Gonorrhö, Syphilis, Trichomonaden, Mpox und Zika · Kapitel 15 von 25

Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

Ein Dosis-Wirkungs-Verhältnis im strengen Sinn, also gestufte Exposition mit gemessener Wirkung beim selben Endpunkt, gibt es in diesem Feld kaum. Es gibt Ersatzgrößen für die Menge des Erregers (Viruslast, Kopienzahl, Koloniezahl, Zahl der Virustypen), für die Dauer (Zeit seit Beginn, Ausscheidungsdauer) und für den Schweregrad (Leukozytenzahl, Erkrankungsschwere, Serostatus). Die folgenden Tabellen führen diese Größen mit den Befunden der Quellen zusammen. Wo eine Zeile nur aus einer einzigen Studie stammt, steht das dabei.

Effektgrößen der Metaanalysen im Überblick

Erreger oder GruppeMetaanalyseKernbefund (95-%-Konfidenzintervall)Heterogenität
alle UrogenitalinfektionenCampbell et al. 2026, 35 Studien [s06]Konzentration minus 6,65 Mio./ml (minus 11,17 bis minus 2,14); progressive Motilität minus 5,93 Prozentpunkte (minus 9,07 bis minus 2,78); Volumen minus 0,37 ml; Morphologie minus 0,76 ProzentpunkteI² 66 bis 95 %
Chlamydia trachomatisKeikha et al. 2023, 56 Artikel [s122]OR für Infertilität 2,28 (1,90 bis 2,72)I² 81,61
Chlamydia trachomatisBragazzi et al. 2026, 26 Studien [s05]OR 3,68 (2,24 bis 6,02); altersgematcht 6,77; nach Bias-Korrektur 2,75I² 65 %
Chlamydia trachomatisSong et al. 2024 (Preprint), 16 Studien [s98]Konzentration minus 3,33 (minus 6,54 bis minus 0,12); progressive Motilität minus 1,62 (minus 3,04 bis minus 0,20)I² 30 % und 14 %
Mycoplasma genitalium[s116], 21 StudienOR 3,438 (1,780 bis 6,643)im Abstract nicht beziffert
Mycoplasma hominis[s116] / [s04]OR 1,840 (1,013 bis 3,343); Konzentration SMD minus 0,815 (minus 1,314 bis minus 0,317)Egger p = 0,10 [s04]
Ureaplasma urealyticum[s116] / [s278] / [s327]OR 3,278 (2,075 bis 5,180) / OR 3,03 (1,02 bis 8,99, wie in [s383] zitiert) / OR 4,43 (3,77 bis 5,22)nicht beziffert
Ureaplasma parvum[s116]OR 1,671 (0,947 bis 2,950), nicht signifikantnicht beziffert
HPV im SpermaLyu et al. 2017 [s247]; Xiong et al. 2018 [s233]OR 2,93 (2,03 bis 4,24); OR 3,02 (2,11 bis 4,32)I² 6,9 % [s233]
HPV, MotilitätCao et al. 2020 [s189]; Garolla et al. 2024 [s83]SMD minus 0,88 (minus 1,17 bis minus 0,59); minus 0,82 (minus 1,07 bis minus 0,57)I² 86 % [s189]
Hepatitis BXu et al. 2024, 11 Studien [s105]Konzentration minus 4,46 Mio./ml (minus 7,09 bis minus 1,84); Beweglichkeit minus 6,85 % (minus 11,53 bis minus 2,18); Gesamtzahl nicht signifikanterheblich bei einigen Parametern
chronische ProstatitisFu et al. 2014, 12 Studien [s282]Konzentration SMD minus 14,12; Normalformen minus 8,26; Volumen plus 0,50im Abstract nicht beziffert
SARS-CoV-2 (Vergleich)Wen et al. 2024, 39 Artikel [s104]OR Asthenozoospermie 3,86 (1,83 bis 8,14)nicht berichtet

Die Größenordnung der Mittelwertdifferenzen ist bescheiden: Bei allen Urogenitalinfektionen zusammen sinkt die Konzentration im Mittel um 6,65 Mio./ml, die progressive Motilität um 5,93 Prozentpunkte [s06]. Die Odds Ratios für Infertilität (2,28 bis 3,68 für Chlamydien, 2,93 bis 3,02 für HPV) sind größer, beruhen aber auf Fall-Kontroll-Studien mit Verzerrungen, und bei Chlamydien sank das OR nach Korrektur für Publikationsbias von 3,68 auf 2,75 [s05].

Mengen, Dauer und Schweregrad als Dosisersatz

Ersatzgröße für die DosisErregerBefundQuelle und Einschränkung
ViruslastMpoxReplikationsfähiges Virus nur in Proben mit mehr als 6,5 log10 Kopien/ml isoliert; mediane Viruslast Sperma 3,5, Haut 7,3 log10 Kopien/ml[s133]; Kohorte mit milden Verläufen
ViruslastZikaInfektiöses Virus im Sperma bei Viruslasten über 1,4 × 10⁶ Genomkopien-Äquivalenten/ml (8 von 97 Patienten)[s213]
ViruslastHepatitis BIntegrationsrate im Spermiengenom 0,109 %; abnorme Samenparameter bei fast allen Patienten mit Integration[s85]; 25 Patienten
Exposition in vitroHBs-Protein0, 25, 50 und 100 µg/ml über 3 Stunden: mehr apoptotische Zellen, höherer DFI, weniger lebende Spermien[s169]; Laborversuch, Stufung der Wirkung im Abstract nicht beziffert
Dosis und Zeit in vitroUreaplasma parvum; TrichomonasMotilität sank dosis- und zeitabhängig (Maus [s173]; Spermien von 10 fertilen Männern, drei Konzentrationen, bis 6 Stunden [s347])Laborversuche
KeimzahlBakteriospermieZahl über 10⁴ KBE/ml mit niedrigerer Gesamtzahl und weniger vorwärtsbeweglichen Spermien, aber ohne Unterschied bei Gesamtbeweglichkeit und Normalformen [s195]; reichliches Wachstum mit Beweglichkeitsstörung, erhöhter Viskosität und ultrastrukturellen Schäden, bei unter 10 KBE/ml keine Veränderung [s152]zwei Studien mit unterschiedlichen Einheiten und Definitionen
LeukozytenzahlEntzündungSchwelle über 10⁶/ml gilt als Leukozytospermie; Leukozytospermie mit Ureaplasma noch niedrigere Motilität und Morphologie als ohne [s202]; Elastase bei Pyospermie im Mittel 2859,6 gegenüber 131,6 µg/l [s371]EAU: Behandlung allein der Leukozytospermie ohne Evidenz für höhere Konzeptionsrate [s383]
KopienzahlChlamydienNach erfolgreich behandelter Infektion keine nachteiligen Ergebnisse, unabhängig von Geschlecht, Alter und Kopienzahl[s253]; Abstract ohne Zahlen
Zahl und Art der TypenHPVHochrisiko- gegen Niedrigrisiko-HPV: Spermienzahl SMD minus 0,65 (minus 1,11 bis minus 0,18) [s184]; DFI nur bei Hochrisiko-HPV erhöht [s94]; mehrere Typen verstärkten Störungen [s91]; Motilität nur bei HPV-51 oder -52 geringer [s56]uneinheitlich; [s48] fand bei Mehrfach-HPV keine Unterschiede
KoinfektionHPV mit Ureaplasma oder ChlamydienHPV plus U. urealyticum senkte Motilität und Vitalität, HPV allein Volumen und Gesamtzahl [s44]; HPV plus Chlamydien mit geringerer Konzentration und Motilität, HPV allein nicht [s55]; Mehrfachinfektion mit höherer ORP-Wahrscheinlichkeit (OR 1,96; 0,60 bis 6,41, nicht signifikant) [s22]; Chlamydien plus Ureaplasma [s176]Koinfektion macht Einzeleffekte nicht trennbar
SerostatusHepatitis BHBeAg-Positive mit niedrigerem Samen-pH und mehr nichtvorwärtsbeweglichen Spermien, kein Einfluss auf Einnistung [s67]; Gruppe mit HBsAg, HBeAb, HBcAb am schlechtesten [s199]Querschnitte
Antikörper-TiterChlamydienIgA- und IgG-Index korrelierten mit der Leukozytenzahl in Samen und Urin; IgA-Index negativ mit dem Samenvolumen [s358]; Elastase über 250 ng/ml korrelierte mit Chlamydien-IgA [s366]Gruppenunterschiede nicht signifikant [s358]
Dauer der InfektionTrichomonaden (Meerschweinchen)Pathologische Spermien nach 9 Tagen 32,0 ± 2,7 % gegenüber 12,0 ± 0,4 %, nach 30 Tagen nicht mehr signifikant verschieden[s277]; n = 2 Kontrolltiere

Ein klares, gestuftes Dosis-Wirkungs-Verhältnis beim Menschen ist in keiner der Studien belegt. Am nächsten kommt dem die Beziehung von Viruslast und Infektiosität bei Mpox, Zika und Ebola [s133, s213, s266], die aber die Übertragbarkeit betrifft, nicht die Samenqualität. Für die Samenqualität liegen nur Gruppenvergleiche vor (infiziert gegenüber nicht infiziert), kombiniert mit Schwellen wie der Leukozytenzahl über 10⁶/ml oder der Keimzahl.

Ausscheidungs- und Nachweisdauer

VirusMaterialDauer des NachweisesQuelle
MpoxSpermaMediane Zeit bis zur Viruseliminierung 13 Tage (9 bis 18), für 90 % der Fälle 39 Tage (27 bis 56); DNA bis Tag 75; in einer anderen Kohorte mediane Zeit 0 Tage bei nur 8 % positiven Proben zu Beginn[s133, s10, s101]
ZikaSpermaRNA etwa 33 % der symptomatischen Männer, manche über 3 Monate; in Einzelfällen über 180 Tage, bei einem Immunsupprimierten 515 bis über 900 Tage; replikationsfähiges Virus selten über 4 bis 6 Wochen; Südkorea 58 Tage[s156, s19, s214, s245]
EbolaSpermaPositivrate 180 Tage nach Entlassung 75,4 %, nach 270 Tagen 26,8 %, nach 360 Tagen 6,0 %; mediane Persistenz 204 Tage; Guinea: Wahrscheinlichkeit, positiv zu bleiben, 93,02 % nach 3 und 60,12 % nach 6 Monaten; längstes Intervall 565 Tage[s181, s210, s266, s248]

Die Bedeutung: Die Ausscheidung ist deutlich länger als die klinische Erkrankung, die Infektiosität aber meist kürzer als die RNA-Persistenz. Bei Zika war im Mausmodell die Übertragung nach 40 Tagen fast beendet, obwohl Virus-RNA in Spermien länger nachweisbar blieb [s07].

Subgruppen

SubgruppeBefundQuelle und Einschränkung
Alter, EbolaMänner bis 25 Jahre hatten die 3,17-fache (1,60 bis 6,29), 26- bis 35-Jährige die 1,85-fache (1,04 bis 3,28) Wahrscheinlichkeit, negativ zu sein, gegenüber Männern über 35; Männer über 40 häufiger positiv (p = 0,0004); späte Clearer im Median 42,5 Jahre[s181, s266, s118]
Schweregrad, EbolaNach einem Jahr 10,1 % Persistenz bei schwerem Verlauf, bei milden Verläufen nahe 0 %; bei schwerem Verlauf und Alter über 35 über 20 %; späte Clearer hatten dagegen weniger schwere Symptome[s181, s118]; uneinheitlich
Alter und InfertilitätsrisikoU-Kurve mit dem niedrigsten Risiko bei 25 bis 29 Jahren; Ureaplasma-Infektionsrate am höchsten bei 31- bis 40-Jährigen, am niedrigsten über 40; Chlamydien bei 26 bis 35 Jahren am stärksten betroffen[s08, s151, s253]
Primäre gegen sekundäre InfertilitätSTI-Prävalenz 39,7 % gegenüber 21,7 % (P = 0,03); Gonorrhö in infertilen Populationen 0,5 % gegenüber 2,5 %; M.-genitalium-OR 7,704 gegenüber 7,362[s142, s165, s227]; uneinheitliche Richtung
ImmunstatusHIV bei 51 % der Mpox-Patienten; Zika-RNA bei einem Immunsupprimierten über 900 Tage; Ebola-RNA 565 Tage bei einem HIV-positiven Überlebenden; Skrotalnekrose bei Mpox mit fortgeschrittener HIV-Infektion[s133, s214, s248, s32]; Einzelfälle und kleine Serien
RegionMykoplasmen: In China M. hominis und U. urealyticum stark mit Infertilität assoziiert, weltweit nicht (p = 0,553 und p = 0,050); in Kuwait fand sich kein Prävalenzunterschied zwischen Infertilen und Fertilen [s297], in Jordanien für Gonokokken dagegen ein deutlicher (6,5 % gegenüber 0 %) [s290][s116, s278, s297, s290]
Erregerart oder BiovarBiovar II von U. urealyticum bei Infertilen häufiger (p = 0,036) und mit niedrigerer Konzentration; U. parvum oder Mischinfektion mit niedrigerer Vorwärtsbeweglichkeit als U. urealyticum (p < 0,05); Untergruppen A und C von U. parvum mit Oligozoospermie[s289, s239, s236]; teils widersprüchliche Richtung
LeukozytospermieUU-positive Männer mit Leukozytospermie mit niedrigerer Motilität und Morphologie als UU-negative (p < 0,001)[s202]
LebensstilRauchen (OR 1,23; 1,02 bis 1,49) und Geschlechtsverkehr mehr als zweimal pro Woche (OR 1,41; 1,04 bis 1,91) mit Ureaplasma-Nachweis verbunden; Rauchen mit Chlamydien-Seropositivität (aOR 3,8; 1,32 bis 11,04)[s09, s110]
VorerkrankungVarikozele: asymptomatische Ureaplasma-Infektion 55,76 % gegenüber 34,93 %; Oligozoospermie bei Varikozele OR 10,9 (3,0 bis 39,5)[s360, s128]; Querschnitte
Normales SpermiogrammIn der Untergruppe mit normalem Spermiogramm waren Volumen und Gesamtzahl bei Infektion niedriger; Chlamydien mit normalem Spermiogramm unterschieden sich nicht von Kontrollen[s246, s47]; [s47] mit Zahlenwidersprüchen
Mono- und Mehrfachinfektion95,1 % der infizierten Männer in Chongqing mit nur einem Erreger; in Russland 43 bis 68 % Mischinfektion; HPV-Positive zu 74,4 % mit Koinfektion[s54, s337, s346, s336, s55]; sehr unterschiedliche Selektion

Subgruppenaussagen sind in den Abstracts meist unadjustiert; Alter, Abstinenzzeit und Rauchen werden selten genannt (Ausnahmen [s177, s229, s09]). Mehrere Studien stammen aus denselben Zentren mit überlappenden Zeiträumen, Doppelzählungen sind nicht auszuschließen (Hefei [s102, s64, s09]; Nanjing [s235, s329, s309]; Irkutsk [s319, s318, s317, s303]; Astrachan [s281, s274, s273, s275]).

Reversibilität

Die Reversibilität ist die am schlechtesten abgesicherte der drei Fragen, weil fast alle Studien Vorher-Nachher-Vergleiche ohne unbehandelte Kontrollgruppe sind. Die Behandlungen werden hier nur als Beobachtung berichtet; die Tabelle ist keine Therapieempfehlung. Spontanverläufe und Regression zur Mitte sind nicht auszuschließen.

Erreger oder GruppeEreignis, DauerBefundStudie und Design
Mischinfektion T. vaginalis, M. genitalium, U. urealyticum3, 6 und 9 Monate nach EradikationBei Mischinfektion schlechtere Werte gegenüber 63 gesunden Spendern; 6 Monate nach vollständiger Eradikation näherten sich die Werte der Norm[s186]; Längsschnitt an 59 Patienten, keine unbehandelte Gruppe
U. parvumNach Eradikation 124 MännerKonzentration 4,01 ± 4,69 auf 9,20 ± 15,63 Mio./ml (p = 0,01), Motilität 18,97 ± 16,04 auf 29,66 ± 22,18 % (p = 0,002); bei normalen Ausgangswerten keine Änderung[s52]; retrospektiv, keine Kontrolle, Regression zur Mitte möglich
U. urealyticum mit Leukozytospermie1 Monat nach Behandlung70 von 81 geheilt; Konzentration (p = 0,001), progressive Motilität (p = 0,022), Gesamtmotilität (p = 0,004) und Morphologie (p = 0,008) gestiegen[s202]; kein Vergleich mit Unbehandelten
Ureaplasmanach BehandlungpH, VSL, LIN, WOB und STR stiegen; Werte bewegten sich in Richtung Kontrolle[s151, s150]; Vorher-Nachher
M. genitaliumnach AzithromycinDFI 40,1 ± 9,9 auf 19,0 ± 9,0 %; Konzentration und Motilität unverändert; Mittelwerte der Samenparameter stiegen nach Antibiotikabehandlung[s161, s194]; ohne Kontrolle
Chlamydiennach erfolgreich behandelter Infektionkeine signifikanten Unterschiede bei Basisparametern und Ergebnissen nach assistierter Reproduktion gegenüber Subfertilen ohne Infektion[s253]; Kontrollgruppe nur ein Bruchteil
Chlamydien, Ureaplasma (Georgien)nach erfolgreicher BehandlungSpermiogramm besserte sich bei je 8 Patienten mit Chlamydien und Ureaplasmen, bei anderen Infektionen nicht[s313]; kleine Zahlen, keine Kontrolle
T. vaginalis (Irkutsk)nach KomplexbehandlungLeukozyten 1 auf 0,5 Mio./ml (p = 0,03); Gesamtzahl 213 auf 337 Mio. (p = 0,04); Konzentration 61 auf 103 Mio./ml (p = 0,04); Malondialdehyd gesunken[s319, s318, s317]; dieselben 39 Männer, ohne Kontrolle
LeukozytospermieAntibiotika 4 bis 6 Wochenkein Effekt auf Spermaparameter und Schwangerschaftsraten[s323]; 121 Männer, kein Erregernachweis
Infektion der akzessorischen Drüsen (randomisiert)Zytokin- gegen AntibiotikatherapieErregerelimination 57,1 % gegenüber 88 %; unter Doxycyclin stieg das Volumen; andere Spermaparameter nicht verschieden[s119]; unverblindet, 12 % Ausfälle, kein Schwangerschaftsendpunkt
NebenhodenentzündungFolgezustandetwa 10 % persistierende Azoospermie, 30 % Oligozoospermie[s251]; Übersicht
Postinfektiöse Azoospermienach VasoepididymostomieDurchgängigkeit 72 % (108/150), natürliche Schwangerschaft 38,7 %, Lebendgeburt 32,7 %[s255]; keine Kontrolle, keine Erregerzuordnung
Zikanach ErkrankungBeim Menschen erhole sich die Samenqualität meist, Tiermodelle zeigten dauerhaftere Hodenschäden[s19]; Übersicht ohne Primärzahlen
Zika, MausAntikörper oder PeptidHoden- und Nebenhodenschäden gemildert, Fertilität erhalten[s71, s215]; Tierversuch, kein Hinweis für den Menschen
Meerschweinchen9 gegenüber 30 TageErhöhter Anteil pathologischer Spermien nach 30 Tagen nicht mehr signifikant[s277]; n = 2 Kontrolltiere
SARS-CoV-2 (Vergleich)Akut Infizierte gegenüber Genesenenkeine signifikanten Unterschiede der Samenqualität[s78]; 65 Patienten

Aus diesen Befunden folgt, was die Quellen tragen und was nicht: Mehrere Vorher-Nachher-Studien zeigen nach Eradikation bessere Spermienparameter, vor allem bei Ausgangswerten unterhalb der Norm [s52, s186, s202]. Bei normalen Ausgangswerten änderte sich nichts [s52]. Dass die Konzeptionswahrscheinlichkeit steigt, ist nicht belegt: Die EAU sieht Evidenz (LE 2a) nur für eine Verbesserung der Spermienqualität, nicht der Konzeptionswahrscheinlichkeit [s383, s31]. Die große Chlamydien-Kohorte kommt zu keinem nachteiligen Einfluss nach behandelter Infektion [s253]. Eine Studie zur Antibiotikabehandlung bei Leukozytospermie fand keinen Effekt auf Spermaparameter und Schwangerschaftsraten [s323]; die randomisierte Studie [s119] hatte keinen Schwangerschaftsendpunkt. Für dauerhafte Schäden gilt: Nach Nebenhodenentzündung bleibt ein Teil der Männer dauerhaft azoosperm oder oligozoosperm [s251], und nach Samenwegverschluss ist eine Operation das, was dokumentiert ist, mit offenem Erregerbezug [s255]. Bei Viren (Zika, Ebola, Mpox) ist die Reversibilität der Ausscheidung gut dokumentiert, die der Samenqualität nicht gemessen.

Zusammenfassung des Kapitels

Die Studienlage trägt für die einzelnen Erreger sehr verschieden. Für Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis und genitalium, Chlamydia trachomatis, HPV und Hepatitis B liegen Metaanalysen mit Assoziationen zu schlechterer Samenqualität oder Infertilität vor (OR etwa 1,8 bis 4,4), bei hoher Heterogenität, vorwiegend aus Kinderwunschkohorten und mit Hinweisen auf Publikationsbias. Neuere Kohorten finden bei Ureaplasma (dort adjustiert) und HPV schwächere oder keine Effekte. Für Gonorrhö, Syphilis und Trichomonaden fehlen Humanstudien mit Spermiogramm je Erreger; belegt sind Prävalenzen, Fallberichte, Laborbefunde und Tierversuche. Für Mpox, Ebola und Zika liegen vor allem Daten zu Nachweis und Ausscheidungsdauer im Sperma vor; ein einziger kleiner Spermiogramm-Vergleich bei Zika umfasst drei Männer. Die Leitlinien (EAU, AUA/ASRM) bewerten den Zusammenhang als unsicher (LE 3). Bewiesen sind der Nachweis von Erregern im Ejakulat und der Samenwegverschluss nach Nebenhodenentzündung; die meisten Wirkwege auf die Spermienfunktion sind plausibel, aber nur im Labor, im Tier oder als Korrelation gezeigt. Ein belegtes Dosis-Wirkungs-Verhältnis beim Menschen fehlt; die Reversibilität ist nur durch Vorher-Nachher-Studien ohne Kontrolle gestützt.

Alle Kapitel und Anhänge (29)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Vorbemerkung: was dieses Kapitel umfasst und wie es zu lesen ist bis Chronische Prostatitis, Leukozytospermie und Bakteriospermie
  5. Mpox, Zika, Ebola, Marburg und Dengue: Übersichten bis Zusammenschau der Metaanalysen und Übersichten
  6. Lesehilfe: Fragestellungen, Vergleichsgruppen und typische Schwächen bis Trichomonaden (Trichomonas vaginalis)
  7. Chlamydia trachomatis
  8. Mykoplasmen und Ureaplasmen bis Hepatitis B
  9. HIV und Antiretrovirale Therapie bis Wo sich Studien zu demselben Erreger widersprechen, und mögliche Erklärungen
  10. Grenzen der Beobachtungsliteratur und Lücken
  11. Übergreifende Übersichten und Metaanalysen bis Zika
  12. Ebola (und Marburg) bis Bakteriospermie, Leukozytospermie, Prostatitis und Samenmikrobiom
  13. Leitlinien
  14. Mechanismen und biologische Plausibilität
  15. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  16. Englisch bis Koreanisch
  17. Russisch bis Türkisch
  18. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  19. Limitationen der Evidenz
  20. Offene Forschungsfragen
  21. Praktische Einordnung
  22. Glossar
  23. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)
  24. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)
  25. Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)
  26. Diagramme
  27. Quellen s01–s197
  28. Quellen s198–s383
  29. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle