Die Literatur hat sechs strukturelle Grenzen. Die Studien sind überwiegend Querschnitt- oder retrospektive Studien aus Kinderwunschzentren; Männer mit unerfülltem Kinderwunsch sind überrepräsentiert, ein Vergleich mit gesunden Männern ist selten. Der Nachweis eines Erregers im Ejakulat sagt nicht, dass er die Samenqualität verursacht; Besiedlung, Kontamination bei der Samengewinnung und Koinfektionen sind selten getrennt. Adjustierung für Alter, Abstinenzzeit und Rauchen wird in den Abstracts nur selten genannt (Ausnahmen [s177, s229, s09, s57]). Mehrere Auswertungen stammen aus denselben Zentren mit überlappenden Zeiträumen, etwa die drei Studien aus Hefei [s102, s64, s09], die Studien aus Nanjing [s235, s329, s309], die drei Spurenelement- und Immunfaktor-Studien der Universität Nanjing [s345, s344, s348] und die Irkutsker Serien [s319, s318, s317, s303, s337, s346, s332]; Doppelzählungen sind nicht auszuschließen. Behandlungsverläufe (Vorher-nachher-Vergleiche) haben keine unbehandelte Kontrollgruppe. Schließlich liegen die Zahlen überwiegend nur als Abstract vor; Tabellen und Methodik wurden in den meisten Fällen nicht gelesen, bei nicht-englischen Arbeiten oft nur der englische Abstract.
Als Lücken sind festzuhalten: keine Humanstudie mit Spermiogramm für Syphilis; keine kontrollierte Studie mit Spermiogramm für Gonorrhö außer [s377] (30 Männer, 1982); für Trichomonaden keine unabhängige kontrollierte Studie; für Mpox und Ebola keine Studie mit Spermiogramm; für Zika eine Studie mit drei symptomatischen Männern [s183]; keine Langzeitstudie, die Männer mit nachgewiesener Infektion vor und nach der Infektion oder mit und ohne Behandlung über längere Zeit vergleicht; keine Studie, die den Einfluss von Koinfektionen und Entzündungszeichen systematisch trennt; wenige Studien aus Deutschland (eine Prävalenz- und Behandlungsbeobachtung [s52], eine Prostatitis-Kohorte [s97]) und keine deutsche Leitlinie zu STI und Samenqualität in den abgerufenen Quellen. Die Datenbanken CNKI, Wanfang, eLIBRARY.ru, DergiPark, SciELO und andere waren nicht erreichbar; chinesische, russische, türkische, spanische und portugiesische Literatur ist deshalb nur soweit erfasst, wie sie in PubMed, Europe PMC, CyberLeninka, J-STAGE oder TR Dizin zugänglich war. Die Auswahl und Bewertung der Studien in diesem Kapitel beruht auf Abstracts und, wo vermerkt, Volltexten; Zahlen wurden nicht neu berechnet.
Wichtig für die Einordnung im Gesamtbild: Die Beobachtungsstudien und Metaanalysen zeigen für Chlamydien, Mykoplasmen/Ureaplasmen, HPV, Hepatitis B und Entzündungszeichen im Ejakulat Zusammenhänge mit schlechteren Spermienwerten, die jedoch von Studie zu Studie sehr unterschiedlich ausfallen und aus Beobachtungsdaten nicht als Ursache gelesen werden können. Für Gonorrhö, Syphilis, Trichomonaden, Mpox, Zika und Ebola reicht die Literatur nicht aus, um irgendeine Aussage zur Samenqualität zu stützen.