Gesamtstudie aus 12 Sprachräumen · aufgebaut wie ein Buch

Gonorrhö, Syphilis, Trichomonaden, Mpox, Zika, Ebola und andere Infektionen des Genitaltrakts und die Samenqualität

Kurzantwort: Für Chlamydien, Ureaplasmen, HPV und Hepatitis B zeigen Metaanalysen im Mittel eine Verbindung mit schlechterer Samenqualität, doch alle Daten sind beobachtend und stark uneinheitlich. Für Gonorrhö, Syphilis, Trichomonaden, Mpox, Zika und Ebola ist die Datenlage dünn oder fehlt beim Menschen ganz. Ein ursächlicher Beleg liegt für keinen Erreger vor, die Gewissheit ist insgesamt niedrig bis mäßig.
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Kurzfassung

Diese Studie prüft, was die Fachliteratur über Infektionen des männlichen Genitaltrakts und die Samenqualität belegt. Im Mittelpunkt stehen Gonorrhö, Syphilis, Trichomonaden, Mpox, Zika und Ebola. Als Vergleichsrahmen dienen Chlamydien, Mykoplasmen, Ureaplasmen, humane Papillomviren (HPV), Hepatitis B, Herpesviren, HIV und weitere Erreger. Sie sind weit besser untersucht und werden in Leitlinien gemeinsam mit den klassischen Geschlechtskrankheiten behandelt. Ausgewertet wurden 383 Quellen aus den Jahren 1957 bis 2026. Gesucht wurde in zwölf Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. Gelesen wurden überwiegend Abstracts, Volltexte nur in wenigen Fällen.

Das Hauptergebnis ist eine sehr ungleiche Verteilung des Wissens. Für Ureaplasmen, Mycoplasma genitalium, Mycoplasma hominis, Chlamydia trachomatis, HPV und Hepatitis B liegen Metaanalysen vor. Sie zeigen im Mittel eine Verbindung mit schlechterer Samenqualität oder höherer Infertilitätshäufigkeit. Für Chlamydien beträgt die Odds Ratio 2,28 (95-%-Konfidenzintervall 1,90 bis 2,72; 56 Artikel) [s122] beziehungsweise 3,68 (2,24 bis 6,02; 26 Fall-Kontroll-Studien) [s05]. Für HPV im Sperma liegt sie bei 2,93 (2,03 bis 4,24) [s247] und 3,02 (2,11 bis 4,32) [s233]. Eine Metaanalyse aller Urogenitalinfektionen, in die 35 Studien eingingen, fand eine um 6,65 Millionen pro Milliliter niedrigere Spermienkonzentration und eine um 5,93 Prozentpunkte niedrigere progressive Beweglichkeit [s06]. Alle diese Ergebnisse stammen aus Beobachtungsstudien, meist aus Kinderwunschzentren, mit hoher Heterogenität (I² bis 97,77 %). Sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen. Neuere, für Störgrößen angepasste Kohorten fanden bei Ureaplasma in den üblichen Spermienwerten teils keine Unterschiede [s102, s64, s09].

Für die sechs im Titel genannten Erreger ist die Datenlage deutlich dünner. Zu Gonorrhö gibt es keine moderne Studie, die Gonokokken allein mit dem Spermiogramm verknüpft. Die einzige gezielte Vergleichsstudie von 1982 mit 30 Männern fand keinen Unterschied bei Spermienzahl, Beweglichkeit und Morphologie [s377]. Zu Syphilis gibt es keine Humanstudie mit Spermiogramm, nur Fallberichte zur Hodenentzündung, einen Fallbericht zum Erregernachweis im Sperma und einen Kaninchenversuch. Bei Trichomonaden sind die Laborbefunde einheitlich, Daten am Menschen aber spärlich und überwiegend ohne Kontrollgruppe. Mpox und Ebola sind als Frage der Virusausscheidung im Sperma gut belegt: Bei 75,4 % von 220 Ebola-Überlebenden war die Virus-RNA 180 Tage nach der Entlassung noch im Sperma nachweisbar [s181], und bei Mpox lag die mediane Zeit bis zur Elimination der Virus-DNA im Sperma bei 13 Tagen [s133]. Spermiogramme beim Menschen fehlen für beide Viren. Für Zika existiert eine einzige kleine Humanstudie mit Spermiogramm, in der nur drei symptomatische Männer Samenproben abgaben [s183]. Dazu kommen zahlreiche Tierversuche mit Hodenschäden.

Gemeinsames Merkmal vieler Befunde ist die Entzündung im Ejakulat, die Leukozytospermie. Sie fand sich bei 11,4 % von 9.345 Männern einer andrologischen Ambulanz und ging mit niedrigerer Samenqualität einher [s13]. Welcher Erreger sie auslöst und ob sie Ursache oder Folge ist, bleibt offen. Behandlungsstudien sind überwiegend Vorher-nachher-Vergleiche ohne Kontrollgruppe und tragen deshalb keine Aussage über eine Wirkung. Diese Studie spricht keine Therapieempfehlung aus.

Die wichtigsten Grenzen: Die Auswahl der Männer ist verzerrt, weil fast alle Studien aus Kinderwunschzentren stammen. Erregernachweis, Grenzwerte und Kontrollgruppen sind uneinheitlich. Die Literatur kommt zu einem großen Teil aus China. Abstracts lassen Adjustierung und Methodik oft offen, und mehrere Quellen enthalten erkennbare Unstimmigkeiten, die im Text benannt werden.

Stand 4. Oktober 2026

Inhaltsverzeichnis

Die Studie ist in 25 Kapitel gegliedert, jedes mit eigener Seite. Der Text ist derselbe wie in der Markdown-Fassung, nur nach Kapiteln getrennt.

Mit Kapitel 1 beginnen: Das Wichtigste in Kürze

  1. 1Das Wichtigste in Kürze1.199 Wörter
  2. 2Aufbau und Methodik dieser Studie1.093 Wörter
  3. 3Hintergrund2.196 Wörter
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
    1. 4Vorbemerkung: was dieses Kapitel umfasst und wie es zu lesen ist bis Chronische Prostatitis, Leukozytospermie und Bakteriospermie5.653 Wörter
    2. 5Mpox, Zika, Ebola, Marburg und Dengue: Übersichten bis Zusammenschau der Metaanalysen und Übersichten2.468 Wörter
  5. Studienlage: Beobachtungsstudien
    1. 6Lesehilfe: Fragestellungen, Vergleichsgruppen und typische Schwächen bis Trichomonaden (Trichomonas vaginalis)5.059 Wörter
    2. 7Chlamydia trachomatis3.490 Wörter
    3. 8Mykoplasmen und Ureaplasmen bis Hepatitis B5.711 Wörter
    4. 9HIV und Antiretrovirale Therapie bis Wo sich Studien zu demselben Erreger widersprechen, und mögliche Erklärungen5.837 Wörter
    5. 10Grenzen der Beobachtungsliteratur und Lücken382 Wörter
  6. Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche
    1. 11Übergreifende Übersichten und Metaanalysen bis Zika5.600 Wörter
    2. 12Ebola (und Marburg) bis Bakteriospermie, Leukozytospermie, Prostatitis und Samenmikrobiom5.874 Wörter
    3. 13Leitlinien627 Wörter
  7. 14Mechanismen und biologische Plausibilität1.920 Wörter
  8. 15Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität2.675 Wörter
  9. Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt
    1. 16Englisch bis Koreanisch5.814 Wörter
    2. 17Russisch bis Türkisch2.804 Wörter
  10. 18Widersprüche und ihre mögliche Erklärung5.623 Wörter
  11. 19Limitationen der Evidenz1.574 Wörter
  12. 20Offene Forschungsfragen685 Wörter
  13. 21Praktische Einordnung1.127 Wörter
  14. 22Glossar736 Wörter
  15. 23Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)5.205 Wörter
  16. 24Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)5.198 Wörter
  17. 25Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)5.157 Wörter

Anhang

  1. +Diagramme44 Diagramme
  2. +Quellen s01–s197197 von 383 Quellen
  3. +Quellen s198–s383186 von 383 Quellen
  4. +Prüfprotokoll der Quellenkontrolle

Häufige Fragen

Beeinträchtigen Geschlechtskrankheiten die Spermienqualität?

In der Literatur hängen Infektionen des Genitaltrakts und schlechtere Samenwerte im Mittel zusammen. Eine Metaanalyse über Urogenitalinfektionen fand eine um 6,65 Millionen pro Milliliter niedrigere Konzentration. Die Daten sind beobachtend, stark uneinheitlich und stammen meist aus Kinderwunschzentren. Ein ursächlicher Beleg fehlt, die Gewissheit dafür ist niedrig.

Verschlechtert Gonorrhö das Spermiogramm?

Das ist kaum untersucht. Die einzige gezielte Vergleichsstudie von 1982 fand bei 30 Männern mit symptomloser Gonorrhö keinen Unterschied bei Spermienzahl, Beweglichkeit und Form. Eine moderne Studie, die Gonokokken allein mit dem Spermiogramm verknüpft, gibt es nicht. Eine Nebenhodenentzündung kann dagegen vorübergehend Zahl und Beweglichkeit mindern. Die Gewissheit ist sehr niedrig.

Was weiß man über Syphilis und Spermien?

Beim Menschen gibt es keine Studie mit Spermiogramm. Vorhanden sind Fallberichte zur syphilitischen Hodenentzündung, die wie ein Hodentumor wirken kann, ein Fallbericht mit Erregernachweis im Sperma und ein Kaninchenversuch mit Hodenschäden nach direkter Injektion. Daraus lässt sich für die Samenqualität des Menschen nichts ableiten.

Schaden Trichomonaden den Spermien?

Im Labor senkten Sekretionsprodukte von Trichomonaden Beweglichkeit und Überleben von Spermien. Beim Menschen sind die Daten spärlich und meist ohne Kontrollgruppe. Der Nachweis bei infertilen Männern schwankt je nach Auswahl und Methode zwischen 0 und 90 Prozent. Eine russische Serie fand bei 62 Prozent von 52 Männern ein auffälliges Spermiogramm, ohne gesunde Vergleichsgruppe.

Verändern Mpox oder Zika die Samenqualität?

Bei Mpox liegen keine Humandaten zur Samenqualität vor, gut belegt ist nur der Virusnachweis im Sperma. Bei Zika gibt es eine einzige kleine Studie mit Spermiogramm, in der nur drei symptomatische Männer eine Probe abgaben. Sie fand niedrigere Konzentration und Beweglichkeit. Tierversuche zeigten teils Hodenschäden, teils keine Wirkung auf die Beweglichkeit.

Wie lange ist Virus-Erbgut nach Mpox oder Ebola im Sperma nachweisbar?

Bei Mpox betrug die mediane Zeit bis zum Verschwinden der Virus-DNA im Sperma 13 Tage, bei 90 Prozent der Fälle 39 Tage. Bei Ebola war die Virus-RNA in Sierra Leone 180 Tage nach der Entlassung noch bei 75,4 Prozent von 220 Überlebenden nachweisbar. Ein Nachweis von Erbgut bedeutet nicht, dass das Virus infektiös ist.

Sind Chlamydien, Ureaplasmen oder HPV besser untersucht?

Ja. Für Chlamydien, Ureaplasmen, Mykoplasmen, HPV und Hepatitis B liegen Metaanalysen vor, etwa mit einer Odds Ratio von 2,28 für Infertilität bei Chlamydien. Neuere, angepasste Kohorten fanden bei Ureaplasma teils keine Unterschiede in den üblichen Spermienwerten. Die Ergebnisse sind uneinheitlich und beweisen keine Ursache.

Warum ist die Studienlage so unsicher?

Fast alle Studien kommen aus Kinderwunschzentren, was die Auswahl der Männer verzerrt. Erregernachweis, Grenzwerte und Kontrollgruppen sind uneinheitlich, ein großer Teil der Literatur stammt aus China. Behandlungsstudien sind überwiegend Vorher-nachher-Vergleiche ohne Kontrollgruppe. Ob eine Infektion Messwerte oder die Fruchtbarkeit eines Paares verändert, ist zudem nicht dasselbe.

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