Dieses Kapitel beantwortet vier Fragen, die sich nach den Einzelbefunden der übrigen Kapitel stellen. Erstens: Wird der Effekt größer, wenn die Exposition größer ist (Dosis-Wirkung)? Zweitens: Gilt der Befund für alle Männer gleich, oder unterscheidet er sich nach Alter, Geschlecht der Kinder, Region, Begleitumständen und Vorerkrankungen (Subgruppen)? Drittens: Wie verhält sich der Effekt über die Zeit, also über das Zeitfenster der Schwangerschaft, über die Lebensspanne des Sohnes und über Jahrzehnte der Bevölkerungsentwicklung (Zeitverlauf)? Viertens: Lässt sich ein einmal entstandener Schaden zurückbilden (Reversibilität)? Wo die Daten für eine Antwort nicht ausreichen, steht das ausdrücklich im Text und im Abschnitt 8. Das Kapitel enthält keine Therapie- und keine Verhaltensempfehlung. Alle Humanbefunde sind Beobachtungsbefunde; der Ausdruck "assoziiert" bedeutet durchgehend einen statistischen Zusammenhang und keinen bewiesenen ursächlichen Effekt.
1. Evidenzbasis und Lesehinweise
Woher die Zahlen stammen. Alle Zahlen dieses Kapitels stammen aus den Recherchedokumenten der zwölf Sprachräume und aus der Master-Quellenliste (Zusammenfassungen der Originalarbeiten, bei einigen Arbeiten auch der frei zugängliche Volltext). Für fünf Arbeiten, die für Reversibilität und Altersgruppen zentral sind, wurden für dieses Kapitel zusätzlich die Europe-PMC-Einträge beziehungsweise Volltexte abgerufen: Stokholm 2026 [s15] (Volltext), Cui 2025 [s26] (Volltext), Ragheb 2025 [s33] (Zusammenfassung), Sharpe 2010 [s180] (Zusammenfassung) und die Zusammenfassungen von Jensen 2005 [s199], Hart 2016 [s135], Fisher 2016 [s134], Sun 2018 [s121] und Dai 2017 [s125]. Die Volltexte der meisten übrigen Arbeiten, darunter der FEPOS-Analyse zum mütterlichen Rauchen [s75], standen nicht zur Verfügung; Konfidenzintervalle, die nur in Volltexttabellen stehen, fehlen deshalb.
Wie Effekte angegeben werden. Sofern nicht anders vermerkt, sind Effekte relative prozentuale Unterschiede gegenüber nicht Exponierten oder der niedrigsten Expositionskategorie, meist aus negativ-binomialen Regressionsmodellen. Ein negatives Vorzeichen bedeutet einen niedrigeren Wert beim exponierten Sohn. KI steht für das 95-%-Konfidenzintervall. Ein Intervall, das die Null (bei Verhältnissen die 1) einschließt, ist mit einem fehlenden Effekt vereinbar.
Die Kohorten. Die Dosis-Wirkungs-Befunde stammen überwiegend aus wenigen Kohorten, die sich in Alter der Söhne, Geburtsjahrgang, Expositionsmessung und Teilnahmequote unterscheiden:
| Kohorte | Geburtsjahre / Rekrutierung | Alter der Söhne bei Samenanalyse | n (Samenanalyse) | Besonderheit | ID |
|---|---|---|---|---|---|
| Fünf-Länder-Studie (Dänemark, Norwegen, Finnland, Litauen, Estland) | Musterung 1996 bis 1999 | junge Männer | 1.770 | Teilnahme 13 bis 19 % | [s201] |
| Aarhus-Schwangerschaftskohorte | 1984 bis 1987, Untersuchung 2005/2006 | Alter in den Quellen nicht ausgewiesen | 347 (aus 5.109 Söhnen expositionsabhängig ausgewählt) | Alkohol, Koffein, BMI, DNA-Integrität | [s192, s179, s186] |
| Aarhus-Kohorte 1988 bis 1989 | 1988 bis 1989 | 19 bis 21 Jahre | 169 bis 176 | mütterliches Serum in Schwangerschaftswoche 30 | [s164, s156] |
| FEPOS (Danish National Birth Cohort) | geboren 1998 bis 2000, Untersuchung 2017 bis 2019 | Median etwa 19 Jahre | 1.058 (19 % von 5.697 Eingeladenen) | größte Längsschnittkohorte; Cotinin im Plasma | [s98, s75] |
| Child Health and Development Studies, Kalifornien | Mütter 1959 bis 1967 | 38 bis 47 Jahre | 196 mit Samenprobe | höchstes Alter der Söhne | [s171] |
| Raine-Kohorte, Westaustralien | Geburtskohorte | 20 bis 22 Jahre | je nach Analyse 136 bis 423 | Nabelschnurblut-Östrogene | [s135, s144, s111] |
| Dänisches Register (Health Habits for Two) | 1984 bis 1987 | 35 bis 38 Jahre (klinische Infertilität) | 11.144 Kinder | Registerendpunkt statt Samenanalyse | [s15] |
Die Teilnahmequote der FEPOS-Kohorte (19 %) ist ein bekanntes Qualitätsproblem; eine eigene Analyse zur Selektionsverzerrung (inverse Selektionsgewichtung, mehrdimensionale Bias-Analyse) fand für die Beziehung zwischen mütterlichem Rauchen im ersten Trimester und Gesamtspermienzahl nach Gewichtung weiterhin eine um 21 % niedrigere Gesamtzahl (KI -32 bis -9) und schätzt das Selektionsrisiko als begrenzt ein [s59]. Das beseitigt die Grundproblematik freiwilliger Teilnahme nicht.