Alle Fragen & Antworten im Überblick
Zum Nachschlagen ohne das interaktive Quiz zu spielen — jede Antwort mit Quellenangabe.
1. Kaffee bzw. Koffein verschlechtert nachweislich die Spermienqualität.
Falsch. Bei üblichem Konsum zeigt eine Übersichtsarbeit mit 19.967 Männern keinen konsistenten Effekt auf Konzentration, Motilität oder Morphologie. Nur bei sehr hohem Konsum (>700mg Koffein/Tag, ca. 7 Tassen) und bei koffeinhaltigen Softdrinks gab es negative Signale.
Quelle: Ricci et al. (2017), Reproductive Biology and Endocrinology →
2. Rauchen verschlechtert nachweislich mehrere Spermienparameter gleichzeitig.
Wahr. Eine Metaanalyse von 20 Studien mit 5.865 Männern fand bei Rauchern im Schnitt niedrigere Spermienkonzentration, geringere Motilität und schlechtere Morphologie — mit stärkeren Effekten bei stärkerem Konsum.
Quelle: Sharma et al. (2016), Reproductive Biology and Endocrinology →
3. Cannabis-Konsum verschlechtert nachweislich die Spermienkonzentration.
Falsch. Überraschend uneinheitlich: Eine Studie fand bei Konsumenten sogar höhere Konzentrationen (62,7 vs. 45,4 Mio./ml), eine andere große Kohorte (n=921) fand keine relevante Gesamtassoziation. Die Studienlage gilt als widersprüchlich, nicht als klar negativ.
4. Ob du enge oder lockere Unterwäsche trägst, macht für die Spermienqualität keinen messbaren Unterschied.
Falsch. In der bislang größten Studie dazu hatten Boxershorts-Träger 25% höhere Spermienkonzentration und 17% höhere Gesamtspermienzahl als Träger enger Unterwäsche — vermutlich durch geringere Hodentemperatur.
5. Häufiges Telefonieren mit dem Handy in der Hosentasche ist für die Spermienqualität völlig unbedenklich.
Falsch. Mehrere Studien fanden bei sehr häufiger Handynutzung (>20x/Tag) reduzierte Motilität und Vitalität sowie ein rund 30% höheres Risiko für eine Spermienkonzentration unter dem WHO-Referenzwert. Die Evidenz gilt aber als niedrig (relativ wenige, teils kleine Studien).
6. Täglich eine Handvoll Nüsse zu essen kann die Spermienqualität messbar verbessern.
Wahr. In einer randomisiert-kontrollierten Studie verbesserten 60g Nüsse täglich über 14 Wochen Gesamtmotilität, Morphologie und Vitalität deutlich — eine der am besten belegten Ernährungsmaßnahmen überhaupt.
Quelle: Salas-Huetos et al. (2018), American Journal of Clinical Nutrition →
7. Nach einer Magenverkleinerung (bariatrische Chirurgie) verbessert sich die Spermienqualität automatisch durch den Gewichtsverlust.
Falsch. Überraschend: Trotz massivem Gewichtsverlust zeigte sich keine signifikante Verbesserung von Volumen, Konzentration, Morphologie oder Motilität. Manche Studien beschreiben sogar neu aufgetretene Verschlechterungen, vermutlich durch Nährstoffmängel nach der OP.
8. Eine rein vegane Ernährung ist wissenschaftlich eindeutig positiv für die Spermienqualität belegt.
Falsch. Eine einzelne sehr kleine Studie (n=20) fand bessere Werte bei Veganern. Eine deutlich größere Umbrella-Review über 43 Metaanalysen fand dagegen keinen statistisch gesicherten Effekt veganer Ernährung. Die Datenlage ist zu dünn für ein eindeutiges Urteil.
Quelle: Kljajic et al. (2021), Andrologia / Wang et al. (2026), Asian Journal of Andrology →
9. Multiple Sklerose beeinträchtigt nachweislich die männliche Fruchtbarkeit.
Falsch. Trotz eines erhöhten Odds Ratios von 1,87 war dieser Zusammenhang statistisch nicht signifikant (95%-Konfidenzintervall 0,89–3,94) — es gibt bislang keinen gesicherten Beleg für einen Effekt.
10. Eine genitale Herpes-Infektion (HSV) verschlechtert die klassischen Spermienparameter.
Falsch. Anders als bei Hepatitis B/C oder HIV fand eine Auswertung über bis zu 1.548 Teilnehmer keinen statistisch signifikanten Effekt von Herpesviren auf Volumen, Konzentration, Motilität oder Morphologie — bei guter Evidenzlage.
11. Alle Ureaplasma-Bakterienarten sind gleich riskant für die männliche Fruchtbarkeit.
Falsch. Nein: U. urealyticum ist mit deutlich erhöhtem Infertilitätsrisiko assoziiert (Odds Ratio 3,28), während die eng verwandte Art U. parvum keinen statistisch gesicherten Zusammenhang zeigt (Odds Ratio 1,67, nicht signifikant) und häufig auch bei fertilen Männern vorkommt.
12. Vitamin-D-Supplemente verbessern bei jedem Mann die Spermienqualität, unabhängig vom Ausgangswert.
Falsch. Der Nutzen zeigt sich vor allem bei nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel (Motilität +4,96 Prozentpunkte in einer RCT-Metaanalyse). Bei bereits normalem Spiegel ist kein zusätzlicher Nutzen belegt — "viel hilft viel" gilt hier nicht.
13. Einen Laptop mit aktivem WLAN auf dem Schoß zu benutzen, hat laut Studien keinerlei Effekt auf Spermien.
Falsch. Eine Ex-vivo-Studie fand nach 4 Stunden WLAN-Exposition bei konstant gehaltener Temperatur signifikant reduzierte progressive Motilität und erhöhte DNA-Fragmentierung — also einen Effekt unabhängig von der reinen Wärme des Geräts.
14. Die COVID-19-Impfung schadet der Spermienqualität.
Falsch. Entwarnung: Eine Metaanalyse über 12 Studien fand keine signifikanten Veränderungen bei Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration oder Gesamtmotilität nach COVID-19-Impfung (inkl. mRNA-Vakzinen).
15. Regelmäßige Sauna-Nutzung kann die Spermienzahl und -beweglichkeit vorübergehend verringern.
Wahr. Nach 3 Monaten regelmäßiger Sauna-Nutzung (2x/Woche, 15 Minuten, 80–90°C) zeigte sich eine statistisch signifikante Abnahme von Spermienzahl und Beweglichkeit — die sich nach 6 Monaten Pause aber wieder vollständig normalisierte.
16. Übergewicht/Adipositas hat einen messbaren negativen Effekt auf mehrere Spermienparameter gleichzeitig.
Wahr. Eine große Metaanalyse (71.337 Männer) fand bei Adipositas im Schnitt weniger Ejakulatvolumen, rund 19,6 Millionen weniger Spermien insgesamt und schlechtere progressive Motilität — mit einem klaren Dosis-Wirkungs-Verhältnis zum BMI.
Quelle: Li et al. (2024), International Journal of Obesity →