Valproat, Antiepileptika und Epilepsie · Kapitel 34 von 35

Glossar

Androstendion. Ein männliches Geschlechtshormon-Vorstufenmolekül (Androgen) aus Nebenniere und Hoden; in einigen Studien unter Valproat erhöht [s120, s121].

Asthenozoospermie. Verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat.

Azoospermie / Oligozoospermie / Oligoasthenozoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat, verminderte Spermienkonzentration beziehungsweise verminderte Konzentration und Beweglichkeit zugleich.

Antiseizure Medication (ASM) / Antiepileptikum. Arzneimittel, das epileptische Anfälle unterdrückt. Die Bezeichnung „Antiseizure Medication“ wird zunehmend anstelle von „Antiepileptikum“ verwendet [s22].

Apoptose. Programmierter Zelltod; in Tierstudien unter Valproat im Hodengewebe vermehrt beschrieben [s94].

Carnitin. Körpereigener Stoff, der im Energiestoffwechsel von Spermien und Nebenhoden eine Rolle spielt; unter Valproat wurde ein niedrigeres Verhältnis von freiem zu Gesamtcarnitin beschrieben [s117, s86].

Confounding (Störfaktor, Verzerrung durch Drittvariablen). Eine dritte Größe (zum Beispiel Epilepsietyp oder Krankheitsschwere), die sowohl mit der Behandlung als auch mit dem Ergebnis zusammenhängt und einen scheinbaren Zusammenhang erzeugen oder verdecken kann.

Confounding by indication. Spezialfall: Der Grund für die Verordnung (die Indikation) hängt selbst mit dem Ergebnis zusammen, zum Beispiel weil Valproat bei generalisierter Epilepsie, Carbamazepin bei fokaler Epilepsie verordnet wird.

DHEAS (Dehydroepiandrosteronsulfat). Hormonvorstufe aus der Nebenniere; unter Carbamazepin niedriger, unter Valproat in einigen Studien höher [s120, s117].

Disproportionalitätsanalyse. Methode der Pharmakovigilanz, die vergleicht, ob ein Ereignis zu einem Arzneimittel überproportional häufig gemeldet wird; liefert Signale, keine Risikoraten [s16].

EMA, PRAC. Europäische Arzneimittelagentur beziehungsweise deren Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz [s43].

Enzyminduktion. Anregung von Leberenzymen durch Wirkstoffe wie Carbamazepin oder Phenytoin, die den Abbau von Hormonen beschleunigen und die Bindung an SHBG verstärken kann [s116, s102].

FAERS. Das Meldesystem der US-Arzneimittelbehörde FDA für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (FDA Adverse Event Reporting System) [s16, s31]. EudraVigilance ist das europäische Pendant [s06].

Flagellum. Die Geißel des Spermiums, der bewegliche Fortsatz; Anomalien des Flagellums beeinträchtigen die Beweglichkeit. Unter Valproat wurden in einzelnen Studien mehr Flagellum-Anomalien berichtet [s123, s90].

FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon). Hypophysenhormone („Gonadotropine“), die im Hoden die Spermienbildung (FSH) und die Testosteronbildung (LH) steuern.

Hazard Ratio (HR). Verhältnis der Ereignisraten zweier Gruppen über die Zeit; 1 bedeutet kein Unterschied. aHR ist die adjustierte HR, aRR das adjustierte relative Risiko.

Heterogenität (I²). Maß für die Uneinheitlichkeit der Ergebnisse in einer Metaanalyse; I² = 0 Prozent bedeutet keine nachweisbare Uneinheitlichkeit [s02].

Hypothalamisch-hypophysär-gonadale Achse (HPG-Achse). Regelkreis aus Hypothalamus, Hypophyse und Keimdrüsen, der Sexualhormone und Spermienbildung steuert.

IIEF-5. Fragebogen zur Erektionsfunktion (International Index of Erectile Function, Kurzform) [s55, s69].

Histon-Hyperacetylierung, Epigenetik. Valproinsäure erhöhte im Mausmodell die Histonacetylierung im Hoden; dies war mit veränderter DNA-Methylierung der Spermien und Verhaltensänderungen der Nachkommen verbunden [s52, s64]. Epigenetik bezeichnet Veränderungen der Genaktivität ohne Veränderung der DNA-Sequenz.

Intraperitoneal (i. p.). Injektion in die Bauchhöhle; in Tierstudien üblich, beim Menschen nicht vergleichbar.

Konfidenzintervall (KI). Wertebereich, der den wahren Effekt mit der angegebenen Wahrscheinlichkeit (meist 95 Prozent) einschließt. Schließt das Intervall bei Verhältnismaßen die 1 (bei Differenzen die 0) ein, ist der Effekt nicht statistisch signifikant.

Living Meta-Analyse. Metaanalyse, die laufend aktualisiert wird, sobald neue Studien erscheinen [s02].

Metaanalyse. Statistische Zusammenfassung mehrerer Studien zu einer gemeinsamen Effektschätzung.

Morphologie (Spermienform). Anteil normal geformter Spermien; die Grenzwerte hängen von der verwendeten Bewertungsmethode ab [s26, s89].

Motilität / Beweglichkeit, progressive Beweglichkeit. Anteil der beweglichen Spermien beziehungsweise der Spermien, die sich vorwärts bewegen.

NDD (neurologische Entwicklungsstörungen, englisch neurodevelopmental disorders). Oberbegriff für unter anderem Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS, intellektuelle Beeinträchtigung und Tic-Störungen [s12, s05].

Odds Ratio (OR). Verhältnis der Chancen zweier Gruppen; 1 bedeutet kein Unterschied.

Oxidativer Stress. Ungleichgewicht zwischen aggressiven Sauerstoffverbindungen und der antioxidativen Abwehr der Zelle; schädigt unter anderem Zellmembranen (Lipidperoxidation). Hypothese für die Valproat-Wirkung auf Spermien, beim Menschen nicht belegt [s11, s80, s19].

Positivkontrolle. In einer Studie ein Vergleich mit einer Exposition, deren Wirkung bekannt ist, um zu prüfen, ob die Methode einen Effekt überhaupt erkennen kann [s26].

Propensity-Score-Matching. Statistisches Verfahren, das exponierte und nicht exponierte Personen anhand vieler Merkmale einander so zuordnet, dass die Gruppen ähnlich sind [s26].

Prolaktin. Hypophysenhormon; unter Valproat in einzelnen Studien erhöht [s55, s90].

Randomisierte kontrollierte Studie (RCT). Studie, in der die Teilnehmenden zufällig Behandlungsgruppen zugeteilt werden; für Valproat und Spermienqualität nicht vorhanden [s63].

Regression zur Mitte. Statistischer Effekt: Extreme Messwerte liegen bei Wiederholung im Mittel näher am Durchschnitt, auch ohne Behandlungswirkung; relevant für Vorher-Nachher-Studien mit ausgewählten Patienten [s60].

Reporting Odds Ratio (ROR). Kennzahl der Disproportionalitätsanalyse, die angibt, wie viel häufiger ein Ereignis für ein Arzneimittel gemeldet wird als für alle anderen [s16].

Rote-Hand-Brief. Behördlich abgestimmte Information an Ärztinnen und Ärzte über neue Arzneimittelrisiken [s46].

Sensitivitätsanalyse. Wiederholung der Analyse unter veränderten Annahmen oder mit ausgeschlossenen Gruppen, um zu prüfen, ob das Ergebnis stabil ist [s26].

SHBG (sexualhormonbindendes Globulin). Transportprotein, das Testosteron bindet; ein hoher SHBG-Wert verringert den frei verfügbaren Testosteronanteil [s116, s102].

SMD (standardisierte Mittelwertdifferenz). Effektmaß der Metaanalyse; Unterschied der Mittelwerte in Einheiten der Streuung. Nach einer üblichen Faustregel gilt ein Betrag ab 0,8 als großer Effekt; sie ersetzt nicht die Betrachtung des Konfidenzintervalls [s39, s71].

Spermatogenese. Bildung der Spermien im Hoden; die Behörden betrachten bei der Nachkommen-Frage die drei Monate vor der Zeugung [s43, s46].

Spermiogramm (Samenanalyse). Laboruntersuchung des Ejakulats auf Menge, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit, Vitalität und Form der Spermien.

Temporallappenepilepsie. Epilepsieform mit Anfallsursprung im Schläfenlappen; in Studien mit niedrigeren Testosteronwerten verbunden [s119, s104].

Testikuläre Hypofunktion / Hodenatrophie. Verminderte Hodenfunktion beziehungsweise Verkleinerung des Hodens; in der Registerstudie als kodierte Diagnosen verwendet [s26].

TriNetX. Netzwerk elektronischer Gesundheitsakten aus über 200 Gesundheitsorganisationen in 19 Ländern, in der Studie von Mbizvo genutzt [s26, s32].

Valproat / Valproinsäure / Natriumvalproat. Breit wirksames Antiepileptikum, auch bei bipolarer Störung und Migräneprophylaxe eingesetzt [s26].

Vitalität. Anteil lebender Spermien im Ejakulat.

Alle Kapitel und Anhänge (38)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. 2.1 Epilepsie: Definition und Häufigkeit bis 2.5 Definitionen: Fertilität, Infertilität und die Ersatzendpunkte der Studien
  4. 2.6 Historie der Forschungsfrage bis Zusätzlich abgerufene Hintergrundquellen (nicht in der Quellenliste der Gesamtstudie)
  5. Überblick: Was an gepoolter Evidenz vorliegt bis Arora et al. 2025: Stimulanzien und Antiepileptika, systematische Übersicht (Kongressabstract) [s18]
  6. Die Evidenz zu väterlichem Valproat und kindlichen Entwicklungsstörungen: eine Living Metaanalyse und drei Registerstudien mit gepoolten Schätzern und Narrative Übersichtsarbeiten und Literaturübersichten ohne eigene Datenpoolung
  7. Gesamtschau: Was die gepoolte Evidenz trägt
  8. Gegenstand, Auswahlregel und Lesehilfe bis 2. Große Versorgungsdatenstudie zu Valproat und Infertilitätsdiagnosen
  9. 3. Prospektive Kohorten und Vorher-nachher-Studien mit Samenanalyse und 4. Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien mit Samenanalyse
  10. 5. Kontrollierte Studien zu Hormonen und Sexualfunktion und 6. Studien an Kindern und Jugendlichen
  11. 7. Kohortenstudien zu väterlicher Valproat-Exposition und Nachkommen und 8. Übergreifende Einordnung der Beobachtungsstudien
  12. 1. Prospektive Interventions- und Vorher-nachher-Studien am Menschen
  13. 2. Fallserien, Fallberichte und kleine klinische Beobachtungsreihen
  14. 3. Leitlinien, Stellungnahmen und Behördeninformationen
  15. 4.1 Gepoolte Nagerdaten: die präklinische Metaanalyse von Asghar et al. 2024 [s39] bis 4.5 Carbamazepin im Tiermodell
  16. 4.6 Levetiracetam im Tiermodell bis 4.9 Übersicht: Dosen und Übertragbarkeit
  17. 5. Einordnung der Evidenz dieses Kapitels und Lücken und nicht belegbare Punkte dieses Kapitels
  18. 1. Bewertungsraster für die Belegstärke bis 8. Entzündung und programmierter Zelltod
  19. 9. Direkte Schädigung von Hoden und Keimepithel bis 17. Gesamtübersicht: Belegstärke je Wirkweg
  20. 18. Offene Fragen zu den Mechanismen und 19. Grenzen dieses Kapitels
  21. 1. Dosis-Wirkung beim Menschen und 2. Zeitverlauf: Dauer der Einnahme und Verlauf der Befunde
  22. 3. Reversibilität bis 5. Fehlende Daten: eine offene Bestandsaufnahme
  23. 6. Zusammenfassende Bewertung
  24. Englisch und Deutsch
  25. Französisch bis Portugiesisch
  26. Spanisch
  27. Chinesisch
  28. Japanisch bis Russisch
  29. Arabisch und Türkisch
  30. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  31. Limitationen der Evidenz
  32. Offene Forschungsfragen
  33. Praktische Einordnung
  34. Glossar
  35. Quellenverzeichnis
  36. Diagramme
  37. Quellen
  38. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle