Fragestellung und Aufbau. Die Gesamtstudie fragt, ob Einflüsse im Mutterleib oder vor der Zeugung messbare Spuren in der Samenanalyse und im Hormonprofil des erwachsenen Sohnes hinterlassen. Sie ist in Kapitel gegliedert; dieses erste Kapitel fasst die Befunde zusammen und beschreibt das Vorgehen. Die zugrunde liegenden Recherchen wurden am 4. Oktober 2026 in zwölf Sprachräumen parallel durchgeführt: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. Jede Recherche lieferte ein Dokument mit Fließtext und eine Datei mit Diagrammdaten und Quellenliste. Die zwölf Quellenlisten umfassen zusammen 469 Einträge (de 47, en 43, fr 62, it 21, pt 39, es 34, zh 51, ja 41, ko 34, ru 28, ar 46, tr 23); die gemeinsame Masterliste führt 214 Quellen mit einheitlichen Kennungen (s01 bis s214) und 46 Diagramme. Jede Quelle erhielt ihre Kennung über PMID, DOI oder Titel; jede Kennung in diesem Kapitel entstammt dieser Liste. Ältere nummerierte Verweise einzelner Sprachdokumente wurden vor der Verwendung auf diese Kennungen umgestellt.
Wie recherchiert wurde. Gesucht wurde in PubMed über die E-Utilities-Schnittstelle (esearch, esummary, efetch) und über die REST-Schnittstelle von Europe PMC; mehrere Läufe konnten die PubMed-Webseiten wegen einer Cookie-Sperre nicht lesen und wichen deshalb auf diese Schnittstellen aus. Dazu kamen gezielte Websuchen mit Begriffen der jeweiligen Sprache sowie das Lesen einzelner Verlags- und Institutionsseiten. Abgerufen und gelesen wurden die Zusammenfassungen (Abstracts); nur in wenigen Fällen wurden offene Volltexte geöffnet (im englischen Lauf etwa für Ramlau-Hansen 2008, Hærvig 2022 zu PFAS und Palmer 2009). Für dieses Kapitel wurden keine zusätzlichen Quellen aus dem Gedächtnis ergänzt; als einzige Neuprüfung wurde das Abstract von Axelsson 2013 [s157] über Europe PMC erneut abgerufen, um den Widerspruch zwischen den Läufen aufzulösen (bestätigt: 46 % niedrigere Gesamtzahl, 21 bis 64 %). Jede genannte Zahl steht in einer der Eingabedateien.
Was in den einzelnen Sprachräumen gefunden und nicht gefunden wurde.
- Deutsch: Keine deutschsprachige Originalstudie zur Frage pränataler Einflüsse auf die Spermienqualität des Sohnes, kein Beitrag im Deutschen Ärzteblatt, keine AWMF-Leitlinie zu diesem Thema; das Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie ist in PubMed nicht erschlossen. Deutschland ist über die Hamburg-Leipzig-Querschnittsstudie vertreten, die Basiswerte, aber keine Expositionsanalyse liefert [s185].
- Englisch: Hauptquelle des Materials, dominiert von dänischen und schwedischen Kohorten. Ergänzend wurde der Abstract der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie von 2025 gelesen, der pränatale Faktoren nicht behandelt [s31]. Eine Metaanalyse zur Samenqualität erwachsener Söhne wurde für keine Exposition gefunden.
- Französisch: Recherche in PubMed sowie in HAL, Cairn, EM-Consulte und auf Institutionsseiten; Volltexte aus Cairn, HAL und EM-Consulte waren nicht zugänglich. Die Suche mit französischem Sprachfilter ergab sieben Treffer, keiner zu Spermien erwachsener Söhne. Beiträge des Sprachraums sind der Fötalhoden-Versuch [s160, s123], die Epidemiologie des Distilbène (Réseau DES France [s122]; Prescrire-Schätzung von 160.000 exponierten Kindern in Frankreich 1951 bis 1981 [s132]), die Fivnat-Reihe [s163], die südfranzösische Hypospadie-Studie (408 Fälle, 302 Kontrollen; fetale Exposition 40,00 gegenüber 17,55 %, Odds Ratio 3,13, 2,11 bis 4,65) [s145] und die Inserm-Expertise von 2011 über etwa 1.200 Artikel [s172].
- Italienisch: PubMed über Europe PMC, Verlagsseiten und PubMed Central. Italienische Suchen ergaben nur ein Lehrbuch der klinischen Andrologie, das nicht als Datenquelle genutzt wurde. Der wichtigste Beitrag ist die Seveso-Kohorte [s176, s14]; hinzu kommt die klinische Studie zu mütterlicher Adipositas [s11].
- Portugiesisch: Europe PMC; SciELO und LILACS wurden nur über Suchmaschine und Europe PMC erreicht, die Revista Brasileira de Ginecologia e Obstetrícia und die Acta Médica Portuguesa nicht direkt. Keine brasilianische oder portugiesische Kohorte zum Thema.
- Spanisch: PubMed sowie Gaceta Sanitaria (2007), Revista Internacional de Andrología (2011), Revista de Investigación Clínica (2007) und Archivos Españoles de Urología (2007); Dialnet und ASEBIR wurden nicht systematisch geprüft. Beiträge: der Vergleich Katalonien–Galicien [s175], Südspanien [s166, s161], Granada [s188, s189], eine mexikanische Übersicht [s190] und eine argentinische Studie an 131 Männern mit idiopathischer Infertilität [s195] (Exposition des Erwachsenen).
- Chinesisch: PubMed-indizierte Arbeiten und eine chinesischsprachige Übersicht [s04]; CNKI, Wanfang und VIP waren nicht erreichbar. Beiträge: Geburtskohorten aus Shanghai mit dem Anogenitalabstand als Endpunkt [s121, s101, s67, s24, s38] und die im Aufbau befindliche Chongqing-Kohorte, die 20.800 Paare rekrutieren will (8.698 bis Januar 2022) und die Kinder nur bis zum Alter von 2 Jahren verfolgt [s71].
- Japanisch: Europe PMC, J-STAGE und Unterlagen des Umweltministeriums. Keine japanische Primärstudie zu pränataler Exposition und Samenanalyse erwachsener Söhne. Beiträge: Kohortenprofil der Japan Environment and Children’s Study (103.099 Schwangere, 2011 bis 2014 rekrutiert) [s16], Hokkaido-Studie (etwa 20.000 Schwangere) [s89, s01], Referenzwerte [s159]. Die JECS-Söhne sind noch minderjährig; die Folgerung, dass Samenanalysen frühestens in den 2030er Jahren möglich sind, stammt aus dem Recherchedokument und nicht aus der Literatur.
- Koreanisch: PubMed-Direktzugriff scheiterte an der Cookie-Sperre; Europe PMC wurde verwendet, KCI, KoreaMed und DBpia nur über Websuche. Es fanden sich nur Übersichtsarbeiten und ein Editorial [s52, s62, s48] sowie die Regionalübersicht zum Westpazifik [s35].
- Russisch: Europe PMC sowie CyberLeninka und eLIBRARY über Websuche. Gefunden wurden die Querschnittsstudie zu Bisphenol A und Triclosan im Ejakulat (Nachweis in 100 beziehungsweise 84,9 % der Proben) [s104] und zwei Übersichten [s117, s116]; keine Kohorte.
- Arabisch: PubMed und arabische Suchbegriffe; Datenbanken wie Al Manhal waren nicht zugänglich. Beiträge: Rauchen in der Schwangerschaft einschließlich Wasserpfeife (Kairo, 200 Schwangere, 29,0 %) [s86], Jordanien [s88] und Studien zum aktuellen Rauchen erwachsener Männer in Ägypten und Jordanien [s33, s42, s70, s93], die ausdrücklich keine pränatalen Befunde sind.
- Türkisch: PubMed über E-Utilities und Websuche (DergiPark, TR Dizin, Türk Üroloji Dergisi, Türkiye Klinikleri). Keine türkische Kohorte; gefunden wurden eine klinische BMI-Studie an 858 infertilen Männern [s94] und zwei Rattenstudien [s112, s137].
Begriffe. Konzentration (Mio./ml), Gesamtzahl der Spermien (Mio. pro Ejakulat), Motilität (Beweglichkeit, progressiv und nicht progressiv), Morphologie (Anteil normal geformter Spermien, mit Kopf, Mittelstück und Flagellum), DNA-Fragmentationsindex (DFI), Hodenvolumen und Reproduktionshormone (FSH, LH, Testosteron, Östradiol, SHBG, Inhibin B, freier Androgenindex) sind die Zielgrößen. Proxy-Endpunkte sind Kryptorchismus, Hypospadie und der Anogenitalabstand (AGD). Effektangaben sind überwiegend relative prozentuale Differenzen gegenüber nicht Exponierten mit 95-%-Konfidenzintervall; Konfidenzintervalle, die die Null einschließen, bedeuten Vereinbarkeit mit keinem Effekt.
Grenzen.
- Abstract-Ebene. Fast alle Zahlen stammen aus Zusammenfassungen. Angaben, die nur im Volltext stehen (Subgruppen, Modellannahmen, Zusatztabellen), fehlen. Mehrere Quellen wurden nur über Titel oder Metadaten eingesehen (zum Beispiel [s02], [s19], [s21], [s30]) und tragen keine Zahlen.
- Beobachtungsdesign. Mit Ausnahme der Randomisierung der DES-Gabe sind alle Humanstudien Beobachtungsstudien; Kausalität ist nicht bewiesen. Konfundierung durch Sozialstatus, Ernährung und gleichzeitige Expositionen bleibt möglich.
- Beteiligung und Auswahl. Die Teilnahme betrug in FEPOS 19 %, in der europäischen Querschnittsstudie 13 bis 19 %, in der Aarhus-Kohorte zu PFAS 37,6 %.
- Konzentration auf wenige Kohorten. Ein großer Teil der Evidenz stammt aus FEPOS und den Aarhus-Kohorten; dänische Ergebnisse sind nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragbar, weil Rauchprävalenz, Ernährung und Schadstoffniveaus abweichen.
- Einzelne Samenprobe, Einmalmessung und Mehrfachtestung. Pro Mann liegt meist eine Probe mit variabler Karenzzeit vor; kurzlebige Stoffe wurden einmal gemessen; viele Analysen prüfen zahlreiche Endpunkte ohne Korrektur, sodass Einzeltreffer vorsichtig zu lesen sind.
- Keine eigene Datensynthese. Weder diese Studie noch eine der Recherchen berechnete gepoolte Effekte; eine Metaanalyse der Samenparameter erwachsener Söhne wurde nicht gefunden. Das heißt „nicht gefunden“, nicht „existiert nicht“.
- Sprachräume. Die Suchbarkeit war sprachabhängig; wichtige nationale Datenbanken (CNKI, Cairn, HAL, KCI, DergiPark, eLIBRARY, Al Manhal) waren nicht erreichbar. Fehlende Treffer sind kein Beweis für fehlende Studien.
- Klassifikationsabweichung. Die Studie von Ratcliffe 1992 [s211] ist in der Masterliste als Übersichtsarbeit geführt, die Sprachdokumente beschreiben sie als Nachbeobachtung von Söhnen aus einer randomisierten DES-Studie (kein Effekt des frühen Rauchens auf Samenparameter und Hormone). Die Zahlen aus dieser Studie werden hier nicht verwendet.
Prüfprotokolle der Recherchen. Jeder Lauf prüfte eine Auswahl seiner Quellen gegen die Abstracts. Berichtete Korrekturen: Im englischen Lauf wurde das Risikoverhältnis der Hodenentzündung bei Palmer 2009 von 2,5 auf 2,4 korrigiert; im chinesischen Lauf wurde der Vater-Effekt bei Axelsson 2013 von minus 31 % auf minus 46 % (21 bis 64) berichtigt und zwei nicht im Abstract belegte Angaben als unverifiziert markiert; im spanischen Lauf wurde eine nicht belegte Stichprobengröße (Granada) durch 50 Fälle und 114 Kontrollen ersetzt; im italienischen Lauf wurden zwei nicht belegte Dioxinwerte des Presseberichts entfernt; im türkischen Lauf wurden fünf Stellen korrigiert und zwei nicht belegte Aussagen gestrichen; im portugiesischen Lauf wurden zwei fehlende Stichprobengrößen ergänzt. Die deutschen, französischen, japanischen, koreanischen, russischen und arabischen Läufe meldeten keine Korrekturen. Nicht geprüft blieben jeweils die übrigen Quellen und Zahlen, die nur im Volltext stehen. Nachprüfung: Die Werte minus 36 % (3,9 bis 57) für die Konzentration bei mütterlichem Rauchen und minus 35 % (8,1 bis 55) bei väterlichem Rauchen (jeweils bei nicht rauchendem anderem Elternteil) bei Axelsson 2013 stehen im PubMed-Abstract und sind damit belegt (Prüfung vom 04.10.2026).
Hinweis zur Einordnung. Dieses Kapitel gibt keine Empfehlung zu Behandlung, Medikation oder Verhalten. Wo Autorinnen und Autoren einer Studie eine Schlussfolgerung formulieren, wird sie als deren Aussage wiedergegeben. Individuelle Fragen zu Schwangerschaft, Medikation und Samenanalyse gehören in die ärztliche Beratung; gruppenbezogene Befunde erlauben keinen Schluss auf die Zeugungsfähigkeit eines einzelnen Mannes.