Arabisch
Abgrenzung: Was „arabischer Sprachraum“ hier bedeutet. Die kostenpflichtigen arabischen Datenbanken (Al Manhal, Arab World Research Source) wurden nicht ausgewertet, und zwei Seiten arabischer Zeitschriften (irakisches IASJ, ägyptisches EKB) ließen sich wegen eines Verbindungsfehlers nicht laden. Eine Websuche mit arabischen Begriffen lieferte überwiegend englische PubMed-Arbeiten und einen arabischsprachigen Presseartikel. Die Evidenz dieses Abschnitts besteht deshalb aus englischsprachig indizierten Arbeiten aus der Region, und diese Region ist zum größten Teil nicht arabisch: Die Mehrzahl der Studien stammt aus dem Iran (Qom, Shiraz, Kerman, Bandar Abbas, Teheran, Yazd, Isfahan), hinzu kommt eine ägyptische Studie [s074]. Menschliche Primärdaten zum Samenmikrobiom aus Saudi-Arabien, dem Irak, den Golfstaaten oder der Levante wurden nicht gefunden; Treffer aus diesen Ländern waren Tier- oder Vaginalstudien. In der Metaanalyse zu Mycoplasma hominis gehen allerdings Studien aus Tunesien (2), Jordanien (1) und Kuwait (1) ein [s002]. Eine arabischsprachige Primärstudie wurde in keinem Fall zitiert. Das ist eine Lücke der Suche, nicht der Welt.
Das methodische Grundmuster der Region. Anders als in China (Sequenzierung) und Russland (Hodengewebe) dominieren hier Kultur und PCR auf bekannte Erreger an Ejakulat von Paaren mit Kinderwunsch. Gefragt wird nicht, wie die Gemeinschaft insgesamt aussieht, sondern ob ein bestimmter Erreger vorliegt und die Spermienwerte verändert. Das erklärt, warum hier Staphylococcus aureus, Escherichia coli und Enterococcus faecalis (Kultur) bzw. Ureaplasma, Chlamydia und Mycoplasma (PCR) im Vordergrund stehen.
Infektionsstudien im Einzelnen
Berjis et al. 2018, Qom, Iran [s105]. Originaltitel: Seminal infection among infertile males in Qom, Iran. 150 unfruchtbare Männer mit auffälligen Samenparametern wurden mit 150 gesunden fertilen Männern (Vaterschaft in den letzten drei Jahren; normaler Karyotyp, keine anatomischen Probleme) verglichen; mediane Dauer der Unfruchtbarkeit 3,75 Jahre (3 bis 7). Das Ejakulat wurde auf Agar und Eosin-Methylenblau-Platten kultiviert (über Nacht bei 37 °C mit 5 % CO₂), die Keime über Gramfärbung, Katalase und Koagulase bestimmt. 63 der 150 unfruchtbaren Männer (21 %) hatten ein positives Ergebnis. Unter den 63 Isolaten waren Staphylococcus aureus 39 (61,9 %), koagulasenegative Staphylokokken 9 (14,28 %), Streptokokken 9 (14,28 %) und Escherichia coli 6 (9,52 %). Die Kontrollen hatten Volumen 4,08 ± 0,45 ml, Konzentration 45,56 ± 11,65 × 10⁶/ml, Motilität 56,66 ± 8,49 % und normale Morphologie 18,46 ± 4,89 %; unfruchtbare Männer mit Bakterien lagen bei 3,14 ± 0,39 ml, 32,21 ± 8,41 × 10⁶/ml, 54,32 ± 4,71 % und 16,25 ± 3,08 %. Verglichen mit den Kontrollen waren Konzentration (P = 0,032) und Volumen (P = 0,003) signifikant niedriger, Morphologie (P = 0,621) und Motilität (P = 0,492) nicht. Nach Erregern getrennt senkten laut Abstract alle nachgewiesenen Bakterien außer Streptokokken die Konzentration, Escherichia coli und Staphylococcus aureus die normale Morphologie, und die Motilität war nur bei Escherichia-coli-Proben signifikant niedriger. Die Anzahl der Keimträger in der Kontrollgruppe wird nicht beziffert. Eine formale Liste von Einschränkungen enthält die Arbeit nicht; die Autoren sagen, die klinische Bedeutung von Bakterien im Samen bleibe unklar und der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang sei weiter umstritten.
Eini et al. 2021, Bandar Abbas, Iran [s088]. Originaltitel: Effect of bacterial infection on sperm quality and DNA fragmentation in subfertile men with leukocytospermia. Die Studie (Oktober 2018 bis Januar 2020, Fertilitätszentrum eines Krankenhauses der Maximalversorgung) umfasste 172 subfertile Männer und 35 fertile Kontrollen. Aufgenommen wurden Männer von Paaren mit mehr als einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch und mindestens einem Samenparameter unter dem WHO-Referenzwert (2010), mit Leukozytenzahl ≥ 1 × 10⁶/ml oder mit Hinweis auf Infektion; Leukozytospermie war definiert als mehr als 1 × 10⁶ polymorphkernige Zellen je ml. Bei 60 der 172 Männer (34,88 %) war die Kultur mit einer Bakterienart positiv, bei weiteren 6 (3,48 %) mit mehreren Arten; die Artenanteile der 60 Einzelisolate waren Enterococcus faecalis 25 % (15), Streptococcus agalactiae 16,66 % (10), Escherichia coli 16,66 % (10), Staphylococcus haemolyticus 11,66 % (7), Staphylococcus aureus 8,33 % (5), Proteus 6,66 % (4) und Klebsiella pneumoniae 5 % (3). Infizierte gegen nicht infizierte subfertile Männer: Konzentration 24,84 ± 15,93 gegenüber 33,04 ± 11,60 × 10⁶/ml, Motilität 24,04 ± 11,82 gegenüber 31,71 ± 11,09 %, Morphologie 1,75 ± 1,13 gegenüber 2,83 ± 1,32 %, Vitalität 55,91 ± 13,56 gegenüber 67,67 ± 16,62 %, DNA-Fragmentierung 42,21 ± 19,31 gegenüber 23,50 ± 12,81 % und Leukozyten 5,42 ± 5,49 gegenüber 4,12 ± 3,80 × 10⁶/ml (alle Unterschiede mit P < 0,05, bei Motilität, Morphologie und Leukozyten teilweise P < 0,01). DNA-Fragmentierung und Leukozytenzahl hingen mit R² = 0,23 zusammen (P < 0,0001). Als Einschränkungen nennen die Autoren mögliche Verunreinigung durch Hand- oder Penishautflora, die Unfähigkeit der Routinekultur, Chlamydia trachomatis, Mykoplasmen und Ureaplasmen zu erfassen, und zu kleine Proben für weitere Messungen (ROS, PCR). Hier zeigt sich eine große Differenz der DNA-Fragmentierung (rund 19 Prozentpunkte); sie ist eine Assoziation, nicht der Nachweis, dass die Bakterien sie verursachen, und die Leukozytenzahl ist ein naheliegender gemeinsamer Faktor.
Asgari et al. 2025, Shiraz, Iran [s034]. Originaltitel: Ureaplasma urealyticum and Enterococcus faecalis in seminal fluid, Shiraz, Iran. In dieser PCR-Studie wurden 80 unfruchtbare und 80 fertile Männer verglichen (nur Abstract zugänglich). Die Bakteriospermie war bei Unfruchtbaren häufiger (P < 0,05); am häufigsten war Ureaplasma urealyticum (7,5 %; P < 0,05) vor Enterococcus faecalis (6,25 %; P > 0,05); Streptococcus agalactiae fand sich in keiner auffälligen Probe. Ureaplasma urealyticum beeinflusste Motilität und Morphologie signifikant, Enterococcus faecalis und Streptococcus agalactiae nicht. Das Volumen unterschied sich nicht, wohl aber Morphologie, Konzentration und Gesamtmotilität zwischen den Gruppen (P < 0,001).
Heidari Pebdeni et al. 2021, Kerman, Iran [s090]. Originaltitel: Bacteriospermia and its association with seminal parameters. 200 Proben (100 unfruchtbare, 100 fertile Männer), PCR auf Ureaplasma-Arten, Ureaplasma urealyticum, Ureaplasma parvum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium und Chlamydia trachomatis. 61 % der Proben (122 von 200) waren positiv. Chlamydia trachomatis fand sich bei 9 unfruchtbaren und 0 fertilen Männern (P < 0,001), Mycoplasma genitalium bei 14 gegenüber 2 (P < 0,001); Mycoplasma hominis bei 7 unfruchtbaren und 16 fertilen Männern (P = 0,07), Ureaplasma-Arten bei 41 gegenüber 33 (P = 0,31), Ureaplasma parvum bei 24 gegenüber 16 (P = 0,22) und Ureaplasma urealyticum bei 2 gegenüber 3. Die Unfruchtbaren hatten im Mittel niedrigere Werte: Volumen 2,74 ± 1,42 gegenüber 3,69 ± 1,88 ml, Konzentration 51,98 ± 47,37 gegenüber 65,55 ± 30,39 × 10⁶/ml (P = 0,01), Vitalität 44,04 ± 18,64 gegenüber 73,14 ± 10,07 %, progressive Motilität 16,93 ± 11,50 gegenüber 45,81 ± 15,05 %. Innerhalb der Unfruchtbaren war die progressive Motilität bei Mycoplasma genitalium (22 gegenüber 33 %; P = 0,04) und Chlamydia trachomatis (15,67 gegenüber 32,27 %; P = 0,03) niedriger, bei Chlamydia trachomatis auch die Vitalität (22 gegenüber 63,5 %; P = 0,03); bei Mycoplasma hominis war das Volumen kleiner (2,8 gegenüber 3,27 ml; P = 0,03) und bei Ureaplasma parvum der Anteil normaler Formen (67,5 gegenüber 84,7 %; P = 0,02). In der logistischen Regression ergab sich für Mycoplasma genitalium ein Odds Ratio von 8,064 (95-%-KI 1,7 bis 37; P < 0,001) und für Chlamydia trachomatis 16,027 (95-%-KI 1,67 bis 153.179; P = 0,01). Das Konfidenzintervall der Chlamydien-Schätzung ist extrem breit, weil es 0 fertile Träger gab; die Zahl zeigt eine Richtung, aber keinen verwertbaren Punktschätzer. Auffällig ist außerdem das Odds Ratio von 0,274 (95-%-KI 0,090 bis 0,932; P = 0,02) für Mycoplasma hominis: Es liegt in der schützenden Richtung, weil der Erreger bei den fertilen Kontrollen häufiger war. Das widerspricht dem Bild aus der Metaanalyse [s002] und der Studie von Dehghan [s076]. Die Autoren nennen als Einschränkung, dass die Keimlast nicht bestimmt wurde. Die Autoren empfehlen, Chlamydia trachomatis und Mycoplasma genitalium bei der Abklärung zu berücksichtigen; das ist ihre Aussage.
Dehghan et al. 2022, Iran [s076]. Originaltitel: Effects of CT, MH and UU loads on semen. 130 Samenproben (unfruchtbar und fertil; mittleres Alter 35,2 ± 6,8 Jahre), quantitative Echtzeit-PCR. Die Häufigkeit von Chlamydia trachomatis, Mycoplasma hominis und Ureaplasma urealyticum betrug bei Unfruchtbaren gegenüber Fertilen 9,2 % gegenüber 3,1 %, 15,4 % gegenüber 3,1 % und 15,4 % gegenüber 3,1 %. Die mittleren Keimlasten bei Unfruchtbaren lagen bei 6,44 log₁₀ Kopien/ml (Bereich 5,31 bis 7) für Chlamydia trachomatis, 4,24 (3,37 bis 4,7) für Mycoplasma hominis und 6,94 (5,08 bis 8,69) für Ureaplasma urealyticum und waren signifikant höher als bei Fertilen. Die Lasten von Chlamydia trachomatis und Ureaplasma urealyticum hingen mit Samenparametern zusammen, die von Mycoplasma hominis nur mit Motilität, Morphologie und Leukozytenzahl. Die Autoren schließen, dass fehlende klinische Zeichen nichts über die Samenqualität aussagen.
Shash et al. 2023, Kairo, Ägypten [s074]. Originaltitel: Bacteriospermia and semen parameters among infertile Egyptian men. Die prospektive Fall-Kontroll-Studie (Juni 2021 bis Februar 2022, Andrologie-Ambulanz der Cairo-Universitätskliniken) verglich 34 Samenproben mit Bakterien und 34 ohne. Einschluss: Männer von 20 bis 50 Jahren mit Partnerinnen unter 30 Jahren mit regelmäßigem Zyklus und normalem Hormonprofil; ausgeschlossen wurden Varikozele, genetische und endokrine Störungen, Hodenversagen, erektile Dysfunktion, Raucher und Antibiotika-Anwender. Kultur auf Blut- und MacConkey-Agar innerhalb von drei Stunden; als signifikant galten Isolate mit über 10³ KbE/ml, die Empfindlichkeit wurde nach Kirby-Bauer geprüft. Gruppe mit Bakterien gegen Kontrollen: progressive Motilität 8,24 ± 9,45 gegenüber 16,91 ± 10,87 % (P = 0,001), nichtprogressive 26,32 ± 15,54 gegenüber 34,12 ± 13,68 % (P = 0,032), Gesamtmotilität 34,56 ± 20,61 gegenüber 51,03 ± 17,96 % (P = 0,001), normale Formen 27,44 ± 21,23 gegenüber 40,44 ± 10,69 % (P = 0,002); Volumen (2,90 gegenüber 3,10 ml; P = 0,278) und Gesamtzahl (53,43 gegenüber 52,21 × 10⁶; P = 0,894) unterschieden sich nicht. Ein auffälliger Befund lag bei 64,71 % gegenüber 35,29 % vor (P = 0,015). Die Isolate waren Staphylococcus aureus 67,6 %, Escherichia coli 14,7 %, Klebsiella 11,8 % und Enterococcus faecalis 5,9 %. 78,3 % der Staphylococcus-aureus-Isolate waren methicillinresistent (MRSA); die Empfindlichkeit betrug für Linezolid 95,7 %, Cotrimoxazol und Doxycyclin 78,3 %, Gentamicin 65,2 %, Ciprofloxacin, Levofloxacin und Ofloxacin 60,9 %, Clindamycin 47,8 %, Penicillin und Cefoxitin 21,7 % und Erythromycin 17,4 %. MRSA war mit niedrigerer progressiver Motilität (P = 0,018) und weniger normalen Formen (P = 0,043) gegenüber den Kontrollen verbunden. Die Autoren nennen die kleine Stichprobe und das Fehlen einer Kontrollgruppe für die DNA-Fragmentierungsanalyse; Ureaplasma, Mykoplasmen und Chlamydia trachomatis wurden nicht untersucht, und es gibt keine Verlaufsdaten nach Behandlung. Die Resistenzzahlen beschreiben nur diese 34 Proben und sind keine Behandlungsgrundlage.
Weitere regionale Studien. Das arabische Dokument führt auch eine marokkanische Studie mit 2.371 Samenproben unfruchtbarer Männer zu Chlamydia trachomatis und eine türkische Sequenzierstudie an adipösen Männern auf; beide sind in der Master-Quellenliste nicht geführt und werden deshalb hier nicht ausgewertet.
Metaanalysen mit regionaler Aussage
Mycoplasma hominis, Boujemaa et al. 2026 [s002]. Originaltitel: Impact of Mycoplasma hominis on sperm quality. Die Metaanalyse (Health Science Reports; Datenbanken bis 31. Oktober 2025; 1.138 Treffer, nach Entfernung von Dubletten und Screening 168, 11 eingeschlossen) umfasste 20.797 unfruchtbare Männer, von denen 881 (4,23 %) Mycoplasma hominis trugen. Länder: China (3 Studien), Tunesien (2), Jordanien, Kuwait, Korea, Brasilien, Argentinien, Indien (je 1). Die gepoolten SMD (95-%-KI; I²) waren: Konzentration −0,815 (−1,314 bis −0,317; P = 0,001; 94 %), progressive Motilität −0,360 (−0,683 bis −0,037; P = 0,03; 82 %), Vitalität −0,831 (−1,410 bis −0,253; P = 0,005; 85 %), normale Morphologie −0,631 (−1,178 bis −0,083; P = 0,02; 92 %), pH-Wert +0,586 (0,167 bis 1,006; P = 0,006; 72 %); nicht signifikant waren Volumen (−0,083), Gesamtzahl beweglicher Spermien (−0,294) und Leukozytenkonzentration (+0,130). Für die regionalen Unterschiede ist wichtig: Bei der Konzentration lag der Effekt in Asien (7 Studien) bei SMD −0,131 (P = 0,01; I² 61 %), in Afrika (2 Studien) bei −2,809 (P < 0,001; I² 98 %) und in Südamerika (2 Studien) bei −0,089 (P = 0,59; I² 0 %); der Unterschied zwischen den Gruppen war signifikant (P < 0,001). Nach Nachweisverfahren: PCR (7 Studien) −1,213 (P = 0,03; I² 95 %), Kultur (3 Studien) −0,342 (P = 0,12; I² 77 %), Hybridisierung (1 Studie) −0,142; Unterschied zwischen den Gruppen P < 0,001. Kohortenstudien (8) ergaben −1,016 (P = 0,002), Querschnittsstudien (3) −0,190 (P = 0,42; Unterschied P = 0,04). Die Qualität (Newcastle-Ottawa) war bei 3 Studien gut und bei 8 mäßig; der Egger-Test ergab P = 0,10. Die Autoren nennen die erhebliche Heterogenität, das Beobachtungsdesign, kleine Stichproben, Koinfektionen und unterschiedliche WHO-Ausgaben und Antibiotikaexposition. Der „Afrika“-Wert beruht auf nur zwei Studien mit I² 98 % und ist keine regionale Aussage; Region, Verfahren und Studiendesign sind hier nicht voneinander zu trennen.
Genitale Infektionen insgesamt, Campbell et al. 2026 [s004]. Originaltitel: Impact of male genital tract infections on semen quality. Die Metaanalyse (Fertility and Sterility; PubMed, Web of Science, Embase) schloss 51 Studien in die qualitative und 35 in die quantitative Auswertung ein. Gepoolt waren niedriger: Volumen (mittlere Differenz −0,37 ml; 95-%-KI −0,64 bis −0,09), Konzentration (−6,65 Mio/ml; −11,17 bis −2,14; I² 90 %), progressive Motilität (−5,93 Prozentpunkte; −9,07 bis −2,78), Gesamtzahl (−47,15 Mio; −91,42 bis −2,88) und Morphologie (−0,76 Prozentpunkte; −1,19 bis −0,33). Gesamtmotilität, Vitalität und DNA-Fragmentierungsindex unterschieden sich nicht signifikant. HPV-Infektion war mit einer erhöhten Prävalenz von Spermien-Antikörpern verbunden (Odds Ratio 10,63; 1,49 bis 75,93), Hepatitis B mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko; Schwangerschafts- und Lebendgeburtsraten unterschieden sich überwiegend nicht, die ART-Ergebnisse waren begrenzt und nicht signifikant. Die Heterogenität war in allen Ergebnissen erheblich; Effekte zeigten sich vor allem bei unfruchtbaren Populationen. Hier sind die Effekte klein bis mäßig und die Intervalle zum Teil breit.
Probiotika-Studien der Region
Gholipour et al. 2026 [s007]. Originaltitel: Probiotics Outperform Antioxidants in Improving Semen Parameters of Men with Idiopathic Oligoasthenoteratozoospermia: A Randomized Controlled Trial. In dieser dreifach verblindeten, randomisierten, placebokontrollierten Studie in zwei iranischen Zentren (Yazd 63 Männer, Isfahan 47; Juli 2021 bis April 2022) erhielten 110 Männer unter 45 Jahren mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (Konzentration < 15 × 10⁶/ml, normale Morphologie < 4 %, Motilität A+B+C < 40 %; mittleres Alter 34,3 ± 4,5 Jahre) drei Monate lang entweder das Probiotikum Familact (zwei Kapseln täglich; Lactobacillus casei, L. rhamnosus, L. acidophilus, L. bulgaricus, Streptococcus thermophilus, Bifidobacterium longum, B. breve; KbE im Manuskript nicht genannt), das Antioxidans-Präparat Sperigen (B-Vitamine, Vitamin A, C, E, Selen, Zink, Glutathion, L-Carnitin, L-Arginin, Coenzym Q10 u. a.) oder Placebo. Die Gruppen umfassten 38 (Antioxidans), 35 (Probiotikum) und 37 (Placebo) Männer. Die Compliance betrug 94,9 %, 97,2 % und 92,7 % (Placebo, Probiotikum, Antioxidans). Die angepassten Mittelwerte (± Standardfehler) nach drei Monaten lagen für Antioxidans, Probiotikum und Placebo bei: Konzentration 8,55 ± 1,07, 10,42 ± 1,11 und 4,91 ± 1,08 × 10⁶/ml (Ausgangswert Probiotikum 5,13 ± 0,52), Motilität 26,58 ± 3,58, 46,65 ± 3,73 und 22,75 ± 3,67 % (Ausgang 23,54 ± 2,08), Morphologie 2,21 ± 0,20, 4,31 ± 0,21 und 1,52 ± 0,20 % (Ausgang 1,60 ± 0,15), Volumen 4,09, 4,11 und 3,60 ml. Die Wechselwirkungen von Zeit und Gruppe waren für Konzentration P = 0,003, Motilität P < 0,001 und Morphologie P < 0,001, für das Volumen P = 0,71. Die im Abstract genannten Zahlen (10,42; 46,65; 4,31) sind also Gruppenmittelwerte nach drei Monaten, keine Differenzen; die Probiotika-Gruppe lag bei Motilität (P = 0,009) und Morphologie (P < 0,001) über der Antioxidans-Gruppe. Ein Teilnehmer der Probiotika-Gruppe brach wegen Blähungen ab. Schwangerschaften wurden nicht erfasst. Die Autoren nennen die kurze Dauer, nicht erfasste Hormone, DNA-Fragmentierung und antioxidative Kapazität, keine Daten zu Fruchtbarkeitsraten oder Erfolg assistierter Verfahren und zur Dauer der Wirkung nach Absetzen sowie begrenzte Übertragbarkeit auf andere Produkte. Einordnung: Die Ausgangskonzentration war sehr niedrig (rund 5 Mio/ml), die absoluten Werte nach Behandlung bleiben weit unter dem Referenzbereich der WHO; der Studie fehlt eine Aussage zu Schwangerschaft.
Asadi et al. 2023 [s064]. Originaltitel: Effects of probiotic supplementation on semen parameters after varicocelectomy: a randomized controlled trial. Diese doppelblinde, randomisierte Studie schloss 78 Männer nach mikrochirurgischer subinguinaler Varikozelenoperation (links) ein (90 aufgenommen, 9 zogen sich zurück, 3 gingen verloren; 38 Probiotikum, 40 Placebo). Die Randomisierung erfolgte einfach per Tabellenkalkulation mit geraden und ungeraden Zufallszahlen, die Zuteilung wurde mit verschlossenen Umschlägen verborgen, das Placebo glich FamiLact in Form und Farbe. Zwei Kapseln täglich über drei Monate enthielten L. rhamnosus, L. casei, L. bulgaricus, L. acidophilus, B. breve, B. longum und S. thermophilus mit 10⁹ KbE je Kapsel plus Fructooligosaccharid. Ausgangswerte (Placebo gegen Probiotikum): Volumen 3,3 gegenüber 3,0 ml, Konzentration 18,0 gegenüber 16,3 × 10⁶/ml, Motilität 28,2 gegenüber 27,7 %, normale Morphologie 8,0 gegenüber 9,0 %. Nach drei Monaten: Konzentration 21,1 (Placebo) gegenüber 33,7 × 10⁶/ml (Probiotikum; P = 0,046), normale Morphologie 12,0 gegenüber 15,0 % (P = 0,016), Motilität 34,2 gegenüber 43,0 % (P = 0,177), Volumen 3,4 gegenüber 3,9 ml (P = 0,897). DNA-Fragmentierung wurde nicht gemessen, eine Schwangerschaft nicht erfasst. Ein Teilnehmer brach wegen Blähungen ab. Die Autoren nennen fehlende Hormon-, DNA-Fragmentierungs- und Antioxidans-Messungen, die kurze Dauer und die fehlende Übertragbarkeit auf andere Produkte. Bemerkenswert ist, dass diese Studie bei der Motilität keinen signifikanten Unterschied fand, die Studie von Gholipour dagegen schon; die Populationen unterscheiden sich (nach Varikozelen-Operation gegenüber idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie).
Helli et al. 2022 und die Rückziehung [s079, s021]. Originaltitel: Probiotic effects on sperm parameters, oxidative stress index, inflammatory factors and sex hormones in infertile men (RETRACTED 2026). Die doppelblinde Studie mit 52 Männern (26 je Gruppe; 500 mg Probiotikum täglich über zehn Wochen) berichtete höheres Volumen, höhere Zahl, Konzentration und Motilität sowie höhere antioxidative Kapazität und niedrigeres Malondialdehyd und Entzündungsmarker. Die Zeitschrift Human Fertility hat die Arbeit zurückgezogen [s021]; den Grund konnte die Recherche nicht ermitteln, der Text der Rückzugserklärung war nicht abrufbar. Wegen der Rückziehung wird die Studie hier nicht als Beleg verwendet; sie geht jedoch in die Probiotika-Metaanalyse [s020] ein (siehe das Kapitel zu den Metaanalysen). Eine weitere iranische Studie mit demselben Produkt, Abbasi et al. 2021 (dreifach verblindet, 56 Männer, FamiLact) [s085], und die synbiotische Studie von Zarehoroki et al. 2026 (doppelblind, 73 Männer) [s028] werden in den Kapiteln zu Interventionsstudien behandelt.
Regionale Besonderheit der Probiotika-Evidenz. Gholipour, Asadi, Abbasi, Helli und Zarehoroki sind iranische Studien [s007, s064, s085, s079, s028]. Gholipour und Asadi teilen mindestens zwei Autoren (Gholipour, Rahavian), und FamiLact wurde in drei Studien eingesetzt [s064, s007, s085]. Die Ergebnisse stammen also aus einem engen Umfeld und überwiegend aus einem einzigen Produkt, und eine unabhängige Wiederholung außerhalb dieses Umfelds liegt nicht vor.
Internationale Arbeiten im arabischen Dokument
Das Dokument nutzt zusätzlich internationale Beobachtungs- und Tierstudien, die in anderen Kapiteln besprochen werden: Lundy [s092], Baud [s101, s047], Garcia-Segura [s077], Yang [s099], Campbell 2023 [s065] und Altmäe et al. [s100]. Aus der Paar- und ART-Perspektive nennt es Koort et al.: 97 Paare mit assistierter Reproduktion und 12 gesunde Paare; die ART-Erfolgsrate betrug 53 % bei 15 Paaren mit günstigem Mikrobiom bei beiden Partnern gegenüber 25 % bei den übrigen (P = 0,023; nur Abstract) [s070]; Amato et al.: 23 Paare, Erfolg der intrauterinen Insemination mit vaginaler Lactobacillus-crispatus-Dominanz verbunden (P = 0,0002), keine wesentlichen Unterschiede im Samenmikrobiom [s095]; Mändar et al.: bei 21 Prostatitis-Patienten gegenüber 46 Gesunden waren Laktobazillen bei Gesunden zahlreicher (P = 0,05) [s110] und bei 68 jungen Männern waren Keimdichte und Vielfalt vor dem ersten Geschlechtsverkehr niedriger (P < 0,05; r = 0,54) [s107]. Aus Tiermodellen: Stuhltransplantation hochfetthaltig gefütterter Mäuse verschlechterte Spermatogenese und Motilität [s097]; eine mikrobiomverbessernde Stuhltransplantation hob in fettreich ernährten Mäusen Konzentration (286,1 ± 14,1 gegenüber 217,9 ± 17,4 × 10⁶/ml), Motilität (40,1 ± 0,7 gegenüber 29,0 ± 0,9 %) und Trächtigkeitsrate (87,4 ± 1,1 gegenüber 70,2 ± 6,1 %) [s078]; bei Mäusen mit Triptolid-bedingter Hodenschädigung stellten Spermin, die Übertragung von Mikrobiota oder Parabacteroides distasonis die Hodenfunktion wieder her [s094]; Lactobacillus plantarum TW1-1 schwächte den Phthalat-bedingten Hodenschaden bei Mäusen ab [s103]; und bei Ratten hemmte der vaginale Lactobacillus crispatus Spermienaktivität in vitro und senkte Schwangerschaftsraten [s091]. Bei Regenbogenforellen (48 Männchen, acht Wochen) lagen die höchsten Konzentrations- und Motilitätswerte bei der mittleren Dosis (2 × 10⁹ KbE/kg Futter), nicht bei der höchsten [s063]. Das sind Hinweise auf nichtlineare Dosiswirkungen im Fischmodell und keine Aussage über Menschen.
Widersprüche, Grenzen, offene Fragen
Widersprüche: (1) Chlamydia trachomatis war in der großen Metaanalyse ohne Effekt auf die Samenparameter [s089], zeigte aber in der Kerman-Studie ein Odds Ratio von 16 [s090]. (2) Mycoplasma hominis senkt in der Metaanalyse Konzentration, Motilität, Vitalität und Morphologie [s002] und war bei Dehghan bei Unfruchtbaren häufiger (15,4 % gegenüber 3,1 %) [s076], in Kerman jedoch bei Fertilen häufiger (Odds Ratio 0,274) [s090]. (3) Enterococcus faecalis senkte die Motilität in der Metaanalyse [s089], zeigte aber in Shiraz keinen Effekt [s034]. (4) Das Probiotikum verbesserte die Motilität bei Gholipour [s007], nicht bei Asadi [s064]. (5) Kultur findet überwiegend Staphylococcus aureus und Escherichia coli [s074, s105], PCR findet Ureaplasma, Chlamydia und Mycoplasma [s034, s076, s090]; die Verschiedenheit der „regionalen“ Erregerspektren kann allein am Verfahren liegen. Grenzen: meist kleine, querschnittliche Studien (34 bis 200 Männer), uneinheitliche Definitionen von Bakteriospermie und Fertilität, teils nur Abstracts; die Probiotika-Studien sind kurz, messen Ersatzgrößen und nicht Schwangerschaft; Verunreinigung durch die Hautflora ist nicht auszuschließen. Daten zu Einflüssen wie Beschneidung, Ernährung oder kulturellen Faktoren in der Region liegen nicht vor. Offen: Primärdaten aus den Golfstaaten, dem Irak und der Levante; arabischsprachige Primärliteratur; ob Behandlung von Infektionen oder Probiotika die Schwangerschaftsrate verändert; welche Stämme, Dosen und Dauer maßgeblich wären; ob sich Befunde bei Verfahren mit Keimlast-Messung bestätigen. Das Ergebnis für den Raum: eine belastbare Linie von Infektionsstudien, die eher Hinweise liefern als Beweise, und eine Probiotika-Linie aus wenigen iranischen Studien.
Türkisch
Abgrenzung und Textgrundlage. Gesucht wurde in PubMed und PubMed Central sowie mit türkischen Begriffen („seminal mikrobiyota“, „erkek infertilitesi“, „probiyotik“, „spermatozoa“, „mikrobiyom“) in DergiPark, TR Dizin, der Türk Üroloji Dergisi und Türkiye Klinikleri. Mehrere Quellen waren zum Abrufzeitpunkt nicht lesbar: der TR-Dizin-Eintrag (DNS-Fehler), das Repositorium der Medipol-Universität (HTTP 403), PubMed-Seiten (Cookie-Sperre) und einige PMC-Seiten (reCAPTCHA). In Türk Üroloji Dergisi und Türkiye Klinikleri wurde kein thematisch passender, öffnbarer Artikel gefunden. Aufgenommen wurden nur Quellen, deren Inhalt tatsächlich geöffnet wurde. Das Ergebnis: Eine türkische Kohorte mit Sequenzierung des Samenmikrobioms, die geöffnet und geprüft werden konnte, gibt es in dieser Auswertung nicht. Eigensprachige Beiträge sind zwei Übersichten auf DergiPark, dazu zwei türkische Studien zur Samenqualität im Allgemeinen und zwei türkische experimentelle Arbeiten an Tieren. Das Recherche-Dokument ist daher bewusst kürzer als das Zielvolumen und als „dünne Literaturlage“ markiert. Eine türkische Sequenzierstudie an adipösen Männern (Samsun) liegt im arabischen Recherche-Dokument vor, ist aber in der Master-Quellenliste nicht geführt und wird nicht ausgewertet. Eine türkische Kohorte mit 24.693 Männern (Andrologia), die nur als Suchtreffer erschien, wurde nicht geöffnet und nicht verwendet; ebenso eine Fallserie aus Istanbul zu Hodenbakterien (Seite nicht lesbar).
Türkische Studien zur Samenqualität (ohne Mikrobiom)
Ulubay et al. 2022, Samsun [s083]. Originaltitel: The effect of aging on semen parameters in normozoospermic men: A cross-sectional study. Die retrospektive Querschnittsstudie wertete Daten aus dem Samsun Training and Research Hospital und dem Gazi Hospital in Samsun aus (Januar 2015 bis Juni 2020). Eingeschlossen waren 1.594 Männer mit normalem Spermiogramm bei Kinderwunsch-Abklärung; ausgeschlossen wurden Männer mit pathologischem Spermiogramm, Varikozele, Hodenhochstand oder Hodenhochstand-Operation, anderen Hodenoperationen und Einzelhoden. Die Männer wurden in drei Altersgruppen geteilt: 18 bis 29 Jahre (n = 629), 30 bis 39 Jahre (n = 775) und 40 bis 49 Jahre (n = 190). Die Mediane (Interquartilsbereich) betrugen, in dieser Reihenfolge der Gruppen, für das Volumen 3,1 (2,2 bis 4,1), 2,9 (2,2 bis 3,7) und 2,85 (2,2 bis 3,4) ml (P = 0,001), für die Gesamtzahl 253,9, 239,9 und 225,7 × 10⁶ (P < 0,001), für die Konzentration 82,13, 79,83 und 74,8 × 10⁶/ml (P = 0,003), für die normale Morphologie 17, 14 und 12 % (P < 0,001), für die Gesamtmotilität 58, 55 und 53 % (P < 0,001) und für die progressive Motilität 48, 44 und 41 % (P < 0,001); die nichtprogressive Motilität stieg von 10 über 10 auf 11 % (P = 0,014). Getestet wurde mit Kruskal-Wallis und Bonferroni-korrigierten Mann-Whitney-Tests; eine Regressionsanalyse gab es nicht. Die Autoren nennen als Grenzen das retrospektive Design und dass Rauchen, Infektionen, Hormonspiegel, Ernährung und chronischer Alkoholkonsum wegen fehlender Daten nicht berücksichtigt werden konnten. Ein Mikrobiom wurde nicht gemessen. Für dieses Kapitel ist die Studie nur als Hintergrund wichtig: Das Alter verändert Samenparameter messbar, und in Mikrobiomstudien kann es als Störgröße wirken.
Kervancıoğlu et al. 2012, Bakırköy [s118]. Originaltitel: Results of 15 Years Semen Analysis in a Training Hospital Andrology Laboratory. Die retrospektive Auswertung aus dem Andrologie-Labor der Abteilung für Unfruchtbarkeit des Bakırköy Maternity and Children's Health Education and Research Hospital umfasst den Zeitraum von Januar 1995 bis Juli 2009 mit 9.327 Samenproben von 6.780 Männern (Turkish Journal of Obstetrics and Gynecology). Vor dem Jahr 2000 galt das WHO-Handbuch von 1992, danach das von 1999; die Morphologie wurde nach strengen Kruger-Kriterien beurteilt. Von den 6.780 Patienten waren 35 % normozoosperm, 4 % azoosperm und 57 % teratozoosperm. Die Probenzahl stieg von 293 im Jahr 1995 über 492 (2000), 715 (2002) und 1.217 (2007) auf 1.122 (2008); 2009 waren es bis Juli 634. Der Anteil normozoosperm Befundeter fiel von 1995 bis 1999 und blieb dann stabil, die Oligoasthenoteratozoospermie nahm insgesamt zu, die Azoospermie blieb gleich. Kultur- oder Infektionsdaten enthält die Zusammenfassung nicht, und eine Liste der Einschränkungen ist nicht angegeben. Der hohe Anteil Teratozoospermie (57 %) hängt an der strengen Beurteilung der Morphologie, ist der Zahl nach also kein Maß für „Erkrankung“; und es handelt sich um eine selektierte Klinikpopulation, die nicht auf die Gesamtbevölkerung übertragbar ist. Auch diese Arbeit ist keine Mikrobiomstudie.
Türkische Übersichten
Özyer und Kemaneci 2024 [s057]. Die Übersicht „İnfertiliteye Yeni Bir Bakış Açısı: Mikrobiyota“ (deutsch: Ein neuer Blick auf die Unfruchtbarkeit: Mikrobiota) im Journal der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der İzmir-Katip-Çelebi-Universität (Band 9, Heft 2, Juni 2024) behandelt die Rolle der Darmmikrobiota bei der Hormonregulation, Folgen der Dysbiose für die reproduktive Gesundheit, die weibliche Genitalmikrobiota, die männliche urogenitale Mikrobiota im Zusammenhang mit der Samenqualität und Schwangerschaftskomplikationen. Die Autorinnen halten fest, dass eine Dysbiose der männlichen urogenitalen Mikrobiota Infektionen, eine Abnahme der Spermienqualität und verschiedene Fortpflanzungsstörungen verursachen könne (so ihre Aussage). Sie stützt sich laut dem türkischen Recherche-Dokument unter anderem auf Weng 2014, Lundy 2021, Hou 2013, Maretti und Cavallini 2017 und Valcarce 2017; diese Primärarbeiten wurden für das türkische Dokument nicht geöffnet. Als Hintergrund nennt die Übersicht, dass 10 bis 15 % der Paare unfruchtbar sind. Eigene Daten enthält sie nicht.
Zengin et al. 2026 [s029]. Die Übersicht „From probiotics to postbiotics: microbial approaches in male reproductive health“ (Biological Diversity and Conservation 19(1):99–106; Kütahya University of Health Sciences) beruht auf einer Literatursuche in PubMed, Google Scholar und Scopus zu Probiotika, Postbiotika und Stuhltransplantation bei der männlichen Fortpflanzung (35 Literaturangaben; Projektförderung TÜSEB B-32373). Die Autoren schreiben, ein Ungleichgewicht des Mikrobioms beeinträchtige Spermienproduktion, Testosteronspiegel und Spermienqualität, und mikrobiombasierte Verfahren könnten das mikrobielle Gleichgewicht wiederherstellen, nützliche Mikroorganismen stützen und biologisch aktive Stoffe liefern; sie bezeichnen die Regulierung der Darmmikrobiota als „vielversprechende Strategie“ gegen männliche Unfruchtbarkeit. Das sind Aussagen der Autoren eines Überblicks ohne eigene Daten und ohne Auswertung der Wirksamkeit; sie sind keine Empfehlung dieses Kapitels. Die Kernaussage beider Übersichten ist ein Hypothesenstand: plausibel, nicht belegt.
Türkische Tierversuche
Ömür et al. 2026, Rinderspermien [s019]. Originaltitel: Probiotic Supplementation as an Alternative to Antibiotics in Bovine Sperm Cryopreservation. Das Team der Atatürk-Universität Erzurum (mit Beteiligten der Fırat-Universität Elazığ, der Kafkas-Universität Kars, der Erzincan-Universität und einem Institut in Pakistan) sammelte Ejakulate von Simmental-Bullen (24 Ejakulate von 4 Bullen) und setzte dem Einfriermedium Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus acidophilus oder Bifidobacterium longum als Ersatz für Antibiotika zu. Die Motilität nach dem Auftauen war in den Probiotika-Gruppen signifikant höher als bei den Kontrollen. Bifidobacterium longum senkte Lipidperoxidation und Apoptosemarker, Lactobacillus rhamnosus zeigte dagegen prooxidative Wirkungen, die Antwort ist also stammabhängig. Die Studie beschreibt Kryokonservierung von Bullensperma, keine Behandlung und keine Bakteriospermie, und sie sagt nichts über Männer.
Tas et al. 2026, Typ-1-Diabetes bei der Ratte [s025]. Originaltitel: Probiotic and paraprobiotic intervention modulates testicular DNA methylation in streptozotocin-induced diabetic rats. Forscher der Akdeniz-Universität Antalya (Histologie und Embryologie sowie Lebensmitteltechnik) untersuchten, ob Lactobacillus rhamnosus GG (lebend, Probiotikum) oder abgetötet (Paraprobiotikum) bei Ratten mit Streptozotocin-induziertem Typ-1-Diabetes die DNA-Methylierung im Hoden beeinflusst. Es gab neun Gruppen (Kontrolle, Sham, Diabetes, lebendes LGG allein, Diabetes plus LGG als Therapie, LGG vor Diabetes als Prävention, inaktiviertes LGG allein, Diabetes plus inaktiviertes LGG als Therapie und als Prävention). Im Abstract werden Körper- und Hodengewicht, Spermienmotilität, Testosteron, Histologie, Apoptose, oxidativer Stress, globale DNA-Methylierung und die Expression der DNA-Methyltransferasen DNMT1, DNMT3A und DNMT3B untersucht. Diabetes verschlechterte Blutzucker, Motilität, Histologie und DNMT-Expression, senkte Testosteron und erhöhte oxidativen Stress; in den Probiotika- und Paraprobiotika-Gruppen waren Gewicht und Motilität besser, die Apoptose war in der Diabetes- und der Therapiegruppe erhöht. Zahlen nennt der Abstract nicht. Es ist ein Modell für diabetesbedingte Hodenschäden, keine Studie zur Unfruchtbarkeit des Mannes ohne Diabetes.
Internationale Arbeiten im türkischen Dokument
Mowla et al. 2025 (britische Kohorte) [s043]. Originaltitel: Characterisation and comparison of semen microbiota and bacterial load in men with infertility, recurrent miscarriage, or proven fertility. Das türkische Dokument nutzt die Studie von Mowla et al. (eLife) als wichtigste Mikrobiom-Kohorte, sie stammt jedoch aus London (Imperial College Healthcare NHS Trust und Centre for Reproductive and Genetic Health) und enthält keine türkischen Daten. Prospektive Querschnittsstudie, 223 Männer: gesunde Männer mit bewiesener Vaterschaft (n = 63), Männer mit männlich bedingter Unfruchtbarkeit (n = 58), Partner von Paaren mit wiederholten Fehlgeburten (n = 46) und Partner von Paaren mit ungeklärter Unfruchtbarkeit (n = 56); Alter 18 bis 60 Jahre, BMI unter 35. Sequenziert wurde die V1-V2-Region (Illumina MiSeq); es gab drei Negativkontrollen (Kit und Umgebung) und eine Dekontamination mit dem R-Paket decontam, wodurch 94 Sequenzvarianten ausgeschlossen wurden. Die Proben gruppierten sich in drei Cluster auf Gattungsebene: Streptococcus-dominant (mittlere relative Häufigkeit 23,8 %), Prevotella-dominant (24,4 %) und Lactobacillus/Gardnerella-dominant (35,9 % und 35,6 %); Artcluster gab es nicht. Der Prevotella-Cluster hatte die höchste Reichhaltigkeit (P < 0,001), Alpha-Diversität (P < 0,001) und Bakterienlast (P < 0,0001). Hohe DNA-Fragmentierung und erhöhte reaktive Sauerstoffspezies fanden sich in der Studiengruppe bei jeweils 85 % der Proben, Oligozoospermie bei 79 %. Gesamtzusammensetzung und Bakterienlast hingen nicht mit Spermiogramm, ROS oder DNA-Fragmentierung zusammen; nach Korrektur für multiples Testen blieb nur nicht näher bestimmtes Flavobacterium mit auffälligem Spermiogramm (q = 0,02) und Morphologie (q = 0,01) verbunden. Die Autoren deuten das als vorübergehende Besiedlung statt stabiler Mikrobiota und nennen als Grenzen eine Einzelzentrumsstudie, geringe ethnische Vielfalt, mögliche geographische Variabilität, nicht wirklich universelle Primer, fehlende Daten zur Genitalflora der Partnerin, keine gepaarten Urinproben und fehlende Kovariaten wie Rauchen. Die Studie ist in den Kapiteln zu Beobachtungsstudien ausführlicher berücksichtigt.
Übersichten und Metaanalysen. Das türkische Dokument stützt sich weiter auf Brandão et al. (9 Studien mit Sequenzierung, 15 bis 118 Männer je Studie) [s086], Gomes et al. (7 Studien, 500 Personen) [s068] und die Probiotika-Metaanalyse (SMD Konzentration 1,96; 95-%-KI 0,08 bis 3,84; I² 95 %; Motilität 1,28; 0,28 bis 2,28; I² 86 %; Volumen 0,89; 0,10 bis 1,67; I² 79 %) [s020]. Es weist selbst darauf hin, dass die Lactobacillus-Anteile in der Übersicht von Brandão zum Text der Übersicht nicht passen (bei Azoospermie rechnerisch höher als bei Kontrollen, im Text als niedriger beschrieben); diese Zahlen werden in dieser Studie nicht als Befund verwendet (siehe Kapitel zu den Übersichten).
Regionale Besonderheiten, Widersprüche, Grenzen. Türkische Besonderheiten im Sinne einer eigenen Mikrobiomaussage lassen sich nicht benennen; es fehlen sowohl Vergleiche zwischen Männern verschiedener Herkunft als auch türkische Leitlinien. Was bleibt, ist Kontext: große türkische Klinikserien zu Samenqualität und Alter [s083, s118], zwei Übersichten, die den internationalen Stand zusammenfassen [s057, s029], und experimentelle Arbeiten an Rind und Ratte [s019, s025], die aus Veterinär- und Histologie-Instituten stammen. Widersprüche im Raum selbst gibt es mangels Primärdaten nicht; die Widersprüche der internationalen Literatur (Vielfalt bei Unfruchtbarkeit höher, gleich oder niedriger; Lactobacillus unterschiedlich) gelten auch hier. Die Grenzen sind die der Suche (nicht lesbare Quellen, keine Volltexte türkischer Fachzeitschriften) und die der Datenlage: sehr kleine Zahl eigener Arbeiten, zwei Übersichten ohne eigene Daten, Tierversuche ohne Aussage zum Menschen. Offen sind eine standardisierte, ausreichend große türkische Kohorte mit Sequenzierung, Negativkontrollen und Störgrößen (Alter, Ernährung, Umwelt), kontrollierte Probiotika-Studien mit Schwangerschaft oder Lebendgeburt als Endpunkt und die Frage, ob sich im Mikrobiom ein Weg von Infektion, oxidativem Stress und DNA-Fragmentierung nachweisen lässt.