Dosis. Beim Menschen gibt es für Valproat keine belastbare Dosis-Wirkungs-Aussage. Hinweise auf einen dosisabhängigen Effekt kommen aus einer Querschnittsstudie mit Korrelationen (55 Patienten, nur Abstract) [s86], aus zwei Einzelfällen mit Mehrfachmessungen bei Dosissteigerung bzw. Wiederaufnahme in niedrigerer Dosis [s87, s56] und aus In-vitro-Daten an Spermien mit konzentrationsabhängiger Abnahme der Beweglichkeit im Bereich von 10 bis 100 µM [s11]. Die größte Studie konnte Dosis und Dauer nicht auswerten [s26]. Im Tierversuch hängen Befunde von Dosis und Dauer ab, die Dosen sind aber teilweise ein Mehrfaches der humanäquivalenten Dosis [s127, s97, s26]. Für Levetiracetam gibt es eine moderate Dosiskorrelation (r = 0,41) in einer kleinen Vorher-nachher-Studie [s78].
Zeitverlauf. Die einzige Studie mit Valproat und Vorher-nachher-Messung zeigt nach sechs Monaten signifikante Abnahmen von Konzentration, Gesamtzahl und Vorwärtsbeweglichkeit bei 23 neu diagnostizierten Männern [s55]; bei Männern nach durchschnittlich fast zehn Jahren Behandlung sind die Abweichungen von Kontrollen sehr ausgeprägt, aber ohne Ausgangswerte [s86]. Dazwischen und danach fehlen Längsschnittdaten.
Reversibilität. Eine kleine unkontrollierte Umstellungsserie mit 17 infertilen Männern [s60] und einige Einzelfälle [s87, s56, s130, s115] zeigen Besserungen nach Absetzen oder Wechsel, mit Zeitspannen zwischen einem und neun Monaten und teils Schwangerschaften. Im Tierversuch erholten sich Spermienzahl und Beweglichkeit nach Beendigung der Exposition [s97, s129]. Ob und wie häufig Erholung beim Menschen eintritt, ob sie vollständig ist und ob sie dem Absetzen zuzuschreiben ist, lässt sich nicht beantworten. Zugleich ist bei Umstellungen auf mögliche Folgen außerhalb der Fertilität zu achten, die in einer über Stellungnahmen zitierten Studie berichtet werden [s23].
Subgruppen. Nach Wirkstoff sind Befunde für Valproat und Carbamazepin am häufigsten, für Oxcarbazepin, Levetiracetam und Lamotrigin widersprüchlich oder spärlich. Die Epilepsie selbst ist ein eigenständiger Einflussfaktor: Spermienparameter waren in zwei prospektiven Studien schon vor Behandlung niedriger als bei Gesunden [s70, s55], und die Geburtenrate hängt stark von Schwere, Ursache und Behinderung ab [s118, s67, s131]. Eine Aufschlüsselung nach Indikation (Epilepsie oder bipolar) ergibt in der Großkohorte keinen klaren Unterschied [s26]. Zum Alter liegen für Jungen nur hormonelle Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen vor [s121, s85, s122, s108].
Wie sicher ist das? Insgesamt ist die Evidenz niedrig. Die Befunde gelten für Gruppen und lassen keine Vorhersage für den einzelnen Mann zu. Die Aussagen dieses Kapitels sind keine Therapieempfehlung. Entscheidungen über Dosis, Umstellung oder Absetzen eines Antiepileptikums gehören in die Hand der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes.