausgeprägtesten. Die Autoren schlussfolgern, dass CoQ10 einen deutlichen Effekt auf die Spermienmotilität, aber nur einen geringen Effekt auf andere Samenparameter hat, und empfehlen den Einsatz bei Asthenozoospermie mit individueller Dosis- und Daueranpassung je nach Schweregrad und Ansprechen. Die Aussagekraft ist durch die geringe Zahl eingeschlossener Studien (nur drei RCTs) begrenzt.
PMID 32271472 — Original auf PubMed →
Zusammenhänge zwischen Zubettgehzeit, Schlafdauer und Schlafqualität mit Spermaqualität bei Männern in Kinderwunschbehandlung: Eine Vorstudie (2020)
Hvidt JEM, Knudsen UB, Zachariae R, Ingerslev HJ, Philipsen MT, Frederiksen Y — Basic and clinical andrology · Alter, Stress & Schlaf
Explorative Querschnittsstudie (Vorstudie) an 104 Männern und ihren Partnerinnen aus drei dänischen Fertilitätskliniken (2010-2012), die den Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) online ausfüllten; Samenanalysen aus den Kliniken wurden selbstberichtet und als normal oder reduziert kategorisiert. Eine frühe Zubettgehzeit (vor 22:30 Uhr) sowie eine konventionelle Schlafdauer (7,5-7,99 Stunden) waren in der deskriptiven wie multivariaten Analyse mit normaler Spermaqualität assoziiert (u. a. OR 3,97 bzw. OR 6,18 für kurze/sehr kurze Schlafdauer). Schlechte subjektive Schlafqualität war in der deskriptiven Statistik mit reduzierter Spermaqualität assoziiert (p=0,04), dieser Zusammenhang verschwand jedoch in multivariaten Modellen (OR 1,19-2,43, jeweils nicht signifikant). Als erste Studie, die alle drei Schlafparameter gemeinsam betrachtet, liefert die Arbeit vorläufige Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Schlafzeitpunkt/-dauer und Spermaqualität, während die Rolle der subjektiven Schlafqualität unklar bleibt. Limitationen sind die kleine Stichprobe und die selbstberichteten Samenbefunde.
PMID 32341784 — Original auf PubMed →
Auswirkung einer HPV-Infektion im Sperma auf die progressive Spermienmotilität bei infertilen Männern: Systematisches Review und Metaanalyse (2020)
Cao X, Wei R, Zhang X, Zhou J, Lou J, Cui Y — Reproductive biology and endocrinology : RB&E · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review und Metaanalyse (Random-Effects-Modell) auf Basis von zehn Studien mit 616 infertilen Männern mit HPV-Infektion im Sperma und 2029 infertilen Kontrollen ohne HPV-Nachweis, durchsucht in PubMed, Embase, Web of Science und CNKI. Als Zielgröße diente die progressive Spermienmotilität, ausgedrückt als standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD). HPV-infizierte Spermaproben zeigten eine signifikant reduzierte progressive Motilität gegenüber nicht infizierten Proben (SMD -0,88; 95%-KI -1,17 bis -0,59). Die Heterogenität zwischen den Studien war hoch (I²=86%), wobei Subgruppenanalysen die geografische Studienregion als möglichen Haupttreiber identifizierten. Limitierend sind Unterschiede in Alter, Stichprobengröße und Anzahl der untersuchten HPV-Genotypen zwischen den Primärstudien. Die Autoren schlussfolgern, dass eine seminale HPV-Infektion die progressive Spermienmotilität bei infertilen Männern signifikant verringern kann, betonen jedoch die Notwendigkeit weiterer Studien zur Klärung des ursächlichen Zusammenhangs zwischen HPV und Spermaqualität.
PMID 32381092 — Original auf PubMed →
HPV im Sperma als Risikofaktor für schlechte Spermaqualität und ungünstige IVF-Ergebnisse: Systematisches Review und Metaanalyse (2020)
Weinberg M, Sar-Shalom Nahshon C, Feferkorn I, Bornstein J — Fertility and sterility · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review und Metaanalyse von 16 Studien zur Wirkung einer HPV-Infektion des Spermas auf Samenparameter und IVF-Ergebnisse, mit Literatursuche in Medline, PubMed, Embase, Web of Science, Scopus und Cochrane Library. Bewertet wurden Spermienkonzentration, -zahl, -volumen, -motilität und -morphologie nach WHO-Kriterien sowie Schwangerschafts- und Fehlgeburtsraten bei IVF. HPV-positive Proben zeigten signifikant schlechtere Werte bei Spermienkonzentration (mittlere Differenz -4,48), Motilität (-11,71) und Morphologie (-2,44) im Vergleich zu HPV-negativen Proben. Die Literaturübersicht zu IVF-Ergebnissen zeigte zudem einen Zusammenhang zwischen HPV-Infektion und niedrigerer Schwangerschaftsrate sowie eine noch stärkere Assoziation mit erhöhter Fehlgeburtsrate. Da die meisten eingeschlossenen Studien ein moderates Verzerrungsrisiko aufwiesen, fordern die Autoren größere, methodisch hochwertigere Studien, bevor klinische Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden können. Insgesamt untermauert die Arbeit die HPV-Infektion als relevanten, aber noch unzureichend erforschten Risikofaktor männlicher Subfertilität.
PMID 32386620 — Original auf PubMed →
Auswirkungen der Außenluftverschmutzung auf die menschliche Spermaqualität: Metaanalyse und systematisches Review (2020)
Zhang J, Cai Z, Ma C, Xiong J, Li H — BioMed research international · Umweltschadstoffe
Systematisches Review und Metaanalyse von elf Studien mit insgesamt 4562 Männern zum Zusammenhang zwischen Außenluftverschmutzung und Samenqualität, mit Literatursuche in PubMed, Web of Science und Embase. Es wurden gewichtete Mittelwertdifferenzen (WMD) zwischen höher und niedriger exponierten Gruppen berechnet, ergänzt durch eine Trial Sequential Analysis zur Absicherung der Ergebnisse. Höhere Luftschadstoffbelastung war mit signifikant reduziertem Ejakulatvolumen (WMD -0,16 ml), geringerer Spermienkonzentration (WMD -5,52 Mio./ml), verminderter progressiver Motilität (WMD -6,23%), reduzierter Gesamtmotilität (WMD -7,65%) und niedrigerer Rate normal geformter Spermien (WMD -3,71%) assoziiert. Zudem war der DNA-Fragmentationsindex bei höherer Exposition signifikant erhöht (WMD +4,11%). Die Autoren schlussfolgern, dass Luftverschmutzung mit einer Verschlechterung mehrerer zentraler Samenqualitätsparameter einhergeht, was auf oxidativen Stress als möglichen Mechanismus hindeutet. Die Ergebnisse unterstreichen Umweltluftschadstoffe als relevanten, potenziell vermeidbaren Risikofaktor für männliche Fertilität.
PMID 32420369 — Original auf PubMed →
Alter von 25.445 Männern in Kinderwunschkliniken und Spermien-DNA-/Chromatinintegrität (SCSA®) (2020)
Evenson DP, Djira G, Kasperson K, Christianson J — Fertility and sterility · Alter, Stress & Schlaf
Große retrospektive Studie an 25.445 Männern (21-80 Jahre) aus Kinderwunschkliniken sowie einer Vergleichsgruppe von 87 gesunden Spendern ohne Fertilitätsprobleme, bei denen mittels Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) der DNA-Fragmentationsindex (%DFI) und der Anteil unreif kondensierten Chromatins (%HDS) bestimmt wurden. Mit zunehmendem Alter stieg %DFI kontinuierlich an: Die Anstiegsrate betrug bis zum Alter von 41,6 Jahren 0,39 pro Jahr und verdoppelte sich danach mehr als auf 0,86. Zwischen 20 und 50 Jahren unterschieden sich Patienten und gesunde Spender kaum. Modellrechnungen zufolge haben ein 40- bzw. 50-jähriger Mann allein altersbedingt ein 20%- bzw. 40%iges Risiko für einen pathologischen DFI ≥25%. Der %HDS-Wert stieg bei Patienten linear von 12,2% (20-25 Jahre) auf 7,9% im Alter von 60-65 Jahren, wobei Patienten in jedem Alter höhere Werte als Spender aufwiesen. Aufgrund großer interindividueller Streuung lässt sich das Alter allein nicht als Fragmentierungsindex nutzen; DFI/HDS-Testung bleibt aber klinisch relevant zur Fertilitätseinschätzung.
PMID 32653083 — Original auf PubMed →
Auswirkungen bariatrischer Chirurgie auf Reproduktionshormone, Spermiogramm und Spermien-DNA-Fragmentierung bei schwerer Adipositas: Prospektive Studie (2020)
Wood GJA, Tiseo BC, Paluello DV, de Martin H, Santo MA, Nahas W, Srougi M, Cocuzza M — Obesity surgery · Gewicht & Sport
Prospektive Studie in zwei Phasen. Phase 1: Querschnittsvergleich von 42 adipösen Männern und 32 fertilen normalgewichtigen Kontrollen hinsichtlich Reproduktionshormonen, Spermiogramm und DNA-Fragmentierung (SDF). Phase 2: 32 der adipösen Patienten wurden entweder bariatrisch operiert (Gruppe S, n=18) oder klinisch nachbeobachtet (Gruppe NS, n=14) und nach 6 Monaten erneut untersucht. In Phase 1 zeigten adipöse Männer höhere Estradiol-, LH- und FSH-Werte, niedrigeres Gesamttestosteron sowie schlechtere Samenparameter (geringeres Volumen, Konzentration, Motilität, Morphologie) und höhere SDF als Kontrollen. In Phase 2 stieg das Gesamttestosteron nach OP mehr als auf das Doppelte (294,5 auf 604 ng/dl, p<0,0001), und die SDF verbesserte sich; jedoch verschlechterten sich Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl, zwei Patienten wurden sogar azoosperm. In der nicht operierten Gruppe änderte sich nichts. Die Studie zeigt damit ein zwiespältiges Bild: Bariatrische Chirurgie verbessert Hormonstatus und DNA-Integrität, kann aber die Spermienproduktion quantitativ verschlechtern.
PMID 32700180 — Original auf PubMed →
Auswirkungen des metabolischen Syndroms auf Spermaqualität und Sexualhormone: Systematisches Review und Metaanalyse (2020)
Zhao L, Pang A — Frontiers in endocrinology · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematisches Review und Metaanalyse (Random-Effects-Modell) von elf Studien mit insgesamt 1731 Männern mit metabolischem Syndrom (MetS) und 11.740 Kontrollen zur Klärung widersprüchlicher Vorbefunde zum Einfluss von MetS auf Spermaqualität und Hormonstatus. MetS-Patienten zeigten gegenüber Kontrollen signifikant reduzierte Werte für Gesamtspermienzahl (SMD -0,96), Spermienkonzentration (SMD -1,13), normale Morphologie (SMD -0,61), progressive Motilität (SMD -0,58) und Vitalität (SMD -0,83) sowie niedrigeres FSH (SMD -0,87), Testosteron (SMD -5,61) und Inhibin B (SMD -2,42). Gleichzeitig war die Spermien-DNA-Fragmentierung (SMD +0,76) und das mitochondriale Membranpotenzial (SMD +0,89) signifikant erhöht. Keine signifikanten Unterschiede fanden sich bei Ejakulatvolumen, Gesamtmotilität, LH, Estradiol, Prolaktin und Anti-Müller-Hormon. Die Ergebnisse legen nahe, dass das metabolische Syndrom nahezu alle zentralen Samenqualitätsparameter sowie Teile des Hormonprofils negativ beeinflusst und als eigenständiger Risikofaktor für männliche Infertilität zu werten ist; größere prospektive Studien werden zur Bestätigung gefordert.
PMID 32849258 — Original auf PubMed →
Auswirkungen der Varikozelenoperation auf DNA-Fragmentationsindex und Spermienparameter: Metaanalyse (2020)
Birowo P, Rahendra Wijaya J, Atmoko W, Rasyid N — Basic and clinical andrology · Genetik & Anatomie
Metaanalyse von sieben prospektiven Studien mit insgesamt 289 Patienten zum Effekt einer operativen Varikozelenkorrektur (Varikozelektomie) auf den Spermien-DNA-Fragmentationsindex (DFI) sowie klassische Samenparameter, mit Literatursuche in PubMed, Scopus, EBSCO und Cochrane. Varikozele, eine Erweiterung der Venen des Plexus pampiniformis, gilt als eine der häufigsten reversiblen Ursachen männlicher Infertilität; aktuelle Leitlinien empfehlen eine Operation jedoch nur bei auffälligem Spermiogramm, nicht bei isoliert erhöhtem DFI. Die Metaanalyse zeigte, dass die Varikozelektomie den DFI signifikant senkte (mittlere Differenz -6,86) und zudem Spermienkonzentration, progressive Motilität und Morphologie verbesserte. Die Autoren folgern, dass ein pathologischer DFI-Wert als zusätzliches Kriterium für die Operationsindikation bei Varikozele-Patienten in Betracht gezogen werden sollte, auch wenn die konventionellen Samenparameter (noch) unauffällig sind. Limitierend ist die vergleichsweise kleine Gesamtstichprobe der eingeschlossenen Studien.
PMID 32944248 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen adipositas-assoziierten Markern, Spermaqualität und Reproduktionshormonen bei chinesischen infertilen Männern (2020)
Ma JX, Wang B, Li HS, Jiang XJ, Yu J, Ding CF, Chen WQ — Reproductive biology and endocrinology : RB&E · Gewicht & Sport
Querschnittsstudie an 181 chinesischen infertilen Männern (rekrutiert September 2018-September 2019), bei denen adipositas-assoziierte Marker (u. a. BMI, Taille-Hüft-Verhältnis, Taille-Größe-Verhältnis), Samenparameter, Reproduktionshormone, Blutfette und Leptin bestimmt und statistisch in Beziehung gesetzt wurden. Entgegen der Ausgangshypothese fand sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen BMI und Spermienkonzentration, Gesamttestosteron oder HDL-Cholesterin; dagegen korrelierten andere Adipositasmarker wie Taille-Hüft- und Taille-Größe-Verhältnis negativ mit Spermienkonzentration sowie progressiver und nicht-progressiver Motilität. Der Anteil morphologisch normaler Spermien korrelierte negativ mit Gesamt- und LDL-Cholesterin, Leptin und seminaler Superoxid-Dismutase; übergewichtige Männer hatten niedrigere Werte bei progressiver Motilität, Konzentration und normaler Morphologie als Normalgewichtige. Adipöse Männer zeigten zudem höheres Estradiol und ein höheres Estradiol/Testosteron-Verhältnis sowie niedrigeres Gesamttestosteron. Die Studie zeigt, dass nicht der BMI allein, sondern insbesondere die Fettverteilung und Stoffwechselparameter mit reduzierter Spermaqualität bei infertilen chinesischen Männern assoziiert sind.
PMID 32993674 — Original auf PubMed →
CFTR-Genmutationen bei kongenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens: Reproduktive Implikationen und genetische Beratung (2020)
Cui X, Wu X, Li Q, Jing X — Molecular medicine reports · Genetik & Anatomie
Narrativer Übersichtsartikel zur kongenitalen bilateralen Aplasie des Vas deferens (CBAVD), einer überwiegend durch Mutationen im CFTR-Gen (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator) verursachten anatomischen Fehlbildung. CBAVD ist laut Review für 2-6% aller Fälle männlicher Infertilität und bis zu 25% der Fälle obstruktiver Azoospermie verantwortlich. Der Artikel fasst zusammen, wie mittels testikulärer oder epididymaler Spermienaspiration in Kombination mit intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) und In-vitro-Fertilisation betroffene Männer biologische Kinder zeugen können, und betont die Bedeutung der Präimplantationsdiagnostik, um die Weitergabe von CFTR-Mutationen an die Nachkommen zu vermeiden. Da CBAVD häufig eine milde, klinisch unauffällige Form der Mukoviszidose darstellt, wird eine genetische Beratung von Paaren vor assistierter Reproduktion als essenziell dargestellt, um Trägerstatus und Wiederholungsrisiko abzuklären. Als reiner Übersichtsartikel liefert die Arbeit keine neuen Primärdaten, sondern ordnet den aktuellen Kenntnisstand zu Genetik, Diagnostik und reproduktiven Optionen bei CBAVD ein.
PMID 33000223 — Original auf PubMed →
Effekt einer Vitamin-D3-Supplementierung auf Spermiogramm-Parameter und Hormone bei infertilen Männern: Randomisierte kontrollierte Studie (2020)
Amini L, Mohammadbeigi R, Vafa M, Haghani H, Vahedian-Azimi A, Karimi L, Jahanfar S, Jamialahmadi T, Talebi A, Sahebkar A — Complementary therapies in medicine · Supplements & Nährstoffe
Dreifach verblindete, placebokontrollierte randomisierte kontrollierte Studie (RCT) an 62 infertilen Männern mit gestörten spermatogonialen Tests, die entweder orales Vitamin D3 oder Placebo erhielten. Vor und nach der Intervention wurden Spermiogramm sowie LH, FSH, Gesamttestosteron (TT), freies Testosteron (FT), SHBG und freier Androgenindex (FAI) sowie Vitamin-D3-Spiegel bestimmt. Zwischen den Gruppen fanden sich keine signifikanten Unterschiede bei Spermiogrammparametern oder den Serumwerten von LH, FSH, TT und FAI. In der Verumgruppe sank SHBG signifikant (p=0,01), während FT in der Placebogruppe signifikant anstieg (p=0,03) - ein Befund, der eher für Zufall oder gegenläufige biologische Prozesse als für einen echten Vitamin-D3-Effekt spricht. Insgesamt verbesserte die Vitamin-D3-Gabe weder Spermienqualität noch -quantität noch die untersuchten Hormonwerte substanziell. Die Autoren sehen die Studie als Grundlage für weitere, größer angelegte Untersuchungen zur Rolle von Vitamin D3 bei männlicher Fertilität, liefern aber selbst keine überzeugende Evidenz für einen klinischen Nutzen.
PMID 33066859 — Original auf PubMed →
Einfluss des metabolischen Syndroms auf Sexualhormone und reproduktive Funktion: eine Metaanalyse mit 2923 Fällen und 14062 Kontrollen (2020)
Zhou L, Han L, Liu M, Lu J, Pan S — Aging · Grunderkrankungen & Infektionen
Metaanalyse von 21 Studien mit insgesamt 2923 Männern und Frauen mit metabolischem Syndrom (MetS) und 14.062 Kontrollen, ausgewertet mittels standardisierter Mittelwertdifferenzen (SMD) im Random-Effects-Modell. Bei Männern mit MetS waren Testosteron, Inhibin B, Gesamtspermienzahl, Spermienkonzentration, Anteil normal geformter Spermien sowie Gesamt- und Progressivmotilität und Vitalität signifikant reduziert, während DNA-Fragmentierung und mitochondriales Membranpotenzial erhöht waren. Keine signifikanten Unterschiede fanden sich bei FSH, LH, Östradiol, Prolaktin, Anti-Müller-Hormon und Ejakulatvolumen. Bei Frauen mit MetS war lediglich das Testosteron erhöht, andere Hormonparameter unverändert. Die Autoren folgern, dass das metabolische Syndrom bei Männern mit einer breiten Verschlechterung der Spermienqualität und einem erhöhten Infertilitätsrisiko assoziiert ist, während die Effekte bei Frauen weniger ausgeprägt erscheinen. Die Studie unterstreicht den Zusammenhang zwischen Stoffwechselgesundheit (Adipositas, Insulinresistenz, Dyslipidämie) und männlicher Fertilität.
PMID 33260149 — Original auf PubMed →
Samenqualität infertiler Männer mit Hepatitis-B-Virus-Infektion (2020)
Wen ZN, Cui SY, Duan L, Lu FJ, Tang HB, Dong M, Jia HJ, Zhong Y — Zhonghua Nan Ke Xue (National Journal of Andrology) · Grunderkrankungen & Infektionen
Chinesische Vergleichsstudie an 782 infertilen Männern im Alter von 25-35 Jahren, unterteilt nach Serologie in Gruppe A (HBsAg-, HBeAb- und HBcAb-positiv, n=286), Gruppe B (HBsAg-, HBeAg- und HBcAb-positiv, n=230) und Gruppe C als HBV-negative Kontrollen (n=266). Verglichen wurden Standard-Samenparameter, Akrosin-Aktivität, DNA-Fragmentationsindex (DFI) und High DNA Stainability (HDS). Gruppe A zeigte gegenüber B und C signifikant niedrigere Spermienkonzentration (71,49±60,03 vs. 88,20±82,62 bzw. 89,29±53,80 x10⁶/ml) und weniger morphologisch normale Spermien (5,72±3,47% vs. 6,93±4,45% bzw. 7,27±4,43%); die Akrosin-Aktivität war in Gruppe A am stärksten reduziert (57,07±26,38 µIU/10⁶). DFI und HDS waren in Gruppe A signifikant höher als in B und C (DFI 14,79% vs. 12,95% bzw. 11,60%), auch Gruppe B lag über Gruppe C. Die Autoren schließen, dass eine HBV-Infektion, insbesondere mit HBeAg-Positivität als Zeichen aktiver Virusreplikation, die Samenqualität beeinträchtigt und eine Ursache männlicher Infertilität darstellen kann.
PMID 33345479 — Original auf PubMed →
Infertilität beim Klinefelter-Syndrom: von der Ursache zum Management (2020)
Deebel NA, Bradshaw AW, Sadri-Ardekani H — Best Practice & Research Clinical Endocrinology & Metabolism · Genetik & Anatomie
Narratives Review zum Klinefelter-Syndrom (KS), definiert durch mindestens ein zusätzliches X-Chromosom bei männlichen Patienten und mit einer Häufigkeit von etwa 1:600 männlichen Neugeborenen die häufigste chromosomale Ursache für Hypogonadismus und Infertilität. Ohne eigene Patientendaten fasst die Arbeit den Forschungsstand zu Mechanismen der phänotypischen Variabilität, den zugrundeliegenden Störungen der Spermienproduktion sowie den unterschiedlichen Erfolgsraten der testikulären Spermienextraktion (TESE) zusammen und diskutiert Auswirkungen auf Lebendgeburtenraten und die Gesundheit der Nachkommen. Zudem werden medikamentöse Therapien zur Optimierung von Hormonstatus und Fertilitätschancen bei KS-Patienten beleuchtet sowie experimentelle Ansätze mit spermatogonialen Stammzellen (SSC) als mögliche Zukunftsoption für TESE-negative Patienten vorgestellt. Die Autoren betonen den Mangel an evidenzbasierten Standards für die Betreuung von KS-Patienten. Die Übersicht verdeutlicht, dass Klinefelter-Syndrom eine genetisch fest definierte, aber klinisch sehr heterogene Ursache männlicher Unfruchtbarkeit ist, für die noch keine einheitlichen Behandlungsleitlinien bestehen.
PMID 33358481 — Original auf PubMed →
Eine offene Studie zu Valproat bei subfertilen Männern mit Epilepsie (2020)
Markoula S, Siarava E, Kostoulas C, Zikopoulos A, Georgiou I — Acta Neurologica Scandinavica · Hormone & Medikamente
Offene, prospektive Beobachtungsstudie an 17 subfertilen Männern mit Epilepsie aus einer griechischen Universitätsklinik, die von Valproinsäure (VPA) auf Levetiracetam (LEV, n=9) oder Lamotrigin (LMG, n=8) umgestellt wurden. Samenanalysen erfolgten jeweils unter VPA-Therapie und erneut nach der Medikamentenumstellung. Die mittlere Spermienzahl stieg nach Absetzen von VPA tendenziell an (p=0,06, grenzwertig signifikant), Gesamt- und Nicht-Progressivmotilität verbesserten sich signifikant (p=0,02 bzw. p=0,03), und Kopfdefekte der Spermien nahmen ab (p=0,03). Zwischen LEV- und LMG-Gruppe zeigten sich keine relevanten Unterschiede. Bei drei Paaren kam es ohne weitere Intervention zu einer Spontanschwangerschaft. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis, dass ein Wechsel von Valproat auf alternative Antiepileptika die Spermienqualität und die Chance auf natürliche Konzeption bei subfertilen Männern mit Epilepsie verbessern kann; die sehr kleine Stichprobe und das offene, unkontrollierte Design schränken die Aussagekraft jedoch erheblich ein.
PMID 33378111 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von Umweltschadstoffexposition auf das männliche Fertilitätspotenzial (2020)
Krzastek SC, Farhi J, Gray M, Smith RP — Translational Andrology and Urology · Umweltschadstoffe
Narratives Übersichtsreview zur Rolle von Umweltchemikalien bei männlicher Infertilität, die laut den Autoren für rund 44% der Fälle idiopathisch bleibt. Die Arbeit fasst die Literatur zu Pestiziden/Herbiziden (u.a. DDT, DBCP, Organophosphate, Atrazin), endokrinen Disruptoren wie Phthalaten und Bisphenol A, Schwermetallen, Erdgas-/Ölexposition, nicht-ionisierender Strahlung, Luft- und Lärmbelastung sowie Lifestylefaktoren (Ernährung, Adipositas, Koffein, Rauchen, Alkohol, Drogen und Medikamente) zusammen. Die Autoren verweisen darauf, dass in den USA über 80.000 Chemikalien registriert sind und jährlich rund 2.000 neue hinzukommen, von denen viele bekannte Reproduktionstoxine in den USA weniger streng reguliert sind als etwa unter der EU-Chemikalienverordnung REACH. Eine klare Kausalität zwischen einzelnen Expositionen und der beobachteten Fertilitätsabnahme lässt sich laut den Autoren aufgrund der schwierigen individuellen Expositionsmessung bislang nicht sicher belegen. Es handelt sich um einen breiten, qualitativen Überblick ohne eigene quantitative Daten, der für Vermeidung und weitere Forschung plädiert.
PMID 33457251 — Original auf PubMed →
Effekte der Mittelmeerdiät auf Samenparameter bei gesunden jungen Erwachsenen: eine randomisierte kontrollierte Studie (2020)
Caruso P, Caputo M, Cirillo P, Scappaticcio L, Longo M, Maiorino MI, Bellastella G, Esposito K — Minerva Endocrinologica · Ernährung
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit 160 gesunden jungen Erwachsenen (18-30 Jahre, Durchschnittsalter 24,7 Jahre) aus Süditalien, die zu gleichen Teilen (je n=80) einer Mittelmeerdiät oder einer fettarmen Diät zugeteilt wurden. Primärer Endpunkt war die Veränderung der Samenparameter nach sechs Monaten. Beide Gruppen wiesen zu Studienbeginn vergleichbare Ausgangswerte auf. Nach sechs Monaten stiegen Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl in beiden Gruppen an, jedoch signifikant stärker unter Mittelmeerdiät (Spermienkonzentration +1,93 Mio/ml, 95%-KI 1,22-3,64, p=0,027; Gesamtspermienzahl +8,02 Mio, 95%-KI 1,51-15,45, p=0,035); bei den übrigen Samenparametern zeigten sich keine Gruppenunterschiede. Die Autoren folgern, dass eine Mittelmeerdiät bei gesunden jungen Männern die Spermienkonzentration und -gesamtzahl stärker verbessert als eine fettarme Diät. Als RCT mit klar definiertem Ernährungsvergleich liefert die Studie einen der direkteren Belege für einen positiven Effekt von Ernährungsumstellung auf die Spermienqualität.
PMID 33478205 — Original auf PubMed →
Einfluss bariatrischer Chirurgie auf männliche Sexualhormone und Spermaqualität: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (2019)
Lee Y, Dang JT, Switzer N, Yu J, Tian C, Birch DW, Karmali S — Obesity surgery · Gewicht & Sport
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Literaturrecherche in MEDLINE, EMBASE, Web of Science und Scopus bis Juni 2018) zu den Effekten bariatrischer Chirurgie auf männliche Sexualhormone, Spermaparameter und Sexualfunktion bei Männern mit Adipositas. Aus 3896 gescreenten Treffern wurden 28 Kohortenstudien mit insgesamt 1022 Patienten eingeschlossen; die Auswertung erfolgte mittels Random-Effects-Modellen. Nach bariatrischer Chirurgie stiegen freies Testosteron (mittlere Differenz 7,47 nmol/l; 95%-KI 6,31–8,62; p<0,001) und berechnetes Testosteron (mittlere Differenz 0,05 nmol/l; 95%-KI 0,02–0,07; p<0,001) signifikant an, ebenso LH, FSH und SHBG, während freies und Gesamt-Östradiol sowie Prolaktin signifikant abnahmen. Die erektile Funktion (IIEF-Score) verbesserte sich signifikant (mittlere Differenz 0,46; p=0,04). Spermaqualität, DHEA, Androstendion und Inhibin B blieben dagegen unverändert. Die Autoren folgern, dass die durch bariatrische Chirurgie erzielte anhaltende Gewichtsreduktion männliche Sexualhormone und die erektile Funktion deutlich verbessert, die Spermaqualität und -funktion jedoch nicht positiv beeinflusst.
PMID 30382463 — Original auf PubMed →
Humanes Papillomavirus mit hohem Risiko im Ejakulat ist assoziiert mit schlechter progressiver Spermienmotilität und hohem DNA-Fragmentierungsindex bei infertilen Männern (2019)
Boeri L et al. — Human reproduction (Oxford, England) · Grunderkrankungen & Infektionen
Querschnittsstudie mit 729 infertilen weißen europäischen Männern in Behandlung wegen unerfüllten Kinderwunschs. Methodik: Nachweis von HPV-DNA im Ejakulat mittels nested PCR, Spermiogramm nach WHO-2010-Kriterien, DNA-Fragmentierungsindex (SDF) per Sperm Chromatin Structure Assay (pathologisch ab ≥30%), Hormonbestimmung; lineare Regressionsmodelle. Ergebnisse: HPV-Positivität insgesamt 15,5% (113/729), davon Hochrisiko-HPV bei 10,7% (78/729), am häufigsten HPV16 (22,1%). HPV-positive Männer hatten signifikant geringere progressive Motilität (p=0,01) und höhere SDF-Werte (p=0,005); bei Hochrisiko-HPV war der Unterschied noch deutlicher (Motilität p=0,007, SDF p=0,003). In der Multivarianzanalyse blieben Alter und FSH, nicht aber der HPV-Status, unabhängige Prädiktoren der SDF. Einordnung: Hochrisiko-HPV im Ejakulat korreliert mit eingeschränkter Spermienqualität, ein kausaler Zusammenhang ist durch das Querschnittsdesign jedoch nicht belegt.
PMID 30517657 — Original auf PubMed →
Erneute Betrachtung des Einflusses der Ejakulationskarenz auf die Spermienqualität und die ICSI-Ergebnisse (2019)
Borges E et al. — Andrology · Messmethodik
Prospektive Kohortenstudie mit 818 Patienten eines privaten universitätsnahen IVF-Zentrums (Oktober 2015 bis Oktober 2016). Methodik: Analyse des Zusammenhangs zwischen der Dauer der Ejakulationskarenz und Spermienparametern sowie ICSI-Ergebnissen mittels generalisierter linearer Modelle, adjustiert für Störfaktoren; ein Cut-off bei 4 Tagen wurde per Diskriminanzanalyse ermittelt. Ergebnisse: Längere Karenz korrelierte positiv mit Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Gesamt- und Gesamtmotilspermienzahl sowie DNA-Fragmentierungsindex, aber negativ mit Fertilisierungs-, Blastozysten-, Implantations- und Schwangerschaftsrate. Bei Karenz ≤4 Tagen waren Volumen und Spermienzahl niedriger, aber DNA-Fragmentierung geringer und Schwangerschaftsrate höher als bei >4 Tagen; ein Tag Karenz zeigte die höchste Implantationsrate. Einordnung: Kürzere Ejakulationskarenz (1–2 Tage) scheint trotz geringerer klassischer Spermienzahlen die reproduktive Funktionsqualität (DNA-Integrität, Schwangerschaftsrate) zu verbessern — relevant für die Standardisierung von Spermiogramm-Empfehlungen.
PMID 30570220 — Original auf PubMed →
Erholung der Spermatogenese nach Krebsbehandlung mit zytotoxischer Chemotherapie und Radiotherapie (2019)
Okada K, Fujisawa M — The world journal of men's health · Grunderkrankungen & Infektionen
Narrativer Übersichtsartikel (kein eigenes Studiendesign, keine Stichprobe) zu den Effekten von Chemo- und Strahlentherapie auf die männliche Fertilität. Inhalt: Insbesondere alkylierende Substanzen und Ganzkörperbestrahlung können schwere, teils dauerhafte Schäden an den Keimzellen verursachen, mit temporärer, langfristiger oder permanenter Gonadenschädigung. Als Strategien zum Fertilitätserhalt werden die Kryokonservierung von Spermien vor Therapiebeginn als etablierte Methode sowie experimentelle Ansätze wie die Lagerung präpubertärer Keimzellen und die Erzeugung differenzierter männlicher Keimzellen aus embryonalen Stammzellen, induzierten pluripotenten Stammzellen und spermatogonialen Stammzellen vorgestellt. Einordnung: Der Review betont, dass sich die Spermatogenese nach Krebstherapie teilweise erholen kann, dies aber unvorhersehbar ist, weshalb der Fertilitätserhalt vor Therapiebeginn — vor allem durch Kryokonservierung — für Patienten im reproduktionsfähigen Alter zentral bleibt; neuere zellbiologische Verfahren sind noch experimentell.
PMID 30588779 — Original auf PubMed →
Tabakrauchen und Spermienqualität bei infertilen Männern: eine systematische Übersicht und Meta-Analyse (2019)
Bundhun PK et al. — BMC public health · Rauchen, Alkohol & Drogen
Systematische Übersicht und Meta-Analyse von 16 Studien mit insgesamt 10.823 infertilen Männern (5257 Raucher, 5566 Nichtraucher). Methodik: Literatursuche in Cochrane, MEDLINE und EMBASE; Auswertung mit RevMan 5.3, Berechnung von Mittelwertdifferenzen (MD) und Risk Ratios (RR) mit 95%-Konfidenzintervallen für Spermienparameter und Reproduktionshormone. Ergebnisse: Oligozoospermie war bei Rauchern signifikant häufiger (RR 1,29; 95%-KI 1,05–1,59; p=0,02). Morphologische Spermiendefekte waren insgesamt erhöht (MD 2,44), mit signifikanten Kopf- (MD 1,76), Hals- (MD 1,97) und Schwanzdefekten (MD 1,29). pH-Wert (p=0,30), Motilität (p=0,07) und Reproduktionshormone unterschieden sich nicht signifikant zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Einordnung: Tabakrauchen ist bei infertilen Männern mit niedrigerer Spermienzahl und mehr morphologischen Defekten assoziiert, jedoch nicht eindeutig mit veränderter Motilität oder Hormonspiegeln — Bestätigung eines bekannten, aber nicht vollständig konsistenten Risikofaktors.
PMID 30621647 — Original auf PubMed →
Effekt von Ibuprofen auf die Spermienqualität (2019)
Banihani SA — Andrologia · Hormone & Medikamente
Narrativer/systematischer Übersichtsartikel, der In-vitro-, Tiermodell- und humane Daten zum weit verbreiteten Schmerz- und Entzündungsmittel Ibuprofen zusammenfasst. Methodik: Literatursuche in Scopus und PubMed (Juni 1986 bis Oktober 2018) mit den Suchbegriffen „ibuprofen" in Kombination mit „semen"/„sperm". Ergebnisse: In-vitro- und tierexperimentelle Studien zeigen überwiegend negative Effekte von Ibuprofen auf Spermienmotilität, -viabilität, -konzentration und DNA-Integrität; als Mechanismen werden eine Reduktion von Testosteron- und Prostaglandinsynthese, die Chelatierung von Zinkionen sowie eine Hemmung der Stickoxid-Synthese diskutiert. Ein entsprechender Effekt beim Menschen ist bislang jedoch nicht eindeutig bestätigt. Einordnung: Die vorhandene präklinische Evidenz deutet auf ein mögliches Risiko häufiger bzw. hochdosierter Ibuprofen-Einnahme für die Spermienqualität hin, klinische Humanstudien fehlen aber noch, sodass eine abschließende Bewertung derzeit nicht möglich ist.
PMID 30623461 — Original auf PubMed →
Mediterrane Ernährung und das Risiko schlechter Spermienqualität: Querschnittsanalyse bei Männern einer italienischen Kinderwunschklinik (2019)
Ricci E et al. — Andrology · Ernährung
Querschnittsanalyse von Basisdaten einer prospektiven Kohortenstudie mit 309 Männern (27–60 Jahre) aus subfertilen Paaren einer italienischen Kinderwunschklinik. Methodik: Erfassung der Ernährung mittels Interview und Berechnung eines Mediterranean Diet Score (MDS, 0–9 Punkte); am selben Tag Spermiogramm im Rahmen der assistierten Reproduktion; Berechnung von Odds Ratios (OR) für Volumen <1,5 ml, Konzentration <15 Mio./ml und Gesamtzahl <39 Mio. Ergebnisse: 19,3% hatten geringes Volumen, 30,5% geringe Konzentration, 32,1% geringe Gesamtzahl. Im Vergleich zur höchsten MDS-Kategorie (6–9) war eine niedrige Spermienkonzentration bei niedrigem MDS (0–3) deutlich häufiger (OR 2,42; 95%-KI 1,21–4,83; Trend p=0,011), ebenso eine niedrige Gesamtzahl (OR 2,08; 95%-KI 1,05–4,12; Trend p=0,034). Das Ejakulatvolumen war nicht mit dem MDS assoziiert. Einordnung: Eine stärkere Einhaltung der mediterranen Ernährung ist mit besserer Spermienkonzentration und -gesamtzahl assoziiert und unterstützt die Rolle der Ernährungsqualität für die männliche Fertilität.
PMID 30663272 — Original auf PubMed →
Zusammenhänge zwischen urinären Phthalatmetaboliten, Reproduktionshormonen und Spermienparametern bei Männern in einer IVF-Klinik (2019)
Al-Saleh I et al. — The Science of the total environment · Endokrine Disruptoren
Querschnittsstudie mit 599 Männern einer IVF-Klinik. Methodik: Messung von acht Phthalatmetaboliten (u.a. MEHP, MEHHP, MEOHP, MECPP als DEHP-Metaboliten, MiBP, MEP) in zwei Urinproben je Teilnehmer sowie Bestimmung von Spermienparametern und Reproduktionshormonen (FSH, LH, TSH, Östradiol, Testosteron, Prolaktin); multivariate lineare Regressionsmodelle und Mediationsanalyse (Sobel-Test). Ergebnisse: Testosteron war invers mit MiBP assoziiert (β=−0,099), FSH invers mit MEHHP (β=−0,087); die Spermienkonzentration korrelierte positiv mit mehreren DEHP-Metaboliten (z.B. MECPP β=0,131), aber negativ mit dem MEHP-Anteil (β=−0,135, alle p<0,05). FSH vermittelte bis zu 60% des Zusammenhangs zwischen Spermienkonzentration und MEHHP. Einordnung: Die Ergebnisse sind uneinheitlich — teils positive, teils negative Assoziationen zwischen Phthalatmetaboliten und Spermienparametern — und deuten auf eine mögliche hormonvermittelte (endokrine) Wirkung von Phthalaten auf die Spermienproduktion hin, ohne einen klaren linearen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zu belegen.
PMID 30678022 — Original auf PubMed →
Fehlende Verbesserung der Spermienqualität bei adipösen Männern nach Adipositaschirurgie trotz günstiger Veränderungen der Reproduktionshormone (2019)
Calderón B et al. — Obesity surgery · Gewicht & Sport
Prospektive Kohortenstudie (Vorher-Nachher-Design) mit 20 stark adipösen Männern (BMI ≥35 kg/m²), untersucht vor und 2 Jahre nach bariatrischer Operation. Methodik: Bestimmung von Hormonen (Insulin, Leptin, Kisspeptin, Inhibin B u.a.), Berechnung des HOMA-IR-Index sowie Spermiogramm nach WHO-Referenzwerten. Ergebnisse: Nach der Operation stiegen Gesamttestosteron, freies Testosteron, Inhibin B und Kisspeptin signifikant an, während Nüchterninsulin, HOMA-IR und Leptin sanken. Trotz dieser hormonellen Verbesserungen zeigte sich beim Ejakulatvolumen eine leichte Abnahme, die übrigen Spermienparameter blieben weitgehend unverändert; bei 60% der Patienten blieb die Spermienkonzentration weiterhin abnormal. Einordnung: Obwohl bariatrische Chirurgie den adipositasbedingten sekundären Hypogonadismus hormonell deutlich verbessert, überträgt sich dies bei dieser kleinen Stichprobe nicht in eine Verbesserung der Spermienqualität — ein Hinweis darauf, dass adipositasbedingte Spermienschäden nicht allein hormonell vermittelt oder nicht ohne Weiteres reversibel sind.
PMID 30806913 — Original auf PubMed →
Doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie zum Effekt von L-Carnitin und L-Acetylcarnitin auf Spermienparameter bei Männern mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie (2019)
Micic S et al. — Andrologia · Supplements & Nährstoffe
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie (RCT) mit 175 Männern (19–44 Jahre) mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie und unerfülltem Kinderwunsch über mindestens 12 Monate. Methodik: Teilnehmer erhielten über 3 bzw. 6 Monate das Kombinationspräparat Proxeed Plus (L-Carnitin, L-Acetylcarnitin plus Mikronährstoffe) oder Placebo; erfasst wurden Ejakulatvolumen, progressive Motilität, Vitalität und DNA-Fragmentierungsindex. Ergebnisse: Unter Verum verbesserten sich Ejakulatvolumen, progressive Motilität und Vitalität signifikant gegenüber Placebo. Eine relevante Zunahme der Motilität ließ sich am besten durch die gleichzeitige Veränderung von Vitalität und DNA-Fragmentierungsindex vorhersagen (AUC=0,924; 95%-KI 0,852–0,996; p<0,001); in der logistischen Regression war die Abnahme des DNA-Fragmentierungsindex der einzige unabhängige Prädiktor für diese Motilitätsverbesserung (OR=1,106; p=0,034). Einordnung: Die Kombination aus Carnitin-Derivaten und Mikronährstoffen zeigt in dieser RCT einen günstigen Effekt auf mehrere Spermienparameter bei männlicher Subfertilität, wahrscheinlich vermittelt über eine Reduktion oxidativer DNA-Schäden.
PMID 30873633 — Original auf PubMed →
Spermien-DNA-Schäden bei Krebspatienten (2019)
Beaud H et al. — Advances in experimental medicine and biology · Grunderkrankungen & Infektionen
Narrativer Übersichtsartikel (Buchkapitel) ohne eigene Patientenstichprobe, der experimentelle Daten und prospektive Längsschnittstudien zu den Effekten von Krebs und Krebstherapie auf Spermatogenese und Spermien-DNA zusammenfasst. Inhalt: Krebs selbst und seine Behandlung können die sich teilenden Spermatogonien und ihr zelluläres Umfeld schädigen, was zu reduzierter Keimzellzahl und geringerer Spermienzahl führt; die Spermienproduktion kann sich danach erholen, jedoch bleibt bei Krebsüberlebenden auch noch 2 Jahre nach Therapieende ein erhöhtes Risiko für Aneuploidie, DNA-Schäden, abnormale Chromatinstruktur und epigenetische Defekte in den Spermien bestehen. Große Kohortenstudien zeigten eine niedrigere Geburtenrate bei männlichen Krebsüberlebenden, jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit der so gezeugten Kinder. Einordnung: Der Review unterstreicht die klinische Bedeutung der Spermien-DNA-Integrität bei Krebsüberlebenden für die Familienplanung und die Notwendigkeit besseren Verständnisses der Wirkung neuer Chemotherapeutika sowie verbesserter Fertilitätserhaltungsstrategien, da Kryokonservierung vor Therapie bislang die einzige etablierte Option ist.
PMID 31301053 — Original auf PubMed →
Optimale Behandlung zur Spermatogenese bei männlichen Patienten mit hypogonadotropem Hypogonadismus (2019)
Lin J et al. — Medicine · Hormone & Medikamente
Vergleichende klinische Studie mit 220 Männern mit idiopathischem/isoliertem hypogonadotropem Hypogonadismus (HH), aufgeteilt in eine Gruppe mit subkutaner GnRH-Pulstherapie (n=103) und eine Gruppe mit kombinierter intramuskulärer HCG/HMG-Injektion (n=117). Methodik: Monatliche Verlaufskontrollen von LH, FSH, Gesamttestosteron, Hodenvolumen und Spermatogeneserate über mindestens 6 Monate. Ergebnisse: In beiden Gruppen stiegen Testosteronspiegel und Hodenvolumen nach 6 Monaten signifikant gegenüber dem Ausgangswert. In der GnRH-Gruppe erreichten 62 Patienten (52,99%) eine Spermienproduktion, in der HCG/HMG-Gruppe 26 Patienten (25,24%). Die Zeit bis zum ersten Spermiennachweis war in der GnRH-Gruppe mit 6,2±3,8 Monaten kürzer als in der HCG/HMG-Gruppe mit 10,9±3,5 Monaten; die Testosteronspiegel lagen bei 9,8±3,3 bzw. 14,8±8,8 nmol/l. Einordnung: Bei Männern mit hypogonadotropem Hypogonadismus induziert die pulsatile subkutane GnRH-Therapie schneller und häufiger eine Spermatogenese als die kombinierte HCG/HMG-Behandlung und erscheint als bevorzugte Therapieoption.
PMID 31374027 — Original auf PubMed →
Die Prävalenz von Y-Chromosom-Mikrodeletionen bei Männern mit Oligozoospermie: systematische Übersicht und Meta-Analyse europäischer und nordamerikanischer Studien (2019)
Kohn TP et al. — European urology · Genetik & Anatomie
Systematische Übersicht und Meta-Analyse von 37 europäischen und nordamerikanischen Studien (12.492 oligozoosperme Männer), davon 18 Studien mit Daten für die Meta-Analyse (10.866 Männer). Methodik: Literatursuche in MEDLINE, EMBASE, Cochrane Library und ClinicalTrials.gov zur Prävalenz kompletter Y-Chromosom-Mikrodeletionen (YCM) bei Männern mit Spermienkonzentrationen von >0–1, >1–5 und >5–20 Mio./ml, um den sinnvollsten Screening-Schwellenwert zu bestimmen. Ergebnisse: Alle gefundenen kompletten YCM betrafen die AZFc-Region. Die Prävalenz war bei Männern mit ≤1 Mio. Spermien/ml mit 5,0% (95%-KI 3,6–6,8%) signifikant höher als bei >1–5 Mio./ml (0,8%; 95%-KI 0,5–1,3%) und >5–20 Mio./ml (0,5%; 95%-KI 0,2–0,9%; kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden letztgenannten Gruppen, p=0,14). Einordnung: Die Autoren empfehlen, das YCM-Screening auf Männer mit Spermienkonzentrationen ≤1 Mio./ml zu beschränken, da komplette Mikrodeletionen bei höheren Konzentrationen selten sind — eine Anpassung bisheriger, teils höherer Leitlinienschwellen.
PMID 31400948 — Original auf PubMed →
Urinäre Triclosan-Konzentrationen und Spermienqualität bei Männern einer Kinderwunschklinik (2019)
Nassan FL et al. — Environmental research · Endokrine Disruptoren
Prospektive Kohortenstudie (EARTH-Studie) mit 262 Männern, die 581 gepaarte Urin- und Spermaproben (2009–2017) beisteuerten. Methodik: Bestimmung urinärer Triclosan-Konzentrationen (spezifisch-gravitäts-adjustiert) und Spermiogramm nach WHO-Kriterien; lineare gemischte Regressionsmodelle mit Zufallseffekt pro Person, adjustiert für Alter, BMI, Rauchen, körperliche Aktivität, sexuelle Karenzzeit sowie Jahreszeit/Jahr. Ergebnisse: 74% der Proben hatten nachweisbares Triclosan (>2,3 µg/l). Es zeigte sich kein signifikanter linearer Dosis-Wirkungs-Trend, jedoch hatten Männer im 2., 3. und 4. Quartil im Vergleich zur niedrigsten, nicht nachweisbaren Kategorie einen um 1,32%, 0,91% bzw. 0,46% geringeren Anteil morphologisch normaler Spermien; nachweisbares vs. nicht nachweisbares Triclosan war insgesamt mit −0,96% (95%-KI −1,57 bis −0,35) assoziiert. Der Effekt war in früheren Probenjahren (vor 2013) stärker ausgeprägt. Einordnung: Die Daten liefern moderate Hinweise auf einen negativen Zusammenhang zwischen Triclosan-Exposition und Spermienmorphologie, jedoch ohne klaren Dosis-Wirkungs-Verlauf.
PMID 31421444 — Original auf PubMed →
Die Effekte von Lycopin-Supplementierung auf das Spermiogramm und oxidativen Stress im Ejakulat bei infertilen Männern (2019)
Nouri M et al. — Phytotherapy research · Supplements & Nährstoffe
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie (RCT) mit 44 infertilen Männern mit Oligozoospermie. Methodik: Über 12 Wochen erhielt die Interventionsgruppe täglich 25 mg Lycopin, die Kontrollgruppe Placebo; erfasst wurden anthropometrische Daten, körperliche Aktivität, Ernährung, Spermiogramm sowie oxidative Stressmarker (totale antioxidative Kapazität TAC, Malondialdehyd, Glutathionperoxidase) vor und nach der Intervention. Ergebnisse: In der Lycopin-Gruppe stiegen Gesamtspermienzahl und -konzentration signifikant an (p<0,05, Gesamtzahl blieb nach Adjustierung signifikant); zudem verbesserten sich innerhalb der Gruppe Ejakulatvolumen, Gesamtmotilität sowie der Anteil nicht-progressiv beweglicher und unbeweglicher Spermien signifikant (p<0,05). Die TAC-Werte stiegen in beiden Gruppen signifikant an. Einordnung: Bei kleiner Stichprobe deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Lycopin-Supplementierung Spermienparameter und oxidative Stressmarker bei oligozoospermen Männern verbessern kann; größere und länger angelegte Studien sind laut Autoren zur Bestätigung nötig.
PMID 31468596 — Original auf PubMed →
Der Zusammenhang zwischen Serum-Vitamin-D, Fertilität und Spermienqualität: systematische Übersicht und Meta-Analyse (2019)
Arab A et al. — International journal of surgery (London, England) · Supplements & Nährstoffe
Systematische Übersicht und Meta-Analyse von 18 Beobachtungsstudien (aus 1843 gesichteten Publikationen) zum Zusammenhang zwischen Vitamin D, Fertilität und Spermienqualität. Methodik: Literatursuche in PubMed, Cochrane Library, Science Direct, Scopus, Google Scholar und Web of Science bis Dezember 2018; Qualitätsbewertung mittels Newcastle-Ottawa-Scale; Berechnung gewichteter Mittelwertdifferenzen (WMD). Ergebnisse: Der Serumspiegel von 25(OH)D3 war bei fertilen Männern signifikant höher als bei infertilen (WMD −0,63; 95%-KI −1,06 bis −0,21; p=0,003). Ein niedrigerer Vitamin-D-Spiegel war zudem signifikant mit geringerer Spermienmotilität (WMD −5,84; p=0,01) und geringerer progressiver Motilität (WMD −5,24; p=0,003) assoziiert. Wegen erheblicher Heterogenität zwischen den Studien ist bei der Interpretation Vorsicht geboten. Einordnung: Die Daten unterstützen einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Status und männlicher Fertilität bzw. Spermienmotilität; weitere gut kontrollierte prospektive Studien und klinische Interventionsstudien sind laut Autoren nötig, um Kausalität zu klären.
PMID 31561004 — Original auf PubMed →
Mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft, Spermaeigenschaften und Reproduktionshormonspiegel bei Männern in Behandlung wegen Paarinfertilität (2019)
Garlantézec R, Multigner L, Oliva A — Andrologia · Rauchen, Alkohol & Drogen
Querschnittsstudie mit 537 Männern aus vier medizinischen Einrichtungen in Argentinien (Juni 1999 bis Juni 2015), die wegen unerfüllten Kinderwunschs in Behandlung waren. Methodik: Strukturiertes Interview zu demografischen, medizinischen und reproduktiven Daten sowie eigenem und elterlichem Tabakkonsum während der Schwangerschaft; zwei Spermiogramme im Abstand von 2–4 Wochen sowie Hormonbestimmung (FSH, LH, Prolaktin, Gesamttestosteron, Östradiol); multivariate Regressionsmodelle adjustiert für Störfaktoren. Ergebnisse: Mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft war signifikant mit einem erhöhten Risiko für eine reduzierte Spermienzahl und mit erhöhten Gesamttestosteronspiegeln bei den erwachsenen Söhnen assoziiert; keine signifikanten Zusammenhänge mit anderen Spermienparametern oder Hormonen. Einordnung: Die Studie bestätigt frühere Hinweise auf einen negativen Langzeiteffekt mütterlichen Rauchens während der Schwangerschaft auf die spätere Spermienzahl der Söhne; der Befund zu erhöhtem Testosteron bedarf laut Autoren einer Replikation.
PMID 31571259 — Original auf PubMed →
Ernährungsmuster und ihr Zusammenhang mit der Samenqualität (2018)
Jurewicz J, Radwan M, Sobala W, Radwan P, Bochenek M, Hanke W — American journal of men's health · Ernährung
Querschnittsstudie an 336 Männern einer Kinderwunschklinik mit normaler Spermienkonzentration (20-300 Mio./ml) oder leichter Oligozoospermie (15-20 Mio./ml). Hintergrund: Da Ernährung eine komplexe Expositionsgröße ist, wird zunehmend empfohlen, statt einzelner Nährstoffe gesamte Ernährungsmuster zu betrachten, bei denen Lebensmittel in Kombination konsumiert werden. Methodik: Ernährungserfassung mittels Food-Frequency-Questionnaire, Identifikation von Ernährungsmustern (Western, Mixed, Prudent) mittels Faktorenanalyse, Samenanalyse und Hormonbestimmung; Adjustierung für Karenzzeit, Alter, Rauchen, Vorerkrankungen und Alkoholkonsum. Ergebnisse: Ein „Prudent"-Ernährungsmuster war positiv mit der Spermienkonzentration (p=0,05) und dem Testosteronspiegel (p=0,03) assoziiert sowie invers mit dem DNA-Fragmentierungsindex (p=0,05). Einordnung: Die Studie unterstützt die Bedeutung eines Gesamternährungsmusters statt einzelner Nährstoffe für die Samenqualität; ein gesundheitsbewusstes „Prudent"-Muster zeigte konsistent günstigere Assoziationen, wobei die Ergebnisse aufgrund des Querschnittsdesigns weiterer Bestätigung in anderen Populationen bedürfen.
PMID 26819182 — Original auf PubMed →
Massiver Gewichtsverlust durch bariatrische Chirurgie beeinflusst die Samenqualität bei morbider männlicher Adipositas: eine vorläufige prospektive Zwei-Arm-Studie (2018)
Samavat J, Cantini G, Lotti F, Di Franco A, Tamburrino L, Degl'Innocenti S, Maseroli E, Filimberti E, Facchiano E, Lucchese M, Muratori M, Forti G, Baldi E, Maggi M, Luconi M — Obesity surgery · Gewicht & Sport
Prospektive Zwei-Arm-Studie (Pilotstudie) an 31 morbid adipösen Männern, von denen 23 einen laparoskopischen Roux-en-Y-Magenbypass erhielten und 8 nicht operiert wurden; Sexualhormone sowie konventionelle (Motilität, Morphologie, Anzahl, Volumen) und nicht-konventionelle Samenparameter (DNA-Fragmentierung, seminales Interleukin-8) wurden zu Baseline und nach 6 Monaten erfasst. Nur in der operierten Gruppe verbesserten sich die Sexualhormone signifikant; Samenvolumen und Vitalität stiegen signifikant an (Δ=0,6 ml bzw. +10%, p<0,05), während sich bei progressiver/Gesamtmotilität und Spermienzahl lediglich ein positiver Trend zeigte. Interleukin-8 und DNA-Fragmentierung im Seminalplasma nahmen nach der Operation ab, stiegen jedoch bei den nicht-operierten Probanden an. Die BMI-Veränderung korrelierte signifikant mit Veränderungen von Spermienmorphologie, -zahl und Samenvolumen. Die Autoren folgern, dass sich die positiven Effekte massiven Gewichtsverlusts auf die Samenqualität langsamer und später einstellen als die hormonellen Veränderungen.
PMID 28702741 — Original auf PubMed →
Ureaplasma spp. bei männlicher Infertilität und ihr Zusammenhang mit Samenqualität und Seminalplasma-Bestandteilen (2018)
Zhou YH, Ma HX, Shi XX, Liu Y — Journal of microbiology, immunology, and infection · Grunderkrankungen & Infektionen
Fall-Kontroll-Studie an 540 infertilen Männern und 260 fertilen Kontrollen aus Shanghai, bei denen Samenproben auf Ureaplasma spp. (bakteriologische Kultur, PCR zur Biovar-/Serotyp-Bestimmung) sowie auf Samenparameter (Volumen, Konzentration, progressive und nicht-progressive Motilität, mittels CASA nach WHO-5.-Auflage-Kriterien) und seminale Sekretionsmarker untersucht wurden. Die Prävalenz von Ureaplasma spp. war bei infertilen Männern signifikant höher als bei Kontrollen (39,6% vs. 19,2%). Innerhalb der infizierten infertilen Männer war die progressive Motilität sowie die NAG-Enzymaktivität (Marker der Nebenhoden-Sekretionsfunktion) bei Infektion mit U. parvum (UPA) bzw. Mischinfektionen signifikant niedriger als bei U. urealyticum (UUR)-Infektion. Die Autoren schließen, dass eine Ureaplasma-spp.-Infektion eine relevante pathogenetische Rolle bei männlicher Infertilität spielt, wobei UPA eine höhere Pathogenität hinsichtlich Spermienmotilität und Nebenhodenfunktion aufweist als UUR.
PMID 28739435 — Original auf PubMed →
Ernährungsmuster und Samenqualität: eine systematische Übersicht und Metaanalyse von Beobachtungsstudien (2018)
Arab A, Rafie N, Mansourian M, Miraghajani M, Hajianfar H — Andrology · Ernährung
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Beobachtungsstudien (Literatursuche bis August 2016 in PubMed, Cochrane Library, ScienceDirect, Scopus, Google Scholar, Web of Science) zum Zusammenhang zwischen Ernährungsmustern und Samenqualität; sechs Studien mit insgesamt 8.207 Teilnehmern erfüllten die Einschlusskriterien. Die Daten wurden mittels generischer inverser Varianzmethode (Random-Effects-Modell) gepoolt. Der Vergleich eines gesunden versus ungesunden Ernährungsmusters ergab eine signifikant höhere Spermienkonzentration im gesunden Muster (mittlere Differenz 0,66; 95%-KI 0,305–1,016; p<0,001); Personen mit der geringsten Adhärenz zum gesunden Muster hatten die niedrigste Spermienkonzentration. Für andere Samenqualitätsparameter fand sich kein signifikanter Zusammenhang mit dem Ernährungsmuster. Die Autoren schließen, dass ein gesundes Ernährungsmuster mit einer höheren Spermienkonzentration assoziiert ist, weisen aber auf die begrenzte Zahl und Heterogenität der eingeschlossenen Studien hin und fordern weitere longitudinale Untersuchungen zur Bestätigung und Klärung der Kausalität.
PMID 29024507 — Original auf PubMed →
Verbesserung der Spermaparameter nach Antibiotikatherapie bei asymptomatisch mit Mycoplasma genitalium infizierten unfruchtbaren Männern (2018)
Ahmadi MH, Mirsalehian A, Gilani MAS, Bahador A, Talebi M — Infection · Grunderkrankungen & Infektionen
Fall-Kontroll-Studie mit zusätzlichem unkontrolliertem Vorher-Nachher-Interventionsarm: 165 unfruchtbare Männer mit auffälligem Spermiogramm (Studiengruppe) wurden mit 165 gesunden fertilen Kontrollen verglichen. Spermaproben wurden mittels Real-Time-PCR, mikrobiologischer Kultur sowie Bestimmung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und totaler antioxidativer Kapazität (TAC) untersucht; infizierte Männer aus der Studiengruppe erhielten eine Antibiotikatherapie mit Kontrolluntersuchung nach einem Monat. Mycoplasma genitalium (MG) fand sich signifikant häufiger bei unfruchtbaren als bei fertilen Männern (9,7% vs. 1,2%; p=0,001). Nach der Antibiotikabehandlung verbesserten sich fast alle Spermaparameter außer Volumen, pH-Wert und Viskosität (p<0,05), Leukozyten im Ejakulat sanken (p=0,02), die TAC stieg (p=0,002) und ROS sowie das ROS/TAC-Verhältnis sanken (p=0,03). Bei sieben der behandelten infizierten Männer (43,8%) wurde die Partnerin innerhalb von vier Monaten nach Behandlungsende schwanger. Die Autoren folgern, dass eine asymptomatische MG-Infektion mit männlicher Unfruchtbarkeit assoziiert ist und eine Antibiotikatherapie die Spermaqualität verbessern kann.
PMID 29124647 — Original auf PubMed →
Auswirkungen einer Vitamin-D-Supplementierung auf Spermaqualität, Reproduktionshormone und Lebendgeburtenrate: eine randomisierte klinische Studie (2018)
Blomberg Jensen M, Lawaetz JG, Petersen JH, Juul A, Jørgensen N — The Journal of clinical endocrinology and metabolism · Supplements & Nährstoffe
Randomisierte, dreifach verblindete, placebokontrollierte klinische Studie (RCT) an einem Zentrum. Von 1427 gescreenten unfruchtbaren Männern mit Serum-25-Hydroxyvitamin-D ≤50 nmol/L wurden 330 eingeschlossen. Die Verumgruppe erhielt initial 300.000 IE Cholecalciferol, danach 150 Tage lang täglich 1400 IE Cholecalciferol plus 500 mg Kalzium, die Kontrollgruppe Placebo. Die Vitamin-D-Spiegel stiegen signifikant, die Standard-Spermaqualität veränderte sich jedoch nicht signifikant. Spontane Schwangerschaften traten tendenziell häufiger in der Verumgruppe auf (7,3% vs. 2,4%). In der Subgruppe oligozoospermer Männer war die Lebendgeburtenrate unter Vitamin D deutlich höher (35,6% vs. 18,3%; Differenz 17,3 Prozentpunkte). Inhibin B war bei zunächst vitamin-D-defizienten, behandelten Männern höher (193 vs. 143 pg/mL), die Spermienkonzentration stieg nicht signifikant (p=0,07). Fazit: Hochdosierte Vitamin-D-Gabe verbesserte die Standard-Spermaqualität nicht, zeigte aber in der oligozoospermen Subgruppe einen möglichen Nutzen für die Lebendgeburtenrate, der weiterer Bestätigung bedarf.
PMID 29126319 — Original auf PubMed →
Der Einfluss der Ejakulationskarenz auf Spermiogramm-Parameter: eine systematische Übersichtsarbeit (2018)
Hanson BM, Aston KI, Jenkins TG, Carrell DT, Hotaling JM — Journal of assisted reproduction and genetics · Messmethodik
Systematische Übersichtsarbeit von 28 seit dem Jahr 2000 veröffentlichten Publikationen zum Einfluss der Ejakulationskarenz (Abstinenzzeit vor Probengewinnung) auf Spermiogramm-Parameter und Fertilitätsergebnisse. Ausgewertet wurden Volumen, Spermienzahl, Motilität, Morphologie, pH-Wert, DNA-Fragmentierung, Vitalität sowie Schwangerschafts-/Befruchtungsraten nach assistierter Reproduktion. Längere Abstinenz war mit höherem Ejakulatvolumen und höherer Gesamtspermienzahl assoziiert. Die Datenlage zu Motilität, Morphologie und DNA-Fragmentierung war widersprüchlich, tendenziell verbesserten sich diese Parameter eher bei kürzerer Abstinenz. Der pH-Wert war unabhängig von der Abstinenzdauer, die Vitalität änderte sich meist nicht, während die Gesamtzahl vitaler Spermien mit zunehmender Karenz anstieg. Bei IUI, ICSI und IVF zeigte sich in manchen Studien ein Vorteil kürzerer Abstinenz. Die Autoren ziehen den Schluss, dass der Effekt der Abstinenzdauer komplex und uneinheitlich ist und derzeit keine eindeutige Empfehlung zur optimalen Karenzzeit möglich ist; weitere Forschung zu Schwangerschafts- und Befruchtungsraten sei nötig.
PMID 29143943 — Original auf PubMed →
Untersuchung von Sexualhormonen und Spermaparametern bei männlichen Epilepsiepatienten (2018)
Ocek L, Tarhan H, Uludağ FI, Sarıteke A, Köse C, Colak A, Zorlu F, Zorlu Y — Acta neurologica Scandinavica · Hormone & Medikamente
Kontrollierte Querschnittsstudie mit 59 männlichen Epilepsiepatienten (30 unter Valproat-, 29 unter Carbamazepin-Monotherapie, Rekrutierung 2015–2016) sowie 30 gesunden Kontrollen. Erfasst wurden LH, FSH, Prolaktin, freies Testosteron, Östradiol, SHBG, das Verhältnis bioaktives Testosteron/Östradiol bzw. bioaktives Testosteron/LH, Spermiogramm und erektile Funktion (IIEF-5). Östradiol und DHEAS waren in beiden Medikamentengruppen gegenüber Kontrollen erhöht, das Verhältnis bioaktives Testosteron/bioaktives Östradiol war in beiden Gruppen erniedrigt (je p<0,001), das Verhältnis bioaktives Testosteron/LH nur unter Carbamazepin (p=0,033). Spermavolumen und Anzahl normaler Spermien waren unter beiden Antiepileptika signifikant niedriger als bei Kontrollen (p<0,05), die Rate abnormer Morphologie unterschied sich nicht. Die IIEF-5-Werte waren unter Valproat und Carbamazepin signifikant niedriger (p<0,001). Die Autoren schließen, dass beide Antiepileptika Sexualhormone, Sexualfunktion und Spermiogramm negativ beeinflussen können, was bei der Medikamentenwahl für junge Männer berücksichtigt werden sollte.
PMID 29315457 — Original auf PubMed →
Bewertung von Referenzwerten für Standard-Spermaparameter bei fertilen ägyptischen Männern (2018)
Zedan H, Ismail S, Gomaa A, Saleh R, Henkel R, Agarwal A — Andrologia · Messmethodik
Querschnittsstudie zur Ermittlung von Referenzwerten für Standard-Spermaparameter bei 240 fertilen ägyptischen Männern (mittleres Alter 33,8 ± 0,5 Jahre, Spanne 20–55 Jahre), definiert über eine spontane Schwangerschaft der Partnerin innerhalb von höchstens 12 Monaten. Bestimmt wurden die 5. Perzentilen als untere Referenzgrenzen: Ejakulatvolumen 1,5 ml, pH-Wert 7,2, Spermienkonzentration 15 Mio./ml, Gesamtspermienzahl 30 Mio. pro Ejakulat, Gesamtmotilität 50%, progressive Motilität 40%, Vitalität 62%, normale Spermienmorphologie 4% sowie Leukozytenzahl 0,1 Mio./ml. Im Vergleich zum WHO-Referenzhandbuch von 2010 zeigten fertile ägyptische Männer höhere Referenzwerte für Gesamtmotilität, progressive Motilität und Vitalität, jedoch niedrigere Werte für die Gesamtspermienzahl; die übrigen Parameter stimmten mit den WHO-Werten überein. Die Studie unterstreicht, dass populationsspezifische Referenzwerte von globalen WHO-Grenzwerten abweichen können, was bei der klinischen Interpretation von Spermiogrammen in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden sollte.
PMID 29336040 — Original auf PubMed →
Umgebungsluftverschmutzung und Spermaqualität (2018)
Nobles CJ, Schisterman EF, Ha S, Kim K, Mumford SL, Buck Louis GM, Chen Z, Liu D, Sherman S, Mendola P — Environmental research · Umweltschadstoffe
Prospektive Kohortenstudie (LIFE-Study) mit 467 Männern, die ein oder mehrere Spermaproben lieferten. Die durchschnittliche Belastung durch Luftschadstoffe und Feinstaub-Bestandteile in den 72 Tagen vor Ejakulation wurde anhand modellierter Luftqualitätsdaten am Wohnort geschätzt und mittels Generalized-Estimating-Equation-Modellen (adjustiert für Alter, BMI, Rauchen, Jahreszeit) mit Spermaparametern in Verbindung gesetzt. Die meisten Assoziationen zwischen Luftschadstoffen und Spermaqualität waren gering. Ein Anstieg von Feinstaub ≤2,5 µm (PM2,5) um den Interquartilsabstand war jedoch mit kleinerem Spermienkopf assoziiert (Fläche -0,22 µm², Länge -0,06 µm, Umfang -0,09 µm) sowie mit einem um 1,03 Prozentpunkte höheren Anteil an Spermienköpfen mit Akrosom. Insgesamt fand sich keine relevante Assoziation zwischen moderater Luftverschmutzung und den klassischen Spermaqualitätsparametern, mit Ausnahme feiner Effekte auf die Spermienkopfmorphologie. Die Autoren folgern, dass moderate Umgebungsluftbelastung wahrscheinlich kein bedeutsamer Faktor für die allgemeine Spermaqualität ist.
PMID 29459305 — Original auf PubMed →
Lebensstilbedingte Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit (2018)
Durairajanayagam D — Arab journal of urology · Sonstiges
Narrative Übersichtsarbeit zu lebensstilbedingten Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit vor dem Hintergrund eines vermuteten globalen Rückgangs der Spermaqualität. Eine systematische Literaturrecherche (überwiegend letztes Jahrzehnt, nur englischsprachige Publikationen) identifizierte 1012 Artikel, von denen nach Titel-/Abstract-Screening 104 die Einschlusskriterien erfüllten; nach Ausschluss nicht verfügbarer Volltexte wurden 74 Arbeiten ausgewertet. Behandelt werden u. a. Zigarettenrauchen, Alkoholkonsum, illegale Drogen, Adipositas, psychischer Stress, fortgeschrittenes väterliches Alter, Ernährungsgewohnheiten und Kaffeekonsum als Hauptfaktoren sowie kurz zusätzlich testikulärer Hitzestress, intensives Radtraining, Schlafmangel und elektromagnetische Strahlung durch Mobiltelefone. Die Autoren betonen, dass diese Faktoren zu den zahlreichen potenziell veränderbaren Risikofaktoren für männliche Fertilität gehören und ihre negativen Effekte durch Verhaltensänderung und einen gesünderen Lebensstil größtenteils vermeidbar sein könnten. Als Fazit wird ein größeres Bewusstsein für diese Einflussfaktoren bei Paaren mit Kinderwunsch empfohlen. Die Übersicht liefert keine neuen Primärdaten, sondern fasst bestehende Evidenz zu mehreren Lebensstilfaktoren gleichzeitig zusammen.
PMID 29713532 — Original auf PubMed →
Schilddrüsenfunktionsstörungen und Spermaqualität (2018)
La Vignera S, Vita R — International journal of immunopathology and pharmacology · Hormone & Medikamente
Narrative Übersichtsarbeit zur Rolle von Schilddrüsenhormonen für die Hodenfunktion. Schilddrüsenhormone wirken auf mehrere Zelltypen des Hodens, darunter Leydig-, Sertoli- und Keimzellen; sowohl ein Überschuss als auch ein Mangel führen zu Störungen der Hodenfunktion einschließlich Veränderungen des Spermiogramms. Laut der zusammengefassten Literatur (Tiermodelle und Humanstudien) ist eine Hyperthyreose häufiger mit vermindertem Ejakulatvolumen sowie reduzierter Spermiendichte, -motilität und -morphologie assoziiert, während eine Hypothyreose vor allem mit einer verminderten Spermienmorphologie einhergeht. Die Autoren folgern, dass Schilddrüsenfunktionstests Bestandteil der diagnostischen Abklärung unfruchtbarer Männer sein sollten. Die Arbeit benennt zudem Limitationen der bisherigen Studienlage, ohne diese im Detail zu spezifizieren, und skizziert Perspektiven für künftige Forschung zum Zusammenhang zwischen Schilddrüsenfunktion und männlicher Fertilität. Konkrete Zahlenwerte zu Effektgrößen werden im Abstract nicht genannt.
PMID 29737216 — Original auf PubMed →
Ernährungsmuster sind positiv mit der Spermaqualität assoziiert (2018)
Efrat M, Stein A, Pinkas H, Unger R, Birk R — Fertility and sterility · Ernährung
Monozentrische Querschnittsstudie mit 280 Männern, die 2012–2015 eine Kinderwunschklinik aufsuchten. Die Ernährung wurde per Food-Frequency-Questionnaire erfasst und anhand von vier Indizes bewertet: Healthy Eating Index (HEI), DASH, alternate Mediterranean Diet Score (aMED) und Alternative Healthy Eating Index (AHEI); zusätzlich wurden Spermavolumen, -konzentration, -motilität, Gesamtzahl und Morphologie bestimmt. Beim Vergleich der höchsten mit der niedrigsten Quartile zeigten Männer mit hohen HEI-, AHEI- und DASH-Werten eine signifikant höhere Spermienkonzentration (+10%, +45% bzw. +24%), höhere Anteile normal geformter Spermien (+21% bei AHEI, +8% bei DASH), eine höhere Gesamtspermienzahl (+29% bei AHEI) und bessere Motilität (+11% bei HEI, +6% bei aMED). Die Einhaltung aller vier Ernährungsmuster war mit besserer Spermaqualität assoziiert, wobei der AHEI die stärkste Assoziation zeigte. Die Autoren empfehlen den AHEI als praktikables klinisches Instrument für Ernährungsempfehlungen zur Unterstützung der Spermaqualität.
PMID 29778381 — Original auf PubMed →
Häufigkeit von Y-Chromosom-Mikrodeletionen bei unfruchtbaren Männern (2018)
Akınsal EC, Baydilli N, Dündar M, Ekmekçioğlu O — Turkish journal of urology · Genetik & Anatomie
Retrospektive Auswertung von Krankenakten zur Häufigkeit von Y-Chromosom-Mikrodeletionen bei 1616 unfruchtbaren Männern, unterteilt nach Infertilitätsursache und Spermiogrammbefund. Bei 54 von 1616 Fällen (3,3%) wurde eine Y-Chromosom-Mikrodeletion nachgewiesen, am häufigsten in der Azoospermie-Faktor(AZF)-Region (48,1% der Deletionen). In bestimmten Subgruppen – Klinefelter-Syndrom, hypogonadotroper Hypogonadismus, kongenitale Vas-deferens-Aplasie und 47,XYY-Karyotyp – fanden sich keine Y-Mikrodeletionen, während sie in anderen Infertilitäts-Subgruppen deutlich häufiger auftraten. Die Autoren folgern, dass eine sorgfältige Stufendiagnostik (körperliche Untersuchung, Spermiogramm, Hormonstatus, ggf. Karyotypisierung) helfen kann vorherzusagen, bei welchen Patienten eine gezielte Y-Mikrodeletionsanalyse sinnvoll ist, um unnötige Kosten zu vermeiden. Die Studie liefert damit populationsbezogene Häufigkeitsdaten zu einer wichtigen genetischen Ursache männlicher Unfruchtbarkeit, insbesondere bei schwerer Spermiogrammstörung.
PMID 29799410 — Original auf PubMed →
Beurteilung der Spermaqualität bei hitzeexponierten Arbeitern: eine Querschnittsstudie in der Stahlindustrie (2018)
Hamerezaee M, Dehghan SF, Golbabaei F, Fathi A, Barzegar L, Heidarnejad N — Safety and health at work · Hitze & Kälte
Kontrollierte Querschnittsstudie in einem iranischen Stahlwerk mit 30 hitzeexponierten und 14 nicht exponierten Arbeitern. Erhoben wurden Skrotal- und orale Temperatur, Umgebungsparameter sowie Spermiogramme nach WHO-Standard; die Hitzebelastung wurde über die Indizes Wet-Bulb-Globe-Temperature (WBGT, nach ISO 7243) und Predicted Heat Strain (PHS, nach ISO 7933) quantifiziert. Die zeitgewichteten Mittelwerte von WBGT (35,76 °C) und PHS (491,56 W/m²) in der exponierten Gruppe lagen über den Grenzwerten. Umwelt-, physiologische und Spermaparameter (außer pH-Wert) sowie WBGT und PHS unterschieden sich signifikant zwischen den Gruppen (p<0,05); WBGT korrelierte stärker mit diesen Parametern als PHS. Die Spermaparameter der exponierten Arbeiter lagen im Grenzbereich zur Normozoospermie und waren signifikant schlechter als bei den Kontrollen. Die Autoren empfehlen WBGT als geeigneteren Index zur arbeitsmedizinischen Beurteilung von Hitzebelastung und Fertilitätsrisiko in der Stahlindustrie.
PMID 29928539 — Original auf PubMed →
Präkonzeptionelle Konzentrationen endokriner Disruptoren im Seminalplasma im Zusammenhang mit Spermaqualitätsparametern bei Männern mit Kinderwunsch (2018)
Smarr MM, Kannan K, Sun L, Honda M, Wang W, Karthikraj R, Chen Z, Weck J, Buck Louis GM — Environmental research · Endokrine Disruptoren
Prospektive Kohortenstudie (LIFE-Study) mit 339 Männern mit Kinderwunsch. Im Seminalplasma wurden fünf Substanzklassen nicht-persistenter endokriner Disruptoren mittels HPLC-MS/MS und GC-MS quantifiziert: Bisphenole, Benzophenon-UV-Filter, Antimikrobiotika sowie Phthalatdiester und deren Monoester-Metaboliten; Spermaproben wurden anhand von 35 standardisierten Parametern analysiert und mittels linearer gemischter Modelle sowie logistischer Regression/GEE mit Referenzwerten in Beziehung gesetzt. Die konsistentesten negativen Assoziationen fanden sich für Phthalatmetaboliten: Mono-Ethyl-, Mono-n-Butyl-, Mono-Isobutyl- und Mono-Benzyl-Phthalat im Seminalplasma waren mit signifikant geringerer Wahrscheinlichkeit eines Ejakulatvolumens über dem Referenzwert assoziiert (adjustierte Odds Ratios zwischen 0,34 und 0,46). Zusätzlich zeigten sich Assoziationen mit verminderter Spermienmotilität, -vitalität und veränderter Kopfmorphologie. Die Autoren schließen, dass umweltrelevante Phthalatkonzentrationen im Seminalplasma mit reduziertem Ejakulatvolumen und beeinträchtigter Spermienqualität einhergehen und damit möglicherweise die Fertilität von Paaren mit Kinderwunsch beeinflussen.
PMID 30014899 — Original auf PubMed →
Metaanalyse zeigt Zusammenhang zwischen beruflicher Lösungsmittelexposition bei Männern und Beeinträchtigung der Spermaparameter (2018)
Ianos O, Sari-Minodier I, Villes V, Lehucher-Michel MP, Loundou A, Perrin J — Journal of occupational and environmental medicine · Umweltschadstoffe
Erste Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen beruflicher Lösungsmittelexposition und Spermaqualität, basierend auf einer PubMed-Literaturrecherche. Eingeschlossen wurden sieben Studien, die Spermiogramme beruflich exponierter Männer mit nicht exponierten Kontrollen verglichen; die verschiedenen Spermaparameter wurden gepoolt ausgewertet. Es zeigte sich eine signifikante Verringerung des Ejakulatvolumens (standardisierte Mittelwertdifferenz, SMD = -0,35; 95%-KI -0,63 bis -0,07) sowie der Spermienkonzentration (SMD = -0,36; 95%-KI -0,64 bis -0,08) bei lösungsmittelexponierten Arbeitern gegenüber Kontrollen. Die Autoren betonen die Bedeutung, reprotoxische Risiken für die männliche Fertilität am Arbeitsplatz zu vermeiden. Die Effektgrößen sind moderat, die Zahl der eingeschlossenen Primärstudien (n=7) vergleichsweise gering, was die Aussagekraft einschränkt. Dennoch liefert die Arbeit einen ersten quantitativen Beleg dafür, dass organische Lösungsmittel am Arbeitsplatz ein relevanter Risikofaktor für eingeschränkte Spermaqualität sind.
PMID 30095585 — Original auf PubMed →
Auswirkungen des männlichen Alters auf DNA-Schäden der Spermien: eine Auswertung von 2.178 Spermaproben (2018)
Petersen CG, Mauri AL, Vagnini LD, Renzi A, Petersen B, Mattila M, Comar V, Ricci J, Dieamant F, Oliveira JBA, Baruffi RLR, Franco JG — JBRA assisted reproduction · Alter, Stress & Schlaf
Retrospektive Querschnittsstudie mit Spermaproben von 2178 Männern einer Kinderwunschklinik, unterteilt in drei Altersgruppen (≤35, 36–44, ≥45 Jahre). Die DNA-Integrität wurde mittels TUNEL-Assay (DNA-Fragmentierung), Chromomycin A3 (Chromatinverpackung/Unterprotaminierung), MitoTracker Green (mitochondriales Membranpotenzial) und Annexin V (Apoptose) bestimmt; Zusammenhänge mit dem Alter wurden über Spearmans Rangkorrelation geprüft. Die Apoptoserate der Spermien war altersunabhängig (p>0,05), während sich DNA-Fragmentierung und mitochondriales Membranpotenzial mit zunehmendem Alter signifikant verschlechterten (p<0,05). Die altersbedingte Zunahme der DNA-Fragmentierung stand offenbar im Zusammenhang mit mitochondrialen Schäden; die Chromatinverpackung nahm mit dem Alter eher zu, was als möglicher protektiver Kompensationsmechanismus gedeutet wird. Die Autoren folgern, dass steigendes väterliches Alter die Spermien-DNA-Integrität verschlechtert und damit – neben dem mütterlichen Alter – auch das väterliche Alter reproduktionsmedizinisch relevant sein könnte.
PMID 30106542 — Original auf PubMed →
Ernährungsmuster und Risiko schlechter Spermaqualität bei Männern: eine Querschnittsstudie (2018)
Danielewicz A, Przybyłowicz KE, Przybyłowicz M — Nutrients · Ernährung
Polnische Querschnittsstudie mit 114 Männern im Alter von 20–55 Jahren. Spermaparameter wurden computerassistiert (CASA) bestimmt, die Ernährung per Food-Frequency-Questionnaire erfasst; mittels Hauptkomponentenanalyse wurden zwei Ernährungsmuster identifiziert – ein gesundheitsförderndes (Pro-healthy) und ein westliches (Western) Muster. Nach Adjustierung für Störfaktoren war das Risiko einer abnormen progressiven Motilität in der mittleren (Odds Ratio 2,89; 95%-KI 1,03–8,09) und oberen Tertile (OR 7,78; 95%-KI 1,52–15,06) des westlichen Ernährungsmusters signifikant erhöht, mit einem Trend zu erhöhtem Risiko für abnorme Gesamtspermienzahl, progressive Motilität und Morphologie (p für Trend <0,05). Für das gesundheitsfördernde Muster fand sich keine signifikante Assoziation. Die Autoren folgern, dass ein westliches Ernährungsmuster das Risiko abnormer Spermaparameter erhöhen kann; dies steht teilweise im Kontrast zu Studien mit positivem Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung und Spermaqualität.
PMID 30149588 — Original auf PubMed →
Einfluss einer Mycoplasma-genitalium-Infektion auf die Spermaqualität unfruchtbarer Männer (2018)
Yan ZC, Shang XJ, Liu W, Wan XX, Wan CC, Xu S, Zhong Y, Weng ZQ — Zhonghua nan ke xue (National journal of andrology) · Grunderkrankungen & Infektionen
Chinesische Querschnittsstudie mit Spermaproben von 352 unfruchtbaren Männern (März–Juli 2015, Reproduktionsmedizinisches Zentrum Nanjing). Mycoplasma genitalium (MG) wurde mittels Echtzeit-Fluoreszenz-Amplifikationstest nachgewiesen, das Spermiogramm nach dem WHO-Laborhandbuch (5. Auflage) erstellt, einschließlich DNA-Fragmentierungsindex (DFI). Eine MG-Infektion fand sich bei 3,4% (12/352) der unfruchtbaren Männer. Verglichen mit MG-positiven Männern zeigten MG-negative ein signifikant höheres Ejakulatvolumen (3,84 ± 0,12 ml vs. 2,85 ± 0,14 ml; p=0,008) und einen höheren Anteil progressiv motiler Spermien (23,57 ± 0,99% vs. 15,86 ± 1,72%; p=0,032), aber einen niedrigeren DFI (20,71 ± 1,55% vs. 30,73 ± 2,24%; p=0,014). Bei pH-Wert, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, Gesamtmotilität und Anteil immotiler Spermien zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Die Autoren folgern, dass eine urogenitale MG-Infektion bei unfruchtbaren Männern nicht selten ist und die Spermaqualität, insbesondere Spermienvitalität und DNA-Integrität, negativ beeinflussen kann.
PMID 30168950 — Original auf PubMed →
Fertilitätsinduktion bei Männern mit hypogonadotropem Hypogonadismus (2018)
Prior M, Stewart J, McEleny K, Dwyer AA, Quinton R — Clinical endocrinology · Hormone & Medikamente
Narrative Übersichtsarbeit zur medikamentösen Fertilitätsinduktion bei Männern mit hypogonadotropem Hypogonadismus (HH), die typischerweise azoosperm sind, jedoch eine der wenigen behandelbaren Formen männlicher Unfruchtbarkeit darstellen. Die beschriebenen Gonadotropin-basierten Stimulationsprotokolle sollen die natürliche endokrine Kontrolle der Spermatogenese nachbilden. Bei zuvor virilisierten Männern mit erworbenem HH im Erwachsenenalter und normalem Hodenvolumen genügt häufig eine Monotherapie mit humanem Choriongonadotropin (hCG) als LH-Analogon zur Stimulation der Spermatogenese. Bei kongenitalem HH (z. B. Kallmann-Syndrom) ist dagegen in der Regel eine Kombinationstherapie aus hCG und follikelstimulierendem Hormon (FSH) erforderlich, um das Fertilitätspotenzial zu maximieren. Als wichtige Ausgangsprädiktoren für einen erfolgreichen Spermatogenese-Induktionserfolg werden eine vorherige spontane Hodenentwicklung (Hodenvolumen >4 ml), ein Serum-Inhibin-B-Spiegel >60 pg/mL sowie das Fehlen eines Hodenhochstands (Kryptorchismus) in der Vorgeschichte genannt.
PMID 30194850 — Original auf PubMed →
Stimulation der Spermatogenese bei Männern mit hypogonadotropem Hypogonadismus (2018)
Rabijewski M — Polski merkuriusz lekarski : organ Polskiego Towarzystwa Lekarskiego · Hormone & Medikamente
Polnischsprachige narrative Übersichtsarbeit zur hormonellen Stimulation der Spermatogenese bei Männern mit hypogonadotropem Hypogonadismus (HH). Unterschieden werden die kongenitale Form (CHH), verursacht durch eine gestörte Produktion, Sekretion oder Wirkung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) mit ausbleibender Pubertät und Unfruchtbarkeit, und die erworbene Form (AHH), bei der eingeschränkte Fertilität oft das Hauptsymptom ist. Eine wichtige diagnostische Herausforderung ist die Abgrenzung von CHH gegenüber einer konstitutionellen Entwicklungsverzögerung (CDGP). Nach Pubertätsinduktion bei CHH beziehungsweise nach Diagnosestellung bei AHH ist eine hormonelle Stimulation der Spermatogenese mittels GnRH- oder Gonadotropintherapie notwendig, die bei den meisten Männern mit niedriger Spermienkonzentration die Spermatogenese wirksam steigert und eine natürliche Konzeption oder den Einsatz assistierter Reproduktionstechniken (ART) ermöglichen kann. Bei idiopathischer Infertilität mit normalen LH- und FSH-Werten wird eine Gonadotropintherapie hingegen nicht empfohlen.
PMID 30240383 — Original auf PubMed →
Unfruchtbarkeit bei Patienten mit Klinefelter-Syndrom: optimaler Zeitpunkt für die Kryokonservierung von Spermien und Hodengewebe (2018)
Hawksworth DJ, Szafran AA, Jordan PW, Dobs AS, Herati AS — Reviews in urology · Genetik & Anatomie
Narrative Übersichtsarbeit zur nicht-obstruktiven Azoospermie infolge eines Klinefelter-Syndroms, der häufigsten chromosomalen Anomalie im Zusammenhang mit männlicher Unfruchtbarkeit. Männliche Unfruchtbarkeit ist für etwa 50% aller Infertilitätsfälle mitverantwortlich und stellt für betroffene Paare eine komplexe diagnostische und therapeutische Herausforderung mit erheblichen medizinischen, finanziellen und psychologischen Auswirkungen dar. Der Artikel fokussiert sich gezielt auf die nicht-obstruktive Azoospermie bei Klinefelter-Syndrom und diskutiert bestehende Kontroversen im Fertilitätsmanagement dieser genetischen Erkrankung, insbesondere den optimalen Zeitpunkt für die Kryokonservierung von Spermien beziehungsweise Hodengewebe. Konkrete quantitative Ergebnisse, Studiendaten oder Fallzahlen werden im verfügbaren Abstract nicht genannt; im Vordergrund steht vielmehr eine klinisch-konzeptionelle, narrative Einordnung der bestehenden Diagnostik- und Therapieoptionen ohne systematische Evidenzsynthese. Die Arbeit richtet sich in erster Linie an Kliniker, die Patienten mit Klinefelter-Syndrom hinsichtlich des Fertilitätserhalts beraten.
PMID 30288141 — Original auf PubMed →
Einfluss einer Antioxidantientherapie auf den DNA-Fragmentationsindex: eine doppelblinde, placebokontrollierte randomisierte Studie (2018)
Stenqvist A, Oleszczuk K, Leijonhufvud I, Giwercman A — Andrology · Supplements & Nährstoffe
Placebokontrollierte, doppelblinde, randomisierte Studie (RCT) mit 77 Männern aus unfruchtbaren Paaren mit normalen Testosteron-, LH- und FSH-Werten sowie erhöhtem Spermien-DNA-Fragmentationsindex (DFI ≥25%). Die Teilnehmer erhielten randomisiert sechs Monate lang entweder eine kombinierte Antioxidanzientherapie (Vitamine, Antioxidanzien, Spurenelemente) oder Placebo; primärer Endpunkt war der DFI, sekundäre Endpunkte Standard-Spermaparameter, gemessen vor Behandlung sowie nach drei und sechs Monaten. Die Antioxidanziengruppe zeigte nach drei Monaten eine höhere Spermienkonzentration (Median 27,2 vs. 24,4 Mio./ml; p=0,028) und nach sechs Monaten einen grenzwertig signifikanten Anstieg (33,3 vs. 24,4 Mio./ml; p=0,053) gegenüber den Ausgangswerten. Der DFI veränderte sich unter Antioxidanzientherapie über sechs Monate nicht, und es zeigte sich zu keinem Zeitpunkt ein signifikanter Unterschied zwischen Antioxidanzien- und Placebogruppe bei DFI oder anderen Spermaparametern. Die Autoren folgern, dass Männer mit normalen Reproduktionshormonen möglicherweise keine primäre Zielgruppe für eine solche Antioxidanzientherapie sind.
PMID 30298673 — Original auf PubMed →
Ibuprofen hat keinen negativen Einfluss auf die Spermaparameter (2018)
Kavoussi PK, Gilkey MS, Hunn C, Luke Machen G, Chen SH, David Wininger J, Kavoussi KM, Kavoussi SK — Journal of assisted reproduction and genetics · Hormone & Medikamente
Retrospektive Aktenauswertung (Oktober 2012 bis Februar 2018) von 64 Männern mit Leukozytospermie im Spermiogramm, die eine dreiwöchige Ibuprofen-Therapie (600 mg alle 8 Stunden, 1800 mg/Tag) erhielten; bei 51 Männern lag ein Kontroll-Spermiogramm drei Wochen nach Behandlungsende vor. Verglichen wurden Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Motilität, Gesamtzahl beweglicher Spermien (TMC) und Vorwärtsbeweglichkeit vor und nach Therapie; die Morphologie wurde wegen unterschiedlicher Bewertungskriterien zwischen den Laboren ausgeschlossen. Das mittlere Alter der Männer betrug 35 Jahre (SD 4,6), die Abstinenzzeiten vor den Proben unterschieden sich zwischen den Zeitpunkten nicht. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Spermaparametern vor und nach der Ibuprofen-Behandlung. Die Autoren schließen, dass eine dreiwöchige hochdosierte Ibuprofen-Therapie bei Männern mit Leukozytospermie keinen relevanten negativen Effekt auf die klassischen Spermaparameter hat – anders als frühere Hinweise auf mögliche testikuläre Effekte von Ibuprofen in Ex-vivo-Modellen vermuten ließen.
PMID 30328572 — Original auf PubMed →
Fortgeschrittenes väterliches Alter allein beeinträchtigt weder Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten noch Spermaparameter nach intrauteriner Insemination (2018)
Tatsumi T, Ishida E, Tatsumi K, Okada Y, Saito T, Kubota T, Saito H — Reproductive medicine and biology · Alter, Stress & Schlaf
Retrospektive Kohortenstudie mit 1576 Zyklen intrauteriner Insemination (IUI) bei Frauen unter 40 Jahren (April 2012–Mai 2016, Japan), zur Untersuchung des Einflusses des väterlichen Alters auf Schwangerschaftsverlauf und Spermaparameter – bewusst anhand von IUI- statt ART-Daten, um mögliche Effekte von Spermienbeeinträchtigungen nicht durch Laborselektion zu verschleiern. Das mittlere väterliche Alter war in Zyklen mit Schwangerschaft niedriger als ohne (38,0 vs. 39,1 Jahre; p<0,001), ein ähnlicher Trend zeigte sich für Lebendgeburtzyklen. Nach Adjustierung für Störfaktoren bestand jedoch kein eigenständiger Zusammenhang zwischen fortgeschrittenem väterlichem Alter und Schwangerschaftsrate; allein das Alter der Partnerin beeinflusste die Schwangerschaftsrate. Das väterliche Alter hatte zudem keinen Effekt auf die Spermaparameter. Die Autoren folgern, dass fortgeschrittenes väterliches Alter allein weder Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten noch Spermaparameter nach IUI negativ beeinflusst.
PMID 30377400 — Original auf PubMed →
Auswirkung bariatrischer Chirurgie auf Spermienparameter: Eine systematische Übersicht und Meta-Analyse (2018)
Wei Y, Chen Q, Qian W — Medical science monitor basic research · Gewicht & Sport
Systematische Übersicht und Meta-Analyse von 6 Studien, die den Effekt bariatrischer Chirurgie (Magenbypass, Sleeve-Gastrektomie) auf Spermienparameter untersuchten. Methodik: Literatursuche in Cochrane, PubMed, EMBASE, MEDLINE und CNKI; Berechnung standardisierter Mittelwertdifferenzen (SMD) vor/nach OP mit STATA 12.0, Subgruppenanalysen nach Studiendesign und OP-Verfahren. Ergebnisse: Nach Magenbypass stieg das Ejakulatvolumen signifikant (SMD 0,583; 95%-KI 0,121–1,045; p=0,013). Spermienkonzentration (SMD −0,123; p=0,416) und progressive Motilität (SMD 0,148; p=0,328) blieben unverändert. Der Anteil normal geformter Spermien nahm nur in Subgruppen mit prospektivem Design (SMD 0,385; p=0,015) und nach Sleeve-Gastrektomie (SMD 0,880; p<0,001) signifikant zu, insgesamt SMD 0,372 (p=0,017). Einordnung: Wegen begrenzter Studienzahl und Heterogenität lässt sich kein eindeutiger Effekt bariatrischer Chirurgie auf die Spermienqualität ableiten — allenfalls Hinweise auf verbessertes Volumen und Morphologie bei bestimmten Verfahren.
PMID 30416195 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen väterlichem Rauchen zum Zeitpunkt der Schwangerschaft und der Spermienqualität der Söhne (2018)
Axelsson J et al. — PloS one · Rauchen, Alkohol & Drogen
Kohorten-/Querschnittsanalyse innerhalb einer schwedischen Bevölkerungskohorte mit 104 jungen Männern (17–20 Jahre). Methodik: Per Fragebogen wurde väterliches Rauchen während der Schwangerschaft erfasst; die Analyse wurde für die mütterliche Nikotinbelastung (Cotinin-Spiegel in archivierten Serumproben aus dem Röteln-Screening, 6.–35. Schwangerschaftswoche) und den sozioökonomischen Status adjustiert, um väterliche von mütterlicher Rauchexposition zu trennen. Ergebnis: Söhne rauchender Väter hatten nach Adjustierung 41% niedrigere Spermienkonzentration und 51% niedrigere Gesamtspermienzahl als Söhne nichtrauchender Väter (p=0,02 bzw. p=0,003) — unabhängig vom Ausmaß der mütterlichen Nikotinexposition. Einordnung: Die Studie liefert Hinweise auf einen eigenständigen negativen Effekt väterlichen Rauchens während der Schwangerschaft auf die spätere Spermienqualität der Söhne, möglicherweise vermittelt über epigenetische Veränderungen in den väterlichen Keimzellen, unabhängig von der bekannten Wirkung mütterlichen Rauchens.
PMID 30462692 — Original auf PubMed →
Effekt von Nusskonsum auf Spermienqualität und -funktionalität bei gesunden Männern mit westlicher Ernährung: eine randomisierte kontrollierte Studie (2018)
Salas-Huetos A et al. — The American journal of clinical nutrition · Ernährung
Randomisierte, kontrollierte, parallele Interventionsstudie (RCT, FERTINUTS-Studie) über 14 Wochen mit 119 gesunden Männern (18–35 Jahre). Methodik: Eine Gruppe erhielt zusätzlich zur gewohnten westlichen Ernährung täglich 60 g gemischte Nüsse, die Kontrollgruppe vermied Nüsse; vor und nach der Intervention wurden Samen- und Blutproben analysiert. Ergebnisse: Im Vergleich zur Kontrollgruppe verbesserten sich in der Nussgruppe signifikant die Gesamtspermienzahl (p=0,002), Vitalität (p=0,003), Gesamtmotilität (p=0,006), progressive Motilität (p=0,036) und Morphologie (p=0,008). Die Spermien-DNA-Fragmentierung sank signifikant (p<0,001), ebenso die Expression von hsa-miR-34b-3p (p=0,036); keine Unterschiede bei reaktiven Sauerstoffspezies, Chromosomenanomalien oder DNA-Methylierung. Die Nussgruppe nahm mehr ungesättigte Fettsäuren, Magnesium, Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren auf. Einordnung: Solide RCT-Evidenz, dass die Ergänzung einer westlichen Ernährung mit Nüssen mehrere Spermienparameter verbessert, möglicherweise vermittelt über eine reduzierte DNA-Fragmentierung.
PMID 30475967 — Original auf PubMed →
Der Einfluss von Bakteriospermie auf Spermienparameter: eine Meta-Analyse (2018)
Pergialiotis V et al. — Journal of family & reproductive health · Grunderkrankungen & Infektionen
Meta-Analyse von 18 Studien mit insgesamt 5.797 gesunden Kontrollen und 3.986 Männern mit Bakteriospermie (bakterielle Besiedlung des Ejakulats). Methodik: Literatursuche in Medline, Scopus, Clinicaltrials.gov, EMBASE, LILACS und Cochrane CENTRAL; Auswertung mit RevMan 5.3, Berechnung von Mittelwertdifferenzen (MD) mit 95%-Konfidenzintervallen. Ergebnisse: Das Ejakulatvolumen war unverändert (MD 0,02), jedoch waren Spermienkonzentration (MD −27,06) und Gesamtspermienzahl (MD −15,12) bei Bakteriospermie signifikant reduziert. Der Anteil normal geformter Spermien (MD −5,43%) sowie lebender Spermien (MD −4,39%) war ebenfalls vermindert, ebenso Gesamtmotilität (MD −3,64) und progressive Motilität (MD −12,81); der pH-Wert war leicht erhöht (MD 0,03). Einordnung: Bakteriospermie ist — auch bei asymptomatischem Verlauf — mit deutlich reduzierter Spermienqualität in mehreren Parametern assoziiert; die Autoren fordern weitere Studien zum Effekt einer antibiotischen Behandlung auf die Fertilität.
PMID 30820210 — Original auf PubMed →
Prädiktoren für eine erfolgreiche Spermiengewinnung mittels Salvage-Mikrodissektions-TESE nach gescheiterter TESE bei Patienten mit nichtobstruktiver Azoospermie (2017)
Xu T, Peng L, Lin X, Li J, Xu W — Andrologia · Sonstiges
Klinische Studie an 52 Männern mit nichtobstruktiver Azoospermie (NOA), bei denen nach gescheiterter konventioneller testikulärer Spermienextraktion (TESE) eine mikrodissektions-TESE (mTESE) als Salvage-Verfahren durchgeführt wurde. Methodik: Erfassung von Alter, BMI, Klinefelter-Syndrom, Varikozele, Kryptorchismus, Hodenvolumen, Hormonprofil (Testosteron, FSH, LH, Inhibin B), Testishistologie und OP-Dauer; multivariate logistische Regression zur Identifikation von Prädiktoren der Spermiengewinnung. Ergebnisse: Gesamttestosteron und Testishistologie waren signifikante Prädiktoren für eine erfolgreiche Spermiengewinnung (Chi-Quadrat=26,42; df=4; p<0,005). Eine daraus abgeleitete Formel erreichte bei einem Cut-off von >71% vorhergesagter Erfolgswahrscheinlichkeit eine Sensitivität von 78,0% und Spezifität von 72,4% (ROC-Analyse). Einordnung: Die Studie liefert ein praktikables, auf Hormonwerten und Histologie basierendes Vorhersagemodell, das bei NOA-Patienten mit vorheriger erfolgloser TESE helfen kann, geeignete Kandidaten für eine erneute operative Spermiengewinnung zu identifizieren.
PMID 27444399 — Original auf PubMed →
Selbstberichtete Mobiltelefonnutzung und Samenparameter bei Männern einer Kinderwunschklinik (2017)
Lewis RC, Mínguez-Alarcón L, Meeker JD, Williams PL, Mezei G, Ford JB, Hauser R — Reproductive toxicology · Strahlung & Bildschirmzeit
Längsschnittliche Kohortenstudie an 153 Männern einer akademischen Kinderwunschklinik in Boston, mit insgesamt 350 ausgewerteten Samenproben. Mittels pflegepersonal-administriertem Fragebogen wurden Dauer der Mobiltelefonnutzung, Verwendung von Headset/Freisprechanlage und Trageort des Telefons (z. B. Hosentasche) erfasst. Da mehrere Samenproben pro Mann vorlagen, wurden lineare gemischte Modelle mit zufälligen Achsenabschnitten verwendet, um den Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung und Samenparametern zu untersuchen. Insgesamt fand sich kein Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung (Dauer, Trageweise, Headset-Gebrauch) und Samenqualität. Die Studie liefert damit – im Gegensatz zu manchen früheren, methodisch limitierten Untersuchungen – keine Bestätigung der Hypothese, dass niederfrequente elektromagnetische Felder von Mobiltelefonen die Spermienqualität beeinträchtigen; allerdings beruhen die Expositionsdaten auf Selbstauskunft, was Messungenauigkeiten nicht ausschließt.
PMID 27838386 — Original auf PubMed →
Asymptomatische Infektion mit Mycoplasma hominis beeinträchtigt Samenparameter und führt zu männlicher Infertilität – bestätigt durch verbesserte Samenparameter nach Antibiotikatherapie (2017)
Ahmadi MH, Mirsalehian A, Sadighi Gilani MA, Bahador A, Talebi M — Urology · Grunderkrankungen & Infektionen
Fall-Kontroll-Studie mit 165 infertilen Männern mit auffälligem Spermiogramm und 165 gesunden fertilen Kontrollen. Samenproben wurden mittels Real-Time-PCR, mikrobiologischer Kultur sowie Bestimmung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und totaler antioxidativer Kapazität (TAC) untersucht; infizierte Männer der Studiengruppe erhielten eine Antibiotikatherapie, gefolgt von einer Kontrolluntersuchung nach einem Monat. Mycoplasma hominis fand sich signifikant häufiger bei infertilen (14,5%) als bei fertilen Männern (3,6%; p=0,001). Nach Antibiotikabehandlung verbesserten sich nahezu alle Samenparameter (außer Volumen, pH und Viskosität) signifikant, Leukozyten im Ejakulat verschwanden, TAC stieg an und ROS bzw. das ROS/TAC-Verhältnis sanken. Bei 58,3% der zuvor infizierten Männer kam es innerhalb von 4 Monaten nach Behandlung zu einer Schwangerschaft der Partnerin. Die Ergebnisse sprechen für einen kausalen Zusammenhang zwischen asymptomatischer M.-hominis-Infektion und männlicher Infertilität sowie für eine wirksame Antibiotikatherapie.
PMID 27871827 — Original auf PubMed →
Samenqualität und Alkoholkonsum: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (2017)
Ricci E, Al Beitawi S, Cipriani S, Candiani M, Chiaffarino F, Viganò P, Noli S, Parazzini F — Reproductive biomedicine online · Rauchen, Alkohol & Drogen
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 15 Querschnittsstudien mit insgesamt 16.395 Männern zum Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Samenqualität (Literatursuche in MEDLINE und Embase). Gepoolt wurden Effektschätzer für Samenparameter, sofern als Mittelwerte oder Mediane verfügbar. Alkoholkonsum war mit einem geringeren Samenvolumen assoziiert (gepoolte Differenz für keinen/geringen Konsum: 0,25 ml, 95%-KI 0,07–0,42) sowie mit einem höheren Anteil normal geformter Spermien (1,87%, 95%-KI 0,86–2,88%). Der Unterschied war beim Vergleich gelegentlicher versus täglicher Trinker deutlicher ausgeprägt als beim Vergleich Abstinenz versus gelegentlicher Konsum, was darauf hindeutet, dass moderater Konsum die Samenparameter kaum beeinträchtigt. Die Autoren betonen, dass vor allem starker, regelmäßiger Alkoholkonsum vermieden werden sollte, während für moderaten Konsum die Datenlage keine eindeutige Empfehlung erlaubt; weitere Studien zu reproduktiven Endpunkten (nicht nur Samenparametern) seien nötig.
PMID 28029592 — Original auf PubMed →
Berufliche Pestizidexposition, reproduktive Hormonspiegel und Spermienqualität bei jungen brasilianischen Männern (2017)
Cremonese C, Piccoli C, Pasqualotto F, Clapauch R, Koifman RJ, Koifman S, Freire C — Reproductive toxicology · Endokrine Disruptoren
Querschnittsstudie an 99 ländlichen und 36 städtischen jungen brasilianischen Männern (18–23 Jahre) zum Zusammenhang zwischen beruflicher Pestizidexposition und reproduktiven Parametern. Per Fragebogen wurde die Pestizidnutzung erfasst, ergänzt durch Bestimmung von Sexualhormonen im Serum, Samenparametern, anogenitalem Abstand (AGD) und Hodenvolumen; Auswertung mittels multivariater linearer Regression. Männer aus ländlichen Gebieten hatten eine schlechtere Spermienmorphologie, aber eine höhere Spermienzahl und niedrigere LH-Spiegel als städtische Männer. Lebenslange Pestizidnutzung, insbesondere von Herbiziden und Fungiziden, war mit schlechterer Spermienmorphologie sowie reduziertem LH und Prolaktin assoziiert, mit Hinweisen auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung. Mütterliche landwirtschaftliche Tätigkeit während der Schwangerschaft war mit größerem AGD und Hodenvolumen der Söhne assoziiert. Die Studie stützt die Hypothese, dass chronische berufliche Exposition gegenüber modernen Pestiziden als endokrine Disruptoren die männliche Reproduktionsfunktion beeinträchtigen kann – bereits ab der pränatalen Phase.
PMID 28077271 — Original auf PubMed →
Moderates aerobes Ausdauertraining zur Verbesserung der Reproduktionsfunktion bei infertilen Patienten: eine randomisierte kontrollierte Studie (2017)
Hajizadeh Maleki B, Tartibian B — Cytokine · Gewicht & Sport
Randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) an ursprünglich 1.026 gescreenten, sitzenden, infertilen Männern (25–40 Jahre), von denen 419 randomisiert wurden (Trainingsgruppe n=210, Kontrollgruppe n=209). Die Interventionsgruppe absolvierte 24 Wochen moderates aerobes Training; erfasst wurden seminale Entzündungsmarker (IL-1β, IL-6, IL-8, TNF-α), oxidativer Stress (ROS, MDA, 8-Isoprostan), antioxidative Kapazität (SOD, Katalase, TAC), Samenparameter, Spermien-DNA-Integrität und Schwangerschaftsrate. Das Training reduzierte signifikant Entzündungs- und Oxidationsmarker und steigerte die antioxidative Abwehr (jeweils p<0,05); parallel verbesserten sich Samenparameter, DNA-Integrität und Schwangerschaftsrate signifikant. Eine 4-wöchige Trainingspause reichte nicht aus, um die erzielten Verbesserungen vollständig rückgängig zu machen. Die Ergebnisse sprechen für moderates aerobes Ausdauertraining als wirksame, nebenwirkungsarme Zusatzmaßnahme bei männlicher Infertilität, vermittelt über eine Reduktion von Entzündung und oxidativem Stress im Seminalplasma.
PMID 28092795 — Original auf PubMed →
Starke Einhaltung eines gesunden Ernährungsmusters ist mit besserer Samenqualität assoziiert, insbesondere bei Männern mit schlechter Samenqualität (2017)
Oostingh EC, Steegers-Theunissen RP, de Vries JH, Laven JS, Koster MP — Fertility and sterility · Ernährung
Prospektive perikonzeptionelle Kohortenstudie (Rotterdam Periconception Cohort/Predict-Studie) an 129 männlichen Partnern schwangerer Frauen in einem Tertiärkrankenhaus; Durchschnittsalter 35 Jahre, BMI 26,4 kg/m². Mittels Hauptkomponentenanalyse wurden zwei Ernährungsmuster identifiziert ("gesund" und "ungesund") und mit Samenparametern (Volumen, Konzentration, Gesamtspermienzahl, progressive Motilität, unbewegliche Spermien, gesamtmotile Spermienzahl/TMSC) in Beziehung gesetzt. Eine stärkere Ausprägung des gesunden Ernährungsmusters war signifikant mit höherer Spermienkonzentration (β=0,278), höherer Gesamtspermienzahl (β=1,369), besserer progressiver Motilität (β=4,305) und höherem TMSC (β=0,319) assoziiert. Diese Zusammenhänge zeigten sich vor allem in der Subgruppe mit schlechter Samenqualität (TMSC <10 Mio.). Für das ungesunde Ernährungsmuster fand sich lediglich ein statistisch nicht signifikanter Trend zu schlechterer Samenqualität. Die Autoren folgern, dass eine gesunde Ernährung besonders bei Männern mit ohnehin eingeschränkter Samenqualität von Nutzen sein könnte, was für eine gezielte Ernährungsberatung bei Kinderwunschpaaren spricht.
PMID 28292616 — Original auf PubMed →
Ernährungsmuster, Lebensmittel und Nährstoffe bei männlichen Fertilitätsparametern und Fekundabilität: eine systematische Übersicht über Beobachtungsstudien (2017)
Salas-Huetos A, Bulló M, Salas-Salvadó J — Human reproduction update · Ernährung
Systematische Übersichtsarbeit (PRISMA-Leitlinien) über Beobachtungsstudien (Querschnitts-, Fall-Kontroll-, prospektive und retrospektive Studien) zum Zusammenhang zwischen Ernährungsmustern, Lebensmitteln, Nährstoffen und männlicher Fertilität bzw. Fekundabilität; aus 1.944 identifizierten Artikeln wurden 35 in die qualitative Auswertung eingeschlossen (randomisierte Studien, Tiermodelle und Reviews wurden ausgeschlossen). Gesunde Ernährungsmuster, reich an Omega-3-Fettsäuren, bestimmten Antioxidantien (Vitamin E, C, β-Carotin, Selen, Zink, Cryptoxanthin, Lycopin), Vitamin D und Folat sowie arm an gesättigten und Transfetten, waren invers mit schlechter Samenqualität assoziiert. Fisch, Meeresfrüchte, Geflügel, Getreide, Obst/Gemüse und fettarme Milchprodukte zeigten positive Assoziationen mit Samenparametern, während verarbeitetes Fleisch, Soja, Kartoffeln, Vollfettmilchprodukte, Käse, Kaffee, Alkohol und Süßgetränke in manchen Studien negativ assoziiert waren. Hohe Aufnahme von Alkohol, Koffein und (verarbeitetem) rotem Fleisch war zudem mit verlängerter Zeit bis zur Schwangerschaft verbunden. Da es sich um Beobachtungsdaten handelt, ist Kausalität nicht belegt; die Autoren fordern große prospektive Kohorten und RCTs.
PMID 28333357 — Original auf PubMed →
Spermiengewinnung und ICSI-Ergebnisse beim Klinefelter-Syndrom: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2017)
Corona G, Pizzocaro A, Lanfranco F, Garolla A, Pelliccione F, Vignozzi L, Ferlin A, Foresta C, Jannini EA, Maggi M, Lenzi A, Pasquali D, Francavilla S — Human reproduction update · Genetik & Anatomie
Systematische Übersicht und Metaanalyse zu 37 eingeschlossenen Studien (aus 139 identifizierten) mit insgesamt 1.248 Männern mit Klinefelter-Syndrom (mittleres Alter 30,9 Jahre), die sich einer testikulären Spermienextraktion (TESE bzw. Mikro-TESE) unterzogen. Primärer Endpunkt war die Spermiengewinnungsrate (SRR), sekundär Schwangerschafts- (PR) und Lebendgeburtenraten (LBR) nach ICSI. Die gepoolte SRR pro TESE-Zyklus betrug 44% (95%-KI 39–48%), ohne signifikanten Unterschied zwischen Mikro-TESE (43%) und konventioneller TESE (45%). Alter, Hodenvolumen sowie FSH-, LH- und Testosteronspiegel bei Einschluss beeinflussten die SRR in der Meta-Regression nicht, ebenso wenig ein bilaterales versus unilaterales Vorgehen. Bei 410 ICSI-Zyklen (29 Studien) lag die Schwangerschaftsrate bei 43% und die Lebendgeburtenrate ebenfalls bei 43%, unabhängig von klinischen oder laborchemischen Parametern sowie unabhängig davon, ob frisches oder kryokonserviertes Sperma verwendet wurde. Die Daten belegen, dass bei Klinefelter-Patienten mit TESE/Mikro-TESE in etwa der Hälfte der Fälle Spermien gewonnen und Schwangerschaften erzielt werden können.
PMID 28379559 — Original auf PubMed →
Phthalatexposition, selbst unterhalb der US-EPA-Referenzdosen, war mit Samenqualität und reproduktiven Hormonen assoziiert: prospektive MARHCS-Studie in der Allgemeinbevölkerung (2017)
Chen Q, Yang H, Zhou N, Sun L, Bao H, Tan L, Chen H, Ling X, Zhang G, Huang L, Li L, Ma M, Yang H, Wang X, Zou P, Peng K, Liu T, Shi X, Feng D, Zhou Z, Ao L, Cui Z, Cao J — Environment international · Endokrine Disruptoren
Prospektive Kohortenstudie (MARHCS, Male-Reproductive-Health-in-Chongqing-College-Students) an 796 männlichen Studenten, die einen Campusumzug mit veränderter Umweltexposition durchliefen. Vor und nach dem Umzug wurden Urin-, Samen- und Blutproben auf 13 Phthalat-Metaboliten sowie fünf Samenparameter und sechs reproduktive Hormone untersucht. Nahezu alle Samen-/Hormonparameter waren mit mindestens einem Phthalat-Metaboliten assoziiert; z. B. ging jedes Quartil Monoethylphthalat mit einer Abnahme von Spermienkonzentration (-5,3%), Gesamtspermienzahl (-5,7%) und progressiver Motilität (-2,6%) einher. Diese Zusammenhänge blieben auch bei Probanden mit Phthalat-Aufnahmen unterhalb der EPA-Referenzdosen (RfD) signifikant bestehen. Nach dem Umzug sanken die meisten Metabolitenspiegel, während Samenvolumen (+5,9%), normale Morphologie (+25,0%) und Östradiol/LH anstiegen und Testosteron um 7,0% sank; die Veränderungen der Metaboliten korrelierten mit denen der Samen-/Hormonparameter. Die Studie zeigt, dass bereits Phthalat-Expositionen unterhalb der bisher als sicher geltenden Referenzdosen die männliche Reproduktionsfunktion messbar beeinträchtigen können und fordert strengere Regulierung.
PMID 28441547 — Original auf PubMed →
Chronische Prostatitis und ihre schädliche Auswirkung auf Spermienparameter: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2017)
Condorelli RA, Russo GI, Calogero AE, Morgia G, La Vignera S — Journal of endocrinological investigation · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematische Übersicht und Metaanalyse (PRISMA) von 27 Studien mit insgesamt 3.241 Teilnehmern (381 mit chronisch bakterieller Prostatitis/CBP, 1.670 mit chronischem Beckenschmerzsyndrom/CP-CPPS, 1.190 Kontrollen) zum Zusammenhang zwischen chronischer Prostatitis und Samenqualität. CBP war mit reduzierter Spermienkonzentration, -vitalität sowie Gesamt- und progressiver Motilität assoziiert, CP/CPPS zusätzlich mit vermindertem Samenvolumen und schlechterer Morphologie. Chronische Prostatitis insgesamt war signifikant mit reduzierter Zinkkonzentration im Seminalplasma verbunden (SMD -20,73; p=0,005) und erhöhte das Risiko für Anti-Spermien-Antikörper im Seminalplasma deutlich (OR 3,26; p<0,01). Die Autoren schließen, dass chronische Prostatitis – in ihren beiden Hauptformen mit unterschiedlichem Muster – einen relevanten negativen Einfluss auf die Spermienqualität hat, vermutlich vermittelt über lokale Entzündung, Zinkmangel und Immunreaktionen gegen Spermien, was bei der Abklärung männlicher Infertilität berücksichtigt werden sollte.
PMID 28488229 — Original auf PubMed →
Routinemäßige Erfassung der beruflichen Exposition und ihr Zusammenhang mit der Samenqualität bei infertilen Männern: eine Querschnittsstudie (2017)
Daoud S, Sellami A, Bouassida M, Kebaili S, Ammar Keskes L, Rebai T, Chakroun Feki N — Turkish journal of medical sciences · Beruf & globale Trends
Querschnittliche Fragebogenstudie an 2.122 Männern, die sich wegen unerfülltem Kinderwunsch andrologisch untersuchen ließen; alle Teilnehmer wurden befragt und ihre Samenproben analysiert, um berufliche/umweltbedingte Expositionen (Pestizide, Zement, Lösungsmittel, Hitze, mechanische Vibrationen) mit veränderten Samenparametern in Verbindung zu bringen. Pestizidexposition war mit einem signifikant erhöhten Risiko für Asthenozoospermie (adjustierte OR 1,6; 95%-KI 1,0–2,4) und Nekrozoospermie (OR 2,6; 95%-KI 1,4–4,7) assoziiert. Zementexposition korrelierte mit einem erhöhten Risiko für Oligozoospermie (OR 1,1; 95%-KI 0,9–1,4). Für Lösungsmittel, übermäßige Hitze oder mechanische Vibrationen fand sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang mit eingeschränkter Samenqualität. Die Autoren folgern, dass selbstberichtete berufliche Exposition – insbesondere gegenüber Pestiziden und Zement – mit Samenauffälligkeiten assoziiert ist und dass ein einfacher Fragebogen zur routinemäßigen Erfassung beruflicher Risikofaktoren in der Infertilitätsdiagnostik sinnvoll sein kann.
PMID 28618741 — Original auf PubMed →
Hochintensives Ausdauertraining zur Verbesserung der Reproduktionsfunktion bei infertilen Patienten: eine randomisierte kontrollierte Studie (2017)
Maleki BH, Tartibian B — Journal of obstetrics and gynaecology Canada (JOGC) · Gewicht & Sport
Randomisiert-kontrollierte Studie an 433 infertilen Männern (25–40 Jahre), randomisiert in eine Trainingsgruppe (n=218) und eine Kontrollgruppe (n=215). Das 24-wöchige Programm bestand aus Laufband-Training dreimal wöchentlich bei 70–85% der maximalen Sauerstoffaufnahme (hochintensives Ausdauertraining); erhoben wurden seminale Entzündungs- und Oxidationsmarker, Samenparameter, Spermien-DNA-Fragmentierung und Schwangerschaftsrate zu Baseline, nach 12 und 24 Wochen sowie 7 und 30 Tage nach Trainingsende. Die Trainingsgruppe zeigte signifikant reduzierte Entzündungsmarker (IL-6, TNF-α) und oxidativen Stress (ROS, MDA) sowie eine gesteigerte antioxidative Kapazität (SOD, Katalase, TAC) (jeweils p<0,05), begleitet von verbesserten Samenparametern, DNA-Integrität und Schwangerschaftsrate. Die Autoren empfehlen ein hochintensives Ausdauertrainingsprogramm als ergänzende Lifestyle-Maßnahme bei männlicher Infertilität, weisen aber auf die Notwendigkeit hin, die Nachhaltigkeit der Effekte sowie mögliche Grenzen der Trainingsintensität weiter zu untersuchen.
PMID 28625282 — Original auf PubMed →
Kaffee- und Koffeinkonsum und männliche Infertilität: eine systematische Übersichtsarbeit (2017)
Ricci E, Viganò P, Cipriani S, Somigliana E, Chiaffarino F, Bulfoni A, Parazzini F — Nutrition journal · Rauchen, Alkohol & Drogen
Systematische Übersichtsarbeit über Beobachtungsstudien (Literatursuche in MEDLINE/EMBASE bis November 2016) zum Zusammenhang zwischen Kaffee-/Koffeinkonsum und männlicher Fertilität, einschließlich Spermienploidie, Spermien-DNA-Integrität, Samenqualität und Zeit bis zur Schwangerschaft. Insgesamt wurden 28 Arbeiten mit zusammen 19.967 Männern eingeschlossen. Reiner Koffeinkonsum über Kaffee, Tee oder Kakao zeigte in den meisten Studien keinen Effekt auf klassische Samenparameter, während koffeinhaltige Cola- und Softdrinks in einigen Untersuchungen mit geringerem Samenvolumen, -zahl und -konzentration assoziiert waren. Hinsichtlich der Spermien-DNA schien Koffein mit Aneuploidie und DNA-Strangbrüchen, nicht aber mit anderen DNA-Schadensmarkern zusammenzuhängen. Männlicher Kaffeekonsum war in manchen, aber nicht allen Studien mit einer verlängerten Zeit bis zur Schwangerschaft assoziiert. Die Autoren folgern, dass Koffein möglicherweise über Spermien-DNA-Schäden die männliche Fertilität beeinträchtigen kann, die Evidenzlage aber uneinheitlich und nicht schlüssig ist; standardisierte Studien seien erforderlich.
PMID 28646871 — Original auf PubMed →
Humane Samenqualität, Spermien-DNA-Schäden und Höhe der Reproduktionshormone im Zusammenhang mit Urin-Konzentrationen von Parabenen (2017)
Jurewicz J, Radwan M, Wielgomas B, Dziewirska E, Karwacka A, Klimowska A, Kałużny P, Radwan P, Bochenek M, Hanke W — Journal of occupational and environmental medicine · Endokrine Disruptoren
Querschnittsstudie an 315 Männern einer Kinderwunschklinik mit normaler Spermienkonzentration (15–300 Mio./mL), bei denen Urinproben mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie auf fünf Parabene analysiert wurden; zusätzlich erfolgten Befragung sowie Samen-, Speichel- und Blutproben zur Bestimmung von Samenqualität (inkl. computergestützter Samenanalyse/CASA), Spermienchromatinstruktur und Hormonen (FSH, Testosteron, Östradiol). Höhere Urin-Parabenkonzentrationen waren signifikant mit einem höheren Anteil morphologisch abnormaler Spermien, einem höheren Anteil an Spermien mit hoher DNA-Anfärbbarkeit (Hinweis auf unreifes Chromatin), geringerer Motilität und niedrigerem Testosteronspiegel assoziiert. Als eine der ersten Studien zu diesem Thema liefert sie erste Hinweise auf eine mögliche endokrin-disruptive Wirkung von Parabenen – üblichen Konservierungsstoffen in Kosmetika und Körperpflegeprodukten – auf die männliche Reproduktionsfunktion; die Autoren betonen ausdrücklich den vorläufigen Charakter der Befunde und fordern weitere Forschung.
PMID 28692609 — Original auf PubMed →
Kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining zur Verbesserung der Reproduktionsfunktion bei infertilen Männern: eine randomisierte kontrollierte Studie (2017)
Hajizadeh Maleki B, Tartibian B — Applied physiology, nutrition, and metabolism · Gewicht & Sport
Randomisiert-kontrollierte Studie an 556 von ursprünglich 1.296 gescreenten infertilen Männern (25–40 Jahre), randomisiert zu 24 Wochen kombiniertem Ausdauer- und Krafttraining (n=278) oder keiner Intervention (n=278); Samenproben wurden zu Baseline, nach 12 und 24 Wochen sowie 7 und 30 Tage nach Trainingsende untersucht. Das Trainingsprogramm reduzierte signifikant proinflammatorische Zytokine (IL-1β, IL-6, IL-8, TNF-α) und oxidative Stressmarker (ROS, MDA, 8-Isoprostan) und verbesserte die antioxidative Abwehr (SOD, Katalase, TAC) (jeweils p<0,05). Diese Veränderungen korrelierten mit einer Verbesserung von Samenparametern, Spermien-DNA-Integrität und Schwangerschaftsrate (p<0,05). Die Studie ergänzt frühere Arbeiten derselben Gruppe zu reinem Ausdauertraining und legt nahe, dass auch ein kombiniertes Ausdauer-Kraft-Training über eine Reduktion von Entzündung und oxidativem Stress die Reproduktionsfunktion bei männlicher Infertilität verbessern kann.
PMID 28820950 — Original auf PubMed →
Verwendung von nicht verschreibungspflichtigen Analgetika und männliche Reproduktionsfunktion (2017)
Høyer BB, Ramlau-Hansen CH, Bonde JP, Larsen SB, Toft G — Reproductive toxicology · Hormone & Medikamente
Querschnittsstudie an 1.493 Männern zum Zusammenhang zwischen der Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel (Paracetamol, NSAR, Kombinationspräparate) und Samenqualität sowie reproduktiven Hormonen; alle Männer gaben eine Samenprobe (n=1.493) ab, 1.056 zusätzlich eine Blutprobe, und beantworteten einen Fragebogen zur Medikamenteneinnahme. Nach Adjustierung für Alter, Studienkohorte und weitere Kovariaten fand sich kein Zusammenhang zwischen der Einnahme rezeptfreier Analgetika und Samenqualitätsparametern. Nutzer rezeptfreier Schmerzmittel hatten jedoch einen um 10,4% höheren Testosteronspiegel (95%-KI 4,0–17,1%) als Nichtnutzer; bei Aufschlüsselung nach Wirkstoffklasse zeigte sich dieser Zusammenhang für NSAR und Kombinationspräparate, nicht jedoch für Paracetamol allein. Die Autoren interpretieren dies vorsichtig als Hinweis auf einen möglichen endokrinen Effekt bestimmter rezeptfreier Analgetika, betonen jedoch, dass die Samenqualität selbst unbeeinflusst blieb und weitere Studien zur Kausalität nötig sind.
PMID 28899770 — Original auf PubMed →
Zeitliche Trends der Spermienzahl: eine systematische Übersicht und Meta-Regressionsanalyse (2017)
Levine H, Jørgensen N, Martino-Andrade A, Mendiola J, Weksler-Derri D, Mindlis I, Pinotti R, Swan SH — Human reproduction update · Beruf & globale Trends
Umfassende systematische Übersicht und Meta-Regressionsanalyse zu zeitlichen Trends der Spermienzahl, basierend auf einer Literatursuche in PubMed/MEDLINE und EMBASE (Publikationen 1981–2013). Von 7.518 gescreenten Abstracts wurden 2.510 Volltexte geprüft; 244 Schätzwerte aus 185 Studien mit insgesamt 42.935 Männern (Probenentnahme 1973–2011) gingen in die Analyse ein, adjustiert u. a. für Fertilitätsstatus, geografische Region, Alter und Karenzzeit. Die Spermienkonzentration (SC) sank zwischen 1973 und 2011 signifikant (adjustierte Steigung -0,64 Mio./mL/Jahr; 95%-KI -1,06 bis -0,22; p=0,003). Besonders ausgeprägt war der Rückgang bei nicht nach Fertilität selektierten westlichen Männern (Nordamerika, Europa, Australien/Neuseeland): dort sank die SC im Schnitt um 1,4%/Jahr, insgesamt um 52,4% über den Zeitraum; die Gesamtspermienzahl sank parallel um 59,3%. Bei fertilen westlichen Männern zeigte sich ein schwächerer, aber ebenfalls signifikanter Rückgang, während sich bei nicht-westlichen Männern (Südamerika, Asien, Afrika) kein signifikanter Trend fand. Die Autoren fordern dringend Forschung zu den Ursachen dieses anhaltenden Rückgangs.
PMID 28981654 — Original auf PubMed →
Humane Papillomaviren im Sperma und das Risiko für männliche Unfruchtbarkeit: eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (2017)
Lyu Z, Feng X, Li N, Zhao W, Wei L, Chen Y, Yang W, Ma H, Yao B, Zhang K, Hu Z, Shen H, Hang D, Dai M — BMC infectious diseases · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Prävalenz- und Fall-Kontroll-Studien zu HPV im Sperma. Vier elektronische Datenbanken wurden nach PRISMA-Kriterien für den Zeitraum Januar 1990 bis Dezember 2016 durchsucht; 31 Studien mit insgesamt 5194 Männern wurden eingeschlossen und getrennt für Allgemeinbevölkerung und Kinderwunschpatienten ausgewertet. Die HPV-DNA-Prävalenz im Sperma betrug 11,4% (95%-KI 7,8–15,0%) in der Allgemeinbevölkerung (n=2122) und 20,4% (95%-KI 16,2–24,6%) bei Kinderwunschpatienten (n=3072); Hochrisikotypen fanden sich bei 10,0% bzw. 15,5%. HPV16 war der häufigste Genotyp (4,8% bzw. 6,0%). Männer mit HPV-positivem Sperma hatten ein signifikant erhöhtes Unfruchtbarkeitsrisiko (Odds Ratio 2,93; 95%-KI 2,03–4,24). Die Autoren schließen, dass seminale HPV-Infektionen weltweit verbreitet sind und zur männlichen Unfruchtbarkeit beitragen könnten. Einschränkend bleibt der überwiegend querschnittliche Charakter der Primärstudien, der keine Kausalität belegt.
PMID 29121862 — Original auf PubMed →
Psychopharmaka und männliche Reproduktion (2017)
Drobnis EZ, Nangia AK — Advances in experimental medicine and biology · Hormone & Medikamente
Narrative Übersichtsarbeit zu den Effekten von Psychopharmaka (Antidepressiva, Antipsychotika, Antikonvulsiva) auf Sexualfunktion und Spermaqualität. SSRI, häufig auch bei vorzeitigem Samenerguss eingesetzt, verlängern die Ejakulationslatenz; damit wird eine erhöhte Spermien-DNA-Fragmentierung in Verbindung gebracht, die bei allen bislang untersuchten SSRI beobachtet wurde. SSRI und teils trizyklische Antidepressiva (v. a. Clomipramin) erhöhen den Prolaktinspiegel, Testosteron bleibt meist normal. Antipsychotika – am deutlichsten Chlorpromazin, Haloperidol, Reserpin, Risperidon, Thioridazin – erhöhen Prolaktin, senken Testosteron und verursachen häufig Ejakulationsstörungen; Aripiprazol und Clozapin wirken schwächer. Lithium erhöht Prolaktin und LH und senkt Testosteron. Antikonvulsiva wie Valproat, Carbamazepin, Oxcarbazepin und Levetiracetam vermindern die Spermaqualität. Die Autoren betonen erhebliche Wissenslücken, insbesondere fehlende Daten zu Schwangerschafts- und Nachkommen-Endpunkten, und fordern weitere Studien.
PMID 29256128 — Original auf PubMed →
Psychischer Stress und Hodenfunktion: Eine Querschnittsstudie an 1.215 dänischen Männern (2016)
Nordkap L, Jensen TK, Hansen ÅM, Lassen TH, Bang AK, Joensen UN, Blomberg Jensen M, Skakkebæk NE, Jørgensen N — Fertility and sterility · Alter, Stress & Schlaf
Querschnittsstudie an 1.215 dänischen Männern aus der Allgemeinbevölkerung (Medianalter 19 Jahre), rekrutiert 2008-2012 an einem universitären Forschungszentrum. Methodik: Fragebogen zu Gesundheit, Lebensstil und selbstberichtetem Stress (Vier-Item-Skala), körperliche Untersuchung, Samenprobe und Blutentnahme zur Hormonbestimmung (LH, FSH, Testosteron, freies Testosteron, SHBG, Inhibin B). Ergebnisse: Männer mit Stresswerten oberhalb eines mittleren Niveaus zeigten dosisabhängig eine schlechtere Samenqualität. Bei höchstem Stresslevel fanden sich eine um 38% niedrigere Spermienkonzentration, eine um 34% niedrigere Gesamtspermienzahl und ein um 15% geringeres Samenvolumen im Vergleich zu Männern mit mittlerem Stressniveau. Reproduktionshormone waren nicht signifikant mit Stress assoziiert. Einordnung: Die Ergebnisse deuten auf einen negativen Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Samenqualität hin; bei Kausalität könnte chronischer Stress ein relevanter, modifizierbarer Faktor für suboptimale Fertilität bei ansonsten gesunden Männern sein.
PMID 26477499 — Original auf PubMed →
Ureaplasma-urealyticum- und Mycoplasma-hominis-Infektionen und Samenqualität bei 19.098 unfruchtbaren Männern in China (2016)
Huang C, Long X, Jing S, Fan L, Xu K, Wang S, Zhu W — World journal of urology · Grunderkrankungen & Infektionen
Große klinische Studie mit 19.098 Samenproben unfruchtbarer Männer sowie 3.368 Proben fertiler Samenspender aus China (2011-2014). Methodik: Nachweis von Ureaplasma urealyticum (UU) und Mycoplasma hominis (MH) in Samenproben, standardisierte WHO-Samenanalyse sowie Antibiotika-Resistenztestung. Ergebnisse: Die Prävalenz von UU und MH unterschied sich signifikant zwischen infertilen und fertilen Männern. Bei UU-positiven infertilen Männern waren progressive Motilität, Gesamtmotilität und Anteil normaler Formen signifikant reduziert gegenüber nicht infizierten Männern; bei MH-Infektion zeigte sich kein Unterschied der Samenparameter. UU und MH (auch als Mischinfektion) waren hochempfindlich gegenüber Doxycyclin und Josamycin (Resistenzraten unter 6%), aber stark resistent gegenüber Ciprofloxacin. Einordnung: Die Studie mit sehr großer Fallzahl bestätigt einen Zusammenhang zwischen UU-Infektion und beeinträchtigter Samenqualität und liefert praktische Hinweise zur antibiotischen Therapie, während für MH kein negativer Effekt auf Samenparameter nachweisbar war.
PMID 26537883 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Spermienqualität: Ein systematisches Review mit Metaanalyse (2016)
Deng Z, Chen F, Zhang M, Lan L, Qiao Z, Cui Y, An J, Wang N, Fan Z, Zhao X, Li X — Environmental pollution (Barking, Essex : 1987) · Umweltschadstoffe
Systematisches Review mit Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Spermienqualität. Aus zehn identifizierten Studien wurden sechs mit vergleichbaren Daten in die Metaanalyse eingeschlossen; Teilnehmer wurden nach höchster und niedrigster Expositionsstufe gruppiert und mittels Random-Effects-Modell (gewichtete Mittelwertdifferenz, WMD) verglichen. Ergebnisse: Für Samenvolumen, Spermienzahl, Konzentration, progressive und Gesamtmotilität sowie Morphologie zeigten sich durchweg Trends zu schlechteren Werten in der Hochexpositionsgruppe (z.B. WMD Konzentration -8,21; progressive Motilität -7,76), jedoch erreichte keiner der Unterschiede statistische Signifikanz. Einordnung: Trotz fehlender statistischer Signifikanz deutet die Gesamtrichtung der Effekte auf einen möglichen negativen Einfluss chronischer Luftschadstoffbelastung auf die Spermienqualität hin; weitere, größer angelegte Studien sind nötig, um dies zu bestätigen.
PMID 26552539 — Original auf PubMed →
Phthalatexposition und Samenqualität bei fertilen US-amerikanischen Männern (2016)
Thurston SW, Mendiola J, Bellamy AR, Levine H, Wang C, Sparks A, Redmon JB, Drobnis EZ, Swan SH — Andrology · Endokrine Disruptoren
Multizentrische Querschnittsstudie an 420 männlichen Partnern schwangerer Frauen aus fünf US-amerikanischen Städten (1999-2001). Methodik: Bestimmung von neun Phthalatmetaboliten (u.a. MEHP, MEHHP, MEOHP, MECPP, MBP, MiBP, MCPP, MBzP, MEP) im Urin zeitgleich zur Samenprobe; lineare Regression von Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, Motilität und Morphologie auf die logarithmierten Metabolitenkonzentrationen, unadjustiert und konfounder-adjustiert. Ergebnisse: In unadjustierten Modellen war MiBP positiv mit Motilität und MBzP negativ mit der Gesamtspermienzahl assoziiert. In adjustierten Modellen zeigten DEHP-, DBP-, DEP- und DOP-Metaboliten keine Assoziation mit Samenparametern, mit Ausnahme einer inversen Beziehung zwischen MBzP und Spermienmotilität (β=-1,47). Einordnung: Die Autoren schließen, dass die Effekte einer Phthalatexposition im Erwachsenenalter auf klassische Samenparameter bei fertilen Männern insgesamt eher gering ausfallen, auch wenn einzelne Assoziationen (insbesondere MBzP) robust blieben.
PMID 26601918 — Original auf PubMed →
Spermatogenese bei Hodgkin-Lymphom-Patienten: Eine retrospektive Studie zur Samenqualität vor und nach verschiedenen Chemotherapie-Regimen (2016)
Paoli D, Rizzo F, Fiore G, Pallotti F, Pulsoni A, Annechini G, Lombardo F, Lenzi A, Gandini L — Human reproduction (Oxford, England) · Hormone & Medikamente
Große retrospektive Studie zur Spermatogenese bei Hodgkin-Lymphom (HL)-Patienten, mit Samenanalyse (WHO-2010-Kriterien) von 519 Patienten vor Therapie sowie longitudinaler Nachbeobachtung von 202 Patienten nach ABVD-Chemotherapie und 42 Patienten nach intensiveren Regimen (BEACOPP, COPP/ABVD, OPP/ABVD, MOPP, teils mit Radiotherapie) über bis zu 16 Jahre. Ergebnisse: 75% der HL-Patienten waren vor Therapie normozoospermisch. Nach ABVD sanken Spermienkonzentration und -zahl bei 6 und 12 Monaten signifikant ab, erholten sich aber bis Monat 24 wieder auf Ausgangsniveau. Bei ≥6 Zyklen intensiverer Regime (BEACOPP u.a.) kam es dagegen häufig zu dauerhafter Azoospermie; bei weniger Zyklen erholte sich die Spermatogenese erst nach 3-5 Jahren mit weiterhin eingeschränkter Qualität. Einordnung: Die Studie mit der bislang größten Fallzahl zeigt, dass nicht die Erkrankung selbst, sondern Art und Anzahl der Chemotherapiezyklen die Spermatogenese-Erholung bestimmen, und unterstreicht die Bedeutung einer Spermienkryokonservierung vor Therapiebeginn.
PMID 26705149 — Original auf PubMed →
Phthalatmetaboliten im Seminalplasma, Samenqualitätsparameter und Reproduktionshormone im Serum: Eine Querschnittsstudie in China (2016)
Wang YX, Zeng Q, Sun Y, Yang P, Wang P, Li J, Huang Z, You L, Huang YH, Wang C, Li YF, Lu WQ — Environmental pollution (Barking, Essex : 1987) · Endokrine Disruptoren
Querschnittsstudie an subfertilen Paaren am Tongji-Krankenhaus in Wuhan, China, mit Samenproben von 687 und Blutproben von 342 Männern. Methodik: Bestimmung von acht Phthalatmetaboliten direkt im Seminalplasma mittels HPLC-Tandem-Massenspektrometrie sowie Erfassung von Samenqualitätsparametern und Serumreproduktionshormonen; Auswertung mittels konfounder-adjustierter linearer und logistischer Regression. Ergebnisse: Mehrere Phthalatmetaboliten (MBP, MEHP, MEHHP, MEOHP) waren signifikant mit reduziertem Samenvolumen assoziiert; MBzP, MEHP und %MEHP korrelierten mit reduzierter kurvilinearer und Geradlinigkeitsgeschwindigkeit der Spermien, MBzP zusätzlich mit einem erhöhten Anteil abnormaler Köpfe und Schwänze (alle p für Trend <0,05). Reproduktionshormone im Serum zeigten keine signifikante Assoziation mit den Phthalatmetaboliten. Einordnung: Die direkte Messung der Metaboliten im Seminalplasma liefert zusätzliche Evidenz, dass Phthalatexposition die Samenqualität beeinträchtigen kann, ohne dass hierbei ein hormoneller Wirkmechanismus über die untersuchten Serumhormone nachweisbar war.
PMID 26766535 — Original auf PubMed →
Einfluss der Varikozele auf Samenparameter nach den neuen WHO-Kriterien von 2010: Ein systematisches Review mit Metaanalyse (2016)
Agarwal A, Sharma R, Harlev A, Esteves SC — Asian journal of andrology · Genetik & Anatomie
Systematisches Review mit Metaanalyse zum Einfluss der Varikozele auf Samenparameter nach den WHO-2010-Kriterien. Literatursuche in Medline/PubMed, SJU Discover und Google Scholar für Studien von 2010 bis August 2015; eingeschlossen wurden zehn Studien mit insgesamt 1.232 Männern, jeweils mit Vergleichsgruppe fertiler oder normozoospermischer Männer ohne Varikozele. Ergebnisse: Varikozele war assoziiert mit reduzierter Spermienzahl (mittlere Differenz -44,48 x10^6/ml), reduzierter Motilität (-26,67 Prozentpunkte) und reduzierter normaler Morphologie (-19,68 Prozentpunkte, jeweils p<0,001), jedoch nicht mit dem Samenvolumen. Subgruppenanalysen zeigten, dass die Effektgröße vom Kontrollgruppentyp abhing, nicht jedoch von der verwendeten WHO-Manual-Edition. Einordnung: Die Metaanalyse bestätigt die Varikozele als relevanten Risikofaktor für beeinträchtigte Samenqualität, unabhängig von methodischen Unterschieden zwischen älteren und neueren WHO-Kriterien zur Samenanalyse.
PMID 26780872 — Original auf PubMed →
Auswirkungen einer Ureaplasma-urealyticum-Infektion auf die Spermienqualität sowie Stickstoffmonoxid- und Zytokinkonzentrationen im Ejakulat unfruchtbarer Männer (2016)
Qian L, Bian GR, Li HB, Zhou Y, Dong SD, Wang WJ, Song J — American journal of reproductive immunology (New York, N.Y. : 1989) · Grunderkrankungen & Infektionen
Vergleichsstudie mit insgesamt 81 Samenproben unfruchtbarer Männer (mit und ohne Ureaplasma-urealyticum-Infektion) und gesunder Kontrollen. Methodik: Standardsamenanalyse sowie Bestimmung der Konzentrationen von Stickstoffmonoxid (NO) und der Zytokine Interleukin-17 und Interleukin-18 im Ejakulat. Ergebnisse: Bei infizierten unfruchtbaren Männern war die NO-Konzentration im Vergleich zu nicht infizierten unfruchtbaren und gesunden Männern signifikant erhöht (p<0,05), während Spermiendichte, pH-Wert, Vorwärtsbeweglichkeit, Aktivierungs- und Überlebensrate sowie der Anteil normal geformter Spermien signifikant niedriger waren. NO korrelierte zudem positiv mit den IL-17- und IL-18-Konzentrationen. Einordnung: Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Ureaplasma-Infektion über eine gesteigerte NO-Produktion und begleitende inflammatorische Zytokinantwort (IL-17, IL-18) die Spermienqualität schädigt und zur männlichen Infertilität beitragen kann; oxidativer/nitrosativer Stress erscheint als möglicher Wirkmechanismus.
PMID 26856767 — Original auf PubMed →
Gr/gr-Deletionen auf dem Y-Chromosom korrelieren mit männlicher Infertilität: Eine Originalstudie, Metaanalysen und Trial-Sequential-Analysen (2016)
Bansal SK, Jaiswal D, Gupta N, Singh K, Dada R, Sankhwar SN, Gupta G, Rajender S — Scientific reports · Genetik & Anatomie
Kombinierte Originalstudie mit Metaanalyse und Trial-Sequential-Analyse zu partiellen AZFc-Deletionen des Y-Chromosoms. Untersucht wurden 822 unfruchtbare und 225 fertile (Kontroll-)Männer auf komplette (b2/b4) und partielle Deletionen (gr/gr, b1/b3, b2/b3). Ergebnisse: Komplette AZFc-Deletionen fanden sich bei 0,97%, partielle bei 6,20% der Fälle, wobei gr/gr-Deletionen mit 5,84% am häufigsten waren und signifikant mit Infertilität assoziiert waren (p=0,0004). Männer mit gr/gr-Deletion hatten eine tendenziell niedrigere Spermienzahl (54,2 ± 57,5 Mio./ml vs. 72,5 ± 60,1 Mio./ml, nicht signifikant, p=0,071). Die ergänzende Metaanalyse bestätigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen gr/gr-Deletionen und Infertilitätsrisiko (OR=1,82) sowie mit niedriger Spermienzahl. Einordnung: Die Studie liefert konvergente Evidenz aus Eigenkohorte und Metaanalyse, dass gr/gr-Deletionen einen genetischen Risikofaktor für männliche Infertilität darstellen, insbesondere in kaukasischen Populationen.
PMID 26876364 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von Handynutzung auf Samenparameter: Ergebnisse der MARHCS-Kohortenstudie in Chongqing, China (2016)
Zhang G, Yan H, Chen Q, Liu K, Ling X, Sun L, Zhou N, Wang Z, Zou P, Wang X, Tan L, Cui Z, Zhou Z, Liu J, Ao L, Cao J — Environment international · Strahlung & Bildschirmzeit
Prospektive Kohortenstudie (MARHCS) an jungen chinesischen Männern (Studenten) in Chongqing mit drei Erhebungswellen: 794 Teilnehmer 2013, 666 in 2014 und 568 in 2015. Methodik: Erfassung der täglichen Handynutzungsdauer (Telefonieren, mobile Internetnutzung) per Fragebogen sowie standardisierte Samenanalyse; uni- und multivariate Regressionsanalysen unter Berücksichtigung von Störfaktoren. Ergebnisse: Die tägliche Telefonierdauer war 2013 signifikant mit reduzierter Spermienkonzentration (β=-6,32% pro Stunde) und Gesamtspermienzahl assoziiert, 2015 mit reduziertem Samenvolumen und Gesamtspermienzahl. Mobile Internetnutzung war ebenfalls mit reduzierten Parametern assoziiert. In einem gepoolten Modell über alle drei Jahre blieb der negative Zusammenhang zwischen Telefonieren und Samenqualität statistisch signifikant. Einordnung: Diese aus der Allgemeinbevölkerung (nicht aus einer Kinderwunschklinik) rekrutierte Kohortenstudie liefert Hinweise, dass intensive Handynutzung mit einer leicht schlechteren Samenqualität einhergehen könnte, wenngleich die Effekte moderat und teils inkonsistent zwischen den Jahren waren.
PMID 26949865 — Original auf PubMed →
Verzehr von Obst und Gemüse mit niedriger bis moderater Pestizidbelastung ist positiv mit Samenqualitätsparametern bei jungen gesunden Männern assoziiert (2016)
Chiu YH, Gaskins AJ, Williams PL, Mendiola J, Jørgensen N, Levine H, Hauser R, Swan SH, Chavarro JE — The Journal of nutrition · Ernährung
Querschnittsstudie (Rochester Young Men's Study) an 189 jungen Männern (18-22 Jahre) aus Rochester, USA. Methodik: Fragebogen, Samenprobe, Blutentnahme und körperliche Untersuchung; Erfassung der Ernährung mittels validiertem Food-Frequency-Questionnaire und Einteilung von Obst/Gemüse anhand der USDA-Pestizid-Rückstandsdaten in Kategorien mit hoher bzw. niedriger bis moderater Pestizidbelastung (Pesticide Residue Burden Score). Ergebnisse: Die Gesamtaufnahme von Obst/Gemüse war nicht mit der Samenqualität assoziiert. Männer im höchsten Quartil des Konsums von niedrig-/moderat belastetem Obst/Gemüse (≥2,8 Portionen/Tag) hatten jedoch eine um 169% höhere Gesamtspermienzahl und 173% höhere Spermienkonzentration als Männer im niedrigsten Quartil (<1,1 Portionen/Tag; p-Trend=0,003 bzw. 0,0005). Hoch pestizidbelastetes Obst/Gemüse zeigte keinen Zusammenhang. Einordnung: Die Ergebnisse legen nahe, dass Pestizidrückstände den gesundheitsförderlichen Effekt von Obst- und Gemüsekonsum auf die Samenqualität abschwächen können.
PMID 27075904 — Original auf PubMed →
Zigarettenrauchen und Samenqualität: Eine neue Metaanalyse zur Untersuchung des Effekts der WHO-Labormethoden von 2010 für die Untersuchung menschlichen Samens (2016)
Sharma R, Harlev A, Agarwal A, Esteves SC — European urology · Rauchen, Alkohol & Drogen
Systematisches Review mit Metaanalyse zum Effekt des Zigarettenrauchens auf die Samenqualität unter Berücksichtigung der WHO-2010-Labormethoden. Literatursuche in PubMed, SJU Discover und Google Scholar; eingeschlossen wurden 20 Studien mit insgesamt 5.865 Teilnehmern aus Kinderwunsch-/urologischen Kliniken und andrologischen Labors. Ergebnisse: Zigarettenrauchen war assoziiert mit reduzierter Spermienzahl (mittlere Differenz -9,72x10^6/ml), reduzierter Motilität (-3,48 Prozentpunkte) und reduzierter normaler Morphologie (-1,37 Prozentpunkte). Subgruppenanalysen zeigten stärkere Effekte bei infertilen Männern gegenüber der Allgemeinbevölkerung und bei moderaten/starken Rauchern gegenüber leichten Rauchern. Die Effektgröße für Volumen, Spermienzahl und Motilität war ähnlich unabhängig davon, ob die WHO-Manuals von 2010 oder früher verwendet wurden, für Morphologie jedoch geringer. Einordnung: Diese große, aktuelle Metaanalyse (rund 37% Raucherquote bei Männern im reproduktiven Alter) bestätigt einen konsistenten negativen Effekt des Rauchens auf klassische Samenparameter, mit dosisabhängiger Ausprägung.
PMID 27113031 — Original auf PubMed →
Y-Chromosom-b2/b3-Deletionen und männliche Infertilität: Eine umfassende Metaanalyse, Trial-Sequential-Analyse und systematisches Review (2016)
Bansal SK, Gupta G, Rajender S — Mutation research. Reviews in mutation research · Genetik & Anatomie
Systematisches Review mit Metaanalyse und Trial-Sequential-Analyse zu partiellen b2/b3-Deletionen des Y-Chromosoms und männlicher Infertilität. Von 24 überprüften Studien fanden 20 keinen, zwei einen direkten und zwei einen inversen Zusammenhang mit Infertilität; in der gepoolten Analyse hatten 241 von 8.892 (2,71%) oligo-/azoospermen Männern und 118 von 5.842 (2,02%) normozoospermen Kontrollen eine b2/b3-Deletion. Ergebnisse: Die Metaanalyse zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen b2/b3-Deletionen und Infertilitätsrisiko (Fixed-Effects-OR=1,313; Random-Effects-OR=1,315). Nach Ethnizität/Region stratifiziert war der Zusammenhang signifikant bei Mongolen, Nigro-Kaukasiern, Ostasiaten und Afrikanern, nicht jedoch bei Kaukasiern, Europäern, Südasiaten und Dravidern. Einordnung: Die b2/b3-Deletion erhöht das Infertilitätsrisiko offenbar nur in bestimmten, überwiegend asiatischen/afrikanischen Populationen, was auf populationsspezifische Unterschiede hindeutet und die uneinheitlichen Ergebnisse der Einzelstudien erklären könnte.
PMID 27234565 — Original auf PubMed →
Einfluss einer Hepatitis-B-Virusinfektion auf die Spermienqualität und den oxidativen Stress-Status im Ejakulat unfruchtbarer Männer (2016)
Qian L, Li Q, Li H — American journal of reproductive immunology (New York, N.Y. : 1989) · Grunderkrankungen & Infektionen
Fall-Kontroll-Studie mit 60 Samenproben unfruchtbarer Männer (mit und ohne Hepatitis-B-Virus(HBV)-Infektion) im Vergleich zu gesunden Männern. Methodik: Standardsamenanalyse sowie Bestimmung von Interleukin-17, Interleukin-18 und Malondialdehyd (MDA, Marker für oxidativen Stress) im Ejakulat. Ergebnisse: Bei HBV-infizierten unfruchtbaren Männern waren Samenvolumen, pH-Wert, Spermiendichte, Vorwärtsbeweglichkeit, Aktivierungs- und Überlebensrate sowie der Anteil normal geformter Spermien signifikant niedriger, während IL-17, IL-18 und MDA signifikant höher waren als bei nicht infizierten unfruchtbaren und gesunden Männern (jeweils p<0,05). Bei HBV-Infizierten korrelierte MDA negativ mit der Samenqualität und positiv mit IL-17/IL-18. Einordnung: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine HBV-Infektion über gesteigerten oxidativen Stress und eine inflammatorische Zytokinantwort die Spermienqualität beeinträchtigt und zur männlichen Infertilität beitragen kann – ein möglicher Wirkmechanismus analog zu anderen genitalen Infektionen.
PMID 27381166 — Original auf PubMed →
Klinefelter-Syndrom und Fertilität: Spermienkonservierung sollte Kindern mit Klinefelter-Syndrom nicht angeboten werden (2016)
Franik S, Hoeijmakers Y, D'Hauwers K, Braat DD, Nelen WL, Smeets D, Claahsen-van der Grinten HL, Ramos L, Fleischer K — Human reproduction (Oxford, England) · Genetik & Anatomie
Systematisches Review (76 eingeschlossene Studien aus PubMed, Embase, Cinahl und Web of Science bis April 2016) zur Fertilitätserhaltung bei Kindern und Jugendlichen mit Klinefelter-Syndrom (KS), der häufigsten chromosomalen Ursache nichtobstruktiver Azoospermie (zusätzliches X-Chromosom). Methodik: Literaturrecherche und -bewertung durch zwei unabhängige Reviewer. Ergebnisse: Bereits präpubertäre Jungen mit KS haben trotz normalem Hormonprofil eine reduzierte Keimzellzahl; Spermien im Ejakulat finden sich bei Jugendlichen mit KS extrem selten. Die Spermiengewinnungsrate mittels testikulärer Spermienextraktion (TESE) ist bei unter 16-Jährigen deutlich niedriger (0-20%) als bei 16- bis 30-Jährigen (40-70%); Spermatogonien lassen sich zwar bei etwa der Hälfte peripubertärer Jugendlicher nachweisen, es fehlen aber klinisch nutzbare Techniken zu deren späterer Verwendung. Einordnung: Die Autoren empfehlen, eine Fertilitätspreservation bei KS-Patienten unter 16 Jahren nicht anzubieten, da der Nutzen unsicher ist und funktionelle unreife Keimzellen dabei sogar verloren gehen könnten.
PMID 27412247 — Original auf PubMed →
Varikozele ist mit beeinträchtigter Samenqualität und veränderten Reproduktionshormonspiegeln assoziiert: Eine Studie an 7.035 gesunden jungen Männern aus sechs europäischen Ländern (2016)
Damsgaard J, Joensen UN, Carlsen E, Erenpreiss J, Blomberg Jensen M, Matulevicius V, Zilaitiene B, Olesen IA, Perheentupa A, Punab M, Salzbrunn A, Toppari J, Virtanen HE, Juul A, Skakkebæk NE, Jørgensen N — European urology · Genetik & Anatomie
Große Querschnittsstudie an 7.035 jungen Männern (Medianalter 19 Jahre) aus der Allgemeinbevölkerung in sechs europäischen Ländern (Dänemark, Finnland, Deutschland, Estland, Lettland, Litauen), erhoben 1996-2010. Methodik: körperliche Untersuchung, konventionelle Samenanalyse und Bestimmung reproduktiver Serumhormone; multivariable Regressionsanalysen. Ergebnisse: 1.102 Männer (15,7%) hatten eine Varikozele Grad 1-3. Mit zunehmendem Varikozele-Grad verschlechterte sich die Samenqualität, bereits ab Grad 1 nachweisbar; bei Grad 3 war die Spermienkonzentration weniger als halb so hoch wie bei Männern ohne Varikozele. Varikozele war zudem mit höherem FSH, niedrigerem Inhibin B und höherem LH assoziiert, während Gesamt- und freies Testosteron unverändert blieben. Einordnung: Diese bislang größte Studie an einer nicht auf Fertilität selektierten Population belegt einen dosisabhängigen negativen Effekt der Varikozele auf die Hodenfunktion, kann aber aufgrund des Querschnittsdesigns keine Aussage zu Progression oder Behandlungsnutzen treffen.
PMID 27423503 — Original auf PubMed →
Ist sitzender Lebensstil mit der Hodenfunktion assoziiert? Eine Querschnittsstudie an 1.210 Männern (2016)
Priskorn L, Jensen TK, Bang AK, Nordkap L, Joensen UN, Lassen TH, Olesen IA, Swan SH, Skakkebaek NE, Jørgensen N — American journal of epidemiology · Gewicht & Sport
Querschnittsstudie an 1.210 gesunden jungen dänischen Männern, die zwischen 2008 und 2012 im Rahmen der Musterung für den Wehrdienst untersucht wurden. Per Fragebogen wurden sitzendes Verhalten (Fernsehzeit, Computerzeit) und körperliche Aktivität erfasst; zusätzlich erfolgten körperliche Untersuchung, Samen- und Blutprobe. Männer mit mehr als 5 Stunden Fernsehzeit pro Tag hatten eine adjustierte Spermienkonzentration von 37 Mio./mL (95%-KI 30–44) gegenüber 52 Mio./mL (95%-KI 43–62) bei Nicht-Fernsehern; die Gesamtspermienzahl betrug entsprechend 104 vs. 158 Mio. Zudem waren FSH erhöht sowie Testosteron und das Testosteron/LH-Verhältnis erniedrigt. Computerzeit zeigte keinen Zusammenhang, während selbstbewertete körperliche Fitness (nicht die reine Trainingsdauer) positiv mit der Spermienzahl korrelierte. Die Studie legt nahe, dass insbesondere Fernsehkonsum – unabhängig von sportlicher Aktivität – mit schlechterer Hodenfunktion einhergeht, was auf zusätzliche Faktoren wie Sitzverhalten, Ernährung während des Fernsehens oder Hitzestau hindeuten könnte.
PMID 27501721 — Original auf PubMed →
Außenluftverschmutzung und Spermienqualität (2016)
Lafuente R, García-Blàquez N, Jacquemin B, Checa MA — Fertility and sterility · Umweltschadstoffe
Systematische Übersichtsarbeit (Literatur bis Juni 2016) zu 17 semi-ökologischen, Panel- und Kohortenstudien, die den Zusammenhang zwischen Außenluftschadstoffen (u. a. PM2.5, PM10, NOx, SO2, O3) und Samenqualität (DNA-Fragmentierung, Spermienzahl, -motilität, -morphologie) untersuchten. Dreizehn Studien erfassten die Exposition umweltbezogen, sechs nutzten Biomarker. Die methodische Qualität wurde mittels Newcastle-Ottawa-Skala bewertet. Für DNA-Fragmentierung fand sich schwache, aber andeutungsweise Evidenz für einen Effekt, für Spermienmotilität kaum, für Spermienzahl uneinheitliche Befunde, für die Morphologie hingegen deutlichere Hinweise auf einen negativen Effekt. Wegen der Heterogenität der untersuchten Schadstoffe, Parameter und Studiendesigns war eine Metaanalyse nicht möglich. Insgesamt fand die Mehrheit der eingeschlossenen Studien einen Effekt auf mindestens einen der vier Samenparameter, die Ergebnisse waren jedoch inkonsistent und die Studien untereinander schwer vergleichbar. Die Autoren fordern standardisierte Methoden zur Erfassung von Luftschadstoffexposition und Samenqualität für belastbarere Schlussfolgerungen.
PMID 27565259 — Original auf PubMed →
Effekt der bariatrischen Chirurgie auf Samenparameter und Sexualhormonkonzentrationen: eine prospektive Studie (2016)
El Bardisi H, Majzoub A, Arafa M, AlMalki A, Al Said S, Khalafalla K, Jabbour G, Basha M, Al Ansari A, Sabanegh E — Reproductive biomedicine online · Gewicht & Sport
Prospektive Studie an 46 adipösen Männern, die sich einer Sleeve-Gastrektomie (bariatrische Chirurgie) unterzogen; Samenanalyse und Hormonbestimmung erfolgten vor sowie 12 Monate nach der Operation. Präoperativ hatten 28,3% Azoospermie, 41,3% Oligospermie und 30,4% eine normale Spermienkonzentration. Nach der Operation stieg das Serumtestosteron in allen Gruppen signifikant an (p<0,001). Die Spermienkonzentration verbesserte sich signifikant bei Männern mit Azoospermie und Oligospermie (jeweils p<0,05). Das Ausmaß des Gewichtsverlusts (gemessen am BMI-Rückgang) hatte keinen zusätzlichen Einfluss auf die Veränderungen der Samen- und Hormonwerte. Die Autoren schließen, dass eine chirurgisch induzierte Gewichtsreduktion bei stark übergewichtigen, unfruchtbaren Männern mit vorbestehenden Störungen der Spermienproduktion einen günstigen Effekt auf Testosteronspiegel und Samenparameter hat, während bei bereits normaler Spermienkonzentration kein zusätzlicher Nutzen erkennbar war.
PMID 27569703 — Original auf PubMed →
Diätetische Supplementierung mit Docosahexaensäure (DHA) verbessert den seminalen antioxidativen Status und reduziert die Spermien-DNA-Fragmentierung (2016)
Martínez-Soto JC, Domingo JC, Cordobilla B, Nicolás M, Fernández L, Albero P, Gadea J, Landeras J — Systems biology in reproductive medicine · Supplements & Nährstoffe
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie mit ursprünglich 74 Teilnehmern (57 abschließend ausgewertet: 25 Placebo, 32 DHA), die über 10 Wochen täglich drei 500-mg-Kapseln erhielten – die Verumgruppe DHA-angereichertes Öl (1.500 mg/Tag), die Kontrollgruppe Sonnenblumenöl. Erfasst wurden klassische Samenparameter (Volumen, Konzentration, Motilität, Morphologie, Vitalität), Fettsäurezusammensetzung, gesamtantioxidative Kapazität und DNA-Fragmentierung vor und nach der Behandlung. Bei den klassischen Samenparametern und der Membran-Lipidzusammensetzung zeigten sich keine Unterschiede. In der DHA-Gruppe stiegen jedoch DHA- und Omega-3-Fettsäuregehalt im Seminalplasma an, die antioxidative Kapazität verbesserte sich, und der Anteil an Spermien mit DNA-Schäden sank. Die Studie deutet darauf hin, dass DHA-Supplementierung über eine Verbesserung des oxidativen Milieus die DNA-Integrität der Spermien schützen kann, ohne die Standardparameter des Spermiogramms kurzfristig zu verändern.
PMID 27792396 — Original auf PubMed →
Hodenkrebs und Spermien-DNA-Schäden: kurz- und langfristige Effekte antineoplastischer Behandlung (2015)
Paoli D et al. — Andrology · Hormone & Medikamente
Prospektive Verlaufsstudie an einem großen Kollektiv von Hodenkrebs-Patienten, bei denen die Spermien-DNA-Integrität (DNA-Fragmentationsindex, DFI, mittels Sperm Chromatin Structure Assay) vor sowie zu mehreren Zeitpunkten nach Chemo- bzw. Radiotherapie bestimmt wurde. Der mittlere DFI lag vor Behandlung bei 18,0±12,5 %, stieg nach 3 Monaten deutlich auf 27,7±17,4 % und blieb nach 6 Monaten mit 23,2±15,3 % erhöht, bevor er sich nach 12 und 24 Monaten weitgehend normalisierte (14,0±8,9 % bzw. 14,4±10,3 %). Nach Chemotherapie war der Anstieg ausgeprägt, mit deutlicher Erholung nach 12/24 Monaten; nach Radiotherapie fiel die spätere Erholung schwächer aus, erreichte aber annähernd Ausgangswerte. Der posttherapeutische DNA-Schaden war unabhängig von Alter und Tumorhistologie, aber stärker bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium ausgeprägt. Die Studie zeigt, dass Chromatinschäden nach onkologischer Therapie vorübergehend, aber substanziell sind und sich erst nach 12–24 Monaten weitgehend erholen – relevant für die Fertilitätsberatung von Krebspatienten.
PMID 25180491 — Original auf PubMed →
Konsistente altersabhängige Rückgänge der menschlichen Spermienqualität: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2015)
Johnson SL et al. — Ageing Research Reviews · Alter, Stress & Schlaf
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 90 Studien mit insgesamt 93.839 Probanden zur Frage, wie sich das männliche Alter auf sieben Ejakulatmerkmale auswirkt (Volumen, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, Morphologie, Gesamtmotilität, progressive Motilität, DNA-Fragmentierung). Signifikante altersabhängige Rückgänge zeigten sich bei Ejakulatvolumen, Gesamtmotilität, progressiver Motilität, normaler Morphologie und dem Anteil unfragmentierter Zellen; diese Effekte erwiesen sich weitgehend robust gegenüber Störfaktoren. Überraschend zeigte die Spermienkonzentration selbst keinen signifikanten altersabhängigen Rückgang innerhalb von Individuen, obwohl sie im historischen Studienvergleich über die Zeit insgesamt abnahm (Kohorteneffekt). Die Autoren folgern, dass väterliches Alter als eigenständiger Risikofaktor für schlechtere Schwangerschaftsausgänge und Nachkommengesundheit bei verzögerter Elternschaft stärker anerkannt werden sollte, und empfehlen, in der klinischen Kinderwunschbehandlung älterer Paare verstärkt DNA-Fragmentierung und progressive Motilität zu erfassen, da diese Parameter am aussagekräftigsten auf das männliche Alter reagieren.
PMID 25462195 — Original auf PubMed →
Bisphenol A im Urin und Spermienqualität – die LIFE-Studie (2015)
Goldstone AE et al. — Reproductive Toxicology · Endokrine Disruptoren
Kohortenstudie (LIFE-Studie) an Männern im reproduktionsfähigen Alter aus 16 Bezirken in Michigan und Texas (2005–2009) zur Assoziation zwischen Bisphenol-A(BPA)-Belastung und 35 Spermienqualitätsmaßen. Von 501 eingeschlossenen Männern lieferten 418 (83,4 %) mindestens eine Urin- und eine Samenprobe; lineare und logistische Regressionsmodelle sowie Generalized Estimating Equations wurden zur Berücksichtigung wiederholter Messungen und Adjustierung für 11 vordefinierte Kovariaten eingesetzt. Der geometrische Mittelwert der Gesamt-BPA-Konzentration im Urin betrug 0,55 ng/mL (95 %-KI 0,49–0,63). In den adjustierten Modellen fand sich als einziger signifikanter Zusammenhang eine inverse Beziehung zwischen BPA und Spermien-DNA-Fragmentierung (β=-0,0544, p=0,035), was auf tendenziell weniger DNA-Schäden bei höherer BPA-Belastung hindeutet. Diese große, bevölkerungsnahe Kohortenstudie widerspricht damit tendenziell früheren Befunden zu negativen BPA-Effekten und zeigt, dass der Zusammenhang zwischen BPA-Exposition und Spermienqualität in der Allgemeinbevölkerung weniger eindeutig ausfällt als in klinischen Subfertilitätskollektiven.
PMID 25462789 — Original auf PubMed →
Gonadotropin-Ersatztherapie zur Fertilitätsinduktion bei hypogonadalen Männern (2015)
Dwyer AA et al. — Best Practice & Research Clinical Endocrinology & Metabolism · Hormone & Medikamente
Narrativer Übersichtsartikel zur Fertilitätsbehandlung bei Männern mit kongenitalem hypogonadotropem Hypogonadismus (CHH), einer seltenen Form der Infertilität durch gestörte Sekretion oder Wirkung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH). Da bislang kein einheitlicher Behandlungskonsens besteht, fassen die Autoren historische und aktuelle Literatur zu therapeutischen Ansätzen zusammen. In den meisten Fällen induziert eine geeignete Hormontherapie mit humanem Choriongonadotropin (hCG), gegebenenfalls kombiniert mit follikelstimulierendem Hormon (FSH), erfolgreich Hodenwachstum, Spermatogenese und Fertilität. Neuere Studien untersuchten eine sequenzielle Behandlungsstrategie mit vorgeschalteter FSH-Gabe, um die Fertilitätsergebnisse bei besonders schwer betroffenen CHH-Patienten zu optimieren. Der Review zeigt, dass eine gezielte Substitution der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse in den meisten Fällen eine wirksame Wiederherstellung der Spermatogenese ermöglicht, auch wenn optimale Sequenz und Dauer der Behandlung je nach Schweregrad individualisiert werden müssen.
PMID 25617175 — Original auf PubMed →
Spermiogramm und Hodenvolumen bei erwachsenen Epilepsie-Patienten unter Valproat-Therapie (2015)
Hamed SA et al. — Journal of Clinical Neuroscience · Hormone & Medikamente
Fall-Kontroll-Studie an 55 Patienten mit idiopathischer Epilepsie unter Valproat(VPA)-Dauertherapie (mittleres Alter 31,9±6,6 Jahre, mittlere Erkrankungsdauer 12,5±5,1 Jahre, mittlere Behandlungsdauer 9,55±0,85 Jahre) im Vergleich zu gesunden Kontrollen; erfasst wurden Sexualhormonprofil, Spermiogramm, Hodenvolumen und Carnitin im Seminalplasma. Im Vergleich zu Kontrollen zeigten Patienten niedrigere Werte für freies Testosteron (p<0,01), Spermienkonzentration und -zahl (je p<0,0001), Carnitin (p<0,01) und Hodenvolumen (p<0,01) sowie höhere Anteile immotiler und abnorm geformter Spermien (p<0,001 bzw. p<0,0001). Spermienzahl, Motilität, Anteil immotiler/abnormer Spermien, Hodenvolumen und Carnitinspiegel korrelierten signifikant mit Krankheits- und Behandlungsdauer sowie VPA-Dosis. Die Studie zeigt, dass eine langfristige Valproat-Therapie mit reduzierter Spermienzahl und -motilität, vermehrt abnormen Spermien und vermindertem Hodenvolumen einhergeht und damit potenziell die männliche Fertilität beeinträchtigen kann – relevant für die Therapieplanung bei jungen männlichen Epilepsie-Patienten mit Kinderwunsch.
PMID 25636832 — Original auf PubMed →
Effekt vorübergehender skrotaler Hyperthermie auf Spermaparameter, biochemische Marker im Seminalplasma und oxidativen Stress beim Mann (2015)
Rao M et al. — Asian Journal of Andrology · Hitze & Kälte
Experimentelle prospektive Interventionsstudie an 20 gesunden männlichen Probanden (2 Gruppen à 10), deren Hodensack 10-mal in einem 43 °C warmen Wasserbad für je 30 Minuten erwärmt wurde: Gruppe 1 an 10 aufeinanderfolgenden Tagen, Gruppe 2 alle 3 Tage. Spermaparameter, Nebenhoden-/Akzessorialdrüsenfunktion, oxidativer Stress im Seminalplasma und Sexualhormone im Serum wurden vor Behandlung sowie über eine 16-wöchige Erholungsphase erfasst. Es zeigte sich eine deutliche, aber reversible Abnahme von Spermienkonzentration, Motilität, hypoosmotischem Schwelltest-Score und Gesamtakrosinaktivität (jeweils p<0,05) sowie ein Anstieg des Malondialdehyds im Seminalplasma. Der Rückgang der Spermienkonzentration war in Gruppe 2 (intermittierende Erwärmung) stärker ausgeprägt als in Gruppe 1 (p=0,031). Die Autoren schließen, dass vorübergehende skrotale Hitzeexposition die Spermatogenese reversibel, aber deutlich beeinträchtigt, wahrscheinlich vermittelt über oxidativen Stress, und dass intermittierende Hitzeexposition die Spermatogenese stärker unterdrückt als kontinuierliche.
PMID 25652627 — Original auf PubMed →
Skrotaler Hitzestress verursacht Spermien-Chromatinschäden und Veränderungen der Caspase-3 bei fertilen Männern (2015)
Zhang MH et al. — Journal of Assisted Reproduction and Genetics · Hitze & Kälte
Experimentelle Interventionsstudie an 19 gesunden männlichen Freiwilligen, deren Hodensack über 3 Monate mit einem Wärmegürtel bei 40–43 °C jeweils 40 Minuten an 2 Tagen pro Woche erwärmt wurde (skrotaler Hitzestress, SHS). Erfasst wurden routinemäßiges Spermiogramm, hypoosmotischer Schwelltest, DNA-Fragmentierung/Chromatindispersion, Chromatinkondensation sowie die Aktivität der Caspase-3 in Spermatozoen, jeweils vor, während und nach der Hitzeexposition. Spermienkonzentration, Motilität und normale Morphologie nahmen während der SHS nach 1, 2 und 3 Monaten signifikant ab (p<0,01); DNA-Fragmentierung, Membranintegrität, Chromatinkondensation und Caspase-3-Aktivität unterschieden sich signifikant zwischen den Zeitpunkten vor sowie während/nach 3-monatiger Hitzeexposition (p<0,001). Drei Monate nach Beendigung der SHS normalisierten sich alle Parameter wieder auf Ausgangsniveau. Die Leukozytenzahl im Ejakulat korrelierte positiv mit der Caspase-3-Aktivität. Die Studie belegt, dass anhaltender skrotaler Hitzestress Spermienqualität, DNA-Integrität und Chromatinstruktur reversibel beeinträchtigt, vermutlich über apoptotische Mechanismen.
PMID 25702164 — Original auf PubMed →
Pränatale Phthalat-Exposition und Reproduktionsfunktion bei jungen Männern (2015)
Axelsson J et al. — Environmental Research · Endokrine Disruptoren
Prospektive Kohortenstudie an 112 männlichen Jugendlichen aus der Allgemeinbevölkerung, deren mütterliche Serumproben aus der 12. Schwangerschaftswoche auf Metaboliten von Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) und Diisononylphthalat (DiNP) analysiert und mittels linearer Regression mit Hodengröße, Spermienqualität und Reproduktionshormonen der erwachsenen Söhne in Beziehung gesetzt wurden. Söhne im höchsten Belastungstertil eines DiNP-Metaboliten hatten gegenüber dem niedrigsten Tertil ein um 4,3 mL geringeres Gesamthodenvolumen (95 %-KI 0,89–7,6; p<0,001), einen um 30 % höheren FSH-Spiegel (95 %-KI 3,6–63 %; p=0,02) und ein um 0,87 mL niedrigeres Ejakulatvolumen (95 %-KI 0,28–1,5; p=0,004). Für einen DEHP-Metaboliten zeigte sich im höchsten Tertil ein um 0,70 mL niedrigeres Ejakulatvolumen (p=0,03). Zwei weitere DiNP-Metaboliten waren linear mit dem LH-Spiegel assoziiert (p<0,01). Die Studie liefert erste humane Evidenz dafür, dass bereits eine pränatale Phthalat-Exposition während der fetalen Entwicklung mit messbar schlechterer Hoden- und Reproduktionsfunktion im späteren Jugend-/jungen Erwachsenenalter der Söhne einhergehen kann.
PMID 25743932 — Original auf PubMed →
Obst- und Gemüsekonsum und ihre Pestizidrückstände im Zusammenhang mit der Spermienqualität bei Männern einer Kinderwunschklinik (2015)
Chiu YH et al. — Human Reproduction · Umweltschadstoffe
Prospektive Kohortenstudie (EARTH-Studie) an 155 Männern subfertiler Paare eines akademischen Fertilitätszentrums, die zwischen 2007 und 2012 insgesamt 338 Samenproben nach Ernährungserhebung abgaben. Obst und Gemüse wurden anhand jährlicher Pestizid-Rückstandsdaten des US-Landwirtschaftsministeriums in Kategorien mit hohem bzw. niedrig-moderatem Rückstandsgehalt eingeteilt; Spermienkonzentration und -motilität wurden computerunterstützt (CASA) bestimmt, die Auswertung erfolgte mittels linearer gemischter Modelle unter Berücksichtigung wiederholter Messungen. Der Gesamtverzehr von Obst und Gemüse hing nicht mit der Spermienqualität zusammen, wohl aber der Konsum stark pestizidbelasteter Sorten: Männer im höchsten Verzehrsquartil (≥1,5 Portionen/Tag) hatten eine um 49 % niedrigere Gesamtspermienzahl (95 %-KI 31–63 %) und einen um 32 % niedrigeren Anteil normal geformter Spermien (95 %-KI 7–58 %) als Männer im niedrigsten Quartil (<0,5 Portionen/Tag). Konsum von Sorten mit niedrig-moderatem Rückstandsgehalt war sogar mit mehr normaler Morphologie assoziiert. Die Autoren betonen, dass nicht der Konsum an sich, sondern die Pestizidbelastung entscheidend zu sein scheint, und fordern interventionelle Bestätigungsstudien.
PMID 25824023 — Original auf PubMed →
Luftverschmutzung und Spermienqualität: eine Metaanalyse (2015)
Fathi Najafi T et al. — Iranian Red Crescent Medical Journal · Umweltschadstoffe
Systematische Literaturrecherche (Medline, PubMed, Scopus, Google Scholar, Cochrane Library, Elsevier) zu Veröffentlichungen zwischen 1978 und 2013 über Luftverschmutzung und männliche Fertilität; aus initial 76 identifizierten Studien (ökologische Korrelationsstudien, Kohorten-, retrospektive, Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien) wurden 11 Studien in die eigentliche Metaanalyse zu Spermaparametern eingeschlossen. Mittels Cochrane-Metaanalysetools wurden gepoolte Mittelwerte und Konfidenzintervalle für Ejakulatvolumen (2,68±0,32 mL), Spermienkonzentration (62,1±15,88 Mio./mL), Motilität (39,4±5,52 %), Morphologie (23,91±13,43 %) und Spermienzahl (49,53±11,08) berechnet und mit Referenzbereichen verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass Luftverschmutzung mit reduzierter Spermienmotilität assoziiert war, während sich für die übrigen Spermiogrammparameter kein eindeutiger Effekt nachweisen ließ. Die Autoren schlussfolgern, dass Luftschadstoffe insbesondere die Beweglichkeit der Spermien negativ beeinflussen können, während Volumen, Konzentration, Morphologie und Gesamtzahl weniger konsistent betroffen sind, und verweisen auf die methodische Heterogenität der eingeschlossenen Primärstudien als limitierenden Faktor.
PMID 26023349 — Original auf PubMed →
Nichtalkoholische Fettlebererkrankung und Veränderungen der Samenqualität und reproduktiven Hormone (2015)
Li Y, Liu L, Wang B, Chen D, Wang J — European journal of gastroenterology & hepatology · Grunderkrankungen & Infektionen
Fall-Kontroll-Studie mit 102 Männern mit nichtalkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD) und 94 gesunden Kontrollen aus China. Methodik: körperliche Untersuchung, Lebensstil-Fragebögen, Abdomensonographie sowie Samenanalyse (Volumen, Konzentration, Motilität, Morphologie) und Bestimmung reproduktiver Hormone (Testosteron, Östradiol, FSH, Inhibin B, SHBG, LH). Ergebnisse: NAFLD-Patienten hatten signifikant niedrigere Serumspiegel von Testosteron und SHBG. Spermienkonzentration (p=0,04), Spermienzahl (p=0,01) und Gesamtmotilität (p=0,03) waren gegenüber der Kontrollgruppe reduziert; Volumen und Morphologie unterschieden sich nicht. Multivariate Analysen bestätigten einen signifikanten Zusammenhang zwischen NAFLD, Karenzzeit und den genannten Samenparametern. Einordnung: Die Studie liefert Hinweise, dass eine Fettlebererkrankung als metabolische Grunderkrankung auch die männliche Reproduktionsfunktion beeinträchtigen kann, wobei die Kausalität durch das Querschnittsdesign nicht belegt werden kann.
PMID 26062079 — Original auf PubMed →
Body-Mass-Index ist über einen weiten Gewichtsbereich mit beeinträchtigten Samenparametern und reduziertem Anti-Müller-Hormon assoziiert (2015)
Andersen JM, Herning H, Aschim EL, Hjelmesæth J, Mala T, Hanevik HI, Bungum M, Haugen TB, Witczak O — PloS one · Gewicht & Sport
Querschnittsstudie an 166 Männern, darunter 38 stark adipöse Männer. Methodik: Standard-Samenanalyse, Untersuchung der Spermien-DNA-Integrität sowie Blutentnahme zur Bestimmung reproduktiver Hormone; Auswertung mittels linearer Regression, adjustiert für Alter und Karenzzeit. Ergebnisse: Der BMI war signifikant negativ assoziiert mit Spermienkonzentration (B=-0,088; p=0,009), Gesamtspermienzahl (B=-0,223; p=0,001), progressiver Motilität (B=-0,675; p=0,007), normaler Morphologie (B=-0,078; p=0,001) und dem Anteil vitaler Spermien (B=-0,006; p=0,027). Zudem zeigte sich eine negative Beziehung zwischen BMI und Gesamttestosteron, SHBG, Inhibin B sowie Anti-Müller-Hormon (AMH) (jeweils p<0,001). Einordnung: Die Daten sprechen für einen durchgehenden negativen Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index und testikulärer Funktion über einen breiten Gewichtsbereich, einschließlich hormoneller Marker der Sertolizellfunktion (Inhibin B, AMH).
PMID 26067627 — Original auf PubMed →
Erworbener Hodenhochstand und Fertilitätspotenzial: Ist eine Orchidopexie bei Diagnosestellung besser als Abwarten eines spontanen Deszensus? (2015)
van der Plas EM, van Brakel J, Meij-de Vries A, de Muinck Keizer-Schrama SM, Hazebroek FW, Hack WW, Dohle GR — Andrology · Genetik & Anatomie
Vergleichsstudie an Männern mit erworbenem Hodenhochstand (UDT) in der Kindheit. Verglichen wurden 63 Männer, bei denen die Orchidopexie direkt bei Diagnose erfolgte, mit 65 Männern, bei denen zunächst ein spontaner Deszensus bis zur Pubertät abgewartet wurde. Methodik: andrologische Untersuchung mit Anamnese, körperlicher Untersuchung, Skrotalsonographie, Hormonbestimmung und Samenanalyse im Erwachsenenalter. Ergebnisse: Bei einseitigem UDT war Inhibin B in der Gruppe mit sofortiger Orchidopexie niedriger, die progressive Motilität dagegen höher; bei beidseitigem UDT zeigte sich ein Trend zugunsten der frühen Operation bei Konzentration und Motilität. Das Alter bei Orchidopexie (unter oder über 10 Jahre) hatte keinen signifikanten Einfluss. Insgesamt war die Fertilität in beiden Gruppen beeinträchtigt, ohne dass ein Protokoll klar überlegen war. Einordnung: Die Autoren befürworten bei einseitigem UDT ein eher abwartendes Vorgehen, da über 50% der Fälle spontan deszendieren.
PMID 26084887 — Original auf PubMed →
Phthalate oder deren Metaboliten in Urin bzw. Seminalplasma des Menschen und Samenqualität: Eine Metaanalyse (2015)
Cai H, Zheng W, Zheng P, Wang S, Tan H, He G, Qu W — Environmental research · Endokrine Disruptoren
Systematisches Review mit Metaanalyse von Humanstudien zu Phthalatexposition (gemessen als Metaboliten in Urin oder Seminalplasma) und Samenqualität. Nach Literatursuche in PubMed und Web of Science bis Oktober 2014 wurden 20 Studien eingeschlossen, davon 14 in die quantitative Metaanalyse (Random-Effects-Modell). Ergebnisse: Urinäres Monobutylphthalat (MBP) und Monobenzylphthalat (MBzP) waren mit reduzierter Spermienkonzentration assoziiert (gepooltes Odds Ratio 2,60 bzw. 2,23). MBP und MEHP korrelierten invers mit der Geradlinigkeitsgeschwindigkeit (VSL) der Spermien. Höhere MBzP- und MEP-Spiegel waren mit erhöhter DNA-Schädigung (Comet-Extent) assoziiert. Monomethylphthalat zeigte keine Assoziation mit Samenparametern. Einordnung: Die Metaanalyse stärkt die Evidenz, dass bestimmte Phthalate bzw. deren Metaboliten die Samenqualität beeinträchtigen können, wobei die Effekte je nach untersuchtem Metaboliten unterschiedlich ausfallen.
PMID 26275958 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Marihuanakonsum und männlichen Reproduktionshormonen sowie Samenqualität: Eine Studie an 1.215 gesunden jungen Männern (2015)
Gundersen TD, Jørgensen N, Andersson AM, Bang AK, Nordkap L, Skakkebæk NE, Priskorn L, Juul A, Jensen TK — American journal of epidemiology · Rauchen, Alkohol & Drogen
Große Querschnittsstudie an 1.215 jungen dänischen Männern (18-28 Jahre), die im Rahmen der Musterung zwischen 2008 und 2012 rekrutiert wurden. Methodik: Samenprobe, Blutentnahme, körperliche Untersuchung sowie Fragebogen zu Marihuana- und anderem Drogenkonsum der letzten drei Monate. 45% der Teilnehmer hatten in diesem Zeitraum Marihuana konsumiert. Ergebnisse: Regelmäßiger Konsum von mehr als einmal pro Woche war nach Adjustierung mit einer um 28% niedrigeren Spermienkonzentration (95%-KI: -48 bis -1%) und 29% niedrigeren Gesamtspermienzahl assoziiert. Kombinierter Konsum von Marihuana und anderen Drogen mehr als einmal wöchentlich reduzierte die Spermienkonzentration um 52% und die Gesamtspermienzahl um 55%. Marihuanakonsumenten hatten zudem höhere Testosteronspiegel, vergleichbar mit Zigarettenrauchern. Einordnung: Die Studie liefert robuste Evidenz aus einer großen, nicht selektierten Population, dass häufiger Marihuanakonsum mit schlechterer Samenqualität einhergeht.
PMID 26283092 — Original auf PubMed →
Väterliche Adipositas beeinträchtigt männliche Fertilität und die Ergebnisse assistierter Reproduktion: Ein systematisches Review mit Metaanalyse (2015)
Campbell JM, Lane M, Owens JA, Bakos HW — Reproductive biomedicine online · Gewicht & Sport
Systematisches Review mit Metaanalyse zur Wirkung väterlicher Adipositas auf die reproduktive Kapazität. Durchsucht wurden sechs Datenbanken (u.a. PubMed, Embase, Scopus); eingeschlossen wurden 30 Studien mit insgesamt 115.158 Teilnehmern. Untersucht wurden u.a. Infertilitätsrisiko, Ergebnisse assistierter Reproduktion (ART) sowie klassische und erweiterte Spermienparameter (DNA-Fragmentierung, Chromatinkondensation, mitochondriales Membranpotenzial). Ergebnisse: Adipöse Männer hatten ein höheres Infertilitätsrisiko (Odds Ratio 1,66), eine reduzierte Lebendgeburtenrate pro ART-Zyklus (OR 0,65) und ein um 10 Prozentpunkte erhöhtes absolutes Risiko für eine nicht lebensfähige Schwangerschaft. Zudem war bei adipösen Männern der Anteil an Spermien mit niedrigem mitochondrialem Membranpotenzial, DNA-Fragmentierung und abnormaler Morphologie erhöht, während klassische Samenparameter (Konzentration, Motilität, Volumen) keine klinisch relevanten Unterschiede zeigten. Einordnung: Männliche Adipositas ist mit reduziertem Reproduktionspotenzial assoziiert; erweiterte Spermientests wie DNA-Fragmentierungsanalyse könnten bei adipösen Männern zusätzliche diagnostische Information liefern.
PMID 26380863 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von Carbamazepin auf Samenparameter bei Männern mit neu diagnostizierter Epilepsie (2015)
Asadi-Pooya A, Farazdaghi M, Ashjazadeh N — Iranian journal of neurology · Hormone & Medikamente
Kleine prospektive Interventionsstudie (Fallserie) mit acht männlichen Epilepsiepatienten (20-40 Jahre) im Iran, die erstmals mit Carbamazepin (CBZ) behandelt wurden. Methodik: Samenanalyse vor Therapiebeginn und erneut nach mindestens drei Monaten CBZ-Einnahme, statistische Auswertung mittels Wilcoxon-Test. Ergebnisse: Bei allen untersuchten Parametern (Konzentration, progressive Motilität, Morphologie) zeigte sich nach CBZ-Therapie eine signifikante Verschlechterung (p=0,012 für alle Indices). Sieben der acht Patienten hatten eine Temporallappenepilepsie, einer eine Parietallappenepilepsie. Einordnung: Trotz der sehr kleinen Stichprobe liefert diese Fallserie einen direkten Vorher-Nachher-Hinweis, dass Carbamazepin die Samenqualität negativ beeinflussen kann, was bei der Beratung junger männlicher Epilepsiepatienten mit Kinderwunsch berücksichtigt werden sollte. Größere kontrollierte Studien wären nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen.
PMID 26622983 — Original auf PubMed →
Berufsbezogener und allgemeiner Lebensstress sowie familiäres Funktionieren: Beeinflussen sie die Spermaqualität? (2014)
Jurewicz J, Radwan M, Merecz-Kot D, Sobala W, Ligocka D, Radwan P, Bochenek M, Hanke W — Annals of human biology · Alter, Stress & Schlaf
Querschnittsstudie an 327 Männern, die eine Kinderwunschklinik zur Diagnostik aufsuchten. Psychischer Stress wurde mittels des Subjective Work Characteristics Questionnaire und der Perceived Stress Scale erfasst, die familiäre Zufriedenheit und Unterstützung mittels der APGAR-Familienskala; die Spermaqualität wurde standardisiert untersucht, inklusive DNA-Schäden und Bewegungsparametern (VAP, VSL, VCL). Beruflicher Stress war signifikant positiv mit dem Anteil DNA-geschädigter Spermien (p=0,03) und atypischer Spermienformen (p=0,05) assoziiert, während allgemeiner Lebensstress keine Korrelation mit Samenparametern zeigte. Eine geringere Zufriedenheit mit dem familiären Funktionieren war mit einem niedrigeren Anteil beweglicher Spermien (p=0,02) sowie niedrigeren Geschwindigkeitsparametern VAP (p=0,05), VSL (p=0,05) und VCL (p=0,04) assoziiert. Die Autoren schließen, dass beruflicher Stress die männliche Spermaqualität negativ beeinflussen kann, weisen jedoch auf die begrenzte Datenlage hin und fordern longitudinale Studien zur Bestätigung dieser Querschnittsbefunde.
PMID 24180268 — Original auf PubMed →
Stehen Bisphenol-A-Spiegel im Urin von Männern mit Spermienqualität und Embryonalentwicklung nach assistierter Reproduktion in Zusammenhang? (2014)
Knez J et al. — Fertility and Sterility · Endokrine Disruptoren
Prospektive Kohortenstudie an 149 Paaren, die sich einer ersten oder zweiten IVF- bzw. ICSI-Behandlung unterzogen. Untersucht wurde, ob die Bisphenol-A(BPA)-Konzentration im Urin der Männer mit Spermienqualität und Embryonalentwicklung bis zum Blastozystenstadium zusammenhängt. BPA wurde in 98 % der Proben nachgewiesen (geometrischer Mittelwert 1,55 ng/mL). Nach Adjustierung für Störfaktoren mittels linearer Regression war eine höhere log-transformierte BPA-Konzentration mit geringerer Spermienzahl (β=-0,241), geringerer Spermienkonzentration (β=-0,219) und geringerer Spermienvitalität (β=-2,660) assoziiert. Die Embryonalentwicklungsparameter von der Befruchtung bis zur Blastozystenbildung waren dagegen nicht durch die BPA-Exposition beeinträchtigt. Die Studie legt nahe, dass BPA-Belastung bei subfertilen Männern einzelne Spermaparameter negativ beeinflussen kann, die nachgeschaltete frühe Embryonalentwicklung im Rahmen assistierter Reproduktion jedoch unbeeinflusst bleibt. Die Ergebnisse stützen die Hypothese endokriner Disruptoren als Einflussfaktor auf männliche Fertilität, ohne dass ein Effekt auf den IVF/ICSI-Erfolg selbst nachweisbar war.
PMID 24182411 — Original auf PubMed →
Pyrethroid-Insektizid-Exposition und Spermienqualität bei jungen japanischen Männern (2014)
Imai K et al. — Reproductive Toxicology · Umweltschadstoffe
Bevölkerungsbasierte Querschnittsstudie an 323 Universitätsstudenten im Großraum Tokio. Als Expositionsmarker für Pyrethroid-Insektizide wurde die Urinkonzentration des Metaboliten 3-Phenoxybenzoesäure (3-PBA) mittels LC/MS/MS gemessen; Spermienparameter wurden nach international standardisierten Protokollen bestimmt. Der mediane 3-PBA-Wert lag bei 0,641 ng/mL. Mediane Werte für Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Motilität, Gesamtspermienzahl und Zahl motiler Spermien betrugen 2,5 mL, 56×10^6/mL, 61 %, 141×10^6 bzw. 82×10^6. In multiplen Regressionsmodellen erwies sich die 3-PBA-Konzentration nicht als signifikanter Prädiktor für schlechtere Spermienqualität – im Gegensatz zu früheren Studien fand sich also kein Zusammenhang zwischen alltäglicher Pyrethroid-Belastung und Spermaparametern. Die Autoren führen diese Diskrepanz auf Unterschiede in Art und Höhe der Exposition sowie auf das Studiendesign (bevölkerungsbasiert vs. klinikbasiert) zurück. Die Studie relativiert frühere Befunde zu Pyrethroiden und zeigt, wie stark Ergebnisse zu Umweltchemikalien von Population und Expositionsniveau abhängen können.
PMID 24189267 — Original auf PubMed →
Berufliche Pestizidexposition und Folgen für männliches Sperma und Fertilität: ein Review (2014)
Mehrpour O et al. — Toxicology Letters · Beruf & globale Trends
Narrativer Übersichtsartikel zur beruflichen Pestizidexposition und ihren Auswirkungen auf das männliche Reproduktionssystem, basierend auf einer Auswertung vorliegender Studien an exponierten Arbeitern. Beschrieben werden multifaktorielle Veränderungen des Spermiogramms, insbesondere durch Organophosphate: verminderte Spermiendichte und -motilität, gehemmte Spermatogenese, reduziertes Hodengewicht, verringerte Spermienzahl, -viabilität und -dichte sowie erhöhte Spermien-DNA-Schäden und abnorme Morphologie. Als mögliche Mechanismen nennen die Autoren reduziertes Gewicht von Hoden, Nebenhoden, Samenblase und Prostata, Degeneration der Samenkanälchen, veränderte Testosteron-, FSH- und LH-Spiegel, verminderte antioxidative Enzymaktivität im Hoden sowie gehemmte testikuläre Steroidogenese; DDT und seine Metabolite wirken zudem östrogenartig. Der schädliche Effekt von Pestiziden auf die Spermienqualität wird insgesamt als unbestritten dargestellt, jedoch fordern die Autoren gut kontrollierte Langzeitstudien, die weitere Einflussfaktoren wie sozioökonomischen Status, Ernährung und klinische Merkmale berücksichtigen, um Kausalzusammenhänge eindeutiger zu belegen.
PMID 24487096 — Original auf PubMed →
Trends der Spermienqualität in französischen Regionen stehen im Einklang mit einem globalen Wandel der Umweltexposition (2014)
Le Moal J et al. — Reproduction · Beruf & globale Trends
Retrospektive Registerstudie auf Basis der französischen Fivnat-Datenbank für assistierte Reproduktion. Untersucht wurden männliche Partner von Frauen mit beidseitigem Tubenverschluss als von Männerinfertilität unabhängige Referenzgruppe; mittels eines altersadjustierten bayesianischen raum-zeitlichen Modells wurden regionale Zeittrends zwischen 1989 und 2005 analysiert, aufbauend auf einer landesweiten Vorgängerstudie. Die Spermienkonzentration sank in nahezu allen französischen Regionen, am stärksten in Aquitanien, während Midi-Pyrénées durchgehend die niedrigsten Werte aufwies. Die Gesamtmotilität stieg in den meisten Regionen leicht an, außer in Burgund mit deutlichem Rückgang. Auch die Spermienmorphologie verschlechterte sich in den meisten Regionen, besonders ausgeprägt erneut in Aquitanien und Midi-Pyrénées. Die räumlich konsistenten, regional aber unterschiedlich starken Rückgänge sprechen laut Autoren eher für die Hypothese endokriner Disruptoren durch wachsende Chemikalienexposition seit den 1950er-Jahren als für individuelle Lebensstilfaktoren, zumal die stärksten Rückgänge in zwei benachbarten, landwirtschaftlich geprägten und dicht besiedelten Regionen auftraten.
PMID 24567426 — Original auf PubMed →
Milchprodukt-Konsum und Spermienqualität bei Männern in einer Fertilitätsklinik (2014)
Afeiche MC et al. — Fertility and Sterility · Ernährung
Longitudinale Studie an 155 Männern eines universitären Fertilitätszentrums zur Beziehung zwischen Milchprodukt-Konsum und Spermaparametern (Gesamtspermienzahl, Konzentration, progressive Motilität, Morphologie, Volumen). Ein hoher Konsum fettarmer Milchprodukte war positiv mit Spermienkonzentration und progressiver Motilität assoziiert: Männer im höchsten Verzehrsquartil (1,22–3,54 Portionen/Tag) hatten im Mittel eine um 33 % höhere Spermienkonzentration (95 %-KI 1–55 %) und eine um 9,3 Prozentpunkte höhere Motilität (95 %-KI 1,4–17,2) als Männer im niedrigsten Quartil (≤0,28 Portionen/Tag); der Effekt wurde vor allem durch fettarme Milch getragen. Käsekonsum war dagegen bei (ehemaligen) Rauchern mit niedrigerer Spermienkonzentration verknüpft: im höchsten Tertil (0,82–2,43 Portionen/Tag) 53,2 % niedriger als im niedrigsten Tertil. Die Autoren schließen, dass insbesondere fettarme Milch mit besserer Spermienqualität einhergeht, während Käsekonsum bei Rauchern mit schlechteren Werten assoziiert ist – möglicherweise vermittelt über Hormonrückstände oder gesättigte Fette in Milchprodukten.
PMID 24636397 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung und Spermienqualität: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2014)
Liu K et al. — Andrology · Strahlung & Bildschirmzeit
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse nach Cochrane- und PRISMA-Standard zur Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung (RF-EMR) von Mobiltelefonen auf die Spermienqualität. Aus fünf Literaturdatenbanken wurden 18 Studien mit insgesamt 3947 Männern und 186 Ratten in die systematische Übersicht eingeschlossen, davon 12 Studien (je vier Human-, In-vitro- und Tierstudien) mit 1533 Männern und 97 Ratten in die eigentliche Metaanalyse. Während die meisten Einzelstudien negative Effekte beschrieben, zeigte die gepoolte Metaanalyse der Humanstudien keinen signifikanten Effekt auf die Spermienparameter. In-vitro-Studien zeigten dagegen eine signifikante Verschlechterung von Motilität (mittlere Differenz -4,11 %) und Viabilität (-3,82 %), Tierstudien reduzierte Spermienkonzentration (-8,75) und Motilität (-17,72). Die Autoren schließen auf mögliche schädliche Effekte der Mobiltelefonnutzung, sehen aber angesichts widersprüchlicher Humandaten weiteren Bedarf an multizentrischen, standardisierten Studien, um das tatsächliche Risiko für die männliche Fertilität zuverlässig einzuschätzen.
PMID 24700791 — Original auf PubMed →
Auswirkungen beruflicher Exposition – gibt es einen Zusammenhang zwischen fragebogenbasierter Exposition und Spermienqualität? (2014)
Jurewicz J et al. — Systems Biology in Reproductive Medicine · Beruf & globale Trends
Querschnittsstudie an 336 Männern einer Kinderwunschklinik mit normaler Spermienkonzentration (≥15 Mio./mL nach WHO-Kriterien), die interviewt wurden und eine Samenprobe abgaben; berufliche Expositionen wurden mittels detailliertem Fragebogen erfasst und mit Spermienkonzentration, -motilität, -morphologie sowie Chromatinstruktur (DNA-Fragmentationsindex, DFI) in Beziehung gesetzt. Lärmexposition am Arbeitsplatz war mit verminderter Motilität und erhöhtem DNA-Schaden assoziiert (p=0,005 bzw. p=0,02), PVC-Exposition mit reduzierter Spermienkonzentration und -motilität (p=0,02 bzw. p=0,03). Hitzeexposition und mehr als 6 Stunden Sitzen pro Arbeitstag korrelierten positiv mit dem DFI (p=0,03 bzw. p=0,001). Nach Korrektur für multiples Testen blieben nur Lärmexposition und langes Sitzen (≥6 Std.) signifikant mit schlechterer Spermienqualität assoziiert. Die Studie zeigt, dass ein einfacher Berufsanamnese-Fragebogen in der klinischen Praxis nützlich sein kann, um Männer mit potenziell fertilitätsrelevanten Arbeitsplatzbelastungen zu identifizieren, wobei die Kausalität einzelner Faktoren wegen der Vielzahl getesteter Variablen vorsichtig zu interpretieren ist.
PMID 24702586 — Original auf PubMed →
Der Effekt des chronischen Prostatitis-/chronischen Beckenschmerz-Syndroms (CP/CPPS) auf Spermaparameter beim Mann: systematische Übersicht und Metaanalyse (2014)
Fu W et al. — PLoS ONE · Grunderkrankungen & Infektionen
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Fall-Kontroll-Studien zum Zusammenhang zwischen chronischem Prostatitis-/chronischem Beckenschmerz-Syndrom (CP/CPPS) und Spermaparametern. Die Literatursuche in PubMed, EMBASE und Cochrane Library bis August 2013 identifizierte 12 geeignete Studien mit insgesamt 999 CP/CPPS-Patienten und 455 gesunden Kontrollen; die Auswertung erfolgte im Random-Effects-Modell mittels standardisierter Mittelwertdifferenzen (SMD). Bei CP/CPPS-Patienten waren Spermienkonzentration, Anteil progressiv motiler Spermien und Anteil morphologisch normaler Spermien signifikant reduziert (SMD -14,12, -5,94 bzw. -8,26), während das Ejakulatvolumen gegenüber Kontrollen sogar erhöht war (SMD 0,50). Kein signifikanter Unterschied zeigte sich bei Gesamtspermienzahl, Gesamtmotilität und Spermienvitalität. Die Ergebnisse belegen einen negativen Einfluss der chronischen Prostatitis auf zentrale Fertilitätsparameter und unterstreichen die klinische Relevanz urogenitaler Entzündungserkrankungen für die männliche Fruchtbarkeit. Die Autoren fordern größere Studien, um das Ausmaß des Effekts belastbarer zu quantifizieren.
PMID 24743301 — Original auf PubMed →
Der Einfluss von Zigarettenrauchen und Alkoholkonsum auf Spermaparameter und Spermien-DNA-Fragmentierung, gemessen mit Halosperm® (2014)
Anifandis G et al. — Archives of Gynecology and Obstetrics · Rauchen, Alkohol & Drogen
Querschnittsstudie an 207 konsekutiven Samenproben von Männern, die sich in einer IVF-Einheit einer Spermiogramm-Untersuchung zur Fertilitätsabklärung unterzogen; die DNA-Fragmentierung wurde mittels Halosperm®-Test (Sperm Chromatin Dispersion) erfasst und Raucher- sowie Alkoholstatus dokumentiert. Ejakulatvolumen, Anteil degenerierter Spermatozoen und Grad der DNA-Fragmentierung korrelierten signifikant mit dem Raucherstatus; der Anteil von Spermien mit kleinen Halos, ein Zeichen stärkerer DNA-Fragmentierung, korrelierte signifikant mit dem Alkoholstatus. Raucher- und Alkoholstatus waren zudem untereinander korreliert. Sowohl Rauchen als auch Alkoholkonsum zeigten – einzeln wie kombiniert – schädliche Effekte auf Spermaparameter und DNA-Integrität. Die Autoren schließen, dass beide Lebensstilgewohnheiten zu Fertilitätsproblemen beitragen können, insbesondere über eine erhöhte Spermien-DNA-Schädigung, die mit gängigen Basisspermiogramm-Parametern allein nicht erfasst würde. Die Studie unterstreicht die Bedeutung ergänzender DNA-Fragmentierungstests bei der andrologischen Diagnostik von Rauchern und Alkoholkonsumenten.
PMID 24840110 — Original auf PubMed →
Reproduktive und entwicklungsbezogene Effekte von Phthalatestern bei Männern (2014)
Kay VR et al. — Critical Reviews in Toxicology · Endokrine Disruptoren
Systematischer Übersichtsartikel zu den Effekten einer Phthalat-Exposition – Weichmacher in Kunststoffen, Kosmetika, Medizinprodukten und Arzneimittelkapseln – auf die Entwicklung des männlichen Reproduktionstrakts, Pubertät, Spermienqualität, Fertilität und Reproduktionshormone. Die epidemiologische Evidenz für die meisten untersuchten Endpunkte wird als minimal bis schwach eingestuft, für den Endpunkt Spermienqualität jedoch als moderat bewertet. Tierstudien zeigen, dass verschiedene Phthalate ähnliche schädliche Effekte auf die Entwicklung des männlichen Reproduktionstrakts haben, wobei DEHP am potentesten wirkt und Spermienqualität der empfindlichste Endpunkt ist; die beim Menschen dokumentierte Entwicklungsexposition liegt dabei innerhalb einer Größenordnung der in Tierstudien wirksamen Dosen. Mäuse erwiesen sich als weniger empfindlich als Ratten, was für die Übertragbarkeit auf den Menschen relevant sein könnte. Die genauen Wirkmechanismen bleiben unklar; die Autoren betonen mögliche additive Chemikalieninteraktionen und generationsübergreifende Effekte und fordern weitere Forschung zur ubiquitären Alltagsexposition der Allgemeinbevölkerung.
PMID 24903855 — Original auf PubMed →
Effekt von Mobiltelefonen auf die Spermienqualität: eine systematische Übersicht und Metaanalyse (2014)
Adams JA et al. — Environment International · Strahlung & Bildschirmzeit
Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Random-Effects-Modell) zur Frage, ob hochfrequente elektromagnetische Strahlung (RF-EMR) von Mobiltelefonen die menschliche Spermienqualität beeinträchtigt; eingeschlossen wurden Probanden aus Fertilitätskliniken und Forschungszentren. Zehn Studien mit insgesamt 1492 Proben gingen in die Metaanalyse zu den Endpunkten Motilität, Viabilität und Konzentration ein. Mobiltelefonnutzung war mit signifikant reduzierter Spermienmotilität assoziiert (mittlere Differenz -8,1 %; 95 %-KI -13,1 bis -3,2) sowie mit grenzwertig reduzierter Viabilität (-9,1 %; 95 %-KI -18,4 bis 0,2), während die Effekte auf die Spermienkonzentration uneinheitlich blieben. Die Ergebnisse waren über experimentelle In-vitro- und beobachtende In-vivo-Studien hinweg konsistent. Angesichts der weiten Verbreitung von Mobiltelefonen und unerklärter Rückgänge der Spermienqualität in mehreren Ländern schließen die Autoren, dass gepoolte Daten auf einen negativen Effekt der Mobiltelefonnutzung hindeuten, betonen aber den Bedarf an weiterer Forschung zu den klinischen Konsequenzen für subfertile Männer und die Allgemeinbevölkerung.
PMID 24927498 — Original auf PubMed →
Gewohnheitsmäßiger Alkoholkonsum mit verminderter Spermienqualität und veränderten Reproduktionshormonen assoziiert: Querschnittsstudie an 1221 jungen dänischen Männern (2014)
Jensen TK et al. — BMJ Open · Rauchen, Alkohol & Drogen
Bevölkerungsbasierte Querschnittsstudie an 1221 dänischen Männern (18–28 Jahre), rekrutiert im Rahmen der Musterungsuntersuchung 2008–2012. Erfasst wurden drei Maße des Alkoholkonsums (Konsum in der Vorwoche, gewohnheitsmäßiger wöchentlicher Konsum, Rauschtrinken) sowie Spermienparameter und Serumspiegel reproduktiver Hormone (FSH, LH, Testosteron, SHBG, Östradiol, freies Testosteron, Inhibin B). Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl und Anteil normal geformter Spermien nahmen mit steigendem gewohnheitsmäßigem Alkoholkonsum ab, bereits ab mehr als 5 Einheiten pro Woche, am deutlichsten bei über 25 Einheiten/Woche. Männer mit einem typischen Wochenkonsum über 40 Einheiten hatten eine um 33 % (95 %-KI 11–59 %) reduzierte Spermienkonzentration gegenüber Männern mit 1–5 Einheiten/Woche. Zudem stieg das freie Testosteron mit dem Alkoholkonsum der Vorwoche signifikant an. Rauschtrinken allein zeigte keinen unabhängigen Zusammenhang. Die Autoren empfehlen jungen Männern, gewohnheitsmäßigen Alkoholkonsum zu vermeiden, da bereits moderate regelmäßige Mengen Spermienqualität und Hormonhaushalt beeinträchtigen können.
PMID 25277121 — Original auf PubMed →
Spermienqualität und Reproduktionshormonspiegel nach Umweltexposition gegenüber Pyrethroiden (2014)
Radwan M et al. — Journal of Occupational and Environmental Medicine · Umweltschadstoffe
Querschnittsstudie an 334 Männern einer Kinderwunschklinik mit normaler Spermienkonzentration (15–300 Mio./mL), die interviewt wurden und eine Samenprobe abgaben. Pyrethroid-Metaboliten (3-PBA, cis- und trans-DCCA, DBCA) wurden mittels validierter Gaschromatographie-Ionenfallen-Massenspektrometrie im Urin bestimmt und mit Spermienparametern sowie Testosteronspiegel in Beziehung gesetzt. Höhere Urinkonzentrationen der Pyrethroid-Metaboliten waren signifikant mit einem erhöhten Anteil abnorm geformter Spermien sowie mit verringerter Spermienkonzentration, niedrigerem Testosteronspiegel und schlechteren computerunterstützten Spermienanalyse-Parametern (CASA) assoziiert. Die Studie zeigt somit – anders als eine vergleichbare japanische Studie an Studenten mit niedrigerer Exposition – bei dieser Klinikpopulation einen klaren Zusammenhang zwischen alltäglicher Umweltexposition gegenüber Pyrethroid-Insektiziden und sowohl Spermienqualität als auch Hormonhaushalt. Die Autoren schließen, dass auch außerberufliche, umweltbedingte Pyrethroid-Belastung ein relevanter Risikofaktor für die männliche Fertilität sein kann.
PMID 25376404 — Original auf PubMed →
Veränderte sexuelle und reproduktive Funktionen bei epileptischen Männern unter Carbamazepin-Therapie (2013)
Reis RM, de Angelo AG, Sakamoto AC, Ferriani RA, Lara LA — The journal of sexual medicine · Hormone & Medikamente
Kontrollierte Querschnittsstudie an 118 Männern im Alter von 18–45 Jahren: 63 Männer mit medikamentös durch Carbamazepin (CBZ) kontrollierter Epilepsie wurden mit 55 gesunden Kontrollen verglichen. Erhoben wurden Hormonspiegel, Spermienmorphologie, Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs (Fragebogen) sowie erektile Funktion mittels IIEF-5. Epileptische Männer unter CBZ hatten eine Odds Ratio von 17,3 (95%-KI 3,6–83,5) für erektile Dysfunktion und eine Odds Ratio von rund 10,5 für einen Geschlechtsverkehr seltener als dreimal wöchentlich. Die Spermienvitalität war bei 27% der CBZ-Gruppe gegenüber 5,4% der Kontrollen beeinträchtigt (p<0,002), eine reduzierte Motilität (A+B ≤50%) fand sich bei 98,4% vs. 85,4% (p<0,01), und eine abnorme Morphologie (<14% normale Formen) bei 93,7% vs. 34,6% (p<0,001). CBZ-Anwender hatten zudem signifikant weniger Geschlechtsverkehr als Kontrollen (p≤0,001). Die Autoren schließen, dass eine Carbamazepin-Therapie bei Epilepsie mit Hormonveränderungen, verschlechterter Spermaqualität, erektiler Dysfunktion und reduzierter Kohabitationsfrequenz einhergeht.
PMID 23057419 — Original auf PubMed →
Effekte von Opiatkonsum auf reproduktive Hormonspiegel, Spermaparameter, antioxidative Kapazität des Seminalplasmas und Spermien-DNA-Integrität (2013)
Safarinejad MR, Asgari SA, Farshi A, Ghaedi G, Kolahi AA, Iravani S, Khoshdel AR — Reproductive toxicology (Elmsford, N.Y.) · Rauchen, Alkohol & Drogen
Kontrollierte Studie mit 142 opiatabhängigen Männern und 146 alters-gematchten gesunden Kontrollprobanden, bei denen jeweils zwei Spermiogramme sowie mittels Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) die Spermien-DNA-Integrität und die antioxidative Kapazität des Seminalplasmas (Katalase-, Superoxiddismutase-Aktivität) bestimmt wurden. Die mittlere Spermienkonzentration betrug bei Opiatkonsumenten 22,2±4,4 Mio./ml gegenüber 66,3±8,3 Mio./ml bei Kontrollen (p=0,002). Der Anteil fragmentierter Spermien-DNA war bei Konsumenten signifikant höher (36,4±3,8% vs. 27,1±2,4%; p=0,004), während Katalase- und SOD-ähnliche Enzymaktivitäten im Seminalplasma signifikant erniedrigt waren. Die Autoren folgern, dass Opiatkonsum deutliche negative Auswirkungen auf Spermaqualität, oxidativen Schutz und DNA-Integrität der Spermien hat, und empfehlen, bei unerklärter männlicher Infertilität einen möglichen Opiumkonsum als Ursachenfaktor in Betracht zu ziehen. Die Ergebnisse sprechen für einen klinisch relevanten schädigenden Effekt chronischen Opiatkonsums auf die männliche Fertilität.
PMID 23207164 — Original auf PubMed →
Rückgang von Spermienkonzentration und -morphologie bei 26.609 Männern nahe der Allgemeinbevölkerung zwischen 1989 und 2005 in Frankreich (2013)
Rolland M, Le Moal J, Wagner V, Royère D, De Mouzon J — Human reproduction (Oxford, England) · Beruf & globale Trends
Retrospektive deskriptive Registerstudie (Fivnat-Datenbank) über 17 Jahre (1989–2005) an 126 ART-Zentren in Frankreich. Aus einer Ausgangspopulation von 154.712 Männern (Partner von Paaren im ersten ART-Zyklus) wurden 26.609 Partner von Frauen mit beidseits blockierten oder fehlenden Eileitern als Analysepopulation ausgewählt, da diese Männer keine eigene bekannte Fertilitätsstörung hatten. Mittels generalisierter additiver Modelle, adjustiert für Alter und Saison, wurden zeitliche Trends von Spermienkonzentration, Gesamtmotilität und Morphologie untersucht. Die Spermienkonzentration sank kontinuierlich und signifikant um etwa 1,9% pro Jahr bzw. insgesamt 32,2% (95%-KI 26,3–36,3%): Für einen 35-jährigen Mann fiel der Schätzwert von 73,6 Mio./ml (1989) auf 49,9 Mio./ml (2005). Auch der Anteil morphologisch normaler Spermien nahm signifikant ab, während die Gesamtmotilität keinen durchgehenden Trend zeigte. Die Autoren werten dies als ernstzunehmenden Hinweis auf einen landesweiten Rückgang der Spermaqualität in Frankreich und fordern eine Klärung möglicher Umweltursachen, darunter endokriner Disruptoren.
PMID 23213178 — Original auf PubMed →
Die Behandlung des Hypogonadismus bei Männern im reproduktionsfähigen Alter (2013)
Kim ED, Crosnoe L, Bar-Chama N, Khera M, Lipshultz LI — Fertility and sterility · Hormone & Medikamente
Narrativer Literaturreview (PubMed-Recherche 1990–2012) zu den Mechanismen, über die eine Testosteron(T)-Ersatztherapie die Spermatogenese unterdrückt, sowie zu therapeutischen Alternativen bei Männern mit Kinderwunsch. Exogenes Testosteron supprimiert die intratestikuläre Testosteronproduktion, die für eine normale Spermatogenese unabdingbar ist. Als testisschonende Optionen werden hCG-Therapie und selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren wie Clomifencitrat diskutiert, teils auch niedrig dosiertes hCG kombiniert mit exogenem Testosteron; Aromatasehemmer werden mangels ausreichender Langzeitdaten derzeit nicht routinemäßig empfohlen. Studien zur hormonellen Kontrazeption zeigen, dass sich die Spermienproduktion bei den meisten Männern innerhalb eines Jahres nach Absetzen normalisiert. Clomifencitrat wird als sichere und wirksame Off-Label-Option zum Erhalt der künftigen Fertilität beschrieben, hCG-Therapie (mit oder ohne Testosteron) als seltener genutzte Alternative. Die Übersichtsarbeit betont, dass eine Testosteronsubstitution bei Männern mit aktuellem oder künftigem Kinderwunsch sorgfältig gegen alternative Hormontherapien abgewogen werden sollte.
PMID 23219010 — Original auf PubMed →
PFOS (Perfluoroctansulfonat) im Serum ist negativ mit Testosteronspiegeln, aber nicht mit der Spermaqualität bei gesunden Männern assoziiert (2013)
Joensen UN, Veyrand B, Antignac JP, Blomberg Jensen M, Petersen JH, Marchand P, Skakkebæk NE, Andersson AM, Le Bizec B, Jørgensen N — Human reproduction (Oxford, England) · Endokrine Disruptoren
Querschnittsstudie an 247 gesunden Männern aus der Allgemeinbevölkerung (medianes Alter 19 Jahre), erhoben 2008–2009, die Serumspiegel von 14 perfluorierten Verbindungen (PFCs), darunter Perfluoroctansulfonat (PFOS), mit reproduktiven Hormonen (Testosteron, Östradiol, SHBG, LH, FSH, Inhibin B) und Spermaqualität (WHO-Kriterien) in Beziehung setzte. PFOS-Spiegel waren signifikant negativ assoziiert mit Gesamttestosteron, berechnetem freiem Testosteron, dem freien Androgenindex sowie den Verhältnissen T/LH, FAI/LH und FT/LH; andere PFCs lagen niedriger und zeigten keine vergleichbaren Assoziationen. Mit der Spermaqualität selbst zeigte sich keine signifikante Assoziation, anders als in einer früheren Studie derselben Gruppe zu Spermienmorphologie, was die Autoren teils auf niedrigere PFOS-Expositionen im aktuellen Kollektiv zurückführen. Die Ergebnisse blieben nach Adjustierung für relevante Störfaktoren robust, wobei Zufallsbefunde durch multiples Testen nicht ausgeschlossen werden können. Die Autoren interpretieren den Testosteron-Zusammenhang als Hinweis, dass eine hohe PFOS-Exposition die testikuläre Testosteronproduktion beeinträchtigen könnte.
PMID 23250927 — Original auf PubMed →
Y-chromosomale Mikrodeletionen bei infertilen Männern: Prävalenz, Phänotypen und Screening-Marker für die indische Bevölkerung (2013)
Sen S, Pasi AR, Dada R, Shamsi MB, Modi D — Journal of assisted reproduction and genetics · Genetik & Anatomie
Genetische Studie zur Prävalenz von Yq-Mikrodeletionen bei 1.636 infertilen indischen Männern aus eigenen Zentren, ergänzt durch gepoolte Daten publizierter indischer Studien auf insgesamt 3.647 Fälle. In der eigenen Kohorte wiesen 3,4% (56/1.636) Yq-Mikrodeletionen auf; gepoolt waren es 5,8% (215/3.647), mit 6,4% bei Azoospermie, 5,8% bei Oligozoospermie und 3,2% bei Oligoasthenoteratozoospermie. Zwischen idiopathischen und nicht-idiopathischen Fällen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in der Deletionshäufigkeit (5,8% vs. 8,6%). Am häufigsten waren AZFc-Deletionen (46,6%), Doppeldeletionen traten vor allem bei Azoospermie auf. Ein Screening mit den sechs Standardmarkern der European Academy of Andrology (EAA) hätte 3,1% der Fälle übersehen; zusätzliche, nicht-EAA-Marker wurden als sinnvolle Ergänzung identifiziert. Die Autoren folgern, dass Yq-Mikrodeletionen in der indischen Bevölkerung seltener als in westlichen Kohorten sind, keine eindeutige Assoziation mit spezifischen Samenparametern zeigen, aber bei allen Klassen infertiler Männer getestet werden sollten, wobei die Standard-EAA-Marker dafür nicht ausreichen.
PMID 23344732 — Original auf PubMed →
Saisonale Schwankungen menschlicher Spermien in 6.455 Samenproben: eine mögliche Erklärung für ein saisonales Geburtenmuster (2013)
Levitas E, Lunenfeld E, Weisz N, Friger M, Har-Vardi I — American journal of obstetrics and gynecology · Sonne & Klima
Retrospektive Laboranalyse (Andrologie-Labor) von 6.455 aufeinanderfolgenden Samenproben von 6.447 Paaren im Rahmen einer Basis-Fertilitätsabklärung, wobei die Samenparameter in Bezug zur Jahreszeit der Probenentnahme und zur Jahreszeit 70 Tage zuvor (während der Spermatogenese-Phase) ausgewertet wurden; die Proben wurden anhand der Spermienkonzentration in normozoospermisch bzw. oligozoospermisch eingeteilt. Spermienkonzentration und Anteil schnell beweglicher Spermien nahmen von Frühling zu Sommer und Herbst signifikant ab (p<0,001), mit Erholung im Winter. Der höchste Anteil normal geformter Spermien wurde im Winter beobachtet. Das saisonale Muster erscheint als zirkannual-rhythmisches Phänomen. Winter- und Frühlingssamenproben sind mit erhöhter Fruchtbarkeitswahrscheinlichkeit (Fekundabilität) vereinbar, was nach Ansicht der Autoren eine mögliche Erklärung für den beobachteten Höhepunkt der Geburtenzahlen im Herbst liefert. Die sehr große Stichprobe verleiht den Befunden statistisches Gewicht, wenngleich die retrospektive Datenauswertung keine Kausalaussagen zulässt.
PMID 23395928 — Original auf PubMed →
Seminale und molekulare Hinweise, dass Saunaexposition die menschliche Spermatogenese beeinträchtigt (2013)
Garolla A, Torino M, Sartini B, Cosci I, Patassini C, Carraro U, Foresta C — Human reproduction (Oxford, England) · Hitze & Kälte
Längsschnittliche Interventionsstudie an 10 normozoospermen Männern, die zweimal wöchentlich für 3 Monate eine finnische Sauna (80–90°C, je 15 Minuten) besuchten. Erhoben wurden Sexualhormone, Spermaparameter, Chromatinstruktur, Apoptose sowie die Expression hitzestress- und hypoxieassoziierter Gene vor Saunabeginn (T0), am Ende der 3 Monate (T1) sowie 3 und 6 Monate nach Beendigung (T2, T3). Am Ende der Saunaperiode zeigte sich eine starke Verschlechterung von Spermienzahl und -motilität (p<0,001) ohne Veränderung der Sexualhormone. Zudem sanken der Anteil normaler Histon-Protamin-Substitution (78,7% auf 69,0%), normaler Chromatinkondensation (70,7% auf 63,6%) und intakter Mitochondrienfunktion (76,8% auf 54,0%), begleitet von deutlicher Hochregulation hitzestress- und hypoxieassoziierter Gene. Alle Effekte waren 6 Monate nach Saunaende vollständig reversibel. Die Autoren zeigen erstmals, dass regelmäßige Saunaexposition bei normozoospermen Männern die Spermatogenese signifikant, aber reversibel beeinträchtigt, was angesichts der weiten Verbreitung der Sauna fertilitätsrelevant sein könnte.
PMID 23411620 — Original auf PubMed →
Testikuläre Funktion und Fertilität bei Männern mit Klinefelter-Syndrom: ein Review (2013)
Aksglaede L, Juul A — European journal of endocrinology · Genetik & Anatomie
Narrativer Übersichtsartikel zum Klinefelter-Syndrom (47,XXY), der häufigsten Geschlechtschromosomenaberration bei Männern mit einer Prävalenz von etwa 1 auf 660 neugeborene Jungen. Das Syndrom ist gekennzeichnet durch testikuläre Zerstörung mit ausgeprägter Fibrose und Hyalinisierung der Samenkanälchen, was zu kleinen Hoden, hypergonadotropem Hypogonadismus und in den meisten Fällen zu Azoospermie führt. Während Infertilität bei Klinefelter-Patienten lange als unbehandelbar galt, ermöglichen moderne assistierte Reproduktionstechniken wie die testikuläre Spermienextraktion (TESE) in Kombination mit ICSI heute in vielen Fällen doch eine biologische Vaterschaft; insbesondere die mikrochirurgische TESE (micro-TESE) hat sich als vorteilhaft für den Nachweis testikulärer Spermien erwiesen. Der Review fasst den aktuellen Kenntnisstand zu testikulären Veränderungen, den begleitenden Hormonstörungen und der Spermatogenese bei 47,XXY-Patienten zusammen und beschreibt die heute bestehenden Möglichkeiten reproduktionsmedizinischer Unterstützung. Als reine Literaturübersicht enthält der Artikel keine eigenen Primärdaten oder Fallzahlen.
PMID 23504510 — Original auf PubMed →
Skrotale Kühlung und ihr Nutzen für die männliche Fertilität: ein systematisches Review (2013)
Nikolopoulos I, Osman W, Haoula Z, Jayaprakasan K, Atiomo W — Journal of obstetrics and gynaecology : the journal of the Institute of Obstetrics and Gynaecology · Hitze & Kälte
Systematisches Review der EMBASE- (1980–2010) und MEDLINE-Datenbanken (1950–September 2010) zur Frage, ob eine Kühlung des Skrotums die Spermatogenese und männliche Fertilität positiv beeinflusst. Es wurden acht Studien identifiziert, die die Einschlusskriterien erfüllten. Die Evidenzlage war insgesamt unzureichend, um feste Schlussfolgerungen über den Effekt skrotaler Kühlung auf die männliche Fertilität zu ziehen; dennoch zeigte sich ein positiver Trend zu verbesserter Fertilität in den eingeschlossenen Studien. Die Autoren betonen die Notwendigkeit gut konzipierter randomisiert-kontrollierter Studien, um den Nutzen skrotaler Kühlmaßnahmen für Spermienqualität und Fertilität belastbar zu belegen. Aufgrund der geringen Anzahl und methodischen Heterogenität der eingeschlossenen Primärstudien bleibt die Empfehlung für den klinischen Einsatz skrotaler Kühlung derzeit vorläufig. Die Arbeit liefert damit vor allem eine Bestandsaufnahme der bislang dünnen Studienlage und keinen abschließenden Wirksamkeitsnachweis.
PMID 23654310 — Original auf PubMed →
Milchprodukte in der Ernährung im Zusammenhang mit Spermaqualität und reproduktiven Hormonspiegeln bei körperlich aktiven jungen Männern (2013)
Afeiche M, Williams PL, Mendiola J, Gaskins AJ, Jørgensen N, Swan SH, Chavarro JE — Human reproduction (Oxford, England) · Ernährung
Querschnittsstudie (Rochester Young Men's Study, 2009–2010) an 189 Männern im Alter von 18–22 Jahren: Milchproduktkonsum wurde per Ernährungsfragebogen erfasst und mittels linearer Regression mit Samenparametern (Gesamtspermienzahl, Konzentration, progressive Motilität, Morphologie, Ejakulatvolumen) in Beziehung gesetzt, adjustiert für Alter, Karenzzeit, Rauchen, BMI, Sport und Kalorienaufnahme. Der Gesamtkonsum an Milchprodukten war invers mit der Spermienmorphologie assoziiert (p-Trend=0,004), vor allem getragen durch fettreiche Milchprodukte, insbesondere Käse: Männer im oberen Konsumbereich fettreicher Milchprodukte hatten 3,2 Prozentpunkte (95%-KI -4,5 bis -1,8) weniger normal geformte Spermien als jene im unteren Bereich (p<0,0001); bei fettarmen Milchprodukten war der Effekt schwächer (-1,3 Prozentpunkte, p=0,06). Ein hoher Konsum fettreicher Milchprodukte war zudem mit geringerer progressiver Motilität assoziiert (p=0,05). Als möglicher Mechanismus werden Umweltöstrogene in Milchprodukten diskutiert. Aufgrund des Querschnittsdesigns ist keine Kausalität belegbar; weitere Forschung wird vor einer generellen Empfehlung zur Einschränkung fettreicher Milchprodukte für nötig gehalten.
PMID 23670169 — Original auf PubMed →
Coenzym Q10 und männliche Infertilität: eine Metaanalyse (2013)
Lafuente R, González-Comadrán M, Solà I, López G, Brassesco M, Carreras R, Checa MA — Journal of assisted reproduction and genetics · Supplements & Nährstoffe
Systematisches Review und Metaanalyse von drei randomisiert-kontrollierten Studien zur oralen Coenzym-Q10(CoQ10)-Supplementierung bei infertilen Männern, insgesamt 149 Männer in der CoQ10-Gruppe und 147 unter Placebo. Untersucht wurden Lebendgeburten- und Schwangerschaftsraten, seminale CoQ10-Konzentration, Spermienkonzentration und -motilität. Keine der eingeschlossenen Studien lieferte Daten zu Lebendgeburten. Die Metaanalyse zeigte, dass eine CoQ10-Supplementierung die Schwangerschaftsraten nicht erhöht, jedoch signifikante Verbesserungen bei der seminalen CoQ10-Konzentration (Risk Ratio 49,55; 95%-KI 46,44–52,66), der Spermienkonzentration (RR 5,33; 95%-KI 4,18–6,47) und der Spermienmotilität (RR 4,50; 95%-KI 3,92–5,08) bewirkte. Die Autoren schließen, dass es zwar keine Evidenz für einen Effekt von CoQ10 auf Lebendgeburten- oder Schwangerschaftsraten gibt, wohl aber für eine generelle Verbesserung klassischer Spermaparameter. Sie fordern ausreichend gepowerte, robuste Studien zu Einzel- und Kombinationstherapien mit Antioxidantien, um belastbare klinische Empfehlungen ableiten zu können.
PMID 23912751 — Original auf PubMed →
Samenparameter bei fertilen US-amerikanischen Männern: die Study for Future Families (2013)
Redmon JB, Thomas W, Ma W, Drobnis EZ, Sparks A, Wang C, Brazil C, Overstreet JW, Liu F, Swan SH, Carter BS, Kelly DJ, Stewart SL, Simmons TM, Treece C, Tollner C, Swerdloff RS, Lumbreras L, Villanueva S, Diaz-Romero M, Victoroff A, Sandoval R, Bravarian S, Leung A, Nelson AL, Hobel C, Brock B, Hatch M, Pfeiffer M, Quinones L, Polgar K, Brembridge A, Kwong C, Muehlen A, Perrier T, Srb T, Pryor J, DeJonge C, Swanson M, Grider T, Fisher L, Maifeld M, Whitham J, Wolf A, Sandlow J — Andrology · Messmethodik
Multizentrische Querschnittsstudie (Study for Future Families) zur Etablierung von Referenzwerten der Samenqualität bei fertilen Männern: 763 Männer (73% Weiße, 15% Hispanoamerikaner/Latinos, 7% Schwarze, 5% andere), Partner schwangerer Frauen an fünf US-Standorten, wurden nach standardisierten Protokollen untersucht (Volumen, Spermienkonzentration, Motilität vor Ort; Morphologie nach WHO 1999 strikt und WHO 1987 zentral ausgewertet). Bei mittlerer Karenzzeit von 3,2 Tagen ergaben sich Mittelwerte von 3,9 ml Volumen, 60 Mio./ml Konzentration, 209 Mio. Gesamtspermienzahl, 51% Motilität und 104 Mio. gesamt motiler Spermien; normale Morphologie betrug 11% (WHO 1999 strikt) bzw. 57% (WHO 1987). Schwarze Männer hatten signifikant niedrigeres Samenvolumen, geringere Konzentration und weniger gesamt motile Spermien als Weiße und Hispanoamerikaner/Latinos. Bei Männern, die schneller schwanger wurden, waren die Samenparameter geringfügig, aber nicht signifikant höher. Die Studie liefert robuste, geografisch breit abgestützte Referenzwerte und zeigt erhebliche natürliche Schwankungsbreite bei fertilen Männern.
PMID 24009155 — Original auf PubMed →
Finasterid-Einnahme in der Population männlicher Infertilitätspatienten: Effekte auf Samen- und Hormonparameter (2013)
Samplaski MK, Lo K, Grober E, Jarvi K — Fertility and sterility · Hormone & Medikamente
Prospektive Datenbankanalyse einer andrologischen Spezialklinik: Von 4.400 Männern, die sich zwischen 2008 und 2012 einer Fertilitätsabklärung unterzogen, nahmen 27 (0,6%) Finasterid ein (mittlere Behandlungsdauer 57,4 Monate, mittlere Dosis 1,04 mg/Tag); Samen- und Hormonparameter wurden vor und nach Absetzen verglichen. Nach Absetzen von Finasterid stieg die Spermienzahl im Mittel um das 11,6-Fache; bei Männern mit schwerer Oligospermie verbesserten sich die Werte laut Abstract bei der Mehrheit deutlich (der Originaltext ist an dieser Stelle unvollständig überliefert), und bei keinem Mann sank die Spermienzahl. Hormonparameter, Spermienmotilität und -morphologie blieben nach dem Absetzen unverändert. Die Autoren folgern, dass Finasterid, selbst in niedriger Dosierung, bei manchen Männern die Spermienzahl deutlich reduzieren kann, dieser Effekt jedoch nach Absetzen weitgehend reversibel ist. Sie empfehlen, Finasterid bei subfertilen Männern mit Oligospermie abzusetzen und bei Männern mit Kinderwunsch nur mit Vorsicht einzusetzen.
PMID 24012200 — Original auf PubMed →
Mobiltelefone beeinträchtigen mehrere Spermienqualitätsmerkmale: eine Metaanalyse (2013)
Dama MS, Bhat MN — F1000Research · Strahlung & Bildschirmzeit
Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung/Radiofrequenzstrahlung und Spermienqualität bei Männern im reproduktionsfähigen Alter. Von den gesichteten Publikationen wurden 11 Studien als für die quantitative Auswertung geeignet befunden. Die gepoolte Analyse ergab eine statistisch signifikante Verschlechterung der Spermienqualität bei Mobiltelefonnutzung (Hedges' g=-0,547; 95 %-KI -0,713 bis -0,382); in In-vitro-Studiendesigns fiel der negative Effekt noch deutlich stärker aus (Hedges' g=-2,233; 95 %-KI -2,758 bis -1,708). Betroffen waren unter anderem Bahngeschwindigkeit, Kurvengeschwindigkeit, Anteil motiler Spermien und akrosomreagierter Spermien. Die Evidenzstärke variierte zwischen den Endpunkten von sehr niedrig bis sehr hoch. Insgesamt deutet die Metaanalyse auf eine mögliche schädliche Wirkung von Mobiltelefonstrahlung auf verschiedene Spermienparameter hin, wobei die Autoren die Heterogenität und methodische Schwäche vieler Einzelstudien betonen. Die Befunde tragen zur Debatte um gesundheitliche Risiken elektromagnetischer Strahlung bei, ersetzen aber keine kontrollierten Humanstudien mit einheitlicher Expositionsmessung.
PMID 24327874 — Original auf PubMed →
Behandlung des hypogonadalen infertilen Mannes – ein Review (2013)
Ho CC, Tan HM — Sexual medicine reviews · Hormone & Medikamente
Narrativer Übersichtsartikel (Literaturrecherche in PubMed 1980–2012) zur Behandlung hypogonadaler, unfruchtbarer Männer. Die Autoren betonen, dass eine Testosterontherapie bei Männern im reproduktionsfähigen Alter die Spermatogenese hemmt und damit die Fertilität verschlechtert – sie ist bei gleichzeitigem Kinderwunsch kontraindiziert. Bei primärem testikulärem Versagen sind hormonelle Therapieoptionen kaum wirksam; assistierte Reproduktionstechniken sind hier indiziert. Bei sekundärem (hypogonadotropem/normogonadotropem) Hypogonadismus kommen GnRH, humanes Choriongonadotropin (hCG), humanes Menopausengonadotropin (hMG), FSH sowie Antiöstrogene und Aromatasehemmer infrage; bei Prolaktinom Dopaminagonisten. Als beste verfügbare Option wird hCG (ggf. kombiniert mit hMG/FSH) genannt. Testosteronsubstitution sollte bei Kinderwunsch vermieden werden; wird sie dennoch eingesetzt, kann sich die Spermienproduktion nach Absetzen innerhalb eines Jahres normalisieren. Der Review liefert eine klinische Orientierung, keine neuen Primärdaten.
PMID 27784559 — Original auf PubMed →
Prävalenz von Chlamydia trachomatis, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium und Ureaplasma urealyticum sowie Samenqualität bei infertilen und fertilen Männern in Kuwait (2012)
Al-Sweih NA et al. — Journal of andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Querschnittsstudie an einer Entbindungsklinik in Kuwait mit 127 infertilen und 188 fertilen Männern, deren Samenproben mittels PCR auf Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium und Chlamydia trachomatis untersucht wurden; die Samenanalyse erfolgte nach WHO-Kriterien. Die Erreger fanden sich bei Infertilen bzw. Fertilen in ähnlicher Häufigkeit: U. urealyticum 24,4 % vs. 26,1 %, M. hominis 17,1 % vs. 32,4 %, M. genitalium 4,7 % vs. 3,2 %, C. trachomatis 3,9 % vs. 3,7 %; Mischinfektionen bei 11 % bzw. 15,4 %. Die Prävalenzunterschiede zwischen infertilen und fertilen Männern waren statistisch nicht signifikant. Bei mit M. hominis, M. genitalium oder C. trachomatis infizierten Männern zeigten sich jedoch signifikant veränderter Samen-pH-Wert und erhöhte Leukozytenzahlen im Ejakulat im Vergleich zu nicht infizierten Männern, sowohl bei Infertilen als auch bei Fertilen. Genitale Mykoplasmen- und Chlamydieninfektionen scheinen demnach die Samenqualität negativ zu beeinflussen, ohne per se ein Marker für Infertilität zu sein.
PMID 22052774 — Original auf PubMed →
CFTR-Mutationen bei Männern mit congenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens (CBAVD): systematische Übersicht und Metaanalyse (2012)
Yu J et al. — Human reproduction · Genetik & Anatomie
Systematische Übersicht mit Metaanalyse zur genetischen Assoziation von CFTR-Mutationen mit congenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens (CBAVD), basierend auf einer MEDLINE-Recherche bis März 2011; zwei unabhängige Reviewer extrahierten die Daten, gepoolte Häufigkeiten und Odds Ratios (OR) wurden je nach Heterogenität mit Random- oder Fixed-Effect-Modellen berechnet und nach Ethnizität stratifiziert. Insgesamt trugen 78 % der CBAVD-Patienten mindestens eine CFTR-Mutation (46 % zwei, 28 % eine); die Kombination F508del/5T fand sich bei 17 %, F508del/R117H bei 4 % der Fälle. Kaukasische Patienten hatten häufiger zwei Mutationen als Nicht-Kaukasier (68 % vs. 50 %, p=0,012) sowie eine höhere F508del- (22 % vs. 8 %), aber niedrigere 5T-Allelfrequenz (20 % vs. 31 %). Das 5T-Allel war stark mit CBAVD assoziiert (OR 9,25), die Kombination 5T/(TG)12-13 sogar noch stärker (OR 19,43) und ohne Heterogenität. Die Arbeit bestätigt CFTR-Mutationen, insbesondere das 5T-Allel, als zentralen genetischen Risikofaktor für CBAVD mit deutlichen ethnischen Unterschieden.
PMID 22081250 — Original auf PubMed →
Spermaparameter und männliche Fertilität nach bariatrischer Chirurgie: drei Fallserien (2012)
Sermondade N, Massin N, Boitrelle F, Pfeffer J, Eustache F, Sifer C, Czernichow S, Lévy R — Reproductive biomedicine online · Gewicht & Sport
Bei dieser Fallserie wurden drei männliche Patienten untersucht, die nach bariatrischer Chirurgie einen raschen und starken Gewichtsverlust erlebten, und die Auswirkungen auf Spermaqualität und Fertilität dokumentiert. In den Monaten nach dem Eingriff verschlechterten sich die Samenparameter bei allen drei Männern deutlich, bis hin zu ausgeprägter Oligoasthenoteratozoospermie (gleichzeitig reduzierte Spermienzahl, -beweglichkeit und -morphologie); eine vollständige Azoospermie trat jedoch nicht auf. Als mögliche Ursachen werden zwei gegenläufige Mechanismen diskutiert: einerseits der Wegfall der schädlichen Effekte von Adipositas, andererseits negative Folgen von Nährstoffmängeln und die Freisetzung toxischer Substanzen. Bei einem Patienten normalisierte sich die Spermatogenese nach zwei Jahren wieder. Bei zwei der drei Paare gelang mittels intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) mit frischen Spermien dennoch eine Schwangerschaft. Die Autoren empfehlen, Patienten vor bariatrischer Chirurgie über mögliche reproduktive Folgen aufzuklären und eine Spermakryokonservierung anzubieten. Aufgrund der sehr kleinen Fallzahl sind die Ergebnisse nur eingeschränkt verallgemeinerbar.
PMID 22196889 — Original auf PubMed →
Chromosomale Defekte bei infertilen Männern mit schlechter Spermaqualität (2012)
Ghorbel M, Gargouri Baklouti S, Ben Abdallah F, Zribi N, Cherif M, Keskes R, Chakroun N, Sellami A, Belguith N, Kamoun H, Fakhfakh F, Ammar-Keskes L — Journal of assisted reproduction and genetics · Genetik & Anatomie
Genetische Querschnittsstudie (retrospektive Auswertung zytogenetischer Befunde) an 76 tunesischen infertilen Männern (54 mit nichtobstruktiver Azoospermie, 22 mit Oligoasthenospermie). Mittels Karyotypisierung von peripheren Blutlymphozyten und molekularer Analyse Y-chromosomaler Mikrodeletionen (STS-Marker) wurde die Häufigkeit chromosomaler Auffälligkeiten bestimmt. Bei 15 von 76 Männern (19,5%) fanden sich numerische oder strukturelle Chromosomenanomalien, häufiger bei Azoospermie (21,7%) als bei schwerer Oligoasthenospermie (13,5%); das Klinefelter-Syndrom war mit 10 von 15 Fällen die häufigste Ursache. Y-chromosomale Mikrodeletionen traten insgesamt bei 17,1% auf, mit 11,1% bei Azoospermie und 31,8% bei schwerer Oligospermie, wobei partielle Deletionen überwogen. Die Autoren schließen daraus, dass genetische Ursachen bei männlicher Infertilität relevant und häufig sind, und empfehlen eine routinemäßige genetische Testung und Beratung vor dem Einsatz assistierter Reproduktionstechniken. Die Studie unterstreicht die Bedeutung genetischer Diagnostik, besonders bei schweren Formen der Spermienproduktionsstörung.
PMID 22406877 — Original auf PubMed →
Der Einfluss der Varikozelektomie auf Spermaparameter: eine Metaanalyse (2012)
Schauer I, Madersbacher S, Jost R, Hübner WA, Imhof M — The Journal of urology · Grunderkrankungen & Infektionen
Metaanalyse von 14 aus 94 identifizierten Publikationen (1975–2011), die den Effekt dreier chirurgischer Varikozelektomie-Techniken (hohe Ligatur, inguinaler und subinguinaler Zugang) auf Spermienkonzentration, -beweglichkeit und Schwangerschaftsraten untersuchte. Eingeschlossen wurden Studien mit mindestens zwei Spermiogrammen vor und ≥3 Monate nach dem Eingriff bei Männern über 19 Jahren mit klinisch tastbarer Varikozele und subfertilen bzw. auffälligen Samenparametern. Alle drei OP-Techniken führten zu signifikanten Verbesserungen: Die Spermienkonzentration stieg um 7,2–10,9 Mio./ml, die Motilität um 6,8–12,25 Prozentpunkte, ohne statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Techniken (Konzentration p=0,973, Motilität p=0,372). Die höchste Schwangerschaftsrate erzielte der inguinale Zugang mit 41,5% gegenüber 26,9% (hohe Ligatur) und 26,6% (subinguinal), ein signifikanter Unterschied (p=0,035). Die Autoren folgern, dass eine Varikozelektomie unabhängig von der Technik Spermienzahl und -beweglichkeit deutlich verbessert, wobei der inguinale Zugang die besten Schwangerschaftsergebnisse liefert.
PMID 22425089 — Original auf PubMed →
Colchicin hat keinen negativen Effekt auf Fertilität und Schwangerschaft (2012)
Both T, van Laar JA, Bonte-Mineur F, van Hagen PM, van Daele PL — Nederlands tijdschrift voor geneeskunde · Hormone & Medikamente
Systematisches Review zur Frage, ob eine Colchicin-Behandlung bei familiärem Mittelmeerfieber (FMF) Fertilität und Schwangerschaftsverlauf beeinträchtigt. Von 73 identifizierten PubMed-Treffern erfüllten 13 Studien die Einschlusskriterien, ergänzt um 12 weitere über Querverweise (insgesamt 25 ausgewertete Human- und Tierstudien). Colchicin unterdrückt wirksam die klinischen FMF-Symptome und die Bildung von Amyloidablagerungen. In den ausgewerteten Studien fand sich kein statistisch signifikanter Effekt der Colchicin-Behandlung auf Spermaqualität oder Hormonspiegel; auch während der Schwangerschaft traten unter Colchicin keine schweren Komplikationen auf. Sowohl männliche als auch weibliche FMF-Patienten unter Colchicin-Therapie hatten sogar bessere Fertilitätsaussichten als unbehandelte Patienten, da unbehandeltes FMF selbst über Amyloidablagerungen in Hoden und Ovarien zu Unfruchtbarkeit führen kann. Die Autoren schließen, dass Colchicin während der gesamten reproduktiven Lebensphase sicher fortgeführt werden kann.
PMID 22436523 — Original auf PubMed →
Bariatrische Chirurgie beeinträchtigt die Spermaqualität nicht – eine vorläufige Langzeitstudie (2012)
Reis LO, Zani EL, Saad RD, Chaim EA, de Oliveira LC, Fregonesi A — Reproductive sciences (Thousand Oaks, Calif.) · Gewicht & Sport
Prospektive kontrollierte Studie (randomisierte Zuteilung) an 20 stark adipösen Männern über 24 Monate: 10 erhielten eine Lebensstilintervention (Diät, Sport) über 4 Monate mit anschließendem Magenbypass, 10 dienten als Kontrollgruppe ohne Eingriff. Erhoben wurden IIEF-5-Fragebogen (erektile Funktion), Hormonwerte (Östradiol, Prolaktin, LH, FSH, freies/Gesamttestosteron) und Spermiogramme zu drei Zeitpunkten. Die Interventionsgruppe zeigte eine signifikante BMI-Reduktion gegenüber der Kontrolle, jedoch keine signifikanten Unterschiede in den Spermaparametern zwischen den Gruppen oder im Zeitverlauf. Hingegen verbesserten sich IIEF-5-Score (p=0,047), Gesamttestosteron (p=0,035) und FSH (p=0,0025) signifikant, während Prolaktin sank (p<0,0001); nach 24 Monaten waren IIEF-5, Gesamt- und freies Testosteron in der Interventionsgruppe signifikant höher. Die Autoren folgern, dass massiver operativ induzierter Gewichtsverlust die Spermaqualität nicht verschlechtert, aber Sexualfunktion und Hormonprofil verbessert, während reine Lebensstiländerung vor allem den BMI beeinflusste. Weitere Studien mit Geburtenrate als Endpunkt seien nötig.
PMID 22534335 — Original auf PubMed →
Effekte von Ubiquinol (reduziertes Coenzym Q10) auf Samenparameter bei Männern mit idiopathischer Infertilität: eine doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Studie (2012)
Safarinejad MR, Safarinejad S, Shafiei N, Safarinejad S — The Journal of urology · Supplements & Nährstoffe
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an 228 Männern mit unerklärter Infertilität und idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie. Gruppe 1 (n=114) erhielt 26 Wochen lang täglich 200 mg Ubiquinol oral, Gruppe 2 (n=114) Placebo, gefolgt von einer 12-wöchigen Nachbeobachtung ohne Präparat. Primäre Endpunkte waren Spermiendichte, -motilität und strikte Morphologie. Nach 26 Wochen zeigte die Ubiquinol-Gruppe eine Spermiendichte von 28,7±4,6 Mio./ml gegenüber 16,8±4,4 Mio./ml unter Placebo (p=0,005), eine Motilität von 35,8% vs. 25,4% (p=0,008) und eine normale Morphologie von 17,6% vs. 14,8% (p=0,01). FSH sank, Inhibin B stieg signifikant unter Verum. Nach Absetzen näherten sich die Werte wieder dem Ausgangsniveau an, blieben aber für Dichte und Motilität noch signifikant erhöht. Es zeigte sich zudem eine positive Korrelation zwischen Behandlungsdauer und Verbesserung aller drei Parameter. Die Autoren schließen auf eine wirksame Verbesserung der Spermaqualität durch Ubiquinol bei dieser Patientengruppe.
PMID 22704112 — Original auf PubMed →
Beeinflusst der Alkoholkonsum der letzten Woche die Spermaqualität oder reproduktive Hormone? Eine Querschnittsstudie an gesunden jungen dänischen Männern (2012)
Hansen ML, Thulstrup AM, Bonde JP, Olsen J, Håkonsen LB, Ramlau-Hansen CH — Reproductive toxicology (Elmsford, N.Y.) · Rauchen, Alkohol & Drogen
Querschnittsstudie an 347 gesunden jungen dänischen Männern, die den Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum der vorangegangenen 5 Tage und Spermaqualität sowie reproduktiven Hormonen (Testosteron, Östradiol, SHBG, FSH, LH, Inhibin B) untersuchte; zusätzlich wurde der DNA-Fragmentationsindex der Spermien bestimmt. Es zeigte sich eine Tendenz zu schlechteren Samenparametern bei höherem Alkoholkonsum, jedoch ohne statistisch signifikante Dosis-Wirkungs-Beziehung. Das Verhältnis von freiem Östradiol zu freiem Testosteron war bei höherem Alkoholkonsum in den letzten 5 Tagen höher. Insgesamt war Alkoholkonsum mit einer Verschlechterung der meisten Samenparameter assoziiert, allerdings ohne konsistentes Dosis-Wirkungs-Muster. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf eine hormonelle Verschiebung Richtung höherem Östradiol/Testosteron-Verhältnis, die möglicherweise langfristig die Spermaqualität beeinträchtigen könnte. Da es sich um eine Querschnittsstudie mit kurzfristiger Expositionserfassung handelt, seien longitudinale Studien nötig, um kausale Zusammenhänge zwischen chronischem Alkoholkonsum und Spermaqualität zu klären.
PMID 22732148 — Original auf PubMed →
Referenzwerte der Samenparameter für normal fertile Männer in Shanghai (2012)
Lu H, Shi WB, Liu Y, Ding JM, Xiao YF, Wang RY, Xu DP, Yu L, Yang S, Zhu Y, Sun C, Du HW, Hu HL, Li Z — Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology · Messmethodik
Querschnittsanalyse zur Bestimmung von Referenzwerten der Samenqualität bei chinesischen Männern: Samenproben von 100 gesunden Samenspendern und 41 nachgewiesen fertilen Männern aus Shanghai wurden nach WHO-Kriterien (2010) auf Volumen, Spermienkonzentration, progressive Motilität, Gesamtspermienzahl und Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien untersucht. Zwischen gesunden Spendern und fertilen Männern fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede in den wichtigsten Samenparametern. Aus der Verteilung der Werte bei fertilen Männern wurden untere Referenzgrenzen abgeleitet: Spermienkonzentration ≥27,3 Mio./ml, progressive Motilität ≥8,1%, Samenvolumen ≥0,82 ml, Gesamtspermienzahl ≥44,73 Mio. pro Ejakulat und Gesamtzahl progressiv beweglicher Spermien ≥24,68 Mio. pro Ejakulat. Die Autoren schließen, dass Gesamtspermienzahl und Gesamtzahl progressiv motiler Spermien möglicherweise bessere Prädiktoren der männlichen Fruchtbarkeit sind als Einzelparameter wie die Konzentration allein. Die Studie liefert populationsspezifische Referenzwerte für die chinesische (Shanghai-)Population, die sich von den globalen WHO-Referenzwerten unterscheiden können. Hinweis: Der Original-Abstract ist an einer Stelle unvollständig wiedergegeben (Satz bricht bei einem P-Wert ab).
PMID 22741435 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen Varikozele und Spermien-DNA-Schäden sowie der Effekt einer Varikozelen-Operation: eine Metaanalyse (2012)
Wang YJ, Zhang RQ, Lin YJ, Zhang RG, Zhang WL — Reproductive biomedicine online · Grunderkrankungen & Infektionen
Metaanalyse von 12 aus 83 identifizierten Humanstudien zum Zusammenhang zwischen Varikozele (bei rund 40% infertiler Männer vorhanden) und Spermien-DNA-Schäden sowie zum Effekt der operativen Varikozelenbehandlung (Varikozelektomie). Sieben Studien verglichen die DNA-Schädigung bei Varikozele-Patienten mit Kontrollen, sechs untersuchten die Wirkung der Operation. Die gepoolte Analyse (RevMan-Software) ergab bei Varikozele-Patienten eine signifikant höhere Spermien-DNA-Fragmentation als bei Kontrollen, mit einer mittleren Differenz von 9,84 Prozentpunkten (95%-KI 9,19–10,49; p<0,00001). Nach Varikozelektomie verbesserte sich die DNA-Integrität signifikant um durchschnittlich 3,37 Prozentpunkte (95%-KI -4,09 bis -2,65; p<0,00001). Die Autoren folgern, dass Varikozelen mit erhöhten Spermien-DNA-Schäden assoziiert sind und eine operative Korrektur diese teilweise reversibel machen kann, betonen jedoch, dass weitere kontrollierte Studien nötig sind. Hinweis: Der Original-Abstract enthält den Ergebnistext nahezu wortgleich doppelt (redundante Wiederholung im PubMed-Eintrag).
PMID 22809864 — Original auf PubMed →
Ernährungsmuster und Spermaqualität bei jungen Männern (2012)
Gaskins AJ, Colaci DS, Mendiola J, Swan SH, Chavarro JE — Human reproduction (Oxford, England) · Ernährung
Querschnittsstudie (Rochester Young Men's Study, 2009–2010) an 188 Männern im Alter von 18–22 Jahren, die per Ernährungshäufigkeits-Fragebogen erfasste Ernährungsmuster mittels Faktorenanalyse mit Spermaqualität (Konzentration, progressive Motilität, Morphologie) in Beziehung setzte, adjustiert u.a. für Karenzzeit, BMI, Rauchen und Kalorienaufnahme. Zwei Muster wurden identifiziert: ein 'westliches' Muster (viel rotes/verarbeitetes Fleisch, raffinierte Getreideprodukte, Pizza, Snacks, Energydrinks, Süßigkeiten) und ein 'umsichtiges' ('Prudent') Muster (viel Fisch, Huhn, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn). Das umsichtige Muster war positiv mit dem Anteil progressiv beweglicher Spermien assoziiert (p-Trend=0,04): Männer im höchsten Quartil hatten 11,3 Prozentpunkte (95%-KI 1,3–21,3) mehr progressiv motile Spermien als jene im niedrigsten Quartil, ohne Zusammenhang mit Konzentration oder Morphologie. Das westliche Muster zeigte keinen Zusammenhang mit Samenparametern. Als Querschnittsstudie kann keine Kausalität belegt werden; die Autoren sehen dennoch Hinweise, dass eine Ernährung reich an Obst, Gemüse, Fisch, Huhn und Vollkorn die Spermienbeweglichkeit günstig beeinflussen könnte.
PMID 22888168 — Original auf PubMed →
Welche Rolle spielen gr/gr-Deletionen bei männlicher Infertilität? Systematische Übersicht und Metaanalyse (2011)
Stouffs K et al. — Human reproduction update · Genetik & Anatomie
Systematische Übersicht mit Metaanalyse zur Assoziation zwischen partiellen gr/gr-Deletionen der AZFc-Region des Y-Chromosoms und männlicher Infertilität. Nach einer Medline-Recherche bis Ende 2009 wurden 18 Fall-Kontroll-Studien mit insgesamt 6388 infertilen Männern und 6011 Kontrollen eingeschlossen; die gepoolte Odds Ratio wurde mit einem Random-Effects-Modell berechnet, Heterogenität mittels Cochran-Q-Test und I²-Statistik geprüft. gr/gr-Deletionen fanden sich bei 6,86 % der infertilen Männer gegenüber 4,69 % der Kontrollen; die Assoziation war signifikant (gepoolte OR 1,76; 95 %-CI 1,21–2,66; p<0,001) bei moderater Heterogenität (I²=37 %). Die Stärke der Assoziation war abhängig von Ethnizität und geografischer Region und erreichte v. a. bei kaukasischen Männern in Europa und im westlichen Pazifikraum statistische Signifikanz. Die Metaanalyse über mehr als 12.000 Männer bestätigt gr/gr-Deletionen als moderaten, populationsabhängigen genetischen Risikofaktor für männliche Infertilität.
PMID 20959348 — Original auf PubMed →
Schutz vor skrotaler Überhitzung bei Laptop-Nutzern (2011)
Sheynkin Y et al. — Fertility and sterility · Hitze & Kälte
Experimentelle Studie an 29 gesunden männlichen Freiwilligen zur Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen gegen skrotale Erwärmung durch Laptop-Nutzung. In drei jeweils 60-minütigen Sitzungen wurde die Skrotaltemperatur unter einem laufenden Laptop gemessen: Sitzung 1 mit eng zusammengeführten Beinen ohne Unterlage, Sitzung 2 mit eng zusammengeführten Beinen und Laptop-Unterlage, Sitzung 3 mit auf 70° gespreizten Beinen und Unterlage. In allen Sitzungen stieg die Skrotaltemperatur signifikant an, jedoch am wenigsten in Sitzung 3 (+1,41–1,47 °C) verglichen mit Sitzung 2 (+2,06–2,18 °C) und Sitzung 1 (+2,31–2,56 °C). Ein Temperaturanstieg von 1 °C wurde nach 11 Minuten (Sitzung 1), 14 Minuten (Sitzung 2) bzw. 28 Minuten (Sitzung 3) erreicht. Die eng zusammengeführte Sitzhaltung ist demnach die Hauptursache der Überhitzung; eine Laptop-Unterlage allein schützt nicht davor. Eine vollständige Vermeidung der skrotalen Hyperthermie ist bei Laptop-Nutzung derzeit nicht möglich, sie lässt sich aber durch gespreizte Beinhaltung und kürzere Nutzungsdauer reduzieren.
PMID 21055743 — Original auf PubMed →
Verbessert eine Varikozelen-Operation die männliche Fertilität? Eine evidenzbasierte Perspektive aus einer randomisiert-kontrollierten Studie (2011)
Abdel-Meguid TA et al. — European urology · Genetik & Anatomie
Randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) mit 145 verheirateten Männern (20–39 Jahre) mit ≥1 Jahr Infertilität, tastbarer Varikozele und mindestens einem pathologischen Samenparameter, die entweder Beobachtung (Kontrollarm, n=72) oder subinguinale mikrochirurgische Varikozelektomie (Behandlungsarm, n=73) erhielten; primärer Endpunkt war die Spontanschwangerschaftsrate über 12 Monate, sekundäre Endpunkte Veränderungen der Samenparameter. Im Behandlungsarm kam es bei 32,9 % der Paare zu einer Spontanschwangerschaft gegenüber 13,9 % im Kontrollarm (Odds Ratio 3,04; 95 %-CI 1,33–6,95; Number Needed to Treat 5,27). Nur im Behandlungsarm verbesserten sich alle Samenparameter (Konzentration, progressive Motilität, Morphologie) signifikant gegenüber Baseline (p<0,0001) und auch signifikant stärker als im Kontrollarm; im Kontrollarm blieben die Parameter unverändert. Unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Die Studie liefert Evidenzgrad-1b-Belege für die Überlegenheit der operativen Varikozelenkorrektur gegenüber reinem Abwarten bei infertilen Männern mit tastbarer Varikozele und eingeschränkter Samenqualität.
PMID 21196073 — Original auf PubMed →
Coenzym Q10 verbessert die seminale antioxidative Abwehr, beeinflusst aber die Samenparameter bei idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie nicht: eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie (2011)
Nadjarzadeh A et al. — Journal of endocrinological investigation · Supplements & Nährstoffe
Doppelblinde, placebokontrollierte RCT an 47 infertilen Männern mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (iOAT), die über 12 Wochen entweder 200 mg Coenzym Q10 (CoQ10) täglich oder Placebo erhielten. Samenparameter wurden nach WHO-Kriterien mikroskopisch bestimmt, zusätzlich Plasma-Malondialdehyd als Marker der Lipidperoxidation und die Gesamtantioxidationskapazität des Seminalplasmas gemessen. Spermienkonzentration, Motilität und Morphologie veränderten sich unter CoQ10 nicht signifikant gegenüber Placebo. Dagegen sanken die Thiobarbitursäure-reaktiven Substanzen im Serum signifikant (p<0,05), und die antioxidative Gesamtkapazität des Seminalplasmas stieg in der CoQ10-Gruppe signifikant an (p<0,05). Die Autoren folgern, dass CoQ10 den oxidativen Stress bei iOAT reduzieren kann, ohne die klassischen Samenparameter messbar zu verbessern, und schlagen eine mögliche Anwendung als unterstützende Zusatztherapie vor. Weitere Studien seien nötig, um eine abschließende Bewertung zu ermöglichen.
PMID 21399391 — Original auf PubMed →
HIV-Infektion und moderne antiretrovirale Therapie beeinträchtigen die Spermaqualität (2011)
Kehl S et al. — Archives of gynecology and obstetrics · Grunderkrankungen & Infektionen
Prospektive Studie am Universitätsfertilitätszentrum Mannheim (1996–2003) mit 226 Männern, unterteilt in HIV-1-infizierte Männer unter hochaktiver antiretroviraler Therapie (HAART), HIV-1-infizierte Männer ohne antiretrovirale Therapie und eine Kontrollgruppe von 93 Männern mit tubarer Sterilität der Partnerin. Verglichen wurden Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Motilität und Morphologie. HIV-infizierte Männer insgesamt sowie die HAART-Untergruppe hatten ein signifikant geringeres Ejakulatvolumen, weniger langsam progressive und mehr abnorm geformte Spermien als die Kontrollgruppe. HIV-infizierte Männer ohne antiretrovirale Therapie zeigten nur ein signifikant reduziertes Ejakulatvolumen, die übrigen Parameter waren unauffällig; zwischen den Untergruppen mit und ohne HAART bestanden keine signifikanten Unterschiede. Das Spermiogramm HIV-infizierter Männer war insgesamt gegenüber gesunden Kontrollen verschlechtert, wobei sich Volumen, Morphologie und Motilität besonders unter HAART veränderten – ein Hinweis auf einen möglichen zusätzlichen Effekt der antiretroviralen Medikation neben der HIV-Infektion selbst.
PMID 21448708 — Original auf PubMed →
Assoziation von gr/gr-Deletionen in der AZFc-Region des Y-Chromosoms mit männlicher Infertilität: eine Metaanalyse (2011)
Li Y et al. — Zhonghua nan ke xue (National journal of andrology) · Genetik & Anatomie
Metaanalyse zur Assoziation zwischen gr/gr-Deletionen der AZFc-Region und idiopathischer männlicher Infertilität, basierend auf einer Literatursuche in PubMed, VIP und CNKI (Januar 2003 bis August 2010). Eingeschlossen wurden 20 Fall-Kontroll-Studien mit 5246 infertilen Fällen und 4380 Kontrollen, ausgewertet mit RevMan-4.2-Software. Die gr/gr-Deletion war bei den Fällen signifikant häufiger als bei Kontrollen (gepoolte OR 1,63; 95 %-CI 1,23–2,44; p=0,002); bei Beschränkung auf 16 Studien mit strengeren Ein-/Ausschlusskriterien stieg die OR auf 1,84 (95 %-CI 1,47–2,29; p<0,00001). Bei Oligozoospermie war die Assoziation besonders ausgeprägt (OR 2,12). Der gr/gr-Subtyp ohne DAZ1/DAZ2-Genkopien war signifikant mit gestörter Spermatogenese assoziiert (OR 1,83), während der Subtyp ohne DAZ3/DAZ4 keine signifikante Assoziation zeigte (OR 1,43; p=0,07). Die Metaanalyse stützt gr/gr-Deletionen als Risikofaktor für männliche Infertilität, insbesondere bei Oligozoospermie.
PMID 21735657 — Original auf PubMed →
Verbessert Gewichtsverlust die Samenqualität und Reproduktionshormone? Ergebnisse einer Kohorte stark adipöser Männer (2011)
Håkonsen LB et al. — Reproductive health · Gewicht & Sport
Pilotkohortenstudie mit 43 Männern (BMI >33 kg/m², Alter 20–59 Jahre, Median 32), die ein 14-wöchiges stationäres Gewichtsreduktionsprogramm durchliefen; vor und nach der Intervention wurden Samenqualität (inkl. DNA-Integrität mittels SCSA) und Reproduktionshormone (Testosteron, Estradiol, SHBG, LH, FSH, AMH, Inhibin B) bestimmt. Zu Baseline war der BMI invers assoziiert mit Spermienkonzentration (p=0,02), Gesamtspermienzahl (p=0,02), Morphologie (p=0,04), Motilität (p=0,005), Testosteron (p=0,04) und Inhibin B (p=0,04) sowie positiv mit Estradiol (p<0,005). Der mediane Gewichtsverlust betrug 15 % (Range 3,5–25,4 %) und war mit einem Anstieg von Gesamtspermienzahl (p=0,02), Ejakulatvolumen (p=0,04), Testosteron (p=0,02), SHBG (p=0,03) und AMH (p=0,02) assoziiert; in der Untergruppe mit dem größten Gewichtsverlust stieg die Gesamtspermienzahl um 193 Millionen und die normale Morphologie um 4 Prozentpunkte. Adipositas war somit mit schlechterer Samenqualität assoziiert, Gewichtsverlust mit einer Verbesserung – ob durch das Gewicht selbst oder begleitende Lebensstiländerungen bleibt offen.
PMID 21849026 — Original auf PubMed →
Samenqualität und Fertilität bei erwachsenen Langzeitüberlebenden der akuten lymphoblastischen Leukämie im Kindesalter (2011)
Jahnukainen K et al. — Fertility and sterility · Grunderkrankungen & Infektionen
Prospektive Studie mit 51 männlichen Langzeitüberlebenden einer akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) im Kindesalter (Diagnosealter median 5 Jahre) und 56 altersangepassten Kontrollen, untersucht im Median 20 Jahre nach Therapie hinsichtlich Hodenvolumen, Serumhormonen, Samenqualität und Anzahl gezeugter Kinder in Bezug zur erhaltenen ALL-Therapie. Überlebende mit niedriger kumulativer Cyclophosphamid-Dosis (0–10 g/m²) hatten vergleichbare Spermaqualität und Fertilitätsraten wie Kontrollen, jedoch niedrigeres freies Serumtestosteron (median 213 vs. 296 pmol/L). Kraniale Bestrahlung ohne Cyclophosphamid beeinträchtigte Samenqualität, Fertilität und Testosteron nicht. Keiner der Überlebenden mit hoher kumulativer Cyclophosphamid-Dosis (>20 g/m²) und Hodenbestrahlung (10–24 Gy) hatte ein Kind gezeugt. Das Hodenvolumen sagte nichtazoosperme Samenproben bzw. Fertilität besser voraus als Serum-Inhibin B. Niedrig dosiertes Cyclophosphamid und kraniale Bestrahlung beeinträchtigen demnach Fertilität und Samenqualität nicht wesentlich, können aber die Leydigzellfunktion langfristig einschränken.
PMID 21868007 — Original auf PubMed →
Kürzere Abstinenzzeit verringert die Spermien-DNA-Fragmentierung im Ejakulat (2011)
Gosálvez J et al. — Fertility and sterility · Messmethodik
Prospektive Studie an zwei Kohorten normozoospermer Männer: 21 Männer (25–35 Jahre) einer Kinderwunschklinik mit deutlichem weiblichem Faktor und 12 ausgewählte Samenspender (20–25 Jahre). Die Spermien-DNA-Fragmentierung (SDF) wurde mittels Sperm-Chromatin-Dispersionstest (Halosperm) gemessen: einerseits nach wiederholter Ejakulation im 24-Stunden-Abstand über mehrere Tage, andererseits vor und nach Spermienselektion bei nur 3 Stunden Abstinenz. Kürzere Abstinenzintervalle zwischen den Ejakulationen (24 Stunden und insbesondere 3 Stunden) gingen mit niedrigeren SDF-Ausgangswerten einher als bei den üblicherweise empfohlenen längeren Abstinenzzeiten; der Effekt war nach kurzer, wiederholter Ejakulation kombiniert mit Spermienselektion am stärksten ausgeprägt. Die Autoren stellen damit die gängige Empfehlung längerer Abstinenz vor Samenabgabe in der Fertilitätstherapie infrage und schlagen vor, dass wiederholte kurzfristige Ejakulation zusammen mit effektiver Spermienselektion die DNA-Fragmentierung wirksam reduzieren kann.
PMID 21924714 — Original auf PubMed →
Einfluss der Handynutzung auf Samenparameter von Männern (2011)
Gutschi T et al. — Andrologia · Strahlung & Bildschirmzeit
Retrospektive Studie mit 2110 Männern einer Kinderwunschklinik (1993–2007), bei denen Samenanalyse sowie Serumwerte für freies Testosteron, FSH, LH und Prolaktin erhoben und mit selbstberichteter Handynutzung in Beziehung gesetzt wurden. Die Männer wurden in Nutzer (Gruppe A, n=991) und Nichtnutzer (Gruppe B, n=1119) unterteilt. In Gruppe A wiesen 68,0 % der Spermien eine pathologische Morphologie auf, gegenüber 58,1 % in Gruppe B. Handynutzer hatten zudem signifikant höheres freies Testosteron und niedrigeres LH als Nichtnutzer; bei FSH und Prolaktin zeigten sich keine Unterschiede. Die Autoren schließen auf einen negativen Zusammenhang zwischen Handynutzung und Spermienmorphologie, weisen aber aufgrund des retrospektiven Designs ohne Erfassung von Nutzungsdauer, Trageweise oder Strahlungsexposition ausdrücklich auf die Notwendigkeit sorgfältiger prospektiver Folgestudien hin, um einen kausalen Effekt der Handynutzung auf die männliche Fertilität zu klären.
PMID 21951197 — Original auf PubMed →
Effekt von mütterlichem Kaffee-, Rauch- und Trinkverhalten auf die Spermienqualität erwachsener Söhne: prospektive Evidenz aus den Child Health and Development Studies (2011)
Cirillo PM et al. — Journal of Developmental Origins of Health and Disease · Rauchen, Alkohol & Drogen
Prospektive Kohortenstudie im Rahmen der Child Health and Development Studies (Geburtskohorte 1959–1967, Kaiser Foundation Health Plan, Oakland/Kalifornien). Von 338 im Jahr 2005 nachuntersuchten erwachsenen Söhnen (38–47 Jahre) spendeten 196 eine Samenprobe, die nach standardisiertem Protokoll auf Konzentration, Motilität und Morphologie analysiert wurde; mütterliches Kaffee-, Rauch- und Alkoholverhalten während der Schwangerschaft war dokumentiert. Söhne mit hoher pränataler Koffeinexposition (mütterlich ≥5 Tassen Kaffee/Tag) hatten im Mittel eine um rund 16 Mio./mL (~25 %) niedrigere Spermienkonzentration (Trend p=0,09), etwa 7 Prozentpunkte (13 %) niedrigere Motilität (p=0,04) und rund 2 Prozentpunkte (25 %) weniger normal geformte Spermien (p=0,01) als nicht exponierte Söhne. Mütterliches Rauchen und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft zeigten dagegen keinen Zusammenhang mit der späteren Spermienqualität. Die Assoziationen blieben auch nach Adjustierung für den eigenen Kaffee-, Alkohol- und Zigarettenkonsum der Söhne bestehen, was auf einen möglichen pränatalen Programmierungseffekt von Koffein hindeutet.
PMID 25140488 — Original auf PubMed →
Samenqualität, Reproduktionshormone und Fertilität von Männern nach Hypospadie-Operation (2010)
Asklund C, Jensen TK, Main KM, Sobotka T, Skakkebaek NE, Jørgensen N — International Journal of Andrology · Genetik & Anatomie
Kohortenstudie in der Region Kopenhagen mit 92 Männern mit isolierter Hypospadie (IH) und 20 Männern mit Hypospadie plus weiteren genitalen Fehlbildungen (HAGD), verglichen mit Ergebnissen junger dänischer Männer aus der Allgemeinbevölkerung; zusätzlich wurden über nationale Register Fertilitätsdaten von 1083 wegen Hypospadie operierten Männern ausgewertet. Die Samenqualität von Männern mit IH unterschied sich nicht von der Kontrollgruppe, war bei HAGD jedoch reduziert: mediane Spermienkonzentration 52 vs. 32 Mio./ml (p=0,02), Gesamtspermienzahl 173 vs. 101 Mio. (p=0,03), motile Spermien 70 vs. 58% (p=0,007), normale Morphologie 9 vs. 4% (p=0,004). Männer mit IH hatten leicht erhöhtes FSH und LH, bei HAGD waren die hormonellen Störungen ausgeprägter. Von den registrierten operierten Männern waren 24,0% Väter geworden gegenüber 29,4% in der altersentsprechenden Allgemeinbevölkerung (p<0,01). Die Autoren schließen, dass isolierte Hypospadie in der Regel nicht mit schlechter Samenqualität einhergeht, wenngleich subtile Hormonveränderungen bestehen, während komplexere Formen (HAGD) häufiger eine Kinderwunschbehandlung erfordern.
PMID 19281491 — Original auf PubMed →
Nachteilige Wirkung von Paroxetin auf Spermien (2010)
Tanrikut C et al. — Fertility and sterility · Hormone & Medikamente
Prospektive Interventionsstudie an einem akademischen Zentrum mit 35 gesunden männlichen Freiwilligen (18–65 Jahre), die 5 Wochen lang das SSRI-Antidepressivum Paroxetin einnahmen. Vor, während und einen Monat nach Absetzen wurden Hormonwerte, Samenanalysen, der Anteil fragmentierter Spermien-DNA (TUNEL) sowie die Sexualfunktion per Fragebogen erfasst. Die mittlere DNA-Fragmentierung stieg von 13,8 % (Baseline) auf 30,3 % unter Paroxetin; der Anteil mit pathologischem TUNEL-Score (≥30 %) stieg von 9,7 % auf 50 % nach 4 Wochen (Odds Ratio 9,33; 95 %-CI 2,3–37,9; adjustiert 11,12). Bis zu 35 % der Männer berichteten über Erektionsstörungen, 47 % über Ejakulationsprobleme; nach Absetzen normalisierte sich die Sexualfunktion weitgehend. Die klassischen Samenparameter (Konzentration, Motilität, Morphologie) veränderten sich dagegen nicht signifikant. Die Studie zeigt, dass Paroxetin trotz unauffälligem Spermiogramm die DNA-Integrität der Spermien deutlich beeinträchtigen und dadurch die Fertilität potenziell gefährden kann.
PMID 19515367 — Original auf PubMed →
Sperm Chromatin Structure Assay als unabhängiger Prädiktor der Fertilität in vivo: eine Fall-Kontroll-Studie (2010)
Giwercman A et al. — International journal of andrology · Messmethodik
Fall-Kontroll-Studie mit 127 Männern aus unfruchtbaren Paaren ohne bekannten weiblichen Faktor und 137 Männern mit nachgewiesener Fertilität. Neben konventioneller WHO-Samenanalyse wurde der DNA-Fragmentierungsindex (DFI) mittels Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) bestimmt und der Zusammenhang mit Infertilität per logistischer Regression (Odds Ratios) analysiert. Bei einem DFI über 20 % war das Infertilitätsrisiko deutlich erhöht (OR 8,4; 95 %-CI 3,0–23). Bei ansonsten unauffälligem Standard-Spermiogramm erhöhte ein DFI >20 % das Risiko weiterhin (OR 5,1); war bereits ein Standardparameter (Konzentration, Motilität, Morphologie) pathologisch, genügte schon ein DFI über 10 % für ein deutlich erhöhtes Risiko (OR 16). Die Studie belegt, dass der SCSA-DFI als DNA-Integritätsmarker zusätzlichen prognostischen Wert gegenüber der klassischen Samenanalyse liefert und insbesondere bei grenzwertigen Standardbefunden zur Einschätzung der natürlichen Konzeptionswahrscheinlichkeit beitragen kann.
PMID 19840147 — Original auf PubMed →
Der Einfluss des Body-Mass-Index auf Samenparameter und Reproduktionshormone beim Mann: systematische Übersicht mit Metaanalyse (2010)
MacDonald AA et al. — Human reproduction update · Gewicht & Sport
Systematisches Review mit Metaanalyse zur Frage, ob Body-Mass-Index (BMI) mit Samenqualität und Reproduktionshormonen zusammenhängt. Durchsucht wurden MEDLINE, EMBASE, Biological Abstracts, PsycINFO und CINAHL; eingeschlossen wurden 31 Studien, von denen 5 für eine gepoolte Metaanalyse zu Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl geeignet waren. Die Metaanalyse fand keinen Zusammenhang zwischen BMI und Spermienkonzentration oder Gesamtspermienzahl; auch in der Gesamtschau aller 31 Studien ergab sich wenig Evidenz für eine Beziehung zwischen BMI und klassischen Samenparametern (Volumen, Motilität, Morphologie). Dagegen zeigte sich eine starke, konsistente inverse Beziehung zwischen steigendem BMI und Testosteron, freiem Testosteron sowie SHBG. Die Autoren betonen als Limitation, dass die meisten Studien wegen heterogener Methodik nicht poolbar waren, und fordern größere bevölkerungsbasierte und longitudinale Studien. Insgesamt liefert die Arbeit keinen Beleg für einen direkten BMI-Effekt auf die Samenqualität, wohl aber für einen hormonellen Effekt.
PMID 19889752 — Original auf PubMed →
Referenzwerte der Weltgesundheitsorganisation für menschliche Samencharakteristika (2010)
Cooper TG et al. — Human reproduction update · Messmethodik
Große multinationale Datenanalyse zur Erstellung von WHO-Referenzwerten für die Samenanalyse. Es wurden Samenproben von über 4500 Männern aus 14 Ländern auf vier Kontinenten ausgewertet (retrospektiv und prospektiv, fertile Männer, Männer unbekannten Fertilitätsstatus sowie normozoosperme Männer). Als Referenzpopulation dienten Männer, deren Partnerinnen innerhalb von ≤12 Monaten (Time-to-Pregnancy) schwanger wurden; daraus wurden untere Referenzgrenzen (5. Perzentile) berechnet: Ejakulatvolumen 1,5 mL, Gesamtspermienzahl 39 Millionen, Spermienkonzentration 15 Millionen/mL, Vitalität 58 %, progressive Motilität 32 %, Gesamtmotilität 40 %, morphologisch normale Formen 4,0 %. Die Referenzpopulation zeigte durchweg bessere Samenqualität als die allgemeine bzw. normozoosperme Vergleichspopulation. Diese heute weltweit als Standard verwendeten WHO-Referenzwerte liefern ein empirisch fundiertes Werkzeug, um in Verbindung mit klinischen Befunden die Samenqualität und die Fertilitätsaussichten eines Patienten einzuordnen.
PMID 19934213 — Original auf PubMed →
Fertilität männlicher Überlebender von Krebserkrankungen im Kindesalter: ein Bericht der Childhood Cancer Survivor Study (2010)
Green DM et al. — Journal of clinical oncology · Grunderkrankungen & Infektionen
Kohortenstudie im Rahmen der Childhood Cancer Survivor Study, in der Fragebogendaten von 6224 nicht chirurgisch sterilisierten männlichen Überlebenden (15–44 Jahre) mit Geschwisterkontrollen verglichen wurden; Chemotherapie- und Bestrahlungsdosen wurden aus Krankenakten rekonstruiert und mittels Cox-Regression auf das Risiko, jemals eine Schwangerschaft gezeugt zu haben, bezogen. Überlebende zeugten insgesamt seltener eine Schwangerschaft als Geschwister (Hazard Ratio 0,56). Risikomindernd wirkten eine Hodenbestrahlung über 7,5 Gy (HR 0,12), eine hohe kumulative Alkylanzien-Dosis bzw. Behandlung mit Cyclophosphamid (HR 0,42 im höchsten Tertil) oder Procarbazin (HR bis 0,17). Überlebende ohne Alkylanzien-Exposition und ohne Hodenbestrahlung oder Bestrahlung von Hypothalamus/Hypophyse unterschieden sich dagegen nicht signifikant von Geschwistern (HR 0,91). Die Studie liefert therapiebezogene Risikofaktoren für verminderte Fertilität, die zur Beratung von Krebspatienten vor Therapiebeginn genutzt werden können.
PMID 19949008 — Original auf PubMed →
Integrität der Spermien-DNA bei im Kindesalter krebsbehandelten Männern (2010)
Romerius P et al. — Clinical cancer research · Grunderkrankungen & Infektionen
Fall-Kontroll-Studie mit 99 erwachsenen Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindesalter (CCS) und 193 altersangepassten gesunden Kontrollen, bei denen der DNA-Fragmentierungsindex (DFI) mittels Sperm Chromatin Structure Assay unter Berücksichtigung des jeweiligen Therapieregimes bestimmt wurde. In der Gesamtgruppe der CCS war der DFI gegenüber Kontrollen grenzwertig signifikant erhöht (mittlere Differenz 1,8 %). Deutlich höhere Werte zeigten sich bei ausschließlicher Radiotherapie (Differenz 6,0 %) und bei ausschließlicher Operation (Differenz 2,9 %). Das Risiko für einen fertilitätsrelevanten DFI über 20 % war bei CCS insgesamt verdoppelt (OR 2,2), bei reiner Radiotherapie sogar fast verfünffacht (OR 4,9); eine alleinige Chemotherapie zeigte dagegen keinen signifikanten Effekt. Da kein Zusammenhang mit der Streustrahlendosis am Hoden oder der Chemotherapieart bestand, vermuten die Autoren, dass die Spermien-DNA-Schädigung eher mit der Grunderkrankung selbst als mit der Behandlung zusammenhängt – mit möglichen Folgen für Fertilität und Weitergabe an Nachkommen.
PMID 20519359 — Original auf PubMed →
Mütterlicher Alkoholkonsum während der Schwangerschaft und Samenqualität der Söhne: zwei Jahrzehnte Follow-up (2010)
Ramlau-Hansen CH et al. — Human reproduction · Rauchen, Alkohol & Drogen
Follow-up-Studie einer dänischen Geburtskohorte (1984–1987): 347 erwachsene Söhne wurden 2005/2006 nachuntersucht; Samen- und Blutproben wurden mit prospektiv erhobenen Angaben zum mütterlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft in Beziehung gesetzt. Die Spermienkonzentration sank mit zunehmender pränataler Alkoholexposition: Söhne von Müttern mit ≥4,5 Drinks/Woche hatten eine adjustierte mittlere Konzentration von 40 Mio/mL (95 %-CI 25–60), verglichen mit 59 Mio/mL (95 %-CI 44–77) bei einer Exposition von unter 1,0 Drink/Woche – ein Unterschied von rund 32 %. Auch Samenvolumen und Gesamtspermienzahl waren mit der pränatalen Alkoholexposition assoziiert, mit den höchsten Werten bei 1,0–1,5 Drinks/Woche. Motilität, Morphologie und Reproduktionshormone einschließlich Testosteron zeigten keine Assoziation. Die Autoren interpretieren dies als Hinweis auf eine dauerhafte Schädigung der fetalen Sertoli-Zellen durch pränatalen Alkohol, die zur langfristigen Absenkung der Spermienkonzentration beitragen könnte.
PMID 20587536 — Original auf PubMed →
Samenqualität und Spermien-DNA-Schäden in Bezug auf Bisphenol A im Urin bei Männern einer Kinderwunschklinik (2010)
Meeker JD et al. — Reproductive toxicology · Endokrine Disruptoren
Querschnittsstudie mit 190 Männern, die über eine Fertilitätsklinik rekrutiert wurden; gemessen wurden Urin-Bisphenol-A (BPA), konventionelle Samenparameter und Spermien-DNA-Schäden mittels Comet-Assay. BPA war in 89 % der Urinproben nachweisbar (Median 1,3 ng/mL, Interquartilsabstand 0,8–2,5). Ein Anstieg der BPA-Konzentration um den Interquartilsabstand war mit einem Rückgang der Spermienkonzentration um 23 % (95 %-CI −40 bis −0,3 %), der Motilität um 7,5 % und der Morphologie um 13 % sowie mit einer Zunahme der DNA-Schäden im Comet-Tail um 10 % assoziiert; die Assoziationen mit den kategorialen Grenzwerten (unterhalb Referenzbereich) waren leicht erhöht, aber statistisch nicht signifikant. Die Autoren schließen, dass urinäres BPA – ein bekannter endokriner Disruptor mit spermatogenesehemmender Wirkung im Tiermodell – mit verminderter Samenqualität und erhöhten DNA-Schäden beim Menschen assoziiert sein könnte, betonen jedoch die Notwendigkeit bestätigender Studien.
PMID 20656017 — Original auf PubMed →
Der Einfluss von Stress auf die Samenqualität (2010)
Jurewicz J et al. — Medycyna pracy · Alter, Stress & Schlaf
Querschnittsstudie mit 179 Männern, die sich zur Diagnostik in einer Kinderwunschklinik vorstellten (Samenkonzentration normal: 15–300 Mio/mL, oder leichte Oligozoospermie: 10–15 Mio/mL). Die Samenanalyse erfolgte einheitlich nach WHO-Handbuch (Volumen, Motilität, Anteil atypischer und progressiver Spermien); beruflicher Stress wurde mit dem Subjective Work Characteristics Questionnaire erfasst, unter Berücksichtigung von Störfaktoren wie Dauer der Kinderlosigkeit, sexueller Abstinenz und Vorerkrankungen. Es zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen der Anzahl bzw. Summe belastender psychosozialer Arbeitsfaktoren und dem Samenvolumen sowie dem Anteil progressiv beweglicher Spermien. Die Autoren bestätigen damit einen negativen Effekt von beruflichem Stress auf die männliche Samenqualität, weisen aber wegen der begrenzten Datenlage und des Querschnittsdesigns auf die Notwendigkeit größerer Longitudinalstudien zur Bestätigung hin.
PMID 21452563 — Original auf PubMed →
Coenzym-Q10-Behandlung bei infertilen Männern mit idiopathischer Asthenozoospermie: eine placebokontrollierte, doppelblinde randomisierte Studie (2009)
Balercia G, Buldreghini E, Vignini A, Tiano L, Paggi F, Amoroso S, Ricciardo-Lamonica G, Boscaro M, Lenzi A, Littarru G — Fertility and Sterility · Supplements & Nährstoffe
Placebokontrollierte, doppelblinde randomisierte Studie an der Andrologie-Einheit der Polytechnischen Universität Marche (Italien) mit 60 infertilen Männern (27–39 Jahre) mit idiopathischer Asthenozoospermie (Spermienkonzentration >20 Mio./ml, Motilität <30%); 55 Patienten schlossen die Studie ab. Nach einer einmonatigen Run-in-Phase erhielten die Teilnehmer über 6 Monate entweder 200 mg/Tag Coenzym Q10 oder Placebo, gefolgt von 3 Monaten Nachbeobachtung ohne Behandlung. Unter Coenzym-Q10-Gabe stiegen Coenzym-Q10- und Ubichinol-Konzentrationen in Seminalplasma und Spermienzellen signifikant an, ebenso die Spermienmotilität; es zeigte sich eine schwache lineare Korrelation zwischen der Veränderung der Q10/Ubichinol-Spiegel und den kinetischen Parametern. Patienten mit niedrigerer Ausgangsmotilität und niedrigeren Ausgangs-Q10-Werten sprachen signifikant häufiger auf die Behandlung an. Die Studie zeigt, dass orale Coenzym-Q10-Supplementierung die Spermienbeweglichkeit bei idiopathischer Asthenozoospermie verbessern kann, wobei der Nutzen vor allem bei initial niedrigeren Werten ausgeprägt war.
PMID 18395716 — Original auf PubMed →
Wirksamkeit von Selen und/oder N-Acetylcystein zur Verbesserung der Spermiogrammparameter bei infertilen Männern: eine doppelblinde, placebokontrollierte, randomisierte Studie (2009)
Safarinejad MR, Safarinejad S — The Journal of Urology · Supplements & Nährstoffe
Große doppelblinde, placebokontrollierte randomisierte Studie mit 468 infertilen Männern mit idiopathischer Oligo-Astheno-Teratozoospermie, randomisiert in vier Gruppen à ca. 116–118 Teilnehmer: 200 µg Selen/Tag, 600 mg N-Acetylcystein/Tag, die Kombination beider Substanzen, oder Placebo, über 26 Wochen mit anschließender 30-wöchiger behandlungsfreier Nachbeobachtung. Erhoben wurden Serumhormone (Testosteron, Östradiol, FSH, LH, Prolaktin, Inhibin B), Selen- und NAC-Spiegel in Serum und Seminalplasma sowie das komplette Spermiogramm. Unter Selen- und NAC-Behandlung sank das FSH, während Testosteron und Inhibin B anstiegen; alle Spermiogrammparameter verbesserten sich signifikant, mit additiven Effekten in der Kombinationsgruppe. Es bestand eine positive Korrelation zwischen der Summe aus Selen- und NAC-Konzentration im Seminalplasma und Spermienkonzentration (r=0,67; p=0,01), Motilität (r=0,64; p=0,01) und normaler Morphologie (r=0,66; p=0,01). Die Autoren folgern, dass eine Supplementierung mit Selen und N-Acetylcystein die Samenqualität verbessert und empfehlen den Einsatz bei männlicher Infertilität.
PMID 19091331 — Original auf PubMed →
Integrität der Spermien-DNA bei Krebspatienten: der Einfluss von Erkrankung und Behandlung (2009)
Ståhl O, Eberhard J, Cavallin-Ståhl E, Jepson K, Friberg B, Tingsmark C, Spanò M, Giwercman A — International Journal of Andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Kohortenstudie an 121 Krebspatienten (vorwiegend Keimzelltumoren und Hodgkin-Lymphom), deren Samen vor onkologischer Behandlung kryokonserviert wurde; bei 58 Männern lagen zusätzlich Nachbehandlungsproben (medianes Follow-up 3 Jahre) für einen individuellen Vorher-Nachher-Vergleich vor. Die Spermien-DNA-Integrität wurde mittels Sperm Chromatin Structure Assay als DNA-Fragmentationsindex (DFI%) bestimmt und mit 137 fertilen Kontrollmännern verglichen. Vor Behandlungsbeginn hatten Patienten mit Keimzelltumor (n=84) und Hodgkin-Lymphom (n=18) bereits höhere DFI-Werte als Kontrollen (mittlere Differenz 7,7 bzw. 7,0 Prozentpunkte); bei anderen Krebsdiagnosen zeigte sich ein ähnlicher, statistisch nicht signifikanter Trend (Differenz 3,6). Im Vergleich von Proben vor und nach der onkologischen Behandlung fand sich unabhängig von der Therapieform kein Anstieg des DFI. Die Studie zeigt, dass bereits die Krebserkrankung selbst – nicht erst die Behandlung – mit einer mäßig erhöhten Spermien-DNA-Fragmentierung einhergeht, was bei der Entscheidung zwischen kryokonserviertem Samen vor Therapie und frischem Samen danach berücksichtigt werden sollte.
PMID 19178596 — Original auf PubMed →
Bewertung des männlichen Fertilitätspotenzials mittels Toluidinblau-Test zur Beurteilung der Spermien-Chromatinstruktur (2009)
Tsarev I, Bungum M, Giwercman A, Erenpreisa J, Ebessen T, Ernst E, Erenpreiss J — Human Reproduction · Messmethodik
Diagnostische Validierungsstudie zur klinischen Anwendbarkeit des Toluidinblau(TB)-Tests zur Beurteilung der Spermien-Chromatinstruktur, durchgeführt an 63 fertilen und 79 infertilen Männern mit klar definiertem Fertilitätsstatus. Mittels ROC-Kurvenanalyse wurden Schwellenwerte für den Anteil chromatin-abnormaler (TB-dunkler, TBDC) bzw. -normaler (TB-heller, TBLC) Spermien zur Infertilitätsvorhersage bestimmt. Ein Schwellenwert von 45% TBDC bzw. 20% TBLC war hochprädiktiv für Infertilität (Spezifität 92% bzw. 90%), jedoch schlechter geeignet, um Fertilität vorherzusagen (Sensitivität nur 42% bzw. 32%). Die Odds Ratio für Infertilität betrug 7,5 (95%-KI 2,7–20,8) beim 45%-TBDC-Grenzwert und 4,4 (95%-KI 1,7–11,6) beim 20%-TBLC-Grenzwert. Die Autoren schlagen den TB-Test als ergänzenden, einfachen und kostengünstigen Test zum konventionellen Spermiogramm zur Diagnose männlicher Infertilität vor, betonen aber, dass er als alleiniger Test wegen der begrenzten Sensitivität nicht ausreicht, um normale Fertilität sicher zu belegen.
PMID 19304993 — Original auf PubMed →
Wirkungen von N-Acetylcystein auf Samenparameter und oxidativen/antioxidativen Status (2009)
Ciftci H et al. — Urology · Supplements & Nährstoffe
Randomisierte, placebokontrollierte Studie zur Wirkung von N-Acetylcystein (NAC) bei Männern mit idiopathischer Infertilität. 120 Patienten wurden nach Diagnose einer ungeklärten Unfruchtbarkeit in zwei Gruppen randomisiert: 60 Männer erhielten 3 Monate lang täglich 600 mg NAC oral, 60 ein Placebo. Erfasst wurden Samenparameter sowie oxidativer Status (Gesamtantioxidationskapazität, Gesamtperoxide, oxidativer Stressindex) im Plasma. NAC verbesserte signifikant Volumen, Motilität und Viskosität des Ejakulats gegenüber Placebo. Zudem stieg die antioxidative Kapazität im Serum, während Gesamtperoxide und oxidativer Stressindex sanken – vermutlich durch verringerte reaktive Sauerstoffspezies. Anzahl und Morphologie der Spermien unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant. Die Autoren schlussfolgern, dass NAC bei idiopathischer männlicher Infertilität ausgewählte Samenparameter sowie den oxidativen Status verbessern kann, wenngleich kein Effekt auf Spermienzahl oder -morphologie nachweisbar war.
PMID 19428083 — Original auf PubMed →
Beeinträchtigen Perfluoralkylverbindungen die menschliche Samenqualität? (2009)
Joensen UN et al. — Environmental health perspectives · Endokrine Disruptoren
Querschnittsstudie an 105 jungen dänischen Männern aus der Allgemeinbevölkerung (Medianalter 19 Jahre), in der Serumkonzentrationen von 10 Perfluoralkylsäuren (PFAA, u. a. PFOS, PFOA), Reproduktionshormone und Samenqualität untersucht wurden. Alle Probanden wiesen messbare PFAA-Spiegel auf (Mediane: PFOS 24,5 ng/mL, PFOA 4,9 ng/mL, Perfluorhexansulfonsäure 6,6 ng/mL). Männer mit hohen kombinierten PFOS-PFOA-Spiegeln hatten im Median nur 6,2 Millionen morphologisch normale Spermien im Ejakulat gegenüber 15,5 Millionen bei niedriger Exposition (p=0,030). Zusätzlich zeigten sich nicht-signifikante Trends zu niedrigerer Spermienkonzentration, niedrigerer Gesamtspermienzahl und veränderten Hypophysen-Gonaden-Hormonen bei hoher PFAA-Belastung. Die Autoren werten die Befunde als Hinweis, dass PFAA – als vermutete endokrine Disruptoren – zur andernorts beobachteten niedrigen Samenqualität junger Männer beitragen könnten, betonen jedoch, dass die Ergebnisse wegen der begrenzten Stichprobengröße in größeren Studien bestätigt werden müssen.
PMID 19590684 — Original auf PubMed →
Spermaqualität vor Therapiebeginn bei Patienten mit frühem Hodgkin-Lymphom (EORTC-GELA-Studien) (2009)
van der Kaaij MA et al. — Haematologica · Grunderkrankungen & Infektionen
Kohortenanalyse innerhalb der EORTC-H6-H9-Studien: Von 2362 männlichen Patienten mit frühem Hodgkin-Lymphom lagen bei 474 (20 %) Daten zur unbehandelten Spermaqualität nach WHO-Kriterien vor; Einflussfaktoren wurden per logistischer Regression untersucht. Die mediane Spermienkonzentration betrug 40 Millionen/mL (Range 0–345), die mediane Motilität 50 %. Die Samenqualität war bei 41 % gut, bei 49 % intermediär und bei 7 % schlecht; 3 % waren azoosperm. Alter und klinisches Stadium hatten keinen Einfluss, wohl aber B-Symptome und erhöhte Blutsenkung: Odds Ratios für schlechte Qualität lagen bei 2,77 (B-Symptome), 2,35 (BSG ≥50 mm/h), 3,22 (Fieber) und 3,78 (Nachtschweiß). Insgesamt hatten 90 % der Patienten eine für assistierte Reproduktion ausreichende Samenqualität vor Therapiebeginn. Die Studie unterstreicht, dass eine Spermakryokonservierung vor Chemotherapie trotz der Grunderkrankung meist sinnvoll und erfolgversprechend ist, insbesondere bei Patienten ohne systemische B-Symptomatik.
PMID 19850901 — Original auf PubMed →
Ist die Sexualfunktion männlicher Lymphom-Überlebender beeinträchtigt? (2009)
Kiserud CE et al. — Journal of clinical oncology · Grunderkrankungen & Infektionen
Querschnittsstudie am Norwegischen Radiumkrankenhaus mit 246 männlichen Lymphom-Überlebenden (Diagnose 1980–2002, ≤50 Jahre bei Diagnose, mittleres Follow-up 14,8 Jahre) und 492 altersangepassten Kontrollen aus einer Normstichprobe. Erhoben wurden Gonadalhormone (Testosteron, SHBG, LH, FSH) sowie die Sexualfunktion mittels Brief Sexual Function Inventory (BSFI), zudem psychosoziale und gesundheitsbezogene Faktoren. Lymphom-Überlebende schnitten in den BSFI-Domänen Erektion, Ejakulation und sexuelle Zufriedenheit signifikant schlechter ab als Kontrollen. Niedriges Testosteron und/oder erhöhtes LH waren mit niedrigeren BSFI-Werten assoziiert; in der multivariaten Analyse waren höheres Alter, stärkere emotionale Belastung, schlechterer körperlicher Gesundheitszustand sowie abnormale Gonadalhormone unabhängige Prädiktoren für schlechtere Sexualfunktion. Unklar bleibt, ob die Hormonveränderungen die reduzierte Sexualfunktion direkt verursachen oder ob vermittelnde Faktoren wie Alterung, emotionale Belastung oder subjektives Gesundheitsempfinden eine Rolle spielen.
PMID 19858388 — Original auf PubMed →
Effekt der Handynutzung auf das Spermiogramm bei Männern in einer Kinderwunschklinik: eine Beobachtungsstudie (2008)
Agarwal A, Deepinder F, Sharma RK, Ranga G, Li J — Fertility and Sterility · Strahlung & Bildschirmzeit
Beobachtungsstudie an 361 Männern einer Kinderwunschklinik, eingeteilt in vier Gruppen nach aktiver Handynutzung (keine Nutzung bis über 4 Stunden/Tag). Untersucht wurden Ejakulatvolumen, Verflüssigungszeit, pH-Wert, Viskosität, Spermienzahl, Motilität, Vitalität und Morphologie. Zwischen den vier Nutzergruppen fanden sich statistisch signifikante Unterschiede bei mittlerer Spermienzahl, Motilität, Vitalität und normaler Morphologie; die Werte verschlechterten sich mit zunehmender täglicher Nutzungsdauer, unabhängig von der ursprünglichen Samenqualität. Die Autoren folgern, dass Handynutzung die Samenqualität durch Verringerung von Spermienzahl, Motilität, Vitalität und Morphologie beeinträchtigt, in dosisabhängiger Weise. Einschränkend ist zu nennen, dass es sich um eine reine Beobachtungsstudie ohne Kontrolle für mögliche Störfaktoren (z. B. Haltungsweise des Telefons, Körperwärme, Lebensstil) handelt und der Mechanismus (Wärme vs. elektromagnetische Strahlung) offenbleibt; kausale Schlussfolgerungen sind daher nur eingeschränkt möglich.
PMID 17482179 — Original auf PubMed →
Elterliches Wissen über die Fertilität bei männlichen Überlebenden von Krebs im Kindesalter (2008)
van den Berg H, Langeveld NE — Psycho-Oncology · Sonstiges
Kein klassischer Fertilitätsdatensatz, sondern eine Befragungsstudie zum elterlichen Wissensstand: 159 Familien mit einem Jungen, der eine Krebserkrankung im Kindesalter überlebt hatte, wurden zu Erinnerung und Erwartungen bezüglich der Fertilität ihres Sohnes befragt. 52% der Eltern erinnerten sich an ärztliche Aussagen zur Fertilität, 36% nicht, 12% waren unsicher; Geschlecht und Alter der Eltern bei Diagnosestellung hatten keinen Einfluss. Bei intensiverer Behandlung waren Eltern besser informiert, nach einem Rezidiv hingegen schlechter. 9% der Eltern erwarteten Infertilität, 60% waren unsicher, 31% erwarteten normale Fertilität. Die Autoren schließen, dass nur etwa die Hälfte der Eltern über die Fertilität ihres Sohnes informiert ist, vermutlich aufgrund begrenzter mündlicher Aufklärung und Erinnerungslücken trotz schriftlicher Informationen; ein Drittel ging fälschlich von normaler Fertilität aus. Die Studie behandelt keine biologischen Einflussfaktoren auf die Spermienqualität, sondern die Kommunikations- und Aufklärungslücke bei Fertilitätsfragen nach kindlicher Krebstherapie.
PMID 17647263 — Original auf PubMed →
Der Zusammenhang zwischen dem Urin-Metaboliten von Pyrethroid-Insektiziden und der Samenqualität beim Menschen (2008)
Xia Y, Han Y, Wu B, Wang S, Gu A, Lu N, Bo J, Song L, Jin N, Wang X — Fertility and Sterility · Umweltschadstoffe
Retrospektive Fall-Kontroll-Studie an einer chinesischen reproduktionsmedizinischen Klinik mit 376 Männern mit nichtobstruktiver Infertilität. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen der Urinkonzentration von 3-Phenoxybenzoesäure (3-PBA), einem Metaboliten von Pyrethroid-Insektiziden (Medianwert 0,879 µg/g Kreatinin), und Samenparametern (Volumen, Konzentration, Gesamtspermienzahl, Motilität, Progressivität, Bewegungsparameter). Mit steigenden kreatinin-adjustierten 3-PBA-Quartilen stieg das Odds Ratio für eine verminderte Spermienkonzentration kontinuierlich an (1,00 / 1,31 / 1,73 / 2,04 für die vier Quartile), während Samenvolumen, Gesamtspermienzahl und Motilität nur schwach oder nicht signifikant assoziiert waren. Von den Bewegungsparametern zeigten die geradlinige Geschwindigkeit (VSL) und die kurvilineare Geschwindigkeit (VCL) einen Zusammenhang mit der 3-PBA-Belastung. Die Ergebnisse sprechen für einen dosisabhängigen negativen Effekt der weitverbreiteten Pyrethroid-Exposition auf die Spermienkonzentration und -beweglichkeit beim Menschen, wobei der retrospektive Fall-Kontroll-Ansatz keine kausalen Aussagen erlaubt.
PMID 17765231 — Original auf PubMed →
Einfluss beheizter Autositze auf die Skrotaltemperatur (2008)
Jung A, Strauss P, Lindner HJ, Schuppe HC — Fertility and Sterility · Hitze & Kälte
Kontrollierte experimentelle Studie mit 30 gesunden männlichen Probanden ohne Infertilitätsanamnese und unauffälligem andrologischem Befund. Die Skrotaltemperatur wurde mittels zweier an beiden Skrotalseiten angebrachter Thermistorsensoren minütlich über jeweils 90 Minuten Sitzen auf einem beheizten bzw. unbeheizten Autositz gemessen, in randomisierter Reihenfolge, unter standardisierter Kleidung. Am Ende der Sitzperiode war die Skrotaltemperatur beim beheizten Sitz signifikant höher als beim unbeheizten (linke Seite +0,5°C, rechte Seite +0,6°C); die beim reinen Sitzen erreichten Maximalwerte wurden auf dem beheizten Sitz bereits nach einem Drittel der Expositionszeit überschritten. Die Studie zeigt experimentell, dass die Nutzung beheizter Autositze die durch langes Sitzen ohnehin erhöhte Skrotal- und damit testikuläre Temperatur zusätzlich steigert, was als weiterer potenzieller Hitzestressfaktor für die Spermatogenese diskutiert wird. Auswirkungen auf die tatsächliche Samenqualität wurden in dieser Studie nicht gemessen.
PMID 17919605 — Original auf PubMed →
Organophosphat-Pestizidexposition verringert die Spermienqualität: Zusammenhang zwischen Spermienparametern und Urin-Pestizidwerten (2008)
Recio-Vega R, Ocampo-Gómez G, Borja-Aburto VH, Moran-Martínez J, Cebrian-Garcia ME — Journal of Applied Toxicology · Umweltschadstoffe
Longitudinale Verlaufsstudie zur Wirkung beruflicher Organophosphat-Pestizid-Exposition auf die Samenqualität bei 52 Freiwilligen mit insgesamt 139 Samenproben, eingeteilt in drei Expositionsstufen; die Urin-Pestizidmetaboliten wurden mittels Gaschromatographie bestimmt. Bei den am höchsten exponierten Probanden mit den höchsten Urin-Organophosphatwerten fand sich die schlechteste Samenqualität, mit einer signifikanten Verringerung der Gesamtspermienzahl in dieser Gruppe; zusätzlich wurden saisonale Schwankungen von Spermienkonzentration und -zahl beobachtet. Im Gegensatz zu den meisten vorherigen, überwiegend querschnittlichen Studien erlaubt der longitudinale Ansatz eine bessere Zuordnung von Expositionshöhe und Effekt. Die Autoren betonen, dass künftige Studien zu Organophosphaten die natürliche saisonale und individuelle Variabilität der Spermienparameter sowie die Dauer der Spermatogenese und wechselnde Expositionshöhen berücksichtigen müssen, um die reproduktionstoxischen Effekte beruflicher Pestizidexposition sicherer einordnen zu können.
PMID 18046699 — Original auf PubMed →
Ist Übergewicht ein Risikofaktor für eingeschränkte Samenqualität und ein verändertes Sexualhormonprofil im Serum? (2008)
Aggerholm AS, Thulstrup AM, Toft G, Ramlau-Hansen CH, Bonde JP — Fertility and Sterility · Gewicht & Sport
Große Querschnittsstudie, die Daten aus fünf früheren populationsbasierten dänischen Umweltstudien zur Samenqualität zusammenführte (n=2139 Männer, Universitätsklinikum Dänemark), mit Erhebung von Samen- und Blutproben, Lebensstil- und Reproduktionsfaktoren einschließlich Body-Mass-Index (BMI). Bei adipösen Männern waren Testosteron und Inhibin B im Serum um 25–32% niedriger als bei normalgewichtigen, während Östradiol um 6% höher lag. Übergewichtige Männer (BMI 25,1–30,0 kg/m²) hatten eine geringfügig niedrigere adjustierte Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl als Normalgewichtige (BMI 20,0–25,0 kg/m²); bei adipösen Männern zeigte sich dagegen keine Verringerung der Spermienzahl. Die Studie bestätigt frühere Befunde eines deutlich veränderten Sexualhormonprofils bei Übergewicht/Adipositas, während eine etwaige Verschlechterung der Samenqualität selbst in dieser großen Stichprobe allenfalls marginal und unterhalb der Nachweisgrenze der Methode blieb.
PMID 18068160 — Original auf PubMed →
Kallmann-Syndrom: ein Vergleich der reproduktiven Phänotypen bei Männern mit KAL1- und FGFR1/KAL2-Mutationen (2008)
Salenave S, Chanson P, Bry H, Pugeat M, Cabrol S, Carel JC, Murat A, Lecomte P, Brailly S, Hardelin JP, Dodé C, Young J — The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism · Genetik & Anatomie
Vergleichende genetisch-endokrinologische Studie an 39 Männern mit Kallmann-Syndrom (kongenitaler hypogonadotroper Hypogonadismus mit Anosmie/Hyposmie), davon 21 mit KAL1- und 18 mit FGFR1/KAL2-Mutation, ohne zusätzliche PROK2-/PROKR2-Mutationen; erhoben wurden Pubertätsverlauf, Hodenvolumen, Kryptorchismus-Häufigkeit sowie basale und GnRH-stimulierte Gonadotropinwerte. Bei allen KAL1-Mutationsträgern blieb die Pubertät vollständig aus, während drei FGFR1/KAL2-Träger eine normale Pubertät und eugonadale Hormonwerte hatten. Kryptorchismus war bei KAL1-Trägern häufiger (14/21 vs. 3/15; p<0,001) und das Hodenvolumen kleiner (2,4±1,1 vs. 5,4±2,4 ml; p<0,001); auch basales FSH (0,72 vs. 1,48 IU/l; p<0,05), Inhibin B (19,3 vs. 39,5 pg/ml; p<0,005) sowie basales und GnRH-stimuliertes LH (p<0,01) waren bei KAL1-Trägern niedriger. Die LH-Sekretion war bei allen Untersuchten nicht-pulsatil. Die Studie zeigt, dass KAL1-Mutationen einen deutlich schwereren reproduktiven Phänotyp verursachen als FGFR1/KAL2-Mutationen, die mit einem breiteren Spektrum an Pubertätsentwicklung und weniger stark beeinträchtigter Gonadotropinsekretion einhergehen.
PMID 18160472 — Original auf PubMed →
Induktion der Spermatogenese beim hypogonadotropen Hypogonadismus (2008)
Oldereid NB, Tanbo T — Tidsskrift for den Norske Lægeforening · Hormone & Medikamente
Norwegischer Übersichtsartikel (keine Originalstudie) zur Induktion der Spermatogenese bei hypogonadotropem Hypogonadismus, einer seltenen Ursache testikulären Versagens, die für einen Teil der bei etwa einem Drittel der Kinderwunschpaare bestehenden männlichen Infertilität verantwortlich ist. Grundlage sind eine aktuelle Literaturrecherche und langjährige klinische Erfahrung der Autoren mit infertilen Patienten. Die Übersicht beschreibt die komplexe parakrine und endokrine Regulation der Spermatogenese im Hoden im Zusammenspiel mit der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse sowie die Standardbehandlung mittels Gonadotropin-Injektionen, die der Patient in enger Abstimmung mit einem Spezialisten selbst verabreicht. Die Behandlung muss teils bis zu zwei Jahre fortgeführt werden, ist dabei aber in der Regel wirksam, um die Spermatogenese zu initiieren oder wiederherzustellen. Da es sich um eine narrative Übersichtsarbeit ohne eigene Patientendaten oder Effektgrößen handelt, liefert der Artikel primär eine klinische Orientierungshilfe und keine quantitativen Wirksamkeitsdaten.
PMID 18264160 — Original auf PubMed →
Männliche reproduktive Gesundheit nach Krebserkrankung im Kindesalter (2008)
Lähteenmäki PM, Arola M, Suominen J, Salmi TT, Andersson AM, Toppari J — Acta Paediatrica · Grunderkrankungen & Infektionen
Kleine Kohortenstudie (Fallserie) mit 25 männlichen Patienten zur Beurteilung der Spermatogenese nach Krebsbehandlung im Kindesalter, mit Erfassung der Krebstherapie, anthropometrischen und Hodenvolumen-Messungen, Spermiogramm sowie Gonadotropinen, Testosteron, SHBG und Inhibin B. Der Median der Spermienkonzentration betrug 35,5 (Spanne 0–273) Mio./ml, der Anteil motiler Spermien 56% (0–86%). Hodenvolumen (r=0,73; p<0,001) und Inhibin B (r=0,66; p<0,001) korrelierten stark mit der Spermienkonzentration, FSH negativ (r=-0,46; p=0,03); in der multivariaten Analyse war jedoch nur das Hodenvolumen ein signifikanter Prädiktor (p=0,03). Inhibin B zeigte die beste diskriminative Fähigkeit (Fläche unter der ROC-Kurve 0,83) zur Erkennung einer Spermienkonzentration unter 20 Mio./ml. Der BMI korrelierte nicht mit der Spermienkonzentration, aber negativ mit SHBG (r=-0,41; p=0,04). Da Samenproben bei jugendlichen Krebsüberlebenden oft schwer zu gewinnen sind, empfehlen die Autoren indirekte Marker – insbesondere Inhibin B kombiniert mit Hodenvolumen und FSH – zur Abschätzung der Spermatogenese.
PMID 18430073 — Original auf PubMed →
Menschliche Samenqualität und Spermien-DNA-Schäden im Zusammenhang mit Urin-Metaboliten von Pyrethroid-Insektiziden (2008)
Meeker JD, Barr DB, Hauser R — Human Reproduction · Umweltschadstoffe
Querschnittsstudie an 207 Männern einer Kinderwunschklinik zum Zusammenhang zwischen Urin-Metaboliten von Pyrethroid-Insektiziden (3-Phenoxybenzoesäure/3PBA sowie cis-/trans-DCCA) und Samenqualität, Spermienbewegungsparametern sowie Spermien-DNA-Schäden (neutraler Comet-Assay). In der multivariaten Analyse war das höchste 3PBA-Quartil mit einer tendenziellen Verringerung der Spermienkonzentration um 20,2 Mio./ml assoziiert (95%-KI -37,1 bis +2,6) gegenüber Männern unterhalb des Medians. Für TDCCA fanden sich signifikante inverse Zusammenhänge mit Motilität und Bewegungsparametern; das höchste TDCCA-Quartil war mit einem Rückgang der Motilität um 15,5% assoziiert (95%-KI -26,2 bis -4,8). In der logistischen Analyse zeigten sich dosisabhängig erhöhte Odds für unterdurchschnittliche Spermienkonzentration, Motilität und Morphologie im Zusammenhang mit TDCCA; 3PBA und CDCCA waren zudem mit vermehrtem DNA-Schaden im Comet-Assay assoziiert. Die Studie liefert Hinweise auf eine Beeinträchtigung von Samenqualität und Spermien-DNA-Integrität durch die weitverbreitete Pyrethroid-Exposition.
PMID 18579513 — Original auf PubMed →
Sojanahrungsmittel- und Isoflavon-Zufuhr im Zusammenhang mit Spermiogrammparametern bei Männern einer Kinderwunschklinik (2008)
Chavarro JE, Toth TL, Sadio SM, Hauser R — Human Reproduction · Ernährung
Querschnittsstudie an 99 männlichen Partnern subfertiler Paare am Massachusetts General Hospital Fertility Center, bei denen die Zufuhr von 15 sojabasierten Lebensmitteln über die vorangegangenen drei Monate erfasst und mittels linearer und Quantilregression mit Spermiogrammparametern in Beziehung gesetzt wurde, adjustiert für Alter, Karenzzeit, BMI, Koffein-, Alkoholkonsum und Rauchen. Es zeigte sich ein inverser Zusammenhang zwischen Sojanahrungsmittelkonsum und Spermienkonzentration: Männer mit der höchsten Sojazufuhr hatten 41 Mio. Spermien/ml weniger als Männer ohne Sojakonsum (95%-KI -74 bis -8; p für Trend=0,02). Für einzelne Isoflavone, am stärksten für Glycitein, zeigte sich eine ähnliche, aber statistisch nicht signifikante Tendenz. Der inverse Zusammenhang war bei sehr hohem Konsum und bei übergewichtigen/adipösen Männern ausgeprägter. Motilität, Morphologie und Ejakulatvolumen waren nicht mit Soja-/Isoflavonzufuhr assoziiert. Die Daten deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen hoher Sojazufuhr und niedrigerer Spermienkonzentration hin, wie zuvor bereits in Tierstudien beobachtet.
PMID 18650557 — Original auf PubMed →
Spermien-DNA-Schäden und Beeinträchtigung der Samenqualität nach Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, nachgewiesen mittels Spermiogramm und Sperm-Chromatin-Structure-Assay (2008)
Safarinejad MR — The Journal of Urology · Hormone & Medikamente
Fall-Kontroll-Studie mit 74 fertilen, depressiven Männern unter Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und 44 gesunden fertilen Kontrollen; erhoben wurden zwei Spermiogramme sowie mittels Sperm-Chromatin-Structure-Assay die Spermien-DNA-Fragmentierung. Die mittlere Gesamtspermienzahl betrug bei SSRI-Patienten 61,2±11,4 Mio. gegenüber 186,2±31,4 Mio. bei Kontrollen (p=0,001), die mittlere Motilität 48,2±4,6% gegenüber 66,2±4,4% (p=0,01). Eine normale Spermienmorphologie fand sich bei nur 18,9% der Patienten gegenüber 52,3% der Kontrollen (p=0,001), mit im Mittel nur 8,1±5,4% normalen Formen je Ejakulat unter SSRI. Der Anteil denaturierter Einzelstrang-DNA war unter SSRI-Behandlung deutlich höher (43,2±11,4% vs. 21,4±10,6%; p=0,01). Alle Spermiogrammparameter korrelierten signifikant mit der Behandlungsdauer. Die Studie zeigt einen deutlichen negativen Effekt von SSRI auf Samenqualität und Spermien-DNA-Integrität, wobei aufgrund des Fall-Kontroll-Designs Confounder durch die zugrunde liegende Depression nicht vollständig ausgeschlossen werden können; die Autoren fordern weitere Bestätigungsstudien.
PMID 18804223 — Original auf PubMed →
Welches Antiepileptikum für Männer mit Epilepsie? Eine kritische epileptologische und andrologische Übersicht (2008)
Bauer J, Klingmüller D — Der Nervenarzt · Hormone & Medikamente
Kritische narrative Übersichtsarbeit (epileptologisch-andrologisch) zum Einfluss von Antiepileptika auf die männliche Reproduktionsfunktion, basierend auf Originalpublikationen und Übersichtsartikeln, ohne eigene Patientendaten. Für die gängigen Wirkstoffe Carbamazepin, Oxcarbazepin, Valproat und Lamotrigin liegen nur wenige Daten zu sexueller Dysfunktion vor, und der Effekt der Epilepsie selbst wird in den meisten Studien nicht berücksichtigt. Insbesondere die Temporallappenepilepsie kann die Freisetzung von Sexualsteroiden beeinflussen und zu erniedrigten Testosteronspiegeln führen. Enzyminduzierende Antiepileptika erhöhen den Anteil des an SHBG gebundenen Testosterons, ein klarer Zusammenhang mit der Sexualfunktion ist jedoch nicht gut belegt; zudem können Antiepileptika Spermatogenese und Spermienmotilität beeinträchtigen und so zu Infertilität beitragen. Die Autoren empfehlen auf Basis der aktuellen Datenlage Lamotrigin und Valproat als bevorzugte Antiepileptika bei Männern, da diese kaum bzw. keinen negativen Effekt auf SHBG und Sexualsteroide zeigen.
PMID 19023554 — Original auf PubMed →
Ist Rauchen ein Risikofaktor für verminderte Spermienqualität? Eine Querschnittsanalyse (2007)
Ramlau-Hansen CH, Thulstrup AM, Aggerholm AS, Jensen MS, Toft G, Bonde JP — Human reproduction (Oxford, England) · Rauchen, Alkohol & Drogen
Große Querschnittsstudie mit gepoolten Daten aus sieben berufs- und umweltbezogenen Samenqualitätsstudien, durchgeführt zwischen 1987 und 2004. Insgesamt nahmen 2.562 Männer teil, für 2.542 lagen auswertbare Samen- und Rauchdaten vor; erhoben wurden Samen- und Blutproben sowie ein Fragebogen zu Lebensstil und aktuellem Rauchstatus, die Auswertung erfolgte adjustiert für Studie, Alter und weitere Kovariaten. Es zeigte sich eine inverse Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Rauchen und Samenvolumen, Gesamtspermienzahl und Anteil beweglicher Spermien; starke Raucher hatten eine um 19% niedrigere Spermienkonzentration als Nichtraucher. Zudem bestand eine positive Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Rauchen und Testosteron, LH sowie dem Verhältnis LH/freies Testosteron. Einordnung: Aktuelles Rauchen im Erwachsenenalter beeinträchtigt die Samenqualität moderat, aber konsistent über eine große Stichprobe hinweg, was die Empfehlung stützt, Männern zur Vermeidung von Fertilitätseinbußen vom Rauchen abzuraten.
PMID 16966350 — Original auf PubMed →
Molekulare und klinische Charakterisierung von Y-Chromosom-Mikrodeletionen bei infertilen Männern: eine 10-Jahres-Erfahrung in Italien (2007)
Ferlin A, Arredi B, Speltra E, Cazzadore C, Selice R, Garolla A, Lenzi A, Foresta C — The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism · Genetik & Anatomie
Prospektive Kohortenstudie an einer italienischen Universitätsklinik (1996–2005) mit 3073 konsekutiv untersuchten infertilen Männern, darunter 625 mit nichtobstruktiver Azoospermie und 1372 mit schwerer Oligozoospermie. Untersucht wurden Häufigkeit, Testindikation und Genotyp-Phänotyp-Korrelation von Mikrodeletionen im langen Arm des Y-Chromosoms (Yq, AZF-Regionen) anhand von Spermiogramm, Hormonstatus, Hodenhistologie und Spermien-Aneuploidien. Bei 99 Männern (3,2% aller Infertilen, 8,3% bei Azoospermie, 5,5% bei schwerer Oligozoospermie) fanden sich Mikrodeletionen, überwiegend vom Subtyp AZFc-b2/b4; hier waren in 72% der Fälle noch Spermien im Ejakulat nachweisbar. Komplette AZFa- bzw. AZFb-Deletionen gingen mit Sertoli-Cell-only-Syndrom bzw. gestörter Spermatozytenreifung einher, nur 2 von 99 Betroffenen hatten mehr als 2 Mio. Spermien/ml. AZFc-b2/b4-Träger produzierten vermehrt Spermien mit Nullisomie und XY-Disomie der Geschlechtschromosomen. Die große Fallzahl untermauert den diagnostischen und prognostischen Wert der Yq-Mikrodeletionsanalyse für die genetische Beratung bei männlicher Infertilität.
PMID 17213277 — Original auf PubMed →
Glykolether und Samenqualität: eine Querschnittsstudie bei männlichen Arbeitern der Stadtverwaltung Paris (2007)
Multigner L, Ben Brik E, Arnaud I, Haguenoer JM, Jouannet P, Auger J, Eustache F — Occupational and Environmental Medicine · Umweltschadstoffe
Querschnittsstudie unter männlichen Beschäftigten der Stadtverwaltung Paris (Rekrutierung 2000–2001), n=109, die Samen-, Blut- und Urinproben sowie eine andrologische Untersuchung erhielten. Anhand von Tätigkeit und verwendeten Produkten im Zeitraum 1990–2000 wurden die Männer als beruflich exponiert oder nicht-exponiert gegenüber glykoletherhaltigen Lösungsmitteln eingestuft; die aktuelle Belastung wurde über sechs Urin-Metabolite bestimmt. Eine frühere Glykolether-Exposition war mit einem erhöhten Risiko für Spermienkonzentration, schnelle progressive Motilität und Morphologie unterhalb der WHO-Referenzwerte assoziiert, ohne Effekt auf die Hormonspiegel. Die aktuelle Exposition war dagegen niedrig und zeigte keinen Zusammenhang mit Samenqualität oder Hormonen. Die Autoren schließen, dass heute gebräuchliche Glykolether kaum noch Auswirkungen auf die Samenqualität haben, während die bis in die 1990er Jahre weiter verbreiteten Varianten möglicherweise langanhaltende negative Effekte hinterlassen haben. Die Studie liefert einen Hinweis auf historische berufliche Chemikalienexposition als möglichen Faktor rückläufiger Samenqualität.
PMID 17332140 — Original auf PubMed →
Feuchte Hitzeexposition: eine potenziell reversible Ursache für eingeschränkte Samenqualität bei infertilen Männern (2007)
Shefi S, Tarapore PE, Walsh TJ, Croughan M, Turek PJ — International Braz J Urol · Hitze & Kälte
Kleine Kohortenstudie (Fallserie) mit 11 infertilen Männern (mittleres Alter 36,5 Jahre, Spanne 31–44), die anamnestisch regelmäßiger feuchter Hitzeexposition durch Whirlpools, Jacuzzis oder heiße Bäder ausgesetzt waren. Nach Beendigung der Hitzeexposition wurden Spermiogramme vor und nach der Karenz verglichen; als signifikantes Ansprechen galt ein Anstieg der totalen motilen Spermienzahl (TMC) um mindestens 200%. Fünf der elf Männer (45%) sprachen an, mit einem mittleren TMC-Anstieg von 491%, getragen vor allem durch einen Anstieg der Motilität von durchschnittlich 12% auf 34% (p=0,02). Nicht-Responder hatten im Mittel eine deutlich höhere Raucherbelastung (5,6 Packungsjahre) als Responder (0,11 Packungsjahre); die Varikozelen-Prävalenz unterschied sich zwischen beiden Gruppen nicht. Die Studie zeigt, dass der toxische Effekt feuchter Hitze auf die Samenqualität bei einem Teil der Betroffenen reversibel ist, wobei zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen das Ansprechen auf eine Hitzekarenz beeinflussen können.
PMID 17335598 — Original auf PubMed →
Ist die pränatale Exposition gegenüber Tabakrauch eine Ursache für eingeschränkte Samenqualität? Eine Follow-up-Studie (2007)
Ramlau-Hansen CH, Thulstrup AM, Storgaard L, Toft G, Olsen J, Bonde JP — American Journal of Epidemiology · Rauchen, Alkohol & Drogen
Follow-up-Studie aus einer dänischen Geburtskohorte (1984–1987): 347 von 5109 Söhnen wurden nach ihrer pränatalen Tabakrauchexposition ausgewählt und 2005/2006 mittels standardisiertem Spermiogramm (mobiles Labor) untersucht. Es zeigte sich ein inverser Zusammenhang zwischen mütterlichem Rauchen während der Schwangerschaft und der Gesamtspermienzahl der Söhne im Erwachsenenalter (p=0,002). Söhne von Müttern, die während der Schwangerschaft mehr als 19 Zigaretten täglich rauchten, hatten im Vergleich zu nicht-exponierten Männern ein um etwa 19% geringeres Samenvolumen (p=0,04), eine um 38% niedrigere Gesamtspermienzahl (p=0,11) und eine um 17% niedrigere Spermienkonzentration (p=0,47); die Odds Ratio für Oligospermie betrug 2,16 (95%-KI 0,68–6,87). Motilität und Morphologie waren nicht betroffen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass pränatale Tabakrauchexposition die spätere Samenqualität beeinträchtigen kann, was – falls kausal – einen Teil der beobachteten säkularen Trends und Bevölkerungsunterschiede in der Samenqualität erklären könnte. Mehrere Einzelergebnisse erreichten jedoch keine statistische Signifikanz.
PMID 17369608 — Original auf PubMed →
Steht mütterliche Adipositas mit der Samenqualität der männlichen Nachkommen in Zusammenhang? Eine Pilotstudie (2007)
Ramlau-Hansen CH, Nohr EA, Thulstrup AM, Bonde JP, Storgaard L, Olsen J — Human Reproduction · Gewicht & Sport
Pilotstudie aus einer dänischen Geburtskohorte (1984–1987): 347 von 5109 Söhnen wurden 2005/2006 nachuntersucht, wobei für 328 Männer Angaben zum präpartalen mütterlichen Body-Mass-Index (BMI) vorlagen (34 Söhne untergewichtiger, 25 Söhne übergewichtiger Mütter). Samen- und Blutproben wurden auf konventionelle Spermiogrammparameter und Reproduktionshormone untersucht und mit dem mütterlichen BMI in Beziehung gesetzt. Inhibin B nahm mit steigendem mütterlichem BMI signifikant ab (p=0,04); die Punktschätzer für Spermienkonzentration, Samenvolumen, Motilität, Testosteron und FSH deuteten auf eine ungünstigere reproduktive Funktion bei Söhnen übergewichtiger Mütter hin, erreichten jedoch keine statistische Signifikanz. Die Autoren betonen den Pilotcharakter der Studie: Die Fallzahl war zu gering, um die Hypothese einer Programmierung der männlichen Fertilität durch mütterliche Adipositas während der Schwangerschaft abschließend zu prüfen, sie liefert aber einen ersten Hinweis, der größere Studien rechtfertigt.
PMID 17704100 — Original auf PubMed →
Wirksamkeit der Varikozelenoperation zur Verbesserung der Spermiogrammparameter: ein neuer metaanalytischer Ansatz (2007)
Agarwal A, Deepinder F, Cocuzza M, Agarwal R, Short RA, Sabanegh E, Marmar JL — Urology · Genetik & Anatomie
Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien und Beobachtungsstudien zur Wirksamkeit der operativen Varikozelenbehandlung (Varikozelektomie) bei Männern mit klinisch tastbarer, ein- oder beidseitiger Varikozele und mindestens einem pathologischen Spermiogrammparameter. Aus 136 identifizierten Studien wurden anhand eines eigens entwickelten Bias-Bewertungssystems (u. a. Selektions-, Follow-up-, Confounding- und Informationsbias) 17 Studien mit vollständigen Spermiogrammen vor und nach mikrochirurgischer oder inguinaler Hochligatur-Operation eingeschlossen. Nach mikrochirurgischer Varikozelektomie stieg die Spermienkonzentration im Mittel um 9,71 Mio./ml (95%-KI 7,34–12,08; p<0,00001) und die Motilität um 9,92% (95%-KI 4,90–14,95; p=0,0001); nach Hochligatur betrug der Anstieg 12,03 Mio./ml (95%-KI 5,71–18,35; p=0,0002) bzw. 11,72% (95%-KI 4,33–19,12; p=0,002). Die WHO-Morphologie verbesserte sich um 3,16% (95%-KI 0,72–5,60; p=0,01) bei beiden Verfahren. Die Metaanalyse zeigt einen konsistenten, statistisch signifikanten Nutzen der operativen Varikozelenkorrektur für die Samenqualität bei symptomatischen infertilen Männern.
PMID 17905111 — Original auf PubMed →
Infektionen mit Ureaplasma urealyticum, Ureaplasma parvum, Mycoplasma hominis und Mycoplasma genitalium und die Samenqualität infertiler Männer (2007)
Gdoura R, Kchaou W, Chaari C, Znazen A, Keskes L, Rebai T, Hammami A — BMC Infectious Diseases · Grunderkrankungen & Infektionen
Querschnittsstudie an 120 Samenproben infertiler Männer in Tunesien zur Häufigkeit genitaler Ureaplasmen (Ureaplasma urealyticum, U. parvum) und Mykoplasmen (Mycoplasma genitalium, M. hominis) mittels In-house-PCR-Mikrotiterplatten-Hybridisierung, mit Vergleich der Spermiogrammparameter (WHO-Kriterien) zwischen infizierten und nicht-infizierten Männern. Ureaplasmen wurden bei 19,2% (23/120), Mykoplasmen bei 15,8% (19/120) der Proben nachgewiesen, am häufigsten U. urealyticum (15%), gefolgt von M. hominis (10,8%), M. genitalium (5%) und U. parvum (4,2%); Mischinfektionen fanden sich in 6,7%. Der Nachweis von M.-hominis-DNA war mit niedrigerer Spermienkonzentration (p=0,007) und vermehrt abnormer Morphologie (p=0,03) assoziiert, M.-genitalium-Nachweis korrelierte negativ mit der Spermienkonzentration (p=0,05). Volumen, pH-Wert, Vitalität, Motilität und Leukozytenzahl unterschieden sich nicht signifikant. Die Autoren folgern, dass genitale Mykoplasmen/Ureaplasmen bei tunesischen Infertilitätspatienten weit verbreitet sind und die Samenqualität negativ beeinflussen können, und empfehlen die PCR-Hybridisierungsmethode als schnelles diagnostisches Verfahren.
PMID 17988404 — Original auf PubMed →
Umgebungsozon verändert die Spermienqualität (2006)
Sokol RZ, Kraft P, Fowler IM, Mamet R, Kim E, Berhane KT — Environmental health perspectives · Umweltschadstoffe
Longitudinale umweltepidemiologische Beobachtungsstudie mit 5.134 Samenproben von 48 Samenbank-Spendern in Los Angeles über einen Zeitraum von 2 Jahren (Januar 1996 bis Dezember 1998). Luftschadstoffwerte (Ozon, Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid, Feinstaub PM10) 0-9, 10-14 und 70-90 Tage vor der Probenabgabe wurden mittels linearem gemischtem Modell mit Spermienkonzentration und Gesamtzahl motiler Spermien korreliert, adjustiert für Geburtsdatum, Alter, Temperatur und Saisonalität. Für alle drei Zeitfenster zeigte sich eine signifikante negative Korrelation zwischen Ozonwerten und mittlerer Spermienkonzentration (p<0,01), die auch nach Adjustierung bestehen blieb; für die übrigen Schadstoffe fand sich kein signifikanter Zusammenhang. Einordnung: Die Studie liefert Hinweise, dass Umgebungsozon als Luftschadstoff die Spermienqualität negativ beeinflusst, während für Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und Feinstaub in dieser Kohorte kein Effekt nachweisbar war.
PMID 16507458 — Original auf PubMed →
Der Sperm Chromatin Structure Assay als diagnostisches Instrument in der Kinderwunschklinik (2006)
Boe-Hansen GB, Fedder J, Ersbøll AK, Christensen P — Human reproduction (Oxford, England) · Messmethodik
Diagnostisch-methodische Kohortenstudie mit 385 Samenproben von 234 Paaren aus Kinderwunschbehandlungen (48 IUI, 139 IVF, 47 ICSI). Bestimmt wurden die Kennwerte des Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) - DNA-Fragmentationsindex (DFI), Standardabweichung des DFI und High DNA Stainability (HDS) - in Beziehung zu biochemischer und klinischer Schwangerschaftsrate sowie Implantationsrate. Für IUI und ICSI zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen SCSA-Werten und Schwangerschaftserfolg; bei IVF hatte ein DFI über 27% eine hohe prognostische Aussagekraft für das Ausbleiben einer klinischen Schwangerschaft (Spezifität 97%). Männer mit diagnostizierter männlicher Infertilität hatten signifikant höhere DFI-Werte als Paare mit idiopathischer Fertilitätsstörung; die Spermienkopf-Morphologie korrelierte nur schwach mit den SCSA-Parametern. Einordnung: Der SCSA ist ein sinnvolles ergänzendes diagnostisches und prognostisches Instrument vor allem bei IVF, schließt eine erfolgreiche Schwangerschaft bei hohem DFI aber nicht aus.
PMID 16543258 — Original auf PubMed →
Spermienintegrität vor und nach Chemotherapie bei Männern mit testikulärem Keimzelltumor (2006)
Spermon JR, Ramos L, Wetzels AM, Sweep CG, Braat DD, Kiemeney LA, Witjes JA — Human reproduction (Oxford, England) · Grunderkrankungen & Infektionen
Prospektive Beobachtungsstudie an 22 Patienten mit testikulärem Keimzelltumor, bei denen Samen- und Blutproben vor und nach platinhaltiger Chemotherapie (Cisplatin) untersucht wurden. Neben dem klassischen Spermiogramm kamen computergestützte karyometrische Bildanalyse (CKIA), der Chromomycin-A3-Test (Chromatinkondensation) und der TUNEL-Assay (DNA-Schäden) zum Einsatz, zusätzlich wurden FSH, LH und Testosteron im Serum bestimmt. Das Ejakulatvolumen sank nach Chemotherapie (p<0,05), äußere Spermienmorphologie und Spermienzahlen verschlechterten sich jedoch nicht; die Chromatinkondensation verbesserte sich sogar (CMA3: 37% vs. 50%; CKIA: 47,5% vs. 63,7%; je p<0,005). Dennoch blieb der Anteil TUNEL-positiver, DNA-geschädigter Spermien mit rund 21-25% deutlich über dem Niveau normozoospermer Vergleichsmänner; FSH und LH stiegen nach Therapie an (p<0,05). Einordnung: Trotz teilweiser Erholung der Spermatogenese bleibt die Spermien-DNA-Integrität bei Hodenkrebspatienten nach Chemotherapie eingeschränkt.
PMID 16601009 — Original auf PubMed →
Beeinträchtigen Ureaplasma-urealyticum-Infektionen im Genitaltrakt die Spermienqualität? (2006)
Wang Y, Liang CL, Wu JQ, Xu C, Qin SX, Gao ES — Asian journal of andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Querschnittsstudie mit 346 Patienten im Alter von 20-45 Jahren aus zwei Krankenhäusern in Shanghai, China (2001-2003). Erhoben wurden ein Fragebogen zu allgemeiner und reproduktiver Gesundheit, eine äußere Genitaluntersuchung, eine Kultur auf Ureaplasma urealyticum (UU) sowie ein Spermiogramm; der Zusammenhang wurde mittels multipler linearer Regression unter Adjustierung für Störfaktoren analysiert. Eine UU-Infektion war mit höherer Samenviskosität und niedrigerem Seminal-pH assoziiert; die Spermienkonzentration war bei UU-positiven Männern niedriger als bei UU-negativen (54,04 x 10^6/ml vs. 70,58 x 10^6/ml), andere Samenqualitätsparameter waren dagegen nicht signifikant beeinflusst. Einordnung: Eine Infektion des männlichen Genitaltrakts mit Ureaplasma urealyticum scheint die Samenqualität - insbesondere Viskosität, pH-Wert und Spermienkonzentration - negativ zu beeinflussen, auch wenn nicht alle gemessenen Parameter betroffen waren.
PMID 16752003 — Original auf PubMed →
Anstieg der Skrotaltemperatur bei Laptop-Nutzern (2005)
Sheynkin Y, Jung M, Yoo P, Schulsinger D, Komaroff E — Human reproduction (Oxford, England) · Hitze & Kälte
Experimentelle Studie an 29 gesunden Freiwilligen. Die beidseitige Skrotaltemperatur wurde über zwei jeweils 60-minütige Sitzungen mittels Thermoelementen und digitalem Datenlogger alle 3 Minuten gemessen - einmal mit eingeschaltetem Laptop in typischer Schoßposition, einmal in gleicher Sitzhaltung mit angenäherten Oberschenkeln ohne Laptop. Mit laufendem Laptop stieg die Skrotaltemperatur rechts um 2,8 °C und links um 2,6 °C (jeweils p<0,0001); ohne Laptop stieg sie ebenfalls, aber nur um 2,1 °C (p<0,0001). Der Anstieg mit Laptop war damit signifikant stärker als allein durch die Sitzhaltung (p<0,0001). Einordnung: Die Nutzung eines Laptops auf dem Schoß erhöht die Skrotaltemperatur durch Wärmeabgabe und Sitzhaltung deutlich stärker als bloßes Sitzen mit angenäherten Beinen. Wiederholte Hitzeexposition dieser Art könnte die Spermatogenese beeinträchtigen, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Männern; weiterführende Studien zu klinischen Folgen fehlten laut den Autoren zum Publikationszeitpunkt noch.
PMID 15591087 — Original auf PubMed →
Longitudinale Veränderungen der Spermienparameter bei jungen dänischen Männern aus der Kopenhagener Region (2005)
Carlsen E, Swan SH, Petersen JH, Skakkebaek NE — Human reproduction (Oxford, England) · Beruf & globale Trends
Prospektive Längsschnittstudie an 158 jungen dänischen Männern (medianes Alter bei Einschluss 19,1 Jahre), die über bis zu 4 Jahre vierteljährlich Samenproben (insgesamt 1.838 Proben) abgaben und jährlich genital untersucht wurden. Mittels allgemeiner linearer Modelle diente jeder Mann als eigene Kontrolle, adjustiert für Alter, Rauchen, urogenitale Infektionen/Erkrankungen, Fieber und Abstinenzzeit. Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl und Anteil morphologisch normaler Spermien veränderten sich über die 4 Jahre nicht signifikant; das Ejakulatvolumen nahm leicht zu (möglicherweise durch bessere Protokolladhärenz) und die Motilität verbesserte sich geringfügig. Einordnung: Die bei jungen dänischen Männern häufig beobachtete niedrige Spermienkonzentration und mäßige Morphologie ist demnach vermutlich kein Ausdruck einer noch unreifen Spermatogenese, sondern ein bereits im jungen Erwachsenenalter stabiler Ausgangswert - ein relevanter Befund für die Diskussion um einen säkularen Rückgang der Spermienqualität.
PMID 15640256 — Original auf PubMed →
Verbesserung der Spermienqualität durch nächtliche Skrotalkühlung bei oligozoospermen Männern mit Hodenhochstand in der Vorgeschichte (2005)
Jung A, Schill WB, Schuppe HC — International journal of andrology · Hitze & Kälte
Kontrollierte Interventionsstudie (prospektive Behandlungsgruppe mit retrospektiver Kontrollgruppe). 20 infertile Männer mit Hodenhochstand (Maldescensus testis) in der Vorgeschichte und Oligozoospermie erhielten über 12 Wochen jede Nacht eine Skrotalkühlung mittels Membranpumpe und periskrotalem Luftstrom; 20 vergleichbare, unbehandelte Patienten dienten als retrospektive Kontrollgruppe. Spermiogramme wurden zu Beginn sowie nach 4, 8 und 12 Wochen erhoben. Die Kühlung senkte die Skrotaltemperatur im Median um 0,8 °C. Nach 8 Wochen (p<0,01 bzw. p<0,05) und 12 Wochen (p<0,01 für beide) stiegen Spermienkonzentration und Gesamtspermienzahl signifikant an; Verbesserungen bei Motilität und Morphologie waren statistisch nicht signifikant. Einordnung: Nächtliche Skrotalkühlung erscheint als nebenwirkungsarme Therapieoption zur Verbesserung der Samenqualität bei dieser speziellen Patientengruppe; kontrollierte prospektive Studien zu tatsächlichen Schwangerschaftsraten stehen laut den Autoren noch aus.
PMID 15811070 — Original auf PubMed →
Verringerung der Spermien-DNA-Fragmentierung durch orale Antioxidantien-Behandlung (2005)
Greco E, Iacobelli M, Rienzi L, Ubaldi F, Ferrero S, Tesarik J — Journal of andrology · Supplements & Nährstoffe
Randomisierte, placebokontrollierte Studie (RCT) an 64 Männern mit unerklärter Infertilität und erhöhtem Anteil DNA-fragmentierter Spermien (≥15%). Die Verumgruppe erhielt über 2 Monate täglich 1 g Vitamin C und 1 g Vitamin E, die Kontrollgruppe Placebo; die Spermien-DNA-Fragmentierung wurde per TUNEL-Assay vor und nach Behandlung bestimmt. Die klassischen Samenparameter unterschieden sich vor und nach Behandlung nicht zwischen den Gruppen, jedoch sank der Anteil DNA-fragmentierter Spermien in der Antioxidans-Gruppe signifikant von 22,1% (±7,7) auf 9,1% (±7,2; p<0,001), während sich in der Placebogruppe keine Veränderung zeigte. Einordnung: Eine zweimonatige hochdosierte Supplementierung mit Vitamin C und E kann laut dieser RCT die Spermien-DNA-Fragmentierung deutlich reduzieren, ohne klassische Samenparameter wie Konzentration, Motilität oder Morphologie zu verändern - relevant vor allem für Männer mit erhöhter oxidativer DNA-Schädigung der Spermien.
PMID 15867002 — Original auf PubMed →
Reduzierte Spermienqualität bei Patienten mit chronischer Prostatitis und zellulärer Autoimmunreaktion gegen Prostataantigene (2005)
Motrich RD, Maccioni M, Molina R, Tissera A, Olmedo J, Riera CM, Rivero VE — Human reproduction (Oxford, England) · Grunderkrankungen & Infektionen
Fall-Kontroll-Studie an 44 Patienten mit chronischer Prostatitis, unterteilt nach Nachweis einer Infektion und/oder einer zellulären Autoimmunantwort gegen Prostataantigene, verglichen mit gesunden Kontrollpersonen. Erhoben wurden Spermienkonzentration, Motilität, Morphologie, Prostata- und Samenblasenmarker, Antispermien-Antikörper, Leukozyten sowie proinflammatorische Zytokine im Seminalplasma, um einen möglichen Zusammenhang zwischen chronisch entzündlichem Prostatageschehen und Fertilitätsstörungen zu prüfen. Die stärksten Veränderungen der Samenqualität zeigten sich bei Patienten ohne nachweisbare Infektion, aber mit autoimmuner Reaktion gegen Prostataantigene; bei diesen Patienten waren zugleich die proinflammatorischen Zytokine im Seminalplasma signifikant erhöht. Einordnung: Die Studie legt nahe, dass nicht nur bakterielle Infektionen, sondern auch eine autoimmune Entzündungsreaktion gegen die Prostata selbst zu einer relevanten Verschlechterung der Samenqualität und potenziell zur männlichen Infertilität beitragen kann.
PMID 15890732 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen der Dauer sexueller Abstinenz und der Spermienqualität: Analyse von 9.489 Spermaproben (2005)
Levitas E, Lunenfeld E, Weiss N, Friger M, Har-Vardi I, Koifman A, Potashnik G — Fertility and sterility · Messmethodik
Retrospektive Datenbankanalyse einer Kinderwunsch-/IVF-Klinik mit 9.489 Samenproben von 6.008 Patienten, eingeteilt nach WHO-Kriterien in schwere, moderate und milde Oligozoospermie sowie Normozoospermie. Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Abstinenzdauer und Samenvolumen, Spermienkonzentration, Motilität, Morphologie sowie Gesamtspermienzahl je Gruppe. Bei oligozoospermen Proben (n=3.506) lag die höchste mittlere Motilität (30,3%) nach nur 1 Tag Abstinenz vor, bei mild-moderater Oligozoospermie (n=2.260) die beste Morphologie (7,4-8,6%) nach 0-2 Tagen; bei normozoospermen Proben (n=5.983) sanken Motilität und Morphologie signifikant nach 11-14 Tagen Abstinenz auf 33,1% bzw. 7,0%. Einordnung: Die Autoren empfehlen bei männlicher Infertilität eine sehr kurze Abstinenz von nur 1 Tag vor der Probenabgabe, während bei Spendersamen für Kryokonservierung eine Abstinenz von maximal 10 Tagen ratsam erscheint.
PMID 15950636 — Original auf PubMed →
Bakterielle Infektionen und Spermienqualität (2005)
Sanocka-Maciejewska D, Ciupińska M, Kurpisz M — Journal of reproductive immunology · Grunderkrankungen & Infektionen
Fall-Kontroll-Studie mit 39 infertilen Männern mit Genitaltraktinfektion (GTI), 14 infertilen Männern ohne Infektion und 30 gesunden Kontrollen. Die Infektion wurde über den Nachweis von Leukozyten und pathologischen Bakterienstämmen (Bio-Merieux-Tests) im Ejakulat definiert, seminologische Parameter wurden zwischen den Gruppen verglichen. Bei Patienten mit Genitaltraktinfektion waren Samenvolumen, Spermienkonzentration, Motilität, Morphologie und Vitalität statistisch signifikant schlechter als bei gesunden Kontrollen. Besonders negative Effekte auf das reproduktive Potenzial der Spermien zeigten sich beim Nachweis von Escherichia coli, Ureaplasma urealyticum und Staphylococcus aureus. Einordnung: Die Studie unterstreicht, dass bakterielle Infektionen des Genitaltrakts mit einer breiten Verschlechterung mehrerer Samenparameter einhergehen und bestimmte Erreger (E. coli, U. urealyticum, S. aureus) besonders relevant für die männliche Fertilität erscheinen.
PMID 16112738 — Original auf PubMed →
Die gr/gr-Subdeletion des Y-Chromosoms ist mit männlicher Unfruchtbarkeit assoziiert (2005)
Lynch M, Cram DS, Reilly A, O'Bryan MK, Baker HW, de Kretser DM, McLachlan RI — Molecular human reproduction · Genetik & Anatomie
Genetische Assoziationsstudie an 788 infertilen Männern (Monash-Male-Infertility-Datenbank), 234 fertilen Kontrollmännern sowie 599 weiteren Männern aus einer Kohorte für assistierte Reproduktion (darunter 130 durch ICSI gezeugte Söhne). Molekulargenetisch wurden AZFc-Deletionen sowie die partielle gr/gr-Subdeletion des Y-Chromosoms (Verlust von zwei der vier DAZ-Genkopien) nachgewiesen und mit der Spermiendichte in Beziehung gesetzt. AZFc- und gr/gr-Deletionen kamen in der Infertilitätsgruppe ähnlich häufig vor (2,5% bzw. 3,4%), in der Kontrollgruppe fand sich nur eine gr/gr-Deletion. In der ART-Kohorte hatten 2,2% eine AZFc- und 4,7% eine gr/gr-Deletion; AZFc-Deletionen traten stets bei Spermiendichten unter 5 Mio./ml auf, gr/gr-Deletionen unabhängig von der Dichte (p=0,0015 für Assoziation mit Infertilität). Bei den 130 ICSI-Söhnen fanden sich keine neuen (de novo) gr/gr-Deletionen. Einordnung: gr/gr-Subdeletionen sind ein relevanter, aber komplexer genetischer Risikofaktor für idiopathische männliche Infertilität.
PMID 16123079 — Original auf PubMed →
CFTR-Genmutationen bei infertilen Männern mit kongenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens (2005)
Uzun S, Gökçe S, Wagner K — The Tohoku journal of experimental medicine · Genetik & Anatomie
Genetische Fallserie an 22 Patienten österreichischer Abstammung (44 Chromosomen) mit kongenitaler bilateraler Aplasie des Vas deferens (CBAVD) und Azoospermie. Das CFTR-Gen wurde mittels Heteroduplexanalyse auf die häufige DeltaF508-Mutation sowie mittels denaturierender Gradientengelelektrophorese (DGGE) und Sequenzierung aller 27 Exons auf weitere Mutationen untersucht. Bei 31,8% der untersuchten Chromosomen (14 von 44) fand sich eine krankheitsverursachende CFTR-Mutation, am häufigsten DeltaF508 (43% der Mutationen), gefolgt von R117H (29%). Einordnung: CFTR-Mutationen sind eine häufige, aber nicht die alleinige Ursache der CBAVD-bedingten männlichen Infertilität; die Autoren empfehlen ein routinemäßiges CFTR-Screening bei diesen Patienten, unter anderem wegen der Bedeutung für die genetische Beratung im Hinblick auf ein Cystische-Fibrose-Risiko bei künftigen Kindern.
PMID 16272798 — Original auf PubMed →
Pränatale Exposition gegenüber mütterlichem Rauchen und reduzierte Spermienqualität sowie Hodengröße im Erwachsenenalter: Querschnittsstudie an 1.770 jungen Männern aus fünf europäischen Ländern (2004)
Jensen TK, Jørgensen N, Punab M, Haugen TB, Suominen J, Zilaitiene B, Horte A, Andersen AG, Carlsen E, Magnus Ø, Matulevicius V, Nermoen I, Vierula M, Keiding N, Toppari J, Skakkebaek NE — American journal of epidemiology · Rauchen, Alkohol & Drogen
Multizentrische Querschnittsstudie im Rahmen von Musterungsuntersuchungen. Eingeschlossen wurden 1.770 junge Männer aus Dänemark (n=889), Norwegen (n=221), Finnland (n=313), Litauen (n=157) und Estland (n=190), bei Teilnahmequoten von 13-19%. Jeder Mann gab eine Samenprobe ab, wurde ärztlich untersucht und beantwortete gemeinsam mit seiner Mutter einen Fragebogen zu pränataler und aktueller Rauchexposition; die Auswertung erfolgte adjustiert für Störfaktoren. Männer mit pränataler Rauchexposition hatten eine um 20,1% niedrigere Spermienkonzentration (95%-KI: 6,8-33,5) und eine um 24,5% niedrigere Gesamtspermienzahl, außerdem etwas geringere Motilität und Morphologie sowie ein um 1,15 ml kleineres Hodenvolumen. Die Assoziation zeigte sich in den meisten Zentren, nicht jedoch in Litauen (dort rauchten nur 1% der Mütter). Einordnung: Die Ergebnisse sprechen für langfristige, generationsübergreifende Effekte mütterlichen Rauchens auf die spätere Reproduktionsfähigkeit der Söhne.
PMID 14693659 — Original auf PubMed →
Reproduktive Auswirkungen psychischen Stresses bei Männern (2004)
Hjollund NH, Bonde JP, Henriksen TB, Giwercman A, Olsen J — Epidemiology (Cambridge, Mass.) · Alter, Stress & Schlaf
Prospektive Kohortenstudie an 430 dänischen Paaren, die erstmals schwanger werden wollten. In jedem Menstruationszyklus füllten beide Partner den General Health Questionnaire (GHQ-12) zur Erfassung psychischen Stresses aus, zusätzlich wurden Blutproben entnommen und die Männer gaben bei Einschluss sowie monatlich Samenproben ab. Die Samenqualität war weder in Innerhalb- noch in Zwischen-Personen-Analysen mit dem GHQ-Score assoziiert, ebenso fanden sich keine konsistenten Zusammenhänge mit LH, FSH, Inhibin B, Testosteron oder Östradiol. Die Schwangerschaftsrate war in Zyklen mit hohem Stress-Score niedriger (14% vs. 18% in Zyklen mit niedrigem Stress), wobei sich der Effekt auf die 77 Männer mit einer Spermiendichte unter 20 Mio./ml beschränkte (adjustierte Odds Ratio 0,06). Hoher Stress ging mit selteneren Geschlechtsverkehr einher, was den Effekt jedoch nicht erklärte. Einordnung: Psychischer Stress beeinflusst die Spermienqualität selbst kaum, kann aber bei bereits eingeschränkter Spermiendichte die Fruchtbarkeit des Paares zusätzlich verringern.
PMID 14712143 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von Epilepsie und Antiepileptika auf die männliche reproduktive Gesundheit (2004)
Isojärvi JI, Löfgren E, Juntunen KS, Pakarinen AJ, Päivänsalo M, Rautakorpi I, Tuomivaara L — Neurology · Hormone & Medikamente
Fall-Kontroll-Studie mit 60 Männern mit Epilepsie (15 unter Carbamazepin, 18 unter Oxcarbazepin, 27 unter Valproat) sowie 41 gesunden Kontrollen. Bestimmt wurden reproduktive Hormone im Serum, ein Spermiogramm sowie mittels Ultraschall das Hodenvolumen. Männer unter Carbamazepin hatten niedrige DHEA-Sulfat-Spiegel (p<0,001), Männer unter Valproat erhöhte Androstendion-Werte (p<0,001). Der Anteil morphologisch abnormaler Spermien war unter Carbamazepin (p<0,01), Oxcarbazepin (p<0,05) und Valproat (p<0,01) höher als bei Kontrollen; Carbamazepin und Valproat waren zudem mit schlechterer Motilität assoziiert (p<0,05), unter Carbamazepin war auch eine pathologisch niedrige Spermienkonzentration häufiger (p<0,001). Valproat-Patienten mit abnormem Spermiogramm hatten zusätzlich kleinere Hodenvolumina (p=0,003). Einordnung: Die Studie belegt substanzspezifische negative Effekte gängiger Antiepileptika auf Samenqualität und teils auch Hodenvolumen bei Männern mit Epilepsie.
PMID 14745062 — Original auf PubMed →
Saisonale Schwankungen der Spendersamenqualität vor und nach dem Auftauen (2004)
Yogev L, Kleiman S, Shabtai E, Botchan A, Gamzu R, Paz G, Yavetz H, Hauser R — Human reproduction (Oxford, England) · Sonne & Klima
Retrospektive Beobachtungsstudie an einer Samenbank-Kohorte. Untersucht wurden die ersten zwei Ejakulate von Spendern in vier Monaten - März (n=92), Juni (n=97), September (n=81) und Dezember (n=97) -, wobei 103 Spender, die in mindestens zwei Jahreszeiten spendeten, für den direkten Vergleich herangezogen wurden. Verglichen wurden Samenparameter vor und nach Kryokonservierung (Einfrieren/Auftauen) zwischen den Jahreszeiten bei denselben Spendern. Spermienkonzentration (p=0,030) und normale Morphologie (p=0,038) unterschieden sich signifikant zwischen den Monaten, mit den höchsten Werten im März und Dezember und den niedrigsten im September; Ejakulatvolumen und Motilitätsanteil blieben über das Jahr stabil. Die Einfrierbarkeit der Spermien (Anzahl nutzbarer Portionen) sank deutlich von März bis September (p=0,017 bzw. p=0,002). Einordnung: Die Kryokonservierung von Spendersamen ist im Winter und Frühling effektiver als im Spätsommer/Frühherbst, was für eine jahreszeitliche Komponente der Spermienqualität spricht.
PMID 14990539 — Original auf PubMed →
Einfluss der Abstinenzdauer auf die menschliche Spermienqualität (2004)
De Jonge C, LaFromboise M, Bosmans E, Ombelet W, Cox A, Nijs M — Fertility and sterility · Messmethodik
Prospektive Studie mit Selbstkontrolle (within-subject design) an Männern aus einer Kinderwunschabklärung. Von 16 rekrutierten Freiwilligen wurden 11 ausgewertet, da fünf die Abstinenzvorgaben nicht einhielten. Untersucht wurden WHO-Samenparameter sowie DNA-Fragmentierung und Chromatinverpackung nach 1, 3, 5 und 8 Tagen Ejakulationsabstinenz bei denselben Männern. Die Abstinenzdauer war statistisch signifikant positiv mit Spermienkonzentration und Ejakulatvolumen assoziiert; pH-Wert, Vitalität, Gesamt- und Grad-A-Motilität, Morphologie und Anteil DNA-fragmentierter Spermien blieben unbeeinflusst. Nach nur 1 Tag Abstinenz war jedoch der Anteil unreifen Chromatins statistisch signifikant erhöht. Einordnung: Diese methodisch orientierte Studie zeigt, dass die Wahl der Abstinenzdauer bei der Probenentnahme insbesondere Spermienkonzentration, Volumen und Chromatinreifung beeinflusst und damit für die Standardisierung von Diagnostik und Studien relevant ist.
PMID 15236990 — Original auf PubMed →
Durch Mesalazin verursachte reversible Unfruchtbarkeit bei einem jungen Mann (2004)
Chermesh I, Eliakim R — Digestive and liver disease : official journal of the Italian Society of Gastroenterology and the Italian Association for the Study of the Liver · Hormone & Medikamente
Kasuistik (Einzelfallbericht) zu einem jungen Mann, der wegen einer Proktitis mit Mesalazin behandelt wurde. Beschrieben wird der Verlauf des Spermiogramms unter Therapie, nach Absetzen und nach erneuter Gabe des Medikaments. Unter Mesalazin-Behandlung fand sich eine hochgradig pathologische Samenqualität mit nur 3 x 10^6 Spermien/ml, eine Konzeption blieb aus. Nach Absetzen des Medikaments normalisierte sich das Spermiogramm nahezu vollständig, und es kam zu einer Schwangerschaft. Wegen erneuter Krankheitsaktivität musste Mesalazin wieder angesetzt werden, woraufhin sich die Samenqualität erneut verschlechterte. Einordnung: Der Fallbericht liefert Evidenz auf niedrigem Studienniveau (Einzelfall), aber mit klarer zeitlicher Koppelung zwischen Gabe, Absetzen und erneuter Gabe des Medikaments, für eine reversible, medikamenteninduzierte Fertilitätsstörung durch Mesalazin. Generalisierbare Aussagen erlaubt ein Einzelfall jedoch nicht.
PMID 15334777 — Original auf PubMed →
Assistierte Reproduktionstechniken bei Klinefelter-Syndrom: eine kritische Übersicht (2004)
Denschlag D, Tempfer C, Kunze M, Wolff G, Keck C — Fertility and sterility · Genetik & Anatomie
Systematisches Review ohne eigene Patientenkohorte, das alle bis dahin publizierten Fallberichte zu Klinefelter-Patienten mit assistierter Reproduktion zusammenfasst. Bewertet wurden Einsatz und Erfolgsraten der testikulären Spermienextraktion (TESE) in Kombination mit intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) sowie das Risiko einer Weitergabe von Chromosomenanomalien an die Nachkommen. Insgesamt wurden 39 erfolgreiche Schwangerschaften bei nicht-mosaikartigen Klinefelter-Patienten berichtet; sowohl bei mosaikartigem als auch bei nicht-mosaikartigem Klinefelter-Syndrom lassen sich chromosomal normale Spermien aus Hodengewebe gewinnen und für ICSI nutzen. Einordnung: Die Autoren sprechen sich für den Einsatz von TESE/ICSI bei diesem sonst nahezu unfruchtbaren Patientenkollektiv aus; die Evidenzbasis besteht jedoch überwiegend aus Fallberichten mit begrenzter methodischer Qualität, weshalb belastbare Erfolgsraten nur eingeschränkt ableitbar sind.
PMID 15482743 — Original auf PubMed →
Samenqualität von rauchenden und nichtrauchenden Männern in infertilen Paaren (2003)
Künzle R, Mueller MD, Hänggi W, Birkhäuser MH, Drescher H, Bersinger NA — Fertility and Sterility · Rauchen, Alkohol & Drogen
Kohortenstudie zur Untersuchung des Effekts von Zigarettenrauchen auf zentrale Samenparameter bei Männern, die im Rahmen einer Fertilitätsabklärung ein andrologisches Labor aufsuchten. Von ursprünglich 839 Rauchern und 1266 Nichtrauchern erfüllten 655 Raucher und 1131 Nichtraucher die Einschlusskriterien und wurden mittels standardisierter Samenanalyse verglichen. Zigarettenrauchen war mit einer signifikanten Reduktion der Spermiendichte (-15,3%), der Gesamtspermienzahl (-17,5%), der Gesamtzahl motiler Spermien (-16,6%) sowie der Citratkonzentration im Seminalplasma (-22,4%) assoziiert. Auch der Anteil normal geformter Spermien war bei Rauchern signifikant reduziert. Spermienvitalität, Ejakulatvolumen und Fruktosekonzentration waren zwar leicht, aber nicht signifikant beeinträchtigt. Mit über 1780 ausgewerteten Männern zählt die Studie zu den größeren Untersuchungen zum Thema und liefert robuste Evidenz dafür, dass Rauchen mit einer klinisch relevanten Verschlechterung mehrerer Samenparameter einhergeht, auch wenn ein kausaler Effekt auf die tatsächliche Fertilität damit nicht direkt bewiesen wird.
PMID 12568836 — Original auf PubMed →
Saisonale Schwankungen und altersbedingte Veränderungen menschlicher Samenparameter (2003)
Chen Z, Toth T, Godfrey-Bailey L, Mercedat N, Schiff I, Hauser R — Journal of Andrology · Alter, Stress & Schlaf
Retrospektive Auswertung von 551 Samenanalysen aus einer andrologischen Klinikpopulation (Massachusetts General Hospital, 1989-2000) zur Untersuchung altersbedingter und saisonaler Veränderungen der Samenqualität. Mit zunehmendem Alter nahmen Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration, Gesamtspermienzahl, Motilität, Gesamtzahl motiler Spermien und Morphologie signifikant ab, während der Anteil von Spermien mit Schwanzdefekten zunahm. Saisonale Unterschiede zeigten sich in geringerem Umfang: Die Spermienkonzentration war im Winter signifikant höher (Mittel 157,9 Mio./ml) als im Herbst (119,1 Mio./ml, p<0,05), der Anteil normal geformter Spermien war im Winter (9,2%) höher als im Sommer und Frühjahr (7,0% bzw. 7,5%, p<0,05), und Kopfdefekte traten im Herbst und Sommer (74,0% bzw. 72,3%) häufiger auf als im Winter (68,6%, p<0,05). Da praktisch alle untersuchten Samenparameter mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich abnahmen, während saisonale Effekte auf Konzentration und Morphologie beschränkt blieben, unterstreicht die Studie vor allem das Alter als robusten, klinisch relevanten Einflussfaktor auf die männliche Samenqualität.
PMID 12634309 — Original auf PubMed →
Auswirkungen beruflicher Expositionen auf die männliche Fertilität: eine Literaturübersicht (2003)
Sheiner EK, Sheiner E, Hammel RD, Potashnik G, Carel R — Industrial Health · Beruf & globale Trends
Literaturübersicht zum Einfluss von Arbeitsbedingungen sowie beruflicher Exposition gegenüber chemischen und physikalischen Reproduktionstoxinen sowie psychischer Belastung am Arbeitsplatz auf die männliche Fertilität. Die Autoren berichten signifikante Zusammenhänge zwischen beeinträchtigten Samenparametern und chemischen Expositionen gegenüber Schwermetallen (Blei, Quecksilber), Pestiziden (DBCP, 2,4-D), Ethylenglykolethern und Östrogenen. Auch physikalische Expositionen wie ionisierende Strahlung, Mikrowellenstrahlung und Hitze verschlechterten nachweislich die Spermienparameter. Zusätzlich wird psychischer Stress am Arbeitsplatz als relevanter, eigenständiger Faktor für Infertilität beschrieben. Die Übersicht fasst damit ein breites Spektrum arbeitsplatzbezogener Risikofaktoren zusammen, ohne eigene neue Primärdaten zu liefern, und plädiert dafür, die berufliche Anamnese standardmäßig in die Abklärung von Kinderwunschpatienten aufzunehmen. Als Reviewartikel liefert die Arbeit keine eigenen quantitativen Effektschätzer, sondern eine qualitative Zusammenschau der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (2003) verfügbaren Evidenz zu Beruf und männlicher Fertilität.
PMID 12725464 — Original auf PubMed →
Beeinflusst Rauchen während der Schwangerschaft die Spermienzahl der Söhne? (2003)
Storgaard L, Bonde JP, Ernst E, Spanô M, Andersen CY, Frydenberg M, Olsen J — Epidemiology (Cambridge, Mass.) · Rauchen, Alkohol & Drogen
Kohortenstudie im Rahmen einer populationsbasierten Untersuchung über das Dänische Zwillingsregister. Von 316 Männern wurden frische Samen- und Blutproben gewonnen, für 265 lagen per mütterlichem Fragebogen Angaben zum Rauchen während der Schwangerschaft vor. Untersucht wurden Samenqualität und Sexualhormone in Abhängigkeit von der pränatalen Tabakexposition, adjustiert für Alter, aktuellen Raucherstatus und weitere Faktoren. Bei Söhnen von Müttern, die während der Schwangerschaft mehr als 10 Zigaretten pro Tag rauchten, war die Spermiendichte um 48% niedriger (95%-KI: -69% bis -11%); auch Gesamtspermienzahl und Inhibin-B-Spiegel waren reduziert, während FSH tendenziell erhöht war (+16%, nicht signifikant). Bei geringerem Rauchen (1-10 Zigaretten/Tag) zeigte sich kein Effekt. Einordnung: Die Studie liefert Hinweise, dass starkes mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft die spätere Spermienproduktion der Söhne dosisabhängig beeinträchtigen und zum beobachteten Rückgang der Spermienzahlen in Dänemark beitragen könnte.
PMID 12859027 — Original auf PubMed →
Veränderungen der Spermienparameter bei Männern mit Epilepsie unter Valproat- oder Carbamazepin-Monotherapie (2003)
Røste LS, Taubøll E, Haugen TB, Bjørnenak T, Saetre ER, Gjerstad L — European journal of neurology · Hormone & Medikamente
Fall-Kontroll-Studie zum Vergleich zweier Antiepileptika mit gesunden Kontrollen. Eingeschlossen wurden 16 Männer mit Epilepsie unter Valproat und 20 unter Carbamazepin (Therapiedauer über 2 Jahre, 20-40 Jahre alt), als Kontrollgruppe dienten 90 gesunde fertile Männer. Das Spermiogramm wurde nach WHO-Kriterien (1999) erstellt, zusätzlich wurde die Hodengröße bestimmt. Zwischen Valproat- und Carbamazepin-Gruppe zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der allgemeinen Samenqualität, jedoch mehr Schwanzanomalien unter Valproat; nach Korrektur für den BMI war das Verhältnis Hodengröße/BMI unter Valproat niedriger, zudem nahmen Valproat-Patienten stärker an Gewicht zu. Gegenüber den gesunden Kontrollen zeigten alle Epilepsiepatienten zusammen signifikant weniger schnell progressiv motile Spermien sowie mehr Hals- und Kopfanomalien. Einordnung: Die Studie deutet auf teils substanzspezifische, teils krankheitsbedingte Effekte von Epilepsie und ihrer Behandlung auf die Spermienmorphologie hin.
PMID 12940829 — Original auf PubMed →
Fieberhafte Erkrankungen in der Vorgeschichte und Schwankungen der Spermienqualität (2003)
Carlsen E, Andersson AM, Petersen JH, Skakkebaek NE — Human reproduction (Oxford, England) · Grunderkrankungen & Infektionen
Prospektive Längsschnittstudie mit Selbstkontrolle. 27 gesunde Männer (medianes Alter 24,4 Jahre) gaben über 16 Monate (März 1998 bis Juni 1999) monatliche Samenproben ab und führten ein tägliches Fiebertagebuch. Analysiert wurden Samenvolumen, Spermienkonzentration, Anteil unbeweglicher sowie morphologisch normaler Spermien in Bezug zu Fieberepisoden während Meiose bzw. Spermiogenese (postmeiotische Phase). Fieber während der Meiose senkte die Spermienkonzentration um 32,6% (95%-KI: -49,9 bis -9,2), Fieber während der Spermiogenese um 35,0% (-50,5 bis -14,6); der Anteil normal geformter Spermien sank dabei um 7,4%, der Anteil unbeweglicher Spermien stieg um 20,4%. Die Effekte waren abhängig von der Anzahl der Fiebertage, individuell aber sehr unterschiedlich ausgeprägt. Einordnung: Die Studie zeigt, dass fieberhafte Infekte während sensibler Phasen der Spermatogenese die Samenqualität vorübergehend deutlich verschlechtern können.
PMID 14507826 — Original auf PubMed →
Die Wirkung von Kalziumkanalblockern auf menschliche Spermien (2003)
Li L, Liu JH — Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology · Hormone & Medikamente
Narrativer Übersichtsartikel ohne eigene Patientenkohorte; eine konkrete Stichprobengröße wird nicht genannt. Zusammengefasst wird der Forschungsstand zu Kalziumkanälen in menschlichen Spermien und zur Wirkung von Kalziumkanalblockern (CCB), einer in der Kardiologie und bei muskuloskelettalen Erkrankungen breit eingesetzten Medikamentenklasse. Laut den referierten Arbeiten beeinflussen CCB nicht nur die Form, sondern auch Aktivierung, Akrosomreaktion und allgemeine Funktionsfähigkeit menschlicher Spermien. Die Autoren leiten daraus einen möglichen neuen Ansatzpunkt für eine männliche Kontrazeption ab. Einordnung: Es handelt sich um eine knappe Übersicht ohne eigene quantitative Ergebnisse; sie liefert lediglich einen Hinweis darauf, dass ein weitverbreitetes Herz-Kreislauf-Medikament über Kalziumkanäle theoretisch auch die Spermienfunktion beeinflussen könnte. Konkrete klinische Daten zu Spermienzahlen oder Fertilität bei behandelten Patienten werden im Abstract nicht genannt.
PMID 14727364 — Original auf PubMed →
Der Spermien-Chromatin-Struktur-Assay: klinischer Einsatz zum Nachweis von Spermien-DNA-Fragmentierung (2002)
Evenson DP, Larson KL, Jost LK — Journal of Andrology · Messmethodik
Kein Abstract verfügbar, nur Titel. Der Titel „Sperm chromatin structure assay: its clinical use for detecting sperm DNA fragmentation in male infertility and comparisons with other techniques" verweist auf eine Übersichts- bzw. Methodenarbeit derselben Arbeitsgruppe, die bereits den SCSA-Test (Sperm Chromatin Structure Assay, siehe PMID 11264952) beschrieben hatte. Dem Titel nach wird hier speziell der klinische Nutzen des SCSA zur Detektion von Spermien-DNA-Fragmentierung bei männlicher Infertilität behandelt und mit anderen DNA-Integritätstests verglichen. Da kein Abstract vorliegt, können konkrete Stichprobengrößen, statistische Kennwerte oder Ergebnisse nicht wiedergegeben werden; die Studie lässt sich daher nur thematisch als Beitrag zur Methodik der Spermien-DNA-Diagnostik einordnen.
PMID 11780920 — Original auf PubMed →
Wirkung von Folsäure und Zinksulfat bei männlicher Subfertilität: eine randomisierte, placebokontrollierte Studie (2002)
Wong WY, Merkus HM, Thomas CM, Menkveld R, Zielhuis GA, Steegers-Theunissen RP — Fertility and Sterility · Supplements & Nährstoffe
Doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Interventionsstudie an zwei ambulanten Kinderwunschzentren sowie neun Hebammenpraxen in den Niederlanden zur Wirkung von Folsäure und Zinksulfat auf Samenparameter. Eingeschlossen wurden 108 fertile und 103 subfertile Männer, die randomisiert einer von vier Gruppen zugeteilt wurden: Folsäure (5 mg/Tag) plus Placebo, Zinksulfat (66 mg/Tag) plus Placebo, Kombination aus Folsäure und Zinksulfat, oder doppeltes Placebo, jeweils über 26 Wochen. Vor und nach der Behandlung wurden Samenparameter nach WHO-Kriterien sowie Morphologie nach strikten Kriterien und Folat-/Zink-Konzentrationen in Blut bestimmt. Bei subfertilen Männern führte die kombinierte Gabe von Zinksulfat und Folsäure zu einem signifikanten Anstieg der Gesamtzahl normal geformter Spermien um 74%, bei nur geringfügigem Anstieg (4%) abnormaler Spermien; ein ähnlicher, schwächerer Trend zeigte sich bei fertilen Männern. Prätherapeutische Folat- und Zinkspiegel unterschieden sich zwischen fertilen und subfertilen Männern nicht. Ein klinischer Nutzen für die tatsächliche Fertilität blieb offen, doch die Ergebnisse begründeten weitere Forschung zur Supplementierung als Fertilitätsmaßnahme.
PMID 11872201 — Original auf PubMed →
Einfluss der Tagesschwankung der Skrotaltemperatur auf die Samenqualität (2002)
Hjollund NH, Storgaard L, Ernst E, Bonde JP, Olsen J — Reproductive Toxicology · Hitze & Kälte
Querschnittsstudie an 99 gesunden Männern zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen diurnaler Skrotaltemperatur und Samenqualität. Mittels 24-Stunden-Dauermessung der Skrotalhauttemperatur sowie Samen- und Blutproben wurde zusätzlich per Fragebogen erfasst, ob die Männer beruflich oder in der Freizeit überwiegend sitzend tätig waren. Es zeigte sich eine negative Korrelation zwischen hoher Skrotaltemperatur und Spermienausstoß: Die Spermienkonzentration sank um 40% pro 1°C Anstieg der mittleren Tagestemperatur (95%-CI: 8-71%), ähnliche negative Zusammenhänge fanden sich für die Gesamtspermienzahl, FSH und Inhibin B. Motilität, Morphologie, pH-Wert und Testosteron zeigten dagegen keine signifikante Assoziation mit der Temperatur. Zwischen sitzender Tätigkeit und Samenqualität bestanden nur schwache und inkonsistente Zusammenhänge. Die Autoren folgern, dass Skrotaltemperatur und Samenqualität eng miteinander verknüpft sind, wobei eine sitzende Arbeitsposition zwar die Skrotaltemperatur deutlich erhöht, selbst aber keinen nachweisbaren Effekt auf die Samenqualität zu haben scheint – ein bemerkenswerter Befund angesichts der Zunahme sitzender Bürotätigkeiten.
PMID 12128094 — Original auf PubMed →
Samenqualität und Spermien-DNA-Integrität bei Überlebenden von Krebserkrankungen im Kindesalter (2002)
Thomson AB, Campbell AJ, Irvine DC, Anderson RA, Kelnar CJ, Wallace WH — Lancet · Hormone & Medikamente
Fall-Kontroll-Studie zur testikulären Funktion bei 33 Überlebenden einer Krebserkrankung im Kindesalter (mittleres Diagnosealter 10,0 Jahre, Studienalter median 21,9 Jahre) im Vergleich zu 66 altersgematchten Kontrollen. Erfasst wurden Pubertätsstadium, Sexualhormone im Plasma sowie Samenqualität einschließlich Spermien-DNA-Integrität. Zehn Teilnehmer (30%) waren azoosperm, sechs (18%) oligozoosperm. In der nicht-azoospermen Gruppe war die Spermienkonzentration signifikant niedriger als bei Kontrollen (Median 37,1 vs. 90,7 Mio./ml, p=0,002), Inhibin B war erniedrigt (153,3 vs. 223,7 ng/l, p<0,001) und FSH erhöht (6,6 vs. 3,2 U/l, p<0,001). Nur 11 Überlebende (33%) hatten insgesamt eine normale Samenqualität. Bemerkenswert: Die DNA-Integrität der Spermien unterschied sich zwischen nicht-azoospermer Gruppe und Kontrollen nicht signifikant (9% vs. 11% geschädigte DNA, p=0,06). Die Autoren schließen daraus, dass Krebstherapie im Kindesalter zwar häufig die Spermienzahl reduziert, die produzierten Spermien aber offenbar keine vermehrten DNA-Schäden tragen, sodass assistierte Reproduktion für diese Männer eine realistische Option zur Vaterschaft darstellt.
PMID 12241775 — Original auf PubMed →
Spermien-DNA-Schäden und Krebstherapie (2002)
Morris ID — International Journal of Andrology · Hormone & Medikamente
Übersichtsarbeit zu Spermien-DNA-Schäden im Kontext einer Krebstherapie. Der Autor fasst zusammen, dass Chemo- und Strahlentherapie über zytotoxische Effekte auf das spermatogene Epithel die Spermienzahl reduzieren, gleichzeitig aber mutagen wirken können, wenn das Epithel überlebt – mit dem Risiko transgenerationaler Effekte, wie Tierversuche von Fehlgeburten bis Kanzerogenese zeigen. Zur direkten Messung von DNA-Schäden an Spermien werden zwei methodisch unterschiedliche, aber zu ähnlichen Schlussfolgerungen führende Assays diskutiert: der Comet-Assay und der Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA). Beide zeigen DNA-Schäden sowohl bei fertilen als auch bei infertilen Männern, mit gewissem Zusammenhang zur Infertilität, und detektieren beide Schäden nach In-vivo-Exposition gegenüber genotoxischen Substanzen. Bei einem chemotherapeutisch behandelten Krebspatienten wurde eine erhöhte und persistierende DNA-Schädigung der Spermien beobachtet. Obwohl bisherige Studien keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen väterlicher zytotoxischer Krebstherapie und genetischen Erkrankungen der Nachkommen belegen konnten, rät der Autor zu vorsichtiger Interpretation und einer verbesserten Überwachung genetischer Erkrankungen bei Nachkommen behandelter Väter, um belastbarere Risikoabschätzungen zu ermöglichen.
PMID 12270021 — Original auf PubMed →
Chromosomale Varianten bei 1790 infertilen Männern (2001)
Nakamura Y, Kitamura M, Nishimura K, Koga M, Kondoh N, Takeyama M, Matsumiya K, Okuyama A — International Journal of Urology · Genetik & Anatomie
Große zytogenetische Querschnittsstudie an 1790 infertilen Männern, die zwischen 1990 und 1998 eine Kinderwunschklinik aufsuchten und routinemäßig chromosomal sowie mittels Samenanalyse untersucht wurden – die bis dahin größte derartige Untersuchung. Chromosomenanomalien fanden sich bei 225 von 1790 Patienten (12,6%). Die häufigste Einzelanomalie war das Klinefelter-Syndrom (64 Fälle); autosomale Anomalien machten mit 126 Fällen den größeren Anteil aus, wobei die Variante 46,XY,1qh(+) mit 30 Fällen am häufigsten war und signifikant öfter auftrat als bei normalen Kontrollen. Die Samenbefunde dieser Patienten variierten stark: 9 hatten Azoospermie, 3 erzielten natürliche Schwangerschaften. Ob dieser spezielle Karyotyp die Spermatogenese tatsächlich beeinträchtigt, blieb unklar. Die Autoren schließen, dass sowohl autosomale als auch gonosomale Chromosomenanomalien die Spermatogenese beeinflussen können und eine zytogenetische Abklärung vor einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wichtig ist, um genetische Risiken für die Nachkommen abzuschätzen.
PMID 11240825 — Original auf PubMed →
Verbesserung der Samenqualität durch nächtliche Skrotalkühlung bei Männern mit Oligoasthenoteratozoospermie (2001)
Jung A, Eberl M, Schill WB — Reproduction · Hitze & Kälte
Interventionsstudie mit Prä-Post-Design bei Männern mit idiopathischer oder varikozelenbedingter Oligoasthenoteratozoospermie (OAT). Zunächst wurde per Fragebogen der genitale Wärmestress erfasst; OAT-Patienten wiesen signifikant höhere Werte auf als normozoosperme Männer (p<0,01). Eine 24-Stunden-Skrotaltemperaturmessung zeigte, dass OAT-Patienten trotz gleicher Umgebungstemperatur häufiger Skrotaltemperaturen über 35,5°C erreichten als Samenspender (p<0,05); in 88% der Fälle traten die Maximalwerte während Ruhe- oder Schlafphasen auf, die Minima bei körperlicher Aktivität oder häufigem Positionswechsel. Eine nächtliche Skrotalkühlung mittels Luftstrom senkte die Skrotaltemperatur um etwa 1°C. Nach 12 Wochen dieser Kühlung, kombiniert mit moderater Verhaltensänderung zur Vermeidung von Wärmestress, zeigte sich ein hochsignifikanter Anstieg von Spermienkonzentration und Gesamtspermienausstoß (jeweils p<0,0001) sowie eine signifikante, aber weniger stark ausgeprägte Verbesserung von Motilität (p<0,05) und Morphologie (p<0,05). Die Studie unterstreicht genitalen Hitzestress als behebbaren Kofaktor männlicher Fertilitätsstörungen und schlägt nächtliche Skrotalkühlung als therapeutische Option vor.
PMID 11277880 — Original auf PubMed →
Regionale Unterschiede der Samenqualität in Europa (2001)
Jørgensen N, Andersen AG, Eustache F, Irvine DS, Suominen J, Petersen JH, Andersen AN, Auger J, Cawood EH, Horte A, Jensen TK, Jouannet P, Keiding N, Vierula M, Toppari J, Skakkebaek NE — Human Reproduction · Beruf & globale Trends
Standardisierte Querschnittsstudie an 1082 fertilen Männern aus vier europäischen Städten (Kopenhagen, Paris, Edinburgh, Turku) zur Untersuchung regionaler Unterschiede in der Samenqualität, mit zentralisierter Morphologiebewertung und Kontrolle von Laborunterschieden. Dänische Männer hatten die niedrigsten Spermienkonzentrationen und Gesamtspermienzahlen, gefolgt von Franzosen und Schotten; finnische Männer wiesen die höchsten Werte auf. Den höchsten Anteil motiler Spermien fand man bei Männern aus Edinburgh, gefolgt von Turku, Kopenhagen und Paris – signifikant nur zwischen Paris/Edinburgh (p<0,003) und Paris/Turku (p<0,002). Morphologische Unterschiede zwischen den Städten waren nicht signifikant. Zusätzlich zeigte sich eine ausgeprägte saisonale Schwankung (Sommerwerte bei nur 70% bzw. 72% der Winterwerte für Konzentration bzw. Gesamtzahl). Für einen „standardisierten" 30-jährigen fertilen Mann mit 96 Stunden Abstinenz ergaben sich beispielhaft Winter/Sommer-Konzentrationen von 132/93 Mio./ml (Turku), 119/84 (Edinburgh), 103/73 (Paris) und 98/69 (Kopenhagen). Die deutlichen regionalen Unterschiede könnten auf unterschiedliche Umweltexpositionen oder Lebensstile hindeuten und dienen als Referenzpunkt für künftige Trendstudien in Europa.
PMID 11331653 — Original auf PubMed →
Fertilität nach einseitigem Kryptorchismus: Vaterschaft, Zeit bis zur Konzeption, Hormon- und Spermienparameter (2001)
Miller KD, Coughlin MT, Lee PA — Hormone Research · Genetik & Anatomie
Retrospektive Kohortenstudie (Aktenanalyse plus Fragebogen) zur Fertilität nach einseitigem Kryptorchismus. Untersucht wurden Männer, die zwischen 1955 und 1975 eine einseitige Orchidopexie erhalten hatten, im Vergleich zu einer alters- und operationsgematchten Kontrollgruppe. Von 359 identifizierten Männern mit Vaterschaftsversuch lagen bei 320 Angaben zur präoperativen Hodenlage und bei 163 zur Hodengröße vor; bei 106 wurden Testosteron, Inhibin B, FSH und LH gemessen, bei 95 Samenanalysen durchgeführt. Der Anteil erfolgreicher Vaterschaften unterschied sich zwischen ehemals kryptorchen Männern (89,7%) und Kontrollen (93,7%) nicht signifikant, ebenso wenig die mittlere Zeit bis zur Konzeption (7,1±0,7 vs. 6,9±2,3 Monate). Operationsalter, präoperative Hodenlage oder -größe hatten keinen Einfluss auf den Vaterschaftserfolg. Inhibin B war bei ehemals kryptorchen Männern niedriger, während FSH, LH, Testosteron sowie Spermiendichte, -motilität und -morphologie sich nicht signifikant unterschieden, wenngleich beträchtliche Streuung innerhalb der Gruppe bestand. Die Autoren folgern, dass einseitiger Kryptorchismus die Vaterschaft insgesamt nicht wesentlich beeinträchtigt.
PMID 11740148 — Original auf PubMed →
Verlaufsuntersuchung von Spermienkonzentration und -motilität bei Lymphompatienten (2000)
Tal R, Botchan A, Hauser R, Yogev L, Paz G, Yavetz H — Human Reproduction · Hormone & Medikamente
Retrospektive Verlaufsstudie an 33 Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom oder Hodgkin-Krankheit (1987-1997), die vor Therapie zur Spermienkryokonservierung überwiesen wurden. Verglichen wurden prä- und posttherapeutische Spermienkonzentration und -motilität sowie Hormonprofile, mit mindestens einjährigem Abstand nach Therapieende. Hormonwerte waren nicht prädiktiv für die posttherapeutische Spermienkonzentration. Bei lokalisierter Erkrankung blieben Ausgangs-Spermienkonzentration und -motilität eher erhalten als bei fortgeschrittener, generalisierter Erkrankung (p=0,016). Bei Hodgkin-Patienten war das ABVD-Schema (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin) hinsichtlich Keimzelltoxizität dem MOPP/ABV-Hybridschema deutlich überlegen (p=0,0008). Patienten, die zusätzlich lokal bestrahlt wurden, hatten ein besseres posttherapeutisches Spermien-Outcome als nicht bestrahlte (p=0,0027). Insgesamt ließen sich keine zuverlässigen prätherapeutischen Prädiktoren für die spätere Fertilität identifizieren, weshalb die Autoren empfehlen, bei jedem Lymphompatienten unabhängig von Prognosefaktoren bereits bei Diagnosestellung eine Spermienkryokonservierung durchzuführen.
PMID 10967000 — Original auf PubMed →
Der Spermien-Chromatin-Struktur-Assay als nützliches Instrument zur Fertilitätsbeurteilung (2000)
Evenson D, Jost L — Methods in Cell Science · Messmethodik
Methodische Übersichtsarbeit, die den Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA) als Instrument zur Messung der Integrität des Spermien-Chromatins beschreibt. Das Verfahren nutzt die metachromatischen Eigenschaften des DNA-Farbstoffs Acridinorange in Kombination mit Durchflusszytometrie, um den Anteil von Spermien mit denaturierbarer bzw. fragmentierter DNA zu quantifizieren (DNA Fragmentation Index). Die Autoren betonen, dass SCSA-Ergebnisse nur schwach mit klassischen Samenparametern wie Konzentration, Motilität und Morphologie korrelieren, sich aber in mehreren Studien als robuster Prädiktor für Sub- bzw. Infertilität erwiesen haben. Der Test eigne sich daher gut für den Einsatz in humanen und tierischen Fertilitätskliniken, um die DNA-Integrität von Spermien im Zusammenhang mit Fertilitätspotenzial, Embryonalentwicklung sowie den Effekten reproduktionstoxischer Substanzen zu beurteilen. Der Artikel enthält im Anschluss eine detaillierte technische Beschreibung des Testablaufs. Es handelt sich damit nicht um eine klinische Studie mit eigener Stichprobe, sondern um eine Methodenbeschreibung/Validierungsübersicht des SCSA-Verfahrens.
PMID 11264952 — Original auf PubMed →
Säkulare und saisonale Veränderungen der Samenqualität bei jungen dänischen Männern (1977-1995) (1999)
Gyllenborg J, Skakkebaek NE, Nielsen NC, Keiding N, Giwercman A — International Journal of Andrology · Beruf & globale Trends
Retrospektive statistische Analyse (multiple Regression, ANOVA) von Erstsamenproben 1927 unselektierter Samenspender-Kandidaten aus Kopenhagen zwischen 1977 und 1995, um zeitliche und saisonale Trends der Samenqualität zu untersuchen. Entgegen der These eines generellen Rückgangs stieg die mittlere Spermienkonzentration von 53,0 auf 72,7 Mio./ml (p<0,0001) und die Gesamtspermienzahl von 166,0 auf 227,6 Mio. (p<0,0001) zwischen 1977 und 1995 signifikant an; Volumen und Prozentsatz motiler Spermien veränderten sich nicht. Die Spermienmotilität verschlechterte sich jedoch: Der Anteil mit exzellenter Motilität sank von 74,2% (1977-1980) auf 41,9% (1993-1995, p<0,0001). Zudem zeigte sich eine deutliche saisonale Schwankung mit höchsten Konzentrationen im Frühling (77,6 Mio./ml) und niedrigsten im Sommer (57,5 Mio./ml), konsistent über fünf aufeinanderfolgende Zeitintervalle. Aufgrund des retrospektiven, anonymisierten Designs ohne Kontrolle für Spenderselektion und -alter mahnen die Autoren zur vorsichtigen Interpretation im Kontext der Debatte um einen weltweiten Rückgang der Samenqualität.
PMID 10068941 — Original auf PubMed →
Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Samenqualität bei Männern in IVF-Behandlung (1999)
Clarke RN, Klock SC, Geoghegan A, Travassos DE — Human Reproduction · Alter, Stress & Schlaf
Prospektive Studie zum Zusammenhang zwischen psychischem Stress und Samenqualität bei 40 Männern, die sich erstmals einer IVF-Behandlung unterzogen; 31 Patienten schlossen die Studie ab. Erhoben wurden psychologische Variablen (u.a. selbstberichteter Stress) und Spermienparameter zu zwei Zeitpunkten: vor Beginn der IVF (T1) und zum Zeitpunkt der Eizellentnahme (T2). Bei einem hohen Anteil der Teilnehmer nahmen Gesamt- und motile Spermienkonzentration, die Gesamtzahl motiler Spermien sowie die laterale Kopfauslenkung von T1 zu T2 signifikant ab. Gleichzeitig stieg die subjektiv empfundene Wichtigkeit, eine Samenprobe erfolgreich abzugeben, signifikant an (p=0,001), und dieser Anstieg korrelierte signifikant (p<0,05) mit der Verschlechterung der Samenqualität am Tag der Eizellentnahme. Bei den 7 Männern mit männlichem Infertilitätsfaktor zeigte sich weder eine Verschlechterung der Samenqualität noch ein Anstieg des wahrgenommenen Stresses. Die Studie liefert damit einen Beleg für einen inversen Zusammenhang zwischen situativem IVF-Stress und Samenqualität am Tag der Probenabgabe.
PMID 10221709 — Original auf PubMed →
Kryokonservierung von Spermien bei Leukämiepatienten: lohnt sich der Aufwand? (1999)
Hallak J, Kolettis PN, Sekhon VS, Thomas AJ, Agarwal A — Cancer · Grunderkrankungen & Infektionen
Retrospektive Fall-Kontroll-Studie zur Machbarkeit der Spermienkryokonservierung bei 25 Männern mit akuter (n=13) oder chronischer (n=12) Leukämie vor Beginn jeglicher Chemotherapie, verglichen mit 50 gesunden Samenspendern. Erfasst wurden motile Spermienzahl (MSC), Motilität, curvilineare Geschwindigkeit (VCL), Linearität und laterale Kopfauslenkung jeweils vor dem Einfrieren und nach dem Auftauen (Stickstoffdampf-Technik). Leukämiepatienten hatten bereits vor Behandlungsbeginn signifikant niedrigere prefreeze- und postthaw-Werte für MSC (p=0,0001), Motilität (p<0,05) und VCL (p<0,05) als gesunde Spender; auch der relative Qualitätsverlust durch das Einfrieren selbst war bei Patienten stärker ausgeprägt (p<0,05 für MSC und Motilität). Zwischen akuter und chronischer Leukämie bestand kein Unterschied im Effekt der Kryokonservierung. Trotz insgesamt schlechterer Ausgangsqualität war die postthaw-Spermienzahl für eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ausreichend. Die Autoren empfehlen, allen Männern im reproduktiven Alter vor Beginn einer Leukämietherapie eine Spermienkryokonservierung anzubieten, da bereits die Grunderkrankung selbst die Samenqualität mindert.
PMID 10223238 — Original auf PubMed →
Varikozelen-Operation verbessert Samenparameter bei azoospermen Männern mit Spermatogenesestörung (1999)
Kim ED, Leibman BB, Grinblat DM, Lipshultz LI — The Journal of Urology · Genetik & Anatomie
Prospektive Fallserie zur Wirksamkeit einer Varikozelen-Operation bei 28 azoospermen Männern mit primärer Diagnose einer ein- oder beidseitigen Varikozele und Spermatogenesestörung; Hodenbiopsie und Varikozelenoperation erfolgten simultan (20 beidseitig, 8 einseitig operiert). Samenanalysen wurden ab 4 Monaten postoperativ durchgeführt. Bei 12 von 28 Männern (43%) fanden sich anschließend Spermien im Ejakulat, mit einer mittleren postoperativen Spermienzahl von 1,2±3,6 Mio./ml und einer mittleren Motilität von 19±24% (0-80%) bei durchschnittlich 24 Monaten Nachbeobachtung. Der histologische Biopsiebefund war prädiktiv: Eine Verbesserung der Spermiendichte zeigte sich bei Männern mit schwerer Hypospermatogenese (9 Fälle) und Reifungsarrest im Spermatiden-Stadium (5 Fälle), jedoch bei keinem Mann mit Sertoli-Cell-only-Muster oder Reifungsarrest im Spermatozyten-Stadium. Natürliche Schwangerschaften ergaben sich nicht; zwei Paare erreichten über ICSI (mit frischem Ejakulat bzw. testikulärer Spermienextraktion) Lebendgeburten. Die Studie zeigt, dass eine Varikozelenkorrektur bei selektierten azoospermen Männern mit bestimmten histologischen Befunden Spermien im Ejakulat erzeugen kann, assistierte Reproduktion aber meist weiterhin nötig ist.
PMID 10458356 — Original auf PubMed →
Berufliche Hitzeexposition und männliche Fertilität: eine Übersichtsarbeit (1998)
Thonneau P, Bujan L, Multigner L, Mieusset R — Human Reproduction · Hitze & Kälte
Narrative Übersichtsarbeit zum Zusammenhang zwischen beruflicher Hitzeexposition und männlicher Fertilität. Die Autoren fassen zusammen, dass die Spermatogenese beim Menschen wie bei den meisten Säugetieren temperaturabhängig ist, was experimentelle Studien mit künstlicher Erhöhung der Skrotal- bzw. Hodentemperatur bei fertilen Männern belegen (Abnahme von Spermienzahl und -qualität). Die eigentliche Evidenz zu beruflicher Hitzeexposition stammt jedoch nur aus einer begrenzten Zahl epidemiologischer Studien, die hinsichtlich Methodik und Design (retrospektiv/prospektiv, Referenzgruppe, Fallzahl) sowie verwendeter Endpunkte (Zeit bis zur Schwangerschaft, Spermienparameter) systematisch bewertet werden. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass berufliche Hitzeexposition ein signifikanter Risikofaktor für männliche Infertilität ist, der insbesondere die Spermienmorphologie beeinträchtigt und zu verzögerter Konzeption führt. Gleichzeitig werden methodische Limitationen und mögliche Verzerrungen der zugrunde liegenden Studien diskutiert. Die Arbeit liefert damit eine frühe, kritische Bestandsaufnahme der Evidenz zu hitzebedingten Berufsrisiken für die männliche Fruchtbarkeit.
PMID 9756281 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von psychischem Stress auf die menschliche Samenqualität (1997)
Fenster L, Katz DF, Wyrobek AJ, Pieper C, Rempel DM, Oman D, Swan SH — Journal of Andrology · Alter, Stress & Schlaf
Prospektive Studie an 157 Freiwilligen aus einem Krankenversicherungskollektiv zur Beziehung zwischen psychischem Stress und Samenqualität. Beruflicher Stress und Stress durch Lebensereignisse wurden per Telefoninterview erfasst, Spermienkinematik und Kernmorphometrie computergestützt per Bildanalyse gemessen, Konzentration, Motilität und Volumen mittels Standardmethoden. In multiplen linearen Regressionsmodellen unter Kontrolle möglicher Störfaktoren zeigten weder beruflicher Stress noch die Gesamtzahl belastender Lebensereignisse einen Zusammenhang mit der Samenqualität. Der kürzliche Tod eines nahen Familienangehörigen war jedoch mit einer Reduktion der Geradlinigkeitsgeschwindigkeit der Spermien (p=0,002) und des Anteils progressiv motiler Spermien (p=0,02) assoziiert sowie tendenziell mit einem höheren Anteil größerer, spitzer geformter Spermienkerne. Die Autoren schließen daraus, dass ein akutes, schwerwiegendes Stressereignis wie ein Trauerfall die männliche Fruchtbarkeit vorübergehend beeinträchtigen kann, während alltäglicher Arbeits- oder allgemeiner Lebensstress keinen nachweisbaren Effekt zu haben scheint.
PMID 9154514 — Original auf PubMed →
Rasche Erholung der Spermatogenese nach Mitoxantron-, Vincristin-, Vinblastin- und Prednison-Chemotherapie bei Hodgkin-Lymphom (1997)
Meistrich ML, Wilson G, Mathur K, Fuller LM, Rodriguez MA, McLaughlin P, Romaguera JE, Cabanillas FF, Ha CS, Lipshultz LI, Hagemeister FB — Journal of Clinical Oncology · Hormone & Medikamente
Prospektive Studie zu den Fertilitätsfolgen einer NOVP-Chemotherapie (Mitoxantron, Vincristin, Vinblastin, Prednison) bei 58 Männern mit Hodgkin-Lymphom im Stadium I-III. Samenanalysen erfolgten vor, während und nach Chemotherapie sowie nach Erholung von einer anschließenden Bauchbestrahlung. Vor Therapiebeginn waren 84% der Patienten normospermisch. Bereits einen Monat nach Beginn der Chemotherapie sanken die Spermienzahlen deutlich: 38% waren azoosperm, 52% hatten Werte unter 1 Mio./ml, 10% zwischen 1 und 3 Mio./ml. Zwischen 2,6 und 4,5 Monaten nach Therapieende erholten sich die Spermienzahlen bei 63% der Patienten wieder auf normospermische Werte; bei den übrigen, mindestens ein Jahr nachbeobachteten Patienten normalisierten sich die Werte auch nach zusätzlicher Bauchbestrahlung. Die Chemotherapie tötete demnach primär die sich differenzierenden Keimzellen, schädigte Stammzellen aber kaum, was die rasche Regeneration der Spermatogenese innerhalb von 3-4 Monaten erklärt – ein im Vergleich zu vielen anderen Protokollen günstiges Fertilitätsprofil.
PMID 9396402 — Original auf PubMed →
Geographische Unterschiede bei Spermienzahlen als mögliche Ursache für Verzerrungen in Studien zur Samenqualität (1996)
Fisch H, Goluboff ET — Fertility and Sterility · Beruf & globale Trends
Es handelt sich um eine methodenkritische Reanalyse (Sekundäranalyse) einer vielzitierten Metaanalyse aus 61 Studien (1938-1990), die einen weltweiten Rückgang der Samenqualität über 50 Jahre postuliert hatte. Die Autoren konzentrierten sich auf die 20 Studien mit mindestens 100 Probanden, die zusammen 91% aller untersuchten Männer repräsentierten. Dabei zeigte sich: Vor 1970 stammten praktisch alle Studien aus den USA, 80% davon aus New York – Regionen mit besonders hohen Spermienzahlen. Nach 1970 stammten 80% der Studien aus zuvor nicht erfassten Regionen, darunter fünf Studien aus Entwicklungsländern mit niedrigeren Spermienzahlen. Da Spermienzahlen geografisch stark variieren, könnte dieser Stichprobenwechsel den beobachteten „Rückgang" zumindest teilweise vortäuschen. Die Studie liefert damit ein wichtiges methodisches Gegenargument zur These eines globalen Fertilitätsrückgangs und mahnt zu Vorsicht bei der Interpretation gepoolter historischer Samenqualitätsdaten ohne Kontrolle für geografische Herkunft.
PMID 8612832 — Original auf PubMed →
Fertilitätspotenzial nach einseitiger Orchidopexie: altersunabhängiges Infertilitätsrisiko bei fehlenden Keimzellen in der Biopsie (1996)
Cortes D, Thorup JM, Lindenberg S — The Journal of Urology · Genetik & Anatomie
Prospektive Verlaufsstudie zur Fertilität nach einseitiger Orchidopexie bei Hodenhochstand. Bei 65 Jungen wurde die Operation gleichzeitig mit einer Hodenbiopsie durchgeführt: 11 im Alter von 2,8-6,8 Jahren, 54 im Alter von 10,0-11,9 Jahren. Im Erwachsenenalter wurden Hodenvolumen, FSH, LH, Testosteron und Samenanalysen erhoben. Beide Altersgruppen zeigten statistisch vergleichbare Fertilitätspotenziale, sodass der Operationszeitpunkt zwischen 2 und 12 Jahren keinen erkennbaren Einfluss hatte. Entscheidend war stattdessen der histologische Befund bei der Erstoperation: 5 von 65 Patienten (7,7%, 95%-CI 2,5-17%) waren im Erwachsenenalter potenziell infertil – das entsprach 33% jener Patienten, deren Biopsie damals praktisch keine Spermatogonien enthielt (unter 1% der altersentsprechenden Norm). Die Studie zeigt somit ein vom Operationsalter unabhängiges Infertilitätsrisiko von rund einem Drittel bei fehlenden Keimzellen zum OP-Zeitpunkt, während Patienten mit erhaltenen Keimzellen überwiegend fertil blieben.
PMID 8648809 — Original auf PubMed →
Eng anliegende Unterwäsche und Spermienqualität (1996)
Tiemessen CH, Evers JL, Bots RS — Lancet · Hitze & Kälte
Kein Abstract verfügbar, nur Titel. Die 1996 im Lancet erschienene Kurzmitteilung trägt den Titel „Tight-fitting underwear and sperm quality" (eng anliegende Unterwäsche und Spermienqualität). Da kein Abstract vorliegt, lassen sich Studiendesign, Stichprobengröße und konkrete Ergebnisse nicht inhaltlich zusammenfassen. Dem Titel nach befasst sich die Arbeit mit der These, dass eng anliegende Unterwäsche (etwa Slips im Gegensatz zu locker sitzenden Boxershorts) über eine Erhöhung der Skrotaltemperatur die Spermienqualität beeinträchtigen könnte – ein in der andrologischen Literatur der 1990er Jahre wiederholt diskutierter Zusammenhang zwischen Wärmestau im Genitalbereich und Spermatogenese. Ohne Zugriff auf den vollständigen Text kann die Arbeit hier nur thematisch, nicht aber inhaltlich mit Zahlen oder Methodik eingeordnet werden.
PMID 8667967 — Original auf PubMed →
Irreversible Gonadenschäden bei männlichen Überlebenden von Hodgkin-Lymphomen im Kindesalter (1996)
Heikens J, Behrendt H, Adriaanse R, Berghout A — Cancer · Hormone & Medikamente
Kohortenstudie zu Spätfolgen einer Chemotherapie bei 19 männlichen Langzeitüberlebenden eines Hodgkin-Lymphoms im Kindes- oder Jugendalter (15 vor, 4 während der Pubertät behandelt) mit MOPP-Schema (Mechlorethamin, Vincristin, Procarbazin, Prednison). Untersucht wurden im Median 10 Jahre nach Therapie Hormonwerte und Samenanalysen, teils mit Verlaufskontrollen. Bei allen Patienten fanden sich Keimzellschäden: 12 hatten Azoospermie, 6 Oligospermie, ohne Erholung der Spermatogenese im Follow-up. Fast alle zeigten kleine Hoden. FSH war erhöht (Mittelwert 14,4±7,8 U/l) und stieg im Zeitverlauf weiter an (21,1±10,5 U/l, p<0,001), bei 7 Patienten war auch LH erhöht (Leydigzell-Dysfunktion), bei 4 davon zusätzlich das Testosteron erniedrigt. Bei 3 weiteren Patienten war die LH-Antwort auf GnRH übersteigert bei normalem Basal-LH und -Testosteron. Ein Trend zu besserem Outcome bei präpubertär behandelten Patienten wurde beobachtet. Insgesamt zeigt die Studie eine schwere und dauerhafte Beeinträchtigung der Gonadenfunktion nach MOPP-Chemotherapie im Kindesalter.
PMID 8909325 — Original auf PubMed →
Männliches Reproduktionspotenzial nach MOPP-Therapie bei Morbus Hodgkin: eine Langzeitbeobachtung (1995)
Marmor D, Duyck F — Andrologia · Hormone & Medikamente
Langzeit-Verlaufsstudie (Kohorte) an 47 Männern, die wegen Morbus Hodgkin eine MOPP-Chemotherapie erhalten hatten. Nach Therapieende bestand über mindestens 14 Monate durchgehend eine Azoospermie; nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 89,4 ± 54,7 Monaten waren noch 26 Männer azoosperm. Es fand sich keine Korrelation zwischen dem konkreten Therapieschema und dem Ausgang des Spermiogramms: Bei gleicher Behandlung erholte sich die Spermatogenese bei manchen Männern innerhalb von 5 Jahren, bei anderen erst nach über 10 Jahren, während einige auch nach 20 Jahren noch azoosperm waren. Eine zusätzliche infradiaphragmale Bestrahlung in Kombination mit hochdosiertem MOPP wirkte sich besonders schädlich aus: Nur 3 von 13 Männern erholten sich. Die Spermienerholung war oft unvollständig (17 von 21 Männern unter 20 Mio./ml), dennoch kam es auch bei schwerer Oligozoospermie zu spontanen Schwangerschaften (8 von 11 Werten unter 5 Mio./ml). FSH erwies sich in 18,2 % der Fälle als unzuverlässiger Marker für die tatsächliche Spermienerholung.
PMID 7598233 — Original auf PubMed →
Schwangerschaft nach Absetzen eines Calciumkanalblockers beim männlichen Partner (1995)
Hershlag A, Cooper GW, Benoff S — Human reproduction (Oxford, England) · Hormone & Medikamente
Kasuistik (Einzelfallbericht) eines 30-jährigen Mannes mit unerfülltem Kinderwunsch unter antihypertensiver Behandlung mit einem Calciumkanalblocker. Die Fertilitätspotenz der Spermien wurde anhand kopfständiger Mannose-Ligand-Rezeptoren (mannose-spezifisches Lektin) und des spontanen Auftretens der Akrosomreaktion nach In-vitro-Kapazitation beurteilt; unter Medikation zeigten die beweglichen Spermien eine subnormale Expression dieser Rezeptoren und keine spontane Akrosomreaktion. Drei Monate nach Absetzen des Calciumkanalblockers hatten sich Rezeptorexpression und Akrosomreaktion vollständig normalisiert, während Motilität und Morphologie der Spermien unverändert blieben. Das Paar, das zuvor 2 Jahre erfolglos versucht hatte, schwanger zu werden, und 7 erfolglose Pergonal-/Insemination-Zyklen durchlaufen hatte, wurde im zweiten Zyklus nach Absetzen der Medikation schwanger. Der Fallbericht stützt die Annahme, dass Calciumkanalblocker die Befruchtungsfähigkeit von Spermien reversibel beeinträchtigen können und ein Absetzen der Medikation die Konzeptionschancen verbessern kann; als Einzelfall ist die Aussagekraft naturgemäß begrenzt.
PMID 7782439 — Original auf PubMed →
Gonadenfunktion nach Chemotherapie bei Morbus Hodgkin: Vergleichsstudie zwischen MVPP und einem Sieben-Substanzen-Hybridschema (1995)
Clark ST, Radford JA, Crowther D, Swindell R, Shalet SM — Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology · Hormone & Medikamente
Vergleichende Kohortenstudie an 89 Patienten (50 Männer, 39 Frauen) nach Chemotherapie wegen Morbus Hodgkin, davon 37 mit MVPP-Schema und 52 mit einem Sieben-Substanzen-Hybridschema (ChlVPP/EVA) behandelt; die Untersuchung erfolgte im Median 30 Monate (4 bis 83) nach Therapieende. Bei den Männern (medianes Alter 26 Jahre) zeigte sich bei 35 von 37 untersuchten Männern eine Azoospermie, begleitet von erhöhtem FSH als Zeichen einer schweren Keimepithelschädigung; von 28 vor Therapie untersuchten Männern hatten zuvor 23 einen normalen Spermienbefund. Bei den Frauen entwickelten 26 von 34 (76 %) mit zuvor regelmäßigem Zyklus eine Amenorrhoe, bei 10 kehrten die Menses zurück (2 Schwangerschaften), bei 16 blieb eine dauerhafte, hormonell bestätigte vorzeitige Ovarialinsuffizienz bestehen; insgesamt benötigten 18 von 34 Frauen (53 %) eine Hormonersatztherapie. Zwischen MVPP und dem Hybridschema fand sich kein signifikanter Unterschied im Ausmaß der Gonadenschädigung. Beide Chemotherapieschemata verursachen demnach eine erhebliche, meist dauerhafte gonadale Schädigung bei beiden Geschlechtern.
PMID 7799013 — Original auf PubMed →
Bakterielle Infektion und Spermaparameter bei infertilen Männern (1995)
Merino G, Carranza-Lira S, Murrieta S, Rodriguez L, Cuevas E, Morán C — Archives of andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Querschnittsstudie an 190 Männern einer andrologischen Ambulanz, deren Samenproben bakteriologisch kultiviert und je nach Befund in eine negative Gruppe (34 %) und eine positive Gruppe (66 %) eingeteilt wurden; parallel wurden Standard-Spermaparameter (Volumen, Spermienzahl, Motilität, Vitalität, Morphologie) erhoben. Aus 123 positiven Proben wurden 157 aerobe und 8 anaerobe Keime isoliert, am häufigsten Staphylococcus epidermidis (63 %), gefolgt von Streptococcus viridans (28 %), Escherichia coli (9 %), Staphylococcus aureus (5 %), Streptococcus faecalis (5 %), beta-hämolysierende Streptokokken (4 %) und Enterobacter agglomerans (4 %); weitere Keime wie Klebsiella spp., Candida spp. und Proteus mirabilis kamen bei unter 4 % der Proben vor. Bei bakteriell positiven Proben waren Anteil beweglicher Spermien und Vitalität gegenüber den negativen Proben vermindert. Die Autoren schließen, dass eine bakterielle Besiedlung des Ejakulats die Spermaqualität direkt negativ beeinflussen und damit zur männlichen Unfruchtbarkeit beitragen kann, was die Bedeutung einer mikrobiologischen Diagnostik bei entsprechender Abklärung unterstreicht.
PMID 8554430 — Original auf PubMed →
Auswirkungen des Zigarettenrauchens auf die menschliche Spermaqualität (1994)
Chia SE, Ong CN, Tsakok FM — Archives of andrology · Rauchen, Alkohol & Drogen
Querschnittsstudie an Männern im Rahmen eines Infertilitäts-Erstscreenings; von ursprünglich 674 Männern wurden 618 nach festgelegten Kriterien in die Auswertung eingeschlossen. Die Rauchanamnese wurde per direktem Interview erhoben, zusätzlich wurden Ejakulatvolumen, Spermiendichte, Vitalität, Motilität und Morphologie bestimmt. Raucher wiesen im Vergleich zu Nichtrauchern eine signifikant geringere Spermiendichte (p<0,04), einen geringeren Anteil normal geformter Spermien (p<0,001) und einen höheren Anteil an Kopfdefekten der Spermien (p<0,01) auf. Zudem zeigten sich signifikante Trends über verschiedene Kategorien von Zigaretten-Packungsjahren hinweg für Spermiendichte, Anteil normaler Morphologie und Anteil der Kopfdefekte. Die Autoren interpretieren dies als Beleg für eine dosisabhängige Beziehung zwischen Zigarettenrauchen und Beeinträchtigung der Spermatogenese, insbesondere hinsichtlich der Spermienkopf-Morphologie. Mit 618 ausgewerteten Männern gehört diese Studie zu den größeren Untersuchungen ihrer Zeit zum Zusammenhang zwischen Rauchen und Spermaqualität und liefert robuste Evidenz für einen negativen Effekt.
PMID 7857167 — Original auf PubMed →
Wirkung von Calciumkanalblockern auf die Befruchtungsfähigkeit von Spermien (1994)
Benoff S, Cooper GW, Hurley I, Mandel FS, Rosenfeld DL, Scholl GM, Gilbert BR, Hershlag A — Fertility and sterility · Hormone & Medikamente
Kombinierte klinische Fall-Vergleichsstudie und In-vitro-Untersuchung zur Wirkung von Calciumkanalblockern auf die männliche Fertilität. Verglichen wurden bewegliche Spermien von 10 bekannt fertilen Männern mit denen von 10 normospermen Männern unter Calciumkanalblocker-Therapie, die sich wegen Kinderwunschbehandlung vorstellten; ergänzend wurde Spendersperma (n=14) in vitro Antihypertensiva ausgesetzt. Gemessen wurde die Oberflächenexpression von Mannose-Ligand-Rezeptoren sowie der Akrosomstatus mittels Fluoreszenzmikroskopie vor und nach 18-stündiger bzw. 3-tägiger Kapazitationsinkubation. Bei Männern unter Calciumantagonisten zeigte sich keine erhöhte Häufigkeit kopfständiger Mannose-Rezeptor-Expression und keine spontane Akrosomreaktion; unerwartet fand sich stattdessen eine Rezeptor-Translokation ohne gekoppelte Akrosomreaktion, anders als bei fertilen Kontrollen. Nach Absetzen der Calciumantagonisten normalisierten sich die Parameter der Befruchtungsfähigkeit vollständig, und der Effekt ließ sich in vitro durch Zugabe eines Calciumkanalblockers zum Kapazitationsmedium reproduzieren. Die Autoren postulieren einen Wirkmechanismus über den Einbau lipophiler Calciumantagonisten in die Spermienmembran, der eine reversible medikamentöse Unfruchtbarkeit einschließlich eines dokumentierten IVF-Versagens erklärt.
PMID 8062958 — Original auf PubMed →
Der Calciumkanalantagonist Verapamil moduliert die Funktionen menschlicher Spermatozoen (1994)
Anand RJ, Kanwar U, Sanyal SN — Research in experimental medicine. Zeitschrift fur die gesamte experimentelle Medizin einschliesslich experimenteller Chirurgie · Hormone & Medikamente
In-vitro-Laborstudie an menschlichen Ejakulaten zur Wirkung des Calciumkanalblockers Verapamil (0,5–50 µM) auf verschiedene Spermienfunktionen. Beobachtet wurden strukturelle Schäden an Kopf- und Schwanzregion der Spermien, Abtrennung von Kopf und Schwanz sowie Schwanz-Coiling. Die Motilität nahm deutlich ab, wobei sich das Bewegungsmuster von schneller, linearer Progression über langsame bzw. träge lineare oder nicht-lineare Bewegung bis hin zur nicht-progressiven Motilität oder vollständigen Immotilität veränderte. Verapamil hemmte signifikant den Einstrom extrazellulären Calciums; kinetische Analysen zeigten eine reduzierte maximale Aufnahmegeschwindigkeit bei unveränderter Substrataffinitätskonstante sowie eine hochsignifikant verminderte Aktivität der calciumabhängigen ATPase. Zur Prüfung zytotoxischer Effekte über Lipidperoxidation wurden thiobarbitursäurereaktive Substanzen gemessen; Verapamil erhöhte die Bildung und Freisetzung von Malondialdehyd und senkte Cholesterin- und Phospholipidgehalt der Spermienmembran deutlich. Die Autoren diskutieren das Potenzial solcher Calciumkanalblocker für die Entwicklung eines männlichen Kontrazeptivums, was den mechanistischen Charakter dieser reinen Laborstudie ohne klinischen Studienarm unterstreicht.
PMID 8091014 — Original auf PubMed →
Die Wirkung von Nifedipin, einem Calciumkanalblocker, auf die Funktionen menschlicher Spermatozoen (1993)
Kanwar U, Anand RJ, Sanyal SN — Contraception · Hormone & Medikamente
In-vitro-Laborstudie, methodisch eng verwandt mit der parallel publizierten Verapamil-Untersuchung derselben Arbeitsgruppe, zur Wirkung des Calciumkanalblockers Nifedipin (0,1–100 µM) auf humane Spermatozoen. Nifedipin hemmte die Calciumaufnahme signifikant nicht-kompetitiv und senkte die Aktivität der calciumabhängigen ATPase. Die Spermienmotilität wurde nach Inkubation bei 37 °C dosisabhängig zunehmend gehemmt, wobei sich das Bewegungsmuster innerhalb von zwei Stunden von schneller, linearer Progression zu langsamer, träger oder nicht-linearer Bewegung und schließlich zu nicht-progressiver Motilität bzw. Immotilität veränderte. Rasterelektronenmikroskopisch zeigten sich strukturelle Schäden an Kopf und Schwanz sowie Schwanz-Coiling. Die Malondialdehyd-Bildung als Marker der Lipidperoxidation stieg dosisabhängig, während Cholesterin- und Phospholipidgehalt der Spermienmembran abnahmen. Wie bei der Schwesterarbeit zu Verapamil diskutieren die Autoren das Potenzial von Nifedipin für ein männliches Kontrazeptivum. Als reine In-vitro-Studie ohne Patientendaten lässt sich daraus keine direkte klinische Aussage zur Fertilität von Männern unter blutdrucksenkender Nifedipin-Therapie ableiten.
PMID 8275695 — Original auf PubMed →
Hinweise auf eine abnehmende Spermienqualität in den vergangenen 50 Jahren (1992)
Carlsen E, Giwercman A, Keiding N, Skakkebaek NE — BMJ (Clinical research ed.) · Beruf & globale Trends
Vielzitierte systematische Literaturübersicht mit Metaanalyse-Charakter, die untersuchte, ob sich die Spermienqualität über 50 Jahre verändert hat. Eingeschlossen wurden 61 Publikationen aus den Jahren 1938 bis 1991 mit Daten von insgesamt 14.947 Männern ohne bekannte Unfruchtbarkeitsanamnese, identifiziert über Cumulated Index Medicus/Current List sowie MEDLINE. Mittels linearer Regression, gewichtet nach Fallzahl je Studie, zeigte sich ein signifikanter Rückgang der mittleren Spermienkonzentration von 113 Mio./ml im Jahr 1940 auf 66 Mio./ml im Jahr 1990 (p<0,0001) sowie ein Rückgang des mittleren Ejakulatvolumens von 3,40 ml auf 2,75 ml (p=0,027) – Letzteres deutet auf einen noch stärkeren Rückgang der Gesamtspermienproduktion hin, als es die Konzentration allein widerspiegelt. Die Autoren folgern auf einen echten Qualitätsverlust des Spermas über den untersuchten Zeitraum, der angesichts des parallelen Anstiegs genitourinärer Fehlbildungen (Hodenkrebs, möglicherweise Kryptorchismus und Hypospadie) auf zunehmende Umwelteinflüsse auf die männliche Gonadenfunktion hindeuten könnte. Die Studie prägte die bis heute andauernde Debatte um einen säkularen Trend der Spermienqualität.
PMID 1393072 — Original auf PubMed →
Spermaparameter und Diabetes mellitus: Bedeutung von Insulin bei männlicher Unfruchtbarkeit (1991)
García-Díez LC, Corrales Hernandez JJ, Hernandez-Diaz J, Pedraz MJ, Miralles JM — Archives of andrology · Grunderkrankungen & Infektionen
Querschnittsstudie mit 80 Männern, unterteilt in fertile Kontrollen, infertile normoglykämische Männer, Männer mit gestörter Kohlenhydrattoleranz sowie Männer mit exkretorischer bzw. sekretorischer Azoospermie, zur Untersuchung von Spermaqualität und Hormonprofil (FSH, LH, Prolaktin, Testosteron) bei Typ-1-Diabetes. Gemessen wurden Insulinkonzentrationen in Serum und Seminalplasma sowie die genannten Hormone. Bei Diabetikern waren Spermaparameter sowie Prolaktin- und Testosteronspiegel signifikant verändert. In allen Gruppen lag die Insulinkonzentration im Seminalplasma höher als im Serum, was auf einen aktiven Transport über die Blut-Hoden-Schranke mit Anreicherung im Ejakulat hindeutet. Die Insulinspiegel in Serum und Seminalplasma korrelierten jedoch nicht mit den Spermaparametern und eigneten sich daher nicht als Marker für die Samenqualität. Bei Männern mit gestörter Kohlenhydrattoleranz war die seminale Insulinkonzentration aus ungeklärten Gründen niedriger. Die Studie liefert frühe Hinweise, dass Typ-1-Diabetes über hormonelle Veränderungen die Spermaqualität beeinträchtigt, auch wenn Insulin selbst kein geeigneter Biomarker ist.
PMID 1903630 — Original auf PubMed →
Sitz der Unterwäsche und männliche Spermatogenese: eine Pilotuntersuchung (1990)
Sanger WG, Friman PC — Reproductive toxicology (Elmsford, N.Y.) · Hitze & Kälte
Experimentelle Einzelfall-Verlaufsstudie (N-of-1-Design) an nur 2 gesunden erwachsenen Männern Anfang 30, die im ABAB-Wechseldesign über ein Jahr abwechselnd enganliegende Bikini-Slips und locker sitzende Boxershorts trugen. Jede Bedingung dauerte 3 Monate und wurde zweimal wiederholt; die Ausgangsbedingung wurde randomisiert festgelegt, das Laborpersonal war gegenüber der jeweiligen Bedingung verblindet. Erfasst wurden vier Spermaparameter: Spermiendichte, Gesamtspermienzahl, Anzahl beweglicher Spermien und Anzahl beweglicher Spermien pro Stunde Abstinenz. Alle vier Parameter nahmen unter enger Unterwäsche graduell ab und stiegen unter lockerer Unterwäsche wieder an. Trotz der sehr kleinen Stichprobe und des vorläufigen Charakters stützen die Ergebnisse die verbreitete, bis dahin unbelegte Annahme, dass der Sitz der Männerunterwäsche über die Skrotaltemperatur die Spermienproduktion beeinflussen kann. Aufgrund des Designs mit nur 2 Probanden ist die Übertragbarkeit stark eingeschränkt, die Studie gilt aber als früher methodischer Beleg für den Hitzeeffekt enger Unterwäsche.
PMID 2136041 — Original auf PubMed →
Einfluss von Beruf und Lebensgewohnheiten auf die Spermaqualität (skrotale Isolation und Spermaqualität) (1988)
Laven JS, Haverkorn MJ, Bots RS — European journal of obstetrics, gynecology, and reproductive biology · Hitze & Kälte
Vergleichende klinische Studie mit 56 Männern aus Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch, eingeteilt anhand von Beruf und Schlafgewohnheiten in zwei Gruppen: Gruppe I (n=26) ohne Beeinträchtigung der normalen testikulären Thermoregulation tags oder nachts ('kühle Arbeiter/Schläfer') und Gruppe II (n=30) mit Hinweisen auf skrotale Wärmeisolation ('warme Arbeiter/Schläfer'). Verglichen wurde die Anzahl gut beweglicher Spermatozoen pro Ejakulat und pro Milliliter. In der 'kühlen' Gruppe war die Zahl gut beweglicher Spermien sowohl pro Ejakulat als auch pro ml signifikant höher als in der 'warmen' Gruppe (p<0,001). Die Autoren folgern, dass eine ausführliche Anamnese zu Beruf und Lebensgewohnheiten – insbesondere zu Faktoren, die die Skrotaltemperatur erhöhen – bei der Abklärung männlicher Unfruchtbarkeit wichtig ist, da chronische Erwärmung des Hodens die Spermienmotilität messbar verschlechtert.
PMID 3192034 — Original auf PubMed →
Serumhormone und Spermaparameter bei Männern mit Schilddrüsenerkrankungen (1987)
Buitrago JM, Diez LC — Andrologia · Grunderkrankungen & Infektionen
Kleine Fallserie mit 5 Männern mit unterschiedlichen Schilddrüsenerkrankungen (2 mit primärer Hypothyreose, 2 mit Morbus Basedow, 1 mit subakuter Thyreoiditis), bei denen Spermaparameter sowie die Serumspiegel von T3, T4, freiem T4, TSH, FSH, LH, Prolaktin und Testosteron bestimmt wurden. Die Autoren berichten, dass eine gestörte Schilddrüsenfunktion die Spermaqualität negativ beeinflusst, wobei der Effekt bei Hypothyreose ausgeprägter war als bei Hyperthyreose. Nach Behandlung der zugrunde liegenden Schilddrüsenerkrankung besserte sich die Samenqualität. Aufgrund der sehr geringen Fallzahl (n=5) und fehlender quantitativer Angaben zu den einzelnen Messwerten hat die Studie nur explorativen Charakter, liefert aber einen frühen Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Schilddrüsenstatus und männlicher Fertilität sowie auf die potenzielle Reversibilität durch adäquate endokrinologische Behandlung.
PMID 2446532 — Original auf PubMed →
Wirkung von Naproxen auf die Prostaglandin-Konzentration im menschlichen Seminalplasma (1985)
Bendvold E, Gottlieb C, Svanborg K, Bygdeman M, Eneroth P, Cai QH — Fertility and sterility · Hormone & Medikamente
Kleine Interventionsstudie an 6 gesunden Freiwilligen, die über 2 Wochen dreimal täglich 250 mg des nichtsteroidalen Antirheumatikums (NSAR) Naproxen einnahmen. Samenproben wurden vor, während und nach der Medikationsphase auf ihren Gehalt an Prostaglandinen (PGE, PGF, 19-Hydroxy-PGE, 19-Hydroxy-PGF) untersucht. Unter Naproxen sanken die Konzentrationen aller genannten Prostaglandine signifikant und normalisierten sich etwa eine Woche nach Absetzen der Medikation nahezu wieder. Innerhalb der vier 19-Hydroxy-PGF-Verbindungen verschob sich zudem das Verhältnis: Der Anteil von 8-alpha-19-Hydroxy-PGF2-alpha stieg, der von 8-beta-19-Hydroxy-PGF1-alpha sank signifikant während der Behandlung. Auf Spermiendichte oder -motilität hatte die Naproxen-Einnahme keinen nachweisbaren Einfluss. Die Studie zeigt, dass der Prostaglandinsynthese-Hemmer Naproxen die Zusammensetzung des Seminalplasmas deutlich verändert, ohne dass sich daraus in dieser kleinen Stichprobe unmittelbare Effekte auf klassische Spermaparameter ableiten ließen; mögliche Fertilitätsauswirkungen bleiben Gegenstand der Diskussion.
PMID 3838947 — Original auf PubMed →
Wirkung von Sulfasalazin auf männliche Fertilität und seminale Prostaglandine (1984)
Cosentino MJ, Chey WY, Takihara H, Cockett AT — The Journal of urology · Hormone & Medikamente
Kontrollierte Vergleichsstudie mit 10 Männern mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, die seit mindestens 5 Jahren mit Sulfasalazin behandelt wurden, im Vergleich zu 19 Kontrollpersonen. Untersucht wurden Ejakulatvolumen, Spermienzahl und -konzentration, Motilitätsindex, Vitalität, pH-Wert, Zinkkonzentration, Prostaglandine E und F2-alpha, Prolaktin sowie sieben Morphologieklassen der Spermien; ergänzend wurden die Plasmaspiegel von FSH, LH, Testosteron und Prolaktin bestimmt. Die Sulfasalazin-Therapie war mit einer reduzierten Spermaqualität assoziiert, wobei sich dieser Effekt nach Absetzen der Medikation als reversibel erwies. Die Verschlechterung der Spermaqualität stand dabei nicht im Zusammenhang mit den gemessenen seminalen Prostaglandinkonzentrationen, sodass ein anderer Wirkmechanismus als eine reine Prostaglandin-Beeinflussung vermutet wird. Die Studie liefert einen frühen klinischen Beleg dafür, dass das häufig bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn eingesetzte Sulfasalazin die männliche Fertilität reversibel beeinträchtigen kann, was bei der Beratung betroffener Patienten mit Kinderwunsch relevant ist.
PMID 6147421 — Original auf PubMed →
Calciumionen als Schlüsselregulator der menschlichen Spermienfunktion (1984)
Hong CY, Chiang BN, Turner P — Lancet (London, England) · Genetik & Anatomie
Kurzer narrativer Übersichtsbeitrag ohne eigenes Studiendesign mit Stichprobe zur Rolle von Calciumionen in der Physiologie menschlicher Spermien. Beschrieben wird ein scheinbar paradoxer, kontextabhängiger Effekt: Im Nebenhoden stimulieren Calciumionen unreife Spermien, während sie im ejakulierten Sperma die Motilität hemmen; Reifungsprozesse verändern demnach die Calcium-Antwort der Spermien. Männliche Nebendrüsen sezernieren calciumbindende Substanzen und Calciumtransport-Hemmer, die während der Ejakulation mit dem Sperma vermischt werden und im weiblichen Genitaltrakt während der Kapazitation wieder entfernt werden, wodurch die Spermien ihre volle Befruchtungsfähigkeit erlangen. Abschließend lösen Calciumionen die Akrosomreaktion aus und ermöglichen so die Penetration der Eizelle. Die Arbeit fasst den damaligen physiologischen Kenntnisstand zur calciumabhängigen Reifung, Kapazitation und Akrosomreaktion von Spermien zusammen und liefert die konzeptionelle Grundlage für spätere Studien zu Calciumkanalblockern und deren Auswirkungen auf die männliche Fertilität.
PMID 6151055 — Original auf PubMed →
Skrotale Hypothermie beim unfruchtbaren Mann (1984)
Mulcahy JJ — The Journal of urology · Hitze & Kälte
Unkontrollierte Interventionsstudie (Fallserie) mit 50 Männern mit Oligospermie oder verminderter Spermienmotilität, die nachts mittels Eispackungen, gehalten durch eng anliegende Unterhosen, eine skrotale Kühlung erhielten. Verglichen wurden Spermiendichte und -motilität vor und nach der Behandlung. Bei 65 % der Patienten zeigte sich mindestens eine Verdopplung der Spermiendichte sowie eine vergleichbare Zunahme der Motilität. Der Behandlungserfolg war unabhängig davon, ob gleichzeitig eine Varikozele vorlag, gleich häufig. Die Autoren werten dies als weiteren Beleg für den schädlichen Einfluss erhöhter Hodentemperatur auf die Spermatogenese und schlagen die nächtliche Skrotalkühlung als einfache, nicht-invasive Behandlungsoption bei entsprechend betroffenen Männern vor. Limitierend sind das Fehlen einer Kontrollgruppe und einer Verblindung sowie die fehlende Erfassung tatsächlicher Schwangerschaftsraten; dennoch ist die Studie ein häufig zitierter früher Beleg für den Hitzeeffekt auf die Spermienproduktion.
PMID 6471178 — Original auf PubMed →
Erholung der Spermatogenese nach Behandlung des Morbus Hodgkin: begrenzende Dosis der MOPP-Chemotherapie (1984)
da Cunha MF, Meistrich ML, Fuller LM, Cundiff JH, Hagemeister FB, Velasquez WS, McLaughlin P, Riggs SA, Cabanillas FF, Salvador PG — Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology · Hormone & Medikamente
Retrospektive Kohortenstudie an 25 Patienten mit Morbus Hodgkin, die mit dem Chemotherapieschema MOPP (Mechlorethamin, Vincristin, Procarbazin, Prednison) behandelt wurden; nahezu alle erhielten zusätzlich eine Radiotherapie im Becken- und/oder anderen Feldern. Verglichen wurde die Erholung der Spermienproduktion zwischen Patienten mit 3 oder weniger Chemotherapiezyklen (MOPP-2-Gruppe) und solchen mit 5 oder mehr Zyklen (MOPP-6-Gruppe) nach zuvor eingetretener Azoospermie. Die Erholung der Spermatogenese war in der MOPP-2-Gruppe signifikant höher (Mann-Whitney-U-Test, p=0,001); innerhalb dieser Gruppe zeigten Patienten ohne Beckenbestrahlung tendenziell noch höhere Erholungsraten (p=0,06). Die Autoren schließen, dass drei MOPP-Zyklen die maximale Chemotherapie-Exposition darstellen, die noch mit einer Erholung der Spermatogenese vereinbar ist. Die Studie liefert klinisch relevante Dosis-Wirkungs-Daten zur Gonadotoxizität der MOPP-Chemotherapie und unterstreicht die Bedeutung einer möglichst kurzen Behandlungsdauer bzw. der Spermakonservierung vor Therapiebeginn.
PMID 6547167 — Original auf PubMed →
Jahreszeitliche Muster der menschlichen Spermienproduktion und Spermaqualität (1983)
Mortimer D, Templeton AA, Lenton EA, Coleman RA — Archives of andrology · Sonne & Klima
Retrospektive Auswertung von Routine-Spermiogrammen aller Ehemänner von Paaren (ohne Azoospermie-Fälle), die zwischen 1975 und 1979 an einer Kinderwunschklinik vorstellig wurden. Aus den Daten wurden monatliche Mittelwerte für Ejakulatvolumen, Spermiendichte, Gesamtspermienzahl sowie die Anteile progressiv beweglicher, vitaler und morphologisch normaler Spermien berechnet, um jahreszeitliche Schwankungen zu untersuchen. Für keinen der untersuchten Parameter fanden sich signifikante saisonale Schwankungen. Im Vergleich mit anderen publizierten Studien zeigte sich jedoch ein Trend zu erhöhter Spermienproduktion in den späten Winter- und frühen Frühlingsmonaten. Die Studie liefert damit gemischte Evidenz zur Frage jahreszeitlicher Effekte auf die männliche Fertilität: Die eigenen Daten zeigen keine statistisch signifikanten saisonalen Unterschiede, während der Vergleich mit der Literatur einen möglichen, wenn auch schwachen saisonalen Trend nahelegt, der studienübergreifend nicht einheitlich bestätigt werden konnte.
PMID 6847301 — Original auf PubMed →
Pränatale Exposition gegenüber Diethylstilbestrol: nachteilige Effekte auf Reproduktionstrakt und Fortpflanzungsleistung bei männlichen und weiblichen Nachkommen (1982)
Stillman RJ — American journal of obstetrics and gynecology · Endokrine Disruptoren
Narrativer Übersichtsartikel zu den Folgen einer pränatalen Exposition gegenüber dem synthetischen Östrogen Diethylstilbestrol (DES), das früher in der Schwangerschaft verabreicht wurde. Bei männlichen Nachkommen werden Nebenhodenzysten, Mikrophallus, Kryptorchismus und testikuläre Hypoplasie beschrieben, bei weiblichen Nachkommen Adenose, klarzelliges Adenokarzinom sowie strukturelle Fehlbildungen von Zervix, Vagina, Uterus und Eileitern. Mit Erreichen des reproduktiven Alters dieser Kohorten wurden zudem – teils kontrovers diskutierte – Menstruationsstörungen und Unfruchtbarkeit berichtet, gesicherter dagegen erhöhte Raten an Spontanaborten, Eileiterschwangerschaften, Frühgeburten und perinatalen Todesfällen. Bei Männern wird eine eingeschränkte Reproduktionsfähigkeit durch verschlechterte Spermiogramme und Spermien-Penetrationstests nahegelegt, häufig korrelierend mit anatomischen DES-assoziierten Fehlbildungen. Die Arbeit ordnet DES als frühes Beispiel eines transplazentar wirkenden endokrinen Disruptors ein, dessen Folgen sich über Generationen und multiple Organsysteme erstrecken; sie basiert auf der Zusammenschau vorliegender Fallserien und Kohortenstudien, nicht auf eigenen neuen Primärdaten.
PMID 6121486 — Original auf PubMed →
Auswirkungen von Morbus Hodgkin und Kombinationschemotherapie auf die Gonadenfunktion des erwachsenen Mannes (1982)
Whitehead E, Shalet SM, Blackledge G, Todd I, Crowther D, Beardwell CG — Cancer · Hormone & Medikamente
Kohortenstudie an 92 Männern mit Morbus Hodgkin zur Untersuchung der Gonadenfunktion vor und nach Chemotherapie. Von 19 vor Chemotherapiebeginn untersuchten Männern hatten 15 eine Spermienkonzentration ≥20 Mio./ml bei mindestens 40 % Motilität. Bei den übrigen 74 Männern wurde die Gonadenfunktion 6 Monate bis 8 Jahre nach Abschluss der Therapie untersucht; von 49 Männern mit mindestens 6 Zyklen des MVPP-Schemas waren 42 azoosperm, weitere 5 von 7 hatten eine Spermienzahl unter 1 Mio./ml. Libido- und Aktivitätseinbußen während der Therapie normalisierten sich bei den meisten Patienten danach wieder. FSH und LH sowie deren Anstieg nach LHRH-Gabe waren signifikant erhöht, Testosteron signifikant erniedrigt gegenüber Kontrollen, was auf eine Leydigzell-Schädigung hindeutet, ohne dass eine Testosteronsubstitution nötig war. Die Autoren betonen, dass eine Spermakonservierung vor Therapiebeginn angesichts der sehr hohen Rate dauerhafter Infertilität nach MVPP-Chemotherapie die wesentliche Option zum Fertilitätserhalt darstellt.
PMID 7059904 — Original auf PubMed →
Gonadenmorphologie bei Patienten unter Chemotherapie wegen Leukämie: Hinweise auf Reproduktionspotenzial und gegen ein testikuläres Tumor-Sanktuarium (1982)
Kuhajda FP, Haupt HM, Moore GW, Hutchins GM — The American journal of medicine · Hormone & Medikamente
Retrospektive Autopsiestudie zum Vergleich der Gonadenhistologie von 183 chemotherapeutisch behandelten Leukämiepatienten mit 183 alters- und geschlechtsgleichen Kontrollpersonen. Bei den 103 männlichen Leukämiepatienten zeigten sich im Vergleich zu Kontrollen signifikant reduzierte spermatogene Aktivität, ein verringerter tubulärer Fertilitätsindex sowie eine vermehrte interstitielle Fibrose (p<0,001); bei den 80 Frauen fand sich eine deutliche Reduktion der Sekundärfollikel (p<0,001). Diese Veränderungen zeigten keine Häufung nach Reifegrad oder Leukämiediagnose und korrelierten nicht mit Chemotherapieart oder Zeitabstand zur letzten Dosis. Trotz der ausgeprägten pathologischen Veränderungen fand sich histologisch bei 65 % der Männer noch ein tubulärer Fertilitätsindex über null und bei 81 % der prämenopausalen Frauen intakte Primärfollikel; eine testikuläre Leukämie-Infiltration lag bei 25 % der Männer vor, stets kombiniert mit Leukämieherden andernorts. Die Studie liefert histologische Evidenz für ein potenziell erhaltenes Reproduktionspotenzial trotz Chemotherapie und spricht gegen die Hodenhypothese eines leukämischen Tumor-Sanktuariums.
PMID 7081273 — Original auf PubMed →
Chronische skrotale Hypothermie als Behandlung schlechter Spermaqualität (1980)
Zorgniotti AW, Sealfon AI, Toth A — Lancet (London, England) · Hitze & Kälte
Kleine unkontrollierte Interventionsstudie (Fallserie) mit 6 Männern aus unfruchtbaren Ehen mit schlechter Spermaqualität und erhöhter Hodentemperatur. Die Probanden trugen eine experimentelle, auf Verdunstungskühlung basierende Vorrichtung zur Senkung der Hodentemperatur, teils bis zu 24 Stunden täglich über bis zu 20 Wochen. Bei 3 der 6 Männer kam es während der Behandlung zur Schwangerschaft der Partnerin, wobei die Spermaanalyse zum Zeitpunkt der ausgebliebenen Menstruation bei allen dreien eine Verbesserung zeigte. Bei den 2 Männern ohne eingetretene Schwangerschaft zeigten sich nach 12 Wochen ebenfalls Verbesserungen der Spermaqualität. Da keine andere Einflussgröße als die Hypothermie erkennbar war, sehen die Autoren dies als Bestätigung der Theorie, dass eine erhöhte Hodentemperatur zur männlichen Unfruchtbarkeit beiträgt, und schlagen skrotale Kühlung als mögliche Behandlungsoption bei Varikozele, erfolgloser Varikozelenoperation und idiopathischer Infertilität mit erhöhter intraskrotaler Temperatur vor.
PMID 6103260 — Original auf PubMed →
Ureaplasma urealyticum und männliche Unfruchtbarkeit: Effekt einer Antibiotikatherapie auf die Spermienqualität (1979)
Swenson CE, Toth A, O'Leary WM — Fertility and sterility · Grunderkrankungen & Infektionen
Klinische Vergleichsstudie an einer Kinderwunsch-Ambulanz zur Frage, ob die antibiotische Behandlung einer genitalen Infektion mit Ureaplasma urealyticum die Spermienqualität verbessert. Bei 64 Männern wurde die Samenqualität vor und nach erfolgreicher Erregereradikation verglichen; als Kontrollen dienten 9 Männer mit erfolglos behandelter Infektion, 11 unbehandelte Männer mit negativer Kultur sowie 11 Männer mit negativer Kultur, die dennoch empirisch Antibiotika erhielten. In der erfolgreich behandelten Gruppe zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Spermienmotilität, sowohl der Vorwärtsbeweglichkeit als auch des Anteils beweglicher Spermien; in keiner der übrigen Gruppen trat eine vergleichbare Besserung auf. Zudem korrelierte die verbesserte Motilität mit einem Rückgang bestimmter abnormaler zytologischer Merkmale des Ejakulats, die mit der Ureaplasma-Infektion assoziiert waren. Die 1979 publizierte Arbeit gehört zu den frühen Hinweisen darauf, dass genitale Ureaplasmen-Infektionen die Samenqualität beeinträchtigen können und eine gezielte antibiotische Behandlung diese reversibel verbessert; die Fallzahlen sind klein, eine Randomisierung wird nicht beschrieben.
PMID 446791 — Original auf PubMed →
Hodenfunktion nach kombinierter Chemotherapie bei Morbus Hodgkin (1976)
Asbjornsen G, Molne K, Klepp O, Aakvaag A — Scandinavian journal of haematology · Hormone & Medikamente
Kleine klinische Fallserie zur Auswirkung einer Kombinationschemotherapie auf die Hodenfunktion bei 8 Männern mit Morbus Hodgkin. Alle Patienten erhielten mindestens 6 Zyklen eines Schemas aus einem Alkylans (Mechlorethamin oder Cyclophosphamid), einem Vinca-Alkaloid (Vinblastin oder Vincristin), Procarbazin und Prednison; die Fertilität wurde anhand von Spermiogrammen und Hormonbestimmungen erfasst. Bei der Untersuchung 12 bis 29 Monate nach Therapieende zeigten 7 der 8 Patienten eine Azoospermie; bei einem Patienten besserte sich die Samenqualität allmählich, mit einer Spermienkonzentration von 5 Mio./ml nach 21 Monaten. Das follikelstimulierende Hormon (FSH) war bei allen außer einem – trotz Azoospermie normwertigen – Patienten erhöht, während Testosteron und LH überwiegend im Normbereich lagen. Die Autoren schließen auf eine schwere, oft lang anhaltende Schädigung des Keimepithels durch dieses Chemotherapieschema, wobei eine partielle Erholung der Spermatogenese nach längerer Remission möglich bleibt. Die Studie ist eine der frühen Arbeiten zur Gonadotoxizität klassischer Hodgkin-Chemotherapien.
PMID 1251141 — Original auf PubMed →