Befund vorab: dünn, aber mit einigen eigenen Linien. Die spanische Recherche lief über Europe PMC beziehungsweise PubMed-Datensätze; geprüft wurden Zusammenfassungen, nicht durchgehend Volltexte. Eine PubMed-Suche mit den spanischen Begriffen „microbiota seminal infertilidad masculina“ ergab am 04.10.2026 null Treffer: Die Literatur zum Thema ist in englischer Sprache indexiert. Die gezielte Suche in spanischsprachigen Zeitschriften (Actas Urológicas Españolas, Revista Internacional de Andrología, Revista Española de Quimioterapia) lieferte nur wenige einschlägige Arbeiten: eine kolumbianische Studie zur Mikrobiota des Geschlechtsverkehrs und Prostatitis, spanische mikrobiologische Serien zu Bakteriospermie und Genitalinfektionen sowie eine Übersicht zu Mikrobiom und Peniskrebs (García-Perdomo 2024), die für die Fruchtbarkeit nicht einschlägig ist und nicht ausgewertet wurde. Eine spanischsprachige Metaanalyse zu Probiotika und Samenqualität wurde nicht gefunden; Dialnet und ASEBIR wurden nicht direkt abgefragt. Ein spanisches Informationsportal (reproduccionasistida.org, aktualisiert am 16.03.2026) fasst die Übersicht von Kuribayashi zusammen, ist aber Aufklärung und keine Primärquelle und wird nicht für Zahlen genutzt. Die meisten Wirksamkeitsdaten stammen aus Gruppen in Spanien (Granada, Barcelona, León/Valencia, Madrid), die auf Englisch publizieren, sowie aus Kolumbien, Brasilien (JBRA, englisch), dem Iran und Italien.
Die katalanische Kohorte. Die Gruppe der Universitat Autònoma de Barcelona um Garcia-Segura untersuchte 14 Samenspender und 42 Patienten mit idiopathischer Unfruchtbarkeit mit Sequenzierung des vollständigen 16S-rRNA-Gens (Illumina MiSeq) in einer westmediterranen Bevölkerung (Frontiers in Cell and Developmental Biology 2022) [s077]. Dominierende Phyla waren Firmicutes, Proteobacteria, Actinobacteria und Bacteroidetes; die häufigsten Gattungen Finegoldia, Peptoniphilus, Anaerococcus, Campylobacter, Streptococcus, Staphylococcus, Moraxella, Prevotella, Ezakiella, Corynebacterium und Lactobacillus. Ezakiella wurde erstmals in Samenproben nachgewiesen. Zwei Cluster mikrobieller Profile ließen sich bilden, und einzelne Gattungen traten bei Samenqualitätsdefekten mit unterschiedlicher Häufigkeit auf. Moraxella, Brevundimonas und Flavobacterium korrelierten negativ mit der globalen DNA-Fragmentierung; die beiden letzteren waren auch mit höherer Motilität verbunden, Brevundimonas zusätzlich mit niedrigerem Redoxpotenzial. Actinomycetaceae, Ralstonia und Paenibacillus korrelierten mit verminderter Protaminierung und mehr Doppelstrangbrüchen. Die Autoren verweisen darauf, dass die Effekte auf die DNA-Integrität in vielen Fällen mit dem Stoffwechsel oder den Enzymaktivitäten der Gattungen übereinstimmen. Zwischen Fruchtbaren und Unfruchtbaren fanden sich Unterschiede in der Familie Propionibacteriaceae und den Gattungen Cutibacterium, Rhodopseudomonas und Oligotropha. Der Abstract gibt keine p-Werte oder Koeffizienten an. Die spanische Besonderheit liegt hier im Vergleich zu den Übersichten: Lactobacillus gehört in dieser Kohorte zu den häufigen Gattungen, ist aber nicht dominant. Methodisch folgt eine zweite Arbeit derselben Gruppe (International Journal of Molecular Sciences 2023) [s067]: Dieselben 56 Proben wurden mit der Plattform MinION von Oxford Nanopore sequenziert und mit den Illumina-Daten verglichen. Die zehn häufigsten Gattungen (Peptoniphilus, Finegoldia, Staphylococcus, Anaerococcus, Campylobacter, Prevotella, Streptococcus, Lactobacillus, Ezakiella, Enterococcus) stimmten weitgehend überein und machten über 70 % der klassifizierten Reads aus, die relative Häufigkeit der einzelnen Bakterien korrelierte jedoch nicht zwischen den Plattformen, mit intraindividuellen Abweichungen von bis zu 50 Prozentpunkten. Auf Phylumebene ist der Plattformeffekt gering (leichte Abweichungen bei Firmicutes und Actinobacteria), auf Gattungsebene nicht. Das ist eine der wenigen direkten Messungen, wie stark Methodenunterschiede Aussagen über einzelne Gattungen verändern können. Die Autoren betonen, aus der Methodenvielfalt (Probengewinnung, DNA-Extraktion, 16S-Region, Bioinformatik) erkläre sich, dass es auf Gattungsebene keinen Konsens gibt, und sprechen sich für Mehrplattformstudien aus.
Klinische Serien aus Spanien. Mendoza-Rodríguez und Kollegen (Revista Española de Quimioterapia 2023) beschreiben in einer deskriptiven, retrospektiven Querschnittsstudie eines Regionalkrankenhauses im spanischen Südosten Patienten mit einem Bild, das zu chronischer bakterieller Prostatitis passt, zwischen 2016 und 2021 [s073]. Häufigster Erreger war Enterococcus faecalis (34,89 %), gefolgt von Ureaplasma spp. (13,74 %) und Escherichia coli (10,98 %). Die Chinolonresistenz von E. faecalis betrug 11 % und war niedriger als in früheren Studien, die von E. coli 35 % und höher; E. faecalis und E. coli zeigten geringe Resistenz gegen Fosfomycin und Nitrofurantoin. Es handelt sich um eine symptomatische Klinikpopulation, nicht um eine Fruchtbarkeitskohorte, und die Studie gibt keine Auskunft über Spermienqualität. Foronda-García-Hidalgo und Kollegen (Revista Española de Quimioterapia 2019, Granada) werteten 3.066 Proben von Männern mit Genitalinfektion aus (2016 bis 2017; 451 positive, 14,71 %) [s102]. In der Kultur waren die häufigsten Erreger Enterobacterales (18,40 %), Enterococcus (13,75 %), Haemophilus (8,65 %), Neisseria gonorrhoeae (8,43 %), Ureaplasma (5,10 %) und Candida (3,77 %); per PCR (BD-MAX) waren es N. gonorrhoeae (28,37 %), Chlamydia trachomatis (26,95 %), Ureaplasma urealyticum (17,73 %), Mycoplasma hominis/Ureaplasma parvum (10,64 %) und Mycoplasma genitalium (7,10 %). Das Alter war bei Enterobacterales, Candida und Enterococcus höher, bei N. gonorrhoeae niedriger. Auch diese Arbeit ist keine Studie zur Samenqualität; sie zeigt, dass Kultur und PCR unterschiedliche Erregerspektren abbilden. Saldarriaga López und Kollegen (Revista Internacional de Andrología 2024, Kolumbien; Gruppe um Cardona Maya, Antioquia) untersuchten das Sperma von 22 Männern mit Symptomen chronischer Prostatitis und 31 asymptomatischen Kontrollen auf Lactobacillus crispatus, L. iners, Gardnerella vaginalis und Atopobium vaginae sowie Spermienparameter, antioxidative Gesamtkapazität, prostataspezifisches Antigen und einige proinflammatorische Zytokine [s058]. Männer mit Prostatitis-Symptomen hatten einen niedrigeren Anteil normaler Morphologie (4,3 % gegenüber 6,0 % bei den Kontrollen; p = 0,004); in der asymptomatischen Gruppe wurden Mikroorganismen der Vaginalflora häufiger nachgewiesen. Die Autoren vermuten einen möglichen Schutz durch diese Organismen. Das ist eine Hypothese auf der Grundlage von 53 Proben im Querschnitt.
Probiotika-Studien mit Bezug zu Spanien. Valcarce und Kollegen (Beneficial Microbes 2017; León) gaben neun asthenozoospermen Männern ohne Kontrollgruppe Lactobacillus rhamnosus CECT8361 und Bifidobacterium longum CECT7347 über drei und sechs Wochen [s112]. Spermienmotilität (computergestützte Analyse), DNA-Fragmentierung (Chromatinstruktur-Test), Zellvitalität (Durchflusszytometrie) und intrazelluläres H₂O₂ (Durchflusszytometrie) wurden vor, während und drei und sechs Wochen nach der Gabe gemessen. Die Motilität stieg etwa um das Sechsfache, die DNA-Fragmentierung sank statistisch signifikant (etwa 1,2-fach), intrazelluläres H₂O₂ sank etwa 3,5-fach, die Vitalität blieb unverändert; die Autoren sprechen von vorläufigen Belegen. Ohne Kontrollgruppe, mit neun Teilnehmern und ohne Zahlen im Abstract zu absoluten Werten ist das ein Signal und kein Wirksamkeitsnachweis; die Diskussion der Gholipour-Studie führt die in der Valcarce-Studie fehlende Besserung von Morphologie und Konzentration auf die kürzere Dauer und kleine Stichprobe zurück, was eine Vermutung ist. Die zweite Studie ist die Paarstudie von Huerga López und Kollegen (Nutrients 2025; Madrid, Hospital Clínico San Carlos) [s040]. Sie war als Nichtunterlegenheitsstudie angelegt, randomisiert, dreifach verblindet und placebokontrolliert (ClinicalTrials.gov NCT06290518; Rekrutierung vom 17.11.2020 bis 22.11.2022). Die Fallzahlplanung ging von einer IVF-Erfolgsrate von 32 % am Zentrum und einer Pilotrate von 56 % aus, mit Nichtunterlegenheitsgrenze 10 %, Power 80 % und einseitigem Niveau 2,5 %; das ergab 32 Paare je Gruppe, bei einer erwarteten Ausfallrate von 20 % wurden 70 Paare angesetzt. Von 285 beurteilten Paaren erfüllten 153 die Kriterien nicht, 62 lehnten ab; 70 Paare wurden randomisiert (35 gegen 35), fünf Paare der Placebogruppe und acht der Probiotikagruppe schieden aus, 30 gegen 27 Paare schlossen die Studie ab. Beide Partner nahmen täglich eine Kapsel mit 3 × 10⁹ lebensfähigen Zellen Ligilactobacillus salivarius CECT5713 mit Maltodextrin oder nur Maltodextrin, in den sechs Monaten vor der IVF und im ersten IVF-Zyklus (mittlere Einnahmedauer 154,9 gegenüber 161,9 Tage), bei Schwangerschaft die Frauen weitere zwölf Wochen. Primärer Endpunkt war die Zahl der Teilnehmer mit einer Schwangerschaft, die zu einem gesunden Kind ohne Fehlbildung führte. Ergebnis: 6 von 30 Paaren (20,0 %) in der Placebogruppe gegen 13 von 27 (48,1 %) in der Probiotikagruppe (einseitiger Chi-Quadrat-Test; p = 0,024; absolute Risikozunahme 28 %, 95-%-KI 5 bis 52 %). Die Gesamtzahl der Schwangerschaften einschließlich spontaner betrug 8 von 30 (26,7 %) gegen 14 von 27 (51,8 %; p = 0,051); nach Embryotransfer waren 4 von 14 (28,6 %) gegen 11 von 17 (64,7 %) schwanger (p = 0,045); Fehlgeburten 2 gegen 1; drei spontane Schwangerschaften in jeder Gruppe vor der Stimulation (10,0 % gegen 11,1 %). Der Abstract bezeichnet dies als „Schwangerschaftserfolg“; im Volltext ist der Endpunkt die Lebendgeburt. Es gab keine Nebenwirkungen; ein Kind kam mit 34 Wochen und 5 Tagen nach vorzeitigem Blasensprung bei Chorioamnionitis zur Welt. Die Probiotikagruppe hatte unter den Männern einen höheren Anteil mit Alkoholkonsum (81,5 % gegenüber 53,3 %; p = 0,024). Die Immunprofile von Vagina und Sperma besserten sich, ohne wesentliche Änderung der mikrobiellen Zusammensetzung. Zur Einordnung: Beide Partner erhielten das Probiotikum, die Studie kann deshalb keine Wirkung auf die männliche Fruchtbarkeit isolieren; der Test war einseitig; die Fallzahlen sind klein, ausgewertet wurden nur 57 Paare; und die Autoren nennen die Befunde selbst vorläufig. Es ist zugleich die einzige in diesem Kapitel gefundene Studie, die Schwangerschaften und Geburten als Hauptendpunkt berichtet.
Übersichten mit spanischer Beteiligung. Corral-Vazquez, Blanco, Sarrate und Anton (Biology 2024; Autonome Universität Barcelona) beschreiben das seminale Mikrobiom, seine Herkunft und Zusammensetzung, äußere Einflüsse (Lebensstil, Darmmikrobiota, Erkrankungen, Präbiotika und Probiotika) und erinnern an Grenzen und Vorteile technischer Variabilität [s049]. Corbett, Crosby und McAuliffe (European Journal of Obstetrics, Gynecology, and Reproductive Biology 2021) werteten Probiotika bei Paaren mit Unfruchtbarkeit aus: 882 Artikel, 26 im Volltext gelesen, vier eingeschlossen; von den zwei Studien mit dem Primärendpunkt fand nur eine eine nicht signifikante Steigerung der klinischen Schwangerschaftsrate (48,0 % gegenüber 58,8 %; p = 0,47) bei höherer Fehlgeburtsrate (30 % gegenüber 16,6 %; p = 0,47); die beiden Studien an Männern mit oralen Probiotika zeigten signifikant verbesserte Motilität [s087]. Die spanische Recherche weist darauf hin, dass aus dem Abstract nicht hervorgeht, bei welchem Geschlecht die Intervention in der Studie mit Schwangerschaftsendpunkt erfolgte; bei p = 0,47 ist kein Unterschied nachweisbar. Weitere Übersichten, die das spanische Dokument heranzieht: Farahani (zwei gepoolte Schätzer mit Konfidenzintervall, siehe englischer Abschnitt) [s089]; Brandão [s086]; Gomes [s068]; Oliveira [s055]; Bazzar [s001]; Kuribayashi [s011]; Altmäe, Franasiak und Mändar [s100]. Das Dokument korrigierte im Prüfprotokoll einen eigenen Fehler: Die Aussage, der Farahani-Abstract enthalte keine Konfidenzintervalle, war falsch. Mit Ausnahme von Farahani enthalten, so betont das Dokument, die Abstracts dieser Übersichten keine gepoolten Schätzer mit Konfidenzintervall; andere gepoolte Effektgrößen werden deshalb nicht genannt.
Weitere Probiotika-Studien, Tiermodelle und Register. Helli (52 Männer) und Gholipour (110 Männer) werden im spanischen Dokument mit den bekannten Zahlen aufgeführt [s079, s007]; das Dokument weist darauf hin, dass der Gholipour-Abstract nicht klärt, ob die genannten Werte absolut oder Differenzen sind (nach dem Volltext sind es adjustierte Mittelwerte nach drei Monaten, siehe deutscher Abschnitt). Zu Tiermodellen erwähnt es zwei Studien an Zebrafischen der Gruppe von Valcarce (2019), deren Titel eine Verbesserung der Spermienqualität angeben; ohne Abstract werden keine Zahlen genannt, und spanische veterinärmedizinische Arbeiten zur Samenmikrobiota (Schwein, Pferd, Schaf, Bienen) werden nicht analysiert. Im Register ClinicalTrials.gov existiert nach dem Dokument ein Eintrag NCT04585984 zu einem antioxidativen Probiotikum und Samenqualität; Ergebnisse wurden nicht verifiziert.
Mechanismen und Regionales. Nach den Abstracts werden genannt: direkte Toxizität von Bakterien auf die Spermienfunktion (Labor, Farahani), oxidativer Stress und Sauerstoffspezies sowie Zytokine (Bazzar), DNA- und Chromatinintegrität in Abhängigkeit von einzelnen Gattungen (Garcia-Segura), bidirektionaler Austausch von Mikroorganismen bei sexueller Aktivität (Bazzar; Altmäe nennt den Transfer auf Partnerin und Nachkommen), gastrointestinale und äußere Herkunft der Gemeinschaft und die Darm-Hoden-Achse (Kuribayashi, nur Stichwörter). Für Probiotika: antioxidative Wirkung, weniger Sauerstoffspezies und DNA-Fragmentierung (Valcarce; Oliveira) sowie geringere Marker für oxidativen Stress und Entzündung (Helli). Regional beschreibt das Dokument für Spanien eine westmediterrane Bevölkerung mit anaeroben grampositiven Gattungen (Finegoldia, Peptoniphilus, Anaerococcus) und Lactobacillus nicht dominant, und für andalusische Klinikkontexte Enterococcus faecalis und Ureaplasma bei symptomatischer Bakteriospermie mit dokumentierten lokalen Resistenzen; für Kolumbien Studien zur sexuellen Mikrobiota und Prostatitis; für Brasilien die JBRA-Übersichten. Es schließt, dass sich aus den Daten keine echten geografischen Unterschiede ableiten lassen, weil Unterschiede der Zusammensetzung auf Technik (Illumina gegenüber MinION) und Population beruhen können. Zu den Sprachraum-Besonderheiten gehört außerdem, dass die klinisch-mikrobiologischen Serien (Mendoza-Rodríguez, Foronda-García-Hidalgo) auf Spanisch erscheinen und Resistenzdaten liefern, während die Sequenzierstudien auf Englisch publiziert sind; die Behandlungsfrage bei symptomatischer Bakteriospermie (Antibiotikum nach Kultur und Antibiogramm) gehört in die ärztliche Abklärung und wird hier nicht beurteilt.
Was offen bleibt. Große multizentrische randomisierte Studien mit Lebendgeburt als Hauptendpunkt; standardisierte Probengewinnung und Sequenzierung mit Negativkontrollen (ob die Studien Negativkontrollen einschlossen, wurde nicht geprüft); Längsschnittstudien zur Ursächlichkeit; optimale Stämme, Dosen, Dauer und Wirkung von Präbiotika; größere hispanophone Kohorten aus Spanien und Lateinamerika mit geografischem Vergleich; die Rolle der Partnerin; und die Abgrenzung der symptomatischen Bakteriospermie von der kommensalen Besiedlung.