Androstendion. Ein männliches Geschlechtshormon-Vorstufenmolekül (Androgen) aus Nebenniere und Hoden; in einigen Studien unter Valproat erhöht [s120, s121].
Asthenozoospermie. Verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat.
Azoospermie / Oligozoospermie / Oligoasthenozoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat, verminderte Spermienkonzentration beziehungsweise verminderte Konzentration und Beweglichkeit zugleich.
Antiseizure Medication (ASM) / Antiepileptikum. Arzneimittel, das epileptische Anfälle unterdrückt. Die Bezeichnung „Antiseizure Medication“ wird zunehmend anstelle von „Antiepileptikum“ verwendet [s22].
Apoptose. Programmierter Zelltod; in Tierstudien unter Valproat im Hodengewebe vermehrt beschrieben [s94].
Carnitin. Körpereigener Stoff, der im Energiestoffwechsel von Spermien und Nebenhoden eine Rolle spielt; unter Valproat wurde ein niedrigeres Verhältnis von freiem zu Gesamtcarnitin beschrieben [s117, s86].
Confounding (Störfaktor, Verzerrung durch Drittvariablen). Eine dritte Größe (zum Beispiel Epilepsietyp oder Krankheitsschwere), die sowohl mit der Behandlung als auch mit dem Ergebnis zusammenhängt und einen scheinbaren Zusammenhang erzeugen oder verdecken kann.
Confounding by indication. Spezialfall: Der Grund für die Verordnung (die Indikation) hängt selbst mit dem Ergebnis zusammen, zum Beispiel weil Valproat bei generalisierter Epilepsie, Carbamazepin bei fokaler Epilepsie verordnet wird.
DHEAS (Dehydroepiandrosteronsulfat). Hormonvorstufe aus der Nebenniere; unter Carbamazepin niedriger, unter Valproat in einigen Studien höher [s120, s117].
Disproportionalitätsanalyse. Methode der Pharmakovigilanz, die vergleicht, ob ein Ereignis zu einem Arzneimittel überproportional häufig gemeldet wird; liefert Signale, keine Risikoraten [s16].
EMA, PRAC. Europäische Arzneimittelagentur beziehungsweise deren Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz [s43].
Enzyminduktion. Anregung von Leberenzymen durch Wirkstoffe wie Carbamazepin oder Phenytoin, die den Abbau von Hormonen beschleunigen und die Bindung an SHBG verstärken kann [s116, s102].
FAERS. Das Meldesystem der US-Arzneimittelbehörde FDA für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (FDA Adverse Event Reporting System) [s16, s31]. EudraVigilance ist das europäische Pendant [s06].
Flagellum. Die Geißel des Spermiums, der bewegliche Fortsatz; Anomalien des Flagellums beeinträchtigen die Beweglichkeit. Unter Valproat wurden in einzelnen Studien mehr Flagellum-Anomalien berichtet [s123, s90].
FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon). Hypophysenhormone („Gonadotropine“), die im Hoden die Spermienbildung (FSH) und die Testosteronbildung (LH) steuern.
Hazard Ratio (HR). Verhältnis der Ereignisraten zweier Gruppen über die Zeit; 1 bedeutet kein Unterschied. aHR ist die adjustierte HR, aRR das adjustierte relative Risiko.
Heterogenität (I²). Maß für die Uneinheitlichkeit der Ergebnisse in einer Metaanalyse; I² = 0 Prozent bedeutet keine nachweisbare Uneinheitlichkeit [s02].
Hypothalamisch-hypophysär-gonadale Achse (HPG-Achse). Regelkreis aus Hypothalamus, Hypophyse und Keimdrüsen, der Sexualhormone und Spermienbildung steuert.
IIEF-5. Fragebogen zur Erektionsfunktion (International Index of Erectile Function, Kurzform) [s55, s69].
Histon-Hyperacetylierung, Epigenetik. Valproinsäure erhöhte im Mausmodell die Histonacetylierung im Hoden; dies war mit veränderter DNA-Methylierung der Spermien und Verhaltensänderungen der Nachkommen verbunden [s52, s64]. Epigenetik bezeichnet Veränderungen der Genaktivität ohne Veränderung der DNA-Sequenz.
Intraperitoneal (i. p.). Injektion in die Bauchhöhle; in Tierstudien üblich, beim Menschen nicht vergleichbar.
Konfidenzintervall (KI). Wertebereich, der den wahren Effekt mit der angegebenen Wahrscheinlichkeit (meist 95 Prozent) einschließt. Schließt das Intervall bei Verhältnismaßen die 1 (bei Differenzen die 0) ein, ist der Effekt nicht statistisch signifikant.
Living Meta-Analyse. Metaanalyse, die laufend aktualisiert wird, sobald neue Studien erscheinen [s02].
Metaanalyse. Statistische Zusammenfassung mehrerer Studien zu einer gemeinsamen Effektschätzung.
Morphologie (Spermienform). Anteil normal geformter Spermien; die Grenzwerte hängen von der verwendeten Bewertungsmethode ab [s26, s89].
Motilität / Beweglichkeit, progressive Beweglichkeit. Anteil der beweglichen Spermien beziehungsweise der Spermien, die sich vorwärts bewegen.
NDD (neurologische Entwicklungsstörungen, englisch neurodevelopmental disorders). Oberbegriff für unter anderem Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS, intellektuelle Beeinträchtigung und Tic-Störungen [s12, s05].
Odds Ratio (OR). Verhältnis der Chancen zweier Gruppen; 1 bedeutet kein Unterschied.
Oxidativer Stress. Ungleichgewicht zwischen aggressiven Sauerstoffverbindungen und der antioxidativen Abwehr der Zelle; schädigt unter anderem Zellmembranen (Lipidperoxidation). Hypothese für die Valproat-Wirkung auf Spermien, beim Menschen nicht belegt [s11, s80, s19].
Positivkontrolle. In einer Studie ein Vergleich mit einer Exposition, deren Wirkung bekannt ist, um zu prüfen, ob die Methode einen Effekt überhaupt erkennen kann [s26].
Propensity-Score-Matching. Statistisches Verfahren, das exponierte und nicht exponierte Personen anhand vieler Merkmale einander so zuordnet, dass die Gruppen ähnlich sind [s26].
Prolaktin. Hypophysenhormon; unter Valproat in einzelnen Studien erhöht [s55, s90].
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT). Studie, in der die Teilnehmenden zufällig Behandlungsgruppen zugeteilt werden; für Valproat und Spermienqualität nicht vorhanden [s63].
Regression zur Mitte. Statistischer Effekt: Extreme Messwerte liegen bei Wiederholung im Mittel näher am Durchschnitt, auch ohne Behandlungswirkung; relevant für Vorher-Nachher-Studien mit ausgewählten Patienten [s60].
Reporting Odds Ratio (ROR). Kennzahl der Disproportionalitätsanalyse, die angibt, wie viel häufiger ein Ereignis für ein Arzneimittel gemeldet wird als für alle anderen [s16].
Rote-Hand-Brief. Behördlich abgestimmte Information an Ärztinnen und Ärzte über neue Arzneimittelrisiken [s46].
Sensitivitätsanalyse. Wiederholung der Analyse unter veränderten Annahmen oder mit ausgeschlossenen Gruppen, um zu prüfen, ob das Ergebnis stabil ist [s26].
SHBG (sexualhormonbindendes Globulin). Transportprotein, das Testosteron bindet; ein hoher SHBG-Wert verringert den frei verfügbaren Testosteronanteil [s116, s102].
SMD (standardisierte Mittelwertdifferenz). Effektmaß der Metaanalyse; Unterschied der Mittelwerte in Einheiten der Streuung. Nach einer üblichen Faustregel gilt ein Betrag ab 0,8 als großer Effekt; sie ersetzt nicht die Betrachtung des Konfidenzintervalls [s39, s71].
Spermatogenese. Bildung der Spermien im Hoden; die Behörden betrachten bei der Nachkommen-Frage die drei Monate vor der Zeugung [s43, s46].
Spermiogramm (Samenanalyse). Laboruntersuchung des Ejakulats auf Menge, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Vitalität und Form der Spermien.
Temporallappenepilepsie. Epilepsieform mit Anfallsursprung im Schläfenlappen; in Studien mit niedrigeren Testosteronwerten verbunden [s119, s104].
Testikuläre Hypofunktion / Hodenatrophie. Verminderte Hodenfunktion beziehungsweise Verkleinerung des Hodens; in der Registerstudie als kodierte Diagnosen verwendet [s26].
TriNetX. Netzwerk elektronischer Gesundheitsakten aus über 200 Gesundheitsorganisationen in 19 Ländern, in der Studie von Mbizvo genutzt [s26, s32].
Valproat / Valproinsäure / Natriumvalproat. Breit wirksames Antiepileptikum, auch bei bipolarer Störung und Migräneprophylaxe eingesetzt [s26].
Vitalität. Anteil lebender Spermien im Ejakulat.