# Das seminale und genitale Mikrobiom, Probiotika und Spermienqualität: Gesamtstudie zur männlichen Infertilität

Quelle: https://bosslevel.eu/recherche/mikrobiom.html · Stand 22. Oktober 2026 · Redaktion: Bernd Peter (bosslevel.eu) · 129.106 Wörter, 126 Quellen

> Mit KI-Unterstützung aus Fachliteratur in zwölf Sprachräumen zusammengestellt. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung.

## Kurzantwort

Sperma ist nicht keimfrei: Bakterien finden sich auch bei fruchtbaren Männern. Nachgewiesene Genitalinfektionen gehen mit schlechteren Spermienwerten einher, für das normale Samenmikrobiom ist das Bild dagegen widersprüchlich. Probiotika zeigten in kleinen Studien bessere Spermienwerte, doch die Studien sind klein, stammen überwiegend aus dem Iran, eine wurde zurückgezogen, und Daten zu Schwangerschaft und Lebendgeburt beim Mann fehlen. Die Belastbarkeit ist überwiegend gering.

## Häufige Fragen

### Ist Sperma keimfrei?

Nein. Sequenzierungsstudien fanden in allen untersuchten Samenproben Bakterien, bei fruchtbaren wie bei unfruchtbaren Männern. Eine Metaanalyse von 55 Beobachtungsstudien beschreibt die Gemeinschaft in beiden Gruppen als reich und vielfältig. Unklar bleibt, welche Bakterien tatsächlich aus dem Samen stammen und welche aus Harnröhre, Haut oder Probengewinnung, denn eine Verunreinigung der Probe lässt sich nicht ausschließen.

### Beeinträchtigt das Samenmikrobiom die Spermienqualität?

Die Studienlage ist widersprüchlich. Die Metaanalyse beschreibt mit Laktobazillen bessere und mit Prevotella schlechtere Spermienwerte, hält die Evidenz zur Fruchtbarkeit aber selbst für nicht schlüssig. Die größte sequenzierte Kohorte mit 223 Männern fand keinen Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung mit dem Spermiogramm. Ursache und Wirkung sind nicht getrennt, die Studien sind meist klein und uneinheitlich.

### Verschlechtern Genitalinfektionen die Spermienwerte?

Hier ist die Lage besser belegt als bei der allgemeinen Dysbiose. Eine Metaanalyse von 2026 fand bei nachgewiesenen Infektionen des Urogenitaltrakts geringere Konzentration, Motilität und Morphologie, bei sehr hoher Heterogenität. Für Mycoplasma hominis zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Ob eine Behandlung die Fruchtbarkeit verbessert, beantwortet die Studie nicht; Kausalität ist nicht gesichert.

### Können Probiotika die Spermienqualität verbessern?

Kleine, überwiegend iranische Studien berichten bessere Konzentration, Beweglichkeit oder Morphologie. Die einzige Metaanalyse umfasst vier Studien mit 156 Teilnehmern, mit sehr hoher Heterogenität und breiten Konfidenzintervallen. Eine der vier Studien wurde 2026 zurückgezogen. Eine unabhängige Wiederholung fehlt, die Gewissheit ist niedrig. Eine Therapieempfehlung ergibt sich daraus nicht.

### Erhöhen Probiotika beim Mann die Chance auf ein Kind?

Das ist nicht gezeigt. Studien mit Lebendgeburt als Hauptziel liegen für Probiotika beim Mann nicht vor. Eine randomisierte Studie bei Paaren vor künstlicher Befruchtung berichtete 48,1 gegenüber 20,0 Prozent Geburten, doch beide Partner nahmen das Präparat, der Test war einseitig, und die Autoren sprechen von vorläufigen Befunden.

### Wurde die Probiotika-Metaanalyse beeinträchtigt?

Ja, teilweise. Zu den vier Studien der einzigen quantitativen Zusammenfassung gehört die Arbeit von Helli und Kollegen, die 2026 zurückgezogen wurde. Der gepoolte Schätzer beruht damit zum Teil auf einer zurückgezogenen Studie. Den Grund der Rückziehung und ob die Metaanalyse inzwischen korrigiert wurde, konnte die Studie nicht klären.

### Taugt ein Mikrobiomtest des Ejakulats als Diagnose?

Nach der Studienlage nicht. Der Nachweis von Bakterien im Ejakulat ist für sich genommen keine Diagnose, und Mikrobiomtests sind kein etablierter Routinebefund. Ein Modell aus fünf Bakteriengattungen mit einer AUC von 0,773 stammt aus einer kleinen Einzelzentrumsstudie ohne externe Validierung. Fragen zu Fruchtbarkeit oder auffälligen Samenbefunden gehören in die ärztliche, andrologische Abklärung.

### Belegen Tierversuche eine Darm-Hoden-Achse?

Tierversuche stützen sie als plausible Möglichkeit. Bei Mäusen verminderten Darmbakterien fettreich gefütterter Tiere Spermatogenese und Motilität, und eine Stuhltransplantation verbesserte die Samenqualität fettreich ernährter Tiere. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist ausdrücklich ein Engpass; beim Menschen ist die Achse unbewiesen.

*Stand 4. Oktober 2026*

## Kurzfassung

Die Frage dieser Studie lautet: Welche Bakteriengemeinschaften leben im Ejakulat und im männlichen Genitaltrakt, hängen sie mit der Spermienqualität und der männlichen Unfruchtbarkeit zusammen, und können Probiotika die Spermienwerte verbessern? Ausgewertet wurden 126 Quellen aus zwölf Sprachräumen. Die Quellenlage ist breit, die Belastbarkeit der Aussagen aber überwiegend gering. Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen. Es enthält keine Therapieempfehlung.

**Sperma ist nicht keimfrei.** Sequenzierungsstudien finden in allen untersuchten Samenproben Bakterien, bei fruchtbaren wie bei unfruchtbaren Männern [s054, s089]. Die umfassendste Auswertung, eine Metaanalyse von 55 Beobachtungsstudien mit 51.299 Personen, beschreibt eine reiche und vielfältige Gemeinschaft in beiden Gruppen [s089]. Laktobazillen gingen dort mit besseren, Prevotella mit schlechteren Spermienparametern einher. Der Nachweis einer Bakteriospermie war mit einem um 3,518 Prozentpunkte höheren DNA-Fragmentierungsindex verbunden (95-%-Konfidenzintervall 0,907 bis 6,129; p = 0,008), und Ureaplasma urealyticum wurde bei unfruchtbaren Männern häufiger nachgewiesen (Odds Ratio 2,25; 95-%-KI 1,47 bis 3,46) [s089]. Die Autoren selbst bezeichnen die Evidenz zur Wirkung des Mikrobioms auf die Fruchtbarkeit als nicht schlüssig [s089].

**Das Bild ist widersprüchlich.** Die größte sequenzierte Kohorte, die prospektive Querschnittsstudie von Mowla und Kollegen mit 223 Männern, fand keinen Zusammenhang zwischen der Gesamtzusammensetzung oder der Bakterienlast und Spermiogramm, oxidativem Stress oder DNA-Fragmentierung; nur ein nicht näher bestimmtes Flavobacterium war mit auffälligen Samenanalysen verbunden [s043]. Auch Baud und Kollegen (94 Männer) sahen keinen Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung mit dem Spermiogramm [s101]. Selbst die Gattung Lactobacillus ist nicht einheitlich günstig: Lactobacillus iners war bei auffälliger Motilität häufiger (mittlerer Anteil 9,4 % gegenüber 2,6 %) [s056]. Fast alle Studien sind kleine Querschnittsstudien mit unterschiedlicher Methodik; eine Verunreinigung der Probe durch Harnröhren- und Hautflora lässt sich nicht ausschließen. Ursache und Wirkung sind nicht getrennt.

**Genitale Infektionen sind besser belegt als „Dysbiose“.** Eine Metaanalyse von 2026 fand bei Männern mit dokumentierten Infektionen des Urogenitaltrakts gepoolt ein geringeres Volumen, eine geringere Konzentration, progressive Motilität, Gesamtzahl und Morphologie, bei sehr hoher Heterogenität (I² 66 bis 95 %) [s004]. Für Mycoplasma hominis ergab eine Metaanalyse über 11 Studien niedrigere Konzentration, Motilität, Vitalität und Morphologie sowie einen höheren pH-Wert des Ejakulats [s002]. Das sind Aussagen über nachgewiesene Erreger, nicht über das normale Samenmikrobiom.

**Probiotika: kleine Studien, ein fragiler Pool.** Die einzige quantitative Zusammenfassung für Probiotika bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit umfasst nur vier Studien mit 156 Teilnehmern (drei randomisierte, eine einarmige). Sie berichtet höhere Spermienkonzentration (standardisierte Mittelwertdifferenz, SMD, 1,96; 95-%-KI 0,08 bis 3,84), Motilität (SMD 1,28; 0,28 bis 2,28) und Ejakulatvolumen (SMD 0,89; 0,10 bis 1,67), jedoch bei einer Heterogenität I² von 95, 86 und 79 % [s020]. Die Zuordnung der Zahlen zu Motilität und Volumen ist im Abstract und im Ergebnisteil der Publikation nicht einheitlich (siehe Kernbefund 10). Schwerwiegender: Zu den vier eingeschlossenen Studien gehört die Arbeit von Helli und Kollegen [s079, s020], die 2026 zurückgezogen wurde [s021]. Der gepoolte Schätzer beruht damit teilweise auf einer zurückgezogenen Studie; ob die Metaanalyse aktualisiert wurde, ist nicht geprüft.

**Klinische Endpunkte fehlen weitgehend.** Eine signifikante Schwangerschaftsrate findet sich unter den ausgewerteten Probiotika-Studien nur in einer randomisierten Studie (48,1 % gegenüber 20,0 %); sie war aber dies eine Paar-Intervention vor einer künstlichen Befruchtung mit einseitigem Test und 57 von 70 abgeschlossenen Paaren, also kein reiner Männerversuch [s040]. Studien mit Lebendgeburt als Hauptziel liegen für Probiotika beim Mann nicht vor. Tierversuche und Zellmodelle stützen eine mögliche Darm-Hoden-Achse, sind aber nicht auf den Menschen übertragbar [s097, s078, s031].

**Einordnung.** Kein Befund dieser Studie rechtfertigt eine allgemeine Empfehlung für Mikrobiomtests des Ejakulats oder für Probiotika. Der Nachweis von Bakterien im Ejakulat ist für sich genommen keine Diagnose. Fragen zu Fruchtbarkeit, Beschwerden oder auffälligen Samenbefunden gehören in die ärztliche, andrologische Abklärung. Die Literatur in den meisten Sprachräumen außerhalb des Englischen ist dünn; der Kern der Evidenz stammt aus englischsprachigen Publikationen, häufig aus dem Iran, Italien, China, der Schweiz, Estland, Spanien und Großbritannien.

## Das Wichtigste in Kürze

**Wie die Gewissheit eingeordnet wird.** Die Einstufung ist eine eigene, grobe Einordnung dieser Studie und keine formale GRADE-Bewertung. Nur eine ausgewertete Quelle berichtet selbst eine GRADE-Bewertung: Die Metaanalyse von Melhem und Kollegen (41 randomisierte Studien, 3615 Männer) stuft die Sicherheit der Evidenz für Antioxidantien bei idiopathischer Unfruchtbarkeit als sehr niedrig ein, bei breiten Vorhersageintervallen [s017]. Als Anker gilt hier: Wenn schon im am besten untersuchten Supplementfeld die Sicherheit sehr niedrig ist, kann das jüngere Probiotikafeld kaum besser dastehen. Die Stufen lauten: **hoch** (mehrere konsistente, große, kontrollierte Studien; in dieser Literatur nirgends erreicht), **mittel** (Metaanalyse mehrerer konsistenter Studien, aber Beobachtungsdesign), **niedrig** (kleine Einzelstudien, Querschnittsdesign, Surrogatendpunkte, inkonsistente Befunde), **sehr niedrig** (Fallserie, Vorabdruck, Abstract-Informationen ohne Kontrollgruppe) und **präklinisch** (Tier- und Zellversuche, keine Humanevidenz).

1. **Das Ejakulat enthält Bakterien, auch bei fruchtbaren Männern.** In der Übersicht von Neto und Kollegen (37 Studien, 9310 Teilnehmer; 16 Studien mit Kultur, 16 mit Sequenzierung, 5 gemischt) fanden alle sequenzierungsbasierten Studien Bakterien in allen Samenproben; Pilze und Viren hatte keine der Studien untersucht [s054]. Die Metaanalyse von Farahani und Kollegen beschreibt die Gemeinschaft bei fruchtbaren und unfruchtbaren Männern als reich und vielfältig [s089]. Die Prävalenz einer Bakteriospermie schwankt je nach Studie zwischen 7 und 65,7 % [s054]. *Evidenzstärke:* mittel für die Aussage, dass Bakterien vorkommen (viele Studien, übereinstimmend). *Gewissheit:* hoch für das Vorkommen, aber niedrig dafür, welche Bakterien aus dem Samen selbst stammen und welche aus Harnröhre, Haut oder Probengewinnung.

2. **Metaanalyse von 55 Beobachtungsstudien: Muster, aber kein Beweis.** Farahani und Kollegen (51.299 Personen, Studien 1992 bis 2019, Nachweis per Kultur, PCR oder Sequenzierung) berichten: Lactobacillus mit besseren, Prevotella mit schlechteren Spermienparametern; Bakteriospermie mit negativem Effekt auf Konzentration und progressive Motilität; DNA-Fragmentierungsindex im Mittel 3,518 höher (95-%-KI 0,907 bis 6,129; p = 0,008); Ureaplasma urealyticum bei Unfruchtbarkeit häufiger (OR 2,25; 1,47 bis 3,46) und mit negativem Effekt auf Konzentration und Morphologie; Enterococcus faecalis mit geringerer Gesamtmotilität; Mycoplasma hominis mit geringerer Konzentration, progressiver Motilität und Morphologie; kein Unterschied bei Chlamydia trachomatis [s089]. Die Autoren halten die Evidenz zur Fruchtbarkeit selbst für nicht schlüssig [s089]. *Evidenzstärke:* mittel bis niedrig (Metaanalyse, aber ausschließlich Beobachtungsstudien unterschiedlicher Methodik). *Gewissheit:* mäßig für die Richtung bei Bakteriospermie und Ureaplasma, gering für Kausalität.

3. **Die größte Sequenzierkohorte findet keinen Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung.** Mowla und Kollegen schlossen 223 Männer ein (63 mit nachgewiesener Vaterschaft, 46 Partner bei wiederholten Fehlgeburten, 58 mit männlichem Faktor, 56 Partner bei ungeklärter Unfruchtbarkeit). Die Proben ordneten sich in drei Gattungs-Gruppen (Streptococcus; Prevotella; Lactobacillus und Gardnerella); die Prevotella-Gruppe hatte die höchste Reichhaltigkeit, Alpha-Diversität und Bakterienlast. Gesamtzusammensetzung und Last waren weder mit Samenanalyse noch mit reaktiven Sauerstoffspezies noch mit DNA-Fragmentierung verbunden; ein nicht identifiziertes Flavobacterium ging häufiger mit auffälliger Samenanalyse einher [s043]. Das deckt sich mit der Kohorte von Baud und Kollegen, in der 94 Männer (26 normal, 68 mit mindestens einem auffälligen Parameter) untersucht wurden: drei Profile (Prevotella-, Lactobacillus-angereichert, polymikrobiell), die Prevotella-Gruppe mit der höchsten Last, aber keine Korrelation der Gesamtgemeinschaft mit dem Spermiogramm [s101]. *Evidenzstärke:* niedrig bis mittel (prospektiv, relativ groß, Querschnitt). *Gewissheit:* mäßig, dass eine globale Störung des Mikrobioms kein starker Marker ist; gering für einzelne Gattungen.

4. **Einzelne Gattungen zeigen wiederkehrende, aber widersprüchliche Signale.** Weng und Kollegen (96 Samenproben) fanden Lactobacillus (19,9 %), Pseudomonas (9,85 %), Prevotella (8,51 %) und Gardnerella (4,21 %) als häufigste Gattungen; im Lactobacillus-Cluster waren 29 von 55 Proben normal (52,7 %), im Pseudomonas-Cluster 5 von 25 (20 %), im Prevotella-Cluster 2 von 16 (12,5 %) [s116]. Dagegen war bei Osadchiy und Kollegen Lactobacillus iners bei auffälliger Motilität (n = 27 gegen 46) häufiger (9,4 % gegen 2,6 %; p = 0,046), und bei auffälliger Konzentration (n = 20 gegen 53) waren Pseudomonas stutzeri (2,1 % gegen 1,0 %) und Pseudomonas fluorescens (0,9 % gegen 0,7 %) häufiger, Pseudomonas putida seltener (0,5 % gegen 0,8 %) [s056]. Bei Lundy und Kollegen (25 unfruchtbare, 12 fruchtbare Männer) war Prevotella mit der Spermienkonzentration umgekehrt, Pseudomonas dagegen mit der Zahl beweglicher Spermien positiv verknüpft, bei höherer Alpha-Diversität und mehr Aerococcus im Ejakulat unfruchtbarer Männer [s092]. Die Gattung Pseudomonas ist also je nach Studie und Art mal ungünstig, mal neutral oder günstig assoziiert. *Evidenzstärke:* niedrig (kleine Querschnittsstudien, multiple Vergleiche, knappe p-Werte). *Gewissheit:* gering; Artniveau scheint wichtiger als Gattungsniveau.

5. **Beim Menschen sind die Studien klein.** Die Übersicht von Hofman und Kollegen (29 Metagenomik-Studien zum Samenbakteriom) nennt eine mediane Teilnehmerzahl von 56 (Spanne 5 bis 285) und weist auf die methodische Heterogenität hin [s038]. Beispiele sind Lundy (37), Hou (77), Osadchiy (73), Baud (94), Mowla (223) und die chinesischen Querschnittsstudien (Yao, 87 Proben; Yang, 159; Cao, 53; Lu, je 70) [s092, s117, s056, s101, s043, s084, s099, s066, s041, s014]. *Evidenzstärke:* niedrig. *Gewissheit:* hoch für die Aussage, dass Stichproben klein und Methoden uneinheitlich sind.

6. **Genitale Infektionen: gepoolt messbare Einbußen bei den Spermienwerten.** Campbell und Kollegen (51 Studien, davon 35 in der Metaanalyse) fanden bei Männern mit Infektionen des Urogenitaltrakts ein geringeres Volumen (Mittelwertdifferenz −0,37 ml; −0,64 bis −0,09), eine geringere Konzentration (−6,65 Mio/ml; −11,17 bis −2,14; I² 90 %), progressive Motilität (−5,93 Prozentpunkte; −9,07 bis −2,78), Gesamtzahl (−47,15 Mio; −91,42 bis −2,88) und Morphologie (−0,76 Prozentpunkte; −1,19 bis −0,33); Gesamtmotilität, Vitalität und DNA-Fragmentierungsindex unterschieden sich nicht signifikant; die Heterogenität lag bei 66 bis 95 %, die Schwangerschafts- und Lebendgeburtsergebnisse unterschieden sich überwiegend nicht [s004]. Für Mycoplasma hominis (11 Studien) ergaben sich SMD für Konzentration −0,815 (−1,314 bis −0,317), progressive Motilität −0,36 (−0,683 bis −0,037), Vitalität −0,831 (−1,41 bis −0,253), normale Morphologie −0,631 (−1,178 bis −0,083) und für den pH-Wert +0,586 (0,167 bis 1,006) [s002]. *Evidenzstärke:* mittel bis niedrig (Metaanalysen von Beobachtungsstudien mit hoher Heterogenität). *Gewissheit:* mäßig, dass nachgewiesene Infektionen mit schlechteren Werten einhergehen; ob Behandlung die Fruchtbarkeit verbessert, wird hier nicht beantwortet.

7. **Bakteriospermie hängt mit DNA-Fragmentierung und Entzündung zusammen, der Weg ist nicht geklärt.** Neben dem gepoolten Wert von Farahani (siehe 2) fand die Fall-Kontroll-Studie von Eini und Kollegen (172 Patienten, 35 Kontrollen) bei 60 Patienten (34,88 %) eine positive Kultur; infizierte Proben hatten niedrigere Konzentration, Motilität und Morphologie und mehr DNA-Fragmentierung, wobei die Fragmentierung mit der Leukozytospermie korrelierte (R = 0,22; p < 0,01) [s088]. Die Übersicht von Lee und Cho nennt für die Bakteriospermie Prävalenzspannen von 20,1 bis 35,1 % (PCR) und 15,28 bis 34,88 % (Kultur) und sieht oxidativen Stress als Hauptmechanismus [s012]. Bei Saldarriaga und Kollegen hatten Männer mit chronischer Prostatitis (n = 22) 4,3 % normale Formen, Kontrollen (n = 31) 6,0 % (p = 0,004) [s058]. *Evidenzstärke:* niedrig bis mittel. *Gewissheit:* gering für den Mechanismus.

8. **Regionale Fallstudien bestätigen das Muster, sind aber schwer vergleichbar.** Im Iran wurden bei unfruchtbaren Männern (n = 130) C. trachomatis (9,2 gegen 3,1 %), M. hominis (15,4 gegen 3,1 %) und U. urealyticum (15,4 gegen 3,1 %) häufiger gefunden als bei fruchtbaren [s076]; eine weitere iranische Studie (n = 200) berichtete Odds Ratios von 8,06 für M. genitalium und 16 für C. trachomatis, ohne Konfidenzintervall [s090]. In Ägypten waren 64,71 % der Spermiogramme mit Bakteriospermie abnorm gegen 35,29 % ohne (je n = 34) [s074]. In Spanien dominierten bei symptomatischer Bakteriospermie Enterococcus faecalis (34,89 %), Ureaplasma spp. (13,74 %) und Escherichia coli (10,98 %) [s073]. *Evidenzstärke:* niedrig. *Gewissheit:* gering; Populationen, Nachweismethoden und Grenzwerte unterscheiden sich.

9. **Der Hoden ist wahrscheinlich nicht steril, aber die Datenlage ist schmal und kontaminationsanfällig.** Die russische Gruppe um Faniev untersuchte Hodengewebe bei Azoospermie: In einer Serie (n = 57; nicht obstruktive Azoospermie 29, obstruktive 19, fruchtbar 9) war die Diversität bei Azoospermie niedriger als bei fruchtbaren Männern [s062]; bei 33 Patienten fand sich in rund 83 % eine Mastozytose im Zwischengewebe [s060]; bei 24 Männern mit obstruktiver Azoospermie und assistierter Reproduktion hatten 13 eine Schwangerschaft, ohne signifikanten Unterschied des Shannon-Index (Hodengewebe 4,7 gegen 4,1) [s046]. Alfano und Kollegen (15 Hoden) fanden bei idiopathischer nicht obstruktiver Azoospermie mehr Bakterien-DNA [s104]. Übersichten weisen darauf hin, dass 50 bis 70 % der Sequenzen in Hodenproben Kontamination sein können [s050, s054]. *Evidenzstärke:* niedrig bis sehr niedrig. *Gewissheit:* gering.

10. **Probiotika, Metaanalyse: signifikant, aber unpräzise, heterogen und mit einer Zuordnungsunsicherheit.** Prihadi und Kollegen (4 Studien: Valcarce 2017, Maretti 2017, Helli 2020, Abbasi 2021; 156 Teilnehmer) berichten SMD 1,96 für die Konzentration (0,08 bis 3,84; p = 0,04; I² 95 %), 1,28 für die Motilität (0,28 bis 2,28; p = 0,01; I² 86 %) und 0,89 für das Volumen (0,10 bis 1,67; p = 0,03; I² 79 %); Dosen 10⁹ bis 10¹¹ koloniebildende Einheiten, Dauer 10 Wochen bis 6 Monate [s020]. Zwei Studien berichteten eine Verringerung der DNA-Fragmentierung mit weniger Entzündungs- und Oxidationsmarkern [s020]. Zwei Recherche-Dokumente weisen darauf hin, dass der Abstract die drei Zahlen in der Reihenfolge Konzentration, Volumen, Motilität nennt, der Ergebnisteil dagegen Motilität 1,28 und Volumen 0,89; diese Studie folgt dem Ergebnisteil (der auch zu den I²-Werten passt), und ein erneuter Abruf der Seite stützte diese Zuordnung. Ein SMD um 2 mit Konfidenzintervall bis nahe null und I² bis 95 % zeigt die Richtung, aber keinen verlässlichen Punktschätzer. *Evidenzstärke:* niedrig. *Gewissheit:* niedrig.

11. **Eine der vier Studien der Metaanalyse wurde zurückgezogen.** Helli und Kollegen (doppelblinde Studie, 52 Männer, je 26 pro Gruppe, 500 mg Probiotikum täglich über 10 Wochen) hatten höhere Werte für Volumen, Zahl, Konzentration und Motilität sowie bessere antioxidative Marker berichtet [s079]; die Zeitschrift hat die Arbeit 2026 zurückgezogen [s021]. Der Grund der Rückziehung wurde in den ausgewerteten Quellen nicht erfasst. Weil die Studie in die einzige Probiotika-Metaanalyse eingeht [s020], sind deren Schätzer zu überprüfen. Das schwächt auch Übersichten, die den antioxidativen Mechanismus von Probiotika stützen. *Evidenzstärke:* nicht anwendbar. *Gewissheit:* hoch, dass die Rückziehung vorliegt; offen, wie stark sie den gepoolten Effekt verändert.

12. **Kleine randomisierte Studien mit Surrogatendpunkten zeigen überwiegend bessere Spermienwerte.** Maretti und Cavallini (41 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie, 20 Verum, 21 Stärke-Kontrolle, 6 Monate; Lactobacillus paracasei B21060 mit Präbiotika): In der Verumgruppe stiegen die Mediane von 2,4 auf 3,1 ml (Volumen), 15,2 auf 28,3 Mio/ml (Konzentration), 16,2 auf 42,0 % (progressive Motilität) und 7 auf 16,3 % (normale Formen), jeweils p < 0,01; ein Gruppenvergleich steht im Abstract nicht [s111]. Asadi und Kollegen (78 Männer nach Varikozelenoperation, 38 gegen 40): Konzentration nach 3 Monaten 33,7 ± 22,5 gegen 21,1 ± 16,1 Mio/ml (p = 0,046), normale Morphologie 15,0 ± 8,9 gegen 12,0 ± 11,5 % (p = 0,016), Volumen und Motilität ohne signifikanten Unterschied [s064]. Abbasi und Kollegen (56 Männer, 80 Tage) fanden mit FamiLact höhere Konzentration, Motilität und Morphologie als unter Placebo (p < 0,05) [s085]. Gholipour und Kollegen (110 Männer, dreifach verblindet): signifikante Zeit-Gruppen-Wechselwirkungen für Konzentration (p = 0,003), Motilität (p < 0,001) und Morphologie (p < 0,001), nicht für das Volumen (p = 0,71); Werte nach 3 Monaten unter Probiotikum, Antioxidans und Placebo: Motilität 46,65, 26,58 und 22,75 %, normale Morphologie 4,31, 2,21 und 1,52 % [s007]. Zarehoroki und Kollegen (73 Männer, Antioxidans plus Placebo gegen Antioxidans plus 500 mg Synbiotikum, 3 Monate): Unterschiede der mittleren Änderung bei progressiver Motilität (p = 0,001), DNA-Fragmentierung (p = 0,001) und unbeweglichen Spermien (p = 0,018) zugunsten der Kombination [s028]. *Evidenzstärke:* niedrig (Stichproben 41 bis 110, überwiegend ein Land, teils dasselbe Produkt, knappe p-Werte, nur Abstract-Wissen). *Gewissheit:* niedrig bis gering; unabhängige Replikation fehlt.

13. **Viele der Probiotika-Studien stammen aus derselben Region, teils mit demselben Produkt.** Gholipour, Asadi, Abbasi, Helli und Zarehoroki sind iranische Studien [s007, s064, s085, s079, s028]; hinzu kommen Maretti (Italien) [s111] und die unkontrollierte Pilotserie von Valcarce (Spanien, 9 asthenozoosperme Männer; Motilität etwa sechsfach, DNA-Fragmentierung etwa 1,2-fach und intrazelluläres Wasserstoffperoxid etwa 3,5-fach vermindert) [s112]. Eine Fallserie mit 8 Männern ist nur als nicht begutachteter Vorabdruck verfügbar und dient nicht als Beleg [s037]. *Evidenzstärke:* sehr niedrig für Serie und Vorabdruck. *Gewissheit:* gering, ob die Befunde außerhalb dieser Settings gelten.

14. **Schwangerschaft und Geburt sind kaum untersucht.** Huerga López und Kollegen (70 Paare randomisiert, 57 abgeschlossen; Ligilactobacillus salivarius CECT5713, 3 × 10⁹ Zellen täglich, vor IVF bei ungeklärter Unfruchtbarkeit) berichten eine Schwangerschaftsrate von 48,1 % gegen 20,0 % (einseitiger Chi-Quadrat-Test, p < 0,024) und verbesserte immunologische Profile von Vagina und Sperma ohne wesentliche Änderung der mikrobiellen Zusammensetzung; die Autoren sprechen von vorläufigen Befunden [s040]. Die Übersicht von Corbett und Kollegen (4 Studien) nennt in einer Studie klinische Schwangerschaften von 48,0 % auf 58,8 % und Fehlgeburten von 16,6 % auf 30 % bei jeweils p = 0,47, also keinen gesicherten Unterschied; die zwei Studien mit oral behandelten Männern berichteten bessere Motilität [s087]. Die Übersicht von Kaltsas und Kollegen hält Schwangerschaft und Lebendgeburt für selten berichtet und unbewiesen [s009]. *Evidenzstärke:* niedrig bis sehr niedrig. *Gewissheit:* gering; eine Wirkung auf Geburten bei Männern ist nicht gezeigt.

15. **Das Partner-Mikrobiom spielt möglicherweise eine eigene Rolle.** Koort und Kollegen (97 Paare): Bei den 15 Paaren mit günstigem Mikrobiomtyp beider Partner lag die Erfolgsrate der assistierten Reproduktion bei 53 % gegen 25 % bei allen übrigen [s070]; diese Zahl liegt nur auf Abstract-Ebene vor und konnte in einer Gegenprüfung nicht unabhängig bestätigt werden. Amato und Kollegen (23 Paare) fanden, dass die vaginale, nicht die seminale Zusammensetzung mit dem Erfolg der intrauterinen Insemination zusammenhing [s095]. Neto und Kollegen berichten, dass sexuell aktive Paare 56 % der vorherrschenden Gattungen teilen und 61 % der Paare mit beidseits positiver Kultur mindestens einen Genitalerreger gemeinsam hatten [s054]. *Evidenzstärke:* niedrig. *Gewissheit:* gering.

16. **Die Darm-Hoden-Achse ist im Tiermodell plausibel, beim Menschen unbewiesen.** Ding und Kollegen übertrugen Darmbakterien fettreich gefütterter Mäuse auf normal ernährte Tiere, was Spermatogenese und Motilität verminderte; in klinischen Proben fand sich eine negative Korrelation zwischen Bacteroides-Prevotella-Häufigkeit und Motilität [s097]. Hao und Kollegen: Stuhltransplantation verbesserte die Samenqualität fettreich ernährter Tiere (Konzentration 286,1 ± 14,1 gegen 217,9 ± 17,4 Mio/ml) [s078]. Eine Studie an Ratten zeigte, dass vaginale Lactobacillus crispatus die Spermienaktivität hemmte und Schwangerschaften verminderte [s091]; sie erinnert daran, dass „nützlich“ vom Körperraum abhängt. Eine Übersicht bewertet die Übertragbarkeit der Tiermodelle ausdrücklich als Engpass [s016]. *Evidenzstärke:* präklinisch. *Gewissheit:* hoch für den Befund im Modell, sehr gering für die Übertragbarkeit.

17. **Diagnostische Modelle sind explorativ.** Ein Modell aus fünf Bakteriengattungen für idiopathische Oligoasthenozoospermie erreichte eine AUC von 0,773 (95-%-KI 0,661 bis 0,885) bei 70 Männern (40 Patienten, 30 Kontrollen) [s014]. Der AUC-Wert 0,92 (0,86 bis 0,98) einer anderen Arbeit betrifft das Serum-Verhältnis AMH zu Inhibin B bei der Vorhersage der Spermiengewinnung und nicht ein Mikrobiommodell [s027]. *Evidenzstärke:* sehr niedrig (kleine Einzelzentrumsstudie, keine externe Validierung). *Gewissheit:* gering.

18. **Leitlinien und Routinediagnostik.** Die abgerufene Seite der EAU-Leitlinie war abgeschnitten; aus ihr lässt sich keine Empfehlung zu Mikrobiom oder Probiotika belegen [s006]. Mikrobiomtests des Ejakulats sind in den ausgewerteten Quellen kein etablierter Routinebefund. *Evidenzstärke:* nicht anwendbar. *Gewissheit:* offen.

19. **Sicherheit.** In den ausgewerteten Abstracts wurden keine nennenswerten Nebenwirkungen beschrieben; bei Maretti traten keine in beiden Gruppen auf [s111], bei Gholipour schied ein Teilnehmer der Probiotikagruppe wegen Blähungen aus [s007]. Das ist keine systematische Sicherheitsbewertung. *Evidenzstärke:* sehr niedrig. *Gewissheit:* gering.

20. **Gesamtbild und Lücken.** Belegt ist das Vorkommen von Bakterien im Ejakulat und die Assoziation nachgewiesener Erreger mit schlechteren Samenwerten. Nicht belegt sind Kausalität, ein Normalprofil, Stamm-, Dosis- und Dauer-Wirkung sowie Effekte auf Schwangerschaft und Lebendgeburt. Offene Fragen sind unter anderem die Wirkrichtung (Ursache, Folge oder Marker von Entzündung), die Wirkung von Probiotika auf das Samenmikrobiom selbst und die Übertragbarkeit auf Mitteleuropa. Diese Studie gibt keine Therapieempfehlung; individuelle Fragen gehören in ärztliche Hände.

## Aufbau und Methodik dieser Studie

**Fragestellung und Aufbau.** Die Gesamtstudie behandelt das seminale und genitale Mikrobiom, Probiotika und Spermienqualität bzw. männliche Infertilität. Sie ist nach Studientypen gegliedert (Metaanalysen und systematische Übersichten, Beobachtungs- und Kohortenstudien, Interventionsstudien, Tier- und Zellversuche), danach nach Effektgrößen, Mechanismen, Dosis-Wirkung, Untergruppen, regionalen Besonderheiten, Widersprüchen, Grenzen und offenen Fragen. Jede Aussage ist mit Quellenkennungen der Master-Quellenliste belegt (Format [s005]); die Liste enthält 126 Quellen und 37 Diagramme, deren Datenpunkte jeweils auf eine Quelle zurückgehen.

**Wie recherchiert wurde.** Zwölf Recherche-Durchgänge liefen in jeweils einem Sprachraum: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. Jeder Durchgang suchte mit Begriffen der eigenen Sprache und auf Englisch in PubMed beziehungsweise Europe PMC, ergänzt um Websuche und, soweit erreichbar, Fachzeitschriften und Verzeichnisse des Sprachraums. Danach wurden die zwölf Dokumente zu einer Master-Quellenliste zusammengeführt, doppelte Treffer vereinigt (viele Kernarbeiten kamen in mehreren Sprachräumen vor, etwa Prihadi in zehn, Helli in acht und Maretti in neun Dokumenten) und jeder Quelle eine Kennung zugewiesen. Die Reihenfolge der Kennungen folgt dem Jahr absteigend, dann dem Erstautor.

**Was in den einzelnen Sprachräumen erreichbar war.**

- *Deutsch:* PubMed mit Filter auf deutschsprachige Publikationen lieferte sechs Treffer zum Thema; thematisch passend waren wenige Arbeiten aus den Jahren 1990, 2001 und 2022; im Deutschen Ärzteblatt und im Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie fand die Websuche keinen themenspezifischen Beitrag; eine AWMF-Leitlinie wurde nicht geöffnet [s075, s120, s121].
- *Englisch:* der Kern der Primärliteratur; PubMed- und PMC-Seiten waren automatisiert nicht lesbar (Cookie-Sperre, reCAPTCHA), Abstracts kamen über die Europe-PMC-Schnittstelle; die abgerufene Seite der EAU-Leitlinie war abgeschnitten [s006].
- *Französisch:* eigene Primärliteratur dünn; gefunden wurden ältere Arbeiten zur Spermainfektion aus den Jahren 1982 bis 1989 [s122, s123, s124], eine Übersicht zum weiblichen Genitalmikrobiom [s093] und populärwissenschaftliche Seiten [s125]. HAL, Cairn und EM-Consulte ließen sich nicht erschöpfend abfragen.
- *Italienisch:* Eine auf italienische Sprache beschränkte Suche in Europe PMC ergab keine Primärarbeit; der italienische Beitrag besteht überwiegend aus englischsprachigen Arbeiten italienischer Gruppen und aus Presseberichten [s126, s003, s050, s104].
- *Portugiesisch:* Im Raum SciELO, LILACS und weiteren Verzeichnissen wurde keine eigene Kohorte oder Studie gefunden; die lusophonen Beiträge sind Übersichten in einer brasilianischen Zeitschrift (englischsprachig) [s068, s055, s044].
- *Spanisch:* Eine PubMed-Suche mit spanischen Begriffen ergab null Treffer (geprüft am 4. Oktober 2026); relevante Arbeiten sind spanische und kolumbianische Serien, meist in englischsprachigen oder spanischen Zeitschriften [s058, s067, s073, s102].
- *Chinesisch:* CNKI, Wanfang und die Volltexte der chinesischen Fachzeitschrift für Andrologie waren nicht erreichbar; „chinesischsprachiger Raum“ bedeutet hier englischsprachige Arbeiten chinesischer Zentren [s099, s084, s066, s041, s014, s015].
- *Japanisch:* J-STAGE und CiNii wurden nicht erschöpfend geprüft; PubMed lieferte keine japanische Mikrobiomstudie zur männlichen Unfruchtbarkeit; gefunden wurde ein Forschungsprojekt-Eintrag der Universität Osaka ohne Ergebnisse [s081] sowie eine nationale Geburtskohorte ohne Samenmikrobiom-Analyse [s108].
- *Koreanisch:* KCI, KoreaMed, DBpia und die Zeitschrift der koreanischen urologischen Gesellschaft ließen sich nicht öffnen; die koreanischen Beiträge sind vor allem Studien zu sexuell übertragbaren Erregern und Zell- und Tierversuche [s109, s096, s053, s045, s052].
- *Russisch:* eLIBRARY.ru und CyberLeninka waren nicht direkt durchsuchbar; der russische Beitrag stammt fast ausschließlich von einer Arbeitsgruppe und betrifft das Hodengewebe bei Azoospermie [s060, s061, s062, s046, s069].
- *Arabisch:* Al Manhal und Arab World Research Source sind kostenpflichtig und wurden nicht ausgewertet, zwei arabische Zeitschriftenseiten ließen sich nicht laden; die Beiträge der Region (Iran, Ägypten, Marokko, Türkei) stammen aus englischsprachig indizierten Zeitschriften [s034, s074, s076, s090, s105].
- *Türkisch:* DergiPark, TR Dizin und weitere Quellen waren teilweise nicht lesbar (Zugriff verweigert, Captcha, DNS-Fehler); gefunden wurden zwei türkische Übersichten und Studien zur Samenqualität im Allgemeinen [s029, s057, s083, s118].

**Die Hauptlehre aus den Sprachräumen.** Fast jedes Dokument meldet, dass die eigensprachige Primärliteratur dünn ist. Der Kern der Evidenz ist englischsprachig und stammt oft aus dem Iran, Italien, China, der Schweiz, Estland, Spanien und Großbritannien. Regionale Unterschiede in der Mikrobiomzusammensetzung lassen sich von Methodenunterschieden (Kultur gegen Sequenzierung, Sequenzierregion, Kontrollen) nicht trennen; Studien aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz zu Probiotika bei Männern wurden nicht gefunden, mit Ausnahme der Schweizer Mikrobiomstudien [s101, s047, s035].

**Grenzen.**

1. *Überwiegend Abstracts.* Die meisten Zahlen stammen aus Zusammenfassungen, die über Europe PMC, PubMed-Schnittstellen oder Verlagsseiten gelesen wurden; Volltexte wurden nur für wenige Arbeiten ausgewertet. Details, die im Abstract fehlen, etwa Konfidenzintervalle von Einzelstudien, Verblindung, Ausgangswerte oder Studiendauern, werden nicht berichtet.
2. *Keine eigene Bewertung der Verzerrung.* Es wurde keine eigene Metaanalyse berechnet und keine Risk-of-Bias-Bewertung durchgeführt; die Einstufungen der Evidenz im vorigen Abschnitt sind grobe Einordnungen und keine GRADE-Bewertungen.
3. *Keine vollständige systematische Suche.* Die Studie ist ein umfangreicher Überblick auf Basis von 126 Quellen, aber keine erschöpfende systematische Übersicht. Wichtige Arbeiten können fehlen; dass etwas nicht gefunden wurde, heißt nicht, dass es nicht existiert.
4. *Unterschiedliche Quellenarten.* Neben Primärstudien und Übersichten enthält die Liste Presseberichte [s048, s125, s126], einen nicht begutachteten Vorabdruck [s037], einen Kommentar [s075], einen Forschungsprojekt-Eintrag [s081], eine Leitlinienseite ohne abrufbare Empfehlung [s006] und eine Rückzugsmitteilung [s021]. Presseberichte, Vorabdruck und Projekteintrag dienen nur dem Kontext und nicht als Beleg für Wirksamkeit.
5. *Zahlen mit Widerspruch in den Quellen.* Wo sich Recherche-Dokumente widersprachen (Zuordnung der Prihadi-Zahlen zu Motilität und Volumen; die Lactobacillus-Anteile in der Übersicht von Brandão, die zum Text der Übersicht nicht passen [s086]), ist das offen vermerkt; die Brandão-Zahlen werden nicht als Befund verwendet. Der Befund von Koort (53 % gegen 25 %) liegt nur auf Abstract-Ebene vor [s070]. Die Zahlen für Mycoplasma hominis [s002] stammen aus den Recherche-Dokumenten und der Master-Liste, weil ein wörtlicher Abruf des Abstracts nicht möglich war.
6. *Eingeschränkte Vergleichbarkeit.* Proben- und Sequenziermethoden, Grenzwerte der Bakteriospermie und Vergleichsgruppen unterscheiden sich; Verunreinigung bei niedriger Biomasse ist nicht auszuschließen.
7. *Stand.* Alle Aussagen entsprechen dem Stand vom 4. Oktober 2026; später erscheinende oder zurückgezogene Arbeiten sind nicht berücksichtigt.

**Hinweis zur Verwendung.** Diese Studie ist eine Literaturauswertung. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung und gibt keine Therapieempfehlung.

## Hintergrund

Dieses Kapitel legt die Grundlagen, die für das Verständnis der folgenden Kapitel nötig sind. Es beschreibt zuerst, was unter männlicher Unfruchtbarkeit verstanden wird und wie häufig sie ist. Danach folgen die Anatomie und Physiologie, soweit sie für das Thema Mikrobiom und Spermienqualität zählt, dann die Begriffe, dann die Messgrößen der Samenanalyse mit den Referenzwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2021, und zuletzt die Geschichte der Forschungsfrage von den bakteriologischen Kulturen der 1980er-Jahre bis zu den Sequenzierstudien der 2020er-Jahre. Studienergebnisse zur eigentlichen Frage (Zusammenhang von Mikrobiom und Spermienqualität, Wirkung von Probiotika) behandeln die späteren Kapitel; hier erscheinen sie nur als Meilensteine, um die Entwicklung der Fragestellung nachzuzeichnen. Das Kapitel enthält keine Therapieempfehlung.

Eine Anmerkung zur Quellenlage: Viele der hier zitierten Übersichtsarbeiten sind narrative Übersichten. Wenn sie Zahlen aus Originalstudien anführen, steht im Text „zitiert nach“ und die ID der Übersicht, weil die Originalstudie für diese Studie nicht selbst geöffnet wurde. Die WHO-Referenzwerte stammen zum Teil aus Arbeiten, die nicht in der Master-Quellenliste stehen; sie sind im Text mit Autor, Jahr, Zeitschrift und PubMed-Nummer ausgewiesen.

### 2.1 Männliche Unfruchtbarkeit: Definition und Häufigkeit

Die WHO definiert Unfruchtbarkeit als die Unfähigkeit, nach zwölf Monaten oder mehr regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr schwanger zu werden; diese Definition wird in der Übersicht von Grande und Kollegen wiedergegeben [s050]. Unfruchtbarkeit ist also zunächst eine Eigenschaft des Paares, nicht einer einzelnen Person. Der männliche Anteil lässt sich nur mit Unschärfe beziffern, und die Quellen nennen unterschiedliche Zahlen, die hier nebeneinandergestellt werden, ohne sie zu vereinheitlichen:

- Corral-Vazquez und Kollegen schreiben, Unfruchtbarkeit betreffe weltweit 8 bis 12 % der Paare, und männliche Faktoren trügen zu 40 bis 50 % dieser Fälle bei. Infektionen und Entzündungsreaktionen im männlichen Genitaltrakt seien Ursache von etwa 6 bis 10 % der Unfruchtbarkeitsfälle [s049].
- Neto und Kollegen geben an, bei bis zu 50 % der unfruchtbaren Paare liege ein männlicher Faktor vor; Harnwegs- und Genitalinfektionen kämen als möglicher Beitrag in Betracht [s054].
- Die Einleitung der Metaanalyse von Prihadi und Kollegen beziffert den männlichen Faktor mit etwa 20 bis 30 % der Fälle als alleinige Ursache und etwa 50 % als Beitrag zur gemeinsamen Ursache (so wiedergegeben in den Recherchenotizen dieser Studie) [s020].

Ein großer Teil der männlichen Unfruchtbarkeit bleibt ohne erkennbare Ursache; man nennt das idiopathisch. Auch hier weichen die Zahlen ab, was zeigt, dass der Anteil von der Gründlichkeit der Diagnostik abhängt:

- Grande und Kollegen: zwischen 20 und 50 % der Fälle ohne bekannte Ursache; der Anteil hänge von der diagnostischen Sorgfalt und Tiefe der Analyse ab [s050].
- Magill und MacDonald: Schätzungen idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit lägen bei 30 bis 50 %; oxidativer Stress trage in geschätzten 80 % der idiopathischen Fälle bei [s071].
- Neto und Kollegen: bis zu 25 % der Männer mit auffälligem Spermiogramm gälten als idiopathisch unfruchtbar, weil mit den heutigen Mitteln keine Ursache erkennbar sei [s054].
- Osadchiy und Kollegen nennen in ihrem Abstract, dass bei 30 % der Männer die Ursache einer auffälligen Samenanalyse unbekannt bleibe [s056].

Diese Spannbreite von 20 bis 50 % ist selbst eine Aussage über das Fachgebiet: Es gibt keine einheitliche Zählweise. Für das Thema dieser Studie ist der idiopathische Anteil wichtig, weil ihn die Mikrobiomforschung als mögliche Erklärungslücke aufgreift. Fast alle Probiotikastudien aus den späteren Kapiteln untersuchen ausdrücklich Männer mit idiopathischer Unfruchtbarkeit, meist mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (siehe Begriffe in Abschnitt 2.3) [s020, s007].

Schließlich ist der Zusammenhang zwischen Spermiogramm und tatsächlicher Fruchtbarkeit nur indirekt. Die Samenanalyse gilt als Ersatzmaß (Surrogat) für die männliche Fruchtbarkeit; das wird in der Arbeit von Cooper und Kollegen (2010) ausdrücklich so formuliert: Samenqualität werde in der klinischen Andrologie, in der Reproduktionstoxikologie und in der Epidemiologie als Ersatzmaß der männlichen Fertilität genommen (Cooper et al. 2010, Human Reproduction Update, PMID 19934213, Abstract abgerufen). Fast alle Studien dieser Synthese messen ebenfalls Ersatzgrößen (Spermiogramm, DNA-Fragmentierung), nicht Schwangerschaften oder Geburten.

### 2.2 Anatomie und Physiologie, soweit für das Thema nötig

**Woraus das Ejakulat besteht.** Das Ejakulat besteht aus Spermien und den Sekreten mehrerer Organe. Neto und Kollegen beschreiben es als Gemisch aus Sekreten von Hoden, Nebenhoden, Prostata, Samenbläschen, Bulbourethraldrüsen (Cowper-Drüsen) und periurethralen Drüsen; dieser Nährstoffreichtum biete mikrobiellem Wachstum ein günstiges Milieu [s054]. Corral-Vazquez und Kollegen ergänzen, der leicht basische pH-Wert und die molekulare Zusammensetzung des Samens bildeten einen geeigneten Lebensraum für Mikroorganismen [s049]. Mengenanteile der einzelnen Drüsen am Ejakulatvolumen lieferten die für diese Studie abgerufenen Quellen nicht; sie werden hier nicht angegeben. Dasselbe gilt für die Dauer der Spermatogenese beim Menschen: Sie steht in keiner der abgerufenen Quellen, und eine Zahl aus dem Gedächtnis wird nicht eingesetzt. Die einzige Angabe zur Länge eines Spermatogenesezyklus in den Eingabedaten betrifft Hunde (70 Tage in einer Studie mit 14 Rüden) und ist nicht auf den Menschen übertragbar [s013].

**Woher die Bakterien im Ejakulat stammen können.** Das Ejakulat passiert auf seinem Weg die Harnröhre, und dort und an der Haut des Penis (Sulcus coronarius) leben ohnehin Bakterien. Die Zusammensetzung des seminalen Mikrobioms ergibt sich nach Neto und Kollegen aus dem Beitrag verschiedener Zonen und Flüssigkeiten des Urogenitaltrakts wie Urin, Harnröhre und Sulcus coronarius [s054]. Sie führen weiter an, etwa 30 % der Mikroorganismen im Samen stammten aus dem Mikrobiom der Harnröhre; manche Gattungen (Pseudomonas, Pseudoxanthomonas, Acidovorax) seien im Samen gegenüber der Harnröhre überrepräsentiert, was auf einen Ursprung in weiter „oben“ liegenden Abschnitten hindeute [s054]. Henkel nennt als Beleg für die Verbindung von Hautflora und Harnröhre eine Untersuchung von Willén und Kollegen, nach der 71 % der Bakterien, die den Sulcus coronarius besiedeln, auch im distalen Teil der Harnröhre nachweisbar waren (zitiert nach [s051]). Henkel hält außerdem fest, das Ejakulat sei normalerweise von Kommensalen wie Staphylococcus epidermidis oder S. viridans besiedelt und/oder mit Bakterien der vorderen Harnröhre verunreinigt [s051].

Dass nicht nur die Harnröhre beiträgt, zeigt die Studie von Lundy und Kollegen (2021, European Urology): Sie verglich bei 25 Männern mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit und 12 gesunden Männern mit nachgewiesener Vaterschaft die Mikrobiome von Rektalabstrich, Ejakulat und Mittelstrahlurin. Das Ejakulat enthielt ein diverses Mikrobiom mit nur mäßiger Ähnlichkeit zum Urinmikrobiom; nach Vasektomie schien sich das seminale Mikrobiom zu verändern, was auf einen Beitrag von Hoden oder Nebenhoden hindeutet [s092]. Chatzokou und Kollegen berichten aus derselben Arbeit, nur 2,3 % der standardisierten Arten seien in allen drei Umgebungen gemeinsam gewesen und 10 % zwischen Ejakulat und Urin [s036]. Grande und Kollegen führen als Hinweis auf einen Beitrag der Samenwege an, dass nach Vasektomie Collinsella (Stamm Actinobacteria) und Staphylococcus (Stamm Firmicutes) im Ejakulat abnahmen, während Corynebacterium zunahm, was dessen Vorkommen in den akzessorischen Drüsen bestätigen solle [s050]. Magill und MacDonald referieren, in erstem Harnstrahl (als Maß der Harnröhre) sei die Bakterienliste kürzer und die Gesamtzahl niedriger als im ersten Ejakulatanteil, was für einen eigenen Beitrag des oberen Genitaltrakts spreche [s071]. Corral-Vazquez und Kollegen fassen zusammen, die Artenprofile von Samen und Urin bzw. Hodenproben überlappten, aber nur teilweise, sodass im Samen Arten vorkämen, die im ersten Urinanteil fehlten [s049].

**Ist der Hoden steril?** Lange galt der Genitaltrakt oberhalb der Harnröhre als keimfrei. Diese Vorstellung ist in der Literatur der 2010er- und 2020er-Jahre erschüttert worden, aber die Befundlage ist dünn und methodisch heikel:

- Alfano und Kollegen (Mailand, 2018, Human Reproduction) untersuchten in einer Querschnittsstudie 15 Hoden: fünf Männer mit idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie (iNOA) und negativer Spermiengewinnung bei mikrochirurgischer testikulärer Spermienextraktion (microTESE), fünf mit iNOA und positiver Gewinnung und fünf normozoosperme Männer, die wegen einer Orchiektomie operiert wurden. Methoden waren Ultra-Tiefen-Pyrosequenzierung und digitale Tröpfchen-PCR für die Bakterienlast. Bei den Normozoospermen fanden sich kleine Bakterienmengen mit den Stämmen Actinobacteria, Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria. Bei iNOA war mehr Bakterien-DNA vorhanden (P = 0,02), verbunden mit geringerer taxonomischer Vielfalt durch das Fehlen von Bacteroidetes und Proteobacteria (P = 2 × 10⁻⁵). Proben mit negativer Spermiengewinnung hatten eine vollständige Keimzellaplasie und eine weitere Verminderung von Firmicutes und Clostridia (P < 0,05). Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass die kleine Probenzahl eine externe Bestätigung verlange und dass das paraneoplastische Mikromilieu der entfernten Hoden die Befunde beeinflussen könnte [s104]. Stärke: Gewebeproben direkt aus dem Hoden. Schwäche: n = 15, drei Gruppen mit je fünf Männern, Orchiektomie-Material als Vergleich.
- Eine Übersicht der Padova-Gruppe zitiert die Arbeit von Molina und Kollegen: Mit 16S-Sequenzierung und strengen Dekontaminationsprotokollen seien zehn Bakteriengattungen als spezifisch für testikuläre Spermien identifiziert worden (unter anderem Blautia, Collinsella, Prevotella); Prevotella habe sich in mehr als 90 % der Hodenproben gefunden. Entscheidend ist der Hinweis derselben Übersicht, Kontamination habe 50 bis 70 % aller bakteriellen Reads in testikulären Spermienproben ausgemacht (zitiert nach [s050]).
- Die russische Arbeitsgruppe um Faniev und Kadyrov untersuchte Hodengewebe aus der Mikro-TESE. In der Serie von 57 Patienten (29 mit nichtobstruktiver, 19 mit obstruktiver Azoospermie, 9 fertile Männer) war die Vielfalt des Hodenmikrobioms (Chao1-, Shannon- und Simpson-Index, Zahl taxonomischer Einheiten) bei beiden Azoospermieformen signifikant niedriger als bei fertilen Männern, und die Harnröhrenmikrobiota unterschied sich zwischen den Gruppen nicht signifikant [s062]. Eine Literaturübersicht derselben Gruppe wählte 48 von 167 Quellen aus PubMed und eLibrary und schloss, menschliches Hodengewebe enthalte eigene mikrobielle Populationen und sei nicht mikrobiologisch steril [s069].

Zusammengenommen: Bakterien-DNA im Hoden wird gefunden, doch bei niedriger Biomasse macht Kontamination einen großen Teil der Signale aus. Daraus folgt für die Lektüre der späteren Kapitel, dass „Bakterien im Hodengewebe“ nicht dasselbe ist wie „lebende, funktionell wirksame Bakterien im Hoden“.

**Die Blut-Hoden-Schranke und das Darm-Hoden-Modell.** Die Keimzellen liegen hinter der Blut-Hoden-Schranke, die sie vor schädlichen Umweltreizen wie Krankheitserregern und Fremdstoffen schützt. In der Arbeit von Al-Asmakh und Kollegen (2014, PLoS One) wurde an Mäusen geprüft, ob Darmbakterien die Hodenentwicklung beeinflussen. Verglichen wurden spezifiziert pathogenfreie Mäuse (SPF) und keimfreie Mäuse (GF). Bei den keimfreien Tieren war die Lumenbildung in den Hodenkanälchen am 16. Tag nach der Geburt verzögert, und Perfusionsversuche mit Evans-Blau zeigten eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hoden-Schranke. Die Eiweiße Occludin, ZO-2 und E-Cadherin waren im Hoden keimfreier Tiere vermindert. Wurden die keimfreien Mäuse Clostridium tyrobutyricum ausgesetzt, einem Bakterium, das viel Butyrat bildet, normalisierte sich die Schranke und die Haftproteine. Außerdem hatten die keimfreien Mäuse niedrigere Serumspiegel der Gonadotropine LH und FSH sowie weniger Testosteron im Hoden [s114]. Das ist ein Tierversuch an Mäusen, der zeigt, dass Darmbakterien die Hodenphysiologie prägen können; für den Menschen ist er kein Beleg, aber er hat das Konzept der Darm-Hoden-Achse (englisch gut-testis axis) geprägt.

Grande und Kollegen beschreiben weitere Wege, auf denen die Darmflora den männlichen Genitaltrakt erreichen könnte. Eine erhöhte Darmdurchlässigkeit erlaube es Lipopolysacchariden (LPS), in den Kreislauf zu gelangen; bei adipösen Männern sei ein LPS-Anstieg gezeigt worden, der mit dem Testosteronspiegel zusammenhänge. Im Tierversuch senke LPS bei Ratten, Schafen, Rindern und nichtmenschlichen Primaten Häufigkeit und Amplitude der LH-Pulse; Leydig-Zellen trügen den Endotoxinrezeptor TLR4, und LPS unterdrücke die Testosteronbildung der Leydig-Zellen direkt, wobei das Steroidogenic-acute-regulatory-Protein (StAR) eine Rolle spiele. LPS könne Orchitis auslösen und die Zellkontakt-Marker der Blut-Hoden-Schranke vermindern, und Interleukin-6 aus der Darmflora könne die Tight Junctions der Sertoli-Zellen über den ERK-MAPK-Weg stören [s050]. Dies sind Mechanismusvorschläge aus Übersichtsarbeiten, überwiegend aus Tierexperimenten.

In dasselbe Bild gehört die Arbeit von Ding und Kollegen (2020, Gut): Mäuse mit fettreicher Kost und Mäuse mit Normalkost lieferten Darmbakterien für eine Stuhltransplantation auf Mäuse mit Normalkost. Die Übertragung von Bakterien fettgefütterter Mäuse senkte Spermatogenese und Spermienmotilität deutlich, die Übertragung von normalgefütterten Tieren nicht. Die Analyse zeigte eine starke Zunahme der Gattungen Bacteroides und Prevotella, die vermutlich zur metabolischen Endotoxinämie beitrugen; es kam zu Infiltration des Darms mit T-Zellen und Makrophagen und zu mehr entzündungsfördernden Zytokinen im Nebenhoden. Bei Probanden fand sich eine starke negative Korrelation zwischen Bacteroides-Prevotella-Häufigkeit und Spermienmotilität sowie eine positive zwischen Blutendotoxin und Bacteroides. Die Genexpression für Meiose und Mitochondrienfunktion im Hoden war vermindert [s097]. Stärke: Kombination aus Interventionsexperiment (Transplantation) und Humanproben. Schwäche: Der kausale Teil ist ein Mausmodell mit fettreicher Kost; die Humandaten sind Korrelationen (Zahlen zu den Humanproben standen im abgerufenen Abstract nicht).

Auch Neto und Kollegen halten fest, es bestehe eine starke Wechselwirkung zwischen Darmmikrobiom und der Regulation der Hodenfunktion, bekannt als Darm-Hoden-Achse [s054], und Corral-Vazquez und Kollegen nennen dieselbe Verbindung als physiologische Brücke zwischen systemischen Faktoren und dem Samenmikrobiom [s049]. Diese Konzepte werden in späteren Kapiteln mit den Humanstudien verknüpft.

**Entzündungszellen im Ejakulat.** Auch ohne Infektion enthält das Ejakulat weiße Blutkörperchen. Henkel gibt die normale Zusammensetzung der seminalen Leukozyten mit Granulozyten (50 bis 60 % und damit am häufigsten), Makrophagen (20 bis 30 %) und T-Lymphozyten (2 bis 5 %) an [s051]. Leukozyten können im Rahmen ihrer normalen Funktion nach derselben Quelle etwa tausendmal mehr reaktive Sauerstoffspezies bilden als Spermien. Übersteigt die Leukozytenkonzentration im Samen 10⁶/ml, gilt das als pathologisch und sei mit schlechter Samenqualität und schlechteren Ergebnissen der assistierten Reproduktion verbunden [s051].

**Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und die Besonderheit der Spermien.** ROS entstehen nach Henkel physiologisch in den Mitochondrien aller aerob lebenden Zellen als Nebenprodukt der Energiegewinnung, wobei etwa 1 bis 5 % der Elektronen in freie Radikale statt in ATP münden. Wasserstoffperoxid ist für Genregulation und Zellsignale nötig. Sperma sei jedoch besonders empfindlich: Die Plasmamembran enthalte etwa 50 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren, darunter Docosahexaensäure mit etwa 21 %; Lipidperoxidation verringere die Fluidität der Membranen und störe Kapazitation, Akrosomreaktion und Spermien-Eizellen-Fusion. Mitochondriale DNA sei etwa hundertmal anfälliger für oxidative Schäden als Kern-DNA, weil sie kürzer sei, schneller repliziere, nicht von Histonen oder Protaminen geschützt werde und nur einfache Reparaturmechanismen habe. Als Marker oxidativer DNA-Schäden nennt Henkel 8-Hydroxy-2'-desoxyguanosin (8-OHdG) [s051]. Zu den Zytokinen schreibt er, Interleukin-6 oder TNF-α kämen normalerweise im Ejakulat vor, seien aber bei unfruchtbaren Männern und bei Infektionen des männlichen Genitaltrakts deutlich höher, und die Zytokinspiegel korrelierten negativ mit Spermienkonzentration, Motilität, Vitalität und DNA-Fragmentierung [s051]. Diese Physiologie ist der Hintergrund für den Mechanismus, der in den späteren Kapiteln wiederkehrt: Bakterien oder Entzündungszellen erhöhen oxidativen Stress, und oxidativer Stress schädigt Membran und Erbgut der Spermien.

**Wege, auf denen Bakterien Spermien beeinflussen könnten.** Henkel führt sechs Wege auf, auf denen Bakterien unmittelbar auf Spermienfunktionen wirken könnten: Anheftung an die Spermienzellen, Veränderung der Spermienstruktur, Störung des Spermienstoffwechsels, Verminderung der Stabilität von Mitochondrien- und Plasmamembran mit sinkender Motilität, Auslösen von Entzündung und oxidativem Stress, und direkte Hemmung von Funktionen wie Akrosomverlust und Akrosomreaktion. Konkret werden die Anheftung über Pili (etwa bei Corynebacterium oder Escherichia coli), die Bildung von Biofilmen bei Enterococcus, Chlamydia trachomatis oder Mycoplasma und die Absonderung von Lipopolysacchariden, Hämolysinen oder Quorum-Sensing-Molekülen genannt [s051]. Das ist ein Katalog möglicher Mechanismen aus einer narrativen Übersicht, kein Nachweis, dass diese Wege beim Menschen die Spermienqualität in der Alltagsbedingung verändern.

**Prevotella und Körpergewicht.** Grande und Kollegen schreiben, eine Zunahme von Prevotella im Samen sei mit Oligozoospermie und mit adipositasassoziierter Asthenozoospermie verbunden; Prevotella im Samen stamme direkt aus dem Hoden; ihre Häufigkeit korreliere umgekehrt mit der Spermienkonzentration und direkt mit dem Body-Mass-Index. Ein umgekehrter Zusammenhang zwischen Spermienmotilität und Body-Mass-Index bestehe bei Adipösen, wenn das Verhältnis Prevotella zu Bacteroidetes erhöht sei; bei normalem Verhältnis sei Adipositas nicht mit verminderter Motilität verbunden gewesen [s050]. Wie bei allen Beobachtungen dieses Kapitels sind das Zusammenhänge, keine Ursachennachweise.

**Die Partnerin als zweites Kompartiment.** Das Ejakulat trifft auf die Flora der Scheide, und beide Seiten tauschen Keime. Neto und Kollegen berichten, sexuell aktive Paare teilten 56 % der vorherrschenden Gattungen; bei Paaren mit positiver Kultur beider Partner teilten 61 % mindestens einen genitalen Krankheitserreger [s054]. Mändar und Kollegen (2015, Research in Microbiology) untersuchten 23 Paare mit Illumina-HiSeq-Sequenzierung der 16S-rRNA-V6-Region: Die Gemeinschaften im Samen waren deutlich vielfältiger, hatten aber niedrigere Gesamtbakterienkonzentrationen als die der Scheide. Gardnerella vaginalis dominierte bei der Hälfte der Frauen, deren Partner eine bedeutende Leukozytospermie hatte, aber nur bei einer von 17 Frauen, deren Partner keine hatte. Nach dem Geschlechtsverkehr nahm die relative Häufigkeit von Lactobacillus crispatus deutlich ab, und die Übereinstimmung zwischen Samen und Scheide war hoch [s113]. Stärke: Paardesign. Schwäche: Nur 23 Paare, Querschnitt. Dies ist der Ausgangspunkt für den später aufgegriffenen Gedanken eines gemeinsamen Genitalmikrobioms des Paares; in der Übersicht von Grande und Kollegen heißt es entsprechend, künftige Forschung werde die Rolle eines „Paar-Genitalmikrobioms“ berücksichtigen müssen [s050].


### 2.3 Begriffe und Definitionen

Die Literatur zum Thema verwendet Begriffe, die in Studien unterschiedlich gebraucht werden. Die folgenden Definitionen geben wieder, wie die zitierten Quellen sie fassen; wo sie voneinander abweichen, ist das vermerkt.

**Mikrobiota, Mikrobiom, Metabolom.** Grande und Kollegen trennen die Begriffe sauber: Mikrobiota bezeichne die lebenden Mikroben in einem bestimmten Lebensraum, Mikrobiom die Gesamtheit der Genome aller Mikroorganismen dort; beide Begriffe würden häufig synonym gebraucht [s050]. Magill und MacDonald fassen es dreistufig: Die Mikroorganismen im Menschen seien die Mikrobiota, deren Genome das Mikrobiom, und die daraus entstehenden kleinen Moleküle und Folgeprodukte das Metabolom [s071]. Corral-Vazquez und Kollegen sprechen von Mikrobiota für mikrobielle Gemeinschaften (Bakterien, Viren, Pilze), die kommensal in verschiedenen Geweben leben [s049]; Neto und Kollegen verwenden „Mikrobiom“ für die Mikroorganismen, die bestimmte Organe, Systeme oder Körperflüssigkeiten besiedeln [s054]. Diese Studie verwendet „Mikrobiom“ im üblichen Sprachgebrauch der Literatur für die mikrobielle Gemeinschaft, ohne die strenge Unterscheidung jedes Mal zu wiederholen, und benennt Messmethoden, wo es darauf ankommt.

Zur Einordnung der Größenordnung nennen die Quellen unterschiedliche Vergleiche, die nicht zusammenpassen und deshalb getrennt stehen: Grande und Kollegen schreiben, der Mensch werde „zu 100 % menschlich geboren, aber zu 90 % mikrobiell sterben“, und die Mikrobiota steuerten mehr als 150-mal so viel genetische Information bei wie das menschliche Genom [s050]. Magill und MacDonald schreiben, die Mikroorganismen im Menschen übertrafen die menschlichen Zellen zehn zu eins [s071]. Altmäe und Kollegen (2019, Nature Reviews Urology) formulieren im Abstract, im Körper gebe es mehr mikrobielle als menschliche Zellen und mehr mikrobielle als menschliche Gene [s100]. Diese Aussagen beschreiben den Körper insgesamt und sagen nichts über das Ejakulat.

**Dysbiose.** Neto und Kollegen fassen Dysbiose weit: Sie könne Ungleichgewichte in der Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft, den Verlust nützlicher Symbionten, die Vermehrung von Pathobionten oder opportunistischen Organismen und Störungen des Wettbewerbs und der Vielfalt zwischen den Mikroben umfassen [s054]. Eine allgemein anerkannte Referenz für ein „gesundes“ seminales Mikrobiom gibt es nicht; Magill und MacDonald halten fest, die häufigste Art variiere in einem gesunden Mann entlang des Urogenitaltrakts, was es schwer mache, ein gesundes seminales Mikrobiom zu bestimmen [s071]. Dysbiose ist damit ein Begriff ohne Messlatte, und das ist eine Schwäche des ganzen Forschungsfelds.

**Bakteriospermie.** Henkel definiert sie als Anwesenheit von Bakterien in der Samenflüssigkeit; klinisch gelte eine Samenprobe als bedeutsam bakteriospermisch, wenn die Kultur mehr als 10³ koloniebildende Einheiten (KBE) pro ml ergebe. Er weist darauf hin, dass die WHO den Begriff in ihren beiden jüngsten Handbüchern zur Samenanalyse nicht erwähnt [s051]. Die Schwelle ist nicht überall gleich: Ensslen und Kollegen (Aachen, 1990) sprachen von behandlungsbedürftiger Bakteriospermie bei Keimkonzentrationen über 10⁴ KBE/ml Ejakulat [s121]. Die Prävalenz hängt stark von Methode und Probennahme ab. Henkel nennt positive Samenkulturen zwischen 6 und 68 % und führt die Spanne auf Methodenunterschiede und mögliche Verunreinigung durch Bakterien aus Harnröhre oder Haut bei mangelhafter Beachtung der Standardverfahren zurück; genitale Infektionen schwankten zwischen 10 und 35 % [s051]. Neto und Kollegen berichten Bakteriospermie je nach Studie zwischen 7 und 65,7 % [s054]. Eine weitere Übersicht nennt als obere Grenzen berichteter Spannen 34,88 % mit Kultur und 35,1 % mit PCR [s012]. Wichtig ist die begriffliche Trennung: Bakteriospermie ist ein kultureller oder molekularer Nachweis von Bakterien, keine Diagnose. Die Sequenzierung erfasst auch nicht kultivierbare Arten und liefert relative Anteile, sagt aber nicht, ob die Bakterien lebend, krankheitsrelevant oder Verunreinigung sind. Corral-Vazquez und Kollegen betonen, die Anwesenheit von Bakterien im Samen sei ursprünglich als Spur früherer oder aktueller Infektionen des Urogenitaltrakts und möglicher Ausdruck unzureichender zellulärer Immunantworten gedeutet worden, werde heute aber in Proben Gesunder, Infizierter, Fruchtbarer und Unfruchtbarer nachgewiesen [s049].

**Leukozytospermie.** Nach der WHO liegt eine Leukozytospermie vor, wenn die Leukozytenkonzentration im Samen 1 × 10⁶ peroxidasepositive Zellen/ml übersteigt; die WHO empfiehlt die Beurteilung 30 bis 60 Minuten nach der Ejakulation. Der klassische Nachweis ist der Endtz-Test, der Zellen mit Peroxidase, also Granulozyten, anfärbt, nicht aber Lymphozyten, Makrophagen oder Monozyten; die WHO empfiehlt Färbung mit o-Toluidin, wobei Werte von mindestens 1 × 10⁶ peroxidasepositiven Zellen/ml als zu hoch gelten. Alternativ weisen Antikörper gegen CD45 alle Leukozyten nach. Henkel berichtet, einige Autoren hielten den Grenzwert für zu hoch, andere für zu niedrig [s051]. Neto und Kollegen geben ebenfalls mehr als 1,0 Million Leukozyten pro ml Samen als Kriterium an [s054]. Leukozytospermie sei bei etwa 30 % der unfruchtbaren und bis zu 20 % der fruchtbaren Männer zu finden; bei 80 % der leukozytospermischen Männer sei keine Infektion nachweisbar [s051]. Sie ist damit ein Entzündungs-, kein Infektionsbefund. Ursachen außer Infektionen seien nach Henkel autoimmune Zustände, Varikozele, Alkohol, Rauchen, Drogen, Harnröhrenengen und Eingriffe wie Vasovasostomie [s051].

**Idiopathische Unfruchtbarkeit und die Begriffe der Samenanalyse.** Idiopathisch heißt: ohne erkennbare Ursache; Grande und Kollegen merken an, der Begriff werde für Störungen gebraucht, deren Ursache noch nicht definiert ist oder mit den verfügbaren Mitteln nicht bestimmt werden kann [s050]. Die Kategorien der Samenanalyse sind nach Neto und Kollegen so umrissen: Oligozoospermie bedeute eine Spermienkonzentration unter der WHO-Referenzgrenze (zum Beispiel 16 × 10⁶/ml), Asthenozoospermie typischerweise weniger als 30 % progressiv bewegliche Spermien oder weniger als 42 % Gesamtmotilität, Azoospermie das Fehlen von Spermien im Ejakulat, und Oligoasthenoteratozoospermie (OAT) Auffälligkeiten in den drei Hauptparametern Konzentration, Motilität und Morphologie [s054]. Die Azoospermie wird weiter unterteilt in obstruktive (OA) und nichtobstruktive (NOA) Formen [s020]. Mit „Morphologie“ ist im klassischen Sinn die Gestalt von Kopf, Mittelstück und Flagellum gemeint [s003]. Zu beachten ist, dass die sechste WHO-Auflage diese beschreibenden Begriffe nach Boitrelle und Kollegen nicht mehr verwendet (siehe Abschnitt 2.4); die Studien dieser Synthese benutzen sie dennoch fast durchgehend.

**Prostatitis.** Grande und Kollegen führen die Einteilung nach den National Institutes of Health auf: infektiöse Formen (akut und chronisch bakteriell), chronische Prostatitis beziehungsweise chronisches Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS) und asymptomatische entzündliche Prostatitis. Weniger als 10 % der Männer mit chronischer Prostatitis hätten eine bestätigte bakterielle Infektion; der Anteil der Männer mit Prostatitissymptomen liege bei 2,2 bis 9,7 % [s050]. Das erklärt, warum die Mikrobiomforschung gerade bei dieser Erkrankung ansetzt: Der Erregernachweis gelingt meist nicht, die Beschwerden sind aber da.

**Probiotika, Präbiotika, Synbiotika.** Probiotika sind nach der Definition von FAO und WHO aus dem Jahr 2002 lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge verabreicht dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen bringen (so zitiert in der Einleitung der Metaanalyse von Prihadi und Kollegen, nach den Recherchenotizen dieser Studie) [s020]. Corral-Vazquez und Kollegen beschreiben Präbiotika als Produkte, die das Wachstum nützlicher Mikroorganismen fördern, und Probiotika als Präparate mit lebenden nützlichen Mikroorganismen, meist Lactobacillus, Bifidobacterium, Saccharomyces, Streptococcus, Enterococcus, Escherichia und Bacillus [s049]. Ein Synbiotikum ist die Kombination beider. Der Begriff „Paraprobiotikum“ (inaktivierte Mikroorganismen oder deren Bestandteile) taucht im Titel einer Rattenstudie auf, in der lebende und abgetötete Lactobacillus rhamnosus GG verglichen wurden [s025]. Wichtig für die späteren Kapitel: Ein „Probiotikum“ ist kein einheitlicher Stoff. Stamm, Dosis (koloniebildende Einheiten), Begleitstoffe und Dauer unterscheiden sich von Studie zu Studie.

**Maße der Mikrobiomforschung.** Zwei Maße kehren in den Studien ständig wieder und werden deshalb kurz erklärt. Die Alpha-Diversität beschreibt, wie vielfältig die Gemeinschaft innerhalb einer einzelnen Probe ist (Beispiele aus den Studien: Chao1-, Shannon- und Simpson-Index [s062]). Die Beta-Diversität beschreibt, wie stark sich die Zusammensetzung zwischen Proben oder Gruppen unterscheidet. Corral-Vazquez und Kollegen nennen beide ausdrücklich als Auswertungsmöglichkeiten der Sequenzierung („taxonomische Diversitätsstudien“ mit Alpha- und Beta-Diversität oder Clusteranalysen) [s049]. Dazu kommt die Bakterienlast, also die Menge an Bakterien pro Probe, die mit quantitativer PCR bestimmt wird, etwa bei Baud und Kollegen [s101]. Sie ist nicht dasselbe wie der relative Anteil einer Gattung: Eine Gattung kann einen hohen Anteil der Sequenzen stellen, auch wenn die Gesamtlast gering ist, und umgekehrt.

### 2.4 Messgrößen: Samenanalyse, WHO-Referenzwerte 2021 und Mikrobiomdiagnostik

**Die Samenanalyse als Grundlage.** Alle Studien der folgenden Kapitel beschreiben die Spermienqualität mit denselben Basisparametern: Ejakulatvolumen, Spermienkonzentration (Millionen pro ml), Gesamtzahl pro Ejakulat, Beweglichkeit (Motilität, getrennt in progressiv und gesamt), Vitalität und Morphologie (Anteil normal geformter Spermien). Dazu kommen erweiterte Messungen: die Fragmentierung der Spermien-DNA (englisch sperm DNA fragmentation, SDF; in den Studien meist als DNA-Fragmentierungsindex, DFI), die reaktiven Sauerstoffspezies im Samen und die Leukozytenzahl. Mowla und Kollegen (eLife 2025) setzten in einer Studie mit 223 Männern zum Beispiel Samenanalyse, TUNEL-Test (terminal-deoxynucleotidyl-transferase-mediated-dUTP-nick-end-labelling), Comet-Test, Luminol-Chemilumineszenz für ROS und 16S-Sequenzierung ein [s043]. Für die erweiterten Messungen gibt es keine verbindlichen Grenzwerte: Nach der Kritik von Boitrelle und Kollegen beschreibt die sechste WHO-Auflage Methoden zur DNA-Fragmentierung ohne Schwellenwerte und rät, jedes Labor solle seinen eigenen Referenzbereich entwickeln (Boitrelle et al. 2021, Life, PMID 34947899, PMC8706130, Volltext am 04.10.2026 abgerufen).

**Die WHO-Referenzwerte: Auflage 2010 und Auflage 2021.** Die Referenzgrenzen der WHO sind keine „Normalwerte“, sondern 5. Perzentile (5th centile) einer Referenzpopulation fruchtbarer Männer, also Werte, die 5 % dieser Männer unterschreiten. Die fünfte Auflage des WHO-Handbuchs erschien 2010. Cooper und Kollegen, die diese Referenzwerte ableiteten, berichten im Abstract: Ausgewertet wurden Proben von mehr als 4500 Männern in 14 Ländern auf vier Kontinenten, mit Schwerpunkt auf fruchtbaren Männern, deren Partnerin innerhalb von zwölf Monaten schwanger wurde. Die unteren Referenzgrenzen (5. Perzentile) lagen bei 1,5 ml Ejakulatvolumen, 39 Millionen Spermien pro Ejakulat, 15 Millionen Spermien pro ml, 32 % progressiver Beweglichkeit und 4,0 % morphologisch normalen Formen (Cooper et al. 2010, Human Reproduction Update 16(3):231-245, PMID 19934213, Abstract abgerufen). Boitrelle und Kollegen beschreiben die Referenzpopulation der fünften Auflage dagegen mit 1953 Männern aus acht Ländern; die beiden Zahlenangaben stehen hier nebeneinander, ohne dass sich der Unterschied aus den abgerufenen Texten auflösen ließe.

Die sechste Auflage erschien 2021. Ihre Referenzdaten beruhen nach Boitrelle und Kollegen auf 3589 fertilen Männern aus 13 Ländern (1800 Männer aus der fünften Auflage und 1789 neue; Kriterium: Zeit bis zur Schwangerschaft höchstens zwölf Monate). Die zugrunde liegende Auswertung veröffentlichten Campbell und Kollegen (2021, Andrology, PMID 33528873): Sie analysierten Samendaten von mehr als 3500 Männern aus zwölf Ländern, um zu prüfen, ob die Werte von 2010 noch gelten, und kombinierten dafür früher veröffentlichte Daten (2010 bis 2020) mit den ursprünglichen Daten von 2010. Laut Abstract lagen die 5. Perzentile bei 16 × 10⁶/ml Konzentration, 30 % progressiver Beweglichkeit (42 % Gesamtbeweglichkeit) und 4 % normalen Formen; die Autoren räumen Lücken in der geografischen Abdeckung ein und halten die Stichprobe für begrenzt (Campbell et al. 2021, Abstract abgerufen). Die Zahl der Länder (zwölf im Abstract von Campbell, 13 bei Boitrelle) unterscheidet sich zwischen den beiden Quellen; sie werden hier wie berichtet wiedergegeben.

Die folgende Tabelle stellt die Werte der Auflagen nebeneinander. Die Zahlen in Klammern sind die 95-%-Konfidenzintervalle der Perzentile. Die Konzentration pro ml findet sich in der Tabelle von Boitrelle und Kollegen nicht; sie stammt aus den Abstracts von Cooper (2010: 15) und Campbell (2021: 16).

| Parameter | WHO 2010 (5. Auflage) | WHO 2021 (6. Auflage) |
|---|---|---|
| Ejakulatvolumen (ml) | 1,5 (1,4 bis 1,7) | 1,4 (1,3 bis 1,5) |
| Gesamtzahl der Spermien (10⁶ pro Ejakulat) | 39 (33 bis 46) | 39 (35 bis 40) |
| Spermienkonzentration (10⁶ pro ml) | 15 (Cooper, Abstract) | 16 (Campbell, Abstract) |
| Gesamtbeweglichkeit (%) | 40 (38 bis 42) | 42 (40 bis 43) |
| Progressive Beweglichkeit (%) | 32 (31 bis 34) | 30 (29 bis 31) |
| Nichtprogressive Beweglichkeit (%) | 1 | 1 (1 bis 1) |
| Unbewegliche Spermien (%) | 22 | 20 (19 bis 20) |
| Vitalität (%) | 58 (55 bis 63) | 54 (50 bis 56) |
| Normalformen der Morphologie (%) | 4 (3 bis 4) | 4 (3,9 bis 4) |

Quelle der Tabelle, sofern nicht anders vermerkt: Boitrelle et al. 2021, Tabelle 2. Für die Leukozytenschwelle und die Schwelle der Bakteriospermie (nicht Teil dieser Tabelle) siehe Abschnitt 2.3 [s051, s054]. Die oft genannten Schwellen 16 × 10⁶/ml, unter 30 % progressiv beweglich und unter 42 % Gesamtmotilität geben auch Neto und Kollegen als WHO-Bezugsgrenzen wieder [s054]. Die Zahlen unterscheiden sich zwischen den Auflagen nur geringfügig; bei allen Parametern, für die beide Auflagen Konfidenzintervalle angeben, überlappen oder berühren sich diese (bei der progressiven Beweglichkeit berühren sich die Intervalle 31 bis 34 und 29 bis 31 genau bei 31).

**Was sich an der sechsten Auflage grundsätzlich geändert hat.** Boitrelle und Kollegen betonen drei Punkte, die für das Lesen der Studien wichtig sind. Erstens verzichtet die sechste Auflage auf den Begriff der Referenzgrenzen und schlägt stattdessen „Entscheidungsgrenzen“ (decision limits) vor, benennt aber weder für die Basisparameter noch für erweiterte oder fortgeschrittene Parameter solche Entscheidungsgrenzen. Die Autoren zitieren, die 5. Perzentile seien nur ein Weg, die Ergebnisse zu deuten, und die 5. Perzentile allein reichten für die Diagnose männlicher Unfruchtbarkeit nicht aus. Zweitens werden in den rund 280 Seiten der aktuellen Auflage die Begriffe Normozoospermie, Asthenozoospermie, Nekrozoospermie und Teratozoospermie nicht mehr verwendet. Drittens bleiben einige Weltregionen, etwa Südamerika und Subsahara-Afrika, in der Referenzpopulation unterrepräsentiert; niedrige Konzentrationen (unter 2 × 10⁶/ml) seien genauer zu beurteilen (Boitrelle et al. 2021). Die Autoren behandeln außerdem die neuen Kapitel zur erweiterten Untersuchung (mit wachsender Beachtung genetisch bedingter männlicher Unfruchtbarkeit) und zur fortgeschrittenen Untersuchung (zum Beispiel oxidativer Stress im Samen, Akrosomreaktion).

Für die Mikrobiomstudien hat das drei Folgen. Die meisten Arbeiten benutzen die Kategorien der älteren Auflagen (Oligo-, Astheno-, Terato-, Azoospermie), meist ohne zu nennen, welche Auflage sie meinen. Die Grenzwerte der fünften und sechsten Auflage sind für Konzentration (15 gegenüber 16 × 10⁶/ml) und progressive Beweglichkeit (32 gegenüber 30 %) nahe beieinander, aber nicht identisch; wer Studien vergleicht, muss also nach der verwendeten Auflage fragen. Und ein Spermiogramm unter der Referenzgrenze ist kein Beweis für Unfruchtbarkeit: Die Grenzen sind das 5. Perzentil fruchtbarer Männer, also werden definitionsgemäß 5 % der fruchtbaren Männer darunter liegen.

**Wie sich die Messgrößen mit dem Alter und der Population verändern.** Die Spermienparameter sind keine Konstanten. Ulubay und Kollegen (2022, International Journal of Reproductive BioMedicine) werteten in Samsun (Türkei) Daten von 1594 normozoospermen Männern aus: Bei den 18- bis 29-Jährigen (n = 629) lag die Gesamtspermienzahl bei 253,9 Millionen, bei den 40- bis 49-Jährigen (n = 190) bei 225,7 Millionen, die progressive Beweglichkeit bei 48 gegenüber 41 % und die normale Morphologie bei 17 gegenüber 12 % [s083]. Mikrobiom wurde dort nicht gemessen; der Befund zeigt, dass das Alter ein möglicher Störfaktor in Mikrobiomstudien mit kleinen Gruppen ist. Zur Verteilung in klinischen Einrichtungen: Kervancıoğlu und Kollegen (2012, Türk Jinekoloji ve Obstetrik Dergisi) untersuchten in einem Andrologielabor einer Lehrklinik zwischen 1995 und 2009 insgesamt 9327 Proben von 6780 Männern; 35 % der Patienten waren normospermisch, 4 % azoospermisch und 57 % teratozoospermisch; die jährliche Probenzahl stieg von 293 im Jahr 1995 auf 1217 im Jahr 2007. Das ist kein Mikrobiomversuch und wegen der Patientenauswahl nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar [s118]. Beide Arbeiten stehen hier als Kontext, nicht als Ergebnis zum Thema.

**Wie das Mikrobiom gemessen wird: vier Methoden mit verschiedenen blinden Flecken.** Die folgenden Methoden beschreiben Corral-Vazquez und Kollegen sowie Henkel nacheinander; die Reihenfolge entspricht auch der Geschichte des Fachs (Abschnitt 2.5).

- *Kultur.* Der klassische Weg ist die Anzucht auf Nährböden, Gram-Färbung und mikroskopische Beurteilung; sie gilt laut Henkel als Goldstandard, ist genau und vergleichsweise günstig, dauert aber 48 Stunden bei normal wachsenden bis zu einigen Wochen bei langsam wachsenden Bakterien, und einige Erreger wachsen unter Standardbedingungen gar nicht. Standardkulturen erfassen nur aerobe Erreger; anaerobe Bakterien, von denen nach Henkel etwa 71 % potenziell krankheitserregend seien, würden im Ejakulat ebenfalls gefunden, aber kaum untersucht [s051]. Die frühen Studien der 1990er-Jahre arbeiteten nur mit Kulturen auf Agarplatten mit selektiven Medien [s049].
- *PCR und quantitative PCR (qPCR).* Diese Methoden kamen nach Corral-Vazquez und Kollegen in den 2000er-Jahren auf und wurden meist für Mycoplasma, Ureaplasma und Gardnerella eingesetzt; sie sind empfindlicher als Kultur und können quantifizieren, verlangen aber die Auswahl der gesuchten Arten im Voraus, was als schwerwiegendes Handicap beschrieben wird [s049]. Henkel ergänzt, PCR könne unerwartete Mikroorganismen nicht erkennen [s051].
- *Amplikon-Sequenzierung (16S-rRNA).* Ein variabler Bereich des bakteriellen 16S-rRNA-Gens wird per PCR vervielfältigt und sequenziert. Neto und Kollegen weisen darauf hin, dass aus Zeit- und Kostengründen nur ein Teil der variablen Regionen gewählt wird und dass dies Verzerrungen erzeugt, weil keine einzelne Region alle Bakterienarten gleich gut unterscheidet [s054]. Corral-Vazquez und Kollegen nennen als Variationsquellen die DNA-Extraktion, die gewählte Region und die bioinformatische Auswertung [s049].
- *Shotgun-Metagenomik.* Hier wird die gesamte DNA einer Probe sequenziert. Nach Neto und Kollegen erlaubt das den Nachweis von Pilzen, Parasiten und DNA-Viren und hat bei Arten und funktionellem Potenzial eine bessere Auflösung als die Amplikon-Sequenzierung [s054]. Lundy und Kollegen setzten sie mit einem Median von 140 Millionen Reads pro Probe ein [s092].

**Plattform und Probenaufbereitung verändern das Ergebnis.** Zu den Plattformunterschieden berichten Corral-Vazquez und Kollegen, dass beim parallelen Sequenzieren der vollen 16S-rRNA auf Illumina MiSeq und Oxford Nanopore MinION die Plattform auf Stammebene keine großen Effekte hatte, aber die Gattungsbestimmung und die relative Häufigkeit beeinflusste [s049]. Die zugehörige Originalarbeit von Garcia-Segura und Kollegen (2023, Int J Mol Sci) sequenzierte dieselben 56 Proben mit beiden Plattformen: Die zehn häufigsten Gattungen stimmten überein und machten mehr als 70 % der Reads aus, aber die relative Häufigkeit der einzelnen Bakterien korrelierte zwischen den Plattformen nicht, mit Abweichungen innerhalb einer Person von bis zu 50 Prozentpunkten (so berichtet in den Recherchenotizen dieser Studie, nur Abstract) [s067]. Auch die Probenaufbereitung zählt: Die meisten Studien nutzen das ganze Ejakulat, einige zentrifugieren oder waschen vor der Analyse; in einer Studie unterschieden sich Rohejakulate und aufbereitete Proben deutlich. Nach der Inkubation waren Proben vielfältiger besiedelt, und auch Kulturmedien für die In-vitro-Fertilisation waren nicht steril; bei beiden dominierten Proteobacteria [s049]. Als Antwort auf diese Unterschiede nennen Corral-Vazquez und Kollegen das Human Microbiome Project der National Institutes of Health und das Microbiome Quality Control Consortium (MBQC), die Richtlinien und Standardarbeitsanweisungen für Probenahme, DNA-Extraktion, Sequenzierung und Auswertung fördern [s049].

**Kontamination bei Proben mit niedriger Biomasse.** Samen enthält vergleichsweise wenig Bakterienmasse, und deshalb fallen Verunreinigungen aus Haut, Harnröhre und Reagenzien ins Gewicht. Die WHO empfiehlt nach Henkel strenge Hygiene bei der Gewinnung: schriftliche und mündliche Anleitung, vorheriges Wasserlassen, gründliches Waschen von Händen und Penis mit Seife, Trocknen mit einem sauberen Einmalhandtuch und Ejakulation in einen sterilen, trockenen Kunststoffbehälter mit weiter Öffnung; Coitus interruptus und Kondome werden nicht empfohlen, weil sie zu unvollständiger Sammlung, Kontamination mit Scheidenflüssigkeit und spermizid wirkenden Stoffen führen können. Einige Autoren empfahlen strengere Desinfektion mit chlorhexidinhaltigen oder iodhaltigen Präparaten; strenge Hygiene senke berichteterweise die Bakterienlast [s051]. Henkel zitiert allerdings eine kontrollierte Studie an 93 Paaren (Krissi und Kollegen), bei der trotz hoher Kontamination mit Hautkommensalen Befruchtungsrate und Embryoqualität unbeeinflusst blieben [s051]. Chatzokou und Kollegen fordern positive und negative Kontrollen in Sequenzierstudien: Positive Kontrollen deckten Verzerrungen der Plattform auf, negative Kontrollen seien nötig, um Verunreinigungen zu erkennen und auszuschließen; bakterielle DNA sei nicht immer gleichbedeutend mit Infektion und könne vorübergehende nicht von chronischen Infektionen trennen [s036]. Auch bei den Hodenproben fiel der Kontaminationsanteil auf: Er machte nach der zitierten Studie 50 bis 70 % aller bakteriellen Reads aus (zitiert nach [s050]).

**Statistische Besonderheit: viele Vergleiche, wenig Konsistenz.** In Mikrobiomstudien werden Dutzende bis Hunderte Gattungen gleichzeitig verglichen. Chatzokou und Kollegen halten fest, die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers erster Art sei in Studien, die Unterschiede mikrobieller Gemeinschaften mit Gesundheitsmerkmalen verknüpfen, wegen der sehr großen Zahl statistischer Vergleiche hoch; selbst bei Korrektur für multiples Testen genüge diese möglicherweise nicht. Die Übereinstimmung zwischen einzelnen Studien sei gering, das sei die Hauptbeschränkung bei der Deutung und Verallgemeinerung der Daten [s036].

**Normale Variation und Lebensalltag.** Wie breit „normal“ sein kann, zeigt die Arbeit von Mändar und Kollegen (2018, Andrology) an 68 jungen gesunden Männern: Zwölf hatten keine sexuelle Erfahrung, 11 genau eine Partnerin und 45 mehrere Partnerinnen im Leben. Die grundlegenden Spermienparameter waren in allen Gruppen ähnlich, und es bestand kein Zusammenhang zwischen sexueller Erfahrung und Leukozytenzahl im Samen. Ein Mann konnte ein bis neun verschiedene Bakterien im Samen tragen, die Gesamtkonzentration lag zwischen 2,3 und 7,3 log10 KBE/ml. Bei Männern ohne sexuelle Erfahrung waren Gesamtkonzentration und Vielfalt der Bakterien niedriger als bei erfahrenen Männern (p < 0,05), mit positiver Korrelation zwischen beiden (r = 0,54; p < 0,0001) [s107]. Die Studie untersuchte kultivierbare Bakterien; Stärke: gesunde junge Männer als Stichprobe; Schwäche: Kultur erfasst nur einen Teil der Flora, kleine Untergruppen (12 und 11 Männer).

### 2.5 Historie der Forschungsfrage

Die Frage, ob Bakterien im Samen Ursache oder nur Begleiter einer verminderten Spermienqualität sind, ist alt. Neu ist seit etwa 2013 die Methode, mit der sie untersucht wird, und damit auch ihr Inhalt: Aus der Frage „Welcher Erreger infiziert?“ wurde die Frage „Wie sieht die normale Gemeinschaft aus, und wann ist sie gestört?“. Die folgende Chronik stützt sich auf die Originalabstracts und auf Übersichten, die die Entwicklung beschreiben. Jahreszahlen bezeichnen das Erscheinungsjahr der Arbeit.

**Die Kulturära der 1980er-Jahre: französische und deutsche Klinik.** Die ältesten Arbeiten in der Master-Quellenliste stammen aus Frankreich und Deutschland und arbeiten mit Samenkulturen.

- *Granouillet und Kollegen 1982*, „Étude de la flore bactérienne du sperme chez des hommes infertiles“ (Studie der Bakterienflora des Spermas bei unfruchtbaren Männern; in PubMed mit dem englischen Titel „Study of the spermatic bacterial flora in infertile males“, La semaine des hôpitaux). Zwei Gruppen unfruchtbarer Männer (65 und 132 Patienten) wurden in zwei Laboren mit zwei verschiedenen Methoden der Samengewinnung untersucht; die bakteriologischen Ergebnisse waren in beiden Gruppen ähnlich. Isoliert wurden unter anderem betahämolysierende Streptokokken, Proteus, Staphylococcus epidermidis, Mikrokokken, Corynebakterien, vergrünende Streptokokken, Klebsiellen, Pseudomonas, Enterobacter, Bacillus, Neisserien, Escherichia coli, anaerobe Staphylokokken und Streptokokken, Pilze und Achromobacter. Bei 20 % der Patienten bestand nach Angabe der Autoren eine chronische Infektion ohne klinische Zeichen, wahrscheinlich prostatischen Ursprungs, mit einer hohen Keimzahl im Samen (mehr als 3000 pro ml). Zwischen bakteriologischen Daten und den physikalischen und zytologischen Eigenschaften des Spermas zeigte sich keine Beziehung, außer beim pH-Wert: Samen mit niedrigem pH sei meist azoospermisch und stark kontaminiert [s124]. Stärke: zwei unabhängige Gruppen mit ähnlichem Ergebnis. Schwäche: nur Abstract abgerufen, keine Kontrollgruppe fruchtbarer Männer im Abstract erwähnt, Methoden von heute nicht vergleichbar.
- *Auroux 1988*, „Infection urogénitale et fertilité masculine“ (Urogenitale Infektion und männliche Fruchtbarkeit; Journal de gynécologie, obstétrique et biologie de la reproduction). Der Abstract beginnt mit der Feststellung, über den Einfluss urogenitaler Infektionen auf die männliche Fruchtbarkeit bestehe Uneinigkeit; die Erreger seien je nach Autor nicht dieselben, und die Art der Samenuntersuchung habe nicht immer die nötige bakteriologische Genauigkeit. Eine eigene Studie habe gezeigt, dass Ureaplasma urealyticum und Escherichia coli die in Kulturen des Samens unfruchtbarer Männer am häufigsten angetroffenen Bakterien seien. Als mögliche Wirkungen werden direkte (weniger Spermien, geringere Beweglichkeit, veränderte Morphologie, verminderte Befruchtungsfähigkeit) und indirekte unterschieden (Veränderung der Samenflüssigkeit, zum Beispiel viele polymorphkernige Zellen oder Antispermien-Antikörper). Therapieversuche seien noch nicht entscheidend gewesen, und der Autor mahnt rigorose bakteriologische Protokolle an [s123].
- *Arvis 1989*, „Infection du sperme dans la stérilité masculine“ (Spermainfektion bei männlicher Sterilität; Revue française de gynécologie et d'obstétrique). Die Spermainfektion müsse bewiesen werden, denn veränderte Leukozyten, auch mehr als 10⁵ oder 10⁶ pro ml, genügten nicht; bei vielen Keimen, besonders Chlamydien und Mykoplasmen, sei die Wirkung auf das Sperma nicht erkannt oder nachgewiesen. Der Autor schließt, eine echte Spermainfektion sei sehr selten, müsse aber bei Verdacht gesucht werden, besonders nach kürzlicher genitaler Infektion [s122]. Diese Arbeit ist als Gegengewicht lesenswert: Sie formuliert schon 1989 die Skepsis, die bis heute in der Mikrobiomforschung wiederkehrt, dass der Nachweis von Bakterien oder Leukozyten für sich genommen noch keine Infektion belegt.
- *Ensslen und Kollegen 1990* (Zentralblatt für Gynäkologie, auf Deutsch; Titel in PubMed „Male subfertility and oral bacterial diseases“). Mehr als 70 % der Ehemänner, die seit Juni 1987 die Klinik für Frauenheilkunde der RWTH Aachen wegen Sterilität aufsuchten, hätten wegen Bakteriospermie mit Keimkonzentrationen über 10⁴ KBE/ml Ejakulat behandelt werden müssen; bei 23 % der Behandelten sei keine überzeugende Keimminderung erreicht worden. 36 Patienten mit therapieresistenter Bakteriospermie wurden zahnärztlich untersucht; man fand zahlreiche intraorale Herde, die beseitigt wurden. Das Keimspektrum der intraoralen Proben und der Spermiogramme sei identisch gewesen. Sechs Monate nach der Zahnbehandlung seien zwei Drittel der Spermiogramme steril gewesen, mit besseren Spermienparametern in Beweglichkeit, Morphologie und Dichte. Die Autoren folgern, es bestehe ein direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen symptomatischer dentaler Primärerkrankung und Bakteriospermie [s121]. Beurteilung: eine unkontrollierte klinische Beobachtung an einer ausgewählten Gruppe therapieresistenter Fälle; der Abstract nennt keine Kontrollgruppe, und die Kausalaussage geht über das Design hinaus. Die Arbeit ist historisch als frühes deutsches Beispiel für den Gedanken einer Verbindung zwischen Mundflora und Samenflora interessant, mehr nicht.

**Die 1990er- und frühen 2000er-Jahre: Kultur, Leukozyten, PCR.** Für diesen Zeitraum stützt sich die Studie auf Übersichten, weil die Originalarbeiten nicht geöffnet wurden.

- Henkel sowie Magill und MacDonald zitieren die Arbeit von Willén und Kollegen (1996): In 97 Samenproben fanden sich bei 83 % Bakterien, und die Anwesenheit mehrerer Bakterienarten war nicht mit abnormer Spermienfunktion verbunden (zitiert nach [s051, s071]). Zu einer gleichzeitigen PCR-Studie (Jarvi und Kollegen, 1996) weichen die beiden Übersichten voneinander ab: Magill und MacDonald referieren, dass sowohl bei gesunden wie bei unfruchtbaren Männern weniger als 10⁴ Bakterien pro ml gefunden wurden, ohne Unterschiede in den Samenparametern [s071]; Henkel schreibt, eine PCR-Untersuchung habe mehr als 10⁴ Bakterien/ml bei gleich vielen unfruchtbaren und fruchtbaren Männern gefunden, während die Standardkultur nur bei 27 % der unfruchtbaren und bei keinem der fruchtbaren Männer Bakteriospermie gezeigt habe [s051]. Die Abweichung wird hier nicht aufgelöst; sie zeigt, wie unsicher die Weitergabe von Zahlen in Übersichten ist.
- Corral-Vazquez und Kollegen beschreiben die Kulturära: Die ersten und klassischen Untersuchungen seminaler Bakterien in den 1990er-Jahren beruhten auf Kulturen auf Agarplatten mit selektiven Medien, mit häufigem Nachweis von Ureaplasma, Mycoplasma, Escherichia, Corynebacterium, Gardnerella, Chlamydia, Staphylococcus, Streptococcus, Peptococcus, Lactobacillus, Enterobacter, Klebsiella, Haemophilus, Morganella oder Citrobacter. In den 2000er-Jahren setzten sich PCR und qPCR durch, meist für Mycoplasma, Ureaplasma und Gardnerella [s049]. Neto und Kollegen bestätigen, dass frühe Untersuchungen auf bekannte Krankheitserreger wie Staphylococcus, Enterococcus, Escherichia und Ureaplasma zielten und Anaerobier und anspruchsvolle Bakterien kaum erfassten [s054].
- *Ludwig und Kollegen 2001* (Gießen, Der Urologe A): „Prostatitis syndrome. Changes in the ejaculate and effects on fertility“. Entzündungen und Infektionen des männlichen Genitaltrakts seien ein wichtiger, möglicherweise behandelbarer Faktor der Unfruchtbarkeit; neben Leuko- und Bakteriospermie würden Entzündungsmediatoren wie Zytokine und reaktive Sauerstoffspezies als relevante Mechanismen diskutiert. Klinische Studien zur Samenqualität bei den Formen des Prostatitissyndroms hätten widersprüchliche Ergebnisse geliefert, und künftig seien neue funktionelle und molekulare Parameter nötig, um das Zusammenspiel von Urogenitalinfektion und männlicher Unfruchtbarkeit zu bestimmen [s120]. Man erkennt hier schon die Fragestellung der Folgejahrzehnte: Leukozyten, Zytokine, ROS.
- Weitere Meilensteine dieser Zeit, wieder aus Henkel [s051] (zitiert nach): Eine Studie an 101 gesunden Männern von Fraczek und Kollegen (2016) verglich Männer mit isolierter Bakteriospermie (30), isolierter Leukozytospermie (19) und beidem (22). Bei Bakteriospermie seien Spermienkonzentration, Normalformen und Vitalität niedriger gewesen und DNA-Fragmentierung, mitochondriales Membranpotenzial und Anteil apoptotischer Spermien verschlechtert; bei Leukozytospermie wirke direkt oxidativer Stress mit stärkerem Effekt auf die Beweglichkeit. Moretti und Kollegen fanden bei 1085 Patienten nach Ausschluss anderer Ursachen in 417 (38,4 %) Bakterien im Samen; von 226 Patienten mit Bakterien seien 164 (72,6 %) unfruchtbar gewesen, bei 20 fruchtbaren Kontrollen keiner. Das sind Beobachtungen aus Kulturstudien, die in späteren Kapiteln mit Sequenzierstudien verglichen werden.

**Die 2010er-Jahre: Sequenzierung entdeckt eine Gemeinschaft.** Seit der Einführung der 16S-Sequenzierung (Corral-Vazquez und Kollegen: „Metagenomik“ ohne vorherige Artenauswahl) wurde das Samenmikrobiom als Gemeinschaft beschrieben [s049].

- *Hou und Kollegen 2013* (Fertility and Sterility) untersuchten 19 Samenspender und 58 Patienten mit Unfruchtbarkeit mit Mikroskopie und 16S-rRNA-Sequenzierung. Hohe Zahlen verschiedener Bakterien fanden sich in den meisten Proben beider Gruppen; die Gemeinschaften variierten stark und ließen sich in sechs Gruppen clustern. Insgesamt zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Spendern und Patienten, aber mehrere Tests ergaben einen signifikanten negativen Zusammenhang zwischen Spermienqualität und der Anwesenheit von Anaerococcus; Bakterien des Samens kämen auch in der Scheidenflora vor, besonders bei bakterieller Vaginose [s117]. Das ist eine der ersten Sequenzierstudien; Stärke: Kontrolle durch Spender; Schwäche: n = 77 und keine Angabe zu Kontaminationskontrollen im Abstract.
- *Liu und Kollegen 2014* (PLoS Pathogens) kamen aus der HIV-Forschung, nicht aus der Fertilitätsmedizin: 49 Männer, die Sex mit Männern haben (22 ohne und 27 mit HIV), mit 16S-Pyrosequenzierung. Streptococcus, Corynebacterium und Staphylococcus waren unabhängig vom HIV-Status häufige Bakterien im Samen; HIV war mit geringerer Vielfalt und Reichhaltigkeit verbunden, die sich nach sechs Monaten antiretroviraler Therapie wieder normalisierte; bei HIV-Infizierten korrelierte die Bakterienlast mit sieben entzündungsfördernden Zytokinen, darunter IL-6 (p = 0,024), TNF-α (p = 0,009) und IL-1β (p = 0,002) [s115]. Die Studie betrifft nicht die Unfruchtbarkeit und zeigt nur, dass das Samenmikrobiom als Thema auch aus der Infektiologie kam.
- *Weng und Kollegen 2014* (PLoS One, Taiwan) sequenzierten 96 Samenproben von Männern unfruchtbarer Paare. Die häufigsten Gattungen waren Lactobacillus (19,9 %), Pseudomonas (9,85 %), Prevotella (8,51 %) und Gardnerella (4,21 %). Lactobacillus und Gardnerella waren in normalen Proben signifikant häufiger, Prevotella in Proben niedriger Qualität. Drei Gemeinschaftstypen wurden gefunden (Pseudomonas, Lactobacillus, Prevotella vorherrschend); 80,6 % der normalen Proben lagen im Lactobacillus-Cluster [s116]. Den Recherchenotizen zufolge bestanden die Proben aus 36 normalen, 33 minderwertigen (mindestens zwei auffällige Werte) und 27 mittleren; die Cluster umfassten 25 (Pseudomonas), 55 (Lactobacillus) und 16 (Prevotella) Proben, mit Normalanteilen von 20, 52,7 und 12,5 %, und das Risiko schlechter Qualität war im Pseudomonas-Cluster 5,2-fach und im Prevotella-Cluster 8,5-fach gegenüber dem Lactobacillus-Cluster (Fisher-Test p = 0,0074 und 0,00448) [s116]. Die Autoren schlossen, Lactobacillus könnte ein Probiotikum zur Erhaltung der Samenqualität sein und dem negativen Einfluss von Prevotella und Pseudomonas entgegenwirken; das ist eine Hypothese, kein Beleg. Stärke: erste größere Sequenzierstudie mit Clustern. Schwäche: Querschnitt, Männer aus Kinderwunschpaaren (selektiert), keine Angabe zu Kontrollen im Abstract.
- *Mändar und Kollegen*: 2015 die Paarstudie (23 Paare, siehe Abschnitt 2.2) [s113]. 2017 (International Journal of Urology) 67 Männer, davon 21 mit Prostatitis, mit 16S-V6-Sequenzierung: Firmicutes waren der häufigste Stamm (Median 41,7 %, Quartile 28,5 bis 47,2 %); Laktobazillen waren bei Gesunden häufiger als bei Prostatitis (27 % gegenüber 20,2 %; P = 0,05, besonders Lactobacillus iners), Proteobacteria bei Prostatitis höher, und die Artenvielfalt war bei Prostatitis höher (inverser Simpson-Index 13,5 ± 5,8 gegenüber 10,3 ± 4,0) [s110]. 2018 die Studie zum sexuellen Debüt (68 junge Männer, siehe Abschnitt 2.4) [s107]. Die estnische Gruppe ist damit ein früher Taktgeber des Feldes, mit Paar-, Prostatitis- und Gesundenstudien.
- *Alfano und Kollegen 2018*: Der Hoden ist nicht steril (siehe Abschnitt 2.2, n = 15) [s104].
- *Altmäe, Franasiak und Mändar 2019* (Nature Reviews Urology) ordneten das Feld in einer Übersicht ein: Das Samenmikrobiom sei im Vergleich zu anderen Mikrobiombereichen noch unterforscht, habe aber wohl Bedeutung für die reproduktive Gesundheit des Mannes, die Gesundheit des Paares und sogar der Nachkommen, wegen der Übertragung von Mikroorganismen auf Partnerin und Nachkommen; sorgfältig geplante Studien mit ausreichender Fallzahl seien nötig [s100].
- *Baud und Kollegen 2019* (Frontiers in Microbiology, Lausanne) untersuchten 26 Männer mit normalem und 68 mit mindestens einem auffälligen Spermiogrammparameter mit 16S-Sequenzierung und pan-bakterieller qPCR. Drei Profile ergaben sich: Prevotella-angereichert, Lactobacillus-angereichert und polymikrobiell; Prevotella-angereicherte Proben hatten die höchste Bakterienlast (p < 0,05). Entgegen der Hypothese korrelierten Verschiebungen der Gesamtzusammensetzung (Beta-Diversität) nicht mit Spermiogrammparametern, und es gab keine Unterschiede in Reichhaltigkeit oder Alpha-Diversität; drei Gattungen waren in einigen Qualitätsgruppen angereichert oder vermindert: Prevotella bei gestörter Beweglichkeit, Staphylococcus in der entsprechenden Kontrollgruppe, Lactobacillus bei normaler Morphologie. Die Autoren schlossen, der gesamte Bakteriengehalt des Spermas spiele möglicherweise keine große Rolle bei männlicher Unfruchtbarkeit, aber eine kleine Gruppe von Mikroben könnte die Spermienphysiologie beeinflussen [s101]. Das ist ein frühes Beispiel dafür, dass dieselbe Frage mit ähnlicher Methode zu einem anderen Gesamtergebnis führen kann als die Studie von Weng.

**Die 2020er-Jahre: Systematik, Metagenomik, Widersprüche.**

- *Tomaiuolo und Kollegen 2020* (High-Throughput) stellten fest, dass erst wenige Studien Herkunft und Funktionen des Samenmikrobioms und seine Verbindung zum Mikrobiom der Partnerin untersucht hätten [s098]. 2020 erschien auch die Arbeit von Ding und Kollegen zur Darm-Hoden-Achse (siehe Abschnitt 2.2) [s097].
- *Lundy und Kollegen 2021* (European Urology) lieferten mit Shotgun-Metagenomik die erste „umfassende“ Untersuchung von Darm-, Urin- und Samenmikrobiom bei männlicher Unfruchtbarkeit (Selbstbeschreibung der Autoren als Pilotstudie, 25 Männer mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit, 12 mit nachgewiesener Vaterschaft). Befunde: bei unfruchtbaren Männern höhere seminale Alpha-Diversität und andere Beta-Diversität, mehr Aerococcus im Ejakulat, weniger Anaerococcus im Rektum; Prevotella war mit der Spermienkonzentration negativ assoziiert, Pseudomonas positiv mit der Gesamtzahl beweglicher Spermien; bei Varikozele waren Anaerobier im Ejakulat stark überrepräsentiert; im S-Adenosylmethionin-Zyklus fanden sich Veränderungen [s092]. Die Aktuelle Urologie kommentierte die Arbeit 2022 auf Deutsch unter dem Titel „Infertilität des Mannes: Welche Rolle spielen das Darm-, Urin- und Spermamikrobiom?“ [s075]; sie ist damit der wichtigste Bezugspunkt der deutschsprachigen Literatur zum Thema.
- *Farahani und Kollegen 2021* (Andrology) fassten die Literatur in einer systematischen Übersicht mit Metaanalyse zusammen: 55 Beobachtungsstudien mit 51.299 Personen, Zeitraum 1992 bis 2019, Nachweis mit Kultur, PCR oder Sequenzierung. Das Samenmikrobiom war reich und vielfältig bei fruchtbaren und unfruchtbaren Männern. Lactobacillus ging mit besseren Spermienparametern einher, Prevotella schien negativ zu wirken. Bakteriospermie war mit niedrigerer Konzentration und progressiver Beweglichkeit verbunden und mit einem höheren DNA-Fragmentierungsindex (mittlere Differenz 3,518; 95-%-KI 0,907 bis 6,129; p = 0,008); Ureaplasma urealyticum war bei unfruchtbaren Männern häufiger (OR 2,25; 95-%-KI 1,47 bis 3,46); für Chlamydia trachomatis fand sich kein Unterschied. Die Autoren bewerteten die Evidenz zur Wirkung des Mikrobioms auf die Fertilität als nicht schlüssig [s089]. Das ist die breiteste Datengrundlage, mit der sich spätere Einzelstudien messen lassen.
- Systematische Übersichten mit kleineren Studienzahlen (Brandão 2021: 9 Studien, Stichproben von 15 bis 118 Personen, keine Studien zu Einnistung, Schwangerschaft, Fehlgeburt oder Lebendgeburt [s086]; Gomes 2023: 7 Studien mit zusammen 500 Personen [s068]; Neto 2024: 37 Studien mit 9310 Teilnehmern, davon 16 mit Kultur, 16 mit Sequenzierung und 5 mit beidem, keine Studie zu Pilzen oder Viren [s054]) bestätigten das Muster mit Unterschieden im Detail; die Angaben von Brandão und Gomes entstammen den Recherchenotizen dieser Studie.
- *Mowla und Kollegen 2025* (eLife, Großbritannien) bildeten mit 223 Männern die größte prospektive Querschnittsstudie mit Sequenzierung unter den hier herangezogenen Einzelstudien: 63 gesunde Männer mit nachgewiesener Vaterschaft, 46 Partner bei wiederholten Fehlgeburten, 58 Männer mit Subfertilität (männlicher Faktor) und 56 Partner bei ungeklärter Unfruchtbarkeit. In allen Gruppen bildeten sich drei Gattungs-dominierte Cluster (Streptococcus; Prevotella; Lactobacillus und Gardnerella); der Prevotella-Cluster hatte die höchste Reichhaltigkeit (p < 0,001), Alpha-Diversität (p < 0,001) und Bakterienlast (p < 0,0001). Die Gesamtzusammensetzung oder -last war nicht mit Samenanalyse, ROS oder DNA-Fragmentierung verbunden; Männer mit nicht identifiziertem seminalem Flavobacterium hatten eher eine auffällige Samenanalyse [s043]. Damit steht am Ende der Chronik eine große Studie, die den Gesamtzusammenhang nicht bestätigt, während einzelne Gattungen (Flavobacterium) auffallen.

**Die Probiotikafrage als zweiter Strang.** Parallel zur Beschreibung kam die Frage nach der Beeinflussbarkeit auf.

- *Valcarce und Kollegen 2017* gaben neun Männern mit Asthenozoospermie ein Präparat aus Lactobacillus rhamnosus CECT8361 und Bifidobacterium longum CECT7347, ohne Kontrollgruppe; berichtet wurden eine deutlich höhere Beweglichkeit (ungefähr sechsfach), geringere DNA-Fragmentierung (ungefähr 1,2-fach) und geringeres intrazelluläres H₂O₂ bei unveränderter Vitalität (Recherchenotizen, nur Abstract) [s112]. Es ist eine unkontrollierte Pilotstudie mit neun Männern.
- *Maretti und Cavallini 2017* (Italien) führten eine kleine randomisierte Pilotstudie an 41 Männern mit idiopathischer OAT durch (20 Verum, 21 Stärke-Kontrolle; Lactobacillus paracasei B21060 mit Präbiotika, sechs Monate), bei der in der Verumgruppe Volumen, Konzentration, progressive Beweglichkeit und Normalformen höher lagen (jeweils p < 0,01) [s111]; Einzelheiten stehen im Kapitel zu den Interventionsstudien.
- Die iranischen randomisierten Studien (Abbasi 2021: n = 56 [s085]; Helli 2022: n = 52 [s079]; Asadi 2023: n = 78 [s064]; Gholipour 2026: n = 110 [s007]) folgten. Zu der Studie von Helli et al. (Human Fertility) liegt seit 2026 eine Rückzugserklärung vor [s021]; welche Folgen das für Metaanalysen hat, die diese Studie enthielten, ist Thema der späteren Kapitel.
- *Prihadi und Kollegen 2026* fassten in einer Metaanalyse vier Studien mit 156 Teilnehmern zusammen (SMD für Konzentration 1,96; 95-%-KI 0,08 bis 3,84; I² 95 %) [s020]. Für den Hintergrund genügt: Die Kette von „Bakterien als Infektion“ über „Gemeinschaft“ zu „Beeinflussung der Gemeinschaft durch Probiotika“ ist in zwei Jahrzehnten entstanden, die Evidenz für die letzte Stufe ist die dünnste.

**Aufmerksamkeit der Fachgesellschaften und der Öffentlichkeit.** Italienische Berichte aus dem Umfeld der Società Italiana di Andrologia (SIA) beschreiben den Wandel so: Früher habe man geglaubt, das Ejakulat sei von Natur aus bakterienfrei und jeder gefundene Keim ein Zeichen einer Infektion; der Präsident der SIA sagt, Sperma habe eine eigene mikrobielle Gemeinschaft, und das Samenmikrobiom sei noch ein vernachlässigter Aspekt der Diagnostik [s126]. Das ist eine Pressedarstellung, keine Leitlinie. Die EAU-Leitlinie 2026 zu männlicher Unfruchtbarkeit konnte für diese Studie nur als gekürzte Seite abgerufen werden; Leitlinieninhalte werden deshalb nicht wiedergegeben [s006]. Für den deutschen Sprachraum fand die Recherche nur wenige Arbeiten: einen Kommentar in der Aktuellen Urologie (2022) [s075], die Arbeiten von Ludwig 2001 [s120] und Ensslen 1990 [s121] sowie die Studien von Baud und Kollegen (2019, 2024, 2025) [s101, s047, s035]. Eine AWMF-Leitlinie wurde nicht geöffnet.

### 2.6 Was aus dem Hintergrund für die folgenden Kapitel folgt

Aus den Grundlagen ergeben sich sieben Leseregeln, die in allen weiteren Kapiteln gelten.

1. **Ersatzgrößen, keine Geburten.** Samenparameter und DNA-Fragmentierung sind Surrogate der Fruchtbarkeit (Cooper et al. 2010). Eine Verbesserung eines Parameters ist nicht dasselbe wie eine Schwangerschaft.
2. **Referenzgrenzen sind 5. Perzentile.** Die WHO-Werte von 2021 (Konzentration 16 × 10⁶/ml, progressive Beweglichkeit 30 %, Gesamtbeweglichkeit 42 %, Normalformen 4 %) beschreiben fruchtbare Männer, kein Krankheitsurteil, und die sechste Auflage selbst warnt, dass die 5. Perzentile allein für die Diagnose nicht genügen (Campbell et al. 2021; Boitrelle et al. 2021; [s054]).
3. **Nachweis ist nicht Infektion.** Bakteriospermie (Kultur über 10³ KBE/ml nach [s051]) und Leukozytospermie (über 1 × 10⁶ peroxidasepositive Zellen/ml nach [s051]) sind Befunde, keine Diagnosen; Leukozytospermie bleibt bei etwa 80 % der Betroffenen ohne Infektionsnachweis [s051].
4. **Die Methode bestimmt das Ergebnis.** Kultur, PCR, Amplikon- und Shotgun-Sequenzierung, Plattform, Aufbereitung und Hygiene bei der Probengewinnung verändern Befunde; Kontamination macht bei Proben mit niedriger Biomasse einen großen Teil der Reads aus [s049, s050, s036, s067].
5. **Es gibt keine Referenz für ein „gesundes“ Samenmikrobiom.** Dysbiose ist ein Begriff ohne Messlatte [s054, s071].
6. **Herkunft der Keime, Alter, sexuelle Erfahrung.** Die Samenbakterien stammen aus mehreren Abschnitten (rund 30 % aus der Harnröhre nach [s054]); Alter und sexuelle Erfahrung verändern Messwerte [s083, s107].
7. **Beobachtung ist nicht Ursache.** Die Darm-Hoden-Achse und die oxidativen und entzündlichen Wege sind Mechanismusvorschläge, die aus Tierversuchen und Übersichten stammen [s114, s097, s050, s051]; ob sie beim Menschen die Spermienqualität verändern, zeigen die Studien der folgenden Kapitel höchstens als Zusammenhang.

**Lücken dieses Kapitels.** Die Dauer der menschlichen Spermatogenese und die Anteile der einzelnen Drüsen am Ejakulatvolumen konnten in den abgerufenen Quellen nicht belegt werden und fehlen daher. Die WHO-Angaben zu Konzentration und Referenzpopulation stammen aus Abstracts (Cooper 2010; Campbell 2021) und einem Volltext (Boitrelle 2021), nicht aus dem WHO-Handbuch selbst; Werte zu pH, Karenzzeit und Leukozytenschwelle des Handbuchs wurden nicht gefunden. Mehrere Studiendetails stammen aus den Recherchenotizen der Sprachräume und aus Abstracts; wo nur ein Abstract oder eine Zusammenfassung in einer Übersicht vorlag, ist das im Text vermerkt. Eine Bewertung des Verzerrungsrisikos (Risk of Bias) der historischen Arbeiten wurde nicht vorgenommen.

## Studienlage: Metaanalysen und systematische Übersichten

### Gegenstand, Abgrenzung und Lesehinweise

Dieses Kapitel behandelt jede in der Master-Quellenliste als „Systematische Übersicht“ oder „Systematische Übersicht und Metaanalyse“ geführte Arbeit zum seminalen und genitalen Mikrobiom, zu Genitaltrakt-Infektionen, zu Probiotika und zur männlichen Fruchtbarkeit. Es sind vierzehn Arbeiten: Farahani 2021 [s089], Gomes 2023 [s068], Brandão 2021 [s086], Hofman 2025 [s038], Bazzar 2026 [s001], Puerta-Suárez 2025 [s044], Campbell 2026 [s004], Boujemaa 2026 [s002], Prihadi 2026 [s020], Oliveira 2024 [s055], Shamsi-Goushki 2026 [s022], Corbett 2021 [s087], Maleki-Hajiagha 2025 [s042] und Melhem 2026 [s017]. Die Rückzugsmitteilung zu Helli 2022 [s021] gehört ebenfalls hierher, weil die zurückgezogene Studie in mehreren dieser Übersichten als Datenquelle eingeht. Rein narrative Übersichten (zum Beispiel [s009, s010, s036, s050, s051]) sind nicht Gegenstand dieses Kapitels; zwei strukturiert angelegte narrative Arbeiten mit Zahlen zur Studienzahl, [s054] und [s012], werden am Ende als Grenzfälle kurz dargestellt.

Die Arbeiten beantworten vier verschiedene Fragen, und diese Trennung ist für das Verständnis wichtig:

1. **Welche Bakterien finden sich im Ejakulat, und hängen sie mit der Spermienqualität zusammen?** (Farahani [s089], Gomes [s068], Brandão [s086], Bazzar [s001], Puerta-Suárez [s044]; methodisch dazu Hofman [s038]).
2. **Verschlechtern Infektionen des männlichen Genitaltrakts oder einzelne Erreger die Samenparameter?** (Campbell [s004], Boujemaa zu Mycoplasma hominis [s002]; Teilergebnisse bei Farahani [s089]).
3. **Verbessern Probiotika bei Männern die Spermienparameter oder die Schwangerschaftsrate?** (Prihadi [s020], Oliveira [s055], Shamsi-Goushki [s022], Corbett [s087]; für Lactobacillus insgesamt Puerta-Suárez [s044]; für die weibliche Seite Maleki-Hajiagha [s042]).
4. **Wie wirksam sind nahrungsergänzende und medikamentöse Therapien bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit insgesamt?** (Melhem [s017], als Vergleichsmaßstab für die Größenordnung der Probiotika-Effekte).

**Was in diesem Kapitel nicht steht.** Es enthält keine Therapieempfehlung. Wenn Autoren der besprochenen Übersichten selbst Schlüsse in Richtung Behandlung ziehen („Probiotika als mögliche therapeutische Alternative“, „Screening sollte erwogen werden“), werden diese als Aussagen der Autoren wiedergegeben und eingeordnet, nicht übernommen.

**Welche Textgrundlage jeweils vorlag.** Für die Einordnung der Aussagekraft ist entscheidend, ob der Volltext oder nur der Abstract geprüft werden konnte. Im Volltext (Europe PMC bzw. PMC) wurden gelesen: Boujemaa [s002], Gomes [s068], Brandão [s086], Hofman [s038], Puerta-Suárez [s044], Oliveira [s055] und Maleki-Hajiagha [s042]. Für Prihadi [s020] lag die Seite der Zeitschrift vor (Urologia Colombiana; die Arbeit ist in PubMed nicht indexiert, eine PMID gibt es nicht), die über eine automatische Zusammenfassung abgerufen wurde. Nur als Abstract (PubMed) lagen vor: Farahani [s089], Campbell [s004], Melhem [s017], Bazzar [s001], Shamsi-Goushki [s022] und Corbett [s087]. Der Volltext von Farahani, Campbell, Bazzar und Corbett war nicht frei abrufbar (Verlagsserver verweigerte den Zugriff beziehungsweise Abonnement erforderlich); der Volltext von Melhem war über die Europe-PMC-Schnittstelle nicht verfügbar. Bei diesen Arbeiten werden deshalb nur Angaben berichtet, die im Abstract stehen; was dort fehlt (zum Beispiel Studienzahl je Analyse, Heterogenität, Qualitätsbewertung), wird ausdrücklich als „im Abstract nicht angegeben“ gekennzeichnet und nicht ergänzt.

### Überblick: die vierzehn Arbeiten in einer Tabelle

| ID | Arbeit | Fragestellung | Eingeschlossen | Quantitative Synthese? | Qualitätsbewertung (laut Autoren) | Textbasis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| [s089] | Farahani et al. 2021, Andrology | Seminales Mikrobiom, Spermienfunktion, Fertilität | 55 Beobachtungsstudien, 51.299 Personen | Ja (Mittelwertdifferenz, OR) | im Abstract nicht angegeben | Abstract |
| [s068] | Gomes et al. 2023, JBRA | Mikrobiota und Samenqualität | 7 Studien, 500 Männer | Nein | keine formale Bewertung | Volltext |
| [s086] | Brandão et al. 2021, Porto Biomed J | Samen- und Hodenmikrobiom (NGS) und Fertilität | 9 Studien (15 bis 118 Personen je Studie) | Nein | keine formale Bewertung im gelesenen Text | Volltext |
| [s038] | Hofman et al. 2025, Front Reprod Health | Methodik der metagenomischen Samenstudien | 29 Studien, Median 56 Teilnehmer | Nein (Methodenvergleich) | keine (Methodenübersicht) | Volltext |
| [s001] | Bazzar et al. 2026, Biol Reprod | Samenmikrobiom und männliche Reproduktionsgesundheit | im Abstract nicht angegeben | Nein | im Abstract nicht angegeben | Abstract |
| [s044] | Puerta-Suárez, Cardona Maya 2025, JBRA | Lactobacillus spp. im menschlichen Samen | 35 Artikel | Nein | JBI-Checkliste, QUIN-Werkzeug | Volltext |
| [s004] | Campbell et al. 2026, Fertil Steril | Genitaltrakt-Infektionen und Samenqualität | 51 Studien qualitativ, 35 quantitativ | Ja (Mittelwertdifferenzen, OR) | im Abstract nicht angegeben | Abstract |
| [s002] | Boujemaa et al. 2026, Health Sci Rep | Mycoplasma hominis und Spermienqualität | 11 Studien, 20.797 unfruchtbare Männer | Ja (SMD) | Newcastle-Ottawa-Skala | Volltext |
| [s020] | Prihadi et al. 2026, Urol Colomb | Probiotika bei idiopathischer Unfruchtbarkeit | 4 Studien (3 RCT, 1 einarmig), 156 Teilnehmer | Ja (SMD) | RoB 2, ROBINS-I | Zeitschriftenseite |
| [s055] | Oliveira et al. 2024, JBRA | Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit | 4 Studien | Nein | keine formale Bewertung | Volltext |
| [s022] | Shamsi-Goushki et al. 2026, Nutr Health | Probiotika und Spermienparameter (Mensch und Tier) | 15 Studien (5 Mensch, 10 Tier) | Nein (laut Abstract) | Cochrane RoB, SYRCLE | Abstract |
| [s087] | Corbett et al. 2021, EJOGRB | Probiotika bei Paaren mit Unfruchtbarkeit | 4 Studien | Nein | im Abstract nicht angegeben | Abstract |
| [s042] | Maleki-Hajiagha et al. 2025, BMC Pregnancy Childbirth | Vaginale Probiotika vor Embryotransfer (Frau) | 6 Studien, 850 Teilnehmerinnen | Ja (Risk Ratio) | RoB 2, ROBINS-I | Volltext |
| [s017] | Melhem et al. 2026, Andrology | Pharmakologische und nahrungsergänzende Therapien | 41 RCT, 3615 Männer | Ja (SMD, Dreiebenen-Modell) | GRADE | Abstract |

Registrierungen laut Abstract oder Volltext: Boujemaa PROSPERO CRD420251072578 [s002]; Puerta-Suárez PROSPERO CRD42024519245 [s044]; Maleki-Hajiagha PROSPERO CRD42024550798 [s042]; Melhem PROSPERO CRD420261289976 [s017]. Für die übrigen Arbeiten wird im Abstract beziehungsweise im gelesenen Text keine Registrierung genannt.

### Hinweise zu den Effektmaßen

Die berichteten Effektgrößen sind nicht untereinander vergleichbar, solange das Maß nicht übereinstimmt. Eine **standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD)** gibt den Unterschied in Einheiten der Standardabweichung an und macht verschiedene Messskalen vergleichbar; ein SMD von 1 entspricht einem Unterschied von einer Standardabweichung zwischen den Gruppen. Eine **Mittelwertdifferenz (MD)** bleibt in der Originaleinheit (Millionen pro Milliliter, Prozentpunkte, Milliliter). Das **Odds Ratio (OR)** und das **Risk Ratio (RR)** vergleichen Häufigkeiten; ein Wert von 1 bedeutet keinen Unterschied. Das **95-%-Konfidenzintervall** beschreibt die statistische Unsicherheit des gepoolten Mittelwerts; schließt es den Nullwert ein (bei Differenzen die 0, bei OR und RR die 1), ist der Effekt statistisch nicht gesichert. Die **Heterogenität I²** gibt an, welcher Anteil der Streuung zwischen den Studien nicht durch Zufall erklärbar ist; bei den hier besprochenen Arbeiten liegen die Werte häufig bei 80 bis 95 %, die gepoolte Zahl ist dann ein Durchschnitt sehr unterschiedlicher Einzelergebnisse. Ein **Prädiktionsintervall** (nur bei Melhem [s017] erwähnt) beschreibt, in welchem Bereich der Effekt einer künftigen einzelnen Studie liegen würde, und ist bei hoher Heterogenität deutlich weiter als das Konfidenzintervall.

### Metaanalyse zum seminalen Mikrobiom: Farahani et al. 2021 [s089]

**Fragestellung und Einschlusskriterien.** Farahani und Mitarbeiter (Londoner Einrichtungen) wollten klären, ob das Mikrobiom des Samens die Spermienfunktion und die Fruchtbarkeit beeinflusst. Als Ausgangslage nennt der Abstract, dass der männliche Faktor an bis zu 50 % der Fälle von Unfruchtbarkeit beteiligt ist, dass In-vitro-Studien eine Schädigung der Spermienfunktion durch Bakterien zeigen und dass die Evidenz zum Samenmikrobiom widersprüchlich ist [s089]. Eingeschlossen wurden englischsprachige Studien aus den Jahren 1992 bis 2019, die Bakterien im Samen fruchtbarer und unfruchtbarer Männer identifizierten, und zwar mit Hochdurchsatzsequenzierung (NGS), Kultur oder PCR. Durchsucht wurden MEDLINE, OVID und PubMed nach dem PRISMA-Vorgehen [s089].

**Umfang.** 55 Beobachtungsstudien mit insgesamt 51.299 Personen. Das ist die mit Abstand größte der hier besprochenen Arbeiten nach Personenzahl. Der Abstract gibt weder an, wie viele dieser Studien in die einzelnen quantitativen Analysen eingingen, noch wie sich die Personenzahl auf NGS-, Kultur- und PCR-Studien verteilt. Das ist eine wichtige Einschränkung beim Lesen: Eine Zahl von 51.299 Personen beschreibt die Gesamtmenge der Literatur, nicht die Fallzahl hinter einem einzelnen gepoolten Effekt [s089].

**Ergebnisse laut Abstract.**

- Das Samenmikrobiom war „reich und vielfältig“, sowohl bei fruchtbaren als auch bei unfruchtbaren Männern [s089].
- Drei NGS-Studien berichteten eine Clusterbildung des Samenmikrobioms mit jeweils einer vorherrschenden Art; Lactobacillus und Prevotella dominierten in jeweils eigenen Clustern [s089]. Diese Clusterstruktur wird in der Primärliteratur etwa bei Weng 2014 [s116] beschrieben.
- Lactobacillus war mit besseren Samenparametern assoziiert, Prevotella schien die Spermienqualität negativ zu beeinflussen [s089].
- Eine Bakteriospermie wirkte sich negativ auf Spermienkonzentration und progressive Motilität aus. Für den DNA-Fragmentierungsindex (DFI) lag die gepoolte Mittelwertdifferenz bei 3,518 Prozentpunkten (95-%-Konfidenzintervall 0,907 bis 6,129; p = 0,008) [s089]. Konfidenzintervalle für Konzentration und Motilität nennt der Abstract nicht.
- Ureaplasma urealyticum wurde bei unfruchtbaren Männern häufiger nachgewiesen (OR 2,25; 95-%-Konfidenzintervall 1,47 bis 3,46) und war mit schlechterer Konzentration und Morphologie verbunden [s089].
- Chlamydia trachomatis: kein Unterschied in der Häufigkeit zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Männern und kein signifikanter Einfluss auf Samenparameter [s089].
- Enterococcus faecalis beeinträchtigte die Gesamtmotilität; Mycoplasma hominis beeinträchtigte Konzentration, progressive Motilität und Morphologie [s089].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Ureaplasma urealyticum, Enterococcus faecalis, Mycoplasma hominis und Prevotella wirkten sich negativ auf Samenparameter aus, Lactobacillus scheine die Spermienqualität zu schützen. Zugleich halten die Autoren fest, dass die Evidenz zur Auswirkung des Samenmikrobioms auf die Fruchtbarkeit selbst „inconclusive“ (nicht schlüssig) sei und weitere Studien nötig seien. Die Befunde könnten die Entwicklung neuer Therapien, zum Beispiel mit Probiotika, erleichtern [s089].

**Einordnung und Kritik.**

- *Trennung von Parametern und Fruchtbarkeit.* Die Aussage „negativ für Samenparameter“ ist nicht gleichbedeutend mit „verursacht Unfruchtbarkeit“. Der Abstract nennt keine Auswertung von Schwangerschaften oder Geburten; die Autoren selbst bezeichnen die Evidenz zur Fertilität als nicht schlüssig [s089].
- *Gemischte Nachweismethoden.* Kultur und PCR erfassen nur gezielt gesuchte oder anzüchtbare Arten; NGS erfasst die gesamte Gemeinschaft. Brandão [s086] und Hofman [s038] weisen darauf hin, dass sich daraus Widersprüche zwischen den Methoden ergeben. In Hofman wird die Angabe zitiert, Kulturverfahren erfassten nur etwa 1 % aller mikrobiellen Taxa [s038]. Eine Zusammenführung der drei Methoden in einer Analyse erfordert daher Vorsicht, und der Abstract sagt nicht, ob nach Methode getrennt gepoolt wurde.
- *Ausgangsgruppen.* Der Abstract definiert nicht, was „Bakteriospermie“ (Schwellenwert) bedeutet. Henkel [s051] nennt als in den meisten Studien verwendete Schwelle mehr als 10³ koloniebildende Einheiten pro Milliliter, Neto [s054] für die Kultur meist mehr als 10⁴ pro Milliliter (in einer dänischen Studie mehr als 10³); die konkrete Handhabung bei Farahani bleibt hier offen.
- *Qualitätsbewertung, Heterogenität, Publikationsbias.* Im Abstract nicht angegeben und deshalb hier nicht beurteilbar.
- *Beobachtungsdesign.* Alle eingeschlossenen Studien sind Beobachtungsstudien, damit sind Störgrößen (Alter, Rauchen, Adipositas, Antibiotikaeinnahme, Sexualpartner) nicht kontrolliert. Kausalaussagen sind nicht möglich; die Autoren formulieren dies im Fazit mit der Bitte um weitere Studien [s089].
- *Widerspruch zu einer neueren Metaanalyse.* Campbell 2026 [s004] findet für den DFI bei Genitaltrakt-Infektionen keinen signifikanten Unterschied, Farahani für die Bakteriospermie dagegen einen höheren DFI. Beide Arbeiten fassen unterschiedliche Studienmengen mit unterschiedlichen Definitionen zusammen (Bakteriospermie versus dokumentierte Infektion des Urogenitaltrakts); der Abstract-Vergleich erlaubt keine Auflösung. Siehe Abschnitt zu den Widersprüchen.

**Aussagekraft.** Hoch als Kartierung der Literatur und als Beleg dafür, dass die Zusammenhänge in dieselbe Richtung zeigen (Lactobacillus günstig, Prevotella und bestimmte Erreger ungünstig); niedrig bis mäßig für die Frage, ob sich daraus eine kausale Wirkung auf die Fruchtbarkeit ableiten lässt. Die Arbeit liegt hier nur im Abstract vor, einzelne Zahlen wurden nicht gegen den Volltext geprüft.

### Systematische Übersicht: Gomes et al. 2023 [s068]

**Fragestellung.** Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Mikrobiota und der Samenqualität? Die Autoren (Fortaleza und Ribeirão Preto, Brasilien) stellen den Gedanken voran, dass Männer mit „idiopathischer“ Unfruchtbarkeit möglicherweise eine Mikrobiota mit Mikroorganismen haben, die die Samenqualität senken, und dass eine solche Beziehung, falls bewiesen, eine gezielte Behandlung ermöglichen könnte [s068].

**Methodik und Einschlusskriterien.** Datensammlung von August 2021 bis März 2022 in PubMed, Medline und der Cochrane Library mit den Schlagwörtern „microbiota or microbiome“, „16S“ und „semen or sperm“. Eingeschlossen wurden vollständige Originalarbeiten in englischer Sprache, die zwischen 2012 und März 2022 erschienen waren und die Samenqualität mit der Mikrobiota in Beziehung setzten; ausgeschlossen wurden nicht verfügbare Artikel, Tierstudien und Übersichtsarbeiten. Das Vorgehen orientiert sich am PRISMA-Schema [s068].

**Studienfluss.** 45 Treffer (PubMed 36, Medline 7, Cochrane 2); zwei Duplikate entfernt, 34 Arbeiten nach Titel und Abstract ausgeschlossen, neun Arbeiten im Volltext gelesen, davon sieben in die Auswertung aufgenommen [s068]. Die im Abstract genannten sieben Arbeiten sind: Hou 2013 [s117] (77 Spender), Baud 2019 [s101] (94), Yang 2020 [s099] (159), Yao 2022 [s084] (87), Lundy 2021 [s092] (37), Okwelogu 2021 (36 Teilnehmer, in der Masterliste nicht geführt) und Puerta-Suárez und Cardona Maya 2021 (10). Die Summe der Teilnehmer ergibt 500 Personen (77 + 94 + 159 + 87 + 37 + 10 + 36), was der Angabe im Text entspricht [s068]. Alle Studien nutzten die 16S-rRNA-Gen-Sequenzierung; nur Lundy ergänzte Shotgun-Sequenzierung, Hou ergänzte eine Gram-Färbung, mit der die Autoren feststellten, dass bei den meisten Samenspender-Proben die Zahl der Bakterien die der Spermien übertraf [s068].

**Ergebnisse (rein qualitativ).** Es werden keine Effektgrößen, keine Konfidenzintervalle und keine Heterogenitätsmaße berechnet. Berichtet wird, welche Gattungen in welcher Gruppe erwähnt werden:

- In fünf Studien war bei Männern mit normalen Samenparametern die Gattung Lactobacillus am häufigsten; bei Männern mit Samenveränderungen war sie ebenfalls nachweisbar, aber vermindert [s068].
- Sechs Studien fanden Prevotella bei Männern mit irgendeiner Samenveränderung; drei Studien fanden Prevotella auch bei normospermen Männern, dort aber in geringer Konzentration [s068].
- Ralstonia, Aerococcus und Ureaplasma wurden nur bei Männern mit veränderter Samenqualität gefunden [s068].
- Einzelbefunde der Tabelle: Hou 2013 [s117] bei Asthenozoospermie Prevotella, Peptoniphilus, Lactobacillus, Clostridiales; bei Oligoasthenozoospermie und schwerer Azoospermie Ralstonia, Prevotella, Aerococcus, Gemella. Baud 2019 [s101]: Staphylococcus und Lactobacillus bei normalem Spermiogramm, Prevotella bei mindestens einem auffälligen Parameter. Yao 2022 [s084]: bei Kontrollen Lactobacillus erhöht und Streptococcus vermindert; bei Leukozytospermie Streptococcus erhöht; bei Asthenozoospermie plus Leukozytenzahl über 1 × 10⁶/ml Lactobacillus vermindert. Lundy 2021 [s092]: bei idiopathischer Unfruchtbarkeit Aerococcus erhöht; Gardnerella, Prevotella, Pseudomonas und Collinsella vermindert; bei Kontrollen Collinsella erhöht und Pseudomonas vermindert [s068].

**Diskussionspunkte der Autoren.** Gomes und Kollegen heben Ralstonia, Aerococcus, Ureaplasma, Staphylococcus und Prevotella hervor und führen als Begründung unter anderem folgende Literatur an, die nicht Teil der Auswertung ist, sondern in der Diskussion zitiert wird: eine Fallbeschreibung zu Ralstonia pickettii, eine kolumbianische In-vitro-Studie, bei der lösliche Faktoren von Staphylococcus-Stämmen die Motilität gesunder Spender-Spermien innerhalb von 15 bis 30 Minuten um 25 bis 30 % verschlechterten, sowie die Mausstudie von Ding 2020 [s097] zur Darm-Hoden-Achse [s068]. Zur Gegenseite verweisen sie auf Weng 2014 [s116] (96 Proben, Lactobacillus crispatus günstig). Zur Probiotikastudie von Maretti und Cavallini 2017 [s111] geben sie an, fünf der 20 mit dem Wirkstoff behandelten Patienten hätten ein Kind bekommen, in der Kontrollgruppe keiner; diese Angabe steht nur in der Diskussion von Gomes und lässt sich dem Abstract der Primärstudie nicht entnehmen [s068, s111].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Es gebe eine Divergenz zwischen der Mikrobiota fruchtbarer und unfruchtbarer Männer; bei Männern mit guter Samenqualität überwiege Lactobacillus, bei unfruchtbaren Männern seien Ralstonia, Prevotella, Ureaplasma, Staphylococcus und Aerococcus häufiger. Zugleich räumen sie hohe Variation zwischen den Populationen ein und fordern größere und homogenere Studien [s068].

**Kritik und Aussagekraft.**

- Keine formale Bewertung der methodischen Qualität oder des Verzerrungsrisikos der sieben Studien in Methodik und Ergebnissen.
- Nur englischsprachige Arbeiten, nur drei Datenbanken, Suchende März 2022.
- Sehr kleine Gesamtbasis: sieben Studien, 500 Personen, darunter Studien mit 10 und 36 Teilnehmern und teils Gruppen mit nur wenigen Männern je Untergruppe.
- Die Zählung „fünf Studien“ beziehungsweise „sechs Studien“ ist eine reine Auszählung der Nennungen (Vote Counting); sie berücksichtigt weder die Größe der Studien noch die Effektstärke noch die Gruppenaufteilung. Der Befund „Lactobacillus bei Normospermie“ entspricht der Richtung bei Farahani [s089], ist aber hier nicht gewichtet.
- Der Schlusssatz, es gebe Berichte, nach denen unfruchtbare Männer „nach korrekter Behandlung wieder fruchtbar“ würden, stützt sich in der Diskussion auf Einzelfallberichte und eine Pilotstudie und geht über die Ergebnisse der eigentlichen Übersicht hinaus [s068].
- Hinweis: Die Zahl der Berichte, die das Mikrobiom (und nicht nur Bakteriospermie) betreffen, ist durch den Zeitraum 2012 bis 2022 und den Zwang zur 16S-Sequenzierung begrenzt; damit fehlen Kultur- und PCR-Studien, die Farahani [s089] einschloss.

**Aussagekraft.** Gering. Sie ist als Zusammenfassung von sieben Studien nützlich, kann aber wegen des qualitativen, ungewichteten Vorgehens keine belastbare Schätzung liefern. Sie bestätigt die Tendenz, die auch die anderen Übersichten zeigen.

### Systematische Übersicht: Brandão, Gonçalves-Henriques und Ceschin 2021 [s086]

**Fragestellung.** Welchen Einfluss hat das mit Hochdurchsatzsequenzierung (NGS) untersuchte Samen- und Hodenmikrobiom auf Spermienqualität, männliche Fruchtbarkeit und die Ergebnisse assistierter Reproduktion (ART)? Die Autoren grenzen ihre Arbeit von Kultur- und PCR-Studien ab, weil diese nur gezielt gesuchte oder anzüchtbare Bakterien erfassen [s086].

**Methodik und Einschlusskriterien.** Suche im Oktober 2020 in PubMed, SCOPUS und der Cochrane Library mit der Abfrage (microbiome OR microbiota OR biofilm OR 16s) AND (semen OR seminal OR sperm OR spermatozoa). Eingeschlossen wurden Originalarbeiten am Menschen, die Spermiogramm-Parameter, Fruchtbarkeit oder ART-Ergebnisse berichteten; ausgeschlossen wurden Übersichten, Fallberichte, Fallserien, Editorials, Briefe, Kommentare, Buchkapitel und Tierstudien sowie Arbeiten, die nur Kultur oder gezielte Sequenzierung einzelner Bakterien nutzten. Es gab keine Sprachbeschränkung; die Auswahl erfolgte unabhängig durch zwei Gutachter [s086].

**Studienfluss.** 749 Treffer (PubMed 304, SCOPUS 436, Cochrane 9). 271 Duplikate, 434 thematisch unpassende Arbeiten, 6 Tierstudien, 1 nicht abgeschlossene Studie und 15 Übersichten, Briefe und ähnliche Beiträge wurden entfernt; von 22 Volltexten schieden 13 aus (fehlender Bezug zu Spermiogramm, Fruchtbarkeit oder ART beziehungsweise Kultur- oder Zielsequenzierung). Neun Studien blieben; die Durchsicht der Literaturlisten ergab keine weiteren [s086]. Die Stichproben der neun Studien reichen von 15 bis 118 Personen [s086].

**Ergebnisse (qualitativ, ohne gepoolte Effekte).**

- *Zusammensetzung.* Die häufigsten Bakterien gehören zu vier Phyla: Actinobacteria (Corynebacterium, Rhodococcus), Bacteroidetes (Prevotella), Firmicutes (unter anderem Anaerococcus, Finegoldia, Lactobacillus, Staphylococcus, Streptococcus, Veillonella) und Proteobacteria (unter anderem Haemophilus, Pseudomonas). Die Anteile schwankten stark zwischen Proben und Studien [s086].
- *Artenreichtum und Diversität.* Die Datenlage war widersprüchlich: Chen und Kollegen fanden bei Männern mit Azoospermie weniger Arten (mittlere Zahl operativer taxonomischer Einheiten, OTU: Kontrollen 1093, obstruktive Azoospermie 925, nichtobstruktive Azoospermie 840). Amato und Kollegen [s095] fanden bei idiopathisch unfruchtbaren Männern eine höhere Diversität (Shannon-Index 4,3 bis 4,8 gegenüber 3,1 bei Kontrollen; p = 0,004). Monteiro und Kollegen fanden zunehmende Werte von den Kontrollen über Asthenozoospermie und Oligoasthenozoospermie bis zur Hyperviskosität. Weng und Kollegen [s116] fanden keinen Unterschied (Chao-Index p = 0,08; Shannon-Index p = 0,33); Baud und Kollegen [s101] ebenfalls keinen, bis auf einen kleinen Anstieg des Chao1-Index bei verminderter Motilität (p = 0,02). Die Autoren schließen: Aus diesen Befunden lasse sich keine Schlussfolgerung ziehen [s086].
- *Lactobacillus.* Alle vier Studien, die diese Gattung untersuchten, hätten bessere Samenparameter mit Lactobacillus verbunden, besonders L. crispatus und L. acidophilus (Weng) [s086]. Im selben Absatz nennt die Übersicht allerdings Anteile von 6,79 % bei Kontrollen, 17,98 % bei obstruktiver und 17,24 % bei nichtobstruktiver Azoospermie [s086]. Das ist als gedruckt widersprüchlich: Die genannten Zahlen zeigen bei den Männern mit Azoospermie einen höheren, nicht niedrigeren Lactobacillus-Anteil. Dieselben Prozentwerte geben Puerta-Suárez und Cardona Maya für die Primärstudie von Chen an (6,79 % in der fruchtbaren Gruppe, 17,98 % und 17,24 % in den Azoospermiegruppen; 27 der 398 gemeinsamen OTU gehörten zu Lactobacillus) [s044]. Die Übersicht von Brandão bildet diesen Befund also korrekt ab, interpretiert ihn aber im Sinne einer günstigen Wirkung. Der Widerspruch bleibt in der Übersicht unaufgelöst.
- *Phylum- und Gattungsebene.* Chen: Bacteroidetes und Firmicutes überwogen bei Azoospermie, Proteobacteria und Actinobacteria bei Fruchtbaren. Hou [s117]: Anaerococcus häufiger bei unfruchtbaren Männern (p = 0,0012). Baud [s101] und Weng [s116]: Zusammenhang eines normalen Spermiogramms mit Propionibacterium, Gardnerella vaginalis, Atopobium vaginae und Staphylococcus, im Widerspruch zu früheren Kultur- und PCR-Studien; Prevotella (besonders P. bivia) und Haemophilus parainfluenzae häufiger bei mindestens einem auffälligen Wert. Monteiro: bei Oligoasthenozoospermie oder Hyperviskosität mehr Pseudomonas, Klebsiella, Aerococcus, Actinobaculum, Neisseria, weniger Propionibacterium. Štšepetova (in der Übersicht zitiert): Staphylococcus nur bei Männern mit Entzündung nachweisbar; Bacteroidetes und Proteobacteria negativ mit der Motilität assoziiert; Escherichia coli ohne Beziehung zu Samenparametern [s086].
- *ART-Ergebnisse.* Nur zwei Gruppen berichteten dazu. Amato [s095] fand bei intrauteriner Insemination keine Unterschiede nach Diversität oder Zusammensetzung. Die Embryoqualität nach IVF war laut einer weiteren Studie bei Proteobacteria und Corynebacterium im Samen schlechter, bei Enterobacteriaceae besser, beurteilt morphologisch im Teilungsstadium, ohne Berücksichtigung der Eizellqualität. Studien zu Implantation, klinischer Schwangerschaft, Fehlgeburt und Lebendgeburt wurden nicht gefunden [s086].
- *Hodengewebe.* Alfano und Kollegen [s104] fanden bei Männern mit idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie (iNOA) mehr bakterielle 16S-DNA-Kopien (p = 0,02) und geringere Artenvielfalt, vor allem durch deutlich weniger Bacteroidetes und Proteobacteria (p = 0,00002); bei Männern ohne Spermiengewinnung dominierten Actinobacteria [s086].

**Kritik der Autoren und eigene Einordnung.** Die Autoren nennen als Limitationen: spärliche Datenlage, kleine Stichproben (15 bis 118 Personen), uneinheitliche Ein- und Ausschlusskriterien (Anamnese, Antibiotikaeinnahme), teils fehlende Angaben zu aseptischer Probengewinnung, unterschiedliche Sequenzierkits, Zielregionen und Datenbanken. „Inconsistent results, sometimes contradictory“ verhindere jede Schlussfolgerung; es sei „premature“, eine Wirkung des Mikrobioms auf Samenqualität und Fruchtbarkeit abzuleiten [s086].

**Aussagekraft.** Die Arbeit ist eine der vorsichtigsten der hier besprochenen. Ihr Wert liegt in der klaren Aussage, dass NGS-Studien einander in wesentlichen Punkten widersprechen (Diversität, Phylumebene, einige Gattungen). Ihre Interpretation von Lactobacillus als günstig ist mit den berichteten Zahlen schwer vereinbar. Eine formale Qualitätsbewertung der neun Studien findet im gelesenen Text nicht statt.

### Methodenübersicht: Hofman, Brenerová und Borilová Linhartová 2025 [s038]

**Fragestellung.** Anders als die übrigen Arbeiten fragt diese Übersicht nicht nach Effekten, sondern nach Methoden: Wie werden Samenproben für metagenomische Untersuchungen gewonnen, aufbereitet, sequenziert und ausgewertet, und welches Vorgehen ist empfehlenswert? Die Arbeit ist deshalb für die Beurteilung aller Mikrobiom-Studien wichtig, weil sie erklärt, warum Ergebnisse unterschiedlicher Studien schwer vergleichbar sind [s038].

**Methodik und Einschluss.** PubMed-Suche mit den Begriffen (seminal OR sperm OR ejaculate) AND (microbiome OR microbiota OR bacterium OR bacterial OR bacteriospermia); nur Originalarbeiten, ab 2018, am Menschen. 850 Treffer, 41 relevante Originalarbeiten nach Durchsicht von Titel und Abstract; zwölf davon werteten nur kultivierte Bakterien aus (MALDI-TOF, VITEK II oder Mikroskopie) und wurden ausgeschlossen. Es blieben 29 Studien, die Stichprobengröße reichte von 5 bis 285, der Median lag bei 56 Teilnehmern [s038].

**Befunde zu den Methoden.**

- *Gewinnung.* In 27 der 29 Studien durch Ejakulation in einen sterilen Behälter, überwiegend nach WHO-Empfehlungen (2 bis 7 Tage Karenz, Reinigung, Verarbeitung innerhalb von drei Stunden); ergänzend in einigen Studien Hodengewebe- oder Nebenhodenaspirate (TESE, PESA, MESA) bei obstruktiver Azoospermie [s038]. Die Verarbeitung der Probe (Abtrennung von Seminalplasma, Zentrifugationsbedingungen) wurde nur in drei Studien angegeben [s038].
- *DNA-Extraktion.* In 22 Studien mit einem kommerziellen Spin-Säulen-Kit; Alternativen waren Phenol-Chloroform, Trizol, CTAB und ein automatisches System. In elf Studien ging eine Vorbehandlung mit Proteinase K und/oder Kugelmühle voraus. Am häufigsten wurde das QIAamp DNA Mini Kit genutzt [s038].
- *Analyse.* In vier Studien PCR (qualitativ oder quantitativ); die 16S-rRNA-Amplikonsequenzierung war mit 23 Studien die häufigste Methode. Zielregionen: V3–V4 am häufigsten (sieben Studien), sonst V1–V9, V3, V4, V6, V3–V6, V3–V5, V1–V3, V1–V2, V2–V3 oder V4–V6. Illumina-MiSeq in 14 Studien; weitere Plattformen waren HiSeq 2000, HiSeq 2500, HiSeq 4000, NovaSeq 6000, MinION, 454-Pyrosequenzierung und Ion Torrent [s038].
- *Kontaminationskontrolle.* Der Text hebt hervor, dass bei Proben mit geringer Biomasse der Anteil von Kontaminanten mit abnehmendem Eigensignal steigt; Kontaminanten finden sich häufig in Reagenzien, besonders Extraktionskits, hinzu kommen Querkontamination zwischen Probenvertiefungen und Umweltkontamination. Als Mindeststandard werden Positiv- und Negativkontrollen sowie eine MOCK-Gemeinschaft empfohlen [s038].
- *Konsequenz für die Vergleichbarkeit.* Es gebe „keinen Konsens“ über die optimale Zielregion; vergleichende Daten zu Ejakulatproben fehlten; der Einfluss der Extraktionsmethode sei der Literatur zufolge meist größer als der der Zielregion [s038].

**Empfohlener Arbeitsablauf der Autoren.** Probengewinnung nach WHO-Handbuch, mechanische plus enzymatische Vorbehandlung, QIAamp DNA Mini Kit, V3–V4-Region, MiSeq-Plattform, Positiv- und Negativkontrollen und MOCK-Gemeinschaft. Die Autoren betonen, dass dies als Standardisierungsvorschlag gedacht ist, der Metaanalysen künftig erleichtern soll [s038].

**Einordnung.** Die Übersicht liefert keine Effektgrößen und bewertet keine Studien nach Verzerrungsrisiko; sie ist eine Methodenkritik mit Empfehlungen, die auf Literatur aus anderen Körperregionen (vor allem Vaginalmikrobiom) extrapoliert, weil für Ejakulat direkte Vergleichsdaten fehlen. Ihr Wert für dieses Kapitel: Sie erklärt, warum die in Farahani [s089], Gomes [s068], Brandão [s086] und Bazzar [s001] berichteten Unterschiede zwischen Studien teilweise methodisch bedingt sein können. Die Suche wurde auf PubMed beschränkt und auf Studien ab 2018; frühere Sequenzierstudien sind nicht erfasst.

### Systematische Übersicht: Bazzar et al. 2026 [s001]

**Fragestellung.** Wie wirkt sich das seminale Mikrobiom auf Samenqualität und männliche Reproduktionsgesundheit aus? Der Abstract beschreibt, dass die männlichen Fortpflanzungsorgane Mikroben aus dem Magen-Darm-Trakt, den Fortpflanzungsorganen und externen Quellen wie Sexualpartnern enthalten, und dass eine Dysbiose Spermienparameter verändere, Entzündung und oxidativen Stress auslöse und mit Unfruchtbarkeit, HPV-Infektion, Prostatitis, Prostatakrebs und Azoospermie assoziiert sei [s001].

**Methodik.** Nach den Angaben im Abstract wurde das PRISMA-2020-Schema mit „Erweiterungen von 2025 für Reproduzierbarkeit“ befolgt, es wurden PubMed, Scopus und Science Direct (2015 bis 2025, mit „vorherigem Kontext“) durchsucht, und zwar mit Schwerpunkt auf Studien am Menschen, In-vitro-Studien und Nagetiermodellen [s001]. Die Autoren sind an der Fakultät für Veterinärmedizin der Universität Urmia (Iran), Abteilung Theriogenologie, tätig. Zahl der eingeschlossenen Studien, Einschlusskriterien im Detail und Qualitätsbewertung nennt der Abstract nicht.

**Ergebnisse laut Abstract (rein qualitativ).** Wichtige Phyla seien Firmicutes, Proteobacteria, Actinobacteria und Bacteroidetes. Nützliche Gattungen wie Lactobacillus verbesserten Motilität, Konzentration und DNA-Integrität der Spermien, während dysbiotische Taxa wie Prevotella, Pseudomonas und Ureaplasma mit Rückgängen verbunden seien. Sexuelle Aktivität erleichtere den beidseitigen Mikrobentransfer und fördere die Dysbiose. Entzündliche Zytokine, reaktive Sauerstoffspezies und Stoffwechselstörungen seien beteiligt. Krankheitsspezifisch sei zum Beispiel ein höherer Fusobacterium-Anteil in HPV-positiven Proben [s001]. Effektgrößen, Konfidenzintervalle oder Teilnehmerzahlen gibt es im Abstract nicht.

**Schlussfolgerung der Autoren.** Standardisierte Methoden und Langzeitstudien seien nötig, um Kausalität zu beweisen; Probiotika und andere therapeutische Interventionen „zeigten Potenzial“, das Gleichgewicht wiederherzustellen und die Fruchtbarkeit zu steigern [s001].

**Einordnung und Kritik.**

- *Mischung von Evidenzebenen.* Ausdrücklich werden Studien am Menschen mit In-vitro- und Nagetierdaten gemeinsam behandelt. Aussagen wie „Lactobacillus verbessert Motilität“ sind damit nicht automatisch Aussagen über Männer; der Abstract trennt dies nicht auf.
- *Keine quantitative Synthese, keine Zahl der Studien im Abstract.* Die Stärke der Aussagen lässt sich nicht beurteilen.
- *Der Satz, Probiotika zeigten Potenzial,* ist im Abstract nicht durch eigene Ergebnisse unterlegt; er ist eine Einschätzung der Autoren.
- *Frühere Studienlage.* Mit dem Zeitraum 2015 bis 2025 liegt der Beginn der Suche nach den ersten NGS-Studien (zum Beispiel Weng 2014 [s116], Hou 2013 [s117]); der Abstract spricht von „vorherigem Kontext“, ohne dies zu präzisieren.
- Für die Arbeit liegt nur der Abstract vor; die im Abstract genannte Methodik ließ sich nicht an Volltext oder Tabellen prüfen.

**Aussagekraft.** Gering für quantitative Fragen, nützlich als Bestätigung der in anderen Übersichten gefundenen Richtung (Lactobacillus günstig, Prevotella, Pseudomonas, Ureaplasma ungünstig) und des Konsenses, dass Kausalität unbewiesen ist.

### Systematische Übersicht: Puerta-Suárez und Cardona Maya 2025 [s044]

**Fragestellung.** Welche Wirkung hat Lactobacillus spp. auf den menschlichen Samen? Ausgangspunkt der Autoren ist die Beobachtung, dass die Rolle dieser in der Vagina gut untersuchten Gattung im männlichen Genitaltrakt unklar ist [s044].

**Methodik.** PRISMA-Vorgehen, Registrierung bei PROSPERO (CRD42024519245). Suche in PubMed und Scopus mit der Zeichenfolge „Lactobacillus spp. AND human AND (semen or sperm)“ für Arbeiten bis Mai 2023; eingeschlossen wurden begutachtete Originalarbeiten in Englisch und Spanisch. PICO: Population männliche Patienten; Intervention Erfassung von Lactobacillus spp. im menschlichen Samen; Vergleich Selbstvergleich oder unabhängige Kontrollen (Placebo oder keine Behandlung); Ergebnis Veränderung der Samenparameter. Ausgeschlossen: Duplikate, Tiermodelle, Übersichten. Zwei Autoren sichteten unabhängig. Die Qualitätsbewertung erfolgte mit der JBI-Checkliste (Joanna Briggs Institute) und, für In-vitro-Studien, dem QUIN-Werkzeug [s044].

**Studienbasis.** 35 Artikel; hinzu kam eine weitere Arbeit aus der manuellen Durchsicht. Die Studien wurden in vier Gruppen eingeteilt: (a) Nachweis von Lactobacillus spp. in Samenproben, (b) Einnahme von Präparaten mit Lactobacillus, (c) In-vitro-Wirkung von Lactobacillus auf die Spermienphysiologie, (d) Nachweis verschiedener Lactobacillus-Arten in Samenproben mit Zusammenhang zu Veränderungen, Erkrankungen oder Zuständen [s044].

**Ergebnisse je Gruppe (Auswahl aus der Tabelle der Übersicht).**

*Gruppe a: Nachweishäufigkeit.* Eggert-Kruse 1992 (Deutschland, 1000 Paare): Lactobacillus in 56,8 % (531 von 935) der Zervixproben und 13,5 % (117 von 869) der Samenproben. Voroshilina 2020 (Russland, 634 Proben): 19,7 % (125) positiv. Voroshilina 2021 (227 normozoosperme Proben): 11,5 % (26). Rivera 2022 (Kolumbien, 81 Männer ohne urogenitale Symptome, PCR): Lactobacillus mit 70 % häufigster Mikroorganismus, kein Zusammenhang mit der Samenqualität [s044]. Der Spielraum von 11,5 % bis 70 % zeigt, wie stark die Nachweishäufigkeit von Methode und Population abhängt.

*Gruppe b: Einnahme von Probiotika.* Valcarce 2017 [s112] (9 asthenozoosperme Männer): Motilität verbessert, DNA-Fragmentierung und intrazelluläres H₂O₂ vermindert. Maretti und Cavallini 2017 [s111] (41 Männer, Flortec gegen Stärke): Volumen, Konzentration, Motilität, Morphologie und die Hormone FSH, LH und Testosteron „signifikant verbessert“. Helli 2022 [s079] (52 Männer, 500 mg täglich über 10 Wochen): Volumen, Gesamtzahl, Konzentration, Gesamtmotilität, Vitalität verbessert. Abbasi 2021 [s085] (56 Männer, 28 je Gruppe): Konzentration, Motilität, Morphologie, Lipidperoxidation und DNA-Fragmentierung verbessert. Grande 2022 (104 Männer mit primärer Unfruchtbarkeit): vollständige Eradikation mit negativer Samenkultur und negativem mikrobiologischem Befund des Prostatasekrets bei 64 von 84 Patienten (76,2 %) unter Antibiotikum plus Probiotikum gegenüber 10 von 20 (50 %) unter Antibiotikum allein. Asadi 2023 [s064] (78 Männer vor mikrochirurgischer Varikozelenoperation): nach drei Monaten Konzentration, normale Morphologie, Volumen und Zahl motiler Spermien besser als unter Placebo [s044]. Bei Grande 2022 ist der Endpunkt die Keimfreiheit, nicht die Spermienqualität; die Gruppen (84 gegenüber 20) sind ungleich groß.

*Gruppe c: In vitro.* Barbonetti 2011 (10 normozoosperme Männer): Lactobacillus verhinderte die durch Eisenionen ausgelöste Lipidperoxidation der Spermien und bewahrte Motilität und Vitalität. Barbonetti 2013 (6 Spender): lösliche Faktoren schützten die Spermienmembran vor Lipidperoxidation durch E. coli, nicht aber die Mitochondrien. Raad 2023 (30 unfruchtbare Männer): Sekrete von Lactobacillus plantarum (10⁸ KBE/ml) schützten DNA-Integrität und Motilität im Vergleich zum Einfriermedium ohne Sekrete [s044].

*Gruppe d: Arten, Erkrankungen, Zustände.* Auswahl: Weng 2014 [s116] (96 Männer, primäre Unfruchtbarkeit): häufigste Art L. iners (14,09 %); L. crispatus mit Spermienlänge und strenger Morphologie nach Kruger verbunden. Chen 2018 (China, je 5 bis 6 Männer): Lactobacillus 6,79 % in der fruchtbaren Gruppe, 17,98 % und 17,24 % bei obstruktiver und nichtobstruktiver Azoospermie. Mändar 2017 [s110] (Estland, 21 chronische Prostatitis, 46 Kontrollen): Lactobacillus-Anteil höher bei Gesunden (Median 27 gegenüber 20,2 %; p = 0,05), besonders L. iners (14,2 gegenüber 9,8 %; p = 0,013). Baud 2019 [s101] (26 normal, 68 mit mindestens einem auffälligen Parameter): höhere relative Häufigkeit bei normaler Morphologie. Pochernikov 2020 (Russland, 210 Männer): Lactobacillus im Ejakulat verbunden mit Oligoasthenoteratozoospermie (p < 0,01), geringerer Konzentration (p = 0,01), geringerer Motilität (p < 0,01) und morphologischen Auffälligkeiten (p < 0,01), also in umgekehrter Richtung zur Mehrzahl der Befunde. Osadchiy 2024 [s056] (73 Männer): Der mittlere Anteil von L. iners betrug 9,4 gegenüber 2,6 % (p = 0,0464); die Übersicht formuliert dies uneindeutig, laut dem Diagramm der Masterquelle gehören die 9,4 % zur Gruppe mit auffälliger Motilität. Motamedifar 2020 (Iran, 200 unfruchtbare und 150 fruchtbare Männer): Bakteriospermie bei Unfruchtbaren häufiger (48 gegenüber 26,7 %; p < 0,001) und mit schlechterer Konzentration, Motilität und Morphologie verbunden; bei Fruchtbaren war Lactobacillus mit 17,3 % das häufigste Isolat. Okwelogu 2021 (Nigeria, 36 Paare): Lactobacillus in Vaginalabstrichen häufiger als im Samen (61,7 gegenüber 43,9 %); L. jensenii im Samen bei positivem IVF-Ergebnis. Koort 2023 [s070] (97 ART-Paare, 12 fruchtbare Paare): Lactobacillus im Samen der ART-Männer seltener. Cao 2023 [s066] (53 Männer): Lactobacillus mit Spermienkonzentration und Gesamtzahl positiv korreliert. Saldarriaga López 2024 [s058] (22 Männer mit Prostatitissymptomen, 31 Kontrollen): L. crispatus 9,1 gegenüber 16,1 %, L. iners 45,5 gegenüber 58,1 % [s044].

**Qualitätsbewertung der Übersicht.** Für alle Querschnittsstudien (JBI, acht Fragen) vergibt die Übersicht in der Ergänzungstabelle die Höchstpunktzahl 8 von 8. Für die randomisierten Studien (13 Fragen): Valcarce 6/13, Maretti 12/13, Helli 12/13, Abbasi 12/13, Grande 6/13, Asadi 12/13. Für die drei In-vitro-Studien (QUIN): jeweils 18 von 24 Punkten (75 %) [s044].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Lactobacillus spp. sei ein häufiger Besiedler des männlichen Urogenitaltrakts und scheine für die Samenqualität „vorteilhaft“, wenn auch kontrovers, besonders hinsichtlich der Methodik; Abweichungen könnten auch an der jeweiligen Lactobacillus-Art liegen. Probiotika könnten die Samenqualität verbessern. Neue Studien zu einzelnen Arten und zum Paar seien nötig. In der Diskussion halten die Autoren außerdem fest, dass der Verzehr probiotischer Lebensmittel „als harmlos betrachtet werden könne“ und der Nutzen die Risiken überwiegen könne; diese Aussage ist eine Einschätzung ohne eigene Sicherheitsdaten und keine Empfehlung dieses Kapitels [s044].

**Kritik und Aussagekraft.**

- *Keine quantitative Synthese.* Die Tabelle fasst Einzelstudien zusammen, ohne Effekte zu poolen; die Schlussfolgerung „scheint vorteilhaft“ ist eine Gesamteinschätzung bei gleichzeitig gegenläufigen Einzelbefunden (zum Beispiel Pochernikov; Chen mit höherem Lactobacillus-Anteil bei Azoospermie; Rivera ohne Zusammenhang).
- *Sehr heterogene Studienbasis.* Nachweishäufigkeit (11,5 bis 70 %), Methoden (Kultur, PCR, 16S-Sequenzierung), Populationen und Gruppengrößen (5 bis 1000) sind kaum vergleichbar; die Autoren nennen die methodischen Unterschiede selbst als Limitation [s044].
- *Qualitätsbewertung wenig trennscharf.* Die Höchstwerte für alle beurteilten Querschnittsstudien (8 von 8) machen die Bewertung für die Gewichtung der Evidenz wenig aussagekräftig; kleine Studien mit 5 bis 10 Teilnehmern in einer Gruppe erhalten dieselbe Wertung wie große Studien. Das ist ein Hinweis auf geringe Unterscheidungskraft des Instruments in dieser Anwendung, kein Urteil über die Einzelstudien.
- *Suchzeitraum.* Die Suche endet im Mai 2023; Arbeiten wie Boujemaa [s002], Gholipour [s007] oder Huerga López [s040] liegen außerhalb. Die Arbeit wurde erst 2025 veröffentlicht.
- *Zurückgezogene Studie.* Helli 2022 [s079] geht mit 12 von 13 Punkten in die Bewertung ein. Die Rückzugserklärung [s021] ist 2026 erschienen und konnte von der Übersicht nicht berücksichtigt werden.
- *Zwei Datenbanken, zwei Sprachen.* Nur PubMed und Scopus, nur Englisch und Spanisch; Originalarbeiten in anderen Sprachen sind nicht erfasst.
- *Zählweise.* Der Abstract nennt 35 Artikel; hinzu kommt ein per Handsuche ergänzter Artikel; der Text unterscheidet beide Angaben nicht weiter.

**Aussagekraft.** Mäßig für die Aussage, dass Lactobacillus im Samen häufig und seine Wirkung uneinheitlich ist; gering für den Nutzen von Probiotika, weil die Evidenz dazu auf den gleichen vier bis fünf kleinen Studien beruht wie in den anderen Übersichten (siehe Abschnitt zu den Überschneidungen).

### Metaanalyse: Campbell et al. 2026, Genitaltrakt-Infektionen und Samenqualität [s004]

**Fragestellung.** Beeinträchtigen Infektionen des männlichen Urogenitaltrakts die Samenparameter, Fortpflanzungsergebnisse und die Ergebnisse assistierter Reproduktion? Die Arbeit stammt aus der Urologie der Universität Florida (Gainesville) in Zusammenarbeit mit der Biostatistik [s004].

**Methodik und Einschlusskriterien.** Kontrollvergleichsstudien aus PubMed, Web of Science und Embase, die Männer mit dokumentierter Infektion des Urogenitaltrakts mit nicht infizierten Kontrollen verglichen. Zielgrößen: Samenvolumen, Konzentration, Motilität, Morphologie, Prävalenz von Antispermien-Antikörpern, natürliche Schwangerschaft, Fehlgeburt, klinische Schwangerschaft, Befruchtung und Lebendgeburt [s004]. Suchzeitraum und Registrierung nennt der Abstract nicht.

**Umfang.** 51 Studien erfüllten die Kriterien für die qualitative Synthese, 35 gingen in die quantitative Metaanalyse ein. Binäre Zielgrößen (Schwangerschaft, Antikörper und andere) wurden in nur fünf Studien berichtet [s004].

**Gepoolte Ergebnisse (Mittelwertdifferenz, 95-%-Konfidenzintervall).**

| Zielgröße | Differenz | 95-%-KI | Heterogenität |
|---|---|---|---|
| Samenvolumen | −0,37 ml | −0,64 bis −0,09 | im Abstract nicht einzeln angegeben |
| Spermienkonzentration | −6,65 Mio./ml | −11,17 bis −2,14 | I² 90 % |
| Progressive Motilität | −5,93 Prozentpunkte | −9,07 bis −2,78 | im Abstract nicht einzeln angegeben |
| Gesamtzahl der Spermien | −47,15 Mio. | −91,42 bis −2,88 | im Abstract nicht einzeln angegeben |
| Normale Morphologie | −0,76 Prozentpunkte | −1,19 bis −0,33 | im Abstract nicht einzeln angegeben |

Gesamtmotilität, Vitalität und DNA-Fragmentierungsindex unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Die Heterogenität über alle Zielgrößen war erheblich (I² 66 bis 95 %) [s004].

**Binäre Ergebnisse.** Eine HPV-Infektion war mit einer erhöhten Prävalenz von Antispermien-Antikörpern verbunden (OR 10,63; 95-%-Konfidenzintervall 1,49 bis 75,93). Die meisten Schwangerschafts- und Lebendgeburtsergebnisse unterschieden sich nicht signifikant zwischen Infizierten und Kontrollen. Eine Hepatitis-B-Infektion war mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko verbunden (OR 1,43; 1,05 bis 1,93). Die ART-spezifischen Ergebnisse seien begrenzt und im Allgemeinen nicht signifikant gewesen [s004].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Infektionen des Urogenitaltrakts seien mit Beeinträchtigungen ausgewählter Samenparameter assoziiert, insbesondere bei unfruchtbaren Populationen. Wegen erheblicher Heterogenität und überwiegend beobachtender Studiendesigns sei Vorsicht geboten; prospektive Studien mit standardisierten diagnostischen und Berichtsrahmen seien nötig, um die klinische Relevanz zu klären [s004].

**Einordnung und Kritik.**

- *Größenordnung der Effekte.* Die Konzentrationsdifferenz von −6,65 Mio./ml bezieht sich auf gemittelte Studien mit sehr unterschiedlichen Ausgangswerten; bei einem I² von 90 % ist der gepoolte Wert ein Durchschnitt sehr unterschiedlicher Einzelbefunde. Die untere Grenze des Konfidenzintervalls der Gesamtzahl (−2,88 Mio.) liegt nahe null, die obere (−91,42 Mio.) ist mehr als 30-mal so groß, was die statistische Unsicherheit zeigt.
- *Gemischte Erreger.* Der Abstract fasst „Infektionen“ (bakterielle, virale) zusammen. Die einzelnen Erreger werden nur bei den binären Ergebnissen genannt (HPV, Hepatitis B). Zum Beispiel Chlamydia trachomatis oder Ureaplasma werden im Abstract nicht gesondert ausgewiesen.
- *Binäre Ergebnisse auf kleiner Basis.* Die auffälligen Odds Ratios (HPV und Antikörper 10,63 mit einem Intervall von 1,49 bis 75,93; Hepatitis B und Fehlgeburt 1,43) beruhen auf nur fünf Studien mit binären Zielgrößen insgesamt; das extrem weite Intervall bei HPV zeigt, dass der Effekt kaum eingegrenzt ist.
- *Kein Effekt auf den DFI.* Das Ergebnis steht im Gegensatz zu Farahani [s089], wo bei Bakteriospermie ein höherer DFI gefunden wurde (Differenz 3,518). Der Abstract von Campbell macht keine Angaben, ob Studien mit Bakteriospermie berücksichtigt wurden oder wie viele Studien den DFI betrafen.
- *Population.* Die Autoren bewerten die Effekte als „insbesondere in unfruchtbaren Populationen“ ausgeprägt; der Unterschied zu fruchtbaren Männern wird im Abstract nicht beziffert.
- *Verzerrungsrisiko, Publikationsbias, Protokollregistrierung.* Im Abstract nicht angegeben und deshalb hier nicht beurteilbar.
- *Interessenkonflikte.* Alle sechs Autoren erklären, nichts offenlegen zu müssen [s004].

**Aussagekraft.** Die Arbeit hat den breitesten Zugang zur Frage „Infektion und Samenparameter“ (51 beziehungsweise 35 Studien) und liefert Effekte in Originaleinheiten, was die Einordnung erleichtert. Wegen der Heterogenität und des Beobachtungsdesigns ist sie nur für die Aussage „Assoziation“ geeignet. Die Schwangerschafts- und Geburtsdaten tragen keine Aussage. Nur der Abstract lag vor.

### Metaanalyse: Boujemaa, Suri und Kaur 2026, Mycoplasma hominis und Spermienqualität [s002]

**Fragestellung.** Wie wirkt sich eine Infektion mit Mycoplasma hominis auf die Spermienqualität unfruchtbarer Männer aus? Mycoplasma hominis ist ein zellwandloses Bakterium der Klasse Mollicutes, das den Urogenitaltrakt oft symptomlos besiedelt und als opportunistischer Erreger gilt; es wird mit nichtgonokokkenbedingter Urethritis, Prostatitis und Nebenhodenentzündung in Verbindung gebracht, seine Rolle bei der männlichen Unfruchtbarkeit ist umstritten. Die Autoren nennen die bisherige Evidenz „begrenzt und uneinheitlich“ [s002].

**Methodik.** PRISMA-Vorgehen, prospektive Registrierung bei PROSPERO (CRD420251072578), Gliederung nach dem PECOS-Schema: Population unfruchtbare Männer, Exposition M. hominis im Samen, Vergleichsgruppe unfruchtbare Männer ohne M. hominis im Samen. Durchsucht wurden sieben Datenbanken (PubMed/Medline, Embase, Web of Science, Scopus, Cochrane Library, Google Scholar, CINAHL) von Beginn bis 31. Oktober 2025, ergänzt durch Konferenzabstracts und Literaturlisten [s002].

*Einschlusskriterien:* Kohorten- oder Querschnittsstudie; Studienpopulation Männer mit Unfruchtbarkeit; Samenanalyse nach WHO-Richtlinien; Gruppe infizierter und Kontrollgruppe nicht infizierter unfruchtbarer Männer; ausreichende Daten zur Berechnung der standardisierten Mittelwertdifferenz. *Ausschlusskriterien:* andere Untersuchungsmaterialien als Samen, kein elektronischer Volltext, andere Sprache als Englisch, Kommentare, Briefe, Editorials, Protokolle, Leitlinien, Abstracts, Übersichten, Tier- und In-vitro-Studien, unzureichende Daten [s002].

*Datenextraktion und Statistik.* Zwei Autoren sichteten und extrahierten unabhängig, ein dritter entschied bei Uneinigkeit. Zielgrößen waren Mittelwerte und Standardabweichungen. Ausgewertet wurde mit dem Programm Comprehensive Meta-Analysis (Version 3); als Effektmaß wurde die SMD mit 95-%-Konfidenzintervall verwendet, nach den Angaben des Textes „mit der Mantel-Haenszel-Methode“. Heterogenität: Cochrans Q und I²; Random-Effects-Modell bei I² ≥ 50 %, sonst Fixed-Effects-Modell. Untergruppenanalysen nach Studiendesign, Nachweismethode und Region, Metaregression, Leave-one-out-Sensitivitätsanalyse, Funnel-Plot und Egger-Test [s002]. Die Qualität bewertete die Newcastle-Ottawa-Skala (NOS); Studien mit 7 bis 10 Punkten galten als gut, 4 bis 6 als befriedigend, 0 bis 3 als schlecht [s002].

**Studienfluss.** 1138 Treffer; nach Entfernung von Duplikaten, Studien ohne Volltext und nicht englischsprachigen Arbeiten blieben 168 Volltexte, von denen 157 ausgeschlossen wurden. Es wurden 11 Studien eingeschlossen [s002].

**Eingeschlossene Studien.** 11 Studien aus den Jahren 2003 bis 2023 in acht Ländern (China 3, Tunesien 2, Jordanien, Kuwait, Korea, Brasilien, Argentinien, Indien je 1); acht Kohorten- und drei Querschnittsstudien. Insgesamt 20.797 unfruchtbare Männer, davon 881 (4,23 %) M.-hominis-positiv. Nachweismethoden: Kultur in 3, PCR in 7, Flow-through-Hybridisierung in 1 Studie [s002]. Die Einzelstudien (positive je untersuchte Männer): Al-Daghistani 2009 (Jordanien) 21 von 99; Al-Sweih 2012 (Kuwait) 25 von 127; Andrade-Rocha 2003 (Brasilien) 145 von 234; Bai 2021 (China) 16 von 195; Gdoura 2007 (Tunesien) 5 von 120; Gdoura 2008 (Tunesien) 7 von 93; Huang 2016 (China) 604 von 19.098; Karthikeyan 2021 (Indien) 3 von 48; Lee 2013 (Korea) 10 von 98; Liu 2014 (China) 30 von 615; Paira 2023 (Argentinien) 15 von 70 [s002].

*Rechnerische Anmerkung.* Die Studie von Huang 2016 mit 19.098 Männern stellt rund 92 % aller eingeschlossenen Männer (19.098 von 20.797), die kleinste Studie hat 48 Männer, mehrere Studien weisen nur 3 bis 10 positive Männer auf. In der gepoolten SMD (Random-Effects) hängt das Gewicht nicht allein von der Fallzahl ab; das Ausmaß der Dominanz einer einzelnen Studie lässt sich aus dem Text nicht ablesen. Auffällig ist ferner die Studie von Andrade-Rocha 2003 mit 145 von 234 positiven Männern (rund 62 %), weit über dem Gesamtanteil von 4,23 %.

**Qualitätsbewertung.** NOS-Punktzahlen zwischen 5 und 8; drei Studien „gut“ (Bai 2021: 8; Karthikeyan 2021: 7; Paira 2023: 7), acht „befriedigend“ (Andrade-Rocha und Huang je 6; die übrigen sechs Studien je 5 Punkte). In der Domäne Auswahl erreichte keine Studie das Maximum (keine volle Repräsentativität, keine Begründung der Stichprobengröße, kein Nachweis, dass das Ergebnis zu Beginn fehlte). Bei der Vergleichbarkeit erhielten drei Studien zwei Sterne (zusätzliche Berücksichtigung etwa des Alters), acht nur einen. Die Kohortenstudien bekamen in der Ergebnis-Domäne zwei Sterne, weil keine Angaben zur Nachbeobachtung vorlagen [s002].

**Gepoolte Ergebnisse aller zehn Zielgrößen.**

| Zielgröße | Studien | SMD (95-%-KI) | p | I² (Q) | Modell |
|---|---|---|---|---|---|
| Spermienkonzentration | 11 | −0,815 (−1,314 bis −0,317) | 0,001 | 94 % (Q 170,347) | Random Effects |
| Ejakulatvolumen | 9 | −0,083 (−0,307 bis 0,140) | 0,47 | 57 % (Q 18,66) | Random Effects |
| pH-Wert des Ejakulats | 4 | 0,586 (0,167 bis 1,006) | 0,006 | 72 % (Q 11,00) | Random Effects |
| Gesamte bewegliche Spermienzahl (TMC) | 3 | −0,294 (−0,666 bis 0,078) | 0,12 | 72 % (Q 7,18) | Random Effects |
| Leukozytenkonzentration | 5 | 0,130 (−0,083 bis 0,344) | 0,23 | 55 % (Q 8,88) | Fixed Effects |
| Schnell progressive Motilität | 4 | −0,536 (−1,533 bis 0,460) | 0,29 | 93 % (Q 43,02) | Random Effects |
| Progressive Motilität | 9 | −0,360 (−0,683 bis −0,037) | 0,03 | 82 % (Q 46,56) | Random Effects |
| Gesamtmotilität | 5 | −0,399 (−0,798 bis 0,000) | 0,05 | 83 % (Q 24,10) | Random Effects |
| Vitalität | 6 | −0,831 (−1,410 bis −0,253) | 0,005 | 85 % (Q 35,18) | Random Effects |
| Normale Morphologie | 8 | −0,631 (−1,178 bis −0,083) | 0,02 | 92 % (Q 87,68) | Random Effects |

Signifikant waren demnach Konzentration, progressive Motilität, Vitalität, Morphologie (jeweils niedriger bei Infizierten) und pH-Wert (höher). Nicht signifikant waren Volumen, TMC, Leukozytenkonzentration, schnell progressive Motilität und Gesamtmotilität (letztere mit p = 0,05 und einer oberen Grenze von exakt 0,000 an der Signifikanzschwelle) [s002]. Die Autoren erklären den Unterschied zwischen progressiver und schnell progressiver Motilität damit, dass die breitere Definition der progressiven Motilität mehr Spermien umfasst und die engere Gruppe weniger statistische Trennschärfe habe.

**Publikationsbias.** Egger-Test p = 0,10, der Funnel-Plot erscheine weitgehend symmetrisch; die Autoren weisen selbst darauf hin, dass beide Verfahren bei wenigen Studien nur geringe Aussagekraft haben [s002].

**Untergruppen und Metaregression (nur Konzentration).**

| Moderator | Untergruppe | Studien | SMD (95-%-KI) | I² |
|---|---|---|---|---|
| Kontinent | Asien | 7 | −0,131 (−0,206 bis −0,056) | 61 % |
| | Afrika | 2 | −2,809 (−3,421 bis −2,197) | 98 % |
| | Südamerika | 2 | −0,089 (−0,409 bis 0,232), p = 0,59 | 0 % |
| Studiendesign | Kohorte | 8 | −1,016 (−1,665 bis −0,368), p = 0,002 | 95 % |
| | Querschnitt | 3 | −0,190 (−0,655 bis 0,274), p = 0,42 | 38 % |
| Nachweismethode | PCR | 7 | −1,213 (−2,286 bis −0,140), p = 0,03 | 95 % |
| | Kultur | 3 | −0,342 (−0,773 bis 0,088), p = 0,12 | 77 % |
| | Flow-through-Hybridisierung | 1 | −0,142 (−0,567 bis 0,284), p = 0,51 | nicht definiert |

Der Test auf Unterschiede zwischen den Untergruppen war für den Kontinent (p < 0,001), das Studiendesign (p = 0,04) und die Nachweismethode (p < 0,001) signifikant. In der Metaregression waren der Kontinent (p = 0,02) und die Nachweismethode (p = 0,001) signifikante Moderatoren, das Studiendesign nicht (p = 0,36). Die Autoren folgern, dass geografische Lage und diagnostische Methode einen Teil der Heterogenität erklären; die Heterogenität blieb in den Untergruppen (zum Beispiel I² 95 % bei PCR-Studien und bei Kohortenstudien, 98 % bei den afrikanischen Studien) hoch [s002].

**Sensitivitätsanalyse.** Das sukzessive Weglassen einzelner Studien änderte Richtung und Größenordnung der Konzentrationsdifferenz nicht wesentlich: Der gepoolte SMD lag zwischen −0,954 (−1,654 bis −0,254; p = 0,008) und −0,256 (−0,440 bis −0,073; p = 0,006). Die Autoren halten das Ergebnis deshalb für robust [s002].

**Diskussion und Schlussfolgerung der Autoren.** Die Ergebnisse stimmten mit Farahani [s089] überein, der ebenfalls negative Wirkungen von M. hominis auf Konzentration, Motilität und Morphologie berichtet. Als mögliche Mechanismen nennen die Autoren unter anderem Spermienagglutination, direkte Anheftung an Spermien (Rezeptor: Sulfogalactoglycerolipid; M. hominis wurde in Kopf- und Flagellumregion menschlicher Spermien intrazellulär lokalisiert), Entzündung, erhöhte Antispermien-Antikörper und erhöhte Stickstoffmonoxid-Spiegel; der höhere pH-Wert könnte auf Ammoniakbildung beim Arginin-Abbau zurückgehen. Auf dieser Grundlage meinen die Autoren, ein Screening auf M. hominis solle bei sexuell aktiven Männern erwogen werden, insbesondere bei Kinderwunschabklärung; sie räumen zugleich ein, dass der Nutzen eines routinemäßigen Screenings und einer Behandlung bei Symptomlosen unsicher bleibe. Diese Screeningempfehlung ist die Meinung der Autoren und wird hier nicht als Empfehlung übernommen [s002].

**Kritik und Einordnung.**

- *Nur unfruchtbare Männer.* Beide Gruppen bestehen aus unfruchtbaren Männern (infizierte gegen nicht infizierte). Die Arbeit sagt deshalb etwas über Unterschiede innerhalb unfruchtbarer Männer, nicht darüber, ob M. hominis Unfruchtbarkeit verursacht oder bei Fruchtbaren häufiger oder seltener vorkommt.
- *Beobachtungsdesign, Koinfektionen.* Die Autoren nennen selbst Koinfektionen mit anderen Erregern (E. coli, Proteus, Enterococcus faecalis, Chlamydia, Ureaplasma, HPV, Herpesviren, Trichomonas, Candida), unterschiedliche WHO-Ausgaben der Samenanalyse und Antibiotikavorbehandlung als mögliche Störgrößen [s002].
- *Starke Heterogenität.* I² von 55 bis 94 % bei allen Zielgrößen mit mindestens drei Studien; Untergruppen erklären sie nicht.
- *Effekt hängt von der Nachweismethode ab.* Mit PCR zeigte sich ein signifikanter Unterschied (−1,213), mit Kultur (−0,342) oder Hybridisierung (−0,142) nicht. Dieser Befund spricht dafür, dass Methode und Ergebnis zusammenhängen; er kann auf unterschiedliche Sensitivität der Methoden, unterschiedliche Populationen oder Zufall hindeuten, und die Arbeit erlaubt keine Unterscheidung.
- *Unterschiede nach Kontinent.* Afrika mit zwei Studien (Tunesien, 5 beziehungsweise 7 positive Männer) zeigt SMD −2,809, Asien −0,131, Südamerika −0,089 (nicht signifikant). Die Gruppe Afrika besteht aus nur zwei Studien mit zusammen 12 positiven Männern.
- *Formale Auffälligkeiten.* (1) Die Angabe „Mantel-Haenszel“ für SMDs aus Mittelwerten ist ungewöhnlich, weil diese Methode ursprünglich für binäre Daten entwickelt wurde; sie wird hier unverändert aus dem Text wiedergegeben. (2) Für die Leukozytenkonzentration wurde ein Fixed-Effects-Modell verwendet, obwohl der berichtete I² von 55 % über der selbst gesetzten Schwelle von 50 % liegt, und der Text bezeichnet dies als „keine signifikante Heterogenität“. (3) Beim asiatischen Teilergebnis (SMD −0,131; Intervall −0,206 bis −0,056) passt die Breite des Intervalls rechnerisch eher zu einem deutlich kleineren p-Wert als dem berichteten p = 0,01; dies ist eine Rechnung aus den berichteten Zahlen und kein Befund der Autoren.
- *Schlussfolgerungen der Autoren zur Verlässlichkeit.* Die Autoren schreiben, ihre Ergebnisse seien „verlässlich und wahrscheinlich auf die breitere Bevölkerung übertragbar“; diese Einschätzung steht im Spannungsverhältnis zu den von ihnen selbst genannten Einschränkungen (substanzielle Heterogenität, kleine Studienzahl, Koinfektionen), vor allem da nur Männer aus Unfruchtbarkeitsabklärungen betrachtet wurden.
- *Studienbasis und Population.* Dominanz einer einzigen sehr großen Studie (Huang 2016, 92 % der Männer) und ein Zeitraum der Studien von 2003 bis 2023; Studien in anderen Sprachen als Englisch und Studien ohne verfügbaren Volltext wurden ausgeschlossen.

**Aussagekraft.** Mäßig. Die Arbeit ist unter den besprochenen Arbeiten die am besten dokumentierte quantitative Auswertung zu einem einzelnen Erreger: Konzentration, progressive Motilität, Vitalität und Morphologie sind bei infizierten unfruchtbaren Männern im Mittel niedriger, der pH-Wert höher. Wegen der Heterogenität, der kleinen Teilgruppen, der methodenabhängigen Effekte und des Beobachtungsdesigns bleibt sie für Kausalität und für Einzelentscheidungen ungeeignet.

### Metaanalyse: Prihadi et al. 2026, Probiotika bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit [s020]

**Fragestellung.** Verbessert eine Probiotika-Einnahme die Spermienparameter von Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit? Die Arbeit erschien in der Urologia Colombiana (2026); sie ist in PubMed nicht indexiert, es gibt keine PMID. Die folgenden Angaben stammen von der Seite der Zeitschrift (über eine automatische Zusammenfassung abgerufen) [s020].

**Methodik.** Durchsucht wurden PubMed, EBSCO, ProQuest und Google Scholar mit Schlagwörtern zu Samenqualität, männlicher Unfruchtbarkeit und Probiotika, ohne Sprach- oder Datumsbeschränkung. Eingeschlossen wurden erwachsene Männer mit idiopathischer Unfruchtbarkeit unter Probiotika gegen Placebo, Standardbehandlung oder keine Intervention. Primäre Zielgrößen: Spermienkonzentration, Volumen und Motilität; sekundär weitere Spermienparameter und unerwünschte Ereignisse. Die Qualität bewertete bei randomisierten Studien das Cochrane-Werkzeug RoB 2, bei nichtrandomisierten ROBINS-I. Random-Effects-Modelle bei I² über 50 %, sonst Fixed-Effects-Modelle; Publikationsbias sollte mit Egger-Test und Funnel-Plot geprüft werden [s020]. Ein Ergebnis zum Publikationsbias und eine Sensitivitätsanalyse werden in der abgerufenen Fassung nicht berichtet.

**Eingeschlossene Studien (vier; drei randomisierte, eine einarmige; 156 Teilnehmer).**

| Studie | Design und Größe (nach Prihadi) | Intervention | Dauer | Ergebnis laut Prihadi |
|---|---|---|---|---|
| Valcarce 2017 [s112] | einarmige Studie, 9 asthenozoosperme Männer | L. rhamnosus CECT8361 und B. longum CECT7347, 10⁹ KBE/Kapsel, einmal täglich | 12 Wochen | Motilität signifikant verbessert; DNA-Fragmentierung „drastisch“ vermindert |
| Maretti und Cavallini 2017 [s111] | RCT (Pilotstudie), 20 Verum, 21 Kontrolle (Alter 37 und 36 Jahre) | L. paracasei B21060, 5 × 10⁹ KBE, gegen Nahrungsstärke | 6 Monate | Verbesserung von Zahl, Volumen, Konzentration, Motilität, Morphologie, FSH, LH, Testosteron |
| Helli 2022 [s079] | RCT, 25 je Gruppe (Alter etwa 32 bis 33 Jahre) | Mehrstammpräparat (L. casei, L. rhamnosus, L. bulgaricus, L. acidophilus, B. breve, B. longum, S. thermophilus), 2 × 10¹¹ KBE, gegen Maltodextrin | 10 Wochen | Verbesserung von Volumen, Konzentration, Motilität, antioxidativer Kapazität |
| Abbasi 2021 [s085] | RCT, 28 je Gruppe (Alter 34,5 und 33,8 Jahre) | Mehrstammpräparat, 10⁹ KBE, gegen Placebo | 80 Tage | Verbesserung von Konzentration, Motilität und abnormer Morphologie |

Die Teilnehmerzahlen ergeben 9 + 41 + 50 + 56 = 156 [s020].

**Gepoolte Ergebnisse (SMD, 95-%-Konfidenzintervall).**

| Zielgröße | SMD | 95-%-KI | p | I² |
|---|---|---|---|---|
| Spermienkonzentration | 1,96 | 0,08 bis 3,84 | 0,04 | 95 % |
| Spermienmotilität | 1,28 | 0,28 bis 2,28 | 0,01 | 86 % |
| Ejakulatvolumen | 0,89 | 0,10 bis 1,67 | 0,03 | 79 % |

**Qualitätsbewertung.** Zwei der drei RCT hatten ein insgesamt niedriges Verzerrungsrisiko; bei einem RCT bestand ein unklares Risiko im Bereich der Ergebnisermittlung (Detection Bias). Die einarmige Studie wurde nach ROBINS-I in allen Domänen als gering bewertet [s020].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Probiotika zeigten Potenzial; größere Studien seien nötig. Als Limitationen nennen die Autoren die kleine Studienzahl in der quantitativen Synthese und die unterschiedlichen Behandlungsdauern, die keine eindeutigen Aussagen zu Behandlungszeiträumen erlaubten. Als Mechanismen führen sie antioxidative Wirkung, Immunmodulation und die Darm-Hoden-Achse an [s020].

**Kritik und Einordnung (ausführlich, weil die Arbeit häufig als Beleg zitiert wird).**

1. *Eine der vier Studien ist zurückgezogen.* Die Studie von Helli 2022 [s079] wurde 2026 von der Zeitschrift Human Fertility zurückgezogen; die Rückzugsmitteilung (PMID 42050763) nennt in der abgerufenen PubMed-Eintragung keine Begründung [s021]. Damit beruht ein Viertel der Studienzahl und knapp ein Drittel der Teilnehmer (50 von 156) in dieser Metaanalyse auf einer Arbeit, die nicht mehr zum wissenschaftlichen Bestand zählt. Ob die Autoren den Rückzug berücksichtigen konnten, geht aus der abgerufenen Seite nicht hervor; eine Neuberechnung der Metaanalyse ohne diese Studie liegt nicht vor.
2. *Sehr kleine Datenbasis und gemischte Designs.* Vier Studien mit 9 bis 56 Teilnehmern; eine davon ohne Kontrollgruppe (Valcarce). Eine einarmige Studie kann in eine Metaanalyse standardisierter Mittelwertdifferenzen nur über einen Vorher-Nachher-Vergleich einfließen, der Placebo-, Regressions-zur-Mitte- und Messwiederholungseffekte nicht trennt; wie die Autoren dies rechnerisch behandelten, geht aus der abgerufenen Zusammenfassung nicht hervor.
3. *Extreme Heterogenität.* I² von 95, 86 und 79 % bedeuten, dass der gepoolte Wert kaum eine einheitliche Wirkung beschreibt; unterschiedliche Stämme, Dosen (10⁹ bis 2 × 10¹¹ KBE), Dauern (10 Wochen bis 6 Monate), Kontrollsubstanzen und Populationen sind vermischt. Prädiktionsintervalle werden in der abgerufenen Fassung nicht genannt.
4. *Effektgrößen von etwa 2.* Ein SMD von 1,96 bedeutet einen Unterschied von rund zwei Standardabweichungen und ist für Nahrungsergänzungsstudien ungewöhnlich groß; die untere Konfidenzgrenze liegt bei 0,08 (kaum von null verschieden) und die obere bei 3,84. Zum Vergleich ergab die Metaanalyse von 41 Studien zu Antioxidantien (Melhem [s017]) für die Konzentration einen SMD von 1,09 (0,10 bis 2,08) bei sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Zur Frage, wie belastbar ein solcher Wert aus vier Studien ist, siehe Abschnitt zu den Überschneidungen.
5. *Abweichende Angaben zu den Primärstudien.* Prihadi beschreibt Valcarce als einarmige Studie mit 12 Wochen Einnahme; der PubMed-Abstract der Primärarbeit nennt Einnahme über drei und sechs Wochen mit anschließender Nachbeobachtung nach 3 und 6 Wochen und neun asthenozoosperme Männer [s112]. Für Helli nennt Prihadi 25 je Gruppe (zusammen 50), die Primärarbeit 52 Männer mit 26 je Gruppe [s079]; Oliveira führt 50 [s055], Puerta-Suárez 52 [s044]. Bei Abbasi nennt Prihadi 28 je Gruppe (56, wie in der Primärarbeit [s085]); Oliveira nennt 47 [s055]. Die Unterschiede können auf Analyse- gegenüber Randomisierungspopulation oder auf Abschreibfehler zurückgehen; die abgerufenen Texte klären das nicht. Wichtig ist: In die Summe von 156 Teilnehmern geht für Helli die Zahl 50 ein.
6. *Geringe Suchbreite.* Genannt werden vier Quellen (PubMed, EBSCO, ProQuest, Google Scholar); Embase, Scopus und Cochrane werden nicht erwähnt. Die Studie von Asadi 2023 [s064] (RCT mit 78 Männern nach Varikozelenoperation, Konzentration nach drei Monaten 33,7 gegenüber 21,1 Mio./ml, p = 0,046) wurde nicht aufgenommen; ein Suchzeitraum ist in der abgerufenen Fassung nicht angegeben, ein Grund für den Ausschluss ebenso wenig.
7. *Publikationsbias nicht berichtet.* Bei vier Studien haben Funnel-Plot und Egger-Test ohnehin nur sehr geringe Aussagekraft.
8. *Nur Surrogatendpunkte.* Zielgrößen sind Spermiogrammwerte; Schwangerschaften und Geburten werden nicht ausgewertet.
9. *Textbasis.* Die Angaben wurden aus einer automatisch erzeugten Zusammenfassung der Zeitschriftenseite entnommen; die Zahlen stimmen mit den im Abstract genannten SMD-Werten überein.

**Aussagekraft.** Gering. Die Arbeit zeigt, dass die vier kleinen Studien in dieselbe Richtung wiesen, kann aber wegen der geringen Zahl, der Heterogenität, der zurückgezogenen Einzelstudie und der Mischung von Designs keine verlässliche Effektschätzung liefern.

### Systematische Übersicht: Oliveira et al. 2024, Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit [s055]

**Fragestellung.** Welche Wirkungen hat eine Probiotika-Supplementierung bei Männern mit Unfruchtbarkeit? Ausgangspunkt der Autoren aus Espírito Santo, Brasilien, ist, dass etwa 15 % der Paare betroffen seien und der männliche Anteil an etwa 50 % der Fälle liege; die Unfruchtbarkeit bleibe häufig unzureichend behandelt [s055].

**Methodik.** Suche zwischen Februar und März 2022 in PubMed, Cochrane (CENTRAL), Science Direct und SciELO, in Englisch und Portugiesisch, ohne Datumsbeschränkung. Suchstring: (probiotic OR Lactobacillus OR Bifidobacterium) AND („Male infertility“ OR „male fertility“ OR „sperm quality“ OR „sperm motility“ OR oligoasthenoteratozoospermia). Eingeschlossen wurden Originalarbeiten am Menschen und randomisierte klinische Studien; ausgeschlossen Tier- und In-vitro-Studien, Übersichten und Duplikate. Extrahiert wurden Autor, Jahr, Design, Population, Teilnehmerzahl, Nachbeobachtungsdauer, Intervention und Hauptbefunde [s055]. Eine formale Bewertung des Verzerrungsrisikos wird in der Methodik nicht beschrieben.

**Studienfluss.** 85 Artikel; nach Titel, Abstract und Eignungskriterien vier Studien, alle zwischen 2017 und 2021 veröffentlicht. Alle sind als randomisierte klinische Studien bezeichnet; zwei doppelblind (Helli, Maretti), eine dreifach verblindet (Abbasi) und eine als Crossover-Studie (Valcarce) [s055].

**Tabelle der Studien laut Übersicht.**

| Studie | Design, Teilnehmer, Dauer | Intervention | Befund |
|---|---|---|---|
| Valcarce 2017 [s112] | randomisiert, 9, 6 Wochen | L. rhamnosus CECT8361 plus B. longum CECT7347, 10⁹ KBE | Motilität erhöht, DNA-Fragmentierung und intrazelluläres H₂O₂ vermindert |
| Maretti und Cavallini 2017 [s111] | randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, 41, 24 Wochen | L. paracasei B21060 (5 × 10⁹ KBE) plus Arabinogalaktan 1243 mg, Fructooligosaccharid 700 mg, L-Glutamin 500 mg | Volumen, Konzentration, Motilität, Zahl der Spermien, Anteil typischer Formen höher; FSH, LH, Testosteron höher |
| Helli 2022 [s079] | randomisiert, doppelblind, 50, 10 Wochen | L. casei, L. rhamnosus, L. bulgaricus, L. acidophilus, B. breve, B. longum, S. thermophilus (2 × 10¹¹ KBE) | Volumen, Gesamtzahl, Konzentration, Gesamtmotilität, Anteil lebender Spermien höher; antioxidative Gesamtkapazität höher; MDA, CRP, TNF-α niedriger; Testosteron höher und FSH, LH, Prolaktin niedriger, aber nicht signifikant |
| Abbasi 2021 [s085] | randomisiert, dreifach verblindet, 47, 11,4 Wochen | wie Helli, 10⁹ KBE, plus Fructooligosaccharide | Konzentration, Motilität, normale Morphologie höher; Lipidperoxidation und DNA-Fragmentierung niedriger |

**Einzelbefunde der Übersicht mit Zahlen.**

- *Motilität.* Alle vier Studien berichteten eine Verbesserung der Motilität. Bei Valcarce stieg der Anteil beweglicher Spermien etwa um das Sechsfache und blieb sechs Wochen nach Ende der Einnahme erhalten [s055].
- *Maretti und Cavallini [s111]:* progressive Motilität, Konzentration, Morphologie, Volumen und Gesamtzahl jeweils p < 0,01 [s055].
- *Helli [s079]:* Volumen p = 0,041, Gesamtzahl p = 0,001, Konzentration p = 0,001, Gesamtmotilität p = 0,037, Zahl lebender Spermien p = 0,003 [s055].
- *Abbasi [s085]:* Motilität p = 0,03, Konzentration p = 0,004, Morphologie p = 0,014 [s055].
- *DNA-Fragmentierungsindex.* Bei Valcarce fiel der DFI von 25,74 % auf 21,11 % nach drei Wochen und 21,58 % nach sechs Wochen (p < 0,05), korreliert mit der Motilitätsverbesserung. Nach Absetzen blieb die Verbesserung nicht erhalten: 21,64 % drei Wochen und 23,09 % sechs Wochen nach Ende der Einnahme. Bei Abbasi verbesserte sich die DNA-Fragmentierung unter dem Wirkstoff (p = 0,005); auch unter Placebo sank sie, in geringerem Ausmaß (p = 0,03). Die Chromomycin-A3-Färbung (Protamin-Mangel) zeigte keine wesentliche Änderung, wobei der Text hierzu „p = 0,03“ nennt; diese Angabe ist mit der Aussage „keine signifikante Änderung“ nicht ohne Weiteres vereinbar und wird hier unverändert referiert [s055].
- *Oxidativer Stress.* Valcarce: Der Anteil H₂O₂-positiver Zellen sank von 16,57 ± 3,34 % (Kontrolle) auf 5,02 ± 0,93 % (nach 3 Wochen) und 6,2 ± 1,77 % (nach 6 Wochen); nach Absetzen 7,27 ± 2,37 % und 7,9 ± 1,36 %. In einem Zusatzversuch am Fadenwurm Caenorhabditis elegans erreichten die Stämme Überlebensraten von 58,5 % (L. rhamnosus) und 66 % (B. longum), höher als die Vitamin-C-Positivkontrolle. Helli: antioxidative Gesamtkapazität und Malondialdehyd in Plasma und Samen veränderten sich gegenüber Placebo (p < 0,001 beziehungsweise p = 0,002). Abbasi: Lipidperoxidation (BODIPY) sank von 29,53 ± 19,4 auf 26 ± 18,82 (p = 0,02) [s055].
- *Hormone.* Maretti: FSH, LH und Testosteron stiegen (p < 0,01), Östradiol und Prolaktin blieben unverändert. Helli: Testosteron stieg, FSH, LH und Prolaktin sanken, jeweils nicht signifikant (p = 0,063; 0,21; 0,109; 0,128). Die Autoren bezeichnen dies als nicht schlüssig [s055].
- *Entzündungsmarker.* Nur Helli: C-reaktives Protein (p = 0,001) und TNF-α (p = 0,003) gesenkt [s055].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Die Ergebnisse „zeigten den Nutzen“ einer Probiotikabehandlung bei männlicher Unfruchtbarkeit; es handle sich um eine „sichere und erschwingliche“ Behandlung. Zugleich betonen sie die geringe Zahl der Studien und fordern größere Studien zu Wirkmechanismus und Anwendung [s055].

**Kritik und Einordnung.**

- *Keine Bewertung des Verzerrungsrisikos,* keine Metaanalyse, keine Konfidenzintervalle. Die Schlussfolgerung „zeigt den Nutzen“ beruht auf einer Zusammenstellung der p-Werte der Einzelstudien.
- *Beschreibung der Valcarce-Studie.* Die Übersicht nennt sie randomisiert beziehungsweise Crossover mit sechs Wochen; der PubMed-Abstract der Primärarbeit nennt neun asthenozoosperme Männer, die vor, während und nach der Einnahme untersucht wurden, ohne Randomisierung oder Kontrollgruppe zu erwähnen [s112]. Prihadi [s020] führt die Studie als einarmig. Die Qualitätsbewertung bei Puerta-Suárez (6 von 13 Punkten) deutet auf die Schwächen dieses Designs [s044].
- *Zurückgezogene Studie.* Helli 2022 [s079] ist 2026 zurückgezogen worden [s021]; sie trägt in der Übersicht einen großen Teil der Aussagen zu Entzündungsmarkern (nur Helli) und zu antioxidativer Kapazität.
- *Veraltete Suche.* Die Suche endete im März 2022 (veröffentlicht 2024); die Studien von Asadi 2023 [s064] oder spätere (Gholipour 2026 [s007], Zarehoroki 2026 [s028]) konnten nicht erfasst werden.
- *Uneinheitliche Zahlen.* Bei Abbasi nennt die Übersicht 47 Teilnehmer, die Primärarbeit 56 (28 je Gruppe) [s085]; bei Helli 50 gegenüber 52 [s079].
- *Aussage „sicher“.* Sicherheitsdaten werden in der Übersicht nicht systematisch erhoben; Maretti berichtet nach dem Abstract der Primärarbeit keine Nebenwirkungen in beiden Gruppen [s111]. Die Aussage ist eine Einschätzung der Autoren, kein Ergebnis der Übersicht.
- *Hormonwerte.* Der Anstieg von FSH und LH unter Maretti wird von den Autoren der Primärarbeit als „verbessert“ bezeichnet; die Übersicht berichtet ihn als Anstieg und bezeichnet die Hormonbefunde insgesamt als kontrovers und nicht schlüssig, ohne die gegenläufigen Befunde bei Helli aufzulösen.
- *Präparate.* Zwei der vier Studien (Abbasi, Helli) betreffen Mehrstammpräparate, eine ein Präparat mit Prä- und Probiotikum (Maretti), eine zwei definierte Stämme (Valcarce); die Dosis variiert um mehr als zwei Größenordnungen (10⁹ bis 2 × 10¹¹ KBE) [s055].

**Aussagekraft.** Gering. Die Übersicht ist eine übersichtliche Dokumentation von vier kleinen Studien mit positivem Befund, hat aber keine Bias-Bewertung, keine quantitative Zusammenfassung, keine Berücksichtigung des Rückzugs und veraltete Suchzeiten.

### Systematische Übersicht: Shamsi-Goushki et al. 2026, Probiotika und Spermienparameter beim Menschen und im Tier [s022]

**Fragestellung.** Welche Wirkung haben Probiotika-Interventionen auf Spermienzahl, Motilität, Morphologie und DNA-Integrität beim Menschen und im Tiermodell? Als Hintergrund nennen die Autoren oxidativen Stress und Entzündung als Treiber männlicher Unfruchtbarkeit und die Vermutung, dass Probiotika über die Darmgesundheit wirken [s022].

**Methodik.** PRISMA-Vorgehen, Suche in PubMed, Scopus und Cochrane Library bis November 2024. Eingeschlossen wurden kontrollierte Studien zu Probiotika und Spermienparametern bei Menschen und Tieren. Extrahiert wurden Studiendesign, Probiotikaart, Dosierung, Interventionsdauer und Ergebnisse. Das Verzerrungsrisiko bewerteten SYRCLE (Tiere) und Cochrane RoB (Menschen) [s022].

**Ergebnisse laut Abstract.** 15 Studien (5 am Menschen, 10 am Tier). Die Probiotika, überwiegend aus den Gattungen Lacticaseibacillus, Lactiplantibacillus (beide früher Lactobacillus), Limosilactobacillus und Bifidobacterium, hätten Spermienzahl, Motilität, Morphologie und antioxidative Marker „signifikant verbessert“. Als mechanistische Einsichten nennt der Abstract Verminderung von oxidativem Stress und Entzündung und eine bessere Kommunikation zwischen Darm und Hoden. Die Befunde seien „konsistent“, die Heterogenität von Studiendesign und Tierart aber deutlich [s022].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Probiotika zeigten Potenzial; standardisierte Protokolle und Langzeitstudien seien nötig, um Wirksamkeit zu belegen und klinische Leitlinien zu entwickeln [s022].

**Kritik und Einordnung (nur Abstract verfügbar).**

- *Mensch und Tier gemischt.* Zwei Drittel der Studien sind Tierstudien (10 von 15); aus dem Abstract geht nicht hervor, wie viele Tiere oder Männer beteiligt waren, und welche Tierarten (vom Modell hängt die Übertragbarkeit ab). Aussagen wie „verbessern Spermienzahl“ gelten daher für den Menschen nur für fünf Studien. Welche fünf Humanstudien es waren, nennt der Abstract nicht; möglicherweise überlappen sie mit den auch von Prihadi, Oliveira und Puerta-Suárez erfassten Studien, was hier nicht überprüft werden konnte [s020, s055, s044].
- *Keine Effektgrößen, keine Zahl der Teilnehmer, keine Konfidenzintervalle.* Alle Aussagen im Abstract sind qualitativ; ob bei den Humanstudien die zurückgezogene Studie von Helli [s079, s021] enthalten ist, geht aus dem Abstract nicht hervor.
- *Widerspruch im Abstract.* Die Befunde werden als konsistent beschrieben, zugleich wird eine deutliche Heterogenität von Studiendesign und Tierart genannt. Ergebnisse der Bias-Bewertung werden im Abstract nicht mitgeteilt.
- *Keine Aussage zu Schwangerschaft oder Geburt.* Der Abstract nennt keine Fortpflanzungsergebnisse.

**Aussagekraft.** Gering für die Frage nach dem Nutzen beim Menschen; als Zusammenschau von Tier- und Humandaten nützlich für die Plausibilität der postulierten Mechanismen. Tiermodelle beweisen keine Wirkung beim Menschen.

### Systematische Übersicht: Corbett, Crosby und McAuliffe 2021, Probiotika bei Paaren mit Unfruchtbarkeit [s087]

**Fragestellung.** Welche Evidenz gibt es für Probiotika bei Paaren mit Unfruchtbarkeit, insbesondere im Rahmen assistierter Reproduktion? Die Arbeit stammt aus der Geburtshilfe des National Maternity Hospital Dublin. Der primäre Endpunkt war die Änderung der klinischen Schwangerschaftsrate; sekundäre Endpunkte waren Verbesserungen männlicher und weiblicher Fruchtbarkeitsparameter und mikrobielle Befunde [s087].

**Methodik.** Systematische Suche in MEDLINE (PubMed), CINAHL, EMBASE, Web of Science und Cochrane am 7. Mai 2019, wiederholt am 26. August 2019, mit den Begriffen „subfertility“, „probiotic therapy“, „clinical pregnancy rate“ und „assisted reproductive outcomes“ [s087].

**Studienfluss.** 882 Artikel, 26 Volltexte geprüft, vier Artikel eingeschlossen [s087].

**Ergebnisse laut Abstract.** Von den zwei Studien, die den primären Endpunkt berichteten, fand nur eine einen nicht signifikanten Anstieg der klinischen Schwangerschaftsrate (48,0 % auf 58,8 %; p = 0,47) und eine höhere Fehlgeburtsrate in der Probiotika-Gruppe (30 % gegenüber 16,6 %; p = 0,47). Beide Studien mit männlichen Teilnehmern und oraler Probiotika-Gabe zeigten eine signifikant verbesserte Spermienmotilität [s087].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Für männliche Probiotika-Therapie sei ein Nutzen für die Motilität beobachtet worden, für Frauen unter assistierter Reproduktion gebe es widersprüchliche Evidenz; qualitativ hochwertige randomisierte Studien seien nötig [s087].

**Kritik und Einordnung.**

- *Der Abstract nennt die vier Studien nicht namentlich.* Welche beiden Studien Männer betrafen, geht aus dem Abstract nicht hervor; die Zuordnung von Studien zu den Zahlen (48,0 % gegenüber 58,8 %; 30 % gegenüber 16,6 %) lässt sich deshalb nicht überprüfen. Auch die Angabe, bei welchem Geschlecht die Probiotika-Gabe in der Studie mit Schwangerschaftsrate erfolgte, fehlt im Abstract.
- *Beide Prozentwerte haben dasselbe p = 0,47.* Das ist ein Hinweis darauf, dass die Studie klein ist und keinen belastbaren Unterschied zeigt; der Abstract nennt keine Fallzahl. Die höhere Fehlgeburtsrate (30 % gegenüber 16,6 %) ist ebenfalls nicht signifikant und darf weder als Hinweis auf Schaden noch auf Nutzen gelesen werden.
- *Frühe Suche.* Die Suche endete im August 2019; spätere Studien (Asadi 2023, Gholipour 2026, Huerga López 2025) sind nicht erfasst [s064, s007, s040].
- *Gemischte Population.* Männer und Frauen, orale und nicht näher beschriebene andere Gabewege, ART und Nicht-ART in einer Übersicht von nur vier Studien.
- *Qualitätsbewertung.* Im Abstract nicht angegeben.

**Aussagekraft.** Gering. Die Arbeit ist wichtig, weil sie früh feststellte, dass klinische Schwangerschafts- und Geburtsdaten fehlen, und dass das Wissen auf Motilitätsdaten aus zwei Studien beruhte. Diese Feststellung hat sich in den späteren Übersichten (Prihadi, Oliveira) nicht geändert.

### Metaanalyse: Maleki-Hajiagha et al. 2025, vaginale Probiotika vor Embryotransfer (Frauen) [s042]

**Einordnung.** Diese Arbeit betrifft die Frau, nicht den Mann. Sie wird aufgeführt, weil sie eine der wenigen Metaanalysen zu Probiotika mit Schwangerschaftsendpunkten ist und als Vergleichsmaßstab für die Größenordnung klinischer Endpunkte dient. Aus ihr lässt sich nichts über Probiotika bei Männern ableiten [s042].

**Fragestellung.** Verbessert eine vaginale Probiotika-Gabe vor oder während eines Embryotransfers (ET) die Schwangerschaftsraten [s042]?

**Methodik.** Suche in PubMed, Scopus, Web of Science und Cochrane bis 17. Oktober 2024, dazu Registersuche (ClinicalTrials.gov, WHO-ICTRP) und graue Literatur (Open Grey, Google Scholar, ProQuest). Eingeschlossen wurden prospektive Interventionsstudien (RCT oder quasiexperimentell) mit vaginaler Probiotika-Gabe vor oder während des ET bei unfruchtbaren Frauen und Kontrollen mit Placebo, keiner oder aktiver anderer Intervention; ausgeschlossen wurden Beobachtungs-, Tier- und Zellstudien, andere Gabewege und unzureichend dokumentierte Studien. Zwei Gutachter sichteten, ein dritter entschied bei Uneinigkeit. Qualität: RoB 2 für randomisierte, ROBINS-I für nicht randomisierte Studien. Statistik: Mantel-Haenszel-Risk-Ratio mit 95-%-Konfidenzintervall im Random-Effects-Modell (Software Comprehensive Meta-Analysis 3.0); Q-Test und I²; Sensitivitätsanalyse ohne nichtrandomisierte Studien; Untergruppenanalyse nach wiederholtem Implantationsversagen (RIF, definiert als ausbleibende klinische Schwangerschaft nach Transfer guter Embryonen in mindestens drei aufeinanderfolgenden Zyklen); Funnel-Plot, Trim-and-Fill und Egger-Test. Registrierung PROSPERO CRD42024550798 [s042].

**Studienfluss.** 1013 Treffer in Datenbanken und Registern, dazu 8 aus Handsuche; 183 Duplikate; nach Titelsichtung 39 Artikel; sechs Studien in der Metaanalyse [s042].

**Eingeschlossene Studien.** Jafarabadi 2024 (Iran, RCT, 166 randomisiert, 163 analysiert; RIF-Anamnese; Transfer aufgetauter Embryonen, nur Embryonen guter Qualität); Wei 2024 (China, RCT eingebettet in eine Kohortenstudie, 60; RIF); Davari Tanha 2023 (Iran, RCT, 103 randomisiert, 94 analysiert); Thanaboonyawat 2023 (Thailand, RCT, 340 randomisiert, 316 analysiert); Pengying 2023 (China, nichtrandomisierte klinische Studie, 100; RIF); Gilboa 2005 (Israel, pseudorandomisierte klinische Studie, 117, Frischtransfer). Alle Studien außer Gilboa stammen aus den Jahren 2023 und 2024. Eingesetzt wurden überwiegend Lactobacillus-Präparate (Lactovag mit L. rhamnosus, plantarum, acidophilus, gasseri; Gynoflor mit L. acidophilus plus Estriol; weitere), bei Pengying Enterococcus; die Dauer reichte von einer Einzeldosis bis zu einem Monat; die Kontrollgruppe war in fünf Studien unbehandelt (kein Placebo), nur Davari Tanha verwendete Placebo [s042]. Die analysierten Teilnehmerinnen summieren sich zu 850 (419 Intervention, 431 Kontrolle) [s042].

**Qualität.** Jafarabadi und Thanaboonyawat: überwiegend niedriges Verzerrungsrisiko, mit Bedenken wegen fehlenden Placebos; Davari Tanha: hohes Risiko (fehlende Verdeckung der Zuteilung, unvollständige Angaben zur Randomisierung); Wei und Gilboa: hohes Risiko; Pengying (ROBINS-I): Verzerrung durch nicht berücksichtigte Embryoqualität und -stadium, unklaren Zeitpunkt der Probiotika-Gabe und fehlende Verblindung der Auswerter [s042].

**Gepoolte Ergebnisse (Risk Ratio, 95-%-Konfidenzintervall).**

| Zielgröße | Studien | Ereignisse oder RR | 95-%-KI | p | I² |
|---|---|---|---|---|---|
| Klinische Schwangerschaft | 6 | 157 von 419 (37,47 %) gegenüber 136 von 431 (31,55 %); RR 1,19 | 0,99 bis 1,44 | 0,07 | 1,89 % (Q 5,10) |
| Klinische Schwangerschaft, nur die drei RCT (Sensitivitätsanalyse) | 3 | 99 von 289 (34,25 %) gegenüber 83 von 284 (29,22 %); RR 1,27 | 0,88 bis 1,82 | 0,20 | 2,15 % |
| Biochemische Schwangerschaft | 3 | RR 1,04 | 0,84 bis 1,28 | 0,74 | 0 % |
| Fortlaufende Schwangerschaft | 2 | RR 1,09 | 0,83 bis 1,45 | 0,53 | 0 % |
| Fehlgeburt | 3 | RR 0,67 | 0,40 bis 1,12 | 0,12 | 12,61 % |

Implantations- und Lebendgeburtsrate waren wegen unzureichender Daten nicht auswertbar. Die Untergruppenanalyse (mit und ohne RIF) zeigte jeweils nur nicht signifikante Anstiege [s042].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Vaginale Probiotika könnten einen nicht signifikanten Anstieg der klinischen Schwangerschaftsrate und eine leichte, nicht signifikante Senkung des Fehlgeburtsrisikos bewirken; wegen der Einschränkungen der Studien seien die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren, personalisierte Probiotika-Therapie sei weiter zu erforschen [s042].

**Kritik und Einordnung.**

- *Kein statistisch gesicherter Effekt.* Alle Konfidenzintervalle schließen die 1 ein; der Hauptbefund (RR 1,19; 0,99 bis 1,44) liegt unmittelbar an der Grenze. Die Autoren bezeichnen den Befund selbst als „nicht signifikant“. Die Sensitivitätsanalyse mit nur drei Studien verbreitert das Intervall (0,88 bis 1,82).
- *Geringe Heterogenität, aber hohe Verzerrungsgefahr.* I² von 0 bis 13 % sprechen für gleichgerichtete Ergebnisse, nicht für Verlässlichkeit; fünf von sechs Studien hatten keine Placebokontrolle, drei von sechs ein hohes Verzerrungsrisiko.
- *Unstimmigkeit zum Publikationsbias.* Im Text heißt es, der Funnel-Plot lasse keinen Publikationsbias erkennen und Trim-and-Fill habe keine fehlenden Studien ergeben (Egger zweiseitig p = 0,118, einseitig p = 0,059); die Abbildungsunterschrift dagegen führt aus, die Asymmetrie deute auf einen möglichen Publikationsbias und einen eventuell überschätzten Effekt hin. Beide Aussagen stehen unverbunden nebeneinander.
- *Unterschiedliche Einordnung der Studien.* Wei wird in der Studientabelle als RCT geführt, in der Sensitivitätsanalyse aber als nichtrandomisiert ausgeschlossen. Die Sensitivitätsanalyse behält Davari Tanha trotz „hohem Risiko“.
- *Heterogene Interventionen.* Stämme, Dosen (6 × 10⁶ bis 3 × 10⁹ KBE), Dauer (Einzeldosis bis 30 Tage) und Zeitpunkt zum ET unterscheiden sich; die Autoren nennen dies selbst als Limitation [s042].
- *Weibliche Population.* Aussagen über Männer sind nicht möglich.

**Aussagekraft.** Mäßig für die Aussage „kein gesicherter Nutzen vaginaler Probiotika vor Embryotransfer“; keine für Probiotika beim Mann.

### Metaanalyse: Melhem et al. 2026, pharmakologische und nahrungsergänzende Therapien bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit [s017]

**Fragestellung.** Wie wirksam sind pharmakologische und nahrungsergänzende Therapien bei Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit hinsichtlich Samenparametern und klinischer Schwangerschaft, nach Wirkmechanismus aufgeschlüsselt [s017]? Die Arbeit behandelt Probiotika im Abstract nicht als eigene Klasse; sie dient hier als Maßstab für die Größenordnung der Effekte in einem angrenzenden Feld.

**Methodik.** Suche in PubMed, Embase, Scopus, Cochrane CENTRAL, ClinicalTrials.gov und Google Scholar von Januar 2010 bis Januar 2026 nach randomisierten Studien, die pharmakologische oder nahrungsergänzende Interventionen mit Placebo oder Nichtbehandlung bei idiopathischer Unfruchtbarkeit verglichen. Primäre Zielgrößen waren Samenparameter. Statistik: Dreiebenen-Random-Effects-Modelle mit Knapp-Hartung-Anpassung, getrennt nach Wirkmechanismus; Sicherheit der Evidenz nach GRADE; PROSPERO CRD420261289976. Hormonelle Wirkstoffe und klinische Schwangerschaft wurden narrativ zusammengefasst [s017].

**Umfang.** 41 randomisierte Studien mit 3615 Männern. Wie viele Studien auf die einzelnen Wirkstoffklassen entfallen, steht im Abstract nicht [s017].

**Ergebnisse laut Abstract (SMD, 95-%-Konfidenzintervall).**

| Wirkstoffklasse | Zielgröße | SMD | 95-%-KI |
|---|---|---|---|
| Antioxidantien | Spermienkonzentration | 1,09 | 0,10 bis 2,08 |
| Antioxidantien | Progressive Motilität | 1,11 | 0,32 bis 1,90 |
| Antioxidantien | Gesamtmotilität | 0,69 | 0,26 bis 1,13 |
| Antioxidantien | Normale Morphologie | 0,43 | 0,05 bis 0,82 |
| PDE-Hemmer | Konzentration | 1,96 | −2,25 bis 6,17 |
| PDE-Hemmer | Normale Morphologie | 1,28 | −0,47 bis 3,02 |
| Methylgruppen-Spender | DNA-Fragmentierung | −1,17 | −2,82 bis 0,47 |

Bei allen Antioxidantien-Ergebnissen überschritten die Prädiktionsintervalle den Nullwert. Bei den PDE-Hemmern und den Methylgruppen-Spendern schlossen die Konfidenzintervalle den Nullwert ein. Die Heterogenität war erheblich (I² über 80 %) [s017].

**Schlussfolgerung der Autoren.** Antioxidantien seien mit höheren Werten mehrerer Samenparameter verbunden, die Sicherheit der Evidenz sei jedoch sehr niedrig und die Prädiktionsintervalle seien weit; PDE-Hemmer und Methylgruppen-Spender zeigten numerisch positive Punktschätzer, deren Konfidenzintervalle den Nullwert einschlössen. Die Pooling-Ergebnisse seien „Durchschnitte verschiedenartiger Effekte“; individuelle Reaktionen blieben angesichts weiter Prädiktionsintervalle unsicher; größere Studien mit Lebendgeburten als Endpunkt seien nötig [s017].

**Kritik und Einordnung (nur Abstract verfügbar).**

- *Wertvoll als Kalibrierung.* Die Arbeit zeigt, dass selbst in einer Metaanalyse von 41 randomisierten Studien mit 3615 Männern gepoolte SMD um 1 mit Prädiktionsintervallen einhergehen, die die Null überschreiten, und die Evidenz nach GRADE als sehr niedrig eingestuft wird. Die Probiotika-Metaanalyse von Prihadi [s020] meldet mit vier Studien einen noch höheren SMD (1,96 für die Konzentration) und liefert keine Prädiktionsintervalle und keine GRADE-Bewertung.
- *Die drei Maßstäbe unterscheiden sich:* SMD, Konfidenzintervall und Prädiktionsintervall beantworten verschiedene Fragen. Das Konfidenzintervall betrifft den gepoolten Mittelwert, das Prädiktionsintervall den Effekt in einer neuen Studie. Dass Letzteres den Nullwert überschreitet, bedeutet, dass in einer künftigen Studie auch kein oder ein negativer Effekt zu erwarten wäre.
- *Spanne der Wirkstoffe.* Die zusammengefassten PDE-Hemmer (Konzentration SMD 1,96, Intervall −2,25 bis 6,17) haben dasselbe Punktmaß wie die Probiotika bei Prihadi (1,96), aber ein ungleich weiteres, die Null einschließendes Intervall; die Zahlengleichheit ist zufällig und hat keine inhaltliche Bedeutung.
- *Fehlende Angaben im Abstract.* Zahl der Studien je Klasse, Verzerrungsrisiko, Publikationsbias, Ergebnisse zu klinischer Schwangerschaft und hormonellen Wirkstoffen (nur „narrativ“).
- *Textbasis.* Volltext war nicht abrufbar.

**Aussagekraft.** Methodisch die am weitesten entwickelte Arbeit des Kapitels (Prädiktionsintervalle, GRADE, Dreiebenen-Modell); ihr eigenes Ergebnis ist von den Autoren als sehr unsicher eingestuft. Für Probiotika ist sie nicht anwendbar.

### Der Rückzug von Helli 2022 und seine Folgen für die Übersichten [s021]

Die Studie von Helli und Kollegen (Human Fertility 2022, 52 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie, 26 je Gruppe, randomisiert, doppelblind, 500 mg Probiotikum täglich über 10 Wochen, im iranischen Register IRCT20141025019669N7 registriert) wurde 2026 von der Zeitschrift zurückgezogen. Die Rückzugsmitteilung erschien am 28. April 2026 (Human Fertility 2026;29(1):2663617); der PubMed-Eintrag der Originalarbeit trägt den Vermerk „RETRACTED ARTICLE“ [s021, s079]. Eine Begründung enthält der abgerufene PubMed-Eintrag der Mitteilung nicht; die Gründe sind hier deshalb nicht bekannt und werden nicht vermutet.

Die zurückgezogene Studie ist in drei der besprochenen Übersichten ausdrücklich als Datenquelle enthalten: in der Metaanalyse von Prihadi mit 50 von 156 Teilnehmern [s020], in der systematischen Übersicht von Oliveira als eine von vier Studien [s055] und in der Tabelle von Puerta-Suárez und Cardona Maya mit 12 von 13 Punkten der JBI-Bewertung [s044]. Ob sie in den fünf Humanstudien von Shamsi-Goushki [s022] enthalten ist, lässt sich dem Abstract nicht entnehmen. Corbett [s087] suchte bis August 2019 und kann sie nicht enthalten, weil Helli erst im September 2020 online erschien. In keiner der abgerufenen Fassungen ist eine Aktualisierung nach dem Rückzug erkennbar; eine Neuberechnung der Ergebnisse (insbesondere der gepoolten SMD bei Prihadi) ohne diese Studie liegt nicht vor. Für Aussagen über antioxidative Kapazität und Entzündungsmarker unter Probiotika, die in den Übersichten nur auf Helli beruhen [s055], entfällt dadurch die einzige Humanquelle.

### Überschneidungen: Wie viele unabhängige Studien tragen die Probiotika-Evidenz?

Die vier Übersichten zu Probiotika beim Mann [s020, s055, s044, s022] erwecken beim Lesen den Eindruck mehrerer unabhängiger Bestätigungen. Tatsächlich zählen sie weitgehend dieselben Primärstudien:

| Primärstudie | Prihadi [s020] | Oliveira [s055] | Puerta-Suárez [s044] | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| Valcarce 2017 [s112], 9 Männer | ja, einarmig, 12 Wochen | ja, „randomisiert“/Crossover, 6 Wochen | ja, JBI 6 von 13 | Primärarbeit: 9 Männer, Einnahme über 3 und 6 Wochen, keine Kontrollgruppe im Abstract genannt |
| Maretti und Cavallini 2017 [s111], 41 Männer | ja | ja | ja, JBI 12 von 13 | nach Gomes [s068] in der Diskussion mit fünf Geburten im Verumarm und keiner in der Kontrolle |
| Helli 2022 [s079], 52 Männer | ja (50) | ja (50) | ja (52), JBI 12 von 13 | zurückgezogen [s021] |
| Abbasi 2021 [s085], 56 Männer | ja (56) | ja (47) | ja (56), JBI 12 von 13 | Primärarbeit: 56, je 28 |
| Asadi 2023 [s064], 78 Männer | nein | nein (Suche endete 2022) | ja, JBI 12 von 13 | RCT nach Varikozelenoperation |
| Grande 2022 (Antibiotikum plus Probiotikum), 104 Männer | nein | nein | ja, JBI 6 von 13 | Endpunkt: Keimfreiheit, nicht Spermienqualität |

Daraus folgt, dass die Evidenz für Probiotika zur Verbesserung von Spermiogramm-Parametern in diesen Übersichten im Kern auf vier bis fünf kleinen Studien beruht (9, 41, 52, 56 und 78 Männer), von denen eine zurückgezogen wurde und eine keine Kontrollgruppe hatte. Der Eindruck von vier Übersichten mit gleichgerichteten Ergebnissen ist deshalb zu einem großen Teil ein Doppelzähleffekt; eine unabhängige Replikation ist daraus nicht abzuleiten. Die Studien stammen zudem überwiegend aus dem Iran (Helli, Abbasi, Asadi) beziehungsweise aus Italien (Maretti) und Spanien (Valcarce) [s020, s044, s055].

Nach den Suchzeiträumen der Übersichten erschienene oder nicht erfasste randomisierte Studien wie Gholipour 2026 [s007], Zarehoroki 2026 [s028] und Huerga López 2025 [s040] gehen in keine der hier besprochenen Metaanalysen ein. Studien mit Schwangerschaft oder Lebendgeburt als Endpunkt am Mann fehlen in allen Übersichten; Corbett [s087] stellte dies 2021 fest, und es hat sich in den Übersichten bis 2026 nicht geändert. Der einzige in diesen Übersichten ausgewertete Schwangerschaftsendpunkt betrifft die Frau (vaginale Probiotika vor Embryotransfer, RR 1,19; 0,99 bis 1,44) [s042].

### Widersprüche zwischen den Übersichten

1. **DNA-Fragmentierung.** Farahani [s089] findet bei Bakteriospermie einen um 3,518 Prozentpunkte höheren DFI (95-%-KI 0,907 bis 6,129; p = 0,008); Campbell [s004] findet für Infektionen des Urogenitaltrakts keinen signifikanten Unterschied im DFI. Beide Abstracts erlauben keine Auflösung: Definition der Exposition (Bakteriospermie gegenüber dokumentierter Infektion), Studienmengen und Zahl der DFI-Studien sind nicht angegeben.
2. **Lactobacillus.** Farahani [s089], Gomes [s068] und die Textaussage bei Brandão [s086] sehen Lactobacillus bei besserer Samenqualität. Die von Brandão selbst referierten Zahlen für Azoospermie zeigen jedoch einen höheren Anteil (17,98 und 17,24 % gegenüber 6,79 % bei Kontrollen) [s086, s044]. Puerta-Suárez [s044] dokumentiert weitere gegenläufige Einzelbefunde: Pochernikov (210 Männer: Lactobacillus mit Oligoasthenoteratozoospermie, geringerer Konzentration und Motilität verbunden), Rivera (kein Zusammenhang), Osadchiy [s056] (L. iners bei auffälliger Motilität häufiger), gegenüber Mändar [s110] (L. iners bei Gesunden häufiger: 14,2 gegenüber 9,8 %). Die Autoren schließen daraus, dass die Wirkung möglicherweise von der Art abhängt [s044].
3. **Artenreichtum.** Nach Brandão [s086] fand eine Studie weniger Arten bei Azoospermie, eine höhere Diversität bei idiopathischer Unfruchtbarkeit, eine zunehmende Diversität über Gruppen mit stärkerer Einschränkung und zwei Studien keinen Unterschied. Daraus lässt sich nach Aussage der Autoren keine Schlussfolgerung ziehen.
4. **Einzelne Gattungen.** Staphylococcus gehört bei Gomes [s068] zu den bei unfruchtbaren Männern häufigeren Gattungen; bei Brandão [s086] stehen Baud und Weng mit einem Zusammenhang von Staphylococcus mit normalem Spermiogramm, ebenso Propionibacterium, Gardnerella vaginalis und Atopobium vaginae; letztere beiden galten nach Kultur- und PCR-Studien als schädlich. Eine Studie ordnet Staphylococcus nur Männern mit Entzündung zu [s086].
5. **Erreger.** Farahani [s089]: Chlamydia trachomatis ohne Unterschied zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Männern und ohne Einfluss auf Samenparameter; Ureaplasma urealyticum mit OR 2,25 bei Unfruchtbaren. M. hominis wirkt in Farahani und bei Boujemaa [s002] negativ auf Konzentration, progressive Motilität und Morphologie; bei Boujemaa ist der Konzentrationsunterschied jedoch nur in PCR-basierten Studien signifikant, nicht in Kultur- oder Hybridisierungsstudien.
6. **Größe von Probiotika-Effekten.** Prihadi [s020] berichtet SMD von 0,89 bis 1,96; Melhem [s017] findet bei Antioxidantien in 41 RCT SMD von 0,43 bis 1,11 mit Prädiktionsintervallen, die die Null überschreiten, und sehr niedriger GRADE-Sicherheit. Eine mögliche Lesart der größeren Effekte in der kleineren und heterogeneren Metaanalyse ist die Anfälligkeit kleiner Studienpools für Überschätzung; belegt ist das aus den Abstracts nicht.
7. **Klinischer Nutzen.** Aus Spermiogramm-Verbesserungen bei Männern [s020, s055] folgt nach Corbett [s087] und Maleki-Hajiagha [s042] noch keine höhere Schwangerschaftsrate: In Corbetts einziger Studie mit klinischer Schwangerschaft als Endpunkt war der Unterschied nicht signifikant (48,0 gegenüber 58,8 %; p = 0,47), bei den vaginalen Probiotika ebenfalls (RR 1,19; p = 0,07).

### Gesamtübersicht der berichteten Effektgrößen

| Metaanalyse | Zielgröße | Effekt | 95-%-KI | Heterogenität |
|---|---|---|---|---|
| Farahani [s089] | DFI bei Bakteriospermie (Mittelwertdifferenz) | 3,518 | 0,907 bis 6,129 | im Abstract nicht angegeben |
| Farahani [s089] | Ureaplasma urealyticum bei Unfruchtbarkeit (OR) | 2,25 | 1,47 bis 3,46 | im Abstract nicht angegeben |
| Campbell [s004] | Volumen (ml) | −0,37 | −0,64 bis −0,09 | I² 66 bis 95 % insgesamt |
| Campbell [s004] | Konzentration (Mio./ml) | −6,65 | −11,17 bis −2,14 | I² 90 % |
| Campbell [s004] | Progressive Motilität (Prozentpunkte) | −5,93 | −9,07 bis −2,78 | s. oben |
| Campbell [s004] | Gesamtzahl (Mio.) | −47,15 | −91,42 bis −2,88 | s. oben |
| Campbell [s004] | Normale Morphologie (Prozentpunkte) | −0,76 | −1,19 bis −0,33 | s. oben |
| Campbell [s004] | HPV und Antispermien-Antikörper (OR) | 10,63 | 1,49 bis 75,93 | nicht angegeben |
| Campbell [s004] | Hepatitis B und Fehlgeburt (OR) | 1,43 | 1,05 bis 1,93 | nicht angegeben |
| Boujemaa [s002] | M. hominis, Konzentration (SMD) | −0,815 | −1,314 bis −0,317 | I² 94 % |
| Boujemaa [s002] | M. hominis, progressive Motilität (SMD) | −0,360 | −0,683 bis −0,037 | I² 82 % |
| Boujemaa [s002] | M. hominis, Vitalität (SMD) | −0,831 | −1,410 bis −0,253 | I² 85 % |
| Boujemaa [s002] | M. hominis, normale Morphologie (SMD) | −0,631 | −1,178 bis −0,083 | I² 92 % |
| Boujemaa [s002] | M. hominis, pH-Wert (SMD) | 0,586 | 0,167 bis 1,006 | I² 72 % |
| Prihadi [s020] | Probiotika, Konzentration (SMD) | 1,96 | 0,08 bis 3,84 | I² 95 % |
| Prihadi [s020] | Probiotika, Motilität (SMD) | 1,28 | 0,28 bis 2,28 | I² 86 % |
| Prihadi [s020] | Probiotika, Volumen (SMD) | 0,89 | 0,10 bis 1,67 | I² 79 % |
| Melhem [s017] | Antioxidantien, Konzentration (SMD) | 1,09 | 0,10 bis 2,08 | I² über 80 % |
| Melhem [s017] | Antioxidantien, progressive Motilität (SMD) | 1,11 | 0,32 bis 1,90 | s. oben |
| Melhem [s017] | Antioxidantien, Gesamtmotilität (SMD) | 0,69 | 0,26 bis 1,13 | s. oben |
| Melhem [s017] | Antioxidantien, normale Morphologie (SMD) | 0,43 | 0,05 bis 0,82 | s. oben |
| Melhem [s017] | PDE-Hemmer, Konzentration (SMD) | 1,96 | −2,25 bis 6,17 | s. oben |
| Melhem [s017] | PDE-Hemmer, normale Morphologie (SMD) | 1,28 | −0,47 bis 3,02 | s. oben |
| Melhem [s017] | Methylgruppen-Spender, DNA-Fragmentierung (SMD) | −1,17 | −2,82 bis 0,47 | s. oben |
| Maleki-Hajiagha [s042] | Vaginale Probiotika, klinische Schwangerschaft (RR; Frau) | 1,19 | 0,99 bis 1,44 | I² 1,89 % |
| Maleki-Hajiagha [s042] | Fehlgeburt (RR; Frau) | 0,67 | 0,40 bis 1,12 | I² 12,61 % |

Nicht signifikant waren bei Boujemaa Volumen, Gesamtzahl beweglicher Spermien, Leukozyten, schnell progressive Motilität und Gesamtmotilität [s002]; bei Campbell Gesamtmotilität, Vitalität und DFI [s004]; bei Maleki-Hajiagha alle Zielgrößen [s042].

### Die Übersichten im Vergleich: Qualitätsinstrumente und Belastbarkeit

Die besprochenen Arbeiten verwenden sehr unterschiedliche Maßstäbe, was ihre Bewertung erschwert:

- *Registrierung vor Beginn (PROSPERO):* Boujemaa [s002], Puerta-Suárez [s044], Maleki-Hajiagha [s042], Melhem [s017]. Für die übrigen ist im Abstract beziehungsweise gelesenen Text keine Registrierung genannt.
- *Instrumente zur Bewertung des Verzerrungsrisikos:* Newcastle-Ottawa-Skala bei Boujemaa [s002]; RoB 2 und ROBINS-I bei Prihadi [s020] und Maleki-Hajiagha [s042]; Cochrane RoB und SYRCLE bei Shamsi-Goushki [s022]; JBI-Checklisten und QUIN bei Puerta-Suárez [s044]. Keine formale Bewertung in den gelesenen Texten bei Gomes [s068], Brandão [s086] und Oliveira [s055]; bei Farahani [s089], Campbell [s004], Bazzar [s001], Corbett [s087] und Melhem [s017] enthält der Abstract keine Angabe.
- *Bewertung der Sicherheit der Gesamtevidenz (GRADE):* nur bei Melhem [s017] (Ergebnis: sehr niedrig für Antioxidantien).
- *Prädiktionsintervalle:* nur bei Melhem [s017].
- *Publikationsbias:* geprüft bei Boujemaa (Egger p = 0,10) [s002] und Maleki-Hajiagha (Egger zweiseitig p = 0,118; widersprüchliche Darstellung) [s042]; bei Prihadi vorgesehen, aber nicht berichtet [s020].
- *Heterogenität:* In allen quantitativen Arbeiten mit Angaben hoch (I² 55 bis 95 %), mit Ausnahme der Auswertung zur Frau (I² 0 bis 13 %) [s002, s004, s017, s020, s042].
- *Sprach- und Datenbankbeschränkungen:* Gomes (nur Englisch, drei Datenbanken) [s068]; Puerta-Suárez (Englisch und Spanisch, zwei Datenbanken) [s044]; Boujemaa (nur Englisch, Volltext erforderlich) [s002]; Prihadi (vier Quellen, keine Sprachbeschränkung) [s020].

Eine Rangfolge nach „Beweiskraft“ lässt sich daraus nicht seriös bilden. Als Orientierung nach den in den Arbeiten selbst dokumentierten Merkmalen: Am besten dokumentiert sind Boujemaa [s002] (Volltext, Registrierung, NOS, Untergruppen, Sensitivität), Maleki-Hajiagha [s042] (Register, RoB 2, Sensitivität; allerdings Frauen) und Melhem [s017] (GRADE, Prädiktionsintervalle; nur Abstract). Am schwächsten dokumentiert sind die qualitativen Übersichten zu Probiotika ohne Bias-Bewertung [s055] und die nur im Abstract verfügbaren Arbeiten [s001, s022, s087].

### Grenzfälle: strukturiert angelegte narrative Übersichten

Zwei Arbeiten der Masterliste sind als narrative Übersichten geführt, enthalten aber Angaben zu Studienzahl und Suchstrategie, die sie in die Nähe systematischer Arbeiten rücken. Sie werden hier nur kurz dargestellt, weil sie keine Metaanalysen sind.

**Neto et al. 2024 [s054], Effect of environmental factors on seminal microbiome and impact on sperm quality (Frontiers in Endocrinology).** Narrative Übersicht über Studien der Jahre 1980 bis 2023 zum Mikrobiom des männlichen Fortpflanzungstrakts beim Menschen. Eingeschlossen wurden 37 Studien mit 9310 Teilnehmern; 16 nutzten Kultur, 16 NGS und fünf eine Kombination von Methoden. Keine Studie untersuchte Pilze oder Viren. Alle NGS-Studien fanden Bakterien in allen Samenproben. Als Merkmale des Samenmikrobioms nennt der Abstract erhebliche Variabilität der Artenzusammensetzung zwischen Individuen und die Bildung mikrobieller Gemeinschaften mit einer dominanten Art. Das Hodenkompartiment sei nicht steril. Sexuell aktive Paare teilten 56 % der vorherrschenden Gattungen, und bei Paaren mit positiver Kultur beider Partner teilten 61 % mindestens einen Genitalerreger. Bei Paaren mit Unfruchtbarkeit bekannter Ursache habe sich eine Überlappung der bakteriellen Zusammensetzung von Samen und Vaginalmikrobiom mit häufigerem Vorkommen von Staphylococcus und Streptococcus gezeigt. Bakterien in IVF-Kulturmedien schienen die Schwangerschaftsraten nicht zu beeinflussen [s054]. Nach dem Recherchedokument zum französischen Sprachraum, das den Volltext von Neto auswertete, variiert die berichtete Prävalenz der Bakteriospermie je nach Studie zwischen 7 und 65,7 %, wobei die Schwelle der Kulturpositivität meist bei mehr als 10⁴ koloniebildenden Einheiten pro Milliliter liegt [s054].

**Lee und Cho 2026 [s012], Impact of bacteriospermia on sperm DNA fragmentation (Translational Andrology and Urology).** Narrative Übersicht mit Suche in PubMed/MEDLINE und Google Scholar für 2008 bis 2025, nur englischsprachige begutachtete Arbeiten. Berichtete Prävalenz der Bakteriospermie: 20,1 bis 35,1 % mit PCR und 15,28 bis 34,88 % mit Kultur; in der PCR wurde am häufigsten Enterococcus faecalis nachgewiesen, in der Kultur Enterococcus faecalis und Staphylococcus aureus. Drei große Studien hätten einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen allgemeiner Bakteriospermie und erhöhter Spermien-DNA-Fragmentierung gezeigt; als Hauptmechanismus nennen die Autoren oxidativen Stress mit Lipidperoxidation (erhöhtes Malondialdehyd) und anschließenden DNA-Strangbrüchen [s012]. Dieser Befund steht im Spannungsverhältnis zur Metaanalyse von Campbell [s004], die für Infektionen keinen DFI-Unterschied fand, ist aber mit Farahani [s089] vereinbar.

**Weitere narrative Übersichten** [s009, s036, s050, s051] nennen teils eine strukturierte Literatursuche (Kaltsas [s009]: „narrative Übersicht, gestützt auf eine strukturierte Literatursuche“; Probiotika sollten derzeit als Zusatz, nicht als eigenständige Behandlung betrachtet werden; Schwangerschafts- und Lebendgeburtsdaten würden selten berichtet), berichten aber keine Einschlusszahlen und keine quantitative Synthese und werden in diesem Kapitel nicht weiter ausgewertet.

### Zusammenfassende Einordnung der Metaanalysen und Übersichten

1. **Mikrobiom und Spermienqualität.** Die Übersichten stimmen in der Richtung überein: Lactobacillus wird tendenziell mit besseren, Prevotella und bestimmte Erreger (Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis, Enterococcus faecalis) mit schlechteren Samenwerten in Verbindung gebracht [s089, s068, s001, s044]. Zugleich sind die Befunde auf Studien- und Artebene widersprüchlich [s086, s044], die Methoden nicht vergleichbar [s038], und alle Autoren schließen, Kausalität sei nicht gezeigt [s089, s086, s001].
2. **Infektionen und Samenparameter.** Die beiden quantitativen Auswertungen [s004, s002] zeigen im Mittel niedrigere Konzentration, Motilität und Morphologie bei infizierten Männern; die Effekte sind klein bis mäßig, die Heterogenität hoch (I² bis 95 %), das Design beobachtend. Der Zusammenhang gilt in Boujemaa nur innerhalb unfruchtbarer Männer und hängt von der Nachweismethode ab. Aussagen zu Schwangerschaften und Geburten tragen die Daten nicht [s004].
3. **Probiotika beim Mann.** Die gepoolten SMD sind groß und statistisch gerade gesichert [s020], beruhen aber auf vier kleinen Studien (9 bis 56 Männer), von denen eine zurückgezogen wurde [s021] und eine ohne Kontrollgruppe war; die qualitativen Übersichten [s055, s044, s022] zählen im Wesentlichen dieselben Studien. Klinische Endpunkte (Schwangerschaft, Lebendgeburt) fehlen für den Mann in allen Übersichten [s087]. Es gibt keine Metaanalyse mit GRADE-Bewertung für Probiotika; für Antioxidantien als Vergleichsfeld wird die Sicherheit der Evidenz mit sehr niedrig angegeben [s017].
4. **Weibliche Seite.** Vaginale Probiotika vor Embryotransfer: nicht signifikanter Anstieg der klinischen Schwangerschaft (RR 1,19; 0,99 bis 1,44); Heterogenität gering, Verzerrungsrisiko vieler Studien hoch [s042].

### Offene Punkte und Lücken, die die Übersichten selbst benennen

- Standardisierte Methoden der Probengewinnung, Sequenzierung und Kontaminationskontrolle [s038, s001, s089].
- Prospektive Studien mit einheitlicher Definition von Infektion und Bakteriospermie [s004, s002].
- Größere randomisierte Studien mit Schwangerschaft und Lebendgeburt als Endpunkt, mit einheitlichen Stämmen, Dosen und Dauern [s020, s055, s087, s017].
- Studien zu einzelnen Lactobacillus-Arten und zum Paar als Einheit [s044].
- Embryoqualität bis zum Blastozystenstadium (Zeitrafferaufnahmen) und klinische ART-Ergebnisse in Abhängigkeit vom Samenmikrobiom [s086].

### Lücken und Grenzen dieses Kapitels

- Für Farahani [s089], Campbell [s004], Melhem [s017], Bazzar [s001], Shamsi-Goushki [s022] und Corbett [s087] lag nur der Abstract vor; Angaben zu Studienzahl je Analyse, Heterogenität einzelner Zielgrößen, Qualitätsbewertung, Publikationsbias und Einzelstudien fehlen hier und wurden nicht ergänzt.
- Prihadi [s020] wurde über die Zeitschriftenseite und eine automatische Zusammenfassung abgerufen; eine PMID existiert nicht.
- Die Rückzugsgründe zu Helli [s021] sind nicht bekannt.
- Die Zahlen der von den Übersichten zitierten Primärstudien (zum Beispiel Eggert-Kruse, Pochernikov, Chen, Mändar, Grande) sind in den Übersichten berichtete Angaben und wurden nicht an den Originalarbeiten geprüft.
- Die Diskrepanzen zwischen den Übersichten in Teilnehmerzahlen (Helli 50 gegenüber 52, Abbasi 47 gegenüber 56) und Studiendesign (Valcarce) konnten nicht aufgelöst werden.

## Studienlage: Beobachtungsstudien

Dieses Kapitel stellt die Beobachtungsstudien (Querschnitts-, Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien sowie vergleichende Analysen) einzeln vor. Jede Studie wird nach demselben Schema beschrieben: Land, Design, Population, Exposition, Messung, Ergebnisse mit Zahlen, Störgrößen, Stärken, Schwächen und Einordnung. Systematische Übersichten, Metaanalysen, Tierversuche und Interventionsstudien werden in anderen Kapiteln behandelt und hier nur dort erwähnt, wo sie zur Einordnung einer Einzelstudie nötig sind.

Die Zahlen stammen aus den zwölf Recherche-Dokumenten und, soweit abrufbar, aus den Abstracts und Open-Access-Volltexten bei Europe PMC. Bei jeder Studie ist angegeben, ob der Volltext oder nur die Zusammenfassung vorlag. Wo die Quelle ein Merkmal nicht nennt, steht das ausdrücklich dort und wird nicht ergänzt.

Vier Einschränkungen gelten für fast alle Studien dieses Kapitels und werden deshalb nicht bei jeder Studie wiederholt, sondern nur dort, wo sie besonders ins Gewicht fallen:

- **Beobachtungsdesign.** Alle Studien zeigen Zusammenhänge zu einem Zeitpunkt. Ob eine Bakteriengemeinschaft die Spermienqualität verändert, ob veränderte Spermien oder Entzündung die Bakteriengemeinschaft verändern oder ob beides eine gemeinsame Ursache hat, lässt sich damit nicht entscheiden.
- **Niedrige Biomasse und Kontamination.** Ein Ejakulat durchläuft Harnröhre und Eichel, und die Probe kann Hautkeime aufnehmen. Sequenzierung von Proben mit wenig Bakterien-DNA reagiert zudem empfindlich auf Verunreinigungen aus Reagenzien. Ob Negativkontrollen mitgeführt wurden, ist deshalb bei jeder Sequenzierungsstudie ein Qualitätsmerkmal.
- **Uneinheitliche Methoden.** Kultur, spezifische PCR, 16S-Sequenzierung (verschiedene Genregionen) und Metagenomik liefern unterschiedliche Bilder. Die Studien sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.
- **Kontrollgruppen.** Als „gesund" gelten je nach Studie Samenspender, Männer mit nachgewiesener Vaterschaft, Männer mit normalem Spermiogramm oder Männer aus Paaren mit Kinderwunsch. Diese Gruppen sind nicht austauschbar.

Wichtig für die Einordnung der Evidenzmenge: Mehrere Studien stammen aus derselben Arbeitsgruppe und teils vermutlich aus überlappenden Patientenkollektiven (Lausanne [s101, s047, s035], Tartu [s113, s110, s107, s070], Chengdu [s041, s014], Barcelona [s077, s067], Moskau und Kasan [s046, s060, s061, s062]). Die Zahl der Studien überschätzt deshalb die Zahl unabhängiger Beobachtungen.

### A. Sequenzierungsstudien am Ejakulat: Vergleiche nach Spermienqualität und Fruchtbarkeitsstatus

Die Studien dieses Abschnitts untersuchen die Bakteriengemeinschaft im Ejakulat mit 16S-rRNA-Sequenzierung und vergleichen Männer mit unterschiedlicher Spermienqualität oder unterschiedlichem Fruchtbarkeitsstatus.

#### Hou et al. 2013 [s117]

*Originaltitel:* Microbiota of the seminal fluid from healthy and infertile men.

- **Land:** China (Shanghai; laut Affiliation der Autoren im Europe-PMC-Eintrag).
- **Design:** Querschnittsstudie mit Vergleich von Samenspendern und Patienten.
- **Population:** 19 Samenspender und 58 Patienten mit Unfruchtbarkeit (insgesamt 77). Weitere Einschlusskriterien stehen im Abstract nicht.
- **Exposition:** Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft im Samenplasma, Zuordnung zu Gruppen („Cluster") nach Ähnlichkeit.
- **Messung:** Mikroskopie Gram-gefärbter Proben und Klassifikation von 16S-rRNA-Gensequenzen (laut der späteren Studie von Weng: Pyrosequenzierung der Regionen V1 bis V2) [s116, s117].
- **Ergebnisse:** In den meisten Proben beider Gruppen fanden sich viele verschiedene Bakterien. Die Gemeinschaften unterschieden sich zwischen den Personen stark und ließen sich in sechs Gruppen einteilen. Insgesamt gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Spendern und Patienten. Mehrere statistische Tests zeigten aber einen signifikanten negativen Zusammenhang zwischen Spermienqualität und dem Nachweis von Anaerococcus. Viele der im Ejakulat gefundenen Taxa kommen auch in der Scheidenflora mancher Frauen vor, besonders bei bakterieller Vaginose; die Autoren schließen daraus, dass Sexualpartner Bakterien teilen könnten [s117]. Die Studie von Weng gibt für gesunde Männer in Hou et al. als häufigste Gattungen Corynebacterium (14 %), Ralstonia (13 %), Lactobacillus (9 %), Streptococcus (7 %), Finegoldia (7 %) und Anaerococcus (5 %) an [s116].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet.
- **Stärken:** Eine der ersten Sequenzierungsstudien am Ejakulat; direkter Vergleich mit Samenspendern.
- **Schwächen:** Kleine Gruppen, besonders bei den Spendern (n = 19). Aus dem Abstract geht nicht hervor, ob Negativkontrollen mitgeführt wurden. Die Spender sind keine repräsentative „gesunde" Referenz. Von dieser Studie lag nur die Zusammenfassung vor (der Europe-PMC-Volltext war nicht abrufbar).
- **Einordnung:** Die Studie ist der Ursprung der Anaerococcus-Hypothese. Sie fand gerade keinen Gesamtunterschied zwischen Spendern und Patienten, was in späteren Zusammenfassungen oft untergeht. Ein einzelner Taxon-Befund bei vielen getesteten Taxa ist anfällig für Zufallsbefunde.

#### Weng et al. 2014 [s116]

*Originaltitel:* Bacterial communities in semen from men of infertile couples: metagenomic sequencing reveals relationships of seminal microbiota to semen quality.

- **Land:** Taiwan (Mackay Memorial Hospital, Hsinchu).
- **Design:** Querschnittsstudie mit Metagenom-Sequenzierung; Volltext lag vor.
- **Population:** 96 Männer aus Paaren mit männlicher, weiblicher oder ungeklärter Unfruchtbarkeit (primäre Unfruchtbarkeit seit mindestens einem Jahr, keine weiteren erheblichen Gesundheitsprobleme). Alter 26 bis 58 Jahre, Mittelwert 35,75, Median 35. Von den 96 Männern hatten 10 ein auffälliges Volumen, 13 eine Konzentration unter 15 Mio./ml, 12 eine Motilität unter 40 %, 44 eine Morphologie nach Kruger unter 5 %, 10 auffällige Spermienantikörper (IgA über 30 %), 8 einen Anteil atypischer Spermien von mindestens 1 %, und bei 18 wurden Leukozyten gefunden. 36 Proben ohne jeden auffälligen Wert galten als „normal", 33 Proben mit mehr als zwei auffälligen Kriterien als „niedrige Qualität" [s116].
- **Exposition:** Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft; Einteilung in Gemeinschaftstypen durch hierarchisches Clustering.
- **Messung:** Gewinnung durch Masturbation nach 3 bis 5 Tagen Karenz, Transport im ESwab-Röhrchen (Copan), Lagerung bei 4 °C. Sequenzierung der V4-Region des 16S-Gens auf einem MiSeq. Insgesamt 8.337.766 Reads, im Mittel 80.424 Reads je Teilnehmer; je Probe im Mittel 135 Gattungen und 569 Arten. Die Reads wurden gegen eine NCBI-Datenbank bei mindestens 97 % Übereinstimmung zugeordnet. Spermienmerkmale nach WHO-Handbuch, zusätzlich computergestützte Analyse (CASA), Morphologie nach Kruger, Spermienantikörper mit dem SpermMar-Test [s116].
- **Ergebnisse:** Häufigste Gattungen: Lactobacillus 19,9 %, Pseudomonas 9,85 %, Prevotella 8,51 %, Gardnerella 4,21 %. Häufigste Art war Lactobacillus iners (14,09 %). Das Clustering ergab drei Gruppen: G1 mit Pseudomonas-Dominanz (25 Proben), G2 mit Lactobacillus-Dominanz (55 Proben) und G3 mit Prevotella-Dominanz (16 Proben). Normale Proben waren in G1 5 von 25 (20 %), in G2 29 von 55 (52,7 %) und in G3 2 von 16 (12,5 %). 29 der 36 normalen Proben (80,6 %) lagen in G2. Der Fisher-Test ergab für G1 gegen G2 p = 0,00738 und für G3 gegen G2 p = 0,00448; die Wahrscheinlichkeit für niedrige Qualität war in G1 5,2-fach, in G3 8,5-fach höher als in G2. Im Vergleich normal gegen niedrige Qualität waren Lactobacillus (24,7 % gegen 13,8 %), Gardnerella (6,6 % in den normalen Proben), Propionibacterium und Atopobium in den normalen Proben signifikant häufiger, Prevotella (11 % gegen 5,4 %) und Aggregatibacter in den Proben niedriger Qualität. Auf Artebene waren L. crispatus, Gardnerella vaginalis und L. acidophilus in normalen, Prevotella bivia und Haemophilus parainfluenzae in auffälligen Proben häufiger. Die Diversität unterschied sich nicht, die Artenvielfalt war in den auffälligen Proben höher. Pseudomonas war insgesamt in beiden Gruppen gleich häufig (etwa 9 bis 10 %), verschlechterte aber laut Autoren in lactobacillusarmen Proben die Qualität (Fisher p = 0,04). Escherichia coli wurde in 94 von 96 Proben nachgewiesen (im Mittel 1,26 %) und war nicht mit der Spermienqualität verbunden. Ein Entscheidungsbaum aus fünf Gattungen unterschied die drei Gemeinschaftstypen mit Flächen unter der ROC-Kurve von 0,929, 0,953 und 0,947 (fünffache Kreuzvalidierung innerhalb derselben Stichprobe) [s116].
- **Störgrößen:** Keine Adjustierung für Alter, Rauchen, Karenzzeit oder Entzündung; Gruppenvergleiche mit Mann-Whitney-U- und Fisher-Tests, bei den Taxa mit Anteil über 0,25 % mit Korrektur für mehrfaches Testen (FDR unter 0,05).
- **Stärken:** Für damalige Verhältnisse große Probe, einheitliche Probenentnahme, ausführliche Messung (CASA, Antikörper, Leukozyten), Rohdaten veröffentlicht.
- **Schwächen:** Im Methodenteil werden keine Negativkontrollen beschrieben. Die Teilnehmer sind Männer aus Paaren mit Unfruchtbarkeit, nicht gesichert Männer mit männlichem Faktor; Fruchtbarkeitsstatus und Schwangerschaft sind nach Angabe der Autoren nicht bekannt. Die Kategorie „niedrige Qualität" beruht auf der Zahl auffälliger Merkmale, nicht auf klinischem Ergebnis. 27 Proben mit ein bis zwei auffälligen Werten gingen in den Vergleich nicht ein (rechnerisch 96 − 36 − 33). Der Klassifikator wurde nur intern validiert.
- **Einordnung:** Die Studie begründete das Bild der drei Gemeinschaftstypen (Lactobacillus, Prevotella, Pseudomonas), das Baud 2019 teilweise bestätigte [s101]. Auffällig ist, dass Gardnerella hier mit besserer Qualität einherging, obwohl die Gattung bei bakterieller Vaginose der Frau als ungünstig gilt; die Autoren deuten das als Begleiteffekt der Lactobacillus-Gemeinschaft [s116]. 23,6 % der auffälligen Proben lagen in der lactobacillusdominierten Gruppe, was zeigt, dass der Gemeinschaftstyp die Spermienqualität nicht erklärt.

#### Baud et al. 2019 [s101]

*Originaltitel:* Sperm Microbiota and Its Impact on Semen Parameters.

- **Land:** Schweiz (Universitätsspital Lausanne, Abteilung für Fertilitätsmedizin).
- **Design:** Vergleichende Querschnittsstudie; Volltext lag vor.
- **Population:** 94 Männer aus Paaren mit Kinderwunsch, rekrutiert von Oktober 2014 bis Juli 2016. 26 mit normalem Spermiogramm, 68 mit mindestens einem auffälligen Parameter. Die Männer waren gesund, ohne laufende urogenitale Beschwerden oder sexuell übertragbare Infektionen, und nahmen keine Antibiotika. Alter (Median) 35,0 Jahre in der Normalgruppe und 36,3 Jahre in der Gruppe mit Auffälligkeiten; Raucheranteil 22 % gegen 11 %; Dauer der Kinderlosigkeit 1,0 gegen 2,0 Jahre. In der auffälligen Gruppe lag bei 63 Männern die Morphologie, bei 40 die progressive Motilität, bei 34 die Konzentration, bei 30 die Gesamtzahl und bei 28 die Gesamtmotilität unter den WHO-Grenzwerten [s101].
- **Exposition:** Zusammensetzung und Menge der Bakterien im Ejakulat.
- **Messung:** Gewinnung durch Masturbation nach 2 bis 5 Tagen Karenz; CASA für Konzentration und Beweglichkeit, Papanicolaou-Färbung für die Morphologie. DNA-Extraktion aus dem gesamten Ejakulat mit zwei Extraktions-Negativkontrollen. 16S-Sequenzierung der Region V1 bis V2 auf einem MiSeq (2 × 250). Von 6.540.482 Reads passten 78,56 % zur Referenzdatenbank; Proben mit weniger als 10.000 Reads (auch die Negativkontrollen) wurden ausgeschlossen, die übrigen auf 10.000 Reads normalisiert. Bakterienlast mit panbakterieller quantitativer PCR. Einteilung in Profile mit dem PAM-Algorithmus, Gruppenvergleich mit ANOSIM (Bray-Curtis-Distanz) und LEfSe [s101].
- **Ergebnisse:** Die meisten Proben enthielten 10⁴ bis 10⁵ 16S-Kopien pro ml. Es ergaben sich drei Profile: Prevotella-angereichert (Median 17 % Prevotella), Lactobacillus-angereichert (Median 37 %) und polymikrobiell; das polymikrobielle Profil hatte die höchste Artenzahl und Diversität. Die Prevotella-Proben hatten die höchste Bakterienlast (p < 0,05 gegen Profil 2, p < 0,001 gegen Profil 3). Das Netzwerk aus 21 Gattungen mit 26 Verbindungen bildete drei Module: Modul 1 aus strikten Anaerobiern (Prevotella, Finegoldia, Campylobacter, Actinomyces, Fusobacterium, Dialister, Peptoniphilus), Modul 2 aus fakultativen Anaerobiern (Lactobacillus, Gardnerella, Ureaplasma), Modul 3 aus Hautkeimen und gemischten Gattungen (Staphylococcus, Corynebacterium, Propionibacterium, Planococcaceae, Delftia). Die Gesamtzusammensetzung (Beta-Diversität) hing nicht mit den Spermiogrammwerten zusammen: ANOSIM-R für das Spermiogramm 0,012 (p = 0,359), Gesamtzahl −0,057 (p = 0,967), Konzentration −0,057 (p = 0,916), progressive Motilität −0,061 (p = 0,962), Gesamtmotilität −0,038 (p = 0,841), Morphologie 0,027 (p = 0,161). Auch die Alpha-Diversität unterschied sich nicht, mit einer kleinen Ausnahme beim Chao1-Index für die Gesamtmotilität (p = 0,021). Die LEfSe-Analyse fand drei Gattungen: Prevotella bei auffälligem Spermiogramm und bei verminderter Gesamtmotilität, Staphylococcus in den jeweiligen Kontrollgruppen, Lactobacillus bei normaler Morphologie (jeweils p < 0,05) [s101].
- **Störgrößen:** Keine multivariable Adjustierung berichtet. Der Raucheranteil war in der Normalgruppe doppelt so hoch wie in der auffälligen Gruppe. Die Gruppen waren ungleich groß (26 gegen 68).
- **Stärken:** Negativkontrollen, qPCR zur absoluten Bakterienlast, Netzwerk- und Diversitätsanalyse zusätzlich zur Taxonanalyse, öffentliche Rohdaten, überwiegend europäische Teilnehmer.
- **Schwächen:** Kleine Normalgruppe; die Teilnehmer sind Männer aus Kinderwunschpaaren (die „Normalgruppe" ist nicht „nachgewiesen fruchtbar"); drei Taxa bei einer Vielzahl von Vergleichen; keine Daten zum Schwangerschaftsausgang; einmalige Probe.
- **Einordnung:** Die Studie zeigt, dass Einzelgattungen auffällig sein können, während die Gesamtgemeinschaft sich nicht unterscheidet. Die Autoren folgern, dass der gesamte Bakteriengehalt des Ejakulats für männliche Unfruchtbarkeit keine große Rolle spielen dürfte. Die Prevotella-Gemeinschaft ähnelt der Gemeinschaft bei bakterieller Vaginose der Frau, was die Autoren mit Austausch beim Geschlechtsverkehr verbinden [s101]. Dieselbe Gruppe veröffentlichte später weitere Studien [s047, s035].

#### Yang et al. 2020 [s099]

*Originaltitel:* Potential Pathogenic Bacteria in Seminal Microbiota of Patients with Different Types of Dysspermatism.

- **Land:** China (Mutter-Kind-Gesundheitszentrum der Provinz Shandong, Jinan).
- **Design:** Querschnittsstudie mit Vergleich von Patienten und gesunden Kontrollen; Volltext lag vor.
- **Population:** 159 Teilnehmer: 22 mit Oligoasthenospermie, 58 mit Asthenospermie, 8 mit Azoospermie, 13 mit Oligospermie und 58 „gesunde" Kontrollen. Alter etwa 31,65 ± 6,01 Jahre ohne Gruppenunterschied. Ausschlusskriterien: Antibiotika in den letzten drei Monaten, bekannte Erbkrankheit bei Teilnehmer oder Familie, sexuell übertragbare Infektion in der Vorgeschichte, Kortikoid-Einnahme [s099].
- **Exposition:** Zusammensetzung des Samenmikrobioms je Spermienbefund.
- **Messung:** Gewinnung durch Masturbation nach 3 bis 7 Tagen Karenz mit strenger Reinigung (Händewaschen, Reinigung des Penis mit Seifenwasser und 75-%-Alkohol), direkte Abgabe in ein steriles Glasgefäß, Einfrieren bei −80 °C innerhalb von 2 Stunden. DNA-Extraktion mit CTAB, 16S-Sequenzierung der Regionen V1 bis V2 (HiSeq 2500), Auswertung mit QIIME 1.9.1. Es entstanden 3.871.353 Sequenzen hoher Qualität (im Mittel 24.348 je Probe) und 1.065 Taxa bei 97 % Ähnlichkeit. Zusätzlich vorhergesagte Stoffwechselwege (PICRUSt) [s099].
- **Ergebnisse:** Fünf Stämme dominierten (Proteobacteria, Firmicutes, Actinobacteria, Bacteroidetes, Fusobacteria). Die Alpha-Diversität (ACE, Shannon) unterschied sich nicht (P > 0,05), die Beta-Diversität zwischen Patienten insgesamt und Kontrollen schon (gewichtete UniFrac r = 0,598, P = 0,001). 110 Taxa unterschieden sich. Bei den einzelnen Gruppen waren Asthenospermie (gewichtet r = 0,294, P = 0,0001) und Oligoasthenospermie (r = 0,270, P = 0,001) von den Kontrollen verschieden; Oligospermie (P = 0,044 gewichtet, 0,110 ungewichtet) und Azoospermie (P = 0,073 und 0,096) nicht eindeutig. Bei Asthenospermie waren Sneathia, Ralstonia, Ureaplasma, Bacteroides, Anaerococcus, Finegoldia, Corynebacterium und Lactobacillus (auf Artebene L. iners) sowie Acinetobacter lwoffii vermehrt, Pelomonas, Propionibacterium und Bosea vermindert. Flächen unter der ROC-Kurve für einzelne Taxa bei Asthenospermie: Lactobacillus 0,841 (95-%-KI 76,2 bis 92,0 %), Pelomonas 0,683, Propionibacterium 0,650, Propionibacterium acnes 0,647. Bei Oligoasthenospermie: Lactobacillus 0,773 (66,2 bis 88,4 %), Prevotella copri 0,763, Propionibacterium 0,727, Propionibacterium acnes 0,724, Acinetobacter 0,679, Pelomonas 0,662. Die Autoren prüften Alter und pH als Störgrößen für die ausgewählten Marker und fanden keinen Einfluss [s099].
- **Störgrößen:** Alter und pH des Samenplasmas wurden für die Biomarker geprüft; Rauchen, Entzündung oder Karenzzeit sind im Text nicht berichtet.
- **Stärken:** Eine der größeren frühen Stichproben, strenge Entnahmehygiene, Altersangleichung der Gruppen, öffentliche Rohdaten.
- **Schwächen:** Keine Negativkontrollen im Methodenteil beschrieben; die Definitionen im Methodenteil scheinen vertauscht („Asthenospermie" über die Gesamtzahl, „Oligospermie" über die Motilität), während die Tabelle mit der üblichen Bedeutung übereinstimmt; Azoospermie nur 8 Fälle; AUC-Werte ohne externe Validierung und aus denselben Daten gewonnen; Stoffwechselwege nur vorhergesagt. Kultivierungsversuche blieben wegen geringer Keimzahl ohne Keimnachweis.
- **Einordnung:** Gerade Lactobacillus war hier bei Asthenospermie und Oligoasthenospermie vermehrt, also entgegengesetzt zu Weng und zum Bild der Übersichtsarbeiten. Die Autoren spekulieren über Milchsäure und einen veränderten pH, ohne das zu belegen [s099]. Die Studie steht damit für die Richtungsunsicherheit der Gattung Lactobacillus, ein Thema, das auch bei Osadchiy [s056] auftaucht.

#### Yao et al. 2022 [s084]

*Originaltitel:* Semen microbiota in normal and leukocytospermic males.

- **Land:** China (Dritte Xiangya-Klinik und Xiangya-Krankenhaus der Central South University, Changsha).
- **Design:** Zweiteilige Studie mit Volltext: eine retrospektive Auswertung von Krankenakten (Dezember 2018 bis Dezember 2020) und eine Querschnittsstudie mit Sequenzierung an 87 Proben.
- **Population:** Retrospektiver Teil: 1.161 Männer aus Eheschließungs-Untersuchungen oder wegen vorzeitigem Samenerguss und Unfruchtbarkeit; Männer mit Azoospermie oder Oligozoospermie (Konzentration unter 15 Mio./ml) wurden ausgeschlossen, ebenso Männer mit chronischen Krankheiten. 460 Proben hatten normale, 701 erhöhte Leukozytenzahl (Leukozytospermie: mehr als 1 × 10⁶/ml). Sequenzierungsteil: 87 Männer in vier Gruppen: Kontrolle (n = 20; normale Spermien, normale Leukozyten), Asthenozoospermie ohne Leukozytospermie (Ast, n = 13), Leukozytospermie bei normalen Spermien (Leu, n = 22) und Asthenozoospermie mit Leukozytospermie (LA, n = 32). Ausschluss bei systemischen Krankheiten, Tumoren, Fieber oder Infektion in den letzten zwei Monaten, genetischen oder Immunerkrankungen sowie Antibiotika, Immunsuppressiva oder Kortikoiden in den letzten zwei Monaten [s084].
- **Exposition:** Leukozytospermie, Asthenozoospermie und deren Kombination.
- **Messung:** Gewinnung durch Masturbation nach 3 bis 7 Tagen Karenz, Händewaschen und zweimaliges Waschen des Penis mit Seife, sterile Abgabe, Lagerung bei −80 °C. Leukozyten mit der Peroxidase-Färbung, Akrosin per ELISA. Sequenzierung der Regionen V3 bis V4 des 16S-Gens (MiSeq), Zuordnung gegen die Silva-Datenbank 138, durchgeführt durch ein kommerzielles Labor in Shanghai [s084].
- **Ergebnisse:** Im retrospektiven Teil hatten 63,6 % der Männer mit Leukozytospermie eine Asthenozoospermie gegenüber 33,9 % bei normaler Leukozytenzahl. Bei Leukozytospermie waren Konzentration, progressive Motilität, Gesamtmotilität und Akrosin-Aktivität niedriger (jeweils p < 0,001); im Median lag die Konzentration in der Kontrollgruppe bei 195,6 Mio./ml und in der Leu-Gruppe bei 177,4 Mio./ml, die progressive Motilität bei 44,0 % gegen 39,6 %, in der Ast-Gruppe bei 106,7 Mio./ml und 24,6 % und in der LA-Gruppe bei 96,4 Mio./ml und 22,7 %. Beim Sequenzierungsteil ergaben 3.945.550 Sequenzen hoher Qualität 15.937 OTUs. Die Alpha-Diversität (Shannon-Index) war in der Leu-Gruppe gegenüber der Kontrolle erhöht (p < 0,05), ähnlich in LA gegenüber Ast. Bacteroidetes machten in der Kontrollgruppe 3,9 %, in der Leu-Gruppe 9,4 % aus (p < 0,05). Die Beta-Diversität trennte die vier Gruppen nicht. Es ergaben sich zwei Gemeinschaftstypen: Lactobacillus-angereichert und Streptococcus-angereichert. Zur Lactobacillus-Gruppe gehörten 60,0 % der Kontrollen, 53,9 % der Ast-, 45,5 % der Leu- und 50,0 % der LA-Männer; zusammengefasst 57,6 % ohne gegen 48,1 % mit Leukozytospermie. Auf Gattungsebene gab es zwischen den Gruppen keinen Unterschied [s084].
- **Störgrößen:** Alter, Blutleukozyten, Hämoglobin, Thrombozyten und Raucheranteil unterschieden sich zwischen den vier Gruppen nicht (Rauchen 25,0 bis 30,7 %). Im retrospektiven Teil war das Alter ähnlich (Median 30,0 bis 30,6 Jahre).
- **Stärken:** Sehr große Aktenauswertung für den Zusammenhang Leukozytospermie und Spermienqualität; klar definierte Vier-Gruppen-Struktur, die Leukozytospermie und Asthenozoospermie getrennt betrachtet; Ausschluss von Antibiotika und Infektionen.
- **Schwächen:** Die Sequenzierung stützt sich auf nur 87 Proben, in der Ast-Gruppe auf 13. Im Methodenteil werden keine Negativkontrollen für die Sequenzierung beschrieben. Der Unterschied der Gemeinschaftstypen ist klein (57,6 % gegen 48,1 %) und wird ohne Signifikanzangabe berichtet; die Autoren nennen den Zusammenhang selbst „schwach". Die Gruppen unterscheiden sich im Alter nominell (Median 29,0 Jahre in der Kontrolle, 32,4 in LA); eine Adjustierung ist nicht beschrieben. 
- **Einordnung:** Die Studie verknüpft die klinische Entzündungsmarke Leukozytospermie mit einer anderen Bakteriengemeinschaft (mehr Streptococcus, weniger Lactobacillus) und höherer Diversität. Sie sagt nicht, ob Bakterien die Leukozyten anlocken oder ob Entzündung die Gemeinschaft verändert [s084]. Das Ergebnis passt zur Beobachtung bei Prostatitis in der Tartu-Studie [s110] und steht im Kontrast zu Yang, wo Lactobacillus bei Asthenospermie häufiger war [s099].

#### Osadchiy et al. 2024 [s056]

*Originaltitel:* Semen microbiota are dramatically altered in men with abnormal sperm parameters.

- **Land:** USA (Abteilung für Andrologie, Universität von Kalifornien, Los Angeles).
- **Design:** Querschnittsstudie, explorativ; Volltext lag vor.
- **Population:** 73 Männer (Rekrutierung August 2021 bis Juni 2022), die entweder zur ersten Kinderwunschabklärung (primäre und sekundäre Unfruchtbarkeit) oder zur Vasektomieberatung mit nachgewiesener biologischer Vaterschaft kamen. Alter im Mittel 37,94 ± 5,62 Jahre, BMI 26,73 ± 6,15, 78 % beschnitten. Gruppe 1: normale Konzentration und Motilität (n = 42) gegen mindestens eine Auffälligkeit (n = 31; davon 11 normozoosperm, 12 oligozoosperm, 8 azoosperm); Gruppe 2: normale gegen auffällige Motilität (n = 46 gegen 27); Gruppe 3: normale gegen auffällige Konzentration (n = 53 gegen 20). In der Gruppe mit auffälligem Spermiogramm kamen 90 % (28 von 31) aus der Kinderwunschambulanz, in der Normalgruppe 40 % (17 von 42; p < 0,001) [s056].
- **Exposition:** Zusammensetzung des Samenmikrobioms je Spermiogrammbefund.
- **Messung:** Karenz 2 bis 7 Tage; Spermiogramm nach WHO (5. Auflage) mit automatisiertem Analysegerät. 16S-Sequenzierung (V1 bis V2, MiSeq) durch ein kommerzielles Labor, Lagerung bei −80 °C. Positivkontrollen, Extraktions-Negativkontrollen und Leerkontrollen wurden mitgeführt; die als Kontaminanten verdächtigten Gattungen Ralstonia, Pelomonas und Marinobacter und alle Sequenzvarianten unter 0,001 % der Reads wurden entfernt. Mediane Sequenziertiefe 2.080 klassifizierte Reads je Probe (Quartile 1.144 und 5.531). Auswertung mit ANCOM-BC (nur Taxa in mehr als 20 % der Proben) und kanonischer Korrelationsanalyse [s056].
- **Ergebnisse:** Alpha- und Beta-Diversität unterschieden sich in keinem Vergleich (p > 0,10). Die fünf häufigsten Arten waren in allen Gruppen Enterococcus faecalis, Corynebacterium tuberculostearicum, Lactobacillus iners, Staphylococcus epidermidis und Finegoldia magna. Bei auffälliger Motilität (n = 27) war Lactobacillus iners häufiger als bei normaler Motilität (n = 46): mittlerer Anteil 9,4 % gegen 2,6 % (p = 0,046); in der kanonischen Korrelation r = 0,392 (p = 0,011). Bei auffälliger Konzentration (n = 20) waren Pseudomonas stutzeri (2,1 % gegen 1,0 %; p = 0,024) und Pseudomonas fluorescens (0,9 % gegen 0,7 %; p = 0,010) häufiger, Pseudomonas putida seltener (0,5 % gegen 0,8 %; p = 0,020) als bei normaler Konzentration (n = 53). In Gruppe 1 fanden sich Peptoniphilus coxii (p = 0,0469, bei Normalbefund seltener) und Staphylococcus hominis (p = 0,00335, bei Normalbefund häufiger) [s056].
- **Störgrößen:** Alter, BMI, Beschneidung, Rauchen und Alkohol unterschieden sich zwischen den Vergleichsgruppen nicht. Nicht erhoben: Antibiotika und Harnwegsinfektionen, Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs, Kondomgebrauch. Die Aktivität der Vasektomie-Männer wurde nicht erfasst.
- **Stärken:** Negativ- und Positivkontrollen, Entfernung verdächtiger Kontaminanten, Artauflösung, kanonische Korrelation zusätzlich zum Gruppenvergleich, öffentliche Rohdaten.
- **Schwächen:** Die Autoren verzichteten ausdrücklich auf eine Korrektur für mehrfaches Testen und benutzten „weniger strenge Parameter", um mögliche Marker zu finden; die meisten p-Werte liegen zwischen 0,01 und 0,047. Die Sequenziertiefe ist gering. Die Gruppen sind nach Rekrutierungsweg verzerrt (90 % gegen 40 % aus der Kinderwunschambulanz). Männer mit Vasektomiewunsch haben ihre Vaterschaft möglicherweise vor Jahren erreicht, ihre aktuelle Fruchtbarkeit ist nicht gesichert. Ein einzelnes Zentrum mit wohlhabender Population; eine Probe je Mann; keine DNA-Fragmentierung oder Oxidationsmarker. Ein Autor berät mehrere Pharmaunternehmen (Interessenerklärung).
- **Einordnung:** Die Studie ist eine Quelle für die These, dass Lactobacillus iners anders wirken könnte als andere Lactobacillus-Arten; sie ist nach Angabe der Autoren der erste Bericht über einen negativen Zusammenhang dieser Art mit männlicher Fruchtbarkeit [s056]. Die Deutung über die L-Milchsäure und Entzündung ist eine Hypothese aus der Literatur zur Scheidenflora. Die Pseudomonas-Befunde zeigen, dass Arten derselben Gattung in verschiedene Richtungen weisen.

#### Mowla et al. 2025 [s043]

*Originaltitel:* Characterisation and comparison of semen microbiota and bacterial load in men with infertility, recurrent miscarriage, or proven fertility.

- **Land:** Großbritannien (Imperial College London, Kliniken in London).
- **Design:** Prospektive Querschnittsstudie mit Fall-Kontroll-Struktur (im Methodenanhang als „Fall-Kontroll-Studie" bezeichnet); Rekrutierung Januar 2019 bis März 2020; Volltext lag vor.
- **Population:** 223 Männer: 63 Kontrollen mit nachgewiesener Vaterschaft (Rekrutierung über Aushänge), 46 Partner von Frauen mit wiederholten Fehlgeburten (mindestens zwei aufeinanderfolgende), 58 Männer mit männlichem Faktor und 56 Partner von Paaren mit ungeklärter Unfruchtbarkeit. Alter im Mittel 38,1 ± 6 Jahre (Kontrollen 40,1 ± 8, Patienten 37 ± 4,8). Einschluss 18 bis 60 Jahre, BMI unter 35. Ausschluss: bestätigte weibliche Ursache der Fehlgeburten, aktuelle Symptome einer Harnwegsinfektion, Alkoholexzess, Hormontherapie, Rauchen in den letzten sechs Monaten, Behandlung schwerer Systemerkrankungen. 183 von 223 Proben hatten einen TUNEL-Test, 40 einen Comet-Test [s043].
- **Exposition:** Zusammensetzung und Menge der Bakterien im Ejakulat.
- **Messung:** Masturbation nach 3 bis 7 Tagen Karenz nach Reinigung des Penis mit einem sterilen Tuch; Spermiogramm nach WHO 2010; reaktive Sauerstoffspezies (ROS) mit Luminol-Chemilumineszenz (Obergrenze 3,77 RLU/s je 10⁶ Spermien); DNA-Fragmentierung mit TUNEL (erhöht ab über 20 %) oder Comet (über 27 %); Bakterienlast mit quantitativer PCR; 16S-Sequenzierung (V1 bis V2, MiSeq, DADA2, Silva 138.1). Drei Negativkontrollen (Leerabstriche); die Software „decontam" entfernte 94 Sequenzvarianten als Kontaminanten. Danach blieben 7.998.565 Sequenzen hoher Qualität. Clustering nach dem Silhouetten-Verfahren, lineare Modelle mit Korrektur für mehrfaches Testen nach Benjamini-Hochberg [s043].
- **Ergebnisse:** Hohe DNA-Fragmentierung (85 % der Fälle mit hoher Fragmentierung stammten aus der Studiengruppe; 70 von 82 gegenüber 12 von 82 Kontrollen; p = 0,0002), erhöhte ROS (28 von 33; p = 0,02) und Oligozoospermie (36 von 41; p = 0,01) waren in der Studiengruppe häufiger als bei den Kontrollen; auffällige Konzentration, Motilität und ROS waren in der Gruppe mit männlichem Faktor am häufigsten. Die Mikrobiota bildeten in allen Gruppen drei gattungsbestimmte Cluster: Cluster 1 Streptococcus (mittlerer Anteil 23,8 %), Cluster 2 Prevotella (24,4 %), Cluster 3 Lactobacillus und Gardnerella (35,9 % und 35,6 %). Die Cluster hatten rechnerisch etwa 113, 83 und 27 Mitglieder (aus der Anhangstabelle summiert). Cluster 2 hatte die höchste Artenzahl, Alpha-Diversität (p < 0,001) und Bakterienlast (p < 0,0001); Cluster 2 und 3 hatten höhere Last als Cluster 1. Auf Artebene ließen sich keine belastbaren Cluster bilden. Weder Artenzahl, Diversität und Bakterienlast (p = 0,30; 0,49; 0,22) noch die Häufigkeit einzelner Taxa unterschieden die vier Patientengruppen. Die Gesamtzusammensetzung und die Last hingen nicht mit Spermiogramm, ROS oder DNA-Fragmentierung zusammen. Chlamydia, Ureaplasma, Neisseria, Mycoplasma und Escherichia kamen vor, erreichten aber nicht die Mindesthäufigkeit von 25 % der Proben für die Regressionsmodelle. Mehrere Taxa zeigten Zusammenhänge mit p < 0,05, die nach der Korrektur für mehrfaches Testen nicht bestanden: DNA-Fragmentierung positiv mit Porphyromonas und Varibaculum, negativ mit Cutibacterium und Finegoldia (alle q = 0,27); ROS positiv mit Lactobacillus (t = 2,18; p = 0,02; q = 0,66; getrieben von L. iners). Nur Flavobacterium bestand die Korrektur: positiv mit auffälliger Samenqualität (t = 3,39; p = 0,0008; q = 0,02) und auffälliger Morphologie (t = 3,64; p = 0,0003; q = 0,01). Die Gattung war in 36,28 % der Proben vorhanden, mit einem mittleren Anteil von 1,15 % in diesen Proben [s043].
- **Störgrößen:** Die Gruppen waren im Alter nicht ganz gleich (Kontrollen im Mittel 40,1 Jahre, Patienten 37); die ethnische Zusammensetzung unterschied sich nicht (p = 0,38). Rauchstatus lag für die Analysen nicht als Kovariate vor, wurde aber über das Ausschlusskriterium (Rauchen in den letzten sechs Monaten) begrenzt.
- **Stärken:** Nach Angabe der Autoren die bis dahin größte Studie zum Thema, drei Patientengruppen plus Kontrolle, zusätzliche funktionelle Marker (ROS, DNA-Fragmentierung), Negativkontrollen mit rechnerischer Kontaminantenentfernung, Bakterienlast absolut gemessen, objektive Wahl der Clusterzahl, Korrektur für mehrfaches Testen.
- **Schwächen:** Ein einzelner Standort mit begrenzter ethnischer Vielfalt. Keine Proben der Partnerinnen und keine gepaarten Urinproben. Die Kontrollen wurden über Aushänge rekrutiert und sind im Mittel älter als die Patienten. Zwei verschiedene DNA-Fragmentierungstests (TUNEL, Comet) mit unterschiedlichen Grenzwerten. Der Befund zu Flavobacterium ist biologisch schwer zu deuten: Die Gattung kommt vor allem in Umwelt und Wasser vor, Infektionen des Menschen sind selten, und die Autoren erwähnen frühere Funde von Flavobacterium in Kontaminationsstudien; sie ist in einer anderen Studie mit besserer Motilität und weniger DNA-Fragmentierung verbunden [s043, s077]. Im Text steht für UI einmal n = 26 (statt 56), und die Diskussion beschreibt den Lactobacillus-ROS-Zusammenhang umgekehrt (weniger erhöhte ROS) wie die Ergebnistabelle (positiver Zusammenhang). Die Studie wurde mit Mitteln eines Pharmaunternehmens (LogixX Pharma) und weiteren Stiftungen gefördert.
- **Einordnung:** Die Studie ist eine der methodisch strengsten und zugleich eine der negativsten: Die Gesamtbakteriengemeinschaft unterscheidet fruchtbare und unfruchtbare Männer nicht, und die Artebene deutet eher auf vorübergehende Besiedlung hin. Die Autoren verweisen darauf, dass frühere Studien oft keine Korrektur für mehrfaches Testen vornahmen und deshalb Zufallsbefunde berichtet haben könnten [s043].

#### Cannarella et al. 2026 [s005]

*Originaltitel:* Relationship Between Seminal Microbiota and Sperm Parameters in Humans: A Prospective Cross-Sectional Study.

- **Land:** Italien (Universität Catania).
- **Design:** Prospektive Querschnittsstudie. Es lag nur die Zusammenfassung vor; der Volltext war nicht abrufbar.
- **Population:** 100 eugonadale erwachsene Männer, die in einer universitären Abteilung für Endokrinologie und Andrologie untersucht wurden. Weitere Einschlusskriterien und Alter sind im Abstract nicht genannt.
- **Exposition:** Konzentration von Laktobazillen sowie anaeroben und fakultativen Bakterien im Ejakulat.
- **Messung:** Seminale Konzentrationen der genannten Bakteriengruppen, im Serum LH, FSH und Testosteron, konventionelle Spermienparameter und Leukozyten im Ejakulat. Die Methode der Bakterienmessung beschreibt der Abstract nicht. Regressionsmodelle und Schwellenwerte für Konzentration über 16 Mio./ml und progressive Motilität über 30 %.
- **Ergebnisse:** Die Laktobazillenkonzentration korrelierte positiv mit der Spermienkonzentration (r = 0,42; p < 0,001). Die Leukozytenkonzentration und der Anteil unreifer Keimzellen (Spermatiden) korrelierten negativ (r = −0,35; p = 0,002 und r = −0,37; p < 0,001; die Bezugsgröße nennt der Abstract nicht ausdrücklich, dem Satzbau nach ist es die Laktobazillenkonzentration). Anaerobe und fakultative Bakterien korrelierten negativ mit der progressiven Motilität (r = −0,77; p < 0,001) und positiv mit dem Spermatidenanteil (r = 0,72; p < 0,001). Das Verhältnis von Laktobazillen zu Gesamtbakterien korrelierte negativ mit der Leukozytenkonzentration (r = −0,96; p < 0,001) und dem Spermatidenanteil (r = −0,89; p < 0,001) sowie positiv mit der progressiven Motilität (r = 0,95; p < 0,001). Alle Korrelationen blieben laut Abstract nach Adjustierung signifikant; die Adjustierungsvariablen nennt der Abstract nicht. Die Konzentrationen und das Verhältnis seien starke Prädiktoren für Konzentration und Motilität mit hoher Sensitivität und Spezifität (Zahlen nicht im Abstract) [s005].
- **Störgrößen:** Laut Abstract adjustiert, Variablen unbekannt.
- **Stärken:** Prospektives Design, Auswertung von Hormonen und Entzündungsmarkern (Leukozyten) zusätzlich zu den Spermienparametern, Schwellenwert-Analyse mit klinisch nahen Zielgrößen.
- **Schwächen:** Nur Abstract geprüft. Die Korrelationen von −0,96 und 0,95 sind für biologische Messgrößen ungewöhnlich hoch und sollten durch unabhängige Replikation bestätigt werden (so auch im Recherchedokument de). Es bleibt offen, ob die Bakterienmessung kulturbasiert oder molekular war und ob die Verhältniszahl und die Einzelmessungen voneinander unabhängige Informationen liefern. Die Gruppe besteht aus Männern einer Andrologie-Ambulanz, nicht aus der Allgemeinbevölkerung. Keine Aussage zu Schwangerschaften.
- **Einordnung:** Die Studie stützt die Lactobacillus-These mit sehr starken Korrelationen, ist aber ohne Volltext nicht zu bewerten. Im Vergleich zu Mowla [s043] und Osadchiy [s056], die keine oder gegenläufige Lactobacillus-Zusammenhänge fanden, weicht sie deutlich ab.

#### Vougiouklaki et al. 2026 [s026]

*Originaltitel:* Decoding the seminal microbial fingerprint and semen quality: insights from the first Greek pilot study.

- **Land:** Griechenland (Universität West-Attika, Athen; 3. Urologische Klinik des Universitätsklinikums Attikon, Chaidari).
- **Design:** Querschnittsstudie, ausdrücklich als Pilotstudie bezeichnet; Volltext lag vor.
- **Population:** 80 Männer griechischer Herkunft, im Mittel 32,0 ± 1,66 Jahre (Spanne 27 bis 42). Normozoospermie-Gruppe (n = 48): 30 Männer mit nachgewiesener Vaterschaft und 18 Männer ohne Unfruchtbarkeit in der Vorgeschichte. Auffällige Gruppe (n = 32): 10 Männer mit Asthenozoospermie und 22 mit Oligoasthenozoospermie, die nach mindestens zwölf Monaten ungeschütztem Verkehr keine Schwangerschaft erreicht hatten. Ausschluss bei Antibiotika in den letzten drei Monaten, Hinweis auf Infektion der Geschlechtsdrüsen (Samenkultur negativ verlangt) und sexuell übertragbaren Infektionen (Syphilis, HIV, Hepatitis B und C) [s026].
- **Exposition:** Zusammensetzung der Bakterien- und Pilzgemeinschaft im Ejakulat je Spermiogrammbefund.
- **Messung:** Karenz 4 Tage, Masturbation, sterile Gefäße; Spermiogramm nach WHO-Handbuch (6. Auflage 2021) mit einem Schnellanalysegerät, Vitalität, pH. Ganzlängen-16S-Sequenzierung (V1 bis V9) und ITS-Sequenzierung für Pilze auf einem Nanopore-MinION. Pro Probe 50.000 Reads für die Hauptanalyse. Als Kontrollen wurden drei Pilzisolate als Positivkontrollen mitgeführt; Negativkontrollen für die Bakterienanalyse werden im Methodenteil nicht beschrieben [s026].
- **Ergebnisse:** Die Gruppen unterschieden sich bei Konzentration (27,5 ± 3,0 gegen 12,5 ± 2,8 Mio./ml), Gesamtmotilität (52,0 ± 3,5 gegen 30,0 ± 4,0 %), progressiver Motilität (38,0 ± 3,0 gegen 20,5 ± 3,5 %), Vitalität (65,0 ± 2,5 gegen 50,0 ± 3,0 %) und normaler Morphologie (15,5 ± 1,0 gegen 9,0 ± 2,5 %; jeweils p < 0,001); Volumen und pH unterschieden sich nicht. Bei den Normalbefunden machten Bacillota 64,13 % aus (Actinomycetota 14,61 %, Pseudomonadota 12,95 %, Bacteroidota 5,77 %), bei den auffälligen Proben nur 2,32 %; dort dominierte der Stamm Campylobacteriota. Auf Gattungsebene herrschten bei den Normalbefunden Enterococcus, Cutibacterium, Streptococcus, Finegoldia und Staphylococcus vor, bei den auffälligen Proben Campylobacter, Stenotrophomonas, Agrobacterium, Dialister und Lactococcus. Auf Artebene dominierte bei den Normalbefunden Enterococcus faecalis (41,3 %), bei den auffälligen Proben Campylobacter ureolyticus (49,6 %). In keiner Probe wurde Pilz-DNA nachgewiesen, während alle Pilzkontrollen amplifizierten [s026].
- **Störgrößen:** Rauchen, systemische Entzündung, Prostatitis, Antimykotika und kürzliche fieberhafte Erkrankungen wurden nach Angabe der Autoren nicht systematisch erfasst; Alter und BMI unterschieden sich nicht signifikant.
- **Stärken:** Nach dem Titel die erste griechische Studie, Langlesesequenzierung mit voller 16S-Länge (bessere Artauflösung), zusätzliche Pilzanalyse mit Positivkontrollen, ethnisch einheitliche Gruppe, Ausschluss von Infektionen.
- **Schwächen:** Für die Zusammensetzungsunterschiede werden im Ergebnisteil keine statistischen Tests berichtet; die Schlussfolgerung „signifikante Unterschiede" stützt sich nur auf beschreibende Prozentzahlen. Die Zahlen sind im Text widersprüchlich: Der Abstract nennt für Campylobacteriota in den auffälligen Proben 10,82 %, der Ergebnisteil 48,71 %. Die Beschreibungstexte der Abbildungen, die nach Angabe der Zeitschrift KI-gestützt erstellt wurden, nennen für Enterococcus faecalis in den auffälligen Proben 49,61 % statt der im Text genannten Campylobacter-ureolyticus-Dominanz, und die Gattungsabbildung nennt Cutibacterium mit 20,7 %, obwohl der Stamm Actinomycetota auf Phylumebene nur 0,36 % ausmacht. Die Standardabweichungen (zum Beispiel Alter 32,0 ± 1,66 bei einer Spanne von 27 bis 42 Jahren) sind rechnerisch schwer mit der Spanne vereinbar. Keine Diversitätsanalyse. Eine Probe je Mann; kleine Gruppe; Asthenozoospermie (n = 10) und Oligoasthenozoospermie (n = 22) wurden zusammengefasst. Die Förderung stammt aus einem europäischen Masterprogramm (Erasmus+).
- **Einordnung:** Die Studie weicht von den Studien ab, in denen Lactobacillus, Prevotella oder Streptococcus die Gemeinschaften prägen [s101, s043]: Hier dominieren Enterococcus (normal) und Campylobacter (auffällig). Die Dominanz einer einzigen Art (49,6 %) in der auffälligen Gruppe ist ungewöhnlich und könnte auch auf wenige Proben mit sehr hohem Anteil, technische Effekte oder Kontamination zurückgehen; das lässt sich aus dem Bericht nicht klären. Der fehlende Pilznachweis ist ein eigenständiger Befund, bei dem die Autoren selbst formulieren, Pilze seien unter physiologischen Bedingungen im Ejakulat selten oder fehlend [s026].

### B. Samenmikrobiom und Samenplasma: DNA-Integrität, Oxidationspotenzial, Stoffwechselprodukte und Methodenvergleich

Die folgenden Studien verknüpfen die Bakterienzusammensetzung mit funktionellen Samenmerkmalen oder prüfen, wie stark Ergebnisse von der Methode abhängen.

#### Garcia-Segura et al. 2022 [s077]

*Originaltitel:* Seminal Microbiota of Idiopathic Infertile Patients and Its Relationship With Sperm DNA Integrity.

- **Land:** Spanien (Autonome Universität Barcelona; Proben aus dem Instituto de Fertilidad, Palma de Mallorca).
- **Design:** Vergleichende Querschnittsstudie mit Korrelationsanalysen; Volltext lag vor.
- **Population:** 56 kaukasische Teilnehmer aus dem westlichen Mittelmeerraum: 14 Samenspender ohne Unfruchtbarkeitsdiagnose und 42 Patienten mit idiopathischer Unfruchtbarkeit ohne erkennbaren weiblichen Faktor. Nach dem Methodenteil waren die Patienten normozoosperm, was der Abstract nicht erwähnt. Ausschluss bei Antibiotikatherapie in den letzten 21 Tagen. Karenz 2 bis 5 Tage; Händewaschen und Waschen des Penis mit Seife und Wasser vor der Probe [s077].
- **Exposition:** Zusammensetzung des Samenmikrobioms und Fruchtbarkeitsstatus.
- **Messung:** Spermiogramm nach WHO 2010 (Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie nach Kruger, Volumen, pH, Viskosität), Oxidations-Reduktions-Potenzial (MiOXSYS), DNA-Fragmentierung (TUNEL, alkalischer und neutraler Comet-Test) und Protaminierung des Chromatins (Chromomycin A3). Ganzlängen-16S-Sequenzierung (V1 bis V9) auf einem MiSeq, Zuordnung mit Kraken2. Im Mittel 221.543 Reads je Probe; 168 Gattungen. Kontrollen aus Probenraum, Extraktion und PCR hatten im Mittel 6.321 Reads (etwa zehnmal weniger) und wurden als ausreichend gering bewertet, deshalb wurde keine Kontaminantenkorrektur angewendet [s077].
- **Ergebnisse:** Häufigste Stämme: Firmicutes (etwa 59 %), Proteobacteria (etwa 19 %), Actinobacteria (etwa 8 %), Bacteroidetes (etwa 5 %). Häufigste Gattungen waren Finegoldia, Peptoniphilus, Anaerococcus, Campylobacter, Streptococcus, Staphylococcus, Moraxella, Prevotella, Ezakiella, Corynebacterium und Lactobacillus (zusammen 75,24 % der Reads); Ezakiella wurde erstmals im Ejakulat beschrieben. Auf jeder taxonomischen Ebene ergaben sich zwei Profile; Spender und Patienten verteilten sich gleich darauf (Gattungsebene 8 und 6 Spender, 27 und 15 Patienten; p = 0,633), und die Profile hingen weder mit Spermiogramm noch mit Chromatin oder Oxidationspotenzial zusammen. Die Alpha-Diversität unterschied sich nicht zwischen Spendern und Patienten; sie korrelierte nur mit dem Anteil neutral-Comet-fragmentierter Spermien (ρ = 0,320; p = 0,016). Einzelkorrelationen (Spearman, ohne Angabe einer Korrektur für mehrfaches Testen): Peptoniphilus negativ mit progressiver Motilität (ρ = −0,306); Gardnerella positiv mit progressiver Motilität (ρ = 0,289) und negativ mit normaler Morphologie (ρ = −0,417); Flavobacterium positiv mit progressiver Motilität (ρ = 0,292) und negativ mit der Fragmentierung im alkalischen Comet-Test (ρ = −0,317); Brevundimonas negativ mit dem Oxidationspotenzial (ρ = −0,280) und mit TUNEL-Fragmentierung (ρ = −0,365); Lactobacillus negativ mit alkalischer Fragmentierung (ρ = −0,280); Ralstonia negativ mit Konzentration (ρ = −0,322); Paenibacillus negativ mit Konzentration (ρ = −0,328) und mit schlechter Protaminierung (ρ = −0,358), positiv mit neutraler Fragmentierung (ρ = 0,264). Zwischen Spendern und Patienten unterschieden sich Propionibacteriaceae (p = 0,008; AUC für „unfruchtbar" 0,735, 95-%-KI 0,593 bis 0,876; Grenzwert 0,78 %), Oligotropha (p = 0,036; AUC 0,660), Rhodopseudomonas (p = 0,008; AUC 0,711) und Cutibacterium (p = 0,024; AUC 0,701). Ein aus den drei Gattungen gebildeter Kombinationswert erreichte AUC 0,780 (95-%-KI 0,650 bis 0,909; p = 0,001). Phyllobacteriaceae und Vibrionaceae kamen bei Patienten häufiger vor (OR 0,052; 95-%-KI 0,005 bis 0,364 und OR 0,122; 95-%-KI 0,034 bis 0,467), bei sehr niedriger Sensitivität (0,038 und 0,094) [s077].
- **Störgrößen:** Nicht adjustiert; eine multivariable Analyse wird nicht berichtet.
- **Stärken:** Ganzlängen-16S, nach Angabe der Autoren erstmals eine Verknüpfung mit Chromatin-Integrität und Oxidationspotenzial, mehrere DNA-Tests, Kontrollen aus Probenraum, Extraktion und PCR, öffentlich hinterlegte Daten.
- **Schwächen:** Sehr kleine Kontrollgruppe (n = 14); hunderte Korrelationen (Phyla, Familien, Gattungen mal Messgrößen) ohne berichtete Korrektur, sodass viele der beschriebenen Einzelbefunde Zufall sein können; Biomarker mit sehr niedrigen Grenzwerten (0,001 %) und niedriger Sensitivität; die AUC-Werte stammen aus denselben Daten und sind nicht extern geprüft; der Zusammenhang einer Gattung mit der Fragmentierung hängt vom Test ab (TUNEL und alkalischer Comet-Test zeigen unterschiedliche Taxa). Bei einigen der beschriebenen Gattungen gibt es Kontaminationsverdacht: Ralstonia wurde in der Studie von Osadchiy als verdächtiger Kontaminant entfernt [s056], Flavobacterium wird bei Mowla im Zusammenhang mit früheren Kontaminationsstudien erwähnt [s043]; in der vorliegenden Studie wurde keine Kontaminantenkorrektur durchgeführt.
- **Einordnung:** Die Studie ist eine Quelle für die Hypothese, dass Samenbakterien DNA-Integrität und Oxidationslage beeinflussen. Die Einzelbefunde (zum Beispiel Lactobacillus mit weniger Fragmentierung, Flavobacterium mit besserer Motilität) widersprechen teils anderen Studien: Mowla fand Flavobacterium bei auffälliger Samenqualität und Morphologie vermehrt [s043]. Die Autoren selbst fordern weitere Studien zur Wirkung einzelner Taxa [s077].

#### Garcia-Segura et al. 2023 [s067]

*Originaltitel:* Characterization of Seminal Microbiome of Infertile Idiopathic Patients Using Third-Generation Sequencing Platform.

- **Land:** Spanien (dieselbe Gruppe und dieselben 56 Proben wie in der Studie 2022).
- **Design:** Methodenvergleich an denselben Proben (Querschnitt); Volltext lag vor.
- **Population:** 14 Kontrollproben von Samenspendern und 42 Proben von Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit (normozoosperm, kein erkennbarer weiblicher Faktor), aus dem Instituto de Fertilidad Palma und der Autonomen Universität Barcelona [s067].
- **Exposition:** Sequenzierplattform (Nanopore MinION gegen Illumina MiSeq), gleiche Extraktion und gleiche erste PCR, danach Aufteilung der Proben.
- **Messung:** Ganzlängen-16S auf dem MinION; Vergleich mit den bereits veröffentlichten MiSeq-Ergebnissen [s077]. Mock-Community (ZymoBIOMICS) als Positivkontrolle; Leerkontrollen mit im Mittel 40,33 Reads je Kontrolle; keine Korrektur angewendet [s067].
- **Ergebnisse:** Im Mittel 129.469,73 Reads hoher Qualität je Probe. Stämme: Firmicutes (etwa 67 %), Proteobacteria (etwa 21 %), Bacteroidetes (etwa 5 %), Actinobacteria (etwa 5 %); 95 Gattungen oberhalb von 0,01 %. Häufigste Gattungen waren Peptoniphilus, Finegoldia, Staphylococcus, Anaerococcus, Campylobacter, Prevotella, Streptococcus, Lactobacillus und Ezakiella (zusammen 70,10 % der klassifizierten Reads). Beim paarweisen Vergleich der Plattformen unterschieden sich Firmicutes (etwa 59 % mit Illumina, etwa 67 % mit Nanopore) und Actinobacteria (etwa 8 % gegen etwa 5 %) deutlich; Staphylococcus war mit Nanopore häufiger, Lactobacillus mit Illumina besser erfasst (laut Mock-Community). Die zehn häufigsten Gattungen waren auf beiden Plattformen dieselben, aber die relative Häufigkeit je Person stimmte nicht überein, mit Abweichungen bis zu 50 Prozentpunkten in Einzelfällen. Illumina fand 804, Nanopore 963 Gattungen, von denen 397 auf beiden Plattformen vorkamen; oberhalb von 0,01 % waren es 168 gegen 97, davon 65 gemeinsam. Auch die Clusterprofile unterschieden sich auf Familien- und Gattungsebene zwischen den Plattformen [s067].
- **Störgrößen:** Nicht anwendbar (Methodenvergleich).
- **Stärken:** Dieselben Proben auf zwei Plattformen, Mock-Community als Referenz, Ganzlängen-16S.
- **Schwächen:** Es geht nicht um Spermienqualität; eine Aussage, welche Plattform näher an der Wirklichkeit liegt, ist nur über die Mock-Community möglich (beide Plattformen erfassten die Proteobacteria zu niedrig). Die Autoren räumen ein, dass Nanopore Fehler bei GC-reichen Sequenzen und Staphylococcus-Überrepräsentation zeigen kann.
- **Einordnung:** Die Studie ist für dieses Kapitel vor allem als Methodenwarnung wichtig: Gattungsprofile hängen von der Plattform ab, und das kann ein Grund für widersprüchliche Ergebnisse zwischen Studien sein. Für die Einzelstudien mit nur einer Plattform heißt das: Gattungsanteile sind nicht ohne Weiteres zwischen Studien vergleichbar [s067].

#### Baud et al. 2024 [s047]

*Originaltitel:* Impact of semen microbiota on the composition of seminal plasma.

- **Land:** Schweiz (Universitätsspital Lausanne, Labor für Andrologie und Reproduktionsbiologie).
- **Design:** Querschnittsstudie mit Verknüpfung von Mikrobiom und Metabolom; Volltext lag vor.
- **Population:** Proben aus der Kinderwunschambulanz vom Oktober 2014 bis Juli 2016, also aus demselben Zeitraum wie die Studie 2019 [s101, s047]. Es wurden 19 Proben mit Metabolom ausgewertet (eine von 20 fiel durch die Qualitätskontrolle); 10 waren Lactobacillus-angereichert, 9 Prevotella-angereichert (Konzentration laut Tabelle 38,7 gegen 16,6 Mio./ml; Alter insgesamt 34,3 Jahre, Spanne 23,2 bis 53,1; Rauchen 31,6 %). Unter den 19 Proben waren 5,3 % azoosperm, 36,8 % oligozoosperm, 42,1 % asthenozoosperm und 57,9 % teratozoosperm [s047].
- **Exposition:** Mikrobiotaprofil (Lactobacillus- oder Prevotella-dominiert) und Spermiogrammbefund.
- **Messung:** Profil aus der früheren 16S-Analyse; im filtrierten Samenplasma gezielte Massenspektrometrie (Flüssigchromatographie mit Tandem-Massenspektrometrie) von Stoffwechselprodukten; Spearman-Korrelation zwischen Bakteriengattungen und Metaboliten; in-vitro-Test von Urocanat an gewaschenen Spermien (Viabilität und mitochondriales Membranpotenzial nach 24 Stunden) [s047].
- **Ergebnisse:** Hauptgruppen der Metabolite waren Aminosäuren (etwa 50 %) und Acylcarnitine (mehr als 25 %); Acetylcarnitin machte 11,6 % aus. Die Profile Lactobacillus und Prevotella unterschieden sich insgesamt nicht in der Metabolitzusammensetzung (Hauptkomponentenanalyse). Urocanat war in Proben mit mindestens einem Parameter unter dem Referenzwert mehr als vierfach angereichert (adjustierter p-Wert unter 0,001) und mit Prevotella positiv korreliert; 3-Methylhistamin war bei niedriger progressiver und Gesamtmotilität angereichert; mehrere Acylcarnitine waren bei Normalbefund höher. Urocanat zeigte in physiologischer und zehnfach höherer Konzentration keinen Einfluss auf Viabilität und Membranpotenzial der Spermien nach 24 Stunden [s047].
- **Störgrößen:** Nicht adjustiert; 42,1 % der Teilnehmer hatten andrologische oder urologische Erkrankungen.
- **Stärken:** Seltene Verknüpfung von Bakterienprofil und Stoffwechselprodukten im Samenplasma; Gegenprobe im Zellversuch.
- **Schwächen:** Nur 19 Proben, die nach Angabe der Autoren bereits früher mikrobiologisch charakterisiert worden waren (Zeitraum und Ethikvotum entsprechen der Studie von 2019); laut Tabelle war Teratozoospermie in der Prevotella-Gruppe viel häufiger (88,9 %) als in der Lactobacillus-Gruppe (15,8 %; der Wert passt rechnerisch nicht zu einer Gruppe von 10 Proben); keine Kontrollgruppe fruchtbarer Männer; viele Metaboliten, wenige Proben; Urocanat hatte im Zellversuch keine direkte Wirkung, also bleibt der Weg offen.
- **Einordnung:** Die Studie liefert einen möglichen Marker (Urocanat, ein Zwischenprodukt des Histidinabbaus) für das Prevotella-Profil, aber keinen Wirkmechanismus. Bakterien verändern die Samenflüssigkeit also eher spezifisch als global [s047].

### C. Mehrere Körperorte: Darm, Urin und Ejakulat bei unfruchtbaren Männern

Die Studien dieses Abschnitts untersuchen neben dem Ejakulat auch den Darm und teils den Urin. Sie prüfen die Vorstellung einer „Darm-Hoden-Achse" beim Menschen, die im Tierversuch beschrieben ist [s097].

#### Lundy et al. 2021 [s092]

*Originaltitel:* Functional and Taxonomic Dysbiosis of the Gut, Urine, and Semen Microbiomes in Male Infertility.

- **Land:** USA (Cleveland Clinic, Ohio; Affiliation laut Europe-PMC-Eintrag).
- **Design:** Prospektive Vergleichsstudie (vom Autorenteam als Pilotstudie bezeichnet); nur die Zusammenfassung lag vor, der Volltext war nicht abrufbar.
- **Population:** 25 Männer mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit und 12 gesunde Männer mit nachgewiesener Vaterschaft [s092].
- **Exposition:** Unfruchtbarkeitsstatus; zusätzlich Varikozele, oxidativer Stress und Leukozytospermie als Untergruppenmerkmale; Vasektomie als natürliches Experiment.
- **Messung:** Rektalabstriche, Ejakulat und Mittelstrahlurin sowie experimentelle Kontrollen. Umfassende Samenanalyse, 16S-rRNA-Sequenzierung für eine hochaufgelöste Taxonomie und Schrotschuss-Metagenomik mit im Median 140 Millionen Reads je Probe für funktionelle Stoffwechselwege [s092].
- **Ergebnisse:** Das Ejakulat enthielt ein vielfältiges Mikrobiom mit mäßiger Ähnlichkeit zum Urinmikrobiom. Unfruchtbare Männer hatten im Ejakulat eine höhere Alpha-Diversität, eine abweichende Beta-Diversität und mehr Aerococcus, im Rektum weniger Anaerococcus. Die Häufigkeit von Prevotella war umgekehrt mit der Spermienkonzentration verbunden, die von Pseudomonas direkt mit der Gesamtzahl beweglicher Spermien. Eine Vasektomie schien das Samenmikrobiom zu verändern, was die Autoren als Hinweis auf einen Beitrag aus Hoden oder Nebenhoden lesen. Bei unfruchtbaren Männern mit Varikozele waren Anaerobier im Ejakulat stark überrepräsentiert; oxidativer Stress und Leukozytospermie gingen nur mit geringen Unterschieden einher. Die Metagenomik zeigte Veränderungen im S-Adenosyl-L-Methionin-Zyklus, der über DNA-Methylierung, oxidativen Stress und Polyaminsynthese eine Rolle spielen könnte [s092].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet.
- **Stärken:** Gleichzeitige Untersuchung dreier Körperorte bei denselben Männern, Kombination aus 16S und Metagenomik, gut definierte Gruppen (idiopathisch, nachgewiesene Vaterschaft), experimentelle Kontrollen.
- **Schwächen:** Kleine Stichprobe (12 gegen 25); Untergruppen (Varikozele, Vasektomie) noch kleiner; die Studie wurde nur als Abstract ausgewertet, sodass Adjustierung, Kontaminationsbehandlung und Zahlen zu den Effekten nicht geprüft werden konnten; zahlreiche Vergleiche.
- **Einordnung:** Das Ergebnis zu Pseudomonas (positiv mit beweglichen Spermien) widerspricht der Deutung von Weng, wo Pseudomonas-dominierte Gemeinschaften mit schlechter Qualität verbunden waren [s116]; Osadchiy fand, dass einzelne Pseudomonas-Arten in verschiedene Richtungen weisen [s056]. Lundy ist Mitautor der Studie von Campbell [s065]. Die Befunde sind als Hypothesen für größere Studien zu lesen, wie es die Autoren selbst formulieren.

#### Cao et al. 2023 [s066]

*Originaltitel:* Characterization of the semen, gut, and urine microbiota in patients with different semen abnormalities.

- **Land:** China (Zentralkrankenhaus der Shandong First Medical University, Jinan).
- **Design:** Querschnittsstudie mit fünf Gruppen; Volltext lag vor.
- **Population:** 53 Männer: 12 mit normalem Spermiogramm (Kontrolle), 12 mit Asthenozoospermie ohne Hyperviskosität (Gruppe 1), 6 mit Oligozoospermie unter 15 Mio./ml (Gruppe 2), 9 mit schwerer Oligozoospermie oder Azoospermie unter 2 Mio./ml (Gruppe 3) und 14 mit isolierter Samenhyperviskosität (Gruppe 4). Ausschluss bei Antibiotika in den letzten drei Monaten, urogenitaler Operation im letzten Jahr, Tumor, Testosteron in den letzten zwei Jahren, Bluthochdruck und Diabetes. Die Gruppen sollten laut Autoren nach Alter, BMI, Rauchen und Alkohol ähnlich sein [s066].
- **Exposition:** Spermiogrammbefund; Mikrobiota aus Darm (Stuhl), Urin und Ejakulat.
- **Messung:** Karenz 2 bis 7 Tage; dreimaliges Waschen von Händen und Penis (Eichel und Eichelfurche) mit Seife und Trocknen mit steriler Gaze. Reihenfolge der Proben: Ejakulat, dann Mittelstrahlurin, dann Stuhl, alle innerhalb von 24 Stunden. 16S-Sequenzierung der Regionen V3 bis V4 (Illumina), Clustering in OTUs bei 97 %, Gruppenvergleiche mit dem Welch-t-Test, außerdem verallgemeinerte lineare Modelle [s066].
- **Ergebnisse:** Es wurden 157 Proben (zwei fehlende) ausgewertet; 11.140.437 saubere Sequenzen und 9.612 OTUs (Darm 6.270, Urin 5.920, Ejakulat 3.547; allen drei gemeinsam 1.058). Die Alpha-Diversität war im Darm am höchsten, Urin und Ejakulat unterschieden sich nicht; die Beta-Diversität unterschied sich zwischen allen drei Orten. Im Ejakulat dominierten Lactobacillus, Prevotella, Finegoldia, Staphylococcus, Streptococcus und Ureaplasma. Zwischen Kontrollen und Patientengruppen unterschieden sich Alpha- und Beta-Diversität des Samenmikrobioms nicht. Im Darm war Collinsella in den Gruppen 1, 3 und 4 vermindert, Bifidobacterium und Blautia in Gruppe 1, Bacteroides in Gruppe 3 vermehrt; im Ejakulat war Staphylococcus in den Gruppen 1 und 4 vermehrt; im Urin war Lactobacillus in den Gruppen 2 und 4 vermindert. In den verallgemeinerten linearen Modellen hingen Lactobacillus und Collinsella positiv mit Konzentration und Gesamtzahl zusammen, Collinsella und Bifidobacterium positiv mit der progressiven Motilität, Bacteroides, Prevotella und Alicycliphilus negativ mit Konzentration und Gesamtzahl [s066].
- **Störgrößen:** Gruppen ähnlich nach Alter, BMI, Rauchen und Alkohol laut Autoren; allerdings reichte der Raucheranteil von 25 % bis 83 % (Gruppe 2: 5 von 6 Männern) und der pH war in Gruppe 1 niedriger als bei den Kontrollen (Median 7,22 gegen 7,40; p < 0,05).
- **Stärken:** Gleichzeitige Erfassung von Darm, Urin und Ejakulat bei denselben Männern, öffentlich hinterlegte Daten, definierte Entnahmereihenfolge.
- **Schwächen:** Sehr kleine Gruppen (6 bis 14 Männer); die Autoren geben selbst an, dass weder Negativkontrollen noch Software zur Entfernung von Kontaminationen verwendet wurden; Mittelstrahlurin und Ejakulat enthalten Harnröhrenflora; jede Probe nur einmal sequenziert; Welch-t-Tests ohne Angabe einer Korrektur für mehrfaches Testen. Die Schlussfolgerung, der Darm habe den größten Einfluss auf die Samenqualität, beruht auf der Zahl der in jedem Kompartiment unterschiedlichen OTUs und nicht auf einem direkten Test.
- **Einordnung:** In dieser Studie war Staphylococcus im Ejakulat bei Männern mit schlechterem Befund vermehrt, während Baud Staphylococcus gerade in der Normalgruppe fand [s101]. Die Autoren nennen Collinsella, Bifidobacterium, Blautia und Lactobacillus „potenzielle Probiotika" und Bacteroides und Staphylococcus „potenzielle Krankheitserreger"; das sind Hypothesen, keine Befunde zur Wirkung. Ihr Befund einer unveränderten Diversität stimmt mit Baud 2019 überein [s101].

#### Lu et al. 2025 [s041]

*Originaltitel:* Comprehensive microbiome and metabolome analysis revealed the changes of semen microbial characteristics and metabolic phenotypes in patients with idiopathic oligoasthenozoospermia.

- **Land:** China (Krankenhaus der Chengdu University of Traditional Chinese Medicine).
- **Design:** Fall-Kontroll-Studie mit Mikrobiom- und Metabolomanalyse; Volltext lag vor.
- **Population:** 40 unbehandelte Patienten mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie (IOA) und 30 gesunde fruchtbare Männer, Rekrutierung März 2023 bis Januar 2024. Kontrollen: Partnerin hatte im letzten Jahr ein Kind geboren oder war schwanger, aktuelles Spermiogramm normal. Patienten: WHO-Kriterien, keine Genitalinfektion in den letzten drei Monaten, negative Samenkultur sowie negative Tests auf Mykoplasmen und Chlamydien, keine Antibiotika im letzten Monat, keine Systemerkrankung, keine genetischen Faktoren. Untergruppen: 23 Männer mit Oligozoospermie (IOA-1), 6 mit Asthenozoospermie (IOA-2), 11 mit Oligoasthenozoospermie (IOA-3) [s041].
- **Exposition:** Idiopathische Oligoasthenozoospermie.
- **Messung:** Masturbation nach 3 bis 5 Tagen Karenz in sterilen Glasgefäßen, Lagerung bei −80 °C innerhalb von 2 Stunden. 16S-Sequenzierung (V3 bis V4, NovaSeq 6000, DADA2, Silva 138) und ungezielte Metabolomik (GC-MS und LC-MS) des Samenplasmas durch kommerzielle Labore; Spearman-Korrelation zwischen Gattungen und Metaboliten [s041].
- **Ergebnisse:** 11.507 ASVs bei 70 Proben. Die vier häufigsten Stämme waren in allen Gruppen dieselben (Bacteroidetes, Firmicutes, Proteobacteria, Actinobacteria; zusammen über 90 %). Auf Gattungsebene lagen Muribaculaceae und Lachnospiraceae_NK4A136_group an der Spitze (zusammen 40 bis 50 %). Die Beta-Diversität unterschied die Gruppen nicht signifikant (PERMANOVA p = 0,059); der Artenreichtum war am höchsten in IOA-2, danach Kontrolle, IOA-1 und IOA-3. Prevotella war in den drei Patientengruppen gegenüber den Kontrollen vermehrt (p = 0,036); LEfSe nannte Prevotella, Dialister und weitere Taxa für IOA-1, Bacteroides für die Kontrollen. Die Metabolomik ergab 489 differenzielle Metabolite für IOA-1 gegen Kontrolle (155 hoch, 334 herunterreguliert) und 462 für IOA-3 (97 und 365); das Modell für IOA-2 war überangepasst und wurde nicht ausgewertet. Angereicherte Stoffwechselwege waren unter anderem Tyrosin-Stoffwechsel (p = 0,0002) und Galaktose-Stoffwechsel (p = 0,001). Dialister war negativ mit vier Metaboliten korreliert (L-Acetylcarnitin, Syringasäure und zwei Phosphatidylcholine) [s041].
- **Störgrößen:** Eine Adjustierung für Alter, Rauchen oder Ernährung wird nicht berichtet.
- **Stärken:** Zwei Datenschichten (Mikrobiom und Metabolom) an denselben Proben; klar definierte, infektionsfreie Patientengruppe mit negativer Kultur; fruchtbare Kontrollen mit kürzlicher Vaterschaft.
- **Schwächen:** Kleine Gruppen, besonders IOA-2 (n = 6); im Abstract heißt es, Zusammensetzung und Artenreichtum unterschieden sich, im Ergebnisteil ist die Beta-Diversität dagegen nicht signifikant. Im Methodenteil werden weder Negativkontrollen noch eine Kontaminantenbehandlung beschrieben. Auffällig ist, dass die häufigsten Gattungen (Muribaculaceae, Lachnospiraceae_NK4A136_group) typische Darm-Taxa sind und ein völlig anderes Bild zeigen als die übrigen Studien dieses Kapitels (Lactobacillus, Prevotella, Streptococcus, Finegoldia); die Autoren kommentieren das nicht. Unter den auffälligsten Metaboliten stehen Substanzen mit Arzneimittelnamen (Lenalidomid, Triflusal), was auf Unsicherheit bei der Annotation hinweist (Einschätzung des Verfassers dieses Kapitels). Der Abstract nennt für die Metabolitenauswahl eine FDR unter 0,05, der Methodenteil nur p < 0,05 und VIP über 1; welche Korrektur angewendet wurde, ist unklar. Einzelzentrum, Querschnitt.
- **Einordnung:** Die Studie liefert Hypothesen zu Stoffwechselwegen. Sie bestätigt Prevotella als bei Patienten vermehrt, schließt aber an keine der bekannten Gemeinschaftstypen aus anderen Ländern an. Der Zusammenhang zu Lu 2026 ist eng (siehe unten) [s041, s014].

#### Lu et al. 2026 [s014]

*Originaltitel:* Interpretable machine learning uncovers core seminal microbial signatures in idiopathic oligoasthenospermia.

- **Land:** China (Krankenhaus der Chengdu University of Traditional Chinese Medicine; dieselbe Einrichtung wie Lu 2025).
- **Design:** Fall-Kontroll-Studie mit maschinellem Lernen zur Markersuche; Volltext lag vor.
- **Population:** 40 unbehandelte Patienten mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie und 30 fruchtbare Kontrollen. Kontrollen: Partnerin hat im letzten Jahr ein Kind geboren oder war schwanger, zwei normale Samenanalysen im Abstand von 2 bis 4 Wochen. Patienten: Konzentration unter 15 Mio./ml und progressive Motilität unter 32 % in beiden Analysen, dazu dieselben Ausschlusskriterien wie 2025. Das Alter betrug 30,60 ± 5,43 Jahre bei den Kontrollen und 32,55 ± 2,71 bei den Patienten (p = 0,079) [s014].
- **Exposition:** Idiopathische Oligoasthenozoospermie.
- **Messung:** Samenprobe nach 3 bis 5 Tagen Karenz; 16S-Sequenzierung V3 bis V4 (NovaSeq 6000, DADA2, Silva 138). Zur Kontaminationskontrolle wurde die Probenreihenfolge randomisiert, es wurden nur Proben mit mindestens 1,0 ng/µl DNA verwendet, und Gattungen, die in großen Niedrigbiomasse-Studien als Laborkontaminanten gelten (Cutibacterium, Ralstonia, Sphingomonas, Methylobacterium), wurden von Hand ausgeschlossen. Drei Verfahren des maschinellen Lernens (LASSO, Random Forest, SVM-RFE) bestimmten Kerngattungen; als Klassifikator diente eine Firth-penalisierte logistische Regression mit geschachtelter Kreuzvalidierung (5-fach, 20 Wiederholungen); Beitrag der Gattungen mit SHAP-Werten; Funktionsvorhersage mit PICRUSt2 [s014].
- **Ergebnisse:** 11.535 ASVs. Bacteroidota und Firmicutes waren die beiden häufigsten Stämme (über 85 %); häufigste Gattungen waren Muribaculaceae, Lachnospiraceae_NK4A136_group, Lactobacillus und Bacteroides (zusammen über 50 %). Alpha-Diversität (Chao1, Shannon) unterschied sich nicht. Die Beta-Diversität unterschied sich signifikant (PERMANOVA F = 1,08; R² = 0,016; p = 0,0160), die Streuung nicht (p = 0,963). 24 Gattungen unterschieden sich; fünf Kerngattungen blieben nach den drei Verfahren: Blautia (mittlerer absoluter SHAP-Wert 0,132; überwiegend protektiv), Prevotella (0,115; mit höherer Häufigkeit mehr Wahrscheinlichkeit für IOA), Bacteroides (0,066; beidseitig), Nesterenkonia (0,059) und [Eubacterium] oxidoreducens group (0,032). Das Modell erreichte eine Fläche unter der Kurve von 0,773 (95-%-KI 0,661 bis 0,885). Die vorhergesagten Stoffwechselwege waren bei IOA für Glykolyse/Glukoneogenese (p = 0,00667) und Informationsverarbeitung (p = 0,016) angereichert [s014].
- **Störgrößen:** Alter und BMI waren ähnlich; weitere Adjustierung wird nicht berichtet.
- **Stärken:** Geschachtelte Kreuzvalidierung ohne Informationsleck, mehrere Algorithmen mit Schnittmenge, Kalibrierungsdarstellung, Kontaminationsliste, offene Darstellung der Einschränkungen.
- **Schwächen:** Nur interne Validierung (keine externe Kohorte); R² von nur 1,6 % für die Gruppenunterscheidung zeigt, dass die Gemeinschaftsstruktur den Befund kaum erklärt; kleine Stichprobe; die Funktionsanalyse ist nur eine Vorhersage aus 16S-Daten. Die Rekrutierungszeiträume unterscheiden sich von Lu 2025 (Juli 2024 bis März 2025 gegen März 2023 bis Januar 2024), während Gruppengröße (40 und 30), Einrichtung und Ethikvotum (2024KL-016) übereinstimmen; ob dieselben Proben beiden Veröffentlichungen zugrunde liegen, geht aus den Texten nicht hervor. Die dominanten Taxa (Muribaculaceae, Lachnospiraceae_NK4A136_group) sind wie in Lu 2025 untypisch für Ejakulatstudien. Die Deutung von Blautia als „protektiv" stützt sich nach Angabe der Autoren überwiegend auf Literatur zur Darmflora.
- **Einordnung:** Die AUC von 0,773 zeigt eine mäßige Trennung von Patienten und Kontrollen in einer kleinen Gruppe; ein Nutzen als Test ist nicht belegt. Die Studie ist ein Beispiel für methodisch anspruchsvolle Auswertung kleiner Daten, die dennoch eine externe Prüfung braucht [s014].

#### Luo et al. 2026 [s015]

*Originaltitel:* Functional remodeling of the gut microbiome and metabolome in primary idiopathic male infertility.

- **Land:** China (West China Second University Hospital der Sichuan-Universität, Chengdu).
- **Design:** Fall-Kontroll-Studie zum Darmmikrobiom und Stuhl-Metabolom (nicht zum Ejakulat); Volltext lag vor.
- **Population:** 19 Männer mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit (PIMI, mindestens 12 Monate ungewollt kinderlos, ohne identifizierbare Ursache) und 12 fruchtbare Kontrollen (Vaterschaft in den letzten zwei Jahren). Ausschluss bei Varikozele ab Grad II, Kryptorchismus oder Orchitis in der Vorgeschichte, Chromosomenanomalien oder Y-Mikrodeletionen, obstruktiven Veränderungen, endokrinen Störungen, aktiven Infektionen, Antibiotika, Probiotika oder Hormonen in den letzten drei Monaten und chronischen Systemerkrankungen. Alter 18 bis 55 Jahre, Mischkost. Die Patienten waren jünger (31 ± 5,5 gegen 35 ± 2,0 Jahre; p = 0,021), und nur in der Patientengruppe gab es Raucher (6 aktuelle, 2 frühere; p = 0,029). Samenparameter: Konzentration 47,4 gegen 78,6 Mio./ml (p = 0,038), progressive Motilität 38,0 gegen 59,5 % (p = 0,003), Rundzellen 0,4 gegen 0,2 Mio./ml (p = 0,015) [s015].
- **Exposition:** Primäre idiopathische Unfruchtbarkeit.
- **Messung:** Frischer Stuhl (möglichst am Tag der Samenuntersuchung), Lagerung bei −80 °C. Schrotschuss-Metagenomik (MGISEQ-T7) mit Taxonomie gegen die NCBI-NR-Datenbank und KEGG-Funktionen; ungezielte LC-MS/MS-Metabolomik; Spearman-Korrelationen mit FDR-Korrektur; Random-Forest-Modell; multiple lineare Regression mit Adjustierung für Alter und Rauchstatus [s015].
- **Ergebnisse:** 8.053 Arten. Alpha-Diversität (Chao1 p = 0,7; Shannon p = 0,9838) und Beta-Diversität (Bray-Curtis; adonis R² = 0,044; p = 0,15) unterschieden sich nicht. Explorative Tests fanden Pseudomonadota (p = 0,0089) und Escherichia coli (p = 0,00192) bei den Patienten vermehrt. LEfSe nannte 23 Arten (bei Patienten Shigella flexneri, Shigella sonnei, Escherichia coli und Escherichia sp.; bei Kontrollen Bifidobacterium sp., Catenibacterium mitsuokai, Eubacterium ramulus und Dorea amylophila). 53 Stoffwechselwege des Mikrobioms unterschieden sich nominell. Die Metabolomik ergab 4.434 Metabolite, davon 780 mit VIP über 1 und p < 0,05 (353 höher, 427 niedriger bei Patienten); nach Korrektur für mehrfaches Testen wurden die meisten Signale schwächer. Nach Adjustierung für Alter und Rauchen blieben sechs von acht ausgewählten Metaboliten und sechs von acht Arten mit dem Unfruchtbarkeitsstatus verbunden [s015].
- **Störgrößen:** Alter und Rauchen unterschieden sich zwischen den Gruppen und wurden in einer Regression berücksichtigt; Ernährung und Hormone wurden nicht systematisch erfasst; keine Vergleichsgruppe mit bekannter Ursache der Unfruchtbarkeit.
- **Stärken:** Metagenomik statt nur 16S, Metabolomik, Qualitätskontrollen der Metabolomik (gepoolte Proben alle fünf Messungen), offene Darstellung der Einschränkungen im Text.
- **Schwächen:** Sehr kleine Stichprobe; globale Zusammensetzung unverändert; viele Befunde nur nominell signifikant; ausgewählte Arten und Metabolite wurden teilweise nach biologischer Plausibilität vorgewählt; AUC ohne Konfidenzintervall und ohne geschachtelte Kreuzvalidierung (die Autoren räumen das ein); Raucherstatus kann Escherichia/Shigella verschieben (so die Autoren selbst). Es wurden keine Ejakulatproben sequenziert; der Zusammenhang zwischen Darmbefund und Samenqualität wird nur über Korrelationen mit Samenmerkmalen gezogen.
- **Einordnung:** Die Studie ist ein Hinweis auf Veränderungen von Darmarten und Stuhlstoffwechsel bei Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit, aber kein Beleg für eine Darm-Hoden-Achse beim Menschen. Gerade der Befund von mehr Escherichia/Shigella ist mit dem Raucheranteil in der Patientengruppe verwoben [s015].

### D. Paare und assistierte Reproduktion: Samen- und Scheidenmikrobiom gemeinsam betrachtet

Die Studien dieses Abschnitts untersuchen beide Partner, teils mit dem Schwangerschaftsergebnis nach Insemination oder künstlicher Befruchtung als Zielgröße. Das ist die einzige Gruppe von Beobachtungsstudien in diesem Kapitel, die ein Ergebnis jenseits des Spermiogramms berichtet.

#### Mändar et al. 2015 [s113]

*Originaltitel:* Complementary seminovaginal microbiome in couples.

- **Land:** Estland (Universität Tartu; Affiliation laut Europe-PMC-Eintrag).
- **Design:** Paarstudie (Kohorte) mit Probenentnahme vor und nach dem Geschlechtsverkehr; nur die Zusammenfassung lag vor.
- **Population:** 23 Paare. Weitere Merkmale (Gesundheitszustand, Unfruchtbarkeit, Alter) nennt der Abstract nicht [s113].
- **Exposition:** Leukozytospermie des Mannes und Geschlechtsverkehr.
- **Messung:** 16S-Sequenzierung (Region V6, Illumina HiSeq2000) von Ejakulat und Scheidenflüssigkeit der Partnerin, Scheidenprobe vor und nach dem Verkehr [s113].
- **Ergebnisse:** Die Gemeinschaften im Ejakulat waren deutlich vielfältiger, aber bei geringerer Gesamtkonzentration der Bakterien als in der Scheide. Gardnerella vaginalis herrschte bei der Hälfte der Frauen vor, deren Partner eine bedeutsame Leukozytospermie hatte, aber nur bei einer von 17 Frauen, deren Partner keine Leukozytospermie hatte. Nach dem Verkehr nahm die relative Häufigkeit von Lactobacillus crispatus in der Scheide signifikant ab, und die Übereinstimmung zwischen Ejakulat- und Scheidenproben war hoch [s113].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet.
- **Stärken:** Paarweise Probenentnahme, Vorher-nachher-Vergleich der Scheidenflora.
- **Schwächen:** Kleine Zahl; Zahlen zu Kontrollen und zur Statistik nicht im Abstract; kein Fertilitätsergebnis.
- **Einordnung:** Die Studie zeigt, dass sich die Scheidenflora nach dem Verkehr mit der Samenflüssigkeit verändern kann und dass Gardnerella-Dominanz bei der Frau mit Entzündungszeichen beim Mann zusammenfällt. Das liefert eine Grundlage für die Idee eines gemeinsamen Genitalmikrobioms des Paares [s113].

#### Amato et al. 2020 [s095]

*Originaltitel:* Differential Composition of Vaginal Microbiome, but Not of Seminal Microbiome, Is Associated With Successful Intrauterine Insemination in Couples With Idiopathic Infertility: A Prospective Observational Study.

- **Land:** Italien (Krankenhaus San Raffaele, Mailand).
- **Design:** Prospektive Beobachtungsstudie an Paaren mit idiopathischer Unfruchtbarkeit vor intrauteriner Insemination (IUI); Volltext lag vor.
- **Population:** 25 aufeinanderfolgende Paare mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit zur ersten IUI (Mai 2015 bis November 2017), nach zwei Ausfällen 23 Paare; alle europäischer Herkunft. Alter 33 ± 3 Jahre (Frauen) und 34 ± 4 Jahre (Männer). Ausschluss bei hormonellen Erkrankungen, polyzystischem Ovarialsyndrom, Endometriose, Tubenerkrankung und Oligoasthenoteratozoospermie nach WHO 2010; mindestens zwei Samenanalysen. Fünf von 23 Frauen (21,7 %) wurden nach IUI klinisch schwanger [s095].
- **Exposition:** Zusammensetzung von Scheiden- und Samenmikrobiom am Tag der IUI.
- **Messung:** Ejakulat durch Masturbation nach 2 bis 4 Tagen Karenz, aufbereitet über einen Dichtegradienten; Scheidenabstrich aus dem hinteren Scheidengewölbe; Lagerung bei −80 °C; 16S-Sequenzierung (V3 bis V4, MiSeq); Bakterienlast mit quantitativer PCR. Als Kontrollen dienten externe Sequenzen: öffentliche Daten für die Scheide und Sequenzen gesunder Männer aus einer früheren, unveröffentlichten Studie der Gruppe. Gruppenvergleiche mit Mann-Whitney-Tests, multivariater ADONIS-Analyse (adjustiert für Alter, BMI, Spermienzahl) und FDR-Korrektur [s095].
- **Ergebnisse:** Insgesamt 8.945.927 Sequenzen. Bei den Männern gab es keine signifikanten Unterschiede der Zusammensetzung zwischen den Patienten und den Kontrollen und auch nicht zwischen Männern mit und ohne IUI-Erfolg; häufigste Familien waren Tissierellaceae, Lactobacillaceae, Streptococcaceae, Prevotellaceae und Corynebacteriaceae. Die Alpha-Diversität (Shannon) war im Ejakulat der unfruchtbaren Männer höher als bei den Kontrollen (4,8 ± 0,5 bei IUI-Erfolg und 4,3 ± 1,1 bei IUI-Misserfolg gegen 3,1 ± 1,3; p = 0,004), aber zwischen den Patientengruppen gleich. Die Spermienkonzentration vor der Aufbereitung war bei den Männern der erfolgreichen Paare höher (67,00 gegen 33,38 Mio./ml; p = 0,05, Grenzwert). Bei den Frauen war die Dominanz von Lactobacillus crispatus der einzige stark mit dem IUI-Erfolg verbundene Faktor: Die fünf Frauen mit Erfolg hatten 87 bis 91 % L. crispatus; bei den 18 ohne Erfolg war L. crispatus bei 6 Frauen dominant (50 bis 82 %), L. iners bei 6 (53 bis 92 %), L. gasseri bei 2, bei 2 Frauen gab es keine klare Lactobacillus-Dominanz. Die Shannon-Diversität der Scheide war bei Erfolg niedriger (0,8 ± 0,9 gegen 1,5 ± 1,1; p = 0,003). Der multivariate Unterschied der Lactobacillus-Cluster hatte ADONIS R² = 0,216 (p = 0,001), für L. crispatus lag der FDR-adjustierte p-Wert bei 0,0002 [s095].
- **Störgrößen:** Alter, BMI und Spermienzahl wurden in der Clusteranalyse berücksichtigt; die Gruppe der Erfolge besteht aus nur fünf Paaren.
- **Stärken:** Prospektives Design, gleichzeitige Erfassung beider Partner, klar definierter klinischer Endpunkt, einheitliche Behandlung (erste IUI, niedrig dosierte Stimulation), Bakterienlast gemessen.
- **Schwächen:** Sehr kleine Stichprobe (fünf Erfolge); Kontrollen stammen aus externen Daten, nicht aus derselben Erhebung; im Methodenteil werden keine Negativkontrollen beschrieben; viele Vergleiche bei wenigen Ereignissen, sodass ein Zufallsbefund schwer auszuschließen ist; nur Paare mit idiopathischer Unfruchtbarkeit.
- **Einordnung:** Für den Mann ergibt sich aus dieser Studie kein Hinweis darauf, dass die Zusammensetzung des Samenmikrobioms den IUI-Erfolg bestimmt; der Befund betrifft die Frau. Damit steht sie zu Koort [s070], wo auch die Männergemeinschaft mit dem Erfolg verbunden war, in einem Spannungsverhältnis, das mit den kleinen Zahlen beider Studien erklärt werden kann [s095, s070].

#### Koort et al. 2023 [s070]

*Originaltitel:* Lactobacillus crispatus-dominated vaginal microbiome and Acinetobacter-dominated seminal microbiome support beneficial ART outcome.

- **Land:** Estland (Kinderwunschklinik Nova Vita, Tallinn; Auswertung an der Universität Tartu).
- **Design:** Paarkohorte mit Schwangerschaft als Endpunkt, plus kleine Vergleichsgruppe; Volltext lag vor.
- **Population:** 97 Paare vor assistierter Reproduktion (39 % IVF, 61 % ICSI), Unfruchtbarkeit mindestens ein Jahr, vorher auf sexuell übertragbare Infektionen getestet und gegebenenfalls behandelt; dazu 12 gesunde Paare (Alter 20 bis 45 Jahre, mindestens eine gemeinsame Schwangerschaft in den letzten fünf Jahren, normaler BMI, Leukozyten im Ejakulat unter 0,2 Mio./ml). Alter im Mittel 34,1 Jahre (Frauen) und 37,4 Jahre (Männer) in der ART-Gruppe; 48,5 % der Männer hatten bereits Kinder; Leukozytospermie nach WHO bei 7,3 % der Männer, nach reduziertem Grenzwert bei 39,6 %. Bei 93 Frauen wurde ein Embryo übertragen; 28 wurden klinisch schwanger (30,1 %) [s070].
- **Exposition:** Gemeinschaftstyp von Scheide und Ejakulat; Kombination beider Partner.
- **Messung:** Proben am Tag der Follikelpunktion; Ejakulat nach 2 bis 7 Tagen Karenz, Eichelwaschung mit Seife und Wasser; Scheidenabstrich mit Nugent-Score; DNA mit QIAamp, 16S-Region V6, Illumina HiSeq2000; hierarchisches Clustering in Gemeinschaftstypen; Vergleich der Typen mit der klinischen Schwangerschaftsrate (Chi-Quadrat-Test); PERMANOVA für Störgrößen [s070].
- **Ergebnisse:** Männer in der ART-Gruppe hatten im Ejakulat signifikant weniger Sequenzen als gesunde Männer (80.170 gegen 140.549). Im Ejakulat ergaben sich sechs Gemeinschaftstypen: I Acinetobacter in verschiedenen Kombinationen (n = 48), II gramnegative Anaerobier und mikroaerophile Keime (Prevotella, Porphyromonas, Dialister, Campylobacter; n = 14), III gemischte Gemeinschaft (n = 14), IV L. iners mit Scheidenbakterien (n = 13), V Corynebacterium (n = 4), VI L. iners (n = 2). Die Schwangerschaftsrate lag bei Typ I bei 35,4 % (17 von 48), bei Typ II bei 7,1 % (1 von 14; p < 0,05). Bei den Frauen war die klinische Schwangerschaftsrate bei Typen mit L. iners, L. gasseri oder bakterieller Vaginose niedriger (22,2 %) als bei Typen mit L. crispatus oder gemischten Milchsäurebakterien (41,2 %; p < 0,05). Bei den 15 Paaren, in denen beide Partner „günstige" Typen hatten, betrug die Schwangerschaftsrate 53 %, bei den übrigen 25 % (p = 0,023). Die Männer mit Acinetobacter-Gemeinschaft hatten auch am häufigsten bereits Kinder (27 % mit früherer, 33 % mit aktueller Partnerin). Nach Adjustierung (Embryoqualität, Alter, BMI der Frau) blieb der Zusammenhang zwischen Gemeinschaftstyp und Schwangerschaft signifikant (p = 0,0461). Die männlichen Faktoren außer dem Gemeinschaftstyp beeinflussten die Schwangerschaftsrate nicht. Im Ejakulat der ART-Männer waren Lactobacillus tendenziell vermindert sowie Porphyromonas und Campylobacter vermehrt (p < 0,05) [s070].
- **Störgrößen:** Alter, BMI, Embryoqualität und Zahl der übertragenen Embryonen wurden geprüft. Die Männer mit „günstigem" Typ I waren im Mittel älter (38,6 gegen 36,4 Jahre).
- **Stärken:** Beide Partner und ein klinischer Endpunkt; konsekutive Rekrutierung; Prüfung von Störgrößen; ausführliche Beschreibung der Gemeinschaftstypen.
- **Schwächen:** Die Kontrollgruppe ist mit 12 Paaren klein, und die Gesunden wurden nach strengeren Kriterien ausgewählt als die ART-Paare. Die Gruppen für die Schwangerschaftsrate sind klein (zum Beispiel 14 Männer in Typ II), die Zusammenfassung zu „günstigen" und „weniger günstigen" Typen richtet sich nach der beobachteten Erfolgsrate (so in der Tabelle der Studie beschrieben); eine Korrektur für mehrfaches Testen wird nicht berichtet. Dass Acinetobacter den günstigen Typ bilden soll, ist ungewöhnlich: Die Gattung ist in der Umwelt und auf der Haut verbreitet, und die Autoren räumen ein, dass Laborkontamination bei dieser Gattung nicht vollständig auszuschließen ist; sie führen an, dass die Scheidenproben im selben Labor entstanden und diese Gattung nicht in hoher Zahl enthielten. Im verfügbaren Volltext werden keine Negativkontrollen erwähnt (Methodendetails stehen in Zusatztabellen). Probe nur einmal, am Tag der Punktion.
- **Einordnung:** Die Studie ist wegen des klinischen Endpunkts und der beiden Partner wertvoll, aber der Befund „günstige Typen bei beiden Partnern" ist eine Beobachtung in einer Gruppe von 97 Paaren, die eine Bestätigung braucht, wie auch die Autoren schreiben. Dass der Befund auf der Männerseite an einer in Umwelt und auf der Haut verbreiteten Gattung hängt, mahnt zur Vorsicht [s070].

#### Baud et al. 2025 [s035]

*Originaltitel:* Genital microbiota in infertile couples.

- **Land:** Schweiz (Universitätsspital Lausanne).
- **Design:** Beobachtungsstudie an Paaren in Kinderwunschbehandlung mit metagenomischer Analyse; nur die Zusammenfassung lag vor. Weitere Angaben stammen aus der Beschreibung bei Mowla [s043].
- **Population:** Männliche und weibliche Partner von Paaren in Fertilitätsbehandlung. Laut der Darstellung bei Mowla waren es 65 Paare mit verschiedenen Diagnosen einschließlich idiopathischer Unfruchtbarkeit [s035, s043].
- **Exposition:** Körperregion und Partnerschaft.
- **Messung:** Vaginal- und Penisabstriche, Follikelflüssigkeit und Ejakulat, mit Sequenzierung; laut Mowla mit umfangreichen Negativkontrollen und rechnerischer Entfernung möglicher Kontaminanten [s035, s043].
- **Ergebnisse:** Die Gemeinschaften der Körperregionen waren verschieden. Weibliche Proben waren überwiegend von Lactobacillus geprägt; männliche Proben hatten eine größere Vielfalt mit genitalspezifischen und hautassoziierten Taxa, darunter mit bakterieller Vaginose verbundene Bakterien. Es gab Unterschiede zwischen den Probenarten und innerhalb der Paare, Korrelationen zwischen Partnerproben deuten auf mögliche Übertragung oder gemeinsame Einflüsse hin. Insgesamt sei die Evidenz für eine Übertragung begrenzt [s035]. Laut Mowla waren etwa 90 % der weiblichen Proben Lactobacillus-dominiert, Proben desselben Mannes (Ejakulat und Penisabstrich) ähnlicher als Proben verschiedener Männer, und der Einfluss des männlichen Mikrobioms auf die Partnerin gering [s043].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet; Mowla nennt fehlende Angaben zur sexuellen Aktivität der Paare als Einschränkung.
- **Stärken:** Vier Probenorte, Paardesign, Kontaminationskontrolle laut Mowla.
- **Schwächen:** Nur Abstract geprüft; keine Zahlen im Abstract; kein Fertilitätsendpunkt im Abstract; Querschnitt, daher nur begrenzte Aussage zur Übertragung.
- **Einordnung:** Die Studie relativiert die Vorstellung eines starken Austauschs von Samenbakterien auf die Scheidenflora [s035]; sie stammt aus derselben Gruppe wie Baud 2019 und 2024 [s101, s047].

### E. Azoospermie: Ejakulat und Hodengewebe

Bei Männern ohne Spermien im Ejakulat (Azoospermie) lässt sich die Frage nach Bakterien im Hoden nur an Gewebe prüfen, das bei einer Biopsie oder Operation anfällt. Diese Studien sind klein, haben aber einen Vorteil gegenüber der Ejakulatprobe: Das Gewebe kommt nicht mit Harnröhre und Eichel in Berührung. Dafür sind die Kontrollgruppen schwierig, denn gesundes Hodengewebe wird nur bei Männern entnommen, die aus einem anderen Grund operiert werden.

#### Campbell et al. 2023 [s065]

*Originaltitel:* Next-generation sequencing analysis of semen microbiome taxonomy in men with nonobstructive azoospermia vs. fertile controls: a pilot study.

- **Land:** USA (Universität Miami, Urologie-Ambulanz).
- **Design:** Fall-Kontroll-Pilotstudie; nur die Zusammenfassung lag vor (der Volltext war nicht abrufbar).
- **Population:** 33 erwachsene Männer: 14 mit nichtobstruktiver Azoospermie (NOA; FSH über 10 IE/l, Hodenvolumen unter 10 ml) und 19 fruchtbare Kontrollen mit nachgewiesener Vaterschaft, die zur Vasektomie kamen [s065].
- **Exposition:** NOA gegenüber nachgewiesener Fruchtbarkeit.
- **Messung:** Ejakulatproben; quantitative PCR und 16S-rRNA-Sequenzierung mit umfassender taxonomischer Analyse [s065].
- **Ergebnisse:** Die Alpha-Diversität war in beiden Gruppen ähnlich, die Beta-Diversität unterschied sich. Bei NOA waren die Stämme Proteobacteria und Firmicutes unterrepräsentiert und Actinobacteriota überrepräsentiert. Auf Gattungsebene war Enterococcus in beiden Gruppen die häufigste Sequenzvariante; fünf Gattungen unterschieden sich signifikant, darunter Escherichia und Shigella, Sneathia und Raoultella [s065].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet.
- **Stärken:** Klar definierte NOA-Gruppe; Kontrollen mit nachgewiesener Vaterschaft.
- **Schwächen:** Sehr kleine Gruppen (14 und 19); Kontrollen sind Männer mit Vasektomiewunsch, deren Vaterschaft schon länger zurückliegen kann; im Abstract keine Zahlen zu Effekten, Alter oder Kontaminationskontrollen.
- **Einordnung:** Die Studie berichtet einen Gruppenunterschied in der Beta-Diversität, aber keine Gesamtunterschiede der Vielfalt; die Autoren sprechen von einem möglichen Verlust „funktioneller Symbiose" bei NOA, einer Deutung, die der Beobachtungsbefund nicht trägt [s065]. Ein Mitautor (Lundy) ist auch Erstautor der Studie von 2021 [s092].

#### Alfano et al. 2018 [s104]

*Originaltitel:* Testicular microbiome in azoospermic men-first evidence of the impact of an altered microenvironment.

- **Land:** Italien (Krankenhaus San Raffaele, Mailand).
- **Design:** Querschnittsstudie an Hodengewebe; Volltext lag vor.
- **Population:** 15 Hoden von 15 Männern in drei Gruppen zu je fünf: (i) idiopathische nichtobstruktive Azoospermie (iNOA) mit negativer Spermiengewinnung bei mikrochirurgischer Hodenbiopsie (microTESE); (ii) iNOA mit positiver Spermiengewinnung; (iii) normozoosperme Männer, denen wegen eines nicht metastasierten Seminoms ein Hoden entfernt wurde (nicht tumoröses Gewebe aus dem vom Tumor entferntesten Bereich, histologisch normale Spermatogenese; vor der Operation lag ein Samenanalysebefund ohne Azoospermie vor). Alle waren in den letzten sechs Monaten frei von bakteriellen Infekten und Antibiotika. Alter, Gesamttestosteron und LH unterschieden sich nicht, das FSH war bei iNOA höher [s104].
- **Exposition:** Hodengewebe mit normaler Spermatogenese, mit gestörter Spermatogenese (positive Spermiengewinnung) oder mit vollständiger Keimzellaplasie.
- **Messung:** Gewebe unter sterilen Bedingungen entnommen; DNA-Isolierung unter steriler Werkbank, Bakterienlast mit digitaler Tröpfchen-PCR (16S-Kopien je ng DNA; als Negativkontrolle DNA einer unter Antibiotika gezüchteten Zelllinie, als Positivkontrolle ein Mundschleimhautabstrich); 16S-Region V3 bis V5 durch verschachtelte PCR und tiefe Pyrosequenzierung (454 GS Junior); Auswertung mit QIIME [s104].
- **Ergebnisse:** Hoden mit normaler Spermatogenese enthielten wenig bakterielle DNA (Median 3,4 Kopien/ng; Interquartilsabstand 1,7 bis 7) über dem Hintergrund der Negativkontrolle (0,6; 0,6 bis 0,8). Bei iNOA war sie höher (12,1; 5 bis 15; p = 0,02). Die Normalproben enthielten Actinobacteria, Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria; bei iNOA fanden sich nur Actinobacteria und Firmicutes; der Artenreichtum war geringer, da Bacteroidetes und Proteobacteria fehlten (p = 2 × 10⁻⁵). Proben mit negativer Spermiengewinnung zeigten vollständige Keimzellaplasie, weniger Firmicutes und Clostridia (p < 0,05), kein Peptoniphilus asaccharolyticus und mehr Actinobacteria; zwischen positiver und negativer Spermiengewinnung unterschied sich die Bakterienmenge nicht [s104].
- **Störgrößen:** Nicht adjustiert; das Kontrollgewebe stammt aus Hoden mit Tumor.
- **Stärken:** Gewebe statt Ejakulat, quantitative Messung mit Negativ- und Positivkontrolle, sterile Entnahme, histologische Einordnung (Johnsen-Score).
- **Schwächen:** Fünf Proben je Gruppe; das „normale" Gewebe stammt aus einem von Tumor betroffenen Hoden (paraneoplastisches Milieu), die iNOA-Proben aus Bereichen mit den am stärksten erweiterten Tubuli (nach Auswahl bei der Biopsie), sodass die Bakterienmenge unterschätzt sein kann (so die Autoren). Fixierung und Lagerung der Proben unterschieden sich (Gefrierlösung gegen Einbettmedium). Die Autoren bezeichnen die Studie als vorläufig und externe Bestätigung als nötig. Spätere Übersichten nennen für Hodenproben Kontaminationsanteile von 50 bis 70 % der Reads [s054, s050].
- **Einordnung:** Die Studie ist nach Angabe der Autoren die erste Untersuchung eines Hodengewebe-Mikrobioms beim Menschen und laut dem italienischen Recherchedokument der stärkste italienische Primärbeitrag zum Thema; sie zeigt, dass der Hoden nicht keimfrei ist, aber in sehr geringer Menge. Der Zusammenhang „mehr Bakterien-DNA, weniger Vielfalt bei Keimzellaplasie" lässt zwei Richtungen zu: Bakterien könnten die Spermatogenese stören, oder das veränderte Gewebe beherbergt andere Bakterien. Die Hypothese eines „frühen Alterungsphänotyps" ist eine Deutung der Autoren [s104].

#### Faniev et al. 2024 (Zeitschrift „Экспериментальная и клиническая урология", Heft 2) [s062]

Titel: Структура микробиоты фертильных и инфертильных пациентов с различными видами азооспермии (Struktur der Mikrobiota fertiler und infertiler Patienten mit verschiedenen Formen der Azoospermie). Die Angaben stammen aus dem Recherchedokument für den russischen Sprachraum (Dokument ru); die Originalarbeit wurde für dieses Kapitel nicht eingesehen, in Europe PMC ist sie nicht erfasst.

- **Land:** Russland (laut Recherchedokument unter anderem RUDN-Universität und Kasaner Einrichtungen).
- **Design:** Retrospektiv eingeteilte Querschnittsstudie.
- **Population:** 57 Patienten: 29 mit nichtobstruktiver Azoospermie (NOA), 19 mit obstruktiver Azoospermie (OA) und 9 fertile Männer; bei allen wurde eine mikrochirurgische Hodenbiopsie (micro-TESE) durchgeführt [s062].
- **Exposition:** Azoospermieform und Fruchtbarkeitsstatus.
- **Messung:** 16S-rRNA-Sequenzierung des Hodengewebes (NGS), Auswertung mit QIIME 1.9.1; parallel Material aus der Harnröhre als Kontrolle der Methode [s062].
- **Ergebnisse:** Zwischen den Gruppen gab es keine signifikanten Unterschiede der Harnröhren-Mikrobiota. Die Diversitätsindizes (phylogenetische Diversität, Chao1, Shannon, Simpson) und die Zahl der taxonomischen Einheiten im Hodengewebe waren bei NOA und OA signifikant niedriger als bei den fertilen Männern. Bei NOA war Proteobacteria signifikant vermehrt, bei den fertilen Männern Firmicutes und Bacteroidetes. NOA und OA unterschieden sich vor allem im Anteil von Bifidobacterium adolescentis. Die Autoren schließen, das Hodengewebe sei nicht steril, bei Azoospermie sei die Bakteriengemeinschaft verarmt und von der Harnröhrenflora verschieden [s062].
- **Störgrößen:** Im Recherchedokument nicht genannt.
- **Stärken:** Hodengewebe statt Ejakulat; parallele Harnröhrenprobe als methodische Kontrolle; Vergleich zweier Azoospermieformen mit fertilen Männern.
- **Schwächen:** Kleine Gruppen (fertile Männer: 9); die fertile Gruppe sind Männer mit Vaterschaft, bei denen die Gewebeentnahme aus anderem Grund erfolgte (nach dem Recherchedokument zur verwandten Arbeit [s061] zum Ausschluss von Keimzelltumoren), also keine gesunden Freiwilligen. Negativkontrollen für Reagenzien sind im verfügbaren Text nicht beschrieben (so das Recherchedokument). Von derselben Forschungsgruppe wie [s060, s061, s046]; eine Überschneidung der Patienten ist wahrscheinlich, aber nicht angegeben.
- **Einordnung:** Eine der wenigen Studien am Hodengewebe, die die Gewebeflora mit der Harnröhrenflora vergleicht. Sie stützt gemeinsam mit Alfano die Aussage, dass das Hodengewebe Bakterien-DNA enthält und sich bei Azoospermie anders zusammensetzt [s104, s062].

#### Faniev et al. 2024 (Zeitschrift „Андрология и генитальная хирургия") [s061]

Titel: Сравнительный анализ микробиоты ткани яичка и уретры у пациентов с азооспермией методом секвенирования нового поколения (NGS) (Vergleichende Analyse der Mikrobiota von Hodengewebe und Harnröhre bei Patienten mit Azoospermie mittels Sequenzierung der nächsten Generation). Angaben aus dem Recherchedokument (Dokument ru); laut diesem wurden nur Zielsetzung, Methoden und Schlussfolgerungen gelesen, Zahlenergebnisse aus dem Text nicht verwendet.

- **Land:** Russland.
- **Design:** Querschnittsstudie mit gepaarten Gewebe- und Harnröhrenproben.
- **Population:** 53 Männer: 13 mit NOA und Varikozele, 29 mit obstruktiver Azoospermie (OA) und 11 fertile Männer mit nachgewiesener Vaterschaft. Das Recherchedokument weist darauf hin, dass der Methodenteil 42 ausgewählte Patienten plus 11 Fertile nennt, die Gruppen der Zusammenfassung ergeben ebenfalls 53 [s061].
- **Exposition:** Azoospermieform.
- **Messung:** Sequenzierung (NGS) von Hodengewebe und Harnröhrenprobe [s061].
- **Ergebnisse:** Laut der Schlussfolgerung hatte das Hodengewebe unfruchtbarer Patienten mit OA eine deutlich verarmte bakterielle Vielfalt im Vergleich zur Gruppe NOA mit Varikozele, und die fertile Gruppe war taxonomisch am vielfältigsten; die Autoren sehen darin einen möglichen Einfluss des Mikrobioms auf die Fortpflanzungsgesundheit [s061].
- **Störgrößen:** Nicht berichtet.
- **Stärken:** Paarvergleich Gewebe und Harnröhre.
- **Schwächen:** Im Recherchedokument liegen keine Zahlen vor; die Kontrollgruppe stammt aus Männern, bei denen die Biopsie zum Ausschluss von Keimzelltumoren erfolgte; kleine Gruppen; Überschneidung mit den übrigen Faniev-Studien [s061, s062, s060, s046].
- **Einordnung:** Die Befunde sind nur als Richtung zu lesen. Bemerkenswert ist, dass die Gruppe mit obstruktiver Azoospermie die geringste Vielfalt zeigte, obwohl die Hodenfunktion dort nicht primär gestört sein muss; eine Erklärung nennt das Recherchedokument nicht [s061].

#### Faniev et al. 2024 (Zeitschrift „Вестник урологии") [s060]

Titel: Взаимосвязь микробиома и мастоцитоза тестикулярной ткани при азооспермии (Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Mastozytose des Hodengewebes bei Azoospermie). Angaben aus dem Recherchedokument (Dokument ru), das den Volltext dieser Arbeit als gelesen angibt; die Prüfung des PDF ist dort allerdings als nicht bestätigt vermerkt.

- **Land:** Russland.
- **Design:** Querschnittsstudie mit Sequenzierung und Immunhistochemie.
- **Population:** 33 Männer mit Azoospermie: 21 mit NOA und 12 mit OA. Alter im Mittel 39,4 ± 10,7 Jahre, Dauer der Kinderlosigkeit 7,2 ± 7,8 Jahre [s060].
- **Exposition:** Azoospermieform und Mastzellbefund im Hodengewebe.
- **Messung:** Hodengewebe (NGS 16S) und Immunhistochemie auf Mastzell-Tryptase [s060].
- **Ergebnisse:** Das Mikrobiom bei NOA unterschied sich deutlich von dem bei OA (p < 0,05); bei NOA waren Enterobacteriaceae, Xanthomonadaceae, Finegoldia, Bifidobacterium, Porphyromonas, Prevotella, Peptoniphilus und Pseudomonas häufiger, bei OA kam Prevotella selten vor, und die Gesamtzahl der Taxa war bei OA niedriger. Hormone: bei NOA niedrigeres Testosteron, höheres FSH und LH; Inhibin B korrelierte negativ mit FSH (r = −0,678) und LH (r = −0,645). Eine Mastozytose im Interstitium fand sich in etwa 83 % der Fälle, Mastzellen in den Tubuli in 68 %, ein vollständiges Fehlen von Mastzellen nur bei 32 %. In der NOA-Gruppe korrelierten Mastzellen in den Tubuli positiv mit Bifidobacterium (r = 0,710) und Dermabacter (r = 0,527), in der OA-Gruppe mit Cloacibacterium (r = 0,961), Propionibacterium (0,665), Collinsella (0,665), Porphyromonas (0,647) und Staphylococcaceae (0,632; alle p < 0,05). Die Alpha-Diversität nach Shannon (r = 0,591) und Simpson (r = 0,680) hing in der OA-Gruppe mit der Zahl der Stroma-Mastzellen zusammen, wobei das Vorzeichen im Quelltext widersprüchlich beschrieben ist [s060].
- **Störgrößen:** Nicht berichtet; keine Adjustierung erkennbar.
- **Stärken:** Verknüpfung von Mikrobiom, Hormonen und Gewebehistologie (Mastzellen).
- **Schwächen:** Sehr kleine Gruppen (12 bei OA), auf denen Korrelationen wie r = 0,961 beruhen, die bei vielen Taxa und wenigen Fällen anfällig für Zufallsbefunde sind; keine Korrektur für mehrfaches Testen erkennbar; kein Zusammenhang kann als ursächlich gelesen werden; Vorzeichenwiderspruch im Quelltext; Kontrollen fehlen (keine fertile Gruppe).
- **Einordnung:** Die Studie liefert die Hypothese, dass Mastzellen im Hoden und Bakterienprofile zusammenhängen. Sie ist hypothesengenerierend [s060].

#### Faniev et al. 2025 (Zeitschrift „Экспериментальная и клиническая урология", Heft 3) [s046]

Titel: Сравнительный анализ микробиоты уретры и яичек у пациентов с обструктивной азооспермией с результатами вспомогательных репродуктивных технологий (Vergleichende Analyse der Mikrobiota von Harnröhre und Hoden bei Patienten mit obstruktiver Azoospermie und den Ergebnissen der assistierten Reproduktion). Angaben aus dem Recherchedokument (Dokument ru).

- **Land:** Russland.
- **Design:** Kohortenstudie.
- **Population:** 24 Männer mit obstruktiver Azoospermie in assistierter Reproduktion: bei 13 trat eine Schwangerschaft ein (ART+), bei 11 nicht (ART−) [s046].
- **Exposition:** Mikrobiota von Hodengewebe und Harnröhre.
- **Messung:** 16S-Sequenzierung beider Proben; Vergleich der Alpha-Diversität und der Familienanteile; Korrelation mit Inhibin B [s046].
- **Ergebnisse:** Im Hodengewebe überwogen die Familien Enterobacteriaceae und Burkholderiaceae, in der Harnröhre Mycobacteriaceae, Staphylococcaceae, Lactobacillaceae und Peptoniphilaceae. Die Alpha-Diversität unterschied sich nicht signifikant zwischen ART− und ART+ (Shannon-Index im Hoden 4,7 ± 1,7 und 4,1 ± 1,2, in der Harnröhre 3,9 ± 1,9 und 3,6 ± 1,1). In der ART−-Gruppe waren im Hodengewebe aber 19 Familien signifikant häufiger und 2 seltener (Mycobacteriales und Legionellaceae). Inhibin B hing mit der Zusammensetzung der Hodenmikrobiota zusammen. Die Autoren sprechen von einer möglichen „Mikrobiota der Fruchtbarkeit des Hodens" [s046].
- **Störgrößen:** Keine Adjustierung für Alter oder weitere Merkmale im verfügbaren Text.
- **Stärken:** Seltener klinischer Endpunkt (Schwangerschaft nach ART); Vergleich von Gewebe und Harnröhre.
- **Schwächen:** 24 Männer, 13 gegen 11; Standardabweichungen sehr groß; 21 differenzielle Familien bei diesem Umfang laden zu Zufallsbefunden ein; der Schwangerschaftsausgang hängt auch von der Partnerin ab, deren Faktoren nicht berücksichtigt sind; die Deutung als „Mikrobiota der Fruchtbarkeit" ist eine Hypothese, nicht belegt [s046].
- **Einordnung:** Die Studie ist ein erstes Signal, dass die Hodenflora mit dem ART-Ergebnis zusammenhängen könnte, aber wegen der Gruppengröße nicht belastbar [s046]. Alle vier Faniev-Studien stammen von derselben Forschungsgruppe, und eine Überschneidung der Kollektive ist wahrscheinlich; sie sind keine unabhängigen Bestätigungen füreinander.

### F. Besondere Populationen: Prostatitis, Beckenschmerz, sexueller Beginn und HIV

Diese Studien untersuchen nicht Unfruchtbarkeit, sondern Zustände, die das Samenmikrobiom verändern können und deshalb für die Einordnung der übrigen Studien wichtig sind.

#### Mändar et al. 2017 [s110]

*Originaltitel:* Seminal microbiome in men with and without prostatitis.

- **Land:** Estland (Universität Tartu und Kompetenzzentrum für Gesundheitstechnologien; Affiliation laut Europe-PMC-Eintrag).
- **Design:** Querschnittsstudie mit Vergleich von Prostatitispatienten und Männern ohne Prostatitis; nur die Zusammenfassung lag vor.
- **Population:** 67 Männer: 21 mit und 46 ohne Prostatitis. Weitere Merkmale nennt der Abstract nicht [s110].
- **Exposition:** Prostatitis.
- **Messung:** Sequenzierung der V6-Region des 16S-Gens (Illumina HiSeq2000) mit kombinatorischen Sequenzmarkierungen im Ejakulat [s110].
- **Ergebnisse:** Häufigster Stamm waren die Firmicutes (Median 41,7 %; Quartile 28,5 bis 47,2 %), danach Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria. Der Anteil der Laktobazillen war bei Gesunden höher als bei Prostatitispatienten (27 % [20,2 bis 34,6] gegen 20,2 % [4,9 bis 25,0]; p = 0,05), besonders bei Lactobacillus iners. Proteobacteria machten bei den Patienten einen größeren Anteil aus. Die Artenvielfalt war bei den Patienten höher (inverser Simpson-Index 13,5 ± 5,8 gegen 10,3 ± 4,0) [s110].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet.
- **Stärken:** Klinisch definierte Gruppen (Prostatitis), Sequenzierung statt Kultur.
- **Schwächen:** Kleine Zahl; der Hauptbefund hat einen p-Wert genau an der Grenze (p = 0,05); Angaben zur Kontaminationskontrolle nicht im Abstract.
- **Einordnung:** Die Studie ist eine der Grundlagen für die Annahme „weniger Laktobazillen und höhere Vielfalt bei Entzündung der Prostata", die später auch bei Leukozytospermie gefunden wurde [s084]; bei den Laktobazillen war besonders L. iners in der Gruppe ohne Prostatitis häufiger, was in einem Spannungsverhältnis zum Befund von Osadchiy [s056] steht, wo L. iners bei auffälliger Motilität vermehrt war [s110].

#### Mändar et al. 2018 [s107]

*Originaltitel:* Impact of sexual debut on culturable human seminal microbiota.

- **Land:** Estland (Universität Tartu).
- **Design:** Querschnittsstudie mit kulturbasierter Methode; nur die Zusammenfassung lag vor.
- **Population:** 68 junge gesunde Männer: 12 ohne sexuelle Erfahrung, 11 mit einer einzigen Partnerin im Leben und 45 mit mehreren Partnerinnen [s107].
- **Exposition:** Sexuelle Erfahrung (sexueller Beginn).
- **Messung:** Kultur der Bakterien im Ejakulat mit Bestimmung der Zahl der Arten und der Gesamtkonzentration [s107].
- **Ergebnisse:** Ein Mann konnte ein bis neun verschiedene Bakterien im Ejakulat tragen; die Gesamtkonzentration lag zwischen 2,3 und 7,3 log10 KbE/ml. Bei Männern ohne sexuelle Erfahrung waren Gesamtkonzentration und Vielfalt niedriger als bei sexuell erfahrenen (p < 0,05); beide Größen waren positiv korreliert (r = 0,54; p < 0,0001). Grundparameter des Spermiogramms waren in den Untergruppen ähnlich, und es gab keinen Zusammenhang zwischen sexueller Erfahrung und der Leukozytenzahl im Ejakulat [s107].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet (Alter, Karenz).
- **Stärken:** Seltene Studie an Männern ohne sexuelle Vorerfahrung; Hinweis auf einen Einfluss des Sexualverhaltens auf die Samenflora.
- **Schwächen:** Nur kultivierbare Bakterien; nur 12 Männer ohne Erfahrung; Querschnitt; keine Aussage zur Fruchtbarkeit.
- **Einordnung:** Die Studie zeigt, dass die Bakterienflora im Ejakulat mit dem sexuellen Verhalten zusammenhängt, ohne dass sich das Spermiogramm unterscheidet. Das erschwert die Interpretation aller Studien, die nicht das Sexualverhalten berücksichtigen (etwa Osadchiy [s056], wo die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs nicht erfasst wurde) [s107].

#### Saldarriaga López et al. 2024 [s058]

*Originaltitel:* The microbiota of sexual intercourse and its effect on prostatitis.

- **Land:** Kolumbien (Universität von Antioquia, Medellín).
- **Design:** Querschnittsstudie mit Fall-Kontroll-Struktur; nur die Zusammenfassung lag vor.
- **Population:** 53 Ejakulatproben: 22 von Männern mit Symptomen einer chronischen Prostatitis und 31 von Männern ohne Anzeichen einer urogenitalen Infektion (Kontrollgruppe) [s058].
- **Exposition:** Symptome einer chronischen Prostatitis.
- **Messung:** Nachweis von Lactobacillus crispatus, Lactobacillus iners, Gardnerella vaginalis und Atopobium vaginae im Ejakulat (die Methode nennt der Abstract nicht), außerdem Spermienparameter, die gesamte antioxidative Kapazität des Samenplasmas, prostataspezifisches Antigen und einige entzündungsfördernde Zytokine [s058].
- **Ergebnisse:** Männer mit Prostatitissymptomen hatten einen geringeren Anteil normal geformter Spermien (4,3 % gegen 6,0 % in der Kontrollgruppe; p = 0,004). In der Gruppe ohne urogenitale Beschwerden wurden Mikroorganismen, die zur Scheidenflora gehören, häufiger nachgewiesen [s058].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet.
- **Stärken:** Gezielte Messung von Mikroorganismen, die sonst als „scheidentypisch" gelten; zusätzliche Entzündungs- und Antioxidationsmarker.
- **Schwächen:** Kleine Gruppen; nur vier Zielorganismen statt der Gesamtgemeinschaft; Methode und Häufigkeiten im Abstract nicht angegeben; die Deutung, Scheidenmikroorganismen im Ejakulat könnten vor Prostatitis schützen, ist eine Hypothese der Autoren und aus einem Querschnitt nicht abzuleiten.
- **Einordnung:** Der Befund zur Morphologie ist ein klinisch greifbarer Unterschied; die mikrobiologische Aussage ist vorläufig und passt zu den estnischen Studien zu Laktobazillen bei Prostatitis [s110, s058].

#### Choi et al. 2020 [s096]

*Originaltitel:* Analysis of bacterial community using pyrosequencing in semen from patients with chronic pelvic pain syndrome: a pilot study.

- **Land:** Südkorea (Einzelzentrum, Universitätskrankenhaus der Katholischen Universität Korea).
- **Design:** Prospektive Fall-Kontroll-Pilotstudie, Oktober 2014 bis August 2015; Volltext lag vor.
- **Population:** 17 Patienten mit chronischer Prostatitis/chronischem Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS; Beschwerden seit mindestens drei Monaten, NIH-CPSI-Score mindestens 15, keine Antibiotika in den letzten drei Monaten, negative Urinkultur) und 4 gesunde Freiwillige. Alter im Mittel 51,91 ± 12,27 und 47,25 ± 5,51 Jahre; NIH-CPSI 27,82 ± 5,51 gegen 1,25 ± 0,96. Männer mit Blut im Ejakulat wurden nicht ausgeschlossen [s096].
- **Exposition:** CP/CPPS.
- **Messung:** Reinigung von Händen und Eichel mit borsäuregetränkten Wattebällchen, Masturbation in sterile Flaschen, Tiefkühlung bei −20 °C. Parallel konventionelle Kultur (Blut- und MacConkey-Agar; positiv ab 10³ KbE/ml) und Pyrosequenzierung (454 GS FLX Plus; Primer 27F und 518R) mit Zuordnung gegen die Silva-Datenbank [s096].
- **Ergebnisse:** In keiner Probe beider Gruppen wuchsen Kolonien. Die Pyrosequenzierung (232.038 Reads, 1.343 OTUs bei 97 %) fand in allen Proben mehrere Gattungen, darunter viele anspruchsvolle Bakterien. Corynebacterium, Pseudomonas, Sphingomonas, Staphylococcus und Streptococcus wurden in beiden Gruppen häufig gefunden; Achromobacter, Stenotrophomonas und Brevibacillus bei den Patienten häufiger (Stenotrophomonas bei 14 Patienten, 82,4 %). Der Shannon-Index war in beiden Gruppen ähnlich (1,75 ± 0,66 bei Kontrollen, 1,88 ± 0,99 bei Patienten); ein signifikanter Unterschied der Vielfalt bestand nicht. Die Autoren sahen weniger Laktobazillen bei den Patienten [s096].
- **Störgrößen:** Keine Adjustierung; mittleres Alter 51,9 gegen 47,3 Jahre.
- **Stärken:** Parallele Kultur und Sequenzierung an derselben Probe; klinisch definierte Patientengruppe.
- **Schwächen:** Mit vier Kontrollpersonen kaum aussagekräftig (so die Autoren: „underpowered"); keine Negativkontrollen, und die Autoren weisen selbst darauf hin, dass Achromobacter ein häufiger Laborkontaminant ist und Studien mit Negativkontrollen nötig sind; die Auswertung der Diversität ist in der Studie widersprüchlich beschrieben (Shannon und Simpson geben unterschiedliche Richtungen an); die Probenentnahme mit Reinigung nur der Eichel; Kontaminationsmöglichkeit durch Entnahme und Handhabung.
- **Einordnung:** Die Studie zeigt vor allem den Unterschied zwischen Kultur und Sequenzierung: Alle Proben waren in der Kultur steril, während die Sequenzierung bei jeder Probe Bakterien-DNA fand. Das ist ein deutlicher Hinweis, dass Sequenzbefunde nicht mit lebenden Keimen oder Infektion gleichzusetzen sind und dass Kontamination eine Rolle spielen kann. Eine Aussage zur Fruchtbarkeit enthält die Studie nicht [s096].

#### Liu et al. 2014 [s115]

*Originaltitel:* The semen microbiome and its relationship with local immunology and viral load in HIV infection.

- **Land:** Kanada (Toronto); die Autorenaffiliationen nennen auch Einrichtungen in den USA.
- **Design:** Beobachtungsstudie (Kohorte) mit Längsschnittanteil; Volltext lag vor. Es geht nicht um Unfruchtbarkeit, sondern um das Samenmikrobiom bei HIV-Infektion.
- **Population:** 49 Männer, die Sex mit Männern haben (MSM): 22 HIV-negative und 27 HIV-positive, bisher unbehandelte Männer. Mittleres Alter 36,4 und 34,0 Jahre (p = 0,399). Einschluss ohne Hinweis auf Chlamydien-, Gonokokken- oder Syphilisinfektion. Bei den HIV-positiven Männern betrug die Seroprävalenz von HSV-2 48,3 % und von CMV 79,3 %; im Median CD4-Zahl 300/mm³, HIV-RNA 30.122 Kopien/ml im Blut und 3.192 Kopien/ml im Ejakulat [s115].
- **Exposition:** HIV-Infektion und antiretrovirale Therapie (Probe vor Beginn sowie nach 1 und 6 Monaten).
- **Messung:** Ejakulat durch Masturbation nach 48 Stunden Karenz in sterilen Nährmedien mit Penicillin und Streptomycin, Abtrennung des Samenplasmas durch Zentrifugation bei 850 g; Pyrosequenzierung der Regionen V3 bis V6 des 16S-Gens; Bakterienlast mit quantitativer PCR; 13 Zytokine im Samenplasma; HIV-RNA-Viruslast. Insgesamt 162.998 Sequenzen [s115].
- **Ergebnisse:** Streptococcus, Corynebacterium und Staphylococcus waren unabhängig vom HIV-Status häufig. Bei HIV-negativen Männern war Ureaplasma der häufigere Vertreter der Mollicutes, nach HIV-Infektion Mycoplasma. HIV war mit geringerer Diversität und Artenzahl im Samenmikrobiom verbunden, die sich nach sechs Monaten antiretroviraler Therapie erholten. Bei HIV-positiven Männern hing die Bakterienlast mit sieben entzündungsfördernden Zytokinen zusammen, darunter IL-6 (p = 0,024), TNF-α (p = 0,009) und IL-1β (p = 0,002); IL-1β mit der Viruslast im Ejakulat (r² = 0,18; p = 0,02), die Bakterienlast direkt mit der Viruslast (r² = 0,15; p = 0,02) [s115].
- **Störgrößen:** Das Sexualverhalten wurde nicht erfasst; die Autoren halten es für unwahrscheinlich, dass es die Veränderungen erklärt.
- **Stärken:** Wiederholte Messungen bei denselben Männern mit Therapie; Kombination von Bakterienlast, Zytokinen und Viruslast; HIV-negative Kontrollen aus demselben Ort.
- **Schwächen:** Die Verarbeitung war auf den HIV-Nachweis ausgelegt; die Autoren räumen ein, dass die hohe Zentrifugationsgeschwindigkeit Bakterienarten unterschiedlich abgetrennt haben könnte. Der Antibiotikazusatz im Entnahmemedium kann die Bakterienzusammensetzung ebenfalls verändern (Anmerkung des Verfassers); Bakterienlast im Pellet konnte wegen menschlicher DNA nicht gemessen werden; die Kontrollgruppe bestand aus Mitarbeitenden und Studierenden einer Universität; keine Angaben zu Spermienqualität; nur Männer, die Sex mit Männern haben.
- **Einordnung:** Diese Studie ist keine Studie zur Unfruchtbarkeit und darf nicht als Beleg für Unfruchtbarkeitsmechanismen verwendet werden. Sie zeigt, dass das Immunsystem das Samenmikrobiom mitprägt (Erholung der Vielfalt unter Therapie), und sie liefert Befunde zu Mollicutes (Ureaplasma, Mycoplasma) im Ejakulat von Männern, die Sex mit Männern haben [s115].

### G. Kultur- und PCR-Studien: Bakteriospermie und Genitalinfektionen

Die Studien dieses Abschnitts suchen mit Kultur oder spezifischer PCR gezielt nach bekannten Krankheitserregern. Sie liefern das ältere und klinisch vertrautere Bild: Bakterien im Ejakulat als Infektion. Der Unterschied zu den Sequenzierungsstudien liegt in der Frage (Infektion statt Gemeinschaft), in der Methode (nur kultivierbare oder gezielt gesuchte Erreger) und in den Kontrollgruppen. Viele dieser Studien vergleichen unfruchtbare Männer mit „fruchtbaren" Kontrollen, die über ein normales Spermiogramm definiert sind; dann ist der Zusammenhang zwischen Erreger und Spermiogramm schon durch die Gruppenbildung vorgeprägt.

#### Berjis et al. 2018 [s105]

*Originaltitel:* Study of seminal infection among an infertile male population in Qom, Iran, and its effect on sperm quality.

- **Land:** Iran (Qom; Affiliation Infertilitätszentrum Teheran, Untersuchung im Zentrum Jihad Daneshgahi, Qom).
- **Design:** Als Kohortenstudie bezeichnet, tatsächlich Querschnitt mit Kontrollgruppe; Volltext lag vor.
- **Population:** Der Abstract nennt 150 unfruchtbare Männer mit auffälligem Spermiogramm und 150 gesunde fruchtbare Männer (300 Proben). Im Methodenteil heißt es dagegen, 300 Männer seien zur Samenanalyse gekommen (zum Teil mit Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen oder schmerzhafter Ejakulation, einige auch nur zur Prüfung ihrer Fruchtbarkeit), und die Kontrollgruppe bestehe aus 100 Männern mit nachgewiesener Vaterschaft in den letzten drei Jahren. Die mediane Dauer der Kinderlosigkeit betrug 3,75 Jahre [s105].
- **Exposition:** Nachweis von Bakterien im Ejakulat (Kultur).
- **Messung:** Entnahme nach 3 bis 5 Tagen Karenz mit Händewaschen und Waschen von Penis und Hodensack; Spermiogramm nach WHO; Kultur auf Agar- und EMB-Platten; Identifikation durch Gram-Färbung, Katalase- und Koagulase-Test. Auswertung mit ANOVA, LSD-Test und Fisher-Test [s105].
- **Ergebnisse:** 63 von 300 Männern (21 %) hatten Bakterien im Ejakulat: Staphylococcus aureus in 39 Proben (61,9 %), koagulasenegative Staphylokokken in 9 (14,28 %), Streptokokken in 9 (14,28 %), Escherichia coli in 6 (9,52 %; der Abstract nennt 9,25 %). Von 59 Männern mit Symptomen hatten 51 positive Kultur, von 241 ohne Symptome 12. Die Mittelwerte (Kontrolle, Infizierte, Nichtinfizierte): Volumen 4,08, 3,14 und 3,74 ml; Konzentration 45,56, 32,21 und 33,49 Mio./ml; Motilität 56,66, 54,32 und 55,45 %; normale Morphologie 18,46, 16,25 und 17,01 %. Der paarweise Vergleich ergab für infizierte Männer gegen Kontrollen Unterschiede bei Konzentration (p = 0,032) und Volumen (p = 0,003), nicht bei Morphologie (p = 0,621) und Motilität (p = 0,492); zwischen Infizierten und Nichtinfizierten unterschied sich nur die Konzentration (p = 0,046) [s105].
- **Störgrößen:** Keine Adjustierung; Alter und Rauchen sind im Text nicht berichtet.
- **Stärken:** Große Zahl von Proben; einheitliche Kultur; Vergleich dreier Gruppen.
- **Schwächen:** Die Beschreibung der Gruppen ist zwischen Abstract und Methoden widersprüchlich (150 gegen 150 gegenüber 300 Patienten und 100 Kontrollen). Die Aussagen des Abstracts zu einzelnen Erregern (alle außer Streptokokken senkten die Konzentration, E. coli senkte die Motilität, E. coli und S. aureus die Morphologie) sind im Ergebnisteil des Volltextes nicht durch Zahlen belegt, und die berichteten Mittelwerte für Motilität und Morphologie unterscheiden sich kaum. Im Text steht an einer Stelle, die Zahl sei signifikant niedriger, mit „p > 0,05". Als Prävalenz bei „unfruchtbaren Männern" wird der Anteil an allen 300 Untersuchten angegeben, die auch Männer ohne Kinderwunschproblem einschließen. Kultur erfasst nur anzüchtbare Aerobier; Kontamination der Probe von der Haut ist nicht ausgeschlossen. Die Autoren selbst erwähnen, dass der Nachweis von Bakterien im Ejakulat nicht notwendig eine Infektion bedeutet [s105].
- **Einordnung:** Die Studie zeigt eine Prävalenz von 21 % in einer klinischen Gruppe und die Dominanz von Staphylococcus aureus, aber keinen belastbaren Zusammenhang mit der Spermienqualität. Der Zusammenhang zwischen Symptomen und positiver Kultur ist deutlich (51 von 63 Infizierten hatten Symptome) und deckt sich mit dem klinischen Bild einer symptomatischen Infektion [s105].

#### Heidari Pebdeni et al. 2021 [s090]

*Originaltitel:* Bacteriospermia and its association with seminal fluid parameters and infertility in infertile men, Kerman, Iran: A cross-sectional study.

- **Land:** Iran (Kerman, Universität für Medizinische Wissenschaften).
- **Design:** Querschnittsstudie mit Fall-Kontroll-Vergleich; Volltext lag vor.
- **Population:** 200 Männer aus Kinderwunschzentren in Kerman (Juli bis Dezember 2019): 100 unfruchtbare Männer (mindestens 12 Monate ohne Schwangerschaft, kein weiblicher Faktor, keine hormonellen oder anatomischen Auffälligkeiten, keine Zeichen einer Genitalinfektion, keine Antibiotika in den letzten zwei Wochen, auffälliges Spermiogramm) und 100 fruchtbare Männer mit normalem Spermiogramm, deren Partnerinnen früher ohne Behandlung schwanger geworden waren. Alter 35,33 ± 7,38 gegen 34,29 ± 7,30 Jahre (p = 0,73) [s090].
- **Exposition:** Nachweis von Ureaplasma spp., U. urealyticum, U. parvum, Mycoplasma hominis, M. genitalium und Chlamydia trachomatis im Ejakulat.
- **Messung:** Entnahme nach 2 bis 7 Tagen Karenz mit Waschen von Händen und Genitalbereich; Spermiogramm nach WHO; DNA-Extraktion, Prüfung auf menschliches β-Globin als Kontrolle von PCR-Hemmstoffen, konventionelle PCR für Ureaplasma und M. hominis, verschachtelte PCR für M. genitalium, kommerzieller Test für C. trachomatis, Sanger-Sequenzierung der Produkte. Fisher-Test, logistische Regression [s090].
- **Ergebnisse:** 122 von 200 Proben (61 %) waren für mindestens einen Erreger positiv. Nachweis bei unfruchtbaren und fruchtbaren Männern: M. genitalium 14 gegen 2 (p < 0,001), C. trachomatis 9 gegen 0 (p < 0,001), M. hominis 7 gegen 16 (p = 0,07), Ureaplasma spp. 41 gegen 33 (p = 0,31), U. urealyticum 2 gegen 3, U. parvum 24 gegen 16 (p = 0,22). In der logistischen Regression waren M. genitalium (OR 8,06; p < 0,001) und C. trachomatis (OR 16; 95-%-KI 1,67 bis 153.179; p = 0,01) mit Unfruchtbarkeit verbunden. Das Spermiogramm war bei den unfruchtbaren Männern erwartungsgemäß schlechter (zum Beispiel progressive Beweglichkeit 16,93 ± 11,50 gegen 45,81 ± 15,05 %, Vitalität 44,04 gegen 73,14 %, Konzentration 51,98 ± 47,37 gegen 65,55 ± 30,39 Mio./ml; p = 0,01). Innerhalb der unfruchtbaren Männer hing M. genitalium mit niedrigerer progressiver Motilität zusammen (22 gegen 33 %; p = 0,04), M. hominis mit kleinerem Volumen (2,8 gegen 3,27 ml; p = 0,03), U. parvum mit einem geringeren Anteil normaler Formen (67,5 gegen 84,7 %; p = 0,02), C. trachomatis mit niedrigerer progressiver Motilität (15,67 gegen 32,27 %; p = 0,03) und Vitalität (22 gegen 63,5 %; p = 0,03) [s090].
- **Störgrößen:** Alter war ähnlich; sonst keine Adjustierung. Die Kontrollen wurden über ein normales Spermiogramm definiert.
- **Stärken:** Gleichzeitige Prüfung sechs verschiedener Erreger mit molekularem Nachweis, Kontrolle auf PCR-Hemmung, Sequenzbestätigung, Kontrollen aus denselben Zentren und demselben Zeitraum.
- **Schwächen:** Der Befund zu C. trachomatis beruht auf 9 Männern ohne einen Fall bei den Kontrollen; das Konfidenzintervall der Odds Ratio (1,67 bis 153.179) zeigt, dass die Schätzung praktisch nicht belastbar ist. Fruchtbare Kontrollen mit normalem Spermiogramm gegen unfruchtbare Männer mit auffälligem Spermiogramm: Der Zusammenhang zwischen Erreger und Samenqualität ist so mit der Gruppenbildung verflochten. Die Gruppen innerhalb der Unfruchtbaren sind sehr klein (zum Beispiel 9 Männer mit C. trachomatis), viele Einzelvergleiche ohne Korrektur. Im Text steht, 74 % der Männer trügen Ureaplasma spp.; die Tabelle zeigt 74 betroffene Männer von 200 (37 %). Es wurde nur das Vorhandensein, nicht die Menge der Erreger gemessen. Das Fehlen klinischer Infektionszeichen war Einschlusskriterium; die Befunde betreffen also Männer ohne Symptome [s090].
- **Einordnung:** Die Ergebnisse weichen von der Metaanalyse von Farahani ab, die für Chlamydien keinen Unterschied zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Männern fand [s089]: Hier war C. trachomatis nur bei Unfruchtbaren nachweisbar, bei sehr kleinen Zahlen. Die Studie ist ein Beispiel für „Erregernachweis bei Unfruchtbarkeit", ohne dass die Richtung der Wirkung bestimmt werden kann [s090].

#### Dehghan et al. 2022 [s076]

*Originaltitel:* The effects of Chlamydia trachomatis, Mycoplasma hominis, and Ureaplasma urealyticum loads on semen quality: Detection and quantitative analysis.

- **Land:** Iran (Universität für Medizinische Wissenschaften Teheran).
- **Design:** Fall-Kontroll-Studie mit quantitativer PCR; nur die Zusammenfassung lag vor.
- **Population:** 130 Samenproben unfruchtbarer und fruchtbarer Männer; mittleres Alter 35,2 ± 6,8 Jahre. Die Gruppengrößen nennt der Abstract nicht; aus den Prozentwerten (3,1 % entsprechen 2 von 65) ergeben sich rechnerisch je 65 Proben [s076].
- **Exposition:** Last an Chlamydia trachomatis (CT), Mycoplasma hominis (MH) und Ureaplasma urealyticum (UU).
- **Messung:** DNA-Extraktion, Plasmid-Standards, quantitative Echtzeit-PCR [s076].
- **Ergebnisse:** Häufigkeit von CT, MH und UU bei unfruchtbaren gegenüber fruchtbaren Männern: 9,2 % gegen 3,1 %, 15,4 % gegen 3,1 % und 15,4 % gegen 3,1 %. Die mittleren Lasten bei den Unfruchtbaren betrugen 6,44 (Spanne 5,31 bis 7), 4,24 (3,37 bis 4,7) und 6,94 log10 Kopien/ml (5,08 bis 8,69) und waren nach Angabe der Autoren signifikant höher als bei den Fruchtbaren. Die Lasten von CT und UU hingen mit den Spermienparametern zusammen, die Last von MH nur mit Motilität, Morphologie und Leukozytenzahl [s076].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet.
- **Stärken:** Quantitative Messung (Last statt nur Nachweis), Fall-Kontroll-Aufbau.
- **Schwächen:** Nur Abstract geprüft; Gruppengröße, Zusammenhangsmaße und p-Werte nicht im Abstract; die Zahl der positiven Männer ist klein (rechnerisch 6 bis 10 je Erreger bei den Unfruchtbaren); der Schluss der Autoren, fehlende klinische Zeichen sagten nichts über die Samenqualität, ist durch die Daten des Abstracts nicht belegt.
- **Einordnung:** Die Studie liefert für CT, MH und UU zusätzlich Mengenangaben. Die höheren Lasten bei Unfruchtbaren sind nur als Zusammenhang zu lesen [s076].

#### Asgari et al. 2025 [s034]

*Originaltitel:* Molecular Detection of Ureaplasma urealyticum and Enterococcus faecalis in the Seminal Fluid and their Relationship with Semen Quality in Healthy and Infertile Men in Shiraz, Iran (2021-2022).

- **Land:** Iran (Shiraz, Universität für Medizinische Wissenschaften).
- **Design:** Fall-Kontroll-Studie mit PCR (2021 bis 2022); nur die Zusammenfassung lag vor.
- **Population:** 80 unfruchtbare Männer und 80 Männer ohne Fruchtbarkeitsprobleme [s034].
- **Exposition:** Nachweis von Ureaplasma urealyticum, Enterococcus faecalis und Streptococcus agalactiae im Ejakulat.
- **Messung:** Spermienmerkmale nach WHO; Nachweis und Bestätigung der Erreger mit PCR [s034].
- **Ergebnisse:** Die Häufigkeit der Bakteriospermie war bei Unfruchtbaren höher als bei den Kontrollen (p < 0,05). Am häufigsten war bei den Unfruchtbaren Ureaplasma urealyticum (7,5 %; p < 0,05), gefolgt von Enterococcus faecalis (6,25 %; p > 0,05); Streptococcus agalactiae fand sich in keiner auffälligen Probe. Ureaplasma urealyticum beeinflusste Motilität und Morphologie signifikant; der Nachweis von E. faecalis und S. agalactiae führte nach Angabe der Autoren nicht zu auffälligen Spermien. Zwischen den Gruppen gab es keinen Unterschied im Volumen, aber bei Morphologie, Zahl und Gesamtmotilität (p < 0,001) [s034].
- **Störgrößen:** Im Abstract nicht berichtet.
- **Stärken:** Molekularer Nachweis; Kontrollgruppe gleicher Größe.
- **Schwächen:** Nur Abstract; Zahl der positiven Männer klein (7,5 % von 80 sind 6 Männer, rechnerisch); keine Zahlen zu Effekten; keine Angaben zu Kontrollen des Nachweises, zu Alter oder zu Adjustierung.
- **Einordnung:** Die Befunde bestätigen das Bild der Studien aus dem Iran, dass Ureaplasma urealyticum bei Unfruchtbaren häufiger nachweisbar ist, bei sehr kleinen Fallzahlen [s034, s090, s076].

#### Eini et al. 2021 [s088]

*Originaltitel:* Effect of bacterial infection on sperm quality and DNA fragmentation in subfertile men with Leukocytospermia.

- **Land:** Iran (Hormozgan, Universität für Medizinische Wissenschaften; Fertilitätszentrum).
- **Design:** Fall-Kontroll-Studie; Volltext lag vor.
- **Population:** 172 männliche Partner subfertiler Paare (mittleres Alter 38,2 ± 4,3 Jahre; Oktober 2018 bis Januar 2020) und 35 fruchtbare Männer als Kontrollen. Einschluss der Patienten bei mindestens einem Spermienparameter unter dem WHO-Referenzwert, Leukozyten von mindestens 1 Mio./ml oder Symptomen beziehungsweise Vorgeschichte einer Genitalinfektion; Ausschluss bei Antibiotika oder Operation im letzten Monat und anatomischen, hormonellen oder genetischen Auffälligkeiten [s088].
- **Exposition:** Positive Samenkultur.
- **Messung:** Entnahme nach 2 bis 5 Tagen Karenz mit Händewaschen und Waschen des Genitalbereichs mit antimikrobieller Seife; Kultur auf sechs Nährmedien, Identifikation mit VITEK 2, positiv ab über 10³ KbE/ml; Leukozyten durch Peroxidase-Färbung; Spermiogramm nach WHO; Vitalität (Eosin-Nigrosin); DNA-Fragmentierung mit dem Chromatin-Dispersionstest [s088].
- **Ergebnisse:** 112 Proben (65 %) waren steril; 60 (34,88 %) hatten eine Spezies, 6 (3,48 %) mehrere. Am häufigsten war E. faecalis (25 % der positiven, 15 von 60), gefolgt von S. agalactiae und E. coli (je 16,66 %), S. haemolyticus (11,66 %), S. aureus (8,33 %), Proteus (6,66 %) und Klebsiella pneumoniae (5 %). Leukozytospermie und positive Kultur waren verbunden (OR 3,96; 95-%-KI 2,04 bis 7,68; die Tabelle nennt 3,93): 38 von 60 Männern mit positiver Kultur hatten Leukozytospermie, 34 von 112 mit negativer Kultur. Gegenüber Kontrollen (n = 35), nicht infizierten (n = 112) und infizierten Subfertilen (n = 60): Konzentration 75,36, 33,04 und 24,84 Mio./ml; Motilität 67,23, 31,71 und 24,04 %; DNA-Fragmentierung 14,33, 23,50 und 42,21 %; Vitalität 85,03, 67,67 und 55,91 %; normale Morphologie 6,03, 2,83 und 1,75 %. Die Unterschiede zwischen infizierten und nicht infizierten Subfertilen waren bei Motilität, progressiver Motilität, Leukozyten, Fragmentierung, Vitalität und Morphologie signifikant (p < 0,05). Bei den infizierten Männern gab es eine mäßige Korrelation zwischen Leukozytenzahl und DNA-Fragmentierung (R² = 0,23; p < 0,0001) [s088].
- **Störgrößen:** Keine Adjustierung; Alter ähnlich in den Gruppen (Streuungen sehr groß).
- **Stärken:** Breite Kultur mit mehreren Medien und automatischer Identifikation; Vitalität und DNA-Fragmentierung zusätzlich; drei Vergleichsgruppen; Odds Ratio mit Konfidenzintervall.
- **Schwächen:** Die Patientengruppe wurde über auffällige Spermiogramm oder Entzündungszeichen ausgewählt, die Kontrollen sind nur 35 Männer; die Angaben „Mittelwert ± SEM" mit sehr großen Streuungen (zum Beispiel Alter 36,14 ± 18,14) sind nicht plausibel als Standardfehler; Die Kontrollen haben im Mittel 1,80 Mio. Leukozyten/ml und damit mehr als den WHO-Grenzwert von 1 Mio./ml. Chlamydien, Mykoplasmen und Ureaplasmen sind mit der Kultur nicht erfassbar, falsch negative Befunde möglich; Hautkeime können die Probe kontaminieren (so die Autoren). Zu wenige Proben für PCR oder ROS-Messung.
- **Einordnung:** Eine der wenigen Studien, die Bakteriospermie, Leukozytospermie und DNA-Fragmentierung gemeinsam betrachtet. Die Beobachtung, dass infizierte Proben mehr Leukozyten und mehr DNA-Fragmentierung haben, passt zur Metaanalyse von Farahani (höherer Fragmentierungsindex bei Bakteriospermie) [s089]; sie zeigt Zusammenhang, nicht Ursache, und die Autorenaussage, eine Behandlung verbessere die Schwangerschaftsrate, geht über die Daten hinaus [s088].

#### Shash et al. 2023 [s074]

*Originaltitel:* The Impact of Bacteriospermia on Semen Parameters Among Infertile Egyptian Men: A Case-Control Study.

- **Land:** Ägypten (Universität Kairo).
- **Design:** Prospektive Fall-Kontroll-Studie (Juni 2021 bis Februar 2022); Volltext lag vor.
- **Population:** 68 Samenproben von Männern in Kinderwunschabklärung der Andrologie-Ambulanz (Alter 20 bis 50 Jahre, Partnerinnen unter 30 Jahre): 34 mit Bakteriospermie und 34 ohne. Ausgeschlossen wurden Varikozele, genetische Anomalien, endokrine Störungen, Hodenversagen, Erektionsstörungen, Raucher und Antibiotikaeinnahme. Alter 33 ± 5,51 gegen 31,4 ± 5,67 Jahre; Dauer der Kinderlosigkeit 3,53 ± 2,44 gegen 3,18 ± 3,1 Jahre; primäre Unfruchtbarkeit bei 88,2 % und 91,2 % [s074].
- **Exposition:** Bakteriospermie (Kultur positiv, über 10³ KbE/ml).
- **Messung:** Spermiogramm nach WHO; Gram-Färbung und Kultur auf Blut- und MacConkey-Agar innerhalb von 3 Stunden; Antibiogramm nach Kirby-Bauer; DNA-Fragmentierung (Halosperm G2) nur an 20 Proben der Bakteriospermie-Gruppe [s074].
- **Ergebnisse:** Gesamtbeweglichkeit unter 40 % hatten 50 % (17 von 34) der Gruppe mit Bakteriospermie gegen 15 % (5 von 34) der Kontrollen (p = 0,001); normale Formen unter 4 % 23,5 % gegen 0 % (p = 0,003); Volumen unter 1,5 ml 14,7 % gegen 0 % (p = 0,020). Mittelwerte: progressive Motilität 8,24 ± 9,45 gegen 16,91 ± 10,87 % (p = 0,001), Gesamtmotilität 34,56 ± 20,61 gegen 51,03 ± 17,96 % (p = 0,001), normale Formen 27,44 ± 21,23 gegen 40,44 ± 10,69 % (p = 0,002); Volumen (2,90 gegen 3,10 ml) und Gesamtzahl (53,43 gegen 52,21 Mio.) unterschieden sich nicht. Ein auffälliges Spermiogramm hatten 64,71 % gegen 35,29 % (p = 0,015). Isolierte Keime: S. aureus 23 (67,6 %), E. coli 5 (14,7 %), Klebsiella 4 (11,8 %), E. faecalis 2 (5,9 %). 78,3 % der S. aureus-Isolate waren MRSA; Proben mit MRSA (n = 18) hatten niedrigere progressive Motilität (10,00 gegen 16,91 %; p = 0,018) und weniger normale Formen (30,94 gegen 40,44 %; p = 0,043). Von 20 untersuchten Proben hatten 70 % eine DNA-Fragmentierung von mindestens 30 % (Mittel 38,25 ± 14,25 %) [s074].
- **Störgrößen:** Alter und Dauer der Kinderlosigkeit ähnlich; weitere Adjustierung nicht berichtet.
- **Stärken:** Strenge Ausschlusskriterien (Raucher, Varikozele); Kontrollen aus derselben Ambulanz; Antibiogramm.
- **Schwächen:** Auch die „Kontrollen" sind Männer in Unfruchtbarkeitsabklärung; die Zahl ist klein (34 je Gruppe); die Studie verwendet im Methodenteil für unabhängige Gruppen einen „gepaarten t-Test"; die DNA-Fragmentierung wurde nur in einer Gruppe gemessen, ohne Kontrolle; keine Kultur auf Chlamydien, Mykoplasmen und Ureaplasmen (so die Autoren); der Befund „Bakteriospermie verschlechtert die Spermienqualität" ist ein Zusammenhang.
- **Einordnung:** Die Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen kulturpositiver Bakteriospermie (vor allem S. aureus) und Beweglichkeit und Morphologie in einer klinischen Gruppe. Der MRSA-Befund ist ein Hinweis auf die Bedeutung lokaler Resistenzlage [s074].

#### Kim et al. 2017 [s109]

*Originaltitel:* Effects of infections with five sexually transmitted pathogens on sperm quality.

- **Land:** Südkorea (Cheil General Hospital, Seoul).
- **Design:** Querschnittsstudie; Volltext lag vor.
- **Population:** 400 Männer in Fruchtbarkeitsabklärung (Alter 19 bis 40 Jahre, Geschlechtsverkehr in den letzten 12 Monaten). Ausschluss bei Chromosomen- oder Pelvisanomalien, Unfähigkeit zur Ejakulation, Sterilisation, sexuell übertragbarer Infektion im letzten Jahr, Genitalwarzen, Hodentrauma, Kryptorchismus, Varikozele, Samenwegsinfektion sowie Ausfluss oder starken Schmerzen im letzten halben Jahr. Zwei Männer wurden wegen fehlender Infektionsdaten ausgeschlossen; von 398 hatten 86 mindestens einen Erreger, 312 keinen. Insgesamt 19 Männer (15 mit Azoospermie, 2 mit Nekrozoospermie und die 2 mit fehlenden Infektionsdaten) wurden nicht weiter ausgewertet, sodass 381 Männer in die Analyse eingingen. Mittleres Alter 34,98 ± 4,44 und 35,44 ± 4,52 Jahre [s109].
- **Exposition:** Nachweis von humanen Papillomviren (HPV), Chlamydia trachomatis, Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis und Mycoplasma genitalium im Ejakulat.
- **Messung:** Entnahme nach 3 Tagen Karenz; HPV-Nachweis mit einem DNA-Chip für 36 HPV-Typen; für C. trachomatis, U. urealyticum, M. hominis und M. genitalium ein Flüssig-Mikrokulturtest (MYCOFAST Evolution 2); Spermiogramm nach WHO (5. Auflage) mit computergestützter Analyse; die Untersuchenden wussten nichts von den Patientendaten [s109].
- **Ergebnisse:** Prävalenz im Ejakulat: HPV 1,57 % (6 Männer; Typen 18, 31, 42, 56, 84 und 91), C. trachomatis 0,79 % (3), U. urealyticum 16,80 % (64), M. hominis 4,46 % (17), M. genitalium 1,31 % (5). 74 Männer hatten einen Erreger, 10 mehrere. Nur beim Nachweis von U. urealyticum war der Anteil normal geformter Spermien niedriger (p < 0,05); bei den übrigen Erregern fanden sich keine signifikanten Unterschiede. In der Untergruppe der Normozoospermie waren bei Infektion mit mindestens einem Erreger Volumen (2,52 ± 0,78 gegen 3,06 ± 1,24 ml; p < 0,05) und Gesamtspermienzahl (213,29 ± 98,02 gegen 301,62 ± 190,80 Mio.; p < 0,05) niedriger [s109].
- **Störgrößen:** Nicht adjustiert; die Autoren führten die Untergruppe der Normozoospermie ein, um Störgrößen zu verringern.
- **Stärken:** Große Stichprobe, verblindete Auswertung, Fallzahlberechnung, mehrere Erreger gleichzeitig, strenge Ausschlusskriterien.
- **Schwächen:** Die Autoren führen die niedrigen Prävalenzen unter anderem auf den Ausschluss von Männern mit früherer Infektion zurück; die Gruppen „infiziert" wurden für den Test zu einer Sammelgruppe zusammengefasst (jede Einzelerregergruppe ist sehr klein); keine Kontrollgruppe fruchtbarer Männer; viele Vergleiche ohne Korrektur; für alle vier Bakterien wurde derselbe Flüssig-Mikrokulturtest eingesetzt, dessen Güte im Text nur über eine Literaturangabe belegt wird (Sensitivität 95 %, Spezifität 98 %).
- **Einordnung:** Die Studie zeigt, dass in einer Auswahl asymptomatischer Männer die Prävalenz der fünf Erreger niedrig ist und dass nur U. urealyticum mit schlechterer Morphologie zusammenging, was zur Metaanalyse von Farahani (U. urealyticum mit schlechterer Konzentration und Morphologie) passt [s109, s089].

#### Mendoza-Rodríguez et al. 2023 [s073]

Titel: Cambios en la resistencia a antibióticos en episodios de bacteriospermia sintomática (Veränderungen der Antibiotikaresistenz bei Episoden symptomatischer Bakteriospermie).

- **Land:** Spanien (Universitätsklinikum Virgen de las Nieves, Granada).
- **Design:** Retrospektive, deskriptive Querschnittsstudie ohne Kontrollgruppe; Volltext lag vor.
- **Population:** Alle Samen-Proben von Männern mit klinischem Verdacht auf chronische bakterielle Prostatitis zwischen Januar 2016 und Mai 2021, ohne Ausschlusskriterien; Episoden mit positiver Urinkultur wurden entfernt. Die Tabelle weist rechnerisch 364 Episoden aus (127 Episoden entsprechen 34,89 %); 64,28 % stammten von stationären Patienten, 35,71 % aus ambulanter Versorgung; mittleres Alter 46,56 Jahre [s073].
- **Exposition:** Nachweis von Bakterien im Ejakulat bei Prostatitis-Symptomen.
- **Messung:** Kultur auf Bakterien und Pilze, Multiplex-PCR (BD MAX) auf Trichomonas vaginalis, Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae sowie PCR auf Mykoplasmen und Ureaplasmen (ab 2017; 2016 Kultur); Antibiogramm nach CLSI (bis 2019) und EUCAST (ab 2020) [s073].
- **Ergebnisse:** Häufigster Keim war Enterococcus faecalis (127; 34,89 %), dann Ureaplasma spp. (50; 13,74 %; davon U. urealyticum 19, U. parvum 20, 11 ohne Artangabe) und E. coli (43; 11,81 %, davon 3 mit Breitspektrum-Betalaktamase), Corynebacterium (21; 5,77 %), Streptococcus agalactiae (15; 4,12 %) und Klebsiella spp. (17; 4,67 %). Die Resistenz von E. faecalis gegen Chinolone betrug 11 %, die von E. coli 35 %; gegen Fosfomycin und Nitrofurantoin war die Resistenz beider gering [s073].
- **Störgrößen:** Nicht anwendbar (keine Gruppenvergleiche).
- **Stärken:** Große Fallzahl über sechs Jahre; Kombination von Kultur und PCR; Entfernung von Episoden mit positivem Urin; Resistenzdaten.
- **Schwächen:** Keine Daten zur Samenqualität und keine Kontrollgruppe; Auswahl nach klinischem Verdacht (überwiegend stationär); ein Positivbefund ist nicht gleich Infektion (Kontamination bei der Entnahme ist nicht ausgeschlossen); nur Aussagen zu Häufigkeiten.
- **Einordnung:** Die Studie ist keine Studie zur Unfruchtbarkeit, sondern liefert Epidemiologie symptomatischer Bakteriospermie in einer spanischen Region. Dass grampositive und „atypische" Bakterien (Enterokokken, Ureaplasmen) überwiegen und nicht E. coli, ist für die Einordnung der Erregerauswahl der Studien dieses Abschnitts hilfreich [s073].

#### Foronda-García-Hidalgo et al. 2019 [s102]

Titel: Prevalencia en varones de la población general de agentes causantes de infecciones del tracto genital no ulcerativas (Prävalenz von Erregern nichtulzerativer Genitalinfektionen bei Männern der Allgemeinbevölkerung).

- **Land:** Spanien (Universitätsklinikum Virgen de las Nieves, Granada).
- **Design:** Retrospektive, deskriptive Querschnittsstudie ohne Kontrollgruppe; Volltext lag vor.
- **Population:** 3.066 Proben aus 2.693 Episoden bei Männern mit Verdacht auf Genitalinfektion aus der Fachversorgung (Notaufnahme, Urologie, Infektiologie; 2016 bis 2017); mittleres Alter 40,8 ± 16,8 Jahre (1 bis 89). Probenarten: Urethralabstrich oder -urin 1.217, Ejakulat oder Urin nach Ejakulation 1.117, Rektalabstrich 349, nicht definierte Proben 254, Eichelabstrich 79, Mundschleimhaut 33, Genitalulkus 17 [s102].
- **Exposition:** Nachweis von Erregern nichtulzerativer Genitalinfektionen.
- **Messung:** Kultur und PCR (BD MAX; ab 2017 auch für Mykoplasmen und Ureaplasmen) [s102].
- **Ergebnisse:** 451 Proben (14,71 %) waren positiv, davon 310 per Kultur und 141 per PCR. Im Ejakulat und Urin nach Ejakulation waren 154 von 1.117 Proben positiv (12,65 %). Per Kultur: Enterobakterien 18,40 %, Enterococcus 13,75 %, Haemophilus 8,65 %, Neisseria gonorrhoeae 8,43 %, Ureaplasma 5,10 %, Candida 3,77 %. Per PCR: N. gonorrhoeae 28,37 %, Chlamydia trachomatis 26,95 %, Ureaplasma urealyticum 17,73 %, M. hominis und U. parvum 10,64 %, M. genitalium 7,10 %. Das Alter war bei Enterobakterien, Candida und Enterokokken höher, bei N. gonorrhoeae niedriger [s102].
- **Störgrößen:** Klinische Angaben fehlten (so die Autoren).
- **Stärken:** Sehr große Zahl an Proben, Kultur und PCR kombiniert.
- **Schwächen:** Trotz des Titels keine Allgemeinbevölkerung, sondern Männer mit Verdacht auf Infektion in der Fachversorgung; die Prozentwerte beziehen sich auf positive Proben, nicht auf alle Männer; kein Bezug zu Fruchtbarkeit oder Samenqualität; die Mehrzahl der Proben stammt nicht aus dem Ejakulat.
- **Einordnung:** Die Studie ist Hintergrunddaten für die Erregerlandschaft bei Genitalinfektionen, aber keine Fruchtbarkeitsstudie; Aussagen zur Unfruchtbarkeit lassen sich nicht ableiten [s102].

### H. Studien ohne Mikrobiomdaten, die Hintergrund liefern

Die folgenden Arbeiten enthalten keine Messung des Samenmikrobioms. Sie stehen im Quellenverzeichnis dieses Themas und werden hier aufgeführt, weil sie Fragen berühren, die für die Deutung der Mikrobiomstudien wichtig sind: den Einfluss des Alters auf die Samenqualität, die Zusammensetzung klinischer Stichproben, die Größe von Kohorten und die ältere Literatur zur Bakteriospermie. Aus ihnen lässt sich kein Mikrobiom-Befund ableiten.

#### Ulubay et al. 2022 [s083]

*Originaltitel:* The effect of aging on semen parameters in normozoospermic men: A cross-sectional study.

- **Land:** Türkei (Samsun).
- **Design:** Retrospektive Querschnittsstudie; Volltext lag vor.
- **Population:** 1.594 Männer mit normalem Spermiogramm, die wegen Unfruchtbarkeit in zwei Kliniken in Samsun vorstellig wurden (Januar 2015 bis Juni 2020); Altersgruppen 18 bis 29 Jahre (n = 629), 30 bis 39 Jahre (n = 775) und 40 bis 49 Jahre (n = 190). Ausgeschlossen wurden Männer mit pathologischem Spermiogramm, Varikozele, Hodenhochstand, Orchidopexie, Hodenoperation oder Einzelhoden [s083].
- **Exposition:** Alter.
- **Messung:** Samenanalyse mit einem automatischen Analysegerät (SQA-V Gold) nach den Vorgaben der WHO 2021; Entnahme nach 3 bis 7 Tagen Karenz; Gruppenvergleich mit Kruskal-Wallis und Bonferroni-korrigiertem Mann-Whitney-Test [s083].
- **Ergebnisse (Mediane, Altersgruppen I, II, III):** Gesamtzahl der Spermien 253,9, 239,9 und 225,7 Mio. (p < 0,001); Konzentration 82,13, 79,83 und 74,8 Mio./ml (p = 0,003); progressive Motilität 48, 44 und 41 % (p < 0,001); normale Morphologie 17, 14 und 12 % (p < 0,001); Gesamtmotilität 58, 55 und 53 %; Volumen 3,1, 2,9 und 2,85 ml. Volumen und Gesamtmotilität waren in Gruppe I höher als in den anderen beiden Gruppen; zwischen Gruppe II und III sahen die Autoren keinen Unterschied (p = 0,61 und p = 0,04, von den Autoren als nicht signifikant gewertet) [s083].
- **Störgrößen:** Nicht adjustiert; Beschränkung auf Normozoospermie.
- **Stärken:** Große Stichprobe, einheitliches Analysegerät, klar definierte Ausschlüsse.
- **Schwächen:** Retrospektiv, Männer einer klinischen Ambulanz, nur Normozoospermie; die Unterschiede sind statistisch deutlich, aber im Betrag klein; Rauchen, BMI und Karenzzeit sind nicht berücksichtigt.
- **Einordnung:** Die Studie zeigt, dass sich Samenparameter auch bei Männern mit normalem Befund mit dem Alter verschieben. Für die Mikrobiomstudien heißt das: Altersunterschiede zwischen Gruppen können Unterschiede in der Spermienqualität erzeugen, die dann irrtümlich dem Mikrobiom zugeschrieben werden. Mikrobiomdaten enthält die Studie nicht [s083].

#### Kervancıoğlu et al. 2012 [s118]

*Originaltitel:* Results of 15 Years Semen Analysis in a Training Hospital Andrology Laboratory

Die Angaben stammen aus dem Recherchedokument für den türkischen Sprachraum (Dokument tr); die Originalarbeit ist bei Europe PMC nicht erfasst.

- **Land:** Türkei (andrologisches Labor eines Ausbildungskrankenhauses).
- **Design:** Retrospektive Auswertung von Samenanalysen über 15 Jahre.
- **Population:** 9.327 Proben von 6.780 Männern (1995 bis 2009); die Zahl der Proben stieg von 293 im Jahr 1995 auf 1.217 im Jahr 2007 [s118].
- **Ergebnisse:** 35 % der Männer normozoosperm, 4 % azoosperm und 57 % teratozoosperm [s118].
- **Störgrößen, Stärken, Schwächen:** Eine ausgewählte Patientengruppe eines Labors, die sich nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragen lässt; Mikrobiomdaten fehlen; weitere Angaben liegen nicht vor.
- **Einordnung:** Bezug zum Thema ist nur der Hintergrund: Teratozoospermie ist in klinischen Stichproben sehr häufig [s118].

#### Michikawa et al. 2018 (Japan Environment and Children's Study) [s108]

*Originaltitel:* Baseline Profile of Participants in the Japan Environment and Children's Study (JECS).

- **Land:** Japan.
- **Design:** Beschreibung der Ausgangslage einer landesweiten Geburtskohorte; Volltext lag vor.
- **Population:** 100.778 Schwangerschaften mit Geburt; bei 51.402 (51,0 %) beteiligte sich der Partner. Rechnerisch 95.248 verschiedene Mütter und 49.189 verschiedene Väter; 100.148 Lebendgeburten; Abdeckung der in den Studiengebieten registrierten Lebendgeburten 2013 etwa 45 % [s108].
- **Exposition:** Umweltfaktoren (Kohorte nicht auf Unfruchtbarkeit ausgerichtet).
- **Messung:** Fragebögen und Krankenakten; Biospezimen von den Müttern (Blut, Urin, Haar, Nabelschnurblut); Väter füllten einen Fragebogen aus und gaben Blut [s108].
- **Ergebnisse:** Die Merkmale der Mütter und Kinder ähnelten der nationalen Statistik 2013 [s108].
- **Störgrößen, Stärken, Schwächen:** Sehr große Stichprobe, aber nach der Beschreibung der Biospezimen wurden weder Samen noch Samenmikrobiom erhoben; die Kohorte erfasst Schwangere und deren Partner, also Paare, die schwanger geworden sind.
- **Einordnung:** Die Studie hat keinen Mikrobiombezug. Sie wird im japanischen Recherchedokument genannt, weil japanische Samenmikrobiom-Kohorten fehlen: Ein von der Osaka-Universität geführtes Forschungsprojekt zum Samenmikrobiom bei Varikozele (Projektdatenbank, 2022 bis 2024) wird nur als Eintrag ohne Ergebnisse geführt [s108, s081].

#### Ensslen et al. 1990 [s121]

- **Land:** Deutschland (Frauenklinik der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen).
- **Design:** Klinische Beobachtung (Fallserie) ohne Kontrollgruppe; nur die Zusammenfassung lag vor (Europe-PMC-Titel in englischer Übersetzung: „Male subfertility and oral bacterial diseases"; ein deutscher Originaltitel ist dort nicht angegeben).
- **Population:** Männer, die seit Juni 1987 wegen Sterilität die Frauenklinik aufsuchten; mehr als 70 % der Ehemänner benötigten laut Abstract eine Behandlung wegen Bakteriospermie mit Keimzahlen über 10⁴ KbE/ml. Bei 23 % der Behandelten gelang keine überzeugende Keimreduktion; 36 Patienten mit therapieresistenter Bakteriospermie wurden der Zahnklinik zugewiesen [s121].
- **Exposition:** Bakteriospermie mit zahnärztlichen Herden.
- **Messung:** Zahnärztliche Untersuchung, Entfernung der Herde, mikrobiologische Untersuchung intraoperativ entnommener Proben mit spezieller Diagnostik, erneute andrologische Untersuchung sechs Monate nach der Zahnsanierung [s121].
- **Ergebnisse:** Es fanden sich viele intraorale Herde. Nach den Angaben im Abstract stimmten das Bakterienspektrum der Mundproben und das der Spermiogramme überein, sechs Monate nach Abschluss der Zahnbehandlung waren zwei Drittel der Spermiogramme steril, und Beweglichkeit, Morphologie und Dichte der Spermien hatten sich gebessert [s121].
- **Störgrößen:** Nicht berichtet; keine Kontrollgruppe, keine Verblindung.
- **Stärken:** Früher Hinweis auf mögliche Verbindungen zwischen Mundhöhle und Samenflora, mit mikrobiologischem Abgleich.
- **Schwächen:** Nur 36 selektierte Patienten; die Aussage eines „direkten ursächlichen Zusammenhangs" im Abstract geht über eine unkontrollierte Beobachtung hinaus; ein Zeitverlauf ohne Kontrollgruppe ist nicht von Spontanverlauf, wiederholter Antibiotikagabe oder Messschwankung zu trennen; die Methoden von 1990 sind mit heutigen nicht vergleichbar; die Angabe „über 70 %" bezieht sich auf eine Sprechstundenauswahl.
- **Einordnung:** Historische Arbeit zur Bakteriospermie, die nur als Abstract belegt ist; sie liefert keine Aussage über die Wirkung einer Maßnahme [s121].

#### Granouillet et al. 1982 [s124]

- **Land:** Frankreich (laut Recherchedokument für den französischen Sprachraum); der Europa-PMC-Eintrag nennt keine Affiliation.
- **Design:** Klinische Studie mit zwei Patientengruppen aus zwei Labors; nur die Zusammenfassung lag vor (Titel: „Étude de la flore bactérienne du sperme chez des hommes infertiles", Untersuchung der Bakterienflora des Spermas bei unfruchtbaren Männern).
- **Population:** Zwei Gruppen unfruchtbarer Männer (65 und 132 Patienten), untersucht in zwei verschiedenen Labors mit zwei verschiedenen Entnahmemethoden [s124].
- **Messung:** Kultur der Samenflora [s124].
- **Ergebnisse:** Die bakteriologischen Befunde waren in beiden Gruppen ähnlich. Isoliert wurden unter anderem beta-hämolysierende Streptokokken, Proteus, Staphylococcus epidermidis, Micrococcus, Corynebakterien, vergrünende Streptokokken, Klebsiella, Pseudomonas, Enterobacter, Bacillus, Neisseria, Escherichia coli, anaerobe Staphylokokken und Streptokokken, Pilze und Achromobacter. 20 % der Patienten waren ohne klinische Zeichen chronisch infiziert, vermutlich von der Prostata aus, mit mehr als 3.000 Bakterien je ml Samen. Ein Zusammenhang zwischen bakteriologischen Daten und den physikalischen und zytologischen Eigenschaften des Spermas bestand nicht, außer beim pH: Samen mit niedrigem pH waren meist azoosperm und stark kontaminiert [s124].
- **Störgrößen, Stärken, Schwächen:** Im Abstract keine Zahlen zur Statistik; keine Kontrollgruppe fruchtbarer Männer; unterschiedliche Entnahmemethoden; die Kultur erfasst nur anzüchtbare Keime.
- **Einordnung:** Historischer Beleg dafür, dass schon 1982 eine große Vielfalt von Keimen im Samen gefunden wurde, ohne dass sich ein klarer Zusammenhang mit der Samenqualität ergab [s124].

### I. Humanproben aus einer überwiegend tierexperimentellen Studie

#### Ding et al. 2020 (Humananteil) [s097]

*Originaltitel:* Impairment of spermatogenesis and sperm motility by the high-fat diet-induced dysbiosis of gut microbes.

Die Studie von Ding et al. ist im Kern ein Tierversuch (Stuhltransplantation bei Mäusen) und wird in einem anderen Kapitel behandelt. Hier steht nur der Humananteil.

- **Land:** China (Frauen- und Kinderkrankenhaus Qingdao, Labor).
- **Design:** Klinische Querschnittsanalyse als Teil einer Tierstudie.
- **Population:** 60 Männer im Alter von 22 bis 45 Jahren, die im Labor zur routinemäßigen Samenanalyse kamen (gesunde Männer und Patienten mit Asthenozoospermie, Oligozoospermie und Teratozoospermie); Stuhl-, Samen- und Blutproben [s097].
- **Messung:** Stuhl-Mikrobiom mit 16S-Sequenzierung (V3 bis V4), Spermienqualität mit computergestützter Analyse, Endotoxin im Plasma [s097].
- **Ergebnisse:** Die kombinierte Häufigkeit von Bacteroides und Prevotella im Stuhl war negativ mit der Spermienbeweglichkeit korreliert, der Endotoxinspiegel im Blut positiv mit der Häufigkeit von Bacteroides (jeweils n = 60). Die Häufigkeit von Prevotella copri zeigte eine zweigipflige Verteilung (unter 3 % oder 15 bis 80 %); bei den Proben mit mehr als 15 % (n = 20) bestand eine negative Korrelation mit der Beweglichkeit (r = −0,56; p = 0,011), bei den Proben unter 3 % (n = 40) keine [s097].
- **Störgrößen:** Nicht berichtet.
- **Stärken:** Humandaten ergänzen den Tierversuch; Endotoxin als mechanistischer Messwert.
- **Schwächen:** Nur 60 Proben; nachträgliche Auswahl der Untergruppe nach der Häufigkeit (mehr als 15 %); die Korrelation der Gesamtgruppe mit P. copri war nicht signifikant; Querschnitt.
- **Einordnung:** Der Humananteil passt zum Prevotella-Befund mehrerer Samenstudien, untersucht aber den Stuhl und nicht das Ejakulat [s097].

### J. Zusammenschau der Beobachtungsstudien

#### J.1 Übersicht der wichtigsten Studien

| Studie | Land | Design | Stichprobe | Kernbefund |
|---|---|---|---|---|
| Hou 2013 [s117] | China | Querschnitt | 19 Spender, 58 Patienten | Kein Gesamtunterschied; Anaerococcus negativ mit Spermienqualität |
| Weng 2014 [s116] | Taiwan | Querschnitt | 96 | Drei Gemeinschaftstypen; 29 von 36 Normalproben (80,6 %) im Lactobacillus-Typ |
| Baud 2019 [s101] | Schweiz | Querschnitt | 94 (26 normal, 68 auffällig) | Gesamtzusammensetzung ohne Zusammenhang; Prevotella, Staphylococcus und Lactobacillus nur einzeln auffällig |
| Yang 2020 [s099] | China | Querschnitt | 159 | Unterschied bei Asthenozoospermie und Oligoasthenozoospermie; Lactobacillus bei Patienten vermehrt |
| Lundy 2021 [s092] | USA | Prospektiver Vergleich | 25 gegen 12 | Höhere Diversität, mehr Aerococcus; Prevotella negativ mit Konzentration |
| Yao 2022 [s084] | China | Querschnitt | 87 (und 1.161 Akten) | Leukozytospermie: schlechtere Parameter, mehr Streptococcus-Typ |
| Garcia-Segura 2022 [s077] | Spanien | Querschnitt | 14 Spender, 42 Patienten | Profile ohne Bezug zur Fruchtbarkeit; viele Einzelkorrelationen |
| Cao 2023 [s066] | China | Querschnitt | 53 | Staphylococcus im Ejakulat bei Asthenozoospermie und Hyperviskosität vermehrt |
| Osadchiy 2024 [s056] | USA | Querschnitt | 73 | L. iners bei auffälliger Motilität (9,4 % gegen 2,6 %) |
| Mowla 2025 [s043] | Großbritannien | Prospektiv, Fall-Kontrolle | 223 | Kein Gesamtzusammenhang; nur Flavobacterium nach Korrektur |
| Lu 2025 und 2026 [s041, s014] | China | Fall-Kontrolle | 40 gegen 30 | Prevotella bei Patienten; AUC 0,773 (intern) |
| Vougiouklaki 2026 [s026] | Griechenland | Querschnitt | 80 | Campylobacter-Dominanz bei Auffälligen (Zahlen widersprüchlich); keine Pilz-DNA |
| Cannarella 2026 [s005] | Italien | Querschnitt | 100 | Starke Korrelationen der Laktobazillen mit Spermienmerkmalen (nur Abstract) |
| Amato 2020 [s095] | Italien | Paare, prospektiv | 23 Paare | Vaginales L. crispatus, nicht Samenmikrobiom, mit IUI-Erfolg |
| Koort 2023 [s070] | Estland | Paare, Kohorte | 97 ART-Paare, 12 gesunde | Schwangerschaftsrate 53 % gegen 25 % bei „günstigen" Typen beider Partner |
| Alfano 2018 [s104] | Italien | Querschnitt (Hoden) | 15 | Mehr Bakterien-DNA bei iNOA, weniger Vielfalt bei Keimzellaplasie |
| Heidari 2021 [s090] | Iran | Querschnitt | 200 | M. genitalium (OR 8,06) und C. trachomatis (OR 16, extrem weites KI) bei Unfruchtbaren |
| Eini 2021 [s088] | Iran | Fall-Kontrolle | 172 und 35 | 34,88 % kulturpositiv; infizierte Proben mit mehr Leukozyten und DNA-Fragmentierung |
| Shash 2023 [s074] | Ägypten | Fall-Kontrolle | 34 gegen 34 | Bakteriospermie mit niedrigerer Beweglichkeit und Morphologie |
| Kim 2017 [s109] | Südkorea | Querschnitt | 381 | U. urealyticum nur mit schlechterer Morphologie |

#### J.2 Kontaminationskontrolle in den Sequenzierungsstudien

| Studie | Negativkontrollen oder Kontaminantenbehandlung laut verfügbarem Text |
|---|---|
| Hou [s117], Cannarella [s005], Campbell [s065], Lundy [s092] | Aus dem Abstract nicht zu beurteilen (Lundy nennt „experimentelle Kontrollen") |
| Weng [s116], Yang [s099], Yao [s084], Lu 2025 [s041], Amato [s095] | Im Methodenteil nicht beschrieben |
| Koort [s070] | Im verfügbaren Volltext nicht erwähnt (Details in Zusatztabellen) |
| Cao [s066], Choi [s096] | Von den Autoren ausdrücklich als fehlend benannt |
| Vougiouklaki [s026] | Positivkontrollen für Pilze; keine Negativkontrollen für Bakterien beschrieben |
| Baud 2019 [s101] | Zwei Extraktions-Negativkontrollen |
| Osadchiy [s056] | Positiv-, Extraktions- und Leerkontrollen; verdächtige Gattungen entfernt |
| Mowla [s043] | Drei Negativkontrollen, rechnerische Entfernung von 94 Sequenzvarianten |
| Garcia-Segura 2022 und 2023 [s077, s067] | Kontrollen aus Raum, Extraktion und PCR, aber keine Korrektur der Daten |
| Lu 2026 [s014] | Manuelle Entfernung bekannter Laborkontaminanten (Cutibacterium, Ralstonia, Sphingomonas, Methylobacterium) |
| Alfano [s104] | Negativ- und Positivkontrolle für die quantitative PCR |
| Baud 2025 [s035] | Laut Darstellung bei Mowla umfangreiche Negativkontrollen [s043] |

#### J.3 Richtung der Befunde nach Gruppen von Bakterien

| Taxon | Hinweise auf günstigeren Befund | Hinweise auf ungünstigeren Befund oder kein Zusammenhang |
|---|---|---|
| Lactobacillus | Weng [s116]; Baud 2019, Morphologie [s101]; Yao [s084]; Mändar 2017, Gesunde gegen Prostatitis [s110]; Cannarella [s005]; Cao [s066]; Garcia-Segura 2022, weniger Fragmentierung im alkalischen Comet-Test [s077] | Yang, bei Asthenozoospermie vermehrt [s099]; Osadchiy, L. iners [s056]; Mowla, Gesamtzusammenhang fehlt, ROS positiv [s043]; Amato, Samenmikrobiom ohne Bezug zum IUI-Erfolg [s095] |
| Prevotella | – | Weng [s116]; Baud 2019 [s101]; Lundy [s092]; Cao [s066]; Lu 2025 und 2026 [s041, s014]; Koort, Typ II zusammen mit anderen Anaerobiern [s070]; Baud 2024, Urocanat [s047]; Ding, Stuhl [s097]. Kein Gesamtzusammenhang bei Mowla [s043] |
| Staphylococcus | Baud 2019 [s101]; Osadchiy, S. hominis [s056] | Cao, bei Asthenozoospermie und Hyperviskosität vermehrt [s066] |
| Pseudomonas | Lundy, positiv mit beweglichen Spermien [s092] | Weng, Pseudomonas-Typ mit schlechterer Qualität [s116]; Osadchiy, Arten gegenläufig [s056] |

Bei der Vielfalt (Diversität) der Gemeinschaft fanden keinen Unterschied: Baud 2019 [s101]; Yang, Alpha-Diversität [s099]; Cao [s066]; Osadchiy [s056]; Mowla [s043]; Garcia-Segura 2022 [s077]; Lu 2026, Alpha-Diversität [s014]; Campbell, Alpha-Diversität [s065]. Höhere Vielfalt bei Unfruchtbarkeit oder Entzündung fanden: Lundy [s092]; Yao [s084]; Mändar 2017 [s110]; Amato, im Vergleich mit externen Kontrollen [s095]; Weng, beim Artenreichtum [s116].

#### J.4 Was die Beobachtungsstudien gemeinsam zeigen

Im Ejakulat findet sich in fast allen Sequenzierungsstudien Bakterien-DNA. Die häufigsten Stämme sind Firmicutes, Proteobacteria, Actinobacteria und Bacteroidetes [s099, s084, s077, s104]. Mehrere Studien sehen wiederkehrende Gemeinschaftstypen mit Lactobacillus, Prevotella oder Streptococcus als prägender Gattung [s116, s101, s084, s043], die Tartu-Gruppe zusätzlich einen Acinetobacter-Typ [s070]. Dass mehrere Studien aus verschiedenen Ländern ähnliche Typen finden, werten die Lausanner Autoren als Hinweis auf übergreifende Muster [s101]; die Typen sind aber erst nach dem Clustering beschrieben und sagen für sich nichts über Ursache und Wirkung.

Die Studien widersprechen sich bei fast jeder einzelnen Gattung (Tabelle J.3). Am deutlichsten ist das bei Lactobacillus: Er geht in einer Reihe von Studien mit besserer Spermienqualität einher [s116, s101, s005], war bei Yang aber bei Asthenozoospermie vermehrt [s099], und für L. iners fand Osadchiy den gegenteiligen Zusammenhang wie für die Gattung insgesamt [s056]. Die Befunde für Prevotella sind einheitlicher in der Richtung, aber ebenfalls nicht überall nachweisbar [s043]. Bei der Diversität gibt es sowohl höhere Werte bei Unfruchtbarkeit oder Entzündung als auch keinen Unterschied; „höhere Vielfalt ist besser" gilt im Genitaltrakt offenbar nicht [s084, s110, s095].

Die größte Studie mit Negativkontrollen und Korrektur für mehrfaches Testen fand keinen Zusammenhang der Gesamtgemeinschaft mit Spermiogramm, oxidativem Stress oder DNA-Fragmentierung [s043]. Auch die Lausanner Studie fand keinen Gesamtzusammenhang, aber einzelne Gattungen [s101]. Die Plattform kann die Gattungsanteile deutlich beeinflussen [s067], und Kontaminationen sind bei Proben mit wenig Bakterien-DNA ein reales Problem [s043, s096]. Ein Teil der berichteten Einzelbefunde (Flavobacterium, Ralstonia, Acinetobacter, Achromobacter) betrifft Gattungen, die in den Studien selbst als mögliche Kontaminanten diskutiert werden [s043, s056, s070, s096].

Bei Männern ohne Spermien im Ejakulat deuten die Gewebestudien darauf hin, dass der Hoden nicht keimfrei ist und dass bei idiopathischer Azoospermie mehr Bakterien-DNA und weniger Vielfalt vorkommen [s104]; die russischen Studien beschreiben ebenfalls eine verarmte Gewebeflora, stammen aber von einer Gruppe mit überlappenden Kollektiven [s062, s061, s060, s046].

Bei Paaren in Behandlung ist die Scheidenflora (L.-crispatus-Dominanz) in beiden Studien mit klinischem Endpunkt besser mit dem Erfolg verbunden als die Samenflora [s095, s070]; die Befunde zur Männerseite sind uneinheitlich (kein Zusammenhang bei Amato, ein günstiger Acinetobacter-Typ bei Koort). Der Effekt auf die Scheidenflora durch den Verkehr scheint in einer Paarstudie begrenzt [s035], während die Tartu-Gruppe eine Veränderung nach dem Verkehr beschreibt [s113].

Bei den Kultur- und PCR-Studien zeigen mehrere Arbeiten aus dem Iran, Ägypten und Südkorea Zusammenhänge zwischen bestimmten Erregern und schlechterer Beweglichkeit, Morphologie oder DNA-Fragmentierung [s090, s088, s074, s109, s034, s076]. Hier hängt vieles an den Kontrollgruppen: Wenn die Kontrollen über ein normales Spermiogramm definiert sind, ist der Zusammenhang mit dem Spermiogramm zum Teil eingebaut [s090, s088]. Die Erregerarten (Staphylococcus aureus, Enterococcus faecalis, Ureaplasma, Mycoplasma) unterscheiden sich je nach Land und Nachweismethode; in Spanien überwogen bei symptomatischen Männern Enterococcus faecalis und Ureaplasma [s073].

#### J.5 Was die Beobachtungsstudien nicht zeigen

- **Keine Ursache.** Keine dieser Studien kann klären, ob Bakterien die Spermienqualität verändern, ob veränderte Spermien oder Entzündung die Bakterien verändern oder ob beides von Dritten (Alter, Rauchen, Sexualverhalten, Entnahmetechnik) abhängt. Das Sexualverhalten hängt laut einer kulturbasierten Studie mit der Samenflora zusammen [s107], wurde aber in den meisten Studien nicht erfasst (zum Beispiel bei Osadchiy [s056]).
- **Kein diagnostischer Test.** Die berichteten AUC-Werte (0,773 bei Lu 2026; 0,660 bis 0,780 bei Garcia-Segura 2022; 0,841 für Lactobacillus bei Asthenozoospermie bei Yang) stammen aus kleinen Stichproben ohne externe Prüfung [s014, s077, s099].
- **Kaum Schwangerschaften.** Nur zwei Paarstudien und eine russische Kohorte berichten ein Schwangerschaftsergebnis, alle bei Paaren in Behandlung und mit wenigen Ereignissen [s095, s070, s046]. Für natürliche Schwangerschaft oder Lebendgeburt liegt in den hier erfassten Beobachtungsstudien nichts vor.
- **Keine Aussage zur Wirkung von Probiotika oder Antibiotika.** Dazu gehören Interventionsstudien, die in anderen Kapiteln behandelt werden. Auch die Arbeit von Ensslen, die über Besserungen nach Zahnsanierung berichtet, ist eine unkontrollierte Beobachtung und kein Wirksamkeitsnachweis [s121].
- **Keine Therapieempfehlung.** Dieses Kapitel gibt keine Empfehlung zu Untersuchungen oder Behandlungen. Fragen zu Befund und Behandlung gehören in die ärztliche Abklärung.

#### J.6 Lücken dieser Auswertung

Bei 13 Studien lag nur die Zusammenfassung vor (Hou, Cannarella, Campbell, Lundy, Mändar 2015, 2017 und 2018, Baud 2025, Saldarriaga, Dehghan, Asgari, Ensslen, Granouillet), bei vier russischen Arbeiten und einer türkischen nur die Beschreibung im jeweiligen Recherchedokument. Einzelne Taxa-Befunde und Zahlen ließen sich daher nicht prüfen.

## Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Dieses Kapitel stellt die Interventionsstudien am Menschen, die Fallserien und unkontrollierten Beobachtungen, die verfügbaren Leitlinien und Stellungnahmen sowie die Tierversuche zum Thema Mikrobiom, Probiotika und männliche Fruchtbarkeit einzeln dar. Beobachtungsstudien zur Zusammensetzung des Ejakulatmikrobioms (Querschnitts-, Fall-Kontroll- und Kohortenstudien) und die ausführliche Darstellung der Metaanalysen zum Mikrobiom stehen in anderen Kapiteln der Gesamtstudie. Zahlen stammen entweder aus den Recherche-Dokumenten oder aus Quellen, die für dieses Kapitel erneut abgerufen wurden. Eine Therapieempfehlung ergibt sich aus diesem Kapitel nicht; wo Leitlinien Empfehlungen aussprechen, wird nur wiedergegeben, was dort steht.

### Quellenbasis und Lesehinweise

Für dieses Kapitel wurden mehrere Arbeiten im Volltext gelesen, die in den Recherche-Dokumenten nur als Abstract vorlagen. Im Volltext (über Europe PMC bzw. die Verlagsseite) wurden ausgewertet: Gholipour et al. 2026 [s007], Asadi et al. 2023 [s064], Abbasi et al. 2021 [s085], Huerga López et al. 2025 [s040], Jung et al. 2024 [s052], die Metaanalyse von Prihadi et al. 2026 [s020] (PDF der Zeitschrift), die systematische Übersicht von Oliveira et al. 2024 [s055], die Übersicht von Kaltsas et al. 2026 [s009] sowie die Tierstudien von Ding et al. 2020 [s097], Li et al. 2021 [s091], Losacco et al. 2026 [s013], Harati et al. 2026 [s008] und Zheng et al. 2026 [s031]. Außerdem wurde der Text des Kapitels zur männlichen Unfruchtbarkeit in den EAU-Leitlinien zur Sexual- und Reproduktionsmedizin [s006] vollständig abgerufen; die in der Master-Quellenliste vermerkte Abbruchstelle der früheren Abfrage bestand beim erneuten Abruf nicht mehr. Bei allen übrigen Studien lag nur der Abstract vor; das ist jeweils vermerkt, und Details, die dort nicht stehen, werden nicht berichtet.

Zwei Begriffe vorab. Die meisten Probiotikastudien beim Mann verwenden Präparate, die ein Präbiotikum enthalten (Synbiotika); im Folgenden steht „Probiotikum“ als Sammelbegriff, wenn die Studie selbst so spricht. Zielgrößen sind fast durchgehend Surrogatendpunkte (Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie, DNA-Fragmentierung, Oxidationsmarker); Schwangerschaft oder Lebendgeburt wird nur von einer Studie, und dort bei Paaren, als Endpunkt berichtet [s040].

### Randomisierte kontrollierte Studien mit Probiotika beim Mann

Die Evidenz aus randomisierten Studien besteht aus sechs Veröffentlichungen mit Ergebnissen [s111, s085, s079, s064, s028, s007], von denen eine zurückgezogen wurde [s021]. Eine siebte Studie ist nur als Protokoll veröffentlicht [s023]. Die folgende Tabelle gibt den Rahmen; die Einzelstudien werden danach ausführlich besprochen.

| Studie | Land | Population | Gruppen | Dauer | Präparat |
|---|---|---|---|---|---|
| Maretti und Cavallini 2017 [s111] | Italien | idiopathische OAT | 20 Flortec, 21 Stärke | 6 Monate | Lactobacillus paracasei B21060 (5 × 10⁹ Zellen) plus Präbiotika und L-Glutamin |
| Abbasi et al. 2021 [s085] | Iran (Teheran) | idiopathische Unfruchtbarkeit | 28 vs. 28 randomisiert, 22 vs. 25 ausgewertet | 80 Tage | FamiLact 500 mg (Synbiotikum) |
| Helli et al. 2022 [s079] | Iran | idiopathische OAT | 26 vs. 26 | 10 Wochen | Probiotikum 500 mg täglich (zurückgezogen [s021]) |
| Asadi et al. 2023 [s064] | Iran | nach Varikozelenoperation | 45 vs. 45 randomisiert, 38 vs. 40 ausgewertet | 3 Monate | FamiLact |
| Zarehoroki et al. 2026 [s028] | Iran | idiopathische OAT | 73 in zwei Armen | 3 Monate | SperiGen plus Placebo vs. SperiGen plus FamiLact 500 mg |
| Gholipour et al. 2026 [s007] | Iran (zwei Zentren) | idiopathische OAT | 35 Probiotikum, 38 Antioxidans, 37 Placebo (Auswertung) | 3 Monate | FamiLact vs. SperiGen vs. Placebo |

OAT steht für Oligoasthenoteratozoospermie, also die Kombination aus verminderter Konzentration, eingeschränkter Beweglichkeit und erhöhtem Anteil auffälliger Formen.

#### Maretti und Cavallini 2017: Flortec bei idiopathischer OAT

Die Arbeit „The association of a probiotic with a prebiotic (Flortec, Bracco) to improve the quality/quantity of spermatozoa in infertile patients with idiopathic oligoasthenoteratospermia: a pilot study“ (Andrology) [s111] ging nach Angabe späterer Autoren von einer zufälligen Beobachtung aus: Bei drei Männern, die Flortec wegen einer Darmdysbiose einnahmen, fielen bessere Spermiogramme auf [s085, s007]. Daraus entstand die Pilotstudie. Eingeschlossen wurden 41 Patienten mit idiopathischer OAT ohne Chromosomenaberration; 20 erhielten sechs Monate lang einen Beutel Flortec täglich, 21 eine Kontrollsubstanz (Stärke). Ein Beutel enthielt Lactobacillus paracasei B21060 (5 × 10⁹ Zellen), Arabinogalaktan (1243 mg), Fruktooligosaccharide (700 mg) und L-Glutamin (500 mg) [s111]; die Dosisangaben von Arabinogalaktan, Fruktooligosacchariden und Glutamin bestätigt auch die Übersicht von Oliveira et al. [s055].

Erhoben wurden Anamnese, Skrotal-Doppler, Y-Mikrodeletion, Karyotyp, Mukoviszidose-Screening, die Hormone FSH, LH, Östradiol, Testosteron und Prolaktin sowie zwei Spermiogramme, jeweils zu Beginn und nach sechs Monaten. Verglichen wurde mit dem nichtparametrischen Wilcoxon-Test für gepaarte Daten; Nebenwirkungen wurden mit dem Chi-Quadrat-Test verglichen [s111].

Ergebnisse (Mediane, Gruppe Flortec, vorher zu nachher): Ejakulatvolumen 2,4 auf 3,1 ml, Spermienkonzentration 15,2 auf 28,3 Mio./ml, progressive Beweglichkeit 16,2 auf 42,0 %, typische Formen 7 auf 16,3 %, jeweils p < 0,01. FSH, LH und Testosteron verbesserten sich (p < 0,01), Östradiol und Prolaktin nicht. In der Kontrollgruppe blieb nach Wortlaut des Abstracts „in 42 der untersuchten Parameter“ jede Veränderung aus; Nebenwirkungen traten in keiner Gruppe auf [s111]. Der Abstract enthält außerdem einen Satzfehler bei der Konzentration („28,3 × 10⁶/39 mL“), der in den Recherche-Dokumenten als Tippfehler eingeordnet wurde.

Stärken: Es gab eine Kontrollgruppe, eine feste Dosis, eine lange Beobachtung von sechs Monaten (mehr als ein Spermatogenesezyklus) und eine standardisierte Vorabklärung. Schwächen: Die angegebenen Tests vergleichen vorher und nachher innerhalb jeder Gruppe; ein direkter Vergleich der Gruppen mit Effektschätzer und Konfidenzintervall steht im Abstract nicht. Die Gruppen sind klein, das Präparat enthält mehrere Wirkstoffe, sodass der Anteil des Probiotikums nicht abgrenzbar ist. Auffällig ist, dass ein Probiotikum die Hormone FSH, LH und Testosteron verbessert haben soll; spätere Studien fanden dafür keine Bestätigung (siehe Helli, unten). Spätere Übersichten beschreiben die Studie als „double-blind, placebo-controlled“ [s055, s009]; im Abstract der Originalarbeit steht „pilot study“ und „control substance (starch)“. Schwangerschaften wurden nicht berichtet.

#### Abbasi, Abbasi und Niroumand 2021: FamiLact in Teheran

„Synbiotic (FamiLact) administration in idiopathic male infertility enhances sperm quality, DNA integrity, and chromatin status: A triple-blinded randomized clinical trial“ (Int J Reprod Biomed) [s085]. Männliche Partner unfruchtbarer Paare aus dem Imam-Reza-Krankenhaus in Teheran wurden von November 2019 bis Mai 2020 aufgenommen. Einschlusskriterium war mindestens einer der WHO-Grenzwerte (Konzentration < 15 Mio./ml und/oder normale Morphologie < 4 % und/oder Gesamtbeweglichkeit < 40 %). Ausgeschlossen wurden unter anderem Kryptorchismus, Varikozele, Chromosomenanomalien, Leukozytospermie, Nebenhodenentzündung, Prostatitis, Hormontherapie und kürzliche sexuell übertragbare Infektionen. Von 60 geeigneten Männern wurden 56 randomisiert (je 28), mit einer Permutationsblock-Randomisierung; Patienten, Behandler, Datenerheber und Statistiker waren verblindet. Die Studie ist unter IRCT20190824044599N1 registriert [s085].

Die Gruppe „FamiLact“ erhielt 80 Tage lang täglich eine Kapsel (500 mg) mit Lactobacillus rhamnosus, L. casei, L. bulgaricus, L. acidophilus, Bifidobacterium breve, B. longum und Streptococcus thermophilus (insgesamt 10⁹ KbE) sowie Fruktooligosaccharide; die Kontrollgruppe eine identische Placebokapsel. Zwei Spermaproben vor und nach der Behandlung (zwei bis sieben Tage Karenz) wurden nach WHO-Vorgaben analysiert. Zusätzlich wurden die DNA-Fragmentierung mit dem Sperm Chromatin Structure Assay (SCSA, Durchflusszytometrie, etwa 10 000 Spermien je Probe), die Lipidperoxidation mit der Sonde BODIPY C11 und der Protamindefekt mit Chromomycin A3 (CMA3) bestimmt [s085].

Der Abstract nennt 56 Männer; im Ergebnisteil sind es nur 47: Sieben Teilnehmer erschienen nicht zur Folgeprobe, einer brach wegen einer eingetretenen Schwangerschaft ab, einer zog die Einwilligung zurück; ausgewertet wurden 22 Männer in der FamiLact-Gruppe und 25 in der Placebogruppe. Das Alter betrug im Mittel 34,5 und 33,8 Jahre (p = 0,61) [s085]. Die EAU-Leitlinie und die Übersicht von Kaltsas et al. nennen „n = 56“ [s006, s009]; die Metaanalyse führt 28 und 28 [s020]; Oliveira et al. nennen 47 [s055]. Das ist kein Widerspruch der Daten, sondern ein Unterschied zwischen Randomisierung und Auswertung. Eine Auswertung nach Intention-to-treat ist nicht beschrieben.

Mittelwerte vor und nach der Behandlung (FamiLact, n = 22 / Placebo, n = 25): Konzentration 28,85 ± 17,1 auf 44,1 ± 24,97 Mio./ml gegenüber 21,54 ± 15,48 auf 27,98 ± 17,42; Gesamtbeweglichkeit 38,4 ± 25,08 auf 50,81 ± 34,94 % gegenüber 33,54 ± 20,3 auf 34,44 ± 30,31 %; Anteil abnormer Formen 86,62 ± 11,61 auf 79,5 ± 5,54 % gegenüber 85,25 ± 9,61 auf 83,5 ± 8,21 %; Volumen 2,75 auf 2,97 ml gegenüber 2,54 auf 2,54 ml. Die Unterschiede zwischen den Gruppen nach der Behandlung waren für Konzentration p = 0,01, Beweglichkeit p = 0,04 und normale Morphologie p = 0,03 signifikant; vor der Behandlung bestand kein Unterschied (p = 0,13, 0,46, 0,66) [s085].

Die Oxidations- und Chromatinwerte zeigen ein differenzierteres Bild: Die Lipidperoxidation sank im FamiLact-Arm von 29,53 ± 19,4 auf 26 ± 18,82 % (gepaarter Test p = 0,02), im Placeboarm von 26,32 auf 24,72 % (nicht signifikant); der Unterschied zwischen den Gruppen nach der Behandlung war nicht signifikant (p = 0,8). Die CMA3-Positivität sank numerisch (39,97 auf 34,33 % gegenüber 37,97 auf 33,67 %), jedoch ohne signifikante Änderung (p = 0,11 und p = 0,14). Der DNA-Fragmentierungsindex sank im FamiLact-Arm von 28,81 ± 13,27 auf 25,19 ± 7,22 % (p = 0,005) und im Placeboarm von 26,75 ± 10,54 auf 25,32 ± 6,66 % (p = 0,03); zwischen den Gruppen nach der Behandlung bestand kein signifikanter Unterschied (p = 0,47) [s085]. Die Aussage „reduziert die DNA-Schädigung“ aus der Zusammenfassung der Autoren stützt sich also auf den Vorher-nachher-Vergleich im FamiLact-Arm; die Fragmentierung sank aber auch unter Placebo. Die Autoren erklären das mit möglicher, dem Team verborgener Begleiteinnahme von Nahrungsergänzungsmitteln [s085].

Stärken: dreifache Verblindung, Registrierung, Zusatzmessungen zu Chromatin und Oxidation, eine für die Studien dieser Art vergleichsweise ausführliche Ausschlussliste. Schwächen: Verlust von neun der 56 Randomisierten (16 %), ungleiche Gruppengrößen nach Verlust, mehrere Endpunkte ohne Korrektur für Mehrfachtests, Einzelzentrum, 80 Tage, keine Schwangerschaftsdaten. Die Endpunkt-Signifikanzen liegen zum Teil knapp unter 0,05 (0,03 und 0,04).

#### Helli et al. 2022: Probiotikum bei OAT, Rückzug 2026

„Probiotic effects on sperm parameters, oxidative stress index, inflammatory factors and sex hormones in infertile men“ (Human Fertility) [s079]. Randomisierte, doppelblinde Studie mit 52 Männern mit idiopathischer OAT, die in einer urologischen Klinik behandelt wurden (je 26 pro Gruppe); die Interventionsgruppe nahm zehn Wochen lang täglich 500 mg Probiotikum, die Kontrollgruppe Placebo. Registrierung IRCT20141025019669N7. Gemessen wurden Spermaparameter, Gesamtantioxidanskapazität (TAC) und Malondialdehyd (MDA) im Plasma, Entzündungsmarker und Geschlechtshormone [s079].

Laut Abstract stiegen in der Interventionsgruppe Ejakulatvolumen, Spermienzahl, Konzentration, Anteil beweglicher Spermien und die TAC des Plasmas, während MDA und Entzündungsmarker sanken [s079]. Die Übersicht von Oliveira et al. nennt dazu p-Werte: Volumen p = 0,041, Gesamtzahl p = 0,001, Konzentration p = 0,001, Gesamtbeweglichkeit p = 0,037, lebende Spermien p = 0,003; TAC p < 0,001 und MDA p = 0,002 im Vergleich mit Placebo; CRP und TNF-alpha sanken; Testosteron stieg, FSH, LH und Prolaktin sanken, jeweils ohne Signifikanz [s055]. Die Metaanalyse [s020] führt die Studie mit 25 und 25 Teilnehmern (mittleres Alter 32,23 ± 4,11 und 33,01 ± 3,91 Jahre) und einer Dosis von 2 × 10¹¹ KbE; das Primärpapier gibt nur „500 mg täglich“ an [s079, s020]. Oliveira et al. nennen n = 50 [s055]. Die Abweichung zwischen 52 Teilnehmern (26 + 26) im Primärabstract und 50 Teilnehmern (25 + 25) in zwei Übersichten ist in den Quellen nicht geklärt.

2026 erschien in derselben Zeitschrift eine Rückzugserklärung („Retraction Statement: Probiotic effects on sperm parameters, oxidative stress index, inflammatory factors and sex hormones in infertile men“, Human Fertility, PMID 42050763) [s021]. Der Grund des Rückzugs stand in den für diese Studie abgerufenen Quellen nicht; nur Titel und Kennung der Erklärung waren zugänglich. Praktische Folge: Das Ergebnis ist nicht als Evidenz zu zählen. Die Metaanalyse von Prihadi et al. [s020] schließt die Studie ein (Tabelle 1, Risk-of-Bias-Tabelle „Low risk“), sodass ihre gepoolten Schätzer teilweise auf einem zurückgezogenen Beitrag beruhen; die Veröffentlichung der Metaanalyse im Frühjahr 2026 (online 11.03.2026) liegt vor dem Rückzug (28.04.2026 laut Crossref-Angabe in den Recherche-Dokumenten). Ob die Autoren die Analyse inzwischen korrigiert haben, ist nicht bekannt. Weitere Übersichten, die Helli einschließen (Oliveira et al. [s055], Kaltsas et al. [s009] in Tabelle 3), sind betroffen.

#### Asadi et al. 2023: Probiotikum nach mikrochirurgischer Varikozelenoperation

„Effects of probiotic supplementation on semen parameters after varicocelectomy: a randomized controlled trial“ (Journal of Research in Medical Sciences) [s064]. Doppelblinde Studie von September 2021 bis März 2023, registriert unter IRCT20150420021869N4. Eingeschlossen wurden Männer ab 18 Jahren mit linksseitiger Varikozele und Kinderwunsch von mindestens einem Jahr, bei denen eine subinguinale mikrochirurgische Varikozelenoperation geplant war. Ausgeschlossen waren unter anderem frühere urogenitale Operationen, idiopathische Unfruchtbarkeit, Kryptorchismus, Hodentumor, Hodentrauma, Mumps nach der Pubertät, Stoffwechselerkrankungen, obstruktive Störungen, eine fruchtbarkeitsfördernde Diät, übermäßiger Drogenkonsum und HIV-Infektion [s064].

Die Randomisierung erfolgte mit einer Excel-Zufallsfunktion (gerade und ungerade Zahlen), die Zuteilung wurde mit verschlossenen Umschlägen verdeckt gehalten. 45 Männer sollten das Synbiotikum FamiLact zweimal täglich drei Monate lang erhalten (Lactobacillus rhamnosus, L. casei, L. bulgaricus, L. acidophilus, Bifidobacterium breve, B. longum, Streptococcus thermophilus, je Kapsel 10⁹ KbE, dazu Fruktooligosaccharide), ebenso viele Placebo. Neun Teilnehmer schieden aus, drei gingen für die Nachbeobachtung verloren; ausgewertet wurden 78 Männer, 38 in der Probiotikagruppe und 40 in der Placebogruppe. Die Fallzahlplanung (Annahme eines Effekts von 9,7 bei einer Standardabweichung von 4,4, Power 0,8) ergab rechnerisch nur 10 Teilnehmer; ausgewertet wurden 78 [s064]. Ein Mann der Probiotikagruppe brach wegen Blähungen ab. Das Spermiogramm wurde bei Diagnose der Varikozele und drei Monate nach der Operation mit computergestützter Analyse (CASA) bestimmt; operiert haben zwei Chirurgen mit gleicher Erfahrung [s064].

Ausgangswerte: Die Gruppen unterschieden sich bei Alter (31,9 ± 3,4 gegenüber 32,3 ± 4,5 Jahre), Body-Mass-Index (25,1 gegenüber 26,2 kg/m²) und Infertilitätsdauer (28,2 gegenüber 28,5 Monate) nicht, und auch nicht bei den Spermaparametern. Drei Monate nach der Operation (Mittelwerte, Standardabweichung in Klammern; Placebo gegenüber Probiotikum): Volumen 3,4 (2,3) gegenüber 3,9 (2,1) ml (p = 0,897); Konzentration 21,1 (16,1) gegenüber 33,7 (22,5) Mio./ml (p = 0,046); Anteil beweglicher Spermien 34,2 (33,2) gegenüber 43,0 (38,7) % (p = 0,177); normale Morphologie 12,0 (11,5) gegenüber 15,0 (8,9) % (p = 0,016). Vor der Operation lagen die Konzentrationen bei 18,0 (11,0) im Placeboarm und 16,3 (11,4) im Probiotikaarm [s064].

Wichtig für die Einordnung: Auch in der Placebogruppe stiegen Konzentration (p = 0,007), Beweglichkeit (p = 0,007) und normale Morphologie (p = 0,026) gegenüber den Ausgangswerten signifikant; das spiegelt den bekannten Effekt der Operation wider. Der Zugewinn durch das Probiotikum ergibt sich im Vergleich der Veränderungen zwischen den Gruppen: Konzentration +17,3 (16,9) gegenüber +3,0 (14,6) Mio./ml (p = 0,049), normale Morphologie +6,1 (7,4) gegenüber +3,9 (9,1) Prozentpunkte (p = 0,038), Beweglichkeit +15,4 gegenüber +6,1 Prozentpunkte (p = 0,347) [s064]. Im Text der Originalarbeit steht an einer Stelle „normal sperm morphology“ bei p = 0,347; gemeint ist offenbar die Beweglichkeit. Die EAU-Leitlinie nennt diese Studie mit n = 78 und dem Befund einer frühen Verbesserung von Konzentration und Morphologie [s006].

Stärken: Randomisierung mit verdeckter Zuteilung, Placebo, standardisierte Operation, CASA. Schwächen: Verlust von zwölf der 90 Randomisierten (13 %), p-Werte knapp unter 0,05 bei mehreren Vergleichen ohne Korrektur für Mehrfachtests, Einzelzentrum, drei Monate (ungefähr die Dauer eines Spermatogenesezyklus, daher ist ein später Effekt der Operation selbst nicht ausgeschlossen), keine Schwangerschaftsdaten. In der Einleitung verweisen die Autoren auf eine unveröffentlichte Studie der Gruppe, in der Probiotika Antioxidantien überlegen gewesen seien; das ist vermutlich die später erschienene Studie von Gholipour et al. [s064, s007]. Beide Arbeiten teilen mehrere Autoren (Asadi, Gholipour, Rahavian) und dasselbe Präparat.

#### Zarehoroki et al. 2026: Synbiotikum zusätzlich zu einem Antioxidans

„Investigating the Effect of Synbiotic and SperiGen Supplementations on Spermatogram in Idiopathic Oligoasthenoteratozoospermia: A Double-Blinded Randomized Clinical Trial“ (International Journal of Urology) [s028]. Vorliegend ist nur der Abstract. 73 Männer mit idiopathischer OAT wurden verblindet in zwei Gruppen randomisiert: Beide erhielten das Multivitamin-Mineralpräparat SperiGen (als Antioxidans), eine Gruppe zusätzlich Placebo, die andere zusätzlich 500 mg Synbiotikum (FamiLact) täglich über drei Monate. Registriert unter IRCT20190810044500N6 (5. September 2020) [s028].

Ergebnisse laut Abstract: Die Kombination steigerte im Vergleich zu SperiGen plus Placebo die mittlere Veränderung der progressiven Beweglichkeit (p = 0,001) und der DNA-Fragmentierung (p = 0,001; die Fragmentierung sank laut Schlussfolgerung) und senkte den Anteil unbeweglicher Spermien (p = 0,018). Innerhalb der Gruppen besserten sich alle Parameter in beiden Armen, mit Ausnahme der nichtprogressiven Beweglichkeit in der Gruppe SperiGen plus Placebo. Die Autoren schließen, die Kombination sei „much more effective“ als das Antioxidans allein bei DNA-Fragmentierung, Konzentration und progressiver Beweglichkeit; Zahlenwerte zur Konzentration und andere Mittelwerte stehen im Abstract nicht [s028]. Die Übersicht von Kaltsas et al. führt die Arbeit mit dem Datum 2025 und vermerkt: Einzelzentrum, Antioxidans in beiden Armen, drei Monate, keine Fruchtbarkeitsendpunkte, Konzentration und Morphologie nicht berichtet [s009]; die Quellenliste dieser Studie datiert die Arbeit auf 2026. Wegen des gleichen Hintergrundpräparats in beiden Armen beantwortet die Studie nicht, ob ein Probiotikum allein wirkt, sondern ob es zu einem Antioxidans etwas hinzufügt.

#### Gholipour et al. 2026: Probiotikum, Antioxidans oder Placebo

„Probiotics Outperform Antioxidants in Improving Semen Parameters of Men with Idiopathic Oligoasthenoteratozoospermia: A Randomized Controlled Trial“ (Iranian Journal of Medical Sciences) [s007] ist die einzige Studie, die Probiotikum und Antioxidans direkt vergleicht; sie liegt im Volltext vor.

Design: dreimonatige, multizentrische (Yazd und Isfahan), dreifach verblindete, placebokontrollierte Studie von Juli 2021 bis April 2022, registriert als IRCT20150420021869N5. 203 Männer mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit wurden auf Eignung geprüft (136 aus Isfahan, 67 aus Yazd). Aufgenommen wurden Männer unter 45 Jahren mit WHO-2010-Werten unterhalb der fünften Perzentile (Konzentration < 15 Mio./ml, normale Morphologie < 4 %, Beweglichkeit A+B+C < 40 %). Ausgeschlossen waren unter anderem Pyospermie, Varikozele, Hodenoperationen, Chemo- und Strahlentherapie, Rauchen, Medikamente mit Wirkung auf die Spermatogenese, sexuell übertragbare Infektionen, Nebenhodenentzündung, Prostatitis und Chromosomenanomalien. Die Zuteilung erfolgte einfach randomisiert im Verhältnis 1:1:1 mit einer Zufallssoftware; Teilnehmer, Behandler und Auswerter waren verblindet. Ausgewertet wurde per Protokoll („per-protocol approach“) [s007].

Interventionen: Probiotikum Familact (zwei Kapseln täglich, eine alle zwölf Stunden, 90 Tage; Lactobacillus casei, L. rhamnosus, L. acidophilus, L. bulgaricus, Streptococcus thermophilus, Bifidobacterium longum, B. breve plus Fruktooligosaccharide); Antioxidans Sperigen (B-Vitamine, Vitamine A, C und E, Selen, Zink, Glutathion, L-Carnitin, L-Arginin, Coenzym Q10 und weitere Stoffe); Placebo desselben Herstellers wie das Probiotikum. Probiotikum und Placebo waren äußerlich nicht unterscheidbar, das Antioxidans unterschied sich leicht. Es wurden je Patient vier Spermaproben gewonnen (zwei vor, zwei nach drei Monaten, im Abstand einer Woche nach 48 Stunden Karenz) und die Mittelwerte je Zeitpunkt verwendet; Konzentration mit einer Zählkammer, Beweglichkeit und Morphologie mit einem CASA-System. Statistik: lineare gemischte Modelle mit Zeit, Gruppe und Wechselwirkung als feste Effekte, adjustiert für das Zentrum, paarweise Vergleiche nach drei Monaten mit Bonferroni-Korrektur [s007].

Teilnehmer: In die Endauswertung gingen 110 Männer ein (mittleres Alter 34,3 ± 4,5 Jahre), 63 aus Zentrum 1 und 47 aus Zentrum 2; 38 Antioxidans, 35 Probiotikum und 37 Placebo. Die Verteilung der übrigen der 203 geprüften Männer ist im Fließtext nicht aufgeschlüsselt (sie steht im Flussdiagramm). Die Therapietreue betrug 94,9 % (Placebo), 97,2 % (Probiotikum) und 92,7 % (Antioxidans). Ein Mann der Probiotikagruppe brach wegen Blähungen ab; weitere arzneimittelbedingte Nebenwirkungen wurden nicht berichtet [s007].

Ergebnisse (adjustierte Randmittel; jeweils Ausgangswert auf Wert nach drei Monaten):

| Parameter | Antioxidans | Probiotikum | Placebo | Zeit-mal-Gruppe-Wechselwirkung |
|---|---|---|---|---|
| Konzentration (Mio./ml) | 5,03 auf 8,55 | 5,13 auf 10,42 (SE 1,11) | 4,79 auf 4,91 | p = 0,003 |
| Beweglichkeit (%) | 22,16 auf 26,58 | 23,54 auf 46,65 (SE 3,73) | 21,72 auf 22,75 | p < 0,001 |
| Normale Morphologie (%) | 1,47 auf 2,21 | 1,60 auf 4,31 (SE 0,21) | 1,47 auf 1,52 | p < 0,001 |
| Volumen (ml) | 3,62 auf 4,09 | 3,67 auf 4,11 | 3,49 auf 3,60 | p = 0,71 |

Paarweise Vergleiche nach drei Monaten: Konzentration Probiotikum gegenüber Placebo p = 0,007 (mittlere Differenz 5,51 × 10⁶/ml), Probiotikum gegenüber Antioxidans p = 0,89 (nicht signifikant), Antioxidans gegenüber Placebo p = 0,11; Beweglichkeit Probiotikum gegenüber Antioxidans p = 0,009 und gegenüber Placebo p = 0,001, Antioxidans gegenüber Placebo p > 0,999; Morphologie Probiotikum gegenüber Antioxidans und gegenüber Placebo je p < 0,001, Antioxidans gegenüber Placebo p = 0,15; Volumen keine Unterschiede (alle p > 0,999). Die Autoren berechnen daraus relative Zugewinne: Konzentration +103 % unter Probiotikum, +70 % unter Antioxidans; Beweglichkeit +98 % gegenüber +20 %; normale Formen +170 % gegenüber +50 % [s007]. Der Titel nennt „Probiotikum besser als Antioxidans“; bei der Konzentration stützt das die Auswertung nicht, weil dieser Unterschied nicht signifikant war.

Einordnung: Die Absolutwerte bleiben niedrig. Die Konzentration liegt mit 10,42 Mio./ml nach drei Monaten weiter unter 15 Mio./ml, die Morphologie von 4,31 % knapp über der Einschlussgrenze von 4 %. Ob das klinisch relevant ist, wurde nicht geprüft. Die Autoren nennen als Limitationen: keine Hormonprofile, keine DNA-Fragmentierung, keine antioxidative Kapazität des Spermas, kurze Dauer, keine Fertilitätsraten oder Erfolg assistierter Reproduktion, unbekannte Wirkungsdauer nach Absetzen, keine Prüfung der Kombination von Antioxidans und Probiotikum, Verschiedenheit der Handelsprodukte [s007]. Weitere Punkte: Per-Protocol-Auswertung (kein Intention-to-treat), die Verteilung der Ausfälle zwischen 203 Gescreenten und 110 Ausgewerteten ist im Text nicht belegt, mehrere Endpunkte, eine Fallzahlplanung ist im gelesenen Methodenteil nicht beschrieben, und die Gruppe teilt Präparat und Autoren mit der Studie von Asadi et al. [s064]. Zu Beginn bestand kein Unterschied bei Alter (Median 34, 35 und 32 Jahre, p = 0,158) und Infertilitätsdauer (31, 31 und 32 Monate, p = 0,326) [s007].

#### Gemeinsame Merkmale und Grenzen der sechs Studien

Fünf der sechs RCTs wurden im Iran durchgeführt, eine in Italien. Vier verwenden dasselbe kommerzielle Synbiotikum FamiLact (als Hersteller nennen drei Arbeiten Zist Takhmir) [s085, s064, s028, s007]; die Studien von Asadi und Gholipour stammen aus derselben Arbeitsgruppe. Alle untersuchen Surrogatendpunkte; keine hat Schwangerschaft oder Lebendgeburt als Endpunkt. Die Beobachtungszeit liegt zwischen zehn Wochen und sechs Monaten. Die Fallzahlen reichen von 41 bis 110. Die Übersicht von Kaltsas et al. weist auf Einzelzentrum-Design, Mehrfachtests ohne Korrektur, mögliche Produktbindung und unvollständige Angaben zu Finanzierung hin und kommt zu einer geringen Sicherheit der Evidenz mit erheblichem Verzerrungs- und Unschärferisiko [s009]; ob und wie die einzelnen Studien finanziert wurden, wurde für dieses Kapitel nicht geprüft.

### Unkontrollierte Studien, Fallserien und historische klinische Beobachtungen

#### Valcarce et al. 2017: Neun asthenozoosperme Männer

„Probiotic administration improves sperm quality in asthenozoospermic human donors“ (Beneficial Microbes) [s112]. Neun asthenozoosperme Männer ohne medizinische Behandlung und mit vergleichbarer Ernährung nahmen zwei als antioxidativ ausgewählte Stämme ein, Lactobacillus rhamnosus CECT8361 und Bifidobacterium longum CECT7347 (laut Übersichten je 50 % einer Kapsel, insgesamt 10⁹ KbE täglich [s020, s055]). Die Samenqualität wurde vor der Einnahme, während der Einnahme (nach drei und sechs Wochen) und nach dem Ende (drei und sechs Wochen später) bestimmt: Beweglichkeit mit CASA, DNA-Fragmentierung mit dem SCSA, Zellvitalität und intrazelluläres Wasserstoffperoxid (H₂O₂, als Maß für reaktive Sauerstoffspezies) mit Durchflusszytometrie [s112].

Ergebnisse laut Abstract: Die Beweglichkeit verbesserte sich „drastisch“ (etwa um den Faktor 6), die DNA-Fragmentierung nahm um etwa den Faktor 1,2 ab, das intrazelluläre H₂O₂ um etwa den Faktor 3,5; die Vitalität änderte sich nicht [s112]. Die Übersicht von Oliveira et al. gibt aus dem Volltext weitere Werte wieder: Der DNA-Fragmentierungsindex sank von 25,74 % auf 21,11 % nach drei und 21,58 % nach sechs Wochen und stieg nach Absetzen wieder auf 21,64 % (drei Wochen danach) und 23,09 % (sechs Wochen danach), die Verbesserung hielt also nicht an. Der Anteil H₂O₂-positiver Zellen lag in der Kontrollphase bei 16,57 ± 3,34 %, nach drei Wochen Einnahme bei 5,02 ± 0,93 %, nach sechs Wochen bei 6,2 ± 1,77 % und blieb auch drei und sechs Wochen nach Absetzen niedrig (7,27 ± 2,37 % und 7,9 ± 1,36 %). Oliveira et al. schreiben, die Beweglichkeit sei nach Absetzen für sechs Wochen erhalten geblieben; die Übersicht von Kaltsas et al. spricht dagegen von einer „Abschwächung nach dem Auswaschen“ [s055, s009].

Die Einordnung der Studie unterscheidet sich zwischen den Übersichten: Oliveira et al. führen sie als „randomized“ und mit sechs Wochen [s055], Kaltsas et al. als „randomized cross-over“ [s009], die Metaanalyse als einarmige Studie mit zwölf Wochen und bewertete sie mit dem Instrument für nicht randomisierte Studien (ROBINS-I) [s020]. Im Abstract der Originalarbeit ist von einer Kontrollgruppe nicht die Rede; die Beobachtung vor, während und nach der Einnahme bei denselben Männern gehört zu einem Vorher-nachher-Design. Die Dauer der Einnahme nennt das Original mit drei und sechs Wochen. Stärken: engmaschige Messung auch nach dem Absetzen, mehrere Endpunkte zu Oxidation und DNA. Schwächen: nur neun Männer, keine parallele Kontrollgruppe (damit keine Trennung von Zeiteffekt, Messvariabilität oder Erwartung), kurze Dauer.

#### Gupte et al. 2025: Fallserie mit acht Männern (Preprint)

„Successful conception following probiotic intervention in males with semen dysbiosis: a case series“ [s037] liegt nur als nicht begutachteter Preprint vor (Research Square, Kennung PPR982866). Nach dem Abstract handelt es sich um eine retrospektive Fallserie mit acht Männern mit auffälligem Spermiogramm (Asthenoteratozoospermie, Oligozoospermie, Teratozoospermie, Asthenozoospermie), die als Ausdruck einer Samen-Dysbiose gedeutet wurde. Die Intervention bestand in einem Probiotikum, besonders mit Lactobacillus und Bifidobacterium bifidum, über 90 Tage. Nach 90 Tagen seien bei allen Teilnehmern „significant improvements“ in progressiver Beweglichkeit, Spermienzahl und normaler Morphologie aufgetreten [s037]. Zahlenwerte stehen im Abstract nicht. Die Autoren folgern, Probiotika könnten „effectively address semen dysbiosis“ und eine ergänzende Therapie sein. Diese Schlussfolgerung geht über die Daten hinaus: Es gibt keine Kontrollgruppe, die Fallauswahl (retrospektiv) ist nicht zufallsbedingt, acht Fälle erlauben keine Aussage über Häufigkeit oder Ursächlichkeit, und der Titel („Successful conception“) nennt Schwangerschaften, die im Abstract nicht quantifiziert werden. Die Arbeit hat keine Begutachtung durchlaufen und ist als Hinweis, nicht als Beleg zu lesen.

#### Ensslen et al. 1990: Bakteriospermie und orale Herde (Aachen)

„Male subfertility and oral bacterial diseases“ (Männliche Subfertilität und orale bakterielle Erkrankungen; Zentralblatt für Gynäkologie) [s121] ist die einzige deutschsprachige klinische Beobachtung im Material und nur als Abstract belegt. Mehr als 70 % der Ehemänner, die seit Juni 1987 wegen Sterilität die Frauenklinik der RWTH Aachen aufsuchten, benötigten eine Behandlung wegen Bakteriospermie mit Keimzahlen über 10⁴ KbE/ml Ejakulat. Bei 23 % der behandelten Männer gelang keine überzeugende Keimzahlsenkung. 36 Patienten mit therapieresistenter Bakteriospermie wurden in die Zahnklinik überwiesen; dort fanden sich zahlreiche intraorale Herde, die saniert wurden. Intraoperativ entnommene Proben wurden mikrobiologisch untersucht, wobei das Keimspektrum der Mundproben und der Spermiogramme „identisch“ gewesen sei. Sechs Monate nach der Zahnsanierung waren zwei Drittel der Spermiogramme „bereits steril“, außerdem hätten sich Beweglichkeit, Morphologie und Dichte verbessert. Die Autoren sehen einen unmittelbar ursächlichen Zusammenhang zwischen symptomatischer Zahnerkrankung und Bakteriospermie [s121].

Die Arbeit ist als Fallserie ohne Kontrollgruppe und ohne die heute üblichen Verfahren (Kultur mit eigenen Definitionen, keine Sequenzierung, keine Kontaminationskontrollen) zu lesen; die Zahl der Männer im ersten Teil ist nicht angegeben, nur der Anteil. Die Beobachtung ist als historischer Beleg für die Idee interessant, dass Keime im Ejakulat aus anderen Körperregionen stammen können; als Stütze einer ursächlichen Aussage trägt sie nicht.

#### Granouillet et al. 1982: Spermaflora bei unfruchtbaren Männern (Frankreich)

„Étude de la flore bactérienne du sperme chez des hommes infertiles“ (Untersuchung der bakteriellen Spermaflora bei unfruchtbaren Männern) [s124] untersuchte zwei Gruppen unfruchtbarer Männer (65 und 132 Patienten) in zwei Laboratorien mit zwei verschiedenen Samengewinnungsverfahren; die bakteriologischen Ergebnisse waren ähnlich. Isoliert wurden unter anderem betahämolysierende Streptokokken, Proteus, Staphylococcus epidermidis, Micrococcus, Corynebakterien, Klebsiellen, Pseudomonas, Enterobacter, Bacillus, Neisserien, Escherichia coli, anaerobe Staphylokokken und Streptokokken sowie Pilze. 20 % der Patienten seien ohne klinische Zeichen chronisch infiziert, vermutlich prostatischen Ursprungs, mit mehr als 3000 Keimen/ml. Einen Zusammenhang zwischen den bakteriologischen Daten und den physikalischen und zytologischen Samenmerkmalen fand die Studie nicht, mit Ausnahme des pH-Werts: Proben mit niedrigem pH seien meist azoosperm und stark kontaminiert [s124]. Auch hier liegt nur der Abstract vor; die Arbeit beschreibt Flora, keine Intervention.

### Interventionsstudien an Paaren und Frauen mit Bezug zum Ejakulat

#### Huerga López et al. 2025: Ligilactobacillus salivarius CECT5713 bei ungeklärter Unfruchtbarkeit vor IVF

„Ligilactobacillus salivarius CECT5713 Increases Term Pregnancies in Women with Infertility of Unknown Origin: A Randomized, Triple-Blind, Placebo-Controlled Trial“ (Nutrients) [s040] ist die einzige Studie im Material, die einen harten Endpunkt (Lebendgeburt) berichtet. Sie untersucht aber Paare, nicht Männer.

Design: Nichtunterlegenheitsstudie, randomisiert, dreifach verblindet, placebokontrolliert, am Hospital Clínico San Carlos in Madrid; registriert als NCT06290518. Die Fallzahl wurde auf Grundlage der IVF-Erfolgsrate des Zentrums bei ungeklärter Unfruchtbarkeit (32 %) und einer Pilotstudie mit demselben Stamm (56 % erfolgreiche Schwangerschaften bei Frauen mit Fortpflanzungsversagen) geschätzt; bei einer Nichtunterlegenheitsgrenze von 10 %, Power 80 % und einseitigem Niveau 2,5 % ergaben sich 32 Paare je Gruppe, mit 20 % erwarteten Ausfällen 70 Paare. Aufgenommen wurden Paare ab 12 Monaten unerfülltem Kinderwunsch ohne erkennbare Ursache mit IVF-Indikation und einer erwarteten Wartezeit von mehr als fünf Monaten; Rekrutierung vom 17. November 2020 bis 22. November 2022, letzter Embryotransfer am 6. Juni 2023. Ausschlüsse waren unter anderem Sterilität eines Partners (zum Beispiel Azoospermie), Tubenverschluss, schwere Erkrankungen und eine chronische Antibiotikatherapie [s040].

Intervention: Beide Partner nahmen täglich eine Kapsel mit insgesamt 3 × 10⁹ lebensfähigen Zellen L. salivarius CECT5713 mit Maltodextrin als Hilfsstoff oder nur Maltodextrin (Placebo), und zwar während der sechs Monate vor der IVF und im ersten IVF-Zyklus (ein bis zwei Monate); bei Schwangerschaft setzten die Frauen die Einnahme in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen fort. Die Einnahme wurde per Tagebuch erfasst; weniger als 85 % der Soll-Dosis galt als Protokollabweichung. Vor Beginn und unmittelbar vor der IVF (oder früher bei Schwangerschaft) wurden von jedem Paar ein Vaginalabstrich und eine Samenprobe mikrobiologisch (Kultur, 16S-rRNA-Sequenzierung der V3-V4-Region, Illumina MiSeq, negative Kontrollen in allen PCR-Ansätzen) und immunologisch (TGF-beta1, VEGF, Zytokine) untersucht. Primärer Endpunkt: Zahl der Teilnehmer mit erfolgreicher Schwangerschaft, die zur Geburt eines Kindes ohne Fehlbildung führte [s040].

Teilnehmer und Hauptergebnis: Von 285 geprüften Paaren erfüllten 153 die Einschlusskriterien nicht, 62 lehnten ab; 70 Paare wurden randomisiert (35 und 35). 5 Paare der Placebo- und 8 der Probiotikagruppe schieden aus oder brachen ab; es schlossen 30 Placebo- und 27 Probiotikapaare ab. Die mittlere Einnahmedauer betrug 154,9 Tage (Placebo) und 161,9 Tage (Probiotikum). Spontane Schwangerschaften vor der Stimulation: 3/30 (10,0 %) und 3/27 (11,1 %). Eizellentnahme: 22 und 22 Frauen; Embryotransfer: 14/22 (66,7 %) und 17/22 (77,3 %); Schwangerschaft nach Transfer: 4/14 (28,6 %) gegenüber 11/17 (64,7 %), p = 0,045. Gesamtzahl der Schwangerschaften (spontan und IVF): 8/30 (26,7 %) gegenüber 14/27 (51,8 %), p = 0,051. Aborte: 2/30 und 1/27. Primärer Endpunkt, Geburt eines Kindes ohne Fehlbildung: 6/30 (20,0 %) gegenüber 13/27 (48,1 %), einseitiger Chi-Quadrat-Test p = 0,024 bei einem festgelegten Niveau von 0,025; absolute Risikozunahme 28 % (95-%-Konfidenzintervall 5 bis 52 %). Die Autoren leiten daraus Nichtunterlegenheit und, da die untere Grenze über null liegt, mögliche Überlegenheit ab [s040]. Alle Schwangerschaften waren Einlingsschwangerschaften, alle Kinder wurden zwischen der 37. und 42. Woche geboren, bis auf ein Kind der Probiotikagruppe (34+5 Wochen nach vorzeitigem Blasensprung bei Chorioamnionitis). Nebenwirkungen wurden von keinem Paar berichtet [s040].

Befunde im Ejakulat: In der Kultur wuchsen in 97 von 101 Samenproben Bakterien (479 Isolate, Bacillota 60,1 %, Actinomycetota 39,5 %, 27 Gattungen, 95 Arten; am häufigsten Staphylococcus epidermidis in 46 und Enterococcus faecalis in 36 Proben); zwischen den Gruppen bestand in Artenzahl und Keimzahl (im Mittel 4,15 log₁₀ KbE/ml) kein Unterschied. In der Sequenzierung (90 Samenproben, rund 60,6 Millionen Reads) blieb die Gesamtzusammensetzung unverändert (Bray-Curtis p = 0,450; Jaccard p = 0,965); im Probiotikaarm stieg der Simpson-Index (p = 0,010), der Shannon-Index nicht (p = 0,127). Bei den Zytokinen im Ejakulat ergab sich nach der Intervention (Median, pg/ml; Placebo gegenüber Probiotikum): IL-6 3,41 gegenüber 1,88; IFN-gamma 48,81 gegenüber 27,17; TNF-alpha 6,17 gegenüber 4,04; IL-4 0,61 gegenüber 0,53; TGF-beta1 345,5 gegenüber 491,8 ng/ml; IL-8 und IL-10 änderten sich nicht. Im Probiotikaarm sanken IL-6, IFN-gamma und TNF-alpha um etwa 50 %, IL-4 um 19 %, TGF-beta1 stieg von 257,3 auf 491,8 ng/ml; im Placeboarm änderte sich keine dieser Größen. Vor der Intervention waren IL-4 und TNF-alpha im Probiotikaarm leicht höher. Probenzahlen zum zweiten Zeitpunkt: 25 (Placebo) und 19 (Probiotikum). Im Vaginalsekret wurde L. salivarius-DNA nach der Intervention bei 17/19 Frauen (89,5 %) des Probiotikaarms gefunden, gegenüber 2/26 (7,7 %) unter Placebo (p < 0,001); der oral gegebene Stamm erreichte also den Genitaltrakt oder wurde dort nachweisbar [s040].

Einordnung und Grenzen: Der Titel spricht von „Term Pregnancies in Women“, der Abstract von „pregnancy success“; der primäre Endpunkt war die Geburt eines Kindes ohne Fehlbildung (live birth). Beide Partner erhielten das Präparat, sodass ein Effekt über die Frau oder den Mann nicht trennbar ist. Das Design war eine Nichtunterlegenheitsstudie; die Autoren begründen das damit, dass nur ein bescheidener Nutzen erwartet worden sei und ein Überlegenheitsdesign eine unpraktisch große Studie erfordert hätte, räumen aber ein, dass die Fallzahl dadurch niedrig bleibt und die Aussagekraft begrenzt. Der Test war einseitig; für die Gesamtzahl der Schwangerschaften (zweiseitig) lag p bei 0,051. Die sekundären Endpunkte sind ohne Anpassung für Mehrfachtests und ausdrücklich als explorativ zu lesen. Einschränkungen nach Angabe der Autoren: Beginn der Studie während der COVID-19-Pandemie, dadurch fehlten Proben, überwiegend von Frauen mit Geburt aus der Probiotikagruppe (31 % der zum zweiten Zeitpunkt vorgesehenen Proben dieser Gruppe); keine Stuhlproben; die Ergebnisse seien „preliminary“. Außerdem tranken Männer der Probiotikagruppe häufiger Alkohol (81,5 % gegenüber 53,3 %, p = 0,024), überwiegend gelegentlich. Bemerkenswert ist, dass sich die Zusammensetzung des Samenmikrobioms nicht änderte, die Zytokine aber schon; die Autoren führen die Wirkung nicht auf einen Umbau des Mikrobioms zurück [s040].

#### Antonio et al. 2009: Sperma und vaginale Besiedlung mit Lactobacillus crispatus CTV-05

Die Arbeit „Vaginal colonization by probiotic Lactobacillus crispatus CTV-05 is decreased by sexual activity and endogenous Lactobacilli“ (Journal of Infectious Diseases) [s119] ist eine Studie an Frauen; sie betrifft nicht die männliche Fruchtbarkeit, zeigt aber, dass Sperma die Besiedlung durch ein Probiotikum beeinflussen kann. 90 sexuell aktive Frauen im Alter von 14 bis 21 Jahren wurden randomisiert und erhielten drei Tage lang zweimal täglich vaginal Kapseln mit 10⁶ oder 10⁸ KbE CTV-05. 87 kamen zu mindestens zwei Nachkontrollen. Von 40 Teilnehmerinnen ohne L. crispatus bei Beginn wurden 36 (90 %) besiedelt, von 47 Teilnehmerinnen, die schon L. crispatus trugen, nur 24 (51 %) (p < 0,001). Gegenüber sexueller Enthaltsamkeit verringerte Geschlechtsverkehr mit Kondom die Besiedlung (Odds Ratio 6,3; 95-%-Konfidenzintervall 1,3 bis 29,4; p = 0,02), ungeschützter Verkehr deutlich stärker (Odds Ratio 75,5; 95-%-Konfidenzintervall 6,9 bis 820,6; p < 0,001) [s119]. Das sehr weite Konfidenzintervall zeigt die Unschärfe der zweiten Schätzung. Die Studie sagt nichts über Spermienqualität.

#### Vaginale Probiotika vor Embryotransfer (Metaanalyse, Frauen)

Maleki-Hajiagha et al. 2025 (BMC Pregnancy and Childbirth) [s042] werteten prospektive Interventionsstudien (RCT oder quasi-experimentell) zu vaginalen Probiotika vor einem Embryotransfer aus (Suche bis 17. Oktober 2024, PROSPERO CRD42024550798): sechs Studien mit 850 Teilnehmerinnen (419 Intervention, 431 Kontrolle). Klinische Schwangerschaft: 157/419 (37,47 %) gegenüber 136/431 (31,55 %), relatives Risiko 1,19, p = 0,07, also nicht signifikant. Biochemische Schwangerschaft: RR 1,04 (p = 0,74); fortlaufende Schwangerschaft: RR 1,09 (p = 0,53); Fehlgeburt: RR 0,67 (p = 0,12). Ein Anamnese-Subgruppenvergleich (wiederholtes Einnistungsversagen) ergab ähnliche Befunde. Die Autoren mahnen zur Vorsicht [s042]. Diese Studie betrifft den vaginalen Einsatz bei der Frau und nicht den Mann; sie ist hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt, weil die Mikrobiota von Frau und Mann beim Paar zusammenwirken können [s011].

### Ernährungsintervention: Koreanische gegenüber westlicher Kost (Jung et al. 2024)

„Effects of Korean Versus Western Diets on Reproductive Function in Young Korean Men: A 12-Week Randomized Parallel Clinical Trial“ (Journal of Lifestyle Medicine) [s052] misst kein Mikrobiom und ist hier als Beispiel für eine Interventionsstudie mit Ernährung aufgenommen. Die Studie lief laut Volltext vom 23. Mai bis 17. September 2008 am Universitätsklinikum Jeonbuk; 63 Freiwillige gaben ihre Einwilligung, 20 erfüllten die Kriterien (19 bis 30 Jahre, gesund). Die Teilnehmer wurden nach Spermiogramm in „normal“ und „auffällig“ (Kriterien für auffällig: Spermienzahl höchstens 20 Mio./ml, Beweglichkeit höchstens 50 %, Einzelvolumen höchstens 2,5 ml) eingeteilt und innerhalb dieser Gruppen offen (open-label) im Verhältnis 1:1 auf koreanische (KD) oder westliche Kost (WD) randomisiert; fünf je Untergruppe. Alle aßen drei Mahlzeiten täglich im Studienzentrum bei etwa 2600 kcal. Ein Teilnehmer der Gruppe KD (auffällig) zog die Einwilligung zurück; ausgewertet wurden 19 Männer (KD n = 9, WD n = 10). Die Therapietreue fiel in der KD-Gruppe von 77,8 % bis Woche 8 auf 67,6 % zwischen Woche 9 und 12 (WD: 87,5 % und 81,7 %) [s052].

Ergebnisse (Mittelwert ± Standardabweichung, Woche 0, 8, 12; Wechselwirkung Gruppe mal Zeit): Beweglichkeit KD 54,6 ± 20,0, 64,6 ± 22,1, 55,0 ± 18,7 % (Verlauf innerhalb der Gruppe p = 0,098) gegenüber WD 53,7 ± 23,7, 45,7 ± 21,6, 53,1 ± 16,3 % (p = 0,387), Wechselwirkung p = 0,057; Spermienzahl KD 66,8 auf 105,5 Mio./ml gegenüber WD 66,4 auf 85,6 (Wechselwirkung p = 0,557); freies Testosteron KD 13,5, 16,8, 17,5 pg/ml (p = 0,080) gegenüber WD 14,1, 16,9, 13,2 pg/ml (p = 0,006), Wechselwirkung p = 0,020 [s052]. Der Abstract spricht von einem signifikanten Anstieg der Beweglichkeit in der KD-Gruppe nach acht Wochen; im Gesamttest der Tabelle liegt der Verlauf innerhalb der Gruppe bei p = 0,098, sodass dieser Befund nur im Post-hoc-Vergleich entstanden sein kann. Die Autoren selbst werten die Studie als Hinweis. Schwächen: 19 ausgewertete Männer, offene Zuteilung, gesunde junge Männer mit zum Teil normalem Spermiogramm, Dauer 12 Wochen, hohe Ausfälle bei der Einhaltung der Kost. Zum Mikrobiom macht die Studie keine Aussage, die Veröffentlichung erfolgte 2024 für Daten von 2008.

### Registrierte und laufende Vorhaben

Das Studienprotokoll von Shamsi-Goushki et al. 2026 (Trials) [s023] beschreibt eine doppelblinde, randomisierte klinische Studie mit 84 übergewichtigen oder adipösen Männern in Kerman (Iran) über drei Monate, vierarmig: kalorienreduzierte MIND-Diät plus Probiotikum, MIND-Diät plus Placebo, übliche Reduktionskost plus Probiotikum, übliche Reduktionskost plus Placebo. Zielgrößen sind Spermiogramm, Androgene, sexuelle Funktion und sexuelle Lebensqualität; registriert als IRCT20240313061277N1 am 31. März 2024 [s023]. Ergebnisse liegen nicht vor, das Protokoll ist keine Evidenz zur Wirksamkeit. Außerdem verzeichnet die japanische Forschungsdatenbank KAKEN ein Projekt der Universität Osaka (精索静脈瘤に着目した精液細菌叢の解明と細菌叢標的治療の開発; Aufklärung der Samenbakterienflora mit Schwerpunkt Varikozele und Entwicklung einer auf die Bakterienflora zielenden Therapie; Kennung 22K20974; 31. August 2022 bis 31. März 2024), das die Samenflora von Varikozelenpatienten vor und nach der Operation mit Sequenzierung und Oxidationsstress untersuchen wollte; Ergebnisse wurden nicht gefunden [s081].

### Zusammenfassende Auswertungen der Interventionsstudien (kompakt)

Die ausführliche Darstellung der Metaanalysen steht in einem anderen Kapitel der Gesamtstudie. Hier folgt nur, was für die Beurteilung der einzelnen Interventionsstudien wichtig ist.

#### Prihadi et al. 2026: Metaanalyse zu Probiotika bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit

Die Arbeit „Probiotic supplementation improved sperm parameters in idiopathic infertility male: a systematic review and meta-analysis“ (Urología Colombiana) [s020] liegt als PDF vor. Gesucht wurde in PubMed, EBSCO, ProQuest und Google Scholar; es gab 471 Treffer (PubMed 64, EBSCO 6, ProQuest 389, Google Scholar 12), nach Entfernen von 21 Dubletten wurden 450 Treffer gesichtet, 439 ausgeschlossen, elf im Volltext geprüft und sieben davon ausgeschlossen (vier wegen nicht passender Population, zwei wegen anderer Endpunkte, eine wegen bekannter Ursache). Es blieben vier Studien: Valcarce 2017 (n = 9), Maretti 2017 (20 und 21), Helli 2020/2022 (25 und 25) und Abbasi 2021 (28 und 28). Die Summe 9 + 41 + 50 + 56 ergibt die berichteten 156 Teilnehmer. Drei der vier Studien sind randomisiert, eine ist einarmig. Zur Risikobewertung dienten RoB 2 (randomisierte Studien) und ROBINS-I (nicht randomisierte Studie); nach den Angaben der Recherche-Dokumente wurden zwei randomisierte Studien mit niedrigem, eine mit unklarem Risiko (im Bereich der Endpunkterhebung) bewertet, die einarmige Studie mit niedrigem Risiko. Die Auswertung lief in RevMan 5.4 mit Modellen mit zufälligen Effekten bei I² über 50 %; für die Prüfung auf Publikationsverzerrung nennen die Autoren Egger-Test und Trichterdiagramme, Ergebnisse dazu sind im gelesenen Text nicht berichtet [s020].

Ergebnisse als standardisierte Mittelwertdifferenzen (SMD) mit 95-%-Konfidenzintervall: Spermienkonzentration 1,96 (0,08 bis 3,84; p = 0,04; I² = 95 %); Beweglichkeit 1,28 (0,28 bis 2,28; p = 0,01; I² = 86 %); Ejakulatvolumen 0,89 (0,10 bis 1,67; p = 0,03; I² = 79 %). Zwei Studien zur DNA-Fragmentierung hätten eine Verbesserung mit Rückgang von Entzündungs- und Oxidationsmarkern berichtet [s020]. Zuordnung: Der Ergebnisteil des PDFs ordnet die drei Werte der Reihe Konzentration, Beweglichkeit, Volumen zu (mit den genannten I²-Werten); der Abstract desselben Artikels führt „Konzentration, Volumen und Beweglichkeit“ mit denselben Zahlen in dieser Reihenfolge auf, würde also 1,28 dem Volumen und 0,89 der Beweglichkeit zuordnen. Die Master-Grafik dieser Gesamtstudie folgt dem Ergebnisteil.

Einordnung: Die untere Grenze der Konzentration liegt bei 0,08, nahe null; ein I² von 79 bis 95 % bedeutet, dass die vier Studien sehr unterschiedliche Effekte zeigen; ein SMD von fast 2 ist für Spermaparameter ungewöhnlich groß und bei vier kleinen Studien eher als Hinweis auf Überschätzung zu lesen. Wie die einarmige Studie in die gepoolten Schätzer einging, ist im gelesenen Text nicht erläutert (die Forest-Plots sind Abbildungen). Entscheidend ist der Einschluss von Helli et al. [s079]: 50 der 156 Männer stammen aus einer später zurückgezogenen Studie [s021]. Der Autorenhinweis „All selected studies had shown that probiotics ... successfully showed constant results“ steht in Spannung zu der hohen Heterogenität. Zur Dauer: Die Tabelle der Metaanalyse nennt für Valcarce zwölf Wochen, der Abstract der Originalarbeit drei und sechs Wochen Einnahme [s112, s020]. Weitere Abweichungen zwischen Tabelle und Original: Helli 25 und 25 statt 26 und 26 Teilnehmer, ein Unterschied, der in den Quellen nicht erklärt ist; bei Abbasi nennt die Tabelle die 28 und 28 Randomisierten, die Diskussion der Metaanalyse 22 Männer in der Interventionsgruppe, was dem Unterschied zwischen Randomisierung und Auswertung entspricht.

#### Oliveira et al. 2024: systematische Übersicht über vier RCT

„Probiotics supplementation in the treatment of male infertility: A Systematic Review“ (JBRA Assisted Reproduction) [s055]. Gesucht wurde in PubMed, Cochrane, Science Direct und SciELO, auch mit portugiesischen Begriffen; 85 Artikel wurden gefunden, vier Studien (veröffentlicht 2017 bis 2021) bei Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit eingeschlossen: Valcarce, Maretti, Helli, Abbasi. Es gibt keine gepoolte Schätzung. Die Autoren berichten antioxidative Eigenschaften der Probiotika (Bekämpfung reaktiver Sauerstoffspezies mit Schutz der Spermien-DNA), eine Verbesserung aller Spermaparameter, besonders der Beweglichkeit, und sehen Probiotika als „potenzielle therapeutische Alternative“; sie bewerten die Studien qualitativ. In der Zusammenfassungstabelle werden die Teilnehmerzahlen mit 9, 41, 50 (Helli) und 47 (Abbasi) angegeben [s055].

#### Corbett, Crosby und McAuliffe 2021: Probiotika bei unfruchtbaren Paaren

„Probiotic therapy in couples with infertility: A systematic review“ (European Journal of Obstetrics, Gynecology, and Reproductive Biology) [s087]. Gesucht wurde am 7. Mai und am 26. August 2019 in MEDLINE, CINAHL, EMBASE, Web of Science und Cochrane; 882 Artikel, 26 im Volltext, vier eingeschlossen. Primärer Endpunkt war die klinische Schwangerschaftsrate. Von den zwei Studien, die ihn berichteten, fand nur eine einen nicht signifikanten Anstieg der klinischen Schwangerschaftsrate (48,0 % auf 58,8 %; p = 0,47) bei einer höheren Fehlgeburtenrate in der Probiotikagruppe (30 % gegenüber 16,6 %; p = 0,47). Beide Studien bei Männern mit oralem Probiotikum fanden eine signifikant bessere Beweglichkeit. Die Autoren schließen: Für Männer sei ein Nutzen für die Beweglichkeit beobachtet worden, für Frauen unter assistierter Reproduktion sei die Evidenz widersprüchlich; hochwertige randomisierte Studien fehlten [s087]. Aus dem Abstract geht nicht hervor, welche Einzelstudien die beiden Männerstudien sind und bei wem die Schwangerschaftsrate erhoben wurde; die Zahlen sind daher nicht auf den Mann zu beziehen.

#### Weitere Übersichten und Vergleichsmaßstab

Die systematische Übersicht von Shamsi-Goushki et al. 2026 (Nutrition and Health) [s022] schloss 15 Studien ein (fünf an Menschen, zehn an Tieren; Suche bis November 2024, Risikobewertung mit SYRCLE für Tierstudien und Cochrane RoB für Humanstudien) und berichtet verbesserte Zahl, Beweglichkeit, Morphologie und Antioxidansmarker bei gleichzeitig erheblicher Heterogenität der Designs [s022]. Die Metaanalyse von Melhem et al. 2026 (Andrology) [s017] (41 RCT, 3615 Männer) behandelt Arzneimittel und Nahrungsergänzung bei idiopathischer Unfruchtbarkeit nach Wirkmechanismus; Probiotika werden im Abstract als eigene Klasse nicht genannt. Sie dient hier als Maßstab: Antioxidantien gingen mit höheren Werten einher (SMD Konzentration 1,09, 95-%-KI 0,10 bis 2,08; progressive Beweglichkeit 1,11, 0,32 bis 1,90; Gesamtbeweglichkeit 0,69, 0,26 bis 1,13; normale Morphologie 0,43, 0,05 bis 0,82), die Vorhersageintervalle schlossen aber bei allen null ein, die Heterogenität lag bei I² über 80 %, und die Sicherheit der Evidenz wurde als sehr niedrig bewertet [s017]. Die ähnlich großen SMD bei Probiotika und Antioxidantien liegen damit in einem Bereich, in dem die Streuung zwischen den Studien größer ist als die Unterschiede zwischen den Interventionsklassen.

### Leitlinien und Stellungnahmen

#### EAU-Leitlinie zur Sexual- und Reproduktionsmedizin, Kapitel männliche Unfruchtbarkeit

Das Kapitel „Male Infertility“ der EAU-Leitlinien [s006] wurde für diese Studie vollständig abgerufen (Abschnitte 11.4.4 und 11.5). Die Seite nennt kein Ausgabejahr; die Quellenliste führt die Ausgabe 2026, die Übersicht von Kaltsas et al. spricht von den EAU-Leitlinien 2025 [s009]. Die folgenden Inhalte sind wörtliche Aussagen der Leitlinie bzw. ihre sinngemäße Wiedergabe; sie sind keine Empfehlung dieser Studie.

Probiotika (Abschnitt 11.5.1.c): „Prebiotic/probiotic supplementation may influence hormone secretion; facilitating the scavenging of free radicals, and improving the microenvironment of the prostate and indirectly enhance sperm function.“ Als Belege nennt die Leitlinie zwei RCT: eine mit 56 Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit (präbiotisch-probiotisches Präparat gegen Placebo; höhere Konzentration, Beweglichkeit und normale Morphologie sowie höhere DNA-Integrität in der Behandlungsgruppe) und eine mit 78 infertilen Männern nach Varikozelenoperation (nach drei Monaten höhere Konzentration und normale Morphologie unter Probiotikum). Das entspricht der Abbasi-Studie [s085] und der Asadi-Studie [s064]. Die Leitlinie schließt: „Further high-powered RCTs are warranted“ [s006].

Evidenzzusammenfassung (Abschnitt 11.5.2) mit Evidenzgrad 1b: „No conclusive data are available regarding the beneficial treatment with prebiotic/probiotic in males with idiopathic infertility; although, they may improve semen parameters.“ Dasselbe formuliert die Leitlinie für Antioxidantien. Empfehlung mit Stärke „schwach“: „Do not routinely treat patients with idiopathic infertility with antioxidants, prebiotic/probiotic, selective oestrogen receptor modulators or aromatase inhibitors.“ Mit Stärke „stark“ empfiehlt die Leitlinie, unfruchtbare Männer über schädliche Wirkungen von Adipositas, Bewegungsmangel, Rauchen und hohem Alkoholkonsum auf die Spermaqualität aufzuklären [s006].

Zu Antioxidantien führt der Text aus: ein Cochrane-Review mit 34 RCT und 2876 Paaren, das einen positiven Einfluss auf Lebendgeburt- und Schwangerschaftsraten bei subfertilen Paaren in ART-Zyklen sah; eine Metaanalyse mit 61 Studien und 6264 infertilen Männern mit ähnlichen Ergebnissen; „The quality of the reported studies is poor“; die MOXI-Studie (Males, Antioxidants, and Infertility), in der Antioxidantien Spermaparameter und DNA-Integrität gegenüber Placebo nicht verbesserten und die kumulative Lebendgeburtrate nach sechs Monaten sich nicht unterschied (Antioxidans 15 %, Placebo 24 %) [s006].

Zu Infektionen (Abschnitt 11.4.4): Nach Ausschluss eines Harnwegsinfekts deuten mehr als 10⁶ peroxidasepositive Leukozyten/ml auf einen Entzündungsprozess hin; mehr als 10³ KbE/ml Harnwegserreger im Ejakulat gelten als signifikante Bakteriospermie. Der Effekt symptomatischer oder asymptomatischer Infektionen auf die Spermaqualität sei „contradictory“. Eine systematische Übersicht zu sexuell übertragbaren Infektionen (Chlamydia trachomatis, genitale Mykoplasmen, Neisseria gonorrhoeae, Trichomonas vaginalis, Viren) konnte wegen der begrenzten Datenqualität keinen starken Zusammenhang mit männlicher Unfruchtbarkeit feststellen. Eine Metaanalyse fand keinen Zusammenhang für Ureaplasma parvum und Mycoplasma genitalium, wohl aber für U. urealyticum (Odds Ratio 3,03; 95-%-Konfidenzintervall 1,02 bis 8,99) und Mycoplasma hominis (Odds Ratio 2,8; 0,93 bis 3,64; das Intervall schließt 1 ein). Zur Leukozytospermie: ihre klinische Bedeutung sei „controversial“; eine Metaanalyse von Fall-Kontroll-Studien fand bei Männern ohne Symptome einer Genitaltraktinfektion keinen Zusammenhang mit verminderter Fertilität nach ART oder veränderter Samenqualität; es gebe keinen Beleg, dass die alleinige Behandlung einer Leukozytospermie ohne Erregernachweis die Konzeptionsrate verbessere. Evidenzzusammenfassung: Akzessorische Geschlechtsdrüseninfektionen seien nicht klar mit beeinträchtigter natürlicher Zeugung verbunden (Evidenzgrad 3); eine antibiotische Behandlung könne die Spermaqualität bessern, erhöhe aber nicht die Wahrscheinlichkeit einer Konzeption (Evidenzgrad 2a). Die Leitlinie empfiehlt (schwach), akzessorische Geschlechtsdrüseninfektionen zu behandeln, da dies die Spermaqualität verbessern könne, und (stark), Sexualpartner bei bekannter oder vermuteter sexuell übertragbarer Ursache zur Abklärung und Behandlung zu verweisen [s006].

Das Mikrobiom des Ejakulats im Sinne von Sequenzierungsbefunden kommt im gelesenen Text der Leitlinie nicht vor. Eine Stärke ist die ausdrückliche Gewichtung der Evidenz (Evidenzgrade, Empfehlungsstärken); die Leitlinie stützt sich bei Probiotika nur auf zwei kleine Einzelstudien. Zwischen dem Leitlinientext und einer Beschreibung bei Kaltsas et al. besteht eine Abweichung: Kaltsas et al. schreiben, die EAU-Leitlinien enthielten „zum ersten Mal“ eine „qualifizierte Erwähnung“ von Probiotika als möglicher ergänzender Therapie [s009]. Im abgerufenen Leitlinientext selbst steht dagegen die schwache Empfehlung, Männer mit idiopathischer Unfruchtbarkeit nicht routinemäßig mit Probiotika zu behandeln; beides lässt sich nur vereinbaren, wenn man die Erwähnung der beiden RCT mit dem Hinweis „they may improve semen parameters“ meint. Maßgeblich ist hier der Wortlaut der Leitlinie.

#### Übersichten mit Aussagen zum Einsatz von Probiotika

Kaltsas et al. 2026 (Journal of Personalized Medicine) [s009] beschreiben, bei Probiotika handle es sich bislang um ein Zusatzverfahren: Frühe klinische Studien berichteten Verbesserungen von einem oder mehreren WHO-Spermaparametern und von Oxidations- oder Entzündungsmarkern (Surrogatendpunkte); Schwangerschaft und Lebendgeburt würden selten berichtet und blieben unbewiesen. Wegen der Heterogenität der Patienten erfordere ein personalisierter Ansatz vorab festgelegte klinische Phänotypen und messbare Kontrollgrößen statt unterschiedsloser Einnahme; Probiotika seien derzeit „an adjunct rather than a stand-alone therapy“. Die Autoren zählen als mögliche Phänotypen die idiopathische Unfruchtbarkeit und die frühe Phase nach Varikozelenoperation auf und fordern kontaminationsbewusste Mikrobiomstudien sowie ausreichend große RCT mit Schwangerschaft und Lebendgeburt als Endpunkten [s009]. Die Übersicht stellt außerdem die sechs RCT tabellarisch zusammen (Zarehoroki, Asadi, Helli, Abbasi, Maretti, Valcarce); in keiner wurden Schwangerschaft oder Lebendgeburt berichtet, und als Hauptlimitation nennt sie bei allen Einzelzentrum-Design und kurze Dauer [s009].

Kaltsas et al. 2026 (Diagnostics) [s010] schlagen für die Prostatitis-assoziierte Unfruchtbarkeit einen diagnostischen Rahmen vor: Leukozytospermie und erhöhte Zytokine im Ejakulat (vor allem Interleukin-8) gehen mit eingeschränkter Beweglichkeit, veränderter Viskosität und Verflüssigung, oxidativem Stress und höherer DNA-Fragmentierung einher; empfohlen werde ein Biomarker-gesteuertes Vorgehen (Entzündungsmarker, Oxidationstest, gezielte Mikrobiologie mit Kultur plus Nukleinsäuretest, DNA-Fragmentierungstest bei ausgewählten Männern, Bildgebung bei Verdacht auf Obstruktion). Die Autoren verlangen standardisierte Fruchtbarkeitsendpunkte und die Validierung mikrobiomgerichteter Interventionen, die bisher fehlen [s010].

Kuribayashi et al. 2026 (Fertility and Sterility) [s011] fassen zusammen: Kleine Studien mit Antibiotika und/oder Probiotika zeigten „variable benefits“, Dauerhaftigkeit und Fortpflanzungsendpunkte seien begrenzt; die Studienlage bestehe überwiegend aus kleinen Querschnittsstudien, und es fehlten längsschnittliche, paarbezogene Kohorten sowie ausreichend große RCT zur gezielten Mikrobiommodulation. Puerta-Suárez und Cardona Maya 2025 [s044] (35 Artikel, PROSPERO CRD42024519245) bezeichnen den Einfluss von Lactobacillus auf die Samenqualität als „controversial, especially regarding the methodology used“ und halten fest, die Einnahme von Probiotika mit Lactobacillus könne Spermaparameter verbessern; weitere Studien seien nötig [s044]. Chatzokou et al. 2025 [s036] beschreiben gegensätzliche Wirkungen von Lactobacillus und Prevotella auf Spermienqualität und DNA-Integrität, fordern standardisierte Methoden und nennen keine abschließende Handlungsempfehlung [s036].

#### Deutschsprachige Stellungnahmen und historische Übersichten

Der Beitrag „Infertilität des Mannes: Welche Rolle spielen das Darm-, Urin- und Spermamikrobiom?“ (Aktuelle Urologie 2022; 53(3): 218 bis 219) [s075] ist als Kommentar zur Arbeit von Lundy et al. [s092] eingeordnet; für diese Studie waren nur Titel, Zeitschrift, Jahr und Seitenzahl abrufbar, weder ein Abstract noch Inhalte. Deshalb kann hier keine Aussage des Kommentars wiedergegeben werden. Eine AWMF-Leitlinie wurde nicht geöffnet; deutsche Fachgesellschaften haben im bisherigen Recherchematerial keine Stellungnahme zu Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit geliefert, was nicht beweist, dass keine existiert.

Ludwig et al. 2001 („Prostatitis syndrome. Changes in the ejaculate and effects on fertility“, Der Urologe A; Gießen) [s120] beschreiben Entzündungen und Infektionen des männlichen Genitaltrakts als wichtigen und potenziell erfolgreich behandelbaren Faktor der männlichen Unfruchtbarkeit; ein standardisiertes Diagnoseverfahren sei Voraussetzung für die genaue Bewertung von Ejakulatveränderungen. Leuko- und Bakteriospermie sowie Entzündungsmediatoren (Zytokine, reaktive Sauerstoffspezies) werden als relevante Mechanismen diskutiert. Klinische Studien zur Ejakulatqualität bei den Formen des Prostatitissyndroms hätten widersprüchliche Ergebnisse geliefert; nur die antimikrobielle Therapie sei als Behandlungsoption ausreichend beschrieben [s120]. Der Text ist ein Übersichtsartikel aus der Zeit vor der Sequenzierung.

Aus der französischen Tradition liegen zwei Übersichten vor. Auroux 1988, „Infection urogénitale et fertilité masculine“ (Urogenitale Infektion und männliche Fruchtbarkeit) [s123]: Der Einfluss urogenitaler Infektionen auf die männliche Fruchtbarkeit sei umstritten; in einer eigenen Untersuchung seien Ureaplasma urealyticum und Escherichia coli die am häufigsten kultivierten Keime im Samen unfruchtbarer Männer; mögliche direkte Wirkungen (verminderte Zahl, Beweglichkeit, Morphologie, Befruchtungsfähigkeit) und indirekte (veränderte Samenflüssigkeit, polymorphkernige Zellen, Antispermien-Antikörper); Therapieversuche seien „noch nicht entscheidend“, und es seien streng kodifizierte bakteriologische Protokolle nötig. Arvis 1989, „Infection du sperme dans la stérilité masculine“ (Spermainfektion bei männlicher Sterilität) [s122]: Eine Spermainfektion müsse nachgewiesen sein (auch Leukozyten über 10⁵ oder 10⁶/ml reichten nicht aus); für viele Keime, besonders Chlamydien und Mykoplasmen, sei die Wirkung auf die Spermien nicht erkannt oder belegt; die Autorin schließt, eine echte Spermainfektion sei „sehr selten“, solle aber bei Verdacht (besonders nach kürzlicher Genitalinfektion) gesucht und gezielt behandelt werden. Beide Arbeiten liegen nur als Abstract vor.

#### Italienische Fachgesellschaft

Die Stellungnahme der Società Italiana di Andrologia (SIA) ist nur über einen Pressebericht belegt („Infertilità: nel liquido seminale batteri capaci di ridurre gli spermatozoi“, Sanità Informazione; Unfruchtbarkeit: Im Samenplasma Bakterien, die Spermien vermindern können) [s126]. Danach sei früher angenommen worden, das Ejakulat sei von Natur aus keimfrei und jeder Keim Zeichen einer Infektion; der SIA-Präsident Alessandro Palmieri sagte laut Bericht, das Sperma habe „eine eigene mikrobielle Gemeinschaft“ und das Samenmikrobiom sei „noch ein vernachlässigter Aspekt der Diagnostik“. Das ist keine Leitlinie; eine italienische Leitlinie zum Einsatz von Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit wurde nicht gefunden. Entsprechend wurden für den portugiesischsprachigen, japanischen, koreanischen und arabischsprachigen Raum keine Leitlinienaussagen zu Probiotika belegt, und Leitlinien chinesischer Fachgesellschaften wurden nicht geöffnet.

### Tierversuche und experimentelle Studien

Tierversuche liefern Hinweise auf mögliche Mechanismen, aber keine Aussage über die Wirkung beim Menschen. Die Übersicht von Ma et al. 2026 („Animal models of gut microbiota-male reproductive interactions: methodological assessment, translational bottlenecks, and optimization strategies“, Frontiers in Endocrinology) [s016] ordnet die Modelle nach der Art der Kausalfrage und bewertet ihre interne, externe und Konstruktvalidität. Sie stellt fest, dass einzelne Modelle, besonders solche zu einzelnen molekularen Signalwegen, Expositionsstärken, -wege und -zeiträume verwenden, die den für die idiopathische Unfruchtbarkeit angenommenen lang anhaltenden, schwachen Störungen nicht entsprechen; nachgewiesen sei eine „bedingte biologische Kapazität“ eines Signalwegs, nicht seine ursächliche Bedeutung beim Menschen. Die Autoren schlagen drei Kriterien (endogene Signalherkunft, pathomimetisches Expositionsprofil, ausschließliche Zuschreibbarkeit) und ein Berichtsraster (MIGTARS) vor; nach ihrem Abstract machen idiopathische Fälle 30 bis 40 % der männlichen Unfruchtbarkeit aus [s016]. Die folgenden Studien sind im Licht dieser Einschränkung zu lesen.

#### Darm-Hoden-Achse im Nagetiermodell

Al-Asmakh et al. 2014 (PLoS ONE) [s114] verglichen keimfreie (germ-free) Mäuse mit Mäusen ohne spezifische Pathogene (SPF). Die Lumenbildung in den Hodenkanälchen, die mit der Entwicklung der Blut-Hoden-Schranke zusammenfällt, war bei keimfreien Mäusen am 16. Tag nach der Geburt verzögert; Perfusionsversuche mit Evans-Blau zeigten eine erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hoden-Schranke, und die Zelladhäsionsproteine Occludin, ZO-2 und E-Cadherin waren vermindert. Die Gabe von Clostridium tyrobutyricum, das viel Butyrat bildet, stellte die Schranke und die Proteinspiegel wieder her. Keimfreie Mäuse hatten niedrigere Serumspiegel von LH und FSH, und der intratestikuläre Testosterongehalt war niedriger als bei SPF-Tieren oder den mit dem Keim behandelten Tieren [s114]. Zahlenwerte stehen im Abstract nicht. Die Studie zeigt, dass Darmbakterien in der Entwicklung die Hodenschranke beeinflussen können; sie untersucht keine Probiotika bei erwachsenen Tieren.

Ding et al. 2020 (Gut) [s097]: „Impairment of spermatogenesis and sperm motility by the high-fat diet-induced dysbiosis of gut microbes“. C57BL/6-Mäuse (sechs Wochen alt) wurden in vier Gruppen zu je sechs Tieren geteilt: Normalkost (ND), fettreiche Kost mit 45 % Fett (HFD) sowie zwei Gruppen mit Stuhltransplantation (ND-FMT, HFD-FMT) auf Normalkost. Nach vier Wochen Diät wurden Stuhlproben der Spendertiere gewonnen; die Empfängertiere erhielten 15 Wochen lang alle zwei Tage 200 µl Überstand per Schlundsonde, ohne vorherige Antibiotikabehandlung (die Autoren wollten Stoffwechselnebenwirkungen vermeiden). HFD erzeugte Gewichtszunahme, höheres Cholesterin und Glukoseintoleranz; Spermienkonzentration und Beweglichkeit sanken (p < 0,001), und in den Hodenkanälchen waren Spermatozyten und runde Spermatiden vermindert [s097].

Bei den Empfängertieren (HFD-FMT gegenüber ND-FMT) waren Spermienkonzentration und Beweglichkeit signifikant vermindert, und die Expression von Markern für Spermatozyten und Spermatiden (Smc3, Izumo3, Acrv1) war gesenkt, nicht aber die der Marker von Leydig-Zellen, Sertoli-Zellen und Spermatogonien. Körpergewicht, Futteraufnahme, Blutzucker, Cholesterin und Leptin änderten sich nicht, das Blutendotoxin stieg aber bis in den Bereich einer Endotoxämie. Auf Familienebene stiegen Bacteroidaceae und Prevotellaceae, auf Gattungsebene Bacteroides, Prevotella, Rikenella und Lactobacillus, AF12 sank; Bacteroides war in den HFD-FMT-Tieren um mehr als das 80-Fache erhöht, ebenso in den ursprünglich fettreich ernährten Spendertieren. Zusätzlich fanden sich eine Infiltration von T-Zellen und Makrophagen im Darm, höhere proinflammatorische Zytokine im Nebenhoden und eine verminderte Expression von Genen der Meiose und der Mitochondrienfunktion im Hoden. Beim Menschen (Stuhl-, Sperma- und Blutproben von gesunden Männern und Patienten mit Asthenozoospermie, Oligozoospermie und Teratozoospermie; registriert als NCT03634644) fand sich eine starke negative Korrelation zwischen der Häufigkeit von Bacteroides-Prevotella und der Spermienbeweglichkeit und eine positive Korrelation zwischen Blutendotoxin und Bacteroides; hohe Häufigkeit von Prevotella copri (über 15 % aller Arten) ging mit niedriger Beweglichkeit einher [s097]. Die Zahl der Männer wurde im abgerufenen Text nicht festgestellt. Stärken: Übertragung der Wirkung durch Stuhltransplantat ohne Gewichtsunterschied. Schwächen: kleine Gruppen (sechs Tiere), Transplantation ohne Antibiotika (auf Phylumebene unterschieden sich die Empfängergruppen nicht, Unterschiede zeigten sich erst auf Familien- und Gattungsebene), und die Humankorrelation ist querschnittlich.

Hao et al. 2022 (Microbiology Spectrum) [s078] zeigten in Mäusen, dass die Transplantation von Darmbakterien, die durch Alginat-Oligosaccharid (AOS, 10 mg/kg über drei Wochen bei Spendertieren) verändert worden waren (A10-FMT), die durch fettreiche Kost verminderte Samenqualität und Fertilität besserte: Spermienkonzentration 286,1 ± 14,1 gegenüber 217,9 ± 17,4 Mio./ml, Beweglichkeit 40,1 ± 0,7 gegenüber 29,0 ± 0,9 %, Trächtigkeitsrate 87,4 ± 1,1 gegenüber 70,2 ± 6,1 %. Bacteroides stieg im Kolon von 8,3 ± 0,6 auf 24,9 ± 1,1 %, Mucispirillum sank von 2,8 ± 0,4 auf 0,3 ± 0,1 %. Die Autoren führen den Effekt auf eine veränderte Fettsäurebilanz zurück: höhere n-3-Fettsäuren, etwa Eicosapentaensäure im Blut (55,5 ± 18,7 gegenüber 20,3 ± 2,4) und Docosahexaensäure im Hoden (121,2 ± 6,2 gegenüber 89,4 ± 6,7) [s078]. Das ist kein Probiotikum und keine Behandlung beim Menschen; Spender waren mit einem Oligosaccharid behandelte Tiere. Bemerkenswert: Bacteroides stieg hier im behandelten Fall, während es bei Ding et al. [s097] als schädlich auftrat; Datenlage und Kontext unterscheiden sich (Spenderbehandlung, Mausstamm, Kost).

Zhao et al. 2021 (Microbiome) [s094] untersuchten Triptolid-induzierte Hodenschäden bei Mäusen. Triptolid führte zu einem Spermin-Mangel durch gestörte Polyaminsynthese und -aufnahme im Hoden und zu einer Störung der Darmflora. Spermin besserte die Hodenfunktion, erhöhte die Expression von Genen früher und später Spermatogenese und die durch Triptolid verringerte Zahl der Nachkommen. Verlust der Darmflora durch Antibiotika verminderte das Spermin im Darm und verstärkte die Schädigung; Stuhltransplantation von unbehandelten Mäusen und die Gabe des Polyamin-bildenden Bakteriums Parabacteroides distasonis stellten die Hodenfunktion wieder her; die Schutzwirkung von Spermin hing von der Hochregulation von Hitzeschockprotein 70 ab [s094]. Zahlenwerte stehen im Abstract nicht.

Zheng et al. 2026 (Nature Communications) [s031] etablierten ein Rattenmodell chronischer Stressbelastung (erzwungenes Schwimmen, CFSS). CFSS erhöhte Kortikosteron (351,8 ± 25,49 gegenüber 209,8 ± 14,70 ng/ml bei Scheinbelastung), ACTH (218,6 ± 11,65 gegenüber 128,5 ± 16,50 ng/ml) und die CRH-Menge im Hypothalamus. Die Spermienkonzentration sank von 19,21 ± 1,24 auf 9,21 ± 0,85 Mio./ml (p = 0,0096), die Beweglichkeit von 69,33 ± 3,80 auf 31,14 ± 4,12 % (p < 0,0001; Angabe des Texts zu den Beweglichkeitsparametern); mit CFSS-Männchen verpaarte Weibchen hatten niedrigere Schwangerschaftsraten und kleinere Würfe (6,50 ± 0,43 gegenüber 11,60 ± 0,50 Junge, p < 0,0001); es waren sieben Tiere in der CFSS-Gruppe und sechs in den anderen Gruppen. Exogenes Kortikosteron reproduzierte den Phänotyp, der Glukokortikoidrezeptor-Antagonist RU-486 verhinderte ihn weitgehend. Nach den Autoren schädigte das Glukokortikoid die Darmbarriere, Lactobacillus nahm ab, der Stoffwechsel der Vitamine A und E war gestört (Hochregulation von Sting1, Herunterregulation von Slc9c2 im Nebenhoden); die Wiederherstellung von Lactobacillus und die Gabe von Vitamin A und E besserten den Phänotyp [s031]. Die Studie ist ein Beispiel dafür, dass in einem Tiermodell ein Lactobacillus-Mangel als Vermittler zwischen Stress und Spermienqualität auftreten kann; ein Beleg für den Menschen ist sie nicht.

Yao et al. 2026 (Frontiers in Cellular and Infection Microbiology) [s027] kombinierten eine retrospektive Humananalyse mit einem Mausmodell. Der klinische Teil umfasste 58 Männer: 24 vermutlich fruchtbare Kontrollen (nur anhand normaler Samenwerte, ohne bestätigte Schwangerschaft) und 34 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie (NOA) bei normalem FSH, die nach dem Ergebnis der Mikro-TESE nachträglich eingeteilt wurden. Das Verhältnis der Serumspiegel von AMH zu Inhibin B sagte den Erfolg der Spermiengewinnung vorher (Fläche unter der Kurve 0,92; 95-%-Konfidenzintervall 0,86 bis 0,98; optimaler Grenzwert 0,65; Sensitivität 88,2 %; Spezifität 85,7 %). Im Busulfan-Mausmodell waren Bacteroidales und Muribaculaceae vermindert; Stuhltransplantation stellte diese Gruppen und die Hodenfunktion wieder her und erhöhte Marker für Zellteilung, Blut-Hoden-Schranke und Steroidsynthese (p < 0,05), vermittelt über kurzkettige Fettsäuren [s027]. Die Mikrobiomaussage stammt damit nur aus dem Tierversuch (“from mouse data”); die klinische Vorhersage betrifft Hormonwerte. Die Autoren sprechen selbst von einem möglichen künftigen Biomarker „pending validation“.

Hu et al. 2025 (Frontiers in Endocrinology) [s039] testeten Morinda-officinalis-Oligosaccharide (MOS) im Gossypol-Modell der Asthenozoospermie bei C57BL/6J-Mäusen: sechs Gruppen (Normalkontrolle, Modell, MOS niedrig 12,5 mg/kg, mittel 25 mg/kg, hoch 50 mg/kg und Positivkontrolle L-Carnitin 10 mg/kg); Gossypol 20 mg/kg alle drei Tage über 30 Tage, danach 14 Tage Gabe per Schlundsonde. MOS verbesserte die Spermienbeweglichkeit dosisabhängig, stellte Testosteron wieder her, senkte morphologische Anomalien und erhöhte bei hoher Dosis die mikrobielle Alpha-Diversität mit Anreicherung von Anaerococcus; Übertragung von Anaerococcus und Gabe von Rapamycin sprachen für eine Abhängigkeit vom IGF-1/PI3K/mTOR-Signalweg [s039]. Gegenläufig ist, dass Anaerococcus in der humanen Studie von Hou et al. 2013 [s117] im Ejakulat mit schlechter Spermienqualität verbunden war (Angabe der Recherche-Dokumente); Kompartiment und Spezies unterscheiden sich, die Befunde sind nicht vergleichbar.

#### Probiotika und Präbiotika im Nagetiermodell

Tian et al. 2019 (Frontiers in Cellular and Infection Microbiology) [s103]: Lactobacillus plantarum TW1-1 erhöhte bei Mäusen, die Diethylhexylphthalat (DEHP) ausgesetzt waren, das Serumtestosteron, besserte die Samenqualität und die Entwicklungsdefekte der Gonaden, senkte die Entzündungsmarker (TNF-alpha, IL-1-beta, IL-6) und die erhöhte Darmdurchlässigkeit samt Serum-Lipopolysaccharid und verschob die gestörte Darmflora Richtung Kontrolle. Das Verhältnis Firmicutes zu Bacteroidetes sank durch DEHP von 0,28 (Kontrolle) auf 0,13 und wurde durch den Stamm wiederhergestellt. Je Gruppe wurden acht Mäuse untersucht; Prevotella und Bacteroidales waren negativ mit relativem Hodengewicht, Testosteron, Spermienkonzentration und Vitalität assoziiert [s103]. Die Studie untersucht Schutz vor einer Chemikalie, nicht Behandlung einer idiopathischen Störung.

Wu et al. 2024 (Ecotoxicology and Environmental Safety) [s059]: Zwei Stämme mit Bisphenol-A-Abbau in vitro (Lactobacillus rhamnosus, L. plantarum) verminderten in BPA-exponierten Mäusen die BPA-Rückstände in Darm, Serum und Hoden, stellten Vitamin-D-Stoffwechsel und Gallensäuren im Darm sowie die Darmbarriere wieder her, senkten oxidativen Stress, stellten das Gleichgewicht kurzkettiger Fettsäuren wieder her und reparierten Hodenkanälchen und die blockierte Spermiogenese [s059]. Zahlenwerte sind im Abstract nicht angegeben.

Tas et al. 2026 (Scientific Reports) [s025]: In Ratten mit Streptozotocin-induziertem Typ-1-Diabetes wurden Lactobacillus rhamnosus GG (lebend) und inaktiviertes LGG (Paraprobiotikum) in neun Gruppen (unter anderem therapeutisch und vorbeugend) untersucht. Diabetes senkte Körper- und Hodengewicht, Spermienbeweglichkeit und Testosteron und erhöhte oxidativen Stress; die Probiotikagruppen zeigten Verbesserungen von Beweglichkeit, Testosteron, Histologie sowie Veränderungen der globalen DNA-Methylierung und der DNMT-Expression [s025]. Zahlenwerte stehen im Abstract nicht; es ist nach Angabe der Autoren die erste Beschreibung des Effekts von LGG auf die Methylierung im Hoden bei experimentellem Diabetes.

Harati et al. 2026 (Microorganisms) [s008] fütterten Ratten zehn Wochen lang fettreich (HFD) und verabreichten ein Präbiotikum-Probiotikum-Gemisch (1,03 × 10⁹ KbE/kg/Tag gefriergetrocknete Stämme plus 31 mg/kg/Tag Inulin) entweder gleichzeitig ab Beginn (P-HFD) oder erst ab der sechsten Woche (HFD-P). Die Gewichtszunahme betrug 43,59 % (Normalkost), 62,02 % (HFD), 50,36 % (P-HFD) und 49,63 % (HFD-P); das relative Hodengewicht lag bei 0,38, 0,31, 0,32 und 0,33 g/100 g Körpergewicht, das Gemisch stellte es nicht wieder her. Spermienkonzentration und Morphologie verschlechterten sich in allen drei HFD-Gruppen; die Beweglichkeit war numerisch, aber nicht signifikant niedriger. Die frühe Gabe erhielt die Histologie des Hodens, senkte TNF-alpha und normalisierte das Testosteron teilweise; die späte Gabe brachte keine Besserung und in mancher Hinsicht stärkere Entzündung und Degeneration als HFD allein. Die Zusammensetzung der Darmflora wurde nicht vollständig wiederhergestellt [s008]. Das Ergebnis ist ein Beispiel für die Zeitabhängigkeit; die Autoren sehen nur eine Abschwächung der Entzündung, keine funktionelle Erholung.

#### Gegenbeispiel: vaginales Lactobacillus crispatus bei der Ratte

Li et al. 2021 (Frontiers in Cell and Developmental Biology) [s091], „Vaginal Probiotic Lactobacillus crispatus Seems to Inhibit Sperm Activity and Subsequently Reduces Pregnancies in Rat“, zeigten in vitro, dass L. crispatus (Stamm Lcr-MH175) sowie attenuierte Salmonella typhimurium VNP20009 (mit und ohne DNase I) und E. coli O157:H7 die Beweglichkeit menschlicher Spermien hemmten, indem sie die intrazelluläre Kalziumkonzentration beeinflussten, und stark an Spermien hafteten (Adhäsionsindizes von etwa 65, 83, 206 und 521 pro 100 Spermien für VNP20009, VNP20009 DNase I, E. coli und L. crispatus). Gesamtbeweglichkeit sank unter 40 %, progressive unter 30 %; in einem Methylcellulose-Medium verminderte L. crispatus die in 2 cm Tiefe eindringenden Spermien um etwa 90 %, VNP20009 DNase I und E. coli um 50 und 80 %. Im Rattenmodell (25 Tage vaginale Gabe) lagen die Schwangerschaftsraten bei 62,5 % (VNP20009), 50 % (VNP20009 DNase I), 75 % (E. coli) und 62,5 % (L. crispatus); die Rate der Kontrollgruppe ist im Fließtext nicht als Zahl genannt (sie steht in einer Abbildung). L. crispatus verringerte die Embryozahl nicht und hatte positive Wirkungen auf Mutter und Nachkommen, die anderen Keime schädigten Embryonen und Gebärmutter. Die Autoren empfehlen Vorsicht beim Einsatz von L. crispatus als vaginales Präparat bei Frauen im gebärfähigen Alter, besonders wenn die Partner auffällige Spermien haben, und vermuten einen Beitrag zu ungeklärter Unfruchtbarkeit [s091]. Die Studie ist ein Modell und eine Hypothese; dass „nützlich“ vom Kompartiment abhängt, ist eine Lehre, kein Befund beim Menschen. Sie steht in Spannung zu Studien, die Laktobazillen im Ejakulat mit besseren Spermawerten in Verbindung bringen.

#### Hund, Nutz- und Versuchstiere

Losacco et al. 2026 (Frontiers in Veterinary Science) [s013]: 14 klinisch gesunde Zuchthunde (zwei bis vier Jahre, 10 bis 30 kg) wurden randomisiert in eine Kontroll- und eine Probiotikagruppe geteilt; die Probiotikagruppe erhielt 70 Tage lang (annähernd ein Spermatogenesezyklus, beim Hund etwa 62 Tage) täglich 400 Milliarden lyophilisierte Bakterien eines Mehrstammpräparats (Slab51/SivoMixx; Streptococcus thermophilus, Bifidobacterium lactis, Lactobacillus acidophilus, L. helveticus, L. paracasei, L. plantarum, L. brevis). Samen wurde vor Beginn und nach 35 und 70 Tagen untersucht (CASA, oxidativer Status). Konzentration (Mio./ml, Tag 0/35/70): Kontrolle 160,4/183,3/118,9, Probiotikum 147,8/215,2/318,6 (Gruppe, Zeit und Wechselwirkung p < 0,001); Gesamtbeweglichkeit Kontrolle 91,5/93,5/97,0 %, Probiotikum 92,0/94,5/98,75 %; progressive Beweglichkeit 60,7/65,0/69,0 gegenüber 58,82/69,25/71,75 %. Reaktive Sauerstoffmetaboliten im Samenplasma stiegen in der Kontrollgruppe von 148,7 auf 215,0 U Carr und blieben in der Probiotikagruppe nahe bei 150 (149,5 auf 157,1); die Gesamtantioxidanskapazität stieg dort von 13,02 auf 17,13 µmol/g Protein, in der Kontrollgruppe fiel sie von 12,61 auf 11,02. Im Serum sanken Harnstoff-Stickstoff, Triglyzeride und Cholesterin [s013]. Schwächen laut Autoren: kleine Kohorte, keine Mikrobiom- und Hormonanalyse, keine Fruchtbarkeitsdaten, die Befunde erlaubten keine Kausalaussage. Besonders auffällig: Die Kontrollgruppe verschlechterte sich über 70 Tage, ohne dass dies im gelesenen Ausschnitt erklärt wird; ein Teil der Differenz geht damit auf einen Abfall der Kontrollen zurück.

Mahiddine et al. 2022 (Frontiers in Veterinary Science) [s080]: Neun gesunde Pudel erhielten drei Wochen lang täglich ein Gemisch dreier Laktobazillen (3,0 × 10⁹ KbE L. acidophilus, 2,7 × 10⁸ KbE L. salivarius, 1,3 × 10⁹ KbE L. reuteri) mit Fruktooligo- und Galaktooligosaccharid (0,8 % der Futtermenge). Im Stuhl sanken Proteobacteria und Tenericutes, Firmicutes stieg; Fusobacterium perfoetens und Anaerobiospirillum succiniciproducens nahmen ab, Limosilactobacillus reuteri zu. Gleichzeitig verbesserten sich Gesamt- und progressive Beweglichkeit, Akrosomintegrität und kinetische Parameter (jeweils p < 0,05, n = 9), und Firmicutes korrelierten positiv, Proteobacteria negativ mit den Spermaparametern [s080]. Eine parallele Kontrollgruppe ist im gelesenen Text nicht beschrieben (alle Hunde erhielten das Gemisch).

Mahiddine et al. 2023 (Veterinary Research Communications) [s072]: Hunde erhielten sechs Wochen lang Lactobacillus rhamnosus; Stuhl und Samen wurden bei 0, 3 und 6 Wochen untersucht. Kinetik, Vitalität, DNA- und Akrosomintegrität und Morphologie der Spermien besserten sich, und die mRNA-Spiegel von Genen für Fruchtbarkeit, DNA-Reparatur und Antioxidation waren erhöht; die Spermaparameter korrelierten positiv mit Actinobacteria, Allobaculum, Phascolarctobacterium und Catenibacterium, negativ mit Faecalibacterium und Streptococcus [s072]. Die Tierzahl steht im abgerufenen Abstract nicht.

Ngo et al. 2026 (Theriogenology) [s018]: Sieben Duroc-Eber, Probenahme vor dem Absetzen der Antibiotika (Tag 0), nach 48 und nach 96 Tagen unter einem antibiotikafreien Fütterungsprogramm mit Probiotika. An Tag 96 waren Gesamtbeweglichkeit (−17,5 %, p = 0,024), Vitalität (−20,4 %, p = 0,002) und Akrosomintegrität (−25,8 %, p = 0,002) gegenüber Tag 0 niedriger; der Anteil gramnegativer Keime im Frischsamen stieg von 69,5 % auf 88,0 %, der Anteil von E. coli von 18,7 % auf 76,0 %. Im Samenmikrobiom dominierten Enterobacterales (41,4 %) bei Ebern mit schlechter, Bacteroidales (14,2 %) bei solchen mit guter Samenqualität. Die Probiotikagabe veränderte die Vielfalt der Stuhlflora (p = 0,048), aber nicht die des Samens und nicht die Samenqualität [s018]. Das ist kein Erfolg, sondern ein Negativbefund des Wechsels von Antibiotika auf Probiotika; es gab keine Kontrollgruppe ohne Wechsel.

Sindi et al. 2026 (Probiotics and Antimicrobial Proteins) [s024]: 33 Kaninchenböcke in drei Gruppen (je 11) erhielten dreimal wöchentlich ein Vier-Stamm-Gemisch (Lacticaseibacillus casei, Bacillus subtilis, Lactiplantibacillus plantarum, Bifidobacterium bifidum) in 0,25 oder 0,5 × 10⁹ KbE je Tier und Gabe oder nichts. Beide Dosen steigerten Volumen, Vitalität und Beweglichkeit und senkten Anomalien (p < 0,05), erhöhten Antioxidans-Marker im Samenplasma, senkten Malondialdehyd und Protein-Carbonyle, Entzündungsmarker (IL-6, TNF-alpha, TLR4) und erhöhten FSH, LH und Testosteron; Darm- und Hodenhistologie waren besser [s024]. Die Dauer der Gabe und Absolutwerte stehen im Abstract nicht.

Akbari Nargesi und Falahatkar 2023 (Fish Physiology and Biochemistry) [s063]: 48 männliche Regenbogenforellen erhielten acht Wochen lang 0, 1, 2 oder 4 × 10⁹ KbE/kg eines Mehrstammprobiotikums im Futter; die mittlere Dosis (2 × 10⁹) ergab die höchsten Werte für Spermatokrit, Konzentration und Beweglichkeitsdauer, nicht die höchste Dosis [s063]. Das ist ein Hinweis auf eine nichtlineare Dosis-Wirkung, aber an einem Fischmodell.

Inatomi und Otomaru 2018 (Scientific Reports) [s106]: 180 männliche Masthuhn-Elterntiere (Cobb, 60 Wochen alt) erhielten sechs Wochen lang Futter mit Bacillus amyloliquefaciens TOA5001 oder Basisfutter; die Autoren berichten bessere Darmmorphologie, Darmflora, Oxidationsstatus und Samenqualität, im Abstract ohne Zahlen [s106].

Ömür et al. 2026 (Reproduction in Domestic Animals) [s019] untersuchten Probiotika als Zusatz zum Verdünner bei der Kryokonservierung von Bullensamen: 24 Ejakulate von vier Simmentaler Bullen wurden gepoolt und fünf Gruppen zugeteilt (antibiotikafreie Kontrolle, Antibiotikum, Lactobacillus acidophilus, Bifidobacterium longum, L. rhamnosus; je 10⁹ KbE/ml). Gesamtbeweglichkeit nach dem Auftauen: 42,81 ± 0,46 % (Kontrolle), 49,03 ± 2,83 % (Antibiotikum), 54,40 ± 4,17 % (L. acidophilus), 59,68 ± 2,69 % (B. longum), 58,16 ± 0,53 % (L. rhamnosus); progressive Beweglichkeit 31,83, 31,85, 39,31, 41,21 und 40,46 %. B. longum senkte die Lipidperoxidation, L. rhamnosus erhöhte dagegen Malondialdehyd und Apoptosemarker, was auf stammspezifische, zum Teil prooxidative Wirkungen hinweist [s019]. Es ist ein In-vitro-Zusatz im Verdünner, keine Einnahme durch das Tier.

#### Zellkultur und Spermien in vitro

Lee et al. 2024 (International Journal of Molecular Sciences) [s053]: Lacticaseibacillus paracasei, L. rhamnosus und Limosilactobacillus fermentum erhöhten die Beweglichkeit und Vitalität reifer Mäusespermien aus dem Samenleiter um 30 bis 40 % gegenüber unbehandelten Spermien; als Mechanismus werden die Mitochondrienfunktion und die Faktoren AMPK und SIRT1 genannt [s053]. Shim et al. 2025 (Clinical and Experimental Reproductive Medicine) [s045]: In der Leydig-Zelllinie TM3 erhöhten L. rhamnosus, Limosilactobacillus fermentum und Bifidobacterium longum subsp. longum die Expression von Proteinen der Testosteronsynthese und die Mitochondrienaktivität gegenüber unbehandelten Zellen [s045]. Beide Ergebnisse stammen aus Zellkulturen bzw. Spermien in vitro mit direktem Kontakt der Keime und sind weit von einer Einnahme beim Menschen entfernt.

#### Bewertung der Tierversuche

Die Tiermodelle zeigen ein weitgehend einheitliches Muster: Störungen der Darmflora (Fettkost, Chemikalien, Stress, Antibiotika) gehen mit schlechterer Spermatogenese und Beweglichkeit einher, und Eingriffe an der Darmflora (Stuhltransplantation, Probiotika, Präbiotika) können das teilweise abmildern. Dem stehen Einschränkungen gegenüber: kleine Gruppen (sechs bis 14 Tiere), Gabe in hohen oder zeitlich eng gefassten Dosen, induzierte Pathologien statt idiopathischer Subfertilität, keine Prüfung klinischer Fruchtbarkeit (nur wenige Modelle messen Schwangerschaft, Wurfgröße oder Nachkommenzahl: Li, Zheng, Hao, Zhao), teilweise fehlende Kontrollgruppen [s080, s018], fehlende Zahlen in Abstracts und unterschiedliche Spezies. Das Beispiel der späten Gabe bei Harati et al. [s008] und der stammspezifischen Wirkungen bei Ömür et al. [s019] zeigt, dass Effekte von Zeitpunkt und Stamm abhängen und nicht verallgemeinert werden dürfen. Die Lehre aus den Modellen für die Beurteilung der Humanstudien: Antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen sind plausibel; ob sie beim Menschen die Spermaqualität verändern, zeigen die Tierstudien nicht.

### Querschnittsbewertung der klinischen Evidenz

#### Was die Interventionsstudien zeigen und was nicht

Alle sechs randomisierten Studien mit Ergebnissen berichten, dass Spermaparameter nach Einnahme eines Probiotikums oder Synbiotikums besser waren als unter Placebo (oder, bei Gholipour und Zarehoroki, als unter einem Antioxidans), mit Zugewinnen vor allem bei Beweglichkeit, Konzentration und Morphologie [s111, s085, s079, s064, s028, s007]. Die Ergebnisse sind aber nicht einheitlich: Asadi fand keinen Unterschied bei Volumen und Beweglichkeit [s064], Gholipour keinen bei Volumen und keinen zwischen Probiotikum und Antioxidans bei der Konzentration [s007], Abbasi keinen zwischen den Gruppen bei Lipidperoxidation, CMA3 und DNA-Fragmentierung [s085]. Bei der Beweglichkeit zeigen fünf der sechs Studien einen Vorteil (eine davon die zurückgezogene Arbeit von Helli [s079, s021]); Asadi fand keinen signifikanten Unterschied [s064]. Bei der DNA-Fragmentierung stehen Befunde mit gleichzeitigem Rückgang unter Placebo [s085] neben Befunden mit Vorteil der Kombination [s028].

Die Studien sind vergleichbar im Muster, aber nicht unabhängig: Vier Studien verwenden dasselbe Präparat, mehrere Autoren überlappen, und die zwei Studien von Asadi und Gholipour entstanden in derselben Gruppe. Es gibt keine unabhängige Replikation außerhalb des Iran und Italiens, und keine in Mitteleuropa (die Studie von Huerga López in Spanien untersucht Paare mit einem anderen Stamm [s040]). Nur eine Studie berichtet einen Endpunkt, der für Paare zählt (Lebendgeburt), und dort sind beide Partner behandelt worden; der Effekt über den Mann ist daher nicht abgrenzbar.

#### Typische methodische Schwächen im Überblick

- Surrogatendpunkte statt Schwangerschaft oder Lebendgeburt [s009]; alle Studien an Männern mit Spermiogramm als Zielgröße.
- Kleine Fallzahlen (41 bis 110 Männer; neun in der unkontrollierten Studie von Valcarce [s112]; acht in der Fallserie von Gupte [s037]) und Verluste bei der Nachbeobachtung (16 % bei Abbasi, 13 % bei Asadi, 5 von 35 Paaren in der Placebo- und 8 von 35 in der Probiotikagruppe bei Huerga López).
- Auswertung nach Protokoll oder nur der Teilnehmer mit Nachbeobachtung (Gholipour, Abbasi), keine ausdrückliche Intention-to-treat-Auswertung.
- Mehrere Endpunkte ohne Korrektur für Mehrfachtests (Asadi, Abbasi, Huerga López bei den sekundären Endpunkten), p-Werte knapp unter 0,05.
- Zusammengesetzte Präparate mit mehreren Stämmen, Präbiotika und teils Glutamin [s111, s085]; der Beitrag eines einzelnen Stammes ist nicht trennbar, und unterschiedliche Stämme erschweren den Vergleich.
- Placebogruppen verbessern sich mit (Asadi: Operation; Abbasi: DNA-Fragmentierung), sodass nur der Gruppenvergleich zählt.
- Kurze Beobachtung (zehn Wochen bis sechs Monate), keine Beobachtung nach Absetzen außer bei Valcarce (dort teilweise Rückgang [s055, s009]).
- Fehlen von Mikrobiomdaten: Keine der Männerstudien misst das Samenmikrobiom vor und nach der Einnahme; die einzige Studie mit Ejakulatsequenzierung (Huerga López) fand keine Veränderung der Gesamtzusammensetzung [s040]. Ob Probiotika die Spermaparameter über eine Änderung des Genital- oder Darmmikrobioms beeinflussen, ist durch keine Humanstudie belegt.
- Zurückgezogene Studie [s021] im Evidenzpool der Metaanalyse [s020].
- Interessenkonflikte und Finanzierung wurden für dieses Kapitel nicht geprüft.

#### Sicherheit

Nebenwirkungen werden spärlich berichtet. Gholipour und Asadi nennen je einen Abbruch wegen Blähungen in der Probiotikagruppe [s007, s064]; Maretti berichtet keine Nebenwirkungen in beiden Gruppen [s111]; Huerga López berichtet bis zum vierten Besuch keine mit der Einnahme zusammenhängenden Nebenwirkungen [s040]. Eine systematische Sicherheitsbewertung gibt es nicht.

#### Übertragung von Tierversuchen auf den Menschen

Die Tiermodelle stützen biologisch einen Weg über Entzündung, oxidativen Stress, Barrierefunktion und Stoffwechselprodukte [s097, s094, s031, s013], liefern aber keine Dosis, keinen Stamm und keine Dauer, die auf Männer übertragbar wären. Tierarten, Dosen (von 0,25 × 10⁹ KbE je Gabe beim Kaninchen bis 400 × 10⁹ KbE täglich beim Hund [s024, s013]) und Modelle unterscheiden sich stark. Das einzige vaginale Probiotikum-Modell ergab bei der Ratte eine Verminderung der Schwangerschaftsrate [s091], was zeigt, dass Wirkungen kompartimentabhängig sein können.

### Lücken und nicht belegbare Punkte

- Zu den Leitlinien: Ein Ausgabejahr der EAU-Seite ist nicht belegt; deutsche (AWMF), italienische, portugiesische, japanische, koreanische und arabische Leitlinienaussagen zu Probiotika wurden nicht gefunden, chinesische nicht geöffnet. Der Kommentar in der Aktuellen Urologie [s075] ist nur mit Titel belegt.
- Die Gründe für den Rückzug der Studie von Helli et al. sind nicht bekannt [s021]; ob die Metaanalyse [s020] korrigiert wurde, ist nicht bekannt.
- Von Zarehoroki [s028], Maretti [s111], Valcarce [s112], Helli [s079], Gupte [s037], Ensslen [s121], Granouillet [s124] und vielen Tierstudien liegt nur der Abstract vor; Stichprobengrößen, Verblindung und Nebenwirkungen sind dort nur so weit berichtet, wie sie im Abstract stehen.
- Die Kontrollrate der Schwangerschaften in der Rattenstudie [s091] steht nur in einer Abbildung; die Tierzahl der Hundestudie von 2023 [s072], Zahlen aus Wu et al. [s059], Tas et al. [s025] und Inatomi et al. [s106] stehen im Abstract nicht.
- Studienprotokolle und Förderprojekte [s023, s081] liefern keine Ergebnisse.

## Mechanismen und biologische Plausibilität

Dieses Kapitel fragt nicht, ob Mikrobiom und Spermienqualität zusammenhängen, sondern auf welchen Wegen ein solcher Zusammenhang entstehen könnte und wie gut jeder dieser Wege belegt ist. Die Assoziationen selbst (welche Taxa bei welchen Spermiogrammbefunden häufiger sind) werden in den Kapiteln zur Studienlage behandelt und hier nur so weit wiederholt, wie sie als Prüfstein für einen Mechanismus gebraucht werden. Auch Dosis, Stämme und klinische Endpunkte der Probiotikastudien stehen in anderen Kapiteln; hier geht es um die Frage, warum ein Probiotikum überhaupt wirken könnte.

### Lesehilfe: Wie die Belegstärke eingestuft wird

Jeder Wirkweg erhält eine von vier Stufen. Die Einstufung stammt aus diesem Kapitel, sie wird in den Quellen nicht so vergeben, und sie bewertet den Weg, nicht eine einzelne Studie.

- **Stufe A, experimentell gezeigt (im Experiment bewiesen):** Der Mechanismus selbst wurde in einem definierten System direkt nachgewiesen, etwa an menschlichen oder tierischen Spermien in vitro oder durch einen gezielten Eingriff im Tier, zum Beispiel eine Stuhltransplantation. Das beweist, dass der Weg existieren kann. Es beweist nicht, dass er beim Mann mit unfruchtbarkeitsrelevanter Wirkung abläuft.
- **Stufe B, beim Menschen assoziativ belegt:** Beim Menschen findet sich eine Korrelation, die zum Mechanismus passt (zum Beispiel Bakteriospermie und DNA-Fragmentierung). Ob die Bakterien die Ursache sind, bleibt offen, weil fast alle Studien Querschnittsstudien sind.
- **Stufe C, plausibel:** Der Weg ist biologisch begründet und durch Teilbefunde gestützt (etwa Tiermodell plus eine passende Beobachtung beim Menschen), aber nirgends in der geforderten Kette geschlossen.
- **Stufe D, spekulativ:** Der Weg wird in Übersichten als Hypothese genannt oder beruht auf einer einzelnen, kleinen oder ungeprüften Beobachtung.

Eine Vorbemerkung gilt für das gesamte Kapitel: Nach den hier ausgewerteten Quellen ist **kein einziger Wirkweg beim Menschen von der Ursache bis zur verminderten Fruchtbarkeit lückenlos kausal bewiesen**. Die Autoren der größten Metaanalyse halten selbst fest, die Evidenz zur Wirkung des seminalen Mikrobioms auf die Fertilität sei nicht schlüssig [s089]. Die systematische Übersicht von Bazzar und Kollegen verlangt standardisierte Methoden und Längsschnittstudien, um Kausalität zu belegen [s001]. Wo im Folgenden von „bewiesen“ die Rede ist, ist deshalb immer Stufe A gemeint, also der experimentelle Nachweis, dass ein Weg biologisch möglich ist.

### 1. Ausgangslage: Was der Mechanismus erklären muss

#### 1.1 Die beobachteten Zusammenhänge

Ein Mechanismus muss zu den Beobachtungen passen. Die belastbarsten gepoolten Zahlen stammen aus der Metaanalyse von Farahani und Kollegen (Andrology 2021; 55 Beobachtungsstudien, 51.299 Personen, Zeitraum 1992 bis 2019): Bakteriospermie ging mit höherer DNA-Fragmentierung einher (mittlere Differenz des DNA-Fragmentierungsindex 3,518; 95-%-Konfidenzintervall 0,907 bis 6,129; p = 0,008) und wirkte sich negativ auf Konzentration und progressive Motilität aus. Ureaplasma urealyticum war bei unfruchtbaren Männern häufiger (Odds Ratio 2,25; 95-%-KI 1,47 bis 3,46) und wirkte negativ auf Konzentration und Morphologie. Enterococcus faecalis beeinträchtigte die Gesamtmotilität, Mycoplasma hominis Konzentration, progressive Motilität und Morphologie. Für Chlamydia trachomatis fand sich weder ein Prävalenzunterschied zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Männern noch ein signifikanter Effekt auf die Spermienparameter. Lactobacillus war mit besseren, Prevotella mit schlechteren Parametern verbunden [s089]. Eine Metaanalyse zu Mycoplasma hominis (11 Studien) bestätigt für diesen Erreger eine niedrigere Konzentration (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,815; 95-%-KI −1,314 bis −0,317), eine niedrigere progressive Motilität (−0,360; −0,683 bis −0,037), eine geringere Vitalität (−0,831; −1,410 bis −0,253) und weniger normale Formen (−0,631; −1,178 bis −0,083) [s002].

Die Zusammenschau genitaler Infektionen insgesamt (Campbell und Kollegen, Fertility and Sterility 2026; 51 Studien, 35 davon in der quantitativen Analyse) ergab gepoolte Abnahmen für das Volumen (−0,37 ml; −0,64 bis −0,09), die Konzentration (−6,65 Mio./ml; −11,17 bis −2,14; I² = 90 %), die progressive Motilität (−5,93 %; −9,07 bis −2,78), die Gesamtzahl (−47,15 Mio.; −91,42 bis −2,88) und die normale Morphologie (−0,76 %; −1,19 bis −0,33) [s004]. Der Unterschied zwischen Erregern, die klinisch als Infektion gelten, und dem „normalen“ seminalen Mikrobiom ist für die Mechanismen entscheidend: Für klassische Erreger gibt es ein plausibles Schadensbild, für die Zusammensetzung der Flora insgesamt dagegen nicht.

Denn gerade bei der Gesamtzusammensetzung widersprechen sich die Studien. In der prospektiven Studie von Mowla und Kollegen (eLife 2025; 223 Männer: 63 Kontrollen mit nachgewiesener Vaterschaft, 46 Partner bei wiederholten Fehlgeburten, 58 Männer mit Subfertilität, 56 Partner bei ungeklärter Unfruchtbarkeit) bildeten sich drei Mikrobiota-Cluster, dominiert von Streptococcus, von Prevotella oder von Lactobacillus mit Gardnerella. Die Cluster hatten unterschiedliche Bakterienlast, aber weder Zusammensetzung noch Richness, Diversität oder Bakterienlast hingen mit der Samenanalyse, den reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) im Ejakulat oder der Spermien-DNA-Fragmentierung zusammen. Als einziger Zusammenhang überstand die Korrektur für multiples Testen die Verbindung zwischen einer nicht näher bestimmten Flavobacterium-Gattung und abnormaler Samenqualität sowie Morphologie (q = 0,02) [s043]. Auch die Schweizer Kohorte von Baud und Kollegen (94 Männer, davon 26 mit normalem Spermiogramm und 68 mit mindestens einem abnormen Parameter) fand drei Profile (Prevotella-angereichert, Lactobacillus-angereichert, polymikrobiell). Das Prevotella-Profil hatte die höchste Bakterienlast (p < 0,05); die Gesamtverschiebung der Gemeinschaft korrelierte nicht mit den Spermiogrammparametern, während einzelne Gattungen es taten (Prevotella häufiger bei Motilitätsdefekt, Lactobacillus bei normaler Morphologie, Staphylococcus in der Kontrollgruppe) [s101]. Die Autoren schlossen, der bakterielle Gesamtgehalt des Spermas spiele bei der Unfruchtbarkeit wahrscheinlich keine große Rolle, wohl aber könne eine kleine Gruppe von Mikroben Motilität und Morphologie beeinflussen [s101].

Daraus folgt für jeden Mechanismus eine Randbedingung: Er muss erklären, warum **einzelne Erreger und einzelne Taxa** Effekte zeigen, die **globale Gemeinschaftsstruktur** aber in den größten Kohorten keinen Zusammenhang mit den Spermienfunktionen ergibt.

#### 1.2 Kontamination und Probenweg als Grenze der Plausibilität

Das Ejakulat durchläuft Harnröhre und Hautumgebung. Zudem ist es eine Probe mit sehr geringer Biomasse, in der Reagenzienkontaminanten stark ins Gewicht fallen. Mowla und Kollegen führten deshalb Negativkontrollen (drei Kit- bzw. Umgebungsabstriche durch das gesamte Extraktionsverfahren) mit und entfernten über das R-Paket decontam 94 Sequenzvarianten als Kontaminanten; sie verweisen darauf, dass in einer Studie an Hodenproben 50 bis 70 % der nachgewiesenen bakteriellen Reads Umweltkontaminanten sein könnten [s043]. Dieselbe Spanne von 50 bis 70 % nennen die Übersichten von Neto und Kollegen sowie von Grande und Kollegen für Hodenproben [s054, s050]. Der Flavobacterium-Befund von Mowla ist ein Beispiel für das Problem: Die Autoren räumen ein, dass Flavobacterium in früheren Arbeiten als Kontaminante beschrieben wurde; die Gattung war in 36,28 % der Proben nachweisbar (mittlere relative Häufigkeit 1,15 % in diesen Proben) [s043]. Für die Plausibilität heißt das: Jeder aus Taxa abgeleitete Mechanismus steht und fällt mit der Frage, ob das Taxon tatsächlich im Genitaltrakt lebt. Das hier wichtigste Gegenargument gegen eine rein kontaminationsbedingte Erklärung ist die Konsistenz bestimmter Taxa (Prevotella, Lactobacillus) über Kohorten, Länder und Methoden hinweg. Dagegen spricht wiederum die Plattformabhängigkeit: Garcia-Segura und Kollegen sequenzierten dieselben 56 Proben mit Oxford Nanopore und mit Illumina; die zehn häufigsten Gattungen stimmten überein und machten über 70 % der Reads aus, aber die relative Häufigkeit der einzelnen Bakterien korrelierte zwischen den Plattformen nicht, mit Abweichungen innerhalb einer Probe von bis zu 50 Prozentpunkten [s067].

Für die Mechanismen ist ferner wichtig, dass die Mikroben mehreren Quellen entstammen können. Neto und Kollegen (Übersicht über 37 Studien mit 9.310 Teilnehmern; 16 Studien mit Kultur, 16 mit Sequenzierung der nächsten Generation, 5 mit beiden) berichten, dass alle sequenzierungsbasierten Studien in allen Samenproben Bakterien fanden. Sexuell aktive Paare teilten 56 % der vorherrschenden Gattungen; bei Paaren mit positiver Kultur beider Partner teilten 61 % mindestens einen genitalen Erreger. Die Prävalenz der Bakteriospermie schwankte je nach Studie zwischen 7 % und 65,7 % [s054]. Die Herkunft der Bakterien (Hoden und Nebenhoden, Samenwege, Harnröhre, Haut, Partnerin, Darm) ist deshalb offen. Sie bestimmt aber, welche Mechanismen überhaupt infrage kommen: Eine lokale Wirkung im Hoden oder Nebenhoden setzt dort lebende Bakterien voraus, eine Fernwirkung vom Darm dagegen nicht.

### 2. Direkte Wechselwirkung zwischen Bakterien und Spermien

**Belegstärke: Stufe A für einzelne Erreger im Experiment, Stufe B für den Menschen, Stufe D für die „normale“ Flora.**

Die ausführlichste Darstellung dieses Wegs liefert die Übersicht von Tvrdá und Kollegen (Biomolecules 2022). Sie beschreibt eine Kaskade aus Anheftung, Agglutination, Immobilisation, Toxinwirkung und programmiertem Zelltod. Die folgenden Details stammen aus dieser Übersicht [s082]; die zugrunde liegenden Primärstudien sind dort zitiert, aber hier nicht einzeln geprüft.

**Anheftung.** Bakterien mit Pili oder Fimbrien heften sich an die Spermienoberfläche, die reich an Glykoproteinrezeptoren ist. Fimbrien vom Typ 1 uropathogener Escherichia coli binden an Mannosegruppen, die vor allem am Spermienkopf liegen; P-Fimbrien erkennen ein Digalaktosid (Gal-Gal) vor allem am Flagellum. Die Anheftung am Akrosom kann zu dessen Zerfall führen. Bei Enterococcus, Bacteroides, Bifidobacterium, Enterobacteriaceae und Lactobacillus ist eine Anheftungsaffinität an Spermien beschrieben [s082]. Dass auch Lactobacillus Spermien anheften kann, zeigt, dass Anheftung allein kein Marker für „schädlich“ ist.

**Agglutination.** Typ-1-Fimbrien verursachen überwiegend Kopf-an-Kopf-Agglutination, P-Fimbrien Flagellum-an-Flagellum-Agglutination; Stämme mit beiden Pilitypen verursachen gemischte Formen. Die Rezeptorabhängigkeit wird dadurch gestützt, dass die Wechselwirkung kompetitiv durch den jeweiligen Zucker (Mannose beziehungsweise Gal-Gal) gehemmt werden kann [s082]. Aus E. coli wurde ein spermienagglutinierender Faktor (SAF) isoliert, der mit einem Liganden von 71 kDa an einen Spermienrezeptor von 125 kDa bindet, die Motilität blockiert, bei höheren Konzentrationen spermizid wirkt und die Mg²⁺-abhängige ATPase kompetitiv hemmt. Verwandte Moleküle wurden aus Staphylococcus warneri (80 kDa) und Staphylococcus aureus (70 kDa, Flagellum-an-Flagellum-Agglutination) beschrieben [s082].

**Immobilisation.** E. coli sezerniert zusätzlich einen kleinen löslichen Faktor von etwa 20 kDa, der Spermien ohne Agglutination immobilisiert, sowie in einer weiteren Beschreibung einen hitzeempfindlichen Faktor von 56 kDa, der einen Rezeptor von 113 kDa erkennt und die Akrosomreaktion nach Kalzium-Ionophor hemmt. S. aureus bildet einen immobilisierenden Faktor von 20 kDa mit einem 62-kDa-Rezeptor; dieser wirkt zudem auf die Spermienmembran spermizid, was beim E.-coli-Faktor nicht beobachtet wurde [s082]. Agglutination und Immobilisation sind nach der Übersicht überwiegend gleichzeitig und reversibel, hohe Konzentrationen zytotoxischer Bakterienprodukte können aber Vitalität und Befruchtungsfähigkeit nachhaltig beeinträchtigen. Auch für Mycoplasma, Chlamydia trachomatis und Trichomonas vaginalis wurden Agglutination und Immobilisation beschrieben [s082].

**Toxine und Botenstoffe.** Das Lipopolysaccharid (LPS) gramnegativer Bakterien bindet an den Toll-like-Rezeptor 4 und aktiviert NF-κB. Für Spermien beschreibt die Übersicht, dass LPS weniger die Genexpression als Botenstoffe wie zyklisches AMP, Kalzium und Proteinphosphorylierung beeinflusst; in einer zitierten Arbeit senkte LPS das intrazelluläre cAMP der Spermien unabhängig von Kalzium und Tyrosinphosphorylierung. Das porenbildende α-Hämolysin uropathogener E. coli kann Zellmembranen rezeptorunabhängig durchlöchern. Hämolytische E.-coli-Stämme immobilisierten Spermien wirksamer und bei niedrigerer Konzentration als nichthämolytische, erzeugten mehr intrazelluläre ROS und senkten das mitochondriale Membranpotenzial. Das β-Hämolysin von Enterococcus wirkt ebenfalls porenbildend; Spermienmembranen waren nach Kontakt mit Enterokokken und deren Toxinen an Kopf, Hals und Mittelstück stärker geschädigt als am Haupt- und Endstück des Flagellums [s082]. Zusätzlich werden Quorum-sensing-Moleküle (etwa von S. aureus oder Pseudomonas aeruginosa) als potenziell schädlich genannt [s082].

**Zelltod.** Die Übersicht fasst Befunde zusammen, nach denen Spermien nach Kontakt mit pathogenen und bedingt pathogenen Bakterien vermehrt frühe und späte Apoptosemarker zeigen (Phosphatidylserin-Verlagerung, TUNEL-Positivität). Ein zitierter Befund berichtet gleichzeitige Apoptose und Nekrose bei Spermien normozoospermer Männer allein durch Kontakt mit Bakterien, auch ohne Beteiligung von Leukozyten. Als Weg wird die Bindung bakterieller Endotoxine (Porine, LPS, Peptidoglykane) an Toll-like-Rezeptoren 2 und 4 auf der Spermienoberfläche vermutet, gefolgt von einem oxidativen Ausbruch, mitochondrialer Depolarisation und Caspase-3-vermittelter Apoptose [s082].

**Gesamtbild der Übersicht.** Bakterienbefall von Samen führt demnach zu verminderter Motilität und Membranstabilität, zu Veränderungen an Kopf, Mittelstück und Flagellum, Akrosomdegeneration, gestörtem mitochondrialem Stoffwechsel und ATP-Synthese, DNA-Schäden und Phosphatidylserin-Verlagerung. Die Autoren betonen zugleich, dass die molekulare Grundlage der Bakteriospermie-assoziierten Qualitätsminderung vielschichtig sei und weiterer Klärung bedürfe. Die Befunde stützen sich auf Studien an mehreren Arten (Bullen, Büffeln, Widdern, Ebern, Kaninchen, Puten, Hengsten und Menschen) [s082].

**Weitere Einzelbefunde.** Gomes und Kollegen berichten in ihrer systematischen Übersicht (7 Studien, 500 Personen) aus einer Einzelstudie, Staphylococcus habe die Motilität innerhalb kurzer Zeit verschlechtert; je nach Auswertung der Übersicht lautet die Angabe 25 % nach 15 Minuten beziehungsweise 25 bis 30 % innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Die Auswertungen nennen dies eine vereinzelte In-vitro-Beobachtung, die sich nicht auf die Gesamtzusammensetzung des Mikrobioms übertragen lässt [s068].

**Einstufung.** Dass bestimmte Erreger Spermien in vitro agglutinieren, immobilisieren und schädigen können, ist über Jahrzehnte und mehrere Arten hinweg experimentell gezeigt (Stufe A). Beim Menschen liegen dazu Assoziationen vor, die zum Bild passen: Bakteriospermie hängt mit höherem DNA-Fragmentierungsindex zusammen [s089]; in der iranischen Studie von Eini und Kollegen (172 Männer aus Paaren mit Kinderwunsch, 35 fruchtbare Kontrollen) waren bei positiver Samenkultur (60 Patienten, 34,88 %) Konzentration, Motilität und Morphologie niedriger und die DNA-Fragmentierung höher [s088] (Stufe B). Für die **normale**, nicht pathogene Flora, wie sie die Sequenzierung beschreibt, ist ein direkter spermienschädigender Mechanismus dagegen nicht belegt (Stufe D). Eine Ausnahme liefert allenfalls ein Befund an der Ratte, wonach vaginales Lactobacillus crispatus die Spermienmotilität über Effekte auf intrazelluläres Kalzium hemmte; er wird im Abschnitt zum Genitalmikrobiom des Paares besprochen [s091].

### 3. Entzündung, Leukozyten und Zytokine

**Belegstärke: Stufe A für die Schadwirkung aktivierter Leukozyten und Zytokine auf Spermien im Experiment, Stufe B für Leukozytospermie und Zytokine beim Menschen, Stufe C für die Rolle der Mikrobiomzusammensetzung im Einzelnen.**

#### 3.1 Der Grundgedanke

Der zweite große Weg verläuft indirekt: Bakterien im Genitaltrakt aktivieren das angeborene Immunsystem, Leukozyten wandern ein und setzen Zytokine und reaktive Sauerstoffspezies frei, und diese Immunantwort schädigt Spermien und mitunter das Samenepithel selbst. Henkel fasst das in seiner Übersicht (J Clin Med 2024) so zusammen: Bakterielle Infektionen locken Leukozyten an, die ROS produzieren und Zytokine freisetzen, und beides kann Spermien schädigen und funktionsunfähig machen [s051]. Er nennt außerdem die Rahmendaten, auf die sich die Argumentation stützt: Infektionen des männlichen Genitaltrakts machen Schätzungen zufolge 10 bis 35 % der Fälle aus, und eine Leukozytospermie (Grenzwert 1 × 10⁶ peroxidasepositive Zellen pro ml) findet sich bei 30 % der unfruchtbaren und bei bis zu 20 % der fruchtbaren Männer [s051]. Der Grenzwert allein ist also kein Beleg für eine Schädigung, sondern ein Indikator, der in beiden Gruppen häufig vorkommt.

Leukozyten sind im Ejakulat ein normaler Bestandteil der Immunüberwachung. Henkel beziffert die Zusammensetzung mit 50 bis 60 % Granulozyten, 20 bis 30 % Makrophagen und 2 bis 5 % T-Lymphozyten und gibt an, Leukozyten könnten im Rahmen ihrer physiologischen Funktion etwa tausendmal mehr ROS erzeugen als Spermien. Kritisch werde es, wenn die Leukozytenkonzentration 10⁶/ml übersteigt, besonders bei aktivierten Zellen [s051]. Die Übersicht von Tvrdá beschreibt zwei Aktivierungswege der Leukozyten bei Infektion: einen erhöhten NADPH-Nachschub über den Hexosemonophosphat-Weg und den „respiratory burst“, der bei Infektion eigentlich eine Schutzfunktion hat [s082].

#### 3.2 Wie Leukozyten Spermien schädigen können

Nach der von Tvrdá referierten Arbeitsgruppe um Fraczek und Kurpisz kann die leukozytenvermittelte Schädigung auf drei Wegen verlaufen [s082]:

1. **Direkte Anheftung** an die Spermienzelle mit Freisetzung von ROS und entzündungsfördernden Molekülen.
2. **Phagozytose (Spermiophagie):** Nach engem Kontakt mit Kopf, Mittelstück oder Flagellum werden Spermien festgehalten, immobilisiert und vom Zytoplasma phagozytierender Zellen aufgenommen. Die Aktivierung der Zellen durch festes Anheften führe dazu, dass sogar gesunde Spermien phagozytiert werden.
3. **Extrazelluläre Fallen (ETs):** Aktivierte Leukozyten geben Chromatinfasern mit antibakteriellen Proteinen ab (unter anderem Laktoferrin, Myeloperoxidase, Defensine, Proteasen, Elastase). Das Prinzip stammt aus der Infektionsabwehr; die Übersicht hält es für möglich, dass es Spermien mit betrifft.

Hinzu kommt ein immunologischer Nebenpfad: Entzündung und Zellschäden können die Immuntoleranz gegenüber Spermienantigenen aufheben, sodass Antikörper gegen Spermien entstehen. Tvrdá verweist auf molekulare Ähnlichkeiten zwischen Bakterienoberflächen (Mannose, Galaktose, N-Acetylglukosamin) und Kohlenhydratstrukturen der Spermien sowie, für Chlamydien, auf Hitzeschockproteine als mögliche Grundlage einer molekularen Mimikry [s082]. Dies ist ein Erklärungsmodell der Übersicht, kein gemessener Effekt in den hier ausgewerteten Humanstudien (Stufe C bis D).

Wichtig ist die Einordnung der Autoren: Die Schädigung ist bei gleichzeitiger Bakteriospermie stärker, kann aber auch bei isolierter Leukozytospermie auftreten [s082].

#### 3.3 Zytokine

Die zweite Effektorgruppe sind Zytokine. Henkel nennt TNF-α, IL-6 und IL-8, die im Ejakulat normalerweise vorkommen, bei unfruchtbaren Männern, bei Infektionen des Genitaltrakts und beim metabolischen Syndrom aber signifikant höher liegen. Wiederholt beschrieben seien negative Zusammenhänge zwischen Spermienkonzentration, Gesamt- und progressiver Motilität, Vitalität, DNA-Fragmentierung und den Spiegeln von IL-6, IL-8 und TNF-α im Samenplasma, mit den höchsten Korrelationskoeffizienten für die DNA-Fragmentierung. Für TNF-α und IL-8 sei der Zusammenhang unbestritten [s051]. Die Autoren hinter der Prostatitisübersicht von Kaltsas und Kollegen (Diagnostics 2026) bezeichnen IL-8 als das am besten gestützte Ersatzmaß für eine Entzündung des Genitaltrakts, mit robusten inversen Zusammenhängen zur Motilität und konstant erhöhten Werten in Kohorten unfruchtbarer Männer. Zwei neuere Arbeiten mit standardisierten Multiplex- oder durchflusszytometrischen Verfahren bestätigten höhere IL-6- und IL-8-Spiegel bei Männern mit Samenanomalien und negative Korrelationen zwischen IL-8 und Motilität über verschiedene Messplattformen hinweg. Als wichtige Einschränkung weist dieselbe Übersicht auf die große physiologische Spannweite der Zytokinwerte gesunder Männer hin [s010].

Gleichzeitig mahnt Henkel zur Zurückhaltung: Zytokine werden auch von Nebenhoden und Prostata selbst gebildet und können in physiologischen Konzentrationen für die Befruchtung sogar nützlich sein, weil sie zusätzliche ROS-Bildung und Lipidperoxidation anstoßen; erst bei pathologischen Konzentrationen, insbesondere bei Leukozytenbeteiligung, überwiege die schädliche Wirkung. Zytokine und Chemokine spielten zudem eine normale Rolle für Hodenfunktion, Steroidbildung und Spermatogenese [s051]. Das Zytokinnetzwerk wirke zusammen, sodass sich die Spermientoxizität eines einzelnen Zytokins kaum bestimmen lasse (Tvrdá). Als Zelltodweg wird vermutet, dass IL-6, IL-8, IL-1β oder IL-18 den Fas/Fas-Liganden-Komplex auf der Spermienmembran aktivieren und eine Caspase-8-Kaskade mit DNA-Fragmentierung und Apoptose auslösen; TNF-α gilt als eines der vorherrschenden Zytokine [s082].

#### 3.4 Befunde beim Menschen, die zu diesem Weg passen

- **Fraczek und Kollegen 2016** (im Referat von Henkel; 101 gesunde Männer, davon 30 mit isolierter Bakteriospermie, 19 mit isolierter Leukozytospermie, 22 mit beidem, 30 Kontrollen): Bei isolierter Bakteriospermie waren Konzentration, normale Morphologie und Vitalität signifikant niedriger als bei den Kontrollen; DNA-Fragmentierung, mitochondriales Membranpotenzial und der Anteil apoptotischer Spermien waren signifikant verschlechtert. Die Autoren schlossen, bakterielle Infektionen seien vor allem an einem intrinsischen, mitochondrienabhängigen Zelltod beteiligt. Bei isolierter Leukozytospermie waren Konzentration sowie Gesamt- und progressive Motilität signifikant niedriger und das Malondialdehyd im Spermienlysat als Zeichen vermehrter Lipidperoxidation erhöht; bei kombinierter Bakterio- und Leukozytospermie waren zusätzlich Vitalität, mitochondriales Membranpotenzial, DNA-Integrität und der Anteil apoptotischer Spermien negativ beeinflusst [s051]. Das Bild unterscheidet damit plausibel zwischen einem bakterienvermittelten (mitochondrial-apoptotischen) und einem leukozytenvermittelten (oxidativ-lipidperoxidativen) Schadensmuster. Die Zahlen liegen mir nur über die Wiedergabe in der Übersicht vor.
- **Eini und Kollegen 2021** (172 Männer aus unfruchtbaren Paaren, 35 fruchtbare Kontrollen): Bei positiver Kultur (60 Patienten, 34,88 %) waren Konzentration, Motilität und Morphologie niedriger und die DNA-Fragmentierung höher; die DNA-Fragmentierung korrelierte mit der Leukozytospermie (R = 0,22; p < 0,01) [s088]. Die Korrelation ist signifikant, aber schwach: Sie erklärt rechnerisch nur einen kleinen Teil der Streuung.
- **Mändar und Kollegen 2015** (23 Paare): Seminale Gemeinschaften waren vielfältiger, aber bakterienärmer als vaginale; bei der Hälfte der Partnerinnen von Männern mit deutlicher Leukozytospermie überwog Gardnerella vaginalis, aber nur bei 1 von 17 Partnerinnen von Männern ohne Leukozytospermie [s113]. Henkel gibt dies als 50 % gegenüber 5,9 % wieder [s051].
- **Mändar und Kollegen 2017** (67 Männer, 21 mit Prostatitis, 46 ohne): Laktobazillen waren bei Gesunden zahlreicher als bei Prostatitis, die Richness bei Prostatitis höher [s110]. Die Übersicht von Grande und Kollegen fasst zusammen, dass bei Prostatitis Lactobacillus vermindert und Streptococcus vermehrt ist [s050].
- **Yao und Kollegen 2022** (Changsha, 87 Samen: 33 mit normaler Leukozytenzahl, davon 20 Kontrollen und 13 Asthenozoospermie; 54 mit Leukozytospermie, davon 32 mit Asthenozoospermie und 22 mit normalen Spermienparametern): Die Gattungen gruppierten sich in ein Lactobacillus-angereichertes und ein Streptococcus-angereichertes Muster. Zum Lactobacillus-Muster gehörten 60,0 % der Kontrollen, 53,9 % der Asthenozoospermie-Proben, 45,5 % der Leukozytospermie-Proben mit normalen Parametern und 50,0 % der Leukozytospermie-Proben mit Asthenozoospermie; zusammengefasst 57,6 % ohne gegenüber 48,1 % mit Leukozytospermie. Zum Streptococcus-Muster gehörten entsprechend 51,9 % der Leukozytospermie- und 42,4 % der Nicht-Leukozytospermie-Proben. Die Leukozytospermie-Gruppen hatten schlechtere Spermienparameter und höhere α-Diversität [s084]. Der Unterschied zwischen den Mustern ist mit wenigen Prozentpunkten und kleinen Gruppen schwach; er stützt die Verbindung „Leukozytospermie und Streptococcus-Muster“ höchstens vorsichtig.
- **Cannarella und Kollegen 2026** (100 eugonadale Männer): Die Laktobazillenkonzentration korrelierte positiv mit der Spermienkonzentration (r = 0,42; p < 0,001), anaerobe Bakterien negativ mit der progressiven Motilität, und das Verhältnis von Laktobazillen zu Gesamtbakterien korrelierte negativ mit der Leukozytenkonzentration (r = −0,96; p < 0,001) [s005]. Ein Korrelationskoeffizient von −0,96 ist für biologische Daten außergewöhnlich hoch und sollte unabhängig repliziert werden, bevor er als Mechanismushinweis („Laktobazillen dämpfen Entzündung“) gilt; er ist zudem eine Korrelation, die auch umgekehrt zu lesen wäre (viele Leukozyten drücken Laktobazillen).
- **Campbell 2026 und Boujemaa 2026** (siehe 1.1): Für klassische Erreger insgesamt und für Mycoplasma hominis liegen gepoolte negative Effekte auf mehrere Spermienparameter vor [s004, s002]. Sie belegen, dass infektiöse Entzündung mit schlechterer Samenqualität einhergeht, trennen aber nicht, ob der direkte Bakterienkontakt, die Leukozyten, die Zytokine oder die Entzündung der Samenwege die Ursache ist.

Für den Hoden und Nebenhoden selbst ist die klassische Verbindung der Infektionsweg: Aufsteigende Infektionen werden vor allem durch sexuell übertragbare Erreger wie Chlamydia trachomatis oder E. coli verursacht. Nach Henkel entwickeln bei akuter Nebenhodenentzündung etwa 10 % der Patienten eine Azoospermie und bis zu 30 % eine Oligozoospermie, während die Effekte auf die Samenparameter bei chronischer Prostatitis eher begrenzt seien. E. coli verursache in 65 bis 80 % der Fälle Nebenhoden-Hoden-Entzündungen und Prostatitis. Je nach Erreger kämen eine Störung der Blut-Hoden-Schranke, eine Funktionsstörung der akzessorischen Drüsen, hormonelle Veränderungen und Spermienagglutination hinzu [s051]. Die Prostatitisübersicht von Kaltsas beschreibt zusätzlich, dass die Prostata mit zink- und citratreichem Sekret, Proteasen (Kallikreine) und extrazellulären Vesikeln (Prostasomen) die Samenflüssigkeit prägt, sodass eine Prostataentzündung über veränderte Viskosität und Verflüssigung sowie über Entzündungs- und Oxidationssignaturen im Ejakulat wirken könne [s010].

#### 3.5 Einwände und Grenzen

Der Entzündungsweg hat mehrere offene Flanken:

- **Leukozytospermie ist unspezifisch.** Sie kann durch Varikozele, Adipositas, Rauchen oder Verletzungen entstehen und besteht nach Tvrdá teils auch nach Beseitigung des Entzündungsauslösers fort („isolierte Leukozytospermie“) [s082].
- **Leukozyten und Kultur stimmen oft nicht überein.** Nach Henkel war die Samenkultur bei Leukozytospermie in einer Arbeit nur bei 12,8 % der Patienten positiv; zudem seien Kultur und PCR ungeeignet, das gesamte Mikrobiom zu erfassen [s051].
- **Der Zusammenhang selbst ist umstritten.** Yao und Kollegen weisen darauf hin, dass einige Studien eine Leukozytospermie nicht mit verminderter Motilität oder Befruchtungsfähigkeit verbinden konnten [s084].
- **Die Gesamtzusammensetzung erklärt es nicht.** In der größten Kohorte (Mowla, 223 Männer) fanden sich weder Zusammenhänge der Cluster noch der Bakterienlast mit den ROS im Ejakulat [s043].
- **Andere Krankheitsbilder.** Eine Studie aus einer HIV-Kohorte verknüpft die bakterielle Last im Samen mit IL-6, TNF-α und IL-1β; das betrifft eine Virusinfektion und ist kein Beleg für Unfruchtbarkeit [s115]. Bei HPV-positiven Proben beschreibt die Übersicht von Grande Fusobacterium als unterschiedlich häufig (6 HPV-positive Proben gegenüber 25 Kontrollen); Fusobakterien können in Epithelzellen eindringen und über das Adhäsin FadA und den Toll-like-Rezeptor 4 die lokale Immunität und die Sekretion von TNF-α und IL-8 verändern [s050]. Der Befund betrifft die lokale Epithelimmunität, nicht die Spermien.

**Einstufung.** Dass aktivierte Leukozyten und Zytokine Spermien in vitro und im Tiermodell schädigen, ist gezeigt (Stufe A). Dass Leukozytospermie, erhöhtes IL-8, IL-6 und TNF-α sowie klassische Erreger beim Menschen mit schlechteren Spermienparametern und höherer DNA-Fragmentierung einhergehen, ist in mehreren Studien belegt (Stufe B), mit der Einschränkung, dass es sich um Assoziationen handelt. Dass die **Zusammensetzung des Mikrobioms** über Entzündung wirkt (etwa „weniger Laktobazillen, mehr Entzündung“), ist biologisch plausibel und durch Querschnittsdaten angedeutet, aber nicht gesichert (Stufe C).

### 4. Oxidativer Stress und DNA-Integrität

**Belegstärke: Stufe A für die Grundmechanik (ROS schädigen Spermienmembran und DNA), Stufe B für den Zusammenhang Bakteriospermie und DNA-Fragmentierung beim Menschen, Stufe C bis D für die Rolle einzelner Taxa.**

#### 4.1 Warum Spermien besonders verletzlich sind

Der oxidative Weg ist der in den Quellen am häufigsten genannte gemeinsame Nenner von Entzündung, Bakterienkontakt und Probiotikawirkung. Henkel beschreibt die Biologie ausführlich [s051]: ROS entstehen physiologisch in den Mitochondrien aller aerob lebenden Zellen als Nebenprodukt der Atmungskette und sind in Maßen für die Signalgebung nötig. Die Spermienplasmamembran enthalte etwa 50 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren (darunter Docosahexaensäure mit sechs Doppelbindungen, die rund 21 % des Gehalts an mehrfach ungesättigten Fettsäuren der menschlichen Spermien ausmache; Arachidonsäure 2,4 %, Eicosatriensäure 2,7 %, Linolsäure 4 %). Dadurch seien Spermien besonders anfällig für Lipidperoxidation, die in Initiation, Propagation und Termination abläuft. Zusätzlich schädige übermäßiges ROS direkt die Kern-DNA und die mitochondriale DNA: Strangbrüche, Basenmodifikationen (etwa 8-Hydroxy-2'-desoxyguanosin), Quervernetzungen, Telomerverkürzung und epigenetische Veränderungen [s051]. Die Prostatitisübersicht von Kaltsas ergänzt, dass die Redoxregulation im Samen nicht einfach in der Unterdrückung von ROS besteht, weil redoxabhängige Signale an der Kapazitation beteiligt sind; Peroxiredoxine puffern dieses Signal, könnten aber in entzündetem Samen überfordert sein. Der Redoxpotenzial-Index (ORP) dient als integriertes Maß, und oxidativer Stress wird in neueren Humanarbeiten auch mit epigenetischer Fehlregulation der Spermatogenese verknüpft [s010].

#### 4.2 Woher das ROS kommt

Nach Tvrdá lassen sich die ROS-Quellen im bakterienbesiedelten Samen in drei Gruppen teilen: bakterieller Stoffwechsel und bakterielle Produkte, Immunantwort und aktivierte Leukozyten, sowie geschädigte Spermien selbst [s082].

- **Bakterien selbst:** Aerobe und fakultativ anaerobe Bakterien bilden ROS als Stoffwechselnebenprodukte; selbst Anaerobier könnten über Elektronentransportwege reaktive Zwischenprodukte erzeugen. Superoxid und Wasserstoffperoxid wurden für S. aureus, U. urealyticum, Bacteroides ureolyticus und E. faecalis beschrieben. Das Ausmaß hängt von Bakterienlast, Vielfalt und Stamm ab [s082].
- **Leukozyten:** Die wichtigste ROS-Quelle seien peroxidasepositive Leukozyten, vor allem neutrophile Granulozyten (siehe Abschnitt 3) [s082].
- **Geschädigte oder tote Spermien:** Roca und Kollegen (zitiert nach Tvrdá) beschreiben große Mengen toter Spermien als „stillen Killer“ lebender Spermien, weil aus ihnen Wasserstoffperoxid freigesetzt wird; lebende Spermien zeigen dann Phosphatidylserin-Verlagerung oder DNA-Brüche und sterben durch Apoptose oder Nekrose. Nekrose sei für die Umgebung besonders ungünstig, weil Membranruptur und Austritt von Zellinhalt hinzukommen [s082]. Dieser dritte Weg ist unabhängig von Bakterien und könnte erklären, dass ein einmal begonnener Prozess sich selbst verstärkt.

Dazu passt die Ergänzung von Tvrdá zum programmierten Zelltod: Unter physiologischen Bedingungen entfernt die Apoptose Spermien mit DNA-Schäden, die Überaktivierung der Kaskade sei aber mit gestörter Beweglichkeit und Morphologie und vermindertem Kapazitations- und Penetrationsvermögen verbunden [s082].

#### 4.3 Was beim Menschen gemessen wurde

**Bakteriospermie und DNA-Fragmentierung.** Die Metaanalyse von Farahani ergab eine um 3,518 Punkte höhere Fragmentierung (95-%-KI 0,907 bis 6,129; p = 0,008) bei Bakteriospermie [s089]. Die koreanische Übersicht von Lee und Cho (Translational Andrology and Urology 2026) stellt die Einzelstudien zusammen: Die Prävalenz der Bakteriospermie lag je nach Methode bei 20,1 bis 35,1 % (PCR) beziehungsweise 15,28 bis 34,88 % (Kultur); als häufigster Keim wurde Enterococcus faecalis genannt, in Kulturen daneben Staphylococcus aureus. Drei große Studien hätten einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen allgemeiner Bakteriospermie und erhöhter Spermien-DNA-Fragmentierung gezeigt. Als Hauptmechanismus gilt dort die Induktion oxidativen Stresses: Die bakterielle Anwesenheit löse eine übermäßige ROS-Freisetzung aus, welche die antioxidative Abwehr des Samens überfordere, zu Lipidperoxidation der Spermienmembran (nachweisbar am erhöhten Malondialdehyd) und anschließend zu DNA-Strangbrüchen führe [s012]. Zahlen aus dieser Übersicht:

- In einer PCR-Studie war der DNA-Fragmentierungsindex (DFI) in infizierten Proben deutlich höher als in nicht infizierten (20,5 %, Interquartilsbereich 17,0 bis 38,8 %, gegenüber 15,0 %, 10,0 bis 23,0 %); Enterokokken waren besonders mit höherer Fragmentierung verbunden.
- Bei gleichzeitiger Bakteriospermie und erhöhten Leukozyten stieg der DFI gegenüber der Kontrollgruppe (28,1 % gegenüber 21,8 %).
- Patienten mit Chlamydia trachomatis oder Mycoplasma zeigten einen höheren DFI als Kontrollen (35,2 ± 13,6 % gegenüber 10,8 ± 5,6 %; p < 0,001).
- Prevotella bivia wurde in einer PCR-Studie an 510 subfertilen Männern (Bakteriospermierate 35,1 %) als unabhängiger Prädiktor erhöhter DNA-Fragmentierung identifiziert.
- Als Beispiele für Konzentration und Motilität bei bestätigter bakterieller Infektion nennt die Übersicht 33,8 ± 35,1 Mio./ml und 32,7 ± 19,8 % gegenüber 69,3 ± 48,3 Mio./ml und 47,3 ± 19,0 % bei gesunden Kontrollen sowie in einer weiteren Arbeit 24,74 ± 15,86 gegenüber 76,08 ± 50,96 Mio./ml und 25,74 ± 19,11 gegenüber 50,52 ± 18,53 % [s012].

Dem stehen Befunde gegenüber, in denen der erwartete Zusammenhang ausblieb: In einer Arbeit war der Anstieg des mittleren DFI (18,84 ± 0,94 % bei Infektion gegenüber 14,52 ± 0,76 % ohne) nicht signifikant (p = 0,07); mehrere Studien zu Ureaplasma urealyticum fanden keinen signifikanten DFI-Unterschied (Mediane 14,28 % gegenüber 12,79 %); bei Chlamydia-trachomatis-Patienten war die DNA-Fragmentierung in einer Studie nicht mit dem positiven Nachweis korreliert; auch bestimmte Staphylococcus- und E.-coli-Infektionen in einer Kohorte zeigten keinen Unterschied (16,8 ± 12,6 % gegenüber 14,1 ± 7,6 %). Die Autoren sagen selbst, die Beziehung zwischen Bakteriospermie und DNA-Fragmentierung bleibe Gegenstand der Debatte, und fordern gut geplante prospektive Studien [s012]. Das passt zur Metaanalyse von Farahani, in der ausgerechnet Chlamydia trachomatis ohne signifikanten Effekt auf die Spermienparameter blieb [s089]. Ein einheitlicher oxidativer Schadensweg für „Bakterien“ als Gruppe ist damit nicht belegt; die Datenlage spricht für erregerspezifische Effekte mit Streuung.

**Zytokine als Treiber der Fragmentierung.** Lee und Cho verweisen zusätzlich auf eine mit IL-6 verknüpfte Entzündungsachse: Grampositive Kokken und gramnegative Stäbchen im Samen seien mit erhöhtem IL-6 im Samenplasma assoziiert, und IL-6 korreliere mit der DNA-Integrität. In zitierten Arbeiten induzierte die Exposition gegenüber Zytokinkombinationen mit IL-6 und IL-8 direkt eine DNA-Fragmentierung der Spermien [s012]. Das wäre ein ROS-unabhängiger oder ROS-verstärkter Weg (Stufe A bis C je nach Quelle der zitierten Arbeiten, die hier nicht einzeln geprüft wurden).

**Die Gesamtzusammensetzung der Flora und das ROS im Samen.** Hier fehlt die Bestätigung. In der Studie von Mowla zeigte das Studienkollektiv zwar hohe Raten erhöhter Messwerte (85 % der Proben mit hoher Spermien-DNA-Fragmentierung, 85 % mit erhöhtem ROS, 79 % mit Oligozoospermie), aber weder Cluster noch Richness, Diversität oder Bakterienlast korrelierten mit ROS oder DNA-Fragmentierung [s043]. In einer Teilanalyse der Kontrollen gegen die Männer mit männlichem Faktor wurde die Fragmentierung invers mit Cutibacterium und positiv mit Porphyromonas und Varibaculum in Verbindung gebracht [s043]. Die Übersicht von Kuribayashi und Kollegen (Fertility and Sterility 2026) hält dagegen fest, dass Samenprofile mit Anaerobiern (häufig Prevotella oder Atopobium) mit höherem oxidativem Stress, höherer DNA-Fragmentierung und geringerer Motilität verbunden seien, Lactobacillus-reiche Profile mit besserem Redoxstatus und besserer DNA-Integrität; sie räumt zugleich ein, dass die Studien überwiegend klein und querschnittlich sind [s011]. Beide Aussagen stehen nebeneinander, und die größte prospektive Kohorte stützt die erste nicht.

**Einzelne Gattungen und die Chromatinstruktur.** Garcia-Segura und Kollegen (56 Proben: 14 Spender, 42 Patienten mit idiopathischer Unfruchtbarkeit; 16S-Sequenzierung) beschreiben, dass Moraxella, Brevundimonas und Flavobacterium negativ mit der globalen DNA-Fragmentierung korrelierten, während Actinomycetaceae, Ralstonia und Paenibacillus mit geringerer Protaminierung und mehr Doppelstrangbrüchen verbunden waren. Das Chromatin ist hier zusätzlich zur DNA-Fragmentierung betrachtet (Chromomycin-A3-Test auf Protaminmangel). Das Abstract nennt keine p-Werte oder Koeffizienten; die Autoren deuten die Effekte als im Einklang mit metabolischen und enzymatischen Aktivitäten dieser Gattungen [s077]. Zugleich belegt die Studie, wie instabil solche Taxonzuordnungen sind: Flavobacterium erscheint dort als mit besserer Fragmentierung (und nach der spanischen Auswertung auch mit höherer Motilität) verknüpft, in der Mowla-Kohorte dagegen als einziges Taxon, das mit abnormaler Samenqualität und Morphologie verbunden war [s077, s043]. Die Mowla-Autoren verweisen genau auf diesen Gegensatz zur Garcia-Segura-Studie [s043].

**Stoffwechselweg über S-Adenosylmethionin.** Lundy und Kollegen (25 Männer mit idiopathischer primärer Unfruchtbarkeit, 12 fruchtbare Kontrollen; Rektalabstrich, Ejakulat, Urin; 16S und Shotgun-Metagenomik mit im Median 140 Millionen Reads pro Probe) fanden im Metagenom Veränderungen im Zyklus des S-Adenosylmethionins (SAM), der im Samen von Pseudomonas-dominierten unfruchtbaren Männern überrepräsentiert war. Die Übersicht von Grande erläutert, dass SAM den oxidativen Stress über die Umwandlung zu Glutathion reguliert, mit Effekten auf die Motilität, und hält fest, dass der Kausalzusammenhang nicht geklärt ist [s092, s050]. Andere Autoren verbinden den SAM-Zyklus mit DNA-Methylierung, oxidativem Stress und Polyamin-Synthese (siehe Abschnitt 7 und 8). Lundy beschreibt außerdem, dass Unterschiede im Zusammenhang mit oxidativem Stress und Leukozytospermie gering ausfielen und dass bei unfruchtbaren Männern mit Varikozele Anaerobier im Samen deutlich überrepräsentiert waren [s092]. Die Varikozele ist selbst ein klassischer Auslöser von oxidativem Stress; ob die Anaerobier die Ursache, eine Folge oder ein unabhängiger Begleitbefund sind, lässt sich aus der Studie nicht entscheiden.

#### 4.4 Einstufung

Dass ROS die mehrfach ungesättigte Spermienmembran peroxidieren und DNA schädigen und dass Leukozyten, einzelne Bakterien und tote Spermien ROS freisetzen, ist experimentell gut gezeigt (Stufe A). Dass Bakteriospermie beim Menschen mit höherer DNA-Fragmentierung einhergeht, ist gepoolt belegt (Stufe B, mit der Einschränkung, dass die Evidenz für einzelne Erreger wie Chlamydia und Ureaplasma uneinheitlich ist). Dass die **normale Zusammensetzung** des seminalen Mikrobioms (im Sinne von „Lactobacillus-Profil gegenüber Prevotella-Profil“) über oxidativen Stress wirkt, ist plausibel und wird in Übersichten vertreten, aber von der größten prospektiven Kohorte nicht bestätigt (Stufe C bis D). Dass Taxa wie Moraxella, Brevundimonas oder Ralstonia über Metaboliten das Chromatin beeinflussen, ist spekulativ (Stufe D).

### 5. Die Darm-Hoden-Achse: Barriere, Endotoxin und Immunsystem

**Belegstärke: Stufe A im Tierexperiment (Stuhltransplantation, Keimfreiheit, gezielte Eingriffe), Stufe B für Darmbakterien und Spermienparameter beim Menschen, Stufe C für die Übertragung auf den Mann.**

#### 5.1 Das Konzept und seine Herkunft

Dieser Weg verlagert die Frage von den Bakterien im Ejakulat zu den Bakterien im Darm. Kaltsas und Kollegen (Journal of Personalized Medicine 2026) beschreiben die Darm-Hoden-Achse als wechselseitige Signalgebung, über die die Zusammensetzung des Darmmikrobioms und mikrobielle Produkte Spermatogenese und endokrine Regulation beeinflussen könnten. Sie halten zugleich fest, Dysbiose sei kontextabhängig, funktionelle Veränderungen von Gemeinschaften und Metaboliten bestimmten ihre Wirkung stärker als reine Verschiebungen der Taxa, und kompositionelle Unterschiede dürften nicht als Beleg für Kausalität gelesen werden [s009]. Als verbindende Hypothese wird die GELDING-Hypothese genannt (Gut Endotoxin Leading to a Decline in Gonadal Function, Tremellen 2016): Eine Ernährung mit hohem Fett- und Kaloriengehalt oder antibiotikabedingte Dysbiose erhöhe die Darmdurchlässigkeit und die Translokation von Endotoxin, was eine niedriggradige Entzündung antreibe, die die Steroidbildung der Leydig-Zellen und die Signalgebung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse stören könne [s009, s071]. Die Übersicht von Magill und MacDonald (2023) schildert dieselbe Hypothese, wonach eine fettreiche Kost den Zusammenbruch der Darmschleimhautbarriere mit Austritt bakteriellen Endotoxins und einem chronischen Entzündungszustand auslöse, der zu Hoden- und Hormonstörung führen könne [s071].

Die Übersicht von Kaltsas stuft die Belege selbst ein, und diese Einstufung deckt sich mit der hier verwendeten: Entzündung und oxidativer Stress hätten die konsistenteste Rückendeckung beim Menschen, die endokrinen Befunde beim Mann seien dagegen variabel und typischerweise gering, und die meisten detaillierten endokrinen Mechanismen stammten aus Tier- und In-vitro-Studien statt aus klinischen Kohorten [s009]. Die methodische Übersicht von Ma und Kollegen (Frontiers in Endocrinology 2026) bewertet die Tiermodelle der Darm-Hoden-Achse und kommt zu dem Schluss, dass einige Modelle, besonders solche, die einzelne molekulare Wege prüfen, Expositionshöhen, Applikationswege und Zeiträume verwenden, die die langdauernden, niedrigintensiven Störungen, wie sie für die idiopathische Unfruchtbarkeit vermutet werden, möglicherweise nicht abbilden. Die Demonstrationen seien als „bedingte biologische Kapazität“ unter definierten Versuchsbedingungen zu lesen, nicht als direkter Beleg, dass dieselben Wege beim Menschen ursächliches Gewicht haben; die idiopathische Unfruchtbarkeit macht nach der Übersicht 30 bis 40 % der männlichen Unfruchtbarkeit aus [s016].

#### 5.2 Experimentelle Belege

**Stuhltransplantation aus fettreich gefütterten Mäusen (Ding und Kollegen, Gut 2020).** Dies ist die am besten belegte Kette der gesamten Achse und sei deshalb ausführlich dargestellt [s097]. Männliche C57BL/6-Mäuse (sechs pro Gruppe) erhielten über 15 Wochen alle zwei Tage per Schlundsonde den Stuhlüberstand von Mäusen unter fettreicher Kost (45 % Fett) oder unter Normalkost; die Empfängertiere blieben auf Normalkost, und die Autoren verzichteten bewusst auf eine Antibiotikavorbehandlung, um Stoffwechselnebenwirkungen auszuschließen. In einem zusätzlichen Ansatz mit Antibiotikavorbehandlung zeigten die Tiere mit fettreicher Stuhltransplantation dennoch niedrigere Motilität und Spermienzahl. Ergebnisse:

- Die fettreiche Kost allein senkte Spermienkonzentration und Motilität und verminderte Spermatozyten und runde Spermatiden in den Hodenkanälchen. Die Übertragung der fettreichen Mikrobiota allein reichte aus, um Spermatogenese und Motilität bei normal gefütterten Empfängern zu senken; die Transplantation aus normal gefütterten Mäusen tat das nicht.
- Auf Genusebene stiegen bei den Empfängern Bacteroides (über das 80-Fache), Prevotella, Rikenella und Lactobacillus an; AF12 sank. Der Serumendotoxinspiegel erreichte das Niveau einer Endotoxämie.
- Der Mechanismus lief nach den Autoren über Endotoxin und den Toll-like-Rezeptor 4 (TLR4) mit dem Adapter MyD88 im Dünndarm (beide hochreguliert): In der Lamina propria des Dünndarms fanden sich Infiltrate von T-Zellen (CD3) und Makrophagen (F4/80). Im Nebenhodenkopf waren die Zytokine IL-1β, CXCL-10 und MCP-1 sowie NF-κB-p65 signifikant erhöht.
- Die Hoden-RNA-Sequenzierung ergab 716 unterschiedlich exprimierte Gene (133 hoch-, 583 herunterreguliert) mit Anreicherung in oxidativer Phosphorylierung (p = 0,42 × 10⁻⁷), Proteinexport, Steroidbiosynthese und Proteinverarbeitung im endoplasmatischen Retikulum. Mitochondriale Gene für Untereinheiten des Komplexes I der Atmungskette (MT-ND1, MT-ND2, MT-ND4, MT-ND4L, MT-ND5) waren vermindert, ebenso Meiose-Gene (Smc1b, Smc3, Smc4, Smc5, Smc6, Sycp1, Sycp2, Sycp3), Crisp2 (1440 ± 84,26 gegenüber 870,6 ± 54,38 FPKM; p < 0,01) und Ggnbp2 (164,90 ± 19,43 gegenüber 77,39 ± 4,62 FPKM; p < 0,01). Die Expressionsmarker für Leydig- und Sertoli-Zellen sowie Spermatogonien (Hsd3b1, Rhox5, Sohlh1) blieben unverändert; betroffen waren Spermatozyten und Spermatiden.

Die Autoren deuten dies so, dass Endotoxämie, Nebenhodenentzündung und gestörte Genexpression im Hoden die Phänotypen verursachten; sie räumen ein, dass offen bleibt, ob die lokale Darmentzündung selbst zum Spermatogenesedefekt beitrug, und dass die Stuhlübertragung die Schleimhautflora nicht erfasse (daher die Wiederholung alle zwei Tage) [s097]. Die Studie enthält außerdem Humandaten (n = 60 Stuhlproben von gesunden Spendern und Patienten mit Astheno-, Oligo- und Teratozoospermie): Die kombinierte Häufigkeit von Bacteroides und Prevotella korrelierte stark negativ mit der Spermienmotilität, und die Häufigkeit von Bacteroides korrelierte positiv mit dem Endotoxinspiegel im Blut. Für Prevotella copri zeigte die Gesamtgruppe nur einen nicht signifikanten negativen Trend; in der Untergruppe mit P.-copri-Anteil über 15 % (n = 20) lag eine negative Korrelation vor (r = −0,56; p = 0,011), in der Untergruppe unter 3 % (n = 40) nicht [s097]. Die Humankorrelation ist also nachträglich in einer Untergruppe gefunden und an 60 Proben gewonnen.

**Alginat-Oligosaccharid-modulierte Mikrobiota (Hao und Kollegen, Microbiology Spectrum 2022).** Die Stuhltransplantation aus Tieren mit durch Alginat-Oligosaccharid verbesserter Mikrobiota (A10-FMT) milderte die durch fettreiche Kost verminderte Samenqualität: Spermienkonzentration 286,1 ± 14,1 gegenüber 217,9 ± 17,4 Mio./ml, Motilität 40,1 ± 0,7 gegenüber 29,0 ± 0,9 %, Trächtigkeitsrate 87,4 ± 1,1 gegenüber 70,2 ± 6,1 %. Bacteroides stiegen dabei an (Kolon 24,9 ± 1,1 gegenüber 8,3 ± 0,6 %; Zäkum 10,2 ± 0,7 gegenüber 3,6 ± 0,7 %), Mucispirillum sanken. Als Mechanismus beschreiben die Autoren eine über die Leber vermittelte Veränderung des Lipidstoffwechsels mit mehr n-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure im Blut 55,5 ± 18,7 gegenüber 20,3 ± 2,4; Docosahexaensäure im Hoden 121,2 ± 6,2 gegenüber 89,4 ± 6,7; Einheiten im Abstract nicht angegeben) und eine Verbesserung des Hodenmikromilieus [s078]. Bemerkenswert ist der Gegensatz zu Ding: Bacteroides gelten dort als Teil der schädigenden Dysbiose, steigen hier aber unter der günstigen Intervention an. Der Befund unterstreicht, dass Gattungsnamen allein keine Richtung des Effekts tragen.

**Keimfreie Mäuse (Al-Asmakh und Kollegen, PLoS One 2014).** Bei keimfreien Mäusen war die Lumenbildung in den Hodenkanälchen am 16. Tag nach der Geburt verzögert, und die Durchlässigkeit der Blut-Hoden-Schranke (Evans-Blau-Perfusion) war erhöht; Occludin, ZO-2 und E-Cadherin waren vermindert, was auf eine mikrobiell regulierte Zell-Zell-Adhäsion hindeutet. Die Besiedlung keimfreier Tiere mit Clostridium tyrobutyricum, das viel Butyrat bildet, stellte die Schrankenintegrität und die Adhäsionsproteine wieder her. Zudem hatten keimfreie Mäuse niedrigere Serumspiegel von LH und FSH und weniger intratestikuläres Testosteron als SPF-Tiere oder mit C. tyrobutyricum besiedelte Tiere [s114]. Das ist der klarste Beleg dafür, dass das Mikrobiom in diesem Tiermodell die Reifung und Dichtigkeit der Blut-Hoden-Schranke mitgestaltet; eine Folgerung für erwachsene Männer mit normaler Darmflora ist damit nicht verbunden.

**Polyaminstoffwechsel (Zhao und Kollegen, Microbiome 2021).** Im Modell der Triptolid-induzierten Hodenschädigung bei Mäusen führte der Wirkstoff zu einem Spermin-Mangel durch gestörte Polyaminsynthese und -aufnahme im Hoden und zu einer Störung der Darmflora. Zugeführtes Spermin kehrte die Hodenfunktionsstörung um (höhere Expression von Genen früher und später spermatogenetischer Ereignisse, mehr Nachkommen). Der Verlust der Darmflora durch Antibiotika senkte den Sperminspiegel im Darm und verstärkte die Hodenschädigung; die Funktionsstörung ließ sich durch Stuhltransplantation von unbehandelten Mäusen und durch Gabe des polyaminbildenden Parabacteroides distasonis umkehren. Der Schutz durch Spermin hing weitgehend von der Hochregulation von Hitzeschockproteinen der HSP70-Familie ab [s094].

**Chronischer Stress (Zheng und Kollegen, Nature Communications 2026).** Im Rattenmodell des chronischen Zwangsschwimmstresses aktiviert der Stress die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse und erhöht Corticosteron. Das überschüssige Glukokortikoid beeinträchtigt über den Glukokortikoidrezeptor die Darmbarriere; es folgen eine Verarmung an Lactobacillus und gestörter Stoffwechsel der Vitamine A und E, danach eine Hochregulation von Sting1; im Nebenhoden ist Slc9c2 herunterreguliert, was die verminderte Spermienmotilität erklären soll. Die Wiederherstellung von Lactobacillus und die Gabe der Vitamine A und E milderten den Phänotyp; die genetische Beeinflussung von Sting1 und Slc9c2 bei vitamingefütterten Tieren sprach für die Beteiligung dieser Achse [s031]. Die Autoren bezeichnen die Oligoasthenozoospermie als Mehrsystemerkrankung mit Fehlsteuerung der Achse Darmmikrobiom, Stoffwechsel, Hoden und Nebenhoden. Das Ergebnis verknüpft Neuroendokrinologie, Darmbarriere und Lactobacillus und ist ein Beispiel dafür, dass in diesem Tiermodell ein Lactobacillus-Verlust schädlich wirkt, nicht ein Überschuss.

**Busulfan-Modell und Kurzkettenfettsäuren (Yao und Kollegen, 2026).** Im Mausmodell der Busulfan-induzierten nichtobstruktiven Azoospermie mit normalem FSH waren die Darmbakterien Bacteroidales und Muribaculaceae vermindert; die Stuhltransplantation stellte diese Populationen wieder her, verbesserte die Hodenfunktion und erhöhte Proteine für Proliferation (PCNA, PGK2), Blut-Hoden-Schranke (ZO-1, Claudin-11) und Steroidbildung (StAR, CYP17A1; p < 0,05). Die Autoren sehen Kurzkettenfettsäuren im Serum als chemische Botenstoffe, die direkt mit der Erholung der Schrankenproteine und Steroidenzyme korrelierten [s027].

**Weitere Tiermodelle.** Lactobacillus plantarum TW1-1 linderte bei mit dem Weichmacher DEHP belasteten Mäusen die Hodenschädigung: höheres Serumtestosteron, bessere Samenqualität, weniger Entzündungsfaktoren (TNF-α, IL-1β, IL-6), geringere Darmdurchlässigkeit und niedrigerer Serum-LPS-Spiegel; das Verhältnis von Firmicutes zu Bacteroidetes fiel unter DEHP von 0,28 auf 0,13 und wurde durch die Behandlung wiederhergestellt [s103]. Ein Probiotikagemisch verbesserte nach der französischen Auswertung bei Bisphenol-A-belasteten Mäusen Darmmikrobiota und Spermatogenese (Vitamin-D-Stoffwechsel, Darmbarriere, Struktur der Hodenkanälchen) [s059]. Ein Oligosaccharid aus Morinda officinalis verbesserte bei Mäusen dosisabhängig die Spermienmotilität und reicherte Anaerococcus an (über den IGF-1/PI3K/mTOR-Signalweg) [s039]. Eine Übersicht fasst zusammen, dass Dysbiose über Störungen des Vitaminstoffwechsels und verminderte Kurzkettenfettsäuren die Spermatogenese beeinträchtigt [s032].

#### 5.3 Befunde beim Menschen

- **Cao und Kollegen 2023** (Tianjin; 53 Männer: Kontrollen 12, Asthenozoospermie 12, Oligozoospermie 6, schwere Oligo- oder Azoospermie 9, Hyperviskosität 14; 16S von Stuhl, Urin und Samen, 157 Proben): Die Darmflora war vielfältiger als Urin- und Samenflora (p < 0,001). Collinsella war im Darm bei Asthenozoospermie, schwerer Oligo-/Azoospermie und Hyperviskosität vermindert, Bifidobacterium und Blautia bei Asthenozoospermie, Bacteroides bei schwerer Oligo-/Azoospermie erhöht; im Samen war Staphylococcus bei Asthenozoospermie und Hyperviskosität erhöht, im Urin Lactobacillus bei Oligozoospermie und Hyperviskosität vermindert. In den Modellen war Lactobacillus mit Konzentration und Gesamtzahl positiv verbunden, Collinsella mit Konzentration, Gesamtzahl und progressiver Motilität, Bifidobacterium mit der Zahl progressiv beweglicher Spermien; Bacteroides und Prevotella waren negativ mit der Konzentration verbunden. Die Autoren schließen, die Darmflora hänge stärker mit der Spermienqualität zusammen als die Samen- oder Urinflora [s066]. Die Gruppen sind sehr klein (6 bis 14 Männer).
- **Luo und Kollegen 2026** (Chengdu; 19 Männer mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit, 12 fruchtbare Kontrollen; Stuhl-Metagenom): Die Gesamtdiversität war ähnlich, es fanden sich 23 unterschiedliche Spezies, 53 KEGG-Wege und 780 unterschiedliche Metaboliten, bei verminderter Spermienkonzentration und progressiver Motilität [s015].
- **Lu und Kollegen 2025 und 2026** (Chengdu; 40 Männer mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie, 30 fruchtbare Kontrollen): Samenflora und Samenplasma-Metabolom unterschieden sich zwischen den Gruppen; Dialister, Prevotellaceae_NK3B31_group, Lawsonella und Blautia korrelierten mit Metaboliten des Samenplasmas (|r| > 0,6). Ein maschinell gelerntes Modell aus fünf Gattungen erreichte eine AUC von 0,773 (95-%-KI 0,661 bis 0,885); angereichert war der Weg von Glykolyse und Glukoneogenese (p = 6,67 × 10⁻³) [s041, s014]. Das sind explorative Befunde einer Zentrumsstudie ohne externe Validierung.
- **Ding und Kollegen** (siehe oben, n = 60) lieferten die Verbindung Bacteroides, Prevotella, Endotoxin und Motilität [s097].
- **Weitere Humanbefunde im Referat von Ma und Kollegen:** Eine integrierte Analyse von Stuhl-Metagenom und Serum-Metabolom bei Männern mit Asthenozoospermie ergab eine ausgeprägte Verarmung butyratbildender Bakterien und eine systemische Herabregulation von Butyratstoffwechselwegen; bei adipositasbedingter metabolischer Endotoxämie korrelierte das LPS-bindende Protein im Serum positiv mit oxidativen DNA-Schäden der Spermien [s016]. Diese Angaben stammen aus dem Referat der Übersicht, nicht aus den Primärstudien.
- **Magill und MacDonald** nennen Humanbeobachtungen: Bei Männern mit Typ-2-Diabetes unterschieden sich die Arten zwischen Männern mit und ohne niedrigem Testosteron, und Männer mit niedrigem Testosteron hatten mehr opportunistische Keime; eine weitere Studie fand bei erwachsenen Männern einen positiven Zusammenhang zwischen Firmicutes im Darm und Serumtestosteron unabhängig von Alter, BMI und Lipoproteinen [s071].
- **Trimethylaminoxid (TMAO):** Zhang und Kollegen (Biology 2026) beschreiben, dass Darmbakterien Cholin, L-Carnitin und Betain zu Trimethylamin umsetzen, das in der Leber vor allem durch die Flavin-haltige Monooxygenase 3 zu TMAO oxidiert wird. Humane Beobachtungsstudien verknüpften TMAO mit Asthenozoospermie und mit Leydig-Zell-Markern (insbesondere INSL3), Mausstudien deuteten auf Hodenschädigung und verminderte Spermatogenese nach TMAO-bezogener Exposition. Der Hippo/YAP-Mitochondrien-StAR-Weg wird als mögliche Erklärung vorgeschlagen, aber direkte Exposition des Genitaltrakts, die Kinetik an der Blut-Hoden-Schranke und die humane Bestätigung seien ungeklärt. TMAO sei als Kandidat für einen Stoffwechselvermittler, nicht als bewiesene Ursache oder Therapieziel zu betrachten [s030].

#### 5.4 Einwände

- **Richtungswidersprüche auf Gattungsebene.** Bacteroides und Prevotella sind bei Ding und Cao schädlich assoziiert, Bacteroides steigen bei Hao unter einer günstigen Intervention; Lactobacillus nimmt bei Ding unter schädlicher Transplantation zu, fehlt aber bei Zheng als Schutzfaktor. Die Achse verlangt daher eine funktionelle, nicht taxonomische Beschreibung, wie auch Kaltsas betont [s009].
- **Modellmäßige Distanz.** Fettreiche Kost, Triptolid, Busulfan, DEHP, Bisphenol A oder chronischer Zwangsschwimmstress sind starke, definierte Eingriffe; sie bilden nicht ab, was im durchschnittlichen unfruchtbaren Mann mit idiopathischem Befund geschieht. Die humane Datenlage ist korrelativ und stammt aus kleinen Gruppen.
- **Zeitlichkeit.** Ding übertrug die Mikrobiota über 15 Wochen fortlaufend; bei den Humanstudien fehlt jede Längsschnittbeobachtung.
- **Methodenkritik der Tiermodelle (Ma und Kollegen 2026).** Bei ökologischen Störungsmodellen sehen die Autoren als Hauptrisiken die Koprophagie (Mäuse tauschen über das Fressen von Kot laufend Mikroben aus, was einer unkontrollierten „Stuhltransplantation innerhalb der Gruppe“ gleichkommt und Gruppenunterschiede angleichen kann), Käfigeffekte (sie können stärker sein als die Intervention, wenn nicht auf Käfigebene randomisiert wird; viele Studien berichten Haltung und Tierzahl pro Käfig nicht), metabolische Begleiterkrankungen in Protokollen mit fettinduzierter Adipositas und die direkte pharmakologische Toxizität darmentleerender Antibiotikagemische (mit möglichen Effekten auf Steroidwege, Redoxregulation und die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse). Als Rahmen für den Weg von der biologischen Kapazität zum ätiologischen Gewicht schlagen sie drei Kriterien vor (endogener Signalursprung, pathomimetisches Expositionsprofil, attributive Exklusivität) sowie eine Mindestberichtsliste (MIGTARS) [s016]. Nach meiner Einordnung betrifft diese Kritik mehrere hier berichtete Modelle, etwa fettreiche Kost, Antibiotika und Toxine.

#### 5.5 Einstufung

Dass eine veränderte Darmflora im Tier Spermatogenese und Motilität verschlechtern oder verbessern kann und dass dabei Endotoxin, Entzündung des Nebenhodens, Blut-Hoden-Schranke und Metaboliten eine Rolle spielen können, ist experimentell gezeigt (Stufe A). Dass Darmbakterien beim Menschen mit Spermienparametern zusammenhängen, ist in kleinen Querschnittsstudien beschrieben (Stufe B). Dass dieser Weg beim Mann Unfruchtbarkeit verursacht und durch Eingriffe in das Mikrobiom therapierbar ist, wird in den Quellen als Möglichkeit formuliert, aber nicht belegt (Stufe C). Über die Rolle von TMAO beim Menschen lässt sich nur spekulativ sprechen (Stufe D).

### 6. Hormonelle Wege

**Belegstärke: Stufe A in Zellkultur und Tiermodell, Stufe C bis D beim Menschen; die Humandaten sind variabel und überwiegend gering.**

Die Hypothese lautet: Mikrobielle Signale (Endotoxin, Zytokine, Metaboliten) beeinflussen die Hormonachse und die Steroidbildung des Hodens und damit die Spermatogenese. Die Übersicht von Kaltsas ordnet diesen Weg selbst als schwächer belegt ein als Entzündung und oxidativen Stress: Die endokrinen Befunde beim Mann seien variabel und typischerweise gering, die detaillierten Mechanismen stammten überwiegend aus Tier- und In-vitro-Studien [s009]. Im Einzelnen:

**Endotoxin und Entzündung gegen die Leydig-Zelle.** Nach der Übersicht von Grande wird bei adipositasassoziiertem Hypogonadismus eine Zunahme von Lipopolysacchariden (LPS) vermutet; LPS senke das Testosteron durch direkte Hemmung der Leydig-Zellen und durch Unterdrückung auf Hypophysenebene, und IL-6 schädige über ERK-MAPK die Tight Junctions der Sertoli-Zellen [s050]. Das stützt sich auf die GELDING-Hypothese (siehe Abschnitt 5) [s009, s071]. In Dings Stuhltransplantationsmodell war die Steroidbiosynthese unter den angereicherten Wegen der Hoden-Transkriptomanalyse (p = 0,00053), die Expression des Leydig-Zell-Markers Hsd3b1 blieb aber unverändert; betroffen waren Spermatozyten und Spermatiden [s097]. Das passt eher zu einer Störung der Keimzellreifung und des Mikromilieus als zu einem Ausfall der Leydig-Zellen.

**Darm und Hodenhormone bei keimfreien und stressbelasteten Tieren.** Keimfreie Mäuse hatten niedrigere Serum-LH- und -FSH-Spiegel und weniger intratestikuläres Testosteron als SPF-Tiere; die Besiedlung mit einem butyratbildenden Clostridium normalisierte die Testosteronspiegel [s114]. Beim chronischen Stress aktiviert die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse über Corticosteron den Weg zu Darmbarrierestörung, Lactobacillus-Verlust und Vitamin-A/E-Mangel (Rattenmodell) [s031]. Lactobacillus plantarum TW1-1 hob bei DEHP-belasteten Mäusen das Serumtestosteron an [s103]. Im Rattenmodell von Harati und Kollegen (fettreiche Kost) sank LH, während das intratestikuläre Testosteron paradoxerweise anstieg; das Präbiotikum-Probiotikum-Gemisch, das von Beginn der Fettkost an gegeben wurde, erhielt die Hodenstruktur, senkte TNF-α und normalisierte das Testosteron teilweise, brachte aber keine signifikante Verbesserung von Spermienparametern oder LH; eine nach fünf Wochen begonnene Gabe brachte keine nennenswerte Besserung und führte in einigen Punkten sogar zu stärkerer Entzündung und strukturellem Abbau als die Fettkost allein [s008]. Das ist ein wichtiger Dämpfer: Der Zeitpunkt des Eingriffs kann entscheiden, und die Wirkung am Hoden ist nicht gleichbedeutend mit einer Wiederherstellung von Funktion.

**Leydig-Zellen in vitro.** In der Leydig-Zelllinie TM3 erhöhten Lacticaseibacillus rhamnosus, Limosilactobacillus fermentum und Bifidobacterium longum subsp. longum die Expression von Proteinen der Testosteronsynthese und die mitochondriale Aktivität gegenüber der Kontrolle [s045]. Das ist ein Zellkulturbefund, der zeigt, dass ein direkter Einfluss auf diese Zellen möglich ist; die Studie nimmt keine Aussage über den Menschen vor.

**Über Darmhormone.** Magill und MacDonald beschreiben, bakterielle Fermentation bilde Kurzkettenfettsäuren, die Darmhormone wie GLP-1 und Peptid YY freisetzen; GLP-1-Agonisten steigerten das Serumtestosteron bei diabetischen und adipösen Patienten und verbesserten Spermienstoffwechsel und Motilität; die Gabe von PYY hemme bei männlichen Ratten die GnRH-Sekretion. Zudem erzeuge die Darmflora selbst Androgene, sodass Veränderungen den intestinalen und androgenen Stoffwechsel modulieren könnten [s071]. Dies sind Referate von Befunden anderer Gruppen (teils aus Tier- und Diabetesstudien); als Mechanismus beim fruchtbarkeitsgestörten Mann ist es nicht belegt (Stufe D).

**Humane Daten.** 

- **Maretti und Cavallini 2017** (Italien; 41 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie, 20 Verum, 21 Stärke-Kontrolle; Lactobacillus paracasei B21060 plus Präbiotika, 6 Monate): Im Verum-Arm verbesserten sich neben den Samenparametern auch FSH, LH und Testosteron (p < 0,01), nicht aber Östradiol und Prolaktin; der Vergleich war ein Vorher-Nachher-Vergleich innerhalb der Gruppen mit Wilcoxon-Test, und die Kontrollgruppe blieb bei den meisten Parametern unverändert [s111]. Die Autoren der Metaanalyse von Prihadi referieren in ihrer Diskussion eine mögliche Beteiligung von Kisspeptin [s020]. Eine direkte Prüfung dieses Wegs liegt nicht vor (Stufe D). Der Befund ist, wie die italienische Auswertung selbst anmerkt, für ein Probiotikum bemerkenswert und bedarf einer unabhängigen Replikation.
- **Helli und Kollegen 2022** (Iran) hatten im Titel Sexualhormone als Zielgrößen; die Studie wurde 2026 zurückgezogen, der Grund wurde in den Quellen nicht benannt [s079, s021]. Hormonbefunde daraus werden hier nicht als Beleg verwendet.
- **Faniev und Kollegen 2024** (Hodengewebe von 33 Männern mit Azoospermie, 21 nichtobstruktiv, 12 obstruktiv): Bei nichtobstruktiver Azoospermie waren Testosteron erniedrigt sowie FSH und LH erhöht; Inhibin B korrelierte negativ mit FSH (r = −0,678; p < 0,05) und LH (r = −0,645; p < 0,05) [s060]. Bei 24 Männern mit obstruktiver Azoospermie in Kinderwunschbehandlung (13 Schwangerschaften, 11 ohne) ergab sich zudem eine Korrelation von Inhibin B mit der Mikrobiotazusammensetzung im Hodengewebe [s046]. Inhibin B ist ein Sertoli-Zell-Marker; die Korrelation sagt nichts über die Richtung der Wirkung.
- **Yao und Kollegen 2026:** Das Serumverhältnis AMH/INH-B sagte bei 58 Männern mit nichtobstruktiver Azoospermie und normalem FSH den Erfolg der mikrochirurgischen Spermiengewinnung voraus (AUC 0,92; 95-%-KI 0,86 bis 0,98; Grenzwert 0,65; Sensitivität 88,2 %; Spezifität 85,7 %); der Bezug zur Darmflora wurde nur im Mausmodell hergestellt („Bacteroidales“) [s027]. Der Biomarker ist ein klinischer Befund; die mikrobielle Deutung ist Tierdaten entnommen.
- **Magill und MacDonald** nennen die genannten Beobachtungen an Männern mit Typ-2-Diabetes (Testosteron und opportunistische Keime) und den Zusammenhang von Firmicutes im Darm mit dem Serumtestosteron [s071].

**Einstufung.** Dass Darmmikrobiota in Tieren die Gonadotropine, das Hodentestosteron und die Schrankenfunktion beeinflussen und dass einzelne Probiotika Leydig-Zellen in vitro stimulieren können, ist experimentell gezeigt (Stufe A). Beim Menschen sind die Befunde uneinheitlich und gering; die auffälligste Humanbeobachtung (Maretti) stammt aus einer kleinen Studie mit einem Kombinationspräparat und wurde nicht repliziert (Stufe C bis D).

### 7. Stoffwechselprodukte und Metabolite

**Belegstärke: Stufe A für einzelne Metabolitenwege im Tier (Polyamine, Kurzkettenfettsäuren, Fettsäuren), Stufe B für Korrelationen zwischen Taxa und Metaboliten beim Menschen, Stufe C bis D für die Übertragung auf Männer.**

Wenn die Zusammensetzung der Gemeinschaft allein wenig erklärt, rücken ihre Stoffwechselprodukte in den Vordergrund. Kaltsas betont, die Funktion sei wichtiger als die Taxonomie [s009]; Magill und MacDonald weisen darauf hin, dass trotz unterschiedlicher Zusammensetzung verschiedene Gemeinschaften dieselben Funktionen und Metaboliten hervorbringen könnten, die Funktion also wichtiger sein könnte als die Taxonomie [s071]. Folgende Metabolitenwege werden in den Quellen genannt:

- **S-Adenosylmethionin-Zyklus (SAM):** Lundy und Kollegen fanden im Metagenom von Samen und Urin unfruchtbarer Männer eine Überrepräsentation des SAM-Zyklus, der im Samen Pseudomonas-dominierter Proben auffiel. SAM ist der universelle Methyldonor, reguliert über Glutathion den oxidativen Stress und speist über die Aminopropylierung die Polyaminsynthese (Spermidin) [s092, s050, s071]. Welcher dieser Teilprozesse zur Unfruchtbarkeit beiträgt, ist nach Grande ungeklärt; die Lundy-Studie war ein Pilot [s092, s050].
- **Urocanat:** Baud und Kollegen 2024 (Infertile Paare; Mikrobiotaprofilierung mit Metabolomik) fanden, dass unterschiedliche Mikrobiotaprofile nicht zu global verschiedenen Samenplasma-Metabolomen führten, dass aber einzelne Metaboliten bei dysbiotischer Mikrobiota zunahmen. Urocanat war in abnormalen Samenproben signifikant erhöht (adjustierter p-Wert < 0,001) und in Prevotella-dominierten Proben angereichert (p < 0,05). Die Autoren vermuten eine immunmodulatorische Wirkung (Urocanat); als dominierende Metabolitengruppen im Samenplasma nennen sie Aminosäuren und Acylcarnitine [s047]. Dies ist zugleich eine Antwort auf die Frage, wie Bakterien die Spermienumgebung verändern könnten, ohne die Gesamtchemie zu verändern; die immunmodulatorische Rolle von Urocanat im Samen ist eine Vermutung der Autoren (Stufe D).
- **Polyamine:** Im Mausmodell von Zhao führte Spermin-Mangel zur Hodenschädigung, die durch Spermin, Stuhltransplantation und polyaminbildendes Parabacteroides distasonis umkehrbar war; die Wirkung hing von HSP70 ab [s094]. Lundys SAM-Befund würde dazu passen, die Verbindung beim Menschen ist aber nur eine Hypothese.
- **Kurzkettenfettsäuren und Butyrat:** In keimfreien Mäusen stellte ein butyratbildendes Clostridium die Blut-Hoden-Schranke wieder her [s114]; im Busulfan-Modell erhöhte die Stuhltransplantation Serum-Kurzkettenfettsäuren, die mit der Erholung von Schrankenproteinen und Steroidenzymen korrelierten [s027]. Kaltsas beschreibt zudem, dass Kurzkettenfettsäuren die Histonacetylierung beeinflussen (siehe Abschnitt 8) [s009].
- **n-3-Fettsäuren:** Die Hao-Studie verband eine günstig modulierte Darmflora über die Leber mit mehr n-3-Fettsäuren im Blut und Hoden [s078].
- **Vitamine A und E:** Im Zheng-Modell wurde der Vitaminstoffwechsel als Zwischenglied zwischen Lactobacillus-Verlust und Sting1/Slc9c2-Veränderung beschrieben [s031].
- **TMAO:** Als Kandidatenvermittler diskutiert, nicht belegt [s030].
- **Samenplasma-Metabolom beim Menschen:** Lu und Kollegen fanden eine charakteristische Stoffwechselstörung im Samenplasma von Männern mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie (Aminosäure- und Kohlenhydratstoffwechsel) und Korrelationen (|r| > 0,6) zwischen Gattungen und Metaboliten, das Modell aus fünf Gattungen erreichte eine AUC von 0,773 [s041, s014]. Diese Beziehungen sind korrelativ, mit kleiner Fallzahl (40 gegenüber 30) und ohne externe Validierung.
- **Weitere Hinweise:** Luo und Kollegen beschrieben im Stuhl-Metagenom 780 unterschiedliche Metaboliten (n = 19 gegenüber 12) [s015].

Gemeinsam ist diesen Wegen, dass sie gut zur Idee „Mikrobiom verändert die chemische Umgebung der Keimzellen“ passen. Es gibt aber keine Studie, die beim Mann zeigt, dass die Veränderung eines dieser Metaboliten durch die Flora die Spermienparameter verändert; die kausale Prüfung erfolgte bisher nur im Tier.

### 8. Epigenetische Wege und Chromatin

**Belegstärke: Stufe D für den Menschen, Stufe A bis C in einzelnen Tiermodellen.**

Dieser Weg ist am dünnsten belegt. Kaltsas und Kollegen formulieren ihn in der Übersicht ausdrücklich als Hypothese [s009]: Jenseits der oxidativ vermittelten DNA-Fragmentierung könne Dysbiose die epigenetische Regulation der Spermien beeinflussen, aber direkte Humanbelege für eine Verbindung zwischen Mikrobiomeigenschaften und epigenetischen Spermienmarkern seien begrenzt, und die mechanistische Stützung stamme meist aus Tier- oder Ex-vivo-Studien. Die Begründung läuft über den Ein-Kohlenstoff-Stoffwechsel: Darmbakterien beeinflussen über B-Vitamine und Folat die Methylierungskapazität, tragen zum Methioninzyklus und zur Bildung des Methyldonors S-Adenosylmethionin bei, und Kurzkettenfettsäuren beeinflussen die Histonacetylierung. Eine dysbiotische Darmflora könne daher theoretisch die Methyldonorverfügbarkeit senken oder toxische Zwischenprodukte wie Homocystein erhöhen und so zu fehlerhafter DNA- oder Histonmethylierung in Keimzellen führen [s009]. Beim Menschen seien aberrante Spermien-DNA-Methylierung und gestörte Chromatinverpackung mit Unfruchtbarkeit und ungünstiger Embryoentwicklung assoziiert [s009].

Die tierexperimentelle Ergänzung betrifft kleine nichtkodierende RNAs: Bei Mäusen erhöhe fettreiche Kost bestimmte tRNA-Fragmente und PIWI-interagierende RNAs in den Spermien, und die Mikroinjektion dieser tRNA-Fragmente in Kontrollzygoten rekapituliere teilweise Stoffwechselphänotypen der Nachkommen. Veränderungen der Spermien-sncRNA-Fracht mit Wirkung auf die Nachkommen seien bisher nur im Tiermodell gezeigt, aberrante DNA-Methylierung und Chromatinverpackungsdefekte dagegen auch bei unfruchtbaren Männern [s009]. Die Hypothese der Autoren: Chronische mikrobiombezogene Stressoren hinterlassen über Entzündung und oxidativen Stress einen epigenetischen Abdruck auf den Spermien; ob Dysbiose diese Veränderungen beim Mann direkt auslöst, sei offen. Dieselbe Übersicht fasst die intergenerationelle Hypothese ebenso zurückhaltend: Im Tiermodell sind Störungen des väterlichen Darmmikrobioms vor der Paarung mit ungünstigen Nachkommenergebnissen verbunden, die sich durch Wiederherstellung des Mikrobioms abmildern lassen; die Humandaten reichten für keine klinische Empfehlung aus, dies bleibe hypothesengenerierend [s009]. Auch die Arbeit von Ding und Kollegen wies in der Einleitung darauf hin, dass fettreiche Kost zu epigenetischen Störungen der Spermien führen kann und dass väterlich vererbte Spermien-tsRNAs bei den Nachkommen Stoffwechselstörungen auslösen können [s097].

Konkrete experimentelle Anhaltspunkte liefern zwei Arbeiten:

- **Tas und Kollegen 2026** (Ratte; Streptozotocin-induzierter Typ-1-Diabetes; Lacticaseibacillus rhamnosus GG lebend oder inaktiviert): Diabetes verminderte Körper- und Hodengewicht und Spermienmotilität, beeinträchtigte die Hodenhistologie, senkte DNA-Methyltransferasen (DNMT1, DNMT3A, DNMT3B) und 5-Methylcytosin im Hoden, steigerte Apoptose und oxidativen Stress und senkte das Testosteron; die Probiotika- und Paraprobiotika-Gruppen zeigten verbesserte Gewichte und Motilität. Es ist nach Angabe der Autoren die erste Beschreibung des Effekts von LGG auf die Hodenmethylierung im Diabetesmodell [s025]. Das Abstract gibt keine Effektzahlen an, ein direkter Zusammenhang zwischen den Methylierungsänderungen und der Motilitätsverbesserung wird nicht belegt. Zusätzlich zeigt der Befund, dass auch inaktivierte Bakterien wirksam waren, was gegen eine zwingende Besiedlung als Voraussetzung spricht.
- **Schutz der Chromatinstruktur:** Garcia-Segura fanden Zusammenhänge einzelner Gattungen mit verminderter Protaminierung und Doppelstrangbrüchen (siehe Abschnitt 4) [s077]. Chromatinverpackung ist ein epigenetisch relevanter Zustand, die Studie prüfte aber keine Methylierungsmarker.

**Einstufung.** Der epigenetische Weg ist biologisch plausibel (über SAM, B-Vitamine, Kurzkettenfettsäuren), im Tier in Ansätzen gezeigt, beim Menschen aber nicht direkt untersucht (Stufe D). Er sollte in keiner Argumentation als belegter Wirkweg dargestellt werden.

### 9. Hoden, Nebenhoden und lokale Immunität

**Belegstärke: Stufe B (kleine Querschnittsstudien am Hodengewebe), Stufe C bis D für Kausalrichtung und Mechanismus.**

Wenn Bakterien im Hoden selbst leben, wäre ein lokaler Mechanismus am einfachsten. Die Belege hierfür sind spärlich und methodisch anfällig.

**Hodengewebe.** Alfano und Kollegen (Mailand, Human Reproduction 2018) untersuchten 15 Hoden: 5 Männer mit idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie (iNOA) ohne Spermiennachweis bei der Mikro-TESE, 5 mit iNOA und Spermiennachweis, 5 normozoosperme Männer nach Orchiektomie (Ultratief-Pyrosequenzierung und digitale Tröpfchen-PCR für die Bakterienlast). Normozoosperme hatten geringe Bakterienmengen mit Actinobacteria, Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria als dominanten Phyla. Die iNOA-Proben enthielten mehr bakterielle DNA (P = 0,02) bei verminderter taxonomischer Reichhaltigkeit durch Fehlen von Bacteroidetes und Proteobacteria (P = 2 × 10⁻⁵). Proben ohne Spermiennachweis hatten eine vollständige Keimzellaplasie und eine weitere Verminderung von Firmicutes und Clostridia (P < 0,05), keinen Peptoniphilus asaccharolyticus und mehr Actinobacteria. Die Autoren warnen, die kleine Probenzahl erfordere externe Bestätigung, und das paraneoplastische Mikromilieu der entfernten Hoden könne die Befunde beeinflussen [s104]. Die Übersichten von Neto und Grande ergänzen, dass 50 bis 70 % der bakteriellen Reads in Hodenproben Kontamination sein könnten [s054, s050].

**Russische Hodengewebsserie.** Die Gruppe um Faniev untersuchte mit Mikro-TESE gewonnenes Hodengewebe und parallel die Harnröhre (als Kontrolle der Methodenreinheit) mit 16S-Sequenzierung. In der Serie von 57 Patienten (29 nichtobstruktive Azoospermie, 19 obstruktive Azoospermie, 9 fruchtbare Männer) waren Diversitätsindizes (Chao1, Shannon, Simpson) und Zahl der taxonomischen Einheiten im Hoden bei beiden Azoospermieformen signifikant niedriger als bei Fruchtbaren; bei nichtobstruktiver Azoospermie waren Proteobacteria erhöht, bei Fruchtbaren Firmicutes und Bacteroidetes; die Harnröhrenmikrobiota unterschied sich nicht zwischen den Gruppen [s062]. In einer zweiten Arbeit (53 Patienten) war die Hodenflora bei obstruktiver Azoospermie im Vergleich zu nichtobstruktiver Azoospermie mit Varikozele deutlich verarmt, und die Gruppe fruchtbarer Männer war am vielfältigsten; als Kontrollen dienten Männer mit nachgewiesener Vaterschaft, bei denen die Biopsie zum Ausschluss von Keimzelltumoren erfolgte, also keine gesunden Freiwilligen [s061]. In einer dritten Arbeit (33 Patienten, 21 nichtobstruktiv, 12 obstruktiv) unterschied sich die Flora signifikant zwischen den Formen (p < 0,05); bei nichtobstruktiver Azoospermie fanden sich signifikant häufiger unter anderem Enterobacteriaceae, Xanthomonadaceae, Finegoldia, Bifidobacterium, Porphyromonas, Prevotella, Peptoniphilus und Pseudomonas, bei obstruktiver Azoospermie war Prevotella selten und die Gesamtzahl der Taxa niedriger [s060]. Die vierte Arbeit (24 Männer mit obstruktiver Azoospermie in Kinderwunschbehandlung) fand keine signifikanten Unterschiede der α-Diversität zwischen Männern mit und ohne Schwangerschaft (Shannon-Index im Hoden 4,7 ± 1,7 gegenüber 4,1 ± 1,2), aber bei den Männern ohne Schwangerschaft eine signifikant höhere relative Häufigkeit von 19 und eine niedrigere von 2 Familien (Mycobacteriales und Legionellaceae); die Autoren sprechen von einer möglichen „Mikrobiota der Hodenfruchtbarkeit“, was eine Hypothese bei n = 24 ohne sichtbare Adjustierung auf Störgrößen ist [s046]. Kadyrov und Kollegen halten in einer Literaturübersicht (48 von 167 Quellen) fest, dass menschliches Hodengewebe eigene Mikrobenpopulationen enthält und nicht mikrobiologisch steril ist [s069]; konkrete Taxonamen aus dieser Übersicht werden hier nicht verwendet, weil der Volltext in der Auswertung fehlerhafte Gattungsnamen enthielt.

**Weitere Hinweise auf einen genitalen Ursprung.** Lundy und Kollegen beobachteten, dass die Vasektomie das Samenmikrobiom zu verändern schien, was auf einen Beitrag von Hoden oder Nebenhoden hindeute [s092]. Campbell und Kollegen (14 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie, 19 fruchtbare Kontrollen) fanden ähnliche α-Diversität, aber unterschiedliche β-Diversität, mit unterrepräsentierten Proteobacteria und Firmicutes sowie überrepräsentierten Actinobacteriota bei Azoospermie [s065]. In der griechischen Pilotstudie von Vougiouklaki und Kollegen (80 Samenproben: 48 normozoosperm, 32 mit Abweichungen; Nanopore-Sequenzierung des vollständigen 16S-Gens und ITS) dominierte in normozoospermen Proben das Phylum Bacillota (64,13 %), in Proben mit Abweichungen nur 2,32 %, bei Anreicherung von Campylobacterota (10,82 %); Pilz-DNA war in keiner Probe nachweisbar [s026].

**Mastzellen und Immunmilieu im Hoden.** Faniev und Kollegen fanden in den Biopsien von 33 Männern mit Azoospermie eine Mastozytose im Interstitium in rund 83 %, Mastzellen in den Kanälchen in 68 % und vollständige Abwesenheit nur bei 32 %. Bei nichtobstruktiver Azoospermie korrelierten Mastzellen in den Kanälchen positiv mit Bifidobacterium (r = 0,710; p < 0,05) und Dermabacter (r = 0,527), bei obstruktiver Azoospermie mit Cloacibacterium (r = 0,961), Propionibacterium (r = 0,665), Collinsella (r = 0,665), Porphyromonas (r = 0,647) und Staphylococcaceae (r = 0,632; alle p < 0,05) [s060]. Die Auswertung weist darauf hin, dass das Vorzeichen bei den Korrelationen der α-Diversität mit Stromamastzellen im Text widersprüchlich angegeben ist (Shannon r = 0,591, Simpson r = 0,680); Kausalität ist nicht belegt [s060]. Das Ergebnis ist ein Hinweis auf eine mögliche Verbindung von Mikrobiom und Immunmilieu, kein Mechanismus.

**Systemische Immunlage der Betroffenen.** Amodio und Kollegen (Nature Communications 2025; Immunphänotypisierung und Einzelzell-RNA-Sequenzierung) beschreiben, dass junge unfruchtbare Männer ein proinflammatorisches Milieu mit vermehrten myeloischen Zellen und Entzündungsmediatoren in Samenflüssigkeit und peripherem Blut haben, wie es sonst bei gesunden älteren Männern vorkommt. Gene der Interferon-γ- und -α-Antwort waren in peripheren T-Zellen von Männern mit Oligoasthenoteratozoospermie oder nichtobstruktiver Azoospermie hochreguliert, mit unterschiedlichen Signaturen von T-Zell-Erschöpfung beziehungsweise Seneszenz [s033]. Die Studie misst das Mikrobiom nicht; sie dient hier nur als Kontext dafür, dass eine immunologische Besonderheit bei unfruchtbaren Männern vorliegt, deren Ursache offen ist.

**Nebenhoden als Angriffspunkt.** In den Tierversuchen führte Endotoxämie nach Stuhltransplantation zu Entzündungsmediatoren im Nebenhodenkopf (IL-1β, CXCL-10, MCP-1, NF-κB-p65), also an dem Ort, an dem Spermien reifen und Motilität erwerben [s097]. Im Zheng-Modell war Slc9c2 im Nebenhoden als Grundlage der verminderten Motilität herunterreguliert [s031]. Beim Menschen gibt es für den Nebenhoden als Wirkort bei idiopathischer Unfruchtbarkeit keine direkte Messung (außer der klassischen Epididymitis, siehe Abschnitt 3).

**Einstufung.** Dass Bakterienmuster in Hodengewebe von Azoospermiepatienten sich von denen Fruchtbarer unterscheiden, ist in kleinen Serien beschrieben (Stufe B), mit zwei Einschränkungen: Die Kontaminationsproblematik ist bei Gewebe nicht ausgeräumt, und die Richtung der Kausalität ist umgekehrt denkbar, weil ein Hoden ohne Keimzellen ein anderes Milieu bietet. Dass die Hodenflora die Spermatogenese steuert, ist eine Hypothese (Stufe D).

### 10. Das Genitalmikrobiom des Paares

**Belegstärke: Stufe B für Paardaten, Stufe A für einzelne Befunde im Tiermodell (Ratte) und in vitro, insgesamt überwiegend Stufe C bis D für den Mechanismus.**

Ein weiterer Weg läuft über die Partnerin: Sperma und Vaginalflora beeinflussen sich wechselseitig, und der Befruchtungserfolg könnte vom Zusammenspiel beider abhängen.

- **Austausch zwischen den Partnern.** Sexuell aktive Paare teilten 56 % der vorherrschenden Gattungen; bei Paaren mit positiver Kultur beider Partner teilten 61 % mindestens einen genitalen Erreger [s054]. Die Bakterien bestimmter Vaginose-assoziierter Gattungen (Mycoplasma, Ureaplasma, Sneathia) wurden nur bei sexuell erfahrenen Männern nachgewiesen [s071, s054]. In der Studie von Mändar und Kollegen (2018; 68 gesunde junge Männer) hatten Männer ohne sexuelle Erfahrung eine niedrigere Bakterienkonzentration und Vielfalt in der Samenflora (p < 0,05; Korrelation zwischen beiden Maßen r = 0,54) [s107]. Kuribayashi und Kollegen sprechen von rascher und robuster Mikrobiomübertragung zwischen den Partnern, die das Sperma über kurze Zeiträume verändern könne [s011]. Dagegen fanden Baud und Kollegen 2025 (Paare in Kinderwunschbehandlung; Proben von Vagina, Penis, Follikelflüssigkeit und Sperma) nur begrenzte Hinweise auf eine Übertragung zwischen den Partnern und betonen, dass Längsschnittstudien zum Einfluss der sexuellen Aktivität fehlen; die Nischen waren eigenständig, Frauen von Lactobacillus dominiert, Männer vielfältiger [s035].
- **Samen als Störfaktor der Vaginalflora.** Die große Vielfalt der Samenflora im Vergleich zur niedrigen Vielfalt der Vaginalflora könne diese von einem Lactobacillus-dominierten Zustand zu einem Vaginose-ähnlichen verschieben; das ändere Zytokinprofile, Immunogenität, Einnistung und frühe Embryonalentwicklung bis hin zu Fehlgeburten [s036]. Bei Mändar und Kollegen (23 Paare) überwog bei der Hälfte der Partnerinnen von Männern mit Leukozytospermie Gardnerella vaginalis [s113]. Antonio und Kollegen (2009) fanden, dass die Besiedlung der Vagina mit Lactobacillus crispatus CTV-05 durch Geschlechtsverkehr und damit Samenexposition abnahm (ungeschützt: OR 75,5; 95-%-KI 6,9 bis 820,6); das zeigt, dass Sperma die Vaginalflora beeinflussen kann, sagt aber nichts über die männliche Fruchtbarkeit [s119].
- **Paarkonstellation und Behandlungserfolg.** Koort und Kollegen (97 Paare in assistierter Reproduktion, 12 gesunde Paare) fanden, dass Männer mit Acinetobacter-assoziierter Samenflora, die schon Kinder hatten, die höchste Erfolgsrate hatten (P < 0,05), dass Frauen mit bakterieller Vaginose oder Lactobacillus-iners- beziehungsweise L.-gasseri-dominierter Flora eine niedrigere Erfolgsrate hatten als Frauen mit L.-crispatus-dominierter oder gemischter Milchsäurebakterienflora (P < 0,05), und dass die 15 Paare mit günstigen Typen bei beiden Partnern eine Erfolgsrate von 53 % gegenüber 25 % bei den übrigen erreichten (P = 0,023) [s070]. Bei Amato und Kollegen (23 Paare, Insemination) war dagegen nur die Vaginalflora (L.-crispatus-Dominanz, P = 0,0002) mit dem Erfolg assoziiert, nicht die Samenflora [s095]. Beide Studien sind klein.
- **Einfluss von Lactobacillus auf Spermien in Tier und Zellkultur.** Li und Kollegen (2021) fanden an der Ratte, dass vaginales Lactobacillus crispatus, zwei weitere getestete Bakterienstämme und E. coli O157:H7 die Spermienmotilität in vitro signifikant hemmten, indem sie die intrazelluläre Kalziumkonzentration beeinflussten, und stark an Spermien hafteten; anhaftende Bakterien verminderten alle Bewegungsparameter signifikant (Gesamtmotilität unter 40 %, progressive Motilität unter 30 %, lineare Geschwindigkeit unter 40 µm/s). In vivo senkten L. crispatus und die anderen Bakterien die Trächtigkeitsraten deutlich, wobei L. crispatus Vorteile für mütterliche Gesundheit und Nachkommenentwicklung hatte und Entzündungs- und Apoptosefaktoren im Uterus stärker verminderte als die anderen Stämme [s091]. Das ist ein Hinweis, dass „nützlich“ vom Kompartiment abhängt: Dasselbe Bakterium, das die Scheide schützen kann, kann Spermien hemmen.
- **Prostatitis und vaginale Flora.** Saldarriaga López und Kollegen (Kolumbien; 22 Männer mit Prostatitissymptomen, 31 symptomfreie Kontrollen) fanden eine Spermienmorphologie von 4,3 % gegenüber 6,0 % bei den Kontrollen (p = 0,004) und vermuten eine mögliche Schutzwirkung von Organismen der Vaginalflora (L. crispatus, L. iners, G. vaginalis, A. vaginae); das ist eine Hypothese bei kleiner Stichprobe im Querschnitt [s058].

Der Weg ist insofern besonders heikel, als er die Fruchtbarkeit des Paares betrifft und nicht die Spermien des Mannes allein: Eine Verbesserung der Paarergebnisse muss nicht über die Spermienqualität laufen. Das zeigt die Huerga-Studie (Abschnitt 11), in der die Gabe an beide Partner die Schwangerschaftsrate erhöhte, ohne dass die Wirkung dem Mann zuzuordnen wäre [s040].

**Einstufung.** Dass Partner Mikroben austauschen und dass die Vaginalflora den Erfolg assistierter Reproduktion mitbestimmt, ist in kleinen Studien beschrieben (Stufe B), aber nicht konsistent. Dass Samenflora über die Partnerin die Paarfruchtbarkeit senkt, ist plausibel (Stufe C). Dass das bei einer Mehrheit der Paare die entscheidende Ursache ist, ist spekulativ (Stufe D).

### 11. Warum ein Probiotikum wirken könnte: die vorgeschlagenen Wirkwege

**Belegstärke: Stufe A für einzelne Wege im Tier und in der Zelle; beim Menschen höchstens Stufe C, weil kein Probiotikum-Versuch den Mechanismus beim Mann direkt geprüft hat.**

Die klinische Wirksamkeit der Probiotika ist ein eigenes Thema; hier geht es um die Frage, welche Wirkwege in den Quellen vorgeschlagen werden und was sie stützt. Ein methodischer Vorbehalt vorab: Die in den Studien gemessenen Größen sind Spermiogrammparameter und Biomarker, nicht der Mechanismus. Auch die Übersicht von Kaltsas hält fest, dass frühe Studien Verbesserungen eines oder mehrerer WHO-Parameter und eine Senkung oxidativer oder entzündlicher Biomarker berichten (Ersatzzielgrößen), während Schwangerschaften und Lebendgeburten selten berichtet werden und unbewiesen bleiben [s009].

#### 11.1 Antioxidative Wirkung

Der am häufigsten genannte Weg. Oliveira und Kollegen (systematische Übersicht über vier randomisierte Studien) nennen die antioxidativen Eigenschaften der Probiotika und den Schutz der Spermien-DNA vor ROS; als mögliche Wege nennen sie nach der portugiesischsprachigen Auswertung die Chelatbildung von Metallen, eigene antioxidative Enzyme, antioxidative Stoffwechselprodukte und die Modulation von Wirtsenzymen (dort unter Verweis auf eine frühere Arbeit), wobei die Evidenz in den Studien indirekt ist (Gesamtantioxidanskapazität, Malondialdehyd, Lipidperoxidation) [s055]. Prihadi und Kollegen berichten, dass zwei Studien eine Abnahme der DNA-Fragmentierung mit einer Verminderung von Entzündungs- und Oxidationsmarkern erbrachten, und nennen die Bildung von Antioxidanzien und von γ-Aminobuttersäure als hauptsächlich vermuteten Mechanismus [s020]. Die Studien im Einzelnen:

- **Valcarce und Kollegen 2017** (Spanien; 9 asthenozoosperme Männer, unkontrollierte Serie; Lacticaseibacillus rhamnosus CECT8361 und Bifidobacterium longum CECT7347): Motilität etwa sechsfach höher, DNA-Fragmentierung etwa 1,2-fach vermindert, intrazelluläres H₂O₂ etwa 3,5-fach vermindert, Vitalität unverändert [s112]. Ohne Kontrollgruppe und mit neun Männern ist das ein Hinweis, kein Beleg.
- **Abbasi und Kollegen 2021** (Iran; 56 Männer, dreifach verblindet; FamiLact 500 mg gegenüber Placebo, 80 Tage): Konzentration, Motilität und normale Morphologie unter Verum höher (p < 0,05); Lipidperoxidation und DNA-Fragmentierung sanken im Verum-Arm (p ≤ 0,02); im Placebo-Arm sank nur die DNA-Fragmentierung [s085]. Dass auch das Placebo die Fragmentierung senkte, relativiert diesen Teil des Befunds.
- **Helli und Kollegen 2022** (Iran; 52 Männer): berichteten höhere antioxidative Gesamtkapazität im Plasma und niedrigere Malondialdehyd- und Entzündungsmarker; die Arbeit wurde 2026 zurückgezogen [s079, s021]. Die Metaanalyse von Prihadi bezieht dieses Experiment nach Angaben der portugiesisch- und russischsprachigen Auswertungen in die Berechnung ein, sodass die gepoolten Schätzer teilweise auf einer zurückgezogenen Studie beruhen; ob sie nach dem Rückzug aktualisiert wurden, wurde nicht geprüft [s020].
- **Vergleich mit Antioxidanzien:** In der dreiarmigen Studie von Gholipour und Kollegen (110 Männer, dreifach verblindet, 3 Monate) war das Probiotikum dem Antioxidans in Morphologie (p < 0,001) und Motilität (p = 0,009) überlegen; die Zeit-mal-Gruppe-Interaktion war für Konzentration (p = 0,003), Motilität (p < 0,001) und Morphologie (p < 0,001) signifikant, nicht für das Volumen (p = 0,71) [s007]. Das spricht dagegen, dass der Probiotikaeffekt, falls echt, allein antioxidativ erklärt werden kann, weil das reine Antioxidans schlechter abschnitt. Oxidativer Stress wurde in dieser Studie nicht als Mechanismus gemessen. Zum Vergleich: In der Metaanalyse von Melhem und Kollegen (41 randomisierte Studien, 3615 Männer) lagen die Effekte der Antioxidanzien bei SMD 1,09 (95-%-KI 0,10 bis 2,08) für die Konzentration, 1,11 (0,32 bis 1,90) für die progressive Motilität, 0,69 (0,26 bis 1,13) für die Gesamtmotilität und 0,43 (0,05 bis 0,82) für die normale Morphologie, aber die Vorhersageintervalle schlossen für alle Null ein, I² lag über 80 %, und die Sicherheit der Evidenz war sehr niedrig (GRADE) [s017]. Die oxidative Hypothese ist damit auch auf der Antioxidanzienseite nicht gesichert.

#### 11.2 Entzündungs- und Immunmodulation

Huerga López und Kollegen (Spanien; 70 Paare mit ungeklärter Unfruchtbarkeit vor IVF randomisiert, 57 abgeschlossen; 3 × 10⁹ Zellen Ligilactobacillus salivarius CECT5713 täglich oder Placebo) berichteten eine Schwangerschaftsrate von 48,1 % gegenüber 20,0 % (einseitiger Chi-Quadrat-Test, p < 0,024) und, dass die Intervention das immunologische Profil von Vagina und Sperma verbesserte, ohne wesentliche Veränderung der mikrobiellen Zusammensetzung. Im Sperma waren alle gemessenen Mediatoren (IL-2, IL-4, IL-6, IL-8, IL-10, GM-CSF, IFN-γ, TNF-α und TGF-β1) nachweisbar; nach der Intervention bestanden signifikante Gruppenunterschiede bei IL-4, IL-6, IFN-γ, TNF-α und TGF-β1 (laut Abstract dieser Gruppe niedriger im Probiotikaarm bis auf TGF-β1, das um 142 % höher lag); vor der Intervention waren IL-4 und TNF-α im Probiotikaarm leicht höher als im Placeboarm [s040]. Die Studie behandelt Paare, nicht nur Männer, der Test war einseitig, die Schwangerschaftsrate ist nicht der primär mechanistisch geprüfte Parameter, und die Zusammensetzung des Mikrobioms änderte sich nicht, sodass die Wirkung nicht über eine „Umgestaltung der Flora“ gelaufen sein muss. Im Mausmodell senkte L. plantarum TW1-1 Entzündungsfaktoren (TNF-α, IL-1β, IL-6) und Serum-LPS [s103], und L. crispatus verminderte im Rattenuterus Entzündungs- und Apoptosefaktoren [s091]. Die Übersicht von Kaltsas beschreibt die Stärkung epithelialer Tight Junctions, die Bildung von Kurzkettenfettsäuren, die Immunhomöostase und die Begrenzung der Endotoxintranslokation als Barrierewirkung der Probiotika [s009].

#### 11.3 Mitochondrien und Energiestoffwechsel der Spermien

Lee und Kollegen (Int J Mol Sci 2024) behandelten Spermien aus dem Vas deferens von Mäusen in vitro mit Lacticaseibacillus rhamnosus, Limosilactobacillus fermentum und Lacticaseibacillus paracasei; die Motilität stieg um 30 bis 40 % gegenüber unbehandelten Spermien, und die mitochondriale Aktivität nahm über AMPK und SIRT1 zu; alle drei Stämme steigerten die Aktivität mitochondrialer Funktionsproteine [s053]. In der Leydig-Zelllinie TM3 steigerten drei Probiotikastämme mitochondriale Aktivität und Testosteronsynthese-Proteine (siehe Abschnitt 6) [s045]. Dies zeigt in der Zelle einen möglichen direkten Weg, der keine Darmbesiedlung braucht. Er wurde in vitro an Mäusespermien und an einer Zelllinie gezeigt, nicht an menschlichen Spermien.

#### 11.4 Darm-Hoden-Achse und Stoffwechsel

Die Tierstudien im Hundemodell zeigen die Achse in einer weiteren Art. Mahiddine und Kollegen (2022) gaben gesunden normozoospermen Hunden drei kommensale Lactobacillus-Stämme drei Wochen lang: Proteobacteria und Tenericutes nahmen ab, Firmicutes zu; Gesamtmotilität, progressive Motilität und Akrosomintegrität verbesserten sich signifikant, wobei Firmicutes positiv und Proteobacteria negativ mit den Spermienqualitätsparametern korrelierten [s080]. In einer zweiten Studie (2023) mit Lacticaseibacillus rhamnosus über sechs Wochen verbesserten sich kinetische Parameter, Überleben, DNA- und Akrosomintegrität und Morphologie; mRNA von Genen für Fruchtbarkeit, DNA-Reparatur und Antioxidation war hochreguliert, und die Spermienparameter korrelierten positiv mit der relativen Häufigkeit von Actinobacteria, Allobaculum, Phascolarctobacterium und Catenibacterium und negativ mit Faecalibacterium und Streptococcus [s072]. Losacco und Kollegen (2026; 14 gesunde Zuchthunde, Kontrolldiät oder dieselbe Diät plus 400 Milliarden KbE eines Multistamm-Probiotikums über 70 Tage, also einen vollständigen Spermatogenesezyklus) fanden einen signifikanten Anstieg der Spermienkonzentration (p < 0,001), bessere kinetische Parameter, weniger seminale ROS und höhere antioxidative Kapazität [s013]. Inatomi und Otomaru (2018) berichteten bei 180 männlichen Masthühner-Elterntieren, dass ein Probiotikum mit Bacillus amyloliquefaciens TOA5001 über sechs Wochen Darmmorphologie, Darmflora, oxidative Aktivität und Samenmerkmale verbesserte [s106]. Eine Studie am Eber beschreibt Enterobacterales als vorherrschend bei schlechter und Bacteroidales bei guter Samenqualität [s018]. Weitere Studien am Kaninchen, Stier und an der Regenbogenforelle berichten bessere Samenqualität unter Probiotika [s024, s019, s063]; bei der Forelle (48 Männchen, acht Wochen) lagen die höchsten Konzentrations- und Motilitätswerte bei der mittleren Dosis (2 × 10⁹ KbE/kg Futter) und nicht bei der höchsten, was auf eine nichtlineare Dosis-Wirkung hindeutet [s063]. Diese Befunde sind für den Menschen nicht übertragbar.

#### 11.5 Hormone

Siehe Abschnitt 6: Maretti und Kollegen berichteten im Verum-Arm Veränderungen von FSH, LH und Testosteron [s111].

#### 11.6 Stammspezifität, Matrix und Zeitpunkt

Mehrere Befunde sprechen dafür, dass ein Probiotikum nicht als Klasse wirkt:

- **Stammspezifität:** In der Studie am Stier von Ömür und Kollegen (24 Ejakulate von 4 Stieren, Probiotika im Verdünner zur Kryokonservierung, 10⁹ KbE/ml) erhöhten die probiotikabehandelten Gruppen die Gesamt- und progressive Motilität nach dem Auftauen (p < 0,001); Bifidobacterium longum verminderte die Lipidperoxidation, steigerte antioxidative Enzyme und senkte TGF-β und Caspase-3, während Lacticaseibacillus rhamnosus im selben Versuch Malondialdehyd und Apoptosemarker erhöhte (pro-oxidative Wirkung; jeweils p < 0,001) [s019].
- **Zeitpunkt:** Im Rattenmodell von Harati brachte die verspätete Gabe keinen Nutzen und in einzelnen Punkten Nachteile [s008].
- **Lebende gegenüber inaktivierten Bakterien:** In der Diabetes-Studie von Tas wirkten sowohl lebende als auch inaktivierte L. rhamnosus GG [s025]. Das spricht für Wege, die keine Besiedlung benötigen (Zellwandbestandteile, Metabolite).
- **Mischpräparate:** In den Humanstudien enthielten die Präparate häufig Präbiotika und andere Zusätze (bei Maretti Arabinogalactan, Fruktooligosaccharide und L-Glutamin), sodass die Wirkung nicht dem Probiotikum allein zugeordnet werden kann [s111].
- **Flora unverändert:** Bei Huerga López änderte sich die Zusammensetzung nicht [s040], bei Harati stellte das Präparat die Gemeinschaft nicht wieder her [s008].
- **Weitere Humandaten ohne Mechanismus:** Gupte und Kollegen (Preprint, nicht begutachtet; Fallserie mit 8 Männern mit Samendysbiose, 90 Tage) berichteten Verbesserungen von progressiver Motilität, Zahl und Morphologie bei allen Teilnehmern ohne Kontrollgruppe [s037]. Die Zarehoroki-Studie (73 Männer; Synbiotikum plus Sperigen gegenüber Placebo plus Sperigen) liegt nur als Abstract ohne Ergebnisse vor [s028]. Ein Studienprotokoll zu Ernährung und Probiotika bei übergewichtigen Männern hat keine Ergebnisse [s023]. Eine Übersicht zu Probiotika und Spermienparametern (15 Studien, 5 am Menschen, 10 am Tier) nennt als Mechanismen die Senkung systemischen oxidativen Stresses und der Entzündung sowie eine verbesserte Darm-Hoden-Kommunikation, mit großer Heterogenität der Studienarten [s022].

**Einstufung.** Antioxidative, entzündungsmodulierende, mitochondriale und darmvermittelte Wirkungen von Probiotika sind im Tier und in vitro gezeigt (Stufe A). Beim Mann ist keiner dieser Wege durch eine Probiotikastudie direkt belegt; die Humandaten zeigen Veränderungen von Spermiogramm, Biomarkern und (in einer Paarstudie) Samenzytokinen, aber die kausale Verbindung zwischen Mechanismus und Ergebnis wurde nicht geprüft (Stufe C). Stammspezifische pro-oxidative Wirkungen (Ömür), der Rückzug einer Schlüsselstudie (Helli) und die nicht eintretende Floraänderung (Huerga) mahnen zur Zurückhaltung. Eine Therapieempfehlung ergibt sich daraus nicht.

### 12. Laktobazillen als mögliche Schutzflora: Mechanismus und Artebene

**Belegstärke: Stufe C für einen Schutzeffekt im Samen, Stufe A für antioxidative Wirkungen im Reagenzglas, widersprüchlich auf Artebene.**

Das stabilste Muster der Beobachtungsstudien ist, dass Lactobacillus-reiche Samenprofile häufiger mit besseren und Prevotella- oder Pseudomonas-reiche mit schlechteren Werten verbunden sind. Das wirft die Frage auf, welche Mechanismen einen „Schutzeffekt“ tragen könnten.

**Die Datenbasis.** Weng und Kollegen (96 Samenproben unfruchtbarer Paare; 36 normal, 33 mit geringer Qualität, 27 intermediär) fanden drei Cluster: Pseudomonas-dominiert (25 Proben, 20 % normal), Lactobacillus-dominiert (55 Proben, 52,7 % normal) und Prevotella-dominiert (16 Proben, 12,5 % normal). Das Risiko geringer Samenqualität war im Pseudomonas-Cluster 5,2-fach und im Prevotella-Cluster 8,5-fach höher als im Lactobacillus-Cluster (exakter Test nach Fisher, p = 0,0073 beziehungsweise p = 0,00448); 29 von 36 normalen Proben (80,6 %) lagen im Lactobacillus-Cluster. Lactobacillus (24,7 % in normalen Proben) und Gardnerella (6,6 %) waren in normalen Proben signifikant häufiger, Prevotella (11 %) in Proben geringer Qualität [s116]. Die Autoren vermuteten laut französischer Auswertung, Lactobacillus könne dazu beitragen, den negativen Einfluss von Prevotella und Pseudomonas abzuwehren [s116]. Andere Beobachtungsstudien: Baud (Lactobacillus bei normaler Morphologie; Staphylococcus in der Kontrollgruppe) [s101]; Cannarella (Laktobazillenkonzentration und Spermienkonzentration r = 0,42; p < 0,001) [s005]; Mändar (Laktobazillen bei Prostatitis vermindert) [s110]. Die systematische Übersicht von Gomes (7 Studien, 500 Personen) fand Lactobacillus in fünf Studien häufiger bei normospermen Männern und Prevotella in sechs Studien häufiger bei Männern mit verändertem Samen; Ralstonia, Aerococcus und Ureaplasma traten nur bei Männern mit Samenveränderungen auf [s068].

**Vorgeschlagene Mechanismen.** Die Quellen nennen mehrere Möglichkeiten, die sich teilweise überschneiden: Laktobazillen als Gegengewicht gegen Prevotella und Pseudomonas (Weng, als Vermutung) [s116]; Schutz vor ROS bei Besiedlung der Schleimhaut, wie Henkel referiert [s051]; eine entzündungsdämpfende Wirkung (Verhältnis Laktobazillen zu Gesamtbakterien und Leukozyten, r = −0,96 bei Cannarella, nicht repliziert) [s005]; ein günstiger Redox- und DNA-Zustand bei Lactobacillus-reichen Profilen nach Kuribayashi [s011]. Experimentell stützt Henkel die antioxidative Möglichkeit mit einem In-vitro-Modell: Die Vorbehandlung von Spermien mit Lactobacillus brevis, L. salivarius und L. plantarum verbesserte Motilität und Vitalität und verminderte die Lipidperoxidation (gemessen mit BODIPY C11) nach kurzer Exposition gegenüber einer etwa 40-fach höheren Fe²⁺-Konzentration als physiologisch; weil Spermien und Bakterien getrennt waren, wirke der Schutz offenbar über von den Bakterien abgegebene lösliche Antioxidanzien. Henkel schränkt ein, dass die supraphysiologischen Eisenspiegel nicht direkt mit den physiologischen Verhältnissen vergleichbar seien [s051]. Das ist ein Beleg für eine antioxidative Möglichkeit, nicht dafür, dass Laktobazillen im Samen des Mannes diese Wirkung entfalten.

**Gegenbefunde und Artebene.** 

- Osadchiy und Kollegen (Männer in Fruchtbarkeitsabklärung oder zur Vasektomieberatung mit nachgewiesener Vaterschaft; ANCOM-BC): Bei abnormaler Motilität (n = 27) war Lactobacillus iners häufiger als bei normaler Motilität (n = 46): mittlerer Anteil 9,4 % gegenüber 2,6 % (p = 0,046; kanonische Korrelation r = 0,392; p = 0,011). Bei abnormaler Konzentration (n = 20) waren Pseudomonas stutzeri (2,1 % gegenüber 1,0 %; p = 0,024) und Pseudomonas fluorescens (0,9 % gegenüber 0,7 %; p = 0,010) häufiger, Pseudomonas putida seltener (0,5 % gegenüber 0,8 %; p = 0,020) als bei normaler Konzentration (n = 53) [s056]. Pseudomonas ist demnach nicht einheitlich, und L. iners ist ein Gegenbeispiel zur Annahme, Lactobacillus sei stets schützend.
- Grande und Kollegen führen L. iners als Risikofaktor für verminderte Konzentration und L. crispatus als mit normaler Morphologie assoziiert auf [s050]. Weng nannte als häufigste Art im Samen L. iners (14,09 %), nach der japanischen Auswertung [s116].
- Lundy: Pseudomonas war direkt mit der Gesamtzahl beweglicher Spermien assoziiert, entgegen der Lesart „Pseudomonas schädlich“ [s092].
- In der Mowla-Kohorte (223 Männer) trug Lactobacillus keinen Zusammenhang mit den Spermienparametern, und die einzige Assoziation, die die Korrektur überstand, betraf Flavobacterium [s043].
- Die Übersicht von Puerta-Suárez und Maya (35 Artikel) nennt die Wirkung von Lactobacillus auf die Samenqualität in Beobachtungsstudien „kontrovers, besonders hinsichtlich der Methodik“ [s044].
- Im Rattenmodell hemmte vaginales L. crispatus die Spermienmotilität (Abschnitt 10) [s091].
- Als Kontext aus der Frauenheilkunde: Bei Amato und Kollegen sagte die Dominanz von L. crispatus in der Vagina den Erfolg der Insemination voraus (P = 0,0002), die Samenflora nicht [s095].

**Einstufung.** Dass Lactobacillus-reiche Muster in mehreren Studien mit besseren Werten einhergehen, ist belegt (Stufe B), mit der wichtigen Ausnahme der Artebene. Ein konkreter Schutzmechanismus im menschlichen Samen ist nicht gezeigt (Stufe C bis D). „Lactobacillus ist gut“ ist als Faustregel nicht haltbar: Die Wirkung hängt von Art, Kompartiment und Kontext ab.

### 13. Konkurrierende Erklärungen: Was die Mechanismen relativiert

Mehrere alternative Erklärungen für die beobachteten Zusammenhänge sind in den Quellen angelegt und schränken jeden Mechanismus ein:

- **Umgekehrte Kausalität.** Ein Hoden ohne Keimzellen oder ein gestörter Nebenhoden bietet den Bakterien ein anderes Milieu. Bei Alfano war die Hodenflora bei vollständiger Keimzellaplasie anders als bei Spermiennachweis [s104]; Osadchiy weist als Einschränkung auf das Querschnittsdesign hin [s056]. Bei Querschnittsstudien ist offen, ob die Mikroben die Spermien verändern oder die veränderte Samenflüssigkeit die Mikroben (so auch die russische Auswertung für Osadchiy und Bazzar) [s056, s001].
- **Störgrößen: Ernährung und Adipositas.** Fettreiche Kost ist mit Dysbiose und schlechterer Spermienqualität assoziiert (Neto, Ding) [s054, s097]. Prevotella ist nach Grande mit adipositasassoziierter Asthenozoospermie verknüpft [s050]. Wenn Fettleibigkeit gleichzeitig die Darmflora und die Spermatogenese verändert, kann ein Mikrobiom-Spermien-Zusammenhang durch einen gemeinsamen Dritten entstehen. Die einzige Ernährungsstudie in den Quellen, die zumindest die Spermienseite prüft, ist die randomisierte Studie von Jung und Kollegen (12 Wochen, junge koreanische Männer): Koreanische Kost erhöhte die Spermienmotilität nach 8 Wochen gegenüber dem Ausgangswert, nach 12 Wochen sank sie wieder; die westliche Kost senkte sie nach 8 Wochen; der Gruppenunterschied war mit p = 0,057 grenzwertig; das freie Testosteron war unter koreanischer Kost höher (p = 0,020). Das Mikrobiom wurde nicht gemessen, der Befund ist nur ein indirekter Hinweis [s052].
- **Störgrößen: Alter und Grunderkrankung.** In der türkischen Querschnittsstudie von Ulubay und Kollegen (1594 normozoosperme Männer) unterschieden sich Altersgruppen deutlich: bei 18 bis 29 Jahren (n = 629) lag die Gesamtspermienzahl bei 253,9 Mio., bei 40 bis 49 Jahren (n = 190) bei 225,7 Mio.; die progressive Motilität bei 48 % gegenüber 41 %, die normale Morphologie bei 17 % gegenüber 12 % [s083]. Das Mikrobiom wurde dort nicht gemessen; es zeigt, dass das Alter in Mikrobiomstudien als Störgröße wirken kann. Varikozele (Lundy) und Prostatitis (Mändar, Grande) sind weitere Zustände, die Flora und Spermatogenese gleichzeitig verändern können [s092, s110, s050].
- **Kontamination und Methode.** Siehe Abschnitt 1.2: Reagenzien, Harnröhre, Haut und Plattform [s043, s067].
- **Geografie und Methode.** Die Zusammensetzung der „Normalflora“ unterscheidet sich zwischen Studien stark (Griechenland, Schweiz, China, USA), ohne dass sich Region, Ernährung, Sequenzierung und Kontaminationskontrolle trennen ließen [s026, s101, s066, s056].
- **Kompartimentverwechslung.** Anaerococcus war bei Hou und Kollegen (19 Spender, 58 Patienten) im Samen negativ mit der Samenqualität assoziiert [s117], bei Lundy aber im Rektum bei Unfruchtbaren vermindert [s092]; das sind verschiedene Nischen, und eine Gleichsetzung wäre irreführend.
- **Selektionsverzerrung der Kontrollen.** Die russischen Kontrollen sind Männer mit Vaterschaft, die aus anderen Gründen biopsiert wurden, keine Gesunden [s061].
- **Auswahl der Studien.** Die Probiotikastudien stammen überwiegend aus dem Iran, teils derselben Arbeitsgruppe, mit demselben Produkt (FamiLact) [s085, s064, s007]; Mechanismusaussagen daraus erben dieses Risiko.

### 14. Zusammenschau: Belegstärke je Wirkweg

Die folgende Tabelle fasst die Einstufungen dieses Kapitels zusammen. „Mensch“ meint Humandaten, „Experiment“ meint Zellkultur oder Tiermodell.

| Wirkweg | Experiment | Mensch | Gesamteinstufung | Hauptlücke |
|---|---|---|---|---|
| Direkte Bakterium-Spermium-Wechselwirkung (Anheftung, Agglutination, Immobilisation, Toxine) bei klassischen Erregern | gezeigt (mehrere Arten, in vitro) [s082] | Assoziation: Bakteriospermie und DNA-Fragmentierung, MD 3,518 (0,907 bis 6,129) [s089] | A/B | Dosis und Erregerlast; Übertragung auf Normalflora fehlt |
| Dasselbe für die normale seminale Flora | nicht gezeigt | globale Zusammensetzung ohne Zusammenhang in der größten Kohorte [s043] | D | kein Mechanismus für nichtpathogene Taxa |
| Leukozyten, Zytokine, Entzündung | gezeigt (ROS, Zytokine, Fas, Phagozytose) [s082, s051] | Leukozytospermie, IL-8, IL-6, TNF-α korrelieren; Infektionen gepoolt negativ [s004, s010] | A/B; für Mikrobiomzusammensetzung C | Leukozytospermie unspezifisch; Kultur und Leukozyten oft nicht deckungsgleich [s051] |
| Oxidativer Stress, DNA-Fragmentierung | gut gezeigt (Lipidperoxidation, 8-OHdG) [s051] | Bakteriospermie gepoolt mit höherem DFI; Chlamydia, Ureaplasma uneinheitlich [s089, s012] | A/B; für Flora insgesamt C bis D | Mowla: keine Verbindung von Cluster und ROS [s043] |
| Darm-Hoden-Achse (Endotoxin, TLR4, Nebenhodenentzündung, Barriere) | gezeigt (Stuhltransplantation, keimfreie Tiere) [s097, s114, s078, s094] | kleine Querschnitte, Korrelationen [s097, s066, s015] | A (Tier), B (klein), C (Mann) | keine Längsschnitt- oder Interventionsdaten beim Mann |
| Hormonelle Wege (Leydig, Gonadotropine, Hypothalamus-Hypophysen-Achse) | in Zelle und Tier gezeigt [s114, s103, s045] | variabel, gering; Maretti einzelne Studie [s009, s111] | A (Experiment), C bis D (Mensch) | Replikation fehlt |
| Metabolite (SAM, Polyamine, Kurzkettenfettsäuren, Urocanat, TMAO, n-3-Fettsäuren) | einzelne Wege im Tier gezeigt [s094, s027, s078] | Korrelationen Taxa und Metabolite [s047, s041, s092] | A (Tier), B (korrelativ), C bis D | kein Nachweis, dass ein Metabolit die Spermienwerte beim Mann ändert |
| Epigenetik, Chromatin, sncRNA | Ansätze im Tier [s009, s025] | nur assoziative Humandaten zu Methylierung und Chromatin, keine Mikrobiomverbindung [s009] | D | direkte Humanstudien fehlen |
| Hodenmikrobiom, lokale Immunität | nicht gezeigt | kleine Gewebeserien; Mastzellen korreliert [s104, s060, s062] | B/D | Kontamination, umgekehrte Kausalität |
| Genitalmikrobiom des Paares | Ratte und in vitro (L. crispatus hemmt Spermien) [s091] | Paarstudien klein, uneinheitlich [s070, s095] | B/C | Kausalität und Konsistenz |
| Laktobazillen als Schutzflora | antioxidative Wirkung in vitro [s051] | wiederholtes Muster, aber Artebene widersprüchlich (L. iners) [s056, s050] | C | Mechanismus im Samen nicht gezeigt |
| Wirkwege von Probiotika (antioxidativ, immunmodulierend, mitochondrial, Darm-Hoden) | im Tier und in vitro gezeigt [s053, s013, s072, s080, s103] | Spermiogramm- und Biomarkeränderungen; Samenzytokine bei Huerga [s040, s112, s085] | A (Experiment), C (Mensch) | Mechanismus in keiner Humanstudie direkt geprüft; Rückzug von Helli [s021] |

Die Rangfolge der Einstufung deckt sich mit der Selbstauskunft der Übersicht von Kaltsas: Entzündung und oxidativer Stress haben die konsistenteste menschliche Rückendeckung, die endokrinen Befunde beim Mann sind variabel und gering, epigenetische Effekte und die Blut-Hoden-Schranke beruhen überwiegend auf Tier- und Ex-vivo-Daten [s009].

### 15. Was ein Beleg erfordern würde, und was bisher fehlt

Aus den Quellen lässt sich ableiten, welche Lücken zwischen „plausibel“ und „bewiesen“ stehen:

1. **Längsschnittdaten.** Querschnittsstudien können Ursache und Folge nicht trennen; Bazzar und Kollegen verlangen Längsschnittstudien [s001]. Kaltsas schlägt prospektive Kohorten mit wiederholten väterlichen Mikrobiomprofilen aus Stuhl und Samen vor [s009].
2. **Messung des Mechanismus in der Interventionsstudie.** Die randomisierten Probiotikastudien messen Spermiogramme, nicht das seminale Mikrobiom; die italienische Auswertung hält fest, dass die einbezogenen Studien Samenparameter messen, nicht das Samenmikrobiom, und dass offen sei, ob Probiotika das Samenmikrobiom verändern oder systemisch wirken [s111, s085, s007]. Die einzige Studie der Quellen, die Mikrobiota und Immunprofile vor und nach Probiotikagabe erfasst, ist die Paarstudie von Huerga López; sie fand Veränderungen der Zytokine, aber nicht der Zusammensetzung [s040].
3. **Kontaminationskontrolle und Standardisierung.** Negativkontrollen, standardisierte Entnahme und Plattformabgleich (Abschnitt 1.2) [s043, s067].
4. **Artebene.** Die Befunde zu L. iners und Pseudomonas zeigen, dass Gattungsangaben nicht genügen [s056].
5. **Klinische Endpunkte.** Die Mechanismen werden an Spermiogrammen und Biomarkern gemessen; Schwangerschaft und Lebendgeburt wurden kaum untersucht [s009, s040].
6. **Erregerspezifische Einordnung.** Die gepoolten Effekte klassischer Erreger [s004, s002, s089] sind die am besten belegte Seite der Mechanismen. Für die große Mehrheit der Männer mit idiopathischem Befund und „normaler“ Flora fehlt ein belegter Mechanismus.
7. **Replikation auffälliger Einzelbefunde.** Die Korrelation von −0,96 bei Cannarella [s005] und die Hormonveränderungen bei Maretti [s111] sind ungewöhnlich stark beziehungsweise für ein Probiotikum auffällig und bedürfen unabhängiger Bestätigung.
8. **Offenlegung der Datenbasis.** Der Rückzug von Helli [s021] schwächt die antioxidative Mechanismushypothese, weil dort die entsprechenden Biomarker (Gesamtantioxidanskapazität, Malondialdehyd) berichtet wurden, und er betrifft die Metaanalyse, in die die Studie eingeflossen sein soll [s020].

### 16. Fazit des Kapitels

Die biologisch am besten begründeten Wirkwege beschreiben, wie klassische Erreger und die durch sie ausgelöste Entzündung Spermien über direkte Bindung, Toxine, Leukozyten, Zytokine und oxidativen Stress schädigen können; sie sind experimentell gezeigt, beim Menschen assoziativ belegt (zum Beispiel Bakteriospermie und um 3,518 Punkte höhere DNA-Fragmentierung [s089]), und sie erklären, warum Infektionen mit schlechterer Samenqualität einhergehen [s004]. Die Darm-Hoden-Achse mit Endotoxin, Barrierestörung, Nebenhodenentzündung und Metaboliten ist im Tier überzeugend gezeigt [s097, s114, s094], beim Mann aber nur in kleinen Querschnittsstudien angedeutet. Hormonelle, metabolische und epigenetische Wege sind plausibel und im Tier teilweise gezeigt, beim Menschen aber schwach oder gar nicht geprüft. Für die „normale“ seminale Flora (Lactobacillus- gegenüber Prevotella-Profilen) fehlt dagegen ein belegter Mechanismus, und die größte prospektive Kohorte fand keinen Zusammenhang zwischen Gesamtzusammensetzung und ROS, DNA-Fragmentierung oder Samenanalyse [s043]. Die Wirkwege der Probiotika sind im Tier und in vitro gut begründet, beim Mann in keiner Studie direkt belegt; stammspezifische Gegenbefunde, ein zurückgezogener Schlüsselversuch und eine ausbleibende Floraänderung mahnen zur Zurückhaltung [s019, s021, s040]. Dieses Kapitel enthält keine Therapieempfehlung; es beschreibt, was biologisch plausibel ist und wie weit der Nachweis jeweils reicht.

## Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

Dieses Kapitel stellt vier Fragen, die in der Praxis oft zuerst gestellt werden und in der Literatur am schlechtesten beantwortet sind: Wirkt mehr stärker (Dosis-Wirkung)? Für wen gilt ein Befund, für wen nicht (Altersgruppen, Vorerkrankungen, Phänotypen)? Wie lange dauert es, bis sich etwas zeigt, und wie lange hält es an (Zeitverlauf)? Und lässt sich ein Schaden rückgängig machen (Reversibilität)? Die Befunde selbst (welche Taxa bei welchem Spermiogramm, welche Studie mit welchem Effekt) werden in den Kapiteln zur Studienlage behandelt und hier nur so weit wiederholt, wie sie für diese vier Fragen gebraucht werden.

### Vorbemerkung: Was „Dosis“ hier bedeuten kann

Der Begriff Dosis-Wirkung meint im strengen Sinn: Dieselbe Intervention wird in mehreren Stufen gegeben, und das Ergebnis steigt oder fällt mit der Stufe. Für Probiotika beim Mann gibt es keine einzige Studie, die das getan hätte (Abschnitt 1). Deshalb werden in diesem Kapitel drei Ersatzbetrachtungen getrennt gehalten, weil sie leicht verwechselt werden:

1. **Interventionsdosis:** Keimzahl, Produktmenge, Dauer der Einnahme (Abschnitte 1 und 3).
2. **Expositionsdosis:** Bakterienlast oder Keimzahl im Ejakulat und ihr Zusammenhang mit Spermienwerten (Abschnitt 2). Das ist keine Dosis im Sinn eines Experiments, sondern eine Beobachtung, und sie ist nicht verlässlich von anderen Einflüssen zu trennen.
3. **Tierversuche und Zellversuche mit mehreren Stufen:** Sie zeigen, dass Dosisabhängigkeit biologisch vorkommen kann, liefern aber keine übertragbare Menge (Abschnitt 1.4 und 1.5).

Eine weitere Vorbemerkung betrifft die Datengrundlage. Die meisten Angaben dieses Kapitels stammen aus Zusammenfassungen (Abstracts); wo Volltexte oder Tabellen von Übersichtsarbeiten ausgewertet wurden, ist das vermerkt. Nach den ausgewerteten Quellen ist zudem **keine Aussage dieses Kapitels klinisch belegt im Sinn von Schwangerschaft oder Lebendgeburt**: Die Zielgrößen sind fast durchweg Spermiogrammwerte und Laborparameter [s009, s011, s087]. Dieses Kapitel gibt keine Therapieempfehlung.

### 1. Dosis-Wirkung bei Probiotika

#### 1.1 Was die Humanstudien tatsächlich an Dosen und Dauern enthalten

Die Metaanalyse von Prihadi und Kollegen [s020] führt die vier eingeschlossenen Studien mit Stamm, Keimzahl und Dauer in einer eigenen Tabelle auf. Sie ist die einzige Stelle, an der die Dosen mehrerer Humanstudien nebeneinanderstehen, und sie enthält Angaben, die von den Originalzusammenfassungen abweichen. Die folgende Tabelle gibt beides wieder.

| Studie | Design und Gruppen | Stamm bzw. Produkt | Dosis | Dauer | Alter (Jahre) | Verzerrungsrisiko (RoB) nach [s020] |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Valcarce 2017 [s112] | unkontrollierte Pilotstudie, 9 Männer mit Asthenozoospermie | L. rhamnosus CECT8361 und B. longum CECT7347 | Prihadi: 10⁹ KbE; Original-Abstract: keine Dosis genannt | Original-Abstract: 3 und 6 Wochen; Prihadi-Tabelle: 12 Wochen | nicht angegeben | gering (ROBINS-I) |
| Maretti und Cavallini 2017 [s111] | randomisiert, Pilotstudie, 20 gegen 21 | L. paracasei B21060 plus Präbiotika (Arabinogalaktan 1243 mg, Fructooligosaccharide 700 mg, L-Glutamin 500 mg) | 5 × 10⁹ Zellen pro Beutel, 1 Beutel täglich | Original-Abstract: 6 Monate; Prihadi-Tabelle: 6 Monate; ein weiteres Recherche-Dokument nennt 10 Wochen | Prihadi: 37 (32 bis 42) gegen 36 (30 bis 43) | unklar (Detektionsverzerrung) |
| Helli 2022 [s079], 2026 zurückgezogen [s021] | randomisiert, doppelblind; Original: 26 gegen 26; Prihadi-Tabelle: 25 gegen 25 | Mischung aus mehreren Stämmen (Lactobacillus, Bifidobacterium, Streptococcus) | Original: 500 mg täglich; Prihadi: 2 × 10¹¹ KbE | 10 Wochen | Prihadi: 32,23 ± 4,11 gegen 33,01 ± 3,91 | gering |
| Abbasi 2021 [s085] | randomisiert, dreifach verblindet; Original: 56 (je 28); Tabelle in Oliveira: 47 | FamiLact (Probiotikum plus Präbiotikum, Fructooligosaccharide) | 500 mg täglich; Prihadi: 10⁹ KbE | 80 Tage | Prihadi: 34,5 gegen 33,8 | gering |

Quelle der Tabelle: [s020] (Seite der Zeitschrift), ergänzt um die Original-Abstracts [s111, s079, s085, s112] und die Übersicht von Oliveira [s055]. Zur Studiengröße von Abbasi nennt ein Recherche-Dokument für die Tabelle von Oliveira 47 statt 56 Teilnehmer und für Helli 50 statt 52 [s055]; der Grund wurde nicht geklärt.

Drei Dinge fallen auf, und jedes ist für die Frage nach der Dosis-Wirkung bedeutsam.

**Erstens widersprechen sich die Quellen bei den Dosen selbst.** Für Valcarce nennt der Original-Abstract Beobachtungszeitpunkte von 3 und 6 Wochen [s112], die Tabelle der Metaanalyse 12 Wochen und 10⁹ KbE [s020]. Für Helli steht im Original „500 mg Probiotikum täglich“ [s079], in der Metaanalyse 2 × 10¹¹ KbE [s020]; 500 mg Produktgewicht und eine Keimzahl sind zudem gar nicht dieselbe Größe und lassen sich ohne Angabe der Keimdichte des Produkts nicht ineinander umrechnen. Für Abbasi nennt das Original 500 mg FamiLact [s085], die Metaanalyse 10⁹ KbE [s020]. Ob die Metaanalyse Angaben aus den Volltexten oder aus anderen Quellen übernommen hat, geht aus den ausgewerteten Seiten nicht hervor. Wer aus der Metaanalyse eine „Dosisspanne von 10⁹ bis 10¹¹ KbE“ ableitet, wie es die Zusammenfassung tut, leitet sie also aus einer Tabelle ab, die an mindestens zwei Stellen nicht mit den Originalen übereinstimmt.

**Zweitens variieren Stamm, Dosis, Dauer und Zusatzstoffe gleichzeitig.** Aus vier Studien mit vier verschiedenen Produkten lässt sich keine Dosis-Wirkungs-Kurve ablesen, weil nie nur eine Größe verändert wurde. Maretti und Abbasi geben Probiotikum und Präbiotikum gemeinsam; die Autoren der Metaanalyse vermuten, dass diese Kombination einen synergistischen Vorteil gegenüber Probiotikum oder Präbiotikum allein biete [s020]. Gezeigt wurde das in keiner der Studien, weil keine Studie einen Arm „nur Probiotikum“ und einen Arm „nur Präbiotikum“ hatte. Für Maretti kommt L-Glutamin hinzu; der Effekt eines einzelnen Stamms ist deshalb nicht abtrennbar [s111].

**Drittens enthält die Metaanalyse selbst keine Dosis-Wirkungs-Analyse.** Die Seite der Zeitschrift berichtet ausdrücklich, dass keine Untergruppen- oder Sensitivitätsanalysen durchgeführt wurden [s020]. Die Dauer der Interventionen lag zwischen 10 Wochen und 6 Monaten; ob längere Einnahme stärker wirkt, wurde nicht ausgewertet. Ebenso wenig wurde ausgewertet, wie sich die Schätzer ändern, wenn das zurückgezogene Helli-Papier fehlt. Das ist deshalb wichtig, weil Helli eine von nur vier Studien ist [s020, s079, s021] (siehe Abschnitt 1.3).

#### 1.2 Die übrigen randomisierten Studien: je eine Dosis, ein Zeitpunkt

Die weiteren Humanstudien, die in der Metaanalyse nicht enthalten sind, bestätigen das Bild: Jede prüft eine einzige Dosis gegen Placebo oder Kontrolle.

| Studie | Population, n | Intervention und Dosis | Dauer | Berichtete Ergebnisse (nur aus Abstracts) |
|---|---|---|---|---|
| Gholipour 2026 [s007] | idiopathische Oligoasthenoteratozoospermie, n = 110 (35 Probiotikum, 38 Antioxidans, 37 Placebo), zwei iranische Zentren (Isfahan, Yazd), Juli 2021 bis April 2022, mittleres Alter 34,3 ± 4,5 Jahre | Familact (Probiotikum), Sperigen (Antioxidans) oder Placebo, täglich; Keimzahl nicht im Abstract | 3 Monate (90 Tage) | Zeit-mal-Gruppe-Interaktion: Konzentration p = 0,003, Motilität p < 0,001, Morphologie p < 0,001, Volumen p = 0,71. Werte nach 3 Monaten (Probiotikum, Antioxidans, Placebo): Motilität 46,65, 26,58, 22,75 %; normale Morphologie 4,31, 2,21, 1,52 %; Konzentration 10,42, 8,55, 4,91 Mio./ml. Probiotikum gegen Placebo: Konzentration p = 0,007, Motilität p = 0,001, Morphologie p < 0,001; Probiotikum gegen Antioxidans: Motilität p = 0,009, Morphologie p < 0,001. Ein Teilnehmer der Probiotikagruppe schied wegen Blähungen aus |
| Zarehoroki 2026 [s028] | idiopathische Oligoasthenoteratozoospermie, n = 73, doppelblind | Sperigen (Multivitaminpräparat) plus Placebo gegen Sperigen plus 500 mg Synbiotikum täglich | 3 Monate | Kombination: signifikant bessere progressive Motilität, geringere DNA-Fragmentierung und weniger unbewegliche Spermien als Sperigen allein; in beiden Gruppen insgesamt Verbesserungen (Zahlen im Abstract nicht angegeben) |
| Asadi 2023 [s064] | nach mikrochirurgischer subinguinaler Varikozelenoperation, n = 78 (38 Probiotikum, 40 Placebo), Ausgangswerte ohne signifikanten Gruppenunterschied | FamiLact, Dosis nicht im Abstract | 3 Monate | Konzentration 33,7 ± 22,5 gegen 21,1 ± 16,1 Mio./ml (p = 0,046); normale Morphologie 15,0 ± 8,9 gegen 12,0 ± 11,5 % (p = 0,016); Volumen (p = 0,897) und Motilität (p = 0,177) ohne signifikanten Unterschied |
| Huerga López 2025 [s040] | Paare mit ungeklärter Unfruchtbarkeit vor IVF, 70 Paare randomisiert, 57 abgeschlossen | Ligilactobacillus salivarius CECT5713, 1 Kapsel täglich mit 3 × 10⁹ lebensfähigen Zellen (Kontrolle: nur Hilfsstoff) | bis unmittelbar vor der IVF bzw. bis zur bestätigten Schwangerschaft | Schwangerschaftsrate 48,1 % gegen 20,0 % (einseitiger Chi-Quadrat-Test, p < 0,024); Verbesserung immunologischer Profile in Vagina und Ejakulat, ohne wesentliche Änderung der mikrobiellen Zusammensetzung |

In Gholipour ist unklar, ob die berichteten Werte absolute Werte nach drei Monaten oder Veränderungen gegenüber dem Ausgangswert sind; die Ausgangswerte der Gruppen wurden nicht gelesen [s007]. Die Zahlen der Tabelle dürfen deshalb nicht als „Zunahme um X“ gelesen werden. Bemerkenswert ist außerdem, dass dieselbe Studie, die Probiotika dem Antioxidans überlegen sieht, bei Zarehoroki eine Kombination aus Antioxidans-Präparat und Synbiotikum besser findet als das Präparat allein [s007, s028]. Beide Befunde passen zusammen, beantworten aber nicht die Dosisfrage: Es wurde in keiner Studie eine zweite Probiotikadosis getestet.

Zur Dauer: Die Einnahmedauern der Humanstudien liegen zwischen 10 Wochen [s079] und 6 Monaten [s111]; die meisten Studien dauern drei Monate [s007, s028, s064] oder 80 Tage [s085]. Ein direkter Vergleich verschiedener Dauern innerhalb einer Studie liegt nicht vor.

#### 1.3 Die Effektgröße als Orientierung, nicht als Dosis-Wirkungs-Kurve

Die gepoolten Effekte der Metaanalyse von Prihadi und Kollegen [s020] (4 Studien, 3 randomisierte und 1 einarmige, 156 Männer mittleren Alters mit idiopathischer Unfruchtbarkeit) lauten:

| Zielgröße | SMD | 95-%-Konfidenzintervall | p | I² |
|---|---|---|---|---|
| Spermienkonzentration | 1,96 | 0,08 bis 3,84 | 0,04 | 95 % |
| Spermienmotilität | 1,28 | 0,28 bis 2,28 | 0,01 | 86 % |
| Ejakulatvolumen | 0,89 | 0,10 bis 1,67 | 0,03 | 79 % |

(Diagramme: probiotika-smd, prihadi-heterogenitaet.) Die Zuordnung der beiden unteren Zahlen zu Motilität und Volumen ist in den Quellen nicht einheitlich: Die Seite der Zeitschrift ordnet 1,28 der Motilität und 0,89 dem Volumen zu, was auch dieser Studie und der Master-Quellenliste zugrunde liegt; das Abstract nennt dagegen die Reihenfolge Konzentration, Volumen, Motilität, und ein Recherche-Dokument folgte dieser Reihenfolge [s020]. Für die Aussage dieses Kapitels spielt das keine Rolle, weil der Schätzer ohnehin nicht als Punktwert tragen kann.

Warum er nicht tragen kann, zeigen die Zahlen selbst. Eine SMD von 1,96 gilt nach der gängigen Einteilung als sehr großer Effekt, aber die Untergrenze des Konfidenzintervalls liegt bei 0,08, praktisch bei null, und die Heterogenität beträgt 95 %. Vereinbar sind also ein verschwindend kleiner und ein sehr großer Effekt [s020]. Einzelne Studien mit hohem Effekt können das gepoolte Ergebnis dominieren, und eine von nur vier Studien (Helli) ist zurückgezogen [s079, s021]; die Quellen sagen nicht, ob die Metaanalyse danach aktualisiert wurde. Das Ejakulatvolumen spiegelt außerdem überwiegend die Beiträge der akzessorischen Drüsen und kaum die Spermienbildung; sein klinischer Informationsgehalt ist begrenzt (diese Einordnung stammt aus einem der Recherche-Dokumente, nicht aus der Metaanalyse). Nach der Seite der Zeitschrift sahen zwei Studien zudem verminderte DNA-Fragmentierung mit sinkenden Entzündungs- und Oxidationsmarkern; die Metaanalyse selbst pooled diese Größen nicht [s020].

**Vergleichsmaßstab.** Wie unsicher solche Effektgrößen in der Nachbardisziplin sind, zeigt die Metaanalyse von Melhem und Kollegen (41 randomisierte Studien, 3615 Männer mit idiopathischer Unfruchtbarkeit, Januar 2010 bis Januar 2026) [s017]. Antioxidantien waren mit höherer Konzentration (SMD 1,09; 95-%-KI 0,10 bis 2,08), höherer progressiver Motilität (1,11; 0,32 bis 1,90), höherer Gesamtmotilität (0,69; 0,26 bis 1,13) und höherem Anteil normaler Formen (0,43; 0,05 bis 0,82) verbunden. Die Prädiktionsintervalle überschritten für alle vier die Nullgrenze, die Heterogenität lag über 80 %, und die Gewissheit war nach GRADE sehr niedrig. Das bedeutet: Der Durchschnitt über viele Studien ist positiv, aber für eine künftige Einzelstudie oder einen einzelnen Mann ist ein Effekt von null mit den Daten vereinbar [s017]. Phosphodiesterase-Hemmer (Konzentration SMD 1,96; −2,25 bis 6,17; normale Formen 1,28; −0,47 bis 3,02) und Methylgruppen-Spender (DNA-Fragmentierung −1,17; −2,82 bis 0,47) hatten Konfidenzintervalle, die null einschlossen (Diagramm melhem-smd) [s017]. Probiotika sind also mit ihren breiten Intervallen in dieser Disziplin keine Ausnahme, sondern der Normalfall. Die Metaanalyse betrifft allerdings keine Probiotika als eigene Klasse; sie dient hier nur als Maßstab.

#### 1.4 Dosisvergleiche im Tierversuch

Anders als beim Menschen gibt es bei Tieren einige Versuche mit mehreren Stufen. Sie zeigen, in welcher Weise sich Dosisabhängigkeit äußern kann, und genau darin liegt ihr Wert: Sie warnen davor, eine lineare Beziehung zu unterstellen.

| Studie | Tier und Intervention | Dosisstufen | Befund |
|---|---|---|---|
| Akbari Nargesi und Falahatkar 2023 [s063] | Regenbogenforelle, 48 Zuchttiere (mittleres Anfangsgewicht 1366,1 ± 33,8 g), Mehrstamm-Probiotikum im Futter, 8 Wochen | 0 (Kontrolle), 1 × 10⁹ (P1), 2 × 10⁹ (P2), 4 × 10⁹ KbE pro kg Futter (P3) | Die mittlere Stufe P2 war am besten: höchster Spermatokrit, höchste Spermienkonzentration, längste Motilitätsdauer. Die höchste Dosis war nicht die wirksamste |
| Sindi und Kollegen 2026 [s024] | Kaninchenböcke, 33 Tiere (je 11), Mischung aus L. casei, B. subtilis, L. plantarum, B. bifidum im Verhältnis 1:1:1:1, dreimal pro Woche | Kontrolle, 0,25 × 10⁹ und 0,5 × 10⁹ KbE pro Tier und Gabe | Beide Dosen verbesserten Volumen, Vitalität und Motilität und verringerten Anomalien (p < 0,05); antioxidative und Immunmarker stiegen, Zytokine (IL-6, TNF-α) sanken. Unterschiede zwischen den beiden Dosen sind im Abstract nicht ausgewiesen |
| Hu und Kollegen 2025 [s039] | Mäuse mit Gossypol-induzierter Asthenozoospermie (20 mg/kg alle 3 Tage über 30 Tage); Morinda-officinalis-Oligosaccharide (kein Probiotikum, sondern ein präbiotikaähnlicher Naturstoff) per Schlundsonde über 14 Tage | 12,5, 25 und 50 mg/kg; Positivkontrolle L-Carnitin 10 mg/kg | Verbesserung der Motilität „dosisabhängig“; erst die hohe Dosis erhöhte die mikrobielle Alpha-Diversität signifikant und reicherte Anaerococcus an |
| Losacco und Kollegen 2026 [s013] | 14 gesunde Zuchthunde, Mehrstamm-Probiotikum (400 Milliarden KbE lyophilisierter Bakterien) oder Kontrollfutter | eine Dosis | Über 70 Tage („ein vollständiger Spermatogenesezyklus“, so die Autoren): Konzentration höher (p < 0,001), mehrere Kinematikparameter besser, seminale ROS niedriger, antioxidative Kapazität höher; Samenprobe vor Beginn sowie nach 35 und 70 Tagen |
| Ömür und Kollegen 2026 [s019] | Bullenejakulat (24 Ejakulate, 4 Simmentaler Bullen), Probiotikum im Verdünner für die Kryokonservierung | 10⁹ KbE/ml bei allen drei Stämmen | Alle drei Stämme verbesserten Gesamt- und progressive Motilität nach dem Auftauen (p < 0,001); die Richtung der oxidativen Wirkung hing vom Stamm ab: B. longum senkte die Lipidperoxidation, L. rhamnosus erhöhte Malondialdehyd und Apoptosemarker |

Die Lehre aus dieser Tabelle ist nicht, welche Menge „gut“ wäre, sondern drei Eigenschaften, die für den Menschen nicht ausgeschlossen werden können: Eine höhere Dosis kann schlechter sein als eine mittlere (Forelle) [s063]; verschiedene Dosen können gleich gut wirken (Kaninchen) [s024]; und bei gleicher Keimzahl kann die Richtung des Effekts vom Stamm abhängen (Bulle) [s019]. Eine Übertragung von Zahlen auf Männer ist ausgeschlossen: Es sind verschiedene Tierarten, Gewichtsbezüge, Applikationswege (Futter, Schlundsonde, Verdünner) und Zielgrößen. Die Übersichtsarbeit von Ma und Kollegen betont ausdrücklich die Übertragungshürden dieser Modelle [s016].

Hinzu kommt der Zeitpunkt der Dosis, der bei Harati und Kollegen (Ratten unter fettreicher Kost) getestet wurde und in Abschnitt 3 behandelt wird [s008].

#### 1.5 Zellversuche mit Konzentration und Einwirkdauer

In vitro wurden die Konzentration und die Einwirkdauer an Spermien selbst variiert. Lee und Kollegen untersuchten an reifen Mäusespermien aus dem Vas deferens (kaudaler Abschnitt) drei Stämme (L. rhamnosus, L. fermentum, L. paracasei) „nach Konzentration und Dauer der Behandlung“ und fanden eine um 30 bis 40 % höhere Motilität gegenüber unbehandelten Spermien, vermittelt über AMPK und SIRT1 und eine höhere mitochondriale Aktivität; die konkreten Konzentrationen und Zeiten nennt der Abstract nicht [s053]. In Leydig-Zellen (Zelllinie TM3) erhöhten L. rhamnosus, L. fermentum und B. longum die Expression testosteronbildender Proteine und die mitochondriale Aktivität gegenüber der Kontrolle [s045]. Ein Kontakt mit Bakterien kann auch schaden: In einem von der Übersicht berichteten Einzelversuch verschlechterte Staphylococcus aureus die Motilität nach 15 Minuten um 25 % (nach einem anderen Recherche-Dokument um 25 bis 30 % innerhalb von 15 bis 30 Minuten) [s068]. Das ist eine Zeit-Wirkungs-Beobachtung in vitro und kein Dosisbefund; sie ist als Einzelbeobachtung zu lesen.

Diese Versuche sind für den Dosisbegriff beim Mann aus einem Grund nur eingeschränkt nützlich: Kein oral eingenommenes Probiotikum erreicht die Spermien in einer vergleichbaren Konzentration. Wie viel eines Stamms oder seiner Stoffwechselprodukte aus dem Darm den Hoden oder Nebenhoden erreicht, ist in keiner der ausgewerteten Quellen gemessen. In der Studie von Huerga López änderte sich die mikrobielle Zusammensetzung von Ejakulat und Vagina trotz oraler Gabe nicht wesentlich, obwohl sich immunologische Profile besserten [s040]. In der Eberstudie von Ngo und Kollegen veränderte die Probiotikagabe die Vielfalt der Kotflora, aber nicht die des Ejakulats, und zwischen beiden Veränderungen bestand kein Zusammenhang [s018]. Das spricht dafür, dass „Dosis am Wirkort“ nicht mit „Dosis im Mund“ gleichgesetzt werden darf.

### 2. Bakterienlast und Erregerlast als „Expositionsdosis“

Wenn die Dosis der Intervention nicht untersucht ist, bleibt die Frage, ob eine höhere Keimlast im Ejakulat mit schlechteren Spermienwerten einhergeht. Die Antwort fällt je nach Methode und Erreger unterschiedlich aus. Alle Befunde dieses Abschnitts stammen aus Querschnittsstudien; sie zeigen Zusammenhänge, aber keine Wirkung einer Menge.

#### 2.1 Gesamtlast und Zusammensetzung: kein klarer Gradient

| Studie | Design, n | Befund zur Last |
|---|---|---|
| Baud 2019 [s101] | Querschnitt, 94 Männer (26 normal, 68 mit mindestens einem auffälligen Parameter), 16S-rRNA-Sequenzierung und quantitative PCR | Drei Profile (Prevotella-angereichert, Lactobacillus-angereichert, polymikrobiell); das Prevotella-Profil hatte die höchste Bakterienlast (p < 0,05); die Last schwankte zwischen 10³ und 10⁹ Kopien des 16S-Gens pro ml; der mediane Anteil betrug im Prevotella-Profil 17 % Prevotella, im Lactobacillus-Profil 37 % Lactobacillus (nach einem Recherche-Dokument). Die Gesamtzusammensetzung korrelierte nicht mit dem Spermiogramm. Die Autoren halten fest, die Gesamtbakterienmenge spiele für die Unfruchtbarkeit vermutlich keine Hauptrolle, ein kleiner Satz von Keimen könne aber Motilität und Morphologie beeinflussen |
| Mowla 2025 [s043] | prospektive Querschnittsstudie, 223 Männer (63 mit nachgewiesener Vaterschaft, 46 Partner bei wiederholten Fehlgeburten, 58 mit Subfertilität, 56 Partner bei ungeklärter Unfruchtbarkeit) | Drei gattungsdominierte Gruppen (1 Streptococcus, 2 Prevotella, 3 Lactobacillus und Gardnerella); Gruppe 2 hatte die höchste Reichhaltigkeit (p < 0,001), Alpha-Diversität (p < 0,001) und Bakterienlast (p < 0,0001). Gesamtzusammensetzung oder Last waren **nicht** mit Samenanalyse, ROS oder DNA-Fragmentierung verbunden. Ein nicht näher bestimmtes Flavobacterium war mit häufiger auffälliger Samenanalyse verbunden (nach Korrektur für multiples Testen: Qualität q = 0,02, Morphologie q = 0,01, nach einem Recherche-Dokument) |
| Mändar 2018 [s107] | 68 junge gesunde Männer | Last 2,3 bis 7,3 log₁₀ KbE/ml Ejakulat; ein Mann trug 1 bis 9 verschiedene Bakterien; die Leukozytenzahl im Ejakulat hing nicht mit der sexuellen Erfahrung zusammen |
| Weng 2014 [s116] | 96 Proben, Metagenomik | Der Anteil normaler Proben je Cluster war 52,7 % (Lactobacillus-dominiert, n = 55), 20 % (Pseudomonas, n = 25) und 12,5 % (Prevotella, n = 16); die Wahrscheinlichkeit geringer Samenqualität war im Pseudomonas-Cluster 5,2-fach, im Prevotella-Cluster 8,5-fach höher als im Lactobacillus-Cluster (Fisher-Test p = 0,0074 bzw. 0,00448) |
| Cannarella 2026 [s005] | prospektive Querschnittsstudie, 100 Männer | Laktobazillenkonzentration korrelierte positiv mit der Spermienkonzentration (r = 0,42; p < 0,001); anaerobe Bakterien korrelierten negativ mit der progressiven Motilität; das Verhältnis von Laktobazillen zu Gesamtbakterien korrelierte mit der Leukozytenkonzentration negativ (r = −0,96; p < 0,001) (Diagramm cannarella-korrelation) |

Zwei Dinge sind aus dieser Zusammenschau festzuhalten. Erstens ist die Last allein kein Dosis-Gradient: In Baud und Mowla hatte das Cluster mit der höchsten Last keine entsprechend schlechteren Spermienwerte, und die Gesamtlast war nicht mit dem Spermiogramm verbunden [s101, s043]. Die Autoren von Baud schließen daraus, der Gesamtbakteriengehalt spiele wohl keine Hauptrolle [s101]. Zweitens ergibt sich bei Weng ein Gradient zwischen **Gruppen** (Anteil normaler Proben je nach dominanter Gattung), der aber eine Kategorienzugehörigkeit abbildet und keine Menge [s116]. Die Korrelation r = −0,96 bei Cannarella ist für biologische Daten so ungewöhnlich hoch, dass sie unabhängiger Bestätigung bedarf; eine Replikation liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor [s005].

#### 2.2 Erregerlast bei klassischen Genitalpathogenen: Hinweise auf einen Zusammenhang

Bei gezielt nachgewiesenen Erregern sind die Zusammenhänge klarer, aber auch hier fehlt der Nachweis einer Dosis-Wirkungs-Beziehung im strengen Sinn.

- **Dehghan 2022 [s076]:** 130 Samenproben unfruchtbarer und fruchtbarer Männer. Häufigkeit bei Unfruchtbaren gegenüber Fruchtbaren: Chlamydia trachomatis 9,2 gegen 3,1 %, Mycoplasma hominis 15,4 gegen 3,1 %, Ureaplasma urealyticum 15,4 gegen 3,1 %. Mittlere Last bei unfruchtbaren Männern in log₁₀ Kopien/ml: C. trachomatis 6,44 (Spanne 5,31 bis 7), M. hominis 4,24 (3,37 bis 4,7), U. urealyticum 6,94 (5,08 bis 8,69); alle Lasten waren gegenüber fruchtbaren Männern signifikant erhöht. Die Last von C. trachomatis und U. urealyticum war mit mehreren Samenparametern signifikant verbunden, die von M. hominis speziell mit Motilität, Morphologie und Leukozytenzahl. Das ist das Nächste, was die Quellen an einer Last-Wirkungs-Beziehung bieten, aber die Zahlen der einzelnen Zusammenhänge stehen nicht im Abstract (Diagramm dehghan-erreger).
- **Heidari 2021 [s090]:** In einer logistischen Regression mit 200 Männern lag die Odds Ratio für Unfruchtbarkeit bei 8,06 für M. genitalium (p < 0,001) und bei 16 für C. trachomatis (p = 0,01); Konfidenzintervalle nennt der Abstract nicht (Diagramm heidari-or). Das sind Präsenz-gegen-Abwesenheit-Vergleiche, keine Lastvergleiche.
- **Eini 2021 [s088]:** 172 Männer aus Paaren mit Subfertilität, 35 fruchtbare Kontrollen; 60 Männer (34,88 %) hatten eine Kultur mit pathogenen Bakterien. In infizierten Proben waren Leukozytospermie häufiger (p < 0,05), Konzentration, Motilität und Morphologie niedriger und die DNA-Fragmentierung höher; DNA-Fragmentierung und Leukozytospermie korrelierten mit R = 0,22 (p < 0,01). Eine Korrelation von 0,22 ist schwach.
- **Farahani 2021 [s089]:** In der Metaanalyse über 55 Beobachtungsstudien (51.299 Personen) war der DNA-Fragmentierungsindex bei Bakteriospermie im Mittel um 3,518 höher (95-%-KI 0,907 bis 6,129; p = 0,008); Ureaplasma urealyticum war bei Unfruchtbaren häufiger (OR 2,25; 1,47 bis 3,46); Chlamydia trachomatis zeigte weder in der Häufigkeit noch bei den Spermienparametern einen signifikanten Unterschied (Diagramme bakteriospermie-dfi, ureaplasma-or).
- **Campbell 2026 [s004]:** Die Metaanalyse zu Infektionen des männlichen Genitaltrakts (51 Studien, 35 davon quantitativ ausgewertet) fand gepoolt ein niedrigeres Volumen (Mittelwertdifferenz −0,37 ml; −0,64 bis −0,09), eine niedrigere Konzentration (−6,65 Mio./ml; −11,17 bis −2,14; I² 90 %), eine niedrigere progressive Motilität (−5,93 Prozentpunkte; −9,07 bis −2,78), eine niedrigere Gesamtzahl (−47,15 Mio.; −91,42 bis −2,88) und einen niedrigeren Anteil normaler Formen (−0,76 Prozentpunkte; −1,19 bis −0,33) (Diagramm genitale-infektionen-md).
- **Boujemaa 2026 [s002]:** Mycoplasma hominis (11 Studien) war mit niedrigerer Konzentration (SMD −0,815; −1,314 bis −0,317), niedrigerer progressiver Motilität (−0,360; −0,683 bis −0,037), niedrigerer Vitalität (−0,831; −1,410 bis −0,253) und niedrigerem Anteil normaler Formen (−0,631; −1,178 bis −0,083) sowie höherem pH-Wert (0,586; 0,167 bis 1,006) verbunden. Die Untergruppenanalyse deutet darauf hin, dass Region und Nachweismethode einen Teil der Heterogenität erklären (Diagramm mycoplasma-hominis-smd).

Diese Zusammenstellung zeigt, dass die Aussage „Bakteriospermie schadet“ für bestimmte Erreger (Ureaplasma, Mycoplasma hominis, Enterococcus faecalis) in Metaanalysen wiederholt auftaucht, für Chlamydia dagegen nicht einheitlich [s089, s090, s109]. Eine Erregerdosis, ab der die Spermienwerte kippen, ist aber nirgends bestimmt worden.

#### 2.3 Schwellenwerte sind Konventionen, keine Toxizitätsgrenzen

Die Definition der Bakteriospermie hängt vom Grenzwert ab. In der Übersicht von Neto und Kollegen (37 Studien, 9310 Teilnehmer) variierte die Häufigkeit der Bakteriospermie zwischen 7 und 65,7 % je nach Studie, und die Grenze der Kulturpositivität lag meist über 10⁴ KbE/ml, in einer dänischen Studie über 10³ KbE/ml [s054]. Henkel nennt für die Leukozytospermie einen Grenzwert von 1 × 10⁶ peroxidasepositiven Zellen/ml und gibt an, sie komme bei 30 % der unfruchtbaren und bis zu 20 % der fruchtbaren Männer vor [s051]. Lee und Cho berichten Häufigkeiten der Bakteriospermie von 20,1 bis 35,1 % mit PCR-gestützten Tests und 15,28 bis 34,88 % mit Samenkulturen; drei große Studien hätten einen signifikanten Zusammenhang zwischen Bakteriospermie und erhöhter DNA-Fragmentierung gezeigt [s012]. Alle diese Grenzen sind Verabredungen für die Diagnostik und Ergebnisse des jeweiligen Nachweisverfahrens; sie sagen nicht, bei welcher Keimzahl Spermien tatsächlich Schaden nehmen. Das Diagramm bakteriospermie-praevalenz-methode stellt die Abhängigkeit der berichteten Häufigkeit von der Nachweismethode dar.

### 3. Zeitverlauf

#### 3.1 Wie lange wurde beobachtet?

Für den Zeitverlauf gilt dieselbe Grundaussage wie für die Dosis: Es gibt beim Menschen einzelne Messpunkte, aber keinen Verlauf mit mehreren Zeitpunkten, der Wirkungseintritt, Maximum und Rückgang zeigt. Die folgende Übersicht fasst die Beobachtungsdauern zusammen.

| Studie | Art | Beobachtungsdauer und Messzeitpunkte |
|---|---|---|
| Valcarce 2017 [s112] | Mensch, 9 Männer, unkontrolliert | Messung vor, **während (nach 3 und 6 Wochen Einnahme) und nach der Einnahme (3 und 6 Wochen nach Ende)** |
| Helli 2022 [s079] | Mensch, zurückgezogen | 10 Wochen |
| Abbasi 2021 [s085] | Mensch | 80 Tage, Messung vor und nach der Behandlung |
| Gholipour 2026 [s007], Zarehoroki 2026 [s028], Asadi 2023 [s064] | Mensch | 3 Monate; Gholipour mit Zeit-mal-Gruppe-Interaktion (daher mehrere Messzeitpunkte, im Abstract nicht aufgeschlüsselt) |
| Maretti 2017 [s111] | Mensch | 6 Monate, Messung vor und nach der Behandlung |
| Gupte 2025 [s037] | Mensch, 8 Männer, nicht begutachteter Vorabdruck | 90 Tage |
| Huerga López 2025 [s040] | Mensch, Paare | bis unmittelbar vor der IVF bzw. bis zur bestätigten Schwangerschaft; Proben vor der Intervention und kurz vor IVF oder bei bestätigter Schwangerschaft |
| Losacco 2026 [s013] | Hund | 70 Tage; Samenproben vor Beginn, nach 35 und nach 70 Tagen |
| Mahiddine 2022 [s080], 2023 [s072] | Hund | 3 Wochen bzw. 6 Wochen (Messungen in Woche 0, 3 und 6) |
| Ngo 2026 [s018] | Eber, 7 Tiere | Tag 0, Tag 48 und Tag 96 nach Absetzen der Antibiotika; Lagerung des Samens über 4 Tage |
| Harati 2026 [s008] | Ratte | Beginn der Gabe mit der fettreichen Kost gegen Beginn nach 5 Wochen |
| Jung 2024 [s052] | Mensch, Ernährung | 12 Wochen, Messung zu Beginn, nach 8 und nach 12 Wochen |

Welche Zeit nötig ist, bis sich eine Änderung der Spermienwerte zeigen könnte, hängt von der Dauer der Spermienbildung ab. Die ausgewerteten Quellen enthalten dazu nur eine Angabe: Losacco und Kollegen beschreiben 70 Tage beim Hund als vollständigen Spermatogenesezyklus [s013]. Für den Menschen enthält keine der ausgewerteten Quellen eine Angabe zur Dauer des Zyklus; die Wahl von drei Monaten in den meisten Studien ist daher in den Quellen nicht begründet. Als Hintergrundwissen außerhalb der Quellen gilt, dass die Spermienbildung beim Menschen Wochen bis Monate dauert; kürzere Beobachtungen würden Effekte auf Spermienzahl und -form dann nur eingeschränkt erfassen. Dies ist ausdrücklich kein Befund der ausgewerteten Studien.

#### 3.2 Was ein Zeitverlauf bisher zeigt

**Der einzige Humanversuch mit Nachbeobachtung.** Valcarce und Kollegen untersuchten neun Männer mit Asthenozoospermie, die weder medizinisch behandelt wurden noch ihre Ernährung ändern sollten, mit Messungen vor der Einnahme, nach 3 und 6 Wochen Einnahme und 3 und 6 Wochen nach Ende der Einnahme. Beschrieben wird eine etwa sechsfache Änderung der Motilität, eine statistisch signifikante Abnahme der DNA-Fragmentierung (etwa Faktor 1,2) und ein um etwa den Faktor 3,5 geringerer intrazellulärer Wasserstoffperoxidspiegel; die Vitalität blieb unverändert [s112]. Dass nach Ende der Einnahme gemessen wurde, ist das Design, das die Frage „hält der Effekt an?“ überhaupt beantworten könnte. **Der Abstract berichtet jedoch kein Ergebnis dieser Nachbeobachtung.** Ob die Werte nach Absetzen auf das Ausgangsniveau zurückgingen, blieben oder weiter stiegen, steht in den ausgewerteten Quellen nicht. Das ist eine der wichtigsten Lücken dieses Kapitels. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe und neun Teilnehmer [s112].

**Wirkungseintritt innerhalb weniger Wochen?** Bei Valcarce wurden Veränderungen bereits nach 3 und 6 Wochen untersucht [s112]; Mahiddine und Kollegen fanden bei gesunden Hunden schon nach 3 Wochen mit drei Lactobacillus-Arten eine Verschiebung der Darmflora (weniger Proteobacteria und Tenericutes, mehr Firmicutes) sowie höhere Gesamt- und progressive Motilität und bessere Akrosomintegrität [s080]; in der zweiten Hundestudie wurden nach 6 Wochen mit L. rhamnosus bessere Kinematik, Vitalität, DNA- und Akrosomintegrität und Morphologie sowie hochregulierte Gene für Fruchtbarkeit, DNA-Reparatur und Antioxidation beschrieben [s072]. Die Messpunkte (Woche 0, 3 und 6) erlauben dort einen Verlauf, aber der Abstract nennt keine Zahlen für die einzelnen Zeitpunkte. Beim Hund, nicht beim Menschen, ist also ein früher Effekt beschrieben.

**Anstieg und späterer Abfall.** Die Ernährungsstudie von Jung und Kollegen (12 Wochen, junge koreanische Männer, koreanische gegen westliche Kost) zeigt, dass ein Zeitverlauf nicht monoton sein muss: In der Gruppe mit koreanischer Kost stieg die Spermienmotilität nach 8 Wochen und sank bis Woche 12 wieder, während sie in der Gruppe mit westlicher Kost nach 8 Wochen sank; der Gruppenunterschied war mit p = 0,057 grenzwertig, das freie Testosteron war in der Gruppe mit koreanischer Kost höher als bei westlicher Kost (p = 0,020) [s052]. Die Studie misst keine Mikrobiota und ist hier nur ein Beispiel dafür, dass eine Zwei-Punkt-Messung (vorher, nachher) einen nicht-linearen Verlauf verdecken würde.

**Verschlechterung über die Zeit ohne Probiotikaeffekt.** In der Eberstudie von Ngo und Kollegen sanken nach dem Umstellen von Antibiotika auf Probiotika bis Tag 96 die Gesamtmotilität (−17,5 %; p = 0,024), die Vitalität (−20,4 %; p = 0,002) und die Akrosomintegrität (−25,8 %; p = 0,002) gegenüber Tag 0. Der Anteil gramnegativer Bakterien im Frischsamen stieg von 69,5 auf 88,0 %, der von E. coli von 18,7 auf 76,0 %. Gesamtbakterienzahl und Laktobazillenzahl blieben gleich; die Probiotikagabe veränderte die Vielfalt der Kotflora (p = 0,048), nicht die des Ejakulats (p > 0,05), und beide Veränderungen standen in keinem Zusammenhang [s018]. Das ist ein Zeitverlauf über 96 Tage, in dem sich die Samenqualität **verschlechterte**; die Autoren führen das auf den Anstieg gramnegativer opportunistischer Keime zurück. Es ist ein Studiendesign ohne eigene Kontrollgruppe mit nur sieben Ebern; es lässt sich nicht trennen, was Zeit, Futterumstellung und Probiotikum bewirkten [s018].

**Zeitpunkt des Beginns (Tier).** Harati und Kollegen untersuchten an Ratten, ob es darauf ankommt, wann das Präbiotikum-Probiotikum-Gemisch zur fettreichen Kost gegeben wird: von Beginn an (P-HFD) oder nach 5 Wochen (HFD-P). Fettreiche Kost verminderte das relative Hodengewicht, störte die Spermatogenese, senkte LH, erhöhte TNF-α und führte zu ausgeprägter Dysbiose mit geringerer Vielfalt. Die gleichzeitige Gabe zeigte keine signifikante Besserung der Spermienwerte oder des LH, erhielt aber die Hodenstruktur histologisch, senkte TNF-α und normalisierte Testosteron teilweise; die Autoren sprechen von Abschwächung der Hodentoxizität, nicht von funktioneller Erholung. Die verspätete Gabe bewirkte keine nennenswerte Besserung von Fortpflanzungs-, Hormon- oder Mikrobiomgrößen und zeigte in mancher Hinsicht sogar stärkere Hodenentzündung und strukturelle Degeneration als fettreiche Kost allein. Die Autoren folgern, der Zeitpunkt sei entscheidend, und eine verzögerte Intervention sei unzureichend oder sogar kontraproduktiv, sobald die Hodenschädigung etabliert ist [s008]. Das ist ein Rattenmodell, aber der einzige Versuch in den Quellen, der den Beginn einer Intervention variiert.

#### 3.3 Zeitliche Dynamik des Mikrobioms selbst

Zeitreihen der Samenflora beim Mann sind in den ausgewerteten Quellen selten. Mehrere Übersichten fordern ausdrücklich Längsschnittstudien: Bazzar und Kollegen verlangen standardisierte Methoden und Längsschnittstudien, um Kausalität zu belegen [s001]; Kuribayashi und Kollegen halten fest, kleine Studien mit Antibiotika und/oder Probiotika zeigten wechselnden Nutzen, bei begrenzter Dauerhaftigkeit und begrenzten Reproduktionsendpunkten, und die Forschung bestehe überwiegend aus kleinen Querschnittsstudien [s011]. Baud und Kollegen fanden bei Paaren in Kinderwunschbehandlung nur begrenzte Hinweise auf Übertragung zwischen den Partnern und fordern Längsschnittstudien zur Wirkung der Sexualität auf die mikrobielle Dynamik [s035]; Kuribayashi und Kollegen nennen dagegen einen raschen und robusten Austausch des Mikrobioms zwischen Partnern, der den Samen in kurzer Zeit verändern könne [s011]. Diese beiden Aussagen stehen im Widerspruch zueinander, und die Quellen lösen ihn nicht auf. Eine Querschnittsstudie mit 68 jungen gesunden Männern zeigte, dass der Beginn sexueller Aktivität mit einer Anreicherung der Samenflora verbunden war: Männer ohne sexuelle Erfahrung (12) hatten eine niedrigere Gesamtkonzentration der Bakterien und eine geringere Vielfalt als erfahrene (p < 0,05), und beide Größen korrelierten (r = 0,54; p < 0,0001); die Standardparameter des Samens unterschieden sich zwischen den Untergruppen nicht [s107]. Auch das ist ein Hinweis auf Zeitabhängigkeit der Samenflora, aber über eine Lebensphase und nicht über Wochen.

### 4. Altersgruppen

#### 4.1 Was über das Alter bekannt ist: Spermienwerte, nicht Mikrobiom

Die Datenlage zum Alter ist in einer Hinsicht deutlich und in der anderen leer. Deutlich ist, dass Spermienwerte bei Männern mit unauffälligem Spermiogramm mit dem Alter geringfügig schlechter werden. Leer ist die Frage, ob das Mikrobiom sich mit dem Alter verändert oder ob Probiotika bei jüngeren und älteren Männern unterschiedlich wirken. Keine der ausgewerteten Studien zum Samenmikrobiom oder zu Probiotika hat nach Altersgruppen stratifiziert oder das Alter als Störgröße in der Analyse ausgewiesen, soweit die Abstracts das erkennen lassen [s043, s101, s007, s020]. Die Recherche-Dokumente halten das übereinstimmend fest: Es lagen keine nach Alter, Körpergewicht oder Herkunft getrennten Analysen vor.

Die einzige systematische Altersanalyse im Material ist keine Mikrobiomstudie. Ulubay, Ulu und Akdeniz [s083] werteten in einer retrospektiven Querschnittsstudie 1594 Männer aus Samsun (Türkei) aus, die zwischen Januar 2015 und Juni 2020 in zwei Krankenhäusern (Samsun Training and Research Hospital, Gazi Hospital) zur Abklärung vorstellig wurden und ein **normales** Spermiogramm hatten. Ausgeschlossen waren Männer mit pathologischem Spermiogramm, Varikozele, Hodenhochstand, Hodenoperation in der Vorgeschichte oder Einzelhoden. Die Männer wurden in drei Altersgruppen eingeteilt. Statistik: Kruskal-Wallis-Test, paarweise Mann-Whitney-U-Tests mit Bonferroni-Korrektur, Angaben als Median (Interquartilsabstand).

| Parameter (Median, Interquartilsabstand) | 18 bis 29 Jahre (n = 629; medianes Alter 26) | 30 bis 39 Jahre (n = 775; medianes Alter 34) | 40 bis 49 Jahre (n = 190; medianes Alter 42) | p |
|---|---|---|---|---|
| Volumen (ml) | 3,1 (2,2 bis 4,1) | 2,9 (2,2 bis 3,7) | 2,85 (2,2 bis 3,4) | 0,001 |
| Gesamtzahl (Mio.) | 253,9 (187,7 bis 334,4) | 239,9 (151 bis 323,6) | 225,7 (178,62 bis 260,4) | < 0,001 |
| Konzentration (Mio./ml) | 82,13 (53,85 bis 127,05) | 79,83 (54,51 bis 117,68) | 74,8 (47,44 bis 100,8) | 0,003 |
| Gesamtmotilität (%) | 58 (52 bis 66) | 55 (48 bis 61) | 53 (47 bis 60) | < 0,001 |
| Progressive Motilität (%) | 48 (41 bis 56) | 44 (38 bis 51) | 41 (37 bis 49) | < 0,001 |
| Nichtprogressive Motilität (%) | 10 (8 bis 13) | 10 (8 bis 13) | 11 (8 bis 14,25) | 0,014 |
| Normale Morphologie (%) | 17 (11,5 bis 20,5) | 14 (9 bis 19) | 12 (9 bis 16) | < 0,001 |
| pH-Wert | 8,5 (8 bis 9) | 8,5 (8,5 bis 8,5) | 8,5 (8 bis 8,5) | 0,37 |

(Diagramm ulubay-alter: progressive Motilität 48 gegen 41 %, normale Morphologie 17 gegen 12 %.) Im paarweisen Vergleich unterschied sich die jüngste Gruppe von den beiden anderen zusammen bei Gesamtzahl, progressiver Motilität, Morphologie, Gesamtmotilität (jeweils p < 0,001) und Volumen (p = 0,001). Zwischen der mittleren und der ältesten Gruppe waren Gesamtzahl (p = 0,001), progressive Motilität (p = 0,003), Morphologie (p < 0,001) und Gesamtmotilität (p = 0,04) unterschiedlich, das Volumen nicht (p = 0,61) [s083].

**Stärken:** große Stichprobe; einheitliche Einschlusskriterien; konservative Korrektur für multiples Testen. **Schwächen, die die Autoren selbst nennen:** retrospektives Design; keine individuellen Störgrößen wie Rauchen, Infektionen, Hormonwerte, Ernährung und Alkohol; keine prospektive Datenerhebung; ausschließlich türkische Bevölkerung; Altersspanne bis 49 Jahre begrenzt [s083]. Hinzu kommt, dass es sich um Männer handelt, die zur Fruchtbarkeitsabklärung kamen und ein normales Ergebnis hatten, nicht um eine Stichprobe der Allgemeinbevölkerung. Die Unterschiede sind statistisch deutlich, die Medianwerte liegen aber in allen drei Gruppen im unauffälligen Bereich; die Studie sagt nichts darüber, wie viele Männer der älteren Gruppen in einen auffälligen Bereich rutschen. Sie misst kein Mikrobiom [s083]. Sie zeigt nur, dass Alter bei jeder Mikrobiomstudie mit Spermienwerten als Störgröße zu führen wäre: Wenn ältere Männer ein anderes Mikrobiom hätten, ließe sich dieser Unterschied ohne Alterskontrolle nicht von einem Zusammenhang mit der Spermienqualität unterscheiden. Ob das so ist, wurde in den ausgewerteten Studien nicht untersucht.

Als Kontext zur Zusammensetzung der Samenproben einer türkischen Klinik berichten Kervancıoğlu und Kollegen aus 15 Jahren Spermiogramm-Routine (1995 bis 2009; 9327 Proben von 6780 Männern): 35 % normozoosperm, 4 % azoosperm und 57 % teratozoosperm; die Zahl der Proben pro Jahr stieg von 293 im Jahr 1995 auf 1217 im Jahr 2007 [s118]. Dies ist keine Altersanalyse und keine Mikrobiomstudie; es ist ein Hinweis auf eine ausgewählte Klinikpopulation, die nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar ist [s118].

#### 4.2 Altersspannen der Probiotikastudien

Für die Frage, für welche Altersgruppen ein Probiotikaeffekt überhaupt untersucht wurde, ist die Antwort eng. Nach den verfügbaren Angaben waren die Teilnehmer der Humanstudien Männer in ihren Dreißigern: Gholipour mittleres Alter 34,3 ± 4,5 Jahre [s007]; Maretti 37 (32 bis 42) gegen 36 (30 bis 43) Jahre; Helli 32,23 ± 4,11 gegen 33,01 ± 3,91; Abbasi 34,5 gegen 33,8 (alle drei nach der Tabelle von Prihadi) [s020]; Prihadi bezeichnet die 156 Teilnehmer insgesamt als „mittleren Alters“ [s020]. Bei Valcarce ist kein Alter angegeben [s020]; bei Asadi, Zarehoroki und Huerga López nennen die Abstracts kein Alter [s064, s028, s040]. Männer unter 25 und über 45 Jahren sind in diesen Studien nach den vorliegenden Angaben nicht oder nicht erkennbar vertreten. Eine Aussage zu jüngeren oder älteren Männern ist daher nicht möglich.

Weitere altersbezogene Angaben sind verstreut: Mändar und Kollegen beschrieben die Samenflora bei 68 jungen gesunden Männern (12 ohne sexuelle Erfahrung, 11 mit einer Partnerin, 45 mit mehreren) [s107]; die Ernährungsstudie von Jung und Kollegen bezieht sich auf junge koreanische Männer [s052]; Mowla und Kollegen nennen im Abstract kein Alter ihrer 223 Männer [s043]; Faniev und Kollegen geben für 33 Patienten mit Azoospermie ein mittleres Alter von 39,4 ± 10,7 Jahren und eine mittlere Dauer der unerfüllten Kinderwunschzeit von 7,2 ± 7,8 Jahren an [s060]. Die japanische Geburtskohorte (Japan Environment and Children's Study, 100.778 Schwangerschaften, davon bei 51.402 (51,0 %) ein teilnehmender männlicher Partner) hätte große Altersspannen, enthält nach den ausgewerteten Quellen aber weder Samen- noch Mikrobiomanalysen [s108].

**Entwicklungsphase (Tier).** Zur Frage früher Lebensphasen gibt es im Material nur einen Tierversuch: In keimfreien Mäusen war die Hodenentwicklung verzögert und die Durchlässigkeit der Blut-Hoden-Schranke erhöht; die Besiedlung mit Clostridium tyrobutyricum stellte die Schrankenintegrität wieder her und normalisierte das Testosteron [s114]. Das beschreibt, dass die Darmflora in einer Entwicklungsphase für die Hodenfunktion eine Rolle spielen kann, und ist nicht auf erwachsene Männer oder auf Altersgruppen beim Menschen übertragbar.

### 5. Vorerkrankungen, Phänotypen und andere Untergruppen

Die Frage „für wen gilt das?“ lässt sich nicht mit einer Zahl beantworten. In den Quellen gibt es drei Arten von Untergruppen: (a) klinische Phänotypen des Spermiogramms (Oligo-, Astheno-, Terato-, Azoospermie), (b) Erkrankungen und Zustände (Varikozele, Prostatitis, Leukozytospermie, Infektionen, Adipositas, Diabetes, Stress), und (c) Paarkonstellationen (ungeklärte Unfruchtbarkeit, wiederholte Fehlgeburten, assistierte Reproduktion). Für keine dieser Untergruppen liegt eine für eine Untergruppe vorab geplante, ausreichend große Studie mit Probiotika vor; die einzige Untergruppe mit einer eigenen randomisierten Studie ist der Zustand nach Varikozelenoperation.

#### 5.1 Phänotypen des Spermiogramms

| Untergruppe | Studien (n) | Befunde |
|---|---|---|
| Idiopathische Oligoasthenoteratozoospermie (OAT) | Probiotikastudien: Maretti (n = 41) [s111], Helli (n = 52, zurückgezogen) [s079, s021], Gholipour (n = 110) [s007], Zarehoroki (n = 73) [s028]; Mikrobiom: Garcia-Segura (14 Spender, 42 Patienten) [s077], Lu 2025 und 2026 (je 40 Patienten, 30 Kontrollen) [s041, s014] | Fast alle Probiotikastudien betreffen diese Gruppe. Bei Lu wurde mit maschinellem Lernen ein Modell aus fünf Gattungen mit einer AUC von 0,773 (95-%-KI 0,661 bis 0,885) gebildet, explorativ, ohne externe Validierung [s014] |
| Asthenozoospermie | Valcarce (n = 9) [s112]; Mikrobiom: Cao (n = 12 in dieser Untergruppe) [s066] | Cao: Collinsella im Darm bei Asthenozoospermie vermindert, Staphylococcus im Samen erhöht; die Autoren sehen die Darmflora stärker mit der Samenqualität verbunden als die Samen- oder Harnflora [s066]. Gomes: bei Asthenozoospermie Prevotella, Ureaplasma, Aerococcus; bei Oligoasthenozoospermie Ralstonia, Prevotella [s068] |
| Oligozoospermie | Cao (n = 6) [s066]; Yang (n = 13) [s099] | Sehr kleine Untergruppen; in Cao ist die Harn-Lactobacillus-Menge bei Oligozoospermie und hoher Viskosität vermindert [s066] |
| Hohe Viskosität des Ejakulats | Cao (n = 14) [s066] | Staphylococcus im Samen erhöht, Collinsella im Darm vermindert [s066] |
| Nichtobstruktive Azoospermie (NOA) und obstruktive Azoospermie (OA) | Campbell 2023 (14 NOA, 19 Kontrollen) [s065]; Faniev 2024 (57: 29 NOA, 19 OA, 9 fruchtbar) [s062]; Faniev 2024 (53 Paare Urethra/Hoden) [s061]; Faniev 2024 (33: 21 NOA, 12 OA) [s060]; Faniev 2025 (24 OA in ART) [s046]; Alfano 2018 (15 Hoden) [s104]; Brandão (9 Studien) [s086] | siehe 5.2 |
| Gemischte Spermiogramm-Auffälligkeiten | Baud 2019 (68 von 94) [s101]; Osadchiy (Motilität n = 27 gegen 46, Konzentration n = 20 gegen 53) [s056]; Vougiouklaki (Griechenland, n = 80) [s026] | Uneinheitlich, siehe Kapitel zu den Widersprüchen |

Hinweise zu den einzelnen Gruppen: Viele Untergruppen sind sehr klein; die kleinste in der Tabelle umfasst 6 Männer (Oligozoospermie bei Cao) [s066]. Statistische Aussagen über so kleine Gruppen sind unsicher. Yang und Kollegen berichten bei 159 Männern (22 Oligoasthenozoospermie, 58 Asthenozoospermie, 8 Azoospermie, 13 Oligozoospermie, 58 Kontrollen) einen Unterschied in der Beta-Diversität bei Asthenozoospermie und Oligoasthenozoospermie gegenüber Kontrollen (p < 0,05) und nennen Ureaplasma, Bacteroides, Anaerococcus, Finegoldia, Lactobacillus und Acinetobacter lwoffii als Biomarker [s099]; Baud fand dagegen weder bei der Alpha- noch bei der Beta-Diversität Unterschiede zwischen Gruppen [s101]. Die Aussagen sind also gegenläufig, und die Gruppengrößen reichen für eine Entscheidung nicht.

#### 5.2 Azoospermie: Hodengewebe, Struktur und Aussichten der Spermiengewinnung

Bei Azoospermie wird häufig das Hodengewebe selbst untersucht (mikrochirurgische Spermiengewinnung, micro-TESE). Das hat den Vorteil, dass die Probe nicht die Harnröhre passiert, aber auch hier gilt: Es sind kleine Studien, überwiegend einer Arbeitsgruppe, und Kontrollgruppen sind keine gesunden Freiwilligen.

- **Faniev 2024 (Exp Klin Urol) [s062]:** 57 Patienten (29 NOA, 19 OA, 9 fruchtbare Männer mit Vaterschaft); alle mit micro-TESE, 16S-Amplikonanalyse, parallel Urethraprobe. Keine signifikanten Unterschiede der Urethraflora zwischen den Gruppen; Diversitätsindizes (Chao1, Shannon, Simpson, phylogenetische Diversität) und Zahl taxonomischer Einheiten im Hodengewebe waren bei NOA und OA signifikant niedriger als bei fruchtbaren Männern. Bei NOA war Proteobacteria erhöht, bei den fruchtbaren Männern Firmicutes und Bacteroidetes; NOA und OA unterschieden sich vor allem in Bifidobacterium adolescentis.
- **Faniev 2024 (Androl Genit Khir) [s061]:** 53 Paare aus Urethra- und Hodenproben (13 NOA mit Varikozele, 29 OA, 11 fruchtbare Männer mit bestätigter Vaterschaft); bei OA war die Vielfalt im Hoden gegenüber NOA mit Varikozele stark vermindert, die fruchtbaren Männer hatten die vielfältigste Zusammensetzung. Ein Recherche-Dokument weist darauf hin, dass die Gruppengrößen im Text (42 plus 11 = 53) und im Abstract (13/29/11) anders aufgeschlüsselt sind. Die fruchtbaren Kontrollen waren Männer mit Vaterschaft, bei denen eine Hodenbiopsie aus anderem Grund (Ausschluss von Keimzelltumoren) erfolgte, also keine gesunden Freiwilligen.
- **Faniev 2024 (Vestn Urol) [s060]:** 33 Patienten (21 NOA, 12 OA); bei NOA häufiger Enterobacteriaceae, Xanthomonadaceae, Finegoldia, Bifidobacterium, Porphyromonas, Prevotella, Peptoniphilus, Pseudomonas; bei OA seltener Prevotella und insgesamt weniger Taxa (p < 0,05). Hormonlage bei NOA: Testosteron vermindert, FSH und LH erhöht; Inhibin B korrelierte negativ mit FSH (r = −0,678) und LH (r = −0,645) (jeweils p < 0,05). Mastozytose im Interstitium bei etwa 83 %, Mastzellen in den Tubuli bei 68 %, vollständiges Fehlen von Mastzellen nur bei 32 %. Bei NOA korrelierten tubuläre Mastzellen positiv mit Bifidobacterium (r = 0,710) und Dermabacter (r = 0,527). Ein Recherche-Dokument weist darauf hin, dass das Vorzeichen einer Korrelation im Quelltext widersprüchlich beschrieben ist.
- **Faniev 2025 (Exp Klin Urol) [s046]:** 24 Männer mit OA in assistierter Reproduktion; Schwangerschaft trat bei 13 ein (ART+), bei 11 nicht (ART−). Shannon-Index im Hoden 4,7 ± 1,7 (ART−) gegen 4,1 ± 1,2 (ART+); in der Urethra 3,9 ± 1,9 gegen 3,6 ± 1,1; kein signifikanter Unterschied der Alpha-Diversität. In der ART−-Gruppe waren im Hodengewebe 19 Familien relativ häufiger und 2 (Mycobacteriales, Legionellaceae) seltener. Das Abstract-Ergebnis ist eine Hypothese („Hodenmikrobiota der Fruchtbarkeit“) bei n = 24 und ohne sichtbare Störgrößenkontrolle [s046]. Die Angaben zum Shannon-Index stehen in der Quelle als Mittelwert mit Standardabweichung, nicht als Konfidenzintervall (Diagramm faniev-shannon).
- **Alfano 2018 (Human Reproduction) [s104]:** 15 Hoden (5 idiopathische NOA mit negativer Spermiengewinnung bei micro-TESE, 5 idiopathische NOA mit positiver Gewinnung, 5 normozoosperme Männer mit Orchiektomie); Ultra-Tiefensequenzierung und digitale Tröpfchen-PCR. Bei NOA mehr Bakterien-DNA (P = 0,02) bei verminderter taxonomischer Reichhaltigkeit durch Fehlen von Bacteroidetes und Proteobacteria (P = 2 × 10⁻⁵); Proben mit negativer Gewinnung hatten einen vollständigen Keimzellmangel (Aplasie) und weniger Firmicutes und Clostridia (P < 0,05), keine Peptoniphilus asaccharolyticus und mehr Actinobacteria. Die Autoren verlangen externe Bestätigung wegen der kleinen Zahl und weisen auf das paraneoplastische Milieu der entfernten Hoden hin [s104]. Übersichten geben an, dass 50 bis 70 % der Leseeinheiten in Hodenproben Kontamination sein können [s050].
- **Campbell 2023 [s065]:** 14 NOA gegen 19 fruchtbare Kontrollen; Alpha-Diversität ähnlich, Beta-Diversität unterschiedlich; Proteobacteria und Firmicutes unterrepräsentiert, Actinobacteriota überrepräsentiert bei NOA; die Autoren stellen sie als Pilotstudie dar.
- **Yao G 2026 [s027]:** 58 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie bei normalem FSH (retrospektiv) plus Mausmodell (Busulfan). Das Verhältnis aus Anti-Müller-Hormon und Inhibin B im Serum sagte den Ausgang der micro-TESE mit einer AUC von 0,92 (95-%-KI 0,86 bis 0,98) voraus (Grenzwert 0,65; Sensitivität 88,2 %; Spezifität 85,7 %). Das ist ein Hormon-Vorhersagemodell, keine Mikrobiom-Messung beim Menschen; die Darmflora wurde im Mausmodell untersucht.
- **Brandão 2021 [s086]:** Die systematische Übersicht (9 Studien mit 15 bis 118 Personen) berichtet zu Lactobacillus 6,79 % bei gesunden Kontrollen, 17,98 % bei obstruktiver und 17,24 % bei nichtobstruktiver Azoospermie (Diagramm brandao-lactobacillus) und zur Artenzahl 1093 gegen 925 (obstruktiv) und 840 (nichtobstruktiv) (Diagramm brandao-artenzahl). Der Text der Übersicht beschreibt die Lactobacillus-Anteile bei Azoospermie dagegen als niedriger; die Zahlen und die Aussage widersprechen einander. Diese Lactobacillus-Zahlen werden deshalb nicht als Befund verwendet.

Aus diesen Studien lässt sich nur ein vorsichtiger Schluss ziehen: Bei Azoospermie unterscheidet sich die Flora des Hodengewebes zwischen Gruppen, und die Gewebeflora steht in Beziehung zu Hormonwerten und Gewebebefunden. Eine Richtung (ob die Bakterien die Schädigung verursachen oder die geschädigte Umgebung die Bakterien anzieht) ist nicht bestimmbar, und für Probiotika bei Azoospermie gibt es keine Interventionsstudie. Der Hinweis von Alfano, dass bei negativer Spermiengewinnung ein vollständiger Keimzellmangel vorlag, ist ein Gewebebefund; er macht auch deutlich, dass ein struktureller Schaden eine ganz andere Reversibilitätsfrage stellt als eine funktionelle Einschränkung der Beweglichkeit (siehe Abschnitt 6).

#### 5.3 Varikozele und Zustand nach Varikozelenoperation

Die einzige Untergruppe mit einer eigenen randomisierten Probiotikastudie ist der Zustand nach Varikozelenoperation. Asadi und Kollegen randomisierten 78 Männer nach mikrochirurgischer subinguinaler Varikozelenoperation zu FamiLact (n = 38) oder Placebo (n = 40) über drei Monate; die Ausgangswerte unterschieden sich nicht. Nach drei Monaten waren Konzentration und normale Morphologie höher (33,7 ± 22,5 gegen 21,1 ± 16,1 Mio./ml, p = 0,046; 15,0 ± 8,9 gegen 12,0 ± 11,5 %, p = 0,016), Volumen (p = 0,897) und Motilität (p = 0,177) nicht (Diagramme asadi-konzentration, asadi-morphologie) [s064]. Zwei Anmerkungen:

- Beide p-Werte liegen nahe 0,05 (0,046 und 0,016), und die Standardabweichungen sind groß (bei der Morphologie ist die Streuung in der Placebogruppe fast so groß wie der Mittelwert, 12,0 ± 11,5 %); ein Konfidenzintervall der Differenz gibt der Abstract nicht an [s064]. Bei vier verglichenen Zielgrößen ohne Korrektur für Mehrfachvergleiche ist die Aussagekraft von p = 0,046 begrenzt (eine Korrektur wurde im Abstract nicht berichtet).
- Zwischen den Studien widersprechen sich die Motilitätsbefunde: Gholipour fand bei idiopathischer OAT eine deutliche Verbesserung der Motilität [s007], Asadi nach Varikozelenoperation nicht [s064]; die Studien unterscheiden sich auch durch Population, Produkt und Zeitpunkt. Die Ursache des Unterschieds ist nicht untersucht.

Dass eine Operation die Ausgangslage verändert, hat eine Konsequenz für die Deutung: Die Spermienwerte können sich nach dem Eingriff auch ohne Zusatzmaßnahme bessern, was gerade der Placeboarm abbildet; die Studie vergleicht deshalb korrekt „Probiotikum gegen Placebo nach Operation“ und nicht „Probiotikum gegen nichts“ [s064]. Kaltsas und Kollegen nennen den Zustand nach Varikozelenoperation neben der idiopathischen Unfruchtbarkeit als Population, in der frühe Studien Besserungen berichten [s009]. Zur Mikrobiomseite: Lundy und Kollegen (25 unfruchtbare Männer, 12 fruchtbare Kontrollen, Rektalabstrich, Ejakulat und Urin; 16S und Shotgun-Metagenomik) fanden im Ejakulat unfruchtbarer Männer mit Varikozele eine ausgeprägte Überrepräsentation anaerober Bakterien; die Unterschiede bei oxidativem Stress und Leukozytospermie waren dabei gering. Die Autoren stufen die Arbeit als Pilotstudie ein [s092]. Ein Forschungsprojekt der Universität Osaka (2022 bis 2024) wollte die Samenflora von Varikozelenpatienten vor und nach der Operation mit Sequenzierung untersuchen; Ergebnisse waren nicht auffindbar [s081]; es wird daher nicht als Beleg verwendet.

#### 5.4 Prostatitis, Leukozytospermie und Infektionen

| Untergruppe | Studie (n) | Befund |
|---|---|---|
| Chronische Prostatitis | Mändar 2017 [s110]: 21 Prostatitis, 46 ohne | Laktobazillen höher bei Gesunden (p = 0,05), Reichhaltigkeit höher bei Prostatitis |
| Chronische Prostatitis | Saldarriaga López 2024 [s058] (Kolumbien): 22 Männer mit Symptomen, 31 Kontrollen | normale Morphologie 4,3 gegen 6,0 % (p = 0,004); Autoren vermuten einen möglichen Schutz durch Mikroorganismen der Vaginalflora (L. crispatus, L. iners, G. vaginalis, A. vaginae), kleine Stichprobe, Hypothese (Diagramm saldarriaga-morphologie) |
| Chronisches Beckenschmerzsyndrom | Choi 2020 [s096]: 17 Patienten, 4 Kontrollen | in keiner Samenprobe wuchsen in der Standardkultur Kolonien, aber die Pyrosequenzierung zeigte in allen Proben vielfältige Gattungen; Achromobacter, Stenotrophomonas, Brevibacillus bei Patienten häufiger; Pilotstudie |
| Leukozytospermie | Yao 2022 [s084]: 87 Proben (33 mit normaler Leukozytenzahl: 20 Kontrollen, 13 Asthenozoospermie; 54 Leukozytospermie: 32 Asthenozoospermie, 22 normal) | höhere Alpha-Diversität und schlechtere Spermienparameter in der Leukozytospermie-Gruppe; Lactobacillus-Typ überwiegend bei normaler Leukozytenzahl, Streptococcus-Typ überwiegend bei Leukozytospermie |
| Leukozytospermie | Henkel 2024 [s051] | bei etwa 30 % der unfruchtbaren und bis zu 20 % der fruchtbaren Männer; Bakterieninfektionen, auch „stille“, seien behandelbar, Antibiotika seien das Mittel der Wahl; eine spezifische Strategie für die Leukozytospermie selbst gebe es nicht |
| Prostatitis-Phänotypen (NIH I bis IV) | Kaltsas 2026 [s010] | Leukozytospermie und erhöhte Zytokine (vor allem Interleukin-8) hängen mit eingeschränkter Motilität, veränderter Viskosität und Verflüssigung, oxidativem Stress und höherer DNA-Fragmentierung zusammen; anhaltende Infektion oder Dysbiose könne die Immunaktivierung aufrechterhalten; Hinweis auf einen biomarkergeleiteten Abklärungsweg |
| Bestätigte Infektion mit Kulturnachweis | Eini 2021 [s088] | siehe Abschnitt 2.2 |
| Symptomatische Bakteriospermie (Südosten Spaniens) | Mendoza-Rodríguez 2023 [s073] | bei Verdacht auf chronische bakterielle Prostatitis (2016 bis 2021): Enterococcus faecalis 34,89 %, Ureaplasma spp. 13,74 %, Escherichia coli 10,98 %; Resistenz gegen Chinolone bei E. faecalis 11 %, bei E. coli 35 %; geringe Resistenz gegen Fosfomycin und Nitrofurantoin |
| Männer der Allgemeinbevölkerung (Granada) | Foronda-García-Hidalgo 2019 [s102]: 3066 Proben, 451 positiv (14,71 %) | per PCR häufigste Erreger N. gonorrhoeae (28,37 %), C. trachomatis (26,95 %), U. urealyticum (17,73 %); per Kultur Enterobacterales, Enterococcus, Haemophilus; kein Samenqualitätsmaß (Diagramm foronda-pcr) |
| Fünf Erreger bei Kinderwunschpaaren (Korea) | Kim 2017 [s109]: 400 Männer | Häufigkeit: HPV 1,57 %, C. trachomatis 0,79 %, U. urealyticum 16,80 %, M. hominis 4,46 %, M. genitalium 1,31 %; Anteil normaler Morphologie in der U.-urealyticum-Gruppe signifikant niedriger; Volumen und Gesamtzahl in der Erreger-Gruppe vermindert |
| HPV | Campbell 2026 [s004]; Bazzar 2026 [s001]; Grande 2024 [s050]; Neto 2024 [s054] | HPV-Infektion mit erhöhter Häufigkeit von Spermienantikörpern (OR 10,63; 1,49 bis 75,93, sehr breit); mehr Fusobacterium in HPV-positiven Proben (6 gegen 25 Kontrollen); mehr Moraxellaceae, Streptococcus und Peptostreptococcus |
| HIV | Liu 2014 [s115]: 49 Teilnehmer; Neto 2024 [s054] | Last der Samenbakterien in einer HIV-Kohorte mit IL-6, TNF-α und IL-1β verbunden; HIV verringert die Vielfalt, durch antiretrovirale Therapie wiederhergestellt; betrifft HIV, kein Beleg für Unfruchtbarkeit |
| Regionale Serien | Shash 2023 (Ägypten, 34 Proben mit Bakterien gegen 34 ohne) [s074]; Berjis 2018 (Qom, 300 Männer) [s105]; Asgari 2025 (Shiraz, 160) [s034]; Dehghan 2022, Heidari 2021 | In Ägypten bei Bakteriospermie niedrigere progressive und Gesamtmotilität sowie weniger normale Formen (jeweils p = 0,001), abnorme Spermiogramme 64,71 gegen 35,29 %, Staphylococcus aureus 67,6 %, E. coli 14,7 % (Diagramm aegypten-spermiogramm). In Qom Infektionshäufigkeit 21 %, davon S. aureus 61,9 % (Diagramm qom-erreger). In Shiraz Ureaplasma urealyticum 7,5 % vor E. faecalis 6,25 % (Diagramm shiraz-praevalenz) |

Aus der Tabelle ergibt sich: Für Infektionen und Prostatitis sind die Zusammenhänge mit den Spermienwerten am deutlichsten, und für sie existiert auch ein etablierter medizinischer Behandlungsweg außerhalb von Probiotika, der in den Quellen als ärztliche Aufgabe beschrieben wird [s051, s010, s073]. Für die Frage dieses Kapitels bedeutet das: Wer in einer Studie wegen einer Infektion oder Prostatitis eingeschlossen wird, ist eine andere Untergruppe als der Mann mit idiopathischer OAT, und die Ergebnisse der einen sind nicht auf die andere übertragbar. Die Quellen liefern keine Probiotikastudie in diesen Untergruppen [s009, s020].

#### 5.5 Adipositas, fettreiche Kost, Diabetes, Stress und Umweltgifte

Ein großer Teil der mechanistischen Daten stammt aus Tiermodellen, in denen eine Vorerkrankung gezielt erzeugt wird. Sie sind für die Untergruppenfrage wichtig, weil sie zeigen, welche Zustände überhaupt mit einem Darm-Hoden-Zusammenhang untersucht wurden; sie sagen nicht, ob Männer mit diesen Zuständen anders auf Probiotika ansprechen.

| Zustand | Studie, Tier | Befund |
|---|---|---|
| Fettreiche Kost, Adipositas | Ding 2020 (Maus, Stuhltransplantation mit Humanproben) [s097]; Hao 2022 (Maus) [s078]; Harati 2026 (Ratte) [s008] | Ding: Stuhltransplantation aus fettreich gefütterten Mäusen verminderte Spermatogenese und Motilität; Bacteroides und Prevotella stiegen, mit Endotoxinämie; beim Menschen korrelierte die Häufigkeit von Bacteroides-Prevotella im Stuhl stark negativ mit der Spermienmotilität und das Blutendotoxin positiv mit Bacteroides. Hao: Stuhltransplantation mit alginat-oligosaccharid-verbesserter Flora milderte die Schädigung (Konzentration 286,1 ± 14,1 gegen 217,9 ± 17,4 Mio./ml; Motilität 40,1 ± 0,7 gegen 29,0 ± 0,9 %; Trächtigkeitsrate 87,4 ± 1,1 gegen 70,2 ± 6,1 %). Harati: siehe Abschnitt 3.2. Grande: Prevotella mit adipositasassoziierter Asthenozoospermie verknüpft [s050] |
| Diabetes (Streptozotocin) | Tas 2026 (Ratte) [s025] | Lactobacillus rhamnosus GG, lebend oder inaktiviert (Paraprobiotikum), verbesserte Motilität der Nebenhodenspermien, Testosteron und Histologie und beeinflusste die DNA-Methylierung im Hoden |
| Chronischer Stress | Zheng 2026 (Ratte, erzwungenes Schwimmen) [s031] | Glukokortikoide störten die Darmbarriere, Lactobacillus nahm ab, der Stoffwechsel der Vitamine A und E war gestört; Wiederherstellung von Lactobacillus und Vitamine A und E milderten den Oligoasthenozoospermie-Phänotyp |
| Umweltgifte | Wu 2024 (Bisphenol A, Maus) [s059]; Tian 2019 (Phthalat DEHP, Maus) [s103]; Zhao 2021 (Triptolid, Maus) [s094]; Hu 2025 (Gossypol, Maus) [s039] | Probiotikamischung bzw. L. plantarum TW1-1 bzw. Spermin oder Stuhltransplantation bzw. Oligosaccharide besserten jeweils die Schädigung (Einzelheiten in Abschnitt 6) |
| Antibiotikaexposition | Ngo 2026 (Eber) [s018]; Zhao 2021 [s094] | Eber: Gramnegative nahmen nach Absetzen von Antibiotika zu, die Samenqualität sank; Maus: Verlust der Darmflora durch Antibiotika verstärkte die Hodenschädigung |

Eine Humanstudie zur Frage Adipositas liegt bisher nur als Studienprotokoll vor: Shamsi-Goushki und Kollegen planen eine randomisierte Studie mit MIND-Diät und Probiotika bei übergewichtigen und adipösen Männern (84 Teilnehmer geplant); es werden keine Ergebnisse berichtet [s023].

#### 5.6 Paarkonstellationen: ungeklärte Unfruchtbarkeit, wiederholte Fehlgeburten, assistierte Reproduktion

- **Wiederholte Fehlgeburten:** Mowla und Kollegen schlossen 46 männliche Partner bei wiederholten Fehlgeburten ein; die Gesamtzusammensetzung der Samenflora war nicht mit dem Spermiogramm, ROS oder DNA-Fragmentierung verbunden [s043]. Die Rate hoher DNA-Fragmentierung, erhöhter ROS und Oligozoospermie war in der Studiengruppe häufiger als bei Kontrollen mit nachgewiesener Vaterschaft [s043]. Ein Recherche-Dokument nennt für die Studiengruppe 85 % hohe DNA-Fragmentierung, 85 % hohe ROS und 79 % Oligozoospermie; da dies aus einem Recherche-Dokument stammt, bleibt es unbestätigt.
- **Ungeklärte Unfruchtbarkeit mit IVF:** Huerga López und Kollegen (70 Paare randomisiert, 57 abgeschlossen): Schwangerschaftsrate 48,1 % gegen 20,0 % (einseitiger Test, p < 0,024), ohne wesentliche Änderung der Mikrobiomzusammensetzung (Diagramm huerga-schwangerschaft) [s040]. Es ist eine Paarintervention; der Einfluss des Mannes ist nicht abtrennbar.
- **Assistierte Reproduktion und Paarmikrobiom:** Koort und Kollegen (97 Paare): Bei 15 Paaren mit günstigem Typ bei beiden Partnern (Lactobacillus-crispatus-dominierte Vaginalflora und Acinetobacter-dominierte Samenflora) war der Erfolg der assistierten Reproduktion 53 % gegen 25 % bei den übrigen (P = 0,023 nach einem Recherche-Dokument; im Abstract selbst ohne Zahlen) [s070] (Diagramm koort-art). Amato und Kollegen (23 Paare, intrauterine Insemination): Nur die vaginale, nicht die seminale Flora war mit dem Erfolg verbunden, und zwar eine vaginale L.-crispatus-Dominanz (P = 0,0002 nach einem Recherche-Dokument) [s095]. Mändar und Kollegen (23 Paare): Samen- und Vaginalflora ergänzen einander; Gardnerella vaginalis herrschte bei der Hälfte der Partnerinnen von Männern mit deutlicher Leukozytospermie vor, aber nur bei einer von 17 ohne [s113]. Neto und Kollegen fassen zusammen, Lactobacillus jensenii und Faecalibacterium seien mit klinischer Schwangerschaft nach IVF oder ICSI verbunden gewesen, verminderte Proteobacteria, Prevotella und Bacteroidetes mit Erfolg; Bakterien im Kulturmedium schienen die Schwangerschaftsraten nicht zu beeinflussen [s054].
- **Vaginale Probiotika (Frau):** Eine Metaanalyse (6 Studien, 850 Teilnehmerinnen) fand keine signifikant höhere klinische Schwangerschaftsrate nach Embryotransfer (37,47 gegen 31,55 %; RR 1,19; p = 0,07) [s042]. Das betrifft die Frau, ist aber für Paare relevant. Im Tiermodell hemmte vaginales L. crispatus die Spermienbeweglichkeit und senkte die Schwangerschaftsrate bei Ratten, was zeigt, dass ein „günstiger“ Stamm je nach Ort und Zusammenhang schaden kann [s091].

Beachtenswert ist, dass die Studien zu Paaren untereinander in der Frage, welcher Partner entscheidend ist, uneins sind [s070, s095]. Für die Untergruppenfrage heißt das: Ergebnisse für Paare lassen sich nicht auf „den Mann“ herunterbrechen.

#### 5.7 Regionale und andere Untergruppen, die nicht auswertbar sind

Nach Geschlecht ist die Frage hinfällig (es geht um Männer); nach Herkunft oder Ethnie lagen den Recherche-Dokumenten keine stratifizierten Analysen vor. Die Samenflora „gesunder“ Männer unterscheidet sich zwischen Ländern, etwa in Griechenland (Bacillota 64,13 % bei Normozoospermie gegen 2,32 % bei Auffälligkeiten; Diagramm vougiouklaki-bacillota), der Schweiz (Prevotella- und Lactobacillus-Profile), China und den USA; ob Region, Ernährung, Sequenzmethode oder Kontaminationskontrolle dafür verantwortlich sind, lässt sich nicht trennen [s026, s101, s066, s056]. Die Griechenlandstudie umfasst 80 Proben (48 mit Normozoospermie, 32 mit Auffälligkeiten) und ist ein Pilotprojekt [s026]. Alle Probiotikastudien am Menschen im Material stammen aus dem Iran, Italien und Spanien; die Übertragbarkeit auf Mitteleuropa ist nicht untersucht, und Probiotikastudien aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz wurden nicht gefunden.

### 6. Reversibilität

#### 6.1 Was „reversibel“ hier heißen kann

Drei Fragen werden in der Literatur oft vermischt. Erstens: Kehren Spermienwerte zum Ausgangswert oder in den Normalbereich zurück, wenn eine vermutete Ursache (Infektion, Entzündung, Kost, Giftstoff) wegfällt? Zweitens: Kehrt die Flora (Darm oder Ejakulat) zu einer „gesunden“ Zusammensetzung zurück? Drittens: Ist ein Schaden funktionell (zum Beispiel verminderte Beweglichkeit) oder strukturell (zum Beispiel fehlende Keimzellen im Hodengewebe)? Nur die erste Frage ist eine Frage der Spermienwerte; die zweite und die dritte sind davon unabhängig, und aus der Beantwortung der einen folgt nicht die der anderen. Dass zum Beispiel die Flora sich nicht ändert, die Spermienwerte sich aber ändern, ist in einer Humanstudie berichtet [s040].

#### 6.2 Beim Menschen: Was die Quellen zur Umkehr enthalten

**Es gibt keine Humanstudie, die zeigt, dass eine Normalisierung der Samenflora die Spermienwerte dauerhaft wiederherstellt.** Das ist der zentrale Befund dieses Abschnitts. Im Einzelnen:

- **Nachbeobachtung nach Absetzen:** Nur die Studie von Valcarce und Kollegen sah Messungen nach Ende der Einnahme vor (3 und 6 Wochen danach); das Ergebnis ist im Abstract nicht berichtet [s112] (Abschnitt 3.2).
- **Dauerhaftigkeit:** Kuribayashi und Kollegen halten fest, kleine Studien mit Antibiotika und/oder Probiotika zeigten wechselnden Nutzen, Dauerhaftigkeit und Reproduktionsendpunkte seien begrenzt untersucht [s011]. Corbett und Kollegen stellen fest, dass die Rolle routinemäßig verordneter Probiotika noch nicht etabliert ist [s087].
- **Antibiotika:** Henkel beschreibt, bakterielle Infektionen, auch stille, seien behandelbar, Antibiotika seien das Mittel der Wahl; für die Leukozytospermie selbst gebe es keine spezifische Strategie [s051]. Welche Spermienwerte sich nach erfolgreicher Antibiotikatherapie ändern und wie dauerhaft, enthalten die ausgewerteten Zusammenfassungen nicht. Lee und Cho fordern ausdrücklich gut geplante prospektive Verlaufsstudien, um bei Bakteriospermie und DNA-Fragmentierung klinische Vorgehensweisen zu klären [s012]; eine Interventionsstudie zur Wirkung der Behandlung der Bakteriospermie auf DNA-Fragmentierung und Schwangerschaftsrate wurde in den Quellen nicht gefunden. Mendoza-Rodríguez und Kollegen zeigen, dass bei symptomatischer Bakteriospermie die Resistenzlage (Chinolone: E. faecalis 11 %, E. coli 35 %) für die Antibiotikawahl relevant ist, und mahnen, Gram-positive und atypische Erreger als Hauptursache zu berücksichtigen, um Resistenzen und chronische Verläufe nicht zu fördern [s073].
- **Ältere Klinikbeobachtungen:** Granouillet und Kollegen (1982) fanden, dass 20 Prozent der Patienten chronisch infiziert waren, ohne klinische Zeichen [s124]; Auroux (1988) nennt Ureaplasma urealyticum und E. coli als die am häufigsten aus dem Samen unfruchtbarer Männer isolierten Bakterien [s123]; Arvis (1989) schreibt, eine echte Sameninfektion sei sehr selten [s122]; Ensslen und Kollegen (1990) berichten, bei über 70 Prozent der wegen Sterilität konsultierenden Ehemänner sei in der Klinik eine Behandlung der Bakteriospermie nötig gewesen [s121]; Ludwig und Kollegen (2001) beschrieben Entzündungen und Infektionen des männlichen Genitaltrakts als wichtigen und potenziell behandelbaren Faktor der Unfruchtbarkeit [s120]. Diese Arbeiten sind nur als Zusammenfassungen belegt, nicht mit heutigen Methoden und Definitionen vergleichbar und liefern keine Zahlen zur Umkehr unter Therapie.
- **Fallserie:** Gupte und Kollegen (nicht begutachteter Vorabdruck, 8 Männer mit auffälligen Samenwerten und Dysbiose, 90 Tage Lactobacillus und Bifidobacterium bifidum) berichten für alle Teilnehmer höhere progressive Motilität, höhere Zahl und mehr normale Formen; der Titel nennt erfolgreiche Empfängnis, der Abstract keine Zahlen dazu. Ohne Kontrollgruppe und ohne Peer-Review hat die Serie keinen Beweiswert für Umkehrbarkeit; sie wird nur der Vollständigkeit halber genannt [s037].

**Spontanschwankung und Placebo.** Dass Spermienwerte sich ohne Wirkstoff ändern können, zeigt sich in den Placeboarmen. Bei Abbasi besserte sich in der Placebogruppe die DNA-Fragmentierung (p = 0,03), während Konzentration, Motilität, Morphologie und Lipidperoxidation sich nur in der Verumgruppe änderten (p ≤ 0,02) [s085]. In der Maretti-Studie zeigte die Stärkekontrolle bei der großen Mehrzahl der untersuchten Parameter keine Änderung [s111]. In der Gholipour-Studie hatte der Placeboarm nach drei Monaten eine Motilität von 22,75 %, 1,52 % normale Formen und 4,91 Mio./ml; die Ausgangswerte wurden nicht gelesen, sodass offenbleibt, ob dies eine Besserung, eine Konstanz oder eine Verschlechterung bedeutet [s007]. Diese Beispiele sind der Grund, warum Vorher-Nachher-Zahlen ohne Kontrollgruppe (wie die Medianwerte der Maretti-Verumgruppe, die Valcarce-Serie und die Fallserie von Gupte) nicht als Reversibilitätsnachweis gelten dürfen [s111, s112, s037].

#### 6.3 Im Tier: Umkehr gezeigt, aber unter Bedingungen

Im Tierversuch ist Umkehr dagegen mehrfach direkt gezeigt worden, also Stufe A im Sinn des Kapitels zu den Mechanismen (Beweis der Möglichkeit des Wegs, nicht seiner Relevanz beim Mann). Die folgende Tabelle ordnet die Studien nach dem Eingriff.

| Studie | Modell der Schädigung | Eingriff, der die Schädigung abmilderte oder umkehrte | Befund und Grenze |
|---|---|---|---|
| Zhao 2021 [s094] | Triptolid-induzierte Hodenschädigung (Maus); Spermin-Mangel und gestörte Darmflora | Spermin, Stuhltransplantation von unbehandelten Mäusen, polyaminbildendes Parabacteroides distasonis | Die Hodenfunktionsstörung wurde umgekehrt, die Zahl der Nachkommen stieg; Antibiotika verstärkten die Schädigung; der Schutz hing von Hitzeschockproteinen (HSP70) ab |
| Hao 2022 [s078] | fettreiche Kost (Maus) | Stuhltransplantation von mit Alginat-Oligosaccharid verbesserter Darmflora | Konzentration 286,1 ± 14,1 gegen 217,9 ± 17,4 Mio./ml; Motilität 40,1 ± 0,7 gegen 29,0 ± 0,9 %; Trächtigkeitsrate 87,4 ± 1,1 gegen 70,2 ± 6,1 % |
| Yao G 2026 [s027] | Busulfan-Modell (nichtobstruktive Azoospermie, Maus) | Stuhltransplantation | Bacteroidales und Muribaculaceae stellten sich wieder ein, Hodenfunktion und Schrankenproteine sowie Steroidenzyme verbesserten sich; ein durch Kurzkettenfettsäuren vermittelter Darm-Hoden-Weg wird vermutet |
| Zheng 2026 [s031] | chronischer Stress (Ratte) | Wiederherstellung von Lactobacillus, Vitamin A und E | Der Oligoasthenozoospermie-Phänotyp besserte sich |
| Hu 2025 [s039] | Gossypol (20 mg/kg alle 3 Tage über 30 Tage; Maus) | Oligosaccharide einer Heilpflanze per Schlundsonde über 14 Tage, drei Dosen | Motilität dosisabhängig verbessert, Testosteron wiederhergestellt, Anaerococcus-Transplantation aktivierte denselben Signalweg (IGF-1/PI3K/mTOR) |
| Wu 2024 [s059] | Bisphenol A (Maus) | Probiotikamischung | verbesserte die Spermatogenese bei veränderter Darmflora |
| Tian 2019 [s103] | Phthalat DEHP (Maus) | Lactobacillus plantarum TW1-1 | höheres Testosteron und bessere Samenqualität |
| Tas 2026 [s025] | Streptozotocin-Diabetes (Ratte) | Lactobacillus rhamnosus GG, lebend oder inaktiviert | bessere Motilität, Testosteron und Histologie |
| Harati 2026 [s008] | fettreiche Kost (Ratte) | Präbiotikum-Probiotikum-Gemisch von Beginn an gegen nach 5 Wochen | frühe Gabe: Strukturerhalt, weniger TNF-α, teilweise Testosteron, aber keine signifikant besseren Spermienwerte; späte Gabe: keine nennenswerte Besserung, teils mehr Entzündung und Degeneration |
| Al-Asmakh 2014 [s114] | keimfreie Mäuse | Besiedlung mit Clostridium tyrobutyricum | stellte die Integrität der Blut-Hoden-Schranke wieder her und normalisierte Testosteron |
| Ding 2020 [s097] | Stuhltransplantation von fettreich gefütterten Mäusen auf normal gefütterte | umgekehrte Richtung (Schaden übertragen) | Stuhl von normal gefütterten Mäusen verursachte den Schaden nicht; die Dysbiose führte zu verminderter Spermatogenese und Motilität, Endotoxinämie und Nebenhodenentzündung |
| Ngo 2026 [s018] | Umstellung von Antibiotika auf Probiotika (Eber) | Probiotikagabe | keine Verbesserung, Samenqualität sank bis Tag 96; die Flora des Ejakulats blieb in der Vielfalt unverändert |
| Li 2021 [s091] | vaginales L. crispatus (Ratte) | – | hemmte die Spermienbeweglichkeit und senkte die Schwangerschaftsrate (Kalziumeffekt); ein Probiotikum kann je nach Ort schaden |

Die Tabelle erlaubt drei Aussagen. **Erstens** ist Umkehr im Tier häufig, aber die Modelle sind bewusst gesetzte Schäden (Gifte, Diät, Stress, Busulfan) mit definiertem Beginn; das spontane idiopathische Syndrom beim Mann ist damit nicht vergleichbar. Ma und Kollegen beschreiben ausdrücklich die Übertragungshürden der Tiermodelle der Achse zwischen Darm und männlichem Fortpflanzungssystem [s016]. **Zweitens** sind Umkehr und Verhinderung zu trennen. Mehrere Interventionen setzten gleichzeitig mit dem Schaden oder früh ein, und der einzige Versuch mit verzögertem Beginn zeigt keine Besserung oder sogar mehr Schaden [s008]. Für den Menschen, bei dem die Schädigung meist lange besteht, bevor sie bemerkt wird, ist die verzögerte Situation die realistischere; sie wurde nur in einem Rattenmodell geprüft [s008]. **Drittens** sind Umkehr und Richtung eine Funktion der Stämme: Bei Ömür hing die oxidative Wirkung der Probiotika vom Stamm ab [s019], und L. crispatus kann an anderem Ort schaden [s091].

#### 6.4 Funktionelle und strukturelle Schäden

Die Umkehrbarkeit hängt davon ab, was geschädigt ist. Alfano und Kollegen fanden bei Proben mit erfolgloser Spermiengewinnung einen vollständigen Keimzellmangel (Aplasie) [s104], und Faniev und Kollegen beschreiben bei Azoospermie eine verarmte Hodenflora und Mastozytose im Gewebe bei etwa 83 % der Fälle [s060]. Das sind Gewebezustände, die sich von einer verminderten Beweglichkeit grundlegend unterscheiden. In Yao G wurde das Hormonverhältnis aus Anti-Müller-Hormon und Inhibin B als Vorhersage für den Erfolg der Spermiengewinnung beschrieben (AUC 0,92; 95-%-KI 0,86 bis 0,98), und die Autoren sehen Modulation der Flora als therapeutische Möglichkeit im Mausmodell [s027]. Für den Menschen enthält keine ausgewertete Quelle einen Beleg, dass sich ein struktureller Keimzellmangel durch Veränderung der Flora rückgängig machen lässt. Die Kopplung von Hodenflora und Spermiengewinnung beim Menschen ist beobachtend [s046, s104] und lässt Ursache und Folge offen.

#### 6.5 Unerwünschte Wirkungen und ihre Umkehr

Zur Sicherheit gibt es in den ausgewerteten Quellen nur Randbemerkungen: Bei Maretti traten in keiner Gruppe Nebenwirkungen auf [s111], bei Gholipour schied ein Teilnehmer der Probiotikagruppe wegen Blähungen aus [s007], Asadi bezeichnen das Probiotikum als gut verträglich bei kurzer Einnahme [s064], und die Studie von Jung hatte keine schweren unerwünschten Ereignisse [s052]. Corbett und Kollegen fanden in der einzigen Studie mit Schwangerschaftsendpunkt eine höhere Fehlgeburtsrate in der Probiotikagruppe (30 gegen 16,6 %; p = 0,47), also ohne nachweisbaren Unterschied [s087]. Systematische Sicherheitsdaten über längere Zeit liegen nicht vor.

### 7. Was Dosis, Alter, Vorerkrankung und Zeit für klinische Endpunkte bedeuten

Alle bisherigen Abschnitte beziehen sich auf Spermiogrammwerte, die Ersatzgrößen sind. Die klinisch bedeutsame Frage, ob Schwangerschaften oder Lebendgeburten zunehmen, ist in keinem der oben genannten Zusammenhänge beantwortet:

| Endpunkt | Quelle | Aussage |
|---|---|---|
| Klinische Schwangerschaft, Paare, Probiotika | Corbett 2021 [s087] | 882 Treffer, 26 Volltexte gesichtet, 4 Studien eingeschlossen; von zwei Studien mit dem Hauptendpunkt fand nur eine eine nicht signifikante Zunahme (48,0 auf 58,8 %; p = 0,47), bei höherer Fehlgeburtsrate (30 gegen 16,6 %; p = 0,47); beide Studien mit oraler Probiotikagabe an Männer fanden signifikant bessere Motilität (Diagramm corbett-schwangerschaft) |
| Schwangerschaft nach IVF, Paare mit ungeklärter Unfruchtbarkeit | Huerga López 2025 [s040] | 48,1 gegen 20,0 % (einseitiger Test, p < 0,024); Paarintervention |
| Schwangerschaft bei Männern mit Probiotika | Kaltsas 2026 [s009] | Schwangerschaft und Lebendgeburt werden selten berichtet und bleiben unbewiesen; Probiotika seien eine Ergänzung, keine Alleintherapie; Studien mit klinisch bedeutsamen Endpunkten seien nötig |
| Schwangerschaft nach Embryotransfer, vaginale Probiotika | Maleki-Hajiagha 2025 [s042] | 37,47 gegen 31,55 %; RR 1,19; p = 0,07 (nicht signifikant) |
| Erfolg der assistierten Reproduktion nach Paartyp | Koort 2023 [s070]; Amato 2020 [s095] | beobachtend, siehe 5.6 |
| Lebendgeburt, Fehlgeburt, Implantation in Mikrobiomstudien | Brandão 2021 [s086] | Die Übersicht fand keine Studie mit Implantation, klinischer Schwangerschaft, Fehlgeburt oder Lebendgeburt als Ergebnis zum Samenmikrobiom und hält Schlussfolgerungen für verfrüht |

Daraus folgt: Weder für die Dosis noch für das Alter, für Untergruppen oder für Zeitverläufe gibt es Daten zu Lebendgeburten. Selbst die Aussage „wirkt bei Untergruppe X“ bezieht sich nur auf Laborwerte. Dass der Zusammenhang zwischen einer Besserung von Konzentration oder Motilität und späterer Schwangerschaft sicher wäre, wird in den ausgewerteten Quellen nirgends belegt.

### 8. Wo Daten fehlen: Lückenübersicht

| Frage | Stand in den ausgewerteten Quellen | Was fehlen würde |
|---|---|---|
| Wirkt eine höhere Probiotikadosis stärker? | Beim Menschen nicht untersucht; im Tier uneinheitlich (Forelle: mittlere Dosis am besten [s063]; Kaninchen: beide Dosen wirksam [s024]) | Randomisierte Studie mit mehreren Dosisstufen desselben Präparats |
| Welcher Stamm wirkt? | Stamm und Dosis wechseln in den Studien gleichzeitig; im Tier hängt die Richtung vom Stamm ab [s019] | Stammvergleich mit gleicher Dosis |
| Wie lange bis zum Effekt, wie lange danach? | Einzelne Endpunkte nach 10 Wochen bis 6 Monaten; Nachbeobachtung nach Absetzen nur geplant, nicht berichtet [s112] | Serien mit mehreren Messzeitpunkten und Nachbeobachtung |
| Wirkt Alter als Modifikator? | Keine altersgeschichteten Probiotika- oder Mikrobiomanalysen; Spermienwerte sinken mit dem Alter geringfügig [s083] | Altersgeschichtete Auswertung mit Mikrobiom |
| Gilt der Befund bei Adipositas, Diabetes, Rauchen? | Nur Tiermodelle; ein Humanprotokoll ohne Ergebnisse [s023] | Humane Untergruppenstudien |
| Gilt er bei Prostatitis, Leukozytospermie, Infektion? | Zusammenhänge mit Spermienwerten sichtbar; keine Probiotikastudie in diesen Gruppen [s010, s051] | Interventionsstudien in diesen Gruppen |
| Kann Umkehr beim Menschen gezeigt werden? | Nein; nur Tiermodelle [s094, s078] | Verlaufsstudie nach Therapie und nach Absetzen |
| Wirken Probiotika über die Samenflora? | In Huerga unveränderte Zusammensetzung [s040], bei Ngo keine Wirkung auf die Samenflora [s018] | Messung von Darm- und Samenflora zugleich |
| Auswirkungen auf Schwangerschaft und Lebendgeburt? | Nicht belegt [s009, s087] | Ausreichend große Studien mit diesen Endpunkten |
| Wie belastbar ist die gepoolte Schätzung? | 4 Studien, I² 79 bis 95 %, eine zurückgezogen, keine Sensitivitätsanalyse [s020, s021] | Aktualisierung ohne die zurückgezogene Studie |
| Übertragbarkeit nach Mitteleuropa | Studien aus Iran, Italien, Spanien; keine aus Deutschland, Österreich, Schweiz zu Probiotika | Regionale Studien |

### 9. Einordnung der Belegstärke und Gesamtbild

Die Einordnung stammt aus diesem Kapitel; die Quellen vergeben sie nicht so.

1. **Dosis-Wirkung bei Probiotika beim Mann:** nicht untersucht. Belegstärke: keine Daten. Aus den Tiermodellen folgt nur, dass Dosisabhängigkeit nicht linear sein muss [s063]. Gewissheit der Übertragung: sehr gering.
2. **Zusammenhang von Erregerlast und Spermienwerten:** in Metaanalysen für bestimmte Erreger konsistent (Ureaplasma, Mycoplasma hominis, Enterococcus faecalis; DNA-Fragmentierung bei Bakteriospermie), für die Gesamtlast und die Gesamtzusammensetzung nicht [s089, s004, s002, s101, s043]. Belegstärke: niedrig bis mäßig (Beobachtung, kein Experiment).
3. **Alter:** Für Spermienwerte bei Männern mit unauffälligem Spermiogramm in einer großen retrospektiven Studie belegt (statistisch deutliche, in der Größe geringe Unterschiede) [s083]; für Mikrobiom und Probiotika keine Daten. Belegstärke: mäßig für Spermienwerte, keine für Mikrobiom.
4. **Untergruppen:** Die meisten Probiotikastudien betreffen idiopathische OAT; eine Studie betrifft den Zustand nach Varikozelenoperation [s064]. Für Infektionen, Prostatitis, Azoospermie, Adipositas sind Zusammenhänge beschrieben, aber keine Probiotikastudien vorhanden. Belegstärke: sehr niedrig.
5. **Zeitverlauf:** Einzelne Messpunkte nach 3 Monaten bis 6 Monaten; der einzige Humanversuch mit Nachbeobachtung berichtet das Ergebnis nicht [s112]. Belegstärke: sehr niedrig.
6. **Reversibilität:** Im Tier mehrfach gezeigt (Stufe A), beim Menschen nicht [s094, s078, s027]. Belegstärke: für den Menschen keine; für das Tier mäßig bis hoch, bei geringer Übertragbarkeit.

**Fazit des Kapitels.** Die Fragen nach Dosis, Zeitverlauf und Umkehrbarkeit lassen sich beim Menschen aus den vorliegenden Quellen nicht beantworten, weil die dazu nötigen Studiendesigns (mehrere Dosisstufen, mehrere Messzeitpunkte mit Nachbeobachtung, Stratifizierung nach Alter und Vorerkrankung, klinische Endpunkte) in den ausgewerteten Arbeiten fehlen. Was sich sagen lässt, ist begrenzt: Die kleinen Humanstudien prüften je eine Dosis über 10 Wochen bis 6 Monate bei Männern in ihren Dreißigern mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie oder nach Varikozelenoperation; die gepoolte Schätzung ist von hoher Heterogenität geprägt und enthält eine zurückgezogene Studie; im Tier ist Dosisabhängigkeit nicht linear, Wirkung stammabhängig und die Umkehr eines Schadens vom Zeitpunkt der Intervention abhängig. Dieses Kapitel gibt keine Therapieempfehlung. Fragen zur Abklärung der Samenwerte, zu Infektionen oder zu Nahrungsergänzungen gehören in ärztliche Hände.

### 10. Hinweise zu Zahlenwidersprüchen in den Quellen

Damit Leserinnen und Leser die Unsicherheit erkennen, sind die in diesem Kapitel festgestellten Unstimmigkeiten gesammelt:

1. Prihadi: Zuordnung von 1,28 und 0,89 zu Motilität und Volumen im Abstract anders als im Ergebnisteil [s020].
2. Prihadi: Dauer und Dosis für Valcarce (12 Wochen, 10⁹ KbE gegen 3 und 6 Wochen im Original), für Helli (2 × 10¹¹ KbE gegen 500 mg), für Abbasi (10⁹ KbE gegen 500 mg) [s020, s112, s079, s085].
3. Teilnehmerzahlen: Helli 52 (Original), 25 gegen 25 (Prihadi), 50 (Oliveira); Abbasi 56 (Original), 28 gegen 28 (Prihadi), 47 (Oliveira) [s079, s085, s020, s055].
4. Dauer von Maretti: 6 Monate in Abstract und Prihadi; 10 Wochen in einem Recherche-Dokument [s111, s020].
5. Brandão: Lactobacillus-Zahlen bei Azoospermie gegen den Text der Übersicht [s086].
6. Faniev: Gruppengrößen und Vorzeichen einer Korrelation im Text gegen Abstract [s061, s060].
7. Kuribayashi gegen Baud: rascher und robuster Austausch zwischen Partnern gegen nur begrenzte Hinweise auf Übertragung [s011, s035].
8. Die zurückgezogene Studie von Helli ist in der Metaanalyse von Prihadi enthalten und dort mit geringem Verzerrungsrisiko bewertet; die Rückzugsmitteilung nennt in den abgerufenen Metadaten keinen Grund [s020, s021].

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt (I)

Dieses Kapitel liest die Literatur nicht nach Studientyp, sondern nach dem Sprachraum, in dem sie recherchiert wurde. Es behandelt sechs Räume: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Die Räume Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch folgen im nächsten Kapitel. Ein „Sprachraum“ meint hier die Sprache der Suche und der Fachzeitschriften, nicht die Staatsangehörigkeit der Probanden. Das ist wichtig, weil fast die gesamte Primärliteratur auch der nicht englischsprachigen Länder in englischen Zeitschriften erscheint. Eine Studie aus Lausanne, Neapel oder Madrid taucht deshalb in der französischen, italienischen oder spanischen Recherche auf, obwohl sie auf Englisch geschrieben ist.

Drei Lesehinweise gelten für alle Abschnitte. Erstens stützen sich die Recherchen großenteils auf Zusammenfassungen (Abstracts), die über Europe PMC abgerufen wurden, weil PubMed und PubMed Central automatisiert nicht lesbar waren (Cookie-Seite beziehungsweise Anti-Roboter-Prüfung). Zahlen, die in einem Abstract nicht stehen, werden hier nicht genannt. Wo für dieses Kapitel zusätzlich Volltexte aus Europe PMC (Open Access) abgerufen wurden, steht das ausdrücklich dabei. Zweitens bezeichnen die Kürzel in eckigen Klammern die Quellen-IDs der Masterliste, nicht die lokalen Nummern der einzelnen Recherche-Dokumente. Drittens beschreibt das Kapitel, was in den Quellen steht. Es enthält keine Therapieempfehlung, und die Studienlage trägt auch keine.

Die folgende Tabelle fasst vorab zusammen, wie dicht die eigene Literatur je Raum ist. „Eigene Literatur“ bedeutet hier Primärstudien, die nach den Recherche-Dokumenten aus dem jeweiligen Raum stammen oder in dessen Sprache verfasst sind.

| Sprachraum | Einschätzung der Recherche | Kern der eigenen Literatur | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Englisch | breit, dominiert die Gesamtliteratur | Kohorten aus Estland, Großbritannien, USA; Metaanalyse und Mechanismusstudien | Leitlinienseite der EAU abgerufen, aber abgeschnitten [s006] |
| Deutsch | dünn | Kommentar, ältere Arbeiten zu Prostatitis und Bakteriospermie (1990, 2001, 2022) | keine AWMF-Leitlinie geöffnet |
| Französisch | dünn | historische Spermakulturen (1982 bis 1989), Lausanner Kohorte | Übersicht zum weiblichen Mikrobiom [s093] |
| Italienisch | dünn in der Sprache, solide in der Sache | Hodenmikrobiom Mailand, Übersichten aus Neapel und Padua | Fachgesellschaft SIA als Pressestimme [s126] |
| Portugiesisch | sehr dünn | drei Übersichten in der brasilianischen Zeitschrift JBRA | keine eigene Kohorte gefunden |
| Spanisch | dünn | Barcelona, Granada, Antioquia; Probiotika-Serie mit neun Männern | PubMed-Suche mit spanischen Begriffen ohne Treffer |

### Englisch

**Charakter des Raums.** Der englische Raum ist kein Land, sondern die Publikationssprache der Disziplin. Hier liegt die große Mehrheit der Primärstudien, aller größeren Metaanalysen und der Mehrzahl der Mechanismusarbeiten. Die englische Recherche ist deshalb die breiteste der zwölf, und sie ist zugleich ehrlich begrenzt: Sie beruht ausdrücklich auf Abstracts, ist keine erschöpfende systematische Suche, und die Studienländer wurden nicht für jede Kohorte aus den Abstracts verifiziert. Regionale Schlüsse zieht sie deshalb nicht. Als typische Fachzeitschriften erscheinen in den Quellen Andrology, Fertility and Sterility, F&S Science, European Urology, Frontiers in Microbiology, PLoS One, Scientific Reports, International Journal of Urology, Research in Microbiology, Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica, Open Forum Infectious Diseases, Microbiology Spectrum und Nature Reviews Urology.

**Der Übersichtsrahmen.** Zwei Arbeiten bilden das Gerüst. Die Metaanalyse von Farahani und Kollegen (Andrology 2021) wertete 55 Beobachtungsstudien mit 51.299 Personen aus [s089]. Nach dem Abstract war das Ejakulat bei fruchtbaren wie unfruchtbaren Männern reich und vielfältig besiedelt. Drei Sequenzierungsstudien beschrieben Cluster mit je einer vorherrschenden Art; dort dominierten Lactobacillus beziehungsweise Prevotella, wobei Lactobacillus mit besseren Spermienparametern und Prevotella mit einem negativen Effekt in Verbindung gebracht wurde. Bakteriospermie beeinträchtigte Konzentration, progressive Motilität und DNA-Fragmentierungsindex; für den Index nennt der Abstract eine mittlere Differenz von 3,518 (95-%-Konfidenzintervall 0,907 bis 6,129; p = 0,008). Ureaplasma urealyticum war bei unfruchtbaren Männern häufiger (OR 2,25; 95-%-KI 1,47 bis 3,46) und wirkte sich negativ auf Konzentration und Morphologie aus. Für Chlamydia trachomatis fand sich weder ein Prävalenzunterschied noch ein signifikanter Einfluss auf die Spermienparameter. Enterococcus faecalis verschlechterte die Gesamtmotilität, Mycoplasma hominis Konzentration, progressive Motilität und Morphologie. Die Autoren nennen die Evidenz zum Einfluss des seminalen Mikrobioms auf die Fertilität selbst nicht schlüssig. Die zweite Säule ist die Probiotika-Metaanalyse von Prihadi und Kollegen (Urologia Colombiana 2026) [s020]: vier Studien (drei randomisierte, eine einarmige), 156 Teilnehmer, gepoolte standardisierte Mittelwertdifferenzen von 1,96 für die Konzentration (0,08 bis 3,84; p = 0,04; I² 95 %), 1,28 für die Motilität (0,28 bis 2,28; p = 0,01; I² 86 %) und 0,89 für das Volumen (0,10 bis 1,67; p = 0,03; I² 79 %). Zwei nach dem Risikobewertungsinstrument RoB 2 beurteilte Studien galten insgesamt als „low risk“, eine als „unclear“, die einarmige Studie nach ROBINS-I als niedrig. Die Recherche weist selbst darauf hin, dass die Intervalle sehr breit sind und eine gepoolte Differenz von etwa 2 bei dieser Heterogenität nur die Richtung zeigt, keinen verlässlichen Punktschätzer. Für diese Arbeit konnte keine PMID ermittelt werden. Hinzu kommen die systematische Übersicht von Puerta-Suárez und Cardona Maya (JBRA 2025; 35 Artikel; PROSPERO CRD42024519245), nach der Lactobacillus im Ejakulat häufig nachgewiesen wird, sein Einfluss auf die Samenqualität aber „controversial, especially regarding the methodology used“ sei [s044], und die narrative Übersicht von Altmäe, Franasiak und Mändar (Nature Reviews Urology 2019), die dem seminalen Mikrobiom Bedeutung für Mann, Paar und Nachkommen zuschreibt und gut geplante, ausreichend große Studien fordert [s100]. Eine englischsprachige Übersicht von Magill und MacDonald (Frontiers in Reproductive Health 2023) erinnert daran, dass die Urologie das Urogenitalsystem lange für steril hielt, und formuliert die Hypothese, antioxidative Probiotika könnten ein oxidatives Ungleichgewicht ausgleichen; sie spricht von vielversprechenden Ergebnissen in kleinen Studien und fordert größere Studien mit einheitlicher Sequenzierung [s071].

**Die estnische Reihe als eigene Kohorte des Raums.** Die geschlossenste englischsprachige Forschungslinie stammt aus Estland und ist, anders als viele Einzelstudien, über mehrere Jahre mit derselben Methodik fortgeführt worden. Mändar und Kollegen untersuchten 2015 in der Zeitschrift Research in Microbiology 23 Paare [s113]. Sie profilierten Sperma und Vaginalsekret (vor und nach dem Geschlechtsverkehr) durch Sequenzierung der V6-Region des 16S-rRNA-Gens auf der Plattform Illumina HiSeq2000. Die Samengemeinschaften waren deutlich vielfältiger, hatten aber niedrigere Gesamtkonzentrationen an Bakterien als die vaginalen. Gardnerella vaginalis dominierte bei der Hälfte der Frauen, deren Partner eine deutliche Leukozytospermie hatten, aber nur bei einer von 17 Frauen, deren Partner keine hatte. Nach dem Verkehr sank die relative Häufigkeit von Lactobacillus crispatus signifikant, und Sperma- und Vaginalproben stimmten stark überein. Die Autoren deuten dies als Zusammenhang zwischen Samen- und Vaginalmikrobiom und als Hinweis, dass die G.-vaginalis-Dominanz bei der Partnerin mit einer Entzündung im männlichen Genitaltrakt zusammenhängt. Im Jahr 2017 folgte die Studie an 67 Männern (21 mit, 46 ohne Prostatitis) [s110], gleiche Methodik, Illumina-Paired-End-Protokoll auf HiSeq2000. Das häufigste Phylum waren die Firmicutes (Median 41,7 %; Quartile 28,5 bis 47,2 %), gefolgt von Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria. Laktobazillen waren bei Gesunden häufiger als bei Prostatitis-Patienten (27 % [20,2 bis 34,6 %] gegenüber 20,2 % [4,9 bis 25,0 %]; P = 0,05), vor allem Lactobacillus iners. Proteobacteria hatten bei Prostatitis höhere Anteile, und die Artenvielfalt war bei Prostatitis höher (inverser Simpson-Index 13,5 ± 5,8 gegenüber 10,3 ± 4,0). Die Studie von 2018 nutzte statt Sequenzierung Kulturen und fragte nach dem Einfluss des sexuellen Debüts bei 68 gesunden jungen Männern (12 ohne sexuelle Erfahrung, 11 mit einer Partnerin, 45 mit mehreren) [s107]. Ein Mann beherbergte ein bis neun verschiedene Bakterien; die Gesamtkonzentration lag zwischen 2,3 und 7,3 log10 KbE/ml. Männer ohne sexuelle Erfahrung hatten niedrigere Gesamtkonzentration und geringere Vielfalt (p < 0,05; Korrelation beider Größen r = 0,54; p < 0,0001); die Grundparameter und die Leukozytenzahl unterschieden sich nicht. Das Ergebnis ist für die Lesart der Querschnittsstudien wichtig: Ein Teil der Besiedlung ist offenbar erworben und nicht pathologisch. Die vierte Arbeit der Reihe ist die Paarstudie von Koort und Kollegen (Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica 2023) [s070]. Sie umfasste 97 Paare vor einem Verfahren der assistierten Reproduktion (ART) aus der Kinderwunschklinik Nova Vita in Tallinn und 12 sorgfältig ausgewählte gesunde Paare. Von den 97 Paaren erhielten 93 Frauen einen Embryotransfer, vier Befruchtungen schlugen fehl; bei 28 der 93 Frauen (30,1 %) wurde eine klinische Schwangerschaft festgestellt (Angaben aus dem Volltext). Bei den ART-Männern fanden sich im Mittel 80.170 ± 48.788 Sequenzen gegenüber 140.549 ± 112.506 bei gesunden Männern (P < 0,05). Die Männer hatten eine größere Vielfalt als die Frauen. Partner gesunder Paare teilten 65 % der operationalen taxonomischen Einheiten, Partner der ART-Paare 96 % (P = 0,00001). Im Sperma bildeten sich Gemeinschaftstypen: Typ I mit Acinetobacter (zusätzlich L. iners, Corynebacterium, Flavobacterium, Prevotella) bei 48 ART-Männern, davon 17 mit klinischer Schwangerschaft der Partnerin (35,4 %); Typ II mit gramnegativen Anaerobiern (Prevotella, Porphyromonas, Dialister oder Campylobacter) bei 14 ART-Männern, davon einer mit Erfolg (7,1 %). Das Abstract hält fest, dass Männer mit Acinetobacter-Gemeinschaft, die zuvor Kinder hatten, die höchste ART-Erfolgsrate aufwiesen (P < 0,05) und dass Frauen mit bakterieller Vaginose oder L.-iners- beziehungsweise L.-gasseri-Dominanz niedrigere Erfolgsraten hatten als Frauen mit L.-crispatus- oder gemischtem Milchsäurebakterien-Typ (P < 0,05). Die 15 Paare, in denen beide Partner günstige Typen hatten, erreichten 53 % gegenüber 25 % im übrigen Kollektiv (P = 0,023). Zur Einordnung: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie ohne Randomisierung; „Erfolg“ ist die klinische Schwangerschaft, nicht die Geburt; die Gruppen sind klein; und die Autoren schreiben selbst, der Befund müsse durch andere Studien bestätigt werden. Bemerkenswert ist, dass hier ausgerechnet ein Acinetobacter-Typ mit dem günstigeren Ergebnis verbunden war, während der Typ mit gramnegativen Anaerobiern einschließlich Prevotella die niedrigste Erfolgsquote zeigte; in der Mehrzahl der übrigen Kohorten dieses Kapitels steht dagegen Lactobacillus im Vordergrund.

**Kohorten und Querschnittsstudien weiterer Gruppen.** Hou und Kollegen (Fertility and Sterility 2013) verglichen 19 Samenspender mit 58 Kinderwunschpatienten [s117]. Sie beurteilten Gram-gefärbte Präparate mikroskopisch und klassifizierten 16S-Sequenzen. Die Gemeinschaften ließen sich in sechs Gruppen ordnen; zwischen Spendern und Patienten fand sich insgesamt kein signifikanter Unterschied, wohl aber ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen Spermienqualität und Anaerococcus, den die Autoren als möglichen Marker niedriger Qualität werten. Weng und Kollegen (PLoS One 2014) sequenzierten 96 Samenproben und maßen sieben klinische Qualitätskriterien (Volumen, Konzentration, Motilität, Morphologie nach Kruger, Antispermien-Antikörper IgA, Atypie, Leukozyten) sowie computergestützt [s116]. Die häufigsten Gattungen waren Lactobacillus (19,9 %), Pseudomonas (9,85 %), Prevotella (8,51 %) und Gardnerella (4,21 %); 80,6 % der normalen Proben lagen im Lactobacillus-dominierten Cluster. Baud und Kollegen (Frontiers in Microbiology 2019) fanden bei 26 Männern mit normalem und 68 mit mindestens einem auffälligen Spermiogrammparameter drei Profile (Prevotella-angereichert, Lactobacillus-angereichert, polymikrobiell) [s101]. Das Prevotella-Profil hatte die höchste Bakterienlast (p < 0,05). Verschiebungen der Gesamtzusammensetzung (Beta-Diversität) korrelierten nicht mit den Spermiogrammwerten, ebenso wenig Reichtum und Vielfalt; nur drei einzelne Gattungen unterschieden sich (Prevotella mehr bei gestörter Motilität, Staphylococcus mehr in der zugehörigen Kontrollgruppe, Lactobacillus mehr bei normaler Morphologie). Yang und Kollegen (Scientific Reports 2020) nahmen 159 Teilnehmer auf: 22 mit Oligoasthenospermie, 58 mit Asthenospermie, 8 mit Azoospermie, 13 mit Oligospermie und 58 gesunde Kontrollen [s099]. Bei Asthenospermie und Oligoasthenospermie unterschied sich die Beta-Diversität von den Kontrollen (P < 0,05); als charakteristische Marker nannte die LEfSe-Analyse Ureaplasma, Bacteroides, Anaerococcus, Finegoldia, Lactobacillus und Acinetobacter lwoffii. Lundy und Kollegen (European Urology 2021) untersuchten 25 Männer mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit und 12 gesunde Männer mit nachgewiesener Vaterschaft an Rektalabstrich, Ejakulat und Mittelstrahlurin, ergänzt um Negativkontrollen [s092]. Sie nutzten 16S-Sequenzierung und Shotgun-Metagenomik mit im Median 140 Millionen Reads je Probe. Unfruchtbare Männer hatten höhere seminale Alpha-Diversität, eine andere Beta-Diversität, mehr Aerococcus im Ejakulat und weniger Anaerococcus im Rektum. Prevotella war umgekehrt mit der Spermienkonzentration assoziiert, Pseudomonas direkt mit der Gesamtzahl beweglicher Spermien. Eine Vasektomie schien das Samenmikrobiom zu verändern, was auf einen hodenseitigen oder nebenhodenseitigen Beitrag deutet. Anaerobier waren bei unfruchtbaren Männern mit Varikozele stark überrepräsentiert, oxidativer Stress und Leukozytospermie gingen nur mit geringen Unterschieden einher, und der S-Adenosyl-L-Methionin-Zyklus war verändert. Die Autoren sprechen von einer Pilotstudie. Campbell und Kollegen (F&S Science 2023) verglichen an der University of Miami 14 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie (FSH über 10 IU/ml, Hodenvolumen unter 10 ml) mit 19 Männern mit nachgewiesener Vaterschaft vor Vasektomie [s065]. Die Alpha-Diversität war ähnlich, die Beta-Diversität verschieden; Proteobacteria und Firmicutes waren bei Azoospermie unterrepräsentiert, Actinobacteriota überrepräsentiert. Auf Gattungsebene war Enterococcus in beiden Gruppen die häufigste Sequenzvariante, fünf Gattungen unterschieden sich, darunter Escherichia und Shigella, Sneathia und Raoultella (im Abstract „Raoutella“). Amato und Kollegen (Open Forum Infectious Diseases 2020) verfolgten 23 Paare mit idiopathischer Unfruchtbarkeit bis zur intrauterinen Insemination (V3-V4-Region, Illumina MiSeq) [s095]. Die Zusammensetzung des seminalen Mikrobioms unterschied sich nicht relevant von Kontrollsequenzen, die des vaginalen schon, und nur die vaginale Dominanz von L. crispatus war stark mit dem Erfolg assoziiert (P = 0,0002). Baud und Kollegen verbanden 2024 in Microbiology Spectrum Mikrobiota-Profile mit Metabolomik des Seminalplasmas bei Paaren in Kinderwunschbehandlung [s047]: Aminosäuren und Acylcarnitine waren die vorherrschenden Metabolitengruppen, unterschiedliche Profile führten nicht zu global unterschiedlichen Metabolitenmustern, aber Urocanat war in auffälligen Samenproben signifikant erhöht (adjustierter P-Wert < 0,001) und in Prevotella-dominierten Proben angereichert (P < 0,05). Liu und Kollegen (PLoS Pathogens 2014) betreffen ein Sonderkollektiv, 49 Männer, die Sex mit Männern haben (22 HIV-negativ, 27 HIV-positiv) [s115]: Streptococcus, Corynebacterium und Staphylococcus waren häufig; HIV ging mit geringerer Vielfalt einher, die sich nach sechs Monaten antiretroviraler Therapie erholte; bei HIV-Infizierten korrelierte die Bakterienlast mit sieben proinflammatorischen Zytokinen (IL-6 p = 0,024; TNF-α p = 0,009; IL-1b p = 0,002). Diese Studie betrifft die HIV-Übertragung, nicht die Unfruchtbarkeit, und liefert dafür keinen Beleg.

**Die größte englischsprachige Querschnittsstudie.** Mowla und Kollegen (eLife 2025), Großbritannien (Ethikvotum West London, Rekrutierung an Kliniken des Imperial College London NHS Trust und des CRGH), schlossen 223 Männer ein [s043]: 63 gesunde Männer mit nachgewiesener Vaterschaft, 46 Partner bei wiederholten Fehlgeburten, 58 Männer mit männlichem Faktor und 56 Partner bei ungeklärter Unfruchtbarkeit (so im Abstract; im Volltext steht an einer Stelle eine abweichende Zahl, die hier nicht verwendet wird). Gemessen wurden Spermiogramm, DNA-Fragmentierung (TUNEL bei 183 Proben mit Grenzwert über 20 %, Comet-Test bei 40 Proben mit Grenzwert über 27 %), reaktive Sauerstoffspezies per Chemilumineszenz (oberer Referenzwert 3,77 RLU/s je Million Spermien) und die Mikrobiota (V1-V2-Region, Illumina MiSeq, Bakterienlast per BactQuant-PCR). Methodisch bemerkenswert ist die Kontaminationskontrolle: drei Negativkontrollen (Kit und Umgebung), Dekontamination mit dem R-Paket decontam, wobei 94 Sequenzvarianten ausgeschlossen wurden; die Auswertung nutzte Benjamini-Hochberg-Korrektur mit q < 0,05. Das Ergebnis nach Dekontamination: 7.998.565 hochwertige Reads, drei Cluster mit Streptococcus (23,8 %), Prevotella (24,4 %) oder Lactobacillus und Gardnerella (35,9 % und 35,6 %). Der Prevotella-Cluster hatte höchsten Reichtum, höchste Alpha-Diversität und höchste Bakterienlast. Im Volltext heißt es zudem, dass auf Artebene keine belastbaren Cluster zu erkennen waren und dass Chlamydia, Ureaplasma, Neisseria, Mycoplasma und Escherichia nicht in mindestens 25 % der Proben vorkamen und deshalb nicht in die Regression eingingen. Die Gesamtzusammensetzung und die Bakterienlast waren mit Spermiogramm, ROS und DNA-Fragmentierung nicht assoziiert. Einzelne Gattungen zeigten Zusammenhänge (Porphyromonas und Varibaculum positiv, Cutibacterium und Finegoldia umgekehrt mit der DNA-Fragmentierung; ROS positiv mit Lactobacillus, im Wesentlichen getrieben von L. iners, p = 0,04), und nicht identifizierte Flavobacterium-Sequenzen gingen mit häufiger auffälligem Spermiogramm einher. Die Raten hoher DNA-Fragmentierung, erhöhter ROS und Oligospermie waren in der Studiengruppe häufiger als bei Kontrollen (Anteil der Studiengruppe an den Proben mit hoher DNA-Fragmentierung 85 %, mit erhöhten ROS 85 %, mit Oligospermie 79 %). Die Autoren folgern, eine globale Störung der Samenmikrobiota hänge nicht mit männlichen Fortpflanzungsstörungen zusammen. Stärken sind Größe, Kontrollgruppen, Dekontamination und Mehrfachtestkorrektur; Schwächen sind die einmalige Messung je Probe und die Messung von DNA-Fragmentierung mit zwei unterschiedlichen Verfahren.

**Tier-, Zell- und Mechanismusarbeiten.** Ding und Kollegen (Gut 2020) übertrugen Darmbakterien fettreich ernährter Mäuse auf normal ernährte [s097]. Die Empfänger zeigten deutlich verminderte Spermatogenese und Spermienmotilität, gekennzeichnet durch mehr Bacteroides und Prevotella, vermutlich über eine metabolische Endotoxinämie; im Nebenhoden stiegen proinflammatorische Zytokine, im Hoden sanken Gene der Meiose und der mitochondrialen Funktion. Bei klinischen Probanden korrelierten Bacteroides-Prevotella stark negativ mit der Motilität, und das Blutendotoxin korrelierte positiv mit Bacteroides (Registernummer NCT03634644; Zahlen zum Humankollektiv nennt der Abstract nicht). Hao und Kollegen (Microbiology Spectrum 2022) berichten, dass Stuhltransplantation von mit Alginat-Oligosaccharid verbesserter Darmflora die durch fettreiche Kost verminderte Samenqualität besserte (Konzentration 286,1 ± 14,1 gegenüber 217,9 ± 17,4 Millionen/ml; Motilität 40,1 ± 0,7 gegenüber 29,0 ± 0,9 %; Trächtigkeitsrate 87,4 ± 1,1 gegenüber 70,2 ± 6,1 %) [s078]. Tian und Kollegen (2019) zeigten an Mäusen, dass Lactobacillus plantarum TW1-1 bei Diethylhexylphthalat-Exposition Serumtestosteron und Samenqualität erhöhte und das Verhältnis von Firmicutes zu Bacteroidetes von 0,13 (Expositionsgruppe) auf das Niveau der Kontrollen (0,28) zurückführte [s103]. Zhao und Kollegen (Microbiome 2021) verbanden Darmflora und Hodenfunktion über den Polyaminstoffwechsel: Spermin-Mangel nach Triptolid-Schaden, Umkehr durch Spermin, Stuhltransplantation oder Parabacteroides distasonis [s094]. Li und Kollegen (2021) fanden, dass das vaginale Probiotikum L. crispatus bei Ratten Spermien hemmte und Trächtigkeitsraten senkte, bei zugleich günstiger Wirkung auf Mutter und Nachkommen; sie raten zur Vorsicht bei Frauen, deren Partner auffällige Spermien haben [s091]. Für den englischen Raum ist dieser Befund ein Gegengewicht zur Gleichung „Lactobacillus gleich günstig“. Tierarbeiten zu Probiotika bei Nutztieren stammen aus dem englischsprachigen Schrifttum, etwa an Ebern [s018] (sieben Duroc-Eber; nach dem Wechsel von Antibiotika auf Probiotika sank die Gesamtmotilität um 17,5 %, p = 0,024, ohne Effekt auf die Vielfalt des Samenmikrobioms), an Kaninchenböcken [s024] (33 Tiere, zwei Dosen; bessere Samenqualität und antioxidative Marker, p < 0,05) und an Regenbogenforellen [s063] (48 Zuchtfische; beste Samenwerte bei der mittleren Dosis). Sie sind nicht auf den Menschen übertragbar.

**Probiotika beim Menschen.** Die englischsprachige Linie führt die kleinen Interventionsstudien an. Maretti und Cavallini (Andrology 2017; Italien) randomisierten 41 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratospermie (20 Flortec, 21 Stärke-Kontrolle) über sechs Monate [s111]. Die Mediane der Flortec-Gruppe stiegen für das Volumen von 2,4 auf 3,1 ml, die Konzentration von 15,2 auf 28,3 Millionen/ml, die progressive Motilität von 16,2 auf 42,0 % und die typischen Formen von 7 auf 16,3 %. Der Vergleich ist ein Vorher-nachher-Vergleich je Gruppe; ein direkter Gruppenvergleich steht im Abstract nicht. Asadi und Kollegen (J Res Med Sci 2023) fanden bei 78 Männern nach Varikozelenoperation nach drei Monaten eine Konzentration von 33,7 ± 22,5 gegenüber 21,1 ± 16,1 Millionen/ml (P = 0,046) und normale Morphologie von 15,0 ± 8,9 gegenüber 12,0 ± 11,5 % (P = 0,016) [s064]. Die Studie von Helli und Kollegen (Human Fertility 2022) mit 52 Männern wurde 2026 zurückgezogen [s079, s021]; der Grund der Rücknahme ist in den abgerufenen Daten nicht zu sehen. Gupte und Kollegen legten 2025 als Vorabdruck ohne Begutachtung eine Fallserie von acht Männern mit Samen-Dysbiose vor, bei der nach 90 Tagen alle Beteiligten bessere Motilität, Zahl und Morphologie zeigten, ohne Kontrollgruppe [s037]. Das englische Schrifttum zeigt damit dasselbe Muster wie alle Räume: Surrogatmarker, kleine Fallzahlen, keine Geburtenrate als Hauptziel.

**Leitlinien, Register und Datenbankbesonderheiten.** Aus dem Raum selbst gibt es in den Recherche-Daten keine Leitlinienaussage zu Probiotika oder Samenmikrobiom. Die Recherche fand keinen Text von AUA, EAU oder ESHRE dazu und konnte keine Cochrane-Übersicht lokalisieren. Die EAU-Leitlinie „Sexual and Reproductive Health“ (Ausgabe 2026, Kapitel Männliche Unfruchtbarkeit) enthält nach der abgerufenen Seite einen Abschnitt zu Infektionen der akzessorischen Geschlechtsdrüsen, der eine systematische Übersicht zu sexuell übertragbaren Erregern wie Chlamydia trachomatis und genitalen Mykoplasmen erwähnt; die Seite war vor jeder Empfehlung abgeschnitten, sodass offen bleibt, was die Leitlinie empfiehlt [s006]. Bei den Datenbanken fallen drei Dinge auf. Erstens lieferte Europe PMC die Abstracts, PubMed war gesperrt. Zweitens war die Probiotika-Metaanalyse [s020] über die Zeitschriftenseite der Urologia Colombiana auffindbar, aber in Europe PMC nicht indexiert. Drittens kennzeichnet Europe PMC das zurückgezogene Paper, sodass eine Rückzugsmitteilung leicht zu übersehen wäre, wenn man nur nach Titeln sucht. Ob die Metaanalyse von Prihadi die zurückgezogene Studie einschloss, wurde in der englischen Recherche nicht bestätigt; die portugiesische Recherche verweist auf die Risikotabelle der Zeitschriftenseite, die sie einschließe.

**Was offen bleibt.** Offen sind, ausdrücklich nach den Quellen: ob Probiotika bei Männern das seminale oder das Darmmikrobiom verändern und ob dies eine Änderung der Samenparameter vermittelt; welche Stämme, Dosen und Dauern wirken; ob Interventionen Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten erhöhen; ob die Samengemeinschaft Ursache, Marker oder Folge ist (etwa von Entzündung oder Kontamination bei der Probengewinnung); und ob Partnermikrobiome gemeinsam bessere Prädiktoren sind als jedes allein [s070, s095]. Bei der Kohortenkomposition (Spender gegen Patienten, Kultur gegen Sequenzierung) lassen sich regionale Unterschiede der Mikrobiomzusammensetzung nicht von Methodenunterschieden trennen.

### Deutsch

**Befund vorab: dünne eigene Literatur.** Die deutsche Recherche hat PubMed mit Filter auf deutschsprachige Publikationen durchsucht (Schlagworte deutsch und englisch) und ergänzend im Web nach AWMF- und DGU-Leitlinien, im Deutschen Ärzteblatt und im Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie gesucht. Das Ergebnis ist knapp: Der Filter lieferte zum Thema Mikrobiom und Probiotika im Zusammenhang mit Sperma sechs Treffer, von denen vier thematisch passten (zwei aus den 1980er-Jahren, einer aus 2001, einer aus 2022). Im Ärzteblatt und im Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie wurde über die Websuche kein themenspezifischer Beitrag gefunden. Das beweist nicht, dass keiner existiert, nur dass er nicht auffindbar war. Eine AWMF-Leitlinie wurde nicht geöffnet; es werden daher keine Leitlinieninhalte wiedergegeben. Ob es Leitlinienaussagen zu Probiotika oder zum Samenmikrobiom im deutschsprachigen Raum gibt, bleibt offen. Mehrere Volltexte waren automatisiert nicht abrufbar, sodass für diese Studien nur Abstracts vorliegen. Die deutsche Sicht beruht deshalb auf wenigen Quellen, und die internationale Kernliteratur, die das deutsche Recherche-Dokument ergänzend heranzieht, ist deutlich umfangreicher als die deutschsprachige.

**Was es an eigener Literatur gibt.** Drei Arbeiten bilden den deutschsprachigen Kern, von denen die beiden älteren in der Sache anders fragen als die heutige Sequenzierungsforschung.

*Ensslen, Riedel, Bieniek und Hafner (Zentralblatt für Gynäkologie 1990, Aachen)* berichten, dass mehr als 70 % der Ehemänner, die seit Juni 1987 die Frauenklinik der RWTH Aachen wegen Sterilität aufsuchten, wegen einer Bakteriospermie mit Keimzahlen über 10⁴ KbE/ml behandelt werden mussten [s121]. Bei 23 % der Behandelten gelang keine überzeugende Keimreduktion. 36 Patienten mit therapieresistenter Bakteriospermie wurden in die Zahnklinik überwiesen. Dort fanden sich zahlreiche intraorale Herde, die saniert wurden; das Keimspektrum der Mundproben und die Spermiogramme waren nach den Angaben identisch. Sechs Monate nach Abschluss der Zahnbehandlung waren zwei Drittel der Spermiogramme bereits steril, und Spermienparameter wie Motilität, Morphologie und Dichte besserten sich. Die Autoren schließen auf einen direkten ursächlichen Zusammenhang zwischen einer symptomatischen zahnmedizinischen Primärerkrankung und der Bakteriospermie, die vermutlich zu Subfertilität führe. Das ist eine klinische Beobachtung ohne Kontrollgruppe, nur als Abstract belegt und mit heutigen Methoden nicht vergleichbar. Das deutsche Recherche-Dokument weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Arbeit nicht mit heutigen Methoden vergleichbar ist.

*Ludwig, Dimitrakov, Diemer, Huwe und Weidner (Der Urologe A 2001, Gießen)* haben das Prostatitis-Syndrom und seine Folgen für die Ejakulatqualität übersichtsartig dargestellt [s120]. Der Abstract hält fest, Entzündungen und Infektionen des männlichen Genitaltrakts seien ein wichtiger und potenziell auf Therapie ansprechender Faktor der männlichen Unfruchtbarkeit. Eine standardisierte Diagnostik sei Voraussetzung, um Veränderungen des Ejakulats zu beurteilen. Neben Leuko- und Bakteriospermie würden Entzündungsmediatoren wie Zytokine und reaktive Sauerstoffspezies als Pathomechanismen diskutiert. Klinische Studien zur Ejakulatqualität bei den verschiedenen Formen des Prostatitis-Syndroms hätten widersprüchliche Ergebnisse geliefert, und nur die antimikrobielle Therapie sei als Behandlungsoption ausreichend beschrieben. Für die Zukunft sei entscheidend, neuartige funktionelle und molekulare Parameter einzubeziehen.

*Der Kommentar in Aktuelle Urologie 2022 (Heft 53/3, Seiten 218 bis 219)* trägt den Titel „Infertilität des Mannes: Welche Rolle spielen das Darm-, Urin- und Spermamikrobiom?“ und bespricht nach dem deutschen Recherche-Dokument die Arbeit von Lundy und Kollegen [s075]. Für diese Quelle liegt in Europe PMC kein Abstract vor; der für dieses Kapitel abgerufene Datensatz war leer. Zum Inhalt lässt sich daher nur sagen, was Titel und Verlagsangabe hergeben. Es ist ein Kommentar, keine Primärstudie. Die besprochene Originalarbeit [s092] ist im englischen Abschnitt dargestellt.

Dazu kommt die deutschsprachige Recherche selbst als Befund: Nach den Recherche-Daten gibt es zu Probiotika bei Männern aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz keine eigenen Studien, mit Ausnahme der Schweizer Mikrobiomstudie von Baud und Kollegen [s101], die im französischen Abschnitt dargestellt wird.

**Die international genutzte Kernliteratur im deutschen Dokument.** Weil die eigene Literatur so schmal ist, stützt sich das deutsche Recherche-Dokument auf internationale Arbeiten. Die wichtigsten Ergänzungen, soweit sie nicht in anderen Abschnitten ausführlich stehen:

*Cannarella und Kollegen (Andrology 2026)* untersuchten in einer prospektiven Querschnittsstudie 100 eugonadale Männer an einer universitären Endokrinologie- und Andrologieabteilung [s005]. Gemessen wurden die Konzentrationen von Laktobazillen, anaeroben und fakultativen Bakterien im Ejakulat, Serum-LH, -FSH und -Testosteron sowie die konventionellen Spermienparameter und Leukozyten; mit Regressionsmodellen wurden Schwellen für eine Konzentration über 16 Millionen/ml und eine progressive Motilität über 30 % bestimmt. Die Laktobazillenkonzentration korrelierte positiv mit der Spermienkonzentration (r = 0,42; p < 0,001). Leukozytenkonzentration und Anteil unreifer Keimzellen (Spermatiden) im Ejakulat zeigten negative Korrelationen (r = −0,35; p = 0,002 beziehungsweise r = −0,37; p < 0,001; die Bezugsgröße nennt der Abstract nicht ausdrücklich). Anaerobe und fakultative Bakterien korrelierten negativ mit der progressiven Motilität (r = −0,77; p < 0,001) und positiv mit dem Spermatidenanteil (r = 0,72; p < 0,001). Das Verhältnis von Laktobazillen zu Gesamtbakterien korrelierte negativ mit der Leukozytenkonzentration (r = −0,96; p < 0,001) und dem Spermatidenanteil (r = −0,89; p < 0,001) und positiv mit der progressiven Motilität (r = 0,95; p < 0,001). Alle Korrelationen blieben nach Adjustierung signifikant; die Konzentrationen und das Verhältnis galten als starke Prädiktoren mit hoher Sensitivität und Spezifität. Das deutsche Recherche-Dokument ordnet die Arbeit nach Italien ein. Es merkt zu Recht an, dass ein Koeffizient von r = −0,96 ungewöhnlich hoch ist und der unabhängigen Replikation bedarf. Das Abstract nennt weder das Messverfahren der Bakterien noch die Zahl der Proben je Gruppe; die Studie ist eine Querschnittsstudie, und die Autoren betonen selbst, Kausalität müsse erst bestätigt werden.

*Henkel (Journal of Clinical Medicine 2024)* ist eine narrative Übersicht zu Leukozytospermie und Bakteriospermie [s051]. Sie nennt Unfruchtbarkeit ein global unterschätztes Gesundheitsproblem (knapp 190 Millionen Betroffene, etwa 17,5 % der Menschen im Lebensverlauf; männlicher Faktor etwa 7 %), eine berichtete Prävalenz männlicher Genitaltrakt-Infektionen von 10 bis 35 % und Leukozytospermie bei 30 % der unfruchtbaren und bis zu 20 % der fruchtbaren Männer. Nach WHO gelten Leukozyten über 1 × 10⁶ peroxidasepositive Zellen/ml als Grenzwert; für Bakterien seien Gram-Färbung und Kultur der Goldstandard, PCR und Sequenzierung erweiterten das Erregerspektrum. Die WHO-Anleitung nenne keinen Grenzwert für bakterielle Kontamination, mehrere Studien betrachteten Proben mit mehr als 10³ KbE/ml als bakteriospermisch (die französische Recherche weist darauf hin, dass in der Mehrzahl der von Neto zusammengefassten Studien der Schwellenwert bei 10⁴ KbE/ml liegt [s054]). Die Pathomechanismen umfassten die direkte Wechselwirkung der Bakterien mit Keimzellen, spermientoxische Substanzen sowie Zytokine und reaktive Sauerstoffspezies mit oxidativem Stress. Die Übersicht hält fest, dass für das Management der Leukozytospermie keine spezifische Strategie verfügbar sei; Spermienseparationstechniken senkten die Bakterienlast bei assistierter Reproduktion deutlich, und Kontamination mit Hautkommensalen sei durch Hygiene zu vermeiden.

*Probiotika-Studien aus dem Iran* stehen im deutschen Dokument im Vordergrund und werden dort kritisch gewürdigt. *Gholipour und Kollegen* (Iranian Journal of Medical Sciences 2026) randomisierten 110 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie dreifach verblindet auf ein Probiotikum (Familact), ein Antioxidans (Sperigen) oder Placebo, täglich über drei Monate, in zwei akademischen Zentren (Isfahan und Yazd; Studienzeitraum Juli 2021 bis April 2022) [s007]. Laut Volltext (für dieses Kapitel aus Europe PMC abgerufen) wurden 203 Männer auf Eignung geprüft; eingeschlossen wurden Männer unter 45 Jahren mit WHO-Kriterien unterhalb der 5. Perzentile (Konzentration unter 15 Millionen/ml, normale Morphologie unter 4 %, Motilität A+B+C unter 40 %); ausgeschlossen waren unter anderem Pyospermie, Varikozele, Raucher und Prostatitis. Die Gruppen umfassten 38 (Antioxidans), 35 (Probiotikum) und 37 (Placebo) Männer, Alter im Mittel 34,3 ± 4,5 Jahre; die Therapietreue lag bei 92,7 %, 97,2 % und 94,9 %. Familact ist ein Synbiotikum mit mehreren Laktobazillen-, Streptococcus-thermophilus- und Bifidobakterien-Stämmen sowie Fructooligosacchariden; Sperigen enthält B-Vitamine, Vitamin A, C und E, Selen, Zink, Glutathion, L-Carnitin, L-Arginin, Coenzym Q10 und anderes. Je Teilnehmer wurden je zwei Proben vor und drei Monate nach der Intervention gemessen, gemittelt und computergestützt analysiert. Die gemischten Modelle (mit Zentrum als festem Effekt) ergaben signifikante Zeit-mal-Gruppe-Interaktionen für Konzentration (F[2,107] = 5,976; p = 0,003), Motilität (F[2,106] = 13,453; p < 0,001) und Morphologie (F[2,107] = 29,254; p < 0,001), nicht für das Volumen (p = 0,71). Die adjustierten Mittelwerte (Ausgangswert auf drei Monate) betrugen für die Konzentration (Millionen/ml) im Probiotikum-Arm 5,13 auf 10,42, im Antioxidans-Arm 5,03 auf 8,55, im Placebo-Arm 4,79 auf 4,91; für die Motilität (%) 23,54 auf 46,65, 22,16 auf 26,58 und 21,72 auf 22,75; für die Morphologie (%) 1,60 auf 4,31, 1,47 auf 2,21 und 1,47 auf 1,52. Probiotikum gegen Placebo: Konzentrationsdifferenz 5,51 Millionen/ml (p = 0,007), Motilität p = 0,001, Morphologie p < 0,001; Probiotikum gegen Antioxidans: Motilität p = 0,009, Morphologie p < 0,001, Konzentration p = 0,89; Antioxidans gegen Placebo: keine signifikante Differenz. Ein Teilnehmer der Probiotikagruppe brach wegen Blähungen ab. Das Abstract liest sich, als seien 10,42, 46,65 und 4,31 „Verbesserungen“; tatsächlich sind es adjustierte Mittelwerte nach drei Monaten, die Ausgangswerte stehen in Tabelle 2 des Volltexts. Stärken sind Randomisierung, Dreifachverblindung, Placebo und Vergleichsgruppe; Schwächen sind die niedrigen absoluten Werte (die Morphologie verbessert sich von 1,60 auf 4,31 %, die Konzentration von 5,13 auf 10,42 Millionen/ml und bleibt damit weit unterhalb der als Einschlusskriterium genannten Referenzgrenzen), die Dreimonatsdauer, der Surrogat-Endpunkt und die Beschränkung auf zwei Zentren eines Landes. Die Autoren schreiben selbst, ein starker Schluss erfordere weitere belastbare Studien.

*Abbasi und Kollegen* (International Journal of Reproductive Biomedicine 2021) untersuchten 56 Männer mit idiopathischer Unfruchtbarkeit dreifach verblindet mit FamiLact 500 mg gegen Placebo über 80 Tage [s085]. Konzentration, Motilität und normale Morphologie waren unter Verum höher (p < 0,05); im behandelten Arm sanken auch Lipidperoxidation und DNA-Fragmentierung (p ≤ 0,02), unter Placebo nur die DNA-Fragmentierung. Der abgerufene Abstract war abgeschnitten, weitere Zahlen wurden nicht berichtet. *Zarehoroki und Kollegen* (International Journal of Urology 2026) randomisierten 73 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie doppelblind auf Sperigen plus Placebo oder Sperigen plus 500 mg Synbiotikum (FamiLact) über drei Monate [s028]. Die Kombination verbesserte die mittlere Veränderung der progressiven Motilität stärker (p = 0,001) und verminderte den Anteil unbeweglicher Spermien (p = 0,018); für die DNA-Fragmentierung nennt der Abstract p = 0,001, ohne die Richtung eindeutig zu formulieren, die Schlussfolgerung spricht von Verbesserung. In beiden Armen besserten sich innerhalb der Gruppe alle Parameter außer der nicht progressiven Motilität im Arm mit Sperigen und Placebo. Zu beachten: Hier gibt es keinen reinen Placebo-Arm, die Kontrollgruppe nahm ein Antioxidans, und die Abstract-Aussage „much more effective than using an antioxidant alone“ gilt für diesen Vergleich. Das deutsche Dokument weist ausdrücklich darauf hin, dass mehrere dieser Studien aus derselben Region und teils derselben Arbeitsgruppe stammen und dasselbe Produkt verwenden. Ein Studienprotokoll von Shamsi-Goushki und Kollegen (Trials 2026) kündigt eine doppelblinde randomisierte Studie mit 84 übergewichtigen und adipösen Männern in Kerman an (vier Arme: kalorienreduzierte MIND-Diät oder Standard-Diät, jeweils mit Probiotikum oder Placebo; drei Monate; Registrierung IRCT20240313061277N1 im Iranischen Studienregister) [s023]. Ergebnisse liegen nicht vor.

*Übersichten und paarbezogene Befunde.* Oliveira und Kollegen werteten vier randomisierte Studien bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit aus und berichten antioxidative Effekte und bessere Spermienparameter, vor allem der Motilität [s055]. Corbett und Kollegen fanden bei Paaren in Kinderwunschbehandlung vier eingeschlossene Studien; beide Studien mit männlichen Probanden und oralen Probiotika verbesserten die Motilität, die Evidenz zu klinischen Schwangerschaftsraten blieb widersprüchlich [s087]. Eine Metaanalyse zu vaginalen Probiotika vor Embryotransfer (Maleki-Hajiagha und Kollegen, 2025; sechs Studien, 850 Teilnehmerinnen) fand klinische Schwangerschaften bei 157 von 419 (37,47 %) gegenüber 136 von 431 (31,55 %) mit RR 1,19 (p = 0,07), keine signifikanten Unterschiede bei biochemischer (RR 1,04; p = 0,74) und fortlaufender Schwangerschaft (RR 1,09; p = 0,53) und eine nicht signifikante Verringerung des Fehlgeburtsrisikos (RR 0,67; p = 0,12) [s042]. Das betrifft die Frau, ist aber für den Gedanken eines gemeinsamen Genitalmikrobioms des Paares relevant, den auch Grande und Kollegen mit der Forderung nach Studien zur „couple genital microbiota“ aufgreifen [s050]. Antonio und Kollegen (Journal of Infectious Diseases 2009) zeigten bei 90 jungen Frauen (14 bis 21 Jahre) für das vaginale Probiotikum L. crispatus CTV-05 (Kapseln mit 10⁶ oder 10⁸ KbE, zweimal täglich über drei Tage), dass 36 von 40 Frauen (90 %) ohne L.-crispatus-Besiedlung zu Beginn kolonisiert wurden, aber nur 24 von 47 (51 %) mit vorbestehender Besiedlung (P < 0,001), und dass Geschlechtsverkehr mit Kondom (OR 6,3; 95-%-KI 1,3 bis 29,4) oder ohne (OR 75,5; 95-%-KI 6,9 bis 820,6) die Besiedlung seltener machte [s119]. Das belegt einen Einfluss des Samens auf die vaginale Flora, aber nichts zur männlichen Fruchtbarkeit. Die größte Querschnittsstudie, Mowla und Kollegen, wird vom deutschen Dokument aus Großbritannien aufgeführt und ist im englischen Abschnitt beschrieben [s043]; die spanische Studie am Paar (Huerga López) erscheint im spanischen Abschnitt [s040].

**Regionale Besonderheiten und Methodik.** Die in den Quellen erkennbare Region der Probiotika-Studien ist überwiegend der Iran, ergänzt durch Italien, Spanien und Brasilien (letzteres über eine Übersicht). Der Hinweis auf die Spermatogenese von etwa drei Monaten, den das deutsche Dokument zur Deutung kurzer Beobachtungszeiträume gibt, stammt ausdrücklich nicht aus den abgerufenen Quellen, sondern ist Hintergrundwissen und wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Zur Datenbanklage: Die Suche mit Sprachfilter Deutsch liefert für das Thema fast nur ältere Arbeiten; die moderne Debatte spielt sich im englischsprachigen Teil von PubMed ab. Für Leser, die deutschsprachige Quellen suchen, heißt das: Ein deutschsprachiger Primärbefund zu Samenmikrobiom oder Probiotika bei Unfruchtbarkeit wurde in dieser Recherche nicht gefunden, und das ist als Recherchelücke zu lesen, nicht als Beweis für ihr Fehlen.


### Französisch

**Befund vorab: dünne eigenständige Primärliteratur.** Die französische Recherche arbeitete über PubMed und Europe PMC sowie über gezielte Suchen in französischsprachigen Quellen (HAL, Cairn, EM-Consulte, Progrès en Urologie, Gynécologie Obstétrique Fertilité & Sénologie). Ihr Ergebnis lautet ausdrücklich: Die eigenständige französischsprachige Primärliteratur zum seminalen Mikrobiom ist dünn. Gefunden wurden vor allem historische Arbeiten zur Spermainfektion aus den 1980er-Jahren, eine französische Übersicht zum weiblichen Genitalmikrobiom, populärwissenschaftliche Aufbereitungen und eine Kohorte aus Lausanne in der französischsprachigen Schweiz. Die Kerndaten sind international. Zu Progrès en Urologie gab es bei Suchen nach Sperma, Unfruchtbarkeit, Bakterien und Mikrobiota viele Treffer, aber in den geprüften Auszügen keinen Artikel zum seminalen Mikrobiom oder zu Probiotika; HAL, Cairn und EM-Consulte lieferten über offene Abfragen keine einschlägige französischsprachige Primärveröffentlichung (Treffer waren überwiegend Verbraucherseiten und internationale Artikel). Diese Datenbanken konnten mit den verfügbaren Werkzeugen nicht erschöpfend abgefragt werden; Thesen oder Übersichten können existieren, wurden aber nicht gesehen und deshalb nicht zitiert.

**Die historische französische Linie (1982 bis 1989).** Drei Arbeiten stehen für eine französische Tradition der Spermakultur und des Infektionsbefunds, die älter ist als die Sequenzierung und mit anderen Definitionen arbeitete. Sie werden hier nicht als quantitativer Beleg verwendet.

*Granouillet, Gaudin, Laurent, Rousset und Moulin (1982)* untersuchten zwei Gruppen unfruchtbarer Männer (65 und 132 Patienten) in zwei Laboratorien mit zwei Verfahren der Samengewinnung; die bakteriologischen Ergebnisse waren ähnlich [s124]. Isoliert wurden unter anderem betahämolysierende Streptokokken, Proteus, Staphylococcus epidermidis, Micrococcus, Corynebakterien, Viridans-Streptokokken, Klebsiella, Pseudomonas, Enterobacter, Bacillus, Neisseria, Escherichia coli, anaerobe Staphylokokken und Streptokokken, Pilze und Achromobacter. Nach dem Abstract waren 20 Prozent der Patienten chronisch infiziert, ohne klinische Zeichen, vermutlich prostatischen Ursprungs mit mehr als 3.000 Bakterien/ml im Samen. Zwischen bakteriologischen Daten und den physikalischen und zytologischen Eigenschaften des Spermas zeigte sich kein Zusammenhang, außer beim pH: Ejakulate mit niedrigem pH waren meist azoosperm und stark kontaminiert.

*Auroux (1988)* beschreibt eine uneinheitliche Meinung über den Einfluss urogenitaler Infektionen auf die männliche Fruchtbarkeit [s123]. Eine eigene neuere Studie habe gezeigt, dass Ureaplasma urealyticum und E. coli die am häufigsten in Samenkulturen unfruchtbarer Männer gefundenen Bakterien seien. Als direkte Effekte nennt sie verminderte Spermienzahl, Motilität, Morphologie und Befruchtungsfähigkeit, wobei das Verhältnis von Bakterien- zu Gametenkonzentration wichtig sein könne; als indirekte Effekte nennt sie Veränderungen des Seminalplasmas, etwa viele polymorphkernige Zellen oder Antispermien-Antikörper. Therapieversuche hätten das Problem noch nicht entschieden. Betont wird die Notwendigkeit strenger bakteriologischer Protokolle und gut kodifizierter klinischer, biologischer, epidemiologischer und experimenteller Studien.

*Arvis (1989)* stellt fest, die Spermainfektion sei eine klassische Ursache der Unfruchtbarkeit, müsse aber mit Vorsicht beurteilt werden [s122]. Die Infektion müsse bewiesen sein; veränderte Leukozyten, selbst über 10⁵ oder 10⁶/ml, genügten nicht. Für viele Keime, besonders Chlamydien und Mykoplasmen, sei die Wirkung auf Spermien nicht erkannt oder nachgewiesen. Der Autor schließt, eine echte Spermainfektion sei sehr selten, müsse aber bei Verdacht gesucht werden, vor allem nach kürzlicher Genitalinfektion. Die Zurückhaltung gegenüber Chlamydien und Mykoplasmen ist bemerkenswert, weil sie sich in der Metaanalyse von 2021 für Chlamydia trachomatis bestätigt (kein Einfluss auf die Spermienparameter), für Mycoplasma hominis aber nicht [s089].

**Das weibliche Mikrobiom als französischer Beitrag.** Mauries und Kollegen (Gynécologie Obstétrique Fertilité & Sénologie 2021) stellen in einer französischen Übersicht das Genitalmikrobiom der Frau und die assistierte Reproduktion dar [s093]. Genitale Dysbiose (vaginal oder endometrial) sei mit geringeren Chancen auf Lebendgeburten verbunden, über sinkende Schwangerschaftsraten und höheres Fehlgeburtsrisiko. Gardnerella vaginalis, Proteobacteria, Lactobacillus jensenii, Lactobacillus crispatus oder Atopobium vaginae schienen mit dem Ausgang von ART-Zyklen verknüpft; als diagnostische und therapeutische Ansätze werden Probiotika, Antibiotika und die Übertragung von Vaginalmikrobiota diskutiert. Die Arbeit behandelt ausdrücklich nicht das seminale Mikrobiom; sie liefert Kontext für die Paarsicht.

**Die Lausanner Kohorte.** Die einzige sequenzierte Kohorte aus der französischsprachigen Schweiz ist die von Baud und Kollegen (Frontiers in Microbiology 2019) mit 26 Männern mit normalem Spermiogramm und 68 mit mindestens einem auffälligen Parameter [s101]. Die Proben wurden nach Gesamtzahl, Konzentration, progressiver und Gesamtmotilität und Morphologie stratifiziert; die Profilierung nutzte 16S-rRNA-Amplikon-Sequenzierung, die Bakterienlast eine panbakterielle quantitative PCR. Drei Profile ließen sich unterscheiden (Prevotella-angereichert, Lactobacillus-angereichert, polymikrobiell). Das Prevotella-Profil hatte die höchste Bakterienlast (p < 0,05). Eine Netzwerkanalyse fand drei Kookkurrenzmodule, von denen zwei Bakterien der Vaginalflora enthielten und deren Gattungen ähnliche Sauerstoffansprüche hatten, was die Autoren als Hinweis auf verschiedene ökologische Nischen entlang des Weges deuten. Entgegen der Hypothese korrelierten Verschiebungen der Gesamtzusammensetzung (Beta-Diversität) nicht mit den Spermiogrammwerten, und auch in Reichtum und Alpha-Diversität gab es keinen Unterschied. Einzelne Gattungen unterschieden sich aber: Prevotella war bei gestörter Motilität häufiger, Staphylococcus in der entsprechenden Kontrollgruppe, Lactobacillus bei normaler Morphologie. Die Autoren schließen, der gesamte Bakteriengehalt des Spermas spiele wahrscheinlich keine große Rolle bei männlicher Unfruchtbarkeit, eine kleine Untergruppe von Mikroben könnte aber Motilität und Morphologie beeinflussen. Die italienische Recherche nennt zur Alpha-Diversität eine geringfügige Ausnahme beim Merkmal Gesamtmotilität (Kruskal-Wallis p = 0,02), während die Beta-Diversität (ANOSIM) in allen Vergleichen keine Unterschiede zeigte (alle p > 0,05). Dieselbe Gruppe hat 2024 Mikrobiota und Seminalplasma-Metabolomik verbunden [s047] (Urocanat erhöht in auffälligen Proben, adjustierter P-Wert < 0,001; angereichert in Prevotella-dominierten Proben, P < 0,05) und 2025 in der Zeitschrift Reproductive BioMedicine Online ein metagenomisches Profil von Genitalnischen bei Paaren in Kinderwunschbehandlung vorgelegt (Vaginal- und Penisabstriche, Follikelflüssigkeit, Sperma) [s035]: Die Gemeinschaften waren nischenspezifisch, Frauenproben überwiegend von Lactobacillus geprägt, Männerproben vielfältiger (einschließlich Bakterien, die mit bakterieller Vaginose verbunden sind) und mit nur begrenzten Hinweisen auf eine Übertragung zwischen den Partnern.

**Kulturstudien und Übersichten, die der französische Raum nutzt.** Eini und Kollegen (BMC Molecular and Cell Biology 2021) untersuchten 172 Männer aus unfruchtbaren Paaren eines iranischen Andrologiezentrums und 35 fruchtbare Kontrollen [s088]. 60 Patienten (34,88 %) hatten eine positive Kultur für pathogene Bakterien. Leukozytospermie war in infizierten Proben signifikant häufiger (p < 0,05); Konzentration, Motilität und Morphologie waren signifikant niedriger, die DNA-Fragmentierung signifikant höher als in nicht infizierten Proben. Die Fragmentierung korrelierte mit der Leukozytospermie (R = 0,22; p < 0,01). Die Autoren schließen, Infektion könne über verminderte Motilität, Morphologie und DNA-Integrität das Fruchtbarkeitspotenzial beeinträchtigen. Es handelt sich um eine Querschnittsassoziation in einer Klinikpopulation und nicht um einen Nachweis der Ursächlichkeit; als Kulturstudie darf sie nicht auf das sequenzierte Mikrobiom übertragen werden.

Neto und Kollegen (Frontiers in Endocrinology 2024) erstellten eine narrative Übersicht der Jahre 1980 bis 2023 mit 37 Studien und 9.310 Teilnehmern (16 Kultur, 16 Sequenzierung, 5 beides) [s054]. Keine Studie habe Pilze oder Viren untersucht. Alle sequenzierenden Studien fanden Bakterien in allen Samenproben. Sexuell aktive Paare teilten 56 % der vorherrschenden Gattungen; unter Paaren mit positiver Kultur beider Partner teilten 61 % mindestens einen Genitalerreger. Bei Paaren mit Unfruchtbarkeit bekannter Ursache überschnitten sich seminale und vaginale Zusammensetzung mit häufigeren Staphylococcus und Streptococcus. Bakteriospermie reichte je nach Studie von 7 % bis 65,7 %; der Kultur-Schwellenwert lag meist bei über 10⁴ KbE/ml (in einer dänischen Studie der Übersichtstabelle über 10³). Nach der französischen Prüfung wurde eine Aussage korrigiert, die zunächst 10³ als übliche Schwelle nannte. Bakterien im IVF-Kulturmedium schienen die Schwangerschaftsraten nicht zu beeinflussen. Tvrdá und Kollegen (Open Life Sciences 2022) fassen Mechanismen der Bakteriospermie zusammen: Adhäsion mit Agglutination und Immobilisierung, bakterielle Toxine und Leukozyteninfiltration mit massivem Ausstoß reaktiver Sauerstoffspezies [s082]. Bazzar und Kollegen (Biology of Reproduction 2026; PRISMA 2020; Quellen PubMed, Scopus, Science Direct, 2015 bis 2025) beschreiben günstige Gattungen wie Lactobacillus (bessere Motilität, Konzentration und DNA-Integrität) und dysbiotische wie Prevotella, Pseudomonas und Ureaplasma (Verschlechterungen), bidirektionalen mikrobiellen Austausch bei sexueller Aktivität und mehr Fusobacterium in HPV-positiven Proben; sie fordern standardisierte Methoden und Längsschnittstudien, um Kausalität zu beweisen [s001]. Hofman und Kollegen (Frontiers in Reproductive Health 2025) fassten 29 Metagenomstudien des seminalen Bakteroms zusammen mit einer medianen Stichprobe von 56 Teilnehmern (Spanne 5 bis 285) und weisen auf die Heterogenität der Methodenschritte hin [s038]. Osadchiy und Kollegen (Scientific Reports 2024) fanden bei Männern in Fruchtbarkeitsabklärung oder Vasektomieberatung mit nachgewiesener Vaterschaft bei auffälliger Motilität (N = 27) mehr Lactobacillus iners als bei normaler (N = 46): 9,4 % gegenüber 2,6 % (p = 0,046; kanonische Korrelation r = 0,392; p = 0,011); bei auffälliger Konzentration (N = 20) waren Pseudomonas stutzeri (2,1 % gegenüber 1,0 %; p = 0,024) und P. fluorescens (0,9 % gegenüber 0,7 %; p = 0,010) häufiger, P. putida (0,5 % gegenüber 0,8 %; p = 0,020) seltener als bei normaler (N = 53) [s056]. Der Befund belegt, dass sich eine Gattung nach Art unterschiedlich verhalten kann.

**Probiotika, Tiermodelle und Mechanismen aus französischer Sicht.** Das französische Dokument führt die Interventionsstudien in einer Tabelle zusammen, ohne eigene französische Studie. Valcarce und Kollegen (Beneficial Microbes 2017; Spanien) verabreichten neun asthenozoospermen Männern ohne Kontrollgruppe zwei antioxidative Stämme (Lactobacillus rhamnosus CECT8361 und Bifidobacterium longum CECT7347) über drei und sechs Wochen; die Motilität stieg etwa um das Sechsfache, die DNA-Fragmentierung sank etwa um das 1,2-Fache, das intrazelluläre H₂O₂ etwa um das 3,5-Fache, die Zellvitalität blieb unverändert [s112]. Maretti, Helli, Abbasi und Gholipour werden mit den bereits genannten Zahlen aufgeführt [s111, s079, s085, s007]; das Dokument fasst zusammen, dass die Studien klein (n = 41 bis 110) und kurz sind (zehn Wochen bis sechs Monate), oft in denselben Ländern (Iran, Italien) durchgeführt wurden und Surrogatendpunkte berichten. Als Vergleichsmaßstab dient die Metaanalyse von Melhem und Kollegen (Andrology 2026; 41 randomisierte Studien, 3.615 Männer), die keine Probiotika, sondern pharmakologische und nutritive Therapien bei idiopathischer Unfruchtbarkeit untersucht [s017]. Für Antioxidantien nennt sie SMD 1,09 (95-%-KI 0,10 bis 2,08) für die Konzentration, 1,11 (0,32 bis 1,90) für die progressive Motilität, 0,69 (0,26 bis 1,13) für die Gesamtmotilität und 0,43 (0,05 bis 0,82) für die normale Morphologie, mit Prädiktionsintervallen, die für alle Parameter die Null einschließen, I² über 80 % und sehr niedriger Sicherheit der Evidenz nach GRADE; für PDE-Hemmer SMD 1,96 (−2,25 bis 6,17) bei der Konzentration, für Methylgruppen-Spender −1,17 (−2,82 bis 0,47) bei der DNA-Fragmentierung. Zur Prihadi-Metaanalyse hält das französische Dokument fest, dass die Seite des Artikels und der Abstract die Werte 1,28 und 0,89 für Volumen und Motilität in unterschiedlicher Reihenfolge nennen; das französische Dokument folgt der Reihenfolge (Konzentration, Volumen, Motilität). Alle anderen Recherche-Dokumente und die Diagramme der Masterliste ordnen 1,28 der Motilität und 0,89 dem Volumen zu [s020]; dieses Kapitel folgt der Masterliste, und die Abweichung ist als nicht aufgeklärt zu betrachten. Tierstudien: Al-Asmakh und Kollegen (PLoS One 2014) fanden bei keimfreien Mäusen eine verzögerte Lumenbildung der Hodenkanälchen, erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hoden-Schranke (verminderte Expression von Occludin, ZO-2 und E-Cadherin) sowie niedrigere Gonadotropine und niedrigeres intratestikuläres Testosteron; die Gabe von Clostridium tyrobutyricum, das viel Butyrat bildet, stellte die Schranke wieder her [s114]. Wu und Kollegen (Ecotoxicology and Environmental Safety 2024) zeigten, dass eine Mischung aus Lactobacillus rhamnosus und L. plantarum bei Bisphenol-A-exponierten Mäusen BPA-Reste in Darm, Serum und Hoden senkte, die Darmbarriere stärkte und die Spermatogenese verbesserte [s059]. Ma und Kollegen (Frontiers in Endocrinology 2026) analysieren methodisch die Tiermodelle der Darm-Hoden-Achse und warnen, viele Modelle spiegelten die chronische, niedriggradige Belastung nicht wider, die für die idiopathische Unfruchtbarkeit angenommen wird; sie schlagen ein Berichtsgerüst vor [s016]. Kaltsas und Kollegen (Journal of Personalized Medicine 2026) halten fest, Schwangerschaft und Lebendgeburt würden selten berichtet und seien unbewiesen und Probiotika seien Ergänzung, nicht eigenständige Therapie [s009].

**Regionale Besonderheiten und Datenbanken.** Die Lausanner Kohorte ist der einzige sequenzierte Beitrag aus einem französischsprachigen Raum. Die Probiotika-Studien kommen aus dem Iran, Italien und Spanien; die Übertragbarkeit auf französische oder europäische Populationen (Ernährung, verfügbare Handelsstämme, Einschlusskriterien) ist unsicher. Als populärwissenschaftliche Quelle wird eine Seite des Biocodex Microbiota Institute herangezogen, die die Studie von Osadchiy wiedergibt und mit „1 von 6 Personen leide im Leben an Unfruchtbarkeit“ zitiert wird; diese Aussage ist eine Wiedergabe der Seite, nicht an der Primärquelle geprüft, und solche Seiten sind keine Primärquellen [s125]. Ein europäisches Marie-Skłodowska-Curie-Projekt namens REPROBATIO zu Probiotika und Postbiotika bei männlicher Fruchtbarkeit wird in Suchergebnissen erwähnt; die CORDIS-Seite wurde nicht geöffnet, Zahlen werden nicht übernommen. Für die Datenbanken gilt: Die Suche nach französischsprachigen Beiträgen führt in Europe PMC überwiegend zu historischen Arbeiten mit französischem Titel und englischem Abstract (die drei Arbeiten der 1980er sind nur über ihre indexierten Abstracts zugänglich); die Kohorte aus Lausanne ist nur durch Zugehörigkeit der Autoren dem Raum zugeordnet, nicht durch die Sprache der Veröffentlichung.

**Was offen bleibt.** Französischsprachige Kohorten mit Sequenzierung, Kontaminationskontrolle und Einbezug von Pilzen und Viren (die Neto zufolge in keiner Studie untersucht wurden); Studien mit Lebendgeburt als Hauptziel; Dosis- und Dauervergleiche über mindestens einen Spermatogenesezyklus; die Rolle der Partnerin (vaginales Mikrobiom, sexueller Transfer); und die Frage, ob Bakterien auf Artebene (zum Beispiel L. crispatus gegenüber L. iners) statt auf Gattungsebene betrachtet werden sollten.

### Italienisch

**Befund vorab: dünn in der Sprache, solide in der Sache.** Eine auf die italienische Sprache beschränkte Suche in Europe PMC (Sprachfilter Italienisch) ergab keine einzige Primärarbeit zum seminalen Mikrobiom; die Treffer waren Kongressbeiträge zur Hygiene und nicht einschlägige Artikel. Auf die Zeitschriften Giornale Italiano di Ostetricia e Ginecologia, Minerva (Urologia, Ginecologia) und die Zeitschrift der Fachgesellschaft SIAMS (die in englischer Sprache erscheint) konnte nicht im Volltext für eine systematische Suche zugegriffen werden. Das heißt nicht, dass es dort keine Beiträge gibt, sondern dass sie nicht aufgefunden und daher nicht zitiert werden. Der italienische Beitrag besteht faktisch aus englischsprachigen Arbeiten italienischer Gruppen: Neapel (Neto, Tomaiuolo), Padua (Grande), Mailand (Alfano; Amodio in der Immunologie) und die Studie von Maretti und Cavallini. Hinzu kommen Pressemitteilungen der Società Italiana di Andrologia (SIA).

**Hodenmikrobiom: der solideste italienische Primärbeitrag.** Alfano und Kollegen (Human Reproduction 2018, IRCCS San Raffaele, Mailand) untersuchten in einer Querschnittsstudie 15 Hoden: fünf Männer mit idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie (iNOA) und negativer Spermiengewinnung bei der mikrochirurgischen Hodenbiopsie (microTESE), fünf mit iNOA und positiver Gewinnung, fünf normozoosperme Männer bei Orchiektomie [s104]. Methodik: massive Ultratief-Pyrosequenzierung, Auswertung mit QIIME, Bakterienlast mit digitaler Tröpfchen-PCR (ddPCR). Normozoosperme Männer hatten kleine Mengen Bakterien im Hoden, vorherrschend Actinobacteria, Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria. Männer mit iNOA hatten mehr bakterielle DNA (P = 0,02), verbunden mit geringerem taxonomischem Reichtum durch das Fehlen von Bacteroidetes und Proteobacteria (P = 2 × 10⁻⁵). Proben mit negativer Spermiengewinnung zeigten vollständige Keimzellaplasie und eine weitere Abnahme von Firmicutes und Clostridia (P < 0,05), ein vollständiges Fehlen von Peptoniphilus asaccharolyticus und mehr Actinobacteria. Die Autoren sehen in der kleinen Probenzahl die Notwendigkeit externer Validierung und weisen darauf hin, dass das paraneoplastische Milieu orchiektomierter Hoden die ansässige Flora beeinflussen könnte. Hier ist die Stärke die Gewebenähe (nicht Ejakulat), die Schwäche die Fallzahl. Spätere Übersichten merken an, dass 50 bis 70 % der bakteriellen Reads in Hodenproben Kontamination sein können [s054, s050].

**Cluster und Verhältnisse im Ejakulat.** Die italienische Recherche stellt die Studie von Weng und Kollegen (PLoS One 2014; 96 Samenproben unfruchtbarer Paare) detaillierter dar als andere Räume [s116]. 36 Proben waren normal, 33 von niedriger Qualität (mindestens zwei auffällige Werte) und 27 intermediär. Drei Cluster: G1 (Pseudomonas) mit 25 Proben, davon 20 % normal; G2 (Lactobacillus) mit 55 Proben, davon 52,7 % normal; G3 (Prevotella) mit 16 Proben, davon 12,5 % normal. G1 und G3 hatten eine 5,2- beziehungsweise 8,5-fach höhere Wahrscheinlichkeit geringer Samenqualität als G2 (exakter Test nach Fisher: p = 0,0073 und p = 0,00448). Lactobacillus und Gardnerella waren positiv mit Konzentration, Motilität, Morphologie und Leukozyten innerhalb der Normgrenzen assoziiert, Prevotella negativ. Rechnerisch passt der Zusammenhang zu der Angabe, dass 80,6 % der normalen Proben im Lactobacillus-Cluster liegen (52,7 % von 55 Proben entsprechen 29 Proben, 29 von 36 normalen Proben sind 80,6 %). Die Aussage ist eine Querschnittsbeschreibung, und die Gruppeneinteilung ist datengetrieben.

Cannarella und Kollegen (Andrology 2026), nach den Recherche-Dokumenten eine italienische Gruppe, fanden bei 100 eugonadalen Männern eine positive Korrelation zwischen Laktobazillenkonzentration und Spermienkonzentration (r = 0,42; p < 0,001) und eine sehr starke Korrelation des Verhältnisses Laktobazillen zu Gesamtbakterien mit der progressiven Motilität (r = 0,95; p < 0,001) und negativ mit Leukozyten (r = −0,96; p < 0,001) [s005]. Die Einzelheiten stehen im deutschen Abschnitt. Die italienische Recherche zeigt außerdem, dass Baud und Kollegen (s. französischer Abschnitt) trotz fehlender Gesamtunterschiede Einzelgattungen fanden [s101] und dass Lundy und Kollegen (25 unfruchtbare, 12 fruchtbare Männer; Rektalabstrich, Ejakulat, Urin; 16S und Shotgun-Metagenomik, im Median 140 Millionen Reads) eine höhere seminale Alpha-Diversität, mehr Aerococcus, weniger rektales Anaerococcus, eine inverse Assoziation von Prevotella zur Konzentration und eine direkte von Pseudomonas zur Zahl beweglicher Spermien fanden [s092]. Italienischer Kommentar: Der Pseudomonas-Befund von Lundy läuft der Lesart „Pseudomonas gleich negativ“ bei Weng entgegen; der Abstract von Lundy erlaubt nicht, die Diskrepanz aufzuklären. Osadchiy und Kollegen (Zahlen im französischen Abschnitt) zeigen zusätzlich, dass Pseudomonas-Arten in verschiedene Richtungen gehen und dass Lactobacillus iners eine Ausnahme von der Regel „Lactobacillus schützt“ ist [s056].

**Übersichten aus Neapel und Padua.** Neto und Kollegen (Frontiers in Endocrinology 2024; Universität Federico II, Neapel; 37 Studien, 9.310 Teilnehmer) listen Studien aus 16 Ländern auf (Italien, China, USA, Nigeria, Spanien, Deutschland, Polen, Russland, Estland, Portugal, Indien, Dänemark, Tunesien, Frankreich, Ägypten, Kanada), ohne nach Region zu stratifizieren [s054]. In einer Studie war die Korrelation zwischen Bakteriospermie und Befruchtungsrate schwach negativ (r = −0,239; p < 0,05); sexuell aktive Männer zeigten mehr bakterielle Vielfalt, fettreiche Kost war mit Dysbiose und schlechterer Qualität assoziiert. Grande und Kollegen (Cells 2024; Universität Padua; 27 Humanstudien bis Dezember 2023) fassen zusammen [s050]: Prevotella korreliert invers mit der Konzentration, ist mit Oligozoospermie und adipositasassoziierter Asthenozoospermie verbunden und findet sich in über 90 % der Hodenproben; Pseudomonas ist mit verminderter Zahl beweglicher Spermien und Konzentrationsauffälligkeiten verknüpft; Lactobacillus findet sich häufiger in normalen Proben, L. crispatus mit normaler Morphologie, L. iners mit verminderter Konzentration; bei Prostatitis und Leukozytospermie sind Laktobazillen vermindert und Streptococcus vermehrt; bei HPV unterschied sich Fusobacterium (sechs HPV-positive Proben gegen 25 Kontrollen). Als Limitationen nennen die Autoren die kleine Zahl der Studien, die Kontamination (50 bis 70 % der Reads in Hodenproben) und das Fehlen von Studien, die Ernährung und seminales Mikrobiom verbinden. Brandão und Kollegen (Porto Biomedical Journal 2021) werteten nach PRISMA neun Studien aus (749 Datensätze, Probenzahlen 15 bis 118 je Studie) [s086]: Vier Studien fanden positive Assoziationen von Lactobacillus mit Fruchtbarkeit; mit normalem Spermiogramm waren Propionibacterium, Gardnerella vaginalis, Atopobium vaginae und Staphylococcus assoziiert, mit auffälligen Parametern Prevotella (vor allem P. bivia), Haemophilus parainfluenzae, Anaerococcus (P = 0,0012 bei Unfruchtbaren), Pseudomonas, Klebsiella und Aerococcus. Zur Vielfalt waren die Ergebnisse widersprüchlich: eine Arbeit fand weniger Arten bei Unfruchtbaren (1093 OTU bei Kontrollen, 925 bei obstruktiver, 840 bei nichtobstruktiver Azoospermie), eine andere mehr Vielfalt bei Unfruchtbaren (Shannon-Index 4,3 bis 4,8 gegenüber 3,1 bei Kontrollen; P = 0,004), zwei Arbeiten keinen Unterschied (P = 0,08 für den Reichtum; P = 0,33 für die Vielfalt). Bei der assistierten Reproduktion fand sich bei der intrauterinen Insemination kein Unterschied nach Zusammensetzung; bei der IVF war die Embryoqualität schlechter bei seminalen Proteobacteria und Corynebacterium und besser bei Enterobacteriaceae. Die Autoren schreiben, es seien keine Studien zu Einnistung, klinischer Schwangerschaft, Fehlgeburt oder Lebendgeburt gefunden worden und Schlussfolgerungen erschienen verfrüht. Die italienische Recherche merkt an, dass die im Abstract genannten Lactobacillus-Anteile bei Azoospermie (6,79 % bei Kontrollen gegen 17,98 % und 17,24 %) neben einer Aussage über „geringere“ Mengen bei Azoospermie stehen und nicht damit vereinbar sind; diese Zahlen wurden deshalb in dieser Recherche nicht für Diagramme verwendet und werden hier nicht gedeutet. Weitere Übersichten: Tomaiuolo und Kollegen (High Throughput 2020, Neapel) halten fest, es seien bisher wenige Studien zu Herkunft und Funktion des seminalen Mikrobioms und seinen Beziehungen zum Genitaltrakt der Partnerin durchgeführt worden [s098]. Buttà, Sucato und Capra (Biomedicines 2026) weisen darauf hin, dass viele Studien nichtbakterielle Bestandteile (HPV, Herpes simplex, Trichomonas vaginalis, Candida) ausklammern und die Befunde fragmentiert und teils uneinheitlich sind [s003]. Zhang und Kollegen (Biology 2026) bewerten Trimethylamin-N-oxid (TMAO) als Kandidaten für einen Stoffwechselvermittler in der Darm-Hoden-Achse, ausdrücklich nicht als bewiesenen kausalen Faktor oder Therapieziel; Beobachtungsstudien am Menschen verknüpfen TMAO mit Asthenozoospermie und dem Leydig-Zell-Marker INSL3 [s030]. Kaltsas und Kollegen (Diagnostics 2026) beschreiben in einer narrativen Übersicht zur Prostatitis, dass Leukozytospermie und erhöhte Seminalzytokine, besonders Interleukin-8, mit beeinträchtigter Motilität, veränderter Viskosität und Verflüssigung, oxidativem Stress und höherer DNA-Fragmentierung verbunden sind, und schlagen einen biomarkergeleiteten Abklärungsweg mit gezielter Mikrobiologie vor [s010]. Die Immunologie liefert Amodio und Kollegen (Nature Communications 2025, Mailand): Junge unfruchtbare Männer hätten ein proinflammatorisches Milieu mit mehr myeloiden Zellen und Entzündungsmediatoren in Samenflüssigkeit und Blut; in T-Zellen des Blutes von Männern mit Oligoasthenoteratozoospermie oder nichtobstruktiver Azoospermie sind Gene der Interferon-γ- und -α-Antwort hochreguliert, mit unterschiedlichen Signaturen von Erschöpfung und Seneszenz [s033]. Diese Arbeit ist keine Mikrobiomstudie und wird nur als Kontext genannt.

**Probiotika und Synbiotika beim Menschen.** Die italienische Linie beginnt mit der Pilotstudie von Maretti und Cavallini (Andrology 2017), die in den Quellen als der am häufigsten genannte klinische italienische Befund gilt [s111]. 41 Patienten mit idiopathischer Oligoasthenoteratospermie ohne chromosomale Aberrationen; 20 erhielten sechs Monate lang Flortec (nach dem portugiesischen Dokument: Lactobacillus paracasei B21060, 5 × 10⁹ Zellen, plus Arabinogalaktan 1243 mg, Fructooligosaccharide 700 mg und L-Glutamin 500 mg, ein Beutel täglich), 21 eine Stärke-Kontrolle. Mediane der Flortec-Gruppe vor und nach: Volumen 2,4 auf 3,1 ml, Konzentration 15,2 auf 28,3 Millionen/ml (der Abstract enthält an einer Stelle einen Satzfehler „28,3 × 10⁶/39 mL“), progressive Motilität 16,2 auf 42,0 %, typische Formen 7 auf 16,3 % (alle p < 0,01). FSH, LH und Testosteron verbesserten sich ebenfalls (p < 0,01), Estradiol und Prolaktin nicht. In der Kontrollgruppe blieben die meisten Parameter unverändert, Nebenwirkungen traten nicht auf; verglichen wurde mit Wilcoxon-Test vor und nach der Behandlung, innerhalb jeder Gruppe, ohne Konfidenzintervalle und ohne direkten Gruppenvergleich im Abstract, ohne berichtete Schwangerschaften. Die italienische Recherche betont, dass Effekte auf FSH, LH und Testosteron für ein Probiotikum bemerkenswert seien und unabhängige Replikation verdienten; eine Wiederholung in einem anderen italienischen Zentrum wurde nicht gefunden. Die iranischen Studien werden dort ebenfalls aufgeführt: Abbasi (n = 56, 80 Tage) [s085]; Asadi (n = 78 nach Varikozelenoperation; 38 Probiotikum, 40 Placebo; Konzentration nach drei Monaten 33,7 ± 22,5 gegenüber 21,1 ± 16,1 Millionen/ml, P = 0,046; normale Morphologie 15,0 ± 8,9 gegenüber 12,0 ± 11,5 %, P = 0,016; Volumen P = 0,897 und Motilität P = 0,177 ohne Unterschied) [s064]; Gholipour (n = 110; 35, 38, 37; 90 Tage; Werte nach drei Monaten im Probiotikum-, Antioxidans- und Placebo-Arm: Motilität 46,65, 26,58 und 22,75 %, Morphologie 4,31, 2,21 und 1,52 %, Konzentration 10,42, 8,55 und 4,91 Millionen/ml) [s007]. Zu den letzten Konzentrationswerten ist anzumerken: Im Volltext steht für den Placebo-Arm ein adjustierter Mittelwert von 4,91 Millionen/ml nach drei Monaten, passend zur italienischen Angabe (siehe die Details im deutschen Abschnitt). Prihadi und Kollegen (vier Studien, 156 Männer) bestätigen die Richtung bei hoher Heterogenität; die italienische Recherche merkt an, dass das Einschließen eines einarmigen Studienarms die Kombination fraglich macht [s020].

**Tierstudien.** Die italienische Recherche führt mehrere neue Tierstudien an, die zur biologischen Plausibilität beitragen, ohne auf den Menschen übertragbar zu sein. Losacco und Kollegen (Frontiers in Veterinary Science 2026) gaben 14 gesunden Zuchthunden zur Kontrolldiät dieselbe Diät mit 400 Milliarden KbE eines gefriergetrockneten Multistamm-Probiotikums über 70 Tage (ein vollständiger Spermatogenesezyklus): Die Spermienkonzentration stieg signifikant (p < 0,001), mehrere kinetische Parameter verbesserten sich, seminale reaktive Sauerstoffspezies sanken, und die antioxidative Kapazität stieg [s013]. Tas und Kollegen (Scientific Reports 2026) zeigten an Ratten mit Streptozotocin-Diabetes, dass Lactobacillus rhamnosus GG (lebend oder inaktiviert) die Motilität von Nebenhodenspermien, das Testosteron und die Histologie verbesserte, mit Effekten auf die DNA-Methylierung im Hoden [s025]. Harati und Kollegen (Microorganisms 2026) fanden bei Ratten mit fettreicher Kost, dass eine gleichzeitig begonnene Präbiotikum-Probiotikum-Gabe die Hodenstruktur schützte, TNF-α senkte und das Testosteron teilweise normalisierte, ohne Spermienparameter oder LH signifikant zu bessern, während eine verzögert (nach fünf Wochen) begonnene Gabe keine sinnvolle Besserung und in mancher Hinsicht stärkere Entzündung und Degeneration als die fettreiche Kost allein brachte [s008]. Diese Zeitabhängigkeit ist ein Tierbefund; in den berichteten Humanstudien wurde ein Vergleich verschiedener Startzeitpunkte nicht berichtet.

**Leitlinien, Fachgesellschaft und Datenbanklage.** Eine italienische Leitlinie zum Einsatz von Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit wurde nicht gefunden. Die Aussagen der SIA stammen aus einer Pressemeldung (Sanità Informazione), die die SIA-Positionen zum VI. Kongress „Natura, Ambiente, Uomo“ wiedergibt [s126]: Früher habe man das Sperma für natürlich keimfrei und jeden Keim für ein Infektionszeichen gehalten; der SIA-Präsident Alessandro Palmieri (Federico II) sagt, das Sperma habe eine eigene mikrobielle Gemeinschaft, und das seminale Mikrobiom sei ein noch vernachlässigter Aspekt der Diagnostik mit großem Potenzial für neue therapeutische Strategien. Das ist eine Perspektivaussage, keine Leitlinie, und eine Pressemeldung ist keine Primärquelle. Zur Datenbanklage: Die italienischen Beiträge sind nur über englische Abstracts auffindbar; die Studie von Prihadi ist in Europe PMC nicht indexiert und wurde über die Seite der Zeitschrift bestätigt. Regionale Unterschiede innerhalb Italiens lassen sich aus den Daten nicht ableiten; der Vergleich von Clustern zwischen Populationen scheitert an unterschiedlichen 16S-Regionen und Analysepipelines.

**Was offen bleibt.** Ob das seminale Mikrobiom Ursache oder Folge gestörter Parameter ist; ob es ein reproduzierbares „gesundes“ Profil über Populationen und Methoden gibt; ob Probiotika das seminale Mikrobiom tatsächlich verändern oder systemisch wirken (die randomisierten Studien messen Samenparameter, nicht das seminale Mikrobiom); wie sich Dysbiose von behandelbarer Infektion (Leukozytospermie, Prostatitis) abgrenzen lässt; welche Rolle Viren, Pilze und Protozoen spielen; und ob multizentrische italienische Studien mit standardisierter Probengewinnung und Kontaminationskontrolle zu anderen Ergebnissen kämen.

### Portugiesisch

**Befund vorab: sehr dünn, keine eigene Kohorte.** Die portugiesischsprachige Literatur zum Thema ist nach der Recherche dünn. Gesucht wurde in PubMed über Europe PMC, auf Seiten der Zeitschrift JBRA und im Web, mit portugiesischen und englischen Begriffen (Mikrobiota, Mikrobiom, Sperma, Spermien, männliche Unfruchtbarkeit, Probiotika). Im Raum SciELO, LILACS, Acta Médica Portuguesa und Revista Brasileira de Ginecologia e Obstetrícia wurde keine Primärstudie (Kohorte, Studie) zum seminalen Mikrobiom oder zu Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit gefunden. Der erkennbare lusophone Beitrag besteht aus systematischen Übersichten in der Zeitschrift JBRA Assisted Reproduction (Brasilien), auf Englisch. Auch Studien oder Leitlinien brasilianischer oder portugiesischer Fachgesellschaften zum seminalen Mikrobiom oder zu Probiotika wurden nicht gefunden. Das bedeutet nur, dass sie in dieser Recherche nicht lokalisiert wurden; SciELO und LILACS konnten mit den Werkzeugen nicht direkt abgefragt werden, die Suche ist daher nicht erschöpfend. Die Lücke wird offen benannt und nicht mit ungeprüften Quellen gefüllt. Für Gomes 2023 und Oliveira 2024 lag der Volltext vor (über PMC beziehungsweise Europe PMC), für die übrigen Quellen der Abstract oder die Zeitschriftenseite.

**Die drei JBRA-Übersichten.** *Gomes und Kollegen (JBRA Assisted Reproduction 2023, Brasilien)* führten eine systematische Übersicht (PRISMA) zu Mikrobiota und Samenqualität durch [s068]. Gesucht wurde in PubMed (36 Treffer), Medline (7) und Cochrane (2), englischsprachige Artikel von 2012 bis 2022; 45 Ergebnisse (43 nach Entfernen von Duplikaten), neun im Volltext gelesen, sieben ausgewertet, zusammen 500 Personen. Alle Arbeiten verwendeten 16S-rRNA-Sequenzierung. Bei Männern mit normalen Parametern war Lactobacillus häufiger (fünf Studien); bei Männern mit Auffälligkeiten Prevotella (in sechs Studien nach der italienischen Wiedergabe). Eingeschlossen waren Hou 2013 (n = 77), Baud 2019 (n = 94), Yang 2020 (n = 159), Yao 2022 (n = 87), Lundy 2021 (n = 37), eine Studie von Okwelogu 2021 (n = 36) und eine von Puerta-Suárez und Cardona Maya 2021 (n = 10); vertreten sind Brasilien, die Schweiz, China, die USA, Kolumbien und Nigeria [s117, s101, s099, s084, s092]. Die italienische Recherche nennt zusätzlich, dass Ralstonia, Aerococcus und Ureaplasma nur bei Männern mit Auffälligkeiten auftraten und dass die Arbeit nur englischsprachige Artikel einschließt. Die Autoren geben die hohe Variation zwischen Populationen als Einschränkung an; die portugiesische Recherche konnte aus den gelesenen Texten nicht ermitteln, welche Studie die brasilianische ist und welche Ergebnisse sie hatte.

*Oliveira und Kollegen (JBRA 2024, Brasilien)* legten eine qualitative systematische Übersicht zu Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit vor [s055]. Durchsucht wurden PubMed, Cochrane, Science Direct und SciELO, auch mit portugiesischen Begriffen; 85 Artikel wurden gefunden, vier randomisierte Studien (veröffentlicht zwischen 2017 und 2021) eingeschlossen, alle bei Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit. Es gibt keine aggregierte Schätzung. Die Autoren schließen auf bessere Spermienparameter, besonders der Motilität, und auf einen antioxidativen Effekt. Die vier Studien sind nach dem Dokument Valcarce 2017 (n = 9, sechs Wochen, Lactobacillus rhamnosus CECT8361 plus Bifidobacterium longum CECT7347) [s112], Maretti und Cavallini 2017 (n = 41, 24 Wochen) [s111], Helli 2022 (n = 50 in der Tabelle, zehn Wochen) [s079] und Abbasi 2021 (n = 47 in der Tabelle, 11,4 Wochen) [s085]. Bei Helli und Abbasi weichen die Fallzahlen der Übersichtstabelle (50 und 47) von den Angaben in den Abstracts der Einzelstudien ab (52 und 56); der Grund wurde nicht geprüft. Die Dosen der vier Studien reichen laut Tabelle der Übersicht von 10⁹ KbE über 5 × 10⁹ KbE (L. paracasei) bis zu 2 × 10¹¹ KbE (Mischung aus sieben Stämmen); da die Präparate Probiotika mit Präbiotika (Fructooligosaccharide, Arabinogalaktan) und L-Glutamin kombinieren, lässt sich die Wirkung eines einzelnen Stammes nicht abtrennen. Die Maretti-Formulierung enthielt nach dem Dokument L. paracasei B21060 (5 × 10⁹), Arabinogalaktan 1243 mg, Fructooligosaccharide 700 mg und L-Glutamin 500 mg gegen Stärke.

*Puerta-Suárez und Cardona Maya (JBRA 2025)* – kolumbianische Autoren in einer brasilianischen Zeitschrift – registrierten ihre systematische Übersicht in PROSPERO (CRD42024519245), suchten bis Mai 2023 in PubMed und Scopus (englische und spanische Artikel) und schlossen 35 Artikel ein [s044]. Lactobacillus wird im Sperma häufig nachgewiesen (die Zeitschriftenseite nennt 70 % für Lactobacillus als häufigsten Mikroorganismus im Sperma, aber als Ausschnitt einer anderen, in der Übersicht besprochenen Studie, nicht als eigenen Befund; die portugiesische Prüfung hat diese Angabe entsprechend korrigiert). Der Einfluss auf die Samenqualität gilt als kontrovers, vor allem wegen der Methodik; die Einnahme von Probiotika mit Lactobacillus könne Parameter verbessern. Als Limitationen gelten methodische Heterogenität, unklare Unterscheidung der Arten und wenige Paarstudien.

**Weitere Übersichten, die im portugiesischen Dokument tragen.** Prihadi und Kollegen (vier Studien, 156 Teilnehmer; Suche in PubMed, EBSCO, ProQuest und Google Scholar) berichten SMD von 1,96 (0,08 bis 3,84; I² 95 %; p = 0,04) für die Konzentration, 1,28 (0,28 bis 2,28; I² 86 %; p = 0,01) für die Motilität und 0,89 (0,10 bis 1,67; I² 79 %; p = 0,03) für das Volumen; zwei Studien zur DNA-Fragmentierung hätten eine Besserung mit weniger Entzündungs- und Oxidationsmarkern berichtet; zwei Studien galten als niedriges Verzerrungsrisiko, eine als unklar im Detektionsbereich [s020]. Die portugiesische Recherche nennt außerdem: Der Seite der Zeitschrift lässt sich entnehmen, dass die Metaanalyse die Studie von Helli einschließt, die inzwischen zurückgezogen wurde; die Schätzer beruhen also zum Teil auf einer zurückgezogenen Studie, und ob die Metaanalyse danach aktualisiert wurde, wurde nicht geprüft. Zum Rückzug: Der Crossref-Eintrag zu Helli 2022 weist eine Rücknahme vom 28. April 2026 aus (DOI der Mitteilung 10.1080/14647273.2026.2663617); Europe PMC markiert den Artikel als „Retracted Publication“; der Grund wurde nicht geprüft; die Ergebnisse von Helli 2022 sollten nicht als Beleg verwendet werden [s079, s021]. Melhem und Kollegen (41 Studien, 3.615 Männer) liefern als Vergleichsmaßstab Antioxidantien-SMD von 1,09 (0,10 bis 2,08) für die Konzentration bei Prädiktionsintervallen, die die Null überschreiten [s017]. Kuribayashi, Naik, Miller und Lundy (Fertility and Sterility 2026) beschreiben anaerobenlastige Samenprofile (häufig Prevotella oder Atopobium) mit höherem oxidativem Stress, stärkerer DNA-Fragmentierung und geringerer Motilität, Lactobacillus-reiche Profile mit besserem Redoxstatus und besserer DNA-Integrität, kleine Studien mit Antibiotika und/oder Probiotika mit variablem Nutzen sowie schnellen, robusten Austausch des Mikrobioms zwischen Partnern, der den Samen in kurzer Zeit verändern könne; die Studien seien überwiegend klein und Querschnittsstudien [s011]. Kaltsas und Kollegen sehen Probiotika als Ergänzung und fordern Studien mit Schwangerschaft und Lebendgeburt [s009]; Chatzokou und Kollegen beschreiben gegensätzliche Wirkungen von Lactobacillus und Prevotella und fehlende methodische Standardisierung [s036].

**Beobachtungsstudien in der portugiesischen Wiedergabe.** Die Tabelle des portugiesischen Dokuments fasst zusammen: Baud 2019 (Schweiz; 26 normale, 68 auffällige) [s101]; Yang 2020 (China; 159, mit 22 Oligoasthenospermie, 58 Asthenospermie, 8 Azoospermie, 13 Oligospermie, 58 Kontrollen; Mikrobiota bei Asthenospermie und Oligoasthenospermie unterscheidet sich in der Beta-Diversität, P < 0,05; Marker Ureaplasma, Bacteroides, Anaerococcus, Finegoldia, Lactobacillus, Acinetobacter lwoffii) [s099]; Lundy 2021 (USA; 25 und 12) [s092]; Yao 2022 (China; 87 Proben: 33 ohne, 54 mit Leukozytospermie; die Mehrheit ohne Leukozytospermie mit Lactobacillus-reichem Profil, die Mehrheit mit Leukozytospermie mit Streptococcus-reichem Profil; schlechtere Parameter bei Leukozytospermie) [s084]; Osadchiy 2024 (USA) [s056]; Mowla 2025 (Großbritannien; 223 Männer) [s043]; Baud 2025 (Schweiz; Paare in Behandlung; Vaginal-, Penis-, Follikelflüssigkeits- und Samenproben; nischenspezifische Profile, Frauen von Lactobacillus dominiert, Männer vielfältiger, begrenzte Hinweise auf Übertragung) [s035]. Die portugiesische Recherche vermerkt eine Inkonsistenz: Lactobacillus erscheint bei Baud 2019 (Morphologie) und Yao 2022 als günstiger Marker, L. iners war aber bei Osadchiy mit auffälliger Motilität verbunden, und Lactobacillus wird bei Yang als Marker geführt, ohne dass der Abstract die Richtung angibt. Die Art spielt eine Rolle, und die gelesenen Abstracts erlauben keine weitergehende Aussage.

**Randomisierte Studien in der portugiesischen Wiedergabe.** Neben den Zahlen der anderen Abschnitte zeigt die Tabelle für Asadi 2023 (78 nach Varikozelenoperation, 38 gegen 40, drei Monate; FamiLact gegen Placebo) zusätzlich, dass Volumen (P = 0,897) und Motilität (P = 0,177) sich nicht signifikant unterschieden [s064]. Abbasi 2021 wird mit 56 randomisierten Männern und 80 Tagen geführt (die Übersichtstabelle von Oliveira 47); im aktiven Arm sanken Lipidperoxidation und DNA-Fragmentierung [s085]. Helli 2022 (52 Männer, 26 je Gruppe, 500 mg täglich, zehn Wochen) wird mit höheren Werten für Volumen, Zahl, Konzentration und Motilität, erhöhter antioxidativer Kapazität und gesenkten Malondialdehyd- und Entzündungsmarkern aufgeführt und als zurückgezogen markiert [s079].

**Mechanismen, Tiermodelle, Regionales.** Als Mechanismen nennt das Dokument Inflammation und Leukozytospermie (Zytokine, vor allem Interleukin-8, bei Leukozytospermie mit verminderter Motilität, oxidativem Stress und höherer DNA-Fragmentierung nach Kaltsas zur Prostatitis [s010]; bei Yao fiel Leukozytospermie mit einem Streptococcus-reichen Profil zusammen), oxidativen Stress als zentralen Faktor der idiopathischen Unfruchtbarkeit mit möglichen probiotischen Wirkungen durch Metallchelation, eigene antioxidative Enzyme, antioxidative Metabolite und Modulation von Wirtsenzymen (nach Oliveira unter Berufung auf eine weitere Arbeit; in den Studien ist die Evidenz indirekt, gemessen über Gesamtantioxidationskapazität, Malondialdehyd und Lipidperoxidation), die Darm-Hoden-Achse, Samenviskosität, Adhäsion und Biofilme (Kuribayashi), Stoffwechsel (Lundy: S-Adenosyl-L-Methionin-Zyklus) und den Austausch zwischen Partnern (Kuribayashi gegenüber Baud 2025). Alle sind Hypothesen, nicht beim Menschen bewiesen. Tierstudien wurden in der Recherche identifiziert (etwa mit L. rhamnosus PB01 bei Mäusen mit ernährungsbedingter Adipositas, Dardmeh 2017; Hunde, Mahiddine 2023 [s072]), aber nur Titel und Einordnung geprüft, ohne Zahlen; die Recherche zitiert nach ihrer Regel keine quantitativen Tierergebnisse, die nicht gelesen wurden. Für die Übertragbarkeit verweist sie auf die Übersicht von Ma und Kollegen zu Tiermodellen der Darm-Hoden-Achse (nur der Titel gelesen) [s016]. Eine kleine Studie zur Genitalmikrobiota heimischer portugiesischer Ziegen (Nyoni 2026) ist veterinärmedizinisch und nicht anwendbar; eine brasilianisch mitverfasste Übersicht von 2026 zu oxidativem Stress und männlicher Unfruchtbarkeit (Hallak und Kollegen) wurde nur über den Titel erfasst und nicht für Inhalte verwendet. Regionale Unterschiede: Die Daten stammen aus verschiedenen Populationen; der Einfluss von Ernährung, Klima und Antibiotika auf die Mikrobiota wurde in den gelesenen Quellen nicht untersucht.

**Datenbanken und Besonderheiten.** Für den portugiesischen Raum ist die Suche in internationalen Datenbanken mit Sprachfilter wenig ergiebig, weil die Beiträge in englischer Sprache erscheinen; SciELO-Suchbegriffe tauchen nur in den Suchstrategien der Übersichten auf (Oliveira nutzte portugiesische Entsprechungen der Schlagworte). Die Besonderheit dieses Raums ist daher nicht eine eigene Population, sondern ein Zeitschriftenfenster: Die JBRA bietet drei der wichtigsten Übersichten, von denen eine von kolumbianischen Autoren stammt. Die Einordnung der Recherche lautet, die Evidenz sei von sehr niedriger Sicherheit; die Probiotika-Studien seien wenige, kleine und kurze Studien mit Laborendpunkten, praktisch ohne Schwangerschaftsraten, und eine der häufig zitierten Studien sei zurückgezogen.

**Was offen bleibt.** Brasilianische und portugiesische Kohorten des seminalen Mikrobioms mit Dekontamination, Kontrollen und Daten zu Ernährung und Antibiotika; größere, vorregistrierte Einstammstudien mit Schwangerschafts- und Lebendgeburtsendpunkten und Dosis-Wirkungs-Abstufung; längsschnittliche Paarstudien zum mikrobiellen Austausch; die Richtung der Wirkung von Lactobacillus auf Artebene (zum Beispiel L. iners); und eine Phänotypisierung (Varikozele, Leukozytospermie, DNA-Fragmentierung), um zu erkennen, bei wem eine Wirkung überhaupt denkbar wäre.

### Spanisch

**Befund vorab: dünn, aber mit einigen eigenen Linien.** Die spanische Recherche lief über Europe PMC beziehungsweise PubMed-Datensätze; geprüft wurden Zusammenfassungen, nicht durchgehend Volltexte. Eine PubMed-Suche mit den spanischen Begriffen „microbiota seminal infertilidad masculina“ ergab am 04.10.2026 null Treffer: Die Literatur zum Thema ist in englischer Sprache indexiert. Die gezielte Suche in spanischsprachigen Zeitschriften (Actas Urológicas Españolas, Revista Internacional de Andrología, Revista Española de Quimioterapia) lieferte nur wenige einschlägige Arbeiten: eine kolumbianische Studie zur Mikrobiota des Geschlechtsverkehrs und Prostatitis, spanische mikrobiologische Serien zu Bakteriospermie und Genitalinfektionen sowie eine Übersicht zu Mikrobiom und Peniskrebs (García-Perdomo 2024), die für die Fruchtbarkeit nicht einschlägig ist und nicht ausgewertet wurde. Eine spanischsprachige Metaanalyse zu Probiotika und Samenqualität wurde nicht gefunden; Dialnet und ASEBIR wurden nicht direkt abgefragt. Ein spanisches Informationsportal (reproduccionasistida.org, aktualisiert am 16.03.2026) fasst die Übersicht von Kuribayashi zusammen, ist aber Aufklärung und keine Primärquelle und wird nicht für Zahlen genutzt. Die meisten Wirksamkeitsdaten stammen aus Gruppen in Spanien (Granada, Barcelona, León/Valencia, Madrid), die auf Englisch publizieren, sowie aus Kolumbien, Brasilien (JBRA, englisch), dem Iran und Italien.

**Die katalanische Kohorte.** Die Gruppe der Universitat Autònoma de Barcelona um Garcia-Segura untersuchte 14 Samenspender und 42 Patienten mit idiopathischer Unfruchtbarkeit mit Sequenzierung des vollständigen 16S-rRNA-Gens (Illumina MiSeq) in einer westmediterranen Bevölkerung (Frontiers in Cell and Developmental Biology 2022) [s077]. Dominierende Phyla waren Firmicutes, Proteobacteria, Actinobacteria und Bacteroidetes; die häufigsten Gattungen Finegoldia, Peptoniphilus, Anaerococcus, Campylobacter, Streptococcus, Staphylococcus, Moraxella, Prevotella, Ezakiella, Corynebacterium und Lactobacillus. Ezakiella wurde erstmals in Samenproben nachgewiesen. Zwei Cluster mikrobieller Profile ließen sich bilden, und einzelne Gattungen traten bei Samenqualitätsdefekten mit unterschiedlicher Häufigkeit auf. Moraxella, Brevundimonas und Flavobacterium korrelierten negativ mit der globalen DNA-Fragmentierung; die beiden letzteren waren auch mit höherer Motilität verbunden, Brevundimonas zusätzlich mit niedrigerem Redoxpotenzial. Actinomycetaceae, Ralstonia und Paenibacillus korrelierten mit verminderter Protaminierung und mehr Doppelstrangbrüchen. Die Autoren verweisen darauf, dass die Effekte auf die DNA-Integrität in vielen Fällen mit dem Stoffwechsel oder den Enzymaktivitäten der Gattungen übereinstimmen. Zwischen Fruchtbaren und Unfruchtbaren fanden sich Unterschiede in der Familie Propionibacteriaceae und den Gattungen Cutibacterium, Rhodopseudomonas und Oligotropha. Der Abstract gibt keine p-Werte oder Koeffizienten an. Die spanische Besonderheit liegt hier im Vergleich zu den Übersichten: Lactobacillus gehört in dieser Kohorte zu den häufigen Gattungen, ist aber nicht dominant. Methodisch folgt eine zweite Arbeit derselben Gruppe (International Journal of Molecular Sciences 2023) [s067]: Dieselben 56 Proben wurden mit der Plattform MinION von Oxford Nanopore sequenziert und mit den Illumina-Daten verglichen. Die zehn häufigsten Gattungen (Peptoniphilus, Finegoldia, Staphylococcus, Anaerococcus, Campylobacter, Prevotella, Streptococcus, Lactobacillus, Ezakiella, Enterococcus) stimmten weitgehend überein und machten über 70 % der klassifizierten Reads aus, die relative Häufigkeit der einzelnen Bakterien korrelierte jedoch nicht zwischen den Plattformen, mit intraindividuellen Abweichungen von bis zu 50 Prozentpunkten. Auf Phylumebene ist der Plattformeffekt gering (leichte Abweichungen bei Firmicutes und Actinobacteria), auf Gattungsebene nicht. Das ist eine der wenigen direkten Messungen, wie stark Methodenunterschiede Aussagen über einzelne Gattungen verändern können. Die Autoren betonen, aus der Methodenvielfalt (Probengewinnung, DNA-Extraktion, 16S-Region, Bioinformatik) erkläre sich, dass es auf Gattungsebene keinen Konsens gibt, und sprechen sich für Mehrplattformstudien aus.

**Klinische Serien aus Spanien.** Mendoza-Rodríguez und Kollegen (Revista Española de Quimioterapia 2023) beschreiben in einer deskriptiven, retrospektiven Querschnittsstudie eines Regionalkrankenhauses im spanischen Südosten Patienten mit einem Bild, das zu chronischer bakterieller Prostatitis passt, zwischen 2016 und 2021 [s073]. Häufigster Erreger war Enterococcus faecalis (34,89 %), gefolgt von Ureaplasma spp. (13,74 %) und Escherichia coli (10,98 %). Die Chinolonresistenz von E. faecalis betrug 11 % und war niedriger als in früheren Studien, die von E. coli 35 % und höher; E. faecalis und E. coli zeigten geringe Resistenz gegen Fosfomycin und Nitrofurantoin. Es handelt sich um eine symptomatische Klinikpopulation, nicht um eine Fruchtbarkeitskohorte, und die Studie gibt keine Auskunft über Spermienqualität. Foronda-García-Hidalgo und Kollegen (Revista Española de Quimioterapia 2019, Granada) werteten 3.066 Proben von Männern mit Genitalinfektion aus (2016 bis 2017; 451 positive, 14,71 %) [s102]. In der Kultur waren die häufigsten Erreger Enterobacterales (18,40 %), Enterococcus (13,75 %), Haemophilus (8,65 %), Neisseria gonorrhoeae (8,43 %), Ureaplasma (5,10 %) und Candida (3,77 %); per PCR (BD-MAX) waren es N. gonorrhoeae (28,37 %), Chlamydia trachomatis (26,95 %), Ureaplasma urealyticum (17,73 %), Mycoplasma hominis/Ureaplasma parvum (10,64 %) und Mycoplasma genitalium (7,10 %). Das Alter war bei Enterobacterales, Candida und Enterococcus höher, bei N. gonorrhoeae niedriger. Auch diese Arbeit ist keine Studie zur Samenqualität; sie zeigt, dass Kultur und PCR unterschiedliche Erregerspektren abbilden. Saldarriaga López und Kollegen (Revista Internacional de Andrología 2024, Kolumbien; Gruppe um Cardona Maya, Antioquia) untersuchten das Sperma von 22 Männern mit Symptomen chronischer Prostatitis und 31 asymptomatischen Kontrollen auf Lactobacillus crispatus, L. iners, Gardnerella vaginalis und Atopobium vaginae sowie Spermienparameter, antioxidative Gesamtkapazität, prostataspezifisches Antigen und einige proinflammatorische Zytokine [s058]. Männer mit Prostatitis-Symptomen hatten einen niedrigeren Anteil normaler Morphologie (4,3 % gegenüber 6,0 % bei den Kontrollen; p = 0,004); in der asymptomatischen Gruppe wurden Mikroorganismen der Vaginalflora häufiger nachgewiesen. Die Autoren vermuten einen möglichen Schutz durch diese Organismen. Das ist eine Hypothese auf der Grundlage von 53 Proben im Querschnitt.

**Probiotika-Studien mit Bezug zu Spanien.** Valcarce und Kollegen (Beneficial Microbes 2017; León) gaben neun asthenozoospermen Männern ohne Kontrollgruppe Lactobacillus rhamnosus CECT8361 und Bifidobacterium longum CECT7347 über drei und sechs Wochen [s112]. Spermienmotilität (computergestützte Analyse), DNA-Fragmentierung (Chromatinstruktur-Test), Zellvitalität (Durchflusszytometrie) und intrazelluläres H₂O₂ (Durchflusszytometrie) wurden vor, während und drei und sechs Wochen nach der Gabe gemessen. Die Motilität stieg etwa um das Sechsfache, die DNA-Fragmentierung sank statistisch signifikant (etwa 1,2-fach), intrazelluläres H₂O₂ sank etwa 3,5-fach, die Vitalität blieb unverändert; die Autoren sprechen von vorläufigen Belegen. Ohne Kontrollgruppe, mit neun Teilnehmern und ohne Zahlen im Abstract zu absoluten Werten ist das ein Signal und kein Wirksamkeitsnachweis; die Diskussion der Gholipour-Studie führt die in der Valcarce-Studie fehlende Besserung von Morphologie und Konzentration auf die kürzere Dauer und kleine Stichprobe zurück, was eine Vermutung ist. Die zweite Studie ist die Paarstudie von Huerga López und Kollegen (Nutrients 2025; Madrid, Hospital Clínico San Carlos) [s040]. Sie war als Nichtunterlegenheitsstudie angelegt, randomisiert, dreifach verblindet und placebokontrolliert (ClinicalTrials.gov NCT06290518; Rekrutierung vom 17.11.2020 bis 22.11.2022). Die Fallzahlplanung ging von einer IVF-Erfolgsrate von 32 % am Zentrum und einer Pilotrate von 56 % aus, mit Nichtunterlegenheitsgrenze 10 %, Power 80 % und einseitigem Niveau 2,5 %; das ergab 32 Paare je Gruppe, bei einer erwarteten Ausfallrate von 20 % wurden 70 Paare angesetzt. Von 285 beurteilten Paaren erfüllten 153 die Kriterien nicht, 62 lehnten ab; 70 Paare wurden randomisiert (35 gegen 35), fünf Paare der Placebogruppe und acht der Probiotikagruppe schieden aus, 30 gegen 27 Paare schlossen die Studie ab. Beide Partner nahmen täglich eine Kapsel mit 3 × 10⁹ lebensfähigen Zellen Ligilactobacillus salivarius CECT5713 mit Maltodextrin oder nur Maltodextrin, in den sechs Monaten vor der IVF und im ersten IVF-Zyklus (mittlere Einnahmedauer 154,9 gegenüber 161,9 Tage), bei Schwangerschaft die Frauen weitere zwölf Wochen. Primärer Endpunkt war die Zahl der Teilnehmer mit einer Schwangerschaft, die zu einem gesunden Kind ohne Fehlbildung führte. Ergebnis: 6 von 30 Paaren (20,0 %) in der Placebogruppe gegen 13 von 27 (48,1 %) in der Probiotikagruppe (einseitiger Chi-Quadrat-Test; p = 0,024; absolute Risikozunahme 28 %, 95-%-KI 5 bis 52 %). Die Gesamtzahl der Schwangerschaften einschließlich spontaner betrug 8 von 30 (26,7 %) gegen 14 von 27 (51,8 %; p = 0,051); nach Embryotransfer waren 4 von 14 (28,6 %) gegen 11 von 17 (64,7 %) schwanger (p = 0,045); Fehlgeburten 2 gegen 1; drei spontane Schwangerschaften in jeder Gruppe vor der Stimulation (10,0 % gegen 11,1 %). Der Abstract bezeichnet dies als „Schwangerschaftserfolg“; im Volltext ist der Endpunkt die Lebendgeburt. Es gab keine Nebenwirkungen; ein Kind kam mit 34 Wochen und 5 Tagen nach vorzeitigem Blasensprung bei Chorioamnionitis zur Welt. Die Probiotikagruppe hatte unter den Männern einen höheren Anteil mit Alkoholkonsum (81,5 % gegenüber 53,3 %; p = 0,024). Die Immunprofile von Vagina und Sperma besserten sich, ohne wesentliche Änderung der mikrobiellen Zusammensetzung. Zur Einordnung: Beide Partner erhielten das Probiotikum, die Studie kann deshalb keine Wirkung auf die männliche Fruchtbarkeit isolieren; der Test war einseitig; die Fallzahlen sind klein, ausgewertet wurden nur 57 Paare; und die Autoren nennen die Befunde selbst vorläufig. Es ist zugleich die einzige in diesem Kapitel gefundene Studie, die Schwangerschaften und Geburten als Hauptendpunkt berichtet.

**Übersichten mit spanischer Beteiligung.** Corral-Vazquez, Blanco, Sarrate und Anton (Biology 2024; Autonome Universität Barcelona) beschreiben das seminale Mikrobiom, seine Herkunft und Zusammensetzung, äußere Einflüsse (Lebensstil, Darmmikrobiota, Erkrankungen, Präbiotika und Probiotika) und erinnern an Grenzen und Vorteile technischer Variabilität [s049]. Corbett, Crosby und McAuliffe (European Journal of Obstetrics, Gynecology, and Reproductive Biology 2021) werteten Probiotika bei Paaren mit Unfruchtbarkeit aus: 882 Artikel, 26 im Volltext gelesen, vier eingeschlossen; von den zwei Studien mit dem Primärendpunkt fand nur eine eine nicht signifikante Steigerung der klinischen Schwangerschaftsrate (48,0 % gegenüber 58,8 %; p = 0,47) bei höherer Fehlgeburtsrate (30 % gegenüber 16,6 %; p = 0,47); die beiden Studien an Männern mit oralen Probiotika zeigten signifikant verbesserte Motilität [s087]. Die spanische Recherche weist darauf hin, dass aus dem Abstract nicht hervorgeht, bei welchem Geschlecht die Intervention in der Studie mit Schwangerschaftsendpunkt erfolgte; bei p = 0,47 ist kein Unterschied nachweisbar. Weitere Übersichten, die das spanische Dokument heranzieht: Farahani (zwei gepoolte Schätzer mit Konfidenzintervall, siehe englischer Abschnitt) [s089]; Brandão [s086]; Gomes [s068]; Oliveira [s055]; Bazzar [s001]; Kuribayashi [s011]; Altmäe, Franasiak und Mändar [s100]. Das Dokument korrigierte im Prüfprotokoll einen eigenen Fehler: Die Aussage, der Farahani-Abstract enthalte keine Konfidenzintervalle, war falsch. Mit Ausnahme von Farahani enthalten, so betont das Dokument, die Abstracts dieser Übersichten keine gepoolten Schätzer mit Konfidenzintervall; andere gepoolte Effektgrößen werden deshalb nicht genannt.

**Weitere Probiotika-Studien, Tiermodelle und Register.** Helli (52 Männer) und Gholipour (110 Männer) werden im spanischen Dokument mit den bekannten Zahlen aufgeführt [s079, s007]; das Dokument weist darauf hin, dass der Gholipour-Abstract nicht klärt, ob die genannten Werte absolut oder Differenzen sind (nach dem Volltext sind es adjustierte Mittelwerte nach drei Monaten, siehe deutscher Abschnitt). Zu Tiermodellen erwähnt es zwei Studien an Zebrafischen der Gruppe von Valcarce (2019), deren Titel eine Verbesserung der Spermienqualität angeben; ohne Abstract werden keine Zahlen genannt, und spanische veterinärmedizinische Arbeiten zur Samenmikrobiota (Schwein, Pferd, Schaf, Bienen) werden nicht analysiert. Im Register ClinicalTrials.gov existiert nach dem Dokument ein Eintrag NCT04585984 zu einem antioxidativen Probiotikum und Samenqualität; Ergebnisse wurden nicht verifiziert.

**Mechanismen und Regionales.** Nach den Abstracts werden genannt: direkte Toxizität von Bakterien auf die Spermienfunktion (Labor, Farahani), oxidativer Stress und Sauerstoffspezies sowie Zytokine (Bazzar), DNA- und Chromatinintegrität in Abhängigkeit von einzelnen Gattungen (Garcia-Segura), bidirektionaler Austausch von Mikroorganismen bei sexueller Aktivität (Bazzar; Altmäe nennt den Transfer auf Partnerin und Nachkommen), gastrointestinale und äußere Herkunft der Gemeinschaft und die Darm-Hoden-Achse (Kuribayashi, nur Stichwörter). Für Probiotika: antioxidative Wirkung, weniger Sauerstoffspezies und DNA-Fragmentierung (Valcarce; Oliveira) sowie geringere Marker für oxidativen Stress und Entzündung (Helli). Regional beschreibt das Dokument für Spanien eine westmediterrane Bevölkerung mit anaeroben grampositiven Gattungen (Finegoldia, Peptoniphilus, Anaerococcus) und Lactobacillus nicht dominant, und für andalusische Klinikkontexte Enterococcus faecalis und Ureaplasma bei symptomatischer Bakteriospermie mit dokumentierten lokalen Resistenzen; für Kolumbien Studien zur sexuellen Mikrobiota und Prostatitis; für Brasilien die JBRA-Übersichten. Es schließt, dass sich aus den Daten keine echten geografischen Unterschiede ableiten lassen, weil Unterschiede der Zusammensetzung auf Technik (Illumina gegenüber MinION) und Population beruhen können. Zu den Sprachraum-Besonderheiten gehört außerdem, dass die klinisch-mikrobiologischen Serien (Mendoza-Rodríguez, Foronda-García-Hidalgo) auf Spanisch erscheinen und Resistenzdaten liefern, während die Sequenzierstudien auf Englisch publiziert sind; die Behandlungsfrage bei symptomatischer Bakteriospermie (Antibiotikum nach Kultur und Antibiogramm) gehört in die ärztliche Abklärung und wird hier nicht beurteilt.

**Was offen bleibt.** Große multizentrische randomisierte Studien mit Lebendgeburt als Hauptendpunkt; standardisierte Probengewinnung und Sequenzierung mit Negativkontrollen (ob die Studien Negativkontrollen einschlossen, wurde nicht geprüft); Längsschnittstudien zur Ursächlichkeit; optimale Stämme, Dosen, Dauer und Wirkung von Präbiotika; größere hispanophone Kohorten aus Spanien und Lateinamerika mit geografischem Vergleich; die Rolle der Partnerin; und die Abgrenzung der symptomatischen Bakteriospermie von der kommensalen Besiedlung.

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt (II)

Dieses Kapitel setzt die Durchmusterung der Sprachräume fort und behandelt sechs Räume: Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch. Die Kernfrage lautet in jedem Raum gleich: Welche eigenen Kohorten, Register, Leitlinien und Fachzeitschriften gibt es zum seminalen und genitalen Mikrobiom, zu Probiotika und zur Spermienqualität, und was lässt sich daraus ableiten? Die Antwort fällt für die sechs Räume sehr unterschiedlich aus. Sie reicht von einer Reihe eigener Sequenzierkohorten (Chinesisch, mit der Einschränkung, dass es sich um englischsprachige Arbeiten chinesischer Zentren handelt) über eine einzige Arbeitsgruppe mit Hodengewebe-Daten (Russisch) und eine Region mit überwiegend kulturbasierten und PCR-basierten Infektionsstudien (Arabisch im Sinne von Iran und Ägypten) bis zu Räumen, in denen die eigensprachige Primärliteratur praktisch fehlt (Japanisch, Türkisch).

**Wie dieses Kapitel zu lesen ist.** Drei Vorbemerkungen gelten für alle Abschnitte.

1. *Sprachraum ist nicht gleich Land und nicht gleich Bevölkerung.* Gemeint ist, welche Literatur in der jeweiligen Sprache oder aus der jeweiligen Region auffindbar war. Fast alle hier besprochenen Arbeiten sind in englischsprachigen, in PubMed indizierten Zeitschriften erschienen. Eigensprachige Datenbanken (CNKI, Wanfang, J-STAGE, CiNii, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY.ru, CyberLeninka, Al Manhal, Arab World Research Source, TR Dizin) waren nach Angabe der Recherche-Dokumente nicht oder nur eingeschränkt auswertbar. Dass eine Arbeit nicht gefunden wurde, heißt nicht, dass sie nicht existiert.
2. *Doppelte Kernarbeiten werden nicht wiederholt.* Die internationalen Übersichten und Kohorten, die in mehreren Sprachraum-Dokumenten auftauchen (etwa Farahani [s089], Prihadi [s020], Baud [s101], Lundy [s092], Osadchiy [s056]), sind in den Kapiteln zu Metaanalysen und Beobachtungsstudien ausführlich dargestellt. Hier erscheinen sie nur dort, wo sie für das Verständnis des Sprachraums nötig sind, in der Regel mit einem Halbsatz. Die Tiefe dieses Kapitels liegt bei den regionalen Primärstudien.
3. *Textgrundlage.* Wo ein Volltext über Europe PMC (Open Access) oder eine PDF-Datei der Zeitschrift gelesen werden konnte, stammen Methoden, Gruppengrößen und Zahlen aus dem Volltext. Sonst stehen sie im Abstract; das ist jeweils vermerkt. Eine eigene Risiko-der-Verzerrung-Bewertung (Risk of Bias) wurde nicht durchgeführt; die Stärken und Schwächen sind die der Studie selbst, soweit sie aus Methoden und den Selbstangaben der Autoren hervorgehen. Dieses Kapitel gibt keine Therapieempfehlung. Wo Autoren Behandlungsansätze nennen, sind das ihre Aussagen.

### Chinesisch

**Abgrenzung und Textgrundlage.** Die Durchsicht chinesischsprachiger Quellen stieß an eine harte Grenze: CNKI, Wanfang und die Volltexte der Zeitschrift für Andrologie (中华男科学杂志, Chinese Journal of Andrology) waren über die verfügbaren Werkzeuge nicht abrufbar. Chinesischsprachige Originalarbeiten konnten daher nicht geprüft werden, und ein Urteil über deren Zahl oder Qualität ist nicht möglich. „Chinesischer Sprachraum“ bedeutet in diesem Abschnitt: englischsprachige Arbeiten chinesischer Zentren, ergänzt um zwei ältere Studien aus Taiwan und Shanghai. Die Aussage „aus China gibt es wenig“ wäre deshalb selbst nicht belegt; belegt ist nur, dass die erreichbare Literatur dünn ist und aus wenigen Zentren stammt. Eine chinesische Leitlinienaussage zu Samenkultur, Antibiotika oder Probiotika wurde nicht geöffnet und wird deshalb nicht dargestellt.

**Überblick.** Aus China liegen vier Querschnitts- bzw. Fall-Kontroll-Studien zum Ejakulat-Mikrobiom vor (Shandong 2020 [s099], Changsha 2022 [s084], Shandong 2023 mit Darm, Urin und Ejakulat [s066], Chengdu 2025 und 2026 [s041, s014]). Dazu kommen eine Stuhl-Metagenom-Studie [s015], eine klinische Studie mit Mausmodell zur Spermiengewinnung bei Azoospermie [s027] sowie Tierarbeiten [s031, s039] und Übersichten [s032, s030]. Alle Ejakulat-Studien sind querschnittlich oder fallkontrolliert und haben 53 bis 159 Teilnehmer.

#### Die Ejakulat-Studien im Einzelnen

**Yang et al. 2020, Shandong [s099].** *Originaltitel:* Potential pathogenic bacteria in seminal microbiota of patients with different types of dysspermatism. Die Studie an der Maternal and Child Health Care Hospital of Shandong Province (Ethikvotum IRB 2017-03) schloss 159 Teilnehmer ein: 22 mit Oligoasthenozoospermie, 58 mit Asthenozoospermie, 8 mit Azoospermie, 13 mit Oligozoospermie und 58 passende gesunde Kontrollen; das mittlere Alter lag bei 31,65 ± 6,01 Jahren ohne Gruppenunterschied. Einschlusskriterien waren unter anderem keine Antibiotika in den letzten drei Monaten, keine bekannte Erbkrankheit, keine sexuell übertragbare Erkrankung in der Vorgeschichte und keine Kortikosteroide. Die Probanden hielten 3 bis 7 Tage Karenz ein; Penis und Eichel wurden mit warmem Seifenwasser und 75-%-Alkohol gereinigt, die Proben innerhalb von zwei Stunden bei minus 80 Grad Celsius eingefroren. Sequenziert wurde die V1-V2-Region des 16S-rRNA-Gens (Primer 27F und 355R, Illumina HiSeq 2500); es entstanden 3.871.353 hochwertige Sequenzen (im Mittel 24.348 je Probe) und 1.065 taxonomische Einheiten bei 97 % Identität. Als Kontaminationsmaßnahme wird nur die Entfernung chimärer Sequenzen genannt; Negativkontrollen werden nicht beschrieben.

Die Alpha-Diversität (Shannon, ACE) unterschied sich weder zwischen Patienten und Kontrollen noch zwischen den fünf Gruppen (jeweils P > 0,05). Die Beta-Diversität dagegen unterschied sich: Patienten mit Dysspermie gegen Kontrollen (gewichtetes UniFrac r = 0,598, P = 0,001; ungewichtet r = 0,972, P = 0,001), Asthenozoospermie gegen Kontrollen (r = 0,294, P = 0,0001 gewichtet; r = 0,362, P = 0,0001 ungewichtet) und Oligoasthenozoospermie gegen Kontrollen (r = 0,270, P = 0,001; r = 0,316, P = 0,001). Für Oligozoospermie und Azoospermie fanden sich keine signifikanten Unterschiede, bei 13 beziehungsweise 8 Teilnehmern ist das schlicht eine Frage der Teststärke. Fünf Phyla dominierten (Proteobacteria, Firmicutes, Actinobacteria, Bacteroidetes, Fusobacteria); die häufigsten Gattungen waren Lactobacillus, Corynebacterium, Acinetobacter, Prevotella, Enterococcus, Veillonella, Streptococcus, Porphyromonas, Sneathia und Pelomonas. Insgesamt unterschieden sich 110 taxonomische Einheiten zwischen Dysspermie und Kontrollen. In der Dysspermie-Gruppe angereichert waren unter anderem Lactobacillus, Bacteroides, Delftia, Sneathia, Anaerococcus, Finegoldia, Aerococcus, Atopobium, Ralstonia und Ureaplasma; in den Kontrollen angereichert waren unter anderem Pelomonas, Propionibacterium, Bosea, Sphingomonas und Mycobacterium. Lactobacillus steht damit auf der Seite der Patienten, ein Befund, der der verbreiteten Lesart „Lactobacillus schützt“ widerspricht (siehe Widersprüche unten).

Für die Gruppe mit Asthenozoospermie wurden vier Biomarker mit ROC-Kurven geprüft (LDA > 3): Propionibacterium (AUC 0,650; 95-%-KI 54,6 bis 75,3 %), Pelomonas (0,683; 58,4 bis 78,2 %), Lactobacillus (0,841; 76,2 bis 92,0 %) und Propionibacterium acnes (0,647; 54,4 bis 75,1 %). Für die Oligoasthenozoospermie ergab Lactobacillus eine AUC von 0,773 (66,2 bis 88,4 %), Propionibacterium 0,727, Prevotella copri 0,763 (63,2 bis 89,3 %), Pelomonas 0,662 und Acinetobacter 0,679. (Zufällig gleicht die AUC von 0,773 der des Chengduer Modells [s014]; es sind verschiedene Studien mit verschiedenen Kohorten.) Die funktionelle Vorhersage (PICRUSt) nannte 40 verschiedene KEGG-Wege bei Asthenozoospermie und 32 bei Oligoasthenozoospermie, bei beiden mit mehr Aktivität in Zellwachstum und Zelltod, Lipidstoffwechsel und Stoffwechselkrankheiten; der Lipidstoffwechsel unterschied sich in allen drei Patientengruppen. Als Einschränkung nennen die Autoren, dass trotz Kulturversuch wegen des geringen Gehalts keine Erreger angezüchtet werden konnten und Metabolomik und Kulturomik nötig seien. *Stärken:* die größte Kohorte des Sprachraums, mehrere Phänotypen, ein Ethikvotum, definierte Karenz und Hautreinigung. *Schwächen:* eine einzige Zentrumskohorte, keine beschriebenen Negativkontrollen bei niedriger Biomasse, kleine Untergruppen, ROC-Werte ohne externe Validierung, Gruppenvergleiche über viele Taxa (Angaben zur Korrektur für multiples Testen fehlen in der verfügbaren Zusammenfassung).

**Yao et al. 2022, Changsha [s084].** *Originaltitel:* Semen microbiota in normal and leukocytospermic males. Die Studie am Dritten Xiangya-Krankenhaus der Central South University untersuchte 87 Samenproben: 33 mit normaler Leukozytenzahl (20 Kontrollen, 13 Asthenozoospermie) und 54 mit Leukozytospermie (32 mit gleichzeitiger Asthenozoospermie, 22 ohne). Leukozytospermie war definiert als mehr als 1 × 10⁶ Leukozyten je ml im Ejakulat (WHO-Definition). Eingeschlossen wurden Männer ab 18 Jahren bei Voruntersuchung vor der Ehe oder bei vorzeitigem Samenerguss bzw. Unfruchtbarkeit mit einer Spermienkonzentration über 15 × 10⁶/ml; ausgeschlossen wurden unter anderem chronische Systemerkrankungen, Tumoren, Fieber oder Infektion in den letzten zwei Monaten sowie Antibiotika, Immunsuppressiva und Kortikosteroide in diesem Zeitraum. Weil Oligo- und Azoospermie ausgeschlossen waren, deckt die Studie nur leichtere Störungen ab. Die Proben wurden nach 3 bis 7 Tagen Karenz durch Masturbation gewonnen, nach zweimaligem Waschen von Händen und Penis mit Seife; sequenziert wurde die V3-V4-Region (Illumina MiSeq, Primer 338F und 806R). Negativkontrollen werden im Methodenteil nicht ausdrücklich erwähnt.

Der Shannon-Index war in der Leukozytospermie-Gruppe gegenüber den Kontrollen signifikant erhöht (P < 0,05); Ace- und Chao-Index waren leicht erhöht. Die häufigsten Gattungen waren Streptococcus, Lactobacillus, Burkholderia-Caballeronia-Paraburkholderia, Staphylococcus, Gardnerella, Ralstonia, Corynebacterium, Veillonella, Acinetobacter und Rhodococcus. Auf Phylumebene lagen Firmicutes bei 38,7 % (Kontrolle), 35,3 % (Asthenozoospermie), 37,6 % (Leukozytospermie) und 41,2 % (beides), Proteobacteria bei 26,3 %, 28,9 %, 25,0 % und 25,2 %; Bacteroidetes stiegen von 3,9 % in der Kontrollgruppe auf 9,4 % bei Leukozytospermie (P < 0,05). Zwei Profile traten auf: ein Lactobacillus-reiches (Kontrolle 60,0 %, Asthenozoospermie 53,9 %, Leukozytospermie 45,5 %, beides 50,0 %; zusammengefasst 57,6 % ohne gegenüber 48,1 % mit Leukozytospermie) und ein Streptococcus-reiches Profil (42,4 % ohne gegenüber 51,9 % mit Leukozytospermie). Bei den Spermienparametern waren Konzentration, progressive und Gesamtmotilität sowie die Akrosin-Aktivität in den Leukozytospermie-Gruppen niedriger (alle Vergleiche P < 0,001); laut Volltext lag die Konzentration bei Leukozytospermie gegenüber den Kontrollen um 10,2 % niedriger, die progressive Motilität um 11,2 %, die Gesamtmotilität um 9,5 % und die Akrosin-Aktivität um 11,8 %. Ob das relative Änderungen oder Prozentpunkte sind, geht aus der Zusammenfassung nicht eindeutig hervor. Die Autoren räumen selbst ein, dass die Cluster-Beziehung schwach war und mehr Proben nötig seien. *Stärken:* eine klar definierte Entzündungsfrage, Ausschluss von Infektion und Antibiotika. *Schwäche:* Die zwei Profile unterscheiden sich im Anteil nur um knapp zehn Prozentpunkte; Korrelationskoeffizienten werden nicht berichtet; bei einem Ausschluss von Oligo- und Azoospermie bleibt offen, ob die Befunde für schwerere Störungen gelten.

**Cao et al. 2023, Darm, Urin und Ejakulat [s066].** *Originaltitel:* Characterization of the semen, gut, and urine microbiota in patients with different semen abnormalities. Die Studie am Central Hospital der Shandong First Medical University schloss 53 Teilnehmer in fünf Gruppen ein: 12 Kontrollen, 12 mit Asthenozoospermie ohne Hyperviskosität, 6 mit Oligozoospermie, 9 mit schwerer Oligozoospermie bzw. Azoospermie und 14 mit alleiniger Hyperviskosität des Ejakulats (definiert als Fadenbildung von mehr als 2 cm nach einer Stunde Verflüssigung). Das Recherche-Dokument nennt als Ort Tianjin; der Volltext nennt die Shandong First Medical University, und diese Angabe wird hier übernommen. Ausschlusskriterien waren Antibiotika in den letzten drei Monaten, Eingriffe am Urogenitaltrakt im letzten Jahr, Tumoren, Testosteronanwendung in den letzten zwei Jahren, Bluthochdruck und Diabetes. Aus 53 Männern wurden 157 Proben (Stuhl, Urin, Ejakulat) analysiert; ein Teilnehmer lieferte keine Stuhlprobe, eine Samenprobe scheiterte bei der DNA-Extraktion. Die V3-V4-Sequenzierung (Illumina, 2 × 250) ergab 12.393.226 Rohsequenzen, 11.140.437 bereinigte Sequenzen und 9.612 OTUs (6.270 im Darm, 5.920 im Urin, 3.547 im Ejakulat).

Der Darm zeigte die höchste Alpha-Diversität (P < 0,001 gegenüber Urin und Ejakulat); zwischen Kontroll- und auffälligen Ejakulatgruppen fanden sich in keinem Probentyp signifikante Alpha-Unterschiede. Im Ejakulat dominierten Lactobacillus, Prevotella, Finegoldia, Staphylococcus, Streptococcus und Ureaplasma. Im Darm war Collinsella bei Asthenozoospermie, schwerer Oligozoospermie bzw. Azoospermie und Hyperviskosität vermindert, Bifidobacterium und Blautia bei Asthenozoospermie; Bacteroides war bei schwerer Oligozoospermie bzw. Azoospermie erhöht. Staphylococcus im Ejakulat war bei Asthenozoospermie und Hyperviskosität erhöht; Lactobacillus im Urin war bei Oligozoospermie und Hyperviskosität vermindert. Verallgemeinerte lineare Modelle (Sternchen für P < 0,05, Koeffizienten im Text nicht genannt) verbanden Lactobacillus mit Konzentration und Gesamtzahl, Collinsella mit Konzentration, Gesamtzahl und vorwärts beweglichen Spermien, Bifidobacterium mit vorwärts beweglichen Spermien; negativ verbunden waren Bacteroides (auch mit dem Alter), Prevotella und Alicycliphilus mit Konzentration und Gesamtzahl. Die Autoren nennen als Einschränkungen eine Einzelzentrumsstudie mit kleiner Stichprobe, Mittelstrahlurin (der Urethra-Flora enthält), das Fehlen von Negativkontrollen und von Dekontaminationssoftware, eine einmalige statt wiederholte Sequenzierung, nicht untersuchte DNA-Schäden und die fehlende Stuhltransplantation im Tiermodell zur Prüfung. *Stärke:* der einzige Datensatz des Sprachraums mit drei Körperkompartimenten bei denselben Männern, was die Darm-Hoden-Hypothese prüfbar macht. *Schwächen:* Gruppen von 6 bis 14 Männern, keine Kontaminationskontrolle, multiple Vergleiche.

**Lu et al. 2025, Chengdu: Mikrobiom und Metabolom [s041].** *Originaltitel:* Comprehensive microbiome and metabolome analysis ... idiopathic oligoasthenozoospermia. In dieser Fall-Kontroll-Studie standen 40 unbehandelte Männer mit idiopathischer Oligoasthenozoospermie (IOA) 30 gesunden fertilen Kontrollen gegenüber, deren Partnerinnen im vergangenen Jahr entbunden hatten oder schwanger geworden waren. Die Patienten erfüllten die WHO-Kriterien und hatten in den letzten drei Monaten keine Entzündung des Genitaltrakts, negative Kultur sowie negative Mykoplasmen- und Chlamydientests und im letzten Monat keine Antibiotika. Sie teilten sich in drei Untergruppen: Oligozoospermie (n = 23), Asthenozoospermie (n = 6) und Oligoasthenozoospermie (n = 11). Sequenziert wurde die V3-V4-Region (Illumina NovaSeq 6000); die Samenplasma-Metabolomik lief ungezielt (GC-MS und LC-MS). Die Beta-Diversität (Binary-Jaccard) unterschied sich nicht signifikant (P = 0,059). Prevotella war bei allen drei Patientengruppen gegenüber den Kontrollen erhöht (P = 0,036), die Kontrollen waren mit Bacteroides und Bacteroidaceae angereichert. Beim Metabolom gab es bei der Oligozoospermie-Gruppe 489 Unterschiede (155 hoch, 334 herunterreguliert) und bei der Oligoasthenozoospermie-Gruppe 462 (97 hoch, 365 herunter); zu den angereicherten Wegen gehörten der Tyrosinstoffwechsel (P = 0,0002), der Galaktosestoffwechsel (P = 0,001) und ABC-Transporter (P = 0,006). Ein Korrelationsnetzwerk (|r| > 0,6) verband Dialister, Prevotellaceae_NK3B31_group, Lawsonella und Blautia mit Metaboliten des Samenplasmas. Für die Asthenozoospermie-Gruppe mit nur sechs Männern war das Modell überangepasst und nicht auswertbar. Die Autoren nennen Einzelzentrum, begrenzte Stichprobe, mögliche Auswahlverzerrung, fehlende Aussage über Funktion und Kausalität und fehlende Längsschnittdaten. Der Wert der Studie liegt in der Verbindung zweier Ebenen (Bakterien und Stoffwechsel); ob Bakterien die Metaboliten verursachen oder umgekehrt, kann ein Querschnitt nicht klären.

**Lu et al. 2026, Chengdu: maschinelles Lernen [s014].** *Originaltitel:* Interpretable machine learning uncovers core seminal microbial signatures in idiopathic oligoasthenospermia. Dieselbe Fallzahl (40 IOA, 30 fertile Kontrollen; ob es dieselben Männer sind, sagt der Abstract nicht ausdrücklich) wurde mit drei Verfahren zur Merkmalsauswahl ausgewertet: LASSO (6 Kerngattungen), Random Forest (15 Kandidaten) und SVM-RFE (9 Gattungen). Der Schnitt aller drei ergab fünf Gattungen: Blautia (schützend, mittlerer absoluter SHAP-Wert 0,132), Prevotella (Risikofaktor, 0,115), Bacteroides (in beide Richtungen: niedrige Häufigkeit Risiko, hohe schützend; 0,066), Nesterenkonia (Risikofaktor, 0,059) und die [Eubacterium]-oxidoreducens-Gruppe (Risikofaktor, 0,032). Das Modell erreichte eine AUC von 0,773 (95-%-KI 0,661 bis 0,885); die Kalibrierung wurde als gut beschrieben. Die Validierung war intern (verschachtelte, wiederholte, geschichtete Kreuzvalidierung, 5-fach × 20 Wiederholungen; Gattungen mit Auswahlhäufigkeit ab 0,6 wurden behalten); eine externe Validierung gab es nicht. Die vorhergesagten KEGG-Wege der fünf Gattungen waren vor allem Kohlenhydrat- und Nukleinsäurestoffwechsel, am stärksten die Glykolyse/Glukoneogenese (P = 6,67 × 10⁻³). Die Autoren selbst führen Einzelzentrum, kleine Stichprobe, fehlende Kausalität, die nur auf 16S plus Funktionsvorhersage gestützte Funktionsaussage und die fehlende externe Validierung an. Das Modell ist ein Befund zur Mustererkennung in einer Kohorte von 70 Männern, kein Test. Der Anspruch der Autoren, es könne ein „nichtinvasiver Screening-Marker“ werden, ist ihre Aussage und durch die Datenlage nicht gedeckt.

**Luo et al. 2026, Chengdu: Stuhl-Metagenom [s015].** *Originaltitel:* Functional remodeling of the gut microbiome and metabolome in primary idiopathic male infertility. Diese Fall-Kontroll-Studie der Zweiten Klinik West China (Sichuan-Universität) untersuchte nicht das Ejakulat, sondern den Stuhl: 19 Männer mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit und 12 fertile Kontrollen (Shotgun-Metagenomik plus ungezielte LC-MS/MS-Metabolomik, dazu computergestützte Samenanalyse). Einschluss: Alter 18 bis 55 Jahre, Mischkost, keine Magen-Darm-Operation; ausgeschlossen wurden bei den Patienten unter anderem Varikozele ab Grad II, Kryptorchismus oder Orchitis, Chromosomenanomalien oder Y-Mikrodeletionen, Verschlüsse, endokrine Störungen, aktive Infektionen und Antibiotika, Probiotika oder Hormone in den letzten drei Monaten. Die Gruppen unterschieden sich im Alter (31 ± 5,5 gegenüber 35 ± 2,0 Jahre; P = 0,021) und im Rauchen (8 von 19 gegenüber 0 von 12; P = 0,029), nicht im BMI (24,8 gegenüber 23,5). Die Konzentration lag bei 47,4 (42,6) gegenüber 78,6 (31,9) Mio/ml (P = 0,038), die progressive Motilität (A+B) bei 38,0 (34,0) gegenüber 59,5 (23,8) % (P = 0,003; Mittelwerte mit Standardabweichung in Klammern). Reichtum und Vielfalt unterschieden sich nicht (Chao1 P = 0,7; Shannon P = 0,9838), ebenso nicht die Gesamtstruktur (adonis R² = 0,044; P = 0,15). Dennoch gab es 23 unterschiedlich häufige Arten (LDA > 2,0): bei den Patienten Shigella flexneri, Shigella sonnei, Escherichia coli und Escherichia sp.; bei den Kontrollen Bifidobacterium sp., Catenibacterium mitsuokai, Eubacterium ramulus und Dorea amylophila. Hinzu kamen 53 veränderte KEGG-Wege der Metagenomik (unter anderem Pentosephosphatweg, Arginin- und Prolinstoffwechsel, HIF-1- und PPAR-Signalweg) und 780 unterschiedliche Metaboliten unter 4.434 annotierten in 29 angereicherten Wegen. Ascorbinsäure und Brenztraubensäure korrelierten stark negativ mit der progressiven Motilität (Koeffizienten nicht angegeben); Escherichia/Shigella korrelierten positiv mit Brenztraubensäure. Die Autoren nennen die kleine Stichprobe, das Querschnittsdesign, möglichen Restkonfundierung, nicht kontrollierte Ernährung, nicht erfasste Hormondaten, das Fehlen einer Vergleichsgruppe mit bekannter Ursache und, dass zu einem Modell keine verschachtelte Kreuzvalidierung und keine Konfidenzintervalle für AUC-Werte berechnet wurden. Das Raucher- und Altersungleichgewicht ist für die Deutung wichtig, weil Rauchen und Alter beide mit Samenparametern zusammenhängen.

#### Hodengewebe, Spermiengewinnung und Tiermodelle

**Yao G. et al. 2026, Zunyi: Spermiengewinnung bei Azoospermie [s027].** *Originaltitel:* Gut Bacteroidales and AMH/INH-B ratio predict sperm retrieval. Die Studie verbindet eine retrospektive klinische Auswertung am Reproduktionszentrum der Affiliated Hospital of Zunyi Medical University (2021 bis 2024) mit einem Mausmodell. Der Abstract nennt 58 Männer. Aus dem Volltext ergibt sich die Aufteilung: 34 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie (NOA) und normalem FSH (5,16 ± 2,34 mIU/ml) und 24 gesunde Kontrollen. Von den 34 Patienten hatten bei der mikrochirurgischen Hodenbiopsie (Micro-TESE) 24 einen Spermiennachweis und 10 nicht (Erfolgsrate 70,6 %). AMH (7,12 gegenüber 10,78 ng/ml) und Inhibin B (157,51 gegenüber 260,71 pg/ml) lagen bei den Patienten niedriger (P < 0,01); FSH und Testosteron unterschieden sich nicht. Das Mausmodell nutzte Busulfan (3 mg/kg täglich über 17 Tage intraperitoneal); im Modell waren Bacteroidales, Muribaculaceae und Bacteroides vermindert, das Verhältnis Firmicutes zu Bacteroidetes erhöht, und die kurzkettigen Fettsäuren Essig-, Propion- und Buttersäure im Serum erniedrigt (P < 0,01). Die Stuhltransplantation (5 g Spenderstuhl in 10 ml Kochsalzlösung als Einlauf, alle drei Tage, insgesamt sechsmal, ab Tag 21 nach Busulfan) stellte diese Taxa und die Fettsäuren wieder her und hob die Proteine für Proliferation (PCNA, PGK2), Blut-Hoden-Schranke (ZO-1, Claudin-11) und Steroidsynthese (StAR, CYP17A1) an (P < 0,05).

*Wichtige Einordnung der Zahlen.* Der Abstract schreibt die AUC von 0,92 (95-%-KI 0,86 bis 0,98; Grenzwert 0,65; Sensitivität 88,2 %; Spezifität 85,7 %) dem Serum-Quotienten AMH/Inhibin B zu. Im Volltext ergibt sich ein anderes Bild: Der Quotient allein erreichte AUC 0,84 (Sensitivität 82,5 %, Spezifität 78,9 %), die Bacteroidales-Häufigkeit allein 0,78 (75,0 %; 72,4 %), und erst die Kombination beider 0,92. Die Abbildung dazu ist im Volltext ausdrücklich auf „NOA-Mäuse“ bezogen. Gleichzeitig räumen die Autoren ein, dass die Darmmikrobiom-Analyse nur im Mausmodell, nicht in der Patientenkohorte erfolgte und dass die direkte Übertragung der Mausbefunde auf den Menschen ein „nicht gerechtfertigter Artenschluss“ wäre. Wie ein kombiniertes Vorhersagemodell mit einem Messwert gerechnet wurde, der bei den Patienten nicht erhoben wurde, ist aus den verfügbaren Texten nicht nachvollziehbar. Als weitere Einschränkungen nennen die Autoren das retrospektive Einzelzentrumsdesign, die kleine Stichprobe und die ungleichen Untergruppen (24 gegenüber 10). Die 0,92 ist also vorläufig und nicht auf den Menschen übertragbar; das Recherche-Dokument sprach von „58 NOA-Patienten“, was dem Volltext nicht entspricht.

**Zheng et al. 2026, chronischer Stress bei der Ratte [s031].** *Originaltitel:* Chronic stress drives oligoasthenozoospermia via gut microbiota-vitamin-Sting1/Slc9c2 axis. Diese Arbeit in Nature Communications (Peking-Universität) beschreibt ein Modell des chronischen Zwangsschwimmstresses (CFSS) über 21 Tage mit 5 bis 7 Ratten je Gruppe (n = 10 für die Metabolomik). Stress erhöhte Kortikosteron (351,80 ± 25,49 gegenüber 209,8 ± 14,70 ng/ml; P = 0,0037) und senkte Gesamtmotilität (31,14 ± 4,12 % gegenüber 69,33 ± 3,80 %; P < 0,0001) und Konzentration (9,21 ± 0,85 gegenüber 19,21 ± 1,24 × 10⁶/ml; P = 0,0096). Lactobacillus war vermindert (relative Häufigkeit 0,014 ± 0,002 gegenüber 0,031 ± 0,004; P = 0,0143), auf Artebene signifikant nur Lactobacillus reuteri (0,085 ± 0,031 gegenüber 0,473 ± 0,094; P = 0,0143). Die Autoren schildern eine Kette: Glukokortikoid schwächt die Darmbarriere über Glukokortikoidrezeptor-Signale, Lactobacillus nimmt ab, der Stoffwechsel der Vitamine A und E gerät aus dem Gleichgewicht, Sting1 wird hochreguliert, und im Nebenhoden sinkt die Slc9c2-Expression (mRNA 0,61 ± 0,06 gegenüber 1,24 ± 0,14; Protein 0,55 ± 0,05 gegenüber 1,09 ± 0,05), was die Motilitätsstörung erklären soll. Die Gabe von Lactobacillus (Gesamtmotilität 76,00 ± 4,60 % gegenüber 58,29 ± 4,55 % unter Vehikel; P = 0,018; Konzentration 12,41 ± 0,58 gegenüber 8,49 ± 0,74; P = 0,0013) oder von Vitamin A und E (76,00 ± 2,75 % gegenüber 55,38 ± 5,57 %; P = 0,0051) verbesserte die Befunde; die Kombination stellte die Fruchtbarkeit nicht vollständig wieder her. Interessant für die Übertragbarkeit: NHE11 (Slc9c2) liegt beim Menschen im Kopf der Spermien, bei der Maus nur im Flagellum und bei der Ratte in beiden Anteilen, die Lokalisation ist also artspezifisch. Humane Primärdaten enthält die Arbeit nicht. Die Dosierung der Vitamine A und E nennt der Haupttext nicht. Das ist die mechanistisch am weitesten ausgearbeitete chinesische Arbeit, bleibt aber ein Rattenmodell für Stress, kein Befund zur Probiotika-Wirkung beim Mann.

**Weitere Tier- und Übersichtsarbeiten.** Hu et al. 2025 (Hainan; Originaltitel: Morinda officinalis oligosaccharides improves sperm motility via the gut microbiota) prüften Oligosaccharide aus Morinda officinalis (einer in der traditionellen chinesischen Medizin verwendeten Pflanze) bei C57BL/6J-Mäusen mit Gossypol-induzierter Asthenozoospermie (Gossypol 20 mg/kg alle drei Tage über 30 Tage, danach 14 Tage Schlundsonde mit 12,5, 25 oder 50 mg/kg; L-Carnitin 10 mg/kg als Positivkontrolle) [s039]. Die Oligosaccharide verbesserten die Motilität dosisabhängig, stellten Testosteron wieder her und reicherten bei der hohen Dosis die Gattung Anaerococcus an; die Übertragung von Anaerococcus und die Hemmung mit Rapamycin sprechen nach den Autoren für den IGF-1/PI3K/mTOR-Weg. Die Zusammenstellung von Zhou et al. 2026 (Cell Biology and Toxicology; Originaltitel: The influence and mechanism of gut microbiota on spermatogenesis) beschreibt Vitaminstoffwechsel, extrazelluläre Vesikel mit miR-211-5p, Sphingolipidstoffwechsel, kurzkettige Fettsäuren und Androgenspiegel als Wege, auf denen eine Dysbiose die Spermatogenese stören könnte [s032]. Zhang et al. 2026 (Originaltitel: Trimethylamine N-oxide and impaired spermatogenesis in the gut-testis axis) bewerten Trimethylamin-N-oxid (TMAO) ausdrücklich als „Kandidat für einen Stoffwechselvermittler“, nicht als bewiesenen Kausalfaktor oder Behandlungsziel; menschliche Beobachtungsdaten verbinden TMAO mit Asthenozoospermie und dem Leydig-Zell-Marker INSL3 [s030].

**Ältere Arbeiten aus Taiwan und Shanghai.** Weng et al. 2014 (Originaltitel: Bacterial communities in semen from men of infertile couples: metagenomic sequencing reveals relationships of seminal microbiota to semen quality; Taiwan, 96 Proben von Männern aus Paaren mit Kinderwunsch) fanden als häufigste Gattungen Lactobacillus (19,9 %), Pseudomonas (9,85 %), Prevotella (8,51 %) und Gardnerella (4,21 %); normale Proben gehörten zu 80,6 % dem Lactobacillus-Cluster an [s116]. Hou et al. 2013 (Originaltitel: Microbiota of the seminal fluid from healthy and infertile men; Erstautor von der Shanghai Jiao Tong University School of Medicine) untersuchten 19 Spender und 58 Patienten und fanden sechs Bakteriengemeinschaften ohne Unterschied zwischen Spendern und Patienten, aber einen negativen Zusammenhang zwischen Spermienqualität und Anaerococcus [s117]. Beide Arbeiten sind im Kapitel zu den Beobachtungsstudien ausführlich dargestellt.

#### Probiotika und Übersichten im chinesischen Raum

Eine eigene chinesische Probiotika-Studie am Mann wurde nicht gefunden. Die Metaanalyse von vier Studien mit 156 Teilnehmern (SMD Konzentration 1,96; 95-%-KI 0,08 bis 3,84; I² 95 %) stammt nicht aus China [s020]; Oliveira et al. werten vier randomisierte Studien aus [s055]; die breitere Metaanalyse von Melhem et al. (41 RCT, 3.615 Männer) bewertet die Sicherheit der Evidenz für Antioxidantien als sehr niedrig [s017]. Details siehe die Kapitel zu Metaanalysen und Interventionsstudien.

#### Regionale Besonderheiten, Widersprüche und Grenzen

Zwei Merkmale heben die chinesischen Arbeiten ab. Erstens die Verbindung zur traditionellen chinesischen Medizin: eine Klinik für chinesische Medizin als Studienort [s041, s014] und die Morinda-Studie [s039]. Zweitens Multi-Omics-Designs, die Darm, Urin, Ejakulat, Stoffwechsel und Metagenom koppeln [s066, s041, s015]. Methodisch sind die Studien kaum vergleichbar: Sie nutzen V1-V2 [s099], V3-V4 [s066, s084, s041, s014] oder Metagenomik des Stuhls [s015], unterschiedliche Kontrolldefinitionen (gesund und fruchtbar gegenüber „normales Sperma“) und, soweit angegeben, keine Negativkontrollen [s066, s099].

Die Widersprüche sind deutlich. *Lactobacillus:* In Changsha war er im Profil der normalen Proben häufiger [s084], im Darm-Urin-Ejakulat-Datensatz mit besserer Konzentration verbunden [s066], in Shandong dagegen unter den bei Dysspermie angereicherten Gattungen und zugleich der beste Einzelmarker für Asthenozoospermie (AUC 0,841) [s099]. *Prevotella:* Bei Lu 2025 und 2026 und bei Cao mit schlechteren Befunden verbunden [s041, s014, s066], was zur internationalen Lesart passt. *Staphylococcus:* in Shandong mit Asthenozoospermie und Hyperviskosität erhöht [s066], in der Schweizer Kohorte in der normozoospermen Gruppe angereichert [s101]. *Diversität:* Changsha fand bei Leukozytospermie höhere Alpha-Diversität [s084], Shandong keinen Alpha-Unterschied [s099], und die Stuhlstudie ebenfalls keinen [s015]. Alle diese Studien sind Querschnitte; sie können nicht unterscheiden, ob ein Taxon Ursache, Folge oder bloß Begleiter einer Samenveränderung ist. Die Stichproben sind klein (größte: 159) und stammen aus wenigen Zentren in Ost- und Südwestchina, die Befunde sind weder extern validiert noch in Längsschnitten bestätigt.

**Fazit für den chinesischen Raum.** Das erreichbare Bild ist das einer jungen, schnell wachsenden Literatur mit Hypothesen statt Belegen: erkennbare Unterschiede in der Zusammensetzung des Ejakulats bei Oligo-, Astheno- und Leukozytospermie, aber kein einheitliches „Muster“, keine eigene klinische Probiotika-Studie, kein Leitlinienbeleg. Die belastbare Lücke ist, dass die chinesischsprachigen Datenbanken ungeprüft blieben.

### Japanisch

**Befund vorweg: Es gibt hier keine belegbare eigene Literatur.** Das Recherche-Dokument durchsuchte J-STAGE, CiNii, die Zeitschrift der Japanischen Urologischen Gesellschaft, Veröffentlichungen im Umfeld der Japanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin, die Zeitschrift Reproductive Medicine and Biology und PubMed mit japanischen und englischen Begriffen. Das Ergebnis ist ernüchternd und wird hier offen wiedergegeben: Eine PubMed-Suche, die „japanische Zugehörigkeit“ mit „Samenmikrobiom“ verknüpfte, lieferte keine einschlägige Studie zur männlichen Unfruchtbarkeit; im japanischen Register klinischer Studien (jRCT) fand sich keine Probiotika-Studie zu Samenparametern (nur eine Registrierung zum Vaginalmikrobiom). Es gibt keine japanische Kohorte mit Ejakulat-Sequenzierung, keine japanische Leitlinienaussage zu Mikrobiom oder Probiotika und keine japanische Probiotika-Studie am Mann, die geöffnet und geprüft werden konnte. Eine vollständige Volltextprüfung von J-STAGE und CiNii war nicht möglich; japanische Übersichten oder Kongressbeiträge können existieren, ohne hier erfasst zu sein.

**Das Forschungsprojekt der Universität Osaka (KAKEN) [s081].** Gefunden wurde ein Projekteintrag im japanischen Forschungsförderungs-Verzeichnis (KAKENHI-Projekt 22K20974). Der Originaltitel lautet 「精索静脈瘤に着目した精液細菌叢の解明と細菌叢標的治療の開発」 (deutsch: Aufklärung der Samenbakterienflora mit Blick auf die Varikozele und Entwicklung einer auf die Bakterienflora zielenden Behandlung); die englische Fassung des Eintrags nennt „Elucidation of New Male Infertility Mechanisms and Development of Bacterial Flora Targeted Therapy Focusing on Seminal Microflora“. Projektleiter ist Tsujimura Go (Universitätsklinikum Osaka), die Laufzeit reicht vom 31. August 2022 bis zum 31. März 2024, das Budget beträgt 2.860.000 Yen (davon 2.200.000 direkt und 660.000 indirekt); Schlüsselwörter sind männliche Unfruchtbarkeit, Samenbakterienflora, Varikozele. Das Design: Veränderungen der Samenflora vor und nach der Varikozelen-Operation bei denselben Patienten mit Sequenzierung der nächsten Generation, mit Vergleich zwischen Männern, deren Fruchtbarkeit zurückkehrte, und solchen, bei denen das nicht der Fall war, und mit Blick auf oxidativen Stress. Zahlen, Teilnehmerzahlen oder Ergebnisse enthält der Eintrag nicht, und eine zugehörige Veröffentlichung wurde nicht gefunden. Der Eintrag ist ein Hinweis auf ein Forschungsinteresse, kein Beleg für irgendeinen Befund.

**Die japanische Geburtskohorte JECS [s108].** *Originaltitel:* Baseline Profile of Participants in the Japan Environment and Children's Study (JECS). Der Eco-Chil-Studie (エコチル調査, Japan Environment and Children's Study, JECS) des Umweltministeriums gehörten 100.778 Schwangerschaften in 15 regionalen Zentren an (Rekrutierung 2011 bis 2014, etwa 45 % der Lebendgeburten in den Studiengebieten); bei 51.402 (51,0 %) nahm der Partner teil. Von den Vätern wurden Fragebögen und Blutproben gewonnen; die Biomaterialien der Studie umfassen laut Abstract Blut, Urin, Haare und Nabelschnurblut. Eine Samenanalyse oder Mikrobiomanalyse des Ejakulats wurde in den ausgewerteten Quellen nicht gefunden. Die Kohorte ist deshalb ein Beispiel für eine vorhandene Infrastruktur ohne Ejakulat-Daten, keine Mikrobiomstudie.

**Tierdaten aus Japan [s106].** *Originaltitel:* Effect of dietary probiotics on the semen traits and antioxidative activity of male broiler breeders. Das einzige japanische Experiment im Recherche-Dokument ist eine Studie an 180 männlichen Cobb-Masthuhn-Zuchttieren (60 Wochen alt), die zwei Gruppen zugeteilt wurden: Basisfutter oder Basisfutter mit einem Probiotikum, das Bacillus amyloliquefaciens TOA5001 enthielt, sechs Wochen lang. Darmform, Darmflora, antioxidative Aktivität und Samenmerkmale verbesserten sich laut Abstract (Zahlen nennt der Abstract nicht). Die Autoren sind in einer Tierklinik in Tokio und an der Universität Kagoshima tätig. Die Arbeit sagt über die Unfruchtbarkeit des Mannes nichts aus.

**Rückgriff auf die internationale Literatur.** Das japanische Recherche-Dokument stützt sich daher auf englischsprachige Übersichten: Farahani et al. (55 Beobachtungsstudien, 51.299 Personen) [s089], Gomes et al. (7 Studien, 500 Personen) [s068], Puerta-Suárez und Cardona Maya (35 Artikel) [s044], Bazzar et al. [s001], die Übersicht von Chatzokou et al. [s036], die Probiotika-Metaanalyse [s020] und die Übersicht von Shamsi-Goushki et al. (15 Studien, davon 5 am Menschen und 10 am Tier, Literatur bis November 2024) [s022]. Zur Rolle von Probiotika bei Paaren nennt es die Übersicht von Corbett et al. (4 eingeschlossene Studien): Bei den zwei Studien mit oraler Gabe an Männer verbesserte sich die Motilität; die klinische Schwangerschaftsrate stieg in der Frauenstudie von 48,0 % auf 58,8 % (P = 0,47, nicht signifikant), und die Fehlgeburtenrate lag mit 30 % gegenüber 16,6 % in der Probiotika-Gruppe höher (P = 0,47) [s087]. Diese Arbeiten sind in den Kapiteln zu Metaanalysen und Interventionsstudien dargestellt; sie belegen nichts über Japan.

**Widersprüche, Grenzen, offene Fragen.** Weil es keine japanischen Primärdaten gibt, entfallen Widersprüche innerhalb des Raums. Die Grenze ist die Datenlage selbst: Es ist unbekannt, ob japanische Männer ein anderes Samenmikrobiom haben als Männer in Europa, Taiwan oder den USA, denn eine Studie, die Menschen verschiedener Herkunft direkt vergleicht, wurde nicht gefunden. Offen sind insbesondere die Ergebnisse des Osaka-Projekts zur Varikozele, eine japanische Querschnittsstudie mit Negativkontrollen und die Frage, ob eine große Geburtskohorte wie JECS jemals väterliche Faktoren aus dem Ejakulat auswerten wird.

### Koreanisch

**Textgrundlage und Abgrenzung.** Die koreanischsprachigen Datenbanken (KCI, KoreaMed, DBpia) und die Zeitschrift der Koreanischen Urologischen Gesellschaft ließen sich nicht auswerten. In den Suchtreffern erschienen ältere koreanische Beiträge zu Mykoplasmen (ein Bericht von 1996, eine Studie von 2003 mit 655 Patienten); ihr Text wurde nicht geöffnet, sie werden nicht als Beleg verwendet. Die koreanische Literatur besteht daher aus (1) klinischen Studien zu sexuell übertragbaren Erregern und zu chronischem Beckenschmerz, (2) einer Ernährungsstudie, (3) einer Übersicht und (4) einem Cluster von Labor- und Tierarbeiten mit Probiotika. Koreanische Sequenzierkohorten bei fruchtbaren und unfruchtbaren Männern und eine koreanische Probiotika-Studie am Mann wurden nicht gefunden.

**Sexuell übertragbare Erreger und Spermienqualität: Kim et al. 2017 [s109].** *Originaltitel:* Effects of infections with five sexually transmitted pathogens on sperm quality. Die Studie am Fertilitätszentrum des Cheil General Hospital (mit Women's Healthcare Center) untersuchte Ejakulat aus Paaren mit Kinderwunsch auf fünf Erreger. Aufgenommen wurden Männer von 19 bis 40 Jahren mit Geschlechtsverkehr im letzten Jahr; ausgeschlossen wurden unter anderem Geschlechtschromosomen-Anomalien, strukturelle Beckenstörungen, Sterilisation, sexuell übertragbare Infektion im letzten Jahr, Genitalwarzen, Hodentrauma, Kryptorchismus, Orchitis nach Mumps, Varikozele, Samenwegsinfektion und Ausfluss oder Schmerzen am Penis in den letzten sechs Monaten. Nach drei Tagen Karenz wurden Proben von 400 Männern durch Masturbation gewonnen; zwei wurden wegen fehlender Infektionsdaten und 19 wegen fehlender Daten, Azoospermie (15) oder Nekrozoospermie (2) ausgeschlossen, sodass 381 Männer in die Analyse eingingen. Das Recherche-Dokument und der Abstract nennen die 400; die Prävalenzen beziehen sich auf die 381. Der Nachweis von HPV lief über einen PCR-Chip („Cheil HPV DNA chip“) mit Echtzeitdetektion, der der übrigen Erreger über ein Flüssigmikrokultur-Kit (MYCOFAST Evolution 2).

Die Prävalenzen betrugen: Ureaplasma urealyticum 16,80 % (64 Männer), Mycoplasma hominis 4,46 % (17), HPV 1,57 % (6), Mycoplasma genitalium 1,31 % (5) und Chlamydia trachomatis 0,79 % (3). Es gab 74 Einzelinfektionen und 10 Mehrfachinfektionen (9 doppelt, 1 dreifach). In der Gesamtkohorte war nur bei Ureaplasma urealyticum der Anteil normaler Formen signifikant niedriger (P < 0,05); für die anderen Erreger gab es keine signifikanten Unterschiede. In der Untergruppe der normozoospermen Männer hatten Männer mit irgendeiner der fünf Infektionen ein geringeres Ejakulatvolumen (2,52 ± 0,78 gegenüber 3,06 ± 1,24 ml) und eine geringere Gesamtspermienzahl (213,29 ± 98,02 gegenüber 301,62 ± 190,80 × 10⁶; jeweils P < 0,05); Konzentration und Motilität unterschieden sich nicht. Die Autoren nennen als Einschränkungen fehlende Daten zu Body-Mass-Index, Rauchen, Alkohol, Karenzzeit und Koitusfrequenz, die niedrige Prävalenz (die Effekte schwer nachweisbar macht) und mögliche Störfaktoren wie endokrine Erkrankungen und Leukozytospermie. *Stärken:* eine Kohorte aus einem einzigen Land mit klar definierten Ausschlusskriterien und fünf gleichzeitig untersuchten Erregern. *Schwächen:* sehr kleine Fallzahlen für fast alle Erreger (3 bis 17 Männer), Kulturkit für vier der fünf Erreger, keine Kontrollgruppe fertiler Männer (der Vergleich erfolgt innerhalb einer Kinderwunsch-Population). Die hohe Prävalenz von Ureaplasma urealyticum im Vergleich zu PCR-Studien aus dem Iran (Abschnitt Arabisch) darf nicht ohne Weiteres als „regionale Besonderheit“ gelesen werden, da die Nachweisverfahren verschieden sind.

**Chronischer Beckenschmerz und Samenflora: Choi et al. 2020 [s096].** *Originaltitel:* Analysis of bacterial community using pyrosequencing in semen from patients with chronic pelvic pain syndrome: a pilot study. Die Pilotstudie an einem Universitätsklinikum in Korea verglich 17 Patienten mit chronischer Prostatitis/chronischem Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS; NIH-CPSI ≥ 15 und Beschwerden seit mindestens drei Monaten) mit 4 gesunden Freiwilligen (NIH-CPSI 1,25 ± 0,96). Das Alter betrug 51,91 ± 12,27 gegenüber 47,25 ± 5,51 Jahren. Die Proben wurden nach Reinigung von Händen und Eichel mit Borsäure-Wattebäuschen durch Masturbation in sterile 50-ml-Flaschen gewonnen. Sequenziert wurde per Pyrosequenzierung des 16S-rRNA-Gens (Primer 27F und 518R, Genome Sequencer FLX Plus). Die herkömmliche Kultur ergab in allen Proben kein Wachstum, die Sequenzierung dagegen in allen Proben mehrere Gattungen; insgesamt wurden 1.343 OTUs bei 97 % Ähnlichkeit gefunden. Corynebacterium, Pseudomonas, Sphingomonas, Staphylococcus und Streptococcus fanden sich in beiden Gruppen; Achromobacter, Stenotrophomonas und Brevibacillus waren bei den Patienten häufiger. Der Shannon-Index betrug bei den Kontrollen 1,75 ± 0,66, bei den Patienten 1,88 ± 0,99; der Simpson-Index wird mit 1,36 ± 0,19 (Kontrollen) und 5,91 ± 0,23 (Patienten) angegeben. Diese Simpson-Werte werden hier wie veröffentlicht wiedergegeben; ein Simpson-Wert über 1 ist für die übliche Definition des Index ungewöhnlich, und die Standardabweichung der Patientengruppe wirkt im Verhältnis zum Mittelwert auffallend klein, sodass bei diesem Wert Vorsicht angebracht ist. Die Autoren räumen ein, dass Kontamination trotz großer Sorgfalt nicht auszuschließen ist; die Stichprobe (17 plus 4) ist für Gruppenunterschiede zu klein, und die Studie ist ausdrücklich ein Pilotversuch. Der Wert liegt im Methodenvergleich: Kultur negativ, Sequenzierung positiv in allen Proben, also kein Beleg für Infektion, sondern für die Empfindlichkeit der Methode (und für das Kontaminationsproblem bei niedriger Biomasse).

**Ernährung als indirekter Einflussfaktor: Jung et al. 2024 [s052].** *Originaltitel:* Effects of Korean Versus Western Diets on Reproductive Function in Young Korean Men: A 12-Week Randomized Parallel Clinical Trial. Diese randomisierte Parallelgruppenstudie (Journal of Lifestyle Medicine; Studienzeitraum laut Volltext 23. Mai bis 17. September 2008) verglich zwölf Wochen lang eine koreanische (reiszentrierte, Kohlenhydrate:Eiweiß:Fett 60:20:20, ohne Weizen- und Milchprodukte) mit einer westlichen Kost (50:20:30, mit Brot, Getreide und Milchprodukten), jeweils 2.600 kcal täglich, bei jungen koreanischen Männern (Alter 26,3 ± 2,5 gegenüber 26,0 ± 2,5 Jahre). Es nahmen 9 (koreanische Kost; 5 mit normalem, 4 mit auffälligem Samenbefund) und 10 Männer (westliche Kost; 5 und 5) teil; einer aus der koreanischen Gruppe zog sich zurück, sodass 19 ausgewertet wurden. Die Spermienmotilität betrug in der koreanischen Gruppe 54,6 ± 20,0 % (Woche 0), 64,6 ± 22,1 % (Woche 8) und 55,0 ± 18,7 % (Woche 12), in der westlichen Gruppe 53,7 ± 23,7 %, 45,7 ± 21,6 % und 53,1 ± 16,3 %; der Gruppenvergleich ergab P = 0,057, also knapp nicht signifikant. Die Konzentration stieg in der koreanischen Gruppe von 66,8 auf 75,4 und 105,5 × 10⁶/ml, in der westlichen von 66,4 auf 76,9 und 85,6 (P = 0,557); das Volumen unterschied sich nicht (P = 0,979). Das freie Testosteron lag bei 13,5, 16,8 und 17,5 pg/ml (koreanisch) gegenüber 14,1, 16,9 und 13,2 pg/ml (westlich; P = 0,020). Die Autoren nennen als Grenzen die nicht erfasste Ernährung vor der Teilnahme, die möglicherweise geringe Beliebtheit reiszentrierter Mahlzeiten bei jungen Männern und die kleine Teilnehmerzahl. Ein Mikrobiom wurde nicht gemessen; die Studie ist nur ein indirekter Hinweis, dass Ernährung Samen- und Hormonwerte beeinflussen kann, und mit 19 Männern kaum belastbar.

**Bakteriospermie und DNA-Fragmentierung: Lee und Cho 2026 [s012].** *Originaltitel:* Impact of bacteriospermia on sperm DNA fragmentation: a narrative review. Die narrative Übersicht koreanischer Autoren in Translational Andrology and Urology suchte in PubMed und Google Scholar (2008 bis 2025; Suche am 1. Januar 2026) mit den Begriffen DNA-Fragmentierung, Bakterien und Samen; von 129 Artikeln erfüllten 11 die Kriterien (Originalarbeiten am Menschen, begutachtet, englisch, mindestens 50 Teilnehmer). Die Prävalenz der Bakteriospermie lag zwischen 20,1 und 35,1 % bei PCR-Nachweis und zwischen 15,28 und 34,88 % bei Kultur; für Ureaplasma-urealyticum-Kulturen betrug sie 21,6 bis 23,2 %. Häufigste Keime waren Enterococcus faecalis und Staphylococcus aureus. Drei große Studien (740 Teilnehmer, davon 595 mit Kultur und 532 mit PCR; 172 subfertile Männer; 4.935 unfruchtbare Männer) zeigten einen Zusammenhang zwischen Bakteriospermie und erhöhter DNA-Fragmentierung (Index 20,5 % bei Infektion gegenüber 15,0 % ohne; 28,1 % gegenüber 21,8 %). Die Zahl 172 entspricht der Fallzahl der Studie von Eini et al. [s088]; ob es dieselbe Arbeit ist, geht aus der Zusammenfassung nicht hervor. In zwei Studien sank der Index nach antibiotischer Behandlung von 43,2 ± 13,8 % auf 37,6 ± 10,4 % beziehungsweise von 37,7 ± 13,6 % auf 24,2 ± 11,2 % nach 3,8 ± 2,2 Monaten. Zu Schwangerschaft und Lebendgeburt lagen nur wenige Daten vor; in einer Studie waren klinische Schwangerschaftsrate, Lebendgeburtenrate und neonatale Ergebnisse nicht statistisch signifikant. Als Mechanismus nennen die Autoren oxidativen Stress (reaktive Sauerstoffspezies, die die antioxidative Abwehr des Samens übersteigen, Lipidperoxidation, DNA-Strangbrüche). Sie sehen Widersprüche bei einzelnen Erregern (besonders Ureaplasma), unterschiedlich empfindliche Nachweisverfahren und die Frage, ob eine Infektion oder eine Verunreinigung durch die normale Harnröhrenflora vorliegt; sie fordern prospektive Studien. Die Antibiotika-Zahlen sind Vorher-Nachher-Werte ohne Kontrollgruppe und sagen nichts über einen Behandlungsnutzen.

**Labor- und Tierarbeiten aus Korea.** Hier liegt der eigentliche Schwerpunkt der koreanischen Beiträge.

- *Hunde, Mahiddine et al. 2022 [s080].* Neun Pudel (2 bis 9 Jahre) erhielten drei Wochen lang täglich Lactobacillus acidophilus KACC 12419 (3,0 × 10⁹ KbE), Limosilactobacillus salivarius KACC 10006 (2,7 × 10⁸) und Limosilactobacillus reuteri KACC 11452 (1,3 × 10⁹) mit Fructo- und Galactooligosacchariden (0,8 % der Futtermenge). Die Gesamtmotilität stieg von 90,5 ± 2,9 % auf 93,6 ± 3,6 % (P = 0,02), die progressive Motilität von 44,9 ± 7,5 % auf 60,4 ± 7,4 % (P = 0,00, wie berichtet), die Akrosom-Unversehrtheit von 83,8 ± 3,3 % auf 92,9 ± 1,9 % (P = 0,03). Im Darm nahmen Firmicutes zu, Proteobacteria und Tenericutes ab; Firmicutes korrelierten positiv mit der Samenqualität, Proteobacteria, Fusobacterium perfoetens und Anaerobiospirillum succiniciproducens negativ. Die Autoren nennen die kleine Stichprobe, die kurze Gabe (ein Spermatogenese-Zyklus statt der nötigen 4 bis 4,5) und einen unfruchtbaren Hund ohne Besserung.
- *Hunde, Mahiddine et al. 2023 [s072].* Sechs Wochen Lactobacillus rhamnosus, Probenahme nach 0, 3 und 6 Wochen; Spermienkinetik, Lebensfähigkeit, DNA- und Akrosom-Unversehrtheit und Morphologie verbesserten sich, Gene für Fruchtbarkeit, DNA-Reparatur und Antioxidation wurden hochreguliert; die Samenparameter korrelierten positiv mit Actinobacteria, Allobaculum, Phascolarctobacterium und Catenibacterium und negativ mit Faecalibacterium und Streptococcus. Nur der Abstract war zugänglich; Zahlen daraus liegen nicht vor.
- *Mausspermien, Lee et al. 2024 [s053].* Spermien aus dem kaudalen Samenleiter von ICR-Mäusen wurden mit Lacticaseibacillus rhamnosus, Limosilactobacillus fermentum und Lacticaseibacillus paracasei behandelt (die Probiotika stellte HEM Pharma Inc. bereit); die Motilität stieg laut Abstract um 30 bis 40 % gegenüber unbehandelten Spermien, die Lebensfähigkeit nicht signifikant; AMPK wurde stärker phosphoryliert, und SIRT1 stieg unter L. rhamnosus und L. fermentum an. Die Autoren vermerken, dass manche Probiotika funktionierende Mitochondrien und ein Flagellum benötigen könnten. Das ist ein In-vitro-Versuch an Mäusespermien.
- *Leydig-Zellen, Shim et al. 2025 [s045].* An der Maus-Zelllinie TM3 wurden Lacticaseibacillus rhamnosus BST0042, Limosilactobacillus fermentum BST0117 und Bifidobacterium longum subsp. longum BST0143 geprüft; lebende Bakterien (10² bis 10⁵/ml ohne Zytotoxizität) wirkten laut Volltext-Zusammenfassung stärker als hitzeinaktivierte Bakterien, Lysat oder Filtrat. Die Testosteronkonzentration im Medium (ELISA nach drei Tagen) lag bei L. fermentum und B. longum bis zum 1,7-Fachen der Kontrolle; StAR, HSD-3β, CYP11A1, CYP17A1 und HSD-17β wurden stärker exprimiert, der Quotient p-mTOR/mTOR bis zu 30 % höher, und die mitochondriale Atmung (Seahorse-Messung) war erhöht. Die Autoren betonen, dass die wirksamen Bestandteile der Stämme unbekannt sind.

Alle diese Arbeiten zeigen Mechanismen im Labor und an Hunden. Sie sagen nicht, dass ein Probiotikum die Samenqualität unfruchtbarer Männer verbessert.

**Einordnung der internationalen Arbeiten im koreanischen Dokument.** Das Dokument stützt sich zusätzlich auf Übersichten und Studien aus anderen Ländern, die in anderen Kapiteln behandelt werden: Farahani [s089], Oliveira [s055], Corbett [s087], Puerta-Suárez [s044], Maretti (41 Männer, 20 gegenüber 21; Konzentration von 15,2 auf 28,3 Mio/ml, progressive Motilität von 16,2 auf 42,0 %, normale Formen von 7 auf 16,3 %, alle P < 0,01) [s111], Lundy [s092], Osadchiy [s056], Baud [s101] und die iranische Studie von Gholipour [s007]. Neto et al. (37 Studien, 9.310 Teilnehmer; 16 Studien mit Kultur, 16 mit NGS, 5 mit kombinierten Methoden; Paare teilten 56 % der vorherrschenden Gattungen) [s054] untermauern die Paar-Perspektive. Hervorzuheben ist die spanische randomisierte Paarstudie mit Ligilactobacillus salivarius CECT5713 (3 × 10⁹ Zellen täglich vor einer Kinderwunschbehandlung; 70 Paare randomisiert, 57 abgeschlossen), in der der Schwangerschaftserfolg bei 48,1 % gegenüber 20,0 % unter Placebo lag (P < 0,024) [s040]. Weil die Intervention das Paar betraf, lässt sich der Beitrag des Mannes daraus nicht abgrenzen.

**Widersprüche, Grenzen, offene Fragen.** *Widersprüche:* Die Rolle von Lactobacillus ist auch hier nicht einheitlich: Übersichten sehen eher Schutz [s089, s044], die Kohorte von Osadchiy dagegen Lactobacillus iners bei gestörter Motilität (mittlere Anteile 9,4 % gegenüber 2,6 %; P = 0,046) [s056]. Diversität: Baud fand keinen Zusammenhang mit Samenparametern [s101], Lundy höhere Alpha-Diversität bei Unfruchtbarkeit [s092]. Kultur und Sequenzierung widersprechen sich im koreanischen Datensatz selbst (Kultur negativ, Sequenzierung positiv in allen Proben [s096]). *Grenzen:* Die koreanischen Humanstudien sind klein (381 Männer in der größten, 17 plus 4 in der Sequenzierung), die Probiotika-Befunde stammen aus Zelle und Tier, und die koreanische Literatur außerhalb von PubMed ist ungeprüft. *Offen:* eine koreanische Sequenzierkohorte mit fruchtbaren und unfruchtbaren Männern, stammgenaue Studien an koreanischen Männern, Paarstudien mit Samen- und Vaginalmikrobiom und die Frage, ob die Laborergebnisse zu Mitochondrien und Leydig-Zellen beim Menschen eine Entsprechung haben. Zu Leitlinien: Das koreanische Recherche-Dokument nennt eine koreanische Leitlinie zu sexuell übertragbaren Infektionen von 2023 (nichtgonokokkische bakterielle Infektionen, veröffentlicht in Investigative and Clinical Urology); sie ist in der Master-Quellenliste nicht geführt, und eine Aussage zu Mikrobiom oder Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit wurde darin nicht gefunden. Ob die Koreanische Gesellschaft für Urologie oder eine andere Fachgesellschaft solche Aussagen trifft, konnte nicht festgestellt werden.

### Russisch

**Abgrenzung und Textgrundlage.** Die Plattformen eLIBRARY.ru und CyberLeninka ließen sich nicht direkt durchsuchen; die Suche lief über Websuche und Europe PMC. Gelesen wurden die PDF-Dateien der Fachzeitschriften „Экспериментальная и клиническая урология“ (Experimentelle und klinische Urologie, ecuro.ru), „Вестник урологии“ (Bote der Urologie, urovest.ru) und „Андрология и генитальная хирургия“ (Andrologie und Genitalchirurgie, agx.elpub.ru). Für dieses Kapitel wurden die Volltexte der vier Originalarbeiten und der Übersicht erneut in Textform gelesen. Das Gesamtbild ist eindeutig: Die russischsprachige Primärliteratur zum Thema stammt fast ausschließlich von **einer einzigen Arbeitsgruppe** (Medizinisches Institut der Russischen Universität der Völkerfreundschaft, RUDN, Moskau; Kasaner Staatliche Medizinakademie; Föderale Universität Kasan; Zentrum für reproduktive und Zellmedizin in Krasnodar; in der Übersicht auch die Föderale Universität der Krim in Simferopol). Sie untersucht nicht das Ejakulat, sondern das **Hodengewebe bei Azoospermie** mittels 16S-rRNA-Sequenzierung. Eine russischsprachige randomisierte Probiotika-Studie, eine russische Leitlinie mit Aussage zu Probiotika oder Samenmikrobiom und eine große russische Bevölkerungskohorte wurden nicht gefunden. Das ist ein Ergebnis dieser begrenzten Suche, kein Beweis für ihr Fehlen. Zwei der Arbeiten verweisen auf Patentanmeldungen der Gruppe (Verfahren zur wenig invasiven Isolierung bakterieller DNA aus Hodenbiopsien: Patent Nr. 2 810 467 vom 27.12.2023 bzw. Prioritätsanmeldung 2022121553 vom 08.08.2022); das ist für die Bewertung der Methode relevant, ändert aber nichts an den Befunden.

**Die Übersicht der Gruppe: Kadyrov et al. 2023 [s069].** Die Literaturübersicht „Testikuläres Mikrobiom bei unfruchtbaren Männern“ (Testicular microbiome in infertile men; Experimentelle und klinische Urologie 16(3):81–86) wählte aus 167 Quellen in PubMed und eLibrary 48 aus. Nach ihrer Darstellung berichtete eine umfangreiche chinesische Arbeit (im Text nur als Literaturangabe genannt, nicht Teil der russischen Gruppe) 675.539 DNA-Sequenzen und 5.867 OTUs; die Phyla Firmicutes, Proteobacteria, Bacteroidetes und Actinobacteria machten 98,14 %, 98,26 % und 90,96 % aller Phyla in gesunder Kontrolle, obstruktiver (OA) und nichtobstruktiver Azoospermie (NOA) aus. Bei beiden Azoospermieformen seien Bacteroidetes und Firmicutes häufiger, Proteobacteria und Actinobacteria seltener gewesen als bei Gesunden, und die Gemeinschaften von OA und NOA seien einander ähnlicher als der Kontrollgruppe. Die Übersicht vermerkt außerdem, dass die Veränderungen bei NOA denen im Darm älterer Menschen ähneln, und deutet das als mögliches „mikrobiologisches frühes Altern“ der Hoden; das ist eine Spekulation der Autoren. Als Hintergrund nennt sie, dass Azoospermie etwa 1 % der Männer weltweit betreffe und bis zu 20 % der Fälle idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit ausmachen könne, und führt Lactobacillus iners, Gardnerella vaginalis, „Escherichia faecalis“ (so im Text), Escherichia coli und Staphylococcus aureus als mit NOA assoziiert an (PCR und Kultur). Die Übersicht hält selbst fest, dass die Stichprobengrößen der meisten Arbeiten für ein Gesamtbild nicht ausreichen. Ihre Schlussfolgerungen lauten, dass Hodengewebe nicht mikrobiologisch steril ist, dass die Samenbefunde bei bestimmten Mikroorganismen als Marker dienen könnten und dass größere Studien nötig seien. Beim Lesen fällt eine innere Unstimmigkeit auf: Einmal heißt es, bei beiden Azoospermieformen seien Bacteroidetes und Firmicutes häufiger, an anderer Stelle werden bei NOA Actinobacteria und Firmicutes als erhöht beschrieben. Das Recherche-Dokument hat deshalb auf die Wiedergabe einzelner Gattungsnamen aus dieser Übersicht verzichtet, weil der maschinenlesbare Text Verzerrungen enthielt; hier gilt dieselbe Vorsicht.

**Faniev et al. 2024, Strukturanalyse bei drei Gruppen [s062].** Die Arbeit (Experimentelle und klinische Urologie 17(2):36–44; Titel: „Структура микробиоты фертильных и инфертильных пациентов с различными видами азооспермии“, deutsch: Struktur der Mikrobiota fertiler und infertiler Patienten mit verschiedenen Azoospermieformen) wurde durch ein Ethikvotum des Medizinischen Instituts der RUDN vom 18. Januar 2024 gedeckt. Es handelt sich um eine retrospektive Einteilung von 57 Männern in drei Gruppen: nichtobstruktive Azoospermie ohne Kinder (n = 29), obstruktive Azoospermie (n = 19) und fertile Männer mit Kindern in der Vorgeschichte (n = 9). Einschlusskriterien waren Alter über 18 Jahre, Unfruchtbarkeit in der Ehe über ein Jahr bei regelmäßigem Verkehr, bestätigte Azoospermie, keine beidseitigen Hodenschäden, Hodenhypoplasie oder Tumoren und keine Antibiotika oder sexuell übertragbaren Infektionen in den letzten drei Monaten. Ausgeschlossen wurden unter anderem Alter unter 18 Jahren, Krebs, genetische und endokrine Ursachen, schwere Allgemeinerkrankungen, unfruchtbarkeitsfördernde Dauermedikation, ein PSA über 4 ng/ml (freies PSA über 5 ng/ml), psychische Erkrankungen, chronischer Alkohol- und Drogenmissbrauch und HIV. Bei allen Männern wurde eine mikrochirurgische Hodenbiopsie (Micro-TESE) mit anschließender ICSI oder Kryokonservierung durchgeführt; die DNA wurde säulenbasiert mit Lysozym-Vorbehandlung gewonnen, die Daten mit QIIME 1.9.1 verarbeitet. Zusätzlich wurde bei jedem Patienten ein Abstrich aus der Harnröhre entnommen, der als Kontrolle für die Reinheit der Methode dient.

Die Alpha-Diversität der Harnröhrenflora unterschied sich nicht zwischen den Gruppen; Unterschiede zeigten sich nur bei Arten, die im Mittel höchstens 3 % ausmachten. Im Hodengewebe waren die phylogenetische Diversität sowie Chao1-, Shannon- und Simpson-Index und die Gesamtzahl der OTUs bei NOA und OA signifikant niedriger als bei den Fertilen; bei NOA war der Anteil der Proteobacteria erhöht, bei den Fertilen waren Firmicutes und Bacteroidetes relativ häufiger (Kruskal-Wallis, Benjamini-Hochberg-Korrektur, P < 0,05). NOA und OA unterschieden sich voneinander vor allem in der Häufigkeit von Bifidobacterium adolescentis. Beim Vergleich des Vorkommens in Harnröhre und Hoden unterschieden sich nur drei Taxa (exakter Fisher-Test, Benjamini-Hochberg-Korrektur): Ein nicht näher bestimmter Vertreter der Gattung Prevotella wurde bei NOA seltener gefunden als bei OA, und bei NOA seltener als bei den Fertilen ebenfalls ein unbestimmter Vertreter der Familie Comamonadaceae, ein unbestimmter Prevotella und Veillonella dispar; bei OA war der unbestimmte Comamonadaceae-Vertreter gegenüber den Fertilen seltener. Die Autoren schließen, dass das Hodengewebe nicht steril ist, bei Azoospermie ein verarmtes, von der Harnröhre verschiedenes Bakteriengefüge hat und dass die Befunde für die weitere Erforschung der Rolle der Mikrobiota bei Spermatogenesestörungen nützlich sein könnten. Der Diskussionsteil der Arbeit enthält Formulierungen, die zum Ergebnisteil nicht ganz passen (dort ist von einer größeren Bakterienlast bei NOA mit Vorherrschen von Actinobacteria und Firmicutes und zugleich von einem Schwund von Bacteroidetes und Proteobacteria die Rede, während der Ergebnisteil bei NOA mehr Proteobacteria und bei Fertilen mehr Firmicutes und Bacteroidetes zeigt); diese Sätze werden hier nicht als Befund verwendet. *Stärken:* die Einbeziehung eines Harnröhren-Abstrichs, ein Verfahren mit Korrektur für multiples Testen, definierte Ausschlusskriterien. *Schwächen:* nur 9 fertile Kontrollen, retrospektive Gruppenbildung, die meisten Zahlen nur in Abbildungen, keine beschriebene Reagenzien-Negativkontrolle (ein Harnröhrenabstrich ist keine solche Kontrolle), die Kontrollen sind Männer, die aus anderen Gründen eine Hodenbiopsie hatten.

**Faniev et al. 2024, Hodengewebe und Harnröhre bei drei Gruppen [s061].** Die Arbeit (Андрология и генитальная хирургия 25(2):120–126; Titel: „Сравнительный анализ микробиоты ткани яичка и уретры у пациентов с азооспермией методом секвенирования нового поколения (NGS)“, deutsch: Vergleichende Analyse der Mikrobiota von Hodengewebe und Harnröhre bei Azoospermie mittels Sequenzierung der nächsten Generation) untersuchte von 2018 bis 2022 53 Männer in drei Gruppen: nichtobstruktive Azoospermie mit begleitender Varikozele (n = 13), obstruktive Azoospermie (n = 29) und fertile Männer mit nachgewiesener Vaterschaft und einer Hodenerkrankung, die eine histologische Abklärung zum Ausschluss eines Keimzelltumors erforderte (n = 11). Pro Mann wurden Hodengewebe (TESE) und Harnröhrengewebe als gepaarte Proben (53 Paare) entnommen; im Methodenteil ist die Rede von 42 ausgewählten Patienten plus 11 fertilen Männern. Die Gruppeneinteilung erklären die Autoren damit, dass bei der ersten Gruppe eine Störung der Blut-Hoden-Schranke und eine Varikozele vorliegen, bei der zweiten ein Verschluss. Ergebnisse: Bei der Gruppe 1 fanden sich im Vergleich zu den anderen signifikant häufiger unbestimmte Vertreter der Familien Enterobacteriaceae und Xanthomonadaceae sowie der Gattungen Finegoldia, Bifidobacterium, Porphyromonas, Prevotella, Peptoniphilus und Pseudomonas. Bei den Fertilen war im Vergleich zu Gruppe 2 ein unbestimmter Bifidobacterium-Vertreter häufiger, bei Gruppe 1 gegenüber Gruppe 3 Enterobacteriaceae. Die Autoren relativieren Letzteres: In Gruppe 2 machten Enterobacteriaceae im Mittel rund 35 % aus, in einigen Proben etwa 95 % der gesamten Mikrobiota, was die Summe bestimme, ohne dass der Unterschied einzeln signifikant sei. In der Harnröhre lagen phylogenetische Diversität, Chao1 und OTE-Zahl bei OA signifikant unter denen der Gruppe mit Varikozele; die Fertilen lagen dazwischen. Im Hodengewebe hatten die Männer mit OA eine deutlich verarmte Vielfalt gegenüber NOA mit Varikozele, und die fertile Gruppe war die vielfältigste. Entscheidend ist die Auswahl der Kontrollen: Die „fertilen“ Männer sind keine gesunden Freiwilligen, sondern Männer mit Vaterschaft, bei denen wegen einer Hodenauffälligkeit biopsiert wurde. Die Autoren sprechen vorsichtig von einem Hinweis auf einen Einfluss des Mikrobioms auf die Fortpflanzungsgesundheit und von „kommensalen, gewebeassoziierten“ Bakterien in den Hoden.

**Faniev et al. 2024, Mikrobiom und Mastozytose [s060].** In der Arbeit im Vestnik urologii (12(3):97–105; Titel: „Взаимосвязь микробиома и мастоцитоза тестикулярной ткани при азооспермии“, deutsch: Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Mastozytose des Hodengewebes bei Azoospermie) wurden Hodenbiopsien (TESE, 2018 bis 2021) von 33 Männern im Alter von 23 bis 74 Jahren (Mittel 39,4 ± 10,7; Dauer der unfruchtbaren Ehe 7,2 ± 7,8 Jahre) untersucht: 21 mit NOA und 12 mit OA. Neben der Sequenzierung (QIIME 1.9.1; Harnröhrenabstrich als Methodenkontrolle) bewerteten die Autoren die Spermatogenese nach der Skala von de Kretser und Holstein und färbten Mastzellen immunhistochemisch gegen Tryptase an; Hormone (FSH, LH, Inhibin B, Testosteron) wurden im Blut bestimmt, Korrelationen nach Spearman berechnet (P < 0,05 als Signifikanzgrenze). Das Mikrobiom der NOA-Gruppe unterschied sich von dem der OA-Gruppe (P < 0,05): Bei NOA fanden sich Enterobacteriaceae und Xanthomonadaceae sowie Finegoldia, Bifidobacterium, Porphyromonas, Prevotella, Peptoniphilus und Pseudomonas signifikant häufiger; bei OA waren Enterobacteriaceae, Finegoldia, Peptoniphilus und Pseudomonas ebenfalls häufiger zu finden, Prevotella aber selten, und die Gesamtzahl der Taxa war bei OA signifikant niedriger. In der Harnröhre war die Zahl der Taxa in beiden Gruppen deutlich niedriger als im Hoden. Bei NOA waren Testosteron erniedrigt und FSH und LH erhöht; Inhibin B korrelierte negativ mit FSH (r = −0,678) und LH (r = −0,645; beide P < 0,05), und je höher FSH und LH bei NOA, desto weniger Taxa fanden sich in der Harnröhre (r = −0,485; P < 0,05). Histologisch zeigten sich Verdickung der Gefäßintima mit Sklerose, Schäden und Degeneration der Leydig-Zellen und eine Mastzellvermehrung im Zwischengewebe in knapp 83 % der Azoospermie-Fälle; Mastzellen in den Samenkanälchen fanden sich in 68 %, ganz ohne Mastzellen waren nur 32 %. In der NOA-Gruppe korrelierten Mastzellen mit Bifidobacterium (r = 0,710) und Dermabacter (r = 0,527), in der OA-Gruppe mit Cloacibacterium (r = 0,961), Propionibacterium (r = 0,665), Collinsella (r = 0,665), Porphyromonas (r = 0,647) und Staphylococcaceae (r = 0,632; alle P < 0,05). Der Shannon-Index (r = 0,591) und der Simpson-Index (r = 0,680) hingen in der OA-Gruppe mit der Zahl der Mastzellen im Stroma zusammen; der Text nennt das eine „negative Korrelation“, obwohl die Koeffizienten positiv sind. Die Richtung ist deshalb nicht verlässlich lesbar. Die Autoren entwerfen daraus einen „Teufelskreis“, der von einem Infektionserreger ausgeht; das ist ihre Hypothese, kein Befund. Die Studie erhielt nach Angabe keine Förderung. *Einordnung:* Die Zahl der Korrelationen ist hoch, die Gruppen sind klein (21 und 12), und eine Korrektur für multiples Testen wird für die Korrelationen nicht erwähnt.

**Faniev et al. 2025, Hodenflora und Ergebnis der assistierten Reproduktion [s046].** Die Arbeit (Experimentelle und klinische Urologie 18(3):88–97; Titel: „Сравнительный анализ микробиоты уретры и яичек у пациентов с обструктивной азооспермией с результатами вспомогательных репродуктивных технологий“, deutsch: Vergleichende Analyse der Mikrobiota von Harnröhre und Hoden bei obstruktiver Azoospermie mit Ergebnissen der assistierten Reproduktionstechnologien) analysierte 24 Männer mit OA, die von 2020 bis 2022 eine assistierte Reproduktion durchliefen. Als Erfolg galt eine eingetretene Schwangerschaft: 13 Männer (Gruppe ART+), bei 11 trat keine ein (ART−). Eingeschlossen wurden Männer ohne beidseitige Hodenschäden, ohne Antibiotika in den letzten drei Monaten und ohne sonografisch bestätigte Varikozele; es galten dieselben Ausschlusskriterien wie oben. Proben waren Harnröhrenabstriche und mikrochirurgisch gewonnenes Gewebe aus dem Hodenparenchym.

Im Hoden herrschten die Familien Enterobacteriaceae und Burkholderiaceae vor, in der Harnröhre Mycobacteriaceae, Staphylococcaceae, Lactobacillaceae und Peptoniphilaceae. Die Alpha-Diversität unterschied sich zwischen ART− und ART+ nicht signifikant. Tabelle 1 der Arbeit gibt (Mittelwert ± Standardabweichung, ART− gegenüber ART+): im Hoden phylogenetische Diversität 40,4 ± 60,4 gegenüber 42,0 ± 44,4, Simpson 0,88 ± 0,11 gegenüber 0,86 ± 0,10, Shannon 4,7 ± 1,7 gegenüber 4,1 ± 1,2; in der Harnröhre 114,9 ± 173,8 gegenüber 13,9 ± 10,1, Simpson 0,81 ± 0,14 gegenüber 0,83 ± 0,14, Shannon 3,9 ± 1,9 gegenüber 3,6 ± 1,1; ein weiterer, in der Tabelle als „ADV-Index“ bezeichneter Wert lag im Hoden bei 126,3 ± 106,9 gegenüber 73,0 ± 60,3 und in der Harnröhre bei 175,0 ± 251,1 gegenüber 44,5 ± 20,2. Die Standardabweichungen sind teilweise größer als die Mittelwerte. Im Hodengewebe waren bei ART− 19 Familien relativ häufiger und 2 seltener (Mycobacteriales und Legionellaceae; Kruskal-Wallis, P < 0,05); in der Harnröhre waren 5 Familien seltener. Die Spearman-Korrelationen mit Hormonen betrafen viele Familien; für Inhibin B nennt Tabelle 2 beispielsweise Oscillospiraceae (ρ = 0,563), Enterobacteriaceae_A (0,537), Beijerinckiaceae (0,501) und Bacteroidaceae (0,458; mit FSH −0,387), für FSH Porphyromonadaceae (0,659). Bei der Harnröhre war etwa Staphylococcaceae mit FSH positiv (0,435) und mit Inhibin B negativ (−0,433) verbunden. Die Autoren sprechen von einer möglichen „Mikrobiota der Fruchtbarkeit der Hoden“ und halten es für denkbar, dass eine Korrektur der Mikrobiota zu einer Strategie für bessere Ergebnisse der assistierten Reproduktion werden könnte, auch für Spermienauswahl und Kryokonservierung. Das sind Aussagen der Autoren und keine Empfehlung dieses Kapitels. *Einordnung:* 24 Männer in zwei Gruppen von 13 und 11, keine Korrektur für Störgrößen im verfügbaren Text, eine Vielzahl ungeordneter Einzelkorrelationen; ein Zusammenhang zwischen Hodenflora und Schwangerschaft ist damit eine Hypothese, kein Befund. Die drei Arbeiten (2018 bis 2022) stammen aus denselben Zentren mit überlappenden Zeiträumen; dass Patienten mehrfach eingehen, ist nicht ausgeschlossen, und die Arbeiten sind nicht als unabhängige Bestätigungen zu lesen.

**Internationale Arbeiten im russischen Dokument.** Das russische Dokument ergänzt die Gruppe um internationale Daten, die in anderen Kapiteln behandelt werden: Baud et al. [s101], Cao et al. [s066] (siehe Chinesisch), Osadchiy et al. [s056], die Probiotika-Metaanalyse [s020] mit ihrem Auswahlschema (471 Treffer, 21 Dubletten, 450 geprüfte Datensätze, 11 Volltexte, 4 eingeschlossene Studien; Dosen 10⁹ bis 10¹¹ KbE; Dauer 10 Wochen bis 6 Monate) und die Übersichten von Magill und MacDonald [s071] und Kaltsas et al. [s009]. Wichtig ist die pilotartige griechische Studie von Vougiouklaki et al. 2026 (80 Samenproben, davon 48 normozoosperm und 32 auffällig; Sequenzierung des vollständigen 16S-rRNA-Gens und der ITS-Region mit Nanopore): In den normozoospermen Proben dominierte das Phylum Bacillota mit 64,13 %, in den auffälligen nur mit 2,32 %, dafür mit mehr Campylobacterota (10,82 %); in keiner Probe fand sich Pilz-DNA [s026]. Die Studie von Ömür et al. zu Rinderspermien wird im türkischen Abschnitt behandelt [s019]. Eine populärwissenschaftliche russische Zusammenfassung der Studie von Osadchiy (Biocodex Microbiota Institute) diente nur zur Bestätigung der Zahlen 9,4 % gegenüber 2,6 % und ist kein Beleg [s048].

**Regionale Besonderheiten.** (1) Forschungsgegenstand ist das Hodengewebe, gewonnen bei Micro-TESE im Rahmen von Kinderwunschbehandlungen (Moskau, Kasan, Krasnodar), weil dort invasiv gewonnenes Material anfällt; die Kontamination durch Harnröhre und Haut ist geringer als beim Ejakulat, aber nicht null. (2) Als Kontrollen dienen Männer mit Vaterschaft und Hodenbiopsie wegen Tumorausschluss [s061], nicht gesunde Freiwillige. (3) Ein Harnröhrenabstrich dient als Methodenkontrolle [s062, s060]; Negativkontrollen für Reagenzien wurden in den ausgewerteten Texten nicht beschrieben.

**Widersprüche.** *Prevotella:* In [s062] wurde ein unbestimmter Prevotella-Vertreter bei NOA seltener gefunden als bei OA und als bei Fertilen; in [s060] und [s061] war Prevotella bei NOA häufiger und bei OA selten. International wird Prevotella meist mit schlechteren Samenwerten verbunden [s101, s066]. Wie sich das erklärt (unterschiedliche Patienten, Gruppendefinitionen mit und ohne Varikozele, andere Analysen), geht aus den Texten nicht hervor. *Vielfalt:* Verarmte Vielfalt bei Azoospermie [s062, s061] steht neben dem Befund, dass bei NOA die Hoden ein quantitativ und qualitativ vielfältigeres Spektrum haben als bei OA [s060] und dass sich bei ART+ und ART− die Alpha-Diversität nicht unterscheidet [s046]. Dazu passt, dass die Vergleichsgruppe jeweils wechselt (Fertile, OA oder NOA mit Varikozele). *Normwert:* Was als „normale“ Mikrobiota gilt, unterscheidet sich zwischen Hodengewebe [s062] und Ejakulat [s026, s066].

**Grenzen und offene Fragen.** Kleine Gruppen (9 bis 29 Männer), ein einziges Forschungsumfeld, keine Randomisierung (es gibt keine Intervention), Korrelationen ohne erkennbare Kontrolle für Störgrößen und zum Teil unklare Vorzeichen. Offen sind laut den Autoren: ob die Hodenflora Ursache, Folge oder Begleiter der Spermatogenesestörung ist, ob sie den Erfolg der Spermiengewinnung oder der assistierten Reproduktion vorhersagt, welche Rolle Mastzellen spielen und ob die Befunde in unabhängigen Zentren reproduzierbar sind. Das Ergebnis für den Raum: ein origineller, aber enger Beitrag zur Hodenflora bei Azoospermie, kein Beitrag zum Ejakulat-Mikrobiom bei leichteren Störungen und keiner zu Probiotika.

### Arabisch

**Abgrenzung: Was „arabischer Sprachraum“ hier bedeutet.** Die kostenpflichtigen arabischen Datenbanken (Al Manhal, Arab World Research Source) wurden nicht ausgewertet, und zwei Seiten arabischer Zeitschriften (irakisches IASJ, ägyptisches EKB) ließen sich wegen eines Verbindungsfehlers nicht laden. Eine Websuche mit arabischen Begriffen lieferte überwiegend englische PubMed-Arbeiten und einen arabischsprachigen Presseartikel. Die Evidenz dieses Abschnitts besteht deshalb aus **englischsprachig indizierten Arbeiten aus der Region**, und diese Region ist zum größten Teil **nicht arabisch**: Die Mehrzahl der Studien stammt aus dem Iran (Qom, Shiraz, Kerman, Bandar Abbas, Teheran, Yazd, Isfahan), hinzu kommt eine ägyptische Studie [s074]. Menschliche Primärdaten zum Samenmikrobiom aus Saudi-Arabien, dem Irak, den Golfstaaten oder der Levante wurden nicht gefunden; Treffer aus diesen Ländern waren Tier- oder Vaginalstudien. In der Metaanalyse zu Mycoplasma hominis gehen allerdings Studien aus Tunesien (2), Jordanien (1) und Kuwait (1) ein [s002]. Eine arabischsprachige Primärstudie wurde in keinem Fall zitiert. Das ist eine Lücke der Suche, nicht der Welt.

**Das methodische Grundmuster der Region.** Anders als in China (Sequenzierung) und Russland (Hodengewebe) dominieren hier **Kultur und PCR auf bekannte Erreger** an Ejakulat von Paaren mit Kinderwunsch. Gefragt wird nicht, wie die Gemeinschaft insgesamt aussieht, sondern ob ein bestimmter Erreger vorliegt und die Spermienwerte verändert. Das erklärt, warum hier Staphylococcus aureus, Escherichia coli und Enterococcus faecalis (Kultur) bzw. Ureaplasma, Chlamydia und Mycoplasma (PCR) im Vordergrund stehen.

#### Infektionsstudien im Einzelnen

**Berjis et al. 2018, Qom, Iran [s105].** *Originaltitel:* Seminal infection among infertile males in Qom, Iran. 150 unfruchtbare Männer mit auffälligen Samenparametern wurden mit 150 gesunden fertilen Männern (Vaterschaft in den letzten drei Jahren; normaler Karyotyp, keine anatomischen Probleme) verglichen; mediane Dauer der Unfruchtbarkeit 3,75 Jahre (3 bis 7). Das Ejakulat wurde auf Agar und Eosin-Methylenblau-Platten kultiviert (über Nacht bei 37 °C mit 5 % CO₂), die Keime über Gramfärbung, Katalase und Koagulase bestimmt. 63 der 150 unfruchtbaren Männer (21 %) hatten ein positives Ergebnis. Unter den 63 Isolaten waren Staphylococcus aureus 39 (61,9 %), koagulasenegative Staphylokokken 9 (14,28 %), Streptokokken 9 (14,28 %) und Escherichia coli 6 (9,52 %). Die Kontrollen hatten Volumen 4,08 ± 0,45 ml, Konzentration 45,56 ± 11,65 × 10⁶/ml, Motilität 56,66 ± 8,49 % und normale Morphologie 18,46 ± 4,89 %; unfruchtbare Männer mit Bakterien lagen bei 3,14 ± 0,39 ml, 32,21 ± 8,41 × 10⁶/ml, 54,32 ± 4,71 % und 16,25 ± 3,08 %. Verglichen mit den Kontrollen waren Konzentration (P = 0,032) und Volumen (P = 0,003) signifikant niedriger, Morphologie (P = 0,621) und Motilität (P = 0,492) nicht. Nach Erregern getrennt senkten laut Abstract alle nachgewiesenen Bakterien außer Streptokokken die Konzentration, Escherichia coli und Staphylococcus aureus die normale Morphologie, und die Motilität war nur bei Escherichia-coli-Proben signifikant niedriger. Die Anzahl der Keimträger in der Kontrollgruppe wird nicht beziffert. Eine formale Liste von Einschränkungen enthält die Arbeit nicht; die Autoren sagen, die klinische Bedeutung von Bakterien im Samen bleibe unklar und der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang sei weiter umstritten.

**Eini et al. 2021, Bandar Abbas, Iran [s088].** *Originaltitel:* Effect of bacterial infection on sperm quality and DNA fragmentation in subfertile men with leukocytospermia. Die Studie (Oktober 2018 bis Januar 2020, Fertilitätszentrum eines Krankenhauses der Maximalversorgung) umfasste 172 subfertile Männer und 35 fertile Kontrollen. Aufgenommen wurden Männer von Paaren mit mehr als einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch und mindestens einem Samenparameter unter dem WHO-Referenzwert (2010), mit Leukozytenzahl ≥ 1 × 10⁶/ml oder mit Hinweis auf Infektion; Leukozytospermie war definiert als mehr als 1 × 10⁶ polymorphkernige Zellen je ml. Bei 60 der 172 Männer (34,88 %) war die Kultur mit einer Bakterienart positiv, bei weiteren 6 (3,48 %) mit mehreren Arten; die Artenanteile der 60 Einzelisolate waren Enterococcus faecalis 25 % (15), Streptococcus agalactiae 16,66 % (10), Escherichia coli 16,66 % (10), Staphylococcus haemolyticus 11,66 % (7), Staphylococcus aureus 8,33 % (5), Proteus 6,66 % (4) und Klebsiella pneumoniae 5 % (3). Infizierte gegen nicht infizierte subfertile Männer: Konzentration 24,84 ± 15,93 gegenüber 33,04 ± 11,60 × 10⁶/ml, Motilität 24,04 ± 11,82 gegenüber 31,71 ± 11,09 %, Morphologie 1,75 ± 1,13 gegenüber 2,83 ± 1,32 %, Vitalität 55,91 ± 13,56 gegenüber 67,67 ± 16,62 %, DNA-Fragmentierung 42,21 ± 19,31 gegenüber 23,50 ± 12,81 % und Leukozyten 5,42 ± 5,49 gegenüber 4,12 ± 3,80 × 10⁶/ml (alle Unterschiede mit P < 0,05, bei Motilität, Morphologie und Leukozyten teilweise P < 0,01). DNA-Fragmentierung und Leukozytenzahl hingen mit R² = 0,23 zusammen (P < 0,0001). Als Einschränkungen nennen die Autoren mögliche Verunreinigung durch Hand- oder Penishautflora, die Unfähigkeit der Routinekultur, Chlamydia trachomatis, Mykoplasmen und Ureaplasmen zu erfassen, und zu kleine Proben für weitere Messungen (ROS, PCR). Hier zeigt sich eine große Differenz der DNA-Fragmentierung (rund 19 Prozentpunkte); sie ist eine Assoziation, nicht der Nachweis, dass die Bakterien sie verursachen, und die Leukozytenzahl ist ein naheliegender gemeinsamer Faktor.

**Asgari et al. 2025, Shiraz, Iran [s034].** *Originaltitel:* Ureaplasma urealyticum and Enterococcus faecalis in seminal fluid, Shiraz, Iran. In dieser PCR-Studie wurden 80 unfruchtbare und 80 fertile Männer verglichen (nur Abstract zugänglich). Die Bakteriospermie war bei Unfruchtbaren häufiger (P < 0,05); am häufigsten war Ureaplasma urealyticum (7,5 %; P < 0,05) vor Enterococcus faecalis (6,25 %; P > 0,05); Streptococcus agalactiae fand sich in keiner auffälligen Probe. Ureaplasma urealyticum beeinflusste Motilität und Morphologie signifikant, Enterococcus faecalis und Streptococcus agalactiae nicht. Das Volumen unterschied sich nicht, wohl aber Morphologie, Konzentration und Gesamtmotilität zwischen den Gruppen (P < 0,001).

**Heidari Pebdeni et al. 2021, Kerman, Iran [s090].** *Originaltitel:* Bacteriospermia and its association with seminal parameters. 200 Proben (100 unfruchtbare, 100 fertile Männer), PCR auf Ureaplasma-Arten, Ureaplasma urealyticum, Ureaplasma parvum, Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium und Chlamydia trachomatis. 61 % der Proben (122 von 200) waren positiv. Chlamydia trachomatis fand sich bei 9 unfruchtbaren und 0 fertilen Männern (P < 0,001), Mycoplasma genitalium bei 14 gegenüber 2 (P < 0,001); Mycoplasma hominis bei 7 unfruchtbaren und 16 fertilen Männern (P = 0,07), Ureaplasma-Arten bei 41 gegenüber 33 (P = 0,31), Ureaplasma parvum bei 24 gegenüber 16 (P = 0,22) und Ureaplasma urealyticum bei 2 gegenüber 3. Die Unfruchtbaren hatten im Mittel niedrigere Werte: Volumen 2,74 ± 1,42 gegenüber 3,69 ± 1,88 ml, Konzentration 51,98 ± 47,37 gegenüber 65,55 ± 30,39 × 10⁶/ml (P = 0,01), Vitalität 44,04 ± 18,64 gegenüber 73,14 ± 10,07 %, progressive Motilität 16,93 ± 11,50 gegenüber 45,81 ± 15,05 %. Innerhalb der Unfruchtbaren war die progressive Motilität bei Mycoplasma genitalium (22 gegenüber 33 %; P = 0,04) und Chlamydia trachomatis (15,67 gegenüber 32,27 %; P = 0,03) niedriger, bei Chlamydia trachomatis auch die Vitalität (22 gegenüber 63,5 %; P = 0,03); bei Mycoplasma hominis war das Volumen kleiner (2,8 gegenüber 3,27 ml; P = 0,03) und bei Ureaplasma parvum der Anteil normaler Formen (67,5 gegenüber 84,7 %; P = 0,02). In der logistischen Regression ergab sich für Mycoplasma genitalium ein Odds Ratio von 8,064 (95-%-KI 1,7 bis 37; P < 0,001) und für Chlamydia trachomatis 16,027 (95-%-KI 1,67 bis 153.179; P = 0,01). Das Konfidenzintervall der Chlamydien-Schätzung ist extrem breit, weil es 0 fertile Träger gab; die Zahl zeigt eine Richtung, aber keinen verwertbaren Punktschätzer. Auffällig ist außerdem das Odds Ratio von **0,274** (95-%-KI 0,090 bis 0,932; P = 0,02) für Mycoplasma hominis: Es liegt in der **schützenden** Richtung, weil der Erreger bei den fertilen Kontrollen häufiger war. Das widerspricht dem Bild aus der Metaanalyse [s002] und der Studie von Dehghan [s076]. Die Autoren nennen als Einschränkung, dass die Keimlast nicht bestimmt wurde. Die Autoren empfehlen, Chlamydia trachomatis und Mycoplasma genitalium bei der Abklärung zu berücksichtigen; das ist ihre Aussage.

**Dehghan et al. 2022, Iran [s076].** *Originaltitel:* Effects of CT, MH and UU loads on semen. 130 Samenproben (unfruchtbar und fertil; mittleres Alter 35,2 ± 6,8 Jahre), quantitative Echtzeit-PCR. Die Häufigkeit von Chlamydia trachomatis, Mycoplasma hominis und Ureaplasma urealyticum betrug bei Unfruchtbaren gegenüber Fertilen 9,2 % gegenüber 3,1 %, 15,4 % gegenüber 3,1 % und 15,4 % gegenüber 3,1 %. Die mittleren Keimlasten bei Unfruchtbaren lagen bei 6,44 log₁₀ Kopien/ml (Bereich 5,31 bis 7) für Chlamydia trachomatis, 4,24 (3,37 bis 4,7) für Mycoplasma hominis und 6,94 (5,08 bis 8,69) für Ureaplasma urealyticum und waren signifikant höher als bei Fertilen. Die Lasten von Chlamydia trachomatis und Ureaplasma urealyticum hingen mit Samenparametern zusammen, die von Mycoplasma hominis nur mit Motilität, Morphologie und Leukozytenzahl. Die Autoren schließen, dass fehlende klinische Zeichen nichts über die Samenqualität aussagen.

**Shash et al. 2023, Kairo, Ägypten [s074].** *Originaltitel:* Bacteriospermia and semen parameters among infertile Egyptian men. Die prospektive Fall-Kontroll-Studie (Juni 2021 bis Februar 2022, Andrologie-Ambulanz der Cairo-Universitätskliniken) verglich 34 Samenproben mit Bakterien und 34 ohne. Einschluss: Männer von 20 bis 50 Jahren mit Partnerinnen unter 30 Jahren mit regelmäßigem Zyklus und normalem Hormonprofil; ausgeschlossen wurden Varikozele, genetische und endokrine Störungen, Hodenversagen, erektile Dysfunktion, Raucher und Antibiotika-Anwender. Kultur auf Blut- und MacConkey-Agar innerhalb von drei Stunden; als signifikant galten Isolate mit über 10³ KbE/ml, die Empfindlichkeit wurde nach Kirby-Bauer geprüft. Gruppe mit Bakterien gegen Kontrollen: progressive Motilität 8,24 ± 9,45 gegenüber 16,91 ± 10,87 % (P = 0,001), nichtprogressive 26,32 ± 15,54 gegenüber 34,12 ± 13,68 % (P = 0,032), Gesamtmotilität 34,56 ± 20,61 gegenüber 51,03 ± 17,96 % (P = 0,001), normale Formen 27,44 ± 21,23 gegenüber 40,44 ± 10,69 % (P = 0,002); Volumen (2,90 gegenüber 3,10 ml; P = 0,278) und Gesamtzahl (53,43 gegenüber 52,21 × 10⁶; P = 0,894) unterschieden sich nicht. Ein auffälliger Befund lag bei 64,71 % gegenüber 35,29 % vor (P = 0,015). Die Isolate waren Staphylococcus aureus 67,6 %, Escherichia coli 14,7 %, Klebsiella 11,8 % und Enterococcus faecalis 5,9 %. 78,3 % der Staphylococcus-aureus-Isolate waren methicillinresistent (MRSA); die Empfindlichkeit betrug für Linezolid 95,7 %, Cotrimoxazol und Doxycyclin 78,3 %, Gentamicin 65,2 %, Ciprofloxacin, Levofloxacin und Ofloxacin 60,9 %, Clindamycin 47,8 %, Penicillin und Cefoxitin 21,7 % und Erythromycin 17,4 %. MRSA war mit niedrigerer progressiver Motilität (P = 0,018) und weniger normalen Formen (P = 0,043) gegenüber den Kontrollen verbunden. Die Autoren nennen die kleine Stichprobe und das Fehlen einer Kontrollgruppe für die DNA-Fragmentierungsanalyse; Ureaplasma, Mykoplasmen und Chlamydia trachomatis wurden nicht untersucht, und es gibt keine Verlaufsdaten nach Behandlung. Die Resistenzzahlen beschreiben nur diese 34 Proben und sind keine Behandlungsgrundlage.

**Weitere regionale Studien.** Das arabische Dokument führt auch eine marokkanische Studie mit 2.371 Samenproben unfruchtbarer Männer zu Chlamydia trachomatis und eine türkische Sequenzierstudie an adipösen Männern auf; beide sind in der Master-Quellenliste nicht geführt und werden deshalb hier nicht ausgewertet.

#### Metaanalysen mit regionaler Aussage

**Mycoplasma hominis, Boujemaa et al. 2026 [s002].** *Originaltitel:* Impact of Mycoplasma hominis on sperm quality. Die Metaanalyse (Health Science Reports; Datenbanken bis 31. Oktober 2025; 1.138 Treffer, nach Entfernung von Dubletten und Screening 168, 11 eingeschlossen) umfasste 20.797 unfruchtbare Männer, von denen 881 (4,23 %) Mycoplasma hominis trugen. Länder: China (3 Studien), Tunesien (2), Jordanien, Kuwait, Korea, Brasilien, Argentinien, Indien (je 1). Die gepoolten SMD (95-%-KI; I²) waren: Konzentration −0,815 (−1,314 bis −0,317; P = 0,001; 94 %), progressive Motilität −0,360 (−0,683 bis −0,037; P = 0,03; 82 %), Vitalität −0,831 (−1,410 bis −0,253; P = 0,005; 85 %), normale Morphologie −0,631 (−1,178 bis −0,083; P = 0,02; 92 %), pH-Wert +0,586 (0,167 bis 1,006; P = 0,006; 72 %); nicht signifikant waren Volumen (−0,083), Gesamtzahl beweglicher Spermien (−0,294) und Leukozytenkonzentration (+0,130). Für die **regionalen Unterschiede** ist wichtig: Bei der Konzentration lag der Effekt in Asien (7 Studien) bei SMD −0,131 (P = 0,01; I² 61 %), in Afrika (2 Studien) bei −2,809 (P < 0,001; I² 98 %) und in Südamerika (2 Studien) bei −0,089 (P = 0,59; I² 0 %); der Unterschied zwischen den Gruppen war signifikant (P < 0,001). Nach Nachweisverfahren: PCR (7 Studien) −1,213 (P = 0,03; I² 95 %), Kultur (3 Studien) −0,342 (P = 0,12; I² 77 %), Hybridisierung (1 Studie) −0,142; Unterschied zwischen den Gruppen P < 0,001. Kohortenstudien (8) ergaben −1,016 (P = 0,002), Querschnittsstudien (3) −0,190 (P = 0,42; Unterschied P = 0,04). Die Qualität (Newcastle-Ottawa) war bei 3 Studien gut und bei 8 mäßig; der Egger-Test ergab P = 0,10. Die Autoren nennen die erhebliche Heterogenität, das Beobachtungsdesign, kleine Stichproben, Koinfektionen und unterschiedliche WHO-Ausgaben und Antibiotikaexposition. Der „Afrika“-Wert beruht auf nur zwei Studien mit I² 98 % und ist keine regionale Aussage; Region, Verfahren und Studiendesign sind hier nicht voneinander zu trennen.

**Genitale Infektionen insgesamt, Campbell et al. 2026 [s004].** *Originaltitel:* Impact of male genital tract infections on semen quality. Die Metaanalyse (Fertility and Sterility; PubMed, Web of Science, Embase) schloss 51 Studien in die qualitative und 35 in die quantitative Auswertung ein. Gepoolt waren niedriger: Volumen (mittlere Differenz −0,37 ml; 95-%-KI −0,64 bis −0,09), Konzentration (−6,65 Mio/ml; −11,17 bis −2,14; I² 90 %), progressive Motilität (−5,93 Prozentpunkte; −9,07 bis −2,78), Gesamtzahl (−47,15 Mio; −91,42 bis −2,88) und Morphologie (−0,76 Prozentpunkte; −1,19 bis −0,33). Gesamtmotilität, Vitalität und DNA-Fragmentierungsindex unterschieden sich nicht signifikant. HPV-Infektion war mit einer erhöhten Prävalenz von Spermien-Antikörpern verbunden (Odds Ratio 10,63; 1,49 bis 75,93), Hepatitis B mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko; Schwangerschafts- und Lebendgeburtsraten unterschieden sich überwiegend nicht, die ART-Ergebnisse waren begrenzt und nicht signifikant. Die Heterogenität war in allen Ergebnissen erheblich; Effekte zeigten sich vor allem bei unfruchtbaren Populationen. Hier sind die Effekte klein bis mäßig und die Intervalle zum Teil breit.

#### Probiotika-Studien der Region

**Gholipour et al. 2026 [s007].** *Originaltitel:* Probiotics Outperform Antioxidants in Improving Semen Parameters of Men with Idiopathic Oligoasthenoteratozoospermia: A Randomized Controlled Trial. In dieser dreifach verblindeten, randomisierten, placebokontrollierten Studie in zwei iranischen Zentren (Yazd 63 Männer, Isfahan 47; Juli 2021 bis April 2022) erhielten 110 Männer unter 45 Jahren mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie (Konzentration < 15 × 10⁶/ml, normale Morphologie < 4 %, Motilität A+B+C < 40 %; mittleres Alter 34,3 ± 4,5 Jahre) drei Monate lang entweder das Probiotikum Familact (zwei Kapseln täglich; Lactobacillus casei, L. rhamnosus, L. acidophilus, L. bulgaricus, Streptococcus thermophilus, Bifidobacterium longum, B. breve; KbE im Manuskript nicht genannt), das Antioxidans-Präparat Sperigen (B-Vitamine, Vitamin A, C, E, Selen, Zink, Glutathion, L-Carnitin, L-Arginin, Coenzym Q10 u. a.) oder Placebo. Die Gruppen umfassten 38 (Antioxidans), 35 (Probiotikum) und 37 (Placebo) Männer. Die Compliance betrug 94,9 %, 97,2 % und 92,7 % (Placebo, Probiotikum, Antioxidans). Die angepassten Mittelwerte (± Standardfehler) nach drei Monaten lagen für Antioxidans, Probiotikum und Placebo bei: Konzentration 8,55 ± 1,07, 10,42 ± 1,11 und 4,91 ± 1,08 × 10⁶/ml (Ausgangswert Probiotikum 5,13 ± 0,52), Motilität 26,58 ± 3,58, 46,65 ± 3,73 und 22,75 ± 3,67 % (Ausgang 23,54 ± 2,08), Morphologie 2,21 ± 0,20, 4,31 ± 0,21 und 1,52 ± 0,20 % (Ausgang 1,60 ± 0,15), Volumen 4,09, 4,11 und 3,60 ml. Die Wechselwirkungen von Zeit und Gruppe waren für Konzentration P = 0,003, Motilität P < 0,001 und Morphologie P < 0,001, für das Volumen P = 0,71. Die im Abstract genannten Zahlen (10,42; 46,65; 4,31) sind also **Gruppenmittelwerte nach drei Monaten, keine Differenzen**; die Probiotika-Gruppe lag bei Motilität (P = 0,009) und Morphologie (P < 0,001) über der Antioxidans-Gruppe. Ein Teilnehmer der Probiotika-Gruppe brach wegen Blähungen ab. Schwangerschaften wurden nicht erfasst. Die Autoren nennen die kurze Dauer, nicht erfasste Hormone, DNA-Fragmentierung und antioxidative Kapazität, keine Daten zu Fruchtbarkeitsraten oder Erfolg assistierter Verfahren und zur Dauer der Wirkung nach Absetzen sowie begrenzte Übertragbarkeit auf andere Produkte. Einordnung: Die Ausgangskonzentration war sehr niedrig (rund 5 Mio/ml), die absoluten Werte nach Behandlung bleiben weit unter dem Referenzbereich der WHO; der Studie fehlt eine Aussage zu Schwangerschaft.

**Asadi et al. 2023 [s064].** *Originaltitel:* Effects of probiotic supplementation on semen parameters after varicocelectomy: a randomized controlled trial. Diese doppelblinde, randomisierte Studie schloss 78 Männer nach mikrochirurgischer subinguinaler Varikozelenoperation (links) ein (90 aufgenommen, 9 zogen sich zurück, 3 gingen verloren; 38 Probiotikum, 40 Placebo). Die Randomisierung erfolgte einfach per Tabellenkalkulation mit geraden und ungeraden Zufallszahlen, die Zuteilung wurde mit verschlossenen Umschlägen verborgen, das Placebo glich FamiLact in Form und Farbe. Zwei Kapseln täglich über drei Monate enthielten L. rhamnosus, L. casei, L. bulgaricus, L. acidophilus, B. breve, B. longum und S. thermophilus mit 10⁹ KbE je Kapsel plus Fructooligosaccharid. Ausgangswerte (Placebo gegen Probiotikum): Volumen 3,3 gegenüber 3,0 ml, Konzentration 18,0 gegenüber 16,3 × 10⁶/ml, Motilität 28,2 gegenüber 27,7 %, normale Morphologie 8,0 gegenüber 9,0 %. Nach drei Monaten: Konzentration 21,1 (Placebo) gegenüber 33,7 × 10⁶/ml (Probiotikum; P = 0,046), normale Morphologie 12,0 gegenüber 15,0 % (P = 0,016), Motilität 34,2 gegenüber 43,0 % (P = 0,177), Volumen 3,4 gegenüber 3,9 ml (P = 0,897). DNA-Fragmentierung wurde nicht gemessen, eine Schwangerschaft nicht erfasst. Ein Teilnehmer brach wegen Blähungen ab. Die Autoren nennen fehlende Hormon-, DNA-Fragmentierungs- und Antioxidans-Messungen, die kurze Dauer und die fehlende Übertragbarkeit auf andere Produkte. Bemerkenswert ist, dass diese Studie bei der Motilität **keinen** signifikanten Unterschied fand, die Studie von Gholipour dagegen schon; die Populationen unterscheiden sich (nach Varikozelen-Operation gegenüber idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie).

**Helli et al. 2022 und die Rückziehung [s079, s021].** *Originaltitel:* Probiotic effects on sperm parameters, oxidative stress index, inflammatory factors and sex hormones in infertile men (RETRACTED 2026). Die doppelblinde Studie mit 52 Männern (26 je Gruppe; 500 mg Probiotikum täglich über zehn Wochen) berichtete höheres Volumen, höhere Zahl, Konzentration und Motilität sowie höhere antioxidative Kapazität und niedrigeres Malondialdehyd und Entzündungsmarker. Die Zeitschrift Human Fertility hat die Arbeit zurückgezogen [s021]; den Grund konnte die Recherche nicht ermitteln, der Text der Rückzugserklärung war nicht abrufbar. Wegen der Rückziehung wird die Studie hier nicht als Beleg verwendet; sie geht jedoch in die Probiotika-Metaanalyse [s020] ein (siehe das Kapitel zu den Metaanalysen). Eine weitere iranische Studie mit demselben Produkt, Abbasi et al. 2021 (dreifach verblindet, 56 Männer, FamiLact) [s085], und die synbiotische Studie von Zarehoroki et al. 2026 (doppelblind, 73 Männer) [s028] werden in den Kapiteln zu Interventionsstudien behandelt.

**Regionale Besonderheit der Probiotika-Evidenz.** Gholipour, Asadi, Abbasi, Helli und Zarehoroki sind iranische Studien [s007, s064, s085, s079, s028]. Gholipour und Asadi teilen mindestens zwei Autoren (Gholipour, Rahavian), und FamiLact wurde in drei Studien eingesetzt [s064, s007, s085]. Die Ergebnisse stammen also aus einem engen Umfeld und überwiegend aus einem einzigen Produkt, und eine unabhängige Wiederholung außerhalb dieses Umfelds liegt nicht vor.

#### Internationale Arbeiten im arabischen Dokument

Das Dokument nutzt zusätzlich internationale Beobachtungs- und Tierstudien, die in anderen Kapiteln besprochen werden: Lundy [s092], Baud [s101, s047], Garcia-Segura [s077], Yang [s099], Campbell 2023 [s065] und Altmäe et al. [s100]. Aus der Paar- und ART-Perspektive nennt es Koort et al.: 97 Paare mit assistierter Reproduktion und 12 gesunde Paare; die ART-Erfolgsrate betrug 53 % bei 15 Paaren mit günstigem Mikrobiom bei beiden Partnern gegenüber 25 % bei den übrigen (P = 0,023; nur Abstract) [s070]; Amato et al.: 23 Paare, Erfolg der intrauterinen Insemination mit vaginaler Lactobacillus-crispatus-Dominanz verbunden (P = 0,0002), keine wesentlichen Unterschiede im Samenmikrobiom [s095]; Mändar et al.: bei 21 Prostatitis-Patienten gegenüber 46 Gesunden waren Laktobazillen bei Gesunden zahlreicher (P = 0,05) [s110] und bei 68 jungen Männern waren Keimdichte und Vielfalt vor dem ersten Geschlechtsverkehr niedriger (P < 0,05; r = 0,54) [s107]. Aus Tiermodellen: Stuhltransplantation hochfetthaltig gefütterter Mäuse verschlechterte Spermatogenese und Motilität [s097]; eine mikrobiomverbessernde Stuhltransplantation hob in fettreich ernährten Mäusen Konzentration (286,1 ± 14,1 gegenüber 217,9 ± 17,4 × 10⁶/ml), Motilität (40,1 ± 0,7 gegenüber 29,0 ± 0,9 %) und Trächtigkeitsrate (87,4 ± 1,1 gegenüber 70,2 ± 6,1 %) [s078]; bei Mäusen mit Triptolid-bedingter Hodenschädigung stellten Spermin, die Übertragung von Mikrobiota oder Parabacteroides distasonis die Hodenfunktion wieder her [s094]; Lactobacillus plantarum TW1-1 schwächte den Phthalat-bedingten Hodenschaden bei Mäusen ab [s103]; und bei Ratten hemmte der vaginale Lactobacillus crispatus Spermienaktivität in vitro und senkte Schwangerschaftsraten [s091]. Bei Regenbogenforellen (48 Männchen, acht Wochen) lagen die höchsten Konzentrations- und Motilitätswerte bei der mittleren Dosis (2 × 10⁹ KbE/kg Futter), nicht bei der höchsten [s063]. Das sind Hinweise auf nichtlineare Dosiswirkungen im Fischmodell und keine Aussage über Menschen.

#### Widersprüche, Grenzen, offene Fragen

*Widersprüche:* (1) Chlamydia trachomatis war in der großen Metaanalyse ohne Effekt auf die Samenparameter [s089], zeigte aber in der Kerman-Studie ein Odds Ratio von 16 [s090]. (2) Mycoplasma hominis senkt in der Metaanalyse Konzentration, Motilität, Vitalität und Morphologie [s002] und war bei Dehghan bei Unfruchtbaren häufiger (15,4 % gegenüber 3,1 %) [s076], in Kerman jedoch bei Fertilen häufiger (Odds Ratio 0,274) [s090]. (3) Enterococcus faecalis senkte die Motilität in der Metaanalyse [s089], zeigte aber in Shiraz keinen Effekt [s034]. (4) Das Probiotikum verbesserte die Motilität bei Gholipour [s007], nicht bei Asadi [s064]. (5) Kultur findet überwiegend Staphylococcus aureus und Escherichia coli [s074, s105], PCR findet Ureaplasma, Chlamydia und Mycoplasma [s034, s076, s090]; die Verschiedenheit der „regionalen“ Erregerspektren kann allein am Verfahren liegen. *Grenzen:* meist kleine, querschnittliche Studien (34 bis 200 Männer), uneinheitliche Definitionen von Bakteriospermie und Fertilität, teils nur Abstracts; die Probiotika-Studien sind kurz, messen Ersatzgrößen und nicht Schwangerschaft; Verunreinigung durch die Hautflora ist nicht auszuschließen. Daten zu Einflüssen wie Beschneidung, Ernährung oder kulturellen Faktoren in der Region liegen nicht vor. *Offen:* Primärdaten aus den Golfstaaten, dem Irak und der Levante; arabischsprachige Primärliteratur; ob Behandlung von Infektionen oder Probiotika die Schwangerschaftsrate verändert; welche Stämme, Dosen und Dauer maßgeblich wären; ob sich Befunde bei Verfahren mit Keimlast-Messung bestätigen. Das Ergebnis für den Raum: eine belastbare Linie von Infektionsstudien, die eher Hinweise liefern als Beweise, und eine Probiotika-Linie aus wenigen iranischen Studien.

### Türkisch

**Abgrenzung und Textgrundlage.** Gesucht wurde in PubMed und PubMed Central sowie mit türkischen Begriffen („seminal mikrobiyota“, „erkek infertilitesi“, „probiyotik“, „spermatozoa“, „mikrobiyom“) in DergiPark, TR Dizin, der Türk Üroloji Dergisi und Türkiye Klinikleri. Mehrere Quellen waren zum Abrufzeitpunkt nicht lesbar: der TR-Dizin-Eintrag (DNS-Fehler), das Repositorium der Medipol-Universität (HTTP 403), PubMed-Seiten (Cookie-Sperre) und einige PMC-Seiten (reCAPTCHA). In Türk Üroloji Dergisi und Türkiye Klinikleri wurde kein thematisch passender, öffnbarer Artikel gefunden. Aufgenommen wurden nur Quellen, deren Inhalt tatsächlich geöffnet wurde. Das Ergebnis: **Eine türkische Kohorte mit Sequenzierung des Samenmikrobioms, die geöffnet und geprüft werden konnte, gibt es in dieser Auswertung nicht.** Eigensprachige Beiträge sind zwei Übersichten auf DergiPark, dazu zwei türkische Studien zur Samenqualität im Allgemeinen und zwei türkische experimentelle Arbeiten an Tieren. Das Recherche-Dokument ist daher bewusst kürzer als das Zielvolumen und als „dünne Literaturlage“ markiert. Eine türkische Sequenzierstudie an adipösen Männern (Samsun) liegt im arabischen Recherche-Dokument vor, ist aber in der Master-Quellenliste nicht geführt und wird nicht ausgewertet. Eine türkische Kohorte mit 24.693 Männern (Andrologia), die nur als Suchtreffer erschien, wurde nicht geöffnet und nicht verwendet; ebenso eine Fallserie aus Istanbul zu Hodenbakterien (Seite nicht lesbar).

#### Türkische Studien zur Samenqualität (ohne Mikrobiom)

**Ulubay et al. 2022, Samsun [s083].** *Originaltitel:* The effect of aging on semen parameters in normozoospermic men: A cross-sectional study. Die retrospektive Querschnittsstudie wertete Daten aus dem Samsun Training and Research Hospital und dem Gazi Hospital in Samsun aus (Januar 2015 bis Juni 2020). Eingeschlossen waren 1.594 Männer mit normalem Spermiogramm bei Kinderwunsch-Abklärung; ausgeschlossen wurden Männer mit pathologischem Spermiogramm, Varikozele, Hodenhochstand oder Hodenhochstand-Operation, anderen Hodenoperationen und Einzelhoden. Die Männer wurden in drei Altersgruppen geteilt: 18 bis 29 Jahre (n = 629), 30 bis 39 Jahre (n = 775) und 40 bis 49 Jahre (n = 190). Die Mediane (Interquartilsbereich) betrugen, in dieser Reihenfolge der Gruppen, für das Volumen 3,1 (2,2 bis 4,1), 2,9 (2,2 bis 3,7) und 2,85 (2,2 bis 3,4) ml (P = 0,001), für die Gesamtzahl 253,9, 239,9 und 225,7 × 10⁶ (P < 0,001), für die Konzentration 82,13, 79,83 und 74,8 × 10⁶/ml (P = 0,003), für die normale Morphologie 17, 14 und 12 % (P < 0,001), für die Gesamtmotilität 58, 55 und 53 % (P < 0,001) und für die progressive Motilität 48, 44 und 41 % (P < 0,001); die nichtprogressive Motilität stieg von 10 über 10 auf 11 % (P = 0,014). Getestet wurde mit Kruskal-Wallis und Bonferroni-korrigierten Mann-Whitney-Tests; eine Regressionsanalyse gab es nicht. Die Autoren nennen als Grenzen das retrospektive Design und dass Rauchen, Infektionen, Hormonspiegel, Ernährung und chronischer Alkoholkonsum wegen fehlender Daten nicht berücksichtigt werden konnten. Ein Mikrobiom wurde nicht gemessen. Für dieses Kapitel ist die Studie nur als Hintergrund wichtig: Das Alter verändert Samenparameter messbar, und in Mikrobiomstudien kann es als Störgröße wirken.

**Kervancıoğlu et al. 2012, Bakırköy [s118].** *Originaltitel:* Results of 15 Years Semen Analysis in a Training Hospital Andrology Laboratory. Die retrospektive Auswertung aus dem Andrologie-Labor der Abteilung für Unfruchtbarkeit des Bakırköy Maternity and Children's Health Education and Research Hospital umfasst den Zeitraum von Januar 1995 bis Juli 2009 mit 9.327 Samenproben von 6.780 Männern (Turkish Journal of Obstetrics and Gynecology). Vor dem Jahr 2000 galt das WHO-Handbuch von 1992, danach das von 1999; die Morphologie wurde nach strengen Kruger-Kriterien beurteilt. Von den 6.780 Patienten waren 35 % normozoosperm, 4 % azoosperm und 57 % teratozoosperm. Die Probenzahl stieg von 293 im Jahr 1995 über 492 (2000), 715 (2002) und 1.217 (2007) auf 1.122 (2008); 2009 waren es bis Juli 634. Der Anteil normozoosperm Befundeter fiel von 1995 bis 1999 und blieb dann stabil, die Oligoasthenoteratozoospermie nahm insgesamt zu, die Azoospermie blieb gleich. Kultur- oder Infektionsdaten enthält die Zusammenfassung nicht, und eine Liste der Einschränkungen ist nicht angegeben. Der hohe Anteil Teratozoospermie (57 %) hängt an der strengen Beurteilung der Morphologie, ist der Zahl nach also kein Maß für „Erkrankung“; und es handelt sich um eine selektierte Klinikpopulation, die nicht auf die Gesamtbevölkerung übertragbar ist. Auch diese Arbeit ist keine Mikrobiomstudie.

#### Türkische Übersichten

**Özyer und Kemaneci 2024 [s057].** Die Übersicht „İnfertiliteye Yeni Bir Bakış Açısı: Mikrobiyota“ (deutsch: Ein neuer Blick auf die Unfruchtbarkeit: Mikrobiota) im Journal der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der İzmir-Katip-Çelebi-Universität (Band 9, Heft 2, Juni 2024) behandelt die Rolle der Darmmikrobiota bei der Hormonregulation, Folgen der Dysbiose für die reproduktive Gesundheit, die weibliche Genitalmikrobiota, die männliche urogenitale Mikrobiota im Zusammenhang mit der Samenqualität und Schwangerschaftskomplikationen. Die Autorinnen halten fest, dass eine Dysbiose der männlichen urogenitalen Mikrobiota Infektionen, eine Abnahme der Spermienqualität und verschiedene Fortpflanzungsstörungen verursachen könne (so ihre Aussage). Sie stützt sich laut dem türkischen Recherche-Dokument unter anderem auf Weng 2014, Lundy 2021, Hou 2013, Maretti und Cavallini 2017 und Valcarce 2017; diese Primärarbeiten wurden für das türkische Dokument nicht geöffnet. Als Hintergrund nennt die Übersicht, dass 10 bis 15 % der Paare unfruchtbar sind. Eigene Daten enthält sie nicht.

**Zengin et al. 2026 [s029].** Die Übersicht „From probiotics to postbiotics: microbial approaches in male reproductive health“ (Biological Diversity and Conservation 19(1):99–106; Kütahya University of Health Sciences) beruht auf einer Literatursuche in PubMed, Google Scholar und Scopus zu Probiotika, Postbiotika und Stuhltransplantation bei der männlichen Fortpflanzung (35 Literaturangaben; Projektförderung TÜSEB B-32373). Die Autoren schreiben, ein Ungleichgewicht des Mikrobioms beeinträchtige Spermienproduktion, Testosteronspiegel und Spermienqualität, und mikrobiombasierte Verfahren könnten das mikrobielle Gleichgewicht wiederherstellen, nützliche Mikroorganismen stützen und biologisch aktive Stoffe liefern; sie bezeichnen die Regulierung der Darmmikrobiota als „vielversprechende Strategie“ gegen männliche Unfruchtbarkeit. Das sind Aussagen der Autoren eines Überblicks ohne eigene Daten und ohne Auswertung der Wirksamkeit; sie sind keine Empfehlung dieses Kapitels. Die Kernaussage beider Übersichten ist ein Hypothesenstand: plausibel, nicht belegt.

#### Türkische Tierversuche

**Ömür et al. 2026, Rinderspermien [s019].** *Originaltitel:* Probiotic Supplementation as an Alternative to Antibiotics in Bovine Sperm Cryopreservation. Das Team der Atatürk-Universität Erzurum (mit Beteiligten der Fırat-Universität Elazığ, der Kafkas-Universität Kars, der Erzincan-Universität und einem Institut in Pakistan) sammelte Ejakulate von Simmental-Bullen (24 Ejakulate von 4 Bullen) und setzte dem Einfriermedium Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus acidophilus oder Bifidobacterium longum als Ersatz für Antibiotika zu. Die Motilität nach dem Auftauen war in den Probiotika-Gruppen signifikant höher als bei den Kontrollen. Bifidobacterium longum senkte Lipidperoxidation und Apoptosemarker, Lactobacillus rhamnosus zeigte dagegen prooxidative Wirkungen, die Antwort ist also stammabhängig. Die Studie beschreibt Kryokonservierung von Bullensperma, keine Behandlung und keine Bakteriospermie, und sie sagt nichts über Männer.

**Tas et al. 2026, Typ-1-Diabetes bei der Ratte [s025].** *Originaltitel:* Probiotic and paraprobiotic intervention modulates testicular DNA methylation in streptozotocin-induced diabetic rats. Forscher der Akdeniz-Universität Antalya (Histologie und Embryologie sowie Lebensmitteltechnik) untersuchten, ob Lactobacillus rhamnosus GG (lebend, Probiotikum) oder abgetötet (Paraprobiotikum) bei Ratten mit Streptozotocin-induziertem Typ-1-Diabetes die DNA-Methylierung im Hoden beeinflusst. Es gab neun Gruppen (Kontrolle, Sham, Diabetes, lebendes LGG allein, Diabetes plus LGG als Therapie, LGG vor Diabetes als Prävention, inaktiviertes LGG allein, Diabetes plus inaktiviertes LGG als Therapie und als Prävention). Im Abstract werden Körper- und Hodengewicht, Spermienmotilität, Testosteron, Histologie, Apoptose, oxidativer Stress, globale DNA-Methylierung und die Expression der DNA-Methyltransferasen DNMT1, DNMT3A und DNMT3B untersucht. Diabetes verschlechterte Blutzucker, Motilität, Histologie und DNMT-Expression, senkte Testosteron und erhöhte oxidativen Stress; in den Probiotika- und Paraprobiotika-Gruppen waren Gewicht und Motilität besser, die Apoptose war in der Diabetes- und der Therapiegruppe erhöht. Zahlen nennt der Abstract nicht. Es ist ein Modell für diabetesbedingte Hodenschäden, keine Studie zur Unfruchtbarkeit des Mannes ohne Diabetes.

#### Internationale Arbeiten im türkischen Dokument

**Mowla et al. 2025 (britische Kohorte) [s043].** *Originaltitel:* Characterisation and comparison of semen microbiota and bacterial load in men with infertility, recurrent miscarriage, or proven fertility. Das türkische Dokument nutzt die Studie von Mowla et al. (eLife) als wichtigste Mikrobiom-Kohorte, sie stammt jedoch aus **London** (Imperial College Healthcare NHS Trust und Centre for Reproductive and Genetic Health) und enthält keine türkischen Daten. Prospektive Querschnittsstudie, 223 Männer: gesunde Männer mit bewiesener Vaterschaft (n = 63), Männer mit männlich bedingter Unfruchtbarkeit (n = 58), Partner von Paaren mit wiederholten Fehlgeburten (n = 46) und Partner von Paaren mit ungeklärter Unfruchtbarkeit (n = 56); Alter 18 bis 60 Jahre, BMI unter 35. Sequenziert wurde die V1-V2-Region (Illumina MiSeq); es gab drei Negativkontrollen (Kit und Umgebung) und eine Dekontamination mit dem R-Paket decontam, wodurch 94 Sequenzvarianten ausgeschlossen wurden. Die Proben gruppierten sich in drei Cluster auf Gattungsebene: Streptococcus-dominant (mittlere relative Häufigkeit 23,8 %), Prevotella-dominant (24,4 %) und Lactobacillus/Gardnerella-dominant (35,9 % und 35,6 %); Artcluster gab es nicht. Der Prevotella-Cluster hatte die höchste Reichhaltigkeit (P < 0,001), Alpha-Diversität (P < 0,001) und Bakterienlast (P < 0,0001). Hohe DNA-Fragmentierung und erhöhte reaktive Sauerstoffspezies fanden sich in der Studiengruppe bei jeweils 85 % der Proben, Oligozoospermie bei 79 %. Gesamtzusammensetzung und Bakterienlast hingen nicht mit Spermiogramm, ROS oder DNA-Fragmentierung zusammen; nach Korrektur für multiples Testen blieb nur nicht näher bestimmtes Flavobacterium mit auffälligem Spermiogramm (q = 0,02) und Morphologie (q = 0,01) verbunden. Die Autoren deuten das als vorübergehende Besiedlung statt stabiler Mikrobiota und nennen als Grenzen eine Einzelzentrumsstudie, geringe ethnische Vielfalt, mögliche geographische Variabilität, nicht wirklich universelle Primer, fehlende Daten zur Genitalflora der Partnerin, keine gepaarten Urinproben und fehlende Kovariaten wie Rauchen. Die Studie ist in den Kapiteln zu Beobachtungsstudien ausführlicher berücksichtigt.

**Übersichten und Metaanalysen.** Das türkische Dokument stützt sich weiter auf Brandão et al. (9 Studien mit Sequenzierung, 15 bis 118 Männer je Studie) [s086], Gomes et al. (7 Studien, 500 Personen) [s068] und die Probiotika-Metaanalyse (SMD Konzentration 1,96; 95-%-KI 0,08 bis 3,84; I² 95 %; Motilität 1,28; 0,28 bis 2,28; I² 86 %; Volumen 0,89; 0,10 bis 1,67; I² 79 %) [s020]. Es weist selbst darauf hin, dass die Lactobacillus-Anteile in der Übersicht von Brandão zum Text der Übersicht nicht passen (bei Azoospermie rechnerisch höher als bei Kontrollen, im Text als niedriger beschrieben); diese Zahlen werden in dieser Studie nicht als Befund verwendet (siehe Kapitel zu den Übersichten).

**Regionale Besonderheiten, Widersprüche, Grenzen.** Türkische Besonderheiten im Sinne einer eigenen Mikrobiomaussage lassen sich nicht benennen; es fehlen sowohl Vergleiche zwischen Männern verschiedener Herkunft als auch türkische Leitlinien. Was bleibt, ist Kontext: große türkische Klinikserien zu Samenqualität und Alter [s083, s118], zwei Übersichten, die den internationalen Stand zusammenfassen [s057, s029], und experimentelle Arbeiten an Rind und Ratte [s019, s025], die aus Veterinär- und Histologie-Instituten stammen. Widersprüche im Raum selbst gibt es mangels Primärdaten nicht; die Widersprüche der internationalen Literatur (Vielfalt bei Unfruchtbarkeit höher, gleich oder niedriger; Lactobacillus unterschiedlich) gelten auch hier. Die Grenzen sind die der Suche (nicht lesbare Quellen, keine Volltexte türkischer Fachzeitschriften) und die der Datenlage: sehr kleine Zahl eigener Arbeiten, zwei Übersichten ohne eigene Daten, Tierversuche ohne Aussage zum Menschen. Offen sind eine standardisierte, ausreichend große türkische Kohorte mit Sequenzierung, Negativkontrollen und Störgrößen (Alter, Ernährung, Umwelt), kontrollierte Probiotika-Studien mit Schwangerschaft oder Lebendgeburt als Endpunkt und die Frage, ob sich im Mikrobiom ein Weg von Infektion, oxidativem Stress und DNA-Fragmentierung nachweisen lässt.

## Widersprüche und ihre mögliche Erklärung

Dieses Kapitel bündelt, wo sich die ausgewerteten Quellen widersprechen, warum sie das tun könnten, wie belastbar die Evidenz insgesamt ist und was offen bleibt. Es wiederholt die Studienbeschreibungen der vorangehenden Kapitel nicht, sondern führt die Befunde zusammen und stellt sie nebeneinander. Alle Zahlen stammen aus den Recherche-Dokumenten und der Master-Quellenliste dieser Studie; wo ein Befund nur auf Abstract-Ebene vorlag, ist das vermerkt. Die Zuordnung von Erklärungen zu Widersprüchen ist, wo nicht ausdrücklich eine Quelle genannt wird, eine Einordnung dieser Studie und keine Aussage der zitierten Autoren. Das Kapitel enthält keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Ein Hinweis zur Lesart: Ein Widerspruch zwischen zwei Studien bedeutet nicht, dass eine von beiden „falsch“ ist. Bei kleinen Querschnittsstudien mit unterschiedlichen Populationen, Probenwegen und Sequenzierverfahren ist es erwartbar, dass Ergebnisse streuen. Die Frage ist, ob die Streuung zufällig, methodisch oder biologisch begründet ist. Für jeden der folgenden Widersprüche werden deshalb die Befunde, die möglichen Gründe und der Stand der Klärung getrennt dargestellt.

### 1. Lactobacillus: schützend, neutral oder ungünstig?

**Die Befunde, die für einen günstigen Zusammenhang sprechen.** Die Metaanalyse von Farahani und Kollegen (55 Beobachtungsstudien, 51.299 Personen) beschreibt Lactobacillus als mit besseren Spermienparametern verbunden [s089]. In der Studie von Weng und Kollegen (96 Samenproben) war Lactobacillus mit 19,9 % die häufigste Gattung; 29 von 55 Proben des Lactobacillus-Clusters (52,7 %) hatten normale Samenqualität, gegenüber 5 von 25 im Pseudomonas-Cluster (20 %) und 2 von 16 im Prevotella-Cluster (12,5 %); 80,6 % aller normalen Proben fielen in den Lactobacillus-Cluster [s116]. Baud und Kollegen (94 Männer) fanden Lactobacillus bei normaler Morphologie vermehrt [s101]. In der italienischen Querschnittsstudie von Cannarella und Kollegen (100 eugonadale Männer) korrelierte die Laktobazillenkonzentration positiv mit der Spermienkonzentration (r = 0,42; p < 0,001), und das Verhältnis von Laktobazillen zu Gesamtbakterien korrelierte negativ mit der Leukozytenkonzentration (r = −0,96; p < 0,001) [s005]. Die chinesische Dreikompartiment-Studie von Cao und Kollegen (53 Männer) fand Lactobacillus im Ejakulat positiv mit Konzentration und Gesamtzahl der Spermien verbunden [s066]. Mändar und Kollegen berichteten höhere Laktobazillenzahlen bei gesunden Männern als bei Männern mit Prostatitis (21 Patienten gegen 46 Männer ohne Prostatitis) [s110]. Bazzar und Kollegen fassen in ihrer systematischen Übersicht zusammen, dass Lactobacillus mit besserer Motilität, Konzentration und DNA-Integrität einhergeht [s001].

**Die Befunde, die dagegen sprechen.** Osadchiy und Kollegen fanden Lactobacillus iners bei auffälliger Motilität (n = 27) häufiger als bei normaler Motilität (n = 46): mittlerer Anteil 9,4 % gegen 2,6 % (p = 0,046), kanonische Korrelation r = 0,392 (p = 0,011) [s056]. Die Übersicht von Grande und Kollegen führt L. iners als Risikofaktor für verminderte Konzentration und L. crispatus als mit normaler Morphologie verbunden auf [s050]. Yang und Kollegen (159 Teilnehmer) listen Lactobacillus unter den Biomarkern der Dysspermie-Gruppen, ohne dass das Abstract die Richtung angibt [s099]. In der Querschnittsstudie von Mowla und Kollegen (223 Männer) bildete eine Gruppe aus Lactobacillus und Gardnerella einen von drei Clustern, ohne dass Gesamtzusammensetzung oder Last mit der Samenanalyse zusammenhingen [s043]. Die systematische Übersicht von Puerta-Suárez und Cardona Maya (35 Artikel) nennt den Einfluss von Lactobacillus auf die Samenqualität „controversial, especially regarding the methodology used“ [s044]. Im Tiermodell hemmte vaginale Lactobacillus crispatus die Spermienmotilität über intrazelluläres Kalzium und senkte die Schwangerschaftsrate bei Ratten [s091]. Im Paarbezug fanden Amato und Kollegen (23 Paare), dass die vaginale, nicht die seminale Zusammensetzung mit dem Erfolg der intrauterinen Insemination zusammenhing, wobei vaginale L.-crispatus-Dominanz der einzige stark verbundene Faktor war [s095]. Schließlich beschreibt die Übersicht von Brandão und Kollegen Zahlen, die in sich nicht zusammenpassen: Der Lactobacillus-Anteil ist dort in einer einzelnen Studie bei Kontrollen mit 6,79 % niedriger als bei obstruktiver (17,98 %) und nichtobstruktiver Azoospermie (17,24 %), während der Text der Übersicht von geringeren Mengen bei Azoospermie spricht [s086]. Diese Zahlen werden in dieser Studie nicht als Befund verwendet.

**Mögliche Erklärungen.**

1. *Artebene statt Gattungsebene.* Die Gattung Lactobacillus umfasst Arten mit unterschiedlicher Biologie. Der Gegensatz zwischen L. crispatus (mit normaler Morphologie verbunden) und L. iners (mit abnormaler Motilität beziehungsweise verminderter Konzentration verbunden) [s050, s056] ist der deutlichste Hinweis. Studien, die nur bis zur Gattung auflösen, mitteln diese Gegensätze weg. Puerta-Suárez nennt die Methodik als Ursache der Kontroverse [s044].
2. *Kompartiment und Kontext.* „Günstig“ hängt vom Ort ab: im Ejakulat, in der Vagina, im Darm oder in der Zellkultur. Die Rattenstudie zu vaginaler L. crispatus [s091] ist ein Warnzeichen, dass derselbe Organismus in einem anderen Milieu die Fruchtbarkeit mindern kann. Die Paarstudien von Amato [s095] und Koort [s070] unterscheiden sich außerdem darin, ob das vaginale oder das seminale Mikrobiom prädiktiv war.
3. *Entzündung als gemeinsame Ursache.* Der hohe Zusammenhang zwischen Laktobazillenanteil und Leukozytenkonzentration (r = −0,96) [s005] könnte bedeuten, dass nicht Lactobacillus selbst wirkt, sondern dass ein entzündungsfreies Milieu sowohl Laktobazillen begünstigt als auch bessere Spermien erlaubt. Bei Prostatitis sind nach Grande Laktobazillen vermindert und Streptococcus vermehrt [s050]; bei Yao und Kollegen war der Streptococcus-reiche Typ mit Leukozytospermie verbunden [s084]. Diese Deutung ist eine Hypothese dieser Studie.
4. *Sexuelle Vorgeschichte und Partnerübertragung.* Männer ohne sexuellen Beginn hatten in der Studie von Mändar und Kollegen (68 junge Männer) eine geringere bakterielle Konzentration und Diversität [s107]; sexuell aktive Paare teilen nach Neto und Kollegen 56 % der vorherrschenden Gattungen [s054]. Das Lactobacillus-Signal im Ejakulat könnte teilweise aus der Partnerflora stammen.
5. *Kleine Stichproben und Mehrfachvergleiche.* Mehrere Befunde liegen knapp unter der Signifikanzgrenze (p = 0,046 bei Osadchiy [s056]); bei vielen verglichenen Taxa sind Zufallsbefunde in beide Richtungen zu erwarten.

**Stand der Klärung.** Offen. Aus den Quellen lässt sich nicht ableiten, dass „Lactobacillus im Sperma gut“ gilt. Belegt ist nur: Auf Gattungsebene finden mehrere Querschnittsstudien und eine Metaanalyse eine günstige Assoziation, auf Artebene gibt es Gegenbeispiele.

### 2. Gesamtzusammensetzung und Diversität: Unterschied, kein Unterschied oder umgekehrte Richtung?

Die Frage, ob sich das Samenmikrobiom unfruchtbarer Männer in Diversität und Gesamtzusammensetzung von dem fruchtbarer Männer unterscheidet, wird in der Literatur in alle Richtungen beantwortet.

- *Höhere Diversität bei Unfruchtbarkeit:* Lundy und Kollegen (25 unfruchtbare, 12 fruchtbare Männer) fanden höhere seminale alpha-Diversität und eine andere beta-Diversität bei unfruchtbaren Männern [s092]. Yao und Kollegen (87 Proben) berichteten höhere alpha-Diversität in der Leukozytospermie-Gruppe [s084]. Mändar fand in der Prostatitis-Gruppe höhere Reichhaltigkeit [s110].
- *Kein Unterschied:* Hou und Kollegen (19 Spender, 58 Patienten) fanden keinen signifikanten Gesamtunterschied zwischen Spendern und Patienten [s117]. Baud und Kollegen fanden bei der beta-Diversität keinen Zusammenhang mit dem Spermiogramm (ANOSIM jeweils p > 0,05) und bei der alpha-Diversität nur eine kleine Ausnahme (Gesamtmotilität, Kruskal-Wallis p = 0,02) [s101]. Mowla und Kollegen fanden bei 223 Männern keinen Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung oder der Bakterienlast mit Samenanalyse, reaktiven Sauerstoffspezies oder DNA-Fragmentierung; allein ein nicht näher bestimmtes Flavobacterium war mit mehr auffälligen Parametern verbunden (nach Korrektur für die falsche Entdeckungsrate: Qualität q = 0,02, Morphologie q = 0,01) [s043]. Campbell und Kollegen (14 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie, 19 fruchtbare Kontrollen) fanden ähnliche alpha-, aber unterschiedliche beta-Diversität [s065].
- *Geringere Diversität bei Unfruchtbarkeit:* Die Übersicht von Brandão nennt eine Studie mit weniger Arten bei Unfruchtbarkeit (1093 OTU bei Kontrollen, 925 bei obstruktiver, 840 bei nichtobstruktiver Azoospermie) neben einer Studie mit höherer Diversität bei Unfruchtbaren (Shannon-Index 4,3 bis 4,8 gegen 3,1 bei Kontrollen; P = 0,004) und zwei Studien ohne Unterschied (Reichhaltigkeit P = 0,08; Diversität P = 0,33) [s086]. Die russische Gruppe um Faniev fand im Hodengewebe bei nichtobstruktiver und obstruktiver Azoospermie signifikant niedrigere Diversitätsindizes als bei fruchtbaren Männern [s062].

**Mögliche Erklärungen.**

1. *Unterschiedliche Kompartimente.* Ejakulat (Lundy, Baud, Mowla), Hodengewebe (Faniev, Alfano) und Rektalabstrich sind nicht dasselbe. Im Hodengewebe bei Azoospermie wird eher geringere Diversität gefunden [s062, s104], im Ejakulat bei Subfertilität eher höhere oder unveränderte [s092, s101, s043].
2. *Verschiedene Kontrollgruppen.* Die „fruchtbare“ Referenz ist in jeder Studie anders definiert: Samenspender [s117, s077], Männer mit nachgewiesener Vaterschaft [s092, s043], Männer in der Beratung vor einer Vasektomie [s056], Männer mit normalem Spermiogramm aus Kinderwunschpaaren [s101], bei Faniev Männer mit Vaterschaft, bei denen die Hodenbiopsie aus anderem Anlass erfolgte [s061]. Eine einheitliche gesunde Referenz gibt es nicht.
3. *Sequenzierplattform und Region.* Garcia-Segura und Kollegen sequenzierten dieselben 56 Proben mit Illumina und Oxford Nanopore: Die zehn häufigsten Gattungen stimmten überein und machten mehr als 70 % der Reads aus, aber die relative Häufigkeit der einzelnen Bakterien korrelierte nicht zwischen den Plattformen, mit intraindividuellen Abweichungen von bis zu 50 Prozentpunkten [s067]. Damit sind Diversitätswerte verschiedener Studien nicht direkt vergleichbar.
4. *Verunreinigung.* Bei Proben mit geringer Biomasse kann eingetragene Fremd-DNA die Diversität künstlich anheben; die Übersichten nennen bei Hodenproben einen Kontaminationsanteil von 50 bis 70 % der Reads [s054, s050].
5. *Verschiedene Ausgangsfragen.* Ob Männer nach Spermiogramm, nach Leukozytenzahl, nach Fruchtbarkeitsstatus oder nach Azoospermie-Typ verglichen werden, ändert, welche Gruppenunterschiede überhaupt sichtbar sein können.

**Stand der Klärung.** Die größte sequenzierte Kohorte [s043] und die Schweizer Kohorte [s101] sprechen gegen einen starken Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung mit dem Spermiogramm. Das schließt Effekte einzelner Taxa nicht aus, wie sie in den folgenden Abschnitten besprochen werden.

### 3. Prevotella: der konsistenteste Verdachtskandidat, aber nicht ohne Widerspruch

Prevotella ist die Gattung, bei der die Richtung am häufigsten gleich berichtet wird. Farahani: Prevotella mit negativer Wirkung auf die Spermienqualität [s089]. Weng: der Prevotella-Cluster hatte nur 2 von 16 normalen Proben (12,5 %), das Risiko schlechter Samenqualität war gegenüber dem Lactobacillus-Cluster 8,5-fach (Fisher-Test p = 0,00448) [s116]. Baud: Prevotella bei defekter Motilität vermehrt, Prevotella-reiche Proben mit der höchsten Bakterienlast (p < 0,05) [s101]. Lundy: Prevotella umgekehrt mit der Spermienkonzentration verbunden [s092]. Cao: Bacteroides und Prevotella negativ mit der Konzentration [s066]. Baud 2024: Urocanat war bei auffälliger Samenqualität erhöht (adjustierter p < 0,001) und in Prevotella-dominierten Proben angereichert [s047]. Gomes und Kollegen: Prevotella war in 6 von 7 Studien bei veränderter Samenqualität häufiger [s068].

**Gegenbefunde.** In der Kohorte von Mowla hatte der Prevotella-dominierte Cluster die höchste Reichhaltigkeit (p < 0,001), alpha-Diversität (p < 0,001) und Bakterienlast (p < 0,0001), aber die Gesamtzusammensetzung und die Last waren nicht mit der Samenqualität verbunden [s043]. Bei Baud war die Last nicht mit dem Spermiogramm korreliert [s101]. In der russischen Hodengewebe-Serie war Prevotella bei nichtobstruktiver Azoospermie häufiger und bei obstruktiver selten [s060]; das ist ein Zusammenhang mit dem Azoospermie-Typ und nicht notwendigerweise mit einem „schlechten“ Ausgang.

**Mögliche Erklärungen.** Prevotella ist wie Lactobacillus keine einheitliche Einheit; Artunterschiede werden von den Quellen nicht aufgelöst. Es ist denkbar, dass Prevotella vor allem ein Marker eines bestimmten Milieus ist (zum Beispiel Entzündung, Adipositas, Prostatitis; die Übersicht von Grande verknüpft Prevotella mit adipositasassoziierter Asthenozoospermie [s050]) und nicht selbst die Spermien schädigt. Dass Prevotella-reiche Proben die höchste Last haben, aber die Last nicht mit dem Spermiogramm korreliert [s101, s043], spricht ebenfalls gegen eine einfache Dosis-Wirkungs-Beziehung. Der Befund bleibt eine Assoziation.

### 4. Pseudomonas und Staphylococcus: gegensätzliche Richtungen je nach Studie

**Pseudomonas.** Weng: Pseudomonas-dominanter Cluster mit nur 5 von 25 normalen Proben (20 %), Risiko schlechter Samenqualität 5,2-fach (p ≈ 0,007) [s116]. Bazzar: Pseudomonas unter den dysbiotischen Taxa [s001]. Dagegen fanden Lundy und Kollegen Pseudomonas direkt mit der Gesamtzahl motiler Spermien verbunden [s092]; das italienische Recherche-Dokument merkt an, dass der Abstract von Lundy die Diskrepanz zu Weng nicht klärt. Osadchiy und Kollegen zeigen, dass schon innerhalb der Gattung die Richtung wechselt: Bei auffälliger Konzentration (n = 20 gegen 53) waren P. stutzeri (2,1 % gegen 1,0 %; p = 0,024) und P. fluorescens (0,9 % gegen 0,7 %; p = 0,010) höher, P. putida dagegen niedriger (0,5 % gegen 0,8 %; p = 0,020) [s056]. In der griechischen Pilotstudie fiel ein anderes Muster auf: Normozoospermie-Proben (n = 48) waren zu 64,13 % vom Stamm Bacillota geprägt, Proben mit Auffälligkeiten (n = 32) nur zu 2,32 %, bei Anreicherung von Campylobacterota (10,82 %); Pilz-DNA fand sich in keiner Probe [s026]. Die Zusammensetzung der „normalen“ Probe unterscheidet sich also stark zwischen Ländern und Methoden.

**Staphylococcus.** Baud: Staphylococcus im normospermischen Kollektiv vermehrt [s101]. Cao: Staphylococcus im Ejakulat bei Asthenozoospermie und hoher Viskosität erhöht [s066]. In einem von Gomes referierten In-vitro-Befund verschlechterte Staphylococcus die Motilität um 25 bis 30 % innerhalb von 15 bis 30 Minuten [s068] (das türkische Recherche-Dokument nennt für S. aureus 25 % in 15 Minuten). Die Gegenüberstellung zeigt: Ein Befund, der im Reagenzglas einen Schaden zeigt, ist nicht ohne Weiteres auf eine Zusammensetzung übertragbar, in der Staphylococcus Teil der normalen Haut- und Harnröhrenflora sein kann.

**Mögliche Erklärung.** Bei Staphylococcus liegt die Kontamination durch Hautflora als erste Erklärung nahe: Ejakulat durchläuft die Harnröhre, sodass Haut- und Urethralflora beigemengt werden können [s054, s011]. Ein Anstieg in der Gruppe „normal“ (Baud) und in der Gruppe „auffällig“ (Cao) ist dann auch ein Hinweis darauf, dass die Gattung unspezifisch ist.

### 5. Anaerococcus, Aerococcus und Kompartiment-Widersprüche

Hou und Kollegen berichteten eine signifikant negative Assoziation zwischen Samenqualität und Anaerococcus [s117]; Brandão fasst Anaerococcus (P = 0,0012 bei Unfruchtbaren) unter den mit auffälligen Parametern verbundenen Taxa zusammen [s086]. Lundy und Kollegen fanden dagegen weniger Anaerococcus im Rektalabstrich unfruchtbarer Männer und mehr Aerococcus im Ejakulat [s092]. Das ist ein Widerspruch nur auf den ersten Blick: Es handelt sich um verschiedene Kompartimente, und die Quellen vergleichen sie nicht direkt. In der Hodengewebe-Studie von Alfano und Kollegen (n = 15 Hoden) hatten Männer mit idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie mehr bakterielle DNA (P = 0,02), aber geringere taxonomische Reichhaltigkeit bei Fehlen von Bacteroidetes und Proteobacteria (P = 2 × 10⁻⁵); bei erfolgloser Spermiengewinnung fehlte Peptoniphilus asaccharolyticus völlig [s104]. Bei Campbell und Kollegen waren Proteobacteria und Firmicutes in der Gruppe mit nichtobstruktiver Azoospermie unterrepräsentiert [s065]. Die Autoren der Hodenstudie weisen darauf hin, dass die Fallzahl klein ist und das paraneoplastische Milieu entfernter Hoden das Bild beeinflussen könnte [s104].

### 6. Bakteriospermie, nachgewiesene Erreger und „Dysbiose“: unterschiedliche Fragen mit unterschiedlicher Evidenz

In der Literatur werden drei Dinge vermischt, die nicht dasselbe sind: der kulturelle Nachweis einer Bakteriospermie, der PCR-Nachweis bestimmter Erreger (Chlamydia, Ureaplasma, Mycoplasma) und das mit Sequenzierung beschriebene Gesamtmikrobiom.

**Für einen Zusammenhang mit schlechteren Spermienwerten spricht:** der gepoolte DNA-Fragmentierungsindex bei Bakteriospermie (mittlere Differenz 3,518; 95-%-KI 0,907 bis 6,129; p = 0,008) und die Ureaplasma-urealyticum-Assoziation (OR 2,25; 1,47 bis 3,46) bei Farahani [s089]; die Metaanalyse von Campbell und Kollegen zu Infektionen des Genitaltrakts (Volumen −0,37 ml; Konzentration −6,65 Mio/ml; progressive Motilität −5,93 Prozentpunkte; Gesamtzahl −47,15 Mio; Morphologie −0,76 Prozentpunkte, bei hoher Heterogenität, I² für die Konzentration 90 %) [s004]; die Metaanalyse zu Mycoplasma hominis (11 Studien; Konzentration SMD −0,815, progressive Motilität −0,360, Vitalität −0,831, Morphologie −0,631, Ejakulat-pH +0,586) [s002]; regionale Fall-Kontroll-Studien, etwa Iran (130 Männer: C. trachomatis 9,2 % gegen 3,1 %, M. hominis 15,4 % gegen 3,1 %, U. urealyticum 15,4 % gegen 3,1 %) [s076], Ägypten (64,71 % abnormale Spermiogramme mit gegen 35,29 % ohne Bakteriospermie, je n = 34) [s074] und die Studie von Eini und Kollegen (172 Patienten, 35 Kontrollen, positive Kultur bei 60 Patienten, 34,88 %; DNA-Fragmentierung mit Leukozytospermie korreliert, R = 0,22; p < 0,01) [s088].

**Dagegen oder differenzierter spricht:**

- Chlamydia trachomatis zeigte in der Metaanalyse von Farahani weder einen Prävalenzunterschied zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Männern noch einen signifikanten Effekt auf Spermienparameter [s089], während eine iranische Studie (n = 200) für C. trachomatis eine Odds Ratio von 16 und für M. genitalium von 8,06 ohne Konfidenzintervall berichtete [s090] und die Studie von Dehghan C. trachomatis bei 9,2 % der unfruchtbaren gegen 3,1 % der fruchtbaren Männer fand [s076]. In einer Studie an 400 koreanischen Männern war die Infektion mit U. urealyticum mit geringerer normaler Morphologie verbunden [s109].
- In der Studie aus Shiraz war die Ureaplasma-urealyticum-Prävalenz bei unfruchtbaren Männern (n = 80) 7,5 %, Enterococcus faecalis 6,25 % (p > 0,05 für E. faecalis laut arabischem Recherche-Dokument), während E. faecalis bei Farahani die Gesamtmotilität negativ beeinflusste [s034, s089].
- Große Kohorten fanden keinen Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung oder Last mit DNA-Fragmentierung [s043].
- Historische französische Arbeiten sind zurückhaltend: Arvis (1989) schrieb, eine echte Spermainfektion sei sehr selten; Granouillet und Kollegen (1982) fanden 20 % der Patienten chronisch ohne klinische Zeichen infiziert; Auroux (1988) nannte Ureaplasma urealyticum und E. coli als am häufigsten isoliert [s122, s124, s123]. Ensslen und Kollegen (1990) berichteten dagegen, bei über 70 % der wegen Sterilität konsultierenden Ehemänner sei in der Klinik eine Behandlung der Bakteriospermie nötig gewesen [s121]. Diese Arbeiten liegen nur als Abstract vor und sind mit heutigen Methoden nicht vergleichbar.

**Prävalenzangaben schwanken stark.** Neto und Kollegen geben 7 bis 65,7 % für die Bakteriospermie an [s054]; Lee und Cho nennen 20,1 bis 35,1 % (PCR) und 15,28 bis 34,88 % (Kultur) [s012]; in Qom (n = 300) lag die Infektionsprävalenz bei 21 %, wobei Staphylococcus aureus 61,9 % der infizierten Proben ausmachte [s105]; in Granada waren 451 von 3066 Proben (14,71 %) positiv, wobei per PCR N. gonorrhoeae (28,37 %), C. trachomatis (26,95 %) und U. urealyticum (17,73 %) führten [s102]; im Südosten Spaniens führten bei symptomatischer Bakteriospermie Enterococcus faecalis (34,89 %), Ureaplasma spp. (13,74 %) und Escherichia coli (10,98 %) [s073].

**Mögliche Erklärungen.**

1. *Nachweismethode.* Kultur erfasst vor allem kultivierbare Bakterien (Staphylococcus aureus, E. coli, Enterococcus), PCR erfasst gezielt Chlamydia, Ureaplasma und Mycoplasma. Das arabische Recherche-Dokument vermutet, dass die Methodenwahl allein erklären kann, warum Kulturstudien andere Erreger berichten als PCR-Studien [s105, s074, s076, s090].
2. *Schwellenwerte.* Für die Kultur gelten verschiedene Schwellen: Henkel nennt über 10³ koloniebildende Einheiten pro ml als in den meisten Studien verwendete Grenze [s051], während die Übersicht von Neto für die Mehrzahl der Studien über 10⁴ KbE/ml angibt (über 10³ in einer dänischen Studie) [s054]. Die Schwelle ist eine Laborkonvention und keine nachgewiesene Toxizitätsgrenze.
3. *Population.* Symptomatische Patienten (Prostatitis-Verdacht [s073]), Kinderwunschpaare [s090, s076] und Männer der Allgemeinbevölkerung [s102] sind nicht austauschbar. Ein erhöhter Anteil nachgewiesener Erreger in Kliniken für Unfruchtbarkeit spiegelt Selektion wider.
4. *Richtung der Verursachung.* Eine Infektion kann Folge von verminderter Samenqualität und nicht Ursache sein; Querschnittsstudien können das nicht unterscheiden.
5. *Heterogenität der Metaanalysen.* Bei Campbell lag I² für die Konzentration bei 90 % [s004]; bei Boujemaa erklären nach dem Abstract Region und Nachweismethode einen Teil der Streuung [s002]. Auch die „bestätigten“ Befunde zu Infektionen gelten damit nur als Richtung, nicht als verlässliche Punktschätzung.

**Stand der Klärung.** Für nachgewiesene Erreger (Ureaplasma, Mycoplasma hominis, E. faecalis) ist die Assoziation mit schlechteren Spermienwerten in Metaanalysen am besten belegt; für Chlamydia ist sie widersprüchlich; für das „normale“ Mikrobiom ist sie nicht belegt. Ob die Behandlung einer Bakteriospermie Spermienwerte oder Schwangerschaftsraten verbessert, wurde in den ausgewerteten Quellen nicht gezeigt; Lee und Cho fordern dafür ausdrücklich gut geplante prospektive Studien [s012].

### 7. Effekt von Probiotika: groß im Pool, klein im Einzelnen, und ein zurückgezogenes Fundament

**Der gepoolte Effekt.** Prihadi und Kollegen (4 Studien: Valcarce 2017, Maretti 2017, Helli 2020, Abbasi 2021; 156 Teilnehmer; 3 randomisierte, 1 einarmige) berichten die standardisierten Mittelwertdifferenzen 1,96 für die Konzentration (95-%-KI 0,08 bis 3,84; p = 0,04; I² 95 %), 1,28 für die Motilität (0,28 bis 2,28; p = 0,01; I² 86 %) und 0,89 für das Volumen (0,10 bis 1,67; p = 0,03; I² 79 %) [s020]. Nach dem Maßstab von Cohen wären Werte über 0,8 „große“ Effekte; die Recherche-Dokumente weisen jedoch darauf hin, dass die Untergrenze von 0,08 praktisch bei null liegt, sodass ein verschwindend kleiner und ein sehr großer Effekt gleichermaßen mit den Daten vereinbar sind [s020]. Als Risiko für Verzerrung bewerteten die Autoren zwei Studien mit RoB 2 insgesamt als niedriges Risiko, eine als unklar, die einarmige Studie mit ROBINS-I als niedriges Risiko [s020].

**Widerspruch 7a: Zuordnung der Zahlen.** Zwei Recherche-Dokumente stellten fest, dass die Zusammenfassung der Arbeit die drei Zahlen in der Reihenfolge Konzentration, Volumen, Motilität nennt, der Ergebnisteil dagegen Motilität 1,28 und Volumen 0,89 zuordnet; das russische Dokument, das den Volltext las, folgt dem Ergebnisteil, und die I²-Werte (95, 86, 79 %) passen zu dieser Zuordnung [s020]. Diese Studie folgt dem Ergebnisteil. Praktisch ändert die Frage wenig, weil beide Intervalle breit sind; sie ist aber ein Beispiel dafür, dass schon die Wiedergabe der Zahlen nicht eindeutig ist.

**Widerspruch 7b: Daten der eingeschlossenen Studien stimmen nicht mit den Originalen überein.** Beim Vergleich der Tabelle der Metaanalyse mit den Originalpublikationen und anderen Übersichten fielen den Recherche-Dokumenten mehrere Abweichungen auf:

- Maretti und Cavallini (2017): In der Tabelle der Metaanalyse steht eine Dauer von 10 Wochen [s020], im Original dauerte die Behandlung 6 Monate [s111].
- Valcarce (2017): In der Tabelle der Metaanalyse werden 12 Wochen genannt [s020]; das Abstract des Originals nennt Messungen nach 3 und 6 Wochen [s112].
- Helli (2022): Die Tabelle der Metaanalyse nennt 25 plus 25 Teilnehmer und eine Dosis von 2 × 10¹¹ KbE [s020]; die Originalpublikation berichtet 26 plus 26 Teilnehmer und 500 mg täglich [s079].
- Oliveira und Kollegen führen in ihrer Tabelle bei Abbasi 47 statt 56 und bei Helli 50 statt 52 Teilnehmer; die Gründe wurden nicht geprüft [s055, s085, s079]. Das Prihadi-Dokument gibt für Abbasi 28 plus 28 an [s020].

Solche Unterschiede können Folge von Ausschlüssen nach der Randomisierung (Analyse nur der Abschließenden) oder von Übertragungsfehlern sein; aus den Quellen lässt sich das nicht entscheiden. Sie zeigen aber, dass die Eingabedaten der Metaanalyse nicht zweifelsfrei sind.

**Widerspruch 7c: Rückzug einer Eingangsstudie.** Helli und Kollegen sind Teil des Pools [s020]. Die Zeitschrift Human Fertility hat die Arbeit 2026 mit einer Rückzugserklärung zurückgezogen [s021]; das portugiesische Recherche-Dokument nennt nach Crossref den 28. April 2026. Der Grund des Rückzugs war in den abgerufenen Quellen nicht zugänglich. Die Metaanalyse erschien nach Angaben des Kapitels zu den klinischen Studien im Frühjahr 2026 vor dem Rückzug und konnte ihn nicht berücksichtigen; ob sie inzwischen korrigiert wurde, ist nicht bekannt. Damit beruht der einzige gepoolte Probiotika-Schätzer teilweise auf einer zurückgezogenen Studie; wie stark sich das auswirkt, ist unbekannt. Auch die Übersichten von Oliveira [s055] und Kaltsas [s009] schließen Helli ein, und der in Studien behauptete antioxidative Mechanismus stützte sich teilweise auf diese Arbeit [s079].

**Widerspruch 7d: Gepoolter Effekt gegen Einzelstudien.** Die Studie von Asadi und Kollegen (78 Männer nach Varikozelenoperation) fand nach drei Monaten höhere Konzentration (33,7 ± 22,5 gegen 21,1 ± 16,1 Mio/ml; p = 0,046) und mehr normale Formen (15,0 ± 8,9 gegen 12,0 ± 11,5 %; p = 0,016), aber keine Unterschiede bei Volumen (p = 0,897) und Motilität (p = 0,177) [s064]. Gholipour und Kollegen (110 Männer) fanden dagegen eine signifikante Zeit-mal-Gruppe-Interaktion für die Motilität (p < 0,001), nicht aber für das Volumen (p = 0,71) [s007]. Der Pool berichtet ein signifikant höheres Volumen und eine signifikant höhere Motilität [s020]. Die beiden Einzelstudien gehören nicht zum Pool; ihre Ergebnisse zeigen aber, dass Volumen und Motilität nicht überall mitgehen. Der Hinweis, dass das Volumen als Zielgröße wenig plausibel ist, weil es überwiegend die Drüsen und nicht die Spermatogenese widerspiegelt, stammt aus dem russischen Recherche-Dokument und ist keine Aussage der Metaanalyse.

**Widerspruch 7e: Probiotika gegen andere Supplemente.** Gholipour und Kollegen fanden den Probiotikaarm dem Antioxidansarm bei Morphologie (p < 0,001) und Motilität (p = 0,009) überlegen; Werte nach drei Monaten: Motilität 46,65 gegen 26,58 gegen 22,75 % (Probiotikum, Antioxidans, Placebo), normale Morphologie 4,31 gegen 2,21 gegen 1,52 % [s007]. Die Metaanalyse von Melhem und Kollegen (41 randomisierte Studien, 3615 Männer) fand für Antioxidantien SMD 1,09 (0,10 bis 2,08) für die Konzentration, 1,11 (0,32 bis 1,90) für die progressive Motilität, 0,69 (0,26 bis 1,13) für die Gesamtmotilität und 0,43 (0,05 bis 0,82) für die normale Morphologie, jedoch mit Vorhersageintervallen, die null einschließen, I² über 80 % und sehr niedriger GRADE-Sicherheit [s017]. Der Befund, dass Probiotika Antioxidantien übertreffen, steht also in einem Feld, in dem der Vergleichsarm selbst nur sehr unsichere Evidenz hat. Für PDE-Hemmer (Konzentration SMD 1,96; −2,25 bis 6,17; Morphologie 1,28; −0,47 bis 3,02) und Methylgruppen-Spender (DNA-Fragmentierung SMD −1,17; −2,82 bis 0,47) schlossen die Intervalle die Null ein [s017].

**Mögliche Erklärungen für die Streuung der Probiotika-Ergebnisse.**

1. Kleine Studien überschätzen Effekte häufiger; die Pool-Heterogenität (I² 79 bis 95 %) ist so hoch, dass einzelne Ausreißer den Mittelwert dominieren können [s020].
2. Verschiedene Produkte: Flortec (Lactobacillus paracasei B21060 plus Präbiotika) [s111], FamiLact [s085, s064, s007], ein 500-mg-Produkt [s079], Lactobacillus rhamnosus plus Bifidobacterium longum [s112]. Der Effekt eines einzelnen Stamms ist wegen der Beimischung von Präbiotika, Arabinogalaktan, Fructooligosacchariden und L-Glutamin nicht abtrennbar [s111].
3. Verschiedene Populationen: idiopathische Oligoasthenoteratozoospermie, Asthenozoospermie, nach Varikozelenoperation, Paare vor IVF [s111, s112, s064, s040].
4. Verschiedene Dauer: von 3 und 6 Wochen bis 6 Monate [s112, s111]; ein Vergleich verschiedener Dauern innerhalb einer Studie fehlt. Die Dauer eines Spermatogenesezyklus wird im italienischen Recherche-Dokument mit etwa 70 bis 90 Tagen angegeben (im Zusammenhang mit der 70-Tage-Studie am Hund [s013]).
5. Regionale Konzentration: Gholipour, Asadi, Abbasi, Helli und Zarehoroki sind iranische Studien, teils derselben Arbeitsgruppe und mit demselben Produkt [s007, s064, s085, s079, s028].

**Stand der Klärung.** Probiotika zeigen in kleinen Studien bessere Surrogatwerte; der gepoolte Schätzer ist unpräzise, heterogen, teilweise von einer zurückgezogenen Studie abhängig und in den Eingangsdaten nicht zweifelsfrei. Die Aussage „Probiotika verbessern die Spermienqualität“ ist nach der Datenlage nicht belastbar.

### 8. Schwangerschaft und Geburt: ein Treffer, eine Gegenzahl

Die einzige signifikante Schwangerschaftsrate in den ausgewerteten Probiotika-Studien stammt von Huerga López und Kollegen: 48,1 % gegen 20,0 % bei Paaren mit ungeklärter Unfruchtbarkeit vor IVF (einseitiger Chi-Quadrat-Test, p < 0,024; 70 Paare randomisiert, 57 abgeschlossen; Ligilactobacillus salivarius CECT5713, 3 × 10⁹ Zellen täglich) [s040]. Corbett und Kollegen nennen für eine Studie bei Paaren eine klinische Schwangerschaftsrate von 48,0 % in der Vergleichsgruppe gegen 58,8 % unter Probiotikum (p = 0,47) bei einer Fehlgeburtsrate von 30 % gegen 16,6 % (p = 0,47); beide Männerstudien mit oralen Probiotika zeigten in dieser Übersicht eine verbesserte Motilität [s087]. Hier stehen also ein Befund mit einseitigem Test und ein Befund ohne Signifikanz nebeneinander; beide betreffen Paare und nicht ausschließlich den Mann. Das spanische Recherche-Dokument weist darauf hin, dass der Abstract von Corbett nicht genau angibt, bei welchem Geschlecht die Intervention in der Schwangerschaftsstudie erfolgte. Kaltsas und Kollegen fassen zusammen, Schwangerschaft und Lebendgeburt seien in den Studien selten berichtet und blieben unbewiesen [s009]. Die Metaanalyse zu vaginalen Probiotika vor Embryotransfer (6 Studien, 850 Teilnehmerinnen) fand klinische Schwangerschaftsraten von 37,47 % gegen 31,55 % (RR 1,19; p = 0,07), also nicht signifikant [s042].

**Erklärung.** Der Effekt von Huerga López kann an der Paarintervention, dem einseitigen Test, der Ausfallrate (13 von 70 Paaren), einer Zufallsschwankung bei kleiner Gruppe oder an einem tatsächlichen Effekt liegen; die Studie beobachtete verbesserte immunologische Profile in Vagina und Sperma ohne wesentliche Änderung der Mikrobiotazusammensetzung [s040]. Das stellt die Annahme infrage, Probiotika wirkten durch Umbau des Mikrobioms.

### 9. Wirkt das Probiotikum über das Mikrobiom?

Die Hypothese „Dysbiose, Probiotikum korrigiert Dysbiose, Spermienwerte bessern sich“ verlangt, dass Probiotika das relevante Mikrobiom ändern. Die ausgewerteten Quellen zeigen das beim Mann nicht: Die Studie von Huerga López fand keine wesentliche Änderung der Zusammensetzung [s040]; die Recherche-Dokumente halten fest, dass die geöffneten Probiotika-Studien am Mann Spermienparameter und nicht das Samenmikrobiom maßen [s111, s085, s064, s007]. Es bleibt offen, ob Probiotika über den Darm, den Genitaltrakt, das Immunsystem oder den Stoffwechsel wirken, falls sie überhaupt wirken. Auch im Tierversuch ist das Bild gemischt: Prä- und Probiotika stellten bei Ratten mit fettreicher Kost Reichhaltigkeit und Zusammensetzung des Darmmikrobioms nicht vollständig wieder her, wirkten aber auf den Hodenschaden [s008]. Beim Hund gingen Lactobacillus-Gaben mit Änderungen im Darm und besseren Spermienparametern einher [s080, s072]; bei Ratten mit Diabetes beeinflusste Lactobacillus rhamnosus GG (lebend oder inaktiviert) die Methylierung der Hoden-DNA [s025]. Daraus folgt keine Aussage zum Menschen.

### 10. Stammspezifität und Kontext in Tier- und Zellstudien

Die In-vitro-Studie am Bullensperma von Ömür und Kollegen (24 Ejakulate von 4 Bullen) zeigt, dass der Effekt stammabhängig sein kann: Probiotika im Kryokonservierungsmedium erhöhten die Motilität nach dem Auftauen, aber B. longum senkte die Lipidperoxidation, während L. rhamnosus in diesem Versuch Marker für oxidativen Stress und Apoptose erhöhte [s019]. Das ist eine Veterinärstudie mit vier Tieren und nur ein Hinweis auf mögliche Stammspezifität. Dazu passt die Rattenstudie, in der L. crispatus die Spermienbeweglichkeit hemmte [s091], während in Mausspermien L. paracasei, L. rhamnosus und L. fermentum die Motilität steigerten [s053]. Die Zusammenschau lehrt: „Probiotikum“ ist keine einheitliche Wirkklasse; Stamm, Milieu und Modell bestimmen das Ergebnis.

### 11. Das Paar: vaginale gegen seminale Flora

Koort und Kollegen (97 Paare in assistierter Reproduktion): Bei 15 Paaren mit günstigem Mikrobiomtyp beider Partner (L.-crispatus-dominierte Vagina, Acinetobacter-dominiertes Sperma) lag der Erfolg bei 53 % gegen 25 % bei allen übrigen [s070]; die Zahl liegt im vorliegenden Material nur auf Abstract-Ebene vor, das arabische Recherche-Dokument nennt P = 0,023. Amato und Kollegen (23 Paare, intrauterine Insemination): Die vaginale Zusammensetzung hing mit dem Erfolg zusammen, die seminale nicht [s095]. Mändar und Kollegen fanden in einer Paarstudie (23 Paare) eine Gardnerella-vaginalis-Dominanz bei der Hälfte der Partnerinnen von Männern mit deutlicher Leukozytospermie gegen 1 von 17 ohne [s113]. Die Befunde widersprechen sich nicht zwingend, sondern fragen, an welcher Stelle der Kette (Mann, Frau, Verfahren) das Signal liegt; die Fallzahlen sind klein. Zur Frage, ob Sperma die Besiedlung der Vagina verändert, gibt die Studie zu Lactobacillus crispatus CTV-05 an 90 Frauen einen Hinweis: Geschlechtsverkehr und Samenexposition verringerten die Besiedlung (ungeschützt: OR 75,5; 95-%-KI 6,9 bis 820,6) [s119]. Das sagt nichts über die männliche Fruchtbarkeit, zeigt aber, dass die Partnerflora ein Störfaktor für Ejakulatstudien sein kann.

### 12. Hodengewebe: nicht steril, aber widerspruchsanfällig

Die russische Arbeitsgruppe um Faniev untersuchte mittels micro-TESE gewonnenes Hodengewebe bei Azoospermie. In der Serie mit 57 Patienten (29 nichtobstruktive, 19 obstruktive Azoospermie, 9 fruchtbare Männer) waren Diversitätsindizes bei Azoospermie niedriger als bei Fruchtbaren, bei nichtobstruktiver Azoospermie waren Proteobacteria erhöht, bei Fruchtbaren Firmicutes und Bacteroidetes [s062]. Bei 33 Patienten mit Azoospermie fand sich eine Mastozytose im Zwischengewebe in etwa 83 %, Mastzellen in den Tubuli in 68 %, vollständiges Fehlen nur bei 32 % [s060]; die Korrelationsvorzeichen sind in der Quelle widersprüchlich beschrieben und daher vorsichtig zu interpretieren. Bei 24 Männern mit obstruktiver Azoospermie im ART-Programm trat bei 13 eine Schwangerschaft ein; der Shannon-Index im Hodengewebe war 4,7 ± 1,7 (ohne Schwangerschaft) gegen 4,1 ± 1,2 (mit) und in der Harnröhre 3,9 ± 1,9 gegen 3,6 ± 1,1, ohne signifikanten Unterschied, während 19 Familien im Hodengewebe in der Gruppe ohne Schwangerschaft häufiger waren [s046]. Alfano und Kollegen (n = 15) fanden mehr bakterielle DNA bei idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie [s104]. Die Übersicht von Kadyrov fasst zusammen, dass Hodengewebe eigene mikrobielle Gemeinschaften enthält und nicht steril ist [s069]. Gegenüber diesen Befunden stehen die genannten Kontaminationsraten von 50 bis 70 % der Reads in Hodenproben [s054, s050] und die Tatsache, dass die russischen Kontrollen Männer mit Biopsie aus anderem Anlass sind [s061]. Die Autoren der Studie an 24 Männern sprechen selbst von einer Hypothese einer „Fertilitätsmikrobiota des Hodens“ [s046].

### 13. Weitere kleinere Widersprüche und Auffälligkeiten

- **Zahlen innerhalb einer Quelle.** Neben den Brandão-Prozenten [s086] und der Prihadi-Zuordnung [s020] gibt es bei den Faniev-Daten Gruppengrößen, die auf unterschiedliche Weise zu 53 führen (42 ausgewählte plus 11 fruchtbare gegen 13, 29 und 11) [s061].
- **Stichprobenangaben.** Bei Maretti ist n = 41 die Zahl der Randomisierten, die berichteten Mediane betreffen die Verumgruppe mit n = 20 [s111]; das ist ein häufiger Anlass für Fehlzitate.
- **Maretti als „Pilotstudie“.** Der Titel nennt eine Pilotstudie, das Design ist ein randomisierter Vergleich mit Stärke-Kontrolle; der Abstract berichtet Vorher-nachher-Vergleiche innerhalb der Verumgruppe (Wilcoxon-Test) und keinen direkten Gruppenvergleich [s111]. Zusätzlich verbesserten sich in der Studie FSH, LH und Testosteron (p < 0,01), was für ein Probiotikum ungewöhnlich ist und nach dem italienischen Recherche-Dokument unabhängig repliziert werden sollte [s111].
- **Alter.** Ulubay und Kollegen (1594 normozoosperme Männer in Samsun) fanden in der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre (n = 629) 48 % progressive Motilität und 17 % normale Morphologie, in der Gruppe 40 bis 49 Jahre (n = 190) 41 % und 12 % [s083]. Alter ist damit ein möglicher Störfaktor für jeden Gruppenvergleich, der ihn nicht berücksichtigt.
- **Ernährung und Lebensstil.** Neto und Kollegen berichten, dass fettreiche Kost mit Dysbiose und schlechterer Qualität verbunden war [s054]; in der koreanischen Ernährungsstudie (12 Wochen, junge Männer) stieg die Motilität unter koreanischer Kost nach 8 Wochen und fiel nach 12 Wochen wieder, bei einem Gruppenunterschied von p = 0,057; ein Mikrobiom wurde nicht gemessen [s052].
- **Leukozytospermie.** Henkel nennt die Leukozytospermie bei 30 % der unfruchtbaren und 20 % der fruchtbaren Männer [s051]. Bei einem Unterschied von zehn Prozentpunkten ist sie als alleiniger Trennmarker schwach.
- **Unterschiedliche Stichproben der Übersichten.** Die Übersicht von Neto verbucht 16 Studien mit Kultur, 16 mit Sequenzierung und 5 gemischt [s054]; Gomes schließt nur Sequenzierstudien ein (7 Studien, 500 Personen) [s068]. Die Ergebnisse dieser Übersichten betreffen daher nicht dieselbe Studienmenge.
- **Diagnosemodelle.** Das Fünf-Gattungen-Modell von Lu und Kollegen erreichte eine AUC von 0,773 (95-%-KI 0,661 bis 0,885) bei 70 Männern [s014]; der AUC-Wert 0,92 (0,86 bis 0,98) einer anderen Arbeit betrifft ein Serumverhältnis (AMH zu Inhibin B) und kein Mikrobiommodell [s027]. Beide Werte dürfen nicht zusammen als „Mikrobiom-Diagnose“ gelesen werden.

## Limitationen der Evidenz

Die Einschränkungen lassen sich in vier Ebenen ordnen: Was die Studien selbst begrenzt (Design, Größe, Methode), was die Übersichten begrenzt (Auswahl, Heterogenität, Eingabedaten), was die Interventionsstudien begrenzt (Endpunkte, Produkte, Region) und was diese Gesamtstudie begrenzt (Textgrundlage, Sprachräume, Prüftiefe). Eine formale GRADE-Bewertung nahm keine der Recherchen vor; einzig Melhem und Kollegen berichten selbst eine GRADE-Einstufung (sehr niedrige Sicherheit für Antioxidantien) [s017].

### 1. Studiendesign: überwiegend Querschnitt, überwiegend Assoziation

- **Querschnittsdesign.** Die meisten Samenmikrobiom-Studien erfassen einen Zeitpunkt. Sie können nicht unterscheiden, ob ein Bakterium die Spermienqualität beeinflusst, ob eine schlechte Samenqualität das Milieu verändert oder ob beides eine gemeinsame Ursache hat (zum Beispiel Entzündung, Adipositas, Sexualverhalten). Osadchiy und Kollegen benennen die Einschränkung ausdrücklich [s056]; Bazzar und Kollegen verlangen standardisierte Methoden und longitudinale Studien, um Kausalität zu belegen [s001]; Kuribayashi und Kollegen beschreiben die Studien als überwiegend klein und querschnittlich [s011].
- **Keine Längsschnittdaten zum Einzelnen.** Weder zu Mikrobiomverläufen bei demselben Mann noch zum Verlauf nach Behandlung liegen in den ausgewerteten Quellen belastbare Daten vor; Lee und Cho und die Recherche-Dokumente fordern prospektive Studien [s012].
- **Beobachtung statt Intervention bei der Frage „Ursache“.** Die einzigen experimentellen Hinweise auf Kausalität stammen aus Tierversuchen (Stuhltransplantation im Mausmodell [s097, s078], Zheng und Kollegen am Rattenmodell mit chronischem Stress [s031], Yao und Kollegen am Mausmodell [s027]). Ma und Kollegen widmen den „translationalen Engpässen“ solcher Modelle eine eigene Übersicht [s016].
- **Fall-Kontroll-Design mit Selektion.** Fall-Kontroll-Studien (zum Beispiel Lu 2025 und 2026 mit je 40 Patienten und 30 Kontrollen im Recherche-Dokument; in der Master-Liste n = 70 [s041, s014]; Luo mit 31 [s015]; Asgari mit 160 [s034]) vergleichen Männer aus Kinderwunschkliniken mit Kontrollen, die anders rekrutiert wurden. Die Kontrollgruppe bestimmt das Ergebnis.

### 2. Stichprobengrößen

Die Stichproben der Sequenzierstudien sind klein. Die Übersicht von Hofman und Kollegen (29 Studien zum Samenbakteriom mit Metagenomik) nennt eine mediane Teilnehmerzahl von 56 bei einer Spanne von 5 bis 285 [s038]. Beispiele aus den Einzelstudien (Männer; bei Weng Proben): Lundy 37 [s092], Hou 77 [s117], Osadchiy 73 [s056], Baud 94 [s101], Weng 96 Proben [s116], Mowla 223 [s043], Yang 159 [s099], Yao 87 Proben [s084], Lu 2025 und 2026 je 70 [s041, s014], Cao 53 [s066]. Brandão berichtet für die in seine Übersicht eingeschlossenen Studien Stichproben von 15 bis 118 Personen je Studie [s086]. Noch kleiner sind Subgruppen: Bei Cao enthielt die Gruppe mit Oligozoospermie 6 Männer, die mit schwerer Oligozoospermie oder Azoospermie 9 [s066]; bei Campbell standen 14 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie 19 Kontrollen gegenüber [s065]; bei Alfano wurden 15 Hoden untersucht, je 5 pro Gruppe [s104]; bei Choi 17 Patienten und 4 Kontrollen [s096].

**Konsequenzen.** Die Aussagekraft für das Aufdecken kleiner bis mittlerer Unterschiede ist gering. Positive Befunde in kleinen Stichproben überschätzen Effekte häufiger, und die Zahl der verglichenen Taxa (Gattungen, Arten, Cluster, Pfade) ist oft größer als die Zahl der Teilnehmer, was Zufallsbefunde begünstigt. Mowla und Kollegen mit der größten Kohorte wendeten eine Korrektur für die falsche Entdeckungsrate an und fanden dann nur noch einen Befund (Flavobacterium) [s043]. Mehrere veröffentlichte Befunde liegen nahe an der Signifikanzgrenze (p = 0,046 bei Osadchiy für L. iners [s056], p = 0,046 bei Asadi für die Konzentration [s064], p = 0,04 bei Prihadi für die Konzentration [s020]).

### 3. Kontamination, Probenweg und Biomasse

Ejakulat wird durch die Harnröhre abgegeben und üblicherweise durch Masturbation gewonnen, wobei Haut- und Harnröhrenflora beigemengt werden können. Die Übersichten von Neto und Grande nennen für Hodenproben einen Anteil von 50 bis 70 % der bakteriellen Reads, der Kontamination sein kann [s054, s050]; Kaltsas und Kollegen fordern „kontaminationsbewusste“ Studien [s009]; Hofman und Kollegen sehen die Heterogenität der methodischen Schritte als Haupthindernis des Vergleichs [s038]. Neto und Kollegen halten außerdem fest, dass keine der eingeschlossenen Studien Pilze oder Viren untersucht hatte [s054]; die griechische Pilotstudie fand in ITS-Sequenzierung keine Pilz-DNA [s026]. Die Übersicht von Buttà und Kollegen erinnert daran, dass viele Studien nichtbakterielle Anteile (HPV, Herpes-simplex-Virus, Trichomonas vaginalis, Candida) ausschließen [s003].

Das russische Recherche-Dokument merkt an, dass in den russischen Open-Access-Texten keine Negativkontrollen für Reagenzien beschrieben wurden; der parallele Harnröhrenabstrich dient dort als Reinheitskontrolle des Verfahrens [s062, s061]. Bei Proben mit geringer Biomasse kann Fremd-DNA aus Reagenzien einen relevanten Anteil ausmachen; ob die Studien Negativkontrollen mitführten, wurde in vielen Recherche-Dokumenten nicht geprüft (es und ru ausdrücklich).

### 4. Methodenvielfalt und fehlende Standardisierung

- **Nachweisverfahren.** Kultur, PCR, 16S-rRNA-Sequenzierung, Shotgun-Metagenomik. Neto und Kollegen zählen 16 Studien mit Kultur, 16 mit Sequenzierung und 5 gemischt [s054].
- **16S-Region, Plattform und Pipeline.** Der Vergleich von Illumina und Oxford Nanopore an denselben 56 Proben zeigte, dass die relative Häufigkeit einzelner Bakterien zwischen den Plattformen nicht korrelierte, mit intraindividuellen Abweichungen bis 50 Prozentpunkte; die zehn häufigsten Gattungen stimmten überein und umfassten mehr als 70 % der Reads [s067]. Das chinesische Recherche-Dokument weist auf unterschiedliche Sequenzierregionen (V3–V4 und andere) und Analysepipelines hin, die das Poolen erschweren.
- **Kulturgrenzwerte.** Über 10³ KbE/ml [s051] gegen überwiegend über 10⁴ KbE/ml [s054].
- **Definition „normal“.** Die Referenzgruppen sind von Studie zu Studie verschieden (Spender, Männer mit Vaterschaft, Männer vor Vasektomie, Männer mit normalem Spermiogramm), wie in Abschnitt 2 der Widersprüche ausgeführt.
- **Auflösungsebene.** Gattung statt Art, obwohl die Art oft entscheidend ist (L. iners gegen L. crispatus [s050, s056]; Pseudomonas-Arten mit gegensätzlicher Richtung [s056]).
- **Absolute gegen relative Häufigkeit.** Sequenzierung liefert relative Anteile, aber keine Aussage, ob Bakterien lebend, krankheitsrelevant oder Kontamination sind; die Bakterienlast wird nur teils mit quantitativer PCR gemessen (Baud: Last von 10³ bis 10⁹ Kopien 16S-rRNA pro ml im russischen Dokument [s101]).

### 5. Endpunkte: Surrogate statt Geburten

Die ausgewerteten Probiotika-Studien berichten Spermienkonzentration, Motilität, Morphologie, Volumen, DNA-Fragmentierung und Oxidationsmarker. Lebendgeburt ist in keiner der Studien Hauptziel; Kaltsas und Kollegen fassen zusammen, Schwangerschaft und Lebendgeburt seien selten berichtet und blieben unbewiesen [s009]. Selbst die Surrogatwerte haben Einschränkungen: Das Spermiogramm ist von Probe zu Probe variabel, und Verbesserungen im Spermiogramm bedeuten nicht automatisch mehr Schwangerschaften. Eine Besonderheit ist die Morphologie: Die berichteten normalen Formen liegen in Gholipour bei 4,31 %, 2,21 % und 1,52 % [s007] und in Saldarriaga bei 4,3 % gegen 6,0 % [s058], also in einem Bereich, in dem kleine absolute Unterschiede große relative Unterschiede ergeben. Die Morphologie wird nur so berichtet, wie es die Studien angeben; Unterteilungen nach Kopf-, Mittelstück- oder Flagellum-Defekten sind in den ausgewerteten Abstracts nicht vorhanden.

### 6. Interventionsstudien: klein, kurz, regional konzentriert

- **Größe und Dauer.** Die Studien am Menschen umfassen 9 (Valcarce, unkontrolliert [s112]), 41 [s111], 52 [s079], 56 [s085], 73 [s028], 78 [s064] und 110 Männer [s007] bei einer Dauer von wenigen Wochen bis sechs Monaten.
- **Studientyp.** Eine der Studien ist unkontrolliert [s112], eine ist ein nicht begutachteter Vorabdruck einer Fallserie mit 8 Männern [s037], der in dieser Studie nicht als Beleg dient, eine ist nur als Protokoll veröffentlicht (n = 84 geplant [s023]). Bei Zarehoroki (n = 73) lagen im abgerufenen Abstract keine Ergebnisse vor [s028].
- **Vergleichsarm.** Placebo, Stärke [s111], Antioxidans [s007] oder keine Kontrolle [s112]; ob und wie die Verblindung geprüft wurde, ist in den Abstracts nicht dargestellt. Drei Studien sind als dreifach verblindet bezeichnet [s085, s007, s040].
- **Produkte.** Die Studien nutzten unterschiedliche, teils kommerzielle Produkte (Flortec, FamiLact, Sperigen als Vergleichsprodukt); Mischformulierungen verhindern die Zuordnung zu einem Stamm [s111, s007].
- **Region und Gruppe.** Mehrere Studien stammen aus dem Iran, teils aus derselben Arbeitsgruppe mit demselben Produkt [s085, s064, s007, s079, s028]. Ob die Ergebnisse auf Mitteleuropa übertragbar sind (Ernährung, Produktverfügbarkeit, Einschlusskriterien), ist nicht untersucht.
- **Interessenkonflikte.** Mögliche Interessenkonflikte und Produktbindungen wurden in den Recherchen nicht geprüft (deutsches Recherche-Dokument ausdrücklich).
- **Statistik.** Der Abstract von Maretti berichtet Vorher-nachher-Vergleiche innerhalb der Verumgruppe und keinen Gruppenvergleich [s111]; Huerga López verwendet einen einseitigen Test [s040]; bei Asadi liegen die p-Werte bei 0,046 und 0,016 und Konfidenzintervalle fehlen im Abstract [s064].
- **Sicherheit.** Maretti berichtet keine Nebenwirkungen [s111], bei Gholipour schied ein Teilnehmer wegen Blähungen aus [s007]. Das ist keine systematische Sicherheitsbewertung.

### 7. Übersichten und Metaanalysen

- **Probiotika-Metaanalyse.** Vier Studien, davon eine einarmige; I² 79 bis 95 %; sehr breite Konfidenzintervalle; ein Eingangsstudium zurückgezogen [s020, s021]; Abweichungen zwischen Tabelle und Originalen (Abschnitt 7b der Widersprüche); kein Test auf Publikationsverzerrung möglich bei dieser Studienzahl (russisches Recherche-Dokument).
- **Oliveira.** Vier randomisierte Studien, qualitative Synthese ohne gepoolten Schätzer [s055]; die vier Studien sind nach den Recherche-Dokumenten Valcarce, Maretti, Helli und Abbasi, also dieselben vier Arbeiten wie im Pool von Prihadi [s055, s020] (pt-Dokument). Die beiden Zusammenfassungen sind demnach keine unabhängigen Bestätigungen.
- **Infektionsmetaanalysen.** Campbell: hohe Heterogenität, für HPV und Antispermien-Antikörper eine Odds Ratio von 10,63 mit sehr weitem Intervall (1,49 bis 75,93) [s004]; Boujemaa: Region und Methode erklären einen Teil der Streuung [s002].
- **Farahani.** Die Metaanalyse umfasst Studien von 1992 bis 2019 mit Kultur, PCR und Sequenzierung; im Abstract fehlen Angaben zu Einzelheiten der Heterogenität und Studienqualität; die Autoren selbst nennen die Evidenz zur Fertilität nicht schlüssig [s089].
- **Vergleichsweise starke Aussage über Erreger.** Die Evidenz für nachgewiesene Erreger ist besser als für „Dysbiose“, aber auch sie stützt sich auf Beobachtungsstudien [s089, s004, s002].
- **Narrative Übersichten.** Viele Quellen der Master-Liste sind narrative Übersichten [s003, s009, s010, s011, s012, s016, s030, s032, s036, s049, s050, s051, s054, s057, s069, s071, s082, s093, s098, s100, s122, s123, s029]. Sie fassen zusammen, aber sie liefern keine neuen Daten; wiederholte Zitate derselben Primärstudien erzeugen den Eindruck von mehr Evidenz, als vorliegt.

### 8. Tier- und Zellstudien

Die tierexperimentellen Quellen umfassen Maus [s097, s078, s094, s103, s114, s039, s059, s027, s053], Ratte [s008, s025, s031, s091], Hund [s013, s072, s080], Eber [s018], Kaninchen [s024], Bulle [s019], Masthuhn [s106], Forelle [s063] und eine Zelllinie [s045]. Sie liefern Mechanismen (Barrierestörung, Endotoxin, Polyamine, Vitamine, mitochondriale Funktion), aber keine Übertragung auf den Menschen: Dosen, Spezies, Ernährungsmodelle und induzierte Schäden unterscheiden sich. Beispiele: Die Dosisabhängigkeit in der Forellenstudie (mittlere Dosis am wirksamsten) ist nach dem arabischen Recherche-Dokument ein Fischmodell und erlaubt keinen Schluss für den Menschen [s063]. Die Studie am Hund verwendete eine Gabe über 70 Tage an 14 gesunden Rüden [s013]. Das koreanische Dokument nennt für Mausspermien in vitro eine Motilitätszunahme von 30 bis 40 % [s053] und für die Leydig-Zelllinie TM3 erhöhte Testosteronsynthese-Proteine [s045]; beides sind Zellmodelle.

### 9. Grenzen dieser Gesamtstudie

Die Grenzen betreffen auch den Weg, wie diese Studie entstand.

1. **Textgrundlage.** Viele Quellen lagen nur als Abstract vor; die Recherche-Dokumente weisen übereinstimmend darauf hin, dass PubMed-Seiten und Teile von PubMed Central automatisiert nicht lesbar waren (Cookie-Seite, reCAPTCHA). Details, die im Abstract nicht stehen (Konfidenzintervalle einzelner Studien, Adjustierung, Verblindung, Risiko für Verzerrung), wurden nicht ergänzt. Für einige Arbeiten wurden Volltexte gelesen (siehe die vorangehenden Kapitel).
2. **Keine systematische Suche.** Die zwölf Sprachraum-Recherchen waren gezielte Suchen und keine vollständigen systematischen Recherchen; wichtige Studien fehlen mit Sicherheit (en-Dokument ausdrücklich: weitere RCT, Darmmikrobiom-Kohorten). Keine unabhängige Bewertung des Verzerrungsrisikos je Studie wurde vorgenommen.
3. **Dünne Literatur je Sprachraum.** Für Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch meldet jedes Recherche-Dokument eine dünne eigenständige Literatur; die Kerndaten sind überwiegend englischsprachig. Datenbanken wie CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY, CyberLeninka, TR Dizin, SciELO und LILACS konnten nicht oder nicht vollständig durchsucht werden; „keine Studie gefunden“ bedeutet deshalb nicht „es gibt keine“. Das chinesische Dokument hält selbst fest, dass das Urteil „wenige chinesische Studien“ deshalb unsicher ist.
4. **Quellenarten.** Die Liste enthält Presseberichte und populärwissenschaftliche Zusammenfassungen [s048, s125, s126], einen Vorabdruck [s037], einen Kommentar [s075], einen Projekteintrag [s081] und eine Leitlinienseite ohne abrufbare Empfehlung [s006]. Diese dienen dem Kontext und nicht als Beleg für Wirksamkeit.
5. **Vorkommen von Zahlen nur auf Abstract-Ebene.** Der Befund von Koort (53 % gegen 25 %) liegt im vorliegenden Material nur auf Abstract-Ebene vor [s070]; die Zahlen für Mycoplasma hominis [s002] stammen aus den Recherche-Dokumenten, weil ein wörtlicher Abruf des Abstracts nicht möglich war.
6. **Stand.** Alle Aussagen entsprechen dem Stand vom 4. Oktober 2026; später erscheinende oder zurückgezogene Arbeiten sind nicht berücksichtigt.
7. **Keine eigene Metaanalyse.** Es wurden keine Daten neu gepoolt oder Effektgrößen umgerechnet. SMD, Mittelwertdifferenz, Odds Ratio und Korrelationskoeffizient sind nicht direkt vergleichbar [s020, s004, s089, s005].

## Offene Forschungsfragen

Die folgenden Fragen ergeben sich aus den Widersprüchen und Lücken, die in den Quellen selbst benannt werden oder die sich aus ihrer Gegenüberstellung ergeben. Jede nennt, welcher Studientyp sie beantworten könnte.

1. **Ursache, Folge oder Marker?** Verändert das Samenmikrobiom die Spermienqualität, verändert eine schlechte Spermienqualität das Milieu, oder haben beide eine gemeinsame Ursache (Entzündung, Adipositas, Sexualverhalten, Partnerflora)? Nötig sind longitudinale Studien mit Wiederholungsproben vor und nach Intervention und Designs, die Entzündung und Leukozyten berücksichtigen [s001, s056, s005].
2. **Was ist ein „normales“ Samenmikrobiom?** Eine reproduzierbare gesunde Referenz fehlt [s009, s036]. Nötig sind gemeinsame Probenentnahme, Kontrollen für Kontamination (Negativkontrollen, Harnröhrenabstrich) und die Aufnahme von Pilzen und Viren [s054, s003].
3. **Welche Art und welcher Stamm?** Lactobacillus crispatus gegen L. iners, die Pseudomonas-Arten und Prevotella auf Artebene: Nötig sind artauflösende Verfahren (Shotgun-Metagenomik, Vollängen-16S) [s050, s056, s067].
4. **Wirken Probiotika über das Mikrobiom?** Verändert die orale Gabe das Samen- oder Darmmikrobiom beim Mann, und vermittelt das die Wirkung auf Spermienwerte? Kein Studienarm in den ausgewerteten Quellen hat das gemessen; die Studie von Huerga López fand keine wesentliche Änderung der Zusammensetzung [s040].
5. **Lebendgeburt statt Surrogat.** Erhöhen Probiotika bei Männern oder Paaren Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten? Nötig sind große, vorab registrierte, placebokontrollierte, multizentrische Studien mit Lebendgeburt als Hauptziel [s009, s087, s040].
6. **Welcher Stamm, welche Dosis, wie lange?** Dosis-Wirkungs-Studien mit einzelnen definierten Stämmen und Dosisgruppen fehlen; die Dauer sollte mindestens einen Spermatogenesezyklus umfassen [s111, s112, s007].
7. **Gelten die iranischen Ergebnisse anderswo?** Replikation in Mitteleuropa und in anderen Regionen, mit Produkten, die dort verfügbar sind [s007, s064, s085].
8. **Der Rückzug von Helli und seine Folgen.** Welche Folgen hat der Rückzug für die Metaanalyse von Prihadi und für die Übersichten von Oliveira und Kaltsas? Nötig ist eine Neuberechnung ohne die zurückgezogene Studie und eine Klärung der Abweichungen zwischen Tabelle und Originalen [s020, s021, s055, s009].
9. **Behandlung der Bakteriospermie.** Verbessert die gezielte Behandlung einer nachgewiesenen Bakteriospermie oder Leukozytospermie Spermienwerte oder Schwangerschaftsraten? Lee und Cho fordern gut geplante prospektive Studien [s012]; die Evidenz für die Wirkung auf DNA-Fragmentierung beruht bisher auf Beobachtungsdaten [s089].
10. **Rolle des Paares.** Sind Partnermikrobiome (vaginal plus seminal) gemeinsam bessere Prädiktoren als jedes für sich? Koort, Amato und Mändar liefern gegensätzliche Hinweise bei kleinen Fallzahlen [s070, s095, s113].
11. **Hoden und Nebenhoden.** Gibt es ein eigenständiges Hodenmikrobiom, das mit der Spermiengewinnung oder dem Erfolg assistierter Reproduktion zusammenhängt, und wie lässt sich Kontamination bei Gewebeproben ausschließen [s046, s104, s069]? Hypothesen der russischen Gruppe verlangen größere Stichproben mit geeigneten Kontrollen.
12. **Darm-Hoden-Achse beim Menschen.** Tierversuche stützen Barriere-, Endotoxin-, Vitamin- und Polyaminwege [s097, s078, s094, s031]; beim Menschen fehlen Studien, die Darmmikrobiom, Metabolite und Samenparameter gleichzeitig messen [s015, s066, s092]. Das Trimethylamin-N-oxid wird als Kandidat, nicht als bewiesener Mittler beschrieben [s030].
13. **Diagnostik.** Sind mikrobiombasierte Modelle (AUC 0,773 bei 70 Männern [s014]) extern validierbar? Nötig sind unabhängige, prospektive Validierungskohorten.
14. **Störfaktoren.** Alter, Ernährung, Antibiotika, Rauchen, Adipositas, Beschneidung und Sexualverhalten werden in den ausgewerteten Studien selten berücksichtigt; Alter allein verschiebt Motilität und Morphologie [s083]. Nötig sind multivariable Analysen in größeren Kohorten.
15. **Sicherheit.** Systematische Sicherheitsdaten für die Einnahme bei Männern fehlen [s111, s007].
16. **Lücken in Regionen und Sprachräumen.** Aus dem Japanischen und den Golfstaaten liegen keine eigenständigen Studien vor; ein Forschungsprojekt der Osaka-Universität zu Varikozele und Samenbakterien (2022 bis 2024) ist erfasst, seine Ergebnisse waren nicht auffindbar [s081]. Die Beteiligung großer Geburtskohorten ist denkbar, in der japanischen Kohorte (100.778 Schwangerschaften, 51,0 % mit teilnehmendem Mann) wurden aber keine Samenmikrobiom-Daten gefunden [s108].
17. **Leitlinien.** Die EAU-Leitlinienseite lag in der ursprünglichen Abfrage abgeschnitten vor; die frühere Abbruchstelle bestand nach dem Kapitel zu den klinischen Studien beim erneuten Abruf nicht mehr [s006]. Eine Leitlinienempfehlung zu Mikrobiomtests oder Probiotika ist in den Quellen nicht belegt.

## Praktische Einordnung

Dieser Abschnitt ordnet die Ergebnisse ein, damit Leserinnen und Leser sie nicht zu stark oder zu schwach gewichten. Er ist keine Therapieempfehlung, keine Aufforderung, ein Produkt zu nehmen oder abzusetzen, und kein Ersatz für Diagnose und Beratung durch Urologie, Andrologie oder Reproduktionsmedizin.

### Was nach den Quellen belegt ist

- **Bakterien im Ejakulat sind normal.** Alle sequenzierungsbasierten Studien in der Übersicht von Neto fanden Bakterien in allen Samenproben [s054]; die Metaanalyse von Farahani beschreibt eine reiche und vielfältige Gemeinschaft bei fruchtbaren und unfruchtbaren Männern [s089]. Der Nachweis von Bakterien ist daher für sich genommen weder eine Krankheit noch eine Erklärung für Unfruchtbarkeit.
- **Nachgewiesene Erreger sind mit schlechteren Spermienwerten verbunden.** Metaanalysen finden Assoziationen mit Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis und Enterococcus faecalis sowie bei dokumentierten Infektionen des Urogenitaltrakts [s089, s002, s004]. Die Abklärung, ob eine Infektion vorliegt und ob sie behandelt wird, ist eine ärztliche Entscheidung (Untersuchung, Erregernachweis, Resistenzlage, Begleitbefunde wie Leukozytospermie oder Prostatitis); Henkel hält fest, dass ein einheitliches Behandlungsschema fehlt [s051]. Die regionalen Resistenzdaten zeigen, dass dabei die Wahl des Antibiotikums ärztlich nach Kultur und Antibiogramm erfolgen muss [s073].
- **Kein Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung belegt.** Die größte sequenzierte Kohorte (223 Männer) fand keinen Zusammenhang der Gesamtzusammensetzung mit Samenanalyse, oxidativem Stress oder DNA-Fragmentierung [s043].

### Was vorgeschlagen, aber nicht belegt ist

- Dass bestimmte Muster (mehr Prevotella, bestimmte Pseudomonas-Arten, L. iners) die Spermien schädigen, ist eine Assoziation und kein Beweis [s089, s116, s056].
- Dass Probiotika bei Männern Spermienwerte verbessern, beruht auf wenigen, kleinen, überwiegend iranischen und italienischen Studien, einem gepoolten Schätzer mit sehr breiten Intervallen, der teilweise auf einer zurückgezogenen Studie beruht [s020, s021], und auf Surrogatendpunkten. Eine Wirkung auf Schwangerschaft oder Geburt ist beim Mann nicht belegt [s009, s040, s087].
- Dass die Darm-Hoden-Achse beim Menschen eine therapeutische Angriffsfläche ist, stützt sich auf Tiermodelle [s097, s078, s031].

### Was die Quellen für Leserinnen und Leser bedeuten könnten

1. **Ein Mikrobiomtest des Ejakulats ist kein etablierter Routinebefund.** In den ausgewerteten Quellen gibt es weder eine validierte Referenz noch einen extern geprüften Test; die Fachgesellschaft SIA beschreibt das Samenmikrobiom als „noch einen vernachlässigten Aspekt der Diagnostik“ mit Zukunftspotenzial, nicht als Leitlinienstandard [s126]. Diagnosemodelle wie das mit AUC 0,773 sind explorativ [s014].
2. **Ein auffälliges Spermiogramm hat viele mögliche Ursachen.** Hormone, Genetik, Varikozele, Infektionen, Entzündungen und Lebensstil kommen in Betracht (so die Einordnung dieser Studie; in den Probiotika-Studien wurden unter anderem Männer nach Varikozelenoperation untersucht [s064]). Die Abklärung gehört in ärztliche Hände; das Mikrobiom ist nur ein möglicher Baustein.
3. **Beschwerden und Befunde ernst nehmen.** Schmerzen im Becken, Brennen beim Wasserlassen, Ausfluss oder Leukozyten im Ejakulat sind andrologisch abzuklären (die Übersicht zu Prostatitis und Unfruchtbarkeit beschreibt einen Abklärungsweg mit Entzündungsmarkern und gezielter Mikrobiologie [s010]).
4. **Probiotika sind in der Fachliteratur bestenfalls eine mögliche Ergänzung, kein etabliertes Verfahren.** Die vorsichtigsten Übersichten sehen sie höchstens als Zusatz und nicht als eigenständige Behandlung [s009]. Welches Produkt, welcher Stamm, welche Dosis oder Dauer sinnvoll wäre, lässt sich aus den Quellen nicht ableiten; ob jemand ein Produkt einnimmt, sollte er mit der behandelnden Praxis besprechen. Dieser Text bewertet kein Produkt.
5. **Der Paarblick.** Weil Partner Mikrobiota austauschen [s054, s119], können Befunde des Mannes nicht isoliert von der Partnerin betrachtet werden; für die Frage der Behandlung gilt dasselbe wie oben.
6. **Sichere Aussagen zu Nebenwirkungen fehlen.** Die ausgewerteten Studien beschreiben kaum Nebenwirkungen [s111, s007], eine systematische Sicherheitsbewertung gibt es nicht.
7. **Medien und Pressemitteilungen.** Pressetexte und Zusammenfassungen von Instituten [s048, s125, s126] geben Studienergebnisse verkürzt wieder und sind keine Primärquelle.

### Merksätze

- Bakterien im Sperma sind normal; Erreger mit Krankheitswert gehören in die ärztliche Abklärung.
- Assoziation ist keine Ursache.
- Ein „guter“ Keim im Sperma ist nicht belegt; Art und Ort entscheiden.
- Probiotika beim Mann: kleine Studien, Surrogatwerte, ein zurückgezogener Baustein, keine Lebendgeburt-Daten.
- Für Entscheidungen im Einzelfall gilt: ärztlich abklären, nicht aus diesem Text ableiten.

## Glossar

Die Erklärungen sind allgemeinverständliche Begriffsbestimmungen für das Verständnis dieser Studie. Wo ein Zahlenwert genannt wird, steht der Beleg in Klammern.

**16S-rRNA-Sequenzierung.** Verfahren, bei dem ein in allen Bakterien vorhandenes Gen (16S-rRNA) in Teilen oder vollständig gelesen wird, um die Bakteriengattungen und teilweise Arten in einer Probe zu bestimmen. Es liefert relative Anteile, keine Aussage über Lebensfähigkeit oder Krankheitswert. Verschiedene Gen-Regionen und Plattformen ergeben unterschiedliche Profile [s067].

**Alpha-Diversität.** Maß für die Vielfalt der Bakterien innerhalb einer einzelnen Probe (zum Beispiel Reichhaltigkeit, Shannon-Index, Chao1). Hohe Diversität ist nicht gleichbedeutend mit „gesund“; die Studien finden sie bei Unfruchtbarkeit höher, niedriger oder unverändert [s086, s092, s101].

**Antioxidans / oxidativer Stress.** Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) können Spermienmembranen und Erbgut schädigen; Antioxidantien fangen sie ab. Ein Ungleichgewicht heißt oxidativer Stress. In Probiotika-Studien wurden Marker wie Malondialdehyd (Lipidperoxidation) und die antioxidative Gesamtkapazität gemessen [s079, s085].

**Asthenozoospermie.** Verminderte Beweglichkeit der Spermien im Ejakulat.

**Azoospermie.** Fehlen von Spermien im Ejakulat. Die obstruktive Form beruht auf einem Verschluss der Samenwege, die nichtobstruktive auf gestörter Spermienbildung im Hoden [s062].

**Bakteriospermie.** Nachweis von Bakterien im Ejakulat, klassisch durch Kultur. Die Schwellenwerte sind uneinheitlich (über 10³ oder über 10⁴ koloniebildende Einheiten pro ml) [s051, s054]. Die berichtete Häufigkeit schwankt zwischen 7 und 65,7 % je nach Studie [s054].

**Beta-Diversität.** Maß für den Unterschied der Bakterienzusammensetzung zwischen Proben oder Gruppen. Ein Unterschied in der Beta-Diversität zwischen Patienten und Kontrollen sagt noch nichts über Ursache oder klinische Bedeutung [s065, s101].

**Cluster (Mikrobiom-Typ).** Gruppe von Proben mit ähnlicher Zusammensetzung, oft nach der dominierenden Gattung benannt (zum Beispiel Lactobacillus-, Prevotella-, Pseudomonas-Cluster [s116]).

**Cohen-Maßstab.** Faustregel, nach der standardisierte Effektgrößen ab etwa 0,8 als „groß“ gelten. Bei sehr breiten Konfidenzintervallen sagt der Punktwert wenig aus [s020].

**Dysbiose.** Abweichung der mikrobiellen Gemeinschaft von einem Referenzzustand. Für das Ejakulat gibt es keine allgemein anerkannte Referenz, daher ist der Begriff hier unscharf [s009].

**DNA-Fragmentierungsindex (DFI).** Anteil der Spermien mit Brüchen in der DNA. Bei Bakteriospermie war er im Mittel um 3,518 Punkte höher (95-%-KI 0,907 bis 6,129) [s089].

**Eugonadal.** Mit normaler Hodenfunktion und normalen Hormonspiegeln [s005].

**Evidenzgrad / GRADE.** System zur Einstufung der Sicherheit von Evidenz (hoch bis sehr niedrig). In den Quellen wird es nur von Melhem und Kollegen berichtet [s017].

**Falsche Entdeckungsrate (FDR).** Statistische Korrektur für viele gleichzeitige Vergleiche; Ergebnisse nach Korrektur werden als q-Werte angegeben [s043].

**Fisher-Test.** Statistischer Test für Häufigkeiten in kleinen Gruppen [s116].

**Gardnerella.** Bakteriengattung, bekannt aus der Vaginalflora; im Ejakulat bei Weng positiv, in der Paarstudie von Mändar bei Partnerinnen von Männern mit Leukozytospermie gehäuft [s116, s113].

**Heterogenität (I²).** Anteil der Streuung zwischen Studien einer Metaanalyse, der nicht durch Zufall erklärt wird. Werte von 79 bis 95 % gelten als sehr hoch [s020].

**Idiopathische Unfruchtbarkeit.** Unfruchtbarkeit ohne feststellbare Ursache.

**Konfidenzintervall (KI).** Bereich, in dem der wahre Wert mit der angegebenen Sicherheit (hier 95 %) liegt. Ein Intervall, das nahe null beginnt oder null einschließt, spricht für unsichere Effekte [s020, s017].

**Kontamination.** Eintrag fremder Bakterien oder Bakterien-DNA, zum Beispiel aus Haut, Harnröhre oder Reagenzien. Bei Proben mit geringer Biomasse besonders relevant; bei Hodenproben nennen Übersichten 50 bis 70 % der Reads [s054, s050].

**Kryokonservierung.** Einfrieren von Samenzellen, etwa in der Tierzucht [s019].

**Leukozytospermie.** Erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen im Ejakulat; die Grenze liegt bei 1 × 10⁶ peroxidasepositiven Zellen pro ml. Henkel nennt sie bei 30 % der unfruchtbaren und 20 % der fruchtbaren Männer [s051].

**Metagenomik (Shotgun).** Sequenzierung des gesamten Erbguts einer Probe, nicht nur eines Markergens; erlaubt Aussagen zu Arten und Stoffwechselwegen [s092].

**Metaanalyse.** Statistische Zusammenführung der Ergebnisse mehrerer Studien. Ihre Qualität hängt von den eingeschlossenen Studien ab [s020, s089].

**Mastozytose (hier: Mastzellvermehrung).** Vermehrung von Mastzellen, Immunzellen des Bindegewebes, im Hodengewebe [s060].

**Mikrobiom / Mikrobiota.** Die Gesamtheit der Mikroorganismen (und ihrer Gene) in einem Lebensraum, hier im Ejakulat, in der Harnröhre, im Hoden, im Darm oder in der Vagina.

**Morphologie.** Gestalt der Spermien (Kopf, Mittelstück, Flagellum). Berichtet wird der Anteil normaler Formen.

**Motilität (progressiv).** Anteil beweglicher Spermien; progressiv heißt vorwärts gerichtet beweglich.

**Normozoospermie.** Spermiogramm ohne Auffälligkeit in den untersuchten Parametern.

**OAT (Oligoasthenoteratozoospermie).** Gleichzeitig verminderte Konzentration, verminderte Beweglichkeit und erhöhter Anteil fehlgeformter Spermien.

**Odds Ratio (OR).** Maß für den Zusammenhang zwischen einer Eigenschaft und einem Ereignis; ein Wert über 1 bedeutet häufigeres Vorkommen. Beispiel: U. urealyticum bei Unfruchtbarkeit OR 2,25 (1,47 bis 3,46) [s089].

**Oligozoospermie.** Verminderte Spermienkonzentration.

**OTU.** Operative taxonomische Einheit, ein Näherungsmaß für „Art“ in der Sequenzanalyse [s086].

**Peroxidase / Peroxidase-positive Zellen.** Nachweisreaktion für Granulozyten im Ejakulat, die zur Definition der Leukozytospermie dient [s051].

**Placebo / Verblindung.** Scheinpräparat und Verschleierung der Gruppenzuteilung; „dreifach verblindet“ bedeutet, dass Teilnehmer, Behandelnde und Auswertende nicht wissen, wer welche Behandlung erhält [s007].

**Präbiotikum / Probiotikum / Synbiotikum.** Präbiotika sind Nährstoffe für nützliche Mikroben, Probiotika lebende Mikroorganismen in ausreichender Menge mit angenommenem Gesundheitsnutzen, Synbiotika die Kombination [s111, s085].

**Postbiotikum.** Inaktivierte Mikroben oder deren Produkte mit angenommener Wirkung [s029].

**Prostatitis.** Entzündung der Prostata; mit verminderten Laktobazillen und vermehrten Streptokokken im Ejakulat beschrieben [s050].

**Querschnittsstudie.** Beobachtungsstudie zu einem Zeitpunkt; zeigt Zusammenhänge, nicht deren Richtung.

**Randomisierte kontrollierte Studie (RCT).** Studie, bei der die Teilnehmer zufällig einer Behandlungs- oder Vergleichsgruppe zugeteilt werden.

**Relative Häufigkeit.** Anteil eines Bakteriums an allen nachgewiesenen Bakterien einer Probe, nicht seine absolute Menge.

**Risk of Bias (RoB 2, ROBINS-I).** Werkzeuge zur Bewertung des Verzerrungsrisikos von randomisierten (RoB 2) und nichtrandomisierten (ROBINS-I) Studien [s020].

**ROC-Kurve / AUC.** Maß für die Trennschärfe eines Tests; 0,5 entspricht Zufall, 1 perfekter Trennung. Beispiel: 0,773 für ein Fünf-Gattungen-Modell [s014].

**Spermiogramm.** Laboranalyse des Ejakulats (Volumen, Konzentration, Beweglichkeit, Morphologie).

**Spermatogenese.** Bildung der Spermien im Hoden; dauert nach dem italienischen Recherche-Dokument etwa 70 bis 90 Tage [s013].

**SMD (standardisierte Mittelwertdifferenz).** Effektmaß, das Unterschiede in Einheiten der Standardabweichung ausdrückt und so verschiedene Skalen vergleichbar machen soll [s020].

**Streptococcus, Staphylococcus, Prevotella, Pseudomonas, Lactobacillus, Ureaplasma, Mycoplasma, Chlamydia.** Bakteriengattungen, die in den Studien wiederholt genannt werden. Gattung bedeutet nicht Art: L. crispatus und L. iners zum Beispiel sind unterschiedlich bewertet worden [s050, s056].

**Surrogatendpunkt.** Ersatzmessgröße (zum Beispiel Spermienkonzentration) anstelle des eigentlich interessierenden Ergebnisses (Schwangerschaft, Lebendgeburt) [s009].

**Varikozele.** Erweiterung der Venen im Hodensack; Varikozelenoperation: operative Behandlung [s064].

**Vorhersageintervall.** Bereich, in dem der Effekt einer künftigen Studie liegen würde; schließt es null ein, kann eine neue Studie auch keinen Nutzen zeigen [s017].

**Darm-Hoden-Achse.** Hypothese, dass Darmbakterien über Immunsystem, Stoffwechsel, Hormone und die Blut-Hoden-Schranke die Spermienbildung beeinflussen [s009]. Im Tiermodell gezeigt, beim Menschen nicht belegt [s097].

**Blut-Hoden-Schranke.** Zellbarriere, die das Keimepithel im Hoden vom Blut abschirmt [s114].

**Endotoxin (LPS).** Bestandteil der Zellwand bestimmter Bakterien, der im Blut Entzündungsreaktionen auslösen kann [s097].

**TMAO.** Trimethylamin-N-oxid, ein mikrobiell beeinflusster Stoffwechselstoff, in Übersichten als Kandidat, nicht als bewiesener Mittler der Darm-Hoden-Achse beschrieben [s030].

**S-Adenosylmethionin-Zyklus.** Stoffwechselweg, der in Lundys Metagenomik bei unfruchtbaren Männern verändert war und Methylierung und oxidativen Stress betreffen könnte [s092].

**Urocanat.** Stoffwechselprodukt, das bei Baud in auffälligen Samenproben und Prevotella-dominierten Proben erhöht war [s047].

**Retraction (Rückzug).** Offizielle Zurücknahme einer Veröffentlichung durch die Zeitschrift; die Studie darf nicht mehr als Evidenz gelten [s021].

**Einseitiger Test.** Statistischer Test, der nur eine Richtung des Unterschieds prüft; er erreicht bei gleichen Daten leichter Signifikanz als der zweiseitige Test [s040].

**IUI / IVF / ICSI / ART.** Intrauterine Insemination, In-vitro-Fertilisation, intrazytoplasmatische Spermieninjektion und assistierte Reproduktionstechniken insgesamt [s095, s070].

**micro-TESE.** Mikrochirurgische Spermiengewinnung aus dem Hoden [s104].

## Quellenverzeichnis

Die Liste enthält alle 126 Quellen der Master-Quellenliste in der Reihenfolge der Kennungen (Jahr absteigend, dann Erstautor). Angaben zu Journal, PMID und DOI stammen aus der Master-Quellenliste; fehlt eine Angabe, ist sie dort nicht vorhanden. Titel nicht englischer Studien stehen im Original, eine deutsche Übersetzung folgt in Klammern.

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## Quellenliste (maschinenlesbar)

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