Fragestellung und Aufgabe dieses Kapitels
Die Gesamtstudie fragt, was in der Fachliteratur über den Zusammenhang zwischen Infektionen des männlichen Genitaltrakts und der Samenqualität steht. Dieses erste Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, ordnet sie ein und beschreibt Vorgehen und Grenzen. Es enthält keine Behandlungs- oder Verhaltensempfehlung. Wo Studien Behandlungsergebnisse berichten oder Leitlinien etwas empfehlen, wird das als Befund der jeweiligen Quelle wiedergegeben, nicht als Rat.
Recherche in drei Sprachgruppen
Die Recherche wurde in drei Gruppen geteilt, die jeweils eigene Sprachräume und Datenbanken abdeckten. Die Gruppen lieferten insgesamt 426 Einträge. Nach dem Zusammenführen doppelter Treffer blieben 383 Quellen mit eindeutigen Kennungen von s01 bis s383.
| Gruppe | Sprachräume | Einträge | Hauptwege |
|---|---|---|---|
| A | Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch | 147 | Europe-PMC-Schnittstelle, Leitlinienseiten der EAU und der AUA im Volltext, HAL nur zur Titelsichtung |
| B | Chinesisch, Japanisch, Koreanisch | 168 | Europe PMC (156 Einträge), J-STAGE (12 japanischsprachige Einträge, die nicht in PubMed stehen) |
| C | Russisch, Arabisch, Türkisch | 111 | Europe PMC (72), CyberLeninka (28), TR Dizin (10), Universität Aden (1) |
Die PubMed-Webseite war gesperrt. Abgerufen wurde deshalb über die Europe-PMC-Schnittstelle, die die PubMed-Einträge mit Abstract enthält, und über die NCBI-E-utilities. Mehrere Datenbanken waren nicht oder nur eingeschränkt erreichbar: Cairn und SciELO (HTTP 403), Dialnet (HTTP 503), die Suche in LILACS, CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed und DBpia, eLIBRARY.ru (HTTP 403), DergiPark sowie Arab World Research Source und Mandumah. Das AWMF-Leitlinienregister lieferte nur eine Skripthülle ohne Inhalt. Die Folge ist eine bekannte Lücke: Chinesische, koreanische, russische, türkische, arabische und spanischsprachige Literatur ist nur erfasst, soweit sie in PubMed oder in frei zugänglichen Zeitschriftenarchiven steht. Dissertationen, Kongressbände und Arbeiten, die ausschließlich in den gesperrten Datenbanken liegen, fehlen.
Verteilung der Quellen
Nach den Markierungen in der Quellenliste sind 313 Quellen dem englischsprachigen Raum zugeordnet, 131 dem chinesischen, 42 dem russischen, 23 dem japanischen, 13 dem koreanischen, 11 dem türkischen, 8 dem französischen und 4 dem spanischen. Je eine Quelle gehört zum deutschen und zum arabischen Raum, keine zum italienischen oder portugiesischen. 164 Quellen tragen mehr als eine Markierung, weil sie in mehreren Sprachräumen auftauchten, etwa eine chinesische Gruppe mit englischem Abstract. Der Befund ist kein Zeichen mangelnder Suche: Deutsche, italienische und portugiesische Gruppen publizieren zu diesem Thema überwiegend auf Englisch. Die einzige deutschsprachige Arbeit mit Abstract ist eine Übersicht im Hautarzt [s232].
Zeitlich liegen 204 Quellen in den Jahren 2020 bis 2026, 115 in 2010 bis 2019, 37 in 2000 bis 2009, 16 in den 1990er Jahren und 10 davor, die älteste von 1957 [s382]. Eine Quelle, die EAU-Leitlinie in der Webfassung, trägt keine Jahresangabe [s383]. Nach einer Stichwortzählung im Feld „Studiendesign“ sind etwa 26 Quellen Metaanalysen, 12 Leitlinien, 15 Fallberichte, 37 Tierversuche und 25 Laborstudien; hinzu kommen zahlreiche Querschnitts-, Fall-Kontroll- und Kohortenstudien sowie Übersichtsarbeiten. Die Zählung ist ungefähr, weil Studien mehrere Stichworte tragen können.
Quellenarbeit, Zahlen und Zitierweise
Gelesen wurden überwiegend Abstracts. Volltexte lagen für die Webfassungen der EAU- und AUA-Leitlinie [s383, s73] und für zwei frei zugängliche Arbeiten vor [s49, s47]. Alle Zahlen dieses Kapitels stehen in den Rechercheberichten zu den jeweiligen Quellen oder in Abrufen, die für dieses Kapitel selbst gemacht wurden. Was ein Abstract nicht nennt, etwa Adjustierung, Konfidenzintervalle oder Fallzahlen, wird nicht ergänzt. Statistische Ergebnisse wurden nicht neu berechnet. Zitiert wird ausschließlich mit den Kennungen der Quellenliste in eckigen Klammern, zum Beispiel [s05] oder [s05, s12]. Originaltitel bleiben im Original, nicht englische und nicht deutsche Titel erhalten in der Quellenliste eine deutsche Übersetzung.
Für dieses Kapitel wurden die Abstracts von acht Schlüsselquellen erneut über die NCBI-Schnittstelle abgerufen und mit den Berichten verglichen: [s122], [s05], [s06], [s181], [s133], [s183], [s13] und [s377]. Die Zahlen stimmten überein. Für den Hintergrund wurden außerdem die Abstracts von [s34], [s12], [s251], [s283] und [s120] abgerufen. Fünf weitere Arbeiten stehen nicht in der Quellenliste und werden im Hintergrundabschnitt mit Autor und Jahr im Fließtext genannt, ohne Kennung: Cooper et al. 2010 (Human Reproduction Update) zu den WHO-Referenzwerten von 2010, Campbell et al. 2021 zur Datenbasis der Werte von 2021, Boitrelle et al. 2021 (Life) zur sechsten Auflage des WHO-Handbuchs, Agarwal et al. 2015 zur weltweiten Häufigkeit männlicher Infertilität und Mruk und Cheng 2015 zur Blut-Hoden-Schranke.
Mehrere Studien stammen aus denselben Patientengruppen und dürfen nicht als unabhängige Bestätigung gezählt werden. Das gilt für die Irkutsker Serie zu Trichomonaden [s319, s318, s317, s303] und die weiteren Irkutsker Arbeiten [s337, s346, s332], für die Astrachaner Serie mit denselben 280 Patienten [s281, s274, s273, s275], für drei Arbeiten eines Zentrums in Hefei [s102, s64, s09] und für zwei Arbeiten zu Chlamydien aus Tunesien [s353, s354].
Bewertungsraster
Die Einstufungen in diesem Kapitel sind eine Einschätzung auf Grundlage des Studiendesigns, nicht mehr.
| Evidenzstärke | Gemeint ist |
|---|---|
| hoch | Mehrere konsistente Metaanalysen oder große kontrollierte Kohorten mit angepassten Auswertungen |
| mäßig | Metaanalysen oder große Studien, aber ausschließlich beobachtend, mit hoher Heterogenität oder Hinweisen auf Verzerrung |
| gering | Einzelne Fall-Kontroll- oder Querschnittsstudien mittlerer Größe, unkontrollierte Serien |
| sehr gering | Fallberichte, Tierversuche, Laborversuche, Kleinstudien, Preprints oder Daten aus gemischten Erregergruppen |
| Gewissheit | Gemeint ist |
|---|---|
| hoch | Die Aussage folgt eindeutig und ohne Widerspruch aus den Daten |
| mäßig | Die Aussage ist gut gestützt, bleibt aber von Verzerrungen betroffen |
| niedrig | Die Aussage ist möglich, aber durch widersprüchliche oder unvollständige Daten unsicher |
| sehr niedrig | Die Aussage beruht auf wenigen, schwachen Daten |
„Keine Humandaten“ steht dort, wo die Recherche keine Studie am Menschen fand. Das ist eine Aussage über den Stand der abgerufenen Literatur, nicht über die Wirklichkeit.
Grenzen
Erstens sind Abstracts eine schmale Grundlage. Methodik, Adjustierung und Tabellen fehlen häufig, und mehrere Abstracts enthalten erkennbare Unstimmigkeiten, die im Text benannt werden. Zweitens sind die untersuchten Männer überwiegend Männer in Kinderwunschbehandlung, Kontrollgruppen stammen oft aus derselben Klinik. Drittens werden Erreger mit Kultur, PCR, RNA-Verfahren oder Serologie nachgewiesen, mit unterschiedlicher Empfindlichkeit, und Besiedlung, Verunreinigung bei der Samengewinnung und Mehrfachinfektion lassen sich selten trennen. Viertens stammt ein großer Teil der Humanstudien aus China, während für arabische Länder und Afrika oft Screeningprogramme fehlen [s95]. Fünftens zählen einige einbezogene Erreger nicht zu den klassischen Geschlechtskrankheiten: Hepatitis B, Herpesviren, HIV, Brucellose, Mumps, SARS-CoV-2 und BK/JC-Polyomavirus wurden als Vergleich oder wegen des Bezugs zum Genitaltrakt aufgenommen. Sechstens ist die Frage, ob eine Infektion die Samenqualität verändert, von der Frage zu trennen, ob sie die Fruchtbarkeit eines Paares verändert. Die erste betrifft Messwerte im Labor, die zweite Schwangerschaften und Geburten. Die vorhandenen Studien beantworten meist nur die erste.