Französisch
Befund vorab: dünne eigenständige Primärliteratur. Die französische Recherche arbeitete über PubMed und Europe PMC sowie über gezielte Suchen in französischsprachigen Quellen (HAL, Cairn, EM-Consulte, Progrès en Urologie, Gynécologie Obstétrique Fertilité & Sénologie). Ihr Ergebnis lautet ausdrücklich: Die eigenständige französischsprachige Primärliteratur zum seminalen Mikrobiom ist dünn. Gefunden wurden vor allem historische Arbeiten zur Spermainfektion aus den 1980er-Jahren, eine französische Übersicht zum weiblichen Genitalmikrobiom, populärwissenschaftliche Aufbereitungen und eine Kohorte aus Lausanne in der französischsprachigen Schweiz. Die Kerndaten sind international. Zu Progrès en Urologie gab es bei Suchen nach Sperma, Unfruchtbarkeit, Bakterien und Mikrobiota viele Treffer, aber in den geprüften Auszügen keinen Artikel zum seminalen Mikrobiom oder zu Probiotika; HAL, Cairn und EM-Consulte lieferten über offene Abfragen keine einschlägige französischsprachige Primärveröffentlichung (Treffer waren überwiegend Verbraucherseiten und internationale Artikel). Diese Datenbanken konnten mit den verfügbaren Werkzeugen nicht erschöpfend abgefragt werden; Thesen oder Übersichten können existieren, wurden aber nicht gesehen und deshalb nicht zitiert.
Die historische französische Linie (1982 bis 1989). Drei Arbeiten stehen für eine französische Tradition der Spermakultur und des Infektionsbefunds, die älter ist als die Sequenzierung und mit anderen Definitionen arbeitete. Sie werden hier nicht als quantitativer Beleg verwendet.
Granouillet, Gaudin, Laurent, Rousset und Moulin (1982) untersuchten zwei Gruppen unfruchtbarer Männer (65 und 132 Patienten) in zwei Laboratorien mit zwei Verfahren der Samengewinnung; die bakteriologischen Ergebnisse waren ähnlich [s124]. Isoliert wurden unter anderem betahämolysierende Streptokokken, Proteus, Staphylococcus epidermidis, Micrococcus, Corynebakterien, Viridans-Streptokokken, Klebsiella, Pseudomonas, Enterobacter, Bacillus, Neisseria, Escherichia coli, anaerobe Staphylokokken und Streptokokken, Pilze und Achromobacter. Nach dem Abstract waren 20 Prozent der Patienten chronisch infiziert, ohne klinische Zeichen, vermutlich prostatischen Ursprungs mit mehr als 3.000 Bakterien/ml im Samen. Zwischen bakteriologischen Daten und den physikalischen und zytologischen Eigenschaften des Spermas zeigte sich kein Zusammenhang, außer beim pH: Ejakulate mit niedrigem pH waren meist azoosperm und stark kontaminiert.
Auroux (1988) beschreibt eine uneinheitliche Meinung über den Einfluss urogenitaler Infektionen auf die männliche Fruchtbarkeit [s123]. Eine eigene neuere Studie habe gezeigt, dass Ureaplasma urealyticum und E. coli die am häufigsten in Samenkulturen unfruchtbarer Männer gefundenen Bakterien seien. Als direkte Effekte nennt sie verminderte Spermienzahl, Motilität, Morphologie und Befruchtungsfähigkeit, wobei das Verhältnis von Bakterien- zu Gametenkonzentration wichtig sein könne; als indirekte Effekte nennt sie Veränderungen des Seminalplasmas, etwa viele polymorphkernige Zellen oder Antispermien-Antikörper. Therapieversuche hätten das Problem noch nicht entschieden. Betont wird die Notwendigkeit strenger bakteriologischer Protokolle und gut kodifizierter klinischer, biologischer, epidemiologischer und experimenteller Studien.
Arvis (1989) stellt fest, die Spermainfektion sei eine klassische Ursache der Unfruchtbarkeit, müsse aber mit Vorsicht beurteilt werden [s122]. Die Infektion müsse bewiesen sein; veränderte Leukozyten, selbst über 10⁵ oder 10⁶/ml, genügten nicht. Für viele Keime, besonders Chlamydien und Mykoplasmen, sei die Wirkung auf Spermien nicht erkannt oder nachgewiesen. Der Autor schließt, eine echte Spermainfektion sei sehr selten, müsse aber bei Verdacht gesucht werden, vor allem nach kürzlicher Genitalinfektion. Die Zurückhaltung gegenüber Chlamydien und Mykoplasmen ist bemerkenswert, weil sie sich in der Metaanalyse von 2021 für Chlamydia trachomatis bestätigt (kein Einfluss auf die Spermienparameter), für Mycoplasma hominis aber nicht [s089].
Das weibliche Mikrobiom als französischer Beitrag. Mauries und Kollegen (Gynécologie Obstétrique Fertilité & Sénologie 2021) stellen in einer französischen Übersicht das Genitalmikrobiom der Frau und die assistierte Reproduktion dar [s093]. Genitale Dysbiose (vaginal oder endometrial) sei mit geringeren Chancen auf Lebendgeburten verbunden, über sinkende Schwangerschaftsraten und höheres Fehlgeburtsrisiko. Gardnerella vaginalis, Proteobacteria, Lactobacillus jensenii, Lactobacillus crispatus oder Atopobium vaginae schienen mit dem Ausgang von ART-Zyklen verknüpft; als diagnostische und therapeutische Ansätze werden Probiotika, Antibiotika und die Übertragung von Vaginalmikrobiota diskutiert. Die Arbeit behandelt ausdrücklich nicht das seminale Mikrobiom; sie liefert Kontext für die Paarsicht.
Die Lausanner Kohorte. Die einzige sequenzierte Kohorte aus der französischsprachigen Schweiz ist die von Baud und Kollegen (Frontiers in Microbiology 2019) mit 26 Männern mit normalem Spermiogramm und 68 mit mindestens einem auffälligen Parameter [s101]. Die Proben wurden nach Gesamtzahl, Konzentration, progressiver und Gesamtmotilität und Morphologie stratifiziert; die Profilierung nutzte 16S-rRNA-Amplikon-Sequenzierung, die Bakterienlast eine panbakterielle quantitative PCR. Drei Profile ließen sich unterscheiden (Prevotella-angereichert, Lactobacillus-angereichert, polymikrobiell). Das Prevotella-Profil hatte die höchste Bakterienlast (p < 0,05). Eine Netzwerkanalyse fand drei Kookkurrenzmodule, von denen zwei Bakterien der Vaginalflora enthielten und deren Gattungen ähnliche Sauerstoffansprüche hatten, was die Autoren als Hinweis auf verschiedene ökologische Nischen entlang des Weges deuten. Entgegen der Hypothese korrelierten Verschiebungen der Gesamtzusammensetzung (Beta-Diversität) nicht mit den Spermiogrammwerten, und auch in Reichtum und Alpha-Diversität gab es keinen Unterschied. Einzelne Gattungen unterschieden sich aber: Prevotella war bei gestörter Motilität häufiger, Staphylococcus in der entsprechenden Kontrollgruppe, Lactobacillus bei normaler Morphologie. Die Autoren schließen, der gesamte Bakteriengehalt des Spermas spiele wahrscheinlich keine große Rolle bei männlicher Unfruchtbarkeit, eine kleine Untergruppe von Mikroben könnte aber Motilität und Morphologie beeinflussen. Die italienische Recherche nennt zur Alpha-Diversität eine geringfügige Ausnahme beim Merkmal Gesamtmotilität (Kruskal-Wallis p = 0,02), während die Beta-Diversität (ANOSIM) in allen Vergleichen keine Unterschiede zeigte (alle p > 0,05). Dieselbe Gruppe hat 2024 Mikrobiota und Seminalplasma-Metabolomik verbunden [s047] (Urocanat erhöht in auffälligen Proben, adjustierter P-Wert < 0,001; angereichert in Prevotella-dominierten Proben, P < 0,05) und 2025 in der Zeitschrift Reproductive BioMedicine Online ein metagenomisches Profil von Genitalnischen bei Paaren in Kinderwunschbehandlung vorgelegt (Vaginal- und Penisabstriche, Follikelflüssigkeit, Sperma) [s035]: Die Gemeinschaften waren nischenspezifisch, Frauenproben überwiegend von Lactobacillus geprägt, Männerproben vielfältiger (einschließlich Bakterien, die mit bakterieller Vaginose verbunden sind) und mit nur begrenzten Hinweisen auf eine Übertragung zwischen den Partnern.
Kulturstudien und Übersichten, die der französische Raum nutzt. Eini und Kollegen (BMC Molecular and Cell Biology 2021) untersuchten 172 Männer aus unfruchtbaren Paaren eines iranischen Andrologiezentrums und 35 fruchtbare Kontrollen [s088]. 60 Patienten (34,88 %) hatten eine positive Kultur für pathogene Bakterien. Leukozytospermie war in infizierten Proben signifikant häufiger (p < 0,05); Konzentration, Motilität und Morphologie waren signifikant niedriger, die DNA-Fragmentierung signifikant höher als in nicht infizierten Proben. Die Fragmentierung korrelierte mit der Leukozytospermie (R = 0,22; p < 0,01). Die Autoren schließen, Infektion könne über verminderte Motilität, Morphologie und DNA-Integrität das Fruchtbarkeitspotenzial beeinträchtigen. Es handelt sich um eine Querschnittsassoziation in einer Klinikpopulation und nicht um einen Nachweis der Ursächlichkeit; als Kulturstudie darf sie nicht auf das sequenzierte Mikrobiom übertragen werden.
Neto und Kollegen (Frontiers in Endocrinology 2024) erstellten eine narrative Übersicht der Jahre 1980 bis 2023 mit 37 Studien und 9.310 Teilnehmern (16 Kultur, 16 Sequenzierung, 5 beides) [s054]. Keine Studie habe Pilze oder Viren untersucht. Alle sequenzierenden Studien fanden Bakterien in allen Samenproben. Sexuell aktive Paare teilten 56 % der vorherrschenden Gattungen; unter Paaren mit positiver Kultur beider Partner teilten 61 % mindestens einen Genitalerreger. Bei Paaren mit Unfruchtbarkeit bekannter Ursache überschnitten sich seminale und vaginale Zusammensetzung mit häufigeren Staphylococcus und Streptococcus. Bakteriospermie reichte je nach Studie von 7 % bis 65,7 %; der Kultur-Schwellenwert lag meist bei über 10⁴ KbE/ml (in einer dänischen Studie der Übersichtstabelle über 10³). Nach der französischen Prüfung wurde eine Aussage korrigiert, die zunächst 10³ als übliche Schwelle nannte. Bakterien im IVF-Kulturmedium schienen die Schwangerschaftsraten nicht zu beeinflussen. Tvrdá und Kollegen (Open Life Sciences 2022) fassen Mechanismen der Bakteriospermie zusammen: Adhäsion mit Agglutination und Immobilisierung, bakterielle Toxine und Leukozyteninfiltration mit massivem Ausstoß reaktiver Sauerstoffspezies [s082]. Bazzar und Kollegen (Biology of Reproduction 2026; PRISMA 2020; Quellen PubMed, Scopus, Science Direct, 2015 bis 2025) beschreiben günstige Gattungen wie Lactobacillus (bessere Motilität, Konzentration und DNA-Integrität) und dysbiotische wie Prevotella, Pseudomonas und Ureaplasma (Verschlechterungen), bidirektionalen mikrobiellen Austausch bei sexueller Aktivität und mehr Fusobacterium in HPV-positiven Proben; sie fordern standardisierte Methoden und Längsschnittstudien, um Kausalität zu beweisen [s001]. Hofman und Kollegen (Frontiers in Reproductive Health 2025) fassten 29 Metagenomstudien des seminalen Bakteroms zusammen mit einer medianen Stichprobe von 56 Teilnehmern (Spanne 5 bis 285) und weisen auf die Heterogenität der Methodenschritte hin [s038]. Osadchiy und Kollegen (Scientific Reports 2024) fanden bei Männern in Fruchtbarkeitsabklärung oder Vasektomieberatung mit nachgewiesener Vaterschaft bei auffälliger Motilität (N = 27) mehr Lactobacillus iners als bei normaler (N = 46): 9,4 % gegenüber 2,6 % (p = 0,046; kanonische Korrelation r = 0,392; p = 0,011); bei auffälliger Konzentration (N = 20) waren Pseudomonas stutzeri (2,1 % gegenüber 1,0 %; p = 0,024) und P. fluorescens (0,9 % gegenüber 0,7 %; p = 0,010) häufiger, P. putida (0,5 % gegenüber 0,8 %; p = 0,020) seltener als bei normaler (N = 53) [s056]. Der Befund belegt, dass sich eine Gattung nach Art unterschiedlich verhalten kann.
Probiotika, Tiermodelle und Mechanismen aus französischer Sicht. Das französische Dokument führt die Interventionsstudien in einer Tabelle zusammen, ohne eigene französische Studie. Valcarce und Kollegen (Beneficial Microbes 2017; Spanien) verabreichten neun asthenozoospermen Männern ohne Kontrollgruppe zwei antioxidative Stämme (Lactobacillus rhamnosus CECT8361 und Bifidobacterium longum CECT7347) über drei und sechs Wochen; die Motilität stieg etwa um das Sechsfache, die DNA-Fragmentierung sank etwa um das 1,2-Fache, das intrazelluläre H₂O₂ etwa um das 3,5-Fache, die Zellvitalität blieb unverändert [s112]. Maretti, Helli, Abbasi und Gholipour werden mit den bereits genannten Zahlen aufgeführt [s111, s079, s085, s007]; das Dokument fasst zusammen, dass die Studien klein (n = 41 bis 110) und kurz sind (zehn Wochen bis sechs Monate), oft in denselben Ländern (Iran, Italien) durchgeführt wurden und Surrogatendpunkte berichten. Als Vergleichsmaßstab dient die Metaanalyse von Melhem und Kollegen (Andrology 2026; 41 randomisierte Studien, 3.615 Männer), die keine Probiotika, sondern pharmakologische und nutritive Therapien bei idiopathischer Unfruchtbarkeit untersucht [s017]. Für Antioxidantien nennt sie SMD 1,09 (95-%-KI 0,10 bis 2,08) für die Konzentration, 1,11 (0,32 bis 1,90) für die progressive Motilität, 0,69 (0,26 bis 1,13) für die Gesamtmotilität und 0,43 (0,05 bis 0,82) für die normale Morphologie, mit Prädiktionsintervallen, die für alle Parameter die Null einschließen, I² über 80 % und sehr niedriger Sicherheit der Evidenz nach GRADE; für PDE-Hemmer SMD 1,96 (−2,25 bis 6,17) bei der Konzentration, für Methylgruppen-Spender −1,17 (−2,82 bis 0,47) bei der DNA-Fragmentierung. Zur Prihadi-Metaanalyse hält das französische Dokument fest, dass die Seite des Artikels und der Abstract die Werte 1,28 und 0,89 für Volumen und Motilität in unterschiedlicher Reihenfolge nennen; das französische Dokument folgt der Reihenfolge (Konzentration, Volumen, Motilität). Alle anderen Recherche-Dokumente und die Diagramme der Masterliste ordnen 1,28 der Motilität und 0,89 dem Volumen zu [s020]; dieses Kapitel folgt der Masterliste, und die Abweichung ist als nicht aufgeklärt zu betrachten. Tierstudien: Al-Asmakh und Kollegen (PLoS One 2014) fanden bei keimfreien Mäusen eine verzögerte Lumenbildung der Hodenkanälchen, erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hoden-Schranke (verminderte Expression von Occludin, ZO-2 und E-Cadherin) sowie niedrigere Gonadotropine und niedrigeres intratestikuläres Testosteron; die Gabe von Clostridium tyrobutyricum, das viel Butyrat bildet, stellte die Schranke wieder her [s114]. Wu und Kollegen (Ecotoxicology and Environmental Safety 2024) zeigten, dass eine Mischung aus Lactobacillus rhamnosus und L. plantarum bei Bisphenol-A-exponierten Mäusen BPA-Reste in Darm, Serum und Hoden senkte, die Darmbarriere stärkte und die Spermatogenese verbesserte [s059]. Ma und Kollegen (Frontiers in Endocrinology 2026) analysieren methodisch die Tiermodelle der Darm-Hoden-Achse und warnen, viele Modelle spiegelten die chronische, niedriggradige Belastung nicht wider, die für die idiopathische Unfruchtbarkeit angenommen wird; sie schlagen ein Berichtsgerüst vor [s016]. Kaltsas und Kollegen (Journal of Personalized Medicine 2026) halten fest, Schwangerschaft und Lebendgeburt würden selten berichtet und seien unbewiesen und Probiotika seien Ergänzung, nicht eigenständige Therapie [s009].
Regionale Besonderheiten und Datenbanken. Die Lausanner Kohorte ist der einzige sequenzierte Beitrag aus einem französischsprachigen Raum. Die Probiotika-Studien kommen aus dem Iran, Italien und Spanien; die Übertragbarkeit auf französische oder europäische Populationen (Ernährung, verfügbare Handelsstämme, Einschlusskriterien) ist unsicher. Als populärwissenschaftliche Quelle wird eine Seite des Biocodex Microbiota Institute herangezogen, die die Studie von Osadchiy wiedergibt und mit „1 von 6 Personen leide im Leben an Unfruchtbarkeit“ zitiert wird; diese Aussage ist eine Wiedergabe der Seite, nicht an der Primärquelle geprüft, und solche Seiten sind keine Primärquellen [s125]. Ein europäisches Marie-Skłodowska-Curie-Projekt namens REPROBATIO zu Probiotika und Postbiotika bei männlicher Fruchtbarkeit wird in Suchergebnissen erwähnt; die CORDIS-Seite wurde nicht geöffnet, Zahlen werden nicht übernommen. Für die Datenbanken gilt: Die Suche nach französischsprachigen Beiträgen führt in Europe PMC überwiegend zu historischen Arbeiten mit französischem Titel und englischem Abstract (die drei Arbeiten der 1980er sind nur über ihre indexierten Abstracts zugänglich); die Kohorte aus Lausanne ist nur durch Zugehörigkeit der Autoren dem Raum zugeordnet, nicht durch die Sprache der Veröffentlichung.
Was offen bleibt. Französischsprachige Kohorten mit Sequenzierung, Kontaminationskontrolle und Einbezug von Pilzen und Viren (die Neto zufolge in keiner Studie untersucht wurden); Studien mit Lebendgeburt als Hauptziel; Dosis- und Dauervergleiche über mindestens einen Spermatogenesezyklus; die Rolle der Partnerin (vaginales Mikrobiom, sexueller Transfer); und die Frage, ob Bakterien auf Artebene (zum Beispiel L. crispatus gegenüber L. iners) statt auf Gattungsebene betrachtet werden sollten.
Italienisch
Befund vorab: dünn in der Sprache, solide in der Sache. Eine auf die italienische Sprache beschränkte Suche in Europe PMC (Sprachfilter Italienisch) ergab keine einzige Primärarbeit zum seminalen Mikrobiom; die Treffer waren Kongressbeiträge zur Hygiene und nicht einschlägige Artikel. Auf die Zeitschriften Giornale Italiano di Ostetricia e Ginecologia, Minerva (Urologia, Ginecologia) und die Zeitschrift der Fachgesellschaft SIAMS (die in englischer Sprache erscheint) konnte nicht im Volltext für eine systematische Suche zugegriffen werden. Das heißt nicht, dass es dort keine Beiträge gibt, sondern dass sie nicht aufgefunden und daher nicht zitiert werden. Der italienische Beitrag besteht faktisch aus englischsprachigen Arbeiten italienischer Gruppen: Neapel (Neto, Tomaiuolo), Padua (Grande), Mailand (Alfano; Amodio in der Immunologie) und die Studie von Maretti und Cavallini. Hinzu kommen Pressemitteilungen der Società Italiana di Andrologia (SIA).
Hodenmikrobiom: der solideste italienische Primärbeitrag. Alfano und Kollegen (Human Reproduction 2018, IRCCS San Raffaele, Mailand) untersuchten in einer Querschnittsstudie 15 Hoden: fünf Männer mit idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie (iNOA) und negativer Spermiengewinnung bei der mikrochirurgischen Hodenbiopsie (microTESE), fünf mit iNOA und positiver Gewinnung, fünf normozoosperme Männer bei Orchiektomie [s104]. Methodik: massive Ultratief-Pyrosequenzierung, Auswertung mit QIIME, Bakterienlast mit digitaler Tröpfchen-PCR (ddPCR). Normozoosperme Männer hatten kleine Mengen Bakterien im Hoden, vorherrschend Actinobacteria, Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria. Männer mit iNOA hatten mehr bakterielle DNA (P = 0,02), verbunden mit geringerem taxonomischem Reichtum durch das Fehlen von Bacteroidetes und Proteobacteria (P = 2 × 10⁻⁵). Proben mit negativer Spermiengewinnung zeigten vollständige Keimzellaplasie und eine weitere Abnahme von Firmicutes und Clostridia (P < 0,05), ein vollständiges Fehlen von Peptoniphilus asaccharolyticus und mehr Actinobacteria. Die Autoren sehen in der kleinen Probenzahl die Notwendigkeit externer Validierung und weisen darauf hin, dass das paraneoplastische Milieu orchiektomierter Hoden die ansässige Flora beeinflussen könnte. Hier ist die Stärke die Gewebenähe (nicht Ejakulat), die Schwäche die Fallzahl. Spätere Übersichten merken an, dass 50 bis 70 % der bakteriellen Reads in Hodenproben Kontamination sein können [s054, s050].
Cluster und Verhältnisse im Ejakulat. Die italienische Recherche stellt die Studie von Weng und Kollegen (PLoS One 2014; 96 Samenproben unfruchtbarer Paare) detaillierter dar als andere Räume [s116]. 36 Proben waren normal, 33 von niedriger Qualität (mindestens zwei auffällige Werte) und 27 intermediär. Drei Cluster: G1 (Pseudomonas) mit 25 Proben, davon 20 % normal; G2 (Lactobacillus) mit 55 Proben, davon 52,7 % normal; G3 (Prevotella) mit 16 Proben, davon 12,5 % normal. G1 und G3 hatten eine 5,2- beziehungsweise 8,5-fach höhere Wahrscheinlichkeit geringer Samenqualität als G2 (exakter Test nach Fisher: p = 0,0073 und p = 0,00448). Lactobacillus und Gardnerella waren positiv mit Konzentration, Motilität, Morphologie und Leukozyten innerhalb der Normgrenzen assoziiert, Prevotella negativ. Rechnerisch passt der Zusammenhang zu der Angabe, dass 80,6 % der normalen Proben im Lactobacillus-Cluster liegen (52,7 % von 55 Proben entsprechen 29 Proben, 29 von 36 normalen Proben sind 80,6 %). Die Aussage ist eine Querschnittsbeschreibung, und die Gruppeneinteilung ist datengetrieben.
Cannarella und Kollegen (Andrology 2026), nach den Recherche-Dokumenten eine italienische Gruppe, fanden bei 100 eugonadalen Männern eine positive Korrelation zwischen Laktobazillenkonzentration und Spermienkonzentration (r = 0,42; p < 0,001) und eine sehr starke Korrelation des Verhältnisses Laktobazillen zu Gesamtbakterien mit der progressiven Motilität (r = 0,95; p < 0,001) und negativ mit Leukozyten (r = −0,96; p < 0,001) [s005]. Die Einzelheiten stehen im deutschen Abschnitt. Die italienische Recherche zeigt außerdem, dass Baud und Kollegen (s. französischer Abschnitt) trotz fehlender Gesamtunterschiede Einzelgattungen fanden [s101] und dass Lundy und Kollegen (25 unfruchtbare, 12 fruchtbare Männer; Rektalabstrich, Ejakulat, Urin; 16S und Shotgun-Metagenomik, im Median 140 Millionen Reads) eine höhere seminale Alpha-Diversität, mehr Aerococcus, weniger rektales Anaerococcus, eine inverse Assoziation von Prevotella zur Konzentration und eine direkte von Pseudomonas zur Zahl beweglicher Spermien fanden [s092]. Italienischer Kommentar: Der Pseudomonas-Befund von Lundy läuft der Lesart „Pseudomonas gleich negativ“ bei Weng entgegen; der Abstract von Lundy erlaubt nicht, die Diskrepanz aufzuklären. Osadchiy und Kollegen (Zahlen im französischen Abschnitt) zeigen zusätzlich, dass Pseudomonas-Arten in verschiedene Richtungen gehen und dass Lactobacillus iners eine Ausnahme von der Regel „Lactobacillus schützt“ ist [s056].
Übersichten aus Neapel und Padua. Neto und Kollegen (Frontiers in Endocrinology 2024; Universität Federico II, Neapel; 37 Studien, 9.310 Teilnehmer) listen Studien aus 16 Ländern auf (Italien, China, USA, Nigeria, Spanien, Deutschland, Polen, Russland, Estland, Portugal, Indien, Dänemark, Tunesien, Frankreich, Ägypten, Kanada), ohne nach Region zu stratifizieren [s054]. In einer Studie war die Korrelation zwischen Bakteriospermie und Befruchtungsrate schwach negativ (r = −0,239; p < 0,05); sexuell aktive Männer zeigten mehr bakterielle Vielfalt, fettreiche Kost war mit Dysbiose und schlechterer Qualität assoziiert. Grande und Kollegen (Cells 2024; Universität Padua; 27 Humanstudien bis Dezember 2023) fassen zusammen [s050]: Prevotella korreliert invers mit der Konzentration, ist mit Oligozoospermie und adipositasassoziierter Asthenozoospermie verbunden und findet sich in über 90 % der Hodenproben; Pseudomonas ist mit verminderter Zahl beweglicher Spermien und Konzentrationsauffälligkeiten verknüpft; Lactobacillus findet sich häufiger in normalen Proben, L. crispatus mit normaler Morphologie, L. iners mit verminderter Konzentration; bei Prostatitis und Leukozytospermie sind Laktobazillen vermindert und Streptococcus vermehrt; bei HPV unterschied sich Fusobacterium (sechs HPV-positive Proben gegen 25 Kontrollen). Als Limitationen nennen die Autoren die kleine Zahl der Studien, die Kontamination (50 bis 70 % der Reads in Hodenproben) und das Fehlen von Studien, die Ernährung und seminales Mikrobiom verbinden. Brandão und Kollegen (Porto Biomedical Journal 2021) werteten nach PRISMA neun Studien aus (749 Datensätze, Probenzahlen 15 bis 118 je Studie) [s086]: Vier Studien fanden positive Assoziationen von Lactobacillus mit Fruchtbarkeit; mit normalem Spermiogramm waren Propionibacterium, Gardnerella vaginalis, Atopobium vaginae und Staphylococcus assoziiert, mit auffälligen Parametern Prevotella (vor allem P. bivia), Haemophilus parainfluenzae, Anaerococcus (P = 0,0012 bei Unfruchtbaren), Pseudomonas, Klebsiella und Aerococcus. Zur Vielfalt waren die Ergebnisse widersprüchlich: eine Arbeit fand weniger Arten bei Unfruchtbaren (1093 OTU bei Kontrollen, 925 bei obstruktiver, 840 bei nichtobstruktiver Azoospermie), eine andere mehr Vielfalt bei Unfruchtbaren (Shannon-Index 4,3 bis 4,8 gegenüber 3,1 bei Kontrollen; P = 0,004), zwei Arbeiten keinen Unterschied (P = 0,08 für den Reichtum; P = 0,33 für die Vielfalt). Bei der assistierten Reproduktion fand sich bei der intrauterinen Insemination kein Unterschied nach Zusammensetzung; bei der IVF war die Embryoqualität schlechter bei seminalen Proteobacteria und Corynebacterium und besser bei Enterobacteriaceae. Die Autoren schreiben, es seien keine Studien zu Einnistung, klinischer Schwangerschaft, Fehlgeburt oder Lebendgeburt gefunden worden und Schlussfolgerungen erschienen verfrüht. Die italienische Recherche merkt an, dass die im Abstract genannten Lactobacillus-Anteile bei Azoospermie (6,79 % bei Kontrollen gegen 17,98 % und 17,24 %) neben einer Aussage über „geringere“ Mengen bei Azoospermie stehen und nicht damit vereinbar sind; diese Zahlen wurden deshalb in dieser Recherche nicht für Diagramme verwendet und werden hier nicht gedeutet. Weitere Übersichten: Tomaiuolo und Kollegen (High Throughput 2020, Neapel) halten fest, es seien bisher wenige Studien zu Herkunft und Funktion des seminalen Mikrobioms und seinen Beziehungen zum Genitaltrakt der Partnerin durchgeführt worden [s098]. Buttà, Sucato und Capra (Biomedicines 2026) weisen darauf hin, dass viele Studien nichtbakterielle Bestandteile (HPV, Herpes simplex, Trichomonas vaginalis, Candida) ausklammern und die Befunde fragmentiert und teils uneinheitlich sind [s003]. Zhang und Kollegen (Biology 2026) bewerten Trimethylamin-N-oxid (TMAO) als Kandidaten für einen Stoffwechselvermittler in der Darm-Hoden-Achse, ausdrücklich nicht als bewiesenen kausalen Faktor oder Therapieziel; Beobachtungsstudien am Menschen verknüpfen TMAO mit Asthenozoospermie und dem Leydig-Zell-Marker INSL3 [s030]. Kaltsas und Kollegen (Diagnostics 2026) beschreiben in einer narrativen Übersicht zur Prostatitis, dass Leukozytospermie und erhöhte Seminalzytokine, besonders Interleukin-8, mit beeinträchtigter Motilität, veränderter Viskosität und Verflüssigung, oxidativem Stress und höherer DNA-Fragmentierung verbunden sind, und schlagen einen biomarkergeleiteten Abklärungsweg mit gezielter Mikrobiologie vor [s010]. Die Immunologie liefert Amodio und Kollegen (Nature Communications 2025, Mailand): Junge unfruchtbare Männer hätten ein proinflammatorisches Milieu mit mehr myeloiden Zellen und Entzündungsmediatoren in Samenflüssigkeit und Blut; in T-Zellen des Blutes von Männern mit Oligoasthenoteratozoospermie oder nichtobstruktiver Azoospermie sind Gene der Interferon-γ- und -α-Antwort hochreguliert, mit unterschiedlichen Signaturen von Erschöpfung und Seneszenz [s033]. Diese Arbeit ist keine Mikrobiomstudie und wird nur als Kontext genannt.
Probiotika und Synbiotika beim Menschen. Die italienische Linie beginnt mit der Pilotstudie von Maretti und Cavallini (Andrology 2017), die in den Quellen als der am häufigsten genannte klinische italienische Befund gilt [s111]. 41 Patienten mit idiopathischer Oligoasthenoteratospermie ohne chromosomale Aberrationen; 20 erhielten sechs Monate lang Flortec (nach dem portugiesischen Dokument: Lactobacillus paracasei B21060, 5 × 10⁹ Zellen, plus Arabinogalaktan 1243 mg, Fructooligosaccharide 700 mg und L-Glutamin 500 mg, ein Beutel täglich), 21 eine Stärke-Kontrolle. Mediane der Flortec-Gruppe vor und nach: Volumen 2,4 auf 3,1 ml, Konzentration 15,2 auf 28,3 Millionen/ml (der Abstract enthält an einer Stelle einen Satzfehler „28,3 × 10⁶/39 mL“), progressive Motilität 16,2 auf 42,0 %, typische Formen 7 auf 16,3 % (alle p < 0,01). FSH, LH und Testosteron verbesserten sich ebenfalls (p < 0,01), Estradiol und Prolaktin nicht. In der Kontrollgruppe blieben die meisten Parameter unverändert, Nebenwirkungen traten nicht auf; verglichen wurde mit Wilcoxon-Test vor und nach der Behandlung, innerhalb jeder Gruppe, ohne Konfidenzintervalle und ohne direkten Gruppenvergleich im Abstract, ohne berichtete Schwangerschaften. Die italienische Recherche betont, dass Effekte auf FSH, LH und Testosteron für ein Probiotikum bemerkenswert seien und unabhängige Replikation verdienten; eine Wiederholung in einem anderen italienischen Zentrum wurde nicht gefunden. Die iranischen Studien werden dort ebenfalls aufgeführt: Abbasi (n = 56, 80 Tage) [s085]; Asadi (n = 78 nach Varikozelenoperation; 38 Probiotikum, 40 Placebo; Konzentration nach drei Monaten 33,7 ± 22,5 gegenüber 21,1 ± 16,1 Millionen/ml, P = 0,046; normale Morphologie 15,0 ± 8,9 gegenüber 12,0 ± 11,5 %, P = 0,016; Volumen P = 0,897 und Motilität P = 0,177 ohne Unterschied) [s064]; Gholipour (n = 110; 35, 38, 37; 90 Tage; Werte nach drei Monaten im Probiotikum-, Antioxidans- und Placebo-Arm: Motilität 46,65, 26,58 und 22,75 %, Morphologie 4,31, 2,21 und 1,52 %, Konzentration 10,42, 8,55 und 4,91 Millionen/ml) [s007]. Zu den letzten Konzentrationswerten ist anzumerken: Im Volltext steht für den Placebo-Arm ein adjustierter Mittelwert von 4,91 Millionen/ml nach drei Monaten, passend zur italienischen Angabe (siehe die Details im deutschen Abschnitt). Prihadi und Kollegen (vier Studien, 156 Männer) bestätigen die Richtung bei hoher Heterogenität; die italienische Recherche merkt an, dass das Einschließen eines einarmigen Studienarms die Kombination fraglich macht [s020].
Tierstudien. Die italienische Recherche führt mehrere neue Tierstudien an, die zur biologischen Plausibilität beitragen, ohne auf den Menschen übertragbar zu sein. Losacco und Kollegen (Frontiers in Veterinary Science 2026) gaben 14 gesunden Zuchthunden zur Kontrolldiät dieselbe Diät mit 400 Milliarden KbE eines gefriergetrockneten Multistamm-Probiotikums über 70 Tage (ein vollständiger Spermatogenesezyklus): Die Spermienkonzentration stieg signifikant (p < 0,001), mehrere kinetische Parameter verbesserten sich, seminale reaktive Sauerstoffspezies sanken, und die antioxidative Kapazität stieg [s013]. Tas und Kollegen (Scientific Reports 2026) zeigten an Ratten mit Streptozotocin-Diabetes, dass Lactobacillus rhamnosus GG (lebend oder inaktiviert) die Motilität von Nebenhodenspermien, das Testosteron und die Histologie verbesserte, mit Effekten auf die DNA-Methylierung im Hoden [s025]. Harati und Kollegen (Microorganisms 2026) fanden bei Ratten mit fettreicher Kost, dass eine gleichzeitig begonnene Präbiotikum-Probiotikum-Gabe die Hodenstruktur schützte, TNF-α senkte und das Testosteron teilweise normalisierte, ohne Spermienparameter oder LH signifikant zu bessern, während eine verzögert (nach fünf Wochen) begonnene Gabe keine sinnvolle Besserung und in mancher Hinsicht stärkere Entzündung und Degeneration als die fettreiche Kost allein brachte [s008]. Diese Zeitabhängigkeit ist ein Tierbefund; in den berichteten Humanstudien wurde ein Vergleich verschiedener Startzeitpunkte nicht berichtet.
Leitlinien, Fachgesellschaft und Datenbanklage. Eine italienische Leitlinie zum Einsatz von Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit wurde nicht gefunden. Die Aussagen der SIA stammen aus einer Pressemeldung (Sanità Informazione), die die SIA-Positionen zum VI. Kongress „Natura, Ambiente, Uomo“ wiedergibt [s126]: Früher habe man das Sperma für natürlich keimfrei und jeden Keim für ein Infektionszeichen gehalten; der SIA-Präsident Alessandro Palmieri (Federico II) sagt, das Sperma habe eine eigene mikrobielle Gemeinschaft, und das seminale Mikrobiom sei ein noch vernachlässigter Aspekt der Diagnostik mit großem Potenzial für neue therapeutische Strategien. Das ist eine Perspektivaussage, keine Leitlinie, und eine Pressemeldung ist keine Primärquelle. Zur Datenbanklage: Die italienischen Beiträge sind nur über englische Abstracts auffindbar; die Studie von Prihadi ist in Europe PMC nicht indexiert und wurde über die Seite der Zeitschrift bestätigt. Regionale Unterschiede innerhalb Italiens lassen sich aus den Daten nicht ableiten; der Vergleich von Clustern zwischen Populationen scheitert an unterschiedlichen 16S-Regionen und Analysepipelines.
Was offen bleibt. Ob das seminale Mikrobiom Ursache oder Folge gestörter Parameter ist; ob es ein reproduzierbares „gesundes“ Profil über Populationen und Methoden gibt; ob Probiotika das seminale Mikrobiom tatsächlich verändern oder systemisch wirken (die randomisierten Studien messen Samenparameter, nicht das seminale Mikrobiom); wie sich Dysbiose von behandelbarer Infektion (Leukozytospermie, Prostatitis) abgrenzen lässt; welche Rolle Viren, Pilze und Protozoen spielen; und ob multizentrische italienische Studien mit standardisierter Probengewinnung und Kontaminationskontrolle zu anderen Ergebnissen kämen.
Portugiesisch
Befund vorab: sehr dünn, keine eigene Kohorte. Die portugiesischsprachige Literatur zum Thema ist nach der Recherche dünn. Gesucht wurde in PubMed über Europe PMC, auf Seiten der Zeitschrift JBRA und im Web, mit portugiesischen und englischen Begriffen (Mikrobiota, Mikrobiom, Sperma, Spermien, männliche Unfruchtbarkeit, Probiotika). Im Raum SciELO, LILACS, Acta Médica Portuguesa und Revista Brasileira de Ginecologia e Obstetrícia wurde keine Primärstudie (Kohorte, Studie) zum seminalen Mikrobiom oder zu Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit gefunden. Der erkennbare lusophone Beitrag besteht aus systematischen Übersichten in der Zeitschrift JBRA Assisted Reproduction (Brasilien), auf Englisch. Auch Studien oder Leitlinien brasilianischer oder portugiesischer Fachgesellschaften zum seminalen Mikrobiom oder zu Probiotika wurden nicht gefunden. Das bedeutet nur, dass sie in dieser Recherche nicht lokalisiert wurden; SciELO und LILACS konnten mit den Werkzeugen nicht direkt abgefragt werden, die Suche ist daher nicht erschöpfend. Die Lücke wird offen benannt und nicht mit ungeprüften Quellen gefüllt. Für Gomes 2023 und Oliveira 2024 lag der Volltext vor (über PMC beziehungsweise Europe PMC), für die übrigen Quellen der Abstract oder die Zeitschriftenseite.
Die drei JBRA-Übersichten. Gomes und Kollegen (JBRA Assisted Reproduction 2023, Brasilien) führten eine systematische Übersicht (PRISMA) zu Mikrobiota und Samenqualität durch [s068]. Gesucht wurde in PubMed (36 Treffer), Medline (7) und Cochrane (2), englischsprachige Artikel von 2012 bis 2022; 45 Ergebnisse (43 nach Entfernen von Duplikaten), neun im Volltext gelesen, sieben ausgewertet, zusammen 500 Personen. Alle Arbeiten verwendeten 16S-rRNA-Sequenzierung. Bei Männern mit normalen Parametern war Lactobacillus häufiger (fünf Studien); bei Männern mit Auffälligkeiten Prevotella (in sechs Studien nach der italienischen Wiedergabe). Eingeschlossen waren Hou 2013 (n = 77), Baud 2019 (n = 94), Yang 2020 (n = 159), Yao 2022 (n = 87), Lundy 2021 (n = 37), eine Studie von Okwelogu 2021 (n = 36) und eine von Puerta-Suárez und Cardona Maya 2021 (n = 10); vertreten sind Brasilien, die Schweiz, China, die USA, Kolumbien und Nigeria [s117, s101, s099, s084, s092]. Die italienische Recherche nennt zusätzlich, dass Ralstonia, Aerococcus und Ureaplasma nur bei Männern mit Auffälligkeiten auftraten und dass die Arbeit nur englischsprachige Artikel einschließt. Die Autoren geben die hohe Variation zwischen Populationen als Einschränkung an; die portugiesische Recherche konnte aus den gelesenen Texten nicht ermitteln, welche Studie die brasilianische ist und welche Ergebnisse sie hatte.
Oliveira und Kollegen (JBRA 2024, Brasilien) legten eine qualitative systematische Übersicht zu Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit vor [s055]. Durchsucht wurden PubMed, Cochrane, Science Direct und SciELO, auch mit portugiesischen Begriffen; 85 Artikel wurden gefunden, vier randomisierte Studien (veröffentlicht zwischen 2017 und 2021) eingeschlossen, alle bei Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit. Es gibt keine aggregierte Schätzung. Die Autoren schließen auf bessere Spermienparameter, besonders der Motilität, und auf einen antioxidativen Effekt. Die vier Studien sind nach dem Dokument Valcarce 2017 (n = 9, sechs Wochen, Lactobacillus rhamnosus CECT8361 plus Bifidobacterium longum CECT7347) [s112], Maretti und Cavallini 2017 (n = 41, 24 Wochen) [s111], Helli 2022 (n = 50 in der Tabelle, zehn Wochen) [s079] und Abbasi 2021 (n = 47 in der Tabelle, 11,4 Wochen) [s085]. Bei Helli und Abbasi weichen die Fallzahlen der Übersichtstabelle (50 und 47) von den Angaben in den Abstracts der Einzelstudien ab (52 und 56); der Grund wurde nicht geprüft. Die Dosen der vier Studien reichen laut Tabelle der Übersicht von 10⁹ KbE über 5 × 10⁹ KbE (L. paracasei) bis zu 2 × 10¹¹ KbE (Mischung aus sieben Stämmen); da die Präparate Probiotika mit Präbiotika (Fructooligosaccharide, Arabinogalaktan) und L-Glutamin kombinieren, lässt sich die Wirkung eines einzelnen Stammes nicht abtrennen. Die Maretti-Formulierung enthielt nach dem Dokument L. paracasei B21060 (5 × 10⁹), Arabinogalaktan 1243 mg, Fructooligosaccharide 700 mg und L-Glutamin 500 mg gegen Stärke.
Puerta-Suárez und Cardona Maya (JBRA 2025) – kolumbianische Autoren in einer brasilianischen Zeitschrift – registrierten ihre systematische Übersicht in PROSPERO (CRD42024519245), suchten bis Mai 2023 in PubMed und Scopus (englische und spanische Artikel) und schlossen 35 Artikel ein [s044]. Lactobacillus wird im Sperma häufig nachgewiesen (die Zeitschriftenseite nennt 70 % für Lactobacillus als häufigsten Mikroorganismus im Sperma, aber als Ausschnitt einer anderen, in der Übersicht besprochenen Studie, nicht als eigenen Befund; die portugiesische Prüfung hat diese Angabe entsprechend korrigiert). Der Einfluss auf die Samenqualität gilt als kontrovers, vor allem wegen der Methodik; die Einnahme von Probiotika mit Lactobacillus könne Parameter verbessern. Als Limitationen gelten methodische Heterogenität, unklare Unterscheidung der Arten und wenige Paarstudien.
Weitere Übersichten, die im portugiesischen Dokument tragen. Prihadi und Kollegen (vier Studien, 156 Teilnehmer; Suche in PubMed, EBSCO, ProQuest und Google Scholar) berichten SMD von 1,96 (0,08 bis 3,84; I² 95 %; p = 0,04) für die Konzentration, 1,28 (0,28 bis 2,28; I² 86 %; p = 0,01) für die Motilität und 0,89 (0,10 bis 1,67; I² 79 %; p = 0,03) für das Volumen; zwei Studien zur DNA-Fragmentierung hätten eine Besserung mit weniger Entzündungs- und Oxidationsmarkern berichtet; zwei Studien galten als niedriges Verzerrungsrisiko, eine als unklar im Detektionsbereich [s020]. Die portugiesische Recherche nennt außerdem: Der Seite der Zeitschrift lässt sich entnehmen, dass die Metaanalyse die Studie von Helli einschließt, die inzwischen zurückgezogen wurde; die Schätzer beruhen also zum Teil auf einer zurückgezogenen Studie, und ob die Metaanalyse danach aktualisiert wurde, wurde nicht geprüft. Zum Rückzug: Der Crossref-Eintrag zu Helli 2022 weist eine Rücknahme vom 28. April 2026 aus (DOI der Mitteilung 10.1080/14647273.2026.2663617); Europe PMC markiert den Artikel als „Retracted Publication“; der Grund wurde nicht geprüft; die Ergebnisse von Helli 2022 sollten nicht als Beleg verwendet werden [s079, s021]. Melhem und Kollegen (41 Studien, 3.615 Männer) liefern als Vergleichsmaßstab Antioxidantien-SMD von 1,09 (0,10 bis 2,08) für die Konzentration bei Prädiktionsintervallen, die die Null überschreiten [s017]. Kuribayashi, Naik, Miller und Lundy (Fertility and Sterility 2026) beschreiben anaerobenlastige Samenprofile (häufig Prevotella oder Atopobium) mit höherem oxidativem Stress, stärkerer DNA-Fragmentierung und geringerer Motilität, Lactobacillus-reiche Profile mit besserem Redoxstatus und besserer DNA-Integrität, kleine Studien mit Antibiotika und/oder Probiotika mit variablem Nutzen sowie schnellen, robusten Austausch des Mikrobioms zwischen Partnern, der den Samen in kurzer Zeit verändern könne; die Studien seien überwiegend klein und Querschnittsstudien [s011]. Kaltsas und Kollegen sehen Probiotika als Ergänzung und fordern Studien mit Schwangerschaft und Lebendgeburt [s009]; Chatzokou und Kollegen beschreiben gegensätzliche Wirkungen von Lactobacillus und Prevotella und fehlende methodische Standardisierung [s036].
Beobachtungsstudien in der portugiesischen Wiedergabe. Die Tabelle des portugiesischen Dokuments fasst zusammen: Baud 2019 (Schweiz; 26 normale, 68 auffällige) [s101]; Yang 2020 (China; 159, mit 22 Oligoasthenospermie, 58 Asthenospermie, 8 Azoospermie, 13 Oligospermie, 58 Kontrollen; Mikrobiota bei Asthenospermie und Oligoasthenospermie unterscheidet sich in der Beta-Diversität, P < 0,05; Marker Ureaplasma, Bacteroides, Anaerococcus, Finegoldia, Lactobacillus, Acinetobacter lwoffii) [s099]; Lundy 2021 (USA; 25 und 12) [s092]; Yao 2022 (China; 87 Proben: 33 ohne, 54 mit Leukozytospermie; die Mehrheit ohne Leukozytospermie mit Lactobacillus-reichem Profil, die Mehrheit mit Leukozytospermie mit Streptococcus-reichem Profil; schlechtere Parameter bei Leukozytospermie) [s084]; Osadchiy 2024 (USA) [s056]; Mowla 2025 (Großbritannien; 223 Männer) [s043]; Baud 2025 (Schweiz; Paare in Behandlung; Vaginal-, Penis-, Follikelflüssigkeits- und Samenproben; nischenspezifische Profile, Frauen von Lactobacillus dominiert, Männer vielfältiger, begrenzte Hinweise auf Übertragung) [s035]. Die portugiesische Recherche vermerkt eine Inkonsistenz: Lactobacillus erscheint bei Baud 2019 (Morphologie) und Yao 2022 als günstiger Marker, L. iners war aber bei Osadchiy mit auffälliger Motilität verbunden, und Lactobacillus wird bei Yang als Marker geführt, ohne dass der Abstract die Richtung angibt. Die Art spielt eine Rolle, und die gelesenen Abstracts erlauben keine weitergehende Aussage.
Randomisierte Studien in der portugiesischen Wiedergabe. Neben den Zahlen der anderen Abschnitte zeigt die Tabelle für Asadi 2023 (78 nach Varikozelenoperation, 38 gegen 40, drei Monate; FamiLact gegen Placebo) zusätzlich, dass Volumen (P = 0,897) und Motilität (P = 0,177) sich nicht signifikant unterschieden [s064]. Abbasi 2021 wird mit 56 randomisierten Männern und 80 Tagen geführt (die Übersichtstabelle von Oliveira 47); im aktiven Arm sanken Lipidperoxidation und DNA-Fragmentierung [s085]. Helli 2022 (52 Männer, 26 je Gruppe, 500 mg täglich, zehn Wochen) wird mit höheren Werten für Volumen, Zahl, Konzentration und Motilität, erhöhter antioxidativer Kapazität und gesenkten Malondialdehyd- und Entzündungsmarkern aufgeführt und als zurückgezogen markiert [s079].
Mechanismen, Tiermodelle, Regionales. Als Mechanismen nennt das Dokument Inflammation und Leukozytospermie (Zytokine, vor allem Interleukin-8, bei Leukozytospermie mit verminderter Motilität, oxidativem Stress und höherer DNA-Fragmentierung nach Kaltsas zur Prostatitis [s010]; bei Yao fiel Leukozytospermie mit einem Streptococcus-reichen Profil zusammen), oxidativen Stress als zentralen Faktor der idiopathischen Unfruchtbarkeit mit möglichen probiotischen Wirkungen durch Metallchelation, eigene antioxidative Enzyme, antioxidative Metabolite und Modulation von Wirtsenzymen (nach Oliveira unter Berufung auf eine weitere Arbeit; in den Studien ist die Evidenz indirekt, gemessen über Gesamtantioxidationskapazität, Malondialdehyd und Lipidperoxidation), die Darm-Hoden-Achse, Samenviskosität, Adhäsion und Biofilme (Kuribayashi), Stoffwechsel (Lundy: S-Adenosyl-L-Methionin-Zyklus) und den Austausch zwischen Partnern (Kuribayashi gegenüber Baud 2025). Alle sind Hypothesen, nicht beim Menschen bewiesen. Tierstudien wurden in der Recherche identifiziert (etwa mit L. rhamnosus PB01 bei Mäusen mit ernährungsbedingter Adipositas, Dardmeh 2017; Hunde, Mahiddine 2023 [s072]), aber nur Titel und Einordnung geprüft, ohne Zahlen; die Recherche zitiert nach ihrer Regel keine quantitativen Tierergebnisse, die nicht gelesen wurden. Für die Übertragbarkeit verweist sie auf die Übersicht von Ma und Kollegen zu Tiermodellen der Darm-Hoden-Achse (nur der Titel gelesen) [s016]. Eine kleine Studie zur Genitalmikrobiota heimischer portugiesischer Ziegen (Nyoni 2026) ist veterinärmedizinisch und nicht anwendbar; eine brasilianisch mitverfasste Übersicht von 2026 zu oxidativem Stress und männlicher Unfruchtbarkeit (Hallak und Kollegen) wurde nur über den Titel erfasst und nicht für Inhalte verwendet. Regionale Unterschiede: Die Daten stammen aus verschiedenen Populationen; der Einfluss von Ernährung, Klima und Antibiotika auf die Mikrobiota wurde in den gelesenen Quellen nicht untersucht.
Datenbanken und Besonderheiten. Für den portugiesischen Raum ist die Suche in internationalen Datenbanken mit Sprachfilter wenig ergiebig, weil die Beiträge in englischer Sprache erscheinen; SciELO-Suchbegriffe tauchen nur in den Suchstrategien der Übersichten auf (Oliveira nutzte portugiesische Entsprechungen der Schlagworte). Die Besonderheit dieses Raums ist daher nicht eine eigene Population, sondern ein Zeitschriftenfenster: Die JBRA bietet drei der wichtigsten Übersichten, von denen eine von kolumbianischen Autoren stammt. Die Einordnung der Recherche lautet, die Evidenz sei von sehr niedriger Sicherheit; die Probiotika-Studien seien wenige, kleine und kurze Studien mit Laborendpunkten, praktisch ohne Schwangerschaftsraten, und eine der häufig zitierten Studien sei zurückgezogen.
Was offen bleibt. Brasilianische und portugiesische Kohorten des seminalen Mikrobioms mit Dekontamination, Kontrollen und Daten zu Ernährung und Antibiotika; größere, vorregistrierte Einstammstudien mit Schwangerschafts- und Lebendgeburtsendpunkten und Dosis-Wirkungs-Abstufung; längsschnittliche Paarstudien zum mikrobiellen Austausch; die Richtung der Wirkung von Lactobacillus auf Artebene (zum Beispiel L. iners); und eine Phänotypisierung (Varikozele, Leukozytospermie, DNA-Fragmentierung), um zu erkennen, bei wem eine Wirkung überhaupt denkbar wäre.