Abstinenzzeit. Zeitraum ohne Samenerguss vor der Abgabe einer Samenprobe; beeinflusst Volumen und Zahl und wird in den Studien in unterschiedlichem Umfang berücksichtigt.
Adjustierung (Anpassung). Statistisches Verfahren, das den Einfluss von Störgrößen (zum Beispiel Alter, Abstinenzzeit, eigenes Rauchen) rechnerisch herausnimmt, um den Zusammenhang zwischen Exposition und Endpunkt zu schätzen.
Anogenitalabstand (AGD). Abstand zwischen After und Genitale; gilt als Marker der androgenen Wirkung im Maskulinisierungsfenster der Fetalzeit. Es gibt Varianten (zum Beispiel AGDas, AGDap). Ein verkürzter AGD wird als Hinweis auf eine verminderte Androgenwirkung gelesen, ist aber kein Samenparameter.
Anti-androgen. Eine Wirkung, die die Wirkung männlicher Geschlechtshormone (Androgene) vermindert, etwa durch Hemmung der Testosteronbildung oder der Rezeptoren.
Aneuploidie, Disomie. Abweichende Chromosomenzahl in einer Zelle; bei Spermien eine zusätzliche Kopie eines Chromosoms (Disomie, zum Beispiel ein zusätzliches Y-Chromosom oder XX18- beziehungsweise YY18-Disomien).
Apoptose. Programmierter Zelltod.
Bias (Verzerrung). Systematische Abweichung eines Studienergebnisses von der Wahrheit, etwa durch Auswahl der Teilnehmenden (Selektionsbias) oder fehlerhafte Messung.
Bisphenole (BPA, BPS, BPF, BPAF). Industriechemikalien, unter anderem in Kunststoffen; werden als hormonell wirksam (östrogenähnlich) eingestuft.
Confounding (Störgröße, Verzerrung durch Dritte). Ein dritter Faktor, der sowohl mit der Exposition als auch mit dem Endpunkt zusammenhängt und einen Zusammenhang vortäuschen oder verdecken kann (zum Beispiel sozialer Status bei Rauchen).
Confounding by indication. Spezielle Störgröße bei Medikamenten: Der Anlass für die Einnahme (Schmerz, Fieber, Infektion) hängt selbst mit dem Endpunkt zusammen und lässt sich nur schwer von der Wirkung des Medikaments trennen.
Cotinin. Abbauprodukt des Nikotins; im Blut oder Urin messbar und ein objektiver Marker für die Tabakexposition.
Kryptorchismus (Hodenhochstand). Der Hoden befindet sich nicht im Hodensack; Teil des Testikulären Dysgenesie-Syndroms.
DES (Diethylstilbestrol). Synthetisches Östrogen, das in der Mitte des 20. Jahrhunderts Schwangeren zur Verhinderung von Fehlgeburten gegeben wurde; die Nachkommen („DES-Töchter“ und „DES-Söhne“) zeigen Fehlbildungen des Urogenitaltrakts.
DFI (DNA-Fragmentationsindex). Anteil der Spermien mit geschädigter (fragmentierter) DNA; ein Maß für die Integrität des Erbguts der Spermien.
Dosis-Wirkung. Zusammenhang, bei dem der Effekt mit der Höhe der Exposition zunimmt; gilt als Hinweis auf, aber nicht als Beweis für Kausalität.
Dysgenesie. Gestörte Entwicklung eines Organs; siehe Testikuläres Dysgenesie-Syndrom.
EDC (endocrine disrupting chemicals, hormonell wirksame Stoffe, endokrine Disruptoren). Chemikalien, die in das Hormonsystem eingreifen, etwa PFAS, Phthalate, Bisphenole, bestimmte Pestizide und Organochlorverbindungen.
Ejakulatvolumen. Menge der Samenflüssigkeit pro Erguss.
Epigenetik. Veränderungen der Genaktivität (zum Beispiel durch DNA-Methylierung, Histonmodifikationen, nichtkodierende RNAs), die ohne Änderung der DNA-Sequenz auftreten und teilweise weitergegeben werden können.
Fekundabilität. Wahrscheinlichkeit, in einem Menstruationszyklus schwanger zu werden; Maß für die Fruchtbarkeit eines Paares.
FAI (freier Androgenindex). Rechnerischer Kennwert aus Gesamttestosteron und SHBG, der den biologisch verfügbaren Teil des Testosterons abschätzt.
FEPOS (Fetal Programming of Semen Quality). Männliche Nachkommenkohorte der Dänischen Nationalen Geburtskohorte (DNBC); 1.058 junge Männer untersucht 2017 bis 2019.
Flagellum. Geißel des Spermiums, die seine Fortbewegung antreibt; Form und Beweglichkeit gehören zur Morphologie und Motilität der Spermien.
FSH (follikelstimulierendes Hormon). Hormon der Hirnanhangdrüse, das die Spermienbildung anregt; erhöhte Werte können auf eine verminderte Hodenfunktion hinweisen.
Gesamtzahl der Spermien. Spermienkonzentration mal Ejakulatvolumen.
Hazard Ratio (HR). Verhältnis der Ereignisraten zwischen zwei Gruppen im Zeitverlauf; Werte über 1 bedeuten ein erhöhtes Risiko.
Hazard Index (HI). Summe von Verhältnissen zwischen Exposition und Referenzdosis für mehrere Chemikalien; Werte über 1 gelten als Überschreitung eines Schwellenwerts in der Modellrechnung.
Hypospadie. Fehlbildung, bei der die Harnröhrenöffnung nicht an der Spitze des Penis liegt.
Inhibin B. Von den Sertoli-Zellen gebildetes Hormon; niedrige Werte werden als Hinweis auf eine verminderte Sertoli-Zell-Funktion gelesen.
INSL3. Von den Leydig-Zellen gebildetes Hormon, das für den Hodenabstieg wichtig ist.
Konfidenzintervall (KI). Wertebereich, in dem der wahre Effekt mit einer bestimmten Sicherheit (meist 95 %) liegt; schließt das Intervall die Null (bei Differenzen) oder die 1 (bei Verhältnissen) ein, ist der Effekt statistisch nicht signifikant.
Konzentration (Spermienkonzentration). Anzahl der Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit (Mio./ml).
Kohortenstudie. Beobachtungsstudie, bei der eine Gruppe über die Zeit verfolgt wird.
Leydig-Zellen. Zellen im Hoden, die Testosteron bilden.
LH (luteinisierendes Hormon). Hormon der Hirnanhangdrüse, das die Testosteronbildung in den Leydig-Zellen anregt; erhöhtes LH bei unverändertem Testosteron wird als „kompensierte“ Leydig-Zell-Funktion gelesen.
Maskulinisierungsfenster (masculinisation programming window). Zeitraum der Fetalentwicklung (nach den gelesenen Quellen etwa die Schwangerschaftswochen 8 bis 14), in dem Androgene die männliche Entwicklung der Genitalorgane programmieren.
Mediationsanalyse. Statistisches Verfahren, das prüft, welcher Anteil eines Zusammenhangs über einen Zwischenfaktor (Mediator) läuft, zum Beispiel über das Geburtsgewicht der Söhne.
Metaanalyse, Metaregression. Statistische Zusammenfassung mehrerer Studien; die Metaregression untersucht zusätzlich, wie sich das Ergebnis mit Merkmalen wie dem Kalenderjahr ändert.
Morphologie. Form der Spermien (Kopf, Mittelstück, Flagellum); angegeben als Anteil normal geformter Spermien.
Motilität (Beweglichkeit). Anteil beweglicher (progressiv beweglicher) Spermien.
Multiplizität (Mehrfachtestung). Je mehr Hypothesen getestet werden, desto wahrscheinlicher sind zufällig „signifikante“ Ergebnisse; Multiplizitätsadjustierung korrigiert dafür.
Odds Ratio (OR). Verhältnis der Chancen zwischen zwei Gruppen; Werte über 1 bedeuten eine erhöhte Chance für das Ereignis.
Oligozoospermie (Oligospermie). Zu niedrige Spermienkonzentration (in den Studien meist unter 15 oder 20 Mio./ml).
Organochlorverbindungen (PCB, DDE, DDT). Langlebige chlorhaltige Umweltchemikalien, die sich im Fettgewebe anreichern; p,p'-DDE ist ein Abbauprodukt von DDT.
Überadjustierung. Zu weitgehende statistische Anpassung, etwa an eine Variable, die stark mit der interessierenden Exposition zusammenhängt, sodass ein tatsächlicher Effekt verschwinden kann.
p für Trend. Statistischer Test, ob sich ein Endpunkt über geordnete Expositionsstufen gleichgerichtet verändert.
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen). Sehr persistente Industriechemikalien (zum Beispiel PFOA, PFOS, PFHpA), die sich im Körper anreichern und als hormonell wirksam verdächtigt werden.
Phthalate. Weichmacher in Kunststoffen und Kosmetika (zum Beispiel DEHP, DiNP, MiNP als Metabolit); können die Androgenwirkung im Tiermodell beeinflussen.
Pränatal, perinatal, präkonzeptionell, transgenerational. Vor der Geburt; um die Geburt; vor der Zeugung; über mehrere Generationen weitergegeben (Übertragung über die Keimbahn, im Unterschied zur direkten Exposition des Fetus).
Quantile g-computation, WQS (Weighted Quantile Sum). Statistische Verfahren für Mischungen von Expositionen: Sie fassen mehrere Stoffe zu einem gewichteten Index zusammen und schätzen den Effekt je Quartil- oder Einheitsschritt.
Querschnittsstudie. Beobachtungsstudie, bei der Exposition und Endpunkt zu einem Zeitpunkt erhoben werden.
Residuale Konfundierung (Restkonfundierung). Verzerrung durch Störgrößen, die nicht oder nur ungenau gemessen und daher nicht vollständig herausgerechnet werden konnten.
Risk Ratio, Relatives Risiko (RR). Verhältnis der Risiken zwischen zwei Gruppen.
Selektionsbias. Verzerrung dadurch, dass die Teilnehmenden einer Studie nicht repräsentativ für die Zielpopulation sind, etwa durch niedrige Teilnahmequote.
Sertoli-Zellen. Stützzellen im Hoden, die die Spermienbildung unterstützen und deren Zahl in der Fetal- und frühen Kindheit festgelegt wird; sie bilden unter anderem Inhibin B.
SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin). Eiweiß, das Testosteron und Östradiol im Blut bindet.
Systematische Übersichtsarbeit. Zusammenfassung der Literatur nach festgelegten Suchregeln und Auswahlkriterien, mit oder ohne Metaanalyse; Umbrella-Review: Übersicht über mehrere systematische Übersichten.
Testikuläres Dysgenesie-Syndrom (TDS). Konzept, nach dem schlechte Spermienqualität, Hodenkrebs, Hodenhochstand und Hypospadie auf eine gemeinsame Störung der Hodenentwicklung im Fetalleben zurückgehen.
TUNEL. Färbemethode, die Zellen mit fragmentierter DNA im Gewebe sichtbar macht (Marker für Apoptose).
Z-Score. Abweichung eines Messwerts vom Mittelwert in Einheiten der Standardabweichung; zum Beispiel für Geburts- oder Plazentagewicht.