Ein Dosis-Wirkungs-Verhältnis im strengen Sinn, also gestufte Exposition mit gemessener Wirkung beim selben Endpunkt, gibt es in diesem Feld kaum. Es gibt Ersatzgrößen für die Menge des Erregers (Viruslast, Kopienzahl, Koloniezahl, Zahl der Virustypen), für die Dauer (Zeit seit Beginn, Ausscheidungsdauer) und für den Schweregrad (Leukozytenzahl, Erkrankungsschwere, Serostatus). Die folgenden Tabellen führen diese Größen mit den Befunden der Quellen zusammen. Wo eine Zeile nur aus einer einzigen Studie stammt, steht das dabei.
Effektgrößen der Metaanalysen im Überblick
| Erreger oder Gruppe | Metaanalyse | Kernbefund (95-%-Konfidenzintervall) | Heterogenität |
|---|---|---|---|
| alle Urogenitalinfektionen | Campbell et al. 2026, 35 Studien [s06] | Konzentration minus 6,65 Mio./ml (minus 11,17 bis minus 2,14); progressive Motilität minus 5,93 Prozentpunkte (minus 9,07 bis minus 2,78); Volumen minus 0,37 ml; Morphologie minus 0,76 Prozentpunkte | I² 66 bis 95 % |
| Chlamydia trachomatis | Keikha et al. 2023, 56 Artikel [s122] | OR für Infertilität 2,28 (1,90 bis 2,72) | I² 81,61 |
| Chlamydia trachomatis | Bragazzi et al. 2026, 26 Studien [s05] | OR 3,68 (2,24 bis 6,02); altersgematcht 6,77; nach Bias-Korrektur 2,75 | I² 65 % |
| Chlamydia trachomatis | Song et al. 2024 (Preprint), 16 Studien [s98] | Konzentration minus 3,33 (minus 6,54 bis minus 0,12); progressive Motilität minus 1,62 (minus 3,04 bis minus 0,20) | I² 30 % und 14 % |
| Mycoplasma genitalium | [s116], 21 Studien | OR 3,438 (1,780 bis 6,643) | im Abstract nicht beziffert |
| Mycoplasma hominis | [s116] / [s04] | OR 1,840 (1,013 bis 3,343); Konzentration SMD minus 0,815 (minus 1,314 bis minus 0,317) | Egger p = 0,10 [s04] |
| Ureaplasma urealyticum | [s116] / [s278] / [s327] | OR 3,278 (2,075 bis 5,180) / OR 3,03 (1,02 bis 8,99, wie in [s383] zitiert) / OR 4,43 (3,77 bis 5,22) | nicht beziffert |
| Ureaplasma parvum | [s116] | OR 1,671 (0,947 bis 2,950), nicht signifikant | nicht beziffert |
| HPV im Sperma | Lyu et al. 2017 [s247]; Xiong et al. 2018 [s233] | OR 2,93 (2,03 bis 4,24); OR 3,02 (2,11 bis 4,32) | I² 6,9 % [s233] |
| HPV, Motilität | Cao et al. 2020 [s189]; Garolla et al. 2024 [s83] | SMD minus 0,88 (minus 1,17 bis minus 0,59); minus 0,82 (minus 1,07 bis minus 0,57) | I² 86 % [s189] |
| Hepatitis B | Xu et al. 2024, 11 Studien [s105] | Konzentration minus 4,46 Mio./ml (minus 7,09 bis minus 1,84); Beweglichkeit minus 6,85 % (minus 11,53 bis minus 2,18); Gesamtzahl nicht signifikant | erheblich bei einigen Parametern |
| chronische Prostatitis | Fu et al. 2014, 12 Studien [s282] | Konzentration SMD minus 14,12; Normalformen minus 8,26; Volumen plus 0,50 | im Abstract nicht beziffert |
| SARS-CoV-2 (Vergleich) | Wen et al. 2024, 39 Artikel [s104] | OR Asthenozoospermie 3,86 (1,83 bis 8,14) | nicht berichtet |
Die Größenordnung der Mittelwertdifferenzen ist bescheiden: Bei allen Urogenitalinfektionen zusammen sinkt die Konzentration im Mittel um 6,65 Mio./ml, die progressive Motilität um 5,93 Prozentpunkte [s06]. Die Odds Ratios für Infertilität (2,28 bis 3,68 für Chlamydien, 2,93 bis 3,02 für HPV) sind größer, beruhen aber auf Fall-Kontroll-Studien mit Verzerrungen, und bei Chlamydien sank das OR nach Korrektur für Publikationsbias von 3,68 auf 2,75 [s05].
Mengen, Dauer und Schweregrad als Dosisersatz
| Ersatzgröße für die Dosis | Erreger | Befund | Quelle und Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Viruslast | Mpox | Replikationsfähiges Virus nur in Proben mit mehr als 6,5 log10 Kopien/ml isoliert; mediane Viruslast Sperma 3,5, Haut 7,3 log10 Kopien/ml | [s133]; Kohorte mit milden Verläufen |
| Viruslast | Zika | Infektiöses Virus im Sperma bei Viruslasten über 1,4 × 10⁶ Genomkopien-Äquivalenten/ml (8 von 97 Patienten) | [s213] |
| Viruslast | Hepatitis B | Integrationsrate im Spermiengenom 0,109 %; abnorme Samenparameter bei fast allen Patienten mit Integration | [s85]; 25 Patienten |
| Exposition in vitro | HBs-Protein | 0, 25, 50 und 100 µg/ml über 3 Stunden: mehr apoptotische Zellen, höherer DFI, weniger lebende Spermien | [s169]; Laborversuch, Stufung der Wirkung im Abstract nicht beziffert |
| Dosis und Zeit in vitro | Ureaplasma parvum; Trichomonas | Motilität sank dosis- und zeitabhängig (Maus [s173]; Spermien von 10 fertilen Männern, drei Konzentrationen, bis 6 Stunden [s347]) | Laborversuche |
| Keimzahl | Bakteriospermie | Zahl über 10⁴ KBE/ml mit niedrigerer Gesamtzahl und weniger vorwärtsbeweglichen Spermien, aber ohne Unterschied bei Gesamtbeweglichkeit und Normalformen [s195]; reichliches Wachstum mit Beweglichkeitsstörung, erhöhter Viskosität und ultrastrukturellen Schäden, bei unter 10 KBE/ml keine Veränderung [s152] | zwei Studien mit unterschiedlichen Einheiten und Definitionen |
| Leukozytenzahl | Entzündung | Schwelle über 10⁶/ml gilt als Leukozytospermie; Leukozytospermie mit Ureaplasma noch niedrigere Motilität und Morphologie als ohne [s202]; Elastase bei Pyospermie im Mittel 2859,6 gegenüber 131,6 µg/l [s371] | EAU: Behandlung allein der Leukozytospermie ohne Evidenz für höhere Konzeptionsrate [s383] |
| Kopienzahl | Chlamydien | Nach erfolgreich behandelter Infektion keine nachteiligen Ergebnisse, unabhängig von Geschlecht, Alter und Kopienzahl | [s253]; Abstract ohne Zahlen |
| Zahl und Art der Typen | HPV | Hochrisiko- gegen Niedrigrisiko-HPV: Spermienzahl SMD minus 0,65 (minus 1,11 bis minus 0,18) [s184]; DFI nur bei Hochrisiko-HPV erhöht [s94]; mehrere Typen verstärkten Störungen [s91]; Motilität nur bei HPV-51 oder -52 geringer [s56] | uneinheitlich; [s48] fand bei Mehrfach-HPV keine Unterschiede |
| Koinfektion | HPV mit Ureaplasma oder Chlamydien | HPV plus U. urealyticum senkte Motilität und Vitalität, HPV allein Volumen und Gesamtzahl [s44]; HPV plus Chlamydien mit geringerer Konzentration und Motilität, HPV allein nicht [s55]; Mehrfachinfektion mit höherer ORP-Wahrscheinlichkeit (OR 1,96; 0,60 bis 6,41, nicht signifikant) [s22]; Chlamydien plus Ureaplasma [s176] | Koinfektion macht Einzeleffekte nicht trennbar |
| Serostatus | Hepatitis B | HBeAg-Positive mit niedrigerem Samen-pH und mehr nichtvorwärtsbeweglichen Spermien, kein Einfluss auf Einnistung [s67]; Gruppe mit HBsAg, HBeAb, HBcAb am schlechtesten [s199] | Querschnitte |
| Antikörper-Titer | Chlamydien | IgA- und IgG-Index korrelierten mit der Leukozytenzahl in Samen und Urin; IgA-Index negativ mit dem Samenvolumen [s358]; Elastase über 250 ng/ml korrelierte mit Chlamydien-IgA [s366] | Gruppenunterschiede nicht signifikant [s358] |
| Dauer der Infektion | Trichomonaden (Meerschweinchen) | Pathologische Spermien nach 9 Tagen 32,0 ± 2,7 % gegenüber 12,0 ± 0,4 %, nach 30 Tagen nicht mehr signifikant verschieden | [s277]; n = 2 Kontrolltiere |
Ein klares, gestuftes Dosis-Wirkungs-Verhältnis beim Menschen ist in keiner der Studien belegt. Am nächsten kommt dem die Beziehung von Viruslast und Infektiosität bei Mpox, Zika und Ebola [s133, s213, s266], die aber die Übertragbarkeit betrifft, nicht die Samenqualität. Für die Samenqualität liegen nur Gruppenvergleiche vor (infiziert gegenüber nicht infiziert), kombiniert mit Schwellen wie der Leukozytenzahl über 10⁶/ml oder der Keimzahl.
Ausscheidungs- und Nachweisdauer
| Virus | Material | Dauer des Nachweises | Quelle |
|---|---|---|---|
| Mpox | Sperma | Mediane Zeit bis zur Viruseliminierung 13 Tage (9 bis 18), für 90 % der Fälle 39 Tage (27 bis 56); DNA bis Tag 75; in einer anderen Kohorte mediane Zeit 0 Tage bei nur 8 % positiven Proben zu Beginn | [s133, s10, s101] |
| Zika | Sperma | RNA etwa 33 % der symptomatischen Männer, manche über 3 Monate; in Einzelfällen über 180 Tage, bei einem Immunsupprimierten 515 bis über 900 Tage; replikationsfähiges Virus selten über 4 bis 6 Wochen; Südkorea 58 Tage | [s156, s19, s214, s245] |
| Ebola | Sperma | Positivrate 180 Tage nach Entlassung 75,4 %, nach 270 Tagen 26,8 %, nach 360 Tagen 6,0 %; mediane Persistenz 204 Tage; Guinea: Wahrscheinlichkeit, positiv zu bleiben, 93,02 % nach 3 und 60,12 % nach 6 Monaten; längstes Intervall 565 Tage | [s181, s210, s266, s248] |
Die Bedeutung: Die Ausscheidung ist deutlich länger als die klinische Erkrankung, die Infektiosität aber meist kürzer als die RNA-Persistenz. Bei Zika war im Mausmodell die Übertragung nach 40 Tagen fast beendet, obwohl Virus-RNA in Spermien länger nachweisbar blieb [s07].
Subgruppen
| Subgruppe | Befund | Quelle und Einschränkung |
|---|---|---|
| Alter, Ebola | Männer bis 25 Jahre hatten die 3,17-fache (1,60 bis 6,29), 26- bis 35-Jährige die 1,85-fache (1,04 bis 3,28) Wahrscheinlichkeit, negativ zu sein, gegenüber Männern über 35; Männer über 40 häufiger positiv (p = 0,0004); späte Clearer im Median 42,5 Jahre | [s181, s266, s118] |
| Schweregrad, Ebola | Nach einem Jahr 10,1 % Persistenz bei schwerem Verlauf, bei milden Verläufen nahe 0 %; bei schwerem Verlauf und Alter über 35 über 20 %; späte Clearer hatten dagegen weniger schwere Symptome | [s181, s118]; uneinheitlich |
| Alter und Infertilitätsrisiko | U-Kurve mit dem niedrigsten Risiko bei 25 bis 29 Jahren; Ureaplasma-Infektionsrate am höchsten bei 31- bis 40-Jährigen, am niedrigsten über 40; Chlamydien bei 26 bis 35 Jahren am stärksten betroffen | [s08, s151, s253] |
| Primäre gegen sekundäre Infertilität | STI-Prävalenz 39,7 % gegenüber 21,7 % (P = 0,03); Gonorrhö in infertilen Populationen 0,5 % gegenüber 2,5 %; M.-genitalium-OR 7,704 gegenüber 7,362 | [s142, s165, s227]; uneinheitliche Richtung |
| Immunstatus | HIV bei 51 % der Mpox-Patienten; Zika-RNA bei einem Immunsupprimierten über 900 Tage; Ebola-RNA 565 Tage bei einem HIV-positiven Überlebenden; Skrotalnekrose bei Mpox mit fortgeschrittener HIV-Infektion | [s133, s214, s248, s32]; Einzelfälle und kleine Serien |
| Region | Mykoplasmen: In China M. hominis und U. urealyticum stark mit Infertilität assoziiert, weltweit nicht (p = 0,553 und p = 0,050); in Kuwait fand sich kein Prävalenzunterschied zwischen Infertilen und Fertilen [s297], in Jordanien für Gonokokken dagegen ein deutlicher (6,5 % gegenüber 0 %) [s290] | [s116, s278, s297, s290] |
| Erregerart oder Biovar | Biovar II von U. urealyticum bei Infertilen häufiger (p = 0,036) und mit niedrigerer Konzentration; U. parvum oder Mischinfektion mit niedrigerer Vorwärtsbeweglichkeit als U. urealyticum (p < 0,05); Untergruppen A und C von U. parvum mit Oligozoospermie | [s289, s239, s236]; teils widersprüchliche Richtung |
| Leukozytospermie | UU-positive Männer mit Leukozytospermie mit niedrigerer Motilität und Morphologie als UU-negative (p < 0,001) | [s202] |
| Lebensstil | Rauchen (OR 1,23; 1,02 bis 1,49) und Geschlechtsverkehr mehr als zweimal pro Woche (OR 1,41; 1,04 bis 1,91) mit Ureaplasma-Nachweis verbunden; Rauchen mit Chlamydien-Seropositivität (aOR 3,8; 1,32 bis 11,04) | [s09, s110] |
| Vorerkrankung | Varikozele: asymptomatische Ureaplasma-Infektion 55,76 % gegenüber 34,93 %; Oligozoospermie bei Varikozele OR 10,9 (3,0 bis 39,5) | [s360, s128]; Querschnitte |
| Normales Spermiogramm | In der Untergruppe mit normalem Spermiogramm waren Volumen und Gesamtzahl bei Infektion niedriger; Chlamydien mit normalem Spermiogramm unterschieden sich nicht von Kontrollen | [s246, s47]; [s47] mit Zahlenwidersprüchen |
| Mono- und Mehrfachinfektion | 95,1 % der infizierten Männer in Chongqing mit nur einem Erreger; in Russland 43 bis 68 % Mischinfektion; HPV-Positive zu 74,4 % mit Koinfektion | [s54, s337, s346, s336, s55]; sehr unterschiedliche Selektion |
Subgruppenaussagen sind in den Abstracts meist unadjustiert; Alter, Abstinenzzeit und Rauchen werden selten genannt (Ausnahmen [s177, s229, s09]). Mehrere Studien stammen aus denselben Zentren mit überlappenden Zeiträumen, Doppelzählungen sind nicht auszuschließen (Hefei [s102, s64, s09]; Nanjing [s235, s329, s309]; Irkutsk [s319, s318, s317, s303]; Astrachan [s281, s274, s273, s275]).
Reversibilität
Die Reversibilität ist die am schlechtesten abgesicherte der drei Fragen, weil fast alle Studien Vorher-Nachher-Vergleiche ohne unbehandelte Kontrollgruppe sind. Die Behandlungen werden hier nur als Beobachtung berichtet; die Tabelle ist keine Therapieempfehlung. Spontanverläufe und Regression zur Mitte sind nicht auszuschließen.
| Erreger oder Gruppe | Ereignis, Dauer | Befund | Studie und Design |
|---|---|---|---|
| Mischinfektion T. vaginalis, M. genitalium, U. urealyticum | 3, 6 und 9 Monate nach Eradikation | Bei Mischinfektion schlechtere Werte gegenüber 63 gesunden Spendern; 6 Monate nach vollständiger Eradikation näherten sich die Werte der Norm | [s186]; Längsschnitt an 59 Patienten, keine unbehandelte Gruppe |
| U. parvum | Nach Eradikation 124 Männer | Konzentration 4,01 ± 4,69 auf 9,20 ± 15,63 Mio./ml (p = 0,01), Motilität 18,97 ± 16,04 auf 29,66 ± 22,18 % (p = 0,002); bei normalen Ausgangswerten keine Änderung | [s52]; retrospektiv, keine Kontrolle, Regression zur Mitte möglich |
| U. urealyticum mit Leukozytospermie | 1 Monat nach Behandlung | 70 von 81 geheilt; Konzentration (p = 0,001), progressive Motilität (p = 0,022), Gesamtmotilität (p = 0,004) und Morphologie (p = 0,008) gestiegen | [s202]; kein Vergleich mit Unbehandelten |
| Ureaplasma | nach Behandlung | pH, VSL, LIN, WOB und STR stiegen; Werte bewegten sich in Richtung Kontrolle | [s151, s150]; Vorher-Nachher |
| M. genitalium | nach Azithromycin | DFI 40,1 ± 9,9 auf 19,0 ± 9,0 %; Konzentration und Motilität unverändert; Mittelwerte der Samenparameter stiegen nach Antibiotikabehandlung | [s161, s194]; ohne Kontrolle |
| Chlamydien | nach erfolgreich behandelter Infektion | keine signifikanten Unterschiede bei Basisparametern und Ergebnissen nach assistierter Reproduktion gegenüber Subfertilen ohne Infektion | [s253]; Kontrollgruppe nur ein Bruchteil |
| Chlamydien, Ureaplasma (Georgien) | nach erfolgreicher Behandlung | Spermiogramm besserte sich bei je 8 Patienten mit Chlamydien und Ureaplasmen, bei anderen Infektionen nicht | [s313]; kleine Zahlen, keine Kontrolle |
| T. vaginalis (Irkutsk) | nach Komplexbehandlung | Leukozyten 1 auf 0,5 Mio./ml (p = 0,03); Gesamtzahl 213 auf 337 Mio. (p = 0,04); Konzentration 61 auf 103 Mio./ml (p = 0,04); Malondialdehyd gesunken | [s319, s318, s317]; dieselben 39 Männer, ohne Kontrolle |
| Leukozytospermie | Antibiotika 4 bis 6 Wochen | kein Effekt auf Spermaparameter und Schwangerschaftsraten | [s323]; 121 Männer, kein Erregernachweis |
| Infektion der akzessorischen Drüsen (randomisiert) | Zytokin- gegen Antibiotikatherapie | Erregerelimination 57,1 % gegenüber 88 %; unter Doxycyclin stieg das Volumen; andere Spermaparameter nicht verschieden | [s119]; unverblindet, 12 % Ausfälle, kein Schwangerschaftsendpunkt |
| Nebenhodenentzündung | Folgezustand | etwa 10 % persistierende Azoospermie, 30 % Oligozoospermie | [s251]; Übersicht |
| Postinfektiöse Azoospermie | nach Vasoepididymostomie | Durchgängigkeit 72 % (108/150), natürliche Schwangerschaft 38,7 %, Lebendgeburt 32,7 % | [s255]; keine Kontrolle, keine Erregerzuordnung |
| Zika | nach Erkrankung | Beim Menschen erhole sich die Samenqualität meist, Tiermodelle zeigten dauerhaftere Hodenschäden | [s19]; Übersicht ohne Primärzahlen |
| Zika, Maus | Antikörper oder Peptid | Hoden- und Nebenhodenschäden gemildert, Fertilität erhalten | [s71, s215]; Tierversuch, kein Hinweis für den Menschen |
| Meerschweinchen | 9 gegenüber 30 Tage | Erhöhter Anteil pathologischer Spermien nach 30 Tagen nicht mehr signifikant | [s277]; n = 2 Kontrolltiere |
| SARS-CoV-2 (Vergleich) | Akut Infizierte gegenüber Genesenen | keine signifikanten Unterschiede der Samenqualität | [s78]; 65 Patienten |
Aus diesen Befunden folgt, was die Quellen tragen und was nicht: Mehrere Vorher-Nachher-Studien zeigen nach Eradikation bessere Spermienparameter, vor allem bei Ausgangswerten unterhalb der Norm [s52, s186, s202]. Bei normalen Ausgangswerten änderte sich nichts [s52]. Dass die Konzeptionswahrscheinlichkeit steigt, ist nicht belegt: Die EAU sieht Evidenz (LE 2a) nur für eine Verbesserung der Spermienqualität, nicht der Konzeptionswahrscheinlichkeit [s383, s31]. Die große Chlamydien-Kohorte kommt zu keinem nachteiligen Einfluss nach behandelter Infektion [s253]. Eine Studie zur Antibiotikabehandlung bei Leukozytospermie fand keinen Effekt auf Spermaparameter und Schwangerschaftsraten [s323]; die randomisierte Studie [s119] hatte keinen Schwangerschaftsendpunkt. Für dauerhafte Schäden gilt: Nach Nebenhodenentzündung bleibt ein Teil der Männer dauerhaft azoosperm oder oligozoosperm [s251], und nach Samenwegverschluss ist eine Operation das, was dokumentiert ist, mit offenem Erregerbezug [s255]. Bei Viren (Zika, Ebola, Mpox) ist die Reversibilität der Ausscheidung gut dokumentiert, die der Samenqualität nicht gemessen.
Zusammenfassung des Kapitels
Die Studienlage trägt für die einzelnen Erreger sehr verschieden. Für Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis und genitalium, Chlamydia trachomatis, HPV und Hepatitis B liegen Metaanalysen mit Assoziationen zu schlechterer Samenqualität oder Infertilität vor (OR etwa 1,8 bis 4,4), bei hoher Heterogenität, vorwiegend aus Kinderwunschkohorten und mit Hinweisen auf Publikationsbias. Neuere Kohorten finden bei Ureaplasma (dort adjustiert) und HPV schwächere oder keine Effekte. Für Gonorrhö, Syphilis und Trichomonaden fehlen Humanstudien mit Spermiogramm je Erreger; belegt sind Prävalenzen, Fallberichte, Laborbefunde und Tierversuche. Für Mpox, Ebola und Zika liegen vor allem Daten zu Nachweis und Ausscheidungsdauer im Sperma vor; ein einziger kleiner Spermiogramm-Vergleich bei Zika umfasst drei Männer. Die Leitlinien (EAU, AUA/ASRM) bewerten den Zusammenhang als unsicher (LE 3). Bewiesen sind der Nachweis von Erregern im Ejakulat und der Samenwegverschluss nach Nebenhodenentzündung; die meisten Wirkwege auf die Spermienfunktion sind plausibel, aber nur im Labor, im Tier oder als Korrelation gezeigt. Ein belegtes Dosis-Wirkungs-Verhältnis beim Menschen fehlt; die Reversibilität ist nur durch Vorher-Nachher-Studien ohne Kontrolle gestützt.