Pränatale und transgenerationale Einflüsse · Kapitel 34 von 41 · Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt (II)

Arabisch und Türkisch

Arabisch

Ausgangslage und Suchgrenzen. Zu diesem Thema wurde keine einzige Kohorten- oder Querschnittsstudie aus der arabischsprachigen Welt gefunden, die pränatale Exposition (Rauchen, Alkohol, Paracetamol, Koffein, PFAS) mit der Samenqualität erwachsener Söhne verbindet. Gesucht wurde auf Arabisch (Begriffe zu mütterlichem Rauchen in der Schwangerschaft und Samenqualität der Söhne, mit Ägypten, Saudi-Arabien und dem Irak) und in PubMed mit regionalen Begriffen. Arabische Treffer waren allgemeine Pressetexte und Verweise auf internationale Quellen. Eine PubMed-Suche zu PFAS bei Schwangeren in Ägypten oder den Golfstaaten ergab nichts Einschlägiges. Die Recherche schließt nicht aus, dass solche Studien existieren: Regionale nicht indexierte Zeitschriften, etwa in den Datenbanken Al-Manhal und Arab World Research Source, waren nicht einsehbar. Das ist der Grund, weshalb die regionale Literatur als dünn eingestuft wird. Die Region liefert drei Arten indirekten Kontexts: Expositionsdaten zu Rauchen in der Schwangerschaft einschließlich Wasserpfeife, Studien zur aktuellen Samenqualität rauchender Männer in Ägypten und Jordanien sowie Daten zu Adipositas und Schwangerschaftsdiabetes. Alle Zahlen stammen aus Abstracts, die über die PubMed-E-Utilities abgerufen wurden; Volltexte wurden nicht gelesen.

Rauchen in der Schwangerschaft in der Region (Expositionsdaten).

  • El-Shahawy et al. 2021 (Exclusive and dual cigarette and hookah smoking is associated with adverse perinatal outcomes among pregnant women in Cairo, Egypt; Int J Environ Res Public Health; 200 Schwangere, 2015 bis 2016): 29,0 % berichteten Rauchen (Zigaretten, Wasserpfeife oder beides) in der Schwangerschaft, die Wasserpfeife war häufiger als die Zigarette. Das mittlere Geburtsgewicht war bei Raucherinnen niedriger (2.583 ± 300 g gegenüber 2.991 ± 478 g; p < 0,001), das Risiko war bei Doppelraucherinnen (Zigarette und Wasserpfeife) am höchsten. Die Studie ist klein und betrifft perinatale Ergebnisse, nicht die Söhne im Erwachsenenalter [s86].
  • Kheirallah et al. 2021 (Trends of maternal waterpipe, cigarettes, and dual tobacco smoking in Jordan. A decade of lost opportunities; PLoS One; Sekundäranalyse der Demographic-and-Health-Surveys 2007 bis 2017): Wasserpfeifenrauchen bei Schwangeren stieg von 2,5 % auf 6,4 %, Zigarettenrauchen von 4,1 % auf 5,7 %; nach 2007 übertraf die ausschließliche Wasserpfeife die ausschließliche Zigarette, und der Mischkonsum nahm zu [s88].
  • Die praktische Folge laut Dokument: In der Region ist die fetale Tabakexposition nicht auf Zigaretten beschränkt; der Einfluss der Wasserpfeife auf die Samenqualität der Söhne wurde nicht untersucht.

Aktuelles Rauchen erwachsener Männer: Studien aus Ägypten und Jordanien. Diese Studien betreffen die Exposition im Erwachsenenalter, nicht die pränatale.

  • Ragheb et al. 2025 (Evaluating the effect of smoking and its cessation on semen parameters; Reprod Fertil; prospektive Vorher-Nachher-Studie, 60 Teilnehmer eines Entwöhnungsprogramms, Ägypten): Alle Parameter besserten sich in den sechs Monaten nach dem Rauchstopp signifikant: Konzentration von 14,77 über 17,71 auf 19,27 Millionen/ml, Gesamtzahl von 49,33 über 70,16 auf 84,01 Millionen, progressive Beweglichkeit von 20,7 % über 35,3 % auf 42,28 %, abnorme Formen von 69,32 % über 50,88 % auf 40,82 % (jeweils p < 0,001). Das zeigt, dass der Effekt bei Erwachsenen reversibel sein kann; ob das für die pränatale Exposition gilt, folgt daraus nicht. Es gab keine unbeteiligte Kontrollgruppe [s33].
  • Farag et al. 2024 (Serum and seminal plasma levels of lead and arsenic in cigarette smokers and their relation to the semen parameters; Biol Trace Elem Res; Fall-Kontroll-Studie, 80 Männer, Ägypten): Raucher hatten niedrigere Zahl, Beweglichkeit und Vitalität, mehr abnorme Formen und höhere Blei- und Arsenwerte in Serum und Seminalplasma [s42].
  • Bazid et al. 2022 (Evaluating the serum and seminal plasma levels of zinc and cadmium in smokers and their relation to the semen parameters; Biol Trace Elem Res; Fall-Kontroll-Studie, 70 Männer, Ägypten): niedrigeres Zink und höheres Cadmium im Seminalplasma der Raucher [s70].
  • Albeitawi et al. 2020 (Effect of hookah (water pipe) smoking on semen parameters; Andrologia; Querschnittsstudie, 104 Männer ohne Zigarettenrauchen, Jordanien): Wasserpfeifenrauchen ging mit etwas niedrigerem Volumen (3,21 gegenüber 3,45 ml), normaler Morphologie (10,2 % gegenüber 11,5 %) und progressiver Beweglichkeit (29,56 % gegenüber 33,20 %) einher; die Unterschiede waren nicht signifikant [s93].

Adipositas und Schwangerschaftsdiabetes. Al-Omari et al. 2025 (Associations between maternal overweight and obesity with cesarean section delivery in Middle East and North Africa region: a systematic review, meta-analysis, and attributable risk; Syst Rev; 45 Studien aus 12 Ländern, 97.518 Frauen): Übergewicht war mit einer adjustierten OR von 1,35 (1,24 bis 1,49) und Adipositas mit 1,77 (1,49 bis 2,11) für den Kaiserschnitt assoziiert; der der Adipositas zuschreibbare Bevölkerungsanteil betrug in Saudi-Arabien 35,4 %. Die Studie betrifft den Kaiserschnitt, nicht die Fruchtbarkeit der Söhne [s22]. Agarwal 2020 (Gestational diabetes in the Arab Gulf countries: sitting on a land-mine; Int J Environ Res Public Health; narrative Übersicht): Typ-2-Diabetes liegt in den Golfstaaten zwischen 3,9 % und 18,3 %, Schwangerschaftsdiabetes zwischen 5,1 % und 37,7 %; ein Bezug zur Samenqualität der Söhne ist nicht hergestellt [s92].

Die Folgerung des Dokuments für arabischsprachige Leser: Die Befunde aus Dänemark, Europa und den USA lassen sich ohne lokale Studien nicht direkt übertragen, weil Expositionsmuster (Wasserpfeife, Passivrauchen im Haushalt, Adipositas- und Diabetesraten, chemische Exposition) abweichen. Das ist eine echte Forschungslücke, die Geburtskohorten in Ägypten, am Golf und in der Levante füllen könnten.

Mütterliches Rauchen: die rezipierten Kernstudien. Das arabische Dokument führt die internationale Evidenz ausführlich; die Studien sind in den Expositionskapiteln im Detail besprochen.

  • Jensen et al. 2004 (1.770 Männer, fünf Länder): minus 20,1 % Konzentration (6,8 bis 33,5), minus 24,5 % Gesamtzahl (9,5 bis 39,5), Hodenvolumen minus 1,15 ml (0,66 bis 1,64); Teilnahme 13 bis 19 % [s201].
  • Hærvig et al. 2022 (FEPOS, 984 Männer, Cotinin im Plasma): Söhne leichter Raucherinnen minus 19 % (minus 29 bis minus 6) Konzentration und minus 24 % (minus 35 bis minus 11) Gesamtzahl, starke Raucherinnen minus 38 % (minus 52 bis minus 22) und minus 33 % (minus 51 bis minus 8) bei 25 % (1 bis 54) höherem FSH; auch ein mütterliches Cotinin über 10 ng/ml ging mit niedrigerer Konzentration und Gesamtzahl einher; ein Rauchstopp vor der siebten Woche war nicht mit besserer Fruchtbarkeit assoziiert [s75].
  • Gaml-Sørensen et al. 2023 (Selection bias in a male-offspring cohort investigating fecundity: is there reason for concern?; Hum Reprod; FEPOS, 1.058 Männer): Die Teilnahme war niedrig, die Selektionsanalyse schätzt das Verzerrungsrisiko aber als begrenzt ein; nach Gewichtung blieb Rauchen im ersten Trimester mit minus 21 % (minus 32 bis minus 9) Gesamtzahl assoziiert [s59].
  • Storgaard et al. 2003 (dänisches Zwillingsregister, 265 Männer): minus 48 % (minus 69 bis minus 11) bei mehr als 10 Zigaretten pro Tag, kein Effekt bei 1 bis 10 [s203].
  • Ramlau-Hansen et al. 2007 (347 Söhne): bei mehr als 19 Zigaretten pro Tag Volumen minus 19 % (p = 0,04), Gesamtzahl minus 38 % (p = 0,11), Konzentration minus 17 % (p = 0,47), OR Oligozoospermie 2,16 (0,68 bis 6,87), keine Zusammenhänge mit Beweglichkeit und Form [s192].
  • Ratcliffe et al. 1992 (Does early exposure to maternal smoking affect future fertility in adult males?; Reprod Toxicol; Söhne von Frauen aus der DES-Studie): kein signifikanter Effekt auf klassische Samenmerkmale und Hormone. Die Auswahl der Söhne von DES-Studienteilnehmerinnen begrenzt die Verallgemeinerbarkeit [s211].
  • Cirillo et al. 2011 (Kalifornien, 196 Proben): mütterliches Rauchen und Alkohol nicht mit der Samenqualität assoziiert [s171].
  • Jensen et al. 1998 (Adult and prenatal exposures to tobacco smoke as risk indicators of fertility among 430 Danish couples; Am J Epidemiol): intrauterine Exposition war bei Männern mit niedrigerer Fekundabilität assoziiert (OR 0,68; 0,48 bis 0,97) und bei intrauterin exponierten Frauen mit 0,53 (0,31 bis 0,91) [s209].
  • Tuomisto et al. 2009 (Hodenkrebs; Metaanalyse von sieben früheren Studien mit 2.149 Fällen und 2.762 Kontrollen): OR 1,0 (0,88 bis 1,12); verschachtelte Fall-Kontroll-Studie 0,68 (0,35 bis 1,34); der Befund zeigt, dass die fetale Tabakwirkung, wenn vorhanden, nicht alle Hodenendpunkte betrifft [s184].

Das Dokument bewertet: Die neueren, größeren und mit Biomarker (Cotinin) gemessenen Studien stimmen in Richtung und Dosisabhängigkeit überein, die ohne Effekt sind älter, kleiner oder unterscheiden sich in Generation und Land. Das beweise keine Kausalität. Mögliche Erklärungen (Stichprobengröße, Expositionsmessung, Generationenunterschiede, Populationen) sind Deutungen, keine Befunde.

Väterliches Rauchen. Hærvig et al. 2020 (772 Söhne): Vater raucht, Mutter nicht: Konzentration minus 10 % (minus 24 bis 7), Gesamtzahl minus 11 % (minus 27 bis 8); beide Eltern minus 19 % (minus 37 bis 3); die Autoren sehen begrenzte Evidenz, vereinbar auch mit fehlendem Zusammenhang [s95]. Hærvig et al. 2025 (867 Männer): nach Anpassung für das mütterliche Cotinin keine Assoziation mit Samenparametern oder Hodenvolumen; die starke Korrelation zwischen väterlichem Rauchen und mütterlichem Cotinin könnte einen Teil des Effekts beseitigt haben (Überadjustierung), und die Gleichsetzung von Nichtrauchern und Exrauchern könnte die Schätzung abschwächen [s27]. Axelsson et al. 2013 (295 schwedische Jugendliche; Angaben nach dem im arabischen Dokument gelesenen Abstract): Väterliches Rauchen ging bei nicht mütterlich exponierten Söhnen mit minus 46 % Gesamtzahl (21 bis 64) einher; die Konzentration war um 35 % (8,1 bis 55) bei väterlichem und um 36 % (3,9 bis 57) bei mütterlichem Rauchen niedriger, wenn der andere Elternteil nicht rauchte [s157]. Das chinesische Dokument konnte den Wert minus 36 % im Abstract nicht bestätigen; die Zahl ist deshalb als nicht zweifelsfrei zu behandeln. Axelsson et al. 2018 (104 Männer): nach Anpassung für das mütterliche Cotinin minus 41 % Konzentration und minus 51 % Gesamtzahl (p = 0,02 und 0,003) [s110]. Die Befunde stimmen nicht überein; die schwedischen Studien sind klein, und die große dänische fand keinen unabhängigen Zusammenhang. Unterschiede der Expositionsmessung und Adjustierung sind eine mögliche, nicht belegte Erklärung.

Alkohol, Koffein, Paracetamol und andere Faktoren.

  • Alkohol: Ramlau-Hansen et al. 2010 (347 Söhne): bei mindestens 4,5 Drinks pro Woche angepasste mittlere Konzentration 40 (25 bis 60) gegenüber 59 (44 bis 77) Millionen/ml bei weniger als einem Drink, rund 32 % niedriger; keine Zusammenhänge mit Beweglichkeit, Morphologie und Hormonen [s179]. Thomsen et al. 2023 (FEPOS, 1.058): kleine Tendenzen zu niedrigeren Werten bei mehr als 3 Drinks pro Woche und mindestens 3 Rauschtrinken; die Schätzungen seien „klein und inkonsistent“, ohne Dosisabhängigkeit; wegen weniger Mütter im Hochdosisbereich lassen sich Effekte oberhalb von 4,5 Drinks pro Woche nicht ausschließen [s68]. Akison et al. 2019 (Adverse reproductive outcomes associated with fetal alcohol exposure: a systematic review; Reproduction; 23 Studien, 5 klinische und 18 Tierstudien): bei Männchen veränderte Testosteronwerte, geringeres Hoden- und Nebengonadengewicht, niedrigere Spermienkonzentration und geringeres Ejakulatvolumen, bei uneinheitlicher Qualität und wenigen klinischen Studien [s103].
  • Koffein: Cirillo et al. 2011: bei 5 Tassen Kaffee pro Tag rund 16 Millionen niedrigere Konzentration (minus 25 %; Trend p = 0,09), rund 7 Prozentpunkte niedrigere Beweglichkeit (p = 0,04) und rund 2 Prozentpunkte weniger normale Formen (p = 0,01) [s171]. Ramlau-Hansen et al. 2008 (343 Männer): Tendenzen zu niedrigerem Volumen (p = 0,06), Testosteron (p = 0,06) und Inhibin B (p = 0,09); bei 4 bis 7 Tassen niedrigeres Testosteron (p = 0,04); die Autoren nennen die Ergebnisse vorläufig [s186]. Langergaard et al. 2024 (FEPOS): Kaffee ja/nein mit minus 7,0 % Volumen (minus 12,9 bis minus 0,7), minus 8,3 % normalen Formen (minus 16,5 bis 0,8), minus 4,8 % Hodenvolumen (minus 9,0 bis minus 0,4); keine Dosis-Wirkung, keine Hormonwirkung; die Autoren sehen keine klaren Hinweise auf Schaden [s46].
  • Paracetamol: Laursen et al. 2024 (FEPOS, 1.058 Söhne, davon 547 [48 %] pränatal exponiert): kein Zusammenhang im binären Modell oder nach Trimester; bei Einnahme über mehr als 9 Wochen Tendenzen: Konzentration minus 14 % (minus 31 bis 8), nicht progressive und unbewegliche Spermien plus 8 % (minus 4 bis 21), DNA-Fragmentierungsindex plus 16 % (minus 1 bis 36); alle Intervalle schließen null ein [s47]. Stützende Befunde vom Neugeborenen und aus dem Labor: Kristensen et al. 2011 (dänisch-finnische Kohorte): dosisabhängiger Zusammenhang leichter Analgetika mit Kryptorchismus, bei Ratten Verkürzung des AGD [s174]; Mazaud-Guittot et al. 2013 (Paracetamol, aspirin, and indomethacin induce endocrine disturbances in the human fetal testis capable of interfering with testicular descent; J Clin Endocrinol Metab): Paracetamol senkte in Kulturen menschlicher fetaler Hoden INSL3 und PGE2 [s160]; Lind et al. 2017 (Odense, 1.027 Mutter-Kind-Paare): Anwendung mit kürzerem AGD bei Jungen, signifikant für nichtsteroidale Mittel; minus 4,1 mm (minus 6,4 bis minus 1,7) bei 20 Jungen, die Paracetamol und NSAR zugleich erhielten; die Autoren weisen auf Confounding by Indication hin [s129]. Die Evidenz stützt die Plausibilität einer antiandrogenen Wirkung, ein Effekt auf die Samenqualität Erwachsener wurde in der größten Studie nicht belegt.
  • PFAS und andere Stoffe: Vested et al. 2013 (169 Söhne, 19 bis 21 Jahre, Aarhus): PFOA in utero mit niedrigerer Konzentration (p-Trend 0,01) und Gesamtzahl (p-Trend 0,001), höherem LH (p = 0,03) und FSH (p = 0,01); PFOS ohne Zusammenhang; keine Konfidenzintervalle im Abstract [s164]. Vested et al. 2014 (176 Söhne): PCB und p,p'-DDE bei dänischer Hintergrundbelastung Ende der 1980er Jahre ohne signifikante Zusammenhänge [s156]. Henriksen et al. 2023 (100 Söhne): höhere mütterliche Werte einiger Phthalate mit höherem LH und niedrigerem Verhältnis von Testosteron zu LH (Verdopplung von MiNP: freies Testosteron/LH minus 7,9 %, 1,6 bis 13,8); kein einheitliches Muster der Samenqualität, nach Korrektur für multiples Testen keine signifikante Assoziation [s60]. Holmboe et al. 2022 (101 Söhne): LH stieg mit BPA (oberstes Terzil plus 33 %; 10 bis 62), kein Zusammenhang mit der Samenqualität [s76]. Mocarelli et al. 2011 (Seveso; 39 Söhne gegenüber 58 Kontrollen): bei 21 gestillten Söhnen exponierter Mütter (mediane Dioxinbelastung bei der Schwangerschaft 19 ppt, laut Dokument) Konzentration 36,3 gegenüber 86,3 Millionen/ml (p = 0,002), Gesamtzahl 116,9 gegenüber 231,1 (p = 0,02), Progressivbeweglichkeit 35,8 % gegenüber 44,2 % (p = 0,03); bei Flaschenkindern keine Unterschiede [s176]. Die Recherche fand keine PFAS-Daten aus der arabischen Region. Bonde et al. 2016 (33 Arbeiten, 28 Populationen, 85 Schätzer): Gesamt-OR 1,11 (0,91 bis 1,35), p,p'-DDE 1,35 (1,04 bis 1,74); Datenlücke für späte Wirkungen auf Samenqualität und Hodenkrebs [s133].
  • Mütterliches Übergewicht: Ramlau-Hansen und Nohr 2007 (Pilotstudie, 328 Männer): Inhibin B sank mit steigendem BMI (p = 0,04); Trends bei Konzentration, Volumen und Beweglichkeit nicht signifikant [s193]. Gaml-Sørensen et al. 2024 (1.058 Männer): keine einheitlichen Samenzusammenhänge; bei übergewichtigen und adipösen Müttern höheres Östradiol und niedrigeres SHBG (dosisabhängig), bei Adipositas höheres LH und höherer freier Androgenindex; teilweise vermittelt über Geburtsgewicht und Fettmasse; Restkonfundierung verhindert eine kausale Schätzung [s43].
  • Weitere Faktoren mit Nullbefunden: mütterliches Fieber (Dornfeldt und Andersen 2023, 986 Männer): kein starker Zusammenhang mit Samenqualität oder Hormonen [s56]. Nitrosierbare Arzneimittel (Penicilline und Beta-2-Agonisten; Clemmensen et al. 2024): 19,6 % exponiert, die Unterschiede seien „gering“ [s41]. Folsäure (Jacobsen et al. 2011): keine Verbesserung der Samenqualität, FSH und LH in der Einnahmegruppe höher [s173].
  • DES: Wilcox et al. 1995 (randomisierte, placebokontrollierte Studie, 1.646 Schwangere, 1950 bis 1952; 548 Söhne ermittelt, 68 %; 494 befragt, 253 exponiert und 241 nicht exponiert): Genitalfehlbildungen dreimal so häufig berichtet, bei Exposition vor der 11. Woche doppelt so häufig; keine Fertilitätsminderung und keine Beeinträchtigung der Sexualfunktion bei exponierten Männern, mit oder ohne Fehlbildung [s210]. Dritte Generation: Tournaire et al. 2018 (Birth defects in children of men exposed in utero to diethylstilbestrol (DES); Therapie; französische retrospektive Studie, 209 Söhne exponierter Männer): Kryptorchismus OR 5,72 (1,51 bis 21,71), Mikropenis OR 22,92 (3,81 bis 137,90); schwaches Design, Meldung über einen Patientenverband [s122]. Titus-Ernstoff et al. 2010 (Birth defects in the sons and daughters of women who were exposed in utero to diethylstilbestrol (DES); Int J Androl; 4.029): Mütter, die in utero DES ausgesetzt waren, berichteten mehr Fehlbildungen bei Söhnen (OR 1,53; 1,04 bis 2,23) und Töchtern (2,35; 1,44 bis 3,82), mit möglichem Meldebias [s181]. Die Wirkung über Generationen beim Menschen beruht auf Selbstangaben.

Hintergrundübersichten. Juul et al. 2014 (Possible fetal determinants of male infertility; Nat Rev Endocrinol): Rauchen der Mutter in der Schwangerschaft habe einen stärkeren Effekt auf die Spermatogenese als das Rauchen des Mannes selbst, und Alkohol, Adipositas und möglicherweise endokrine Disruptoren könnten eine Rolle spielen [s152]. Virtanen et al. 2017 (Semen quality in the 21st century; Nat Rev Urol): Die normale Spermienzahl bleibe zwischen 19 und 29 Jahren relativ konstant, was auf frühe Wachstumsfaktoren hinweise; der mediane Wert junger Männer (18 bis 21 Jahre) lag in mehreren Studien bei 41 bis 55 Millionen/ml; die Fertilität beginne zu sinken, wenn die Konzentration unter 30 bis 55 Millionen/ml falle, während der WHO-Referenzwert 15 Millionen/ml beträgt [s131]. Mechanistische Hypothesen (Maskulinisierungs-Programmierfenster, Sertoli-Zellen, Leydig-Zell-Kompensation, Prostaglandin- und INSL3-Hemmung, Epigenetik bei DES) werden im arabischen Dokument als Hypothesen und nicht als Befunde gekennzeichnet. Eine Arbeit zur Methylierung bei Neugeborenen adipöser Väter (Soubry 2015) wurde nur im Titel gesehen und deshalb nicht zitiert.

Einordnung und offene Fragen. Das arabische Dokument nennt als Grenzen das reine Beobachtungsdesign, geringe Teilnahme (13 bis 19 %), Selbstangaben, kleine chemische Studien (100 bis 176 Männer) ohne Korrektur für multiples Testen, einzelne Samenproben, die Datenlage fast nur aus Dänemark und das Fehlen arabischer Daten; es wurden nur Abstracts gelesen. Es fordert eine Metaanalyse zum mütterlichen Rauchen, Geburtskohorten im arabischen Raum mit Biomarkern (Cotinin) für Wasserpfeife und Passivrauchen im Haushalt, eine bessere Trennung väterlicher und mütterlicher Effekte, größere Studien zu langer Paracetamolgabe und DNA-Fragmentierung, Messungen von PFAS, Phthalaten und BPA bei Müttern der Region und mechanistische Humanstudien. Für Einzelfälle gilt: Ein auffälliger Samenbefund lässt sich nicht der Exposition der Mutter zuordnen, weil Genetik, Lebensstil, Alter und Erkrankungen des Mannes selbst mitwirken. Entscheidungen zu Medikamenten in der Schwangerschaft gehören in die ärztliche Hand; dies ist keine Therapieempfehlung.

Türkisch

Ausgangslage und Suchgrenzen. Türkischsprachige Primärliteratur zu diesem Thema ist sehr dünn. Gesucht wurde in PubMed (E-Utilities, Abstracts im Wortlaut) sowie gezielt im Web mit türkischen Schlagwörtern (zum Beispiel „prenatal sigara maruziyeti sperm kalitesi“) mit Blick auf DergiPark, TR Dizin, die Türk Üroloji Dergisi und Türkiye Klinikleri. Die Websuche lieferte nur Gesundheitsmeldungen, klinische Werbeseiten und indirekte akademische Treffer; eine begutachtete türkische Primärstudie zum Thema ließ sich nicht bestätigen. Gefunden wurden drei Arbeiten aus der Türkei: eine klinische Querschnittsstudie zum Body-Mass-Index erwachsener Männer und zwei Tierversuche an Ratten. Eine türkische Kohorte, die pränatale Exposition mit der Samenqualität des erwachsenen Sohnes verbindet, wurde nicht gefunden. Zu Verbreitung und regionaler Verteilung des Rauchens in der Schwangerschaft in der Türkei konnte in dieser Recherche keine nutzbare Quelle geöffnet werden; deshalb werden dazu keine Zahlen genannt. Das türkische Dokument ist deshalb bewusst kurz gehalten. Eine systematische Suche wurde nicht durchgeführt, übersehene Studien sind möglich; Volltexte wurden nicht gelesen.

Türkische Studien im engeren Sinn.

  • Baydilli et al. 2020 (How does body mass index affect semen parameters and reproductive hormones in infertile males?; Turk J Urol; Querschnittsstudie, 858 infertile Männer): Das Gesamttestosteron war invers mit dem BMI assoziiert (p < 0,001); bei den Samenparametern gab es keinen signifikanten Unterschied nach BMI, mit Ausnahme der progressiven Beweglichkeit (die Richtung ist im vorliegenden Dokument nicht angegeben). Die Studie misst den BMI des erwachsenen Mannes, nicht eine pränatale Exposition, und dient nur als Kontext [s94]. Das Dokument bemerkt, dass sich bei erwachsenem BMI (nur Testosteron) und bei mütterlichem BMI (nur Hormone) ein ähnliches Muster zeigt, aber das eine ist Exposition im Erwachsenenalter, das andere pränatale.
  • Kalem et al. 2018 (Maternal nutrition and reproductive functions of female and male offspring; Reproduction; Ratten, n = 24): Bei den männlichen Nachkommen von Müttern, die mit einer „Cafeteria-Diät“ gefüttert wurden, waren die Hoden kleiner, die Testosteronproduktion verringert und das Anti-Müller-Hormon erhöht; Spermienzahl und -funktion waren nicht verändert. Das Dokument vermerkt, dass dies zum menschlichen Muster aus Hormonveränderung ohne veränderte Samenqualität bei mütterlichem Übergewicht passt; der Vergleich sei nur beschreibend [s112]. (Das Erscheinungsjahr wurde im Prüfprotokoll von 2019 auf 2018 korrigiert.)
  • Odacı et al. 2016 (Effects of prenatal exposure to a 900 MHz electromagnetic field on 60-day-old rat testis and epididymal sperm quality; Biotech Histochem; Ratten): Exposition an einem 900-MHz-Feld eine Stunde täglich an den Gestationstagen 13 bis 21; bei den 60 Tage alten Nachkommen waren der apoptotische Index und die DNA-Oxidation erhöht, Spermienbeweglichkeit und Vitalität erniedrigt. Beide Tierstudien lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen [s137].

Die dänische Kernevidenz im türkischen Dokument. Das türkische Dokument stützt sich fast vollständig auf internationale Kohorten, überwiegend aus Dänemark (Danish National Birth Cohort, Aarhus, Odense, Kopenhagen); Aussagen zur Übertragbarkeit auf die Türkei sind nicht möglich.

Mütterliches Rauchen:

  • Storgaard et al. 2003 (dänisches Zwillingsregister, 316 Männer, 265 mit Mütterdaten): bei mehr als 10 Zigaretten pro Tag minus 48 % (minus 69 bis minus 11), bei 1 bis 10 kein Effekt [s203].
  • Jensen et al. 2004 (Querschnittsstudie, 1.770 junge Männer in fünf europäischen Ländern): Konzentration minus 20,1 % (6,8 bis 33,5), Gesamtzahl minus 24,5 % (9,5 bis 39,5), Hodenvolumen 1,15 ml kleiner; Teilnahme 13 bis 19 %; in Litauen mit nur 1 % rauchenden Müttern kein Zusammenhang. Das türkische Dokument deutet das als möglichen Hinweis, dass die Stärke des Effekts von Umfang und Verbreitung der Exposition abhängt, ohne dass dies ein Kausalitätsbeweis wäre [s201].
  • Ramlau-Hansen et al. 2007 (dänische Schwangerschaftskohorte 1984 bis 1987, 347 Söhne): bei mehr als 19 Zigaretten pro Tag Ejakulatvolumen etwa 19 %, Gesamtzahl 38 % und Konzentration 17 % niedriger; OR für Oligozoospermie 2,16 (0,68 bis 6,87); keine Zusammenhänge mit Beweglichkeit und Morphologie. Der lineare Trendtest für die Gesamtzahl ergab p = 0,002, während die p-Werte für Gesamtzahl und Konzentration in der Hochexpositionsgruppe nicht signifikant waren [s192].
  • Ravnborg et al. 2011 (Prenatal and adult exposures to smoking are associated with adverse effects on reproductive hormones, semen quality, final height and body mass index; Hum Reprod; 3.486 dänische Männer, Querschnitt): Gesamtzahl 119 gegenüber 150 Millionen, Hodenvolumen 14,0 gegenüber 14,5 ml, frühere Pubertät. Bei Söhnen, die intrauterin exponiert waren und selbst rauchten, fielen freies Testosteron und stiegen SHBG; bei nicht pränatal Exponierten stieg das Gesamttestosteron, und freies Testosteron blieb unverändert [s177].
  • Hærvig et al. 2022 (FEPOS, 984 Männer): leichte Raucherinnen minus 19 % (minus 29 bis minus 6) Konzentration und minus 24 % (minus 35 bis minus 11) Gesamtzahl; starke Raucherinnen minus 38 % (minus 52 bis minus 22) und minus 33 % (minus 51 bis minus 8), FSH 25 % höher (1 bis 54). Ein Rauchstopp vor der siebten Schwangerschaftswoche verringerte die Zusammenhänge nicht (laut Verlagsseite des Abstracts) [s75].
  • Sobinoff et al. 2014 (Tierversuch, C57BL/6-Mäuse, Rauch über die Nase während Schwangerschaft und Laktation): Bei erwachsenen männlichen Nachkommen Apoptose von Gonozyten und meiotischen Spermatozyten, weniger Keimzellen, Verarmung des spermatogonialen Stammzellpools (P < 0,01), Keimzell-DNA-Schäden (P < 0,01), verringerte Spermienzahl, Formanomalien, verlängerte Zeit bis zur Befruchtung und eine kleine, aber signifikante Verringerung der Wurfgröße; die Effekte bestanden 11 Wochen nach der Exposition im Erwachsenenalter fort. Die Mikroarray-Analyse verband die Defekte mit meiotischer Keimzellentwicklung, Sexualhormonstoffwechsel, oxidativem Stress und Sertoli-Zell-Signalen [s154].

Väterliches Rauchen vor der Zeugung: Hærvig et al. 2025 (867 Männer): nach Hinzunahme des mütterlichen Cotinins keine Assoziation mit Samenparametern oder Hodengröße; das eigene Rauchen des Sohnes änderte das Ergebnis nicht. Die Autoren verweisen auf die hohe Korrelation zwischen väterlichem Rauchen und mütterlichem Cotinin (mögliche Überadjustierung) und die fehlende Unterscheidung von Exrauchern (Abschwächung des Zusammenhangs) [s27].

Alkohol, Kaffee, Fieber, Übergewicht:

  • Alkohol: Thomsen et al. 2023 (FEPOS, 1.058 Söhne): bei mehr als 3 Drinks pro Woche und mindestens 3 Rauschtrinken kleine Tendenzen zu niedrigeren Samenmerkmalen und verändertem Hormonprofil; die Schätzungen sind klein, inkonsistent und nicht dosisabhängig; der Effekt von mehr als 4,5 Drinks pro Woche ist wegen weniger Hochkonsumentinnen nicht auszuschließen [s68].
  • Kaffee: Langergaard et al. 2024 (1.058 Männer): Kaffee der Mutter mit minus 7,0 % Volumen (minus 12,9 bis minus 0,7), minus 8,3 % normalen Formen (minus 16,5 bis 0,8), minus 4,8 % Hodenvolumen (minus 9,0 bis minus 0,4); keine Dosis-Wirkung oder Schwelle, keine Hormonassoziation. Zwei Intervalle schließen null aus, das Intervall der Morphologie berührt null (minus 16,5 bis plus 0,8); die Autoren sehen insgesamt keine klaren Hinweise auf Schaden [s46]. Zur Konzentration liegen im türkischen Dokument keine Daten vor.
  • Fieber: Dornfeldt und Andersen 2023 (986 Männer): Zeitpunkt, Dauer und Höhe des Fiebers sowie Einnahme von Antipyretika oder Antibiotika zeigten keinen starken Zusammenhang mit Samenqualität, Hodenvolumen oder Hormonen. Das Dokument bewertet dies als indirekte und begrenzte Information zu Paracetamol, weil es zur Fiebersenkung eingesetzt wird, und als keinen direkten Test [s56].
  • Mütterlicher BMI: Gaml-Sørensen et al. 2024 (1.058 Männer): keine einheitlichen Zusammenhänge mit Samenmerkmalen oder Hodenvolumen; bei hohem mütterlichem BMI Östradiol höher und SHBG niedriger (dosisabhängig), bei Adipositas LH und freier Androgenindex höher; teilweise vermittelt über Geburtsgewicht, Fettmasse und BMI des Sohnes; Restkonfundierung schließt Kausalität aus; der BMI des Vaters war kein starker Confounder [s43].

PFAS und Phthalate:

  • Vested et al. 2013 (169 Söhne, Schwangerschaftskohorte Aarhus 1988 bis 1989, 19 bis 21 Jahre; Messung bei der Mutter in der 30. Woche): PFOA mit niedrigerer Konzentration (p-Trend 0,01) und Gesamtzahl (p-Trend 0,001) sowie höherem LH (p = 0,03) und FSH (p = 0,01); PFOS ohne Zusammenhang; Teilnahmequote 37,6 % der geeigneten Söhne [s164].
  • Axelsson et al. 2015 (Prenatal phthalate exposure and reproductive function in young men; Environ Res; 112 Männer): im höchsten Terzil eines DiNP-Metaboliten Gesamthodenvolumen 4,3 ml niedriger (0,89 bis 7,6), FSH 30 % höher (3,6 bis 63), Samenvolumen 0,87 ml niedriger (0,28 bis 1,5) [s141].
  • Henriksen et al. 2023 (100 Söhne): doppeltes mütterliches MiNP mit 7,9 % niedrigerem Verhältnis von freiem Testosteron zu LH (1,6 bis 13,8); kein einheitliches Muster der Samenqualität, und nach Korrektur für multiples Testen war nichts signifikant [s60].

Paracetamol und Analgetika:

  • Lind et al. 2017 (Odense-Kinderkohorte, 1.027 Mutter-Kind-Paare): Die Einnahme leichter Analgetika in der Schwangerschaft war bei Jungen mit kürzerem AGD assoziiert, signifikant vor allem für nichtsteroidale Antirheumatika; bei 20 Jungen mit gleichzeitiger Paracetamol- und NSAR-Exposition AGD minus 4,1 mm (minus 6,4 bis minus 1,7); keine Wirkung auf die Penisbreite, bei Mädchen kein klarer Zusammenhang. Grenzen: Selbstangabe, Confounding by Indication, sehr kleine exponierte Gruppe. Die Studie hat keine Samenqualität gemessen; der AGD ist nur ein Stellvertreter. Der Abstract verweist darauf, dass die beobachtete Verkürzung auf eine Störung der Androgenwirkung hinweisen könnte und dass intrauterine Exposition bei männlichen Ratten den AGD verkürzt [s129].
  • Kristensen et al. 2016 (Analgesic use - prevalence, biomonitoring and endocrine and reproductive effects; Nat Rev Endocrinol; Übersichtsarbeit): Analgetika können bei Tieren und Menschen endokrine Wirkungen haben, die die Fortpflanzungsfunktion vom fetalen Leben bis ins Erwachsenenalter stören; die Übersicht nennt im Abstract keine quantitative gepoolte Effektgröße. Das türkische Dokument zitiert die Aussage der Autoren, das medizinische und öffentliche Bewusstsein, besonders unter Schwangeren, zu erhöhen [s136]. Direkte Humandaten zum Paracetamol und zur Samenqualität Erwachsener wurden nicht gefunden.

DES:

  • Tournaire et al. 2018 (retrospektive Studie über einen Patientenverband, 209 Söhne in utero exponierter Männer): gegenüber Kontrollen Kryptorchismus OR 5,72 (1,51 bis 21,71) und Penishypoplasie OR 22,92 (3,81 bis 137,90); bei Hypospadie keine Zunahme. Die Autoren mahnen wegen Methode und kleiner Zahlen zur Vorsicht, und sie vermuten eine epigenetische Weitergabe über den Vater. Bei Töchtern wurde keine Zunahme von Genitalanomalien beobachtet [s122].
  • Titus et al. 2024 (Benign and Malignant Outcomes in the Offspring of Females Exposed In Utero to Diethylstilbestrol (DES): An Update from the NCI Third Generation Study; Cancers): kein erhöhtes Hodenkrebsrisiko; Krebs insgesamt HR 1,41 (0,70 bis 2,86), ein breites, nicht signifikantes Intervall; epigenetische Veränderungen könnten die Weitergabe in die dritte Generation vermitteln (Hypothese). Samenqualität der dritten Generation wird in beiden Quellen nicht berichtet [s50].
  • Rogers et al. 2023 (Prenatal exposure to diethylstilbestrol has long-lasting, transgenerational impacts on fertility and reproductive development; Toxicol Sci; Mäuse): Über drei Generationen kürzerer AGD und veränderter Pubertätsbeginn bei weiblichen Nachkommen; DES-Wirkungen können bis in die nicht exponierte dritte Generation reichen. Die Studie untersucht die weibliche Linie und misst keine männlichen Spermien [s66].

Selektion in FEPOS: Gaml-Sørensen et al. 2023 (Selection bias in a male-offspring cohort investigating fecundity: is there reason for concern?; Hum Reprod) prüfen die Selektion der FEPOS-Teilnehmer; im türkischen Dokument wurde nur der Titel gesehen, und die Studie wird dort nicht für Zahlen herangezogen [s59].

Dosis-Wirkung, Mechanismen und Widersprüche. Beim Rauchen sieht das Dokument eine ansteigende Wirkung von leichten zu starken Raucherinnen (Konzentration minus 19 % und minus 38 %, Gesamtzahl minus 24 % und minus 33 %), bei Storgaard nur bei mehr als 10 Zigaretten, bei Ramlau-Hansen einen inversen Trend der Gesamtzahl (p = 0,002). Bei Alkohol keine Dosisabhängigkeit, bei Kaffee keine Dosis-Wirkung oder Schwelle, beim BMI eine dosisabhängige Hormonbeziehung (Östradiol, SHBG) ohne Samenbeziehung, bei PFOA signifikante Trendwerte. Das Dokument gibt nur Mechanismen wieder, die in den gelesenen Quellen selbst stehen: Keimzell- und Sertoli-Zell-Schäden beim Tier [s154], FSH-Anstieg und niedriges Inhibin B bei intrauteriner Tabakexposition [s203, s177, s75], hormonelle Veränderungen bei mütterlichem Übergewicht [s43], Anstieg von LH und FSH bei PFOA [s164] und ein niedrigeres Verhältnis von Testosteron zu LH als Hinweis auf die Leydig-Zell-Funktion bei Phthalaten [s60]; epigenetische Weitergabe bei DES sei eine Hypothese und kein bewiesener Mechanismus [s122, s50]. Als Widersprüche nennt es: Beim Rauchen zeigen die meisten Studien Abnahmen, aber bei Ramlau-Hansen waren Beweglichkeit und Morphologie unauffällig und der p-Wert der Konzentration 0,47, und bei Storgaard fehlt der Effekt in der Gruppe mit 1 bis 10 Zigaretten; beim Kaffee schließen zwei Intervalle null aus, das der Morphologie nicht; beim väterlichen Rauchen verschwindet der Zusammenhang nach Adjustierung für das mütterliche Cotinin, was durch Überadjustierung erklärbar, aber nicht belegbar ist; Kalems Rattenversuch und die menschliche BMI-Studie zeigen ein übereinstimmendes Muster aus veränderten Hormonen und unveränderter Samenqualität, das nur beschreibend ist.

Grenzen und offene Fragen. Als Grenzen nennt das Dokument niedrige Teilnahme (37,6 % bei Vested, 13 bis 19 % bei Jensen), Selbstangaben mit möglicher Fehlklassifikation (Rauchen, Alkohol, Kaffee, Fieber, Analgetika), Confounder wie Sozialschicht und Rauchen des Vaters, kleine Stichproben (PFAS 169, Phthalate 100 und 112, DES-Söhne 209, Paracetamol plus NSAR 20), multiples Testen, die Konzentration auf Dänemark und unbekannte Übertragbarkeit auf die Türkei sowie die Beschränkung auf Abstracts. Offen bleibt, ob es in der Türkei Kohorten gibt, die Exposition in der Schwangerschaft mit der späteren Samenqualität verbinden; für Paracetamol fehlen direkte Humandaten zur Samenqualität Erwachsener (der AGD ist nur ein Stellvertreter), für väterliche Effekte braucht es genaue Rauchbiografien und objektive Biomarker, die Wirkung hoher Alkoholdosen (mehr als 4,5 Drinks pro Woche) ist unbekannt, und die Samenqualität der dritten DES-Generation bei Männern wurde nicht berichtet. Eine Verbindung zwischen der heutigen Samenqualität eines Mannes und einer Exposition im Mutterleib lässt sich im Einzelfall nicht beweisen; die Studien beschreiben Zusammenhänge auf Bevölkerungsebene. Entscheidungen zu Medikamenten in der Schwangerschaft gehören in die ärztliche Hand; dies ist keine Therapieempfehlung.

Alle Kapitel und Anhänge (44)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. 2.1 Fragestellung, Leitbegriffe und Expositionsfenster bis 2.6 Hodenvolumen, Hormone und DNA-Integrität
  4. 2.7 Wie Studien Effekte berichten: Effektmaße, Verzerrungen, Designs und 2.8 Die Geschichte der Forschungsfrage
  5. 2.9 Der Populationskontext: Sinken die Spermienzahlen, und was hat das mit der Pränatalfrage zu tun? bis 2.12 Quellen außerhalb der Master-Quellenliste (Transparenz)
  6. Zweck, Auswahl und Lesehinweise bis Paracetamol und andere Analgetika
  7. Hormonell wirksame Stoffe bis Zusammenschau: Was die Metaanalysen für die einzelnen Expositionen zeigen
  8. Gemeinsame methodische Grenzen bis Lücken und nicht belegbare Punkte dieses Kapitels
  9. Vorbemerkung zu Auswahl, Datengrundlage und Lesart
  10. 1.1 Spermienqualität, Hormone und Hodenvolumen der Söhne bis 1.3 Langzeitfolgen jenseits der Samenqualität: Fertilität, Hodenhochstand, Hodenkrebs und Entwicklung
  11. 1.4 Rauchen erwachsener Männer und Rauchen Schwangerer in Regionen mit Wasserpfeife
  12. 2. Alkohol der Mutter in der Schwangerschaft bis 5. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS)
  13. 6. Hormonell wirksame Stoffe: Dioxine, PCB, Phthalate, Bisphenole, Pestizide, Feinstaub und Mischungen und 7. Übergewicht der Mutter, Körpergewicht der Söhne und intrauterines Milieu
  14. 8. Diethylstilbestrol (DES) und andere Sexualhormone in der Schwangerschaft und 9. Väterliche Präkonzeptionsexposition
  15. 10. Weitere FEPOS-Analysen, Raine-Kohorte und Kohortenprofile und 11. Referenzstudien zur Samenqualität in der Allgemeinbevölkerung und Trendstudien
  16. 12. Gesamtübersicht der Beobachtungsstudien
  17. 1. Interventionsstudien und Nachbeobachtungen randomisierter Studien und 2. Fallserien und exponierte Gruppen im Vergleich
  18. 3. Leitlinien, Stellungnahmen und Kommentare und 4. Humane fetale Hodenkulturen und Xenotransplantate
  19. 5. Tierversuche und 6. Querbewertung: Was die Experimente tragen und was nicht
  20. 7. Überblick in Zahlen und 8. Grenzen dieses Kapitels
  21. Wie die Belegstärke in diesem Kapitel eingestuft wird bis Weg 1: Hemmung der fetalen Androgenbildung und Androgenwirkung (antiandrogene Wege)
  22. Weg 2: Schädigung des Sertoli-Zell-Systems und des Keimzellpools bis Weg 6: Plazenta, fetales Wachstum und Luftschadstoffe (indirekte Wege)
  23. Weg 7: Persistente Stoffe: PFAS, PCB und Dioxine (Rezeptor- und Keimzellwege) bis Weg 12: Gemeinsame familiäre und soziale Faktoren als Alternativerklärung
  24. Zusammenschau: Wo die Wege zusammenlaufen und wo sie sich widersprechen bis Grenzen dieses Kapitels
  25. 1. Evidenzbasis und Lesehinweise
  26. 2. Dosis-Wirkung
  27. 3. Zeitfenster der Exposition bis 7. Wo Daten fehlen
  28. 8. Gesamtbewertung
  29. Englisch und Deutsch
  30. Französisch bis Portugiesisch
  31. Spanisch
  32. Chinesisch und Japanisch
  33. Koreanisch und Russisch
  34. Arabisch und Türkisch
  35. W1. Mütterliches Rauchen: deutliche Abnahmen in Dänemark und Europa, Nullbefunde in Kalifornien und bei Ratcliffe bis W9. Mütterliches Übergewicht: Hormonmuster statt Samenbefund, und uneinheitliche Hilfsgrößen
  36. W10. PFAS, Phthalate, Bisphenole und Mischungen: gleiche Richtung bei PFOA und PFAS-Indizes, aber Nullbefunde bei PCB, DDE und Mischungen bis W17. Zusammenschau der Widersprüche
  37. Limitationen der Evidenz
  38. Offene Forschungsfragen
  39. Praktische Einordnung
  40. Glossar
  41. Quellenverzeichnis
  42. Diagramme
  43. Quellen
  44. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle