Mikrobiom und Probiotika · Kapitel 26 von 33 · Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt (II)

Koreanisch und Russisch

Koreanisch

Textgrundlage und Abgrenzung. Die koreanischsprachigen Datenbanken (KCI, KoreaMed, DBpia) und die Zeitschrift der Koreanischen Urologischen Gesellschaft ließen sich nicht auswerten. In den Suchtreffern erschienen ältere koreanische Beiträge zu Mykoplasmen (ein Bericht von 1996, eine Studie von 2003 mit 655 Patienten); ihr Text wurde nicht geöffnet, sie werden nicht als Beleg verwendet. Die koreanische Literatur besteht daher aus (1) klinischen Studien zu sexuell übertragbaren Erregern und zu chronischem Beckenschmerz, (2) einer Ernährungsstudie, (3) einer Übersicht und (4) einem Cluster von Labor- und Tierarbeiten mit Probiotika. Koreanische Sequenzierkohorten bei fruchtbaren und unfruchtbaren Männern und eine koreanische Probiotika-Studie am Mann wurden nicht gefunden.

Sexuell übertragbare Erreger und Spermienqualität: Kim et al. 2017 [s109]. Originaltitel: Effects of infections with five sexually transmitted pathogens on sperm quality. Die Studie am Fertilitätszentrum des Cheil General Hospital (mit Women's Healthcare Center) untersuchte Ejakulat aus Paaren mit Kinderwunsch auf fünf Erreger. Aufgenommen wurden Männer von 19 bis 40 Jahren mit Geschlechtsverkehr im letzten Jahr; ausgeschlossen wurden unter anderem Geschlechtschromosomen-Anomalien, strukturelle Beckenstörungen, Sterilisation, sexuell übertragbare Infektion im letzten Jahr, Genitalwarzen, Hodentrauma, Kryptorchismus, Orchitis nach Mumps, Varikozele, Samenwegsinfektion und Ausfluss oder Schmerzen am Penis in den letzten sechs Monaten. Nach drei Tagen Karenz wurden Proben von 400 Männern durch Masturbation gewonnen; zwei wurden wegen fehlender Infektionsdaten und 19 wegen fehlender Daten, Azoospermie (15) oder Nekrozoospermie (2) ausgeschlossen, sodass 381 Männer in die Analyse eingingen. Das Recherche-Dokument und der Abstract nennen die 400; die Prävalenzen beziehen sich auf die 381. Der Nachweis von HPV lief über einen PCR-Chip („Cheil HPV DNA chip“) mit Echtzeitdetektion, der der übrigen Erreger über ein Flüssigmikrokultur-Kit (MYCOFAST Evolution 2).

Die Prävalenzen betrugen: Ureaplasma urealyticum 16,80 % (64 Männer), Mycoplasma hominis 4,46 % (17), HPV 1,57 % (6), Mycoplasma genitalium 1,31 % (5) und Chlamydia trachomatis 0,79 % (3). Es gab 74 Einzelinfektionen und 10 Mehrfachinfektionen (9 doppelt, 1 dreifach). In der Gesamtkohorte war nur bei Ureaplasma urealyticum der Anteil normaler Formen signifikant niedriger (P < 0,05); für die anderen Erreger gab es keine signifikanten Unterschiede. In der Untergruppe der normozoospermen Männer hatten Männer mit irgendeiner der fünf Infektionen ein geringeres Ejakulatvolumen (2,52 ± 0,78 gegenüber 3,06 ± 1,24 ml) und eine geringere Gesamtspermienzahl (213,29 ± 98,02 gegenüber 301,62 ± 190,80 × 10⁶; jeweils P < 0,05); Konzentration und Motilität unterschieden sich nicht. Die Autoren nennen als Einschränkungen fehlende Daten zu Body-Mass-Index, Rauchen, Alkohol, Karenzzeit und Koitusfrequenz, die niedrige Prävalenz (die Effekte schwer nachweisbar macht) und mögliche Störfaktoren wie endokrine Erkrankungen und Leukozytospermie. Stärken: eine Kohorte aus einem einzigen Land mit klar definierten Ausschlusskriterien und fünf gleichzeitig untersuchten Erregern. Schwächen: sehr kleine Fallzahlen für fast alle Erreger (3 bis 17 Männer), Kulturkit für vier der fünf Erreger, keine Kontrollgruppe fertiler Männer (der Vergleich erfolgt innerhalb einer Kinderwunsch-Population). Die hohe Prävalenz von Ureaplasma urealyticum im Vergleich zu PCR-Studien aus dem Iran (Abschnitt Arabisch) darf nicht ohne Weiteres als „regionale Besonderheit“ gelesen werden, da die Nachweisverfahren verschieden sind.

Chronischer Beckenschmerz und Samenflora: Choi et al. 2020 [s096]. Originaltitel: Analysis of bacterial community using pyrosequencing in semen from patients with chronic pelvic pain syndrome: a pilot study. Die Pilotstudie an einem Universitätsklinikum in Korea verglich 17 Patienten mit chronischer Prostatitis/chronischem Beckenschmerzsyndrom (CP/CPPS; NIH-CPSI ≥ 15 und Beschwerden seit mindestens drei Monaten) mit 4 gesunden Freiwilligen (NIH-CPSI 1,25 ± 0,96). Das Alter betrug 51,91 ± 12,27 gegenüber 47,25 ± 5,51 Jahren. Die Proben wurden nach Reinigung von Händen und Eichel mit Borsäure-Wattebäuschen durch Masturbation in sterile 50-ml-Flaschen gewonnen. Sequenziert wurde per Pyrosequenzierung des 16S-rRNA-Gens (Primer 27F und 518R, Genome Sequencer FLX Plus). Die herkömmliche Kultur ergab in allen Proben kein Wachstum, die Sequenzierung dagegen in allen Proben mehrere Gattungen; insgesamt wurden 1.343 OTUs bei 97 % Ähnlichkeit gefunden. Corynebacterium, Pseudomonas, Sphingomonas, Staphylococcus und Streptococcus fanden sich in beiden Gruppen; Achromobacter, Stenotrophomonas und Brevibacillus waren bei den Patienten häufiger. Der Shannon-Index betrug bei den Kontrollen 1,75 ± 0,66, bei den Patienten 1,88 ± 0,99; der Simpson-Index wird mit 1,36 ± 0,19 (Kontrollen) und 5,91 ± 0,23 (Patienten) angegeben. Diese Simpson-Werte werden hier wie veröffentlicht wiedergegeben; ein Simpson-Wert über 1 ist für die übliche Definition des Index ungewöhnlich, und die Standardabweichung der Patientengruppe wirkt im Verhältnis zum Mittelwert auffallend klein, sodass bei diesem Wert Vorsicht angebracht ist. Die Autoren räumen ein, dass Kontamination trotz großer Sorgfalt nicht auszuschließen ist; die Stichprobe (17 plus 4) ist für Gruppenunterschiede zu klein, und die Studie ist ausdrücklich ein Pilotversuch. Der Wert liegt im Methodenvergleich: Kultur negativ, Sequenzierung positiv in allen Proben, also kein Beleg für Infektion, sondern für die Empfindlichkeit der Methode (und für das Kontaminationsproblem bei niedriger Biomasse).

Ernährung als indirekter Einflussfaktor: Jung et al. 2024 [s052]. Originaltitel: Effects of Korean Versus Western Diets on Reproductive Function in Young Korean Men: A 12-Week Randomized Parallel Clinical Trial. Diese randomisierte Parallelgruppenstudie (Journal of Lifestyle Medicine; Studienzeitraum laut Volltext 23. Mai bis 17. September 2008) verglich zwölf Wochen lang eine koreanische (reiszentrierte, Kohlenhydrate:Eiweiß:Fett 60:20:20, ohne Weizen- und Milchprodukte) mit einer westlichen Kost (50:20:30, mit Brot, Getreide und Milchprodukten), jeweils 2.600 kcal täglich, bei jungen koreanischen Männern (Alter 26,3 ± 2,5 gegenüber 26,0 ± 2,5 Jahre). Es nahmen 9 (koreanische Kost; 5 mit normalem, 4 mit auffälligem Samenbefund) und 10 Männer (westliche Kost; 5 und 5) teil; einer aus der koreanischen Gruppe zog sich zurück, sodass 19 ausgewertet wurden. Die Spermienmotilität betrug in der koreanischen Gruppe 54,6 ± 20,0 % (Woche 0), 64,6 ± 22,1 % (Woche 8) und 55,0 ± 18,7 % (Woche 12), in der westlichen Gruppe 53,7 ± 23,7 %, 45,7 ± 21,6 % und 53,1 ± 16,3 %; der Gruppenvergleich ergab P = 0,057, also knapp nicht signifikant. Die Konzentration stieg in der koreanischen Gruppe von 66,8 auf 75,4 und 105,5 × 10⁶/ml, in der westlichen von 66,4 auf 76,9 und 85,6 (P = 0,557); das Volumen unterschied sich nicht (P = 0,979). Das freie Testosteron lag bei 13,5, 16,8 und 17,5 pg/ml (koreanisch) gegenüber 14,1, 16,9 und 13,2 pg/ml (westlich; P = 0,020). Die Autoren nennen als Grenzen die nicht erfasste Ernährung vor der Teilnahme, die möglicherweise geringe Beliebtheit reiszentrierter Mahlzeiten bei jungen Männern und die kleine Teilnehmerzahl. Ein Mikrobiom wurde nicht gemessen; die Studie ist nur ein indirekter Hinweis, dass Ernährung Samen- und Hormonwerte beeinflussen kann, und mit 19 Männern kaum belastbar.

Bakteriospermie und DNA-Fragmentierung: Lee und Cho 2026 [s012]. Originaltitel: Impact of bacteriospermia on sperm DNA fragmentation: a narrative review. Die narrative Übersicht koreanischer Autoren in Translational Andrology and Urology suchte in PubMed und Google Scholar (2008 bis 2025; Suche am 1. Januar 2026) mit den Begriffen DNA-Fragmentierung, Bakterien und Samen; von 129 Artikeln erfüllten 11 die Kriterien (Originalarbeiten am Menschen, begutachtet, englisch, mindestens 50 Teilnehmer). Die Prävalenz der Bakteriospermie lag zwischen 20,1 und 35,1 % bei PCR-Nachweis und zwischen 15,28 und 34,88 % bei Kultur; für Ureaplasma-urealyticum-Kulturen betrug sie 21,6 bis 23,2 %. Häufigste Keime waren Enterococcus faecalis und Staphylococcus aureus. Drei große Studien (740 Teilnehmer, davon 595 mit Kultur und 532 mit PCR; 172 subfertile Männer; 4.935 unfruchtbare Männer) zeigten einen Zusammenhang zwischen Bakteriospermie und erhöhter DNA-Fragmentierung (Index 20,5 % bei Infektion gegenüber 15,0 % ohne; 28,1 % gegenüber 21,8 %). Die Zahl 172 entspricht der Fallzahl der Studie von Eini et al. [s088]; ob es dieselbe Arbeit ist, geht aus der Zusammenfassung nicht hervor. In zwei Studien sank der Index nach antibiotischer Behandlung von 43,2 ± 13,8 % auf 37,6 ± 10,4 % beziehungsweise von 37,7 ± 13,6 % auf 24,2 ± 11,2 % nach 3,8 ± 2,2 Monaten. Zu Schwangerschaft und Lebendgeburt lagen nur wenige Daten vor; in einer Studie waren klinische Schwangerschaftsrate, Lebendgeburtenrate und neonatale Ergebnisse nicht statistisch signifikant. Als Mechanismus nennen die Autoren oxidativen Stress (reaktive Sauerstoffspezies, die die antioxidative Abwehr des Samens übersteigen, Lipidperoxidation, DNA-Strangbrüche). Sie sehen Widersprüche bei einzelnen Erregern (besonders Ureaplasma), unterschiedlich empfindliche Nachweisverfahren und die Frage, ob eine Infektion oder eine Verunreinigung durch die normale Harnröhrenflora vorliegt; sie fordern prospektive Studien. Die Antibiotika-Zahlen sind Vorher-Nachher-Werte ohne Kontrollgruppe und sagen nichts über einen Behandlungsnutzen.

Labor- und Tierarbeiten aus Korea. Hier liegt der eigentliche Schwerpunkt der koreanischen Beiträge.

  • Hunde, Mahiddine et al. 2022 [s080]. Neun Pudel (2 bis 9 Jahre) erhielten drei Wochen lang täglich Lactobacillus acidophilus KACC 12419 (3,0 × 10⁹ KbE), Limosilactobacillus salivarius KACC 10006 (2,7 × 10⁸) und Limosilactobacillus reuteri KACC 11452 (1,3 × 10⁹) mit Fructo- und Galactooligosacchariden (0,8 % der Futtermenge). Die Gesamtmotilität stieg von 90,5 ± 2,9 % auf 93,6 ± 3,6 % (P = 0,02), die progressive Motilität von 44,9 ± 7,5 % auf 60,4 ± 7,4 % (P = 0,00, wie berichtet), die Akrosom-Unversehrtheit von 83,8 ± 3,3 % auf 92,9 ± 1,9 % (P = 0,03). Im Darm nahmen Firmicutes zu, Proteobacteria und Tenericutes ab; Firmicutes korrelierten positiv mit der Samenqualität, Proteobacteria, Fusobacterium perfoetens und Anaerobiospirillum succiniciproducens negativ. Die Autoren nennen die kleine Stichprobe, die kurze Gabe (ein Spermatogenese-Zyklus statt der nötigen 4 bis 4,5) und einen unfruchtbaren Hund ohne Besserung.
  • Hunde, Mahiddine et al. 2023 [s072]. Sechs Wochen Lactobacillus rhamnosus, Probenahme nach 0, 3 und 6 Wochen; Spermienkinetik, Lebensfähigkeit, DNA- und Akrosom-Unversehrtheit und Morphologie verbesserten sich, Gene für Fruchtbarkeit, DNA-Reparatur und Antioxidation wurden hochreguliert; die Samenparameter korrelierten positiv mit Actinobacteria, Allobaculum, Phascolarctobacterium und Catenibacterium und negativ mit Faecalibacterium und Streptococcus. Nur der Abstract war zugänglich; Zahlen daraus liegen nicht vor.
  • Mausspermien, Lee et al. 2024 [s053]. Spermien aus dem kaudalen Samenleiter von ICR-Mäusen wurden mit Lacticaseibacillus rhamnosus, Limosilactobacillus fermentum und Lacticaseibacillus paracasei behandelt (die Probiotika stellte HEM Pharma Inc. bereit); die Motilität stieg laut Abstract um 30 bis 40 % gegenüber unbehandelten Spermien, die Lebensfähigkeit nicht signifikant; AMPK wurde stärker phosphoryliert, und SIRT1 stieg unter L. rhamnosus und L. fermentum an. Die Autoren vermerken, dass manche Probiotika funktionierende Mitochondrien und ein Flagellum benötigen könnten. Das ist ein In-vitro-Versuch an Mäusespermien.
  • Leydig-Zellen, Shim et al. 2025 [s045]. An der Maus-Zelllinie TM3 wurden Lacticaseibacillus rhamnosus BST0042, Limosilactobacillus fermentum BST0117 und Bifidobacterium longum subsp. longum BST0143 geprüft; lebende Bakterien (10² bis 10⁵/ml ohne Zytotoxizität) wirkten laut Volltext-Zusammenfassung stärker als hitzeinaktivierte Bakterien, Lysat oder Filtrat. Die Testosteronkonzentration im Medium (ELISA nach drei Tagen) lag bei L. fermentum und B. longum bis zum 1,7-Fachen der Kontrolle; StAR, HSD-3β, CYP11A1, CYP17A1 und HSD-17β wurden stärker exprimiert, der Quotient p-mTOR/mTOR bis zu 30 % höher, und die mitochondriale Atmung (Seahorse-Messung) war erhöht. Die Autoren betonen, dass die wirksamen Bestandteile der Stämme unbekannt sind.

Alle diese Arbeiten zeigen Mechanismen im Labor und an Hunden. Sie sagen nicht, dass ein Probiotikum die Samenqualität unfruchtbarer Männer verbessert.

Einordnung der internationalen Arbeiten im koreanischen Dokument. Das Dokument stützt sich zusätzlich auf Übersichten und Studien aus anderen Ländern, die in anderen Kapiteln behandelt werden: Farahani [s089], Oliveira [s055], Corbett [s087], Puerta-Suárez [s044], Maretti (41 Männer, 20 gegenüber 21; Konzentration von 15,2 auf 28,3 Mio/ml, progressive Motilität von 16,2 auf 42,0 %, normale Formen von 7 auf 16,3 %, alle P < 0,01) [s111], Lundy [s092], Osadchiy [s056], Baud [s101] und die iranische Studie von Gholipour [s007]. Neto et al. (37 Studien, 9.310 Teilnehmer; 16 Studien mit Kultur, 16 mit NGS, 5 mit kombinierten Methoden; Paare teilten 56 % der vorherrschenden Gattungen) [s054] untermauern die Paar-Perspektive. Hervorzuheben ist die spanische randomisierte Paarstudie mit Ligilactobacillus salivarius CECT5713 (3 × 10⁹ Zellen täglich vor einer Kinderwunschbehandlung; 70 Paare randomisiert, 57 abgeschlossen), in der der Schwangerschaftserfolg bei 48,1 % gegenüber 20,0 % unter Placebo lag (P < 0,024) [s040]. Weil die Intervention das Paar betraf, lässt sich der Beitrag des Mannes daraus nicht abgrenzen.

Widersprüche, Grenzen, offene Fragen. Widersprüche: Die Rolle von Lactobacillus ist auch hier nicht einheitlich: Übersichten sehen eher Schutz [s089, s044], die Kohorte von Osadchiy dagegen Lactobacillus iners bei gestörter Motilität (mittlere Anteile 9,4 % gegenüber 2,6 %; P = 0,046) [s056]. Diversität: Baud fand keinen Zusammenhang mit Samenparametern [s101], Lundy höhere Alpha-Diversität bei Unfruchtbarkeit [s092]. Kultur und Sequenzierung widersprechen sich im koreanischen Datensatz selbst (Kultur negativ, Sequenzierung positiv in allen Proben [s096]). Grenzen: Die koreanischen Humanstudien sind klein (381 Männer in der größten, 17 plus 4 in der Sequenzierung), die Probiotika-Befunde stammen aus Zelle und Tier, und die koreanische Literatur außerhalb von PubMed ist ungeprüft. Offen: eine koreanische Sequenzierkohorte mit fruchtbaren und unfruchtbaren Männern, stammgenaue Studien an koreanischen Männern, Paarstudien mit Samen- und Vaginalmikrobiom und die Frage, ob die Laborergebnisse zu Mitochondrien und Leydig-Zellen beim Menschen eine Entsprechung haben. Zu Leitlinien: Das koreanische Recherche-Dokument nennt eine koreanische Leitlinie zu sexuell übertragbaren Infektionen von 2023 (nichtgonokokkische bakterielle Infektionen, veröffentlicht in Investigative and Clinical Urology); sie ist in der Master-Quellenliste nicht geführt, und eine Aussage zu Mikrobiom oder Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit wurde darin nicht gefunden. Ob die Koreanische Gesellschaft für Urologie oder eine andere Fachgesellschaft solche Aussagen trifft, konnte nicht festgestellt werden.

Russisch

Abgrenzung und Textgrundlage. Die Plattformen eLIBRARY.ru und CyberLeninka ließen sich nicht direkt durchsuchen; die Suche lief über Websuche und Europe PMC. Gelesen wurden die PDF-Dateien der Fachzeitschriften „Экспериментальная и клиническая урология“ (Experimentelle und klinische Urologie, ecuro.ru), „Вестник урологии“ (Bote der Urologie, urovest.ru) und „Андрология и генитальная хирургия“ (Andrologie und Genitalchirurgie, agx.elpub.ru). Für dieses Kapitel wurden die Volltexte der vier Originalarbeiten und der Übersicht erneut in Textform gelesen. Das Gesamtbild ist eindeutig: Die russischsprachige Primärliteratur zum Thema stammt fast ausschließlich von einer einzigen Arbeitsgruppe (Medizinisches Institut der Russischen Universität der Völkerfreundschaft, RUDN, Moskau; Kasaner Staatliche Medizinakademie; Föderale Universität Kasan; Zentrum für reproduktive und Zellmedizin in Krasnodar; in der Übersicht auch die Föderale Universität der Krim in Simferopol). Sie untersucht nicht das Ejakulat, sondern das Hodengewebe bei Azoospermie mittels 16S-rRNA-Sequenzierung. Eine russischsprachige randomisierte Probiotika-Studie, eine russische Leitlinie mit Aussage zu Probiotika oder Samenmikrobiom und eine große russische Bevölkerungskohorte wurden nicht gefunden. Das ist ein Ergebnis dieser begrenzten Suche, kein Beweis für ihr Fehlen. Zwei der Arbeiten verweisen auf Patentanmeldungen der Gruppe (Verfahren zur wenig invasiven Isolierung bakterieller DNA aus Hodenbiopsien: Patent Nr. 2 810 467 vom 27.12.2023 bzw. Prioritätsanmeldung 2022121553 vom 08.08.2022); das ist für die Bewertung der Methode relevant, ändert aber nichts an den Befunden.

Die Übersicht der Gruppe: Kadyrov et al. 2023 [s069]. Die Literaturübersicht „Testikuläres Mikrobiom bei unfruchtbaren Männern“ (Testicular microbiome in infertile men; Experimentelle und klinische Urologie 16(3):81–86) wählte aus 167 Quellen in PubMed und eLibrary 48 aus. Nach ihrer Darstellung berichtete eine umfangreiche chinesische Arbeit (im Text nur als Literaturangabe genannt, nicht Teil der russischen Gruppe) 675.539 DNA-Sequenzen und 5.867 OTUs; die Phyla Firmicutes, Proteobacteria, Bacteroidetes und Actinobacteria machten 98,14 %, 98,26 % und 90,96 % aller Phyla in gesunder Kontrolle, obstruktiver (OA) und nichtobstruktiver Azoospermie (NOA) aus. Bei beiden Azoospermieformen seien Bacteroidetes und Firmicutes häufiger, Proteobacteria und Actinobacteria seltener gewesen als bei Gesunden, und die Gemeinschaften von OA und NOA seien einander ähnlicher als der Kontrollgruppe. Die Übersicht vermerkt außerdem, dass die Veränderungen bei NOA denen im Darm älterer Menschen ähneln, und deutet das als mögliches „mikrobiologisches frühes Altern“ der Hoden; das ist eine Spekulation der Autoren. Als Hintergrund nennt sie, dass Azoospermie etwa 1 % der Männer weltweit betreffe und bis zu 20 % der Fälle idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit ausmachen könne, und führt Lactobacillus iners, Gardnerella vaginalis, „Escherichia faecalis“ (so im Text), Escherichia coli und Staphylococcus aureus als mit NOA assoziiert an (PCR und Kultur). Die Übersicht hält selbst fest, dass die Stichprobengrößen der meisten Arbeiten für ein Gesamtbild nicht ausreichen. Ihre Schlussfolgerungen lauten, dass Hodengewebe nicht mikrobiologisch steril ist, dass die Samenbefunde bei bestimmten Mikroorganismen als Marker dienen könnten und dass größere Studien nötig seien. Beim Lesen fällt eine innere Unstimmigkeit auf: Einmal heißt es, bei beiden Azoospermieformen seien Bacteroidetes und Firmicutes häufiger, an anderer Stelle werden bei NOA Actinobacteria und Firmicutes als erhöht beschrieben. Das Recherche-Dokument hat deshalb auf die Wiedergabe einzelner Gattungsnamen aus dieser Übersicht verzichtet, weil der maschinenlesbare Text Verzerrungen enthielt; hier gilt dieselbe Vorsicht.

Faniev et al. 2024, Strukturanalyse bei drei Gruppen [s062]. Die Arbeit (Experimentelle und klinische Urologie 17(2):36–44; Titel: „Структура микробиоты фертильных и инфертильных пациентов с различными видами азооспермии“, deutsch: Struktur der Mikrobiota fertiler und infertiler Patienten mit verschiedenen Azoospermieformen) wurde durch ein Ethikvotum des Medizinischen Instituts der RUDN vom 18. Januar 2024 gedeckt. Es handelt sich um eine retrospektive Einteilung von 57 Männern in drei Gruppen: nichtobstruktive Azoospermie ohne Kinder (n = 29), obstruktive Azoospermie (n = 19) und fertile Männer mit Kindern in der Vorgeschichte (n = 9). Einschlusskriterien waren Alter über 18 Jahre, Unfruchtbarkeit in der Ehe über ein Jahr bei regelmäßigem Verkehr, bestätigte Azoospermie, keine beidseitigen Hodenschäden, Hodenhypoplasie oder Tumoren und keine Antibiotika oder sexuell übertragbaren Infektionen in den letzten drei Monaten. Ausgeschlossen wurden unter anderem Alter unter 18 Jahren, Krebs, genetische und endokrine Ursachen, schwere Allgemeinerkrankungen, unfruchtbarkeitsfördernde Dauermedikation, ein PSA über 4 ng/ml (freies PSA über 5 ng/ml), psychische Erkrankungen, chronischer Alkohol- und Drogenmissbrauch und HIV. Bei allen Männern wurde eine mikrochirurgische Hodenbiopsie (Micro-TESE) mit anschließender ICSI oder Kryokonservierung durchgeführt; die DNA wurde säulenbasiert mit Lysozym-Vorbehandlung gewonnen, die Daten mit QIIME 1.9.1 verarbeitet. Zusätzlich wurde bei jedem Patienten ein Abstrich aus der Harnröhre entnommen, der als Kontrolle für die Reinheit der Methode dient.

Die Alpha-Diversität der Harnröhrenflora unterschied sich nicht zwischen den Gruppen; Unterschiede zeigten sich nur bei Arten, die im Mittel höchstens 3 % ausmachten. Im Hodengewebe waren die phylogenetische Diversität sowie Chao1-, Shannon- und Simpson-Index und die Gesamtzahl der OTUs bei NOA und OA signifikant niedriger als bei den Fertilen; bei NOA war der Anteil der Proteobacteria erhöht, bei den Fertilen waren Firmicutes und Bacteroidetes relativ häufiger (Kruskal-Wallis, Benjamini-Hochberg-Korrektur, P < 0,05). NOA und OA unterschieden sich voneinander vor allem in der Häufigkeit von Bifidobacterium adolescentis. Beim Vergleich des Vorkommens in Harnröhre und Hoden unterschieden sich nur drei Taxa (exakter Fisher-Test, Benjamini-Hochberg-Korrektur): Ein nicht näher bestimmter Vertreter der Gattung Prevotella wurde bei NOA seltener gefunden als bei OA, und bei NOA seltener als bei den Fertilen ebenfalls ein unbestimmter Vertreter der Familie Comamonadaceae, ein unbestimmter Prevotella und Veillonella dispar; bei OA war der unbestimmte Comamonadaceae-Vertreter gegenüber den Fertilen seltener. Die Autoren schließen, dass das Hodengewebe nicht steril ist, bei Azoospermie ein verarmtes, von der Harnröhre verschiedenes Bakteriengefüge hat und dass die Befunde für die weitere Erforschung der Rolle der Mikrobiota bei Spermatogenesestörungen nützlich sein könnten. Der Diskussionsteil der Arbeit enthält Formulierungen, die zum Ergebnisteil nicht ganz passen (dort ist von einer größeren Bakterienlast bei NOA mit Vorherrschen von Actinobacteria und Firmicutes und zugleich von einem Schwund von Bacteroidetes und Proteobacteria die Rede, während der Ergebnisteil bei NOA mehr Proteobacteria und bei Fertilen mehr Firmicutes und Bacteroidetes zeigt); diese Sätze werden hier nicht als Befund verwendet. Stärken: die Einbeziehung eines Harnröhren-Abstrichs, ein Verfahren mit Korrektur für multiples Testen, definierte Ausschlusskriterien. Schwächen: nur 9 fertile Kontrollen, retrospektive Gruppenbildung, die meisten Zahlen nur in Abbildungen, keine beschriebene Reagenzien-Negativkontrolle (ein Harnröhrenabstrich ist keine solche Kontrolle), die Kontrollen sind Männer, die aus anderen Gründen eine Hodenbiopsie hatten.

Faniev et al. 2024, Hodengewebe und Harnröhre bei drei Gruppen [s061]. Die Arbeit (Андрология и генитальная хирургия 25(2):120–126; Titel: „Сравнительный анализ микробиоты ткани яичка и уретры у пациентов с азооспермией методом секвенирования нового поколения (NGS)“, deutsch: Vergleichende Analyse der Mikrobiota von Hodengewebe und Harnröhre bei Azoospermie mittels Sequenzierung der nächsten Generation) untersuchte von 2018 bis 2022 53 Männer in drei Gruppen: nichtobstruktive Azoospermie mit begleitender Varikozele (n = 13), obstruktive Azoospermie (n = 29) und fertile Männer mit nachgewiesener Vaterschaft und einer Hodenerkrankung, die eine histologische Abklärung zum Ausschluss eines Keimzelltumors erforderte (n = 11). Pro Mann wurden Hodengewebe (TESE) und Harnröhrengewebe als gepaarte Proben (53 Paare) entnommen; im Methodenteil ist die Rede von 42 ausgewählten Patienten plus 11 fertilen Männern. Die Gruppeneinteilung erklären die Autoren damit, dass bei der ersten Gruppe eine Störung der Blut-Hoden-Schranke und eine Varikozele vorliegen, bei der zweiten ein Verschluss. Ergebnisse: Bei der Gruppe 1 fanden sich im Vergleich zu den anderen signifikant häufiger unbestimmte Vertreter der Familien Enterobacteriaceae und Xanthomonadaceae sowie der Gattungen Finegoldia, Bifidobacterium, Porphyromonas, Prevotella, Peptoniphilus und Pseudomonas. Bei den Fertilen war im Vergleich zu Gruppe 2 ein unbestimmter Bifidobacterium-Vertreter häufiger, bei Gruppe 1 gegenüber Gruppe 3 Enterobacteriaceae. Die Autoren relativieren Letzteres: In Gruppe 2 machten Enterobacteriaceae im Mittel rund 35 % aus, in einigen Proben etwa 95 % der gesamten Mikrobiota, was die Summe bestimme, ohne dass der Unterschied einzeln signifikant sei. In der Harnröhre lagen phylogenetische Diversität, Chao1 und OTE-Zahl bei OA signifikant unter denen der Gruppe mit Varikozele; die Fertilen lagen dazwischen. Im Hodengewebe hatten die Männer mit OA eine deutlich verarmte Vielfalt gegenüber NOA mit Varikozele, und die fertile Gruppe war die vielfältigste. Entscheidend ist die Auswahl der Kontrollen: Die „fertilen“ Männer sind keine gesunden Freiwilligen, sondern Männer mit Vaterschaft, bei denen wegen einer Hodenauffälligkeit biopsiert wurde. Die Autoren sprechen vorsichtig von einem Hinweis auf einen Einfluss des Mikrobioms auf die Fortpflanzungsgesundheit und von „kommensalen, gewebeassoziierten“ Bakterien in den Hoden.

Faniev et al. 2024, Mikrobiom und Mastozytose [s060]. In der Arbeit im Vestnik urologii (12(3):97–105; Titel: „Взаимосвязь микробиома и мастоцитоза тестикулярной ткани при азооспермии“, deutsch: Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Mastozytose des Hodengewebes bei Azoospermie) wurden Hodenbiopsien (TESE, 2018 bis 2021) von 33 Männern im Alter von 23 bis 74 Jahren (Mittel 39,4 ± 10,7; Dauer der unfruchtbaren Ehe 7,2 ± 7,8 Jahre) untersucht: 21 mit NOA und 12 mit OA. Neben der Sequenzierung (QIIME 1.9.1; Harnröhrenabstrich als Methodenkontrolle) bewerteten die Autoren die Spermatogenese nach der Skala von de Kretser und Holstein und färbten Mastzellen immunhistochemisch gegen Tryptase an; Hormone (FSH, LH, Inhibin B, Testosteron) wurden im Blut bestimmt, Korrelationen nach Spearman berechnet (P < 0,05 als Signifikanzgrenze). Das Mikrobiom der NOA-Gruppe unterschied sich von dem der OA-Gruppe (P < 0,05): Bei NOA fanden sich Enterobacteriaceae und Xanthomonadaceae sowie Finegoldia, Bifidobacterium, Porphyromonas, Prevotella, Peptoniphilus und Pseudomonas signifikant häufiger; bei OA waren Enterobacteriaceae, Finegoldia, Peptoniphilus und Pseudomonas ebenfalls häufiger zu finden, Prevotella aber selten, und die Gesamtzahl der Taxa war bei OA signifikant niedriger. In der Harnröhre war die Zahl der Taxa in beiden Gruppen deutlich niedriger als im Hoden. Bei NOA waren Testosteron erniedrigt und FSH und LH erhöht; Inhibin B korrelierte negativ mit FSH (r = −0,678) und LH (r = −0,645; beide P < 0,05), und je höher FSH und LH bei NOA, desto weniger Taxa fanden sich in der Harnröhre (r = −0,485; P < 0,05). Histologisch zeigten sich Verdickung der Gefäßintima mit Sklerose, Schäden und Degeneration der Leydig-Zellen und eine Mastzellvermehrung im Zwischengewebe in knapp 83 % der Azoospermie-Fälle; Mastzellen in den Samenkanälchen fanden sich in 68 %, ganz ohne Mastzellen waren nur 32 %. In der NOA-Gruppe korrelierten Mastzellen mit Bifidobacterium (r = 0,710) und Dermabacter (r = 0,527), in der OA-Gruppe mit Cloacibacterium (r = 0,961), Propionibacterium (r = 0,665), Collinsella (r = 0,665), Porphyromonas (r = 0,647) und Staphylococcaceae (r = 0,632; alle P < 0,05). Der Shannon-Index (r = 0,591) und der Simpson-Index (r = 0,680) hingen in der OA-Gruppe mit der Zahl der Mastzellen im Stroma zusammen; der Text nennt das eine „negative Korrelation“, obwohl die Koeffizienten positiv sind. Die Richtung ist deshalb nicht verlässlich lesbar. Die Autoren entwerfen daraus einen „Teufelskreis“, der von einem Infektionserreger ausgeht; das ist ihre Hypothese, kein Befund. Die Studie erhielt nach Angabe keine Förderung. Einordnung: Die Zahl der Korrelationen ist hoch, die Gruppen sind klein (21 und 12), und eine Korrektur für multiples Testen wird für die Korrelationen nicht erwähnt.

Faniev et al. 2025, Hodenflora und Ergebnis der assistierten Reproduktion [s046]. Die Arbeit (Experimentelle und klinische Urologie 18(3):88–97; Titel: „Сравнительный анализ микробиоты уретры и яичек у пациентов с обструктивной азооспермией с результатами вспомогательных репродуктивных технологий“, deutsch: Vergleichende Analyse der Mikrobiota von Harnröhre und Hoden bei obstruktiver Azoospermie mit Ergebnissen der assistierten Reproduktionstechnologien) analysierte 24 Männer mit OA, die von 2020 bis 2022 eine assistierte Reproduktion durchliefen. Als Erfolg galt eine eingetretene Schwangerschaft: 13 Männer (Gruppe ART+), bei 11 trat keine ein (ART−). Eingeschlossen wurden Männer ohne beidseitige Hodenschäden, ohne Antibiotika in den letzten drei Monaten und ohne sonografisch bestätigte Varikozele; es galten dieselben Ausschlusskriterien wie oben. Proben waren Harnröhrenabstriche und mikrochirurgisch gewonnenes Gewebe aus dem Hodenparenchym.

Im Hoden herrschten die Familien Enterobacteriaceae und Burkholderiaceae vor, in der Harnröhre Mycobacteriaceae, Staphylococcaceae, Lactobacillaceae und Peptoniphilaceae. Die Alpha-Diversität unterschied sich zwischen ART− und ART+ nicht signifikant. Tabelle 1 der Arbeit gibt (Mittelwert ± Standardabweichung, ART− gegenüber ART+): im Hoden phylogenetische Diversität 40,4 ± 60,4 gegenüber 42,0 ± 44,4, Simpson 0,88 ± 0,11 gegenüber 0,86 ± 0,10, Shannon 4,7 ± 1,7 gegenüber 4,1 ± 1,2; in der Harnröhre 114,9 ± 173,8 gegenüber 13,9 ± 10,1, Simpson 0,81 ± 0,14 gegenüber 0,83 ± 0,14, Shannon 3,9 ± 1,9 gegenüber 3,6 ± 1,1; ein weiterer, in der Tabelle als „ADV-Index“ bezeichneter Wert lag im Hoden bei 126,3 ± 106,9 gegenüber 73,0 ± 60,3 und in der Harnröhre bei 175,0 ± 251,1 gegenüber 44,5 ± 20,2. Die Standardabweichungen sind teilweise größer als die Mittelwerte. Im Hodengewebe waren bei ART− 19 Familien relativ häufiger und 2 seltener (Mycobacteriales und Legionellaceae; Kruskal-Wallis, P < 0,05); in der Harnröhre waren 5 Familien seltener. Die Spearman-Korrelationen mit Hormonen betrafen viele Familien; für Inhibin B nennt Tabelle 2 beispielsweise Oscillospiraceae (ρ = 0,563), Enterobacteriaceae_A (0,537), Beijerinckiaceae (0,501) und Bacteroidaceae (0,458; mit FSH −0,387), für FSH Porphyromonadaceae (0,659). Bei der Harnröhre war etwa Staphylococcaceae mit FSH positiv (0,435) und mit Inhibin B negativ (−0,433) verbunden. Die Autoren sprechen von einer möglichen „Mikrobiota der Fruchtbarkeit der Hoden“ und halten es für denkbar, dass eine Korrektur der Mikrobiota zu einer Strategie für bessere Ergebnisse der assistierten Reproduktion werden könnte, auch für Spermienauswahl und Kryokonservierung. Das sind Aussagen der Autoren und keine Empfehlung dieses Kapitels. Einordnung: 24 Männer in zwei Gruppen von 13 und 11, keine Korrektur für Störgrößen im verfügbaren Text, eine Vielzahl ungeordneter Einzelkorrelationen; ein Zusammenhang zwischen Hodenflora und Schwangerschaft ist damit eine Hypothese, kein Befund. Die drei Arbeiten (2018 bis 2022) stammen aus denselben Zentren mit überlappenden Zeiträumen; dass Patienten mehrfach eingehen, ist nicht ausgeschlossen, und die Arbeiten sind nicht als unabhängige Bestätigungen zu lesen.

Internationale Arbeiten im russischen Dokument. Das russische Dokument ergänzt die Gruppe um internationale Daten, die in anderen Kapiteln behandelt werden: Baud et al. [s101], Cao et al. [s066] (siehe Chinesisch), Osadchiy et al. [s056], die Probiotika-Metaanalyse [s020] mit ihrem Auswahlschema (471 Treffer, 21 Dubletten, 450 geprüfte Datensätze, 11 Volltexte, 4 eingeschlossene Studien; Dosen 10⁹ bis 10¹¹ KbE; Dauer 10 Wochen bis 6 Monate) und die Übersichten von Magill und MacDonald [s071] und Kaltsas et al. [s009]. Wichtig ist die pilotartige griechische Studie von Vougiouklaki et al. 2026 (80 Samenproben, davon 48 normozoosperm und 32 auffällig; Sequenzierung des vollständigen 16S-rRNA-Gens und der ITS-Region mit Nanopore): In den normozoospermen Proben dominierte das Phylum Bacillota mit 64,13 %, in den auffälligen nur mit 2,32 %, dafür mit mehr Campylobacterota (10,82 %); in keiner Probe fand sich Pilz-DNA [s026]. Die Studie von Ömür et al. zu Rinderspermien wird im türkischen Abschnitt behandelt [s019]. Eine populärwissenschaftliche russische Zusammenfassung der Studie von Osadchiy (Biocodex Microbiota Institute) diente nur zur Bestätigung der Zahlen 9,4 % gegenüber 2,6 % und ist kein Beleg [s048].

Regionale Besonderheiten. (1) Forschungsgegenstand ist das Hodengewebe, gewonnen bei Micro-TESE im Rahmen von Kinderwunschbehandlungen (Moskau, Kasan, Krasnodar), weil dort invasiv gewonnenes Material anfällt; die Kontamination durch Harnröhre und Haut ist geringer als beim Ejakulat, aber nicht null. (2) Als Kontrollen dienen Männer mit Vaterschaft und Hodenbiopsie wegen Tumorausschluss [s061], nicht gesunde Freiwillige. (3) Ein Harnröhrenabstrich dient als Methodenkontrolle [s062, s060]; Negativkontrollen für Reagenzien wurden in den ausgewerteten Texten nicht beschrieben.

Widersprüche. Prevotella: In [s062] wurde ein unbestimmter Prevotella-Vertreter bei NOA seltener gefunden als bei OA und als bei Fertilen; in [s060] und [s061] war Prevotella bei NOA häufiger und bei OA selten. International wird Prevotella meist mit schlechteren Samenwerten verbunden [s101, s066]. Wie sich das erklärt (unterschiedliche Patienten, Gruppendefinitionen mit und ohne Varikozele, andere Analysen), geht aus den Texten nicht hervor. Vielfalt: Verarmte Vielfalt bei Azoospermie [s062, s061] steht neben dem Befund, dass bei NOA die Hoden ein quantitativ und qualitativ vielfältigeres Spektrum haben als bei OA [s060] und dass sich bei ART+ und ART− die Alpha-Diversität nicht unterscheidet [s046]. Dazu passt, dass die Vergleichsgruppe jeweils wechselt (Fertile, OA oder NOA mit Varikozele). Normwert: Was als „normale“ Mikrobiota gilt, unterscheidet sich zwischen Hodengewebe [s062] und Ejakulat [s026, s066].

Grenzen und offene Fragen. Kleine Gruppen (9 bis 29 Männer), ein einziges Forschungsumfeld, keine Randomisierung (es gibt keine Intervention), Korrelationen ohne erkennbare Kontrolle für Störgrößen und zum Teil unklare Vorzeichen. Offen sind laut den Autoren: ob die Hodenflora Ursache, Folge oder Begleiter der Spermatogenesestörung ist, ob sie den Erfolg der Spermiengewinnung oder der assistierten Reproduktion vorhersagt, welche Rolle Mastzellen spielen und ob die Befunde in unabhängigen Zentren reproduzierbar sind. Das Ergebnis für den Raum: ein origineller, aber enger Beitrag zur Hodenflora bei Azoospermie, kein Beitrag zum Ejakulat-Mikrobiom bei leichteren Störungen und keiner zu Probiotika.

Alle Kapitel und Anhänge (36)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. 2.1 Männliche Unfruchtbarkeit: Definition und Häufigkeit bis 2.4 Messgrößen: Samenanalyse, WHO-Referenzwerte 2021 und Mikrobiomdiagnostik
  4. 2.5 Historie der Forschungsfrage und 2.6 Was aus dem Hintergrund für die folgenden Kapitel folgt
  5. Gegenstand, Abgrenzung und Lesehinweise bis Systematische Übersicht: Puerta-Suárez und Cardona Maya 2025 [s044]
  6. Metaanalyse: Campbell et al. 2026, Genitaltrakt-Infektionen und Samenqualität [s004] bis Systematische Übersicht: Corbett, Crosby und McAuliffe 2021, Probiotika bei Paaren mit Unfruchtbarkeit [s087]
  7. Metaanalyse: Maleki-Hajiagha et al. 2025, vaginale Probiotika vor Embryotransfer (Frauen) [s042] bis Lücken und Grenzen dieses Kapitels
  8. A. Sequenzierungsstudien am Ejakulat: Vergleiche nach Spermienqualität und Fruchtbarkeitsstatus
  9. B. Samenmikrobiom und Samenplasma: DNA-Integrität, Oxidationspotenzial, Stoffwechselprodukte und Methodenvergleich bis D. Paare und assistierte Reproduktion: Samen- und Scheidenmikrobiom gemeinsam betrachtet
  10. E. Azoospermie: Ejakulat und Hodengewebe und F. Besondere Populationen: Prostatitis, Beckenschmerz, sexueller Beginn und HIV
  11. G. Kultur- und PCR-Studien: Bakteriospermie und Genitalinfektionen bis I. Humanproben aus einer überwiegend tierexperimentellen Studie
  12. J. Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  13. Quellenbasis und Lesehinweise bis Ernährungsintervention: Koreanische gegenüber westlicher Kost (Jung et al. 2024)
  14. Registrierte und laufende Vorhaben bis Tierversuche und experimentelle Studien
  15. Querschnittsbewertung der klinischen Evidenz und Lücken und nicht belegbare Punkte
  16. Lesehilfe: Wie die Belegstärke eingestuft wird bis 4. Oxidativer Stress und DNA-Integrität
  17. 5. Die Darm-Hoden-Achse: Barriere, Endotoxin und Immunsystem bis 10. Das Genitalmikrobiom des Paares
  18. 11. Warum ein Probiotikum wirken könnte: die vorgeschlagenen Wirkwege bis 16. Fazit des Kapitels
  19. Vorbemerkung: Was „Dosis“ hier bedeuten kann bis 3. Zeitverlauf
  20. 4. Altersgruppen bis 7. Was Dosis, Alter, Vorerkrankung und Zeit für klinische Endpunkte bedeuten
  21. 8. Wo Daten fehlen: Lückenübersicht bis 10. Hinweise zu Zahlenwidersprüchen in den Quellen
  22. Englisch und Deutsch
  23. Französisch bis Portugiesisch
  24. Spanisch
  25. Chinesisch und Japanisch
  26. Koreanisch und Russisch
  27. Arabisch und Türkisch
  28. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  29. Limitationen der Evidenz
  30. Offene Forschungsfragen
  31. Praktische Einordnung
  32. Glossar
  33. Quellenverzeichnis
  34. Diagramme
  35. Quellen
  36. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle