Fragestellung und Zielgruppe
Die Studie beantwortet drei getrennte Fragen. Erstens: Was ist über den Einfluss der Epilepsie selbst auf Spermienqualität und Fertilität belegt? Zweitens: Was ist über den Einfluss von Valproat belegt, im Vergleich zu Carbamazepin, Oxcarbazepin, Lamotrigin und Levetiracetam? Drittens, als bewusst abgegrenzte Nachbarfrage: Was ist über die Gesundheit von Kindern nach väterlicher Valproat-Einnahme bekannt, weil genau diese Frage die behördlichen Maßnahmen von 2024 ausgelöst hat und in der öffentlichen Diskussion häufig mit der Spermienqualität vermischt wird? Die Studie richtet sich an Leserinnen und Leser, die die Befunde einordnen wollen. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung. Über Absetzen, Umstellen oder Beibehalten eines Medikaments entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, bei Kinderwunsch gegebenenfalls gemeinsam mit einer reproduktionsmedizinischen oder andrologischen Fachperson. Sätze, die Positionen von Fachgesellschaften oder Behörden wiedergeben, sind als solche gekennzeichnet und mit Quellen belegt; sie sind keine Empfehlung dieser Studie.
Wie recherchiert wurde
Die Recherche wurde am 4. Oktober 2026 durchgeführt und in zwölf Sprachräumen parallel geführt: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. Für jeden Sprachraum entstand ein eigenes Rechercheprotokoll mit eigener Suche, eigener Quellenliste und eigenen Diagrammdaten. Diese zwölf Dokumente wurden anschließend zu einer gemeinsamen Quellenliste mit einheitlichen Kennungen zusammengeführt. Die vorliegende Studie zitiert ausschließlich mit diesen gemeinsamen Kennungen (zum Beispiel [s05] oder [s05, s12]).
Die gemeinsame Liste enthält 137 verschiedene Quellen. Davon haben 107 eine PubMed-Kennung (PMID), 30 nicht: Das sind Leitlinien, Behördenmitteilungen, Rote-Hand-Brief, Pressemitteilungen und Fachpresseartikel, ein Vorabdruck (Preprint) und einige Beiträge aus russisch- und chinesischsprachigen Zeitschriften. 34 Quellen stammen aus den Jahren 2025 und 2026, 39 aus dem Jahr 2010 oder früher; das älteste Dokument stammt von 1991. 56 Quellen wurden von mehr als einem Sprachraum unabhängig gefunden (die Kohortenstudie mit 91.917 exponierten Männern [s26] und die Metaanalyse zu Valproat [s39] in allen zwölf Sprachräumen), 81 nur von einem. Die Zahl der Quellen je Sprachdokument lag zwischen 10 (Koreanisch) und 47 (Deutsch).
Die Suchwege waren, je nach Sprachraum in unterschiedlicher Gewichtung:
- PubMed über die E-Utilities-Schnittstelle mit Kombinationen aus Valproat bzw. Valproinsäure, Carbamazepin, Oxcarbazepin, Lamotrigin, Levetiracetam, antiepileptisch bzw. Antiseizure, Spermien, Sperma, Hoden, männliche Fertilität, väterlich und Epilepsie; teils mit Sprachfilter (deutsch, spanisch, russisch) und mit Filter auf Herkunftsländer der Autoren (zum Beispiel Türkei, China, Taiwan, Ägypten, Iran, Saudi-Arabien).
- Europe PMC für Abstracts, Metadaten und, wo offen zugänglich, Volltexte (zum Beispiel für die Kohortenstudie [s26] der Volltext PMC12436621).
- Offene Websuche in der jeweiligen Landessprache, für Behördenmitteilungen (EMA, BfArM, ANSM, AEMPS, AIFA, PMDA), Leitlinien, Fachgesellschaften, Fachpresse und Pressemitteilungen.
- Gezielte Suche in sprachraumtypischen Quellen, etwa Fachzeitschriften und Repositorien; deren Zugang ist im Abschnitt „Grenzen des Zugriffs und der Prüfung“ beschrieben.
Für dieses Kapitel wurden zusätzlich die Abstracts mehrerer Schlüsselstudien zu den Kindern noch einmal über Europe PMC abgerufen und mit den Zahlen der Sprachdokumente verglichen: die gepoolte nordische Analyse [s21], die dänische Kohorte [s40], die schwedische Kohorte [s62], die schwedisch-norwegische Studie [s12], die norwegisch-taiwanesische Studie [s09], die taiwanesische Studie [s05], die Living Metaanalyse [s02] und die Studie zum genetischen Risikoscore [s28]. Alle in diesem Kapitel genannten Zahlen dieser Studien stimmen mit den abgerufenen Abstracts überein.
Welche Studientypen eingehen und wie die Evidenz eingestuft wird
Es wurden alle Studienarten aufgenommen, die zur Frage etwas beitragen: Metaanalysen und systematische Übersichten, Registerkohorten, prospektive Vorher-nachher-Studien, Querschnitt- und Vergleichsstudien mit Kontrollen, Fallberichte, Pharmakovigilanzanalysen (Spontanmeldesysteme), Tierversuche, Zell- und In-vitro-Studien, narrative Übersichten, Leitlinien, Stellungnahmen von Fachgesellschaften und Behörden sowie Pressemitteilungen und Fachpresse. Die Einträge der gemeinsamen Quellenliste tragen jeweils den Studientyp und, wo verfügbar, die Fallzahl. Pressemitteilungen und Fachpresseartikel werden nur als Hinweis auf Behörden- oder Studienaussagen verwendet, nie als alleiniger Beleg einer Zahl.
Die in diesem Kapitel verwendete Einstufung ist eine redaktionelle Einordnung in vier Stufen, keine formale GRADE-Bewertung:
- hoch: mehrere konsistente, große, gut kontrollierte Studien oder ein Befund, der kaum bestritten ist (zum Beispiel, dass bestimmte Dokumente bestimmte Aussagen enthalten);
- mittel: große Beobachtungsstudien mit nachvollziehbaren Verzerrungsrisiken oder mehrere konsistente kleinere Studien;
- niedrig: kleine Studien, überwiegend Beobachtungsdaten mit unzureichender Kontrolle von Störgrößen, oder Metaanalysen mit sehr wenigen Studien;
- sehr niedrig: Fallberichte, Spontanmeldungen, Tierversuche und In-vitro-Daten, wenn es um Aussagen über Männer geht, sowie Befunde mit widersprüchlichen Ergebnissen.
Die Einstufung gilt jeweils für die konkrete Aussage, nicht für die Studie als Ganzes: Dieselbe Tierstudie kann für die Aussage „Valproat schädigt bei Ratten in hoher Dosis die Spermien“ eine hohe Gewissheit liefern und für die Aussage „dasselbe gilt für Männer unter Therapie“ eine sehr niedrige. Eine Bewertung des Verzerrungsrisikos der Einzelstudien mit standardisierten Instrumenten wurde nicht vorgenommen.
Was die einzelnen Sprachräume beitragen
Die Sprachräume unterscheiden sich stark in dem, was sie beitragen. Eigene Studien zu Spermiogrammen unter Antiepileptika in der jeweiligen Landessprache fehlen in den meisten Räumen; die quantitative Kernevidenz stammt aus englischsprachigen Zeitschriften. Die Sprachräume lieferten dennoch Wichtiges, vor allem zu Regulierung, Leitlinien, regionalen Studien und Tierversuchen:
- Deutsch (47 Quellen): Eine PubMed-Suche mit deutschen Begriffen und Sprachfilter ergab keine einschlägige Primärstudie; die Literaturlage wird als dünn eingestuft. Wichtig sind die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie [s49], die Übersichtsarbeit im Nervenarzt [s104], der Rote-Hand-Brief [s46], die Stellungnahmen der Fachgesellschaften [s42, s23] und die Berichte des Deutschen Ärzteblatts [s03, s04]. Sie behandeln überwiegend das Risiko für Kinder, nicht die Spermienqualität.
- Englisch (37 Quellen): der Hauptteil der Primärstudien (Metaanalysen, Kohorten, Spermiogramm-Studien, Tierversuche) und die EMA-Stellungnahme [s43].
- Französisch (24 Quellen): keine französische Spermiogramm-Studie. Beitrag sind Regulierung und Pharmakoepidemiologie (ANSM, EPI-PHARE, CNAM [s17]), Fachpresse zur französischen Kohorte [s34, s41, s24, s137], eine Übersicht zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen auf die männliche Fertilität [s45] und die Expertenstellungnahme von Teratologen [s44]. Die französische Studie wurde nur über Fachpresse und Behördenmitteilung gelesen, das Original-PDF ließ sich nicht automatisch lesen.
- Italienisch (27 Quellen): eine kleine italienische Querschnittsstudie zur Sexualfunktion [s75], eine Übersicht zum Valproat-Stoffwechsel [s82] und die AIFA-Mitteilungen [s48, s38]. Eine Mitteilung der Lega Italiana contro l'Epilessia war nicht lesbar, ein Artikel von 2012 im Bollettino LICE nur als Literaturangabe sichtbar (Zugriffsfehler 403); beide gehen in keine Aussage ein.
- Spanisch (34 Quellen): keine spanischsprachige Spermiogramm-Studie. Vorhanden sind eine Übersicht zur Sexualfunktion in der Revista de Neurología [s107], pädiatrische Studien aus Valencia [s122] und Medellín [s108], brasilianische Beiträge [s125, s128, s100] und die AEMPS-Mitteilungen [s47, s37]. Eine Mitteilung des Gesundheitsministeriums von Costa Rica war nicht abrufbar (Fehler 403) und wird nicht verwendet.
- Portugiesisch (13 Quellen): eine brasilianische klinische Studie zu Carbamazepin [s89], ein brasilianischer Tierversuch [s20] und ein zweiseitiger Beitrag in der Acta Médica Portuguesa [s14], dessen Inhalt nicht zugänglich war und über den deshalb nichts ausgesagt wird.
- Chinesisch (42 Quellen): mehrere kleine klinische Studien aus China [s55, s70, s90], Metaanalysen mit chinesischer Beteiligung [s71, s39], ein chinesischsprachiger Tierversuch [s88] und eine Studie an Mädchen [s93], die für Männer nicht herangezogen wird. Die chinesischen Datenbanken CNKI und Wanfang waren nicht durchsuchbar; die Literatur ist deshalb als dünn zu bewerten, und die Sammlung ist keine vollständige Bestandsaufnahme der chinesischsprachigen Literatur.
- Japanisch (24 Quellen): Fallberichte und eine Fallserie aus der japanischen Urologie und Neurologie [s105, s114, s115, s132], japanische Tierstudien [s127, s124, s52] und das Dokument der Arzneimittelbehörde PMDA [s136]. Kohorten oder Leitlinien in J-STAGE oder CiNii mit eigenen Spermienzahlen wurden nicht gefunden.
- Koreanisch (10 Quellen): keine koreanische Kohorte oder klinische Studie; gefunden wurde nur eine Arbeit zur Prävalenz behandelter Epilepsie [s92], die Fertilität nicht behandelt, sowie eine ältere In-vitro-Arbeit [s134].
- Russisch (30 Quellen): Übersichten [s98, s83, s68], hormonelle Studien an Jungen [s109, s103], Arbeiten zu Frauen [s126, s110] und eine historische Beobachtung zur Androgentherapie [s135]; keine russischen Spermiogramm-Kohorten. Die Datenbank eLIBRARY.ru war nicht zugänglich.
- Arabisch (25 Quellen): keine arabischsprachige Originalstudie; die regionale Literatur aus Ägypten, Iran und Saudi-Arabien ist durchgehend englischsprachig und in PubMed indiziert [s86, s15, s36, s35, s29, s30]. Die arabischen Datenbanken Arab World Research Source und Al Manhal waren nicht erreichbar.
- Türkisch (22 Quellen): türkische klinische Studien [s69, s78, s91], eine Übersicht in türkischer Sprache [s99] und mehrere türkische Tierversuche [s94, s72, s58]. DergiPark und TR Dizin konnten nicht systematisch durchsucht werden.
Dass keine Studie in einer Landessprache gefunden wurde, beweist nicht, dass es keine gibt. Es heißt nur, dass sie mit den verwendeten Suchwegen nicht auffindbar war.
Grenzen des Zugriffs und der Prüfung
Die Studie beruht überwiegend auf Abstracts. Das ist die wichtigste Einschränkung der gesamten Arbeit. PubMed und PubMed Central waren per automatisiertem Abruf durch Cookie- und reCAPTCHA-Sperren nicht lesbar; Metadaten und Abstracts wurden deshalb über die E-Utilities und über Europe PMC bezogen. Volltexte wurden nur dort gelesen, wo sie frei zugänglich waren: Die Volltexte der großen Kohortenstudie [s26] (über Europe PMC) und der prospektiven Studie [s55] wurden herangezogen, ebenso die Mitteilungen von AEMPS [s37] und PMDA [s136] und das PDF der brasilianischen Tierstudie [s20]. Für viele Studien (unter anderem [s120], [s86], [s89], [s123]) lag nur der Abstract vor. Wo ein Abstract keine Zahl enthielt, wurde keine genannt: So nennt die Metaanalyse ohne Valproat im Abstract keine Effektgrößen [s22], die Übersicht von 2026 keine valproatspezifischen Werte [s07] und die Pharmakovigilanzanalyse keine Konfidenzintervalle [s16].
Weitere Zugriffsgrenzen: Die Cochrane Library, Google Scholar und die Leitlinien von AUA, EAU und ESHRE ließen sich nicht durchsuchen; aus ihnen wird nichts zitiert oder angedeutet. Die Datenbanken CNKI, Wanfang, eLIBRARY.ru, Arab World Research Source, Al Manhal, DergiPark und TR Dizin waren nicht oder nicht systematisch durchsuchbar; französischsprachige Portale (HAL, Cairn, EM-Consulte) wurden nur indirekt über Suchmaschinen und Europe PMC erreicht. Einzelne Dokumente (die LICE-Mitteilung, ein Artikel im Bollettino LICE, eine Mitteilung aus Costa Rica) ließen sich nicht öffnen und gehen nicht in die Aussagen ein. Zwei Arbeiten werden nur erwähnt, nicht ausgewertet: eine Studie zur Umstellung von Valproat (Mbizvo et al. 2024, Brain; nur über die Stellungnahme [s23] bekannt) und die Kurzmitteilung zu Valproat in der psychiatrischen Praxis [s14].
Jedes der zwölf Sprachdokumente enthält ein Prüfprotokoll. Darin wurden, je nach Dokument, zwischen 10 und 37 Literaturquellen auf Existenz, Titel, Autoren, Jahr, Zeitschrift und DOI geprüft und die zitierten Kernzahlen mit den Abstracts verglichen (Deutsch: 17 von 47 Quellen; Portugiesisch: 13 von 13; Spanisch: 13 von 34; Chinesisch: 12; Japanisch: 15 von 24; Koreanisch: 10 von 10; Russisch: 26; Arabisch: 24; Türkisch: 22; Italienisch: 24; Französisch: 13; Englisch: alle Literaturquellen auf Existenz, Kernzahlen zusätzlich verglichen). Die Protokolle berichten wenige Korrekturen (zum Beispiel das Erscheinungsjahr einer Metaanalyse von 2019 auf 2018, Titelangaben und die Korrektur eines Befundes: Levetiracetam senkte in einer Studie die Spermienparameter, statt sie zu verbessern) und keine entfernten Quellen. Nicht geprüft wurden überwiegend die Quellen ohne PMID (Leitlinien, Behörden- und Pressetexte) sowie Detailzahlen, die nur in Volltexten stehen. Eine unabhängige Zweitprüfung aller 137 Quellen gegen die Originale hat nicht stattgefunden.
Umgang mit Zahlen, Titeln und Widersprüchen in den Quellen
Jede Zahl dieses Kapitels steht in den Rechercheunterlagen oder in einem der oben genannten, für dieses Kapitel erneut abgerufenen Abstracts. Es wurden keine Werte aus dem Gedächtnis ergänzt, keine gepoolten Schätzer neu berechnet und keine Intervalle umgerechnet. Die 23 Diagramme der gemeinsamen Datei (Forest-Plots, Balkendiagramme) übernehmen ihre Werte wörtlich aus den Quellen; Maße unterschiedlicher Art (standardisierte Mittelwertdifferenzen, Hazard Ratios, Risikoverhältnisse, Reporting Odds Ratios, Prozentwerte) dürfen nicht miteinander verglichen werden. Originaltitel von Studien bleiben im Original; bei Titeln in anderen Sprachen als Englisch oder Deutsch steht eine deutsche Übersetzung in Klammern.
Beim Zusammenführen der Sprachdokumente fielen Unstimmigkeiten auf, die wie folgt behandelt wurden:
- Die Pressemitteilungen [s32] und [s33] beziehen sich beide auf die Kohortenstudie [s26].
- Einzelne Dokumente führen für die Teilgruppe „nur Epilepsie“ die Hazard Ratio 1,099 als Gesamtmaß; nach der gemeinsamen Quellendatei und dem englischen Dokument ist 1,099 die HR für männliche Unfruchtbarkeit, das Gesamtmaß liegt bei 0,942 (0,849 bis 1,045) [s26]. Hier gilt die gemeinsame Quellendatei.
- Für die Metaanalyse [s39] sind die berichteten P-Werte der Gesamteffekte mit den Konfidenzintervallen nicht ohne Weiteres vereinbar; es werden nur Intervalle verwendet.
- Für [s12] steht der Punktschätzer 1,06 laut Abstract nahe der oberen Intervallgrenze (0,81 bis 1,22); die Zahl wird wortgleich wiedergegeben.
- Einheiten und Basiswerte einzelner Studien ([s55], [s84]) stehen teils nur im Volltext oder in den Diagrammdaten; wo Dokumente angaben, im Abstract seien Einheiten oder Richtung nicht genannt gewesen, wurden die Werte der Diagrammdatei verwendet.
- Der Vorabdruck [s13] ist nicht begutachtet; er wird nur als vorläufige Evidenz genannt.
- Zur Spermienmorphologie wird der Begriff Flagellum verwendet.
Grenzen dieser Studie
Diese Arbeit ist keine systematische Übersicht im Sinne von PRISMA und keine Metaanalyse. Die Auswahl der Quellen war nicht standardisiert, sie hing von Suchmaschinen, Zugriffsmöglichkeiten und der Auswahl der jeweiligen Recherche ab; Publikationsverzerrung ist nicht ausgeschlossen. Individuelle Patientendaten wurden nicht analysiert. Mehrere Studien liegen nur als Abstract vor, einige nur als Presse- oder Behördentext. Für Zahlen aus Presse- und Behördentexten gilt zusätzlich, dass sie nicht gegen die Originalstudie geprüft werden konnten (insbesondere die französische Kohorte [s17, s34]). Auch die Auswahl, welche Befunde ins „Wichtigste in Kürze“ gelangen, ist eine redaktionelle Entscheidung.
Auf der Ebene der Primärstudien gelten Grenzen, die sich durch die gesamte Literatur ziehen: kleine Stichproben (häufig 8 bis 63 Männer), Querschnittsdesigns mit Selektionsverzerrung, Vergleich mit gesunden statt mit unbehandelten Männern mit Epilepsie, Verwechslung von Wirkstoff und Epilepsietyp (Valproat wird bevorzugt bei generalisierten, andere Wirkstoffe bei fokalen Epilepsien eingesetzt), uneinheitliche Spermiogramm-Methoden, Registerdaten mit Ersatzendpunkten und Tierversuche mit teils sehr hohen Dosen. Die Befunde gelten für Gruppen, nicht für den Einzelfall. Eine Aussage darüber, ob ein einzelner Mann unter einem bestimmten Medikament eingeschränkte Spermien oder eine eingeschränkte Fertilität hat, lässt sich aus keiner der Studien ableiten; dazu dient die ärztliche Abklärung, in der Praxis unter anderem ein Spermiogramm.
Wie die weiteren Kapitel anschließen
Die folgenden Kapitel der Gesamtstudie vertiefen die in „Das Wichtigste in Kürze“ zusammengefassten Befunde nach Studientyp, mit Design, Population, Methode, allen berichteten Zahlen sowie Stärken und Schwächen der einzelnen Studien. Dieses erste Kapitel dient der Orientierung: Es nennt, was belegt ist, wie sicher es ist, woher die Aussagen stammen und wo die Lücken liegen.