Pränatale und transgenerationale Einflüsse · Kapitel 20 von 41 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

7. Überblick in Zahlen und 8. Grenzen dieses Kapitels

7. Überblick in Zahlen

QuelleDesign und Tier/PopulationExposition und DosisZentrale Zahl
Gill 1979 [s214]RCT-Nachbeobachtung, Männer (308/307)DES in uteroNebenhodenzysten/Hodenhypoplasie 31,5 % gegenüber 7,8 %; schwere Samenpathologie 18 % gegenüber 8 %
Wilcox 1995 [s210]RCT-Nachbeobachtung, 253/241 MännerDES in uteroGenitalfehlbildungen dreifach häufiger; keine Fertilitätsminderung
Kristensen 2018 [s114]RCT, 14/17 MännerIbuprofen 2 x 600 mg/TagLH +23 % (14 d) und +33 % (44 d); Testosteron/LH -23 % (44 d)
Ragheb 2025 [s33]Vorher-Nachher, 60 MännerRauchstoppKonzentration 14,77 auf 19,27 Mio./ml nach 6 Monaten
Cui 2025 [s26]Mensch (18/19/14) und MausNikotin 200 µg/ml, 8 WochenRückbildung nach 5 Wochen Pause; 393 hyper-/184 hypomethylierte Regionen
Mocarelli 2011 [s176]Exponiertengruppe 39 gegenüber 58TCDD perinatal (19 ppt)Konzentration 36,3 gegenüber 86,3 Mio./ml (gestillt)
Sobinoff 2014 [s154]Maus, 27 + 27 Mütter, ca. 108 SöhneZigarettenrauchSpermienzahl vermindert (P < 0,01); Odf2 herunterreguliert
Rossitto 2019 [s107]MausParacetamol plus IbuprofenSpermienzahl -19 % (F0), Beweglichkeit -40 % (F1)
van den Driesche 2015 [s146]Xenotransplantat, 14 Feten, 64 MäuseParacetamol 20 mg/kg 3 x täglich, 7 dTestosteron -45 %; Samenbläschen -18 %
Ben Maamar 2017 [s123]fetale Hoden, Kultur und XenotransplantatIbuprofen 10^-7 bis 10^-4 MTestosteron -55,3 % (72 h, 10^-4 M, Woche 8 bis 9,9)
Yang 2016 [s140]RatteBPA 0,05 plus IBP 2,5 mg/kg/TagZahl und Beweglichkeit signifikant vermindert
BPAF 2023 [s64]Nachkommen, 10 Wochen300 µg/kgSpermienzahl -41 %; Vitalität -19 %; Testosteron mehr als halbiert
Cavalcante 2014 [s148]Maus, 20 trächtige TiereKoffein 20 mg/kg s.c.Serumtestosteron -90 % (p = 0,04)
Rogers 2023 [s66]Maus, 4 Generationen, WeibchenDES 1, 50, 100 µg/kgAGD verkürzt bis F3 (p bis < 0,0001)
Grison 2022 [s73]Ratte, 3 GenerationenUran 40 mg/lSchwangerschaftsrate F1 30 % gegenüber 70 %
Liu 2022 [s78]Ratte (Väter) plus MetaanalyseNikotin, Ethanol, KoffeinMetaanalyse OR 1,15 (1,06 bis 1,24)

8. Grenzen dieses Kapitels

Die Grundlage dieses Kapitels sind überwiegend Abstracts; für die in Abschnitt 1 bis 5 genannten Quellen mit freiem Volltext (Ragheb [s33], Cui [s26], Mocarelli [s176], Palmer [s183], Rogers [s66], Grison [s73], Liu [s78], Wang [s84], Hammer [s87], Youngson [s108], Dai [s125], Kristensen 2018 [s114], Ben Maamar [s123], van den Driesche [s146], Habert [s149], Jenkins [s128]) wurden zusätzlich Methoden- und Ergebnisteile aus Europe PMC gelesen. Für Gill [s214], Wilcox [s210], Whitehead [s213], Roach [s65], Kaushik [s97], Sobinoff [s154], Rossitto [s107], Hay-Schmidt [s127] und weitere stand nur der PubMed-Abstract zur Verfügung. Für die Cochrane-Übersicht [s202] und die Studie von Roach [s65] misslang der Volltextabruf; es wird nichts aus dem Volltext berichtet. Bei den Kommentaren [s48, s124] und dem Nachrichtenbericht [s170] fehlt der Abstract; eigene Zahlen werden daraus nicht übernommen. Die Inserm-Expertise [s172] wurde nur über die Pressemitteilung erfasst. Die EAU-Leitlinie [s31] wurde als Abstract gelesen; zwei Textstellen der Webfassung wurden über ein Zusammenfassungswerkzeug abgerufen und sind keine vollständige Auswertung. Mehrere Studien sind in der Gesamtstudie anders klassifiziert, als ihre Abstracts nahelegen (Übersichtsarbeit statt Experiment: [s114], [s123], [s149], [s160], [s168]; Beobachtungsstudie statt Tierversuch: [s79]; Übersichtsarbeit statt Nachbeobachtung: [s211]; Übersichtsarbeit statt Primärstudie: [s169]); sie wurden nach ihrem tatsächlichen Design behandelt. Dieses Kapitel gibt Befunde wieder und bewertet ihre Aussagekraft; es enthält keine Therapie-, Medikations- oder Verhaltensempfehlung. Für individuelle Fragen, etwa zu Medikamenten in der Schwangerschaft oder zu einem auffälligen Samenbefund, sind ärztliche Beratung und eine Untersuchung im Einzelfall der richtige Weg.

Alle Kapitel und Anhänge (44)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. 2.1 Fragestellung, Leitbegriffe und Expositionsfenster bis 2.6 Hodenvolumen, Hormone und DNA-Integrität
  4. 2.7 Wie Studien Effekte berichten: Effektmaße, Verzerrungen, Designs und 2.8 Die Geschichte der Forschungsfrage
  5. 2.9 Der Populationskontext: Sinken die Spermienzahlen, und was hat das mit der Pränatalfrage zu tun? bis 2.12 Quellen außerhalb der Master-Quellenliste (Transparenz)
  6. Zweck, Auswahl und Lesehinweise bis Paracetamol und andere Analgetika
  7. Hormonell wirksame Stoffe bis Zusammenschau: Was die Metaanalysen für die einzelnen Expositionen zeigen
  8. Gemeinsame methodische Grenzen bis Lücken und nicht belegbare Punkte dieses Kapitels
  9. Vorbemerkung zu Auswahl, Datengrundlage und Lesart
  10. 1.1 Spermienqualität, Hormone und Hodenvolumen der Söhne bis 1.3 Langzeitfolgen jenseits der Samenqualität: Fertilität, Hodenhochstand, Hodenkrebs und Entwicklung
  11. 1.4 Rauchen erwachsener Männer und Rauchen Schwangerer in Regionen mit Wasserpfeife
  12. 2. Alkohol der Mutter in der Schwangerschaft bis 5. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS)
  13. 6. Hormonell wirksame Stoffe: Dioxine, PCB, Phthalate, Bisphenole, Pestizide, Feinstaub und Mischungen und 7. Übergewicht der Mutter, Körpergewicht der Söhne und intrauterines Milieu
  14. 8. Diethylstilbestrol (DES) und andere Sexualhormone in der Schwangerschaft und 9. Väterliche Präkonzeptionsexposition
  15. 10. Weitere FEPOS-Analysen, Raine-Kohorte und Kohortenprofile und 11. Referenzstudien zur Samenqualität in der Allgemeinbevölkerung und Trendstudien
  16. 12. Gesamtübersicht der Beobachtungsstudien
  17. 1. Interventionsstudien und Nachbeobachtungen randomisierter Studien und 2. Fallserien und exponierte Gruppen im Vergleich
  18. 3. Leitlinien, Stellungnahmen und Kommentare und 4. Humane fetale Hodenkulturen und Xenotransplantate
  19. 5. Tierversuche und 6. Querbewertung: Was die Experimente tragen und was nicht
  20. 7. Überblick in Zahlen und 8. Grenzen dieses Kapitels
  21. Wie die Belegstärke in diesem Kapitel eingestuft wird bis Weg 1: Hemmung der fetalen Androgenbildung und Androgenwirkung (antiandrogene Wege)
  22. Weg 2: Schädigung des Sertoli-Zell-Systems und des Keimzellpools bis Weg 6: Plazenta, fetales Wachstum und Luftschadstoffe (indirekte Wege)
  23. Weg 7: Persistente Stoffe: PFAS, PCB und Dioxine (Rezeptor- und Keimzellwege) bis Weg 12: Gemeinsame familiäre und soziale Faktoren als Alternativerklärung
  24. Zusammenschau: Wo die Wege zusammenlaufen und wo sie sich widersprechen bis Grenzen dieses Kapitels
  25. 1. Evidenzbasis und Lesehinweise
  26. 2. Dosis-Wirkung
  27. 3. Zeitfenster der Exposition bis 7. Wo Daten fehlen
  28. 8. Gesamtbewertung
  29. Englisch und Deutsch
  30. Französisch bis Portugiesisch
  31. Spanisch
  32. Chinesisch und Japanisch
  33. Koreanisch und Russisch
  34. Arabisch und Türkisch
  35. W1. Mütterliches Rauchen: deutliche Abnahmen in Dänemark und Europa, Nullbefunde in Kalifornien und bei Ratcliffe bis W9. Mütterliches Übergewicht: Hormonmuster statt Samenbefund, und uneinheitliche Hilfsgrößen
  36. W10. PFAS, Phthalate, Bisphenole und Mischungen: gleiche Richtung bei PFOA und PFAS-Indizes, aber Nullbefunde bei PCB, DDE und Mischungen bis W17. Zusammenschau der Widersprüche
  37. Limitationen der Evidenz
  38. Offene Forschungsfragen
  39. Praktische Einordnung
  40. Glossar
  41. Quellenverzeichnis
  42. Diagramme
  43. Quellen
  44. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle