Gonorrhö, Syphilis, Trichomonaden, Mpox und Zika · Kapitel 6 von 25 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Lesehilfe: Fragestellungen, Vergleichsgruppen und typische Schwächen bis Trichomonaden (Trichomonas vaginalis)

Lesehilfe: Fragestellungen, Vergleichsgruppen und typische Schwächen

Die folgenden Studien beantworten drei verschiedene Fragen, die nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Die erste lautet, wie häufig ein Erreger in einer Gruppe ist (Prävalenzstudien, Überwachungsdaten). Die zweite lautet, ob ein Erreger bei infertilen Männern häufiger ist als bei fertilen (Fall-Kontroll-Studien); sie sagt nichts darüber, ob die Infektion die Samenqualität verändert. Die dritte lautet, ob Männer mit Erreger andere Spermienwerte haben als Männer ohne (Querschnitt- und Kohortenstudien); auch das zeigt nur einen Zusammenhang. Typische Schwächen kehren wieder: Auswahl über Kinderwunschzentren, keine oder schlecht beschriebene Kontrollgruppe, fehlende Anpassung an Alter, Abstinenzzeit und Rauchen, mehrere Erreger gleichzeitig, Mehrfachvergleiche ohne Korrektur, retrospektive Datenerhebung und Doppelzählung von Patienten, wenn Zentren mehrfach aus derselben Datenbank publizieren. Die Abschnitte sind nach Erregern geordnet, innerhalb eines Abschnitts nach Studientyp. Behandlungsergebnisse, die Studien nebenbei berichten, werden als Befund wiedergegeben und nicht als Empfehlung.

Gonorrhö (Neisseria gonorrhoeae)

Für Gonorrhö gibt es keine moderne Kohorte, die Gonokokken-Infektion als alleinige Exposition mit dem Spermiogramm verknüpft. Die Befunde stammen aus einer kleinen Vergleichsstudie von 1982, aus Mehrerreger-Kohorten, in denen Gonokokken einer von mehreren Erregern sind, und aus Prävalenz- und Überwachungsdaten. Ein durchgehendes Muster ist, dass Gonokokken in Kinderwunschpopulationen heute selten nachgewiesen werden.

Pérez-Plaza et al. 1982, International Journal of Andrology [s377]. Vergleichsstudie an 30 Männern mit asymptomatischer Gonorrhö gegen eine Kontrollgruppe mit normalen Befunden. Ejakulatvolumen, Spermienzahl, Beweglichkeit, Geschwindigkeit, Anteil normal geformter Spermien und die meisten untersuchten Bestandteile des Seminalplasmas (Fruktose, Ascorbinsäure, Calcium, Natrium, Kalium, Chlorid, Magnesium) unterschieden sich nicht signifikant. Die Zitronensäure war bei den Männern mit Gonorrhö signifikant niedriger (P < 0,002), was die Autoren als Hinweis auf eine nicht akute Prostatitis deuten. Vor und nach Behandlung zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Stärken: gezielt auf Gonokokken, Seminalplasma-Chemie mitgeprüft. Schwächen: nur 30 Männer, alte Nachweis- und Zählmethoden, keine Konfidenzintervalle im Abstract. Es ist die einzige in der Literatur gefundene Studie, die bei Gonorrhö des Mannes das Spermiogramm gezielt und mit Kontrollgruppe untersucht, und sie fand keinen Unterschied der Spermienparameter.

Cui et al. 2026, Asian Journal of Andrology [s08]. Retrospektive Kohortenstudie an 131 183 Patienten eines chinesischen Krankenhauslabors. Infertile Männer hatten eine signifikant schlechtere Samenqualität als gesunde Kontrollen. Das Infertilitätsrisiko folgte einer U-Kurve nach Alter, am niedrigsten bei 25 bis 29 Jahren. Antispermien-Antikörper, Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, Ureaplasma urealyticum und/oder Mycoplasma genitalium waren mit schlechterer Samenqualität und höherem Infertilitätsrisiko verbunden; Herpes simplex Typ 2 war selten und ohne signifikanten Einfluss. Das Abstract nennt keine erregerspezifischen Effektgrößen. Stärke: die Fallzahl. Schwächen: retrospektiv, Einzelerreger nicht getrennt ausgewiesen; für Gonokokken lässt sich daraus kein eigener Effekt ablesen.

Le et al. 2026, Reproductive Biology [s22]. Retrospektive Querschnittsstudie an 153 infertilen Männern mit einer Multiplex-PCR auf 14 Zielstrukturen (unter anderem C. trachomatis, N. gonorrhoeae, M. genitalium, Ureaplasma) und Messung des Oxidationsreduktionspotenzials (ORP) im Sperma. STI fanden sich bei 32,0 % (Einzelinfektion 22,9 %, Mehrfachinfektion 9,1 %). Die STI-Positivität allein war nicht signifikant mit den Spermienparametern oder dem ORP verbunden. Mehrfachinfektionen gingen mit einem erhöhten ORP einher (OR 1,96; 95-%-KI 0,60 bis 6,41, also nicht signifikant), entzündungsassoziierte Erreger ähnlich (OR 2,05; 0,73 bis 5,82, ebenfalls nicht signifikant). Männer mit STI und erhöhtem ORP hatten signifikant geringere progressive Motilität, Konzentration und normale Morphologie als STI-negative Männer mit normalem ORP (alle P < 0,001). Schwächen: kleine Stichprobe, Gonokokken nicht gesondert ausgewiesen; der Vergleich der Gruppe mit zwei Merkmalen (STI und erhöhtes ORP) mit der Gruppe ohne beide Merkmale sagt wenig darüber, welches Merkmal wirkt.

Tjagur et al. 2021, International Journal of Molecular Sciences [s182]. Fall-Kontroll-Studie mit 2000 Männern mit Fertilitätsproblemen und 248 Partnern schwangerer Frauen als Kontrollen. Mycoplasma genitalium wurde bei 1,1 % und Chlamydien bei 1,2 % der Studiengruppe gefunden, Chlamydien bei 1,6 % der Kontrollen. Weder Gonorrhö noch Trichomoniasis noch Mischinfektionen traten in einer der beiden Gruppen auf. Bei M. genitalium waren Neutrophile und Interleukin 6 im Sperma höher; bei STI-Positiven bestand eine Tendenz zu niedrigerer Gesamtspermienzahl und progressiver Motilität. Für Gonorrhö ist die Aussage dieser Studie null: Es gab keinen Fall.

Bai et al. 2021, Reproductive Biology and Endocrinology [s164]; Bai et al. 2022 [s142]. Die erste Studie untersuchte 195 subfertile Männer mit Sperma-PCR auf sieben Erreger: Ureaplasma urealyticum 8,7 %, U. parvum 21,0 %, Mycoplasma hominis 8,2 %, M. genitalium 2,1 %, Chlamydia trachomatis 3,6 %, HSV-2 1,0 % und Neisseria gonorrhoeae 0 %. Männer mit Leukozytospermie hatten geringeres Volumen, geringere Konzentration, Motilität und Morphologie; die STI-Nachweisrate war bei Leukozytospermie höher (52,3 % gegenüber 39,3 %), aber nicht signifikant (P = 0,07). Die Autoren schließen, Leukozytospermie sei mit schlechterer Samenqualität verbunden, aber nicht mit STI. Die zweite Studie (133 Männer) fand eine STI-Prävalenz bei primärer Infertilität von 39,7 % gegenüber 21,7 % bei sekundärer (P = 0,03), für Ureaplasma 28,8 % gegenüber 13,3 %; eine niedrigere Spermienkonzentration war im Rohmodell bei STI-Positivität mit primärer Infertilität verbunden (P = 0,04). Gonokokken wurden nicht gesondert ausgewertet; beide Studien sind klein.

Rivera et al. 2022, Asian Journal of Urology [s154]. 81 gesunde Freiwillige mit Spermiogramm im Referenzbereich; DNA-Nachweis per PCR. In 78 Proben wurde DNA mindestens eines Mikroorganismus gefunden, darunter Neisseria gonorrhoeae (36 %) und Chlamydia trachomatis (28 %). Die progressive Motilität war bei Proben mit N. gonorrhoeae und C. trachomatis höher, die Konzentration bei C.-trachomatis-positiven ebenfalls. Eine Verschlechterung der Spermienparameter durch Gonokokken zeigte sich nicht. Die Gonokokken-Positivrate von 36 % bei gesunden Männern liegt weit über allen anderen Studien (0 % bei [s164], kein Fall bei [s182]) und spricht für methodische Unsicherheit der PCR-Zuordnung oder Kontamination; die Studie ist nur mit großer Vorsicht heranzuziehen.

Faisal et al. 2024, Preprint, Research Square [s82]. Fall-Kontroll-Studie mit Real-Time-PCR im Sperma: 54 kinderlose Männer mit Konzeptionsproblem (24 bis 55 Jahre), 13 Männer mit mindestens einem Kind als Kontrollen. Laut Abstract waren in der Patientengruppe 22 von 54 Männern (40,9 %) für N. gonorrhoeae positiv, 7 (31,8 %) für T. pallidum, 4 (18,18 %) für M. genitalium und 2 (9,09 %) für Trichomonas vaginalis; in der Kontrollgruppe gab es eine Gonokokken-Infektion. Die Prozentangaben sind intern nicht konsistent: 31,8 %, 18,18 % und 9,09 % entsprechen rechnerisch 7, 4 und 2 von 22, nicht von 54, sodass der Nenner unklar bleibt. Hinzu kommen der Preprint-Status (nicht begutachtet) und nur 13 Kontrollen. Es ist die einzige abgerufene Studie, die Syphilis-Erreger im Sperma infertiler Männer zählt; Spermienparameter werden im Abstract nicht berichtet. Die Zahlen sollten nicht ohne Bestätigung übernommen werden.

Qing et al. 2017, Annals of Clinical Microbiology and Antimicrobials [s249]. 2607 infertile Männer, Nachweis im Urin per RNA-Amplifikation (SAT). 51 Proben waren M.-genitalium-RNA-positiv, 1418 Ureaplasma-urealyticum-RNA-positiv; Chlamydien und Gonokokken waren seltener. Männer mit M.-genitalium- oder U.-urealyticum-RNA hatten einen höheren DNA-Fragmentationsindex (DFI), andere Parameter unterschieden sich nicht signifikant. Die multivariate lineare Regression ergab ein angepasstes R² von 46,2 % für den DFI. Stärke: große Stichprobe. Schwächen: Probe war Urin, nicht Sperma; Gonokokken nicht einzeln ausgewertet.

Fan et al. 2025, Asian Journal of Andrology [s44]. 1951 Männer infertiler Paare aus Yunnan (23. März bis 17. Mai 2023), HPV-Genotypisierung und Multiplex-PCR auf weitere Erreger. HPV-Prävalenz 12,4 %; häufigste Typen 56, 52, 43, 16 und 53. Weitere Nachweise: Ureaplasma urealyticum 28,3 %, U. parvum 20,4 %, Enterococcus faecalis 9,5 %. Unter den HPV-Positiven fand sich Koinfektion mit U. urealyticum bei 24,8 %, U. parvum 25,4 %, Chlamydien 10,6 %, M. genitalium 6,4 %, HSV-2 2,4 %, Gonokokken 7,9 %, Enterococcus faecalis 5,9 %. HPV allein senkte Volumen und Gesamtspermienzahl; die Koinfektion mit HPV und U. urealyticum senkte Motilität und Vitalität signifikant. Der Gonokokken-Wert von 7,9 % unter den HPV-Positiven steht im Gegensatz zur sehr niedrigen Gonorrhö-Rate anderer Kohorten und wird hier nicht weiter gedeutet; das Abstract nennt keine Effektgrößen.

Luo et al. 2025, BMC Infectious Diseases [s54]. Retrospektive Prävalenzstudie in einem Reproduktionszentrum in Chongqing, 111 222 Patienten (53 103 Männer, 58 119 Frauen; mittleres Alter 33,28 ± 5,49 Jahre), 2018 bis 2022, Proben aus Sperma oder Zervixabstrich, Real-Time-PCR. Gonorrhö war bei 0,12 % der Männer und 0,11 % der Frauen nachweisbar (p = 0,612). Chlamydien waren bei Männern seltener als bei Frauen (1,93 % gegenüber 2,57 %; p < 0,001), M. genitalium häufiger (3,57 % gegenüber 2,04 %; p < 0,001). 95,1 % der infizierten Männer hatten nur einen Erreger; die häufigste Mischinfektion war Chlamydia mit M. genitalium. Es ist die größte Prävalenzstudie in einer Kinderwunschpopulation und zeigt, dass Gonorrhö dort sehr selten ist. Samenparameter werden nicht berichtet.

Li, Wang und Li 2024, Zhonghua yu fang yi xue za zhi (chinesischsprachig) [s89]. Retrospektive Fall-Kontroll-Analyse von 32 184 Proben aus Changsha (2021 und 2022). Gesamtpositivrate für Chlamydien 4,41 % (1419), für Gonorrhö 1,42 % (457). Infertilitätsgruppe (n = 3366; 2987 Frauen, 379 Männer) gegenüber Kontrollgruppe (n = 3366; 2509 Frauen, 857 Männer): Chlamydien 13,61 % gegenüber 3,30 %, Gonorrhö 6,36 % gegenüber 0,89 %. In der männlichen Teilgruppe (Urinproben): Chlamydien 13,72 % (52/379) gegenüber 3,38 % (29/857), Gonorrhö 12,66 % (48/379) gegenüber 0,93 % (8/857). Bei den Frauen lagen die Raten bei 10,41 % gegenüber 3,75 % (Chlamydien) und 8,73 % gegenüber 0,40 % (Gonorrhö). Die im Abstract genannten Chi-Quadrat-Werte (zum Beispiel 4,245 und 5,267, in einer Fassung 4,166) wirken angesichts der großen Prozentunterschiede auffällig klein; sie wurden nicht überprüft. Die Kontrollgruppe stammt aus derselben Klinik, die Auswahlkriterien sind nicht beschrieben; Samenparameter werden nicht berichtet. Die Gonorrhö-Rate von 12,66 % bei infertilen Männern widerspricht der Rate von 0,12 % in [s54] aus ebenfalls südchinesischem Umfeld um den Faktor 100; möglich sind Unterschiede in Nachweisverfahren (hier Urin), Auswahl und Fehlzuordnung, die das Abstract nicht klärt.

Foronda-García-Hidalgo et al. 2019, Revista Española de Quimioterapia (spanisch) [s207]. Retrospektive deskriptive Studie, 3066 Proben von Männern mit Genitaltraktinfektion (2016 und 2017), 451 (14,71 %) positiv. In der Kultur waren die häufigsten Erreger Enterobacterales 18,40 %, Enterokokken 13,75 %, Haemophilus 8,65 % und Neisseria gonorrhoeae 8,43 %. In der PCR waren es N. gonorrhoeae (28,37 %), C. trachomatis (26,95 %), U. urealyticum (17,73 %), M. hominis/U. parvum (10,64 %) und M. genitalium (7,10 %); die Prozente beziehen sich auf die Positivbefunde, der Nenner wird im Abstract nicht ausdrücklich genannt. Patienten mit Gonokokken waren jünger. Keine Samenqualitätsdaten; die Studie zeigt, dass Gonokokken bei symptomatischen Männern häufig sind, im Gegensatz zu den Kinderwunschkohorten.

Chen et al. 2017, Sexually Transmitted Diseases [s244]. Retrospektive Fallserie von 57 Fällen gonokokken- oder chlamydienbedingter Nebenhodenentzündung in zwei kanadischen STI-Kliniken 2004 bis 2014. Die Mehrheit sprach auf die nationale Standardbehandlung an; drei von sechs Behandlungsversagen wurden nicht leitliniengemäß behandelt. Spermiogramme wurden nicht erhoben.

Nebenhodenentzündung in Japan [s298, s25]. Bei 56 Männern unter 40 Jahren mit akuter Epididymitis in Sendai (Ito et al. 2012) war Neisseria gonorrhoeae bei 3 Männern (5,4 %) nachweisbar, Chlamydia trachomatis bei 28 (50,0 %). In einer multizentrischen japanischen Studie (Matsumoto et al. 2026; 110 Patienten, 2017) gab es keinen gonokokkalen Fall und zwei Chlamydien-Fälle; Escherichia coli dominierte. Beide Studien messen keine Spermienparameter.

Obstruktive Azoospermie in China [s258, s255]. In 133 Patienten mit obstruktiver Azoospermie in Peking (Han et al. 2016) wurde Gonorrhö bei 28 von 266 Samenwegeinheiten (10,5 %) als Ursache gezählt; Infektion insgesamt 144 Einheiten (54,1 %), Orchitis 51 (19,2 %), Epididymitis 54 (20,3 %); idiopathisch blieben 74 Einheiten (27,8 %). In einer Studie zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit bei 208 Männern mit postinfektiöser obstruktiver Azoospermie (Chen et al. 2016; Alter 28,5 ± 3,9 Jahre) wurden 198 operiert, bei 159 gelang die Operation mit Spermiennachweis im Nebenhodensekret; bei 150 nachbeobachteten Männern (16,5 ± 5,9 Monate) betrug die Durchgängigkeitsrate 72 % (108/150), natürliche Schwangerschaften traten bei 38,7 % (58/150) auf, die Lebendgeburtenrate lag bei 32,7 % (49/150). Das ist eine Folgenstudie zur Infektionsfolge Samenwegverschluss, ohne Kontrollgruppe und ohne Erregerzuordnung; sie wird hier als Beobachtung der Folgen einer Infektion, nicht als Behandlungsempfehlung aufgeführt.

Spendersperma [s195]. Bei 4897 Samenspendern in Henan (2008 bis 2018) fand sich Neisseria gonorrhoeae in 3 von 150 Proben mit einer Bakterienzahl von mindestens 10⁴ KBE/ml (2,00 %). Die Studie wird im Abschnitt zur Bakteriospermie ausführlicher dargestellt.

Nahost und Nordafrika [s290, s286, s49, s148]. Abusarah et al. 2013 aus Jordanien untersuchten 93 infertile und 70 fertile Männer mit PCR in Sperma und Erststrahlurin: N. gonorrhoeae 6,5 % gegenüber 0 %, C. trachomatis 4,3 % gegenüber 1,4 %, U. urealyticum 10,8 % gegenüber 5,7 %, M. genitalium 3,2 % gegenüber 1,4 %. Gonokokken-DNA fand sich nur im Sperma und nicht im Urin derselben Männer und war signifikant mit Infertilität verbunden; die Fallzahlen sind klein (sechs Männer mit Gonokokken-DNA), das Abstract nennt keine Konfidenzintervalle. Sellami et al. 2014 aus Tunesien (85 Männer, qPCR im Sperma) fanden C. trachomatis bei 15,2 %, N. gonorrhoeae bei 5,8 % (5 Männer), U. urealyticum bei 5,8 %, M. genitalium bei 3,5 %. Karpuz et al. 2025 (BMC Urology, Antalya) fanden bei 94 Männern mit Urethritis-Symptomen Gonokokken bei 9 (9,6 %), und Gonokokken waren wie U. urealyticum bei Ausfluss häufiger sowie wie M. genitalium bei mehr als drei Partnern in zwölf Monaten (p < 0,05); Kılıç et al. 2022 fanden bei 144 Männern mit Harnwegsbeschwerden oder Risikokontakt Gonokokken bei 6 (4,2 %). Beide türkischen Studien erfassen symptomatische Männer ohne Spermiogramm. Abu-Dayyeh et al. 2026 [s01] (8779 Personen, Jordanien, 2014 bis 2025) fanden eine Gonorrhö-Prävalenz von 0,4 % (95-%-KI 0,2 bis 0,5 %), bei Visa-Untersuchungen 0,1 % (0,0 bis 0,2 %) und eine Inzidenzrate von 2,57 pro 1000 Personenjahre (0,83 bis 7,97) bei drei Neuinfektionen in 1167 Personenjahren, ohne Rückgang im Zeitverlauf; Spermabezug besteht nicht.

Russischsprachiger Raum [s336, s243, s269, s340, s321]. Atjuschew und Motawkina 2007 (Pazifik-Medizinjournal, Wladiwostok) beobachteten über acht Jahre (1998 bis 2005) 1050 Männer (18 bis 70 Jahre) mit urogenitalen Infektionen ohne Kontrollgruppe. Anteile: Ureaplasmose 36,5 ± 2,5 %, Chlamydiose 26,7 ± 2,6 %, Mykoplasmose 19,6 ± 2,8 %, Trichomoniasis 7,5 ± 3,0 %, Kandidose 5,9 ± 3,0 %, Gonorrhö 3,8 ± 3,1 %; Mono-Infektion 31,4 %, Mischinfektion 68,6 %. Infertilität bestand bei 347 (33,1 %). In dieser Teilgruppe lag die Beweglichkeit bei Gonorrhö (n = 13) bei 38,5 ± 14,0 %, bei Trichomoniasis (n = 26) bei 29,2 ± 9,1 %, bei Chlamydiose (n = 93) bei 39,8 ± 5,1 %; die Konzentration (Mio./ml) bei Gonorrhö 34,2, Trichomoniasis 28,5, Chlamydiose 45,3. Derselbe Wert 38,5 ± 14,0 % wird in der Quelle auch für die Häufigkeit von Erektionsstörungen bei Gonorrhö genannt, was auf eine Verwechslung bei der Texterkennung der Tabelle hindeutet; die Beweglichkeitszahl für Gonorrhö ist daher unsicher. Weitere Schwächen: keine Kontrollgruppe, sehr kleine Gruppe bei Gonorrhö, nicht standardisierte Behandlung, uneinheitliche Kriterien. Es ist unter den russischsprachigen Quellen die einzige mit Zahlen zur Spermienqualität bei Gonorrhö. Korneew et al. 2018 (Moskau) fanden bei 235 untersuchten Männern aus kinderlosen Ehen einen Gonokokken-Nachweis (0,4 %). In der kasachischen Serie von Akyschbajewa et al. 2016 hatten 70,0 ± 12,6 % der infertilen Männer frühere STI in der Vorgeschichte, darunter Gonorrhö bei 42,9 ± 9,0 %. Woronina et al. 2006 stellten fest, dass bei akuter Gonorrhö die Artenvielfalt der Ejakulat-Mikroflora gegenüber Gesunden abnahm und bei chronischer Form mit Gonokokken assoziierte Keime mit hohem Persistenzpotenzial zunahmen; Michailowa et al. 2009 untersuchten das Ejakulat von 54 Patienten und 18 Gesunden: Gonokokken mit Antilaktoferrin- und IgA-Protease-Aktivität waren bei systemischem Verlauf häufiger, dort lag Laktoferrin im Samen höher und IgA niedriger. Beide Arbeiten enthalten keine Spermienparameter.

Überwachungsdaten und Screening [s21, s16]. Eine koreanische Überwachungsstudie (Kim et al. 2026; 1 105 261 Proben, 2023 bis 2024) fand, dass Gonorrhö und Chlamydien häufig zusammen auftreten (Lift-Index mindestens 3), in beiden Geschlechtern. Bei 336 Männern in Taiwan (Hsieh et al. 2026) waren 6,3 % für Gonorrhö und 16,1 % für Chlamydien positiv, zumeist extragenital und ohne Symptome. Beide Studien messen keine Samenqualität.

Nicht-gonokokkale Neisserien und Testverfahren [s322, s40]. Wang et al. 2009 (Guiyang) beschrieben eine Fallserie von acht Männern mit Harnröhren- und Prostatainfektionen durch nicht-gonokokkale Neisserien (3 N. mucosa, 4 N. cinerea, 1 N. lactamica), die in der PCR des kryptischen Plasmids pJD1 dieselben positiven Ergebnisse zeigten wie N. gonorrhoeae; die Autoren folgern, dass Gonorrhö mit gängigen Methoden fehlgedeutet werden kann; die Isolate zeigten Mehrfachresistenz, besonders gegen Chinolone und Fosfomycin. Das ist eine Fallserie ohne Spermiogramm, sie ist aber ein Hinweis, dass Nachweisverfahren die Gonokokken-Zahlen beeinflussen können. Deng et al. 2025 verglichen einen RNA-Amplifikations-Lateral-Flow-Test für Gonokokken, Chlamydien und Ureaplasmen mit der PCR und fanden Übereinstimmungen von 99,03 % (307/310), 99,38 % (159/160) und 99,02 % (303/306); eine Methodenstudie ohne Bezug zur Samenqualität.

Einordnung Gonorrhö. Aus den Beobachtungsstudien lässt sich für Gonorrhö keine Wirkung auf die Spermienparameter ableiten. Die einzige gezielte Studie mit Kontrollgruppe [s377] fand keinen Unterschied der Spermienparameter; in der Mehrzahl der Kinderwunschkohorten ist Gonorrhö so selten (0 bis 0,12 %), dass ein Vergleich nicht möglich ist; in einzelnen Studien aus Jordanien und China finden sich hohe Prävalenzen bei Infertilen (6,5 % und 12,66 %), die jedoch in der Samenqualität nicht ausgewertet wurden und teils methodisch unsicher sind. Die Einordnung als „häufigste infektiöse Ursache männlicher Infertilität“ in der Übersicht von 2026 [s31] wird durch die abgerufenen Beobachtungsstudien nicht gestützt.

Syphilis (Treponema pallidum)

Für Syphilis fand sich keine Beobachtungsstudie am Menschen mit Spermiogramm. Es liegen vor: ein Fallbericht zum Erregernachweis im Sperma, vier Fallberichte zur syphilitischen Orchitis aus Japan, Taiwan und Italien, ein russischer Fallbericht mit Literaturauswertung von 38 Fällen, eine Studie zu Embryotransfers bei Syphilis und einzelne Prävalenzangaben.

Godornes et al. 2019, Sexually Transmitted Diseases [s209]. Fallbericht: Treponema-pallidum-DNA und -RNA im Sperma eines Syphilispatienten ohne Genital- oder Analläsionen und ohne klinisch erkennbare Orchitis. Im Urin derselben Person unmittelbar vorher fanden sich keine Nukleinsäuren. Die Autoren halten eine Exposition über Sperma als Erklärung für Übertragungen ohne Kontakt mit einem Primäraffekt für möglich. Ein einzelner Patient, kein Spermiogramm; die Infektiosität des Nachweises ist offen.

Fallberichte zur syphilitischen Orchitis. Miyazaki et al. 2023 (Urology Case Reports, Osaka) [s127] beschreiben eine seltene späte Komplikation mit Hodenschwellung und langfristiger Bildgebung bei konservativer Behandlung ohne Entfernung des Hodens. Pennati et al. 2026 (BMC Infectious Diseases) [s27] berichten einen 36-jährigen Mann mit tastbarem Hodenknoten (9 bis 12 mm hypoechogene Läsion, Tumormarker normal), bei dem nach Orchifunikulektomie histologisch Treponemen nachgewiesen wurden (TPHA positiv, VDRL 1:128). Sekita et al. 2012 (Chiba) [s302] beschreiben einen Mann Anfang vierzig mit Schwellung des linken Skrotalinhalts und einem 30-mm-Knoten im Ultraschall; die Tumormarker AFP, LDH und β-hCG waren normal, TPHA und RPR stark positiv; die hohe Orchiektomie ergab histologisch eine granulomatöse Entzündung. Terao et al. 1993 (Tokio) [s368] berichten einen 44-jährigen Mann mit hühnereigroßem Hoden, TPHA und RPR positiv, Orchiektomie, granulomatöse Entzündung mit Endarteriitis obliterans. Chu et al. 2016 (Taiwan) [s256] beschreiben einen 33-jährigen Mann mit nicht erkannter HIV-Infektion und Hodentumor; die Syphilis wurde per Immunhistochemie und PCR bestätigt, obwohl die Serologie (VDRL, TPPA) falsch negativ war. Davidow et al. 2025 [s72] (Wjatka-Medizinjournal, russisch; Titel: „Später (tertiärer) Syphilis des Hodens. Klinischer Fall“) berichten einen 65-jährigen Mann mit tertiärer Hodensyphilis, der operativ behandelt wurde, und werten 38 weltweit beschriebene Fälle aus. Alle Berichte betonen, dass die Hodensyphilis wie ein Hodentumor aussehen kann; Aussagen zur Samenqualität machen sie nicht. Aus Einzelfällen lassen sich weder Häufigkeit noch Folgen für die Fruchtbarkeit ableiten.

Miao et al. 2024, Wuxi [s93]. Retrospektive Studie an 4430 infertilen Paaren mit Syphilis-Testung; verglichen wurden die Ergebnisse von Auftau-Embryotransfers mit und ohne Syphilis. Beim ersten Transfer lag die Lebendgeburtenrate in der Syphilisgruppe niedriger (71,3 % gegenüber 50,0 %), die Abortrate höher (7,8 % gegenüber 26,7 %; beide p < 0,05); nach zwei Transfers waren biochemische Schwangerschaftsrate (61,3 % gegenüber 28,6 %) und klinische Schwangerschaftsrate (42,9 % gegenüber 14,3 %) in der Gruppe mit alleiniger Syphilis niedriger (p < 0,05); bei drei oder mehr Transfers gab es keinen Unterschied. Die Reihenfolge der Zahlenpaare ist im Abstract nicht beschriftet und wird nach dem Textsinn als Nichtinfizierte gegenüber Infizierte gelesen. Das Abstract bezieht sich auf die Syphilisinfektion der Frau (erster Teilsatz) und sagt zur Samenqualität nichts. Stärke: ungewöhnlich große Kohorte. Schwächen: Untergruppen sehr klein (die Prozentwerte schwanken stark), keine Spermiogramm-Zielgröße.

Prävalenzangaben. Neben Faisal et al. [s82] (siehe Gonorrhö; Preprint mit unklarem Nenner) fand Xie et al. 2026 (Scientific Reports [s35]) bei 594 Männern mit symptomatischer Genitaltraktinfektion (Harnröhrenabstrich, gezielte Sequenzierung, 61 Erreger) Treponema pallidum bei 0,8 % und Neisseria gonorrhoeae bei 5,2 %; 81,5 % waren für mindestens einen Erreger positiv. Kurilo et al. 2016 [s272] fanden bei 15 Männern mit bakterieller Infektion im Ejakulat oder Harnröhrenabstrich T. pallidum bei einem (6,7 %). Korneew et al. 2018 [s243] fanden eine positive Syphilis-Serologie bei 1 von 229 (0,4 %), Akyschbajewa et al. 2016 [s269] Syphilis in der Vorgeschichte bei 4,8 ± 3,9 %.

Einordnung Syphilis. Zur Frage der Samenqualität fehlt jede Humanstudie mit Spermiogramm. Die vorhandenen Beobachtungen betreffen die Übertragbarkeit (Erregernachweis im Sperma bei einem Mann), die Differenzialdiagnose des Hodentumors und die Ergebnisse assistierter Reproduktion bei Syphilis, nicht die Spermienqualität.

Trichomonaden (Trichomonas vaginalis)

Die Literatur zu Trichomonaden beim Mann besteht überwiegend aus Prävalenzstudien, einer größeren Zahl russischer klinischer Serien aus Irkutsk, die auf teils denselben Patienten beruhen, und japanischen Studien aus den Jahren 1957 bis 1973. Eine gezielte, kontrollierte Studie mit Spermiogramm an Männern mit nachgewiesener Trichomoniasis gibt es nicht.

Hosseini et al. 2025, Acta Parasitologica [s46]. Querschnittsstudie an 197 Männern aus dem Fertilitätszentrum Hamadan (Iran), 181 mit Fertilitätsproblemen und 16 mit normaler Fertilität. 48 % hatten nicht oder nicht progressiv bewegliche Spermien, 48 % Morphologiestörungen. Mikroskopisch wurde kein T. vaginalis gefunden; PCR und Sequenzierung ergaben einen Fall (33 Jahre, 0,3 % normale Spermien, 19 % Motilität). Die Prävalenz in dieser Population war mit 1 von 197 sehr niedrig; aus einem Einzelfall lässt sich keine Wirkung ableiten.

Chang et al. 2022, Polish Journal of Microbiology [s144]. 138 Männer mit chronischer Prostatitis/chronischem Beckenschmerzsyndrom, Schnelltest auf Trichomonaden im Urin nach Prostatamassage. 29 waren positiv (etwa 21 %). Die Positiven hatten häufiger Unterbauchschmerz (p = 0,034), mehr als fünf Leukozyten pro Gesichtsfeld im Sperma (p = 0,020) und die entzündliche Kategorie IIIA (p = 0,005); in der Kategorie IIIA waren 47,37 % positiv. Die Studie verbindet T. vaginalis mit Entzündungszeichen im Ejakulat, misst aber keine Spermienparameter.

Prävalenz in Ostasien [s139, s287, s299, s381, s380, s379]. Zhang et al. 2023 (Xinxiang, Henan) untersuchten 634 männliche Proben (254 Sperma, 43 Prostatasekret, 337 Urin; 2018 bis 2019) mit nested PCR: 32 positiv (5,05 %); nach Material Sperma 7,87 % (20/254), Prostatasekret 4,65 % (2/43), Urin 2,97 % (10/337); Genotyp E; Spermienparameter wurden nicht ausgewertet. Seo et al. 2014 (Daegu, Korea) fanden bei 201 Männern einer urologischen Praxis eine Prävalenz von 4 % (8/201) per PCR; 7 von 8 hatten Prostataerkrankungen, 2 zusätzlich Chlamydien, 1 Mycoplasma genitalium; Medianalter der Positiven 52 Jahre. Lee et al. 2012 (Hanyang-Universität) fanden bei 33 Männern mit chronischer Prostatitis oder Urethritis in der Kultur keinen Fall, in der PCR 7 (21,2 %), davon 5 mit Prostatitis und 2 mit Urethritis; das Verfahren erkannte eine einzelne Zelle pro PCR-Ansatz. Die frühen japanischen Serien der Keio-Universität sind historisch: 木村 1965 [s381] (946 urologische Patienten, 1067 Proben, 67 infiziert; bei Prostatasekret-Fluss 9 %, Harnröhrenausfluss 8,9 %, Samen 5,3 %, Urin 4,6 %, Smegma 2,4 %; 16 der 67 klagten über nichts; bei 76 % der Infizierten hatte die Ehefrau zuvor Trichomoniasis), 河村 1969 [s380] (45 von 1303 Urinproben männlicher Patienten, im Prostata- und Samenbläschensekret 29 von 170 Proben; chronische Prostatitis häufigste Diagnose mit 27,6 % der Trichomonas-Fälle, nichtgonorrhoische Urethritis 17,2 %) und 河村 1973 [s379] (Trichomonaden aus 64 Männern isoliert, 29 mit chronischer Prostatitis, 35 mit Harnwegsinfektion). Die japanischen Studien zeigen Trichomonaden vor allem bei Prostataerkrankungen und messen keine Spermienparameter.

Prävalenz in Kinderwunschgruppen [s307, s182, s82, s243, s140]. Özdemir et al. 2011 (Ostanatolien) untersuchten 80 infertile Männer mit Feuchtpräparat, Giemsa, Kultur und PCR: nur 2 positive per PCR (2,5 %), Giemsa und Kultur fanden nur einen; beide hatten Symptome. Tjagur et al. [s182] fanden unter 2248 Männern keinen Fall, Faisal et al. [s82] 2 von 54 infertilen Männern (Preprint, unklarer Nenner), Korneew et al. [s243] keinen Fall bei Männern aus kinderlosen Ehen, Kalmatow et al. 2023 [s140] (414 infertile Männer in Kirgisistan, ohne Kontrollgruppe) bei 6,8 % der per PCR Untersuchten Trichomonaden. Die Spannweite von 0 bis etwa 7 % in modernen Kohorten steht im Gegensatz zu den russischen Serien, in denen T. vaginalis bei infertilen Männern mit chronischer Prostatitis der häufigste Erreger war (90 % von 51 Männern bei [s337], 85 % der Mono-Infektionen bei [s346]); der Unterschied dürfte mit der Auswahl (Patienten mit chronischer Prostatitis) und mit dem Nachweisverfahren (Kultur gegenüber Mikroskopie) zusammenhängen.

Russische klinische Serien (Irkutsk, Nowosibirsk, Orenburg, Astrachan) [s319, s324, s316, s318, s317, s303, s337, s346, s331, s276, s332, s281, s274]. Mehrere Arbeiten beruhen auf überlappenden Patientengruppen und sind keine unabhängigen Bestätigungen. Kolesnikowa et al. 2009 (Irkutsk) [s324] untersuchten 52 Männer (etwa 31 Jahre) mit chronischer urogenitaler Trichomoniasis in einer Querschnittsstudie: Patospermie (jede Abweichung im Spermiogramm) bei 62 %, davon 85 % Asthenozoospermie und 33 % Pyospermie. Der Erregernachweis gelang im Harnröhrenabstrich mikroskopisch bei 4 (8 %), im Urinsediment bei 10 (19 %), in der Harnröhrenkultur bei 41 (77 %) und in der Ejakulatkultur bei 20 (38 %). Klinisch bestanden Prostatitis bei 68 %, Urethritis bei 58 % und Nebenhodenentzündung bei 26 %. Die Mediane nach Spermiogramm (Patospermie gegenüber Normospermie): Beweglichkeit A + B 26 (14; 48) % gegenüber 67 (49; 85) %, unbewegliche Spermien 30 (10; 42) % gegenüber 3 (1; 20,5) %, Vitalität 87 (80; 96) % gegenüber 97,5 (93,5; 98) %, Leukozyten 1,5 (0,5; 6) gegenüber 0,5 (0,5; 1,3) Mio./ml. Dabei vergleicht die Studie Männer mit Trichomoniasis untereinander (Patospermie gegen Normospermie), nicht mit gesunden Kontrollen; der Befund, dass die Gruppe mit Patospermie schlechtere Spermiogramm-Werte hat, folgt daher aus der Gruppeneinteilung. Der Text nennt 52 Männer, rechnet aber teils mit 50.

Neronowa et al. 2010 und Kolesnikowa et al. 2010 [s319, s318] beobachteten 39 Männer mit chronischer Monotrichomonas-Infektion (26 mit Patospermie, 13 mit Normospermie) vor und nach einer Komplexbehandlung, zu der das Präparat Trekresan gehörte. Vor der Behandlung waren bei Patospermie Beweglichkeit und Vitalität schlechter: Kategorie A 0 (0; 1) % gegenüber 3 (0; 6) %, unbewegliche Spermien 31 (5; 42) % gegenüber 5 (2; 9) %, Leukozyten 1 (0,5; 3,5) gegenüber 0,5 (0,5; 0,5) Mio./ml (p = 0,01). Von den 26 mit Patospermie hatten 74,1 % Asthenozoospermie, 11,1 % Oligozoospermie und 18,5 % eine isolierte Veränderung des Samenplasmas; primäre Infertilität in der Ehe bestand bei 25 % (10), sekundäre bei 8 % (3). Nach der Behandlung stiegen die Gesamtspermienzahl von 213 (104; 313) auf 337 (170; 520) Mio. (p = 0,04) und die Konzentration von 61 (36; 87) auf 103 (58; 144) Mio./ml (p = 0,04), und die Leukozyten fielen auf 0,5 (0,5; 1) Mio./ml (p = 0,04). Oxidative Marker: Dienkonjugate im Serum 1,92 ± 1,12 auf 1,26 ± 0,43 µmol/l (p = 0,03), im Ejakulat 1,02 ± 0,74 auf 0,59 ± 0,52; Malondialdehyd 1,35 ± 0,69 auf 0,89 ± 0,47 µmol/l (je p = 0,04); antioxidative Aktivität im Serum 5,99 ± 2,69 auf 8,43 ± 2,01. Die Studien haben keine unbehandelte Kontrollgruppe; sie können nicht trennen, was die Behandlung bewirkte und was das Abklingen der Infektion oder der natürliche Verlauf. Kolesnikowa et al. 2010 [s317] fanden bei elf Männern vor und nach Behandlung Veränderungen von Superoxiddismutase und Glutathion, ebenfalls ohne Kontrolle; Neronowa et al. 2012 [s303] verglichen 48 Männer (34 mit Patospermie, 14 mit Normospermie): Beweglichkeit A + B 26 (14; 61) % gegenüber 70 (55; 72) % (p = 0,01), Vitalität 88 (81; 96) % gegenüber 97 (95; 98) % (p = 0,01), Inhibin B im Serum 182 (67,6; 379,5) gegenüber 173,1 (46,3; 339,2) pg/ml (p = 0,67), FSH im Referenzbereich; die Autoren schließen auf fehlende ausgeprägte Spermatogenesedefekte, die weite Streuung begrenzt die Aussagekraft.

Zindobraja und Posdnjakowa 2010 [s316] beobachteten 128 Männer mit akuter oder chronischer urogenitaler Trichomoniasis (Oktober 2006 bis Februar 2009): 32 % (42) akut, 68 % (86) chronisch; im Prostatasekret fand sich bei frischer Infektion bei 71 % (30) eine Entzündung, T. vaginalis aber nur bei 8 dieser 30, was die Autoren als „reaktive“ Prostatitis deuten; bei chronischer Infektion eine Entzündung bei 51 % (44), der Erreger bei 28 % (24). In der chronischen Gruppe (53 Untersuchungen) bestand eine Asthenozoospermie bei 85 % (45). Prozente und Fallzahlen sind nicht durchgehend konsistent, es gibt keine Kontrollgruppe und keine Konzentrations- oder Morphologiewerte. Gritsenko und Andrejtschew 2008 [s331] (Orenburg) verglichen bei 50 Männern mit chronischer Trichomoniasis Nachweisverfahren: Die Kultur fand den Erreger bei allen 50 (nur Harnröhre 26,0 %, nur Ejakulat 18,0 %, beides 56,0 %), die Mikroskopie bei 48,0 ± 7,1 %; die Kultur fand den Erreger in der Harnröhre 1,9-mal und im Ejakulat 6,2-mal häufiger als die Mikroskopie; Beschwerden gaben 96,0 ± 2,8 % an, obwohl nur 68,0 ± 6,7 % sich für krank hielten. Simonowa und Semljanskaja 2016 [s276] untersuchten 205 Kulturen aus Harnröhre, Ejakulat und Prostatasekret von 143 Männern: Bei 89,5 % kam der Erreger nur in einem Untersuchungsmaterial vor, bevorzugt im Ejakulat; im Ejakulat fanden sich runde, einkernige Zellen mit pendelnder Bewegung, in der Harnröhre birnenförmige, mehrkernige Zellen, im Prostatasekret ovale und amöboide, unbewegliche Formen. Die Astrachaner Serie [s281, s274] (280 Patienten: 140 infertile, 140 fertile Männer mit chronischer Prostatitis bei STI, Trichomoniasis allein 23 %, Mischformen mit Chlamydien 19 %, Mykoplasmen 29 %, Ureaplasmen 24 %, Candida 5 %, sowie 50 gesunde Kontrollen) fand Medianwerte infertil gegenüber fertil gegenüber Kontrolle: Volumen 3,05 gegenüber 3,7 gegenüber 4,05 ml (p < 0,0001), pH 7,9 gegenüber 7,6 gegenüber 7,5, aktiv bewegliche Spermien 57,1 % gegenüber 65,1 % gegenüber 69,5 %, pathologische Formen 29,8 % gegenüber 20,4 % gegenüber 20,7 %; die Erreger wurden nicht einzeln ausgewertet. In vier Gruppen zu je 70 (fertil ohne STI, fertil mit STI, infertil ohne STI, infertil mit STI) lag das Volumen bei 3,9, 3,4, 4,0 und 2,01 ml, die Verflüssigungszeit bei 25,1, 37,6, 56,75 und 68,3 Minuten (Kontrolle 15,05); der Zusammenhang zum STI-Status betrug beim Volumen r = -0,37 (infertil) gegenüber -0,15 (fertil).

Gemischte Infektion mit Trichomonaden: Yasynetskyi et al. 2021 [s186]. Die Studie ist eine randomisierte Behandlungsstudie, liefert aber auch Ausgangsdaten: 154 infertile Paare mit symptomatischer Mischinfektion durch T. vaginalis, M. genitalium und U. urealyticum wurden auf drei Antibiotikaschemata randomisiert (Behandlungsergebnisse werden hier nicht wiedergegeben). Bei 59 Männern wurde das Sperma vor und drei, sechs und neun Monate nach Eradikation untersucht und mit 63 gesunden Spendern verglichen: Bei Mischinfektion fanden sich höhere DNA-Fragmentation und Leukozytenzahl sowie geringeres Volumen, geringere Motilität, Vitalität, Konzentration, Gesamtzahl und Anteil normal geformter Spermien; sechs Monate nach vollständiger Eradikation näherten sich die Werte der Norm. Stärken: Längsschnitt, Spenderkontrolle. Schwächen: Mischinfektion, der Beitrag der Trichomonaden ist nicht zu trennen; das Spermiogramm-Teilkollektiv ist klein und hat keine unbehandelte Vergleichsgruppe.

Einordnung Trichomonaden. Eine unabhängige, kontrollierte Studie zur Frage, ob Trichomonaden beim Mann die Spermienparameter verändern, gibt es nicht. Die russischen Serien beschreiben schlechte Spermiogramme bei Männern mit Trichomoniasis, haben aber keine gesunde Kontrolle und überlappen sich; die modernen Kohorten finden nur selten Trichomonaden. Die japanischen und koreanischen Daten verbinden Trichomonaden mit Prostataerkrankungen. Die Aussage der Metaanalyse [s159], T. vaginalis führe zu Infertilität, wird durch diese Beobachtungsdaten nicht gedeckt.

Alle Kapitel und Anhänge (29)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Vorbemerkung: was dieses Kapitel umfasst und wie es zu lesen ist bis Chronische Prostatitis, Leukozytospermie und Bakteriospermie
  5. Mpox, Zika, Ebola, Marburg und Dengue: Übersichten bis Zusammenschau der Metaanalysen und Übersichten
  6. Lesehilfe: Fragestellungen, Vergleichsgruppen und typische Schwächen bis Trichomonaden (Trichomonas vaginalis)
  7. Chlamydia trachomatis
  8. Mykoplasmen und Ureaplasmen bis Hepatitis B
  9. HIV und Antiretrovirale Therapie bis Wo sich Studien zu demselben Erreger widersprechen, und mögliche Erklärungen
  10. Grenzen der Beobachtungsliteratur und Lücken
  11. Übergreifende Übersichten und Metaanalysen bis Zika
  12. Ebola (und Marburg) bis Bakteriospermie, Leukozytospermie, Prostatitis und Samenmikrobiom
  13. Leitlinien
  14. Mechanismen und biologische Plausibilität
  15. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  16. Englisch bis Koreanisch
  17. Russisch bis Türkisch
  18. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  19. Limitationen der Evidenz
  20. Offene Forschungsfragen
  21. Praktische Einordnung
  22. Glossar
  23. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)
  24. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)
  25. Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)
  26. Diagramme
  27. Quellen s01–s197
  28. Quellen s198–s383
  29. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle