Gonorrhö, Syphilis, Trichomonaden, Mpox und Zika · Kapitel 9 von 25 · Studienlage: Beobachtungsstudien

HIV und Antiretrovirale Therapie bis Wo sich Studien zu demselben Erreger widersprechen, und mögliche Erklärungen

HIV und Antiretrovirale Therapie

Zhu et al. 2018 [s242]. 20 Patienten (30,7 ± 5,05 Jahre) nach 6 bis 26 Monaten HAART. CD4-Zellen stiegen von 422,38 ± 200,86/µl auf 535,76 ± 212,021/µl. Im Vergleich mit Referenzwerten war die Gesamtbeweglichkeit bei 13 Patienten, die Konzentration bei 2, die Vitalität bei 5, die Vorwärtsbeweglichkeit bei 18 und die Normalformen bei 6 vermindert. HIV-RNA im Blut lag bei allen unter 20 Kopien/ml, im Seminalplasma bei 18 unter 20 Kopien/ml, bei zwei darüber (4,70 × 10¹ und 2,2 × 10² Kopien/ml). Von 4 Paaren mit ungeschütztem Verkehr über mehr als 6 Monate blieb keine Partnerin HIV-positiv; eine Spontanschwangerschaft verlief mit gesundem Kind. Stärke: seltene Humandaten zum Spermiogramm. Schwächen: 20 Männer, keine Kontrollgruppe.

Mitjurina et al. 2019 (Russland) [s220]. Prospektive Fall-Kontroll-Studie: 51 HIV-positive Männer unter antiretroviraler Therapie (Median 1,5 Jahre) gegenüber 64 HIV-negativen mit normalem Spermiogramm. Normozoospermie bei 48,4 % der HIV-Positiven. Pathologische Formen 97 (96 bis 98) % gegenüber 96 (95 bis 96) % (p = 0,0001); Gesamtzahl 89,1 gegenüber 198,8 Mio. (p = 0,0001); Konzentration 36 gegenüber 63,5 Mio./ml; progressiv Bewegliche 40 % gegenüber 55 %; DNA-Fragmentation 15,8 % gegenüber 9,95 % (p = 0,001). Die Therapie lässt sich von der Infektion nicht trennen; ein Vergleich nicht behandelter HIV-Männer fehlt.

Gao et al. 2022 [s145]. 26 Patienten (12 unbehandelt, 14 unter ART): Das p24-Protein fand sich überwiegend in Spermien, nicht in CD4-positiven Zellen, unabhängig von ART; bewegliche Spermien trugen HIV in vitro in mononukleäre Zellen gesunder Männer. Kleine Stichprobe, In-vitro-Übertragung; die Bedeutung für die klinische Übertragung ist offen. Liu et al. 2025 [s53]: 100 therapienaive Menschen mit HIV, 48 Wochen; Virussuppression im Blut 96,4 % gegenüber 100 % (p = 0,519), im Sperma 100 % gegenüber 100 %; keine Spermiogramm-Zielgröße; ein Therapievergleich wird hier nicht empfohlen.

SARS-CoV-2 (Randthema)

Cochetti et al. 2024 [s78]. Multizentrische prospektive Studie mit 65 Patienten: kein Virus im Sperma, keine signifikanten Unterschiede der Samenqualität zwischen akut Infizierten und Genesenen. Die Metaanalysen zu diesem Thema sind oben dargestellt [s104, s77, s03]. Die Studien zu SARS-CoV-2 untersuchen akute oder kürzlich zurückliegende Infektionen und sind keine Studien zu sexuell übertragbaren Infektionen im engeren Sinn.

Mpox

Für Mpox liegt in den abgerufenen Quellen keine Beobachtungsstudie mit Spermiogramm vor. Die Humanstudien untersuchen, wie häufig und wie lange Virus-DNA im Sperma nachweisbar ist, also die Übertragbarkeit. Ob Mpox die Samenqualität verändert, wurde in keiner abgerufenen Humanstudie untersucht. Der Nachweis von DNA zeigt außerdem nicht, dass das Virus vermehrungsfähig ist.

de Loredo et al. 2026, Sexually Transmitted Infections [s10]. Prospektive Kohorte in Barcelona (Mai bis September 2022): 73 bestätigte Fälle, 204 Längsschnittproben (106 Speichel, 98 Sperma), quantitative PCR. MPXV-DNA fand sich in 34 % (36/106) der Speichel- und 27 % (26/98) der Spermaproben. Sie war bis Tag 56 (Speichel) und Tag 75 (Sperma) nach Symptombeginn nachweisbar; Ct-Werte unter 35 (ein Maß höherer Viruslast) nur bis Tag 52 beziehungsweise Tag 38. Positivität und Viruslast nahmen ab. Die Autoren verweisen auf die fehlende Viruskultur, sodass die Infektiosität unklar bleibt. Stärken: prospektiv, Längsschnitt. Schwächen: nur Männer in einer Region, Probenzahl pro Person gering, Infektiosität nicht geprüft.

Suñer et al. 2023, The Lancet Infectious Diseases [s133]. Prospektive multizentrische Studie in Spanien (28. Juni bis 22. September 2022), 77 Teilnehmer (97 % Männer, Median 35 Jahre, 51 % mit HIV), 1663 Proben aus fünf Körperstellen. Mediane Zeit bis zur Viruseliminierung (PCR): Hautläsionen 25 Tage (95-%-KI 23 bis 28), Oropharynx 16 (13 bis 19), Rektum 16 (13 bis 23), Sperma 13 (9 bis 18), Blut 1 (0 bis 5). Für 90 % der Fälle: Haut 41 Tage (34 bis 47), Sperma 39 (27 bis 56). Mediane Viruslast: Haut 7,3 log10 Kopien/ml, Sperma 3,5 (Quartilsabstand 2,9 bis 4,7). Replikationsfähiges Virus wurde nur in Proben mit hoher DNA-Menge (über 6,5 log10 Kopien/ml) isoliert. Die Autoren folgern, Spermatestung und verlängerter Kondomgebrauch nach Genesung seien bei diesen Patienten womöglich nicht nötig; das wird als ihre Aussage wiedergegeben, nicht als Empfehlung. Stärken: prospektiv, Zellkultur an einer Teilmenge. Einschränkungen: milde Verläufe, Kohorte bis 57 Tage.

Tan et al. 2024, Open Forum Infectious Diseases [s101]. Kohorte in Toronto, 64 Männer mit gleichgeschlechtlichen Kontakten (49 % HIV). Bei Studienbeginn war MPXV-DNA (Ct < 35) bei 74 % der Genital-/Gesäß-/Perianalabstriche und bei 8 % der Spermaproben nachweisbar; die mediane Zeit bis zum Verschwinden nachweisbarer DNA im Sperma betrug 0 Tage (0 bis 0) gegenüber 30,0 Tagen (23,0 bis 47,9) bei Genital-/Gesäß-/Perianalhaut. Kein Effekt von Tecovirimat auf die Abklingrate; der Vergleich war nicht randomisiert. Schwäche: Zensierung zum Therapiebeginn. Die 8 % Positivität des Spermas bei Studienbeginn stehen im Gegensatz zu 27 % in [s10], der gepoolten Prävalenz von 72,4 % in [s129] und zu 37,5 % in [s106]; die Unterschiede dürften mit Auswahl, Probenzeitpunkt und Ct-Grenzwert zusammenhängen.

Yang et al. 2024, Guangzhou [s106]. 41 Patienten (20 nur Mpox, 21 mit HIV; Juni bis September 2023), 355 Proben. Mpox-DNA war nachweisbar in 100 % der Krusten, 97,4 % der Hautabstriche, 92,3 % der Bläschenabstriche, 87,5 % der Rachenabstriche, 59 % des Speichels, 51,3 % der Analabstriche, 50 % des Stuhls, 30,6 % des Urins, 37,5 % des Samens und 28,2 % der Seren. Bei den meisten Patienten war virale DNA 20 Tage nach Symptombeginn nicht mehr nachweisbar. IgM und IgG wurden bei allen gefunden, bei HIV-Koinfizierten 3 bis 5 Tage später. Es wurden keine Spermiogramme berichtet.

Yang et al. 2024, Chongqing [s107]. Retrospektiv, neun Männer mit Mpox (September 2022 bis Oktober 2023), alle Männer, die Sex mit Männern haben; sieben (77,8 %) lebten mit HIV, unter wirksamer antiretroviraler Therapie mit erhaltener Immunlage. Es gab keine klinischen Unterschiede nach HIV-Status und keine Todesfälle. Die Viruslast (qPCR, Ct-Werte) war in Hautproben höher als in Rachen, Nasenrachenraum, Blut oder Samen. Die Autoren schließen, dass Übertragung eher über direkten Körperkontakt als über Atemwege oder Körperflüssigkeiten erfolgt; diese Schlussfolgerung geht über die Probenvergleiche hinaus, und mit neun Fällen ist die Studie sehr klein.

Liang et al. 2024 [s90]. Methodenstudie: 82 Proben aus neun Probenarten (darunter Sperma) mit einem optimierten Tröpfchen-digitalen-PCR-Verfahren (Nachweisgrenze 0,1 Kopien/µl, AUC 0,939); die Viruslast sank außer in Krusten mit dem Krankheitsverlauf. Keine Aussage zur Samenqualität.

Wang et al. 2026, Peking [s32]. Fallserie von 16 Patienten mit HIV (Juni 2023 bis Juni 2024), 81 % mit CD4 unter 200/µl, 50 % unter 50/µl, 75 % ohne vorherige antiretrovirale Therapie; alle mit Mehrorganbeteiligung einschließlich Hautausschlag, perianalen Geschwüren und Skrotalnekrose. Der Befund betrifft den Genitalbereich, sagt aber nichts über die Samenqualität.

Einordnung Mpox. Für Mpox gibt es Daten zur Dauer der DNA-Ausscheidung im Sperma (Median bis zur Eliminierung 13 Tage, bei 90 % der Fälle 39 Tage; längster Nachweis 75 Tage) und zur Positivrate (8 % bis 37,5 % in Einzelstudien, 72,4 % gepoolt), aber keine Daten zu Spermienzahl, Beweglichkeit oder Morphologie. Die Spannweite der Positivraten erklärt sich nach den Quellen durch unterschiedliche Auswahl, Zeitpunkte und Ct-Grenzwerte.

Zika

Für Zika gibt es eine kleine Humanstudie mit Spermiogramm [s183] und eine Reihe von Studien zu Nachweis und Ausscheidung von Virus-RNA im Sperma. Alle Studien sind klein oder beschreibend.

Vanegas et al. 2021, Viruses [s183]. Prospektive Beobachtungsstudie in León (Nicaragua), 2016. 16 Männer mit bestätigter Zika-Infektion (RT-qPCR in Blut, Speichel oder Urin), drei lieferten Spermaproben (Tage 7, 14, 21, 28, 60, 180 nach Symptombeginn), verglichen mit 19 asymptomatischen Kontrollen. Flavivirus-Antigen und virale RNA in der Spermienfraktion fanden sich bei allen drei Symptomatischen (100 %) und bei 3 von 19 (16 %) der asymptomatischen Kontrollen. Der Anteil Immunfluoreszenz-positiver Spermien lag bei 1,9 bis 25 % gegenüber 0,8 bis 3,8 %; auffälliges Muster fand sich in den Zytoplasmatropfen und im Flagellum. Die Spermienkonzentration war bei ZIKV-positiven Proben niedriger (45 gegenüber 63,5 Mio./ml; p = 0,041), ebenso die Gesamtmotilität (54 % gegenüber 75 %; p = 0,009). Es ist die einzige abgerufene Humanstudie mit Spermiogramm bei Zika. Schwächen: extrem kleine Fallzahl (drei Symptomatische mit Sperma), die Gruppeneinteilung („ZIKV-positiv/-negativ“) ist im Abstract nicht vollständig aufgeschlüsselt, Antigen in der Spermienfraktion ist kein Beweis für Infektiosität; dass sich auch bei 16 % der asymptomatischen Kontrollen Antigen fand, zeigt die Unschärfe der Gruppen. Die Aussage in Übersichten, Zika senke vorübergehend Spermienzahl und Beweglichkeit [s19], stützt sich im Kern auf diese Studie.

Vogt et al. 2022, Journal of Infectious Diseases [s156]. Sperma von 49 ZIKV-infizierten Männern. Langzeit-Ausscheidung von ZIKV-RNA im Sperma war mit Entzündung des männlichen Genitaltrakts verbunden (höhere Leukozytenzahl und Zytokinkonzentrationen bei Langzeit- gegenüber Kurzzeit-Ausscheidern). ZIKV-RNA fand sich in Seminalleukozyten und Epithelzellen. Frühere Daten derselben Gruppe: etwa 33 % der symptomatischen Männer schieden RNA im Sperma aus, manche über drei Monate. Die Studie vergleicht Ausscheider untereinander und hat keine nicht infizierte Kontrollgruppe.

Medina et al. 2019, Journal of Infectious Diseases [s213]. Prospektive Kohorte in Puerto Rico: infektiöses Virus (Zellkultur, Genomkopien, Immunfluoreszenz) im Sperma von 8 von 97 Patienten, bis zu 38 Tage nach der ersten Detektion, bei Viruslasten über 1,4 × 10⁶ Genomkopien-Äquivalenten/ml; zwei Serumisolate bei 296 Patienten.

Calvet et al. 2023, Scientific Reports [s114]. Prospektive Kohorte in Brasilien (2017 bis 2019), 260 Personen (184 Frauen, 76 Männer), 12 Monate Nachbeobachtung. ZIKV-RNA war in allen Körperflüssigkeiten nachweisbar, am längsten im Sperma mit hohen Viruslasten; ein Wiederauftreten nach Clearance wurde beobachtet.

Fallberichte und kleine Serien. Mansuy et al. 2019 [s212]: Zika-RNA im Sperma mehr als zwei Monate nach Ende der Virämie; die Zytokinprofile in Sperma und Plasma waren verschieden. Petridou et al. 2019 [s214]: Zika-RNA im Sperma eines Immunsupprimierten 515 Tage nach Symptombeginn bestätigt und über 900 Tage nachweisbar. Jeong et al. 2017, Südkorea [s245]: Von mehr als 1000 getesteten Verdachtsfällen waren neun importierte Infektionen (Januar bis Juli 2016, aus Brasilien, Philippinen, Vietnam, Guatemala, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik; asiatischer Genotyp aus Südamerika); nach Symptombeginn war Virus-RNA im Serum bis zu 6 Tage, in Urin und Speichel 14 Tage und im Sperma 58 Tage nachweisbar; IgM ab Tag 2 bis Tag 41, IgG ab Tag 8 bis Tag 52. Jang et al. 2016 [s260]: erster importierter Fall in Korea (43-jähriger Mann aus Brasilien mit Fieber, Muskelschmerz, Augenschmerz und Ausschlag ohne neurologische Symptome); Zika-Virus wurde aus dem Sperma isoliert, die RT-PCR war am 7. Krankheitstag in Blut, Urin und Speichel positiv und am 21. Tag negativ. Jia et al. 2018 [s226]: In Guangdong wurden 925 Rückkehrer erfasst, 400 (43,2 %) gaben Proben, 13 (3,3 %) waren Zika-positiv, davon 3 ohne Symptome; RNA im Blut 1 bis 4 Tage, im Urin 3 bis 32 Tage, im Speichel 2 bis 10 Tage; ein Samenbefund wird im Abstract nicht berichtet. Sezen et al. 2018 [s230]: zwei importierte Fälle (Paar, beide 29 Jahre, Rückkehr aus Kuba, Oktober 2017): RNA-Test im Serum negativ, IgM und IgG positiv; zwei Monate nach Diagnose war das Urin des Mannes negativ, das Sperma positiv; kein Spermiogramm.

Einordnung Zika. Die Beobachtungsstudien zeigen, dass Zika-RNA lange im Sperma nachweisbar ist (Nachweise über 58 Tage in einer Serie bis über 900 Tage in einem Einzelfall) und dass vermehrungsfähiges Virus selten und kürzer vorkommt [s213]. Ein Zusammenhang mit der Samenqualität ist nur an einer sehr kleinen Studie gemessen [s183]; die Aussagen zu Hodenschäden stützen sich überwiegend auf Tierversuche, die in anderen Kapiteln dargestellt werden.

Ebola

Auch für Ebola enthalten die abgerufenen Abstracts keine Spermiogrammdaten von Überlebenden. Die Studien messen Persistenz und Dauer der Virus-RNA im Sperma.

Uyeki et al. 2016, Clinical Infectious Diseases [s267]. Fünf Überlebende: EBOV-RNA im Sperma bis 290 Tage, infektiöses Virus (Zellkultur) bis 70 Tage nach Krankheitsbeginn.

Soka et al. 2016, The Lancet Global Health [s266]. Nationales Sperma-Testprogramm in Liberia: 466 eingeschrieben, bei 429 Ergebnisse. 38 (9 %) hatten mindestens eine positive Probe; davon 24 (63 %) 12 Monate oder länger nach Genesung positiv; das längste Intervall betrug 565 Tage. Männer über 40 Jahre waren häufiger positiv (p = 0,0004). Zum Verhalten: Von 113 Teilnehmern ohne Kondom bei Aufnahme gaben 84 (74 %) beim ersten Kontrolltermin Kondomgebrauch an (p < 0,0001); von 385 sexuell Aktiven wurden 176 (46 %) abstinent (p < 0,0001).

Keita et al. 2019, Open Forum Infectious Diseases [s210]. PostEbogui (Guinea), 802 Überlebende, Nachbeobachtung bis 40 Monate. 27 von 277 Männern (9,8 %) waren mindestens einmal im Sperma RNA-positiv; die Wahrscheinlichkeit, positiv zu bleiben, wurde mit 93,02 % nach 3 und 60,12 % nach 6 Monaten geschätzt. In anderen Flüssigkeiten war der Nachweis selten: Speichel 1 von 454, Urin 2 von 593, Muttermilch 2 von 168, Vaginalsekret 0 von 273.

Thorson et al. 2021, PLoS Medicine [s181]. Kohorte in Sierra Leone (Mai 2015 bis April 2017), 220 Männer (Alter im Mittel 31 Jahre), Kontrolle alle zwei Wochen bis zu zwei aufeinanderfolgenden negativen PCR. Positivrate im Sperma 180 Tage nach Entlassung: 75,4 % (95-%-KI 66,9 bis 82,0); mediane Persistenz 204 Tage; nach 270 Tagen 26,8 % (20,0 bis 34,2); nach 360 Tagen 6,0 % (3,1 bis 10,2). Schwere akute Erkrankung war mit längerer Persistenz verbunden (nach einem Jahr 10,1 %; 4,6 bis 19,8), bei milden Verläufen nahe 0 %. Altersabhängig: Männer bis 25 Jahre hatten die 3,17-fache (1,60 bis 6,29), 26- bis 35-Jährige die 1,85-fache (1,04 bis 3,28) Chance, negativ zu sein, im Vergleich zu über 35-Jährigen. Bei schwerer Erkrankung und Alter über 35 Jahre lag die Persistenz nach einem Jahr über 20 % (6,0 bis 50,6). Ein Drittel der Überlebenden hielt die Empfehlungen zu geschütztem Sex drei Monate nach Entlassung kaum ein. Stärken: Kohorte mit engmaschiger Kontrolle, Konfidenzintervalle. Limitation: Infektiosität unbekannt, Samenqualität nicht gemessen.

Dyal et al. 2023, Clinical Infectious Diseases [s118]. 131 männliche Überlebende in Liberia, Fall-Fall-Vergleich früher gegen später Clearer (spätere Clearer: Nachweis über ein Jahr nach Entlassung). Späte Clearer waren älter (Median 42,5 Jahre; P < 0,001), hatten weniger schwere Symptome (Median 2; P = 0,006), häufiger Linsentrübung (OR 3,9; 1,1 bis 13,3; P = 0,03), höhere IgG3-Titer (P = 0,005) und häufiger HLA-C*03:04 (0,14; 0,02 bis 0,70; P = 0,007). Retrospektive Anamnese per Fragebogen. Der Befund „weniger schwere Symptome bei späten Clearern“ steht im Gegensatz zu [s181], wo schwere Erkrankung mit längerer Persistenz verbunden war; die Definitionen von Schweregrad und die Auswahl (nur Männer mit Nachweis) unterscheiden sich.

Weitere Arbeiten. Kofman et al. 2021 [s175]: 126 Teilnehmer, alle Blutproben EBOV-RNA-negativ. Fallah et al. 2025, Lancet Microbe [s43]: genestete Fall-Kontroll-Studie, 1044 Teilnehmer (594 Überlebende, 450 Kontakte); unter 243 männlichen Überlebenden hatten 81 (33 %) Virus im Sperma; VEGF-A war bei ihnen als einziger Marker gegenüber Kontrollen signifikant erhöht (adjustiertes p < 0,001). Purpura et al. 2017 [s248]: EBOV-RNA im Sperma eines HIV-positiven Überlebenden 565 Tage nach Genesung. Higgs et al. 2021 [s170] (PREVAIL IV) ist eine randomisierte Studie und gehört in das Kapitel zu klinischen Studien; sie ist hier nur erwähnt, weil sie 38 Männer mit persistierender Ebola-RNA im Sperma einschloss.

Einordnung Ebola. Die Beobachtungsstudien liefern ein klares Bild zur Dauer der RNA-Persistenz im Sperma (Mediane um 204 Tage, einzelne Nachweise bis 565 Tage, Abhängigkeit von Alter und Schwere), aber keinen Befund zu Spermienzahl, Beweglichkeit oder Morphologie bei Überlebenden. Für Marburg- und Dengue-Viren gibt es in den abgerufenen Quellen nur Übersichten [s26, s29].

Bakteriospermie, Leukozytospermie, Prostatitis, Nebenhodenentzündung und Samenmikrobiom

Diese Studien betreffen nicht einen einzelnen Erreger, sondern den klinischen Rahmen, in dem die oben genannten Erreger meist gefunden werden. Sie sind wichtig, weil viele Studien Entzündungszeichen im Ejakulat (Leukozyten, Elastase) als Bindeglied zwischen Infektion und schlechter Samenqualität beschreiben. Zugleich zeigen sie, wie stark Definitionen und Verfahren die Ergebnisse bestimmen.

Bakteriospermie.

Yin et al. 2018 [s237]. Sperma von 74 376 infertilen Männern (April 2016 bis April 2017). Eine bakterielle Infektion fand sich bei 1,38 % der Proben; Positivrate 1,41 % bei normalem Spermiogramm, 1,55 % bei Asthenozoospermie, 1,18 % bei Oligozoospermie, 1,57 % bei Oligoasthenozoospermie und 0,17 % bei Azoospermie. Die Infektion wirkte vor allem auf die Beweglichkeit (p < 0,05), Spermiendichte und den Anteil vorwärtsbeweglicher Spermien (p < 0,01). Häufigste Erreger: Escherichia coli (63,59 %), Klebsiella pneumoniae (19,80 %), Proteus mirabilis (13,22 %). Stärke: Fallzahl. Schwächen: Effektgrößen fehlen im Abstract; die Positivrate von 1,38 % liegt weit unter anderen kulturbasierten Angaben (zum Beispiel 89,42 % bei Spendern [s195]), ein Hinweis auf stark verschiedene Definitionen und Nachweismethoden.

Li et al. 2020, Spendersamenbank Henan [s195]. 4897 Spender (2008 bis 2018), Bakterienwachstum in 89,42 % (4379), Mischkontamination in 6 Proben (0,12 %). In Proben mit Koloniezahl von mindestens 10⁴ KBE/ml (150 Proben) waren gramnegative Bakterien in 104 (69,33 %), grampositive Kokken in 39 (26,00 %). Die Gruppen mit höherer Koloniezahl hatten niedrigere Gesamtzahl und weniger vorwärtsbewegliche Spermien (beide p < 0,05), aber keinen Unterschied in Verflüssigung, pH, Gesamtbeweglichkeit und Normalformen (p > 0,05). Die hohe Positivrate von 89,42 % zeigt, dass Kontamination bei der Gewinnung und natürliche Besiedlung nicht von Infektion zu trennen sind.

Hannachi et al. 2018, Gynécologie Obstétrique Fertilité & Sénologie (französisch) [s225]. 70 Männer mit gegen 70 ohne Bakteriospermie. Konzentration (P = 0,001) und Motilität (P = 0,049) waren niedriger; sekundäre Asthenospermie war häufiger (P = 0,006); U. urealyticum war der häufigste Keim (45,7 %) und mit Hypospermie verbunden (P = 0,031); die Motilität war auch bei Streptokokken und Corynebakterien vermindert.

Shash et al. 2023, Kairo [s132]. 34 Proben mit Bakteriospermie gegenüber 34 ohne: Progressivbeweglichkeit (p = 0,001), Gesamtbeweglichkeit (p = 0,001) und normale Formen (p = 0,001) waren niedriger; abnormales Spermiogramm 64,71 % gegenüber 35,29 %; häufigste Keime S. aureus 67,6 % und E. coli 14,7 %.

Pichugowa et al. 2022 [s152]. Bakteriospermie bei Jugendlichen mit Varikozele, Mikrobiologie plus Elektronenmikroskopie; die Keime waren E. coli, Enterococcus faecalis, Corynebakterien, Streptokokken und Staphylokokken, keine klassischen STI-Erreger. Bei reichlichem Wachstum in Monokultur oder in Zweier-Assoziation traten in allen Fällen Beweglichkeitsstörung, erhöhte Viskosität, Leukozyten und ultrastrukturelle Schäden an Chromatin, Akrosom und Mitochondrien auf; bei geringer oder mäßiger Keimzahl (unter 10 KBE/ml) keine pathologischen Veränderungen. Häufigster Befund bei Bakteriospermie war Asthenozoospermie.

Mendoza-Rodríguez et al. 2023, Revista Española de Quimioterapia (spanisch) [s125, s126]. Bei symptomatischer Bakteriospermie war Enterococcus faecalis der häufigste Erreger (34,89 %), gefolgt von Ureaplasma (13,74 %) und E. coli (10,98 %); die systematische Übersicht zur chronischen bakteriellen Prostatitis nennt E. faecalis 46,90 %, Staphylococcus 22,30 %, E. coli 15,09 % und atypische Bakterien 6,04 %. Es geht um Erregerspektrum und Resistenz, nicht um Spermienparameter.

Japanische Arbeiten aus den Jahren 1990 und 1991 (J-STAGE) [s372, s370]. 千村 哲朗 1990 [s372]: asymptomatische Bakteriospermie bei 65 Personen, Bakteriennachweis im Sperma 89,2 % (aerob 55,4 %, anaerob 70,8 %); unter den Aerobiern Staphylococcus epidermidis und Enterococcus faecalis häufig, 6 Stämme (9,2 %) Streptococcus agalactiae; unter den Anaerobiern 90 grampositive Stämme, Peptostreptococcus mit 58 Stämmen dominierend, 11 gramnegative. Bei 11 Männern verschwanden unter einem Antibiotikum 25 von 32 Stämmen, 7 blieben und 23 traten neu auf. Die Arbeit von 1991 [s370] bestimmte die Samenkonzentration eines Antibiotikums bei fünf gesunden Erwachsenen. Beide Arbeiten sind pharmakologisch und keine Spermiogrammstudien.

Leukozytospermie und Pyospermie.

Guo et al. 2026, Frontiers in Cellular and Infection Microbiology [s13]. Querschnittsstudie mit 9345 Männern in einer Andrologie-Klinik (April 2020 bis März 2023). Leukozytospermie (über 1 × 10⁶ peroxidasepositive Leukozyten/ml) bei 1068 Männern (11,4 %). Betroffene hatten niedrigeres Volumen, niedrigere Konzentration, Vorwärts- und Gesamtbeweglichkeit, niedrigere Gesamtzahl beweglicher Spermien und weniger Normalformen sowie höheren DNA-Fragmentierungsindex und höhere hohe DNA-Anfärbbarkeit. Nebenhodenentzündung 1,69 % gegenüber 0,85 % (p = 0,007), Prostatitis 14,42 % gegenüber 10,61 % (p < 0,001); im voll adjustierten Modell aOR 1,88 (95-%-KI 1,10 bis 3,21) für Epididymitis und aOR 1,37 (1,14 bis 1,66) für Prostatitis; Orchitis und Samenbläschenentzündung waren zu selten für präzise Schätzungen. Stärken: sehr große Stichprobe, multivariable Analyse. Schwächen: klinisch definierte Entzündungen aus Fragebogen und Akten, Querschnitt, keine Erregerzuordnung.

Qiao et al. 2022 [s153]. 133 Patienten mit Leukozytospermie (63 IVF, 38 ICSI, 32 geteilte Insemination). Die Leukozytospermie verschlechterte die Samenparameter, beeinflusste aber die klinischen Ergebnisse von IVF oder ICSI nicht; in der geteilten Insemination waren klinische Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten zwischen IVF und ICSI nicht verschieden, aber die Zahl der Zygoten mit zwei Vorkernen sowie der verfügbaren und guten Embryonen war in der ICSI-Gruppe höher.

Mechanistische Kleinstudien. Liu et al. 2012 [s300]: 22 Männer mit Leukozytospermie gegen 15 normale; PAF 2,14 ± 0,43 gegenüber 6,21 ± 1,38 ng/ml (p < 0,01), TNF-α 5,51 ± 1,46 gegenüber 3,48 ± 1,08 ng/ml; Korrelation PAF–TNF-α r = -0,68, PAF–Leukozyten r = -0,62, TNF-α–Leukozyten r = 0,77 (alle p < 0,01). Zhou et al. 2008 [s330]: 78 Leukozytospermie-Proben gegen 31 Spender; ROS im Seminalplasma und mitochondriale DNA-Menge in allen drei Percoll-Schichten höher (p < 0,01), die 4977-bp-Deletion nur in der 30-%-Schicht höher (p < 0,01); ROS und mtDNA korrelierten in der 30-%-Schicht (r = 0,347) und 80-%-Schicht (r = 0,456). Liu et al. 2003 [s350]: 11 infizierte, 16 nichtinfizierte Infertile und 15 Spender; Malondialdehyd, Leukozyten und IL-8 bei Leukozytospermie höher (p < 0,001); IL-8 gegen Malondialdehyd r = 0,852 (p < 0,001). Ardıçoğlu et al. 2005 (türkisch) [s342]: 10 Männer mit Leukozytospermie und Oligoasthenospermie, 10 mit Oligoasthenospermie ohne Leukozytospermie, 10 fertile Kontrollen; seminales IL-2 am höchsten bei isolierter Oligoasthenospermie, TNF-α am höchsten bei Leukozytospermie (p < 0,05); IL-4 ohne Unterschied; sehr kleine Gruppen, Infektion nicht nachgewiesen. Alle diese Studien haben kleine Gruppen und keine Erregerzuordnung.

佐藤 滋彰 et al. 1990, Japan [s371]. 670 infertile Männer, 72 mit Pyospermie (mehr als 10 Leukozyten pro Gesichtsfeld). Der Index der Beweglichkeitseffizienz war bei Pyospermie signifikant niedriger; Granulozyten-Elastase im Seminalplasma im Mittel 2859,6 µg/l gegenüber 131,6 µg/l; die Zugabe von Neutrophilen und Elastase zum Samen verminderte die Beweglichkeit sofort. Als Hauptursache der Pyospermie wurde chronische Prostatitis vermutet.

Yaşar et al. 2009 [s323]. 121 Männer, Leukozytospermie bei 71, ohne bei 50: weder ein signifikanter Zusammenhang zwischen Leukozytospermie und Spermaparametern noch ein Effekt einer Antibiotikabehandlung über vier bis sechs Wochen auf Spermaparameter und Schwangerschaftsraten; kein Erregernachweis. Diese Studie ist eine Behandlungsbeobachtung und steht im Gegensatz zu [s300, s350, s13].

Bai et al. 2021 [s164] (siehe Abschnitt Gonorrhö): Bei 195 subfertilen Männern war Leukozytospermie mit schlechterer Samenqualität verbunden, aber nicht signifikant mit STI (52,3 % gegenüber 39,3 %; P = 0,07). Akgül et al. 2018 [s221] und El Feky et al. 2009 [s320] (siehe oben): kein Einfluss auf Spermaparameter bei Erregernachweis im Urin beziehungsweise niedrigere Konzentration und Beweglichkeit bei Leukozytospermie.

Chronische Prostatitis.

Rosellen et al. 2024, Deutschland [s97]. Prospektive Kohorte mit 1071 Patienten mit Verdacht auf chronische Prostatitis/Beckenschmerzsyndrom. Die Medianwerte lagen im Normbereich, aber etwa 25 % hatten Werte unter dem 5. Perzentil der WHO-Referenz; Bakteriospermie war mit niedrigerem Volumen verbunden. Stärke: prospektive Erhebung bei einer deutschen Kohorte. Schwäche: keine gesunde Vergleichsgruppe im Abstract.

Wang et al. 2022 [s157]. 200 Patienten mit prostatitisähnlichen Beschwerden; alle (100 %) waren mikrobenpositiv; Prostatasekret allein positiv bei 66 (33 %), Sperma allein bei 34 (17 %), beide bei 100 (50 %); grampositive Keime 91,1 %; Mehrfachinfektionen 53,5 %, Mehrorganbefall 67 %. Die Rate von 100 % zeigt, dass das Kulturverfahren Besiedlung und Kontamination nicht von Krankheit trennt.

Yang et al. 2019 [s218]. 592 Männer mit chronischer Prostatitis gegen 472 Gesunde. Besiedlung des Samens mit Gruppe-B-Streptokokken 11,8 % (70/592); Bakterien im Sperma bei 54,4 % (322/592) gegenüber 7,8 % (37/472) der Kontrollen (p < 0,01). Ungünstige Schwangerschaftsausgänge: 32,8 % (19/58) bei GBS-positiven, 22,0 % (29/132) bei GBS-negativen Prostatitispatienten, 2,2 % (6/271) bei Kontrollen (p < 0,05).

Chang et al. 2022 [s144] (Trichomonaden, siehe oben); Sadretdinow et al. 2015 und 2016 [s281, s274, s273, s275] (siehe oben; ergänzend für dieselben 140 plus 140 Patienten: Laktoferrin im Samenplasma r = 0,84 [p < 0,001], Interleukin-8 r = 0,49 und C-reaktives Protein r = 0,6 mit Infertilität [s273]; gegenläufige Hormonverschiebungen nur bei infertilen Patienten mit STI [s275]). Bucharin et al. 2020 [s188]: Vergleichsstudie mit gesunden Kontrollen, Patienten mit chronischer Prostatitis und Prostatitis plus Infertilität; Biofilmbildung, antipeptidische Aktivität der Mikrobiota (besonders Corynebakterien) und im Samenplasma erhöhte Konzentrationen von TNF, IL-2, IL-6, IL-17 sowie IgA und Laktoferrin; Abstract-Ebene.

Nebenhodenentzündung und Mumps, Brucellose.

Mwamba et al. 2023, Pan African Medical Journal (französisch) [s128]. 202 Männer in Lubumbashi; eine genitale Infektion war mit Oligozoospermie verbunden (adjustiertes OR 2,7; 1,0 bis 7,2; p = 0,041), ebenso Varikozele (OR 10,9; 3,0 bis 39,5) und Adipositas (OR 2,6). Die untere Grenze des Konfidenzintervalls liegt bei 1,0; die Varikozele ist der stärkere Faktor.

Brucellose, Hodenbeteiligung [s222, s115, s335]. Brucellose ist keine STI, betrifft aber den Genitaltrakt. Çayan et al. 2018 (türkisch) [s222]: retrospektive Fall-Kontroll-Studie mit 164 Patienten mit Epididymoorchitis (Januar 2010 bis Juni 2018); 9 mit Brucellose als Erstmanifestation gegenüber 34 unspezifischen Fällen; Alter 33,44 ± 9,81 gegenüber 34,76 ± 10,09 Jahre (p = 0,728); Risikofaktoren für Brucellose 8 (88,9 %) gegenüber 5 (14,7 %), p < 0,001; sonst keine signifikanten Unterschiede; sehr kleine Gruppe. Çelik et al. 2023 [s115]: 194 Patienten mit bruzellosebedingter Hodenbeteiligung in einer multizentrischen Studie (2,57 % aller Brucellose-Patienten): Epididymoorchitis 55,7 %, Epididymitis 27,3 %, Hodenabszess 5,1 %; im Spermiogramm Oligospermie bei 41,7 % und Aspermie bei 8,3 % der Untersuchten. Sözen et al. 2007 [s335]: Fallbericht eines 35-jährigen Mannes mit Epididymoorchitis, B. melitensis aus Blut, Knochenmark und Ejakulatkultur, keine Komplikation im Folgejahr.

Mumps [s254]. Lakal 2017 (Universität Aden, arabisch; Titel: „Männliche Infertilität als Folge der epidemischen Parotitis“): 82 Männer (20 bis 40 Jahre) mit Infertilität und Mumps ohne klinische Orchitis in der Kindheit; Hormonmessung per Radioimmunoassay; niedrigere Testosteron- und andere Steroidhormonwerte und höheres Kortikosteron und Kortisol in der Mumps-Gruppe (der Abstract ist sprachlich unklar); 36 Männer (55,2 %) mit gestörter Spermatogenese, 8 (12,3 %) mit Azoospermie. Mumps ist keine STI; die Prozentangabe (36 = 55,2 %) impliziert 65 Auswertbare, die Gruppengrößen sind im Abstract nicht erklärt.

Weitere Beobachtungen bei Frauen aus dem STI-Umfeld [s369]. Bahraminejad et al. 1991 (Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica): 109 Prostituierte und 40 Kontrollfrauen; Antispermien-Antikörper (ELISA) 43,1 % gegenüber 5 % (p < 0,01), 61,3 % bei 27 Frauen ohne jede Verhütung, die innerhalb von durchschnittlich 9,3 Jahren infertil wurden; die Autoren nennen wiederholte Spermienantigene oder Mikroorganismen als Erklärung. Die Studie betrifft nur Frauen und ist hier wegen des STI-Umfelds aufgeführt.

Samenmikrobiom. Die Studien mit Sequenzierung zeigen ein anderes Bild als die Kultur: Im Sperma finden sich in allen Proben mehrere Gattungen. Yang et al. 2020 [s200]: 159 Teilnehmer mit Dysspermie (Oligoasthenozoospermie 22, Asthenozoospermie 58, Azoospermie 8, Oligozoospermie 13) und 58 Kontrollen; unterschiedliche Zusammensetzung, Betadiversität bei Asthenozoospermie und Oligoasthenozoospermie verschieden (p < 0,05), Biomarker unter anderem Ureaplasma, Bacteroides, Anaerococcus, Finegoldia, Lactobacillus. Choi et al. 2020, Korea [s190]: 17 Patienten mit CP/CPPS und 4 gesunde Freiwillige; Kulturen ohne Wachstum, Sequenzierung mit mehreren Gattungen in allen Proben; Achromobacter, Stenotrophomonas und Brevibacillus häufiger bei CP/CPPS. Yao et al. 2022 [s158]: 87 Proben; erhöhte Alpha-Diversität bei Leukozytospermie, Lactobacillus-dominierte Profile bei normaler Leukozytenzahl, Streptokokken-dominierte bei Leukozytospermie. Hou et al. 2013 [s292]: 19 Spender und 58 Infertile; keine signifikanten Unterschiede zwischen Spendern und Patienten, aber negative Assoziation von Anaerococcus mit der Spermienqualität; viele Taxa fänden sich auch in der Scheide von Frauen mit bakterieller Vaginose. Yao et al. 2025 [s70]: 26 Infertile und 14 Fertile; niedrigere Alpha-Diversität bei Infertilen, 45 unterschiedlich häufige Taxa, 147 veränderte Metaboliten, vier mit AUC über 0,97. Schwächen: sehr kleine Gruppen und keine Replikation; mehrere Befunde sind widersprüchlich (niedrigere Diversität bei [s70], höhere bei [s158]); eine Aussage zu STI-Erregern lässt sich daraus nicht ableiten.

Einordnung. Die Literatur zeigt konsistent, dass Entzündungsmarker im Ejakulat mit schlechterer Beweglichkeit einhergehen [s13, s371, s300, s350]; ausnahmsweise findet eine Studie keinen Zusammenhang [s323]. Offen bleibt, welcher Erreger die Entzündung verursacht und ob Leukozyten Ursache oder Folge sind. Die Kulturdaten zeigen sehr unterschiedliche Positivraten (0,17 bis 89 %), weil Definition, Material und Kontaminationskontrolle verschieden sind.

Gemischte Kohorten und Prävalenzrahmen

Mehrere Kohorten beschreiben Erregerspektren bei Männern mit Genitaltraktbeschwerden oder in Kinderwunschpaaren, ohne Spermienparameter auszuwerten; sie liefern den Prävalenzrahmen. Xie et al. 2026 [s35] fanden bei 594 symptomatischen Männern 81,5 % positiv für mindestens einen von 61 Erregern. Kim et al. 2026, Korea [s21], zählten in über 1,1 Millionen Proben häufige gemeinsame Nachweise von Gonorrhö und Chlamydien (Lift-Index mindestens 3). Korneew et al. 2018, Moskau [s243], untersuchten 307 Männer aus kinderlosen Ehen (4 bis 228 Monate Dauer): alle Tests negativ bei 94 (30,6 %); Chlamydien und Trichomonaden bei niemandem; Gonokokken 1 (0,4 %), Mykoplasmen 6 (2,6 %), Ureaplasmen 14 (4,7 %), Syphilis 1 (0,4 %), HBV 2 (0,9 %), HCV 6 (2,6 %), HIV 1 (0,4 %), HSV 177 (76 %) und CMV 133 (57 %); bei HSV und CMV handelt es sich vermutlich um Serologie, die nur Kontakt anzeigt; kein Spermiogrammbezug, kein Vergleich mit fertilen Männern. Kirilenko et al. 2007 [s337] untersuchten 51 Männer (30 ± 0,9 Jahre) aus infertilen Paaren mit entzündlichen Erkrankungen und Patospermie in Irkutsk: chronische bakterielle Prostatitis bei 42 (82 %), Urethritis 28 (55 %), Nebenhodenentzündung 12 (24 %), Samenbläschen 2 (4 %); Leukospermie über das Doppelte der Norm bei 22 (43 %); bei allen 51 wurden Erreger nachgewiesen (T. vaginalis 46 [90 %], C. trachomatis 15 [29 %]; Mono-Infektion 22 [43 %], Mischinfektion 29 [57 %]); schwerere Oligo- und Asthenozoospermie ging eher mit Mischinfektion einher (Tendenz, ohne Zahl); Auswahl nur Patospermer, keine Kontrollen. Suturina et al. 2005 [s346] untersuchten 39 Männer (23 bis 46 Jahre) aus infertilen Ehen, bei allen STI; Mono-Infektion 22 (56 %), Mischinfektion 17 (44 %); in 85 % der Mono-Infektionen T. vaginalis; chronische Prostatitis bei 28, alle Chlamydien-Fälle (100 %) mit Prostatitis; Mittelwerte Konzentration 18 ± 1,6 Mio./ml, Beweglichkeit A + B 40 ± 3,9 %, veränderte Morphologie 83 ± 1,5 %; keine Abhängigkeit der Parameter vom Erregertyp. Suturina et al. 2008 [s332]: 70 infertile Paare mit urogenitalen Infektionen, 84 % Patospermie, häufigste STI T. vaginalis und C. trachomatis (nur Abstract-Ebene). Die drei Irkutsker Arbeiten [s337, s346, s332] überschneiden sich in der Patientengruppe. Michailitschenko et al. 2008 [s328] und weitere russische Serien sind oben bei Chlamydien beschrieben. Behandlungsstudien (zum Beispiel Gamidow et al. 2023 [s119], randomisierter Vergleich einer Zytokin- gegen eine Antibiotikatherapie bei 60 Männern mit Anhangsdrüseninfektion) gehören in das Kapitel zu klinischen Studien und werden hier nicht ausgewertet.

Zusammenschau der Beobachtungsstudien

Die folgende Übersicht fasst zusammen, was die einzeln dargestellten Beobachtungsstudien je Erreger tragen. Sie ersetzt nicht die Einzelbeschreibungen und führt keine neue Berechnung aus.

ErregerGrößte oder wichtigste StudienBefund zur SamenqualitätTragfähigkeit
Neisseria gonorrhoeae[s377] (30 Männer, Kontrollgruppe); [s54] (53 103 Männer, Prävalenz 0,12 %)Kein Unterschied der Spermienparameter in der einzigen gezielten Studie; keine Spermiogramme in den Prävalenzstudiensehr gering
Treponema pallidum[s209] (Fallbericht), [s93] (Embryotransfer)Keine Studie mit Spermiogrammkeine Aussage möglich
Trichomonas vaginalis[s324, s319, s303] (Irkutsker Serien, überlappend), [s144], [s46]Schlechtere Werte in Männern mit Patospermie als in Normospermie (innerhalb der Infizierten); keine gesunde Kontrollegering
Chlamydia trachomatis[s253] (30 760 Patienten), [s162] (7154 Proben), [s47], [s286]Uneinheitlich: kein Unterschied in großen Serien; niedrigere Beweglichkeit, Vitalität und höhere DNA-Fragmentation in kleineren Studienmittel, widersprüchlich
Ureaplasma urealyticum[s135], [s239], [s259] (19 098 Proben) gegenüber [s102, s64, s09]Niedrigere Konzentration, Beweglichkeit, Normalformen in älteren Serien; in neueren adjustierten Kohorten nur Volumen und DNA-Anfärbbarkeitmittel, widersprüchlich
Mycoplasma genitalium[s161, s191, s235, s227, s241]Höherer DFI und niedrigeres Volumen in mehreren kleinen Studien; auffällige Inkonsistenzengering bis mittel
HPV[s57], [s61], [s295] gegenüber [s60, s56, s48, s219]Zusammenhänge in größeren Studien, keine in mehreren kleinen; Effekt oft an Koinfektion gebundenmittel, widersprüchlich
HSV, CMV[s314, s305], [s58], [s285]HSV mit schlechterer Beweglichkeit und Morphologie; CMV uneinheitlichgering bis mittel
Hepatitis B[s199], [s288], [s311]Niedrigere Spermienwerte und höheres Infertilitätsrisiko; Ergebnisse der assistierten Reproduktion widersprüchlichmittel
HIV[s242], [s220]Veränderte Spermiogramme, Therapie und Infektion nicht trennbargering
Mpox[s10, s133, s101]Keine Spermiogramme; DNA im Sperma Median 13 Tage, bis 75 Tagenur Übertragbarkeit
Zika[s183] (drei Männer)Niedrigere Konzentration und Motilität in einer sehr kleinen Studie; RNA im Sperma bis über 900 Tage in Einzelfällensehr gering
Ebola[s181, s266, s210]Keine Spermiogramme; RNA im Sperma Median 204 Tage, bis 565 Tagenur Übertragbarkeit
Leukozytospermie, Prostatitis[s13] (9345 Männer), [s371]Entzündungszeichen mit schlechterer Beweglichkeit und mehr DNA-Fragmentation verbunden; Erreger meist offenmittel

Aus dieser Übersicht ergeben sich fünf Aussagen. Erstens beruhen die Befunde zu den vier „Kernerregern“ (Chlamydien, Mykoplasmen/Ureaplasmen, HPV, Hepatitis B) auf zahlreichen Studien mit Spannweiten von keinem Unterschied bis zu deutlichen Unterschieden; die Richtung der Ergebnisse unterscheidet sich weniger nach dem Erreger als nach Studiengröße, Region, Nachweisverfahren, Vergleichsgruppe und Adjustierung. Zweitens stammt die Mehrzahl der Daten aus chinesischen Kinderwunschzentren, die Männer in Behandlung beschreiben; für die Allgemeinbevölkerung, für Männer ohne Kinderwunsch und für europäische Kollektive gibt es nur Ausnahmen [s52, s57, s97, s60]. Zweifel an der Übertragbarkeit auf Mitteleuropa nennen ausdrücklich Spornraft-Ragaller und Varwig-Janßen [s232]. Drittens lassen sich Infektionen und Entzündung nicht trennen: In mehreren Studien hängt der Effekt auf die Spermienparameter an der gleichzeitigen Leukozytospermie, an erhöhter Elastase oder an einer Koinfektion [s55, s44, s176, s22], was dafür spricht, dass die Entzündungsreaktion das Bindeglied ist; sicher ist das nicht. Viertens fehlt für Gonorrhö, Syphilis, Trichomonaden, Mpox, Zika und Ebola jeder solide Befund zur Samenqualität des Menschen; für Mpox, Zika und Ebola ist stattdessen die Dauer der Ausscheidung im Sperma gut beschrieben, was die Übertragbarkeit betrifft, nicht die Fruchtbarkeit. Fünftens sind viele Einzelbefunde statistisch fragil: Die Konfidenzintervalle reichen oft nahe an 1 [s227], Gruppen sind klein (zwölf Positive in [s235], drei Männer in [s183], zehn Kontrollen in [s24]), interne Widersprüche kommen vor [s82, s47, s89, s336], und Mehrfachvergleiche ohne Korrektur sind häufig.

Wo sich Studien zu demselben Erreger widersprechen, und mögliche Erklärungen

Mehrere Widersprüche sind in den Quellen selbst belegt oder lassen sich aus den berichteten Unterschieden der Studien begründen, ohne dass sie damit aufgelöst wären.

Ureaplasma urealyticum. Ältere und kleinere Studien aus Nanjing, Shanghai und Jilin [s329, s341, s310, s238] fanden niedrigere Konzentration, Beweglichkeit oder Normalformen, die neueren Kohorten aus Hefei [s102, s64, s09] nicht. Mögliche Erklärungen: Die neueren Studien sind adjustiert, größer und beschränken sich auf Paare in Kinderwunschbehandlung; Nachweisverfahren, Nachweismaterial und die Unterscheidung von U. parvum und U. urealyticum sind nicht einheitlich; und manche ältere Kontrollgruppen sind sehr klein (25 Männer in [s238]). Die Metaanalysen [s116] zeigen außerdem, dass die Assoziation in China stärker ist als weltweit.

Chlamydien. Die großen chinesischen Serien finden kein oder ein sehr begrenztes Muster [s253, s162], die Studie aus Casablanca [s47] findet bei Chlamydien-positiven Männern mit abnormalem Spermiogramm niedrige Werte, gruppiert aber nach dem Spermiogramm selbst; die tunesischen Arbeiten finden gemischte Ergebnisse [s286, s325]; die Metaanalysen finden Zusammenhänge [s05, s122, s98]. Chlamydien-Antikörper sind in mehreren Studien mit Asthenozoospermie oder verminderter Vitalität verbunden [s15, s208, s178], sagen aber nichts über eine aktuelle Infektion im Genitaltrakt, und der Nachweis im Seminalplasma erwies sich in einer Studie als ungeeignet [s349].

HPV. Metaanalysen finden Zusammenhänge [s247, s233, s184, s83]; mehrere Einzelstudien der letzten Jahre nicht [s60, s56, s48]. Wahrscheinliche Gründe: Die Metaanalysen bündeln viele kleine Studien mit hoher Heterogenität (I² 86 % in [s189]), und Publikationsbias ist nicht auszuschließen; die Einzelstudien haben kleine Gruppen; in mehreren Studien hängt der Effekt an der Koinfektion [s55, s44].

Hepatitis B und assistierte Reproduktion. Die Spannweite von „keine Wirkung“ [s100, s67, s185] bis „ungünstig“ [s109, s311] hängt an Behandlungsform, Serostatus, Matching und Fallzahl.

Nachweis im Sperma gegenüber im Urin. Die RNA- und PCR-Verfahren stimmen für Chlamydien und Ureaplasma gut überein (Übereinstimmung 88,99 % bis 98,17 % in [s166]), und die tunesischen Studien zeigen eine Übereinstimmung von Sperma und Urin über 95 % [s325]; für Gonokokken fand eine jordanische Studie dagegen DNA nur im Sperma, nicht im Urin [s290], und die Gonokokken-Raten schwanken zwischen 0 % und 36 % je nach Studie [s164, s154].

Alle Kapitel und Anhänge (29)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Vorbemerkung: was dieses Kapitel umfasst und wie es zu lesen ist bis Chronische Prostatitis, Leukozytospermie und Bakteriospermie
  5. Mpox, Zika, Ebola, Marburg und Dengue: Übersichten bis Zusammenschau der Metaanalysen und Übersichten
  6. Lesehilfe: Fragestellungen, Vergleichsgruppen und typische Schwächen bis Trichomonaden (Trichomonas vaginalis)
  7. Chlamydia trachomatis
  8. Mykoplasmen und Ureaplasmen bis Hepatitis B
  9. HIV und Antiretrovirale Therapie bis Wo sich Studien zu demselben Erreger widersprechen, und mögliche Erklärungen
  10. Grenzen der Beobachtungsliteratur und Lücken
  11. Übergreifende Übersichten und Metaanalysen bis Zika
  12. Ebola (und Marburg) bis Bakteriospermie, Leukozytospermie, Prostatitis und Samenmikrobiom
  13. Leitlinien
  14. Mechanismen und biologische Plausibilität
  15. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  16. Englisch bis Koreanisch
  17. Russisch bis Türkisch
  18. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  19. Limitationen der Evidenz
  20. Offene Forschungsfragen
  21. Praktische Einordnung
  22. Glossar
  23. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)
  24. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)
  25. Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)
  26. Diagramme
  27. Quellen s01–s197
  28. Quellen s198–s383
  29. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle