TNF-Blocker (Infliximab, Etanercept, Adalimumab, Golimumab)
Alle prospektiven Studien am Menschen sind klein (10 bis 50 Männer). Sie finden überwiegend unveränderte oder verbesserte Samenparameter unter TNF-Blockern gegenüber dem Zustand vor der Therapie. Dieser Befund erklärt sich zwanglos durch die Entzündungshemmung (die Krankheitsaktivität sinkt), ist aber damit nicht bewiesen. Eine Studie zeigte unter Infliximab vorübergehend schlechtere Beweglichkeit.
Villiger et al. 2010 (Schweiz; Annals of the Rheumatic Diseases) [s248]. Samenproben von 26 Patienten mit Spondyloarthritis (WHO 1999), mit und ohne TNF-Blocker (Infliximab, Etanercept oder Adalimumab), verglichen mit 102 gesunden Freiwilligen. Spermienauffälligkeiten fanden sich bei 10 von 11 Patienten ohne Anti-TNF-Therapie. Deren Beweglichkeit (p = 0,001) und Vitalität (p = 0,001) waren signifikant schlechter als bei 15 Patienten unter langjähriger Anti-TNF-Therapie; Konzentration und Morphologie waren ähnlich. Zwischen gesunden Kontrollen und behandelten Patienten bestand kein signifikanter Unterschied; Spermienauffälligkeiten fanden sich auch bei den 102 Gesunden. Die Autoren schließen, Samenauffälligkeiten seien bei gesunden Männern häufig, bei aktiver Spondyloarthritis aber ausgeprägter, und die Samenqualität bei inaktiver Erkrankung unter Langzeit-TNF-Hemmung sei mit der Gesunder vergleichbar. Stärken: gesunde Kontrollen, Unterscheidung nach Therapie. Schwächen: Vergleich verschiedener Personen (nicht derselben vor und nach Therapie), kleine Gruppen von 11 und 15, die Therapie ist nicht zufällig zugeteilt, unter Behandelten ist die Krankheit inaktiv (wer behandelt ist, hat meist weniger Aktivität, sodass TNF-Blocker und Aktivität nicht getrennt sind).
Ramonda et al. 2014 (Italien; Fertility and Sterility) [s225]. Prospektive Fall-Kontroll-Studie: 10 ambulante Patienten mit Spondyloarthritis und 20 gesunde Kontrollen aus einem Programm zur Unfruchtbarkeitsvorbeugung; Untersuchung bei Beginn und nach zwölf Monaten Anti-TNF-Therapie (Samenanalyse, Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung für die Chromosomen X, Y, 13, 18 und 21, FSH, LH, Testosteron, Hodenultraschall mit Farbdoppler). Bei Beginn zeigten die Patienten verminderte Beweglichkeit, höheres LH und FSH und niedrigeres Testosteron als die Kontrollen, mit signifikanter Korrelation zwischen Krankheitsaktivität und Samenqualität. Nach der Behandlung fanden sich eine statistisch signifikante Abnahme der Spermien-Aneuploidien und normale Hormonwerte. Die Autoren schließen, die Entzündung scheine mit gestörter Hodenfunktion zusammenzuhängen, und Anti-TNF-Mittel schienen für Hodenfunktion und Fruchtbarkeit sicher. Stärken: Messung vor und nach einem Jahr, Chromosomentest der Spermien, Hormone, Ultraschall. Schwächen: zehn Patienten, Kontrollen aus einem anderen Umfeld, keine Zahlenwerte und Intervalle im Abstract.
Micu et al. 2014 (Rheumatology) [s221]. 23 Patienten mit aktiver Spondylitis ankylosans und 42 Kontrollen; Samenproben bei Beginn (nur bei 20 Patienten) und 3 bis 6 Monate nach Beginn der TNF-Blocker-Therapie (Adalimumab, Infliximab, Etanercept), sechs Patienten nach 12 Monaten erneut; jeder Patient diente als eigener Vergleich, daneben altersgleiche Kontrollen (WHO 1999). Zu Beginn zeigte sich bei 91 Prozent Normozoospermie und bei 9 Prozent Oligozoospermie; im Verlauf gab es keine signifikanten Änderungen. Im Vergleich mit den Kontrollen gab es keine signifikanten Unterschiede, mit Ausnahmen: Die Kontrollgruppe hatte einen höheren Anteil unbeweglicher und nicht progressiv beweglicher Spermien und mehr Kopf- und Flagellum-Anomalien. Die Autoren schließen, die Krankheit habe keinen großen Einfluss auf die Samenqualität und die TNF-Hemmung auch bei Langzeitbehandlung keinen negativen. Stärken: eigener Vergleich, Kontrollen, auch Langzeitdaten bei sechs Patienten. Schwächen: Ausgangsproben nur von 20 Patienten; kein einziger Wert und kein Intervall im Abstract; die Kontrollgruppe war in manchen Maßen schlechter, was die Aussagekraft des Vergleichs mindert.
Nukumizu et al. 2012 (Brasilien; Scandinavian Journal of Rheumatology) [s239] und Almeida et al. 2013 (Clinical Rheumatology) [s231]. Beide Arbeiten stützen sich auf 20 Patienten mit Spondylitis ankylosans und 24 gesunde Männer, ohne Sulfasalazin oder Methotrexat zum Zeitpunkt der Aufnahme und ohne frühere Gabe von Biologika oder zytotoxischen Mitteln (vermutlich dieselbe Kohorte, die Abstracts sagen es nicht ausdrücklich). Nukumizu: Die Demographie war ähnlich; eine Varikozele fand sich bei 40 gegenüber 8 Prozent der Kontrollen (p = 0,027); die Samenqualität unterschied sich nicht signifikant (p größer als 0,05); der Median der normal geformten Spermien war bei Patienten mit Varikozele signifikant niedriger als bei Patienten ohne (13,5 [Spanne 2 bis 27] gegen 22 [10 bis 32,5] Prozent; p = 0,049), ohne Unterschied der Morphologie zwischen Patienten und Kontrollen ohne Varikozele (p = 0,670). Anti-Spermien-Antikörper, Hormone, Entzündungsmarker und Krankheitsaktivität erklärten die schlechtere Morphologie bei Varikozele nicht. Almeida: Inhibin B war zu Beginn bei Patienten und Kontrollen vergleichbar (Median 68 gegen 112,9 pg/ml; p = 0,111; FSH 3,45 gegen 3,65 IE/l; p = 0,795); bei 10 Patienten unter Anti-TNF-Therapie blieb es nach sechs Monaten stabil (116,5 gegen 126,5 pg/ml; p = 0,431) bei einem signifikanten Abfall des C-reaktiven Proteins (27,8 auf 2,27 mg/l; p = 0,039); Beweglichkeit und Konzentration blieben bei den vier Patienten mit Wiederholungsuntersuchung erhalten. Die Autoren sehen eine normale Sertoli-Zell-Funktion bei Patienten mit leichter bis mäßiger Aktivität. Stärken: Ausschluss von Sulfasalazin, Methotrexat und Biologika zu Beginn (die Krankheit selbst wird geprüft), Ultraschall. Schwächen: 20 gegen 24 Männer, nur vier Wiederholungsproben; Inhibin B ist ein indirekter Marker. Einordnung: Varikozele, nicht die Entzündung oder Therapie, erklärt in dieser Kohorte die schlechtere Morphologie; dazu passt der Hinweis auf die Häufung der Varikozele bei Spondylitis ankylosans bei Ozgocmen et al. [s272] (siehe unten).
Mahadevan et al. 2005 (USA; Inflammatory Bowel Diseases) [s263]. Prospektive Studie mit zehn Männern mit CED, jeder Patient als eigene Kontrolle: zwei Samenanalysen vor der Infliximab-Infusion und eine eine Woche danach. Es nahmen sieben Patienten unter Erhaltungstherapie (Gruppe 1, alle in Remission) und drei mit der ersten Dosis (Gruppe 2, mäßige bis schwere Erkrankung) teil; sieben hatten Morbus Crohn, zwei unklare Kolitis, einer Colitis ulcerosa. In allen zehn stieg das Ejakulatvolumen nach der Infusion signifikant (p = 0,013), die Beweglichkeit zeigte einen Trend nach unten (p = 0,061); in Gruppe 1 stieg das Volumen (p = 0,039) und die Zahl normaler ovaler Formen sank (p = 0,038); zwischen den Gruppen fand sich ein signifikanter Unterschied der Spermienvorwärtsbewegung. Die Autoren sehen eine mögliche Verminderung von Beweglichkeit und normalen Formen unter Infliximab und lassen die Folgen für die Fruchtbarkeit offen. Stärken: Eigenkontrolle, früh. Schwächen: zehn Männer, sehr kurzer Abstand zur Infusion (eine Woche), viele Einzelvergleiche, keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Der einzige Beleg für eine mögliche Verschlechterung unter einem TNF-Blocker; spätere Studien mit längerer Beobachtung fanden das nicht (Grosen 2019 [s147]).
Grosen et al. 2019 [s147] und Valer et al. 2017 [s192]. Die Studien sind bei den CED-Arbeiten beschrieben: Unter Beginn einer Anti-TNF-Therapie (19 Patienten) blieben alle Samenparameter bis auf einen klinisch bedeutungslosen Abfall der DNA-Fragmentierung (12,8 auf 10,0 Prozent; p = 0,02) unverändert, und bei Männern mit Morbus Crohn waren Beweglichkeit und Morphologie unter TNF-Blockern besser als ohne.
Heppt et al. 2017 (Deutschland; Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology) [s185]. Monozentrische, offene, prospektive Studie: Samenproben von Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis unter TNF-Blockern oder Fumarsäureestern, vor Beginn der Systemtherapie und danach alle drei Monate nach WHO-Definitionen. Insgesamt wurden 101 Proben von 27 Patienten gewonnen; der mittlere PASI betrug zu Beginn 11,05. Nur 14,8 Prozent der Patienten hatten eine reine Normozoospermie ohne weitere Auffälligkeit, 85,2 Prozent mindestens eine Auffälligkeit (zwei mit Azoospermie), und 48,1 Prozent zeigten Samenparameter, die auf eine Entzündung des Genitaltrakts hinweisen (erhöhte Leukozyten und polymorphkernige Elastase im Samen). Die Therapie mit TNF-Blockern oder Fumarsäureestern hatte keine negativen Wirkungen auf wichtige Parameter wie Gesamtspermienzahl, Konzentration, Gesamt- und progressive Beweglichkeit; eine ausgeprägte Gonadenfunktionsstörung wurde bei keinem Patienten beobachtet. Die Autoren sehen in der Genitaltraktentzündung eine bisher wenig beachtete Begleiterkrankung der Psoriasis. Stärken: wiederholte Proben unter Therapie, Messung von Entzündungsmarkern im Samen. Schwächen: 27 Patienten, TNF-Blocker und Fumarsäureester gemeinsam ausgewertet, keine gesunde Kontrollgruppe, Anzahl der Männer unter TNF-Blockern allein nicht genannt, keine Konfidenzintervalle. Einordnung: Zusammen mit Caldarola et al. [s176] der Hinweis, dass die Psoriasis selbst die Samenqualität verändern kann.
Yüksek et al. 2024 (Türkei; Archives of Dermatological Research) [s66]. Prospektive Beobachtungsstudie über sechs Monate an 33 biologikanaiven Männern im Alter von 18 bis 50 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis (PASI über 10), die Adalimumab nach den üblichen klinischen Protokollen erhielten. Zielgrößen waren Erektionsfunktion (IIEF-5), Spermiogramm nach WHO 2010 und Hormone (Testosteron, LH, FSH, Östradiol, Prolaktin). Der mittlere IIEF-5-Wert stieg von 21,3 ± 2,2 auf 22,2 ± 1,9 (p = 0,03), der Anteil der Männer mit erektiler Dysfunktion sank von 51,5 auf 36,4 Prozent (p kleiner als 0,001). Progressive Beweglichkeit (p = 0,02) und Vitalität (p = 0,04) verbesserten sich signifikant, die übrigen Spermienparameter blieben unverändert; das Gesamttestosteron stieg von 3,4 ± 0,4 auf 3,5 ± 0,4 ng/ml (p = 0,02); LH, FSH, Östradiol und Prolaktin änderten sich nicht signifikant. Die Autoren schließen, Adalimumab könne über die TNF-alpha-Hemmung neben der Hautbesserung positive Wirkungen auf Sexual- und Fortpflanzungsfunktion haben. Stärken: prospektiv, Spermiogramm nach WHO-Kriterien. Schwächen: keine Kontrollgruppe; die Veränderungen sind klein (Testosteron 3,4 auf 3,5 ng/ml, innerhalb einer Standardabweichung); viele Vergleiche ohne erkennbare Korrektur; die Besserung der Hautkrankheit und die Wirkung des Medikaments sind nicht trennbar; Konfidenzintervalle fehlen.
Larsen et al. 2016 (Dänemark; American Journal of Gastroenterology) [s200]. Landesweite Registerkohorte: alle Frauen mit lebend geborenem Einling in Dänemark von 1. Januar 2007 bis 2013; exponiert waren 372 Kinder von Vätern, die in den drei Monaten vor der Empfängnis mit Anti-TNF-alpha-Mitteln behandelt wurden, nicht exponiert 399.498. Die adjustierten Risiken für angeborene Fehlbildungen und Frühgeburt lagen nahe 1; die adjustierte OR für zu geringes Geburtsgewicht (für das Gestationsalter) betrug 1,70 (95-%-KI 0,94 bis 3,09). Beschränkt auf Väter mit CED: kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder zu geringes Geburtsgewicht, Frühgeburt adjustierte OR 1,42 (0,52 bis 3,86); beschränkt auf Väter mit rheumatologischen oder dermatologischen Erkrankungen: keine Zunahme von Fehlbildungen oder Frühgeburt, zu geringes Geburtsgewicht OR 1,70 (0,74 bis 3,89). Die Autoren halten das Ergebnis insgesamt für beruhigend, das zu geringe Geburtsgewicht aber für vorsichtig zu interpretieren, da es erhöht, wenn auch nicht signifikant erhöht war. Schwächen: breite Intervalle, Grunderkrankung und Begleitmedikation nur teilweise berücksichtigt.
Cooley et al. 2020 (USA; BMC Urology) [s127]. Retrospektive Auswertung von 1.010 Männern im Alter von 18 bis 45 Jahren, denen ein Anti-TNF-Mittel verschrieben wurde: Nur 10,3 Prozent erhielten eine Beratung zu möglichen Wirkungen auf die Fortpflanzung (unabhängig vom Alter, p = 0,77); wer beraten wurde, erhielt signifikant häufiger eine Untersuchung des Urogenitaltrakts, eine Varikozelensuche, Fragen nach Libido oder Erektionsstörung, Hormonbestimmungen und eine Samenanalyse. Die Spermienkryokonservierung lag mit Beratung bei 5,77 Prozent gegenüber 1,10 Prozent ohne Beratung (p = 0,002; Zahlen nach dem Rechercheprotokoll). Einordnung: Die Studie misst nicht die Spermien, sondern die Versorgungslage: Die Beratung war selten, und die Unsicherheit der Evidenz ist in den Patientenakten abgebildet.
Fallserien und Fallberichte zu TNF-Blockern. Paschou et al. 2009 (Griechenland; Journal of Rheumatology) [s251]: Vier Patienten mit Spondylitis ankylosans unter Infliximab zeugten sechs gesunde Kinder, einer erhielt zusätzlich niedrig dosiertes Methotrexat; die Autoren sehen begrenzte Daten zur Samenqualität und Beruhigung im Einzelfall. Saougou et al. 2013 (Griechenland; Joint Bone Spine) [s232]: Aus 65 Patienten mit Spondylitis ankylosans und 30 mit Psoriasis-Arthritis unter Infliximab (2001 bis 2010) wurden sieben Männer mit Spondylitis ankylosans und drei mit Psoriasis-Arthritis identifiziert, die 14 gesunde Kinder gezeugt hatten; ein Mann mit Psoriasis-Arthritis unter Infliximab und gleichzeitigem Methotrexat hatte eine Partnerin, bei der wegen Fehlbildungen (Hydrozephalus) im ersten Trimenon ein Schwangerschaftsabbruch erfolgte. Rezvani und Ozaras 2008 (Türkei; Indian Journal of Pharmacology) [s255]: Schwangerschaft bei einem Paar mit zuvor unfruchtbarem Ehemann unter Etanercept bei Spondylitis ankylosans; der Abstract nennt keine Samenwerte und verweist darauf, dass die Wirkung von TNF-alpha und TNF-Blockern auf die Samenqualität umstritten sei. Uyaroglu et al. 2020 (Türkei; Rheumatology International) [s138]: Aus dem Biologika-Register einer Universitätsklinik in Ankara wurden 163 Männer mit Spondylitis ankylosans unter Anti-TNF-Mitteln ermittelt; 45 (27,6 Prozent), deren Partnerinnen nach Beginn der Therapie schwanger wurden, gingen in die Auswertung ein: 39 von 45 Schwangerschaften (86,7 Prozent) endeten mit gesunden Lebendgeburten, 3 (6,7 Prozent) mit Spontanabort, 3 (6,7 Prozent) mit Abbruch durch Ausschabung; von 39 Lebendgeburten waren 34 (87,2 Prozent) termingerecht und 5 (12,8 Prozent) Frühgeburten, 6 (15,4 Prozent) hatten niedriges Geburtsgewicht und 3 (7,7 Prozent) Makrosomie; keine mit der väterlichen Exposition verbundene Fehlbildung. Toker Dincer et al. 2025 (Türkei; Journal of Reproductive Immunology) [s34]: Kohorte von 101 Männern mit entzündlicher Arthritis unter Anti-TNF-Therapie; 70 (69,3 Prozent) wünschten keine Kinder und verhüteten; bei den Partnerinnen von 27 Männern trat eine Schwangerschaft ein, vier Paare galten als unfruchtbar; es gab 52 Schwangerschaften: 36 Termingeburten, 1 Frühgeburt, 1 Totgeburt, 4 Abbrüche auf Wunsch, 10 Spontanaborte; von den 27 Partnerinnen hatten 11 auch vor der Therapie Schwangerschaften, ohne signifikanten Unterschied in Zahl und Ausgang zwischen beiden Zeiträumen. Schwächen der Serien: keine Kontrollgruppe, Selbstauskunft über Kinderwunsch, nur Männer, deren Partnerinnen schwanger wurden, bilden den Nenner (bei Uyaroglu 45 von 163); die Spontanabortrate bei Toker Dincer (10 von 52 Schwangerschaften) lässt sich ohne Vergleichsgruppe nicht einordnen. Chatzimeletiou et al. 2018 (Griechenland; SAGE Open Medical Case Reports) [s162]: Ein Mann mit Spondylitis ankylosans, der wegen Unfruchtbarkeit vorstellig wurde und Celecoxib und Sulfasalazin erhielt, zeigte in der Standardanalyse normale Werte einschließlich Konzentration, Beweglichkeit, DNA-Fragmentierung und Aneuploidie, in der Elektronenmikroskopie aber viele Kopf-, Hals- und Flagellum-Anomalien sowie unreife Spermien und Phagozyten; nach Entfernen eines Endometriumpolypen der Partnerin trat eine Spontanschwangerschaft mit gesundem Jungen ein. Chatzimeletiou et al. 2022 (Griechenland; Medicina) [s93]: Fallbericht eines Mannes mit Spondylitis ankylosans, möglicherweise desselben Patienten (die Abstracts sagen es nicht): Unter Celecoxib und Sulfasalazin Konzentration 47 Millionen/ml, progressive Beweglichkeit 53 Prozent, normale Morphologie 7 Prozent, DNA-Fragmentierung 9,6 Prozent; unter Golimumab vor mRNA-Impfung 108 Millionen/ml, 82 Prozent, 1 Prozent und 7,6 Prozent; nach drei Impfdosen 142 Millionen/ml, 85 Prozent, 1 Prozent und 6,8 Prozent. In der Elektronenmikroskopie zeigte Golimumab vermehrt längliche Köpfe bei insgesamt geringerer Entzündung (keine weißen Zellen); die Autoren bewerten Celecoxib und Sulfasalazin als ohne Nachteil für die Samenqualität (zwei Spontanschwangerschaften mit einem gesunden Jungen und Mädchen) und eine negative Wirkung von Golimumab auf die Morphologie, nicht auf Konzentration, Beweglichkeit und DNA-Fragmentierung (Abstract an dieser Stelle abgeschnitten). Einordnung: Zwei Einzelfallberichte; die elektronenmikroskopischen Befunde sind ohne Normbereich schwer zu deuten, und der Anteil normal geformter Spermien lag unter Golimumab bei 1 Prozent, wozu der Abstract keinen Referenzwert nennt. Nayımoğlu et al. 2021 (Türkei; Turkish Journal of Physical Medicine and Rehabilitation) [s119]: Fallbericht eines 30-jährigen Mannes mit isolierter Hodentuberkulose unter Infliximab (laut Recherchebericht); der Fall betrifft eine infektiöse Komplikation der TNF-Hemmung mit Hodenbeteiligung und nicht die Spermienqualität.
TNF im Ejakulat (Kontext, keine Studie an behandelten Patienten). Sosnin et al. 2024 (Russland; Urologiia) [s60]: 70 Männer im reproduktiven Alter mit Azoospermie (n = 18), Oligoasthenozoospermie (n = 18) und normalem Spermiogramm (n = 34). TNF-alpha im Serum 2,75 ± 2,18 pg/ml, im Seminalplasma 7,01 ± 5,98 pg/ml, also etwa 2,55-mal höher (laut Abstract); Unterschiede zwischen den Gruppen im Seminalplasma signifikant zwischen Oligoasthenozoospermie und Kontrolle sowie zwischen Azoospermie und Oligoasthenozoospermie, nicht zwischen Azoospermie und Kontrolle; im Serum kein Gruppenunterschied (p größer als 0,05); keine Korrelation zwischen Serum- und Seminalplasma-TNF (R = 0,295) und keine zwischen TNF und Gesamtzahl (R = minus 0,028) oder Konzentration der Spermien (R = minus 0,043). Die Autoren schließen, TNF entstehe wahrscheinlich lokal im Fortpflanzungstrakt, und ein erhöhter Gehalt bei Oligoasthenozoospermie könne eine Entzündung anzeigen. Schwächen: Gruppen von 18, das Muster ist nicht monoton (Unterschied zur Oligoasthenozoospermie, nicht zur Azoospermie), es handelt sich nicht um Patienten mit Autoimmunerkrankungen; die Arbeit sagt nichts über TNF-Blocker. Bozhedomov und Teodorovich 2005 (Russland; Urologiia) [s261]: Ejakulate von 3.660 Männern im reproduktiven Alter; Antispermien-Antikörper bei 18 Prozent; Risikofaktoren Infektionen des Fortpflanzungstrakts (52 Prozent), Varikozele (35 Prozent), stumpfe Skrotaltraumata (21 Prozent), frühere Nebenhodenentzündung mit Hodenbeteiligung (6 Prozent); rheumatische oder Darmerkrankungen nennt der Abstract nicht als Risikofaktor (Zahlen nach dem Rechercheprotokoll).
Zwischenbilanz TNF-Blocker. Die vier prospektiven Studien mit Eigenvergleich oder Kontrollen bei Spondyloarthritis [s248, s225, s221, s231] und die CED-Studien [s147, s192] zeigen keine Verschlechterung, teils eine Besserung der Spermienwerte unter TNF-Blockern gegenüber unbehandelten aktiven Erkrankten; eine kleine Studie unter Infliximab fand eine tendenziell schlechtere Beweglichkeit eine Woche nach Infusion [s263]. Die Registerdaten zu den Kindern sind beruhigend, aber bei Intervallen bis 3,09 (zu geringes Geburtsgewicht; [s200]) nicht ausschlusskräftig. Die meisten Unterschiede lassen sich zwanglos durch die Krankheitsaktivität erklären; die Studien trennen sie nicht vom Medikament.
Psoriasis und Psoriasis-Arthritis als Erkrankung
Für die Psoriasis ist die Datenlage dünn: eine Fall-Kontroll-Studie mit 50 Männern zur Samenqualität, eine Serie mit 27 Patienten, mehrere Hormonstudien, Registerstudien zu Neugeborenen und genetische Analysen. Beständig sind ein Zusammenhang mit niedrigerem Testosteron und Hinweise auf eine Entzündung im Genitaltrakt; ob dies die Fruchtbarkeit im Alltag mindert, ist offen. Die Studien zu Methotrexat und TNF-Blockern bei Psoriasis (Atas, Elhanbly, Yüksek, Heppt) stehen in den Abschnitten zu den Wirkstoffen.
Caldarola et al. 2017 (Italien; Dermatology), „Untreated Psoriasis Impairs Male Fertility: A Case-Control Study“ [s176]. Männliche Psoriasis-Patienten im Alter von 18 bis 55 Jahren und gesunde Männer, gepaart nach Alter, Body-Mass-Index und geografischer Herkunft; körperliche und andrologische Untersuchung, Standard-Samenanalyse, vollständige Mikrobiologie, Ultraschall der Geschlechtsdrüsen, suPAR (löslicher Urokinase-Plasminogenaktivator-Rezeptor) im Samen sowie Testosteron, Östradiol, SHBG, LH und FSH im Serum. 50 Patienten und 50 Kontrollen gingen in die Auswertung ein. Testosteron und SHBG waren bei den Patienten signifikant erniedrigt, Östradiol erhöht; Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normal geformter Spermien waren signifikant vermindert; suPAR war erhöht und lag über den Referenzgrenzen; Ultraschallzeichen einer Entzündung der akzessorischen Drüsen fanden sich bei 35 von 50 Patienten und bei keinem Kontrollmann. Die Autoren schließen, unbehandelte Psoriasis könne die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen, möglicherweise über den Einfluss der systemischen Entzündung auf das Hormonprofil und eine Entzündung der Geschlechtsdrüsen. Stärken: gepaarte Kontrollen, ausführliche Diagnostik, die Gruppe war unbehandelt (der Medikamenteneffekt entfällt). Schwächen: Einzelzentrum, im Abstract nur qualitative Angaben ohne Zahlenwerte und Konfidenzintervalle; die Patientenauswahl kann verzerren (Einschätzung der Recherche). Einordnung: Die Studie mit der klarsten Aussage; im vorliegenden Material wurde sie nicht wiederholt, und der Befund passt zu Heppt et al. [s185], wo nur 14,8 Prozent eine reine Normozoospermie hatten.
Hormonstudien bei Psoriasis. Cemil et al. 2015 (Türkei; Journal of Dermatology) [s209]: 47 Männer mit Psoriasis und 20 gesunde Kontrollen; Patienten hatten einen höheren Body-Mass-Index sowie höhere FSH- und LH-Spiegel, jedoch nicht signifikant; Testosteron (bei den Kontrollen höher) und Östradiol (bei den Patienten höher) unterschieden sich signifikant; es fand sich eine signifikante umgekehrte Korrelation zwischen Östradiol und dem Psoriasis-Schweregrad PASI. Eltaweel et al. 2018 (Ägypten; International Journal of Dermatology) [s165]: 50 Männer mit Psoriasis und 30 gesunde Kontrollen; signifikant niedrigeres Gesamttestosteron, höheres Östradiol und eine beeinträchtigte Erektionsfunktion (IIEF-5) bei den Patienten; die Autoren sehen in der Hormonstörung eine mögliche Ursache der Erektionsstörung neben der Wirkung der chronischen Systemerkrankung. Allam et al. 2019 (Deutschland; European Journal of Dermatology) [s140]: 121 Männer mit Psoriasis und 217 Kontrollen; bei 52,1 Prozent der Patienten lagen die Gesamttestosteronwerte niedrig; Gesamt- und freies Testosteron waren signifikant niedriger als bei Kontrollen; trotz psoriasisspezifischer Medikation bestand eine signifikant umgekehrte Korrelation zwischen Testosteron und PASI, unabhängig vom Alter; auch bei Patienten ohne metabolisches Syndrom war ein PASI von mindestens 10 mit signifikant niedrigerem Gesamttestosteron verbunden. Boehncke et al. 2011 (Deutschland; Archives of Dermatological Research) [s241]: Von 33 Männern unter kontinuierlicher Systemtherapie konnten 23 über 24 Wochen ausgewertet werden; das Testosteron lag zu Beginn zwischen 212 und 660 (Median 377,0; Einheit laut Abstract ng/ml, vermutlich ng/dl gemeint, Vermutung der Recherche) und SHBG zwischen 11,9 und 46,0 nmol/l (Median 29,2), womit die Autoren das Fehlen eines Hypogonadismus belegt sehen; 19 von 23 erreichten eine mindestens 50-prozentige PASI-Besserung. Schwächen der vier: kleine Gruppen, Querschnitt (außer Boehncke), keine Samenanalysen, Einfluss von Übergewicht und metabolischem Syndrom (bei Allam wurde er geprüft); bei Boehncke kein Gegensatz zu den anderen, da die Studie eine andere Frage stellt (SHBG als Marker der Insulinresistenz). Einordnung: Niedriges Testosteron bei Psoriasis ist in mehreren Studien beschrieben, aber ein Zusammenhang mit der Spermienqualität ist damit nicht belegt. Saad et al. 2016 (Deutschland; Andrologia) [s202] berichten bei 15 Männern mit Psoriasis aus einem Register von 347 hypogonadalen Männern (Gesamttestosteron höchstens 12,1 nmol/l), dass sich die Hauterkrankung unter Testosterongabe deutlich besserte (PASI und Physician Global Assessment signifikant in den ersten 24 Monaten, danach anhaltend; das C-reaktive Protein sank signifikant); es handelt sich um eine Beobachtungsserie ohne Kontrolle, und die Autoren verlangen eine eigens angelegte Studie (Aussage der Autoren).
Huang et al. 2023 (Taiwan; Frontiers in Immunology) [s77]. Landesweite Registerstudie: 1.498.892 Einlingsschwangerschaften (2004 bis 2011) aus der nationalen Krankenversicherung und dem Geburtenregister, eingeteilt in vier Gruppen nach Psoriasis von Vater und Mutter. Neugeborene von Vätern, nicht von Müttern mit Psoriasis hatten eine adjustierte Hazard Ratio von 3,69 (95-%-KI 1,65 bis 8,26) für Psoriasis, 1,13 (1,06 bis 1,21) für atopische Dermatitis und 1,05 (1,01 bis 1,10) für allergische Rhinitis. Neugeborene von Müttern, nicht von Vätern mit Psoriasis hatten eine adjustierte OR von 1,26 (1,12 bis 1,43) für niedriges Geburtsgewicht (die Klammer ist im Abstract abgeschnitten). Die Autoren raten zur Vorsicht bei ungünstigen Geburtsausgängen, wenn ein oder beide Elternteile Psoriasis haben. Einordnung: Es geht um die Nachkommen und nicht um Samenqualität; für die väterliche Psoriasis nennt der Abstract erhöhte Risiken beim Kind nur für Psoriasis, atopische Dermatitis und allergische Rhinitis, ein niedriges Geburtsgewicht wird bei mütterlicher, nicht bei väterlicher Psoriasis berichtet. Das weite Intervall bei der Psoriasis (1,65 bis 8,26) deutet auf wenige Ereignisse hin; Verschreibungs- und Diagnosedaten ohne Angaben zum Schweregrad.
Pollock et al. 2019 (Kanada; PLoS One), Epigenom der Spermien [s153]. DNA-Methylierungsprofile in Spermien von 23 Probanden mit Psoriasis ohne Arthritis, 13 mit Psoriasis-Arthritis und 18 gesunden Kontrollen. Zwischen Psoriasis-Probanden und Kontrollen fanden sich 169 differenziell methylierte Regionen, zwischen Psoriasis-Arthritis und Kontrollen 754, zwischen Psoriasis-Arthritis und Psoriasis 86 (adjustiertes p kleiner als 0,05); die Unterschiede waren meist gering (unter 10 Prozent) und stimmten mit der Pyrosequenzierung überein. Eine Hypermethylierung einer Region im ersten Exon von IL22 korrelierte zwischen Spermien und Blut (rho = 0,34; 95-%-KI 0,06 bis 0,57; p = 0,01). Alter, Alter bei Krankheitsbeginn, Schweregrad und Medikamenteneinnahme beeinflussten die Methylierung vieler Gene und wurden als Kovariaten einbezogen. Die Autoren verlangen weitere Studien, um genetische Ursachen auszuschließen und zu klären, ob es sich um vererbbare konstitutionelle Veränderungen oder Folgen einer Exposition der Keimzellen handelt. Einordnung: Ein Befund zur Erblichkeit, nicht zur Spermienqualität; die kleine Gruppengröße und die vielen getesteten Regionen machen einzelne Befunde unsicher.
Brubaker et al. 2018 (USA; Andrology) [s161]. Retrospektive Auswertung von Versicherungsabrechnungen (Truven MarketScan, 2001 bis 2008): 33.077 infertile Männer, 77.693 vasektomierte Männer (vermutlich fruchtbar) und 330.770 altersgepaarte Kontrollen (Verhältnis 10:1), 1,49 Millionen Personenjahre. Männer mit Immunerkrankung bei Beginn oder im ersten Jahr wurden ausgeschlossen. Immunerkrankungen waren selten (jeweils unter 0,1 Prozent). Infertile Männer hatten ein höheres Risiko für rheumatoide Arthritis gegenüber vasektomierten Männern (Hazard Ratio 1,56; 95-%-KI 1,19 bis 2,05) und Kontrollen (1,29; 1,02 bis 1,62), für allgemeine Immunerkrankungen (zu denen der Lupus zählt) gegenüber vasektomierten (3,11; 2,00 bis 4,86) und Kontrollen (2,12; 1,52 bis 2,96) und für Psoriasis gegenüber vasektomierten (1,28; 1,09 bis 1,50) und Kontrollen (1,20; 1,04 bis 1,37); ähnlich für Multiple Sklerose (1,91; 1,10 bis 3,31) und Morbus Basedow (1,46; 1,10 bis 1,92) gegenüber vasektomierten, Thyreoiditis (1,60; 1,02 bis 2,52) gegenüber Kontrollen. Die Autoren schließen, infertile Männer hätten in den Jahren nach der Unfruchtbarkeitsuntersuchung ein höheres Risiko für bestimmte Autoimmunerkrankungen. Einordnung: Die Studie betrifft die umgekehrte Richtung (Unfruchtbarkeit vor der Autoimmunerkrankung) und nicht die Folge der Erkrankung; Abrechnungscodes ohne Samenwerte, die Zahl der Ereignisse je Erkrankung ist klein.
Panevin et al. 2025 (Russland; Meditsinskiy sovet [Медицинский совет]), Psoriasis-Arthritis und Testosteron [s43]. Titel „Взаимосвязь клинической характеристики псориаза и псориатического артрита с дефицитом тестостерона у мужчин“ (Zusammenhang der klinischen Merkmale von Psoriasis und Psoriasis-Arthritis mit Testosteronmangel bei Männern). Querschnittsstudie an 54 Männern mit Psoriasis-Arthritis nach den CASPAR-Kriterien (DAPSA, Body-Mass-Index, Gesamttestosteron; Hypogonadismus definiert als Gesamttestosteron höchstens 12,0 nmol/l). Testosteronmangel bei 22 von 54 Männern (40,7 Prozent). Die Psoriasis-Aktivität (PASI) war vergleichbar, die Arthritisaktivität (DAPSA) höher bei Mangel: 44,0 [28,8; 50,3] gegenüber 28,3 [24,9; 36,5], p = 0,027; schmerzhafte Gelenke 14,5 [10,25; 23,25] gegenüber 9,0 [4,25; 12,75], p = 0,04; geschwollene Gelenke 7,0 [4,0; 12,0] gegenüber 4,0 [2,0; 6,0], p = 0,029; BASDAI 5,66 ± 1,46 gegenüber 5,31 ± 1,36, p = 0,4. Eine Tendenz zu mehr mittelschwerer bis schwerer Psoriasis (PASI) bei Hypogonadismus (63,6 gegenüber 40,6 Prozent, p = 0,097). Negative Korrelationen des Gesamttestosterons mit PASI (r = minus 0,29; p = 0,032), DAPSA (r = minus 0,37; p = 0,013), schmerzhaften Gelenken (r = minus 0,33; p = 0,022), geschwollenen Gelenken (r = minus 0,37; p = 0,012), C-reaktivem Protein (r = minus 0,28; p = 0,044) und Body-Mass-Index (r = minus 0,44; p = 0,001). Einordnung: Keine Spermienstudie; Ursache und Wirkung sind im Querschnitt nicht trennbar; Übergewicht beeinflusst beide Seiten; Bezüge zu Methotrexat oder Biologika wertet der Abstract nicht aus.
Etretinat bei Psoriasis (Japan; Randbefund, kein Wirkstoff dieser Studie). Suzuki et al. 1986 (Hinyokika Kiyo, japanischsprachig; Titel „Etretinateのヒト精子形成能におよぼす影響“, deutsch „Wirkung von Etretinat auf die Spermatogenese und endokrine Parameter beim Menschen“) [s292]: Neun erwachsene Männer mit Psoriasis erhielten über mehr als drei Monate 50 bis 75 mg Etretinat täglich; Samenanalysen und Serumspiegel von LH, FSH, Prolaktin, Testosteron und Östradiol wurden vor und monatlich während der Therapie erfasst. Die mittlere Spermienkonzentration nach zwei Monaten war höher als der unbehandelte Ausgangswert (nicht signifikant wegen großer Streuung); ein Rückgang trat nur bei einem Patienten auf und erholte sich nach sechs Monaten auf höhere Werte; Morphologie und andere Parameter blieben unverändert, alle Hormone außer Prolaktin (Anstieg) ebenfalls. Takahashi et al. 1987 (Nishinihon Journal of Dermatology, japanischsprachig; Titel „Etretinate長期使用乾癬患者にみられた乏精子症“, deutsch „Oligospermie bei einem Psoriasis-Patienten unter Langzeitbehandlung mit Etretinat“) [s289]: Ein 27-jähriger Mann mit Psoriasis vulgaris, fünf Jahre lang mit Etretinat behandelt (kumulative Dosis 29.140 mg), hatte eine schwere Oligospermie (unter 5 mal 10 hoch 4 Spermien pro ml, Beweglichkeit 0 Prozent); die Hodenbiopsie zeigte deutlich weniger Spermatogonien und Spermatozyten, eine verdickte Basalmembran, vermehrte Leydig-Zellen und praktisch keine reifen Spermatiden, die Hormonwerte lagen im Normbereich; die Hemmung der Spermatogenese war auch acht Monate nach dem Absetzen noch erkennbar; der Patient hatte außerdem eine linksseitige Varikozele. Beide Berichte (neun Männer über drei Monate, ein Fall nach fünf Jahren) widersprechen sich in der Tendenz; Beobachtungsdauer und Fallzahl erlauben keine Auflösung.