Die Frage, ob Einflüsse im Mutterleib oder vor der Zeugung die Spermienqualität des erwachsenen Sohnes dauerhaft prägen, wurde für diese Gesamtstudie in zwölf Sprachräumen getrennt recherchiert. Dieses Kapitel behandelt die ersten sechs Räume in der Reihenfolge Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Jeder Raum wird nach demselben Raster beschrieben: eigene Kohorten und Register, Fachzeitschriften, Leitlinien, regionale Besonderheiten bei Exposition, Population und Methodik, Besonderheiten der Datenbanken und, wo es zutrifft, die offene Feststellung, dass es kaum eigene Literatur gibt.
Vorab ein Befund, der alle sechs Räume betrifft und den Leser vor einer Fehllesart schützen soll: Die Zahl der Quellen pro Sprachraum sagt wenig über die Zahl der Länder, die tatsächlich Daten beigetragen haben. Fast alle Humandaten zu erwachsenen Söhnen stammen aus wenigen nordeuropäischen Geburts- und Schwangerschaftskohorten, vor allem aus Dänemark, ergänzt durch Schweden, Kalifornien und Westaustralien. Diese Studien werden in den Recherche-Dokumenten fast aller Sprachräume zitiert, weil sie in PubMed auf Englisch erscheinen und von jeder Suche gefunden werden. Zum Kernbestand, der in mehreren Räumen auftaucht, gehören die Aarhus-Kohorten (Schwangere 1984 bis 1987 und 1988 bis 1989), die Dänische Nationale Geburtskohorte (DNBC) mit ihrer Söhne-Teilkohorte FEPOS (Fetal Programming of Semen Quality), die europäische Rekrutenstudie von Jensen und Kollegen mit 1.770 Männern, die Kopenhagener Querschnittsreihe mit 6.386 Männern, die Malmö-Studien von Axelsson und Kollegen sowie die Child Health and Development Studies in Kalifornien. Um Wiederholungen zu vermeiden, werden diese Kernstudien im Abschnitt zum englischen Sprachraum vollständig mit Design, Population, Zahlen, Stärken und Schwächen dargestellt. In den Abschnitten der übrigen Räume steht, was dieser Raum zusätzlich beiträgt und wie er den Kernbestand liest oder auswählt.
Alle genannten Zahlen stammen aus den Recherche-Dokumenten der Sprachräume, die ihrerseits PubMed- und Europe-PMC-Zusammenfassungen ausgewertet haben, oder aus Europe-PMC-Abrufen, die für dieses Kapitel ergänzend durchgeführt wurden (Zusammenfassungen, keine Volltexte). Sofern die Dokumente eine Quelle nur über den Titel kannten, wird dies ausdrücklich gesagt. Alle Humanstudien sind Beobachtungsstudien; Zusammenhänge sind keine Beweise für Ursächlichkeit. Das Kapitel enthält keine Therapie- oder Verhaltensempfehlung.
Englisch
Ausgangslage, Datenbanken und Suchweg
Das englische Recherche-Dokument durchsuchte PubMed über die NCBI-E-Utilities, Europe PMC und den Abstract-Eintrag der Leitlinie der European Association of Urology (EAU) und las nach eigener Angabe die PubMed-Zusammenfassungen oder die frei zugänglichen Volltextseiten der zitierten Arbeiten. Es führt 43 Quellen. Der englische Raum ist im strengen Sinn kein regionaler Raum, sondern die Publikationssprache der internationalen Fachwelt. Fast alle Originalarbeiten dieser Gesamtstudie erscheinen auf Englisch, auch wenn sie in Dänemark, Schweden, Frankreich oder Spanien entstanden sind. Das hat für die Datenbankarbeit eine praktische Folge: Eine englische Suche nach der Kombination aus Exposition, „sons“ und „semen“ liefert nahezu den gesamten Kernbestand, während die Suche in den übrigen Sprachen vor allem zusätzliche Übersichtsarbeiten, regionale Erhebungen und Fehlbildungsstudien hervorbringt.
Zwei Befunde zur Literaturlage sind für das Verständnis wichtig. Erstens fand das Dokument keine Metaanalyse von Spermienparametern erwachsener Söhne für irgendeine der untersuchten Expositionen. Es gibt Metaanalysen zu stellvertretenden Endpunkten (Hodenhochstand, Hodenkrebs), aber nicht zur Frage, um die es hier geht. Zweitens ist die Datenlage extrem konzentriert: Die Autoren der Kernstudien stammen größtenteils aus denselben dänischen Arbeitsgruppen (Aarhus, Kopenhagen, Odense, Lund/Malmö), und die FEPOS-Kohorte allein trägt zu fast jeder Exposition eine Analyse bei.
Die Kohorten und Register des Kernbestands
Aarhus-Kohorten. Die erste Aarhus-Schwangerschaftskohorte rekrutierte Schwangere von 1984 bis 1987; von 5.109 Söhnen wurden 347 nach Expositionsstatus ausgewählt und 2005 bis 2006 untersucht [s192]. Die zweite Kohorte (1988 bis 1989) lieferte Mütterserum aus der Schwangerschaftswoche 30; 169 bzw. 176 Söhne im Alter von 19 bis 21 Jahren wurden analysiert, die Beteiligung der berechtigten Söhne lag bei 37,6 % [s164, s156]. Beide Kohorten haben den Vorteil prospektiv erhobener Exposition, aber kleine Fallzahlen.
FEPOS in der DNBC. Die Kohortenbeschreibung von Keglberg Hærvig und Kollegen nennt 1.058 untersuchte Söhne von 5.697 Eingeladenen, also eine Teilnahme von 19 %, Untersuchungen in den Jahren 2017 bis 2019, Geburtsjahrgänge 1998 bis 2000 [s98]. Die Autoren verglichen die Samenparameter mit ähnlichen Kohorten und fanden die Mediane in FEPOS etwas niedriger, aber mit geringerer Streuung. Eine Selektionsverzerrung kann damit in beide Richtungen wirken.
Weitere Kohorten. Die Odense Child Cohort (1.027 Mutter-Kind-Paare) liefert Anogenitalabstände bei Jungen [s129]; ein dänisch-finnischer Datensatz mit 2.297 Schwangeren liefert Kryptorchismus [s174]; die Malmö-Studien (295, 104 und 112 Heranwachsende) liefern Rauchen und Phthalate [s157, s110, s141]; die Rekrutenstudie in fünf europäischen Ländern ist weiter unten bei Jensen dargestellt.
Mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft
Storgaard 2003 [s203]. Registerbasierte Studie mit Daten aus dem dänischen Zwillingsregister und dem Zivilregister; 316 Männer, davon Angaben zur mütterlichen Exposition für 265. Bei Müttern, die mehr als 10 Zigaretten täglich rauchten, lag die Spermiendichte der Söhne um 48 % niedriger (95-%-Konfidenzintervall minus 69 % bis minus 11 %); Gesamtzahl und Inhibin B waren ebenfalls niedriger, FSH um 16 % höher (Intervall minus 13 % bis 54 %). In der Gruppe mit 1 bis 10 Zigaretten täglich zeigte sich kein Effekt, was auf eine Schwelle hindeuten könnte. Stärke: früher Befund mit großem Effekt und Registerdaten. Schwäche: kleine Stichprobe, sehr breites Intervall, Angaben zur Exposition nur für 265 der 316 Männer.
Ramlau-Hansen 2007 [s192]. Aarhus-Kohorte 1984 bis 1987, 347 von 5.109 Söhnen nach Exposition ausgewählt, Samenproben 2005 bis 2006. Bei mehr als 19 Zigaretten täglich lagen das Volumen um etwa 19 % (p = 0,04), die Gesamtzahl um 38 % (p = 0,11) und die Konzentration um 17 % (p = 0,47) niedriger als bei Nichtexponierten; der Trendtest für die Gesamtzahl ergab p = 0,002. Das Odds Ratio für Oligospermie betrug 2,16 (Intervall 0,68 bis 6,87). Für Beweglichkeit und Morphologie ergab sich kein Zusammenhang. Stärke: prospektive Exposition, Dosisgradient. Schwäche: Auswahl nach Exposition, nur ein Teil der Punktschätzer statistisch gesichert, breite Intervalle. Zwischen den Studien unterscheiden sich die Kategorien (mehr als 10 gegenüber mehr als 19 Zigaretten), was den direkten Vergleich erschwert; das englische Dokument nennt eine individuelle Datenmetaanalyse mit harmonisierten Kategorien als offene Forschungsfrage.
Ravnborg 2011 [s177]. Querschnittsstudie an 3.486 dänischen Männern, medianes Alter 19 Jahre, untersucht von 1996 bis 2006. Bei intrauteriner Rauchexposition lag die Gesamtspermienzahl bei 119 gegenüber 150 Millionen, das Hodenvolumen bei 14,0 gegenüber 14,5 ml, das Verhältnis Inhibin B zu FSH bei 66 gegenüber 73 pg/mU; die Männer waren früher in die Pubertät eingetreten und hatten einen höheren BMI. Das Dokument berichtet zudem, dass bei Männern, die selbst rauchten, das Gesamttestosteron erhöht war, das berechnete freie Testosteron aber nur bei pränatal Exponierten niedriger lag (2,30 gegenüber 2,38 nmol/l, p = 0,003), was die Autoren mit höherem SHBG erklären. Stärke: große Stichprobe, Berücksichtigung des eigenen Rauchens der Männer. Schwäche: Querschnittsdesign, das nur Momentaufnahmen und keine zeitliche Abfolge erfasst; aus dem Abstract geht nicht hervor, wie die mütterliche Exposition erhoben wurde.
Axelsson 2013 [s157]. Malmö, 295 Heranwachsende aus der Allgemeinbevölkerung, rekrutiert 2008 bis 2010. Das mütterliche Rauchen stammt aus dem Schwedischen Medizinischen Geburtenregister, eigenes und väterliches Rauchen aus Fragebögen; analysiert wurden drei Expositionen und fünf Endpunkte, darunter die DNA-Integrität der Spermien. Bei mütterlichem Rauchen und nicht rauchendem Vater lag die Konzentration um 36 % niedriger (Intervall 3,9 % bis 57 %); bei väterlichem Rauchen und nicht rauchender Mutter um 35 % (8,1 % bis 55 %), die Gesamtzahl um 46 % (21 % bis 64 %). Das eigene Rauchen hatte keinen statistisch signifikanten Einfluss. Stärke: Registerdaten für die mütterliche Exposition. Schwäche: kleine Stichprobe; die Autoren formulieren vorsichtig von „some decrease“ in der Spermienzahl bei Männern, deren anderer Elternteil nicht rauchte.
Priskorn 2018 [s119]. 6.386 Männer der Kopenhagener Region, 21 Jahre lang jährlich mit demselben Protokoll untersucht (rund 300 pro Jahr, mediane 19 Jahre). Der Anteil intrauterin Rauchexponierter fiel von 40 % (1996 bis 2000) auf 18 % (2011 bis 2016). Exposition war mit niedrigeren Spermienzahlen assoziiert, dennoch stieg die mittlere Spermienzahl nicht; es gab keine anhaltenden zeitlichen Trends bei Spermienqualität, Hodenvolumen oder FSH, und 35 % der Männer hatten durchgehend eine niedrige Samenqualität. Stärke: gleichbleibende Methodik über zwei Jahrzehnte. Schwäche: Querschnittsdesign mit nur einer Samenprobe je Mann; die Ursachen der konstant niedrigen Samenqualität bleiben offen. Die Studie zeigt, dass der Rückgang eines Risikofaktors nicht automatisch zu besseren Bevölkerungsmittelwerten führt.
Weitere Befunde zu Rauchen. Eine Übersicht von Håkonsen und Kollegen fasst zusammen, dass pränatal exponierte Männer eine schlechtere Samenqualität haben, ein Einfluss auf die Fekundabilität weniger deutlich ist, das Risiko für Kryptorchismus erhöht ist, die Pubertät eher früher beginnt und kein Zusammenhang mit Hodenkrebs besteht [s150]. Eine Metaanalyse zu Kryptorchismus (20 Studien, 111.712 Kinder) ergab ein gepooltes rohes Odds Ratio von 1,18 (1,12 bis 1,24) [s109]; eine zweite (32 Artikel) 1,17 (1,11 bis 1,23), in derselben Analyse Alkohol 0,97 (0,87 bis 1,07), mütterlicher BMI vor der Schwangerschaft 1,02 (0,95 bis 1,09) und Schwangerschaftsdiabetes 1,21 (1,00 bis 1,46) [s147]. Für Hodenkrebs ergab sich kein Zusammenhang (zusammenfassender Schätzer 1,00; 0,88 bis 1,15; zehn Publikationen) [s53]; eine ältere Metaanalyse kam auf OR 1,0 (0,88 bis 1,12; 2.149 Fälle, 2.762 Kontrollen), eine eingebettete Fall-Kontroll-Studie mit Cotinin im ersten Trimester auf OR 0,68 (0,35 bis 1,34) [s184]. Zur Orientierung, aber ausdrücklich nicht zur pränatalen Frage: Eine Metaanalyse zum eigenen Rauchen (20 Studien, 5.865 Teilnehmer) ergab eine um 9,72 Millionen/ml niedrigere Spermienzahl (Intervall minus 13,32 bis minus 6,12), eine um 3,48 Prozentpunkte niedrigere Beweglichkeit und eine um 1,37 Prozentpunkte niedrigere Morphologie [s138].
Väterliches Rauchen und väterliche Präkonzeptionsexposition
Axelsson 2018 [s110]. 104 schwedische Männer im Alter von 17 bis 20 Jahren; nach Adjustierung für das Cotinin im mütterlichen Serum hatten Söhne rauchender Väter eine um 41 % niedrigere Konzentration und eine um 51 % niedrigere Gesamtzahl (p = 0,02 bzw. 0,003). Schwäche: kleine Stichprobe.
Hærvig 2020 [s95]. DNBC-Teilstichprobe mit 772 Söhnen. Söhne rauchender Väter und nicht rauchender Mütter hatten eine um 10 % niedrigere Konzentration (Intervall minus 24 % bis 7 %) und eine um 11 % niedrigere Gesamtzahl (minus 27 % bis 8 %); zwei rauchende Eltern gingen mit einer um 19 % niedrigeren Gesamtzahl einher (minus 37 % bis 3 %). Die Autoren sprechen von begrenzter Unterstützung, vereinbar mit keinem Zusammenhang. Die Studie weist darauf hin, dass der Ausschluss von Männern mit Hodenkrebs, Chemotherapie oder Orchiektomie Assoziationen unterschätzt haben könnte (so das französische Dokument).
Hærvig 2025 [s27]. Wiederholung mit 867 Männern und zusätzlicher Adjustierung für das Cotinin im mütterlichen Plasma in der ersten Schwangerschaftshälfte: Kein Zusammenhang zwischen väterlichem Rauchen vor der Zeugung und irgendeinem Samenparameter oder dem Hodenvolumen; die Adjustierung für das eigene Rauchen änderte nichts. Die Autoren warnen vor Überadjustierung wegen der hohen Korrelation zwischen väterlichem Rauchen und mütterlichem Cotinin und vor Fehlklassifikation, weil Ex-Raucher und Nie-Raucher nicht getrennt werden konnten.
Molekulare Befunde am Mann selbst. In einer Fall-Kontroll-Studie verglich Jenkins mit Kollegen 78 Raucher und 78 Nie-Raucher: 141 CpG-Stellen waren in der Spermien-DNA unterschiedlich methyliert, und die Variabilität nahm genomweit zu [s128]; ob solche Veränderungen an Söhne weitergegeben werden und deren Samenqualität beeinflussen, wurde in dieser Studie nicht gezeigt. Im Mausmodell veränderte vorkonzeptionelle Rauchexposition der Väter 45 Spermien-microRNAs (13 hoch, 32 herunterreguliert), ohne Spermienzahl oder -morphologie zu verändern; für das Körpergewicht der männlichen Nachkommen ergab sich p = 0,062 [s87].
Alkohol und Koffein
Alkohol, Aarhus [s179]. 347 Söhne der Aarhus-Kohorte 1984 bis 1987, mütterlicher Konsum prospektiv selbst berichtet. Die adjustierte mittlere Konzentration lag bei Söhnen von Müttern mit mindestens 4,5 Getränken pro Woche bei 40 Millionen/ml (Intervall 25 bis 60) gegenüber 59 Millionen/ml (44 bis 77) bei weniger als einem Getränk pro Woche, also etwa 32 % niedriger. Volumen und Gesamtzahl waren mit der Exposition assoziiert, aber nicht linear: Söhne mit 1,0 bis 1,5 Getränken pro Woche hatten die höchsten Werte. Beweglichkeit, Morphologie und Hormone einschließlich Testosteron zeigten keinen Zusammenhang. Die Autoren deuten dies als möglichen dauerhaften Schaden an den Sertoli-Zellen. Schwäche: kleine Stichprobe, nicht monotoner Verlauf.
Alkohol, FEPOS [s68]. 1.058 Söhne; mütterlicher Alkohol in der Frühschwangerschaft. Bei mehr als 3 Getränken pro Woche oder mindestens drei Episoden von Rauschtrinken (fünf oder mehr Getränke je Gelegenheit) fanden sich kleine Tendenzen zu schlechteren Samenmerkmalen und verändertem Hormonprofil, aber die Schätzer waren klein, uneinheitlich und ohne Dosisabhängigkeit. Weil nur wenige Mütter mehr als 4,5 Getränke pro Woche konsumierten, können Effekte bei höheren Dosen nicht ausgeschlossen werden. Die beiden Alkoholstudien widersprechen sich nicht streng, sprechen zusammen aber gegen einen robusten Effekt bei moderatem Konsum.
Kaffee, Aarhus [s186]. 343 Männer. Mit steigendem mütterlichem Kaffeekonsum zeigte sich eine Tendenz zu geringerem Ejakulatvolumen (p = 0,06); das Testosteron war bei Söhnen von Müttern mit 4 bis 7 Tassen täglich niedriger als bei 0 bis 3 Tassen (p = 0,04). Die eigene Koffeinaufnahme der Männer war mit etwa 14 % höherem Testosteron verbunden (p = 0,008). Die Autoren nennen ihre Ergebnisse tentativ.
Kaffee, FEPOS [s46]. 1.058 Männer. Jeglicher mütterlicher Kaffeekonsum war mit 7,0 % geringerem Ejakulatvolumen (Intervall minus 12,9 bis minus 0,7), 8,3 % geringerem Anteil normal geformter Spermien (minus 16,5 bis 0,8), 4,3 % höherem Anteil nicht progressiv beweglicher und unbeweglicher Spermien (minus 1,5 bis 10,3) und 4,8 % kleinerem Hodenvolumen (minus 9,0 bis minus 0,4) assoziiert. Dosis-Wirkung und Schwellenwerte zeigten sich nicht, Hormonassoziationen ebenfalls nicht. Die Autoren sehen keine eindeutigen Hinweise auf eine Beeinträchtigung und fordern Studien mit größerem Expositionskontrast. Bemerkenswert: Mehrere Intervalle schließen Null ein, und die klinisch wichtigen Endpunkte Konzentration und Gesamtzahl werden im Abstract nicht als signifikant verändert berichtet.
Paracetamol und Analgetika
FEPOS [s47]. 547 von 1.058 Söhnen (48 %) waren pränatal exponiert. Weder dichotom noch nach Trimester war die Einnahme mit einem Biomarker assoziiert. Bei langer Dauer (mehr als 9 Wochen) lagen die Punktschätzer für die Konzentration bei minus 14 % (minus 31 % bis 8 %), für nicht progressive und unbewegliche Spermien bei plus 8 % (minus 4 % bis 21 %) und für den DNA-Fragmentationsindex bei plus 16 % (minus 1 % bis 36 %). Alle Intervalle schließen Null ein; die Autoren können einen Effekt längerer Einnahme nicht ausschließen.
Odense [s129]. 1.027 Mutter-Kind-Paare, 40 % mit Paracetamol- und/oder NSAR-Gebrauch in den ersten 28 Wochen. Der Anogenitalabstand der Jungen war kürzer, signifikant nur für NSAR; bei den 20 Jungen mit kombinierter Exposition betrug die Verkürzung 4,1 mm (Intervall minus 6,4 bis minus 1,7). Die Penisbreite war nicht betroffen. Die Autoren nennen kleine Expositionsgruppen und Confounding by indication und verweisen darauf, dass ein kürzerer Anogenitalabstand bei erwachsenen Männern in Querschnittsstudien mit schlechterer Samenqualität einhergeht. Der Abstand ist ein Stellvertreter, kein Samenparameter.
Dänisch-finnische Kohorte [s174]. 2.297 Schwangere. In der dänischen Kohorte bestand ein dosisabhängiger Zusammenhang zwischen leichten Analgetika und angeborenem Kryptorchismus, am stärksten bei Anwendung im zweiten Trimester und bei kombinierter Anwendung, nicht jedoch in der finnischen Kohorte. In Ratten verringerte Paracetamol den Anogenitalabstand und im Ex-vivo-Modell fetaler Hoden die Testosteronproduktion. Das englische Dokument vermerkt, dass die Autoren den Unterschied zwischen den Ländern nicht erklären.
Tiermodell [s107]. Therapeutische Dosen von Paracetamol und Ibuprofen während der Geschlechtsdetermination führten bei der Maus zu früher Differenzierung und verminderter Proliferation männlicher Keimzellen, verzögerter Sertoli-Zell-Reifung, Leydig-Zell-Hyperplasie, vermindertem Pool der Spermatogonien A und vermindertem Testosteron; die Spermienzahl der exponierten F0-Männchen war um 19 % reduziert, die Beweglichkeit in der F1-Generation um 40 %, wenn beide Eltern exponiert waren. Dosierung und Zeitpunkt bei Nagern sind nicht mit der menschlichen Exposition gleichzusetzen.
PFAS, Organochlorverbindungen und Phthalate
Vested 2013 [s164]. 169 Söhne der Aarhus-Kohorte 1988 bis 1989; Mütterserum der Schwangerschaftswoche 30. PFOA war mit niedrigerer Konzentration (p für Trend = 0,01) und Gesamtzahl (p = 0,001) sowie höheren Werten für LH (p = 0,03) und FSH (p = 0,01) assoziiert; PFOS nicht. Das Abstract nennt keine Effektgrößen mit Intervallen.
Hærvig 2022, PFAS in FEPOS [s74]. 864 Männer; ein gewichteter Quantilsummen-Index für sieben PFAS. Je Einheitsanstieg lag die Konzentration um 8 % niedriger (minus 16 bis minus 1), die Gesamtzahl um 10 % (minus 17 bis minus 2), der Anteil nicht progressiver und unbeweglicher Spermien um 5 % höher (1 bis 8). PFOS je 10 ng/ml: Gesamtzahl minus 5 % (minus 9 bis minus 1); PFHpA oberstes gegenüber unterstem Tertil: Konzentration minus 13 % (minus 24 bis minus 1). Für Hodenvolumen und Hormone fand sich kein Zusammenhang. Das englische Dokument weist darauf hin, dass eine Replikation nur innerhalb Dänemarks und nur mit zwei Kohorten vorliegt.
Vested 2014 [s156]. 176 Söhne; PCB und p,p'-DDE zeigten bei den Hintergrundbelastungen der späten 1980er Jahre keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit Samenqualität oder Hormonen.
Axelsson 2015 [s141]. Malmö, 112 Söhne. Oberstes gegenüber unterstem Tertil eines DiNP-Metaboliten: Gesamthodenvolumen um 4,3 ml kleiner (Intervall 0,89 bis 7,6), FSH um 30 % höher (3,6 bis 63 %), Ejakulatvolumen um 0,87 ml kleiner (0,28 bis 1,5); ein DEHP-Metabolit: Ejakulatvolumen um 0,70 ml kleiner (0,090 bis 1,3).
Henriksen 2023 [s60]. Kopenhagener Kohorte, 100 Söhne im Alter von 18 bis 20 Jahren, 34 Phthalatmetabolite. Höhere mütterliche Belastung ging mit höherem LH und niedrigeren Testosteron-zu-LH-Verhältnissen einher; doppelte mütterliche MiNP-Konzentration entsprach einem um 7,9 % niedrigeren Verhältnis von freiem Testosteron zu LH (Intervall 1,6 bis 13,8). Für die Samenqualität zeigte sich kein konsistentes Muster, und keine Assoziation überstand die Multiplizitätskorrektur.
Mütterliches Übergewicht und weitere mütterliche Merkmale
Gaml-Sørensen 2024 [s43]. 1.058 Männer. Kein konsistenter Zusammenhang des mütterlichen BMI vor der Schwangerschaft mit Samenmerkmalen oder Hodenvolumen. Bei höherem BMI der Mutter fanden sich dosisabhängig höheres Östradiol und niedrigeres SHBG; bei mütterlicher Adipositas (BMI 30 oder mehr) höheres LH und ein höherer freier Androgenindex. Die Effekte wurden teilweise durch Geburtsgewicht, Fettmasse und BMI der Söhne vermittelt; der väterliche BMI war kein starker Confounder. Die Kohorte hatte eine niedrige Prävalenz von Übergewicht und Adipositas.
Menarchealter der Mutter [s61]. Söhne von Müttern mit späterer Menarche hatten eine um 15 % niedrigere Konzentration (minus 27 bis 0) und eine um 14 % niedrigere Gesamtzahl (minus 28 bis 1); 1.043 Männer. Die Autoren denken an gemeinsame Vererbung, epigenetische Profile oder gemeinsame Umwelt. Die Studie ist hier wichtig, weil sie zeigt, dass ein nicht veränderbares mütterliches Merkmal Effektgrößen im Bereich einiger Expositionsbefunde erzeugt.
Tiermodelle. Bei Ratten führte eine Cafeteria-Diät der Mütter zu Nachkommen mit niedrigeren Hoden- und Nebenhodenindizes, gestörter Mitochondrienfunktion der Spermien, mehr TUNEL-positiven Hodenzellen und mehr reaktiven Sauerstoffspezies in den Spermien [s79]. Bei Mäusen (C57/BL6) verursachte subkutanes Koffein (20 mg/kg) trächtiger Muttertiere veränderte Proteinexpression im Hoden der erwachsenen Nachkommen und ein um 90 % niedrigeres Serumtestosteron (p = 0,04); der Applikationsweg begrenzt die Übertragbarkeit auf die menschliche Ernährung [s148].
Diethylstilbestrol (DES)
Der englische Raum trägt hier die historischen US-Kohorten. Gill 1979 [s214]: Nachbeobachtung von Söhnen aus einer placebokontrollierten Verabreichung; bei 308 exponierten Männern fanden sich in 31,5 % Nebenhodenzysten und/oder hypoplastische Hoden gegenüber 7,8 % von 307 Placebo-Kontrollen; schwere Samenpathologie (Eliasson-Score über 10) bei 18 % gegenüber 8 %. Wilcox 1995 [s210]: Nachbeobachtung der randomisierten Chicagoer Studie, 494 befragte Männer (253 exponiert, 241 nicht exponiert); Genitalfehlbildungen wurden dreimal so häufig berichtet, aber „no impairment of fertility by any measure“ und keine Beeinträchtigung der Sexualfunktion; erhoben wurde per Befragung, nicht per Samenanalyse. Palmer 2009 [s183]: 2.235 Männer, 1.197 exponiert; Kryptorchismus RR 1,9 (1,1 bis 3,4), Nebenhodenzyste 2,5 (1,5 bis 4,3), Hodenentzündung/-infektion 2,4 (1,5 bis 4,4); bei Exposition vor der 11. Woche Kryptorchismus 2,9 (1,6 bis 5,2) und Nebenhodenzyste 3,5 (2,0 bis 6,0); kein Zusammenhang für Varikozele (0,9; 0,6 bis 1,3), Penisanomalien oder Harnröhrenstenose. Titus-Ernstoff 2010 [s181]: auf Angaben der Mütter beruhend waren Geburtsfehler bei Söhnen (OR 1,53; 1,04 bis 2,23) und Töchtern (OR 2,35; 1,44 bis 3,82) DES-exponierter Frauen erhöht, Meldeverzerrung nicht ausgeschlossen. Rogers 2023 [s66]: Dreigenerationen-Mausstudie mit verkürztem Anogenitalabstand bis in die dritte nicht exponierte Generation und früherer Pubertät bei weiblichen Nachkommen; sie betrifft Weibchen. Storgaard 2006 [s198]: Übersicht; von 425 geprüften Arbeiten wurden 81 bewertet; abgesehen von Hodenkrebs gibt es keine starke epidemiologische Evidenz, dass pränatale Östrogenexposition die männliche Entwicklung stört. Zusammengenommen zeigen diese Arbeiten bei hoher pränataler Östrogenexposition Genitalanomalien und auffällige Samenbefunde, ohne dass in der Chicagoer Studie die Fruchtbarkeit messbar vermindert war.
Väterliche Mechanismen im Tier
Sechs Wochen väterliche Alkoholexposition vor der Zeugung senkten bei der Maus dosisabhängig Embryoüberleben und Schwangerschaftserfolg nach IVF (die 10-%-Ethanolgruppe erreichte die Hälfte der Schwangerschaftsrate der Kontrolle), mit veränderter Genexpression der Embryonen und Plazentahistologie [s65].
Fachzeitschriften, Leitlinien und Besonderheiten der Datenbanken
Die Kernbefunde erscheinen in Human Reproduction, Andrology, Reproductive Toxicology, Environmental Health Perspectives, American Journal of Epidemiology, Epidemiology, PLoS One und Environmental Research. Das spiegelt die Publikationspraxis der beteiligten dänischen und schwedischen Gruppen wider und ist keine Auswahl durch die Recherche. Die einzige Leitlinie im englischen Dokument ist die EAU-Leitlinie zur männlichen sexuellen und reproduktiven Gesundheit 2025 (Update Männliche Infertilität) [s31]. Das Dokument konnte nur den Abstract lesen: Er sagt, dass Kliniker unfruchtbare Männer und Männer mit abnormalen Samenparametern über assoziierte Gesundheitsrisiken beraten sollen, und beschreibt aktualisierte Abklärungsschritte. Zu pränatalen oder transgenerationalen Faktoren enthält er nach Angabe des Dokuments keine Empfehlung. Zu den Leitlinien der AUA oder der ESHRE wurden keine Texte abgerufen, und es wird dazu nichts behauptet. Zur Datenbankseite: Die PubMed-Webseite lieferte in dieser Recherchewelle teils nur eine Cookie-Sperrseite; die Prüfungen liefen deshalb über Europe PMC (so das Prüfprotokoll des englischen Dokuments).
Regionale Besonderheiten, Stärken und Schwächen des Raums
Der englische Raum liefert die Studien mit der besten Methodik: nationale Register, prospektiv erhobene Exposition, Biomarker wie Cotinin. Zugleich bedeutet die Konzentration auf Dänemark und Schweden eine geringe Übertragbarkeit. Die Expositionskontexte unterscheiden sich: Die Studie von Storgaard wurde damit begründet, dass dänische Frauen zu den höchsten Raucherquoten Europas gehörten [s203]; in der Kopenhagener Reihe fiel die Exposition bis in die 2010er Jahre auf 18 % [s119]; die Übergewichtsprävalenz in FEPOS ist niedrig [s43]. Die Teilnahmequoten sind niedrig (FEPOS 19 %, Aarhus 1988 bis 1989: 37,6 % der berechtigten Söhne). Der Unterschied zwischen Dänemark und Finnland beim Analgetika-Zusammenhang [s174] zeigt, dass Befunde zwischen Ländern nicht gleich ausfallen. Nicht-nordische Humandaten kommen im englischen Dokument nur aus den US-amerikanischen DES-Kohorten und aus chinesisch verfassten Kryptorchismus-Metaanalysen [s147, s109]; das Dokument betont selbst, dass dies eine Lücke seiner Recherche ist und kein Beweis, dass entsprechende Studien fehlen. Zur Einordnung der Zahlen: Die Metaregression von Levine und Kollegen (223 Studien, 288 Schätzungen, Proben 1973 bis 2018) meldet für unselektierte Männer aller Kontinente einen Rückgang der Spermienkonzentration um 51,6 % und eine Verdopplung des prozentualen Jahresrückgangs nach 2000 [s63]; sie ist ökologisch und kann keine pränatale Exposition als Ursache benennen.
Deutsch
Suchweg, Datenbanken und der offene Befund zur eigenen Literatur
Das deutsche Recherche-Dokument suchte mit deutschen und englischen Begriffen in PubMed über die E-Utilities und las die Zusammenfassungen der Originalarbeiten; Volltexte wurden nicht ausgewertet. Ergänzend wurde über Websuche nach deutschsprachigen Quellen gesucht, namentlich im Deutschen Ärzteblatt und bei den AWMF- und DGU-Leitlinien. Das Ergebnis ist ein klarer Negativbefund, der hier offen wiedergegeben wird: Zu der spezifischen Frage nach pränatalen Einflüssen auf die Spermienqualität des erwachsenen Sohnes fand das Dokument keine deutschsprachige Originalstudie, keinen Ärzteblatt-Artikel und keine AWMF-S2k-Leitlinie, die geöffnet und zitiert werden konnte. Ein Suchtreffer zur AWMF betraf die Leitlinie zur Fertilitätserhaltung bei onkologischen Therapien und wurde nicht zitiert, weil er die Frage nicht berührt. Das Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie ist in PubMed nicht erschlossen; Beiträge von dort konnten daher nicht geprüft werden. Das ist eine Eigenheit der Datenbank und kein Beleg dafür, dass dort nichts steht.
Der deutsche Raum ist daher fast ausschließlich über englischsprachige Arbeiten vertreten, die in Dänemark, den USA, Westaustralien, auf den Färöern und in Mitteleuropa entstanden. Deutschland selbst erscheint über die Hamburg-Leipzig-Querschnittsstudie, die Basiswerte, aber keine Expositionsanalyse liefert. Die 47 dem deutschen Raum zugeordneten Quellen sind damit überwiegend Kernstudien, die auch in anderen Räumen vorkommen; dazu kommen mehrere FEPOS-Auswertungen zu Nebenthemen und Tiermodelle, die kein anderer Raum aufführt. Eine Lücke der Suche selbst: Das deutsche Dokument vermerkt, dass es für Alkohol in der Schwangerschaft keine große FEPOS-Analyse gefunden habe; sie existiert aber und ist im englischen Dokument belegt [s68]. Das ist ein Beispiel dafür, dass sprachraumgetrennte Recherchen einander ergänzen müssen.
Konzeptioneller Rahmen und Kohortenlandschaft
Als Ausgangspunkt wird die Arbeit von Skakkebaek, Rajpert-De Meyts und Main (2001) zum testikulären Dysgenesie-Syndrom genannt [s204]. Sie fasst schlechte Spermienqualität, Hodenkrebs, Kryptorchismus und Hypospadie als Symptome einer gemeinsamen Störung der Gonadenentwicklung im Fetalleben auf und empfiehlt, künftige epidemiologische Studien sollten nicht nur ein Symptom, sondern alle Aspekte erfassen. Das deutsche Dokument leitet daraus die Anforderung ab, dass Studien zu pränatalen Einflüssen Kohorten brauchen, in denen die mütterliche Exposition prospektiv erhoben und die Söhne Jahrzehnte später untersucht wurden. Es nennt für die Kohortenlandschaft die Aarhus-Kohorte, die DNBC mit FEPOS, die Child Health and Development Studies in Kalifornien (Mütter 1959 bis 1967 rekrutiert, Söhne mit 38 bis 47 Jahren untersucht), die Raine-Kohorte, die Kopenhagener Mutter-Kind-Kohorte und die Färöer-Geburtskohorte. Eine methodische Besonderheit der FEPOS-Analysen wird gesondert geprüft: Die Teilnahme betrug 19 %, aber eine eigene Analyse zur Selektionsverzerrung kam zu dem Schluss, dass das Risiko begrenzt sei; die Autoren prüften dies an der vordefinierten Beziehung zwischen mütterlichem Rauchen im ersten Trimester und Gesamtspermienzahl mit inverser Selektionsgewichtung und einer mehrdimensionalen Bias-Analyse [s59]. Das ist ein Qualitätsmerkmal, beseitigt aber die Grundproblematik freiwilliger Teilnahme nicht.
Europäische Rekrutenstudie und regionale Erhebungen
Jensen 2004 [s201]. Querschnittsstudie an 1.770 jungen Männern aus der Allgemeinbevölkerung, untersucht 1996 bis 1999 bei der Musterung in fünf Ländern: Dänemark (zwei Städte, n = 889, Teilnahme 19 %), Oslo (n = 221, 17 %), Turku (n = 313, 13 %), Kaunas (n = 157, 14 %) und Tartu (n = 190, 19 %). Die Männer gaben zusammen mit ihren Müttern Auskunft zum Rauchen in der Schwangerschaft. Nach Adjustierung hatten intrauterin Exponierte eine um 20,1 % niedrigere Konzentration (Intervall 6,8 bis 33,5) und eine um 24,5 % niedrigere Gesamtzahl (9,5 bis 39,5); der Anteil beweglicher Spermien war um 1,85 Prozentpunkte niedriger (0,46 bis 3,23), der Anteil normaler Formen um 0,64 Prozentpunkte (minus 0,02 bis 1,30), das Hodenvolumen um 1,15 ml kleiner (0,66 bis 1,64). Der Zusammenhang war in den einzelnen Zentren nachweisbar, unterschiedlich stark, nicht aber in Litauen, wo nur 1 % der Mütter in der Schwangerschaft geraucht hatten; fehlende Exposition bedeutet dort fehlende statistische Power. Stärke: einheitliches Protokoll, fünf Länder, Hodenvolumen als zweiter Endpunkt. Schwäche: niedrige Teilnahme von 13 bis 19 %, mütterliche Auskunft rückblickend. Das Dokument bewertet die Größenordnung als ähnlich wie in zwei weiteren Studien unterschiedlichen Designs, nämlich etwa minus 20 % Konzentration und minus 24 % Gesamtzahl.
Hamburg und Leipzig [s185]. Die wichtigste deutsche Primärstudie ist eine koordinierte, kontrollierte Querschnittsstudie an 791 Männern der Allgemeinbevölkerung (334 aus Hamburg, 457 aus Leipzig, 2003 bis 2005). Die medianen Spermienkonzentrationen lagen bei 46 (Hamburg), 42 (Leipzig) und 44 Millionen/ml (kombiniert), die Gesamtzahlen bei 154, 141 und 149 Millionen; Konzentration und Gesamtzahl unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Städten, wohl aber der Anteil normal geformter Spermien (9,4 und 8,4 %) und beweglicher Spermien (67 und 81 %). Die Autoren schließen, dass ein erheblicher Teil junger deutscher Männer eine beeinträchtigte, im subfertilen Bereich liegende Samenqualität hat, und lassen offen, wie stark dies zur niedrigen Geburtenrate beiträgt. Pränatale Expositionen wurden in der Zusammenfassung nicht analysiert. Für die vorliegende Frage liefert die Studie also die Ausgangsverteilung in Deutschland, aber keinen Expositionsvergleich.
Schweizer Rekruten [s106]. Die dem deutschen Sprachraum nächste Rekrutenstudie ist eine landesweite Querschnittsstudie an 2.523 jungen Männern. Die mediane abstinenzadjustierte Konzentration lag bei 48 Millionen/ml. Gemessen am fünften Perzentil der WHO-Referenzwerte hatten 17 % eine Konzentration unter 15 Millionen/ml, 25 % weniger als 40 % bewegliche und 43 % weniger als 4 % normale Spermien. Bei Männern mit schlechter Samenqualität war ein größerer Anteil im Mutterleib dem mütterlichen Rauchen ausgesetzt gewesen; regionale und sprachregionale Unterschiede waren gering. Das Abstract nennt in dieser Wiedergabe keine Effektschätzer mit Intervallen.
Kalifornien, CHDS [s171]. Cirillo und Kollegen fanden in einer prospektiven Kohorte (Mütter 1959 bis 1967; nach den Angaben des französischen Dokuments 338 Söhne, Samenprobe bei 196) keinen Zusammenhang von mütterlichem Rauchen oder Alkohol mit der Samenqualität der 38- bis 47-jährigen Söhne. Bei hoher mütterlicher Kaffeeaufnahme (5 Tassen täglich) lag die mittlere Konzentration um etwa 16 Millionen niedriger (p für Trend = 0,09; proportional 25 %), der Anteil beweglicher Spermien um etwa 7 Punkte (p = 0,04; 13 %), der Anteil normal geformter um etwa 2 Punkte (p = 0,01; 25 %); die Adjustierung für das heutige Konsumverhalten der Söhne erklärte die Zusammenhänge nicht. Stärke: längste Nachbeobachtung, ältere Söhne. Schwäche: kleine Stichprobe und andere Expositionsepoche, sodass der abweichende Rauchbefund nicht ohne Weiteres mit den dänischen Studien vergleichbar ist. Das deutsche Dokument ordnet die Abweichung vorsichtig ein (Alter der Söhne, Expositionsmessung, Fallzahl).
Klinikstichprobe, Argentinien [s105]. Garlantézec, Multigner und Oliva untersuchten in einer Querschnittsstudie 537 männliche Partner von Paaren, die wegen Kinderlosigkeit vier argentinische Einrichtungen aufsuchten (Juni 1999 bis Juni 2015). Strukturierte Interviews erhoben die elterliche Tabaknutzung; es lagen zwei Samenanalysen und Hormonwerte (FSH, LH, Prolaktin, Gesamttestosteron, Östradiol) vor. Mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft war mit einem signifikant höheren Risiko verminderter Spermienzahl und erhöhtem Gesamttestosteron assoziiert; andere Parameter zeigten keinen Zusammenhang. Der Testosteronbefund sei zu replizieren. Das Abstract nennt keine Odds Ratios. Die Population ist eine Klinikstichprobe und für die Allgemeinbevölkerung nicht repräsentativ.
FEPOS-Analysen im deutschen Dokument
Rauchen [s75]. Hærvig und Kollegen (Eur J Epidemiol 2022) nutzten 984 Männer, mütterliches Rauchen im ersten Trimester per Interview und gemessenem Plasma-Cotinin. Söhne leichter Raucherinnen (höchstens 10 Zigaretten täglich) hatten eine um 19 % niedrigere Konzentration (minus 29 % bis minus 6 %) und eine um 24 % niedrigere Gesamtzahl (minus 35 % bis minus 11 %); bei starken Raucherinnen (mehr als 10) waren es 38 % (minus 52 % bis minus 22 %) und 33 % (minus 51 % bis minus 8 %), dazu ein um 25 % höheres FSH (1 % bis 54 %). Auch Cotinin über 10 ng/ml ging mit niedrigeren Werten einher. Ein Rauchstopp vor der Schwangerschaftswoche 7, also vor dem Fenster der fetalen Maskulinisierungsprogrammierung, war nicht mit höherer Reproduktionskapazität assoziiert. Die Autoren sprechen von substanziellen und konsistenten Dosis-Wirkungs-Beziehungen. Der objektive Biomarker senkt das Risiko der Unterberichterung; das Ergebnis zum Rauchstopp beruht aber auf einer begrenzten Zahl früh aufhörender Frauen und sollte nicht überinterpretiert werden.
Eigener Paracetamolgebrauch [s81]. Østergaard und Kollegen: 913 Teilnehmer mit Daten, 28 % Anwendung in den letzten sechs Monaten. Anwender hatten eine etwas höhere Gesamtzahl (adjustiertes Mittelwertverhältnis 1,13; 0,99 bis 1,30), bei Anwendung mindestens einmal pro Woche eher eine niedrigere Gesamtzahl und weniger normal geformte Spermien, jeweils mit breiten Intervallen; die Autoren verweisen auf Confounding by indication.
Geburtswachstum und weitere Faktoren. Niedrigere Plazenta- und Geburtsgewichts-Z-Scores waren mit einem um jeweils 4 % kleineren Hodenvolumen (minus 6 % bis minus 1 % bzw. minus 6 % bis minus 2 % je Z-Score) sowie mit höherem FSH (5 %; 1 bis 8) und LH (2 %; 0 bis 4) assoziiert [s06]. Mütterliches Fieber in der Schwangerschaft (986 Männer) zeigte keine starken Zusammenhänge, auch nicht modifiziert durch Antipyretika oder Antibiotika [s56]. Geburt per Kaiserschnitt (1.044 Männer) ging mit einem geringfügig niedrigeren Anteil nicht progressiv beweglicher Spermien einher, ohne robusten Nachteil [s44]. Im Winterhalbjahr Geborene hatten niedrigere Testosteronspiegel (minus 3 %; minus 7 bis 0) und höheres Östradiol (10 %; 2 bis 20) [s07]. Niedrige elterliche Bildung ging mit Tendenzen zu niedrigerem Volumen (minus 8 %; minus 17 bis 2), niedrigerer Konzentration (minus 8 %; minus 20 bis 6) und Gesamtzahl (minus 12 %; minus 25 bis 3) einher, teilweise vermittelt durch mütterliches Rauchen [s17]; das Rauchen ist damit auch ein Marker der sozialen Lage. Der Körperfettanteil der Männer selbst war mit schlechteren Samenmerkmalen und Hormonwerten, nicht aber mit dem Hodenvolumen assoziiert [s03].
Chemikalien, Mischungen und Epigenetik
Färöer. Petersen 2018 untersuchte 263 junge Färöer (24 bis 26 Jahre): PCB-Summe und PFOS waren positiv mit SHBG und LH assoziiert, PCB auch mit Gesamttestosteron, gedeutet als mögliche Leberwirkung (SHBG) und möglicher Effekt auf Leydig-Zellen (LH); die Exposition ist hier die aktuelle, nicht die pränatale [s118]. Perry 2026 untersuchte 96 Männer (22 bis 24 Jahre) mit Organochlorverbindungen und PFAS in Nabelschnurblut und Serum im Alter von 7, 14 und 22 Jahren: Höhere Organochlorwerte gingen mit einem höheren Anteil von Spermien mit Chromosomendisomien einher; PCB im Nabelschnurblut vor allem mit einem zusätzlichen Y-Chromosom (p = 0,006), PFAS im Erwachsenenalter durchgehend mit XX18- und YY18-Disomien (p < 0,05) [s13]. Schwäche: kleine Stichprobe, PFAS-Befund betrifft die Erwachsenenkonzentration.
Kopenhagen. Holmboe 2022 (101 Männer): höheres fetales BPA ging mit höherem LH einher (oberstes gegenüber unterstem Tertil 33 %; Intervall 10 % bis 62 %), kein klarer Zusammenhang mit Gesamttestosteron [s76]. Für Phthalate siehe Henriksen im englischen Abschnitt [s60].
Westaustralien. Hart 2018 (Raine-Kohorte, 705 Männer, davon 136 mit Sperma und mütterlichem Serum, Alter 20 bis 22 Jahre): BPA war in 89 % der mütterlichen Proben nachweisbar; das mütterliche Serum-BPA (gepoolt aus den Schwangerschaftswochen 18 und 34) war nach Adjustierung positiv mit Spermienkonzentration und Beweglichkeit korreliert (r = 0,18; p = 0,04 für beide), andere Zusammenhänge zeigten sich nicht [s111]. Die Richtung ist entgegen der Erwartung. Das französische Dokument vermerkt, das Abstract lasse die Richtung offen; ein ergänzender Europa-PMC-Abruf für dieses Kapitel bestätigt die Formulierung „significantly correlated“ mit r = 0,18 und die Deutung als positive Korrelation.
Mischungsbewertung [s77]. Kortenkamp und Kollegen summierten in einer Hazard-Index-Rechnung 29 Chemikalien (Androgenrezeptor-Antagonisten, Störer der Prostaglandinsignale, Hemmer der Testosteronsynthese). Für neun gemeinsam gebiomonitorte Stoffe (Bisphenole A, F, S, die Phthalate DEHP, DnBP, BBzP, DiNP, n-Butylparaben und Paracetamol) überschritten hoch exponierte Personen den Indexwert 1 um mehr als das 100-Fache, der Median um das 17-Fache; die übrigen 20 Stoffe fügten bei medianer Belastung einen Index von 1,39 hinzu. Es ist eine Modellrechnung auf Basis von Referenzdosen, keine Beobachtung an Menschen mit gemessener Samenqualität.
DES-Studien im deutschen Dokument. Zusätzlich zu den US-Kohorten nennt das deutsche Dokument die finnische Registerkohorte von Hemminki (1.888 in utero gegenüber Östrogen- und Gestagenpräparaten Exponierte, 2.044 Kontrollen, 1954 bis 1963), in der exponierte Männer in den meisten Zielgrößen keine Unterschiede zeigten [s207], und die französische Befragung von 759 Töchtern pränatal exponierter Frauen und Männer (erhöhte uterine Fehlbildungen bei normaler Infertilitätsrate; bei Töchtern pränatal exponierter Männer genitale Anomalien im Normbereich) [s102]. Die Übersicht von Guzmán und Zambrano beschreibt das Bild der „DES-Söhne“ als TDS-ähnlich; diese Aussage steht in der Übersicht, nicht in einer abgerufenen Primärstudie mit Samenanalysen [s190].
Väterliche und transgenerationale Aspekte. Ouko 2009 zeigte bei männlichen Freiwilligen zunehmende Demethylierung an zwei imprinteten Loci (H19 und IG-DMR) mit steigendem Alkoholkonsum, signifikant am IG-DMR zwischen Nicht-Trinkern und stark Trinkenden; das ist ein Befund an Spermien-DNA des Mannes selbst, nicht an seinen Söhnen [s182]. Tiermodelle: väterlicher Alkohol veränderte bei Ratten die Methylierung des Cacna1c-Promotors in Spermien und Mesenterialarterien der Nachkommen [s28]; kombinierte väterliche Exposition gegenüber Nicotin, Ethanol und Koffein führte zu verminderter Spermienqualität des Vaters, Wachstumsretardierung und Organdysfunktion der Feten [s78]; perinatale Nicotinexposition veränderte die Spermien-RNA der männlichen F1-Ratten (Rosiglitazon schwächte den Effekt ab) [s84]; multigenerationale Uranexposition veränderte das Spermienmetabolom über drei Generationen [s73]; neonatales DES führte bei Mäusen zu verminderter Spermienzahl, gestörter Spermatogenese und tumorartigen Veränderungen bei 9 von 10 Tieren [s97]. Eine Übersicht zu väterlichen Effekten nennt epigenetische Signaturen, oxidativen Stress, Zytokine und das Samenmikrobiom als Mechanismen [s55]; eine Übersicht zu hormonell wirksamen Stoffen und männlicher Fertilität stellt fest, dass Effekte väterlicher Exposition auf die nächste Generation und teils darüber hinaus in Tiermodellen belegt sind [s18]. Beim Menschen sind belastbare Daten zu transgenerationaler Vererbung der Spermienqualität nicht gefunden worden.
Zeitlicher Kontext
Das deutsche Dokument gibt die Metaregression von Levine und Kollegen (2023) ausführlich wieder: Steigung im einfachen Modell minus 0,87 Millionen/ml pro Jahr (minus 0,89 bis minus 0,86); im adjustierten Modell minus 1,27 (minus 1,78 bis minus 0,77) bei unselektierten Männern aus Nordamerika, Europa und Australien, minus 0,65 (minus 1,29 bis minus 0,01) bei unselektierten Männern aus Südamerika, Asien und Afrika und minus 0,50 (minus 1,00 bis minus 0,01) bei fertilen Männern aus Nordamerika, Europa und Australien; bei unselektierten Männern aller Kontinente 51,6 % Rückgang der Konzentration und 62,3 % der Gesamtzahl; nach 2000 steilere Steigung (minus 1,73; minus 3,23 bis minus 0,24) und Verdopplung des prozentualen Jahresrückgangs von 1,16 % auf 2,64 % [s63]. Diese Metaregression ist selbst umstritten, weil sie sehr unterschiedliche Studien vergleicht; für die Frage ist sie vor allem Motivation. Im Kontext steht die Kopenhagener Reihe: Das Rauchen erklärt einen messbaren Teil der Variation zwischen Männern, aber nicht das Niveau einer Population [s119].
Besonderheiten des Raums
Eigene Kohorten, Register und Leitlinien zum Thema fehlen im deutschen Raum nach dieser Recherche. Was bleibt, sind die Querschnittsdaten Hamburg und Leipzig, die Schweizer Rekrutenstudie und der Umstand, dass die deutschsprachige Fachöffentlichkeit die Frage über die englische Literatur rezipiert. Das Dokument benennt als Lücke ausdrücklich das Fehlen einer deutschen Geburtskohorte mit prospektiver Erfassung mütterlicher Exposition und Samenanalyse der Söhne.