Dieses Kapitel liest die Literatur nicht nach Studientyp, sondern nach dem Sprachraum, in dem sie recherchiert wurde. Es behandelt sechs Räume: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Die Räume Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Arabisch und Türkisch folgen im nächsten Kapitel. Ein „Sprachraum“ meint hier die Sprache der Suche und der Fachzeitschriften, nicht die Staatsangehörigkeit der Probanden. Das ist wichtig, weil fast die gesamte Primärliteratur auch der nicht englischsprachigen Länder in englischen Zeitschriften erscheint. Eine Studie aus Lausanne, Neapel oder Madrid taucht deshalb in der französischen, italienischen oder spanischen Recherche auf, obwohl sie auf Englisch geschrieben ist.
Drei Lesehinweise gelten für alle Abschnitte. Erstens stützen sich die Recherchen großenteils auf Zusammenfassungen (Abstracts), die über Europe PMC abgerufen wurden, weil PubMed und PubMed Central automatisiert nicht lesbar waren (Cookie-Seite beziehungsweise Anti-Roboter-Prüfung). Zahlen, die in einem Abstract nicht stehen, werden hier nicht genannt. Wo für dieses Kapitel zusätzlich Volltexte aus Europe PMC (Open Access) abgerufen wurden, steht das ausdrücklich dabei. Zweitens bezeichnen die Kürzel in eckigen Klammern die Quellen-IDs der Masterliste, nicht die lokalen Nummern der einzelnen Recherche-Dokumente. Drittens beschreibt das Kapitel, was in den Quellen steht. Es enthält keine Therapieempfehlung, und die Studienlage trägt auch keine.
Die folgende Tabelle fasst vorab zusammen, wie dicht die eigene Literatur je Raum ist. „Eigene Literatur“ bedeutet hier Primärstudien, die nach den Recherche-Dokumenten aus dem jeweiligen Raum stammen oder in dessen Sprache verfasst sind.
| Sprachraum | Einschätzung der Recherche | Kern der eigenen Literatur | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Englisch | breit, dominiert die Gesamtliteratur | Kohorten aus Estland, Großbritannien, USA; Metaanalyse und Mechanismusstudien | Leitlinienseite der EAU abgerufen, aber abgeschnitten [s006] |
| Deutsch | dünn | Kommentar, ältere Arbeiten zu Prostatitis und Bakteriospermie (1990, 2001, 2022) | keine AWMF-Leitlinie geöffnet |
| Französisch | dünn | historische Spermakulturen (1982 bis 1989), Lausanner Kohorte | Übersicht zum weiblichen Mikrobiom [s093] |
| Italienisch | dünn in der Sprache, solide in der Sache | Hodenmikrobiom Mailand, Übersichten aus Neapel und Padua | Fachgesellschaft SIA als Pressestimme [s126] |
| Portugiesisch | sehr dünn | drei Übersichten in der brasilianischen Zeitschrift JBRA | keine eigene Kohorte gefunden |
| Spanisch | dünn | Barcelona, Granada, Antioquia; Probiotika-Serie mit neun Männern | PubMed-Suche mit spanischen Begriffen ohne Treffer |
Englisch
Charakter des Raums. Der englische Raum ist kein Land, sondern die Publikationssprache der Disziplin. Hier liegt die große Mehrheit der Primärstudien, aller größeren Metaanalysen und der Mehrzahl der Mechanismusarbeiten. Die englische Recherche ist deshalb die breiteste der zwölf, und sie ist zugleich ehrlich begrenzt: Sie beruht ausdrücklich auf Abstracts, ist keine erschöpfende systematische Suche, und die Studienländer wurden nicht für jede Kohorte aus den Abstracts verifiziert. Regionale Schlüsse zieht sie deshalb nicht. Als typische Fachzeitschriften erscheinen in den Quellen Andrology, Fertility and Sterility, F&S Science, European Urology, Frontiers in Microbiology, PLoS One, Scientific Reports, International Journal of Urology, Research in Microbiology, Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica, Open Forum Infectious Diseases, Microbiology Spectrum und Nature Reviews Urology.
Der Übersichtsrahmen. Zwei Arbeiten bilden das Gerüst. Die Metaanalyse von Farahani und Kollegen (Andrology 2021) wertete 55 Beobachtungsstudien mit 51.299 Personen aus [s089]. Nach dem Abstract war das Ejakulat bei fruchtbaren wie unfruchtbaren Männern reich und vielfältig besiedelt. Drei Sequenzierungsstudien beschrieben Cluster mit je einer vorherrschenden Art; dort dominierten Lactobacillus beziehungsweise Prevotella, wobei Lactobacillus mit besseren Spermienparametern und Prevotella mit einem negativen Effekt in Verbindung gebracht wurde. Bakteriospermie beeinträchtigte Konzentration, progressive Motilität und DNA-Fragmentierungsindex; für den Index nennt der Abstract eine mittlere Differenz von 3,518 (95-%-Konfidenzintervall 0,907 bis 6,129; p = 0,008). Ureaplasma urealyticum war bei unfruchtbaren Männern häufiger (OR 2,25; 95-%-KI 1,47 bis 3,46) und wirkte sich negativ auf Konzentration und Morphologie aus. Für Chlamydia trachomatis fand sich weder ein Prävalenzunterschied noch ein signifikanter Einfluss auf die Spermienparameter. Enterococcus faecalis verschlechterte die Gesamtmotilität, Mycoplasma hominis Konzentration, progressive Motilität und Morphologie. Die Autoren nennen die Evidenz zum Einfluss des seminalen Mikrobioms auf die Fertilität selbst nicht schlüssig. Die zweite Säule ist die Probiotika-Metaanalyse von Prihadi und Kollegen (Urologia Colombiana 2026) [s020]: vier Studien (drei randomisierte, eine einarmige), 156 Teilnehmer, gepoolte standardisierte Mittelwertdifferenzen von 1,96 für die Konzentration (0,08 bis 3,84; p = 0,04; I² 95 %), 1,28 für die Motilität (0,28 bis 2,28; p = 0,01; I² 86 %) und 0,89 für das Volumen (0,10 bis 1,67; p = 0,03; I² 79 %). Zwei nach dem Risikobewertungsinstrument RoB 2 beurteilte Studien galten insgesamt als „low risk“, eine als „unclear“, die einarmige Studie nach ROBINS-I als niedrig. Die Recherche weist selbst darauf hin, dass die Intervalle sehr breit sind und eine gepoolte Differenz von etwa 2 bei dieser Heterogenität nur die Richtung zeigt, keinen verlässlichen Punktschätzer. Für diese Arbeit konnte keine PMID ermittelt werden. Hinzu kommen die systematische Übersicht von Puerta-Suárez und Cardona Maya (JBRA 2025; 35 Artikel; PROSPERO CRD42024519245), nach der Lactobacillus im Ejakulat häufig nachgewiesen wird, sein Einfluss auf die Samenqualität aber „controversial, especially regarding the methodology used“ sei [s044], und die narrative Übersicht von Altmäe, Franasiak und Mändar (Nature Reviews Urology 2019), die dem seminalen Mikrobiom Bedeutung für Mann, Paar und Nachkommen zuschreibt und gut geplante, ausreichend große Studien fordert [s100]. Eine englischsprachige Übersicht von Magill und MacDonald (Frontiers in Reproductive Health 2023) erinnert daran, dass die Urologie das Urogenitalsystem lange für steril hielt, und formuliert die Hypothese, antioxidative Probiotika könnten ein oxidatives Ungleichgewicht ausgleichen; sie spricht von vielversprechenden Ergebnissen in kleinen Studien und fordert größere Studien mit einheitlicher Sequenzierung [s071].
Die estnische Reihe als eigene Kohorte des Raums. Die geschlossenste englischsprachige Forschungslinie stammt aus Estland und ist, anders als viele Einzelstudien, über mehrere Jahre mit derselben Methodik fortgeführt worden. Mändar und Kollegen untersuchten 2015 in der Zeitschrift Research in Microbiology 23 Paare [s113]. Sie profilierten Sperma und Vaginalsekret (vor und nach dem Geschlechtsverkehr) durch Sequenzierung der V6-Region des 16S-rRNA-Gens auf der Plattform Illumina HiSeq2000. Die Samengemeinschaften waren deutlich vielfältiger, hatten aber niedrigere Gesamtkonzentrationen an Bakterien als die vaginalen. Gardnerella vaginalis dominierte bei der Hälfte der Frauen, deren Partner eine deutliche Leukozytospermie hatten, aber nur bei einer von 17 Frauen, deren Partner keine hatte. Nach dem Verkehr sank die relative Häufigkeit von Lactobacillus crispatus signifikant, und Sperma- und Vaginalproben stimmten stark überein. Die Autoren deuten dies als Zusammenhang zwischen Samen- und Vaginalmikrobiom und als Hinweis, dass die G.-vaginalis-Dominanz bei der Partnerin mit einer Entzündung im männlichen Genitaltrakt zusammenhängt. Im Jahr 2017 folgte die Studie an 67 Männern (21 mit, 46 ohne Prostatitis) [s110], gleiche Methodik, Illumina-Paired-End-Protokoll auf HiSeq2000. Das häufigste Phylum waren die Firmicutes (Median 41,7 %; Quartile 28,5 bis 47,2 %), gefolgt von Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria. Laktobazillen waren bei Gesunden häufiger als bei Prostatitis-Patienten (27 % [20,2 bis 34,6 %] gegenüber 20,2 % [4,9 bis 25,0 %]; P = 0,05), vor allem Lactobacillus iners. Proteobacteria hatten bei Prostatitis höhere Anteile, und die Artenvielfalt war bei Prostatitis höher (inverser Simpson-Index 13,5 ± 5,8 gegenüber 10,3 ± 4,0). Die Studie von 2018 nutzte statt Sequenzierung Kulturen und fragte nach dem Einfluss des sexuellen Debüts bei 68 gesunden jungen Männern (12 ohne sexuelle Erfahrung, 11 mit einer Partnerin, 45 mit mehreren) [s107]. Ein Mann beherbergte ein bis neun verschiedene Bakterien; die Gesamtkonzentration lag zwischen 2,3 und 7,3 log10 KbE/ml. Männer ohne sexuelle Erfahrung hatten niedrigere Gesamtkonzentration und geringere Vielfalt (p < 0,05; Korrelation beider Größen r = 0,54; p < 0,0001); die Grundparameter und die Leukozytenzahl unterschieden sich nicht. Das Ergebnis ist für die Lesart der Querschnittsstudien wichtig: Ein Teil der Besiedlung ist offenbar erworben und nicht pathologisch. Die vierte Arbeit der Reihe ist die Paarstudie von Koort und Kollegen (Acta Obstetricia et Gynecologica Scandinavica 2023) [s070]. Sie umfasste 97 Paare vor einem Verfahren der assistierten Reproduktion (ART) aus der Kinderwunschklinik Nova Vita in Tallinn und 12 sorgfältig ausgewählte gesunde Paare. Von den 97 Paaren erhielten 93 Frauen einen Embryotransfer, vier Befruchtungen schlugen fehl; bei 28 der 93 Frauen (30,1 %) wurde eine klinische Schwangerschaft festgestellt (Angaben aus dem Volltext). Bei den ART-Männern fanden sich im Mittel 80.170 ± 48.788 Sequenzen gegenüber 140.549 ± 112.506 bei gesunden Männern (P < 0,05). Die Männer hatten eine größere Vielfalt als die Frauen. Partner gesunder Paare teilten 65 % der operationalen taxonomischen Einheiten, Partner der ART-Paare 96 % (P = 0,00001). Im Sperma bildeten sich Gemeinschaftstypen: Typ I mit Acinetobacter (zusätzlich L. iners, Corynebacterium, Flavobacterium, Prevotella) bei 48 ART-Männern, davon 17 mit klinischer Schwangerschaft der Partnerin (35,4 %); Typ II mit gramnegativen Anaerobiern (Prevotella, Porphyromonas, Dialister oder Campylobacter) bei 14 ART-Männern, davon einer mit Erfolg (7,1 %). Das Abstract hält fest, dass Männer mit Acinetobacter-Gemeinschaft, die zuvor Kinder hatten, die höchste ART-Erfolgsrate aufwiesen (P < 0,05) und dass Frauen mit bakterieller Vaginose oder L.-iners- beziehungsweise L.-gasseri-Dominanz niedrigere Erfolgsraten hatten als Frauen mit L.-crispatus- oder gemischtem Milchsäurebakterien-Typ (P < 0,05). Die 15 Paare, in denen beide Partner günstige Typen hatten, erreichten 53 % gegenüber 25 % im übrigen Kollektiv (P = 0,023). Zur Einordnung: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie ohne Randomisierung; „Erfolg“ ist die klinische Schwangerschaft, nicht die Geburt; die Gruppen sind klein; und die Autoren schreiben selbst, der Befund müsse durch andere Studien bestätigt werden. Bemerkenswert ist, dass hier ausgerechnet ein Acinetobacter-Typ mit dem günstigeren Ergebnis verbunden war, während der Typ mit gramnegativen Anaerobiern einschließlich Prevotella die niedrigste Erfolgsquote zeigte; in der Mehrzahl der übrigen Kohorten dieses Kapitels steht dagegen Lactobacillus im Vordergrund.
Kohorten und Querschnittsstudien weiterer Gruppen. Hou und Kollegen (Fertility and Sterility 2013) verglichen 19 Samenspender mit 58 Kinderwunschpatienten [s117]. Sie beurteilten Gram-gefärbte Präparate mikroskopisch und klassifizierten 16S-Sequenzen. Die Gemeinschaften ließen sich in sechs Gruppen ordnen; zwischen Spendern und Patienten fand sich insgesamt kein signifikanter Unterschied, wohl aber ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen Spermienqualität und Anaerococcus, den die Autoren als möglichen Marker niedriger Qualität werten. Weng und Kollegen (PLoS One 2014) sequenzierten 96 Samenproben und maßen sieben klinische Qualitätskriterien (Volumen, Konzentration, Motilität, Morphologie nach Kruger, Antispermien-Antikörper IgA, Atypie, Leukozyten) sowie computergestützt [s116]. Die häufigsten Gattungen waren Lactobacillus (19,9 %), Pseudomonas (9,85 %), Prevotella (8,51 %) und Gardnerella (4,21 %); 80,6 % der normalen Proben lagen im Lactobacillus-dominierten Cluster. Baud und Kollegen (Frontiers in Microbiology 2019) fanden bei 26 Männern mit normalem und 68 mit mindestens einem auffälligen Spermiogrammparameter drei Profile (Prevotella-angereichert, Lactobacillus-angereichert, polymikrobiell) [s101]. Das Prevotella-Profil hatte die höchste Bakterienlast (p < 0,05). Verschiebungen der Gesamtzusammensetzung (Beta-Diversität) korrelierten nicht mit den Spermiogrammwerten, ebenso wenig Reichtum und Vielfalt; nur drei einzelne Gattungen unterschieden sich (Prevotella mehr bei gestörter Motilität, Staphylococcus mehr in der zugehörigen Kontrollgruppe, Lactobacillus mehr bei normaler Morphologie). Yang und Kollegen (Scientific Reports 2020) nahmen 159 Teilnehmer auf: 22 mit Oligoasthenospermie, 58 mit Asthenospermie, 8 mit Azoospermie, 13 mit Oligospermie und 58 gesunde Kontrollen [s099]. Bei Asthenospermie und Oligoasthenospermie unterschied sich die Beta-Diversität von den Kontrollen (P < 0,05); als charakteristische Marker nannte die LEfSe-Analyse Ureaplasma, Bacteroides, Anaerococcus, Finegoldia, Lactobacillus und Acinetobacter lwoffii. Lundy und Kollegen (European Urology 2021) untersuchten 25 Männer mit primärer idiopathischer Unfruchtbarkeit und 12 gesunde Männer mit nachgewiesener Vaterschaft an Rektalabstrich, Ejakulat und Mittelstrahlurin, ergänzt um Negativkontrollen [s092]. Sie nutzten 16S-Sequenzierung und Shotgun-Metagenomik mit im Median 140 Millionen Reads je Probe. Unfruchtbare Männer hatten höhere seminale Alpha-Diversität, eine andere Beta-Diversität, mehr Aerococcus im Ejakulat und weniger Anaerococcus im Rektum. Prevotella war umgekehrt mit der Spermienkonzentration assoziiert, Pseudomonas direkt mit der Gesamtzahl beweglicher Spermien. Eine Vasektomie schien das Samenmikrobiom zu verändern, was auf einen hodenseitigen oder nebenhodenseitigen Beitrag deutet. Anaerobier waren bei unfruchtbaren Männern mit Varikozele stark überrepräsentiert, oxidativer Stress und Leukozytospermie gingen nur mit geringen Unterschieden einher, und der S-Adenosyl-L-Methionin-Zyklus war verändert. Die Autoren sprechen von einer Pilotstudie. Campbell und Kollegen (F&S Science 2023) verglichen an der University of Miami 14 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie (FSH über 10 IU/ml, Hodenvolumen unter 10 ml) mit 19 Männern mit nachgewiesener Vaterschaft vor Vasektomie [s065]. Die Alpha-Diversität war ähnlich, die Beta-Diversität verschieden; Proteobacteria und Firmicutes waren bei Azoospermie unterrepräsentiert, Actinobacteriota überrepräsentiert. Auf Gattungsebene war Enterococcus in beiden Gruppen die häufigste Sequenzvariante, fünf Gattungen unterschieden sich, darunter Escherichia und Shigella, Sneathia und Raoultella (im Abstract „Raoutella“). Amato und Kollegen (Open Forum Infectious Diseases 2020) verfolgten 23 Paare mit idiopathischer Unfruchtbarkeit bis zur intrauterinen Insemination (V3-V4-Region, Illumina MiSeq) [s095]. Die Zusammensetzung des seminalen Mikrobioms unterschied sich nicht relevant von Kontrollsequenzen, die des vaginalen schon, und nur die vaginale Dominanz von L. crispatus war stark mit dem Erfolg assoziiert (P = 0,0002). Baud und Kollegen verbanden 2024 in Microbiology Spectrum Mikrobiota-Profile mit Metabolomik des Seminalplasmas bei Paaren in Kinderwunschbehandlung [s047]: Aminosäuren und Acylcarnitine waren die vorherrschenden Metabolitengruppen, unterschiedliche Profile führten nicht zu global unterschiedlichen Metabolitenmustern, aber Urocanat war in auffälligen Samenproben signifikant erhöht (adjustierter P-Wert < 0,001) und in Prevotella-dominierten Proben angereichert (P < 0,05). Liu und Kollegen (PLoS Pathogens 2014) betreffen ein Sonderkollektiv, 49 Männer, die Sex mit Männern haben (22 HIV-negativ, 27 HIV-positiv) [s115]: Streptococcus, Corynebacterium und Staphylococcus waren häufig; HIV ging mit geringerer Vielfalt einher, die sich nach sechs Monaten antiretroviraler Therapie erholte; bei HIV-Infizierten korrelierte die Bakterienlast mit sieben proinflammatorischen Zytokinen (IL-6 p = 0,024; TNF-α p = 0,009; IL-1b p = 0,002). Diese Studie betrifft die HIV-Übertragung, nicht die Unfruchtbarkeit, und liefert dafür keinen Beleg.
Die größte englischsprachige Querschnittsstudie. Mowla und Kollegen (eLife 2025), Großbritannien (Ethikvotum West London, Rekrutierung an Kliniken des Imperial College London NHS Trust und des CRGH), schlossen 223 Männer ein [s043]: 63 gesunde Männer mit nachgewiesener Vaterschaft, 46 Partner bei wiederholten Fehlgeburten, 58 Männer mit männlichem Faktor und 56 Partner bei ungeklärter Unfruchtbarkeit (so im Abstract; im Volltext steht an einer Stelle eine abweichende Zahl, die hier nicht verwendet wird). Gemessen wurden Spermiogramm, DNA-Fragmentierung (TUNEL bei 183 Proben mit Grenzwert über 20 %, Comet-Test bei 40 Proben mit Grenzwert über 27 %), reaktive Sauerstoffspezies per Chemilumineszenz (oberer Referenzwert 3,77 RLU/s je Million Spermien) und die Mikrobiota (V1-V2-Region, Illumina MiSeq, Bakterienlast per BactQuant-PCR). Methodisch bemerkenswert ist die Kontaminationskontrolle: drei Negativkontrollen (Kit und Umgebung), Dekontamination mit dem R-Paket decontam, wobei 94 Sequenzvarianten ausgeschlossen wurden; die Auswertung nutzte Benjamini-Hochberg-Korrektur mit q < 0,05. Das Ergebnis nach Dekontamination: 7.998.565 hochwertige Reads, drei Cluster mit Streptococcus (23,8 %), Prevotella (24,4 %) oder Lactobacillus und Gardnerella (35,9 % und 35,6 %). Der Prevotella-Cluster hatte höchsten Reichtum, höchste Alpha-Diversität und höchste Bakterienlast. Im Volltext heißt es zudem, dass auf Artebene keine belastbaren Cluster zu erkennen waren und dass Chlamydia, Ureaplasma, Neisseria, Mycoplasma und Escherichia nicht in mindestens 25 % der Proben vorkamen und deshalb nicht in die Regression eingingen. Die Gesamtzusammensetzung und die Bakterienlast waren mit Spermiogramm, ROS und DNA-Fragmentierung nicht assoziiert. Einzelne Gattungen zeigten Zusammenhänge (Porphyromonas und Varibaculum positiv, Cutibacterium und Finegoldia umgekehrt mit der DNA-Fragmentierung; ROS positiv mit Lactobacillus, im Wesentlichen getrieben von L. iners, p = 0,04), und nicht identifizierte Flavobacterium-Sequenzen gingen mit häufiger auffälligem Spermiogramm einher. Die Raten hoher DNA-Fragmentierung, erhöhter ROS und Oligospermie waren in der Studiengruppe häufiger als bei Kontrollen (Anteil der Studiengruppe an den Proben mit hoher DNA-Fragmentierung 85 %, mit erhöhten ROS 85 %, mit Oligospermie 79 %). Die Autoren folgern, eine globale Störung der Samenmikrobiota hänge nicht mit männlichen Fortpflanzungsstörungen zusammen. Stärken sind Größe, Kontrollgruppen, Dekontamination und Mehrfachtestkorrektur; Schwächen sind die einmalige Messung je Probe und die Messung von DNA-Fragmentierung mit zwei unterschiedlichen Verfahren.
Tier-, Zell- und Mechanismusarbeiten. Ding und Kollegen (Gut 2020) übertrugen Darmbakterien fettreich ernährter Mäuse auf normal ernährte [s097]. Die Empfänger zeigten deutlich verminderte Spermatogenese und Spermienmotilität, gekennzeichnet durch mehr Bacteroides und Prevotella, vermutlich über eine metabolische Endotoxinämie; im Nebenhoden stiegen proinflammatorische Zytokine, im Hoden sanken Gene der Meiose und der mitochondrialen Funktion. Bei klinischen Probanden korrelierten Bacteroides-Prevotella stark negativ mit der Motilität, und das Blutendotoxin korrelierte positiv mit Bacteroides (Registernummer NCT03634644; Zahlen zum Humankollektiv nennt der Abstract nicht). Hao und Kollegen (Microbiology Spectrum 2022) berichten, dass Stuhltransplantation von mit Alginat-Oligosaccharid verbesserter Darmflora die durch fettreiche Kost verminderte Samenqualität besserte (Konzentration 286,1 ± 14,1 gegenüber 217,9 ± 17,4 Millionen/ml; Motilität 40,1 ± 0,7 gegenüber 29,0 ± 0,9 %; Trächtigkeitsrate 87,4 ± 1,1 gegenüber 70,2 ± 6,1 %) [s078]. Tian und Kollegen (2019) zeigten an Mäusen, dass Lactobacillus plantarum TW1-1 bei Diethylhexylphthalat-Exposition Serumtestosteron und Samenqualität erhöhte und das Verhältnis von Firmicutes zu Bacteroidetes von 0,13 (Expositionsgruppe) auf das Niveau der Kontrollen (0,28) zurückführte [s103]. Zhao und Kollegen (Microbiome 2021) verbanden Darmflora und Hodenfunktion über den Polyaminstoffwechsel: Spermin-Mangel nach Triptolid-Schaden, Umkehr durch Spermin, Stuhltransplantation oder Parabacteroides distasonis [s094]. Li und Kollegen (2021) fanden, dass das vaginale Probiotikum L. crispatus bei Ratten Spermien hemmte und Trächtigkeitsraten senkte, bei zugleich günstiger Wirkung auf Mutter und Nachkommen; sie raten zur Vorsicht bei Frauen, deren Partner auffällige Spermien haben [s091]. Für den englischen Raum ist dieser Befund ein Gegengewicht zur Gleichung „Lactobacillus gleich günstig“. Tierarbeiten zu Probiotika bei Nutztieren stammen aus dem englischsprachigen Schrifttum, etwa an Ebern [s018] (sieben Duroc-Eber; nach dem Wechsel von Antibiotika auf Probiotika sank die Gesamtmotilität um 17,5 %, p = 0,024, ohne Effekt auf die Vielfalt des Samenmikrobioms), an Kaninchenböcken [s024] (33 Tiere, zwei Dosen; bessere Samenqualität und antioxidative Marker, p < 0,05) und an Regenbogenforellen [s063] (48 Zuchtfische; beste Samenwerte bei der mittleren Dosis). Sie sind nicht auf den Menschen übertragbar.
Probiotika beim Menschen. Die englischsprachige Linie führt die kleinen Interventionsstudien an. Maretti und Cavallini (Andrology 2017; Italien) randomisierten 41 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratospermie (20 Flortec, 21 Stärke-Kontrolle) über sechs Monate [s111]. Die Mediane der Flortec-Gruppe stiegen für das Volumen von 2,4 auf 3,1 ml, die Konzentration von 15,2 auf 28,3 Millionen/ml, die progressive Motilität von 16,2 auf 42,0 % und die typischen Formen von 7 auf 16,3 %. Der Vergleich ist ein Vorher-nachher-Vergleich je Gruppe; ein direkter Gruppenvergleich steht im Abstract nicht. Asadi und Kollegen (J Res Med Sci 2023) fanden bei 78 Männern nach Varikozelenoperation nach drei Monaten eine Konzentration von 33,7 ± 22,5 gegenüber 21,1 ± 16,1 Millionen/ml (P = 0,046) und normale Morphologie von 15,0 ± 8,9 gegenüber 12,0 ± 11,5 % (P = 0,016) [s064]. Die Studie von Helli und Kollegen (Human Fertility 2022) mit 52 Männern wurde 2026 zurückgezogen [s079, s021]; der Grund der Rücknahme ist in den abgerufenen Daten nicht zu sehen. Gupte und Kollegen legten 2025 als Vorabdruck ohne Begutachtung eine Fallserie von acht Männern mit Samen-Dysbiose vor, bei der nach 90 Tagen alle Beteiligten bessere Motilität, Zahl und Morphologie zeigten, ohne Kontrollgruppe [s037]. Das englische Schrifttum zeigt damit dasselbe Muster wie alle Räume: Surrogatmarker, kleine Fallzahlen, keine Geburtenrate als Hauptziel.
Leitlinien, Register und Datenbankbesonderheiten. Aus dem Raum selbst gibt es in den Recherche-Daten keine Leitlinienaussage zu Probiotika oder Samenmikrobiom. Die Recherche fand keinen Text von AUA, EAU oder ESHRE dazu und konnte keine Cochrane-Übersicht lokalisieren. Die EAU-Leitlinie „Sexual and Reproductive Health“ (Ausgabe 2026, Kapitel Männliche Unfruchtbarkeit) enthält nach der abgerufenen Seite einen Abschnitt zu Infektionen der akzessorischen Geschlechtsdrüsen, der eine systematische Übersicht zu sexuell übertragbaren Erregern wie Chlamydia trachomatis und genitalen Mykoplasmen erwähnt; die Seite war vor jeder Empfehlung abgeschnitten, sodass offen bleibt, was die Leitlinie empfiehlt [s006]. Bei den Datenbanken fallen drei Dinge auf. Erstens lieferte Europe PMC die Abstracts, PubMed war gesperrt. Zweitens war die Probiotika-Metaanalyse [s020] über die Zeitschriftenseite der Urologia Colombiana auffindbar, aber in Europe PMC nicht indexiert. Drittens kennzeichnet Europe PMC das zurückgezogene Paper, sodass eine Rückzugsmitteilung leicht zu übersehen wäre, wenn man nur nach Titeln sucht. Ob die Metaanalyse von Prihadi die zurückgezogene Studie einschloss, wurde in der englischen Recherche nicht bestätigt; die portugiesische Recherche verweist auf die Risikotabelle der Zeitschriftenseite, die sie einschließe.
Was offen bleibt. Offen sind, ausdrücklich nach den Quellen: ob Probiotika bei Männern das seminale oder das Darmmikrobiom verändern und ob dies eine Änderung der Samenparameter vermittelt; welche Stämme, Dosen und Dauern wirken; ob Interventionen Schwangerschafts- oder Lebendgeburtenraten erhöhen; ob die Samengemeinschaft Ursache, Marker oder Folge ist (etwa von Entzündung oder Kontamination bei der Probengewinnung); und ob Partnermikrobiome gemeinsam bessere Prädiktoren sind als jedes allein [s070, s095]. Bei der Kohortenkomposition (Spender gegen Patienten, Kultur gegen Sequenzierung) lassen sich regionale Unterschiede der Mikrobiomzusammensetzung nicht von Methodenunterschieden trennen.
Deutsch
Befund vorab: dünne eigene Literatur. Die deutsche Recherche hat PubMed mit Filter auf deutschsprachige Publikationen durchsucht (Schlagworte deutsch und englisch) und ergänzend im Web nach AWMF- und DGU-Leitlinien, im Deutschen Ärzteblatt und im Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie gesucht. Das Ergebnis ist knapp: Der Filter lieferte zum Thema Mikrobiom und Probiotika im Zusammenhang mit Sperma sechs Treffer, von denen vier thematisch passten (zwei aus den 1980er-Jahren, einer aus 2001, einer aus 2022). Im Ärzteblatt und im Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie wurde über die Websuche kein themenspezifischer Beitrag gefunden. Das beweist nicht, dass keiner existiert, nur dass er nicht auffindbar war. Eine AWMF-Leitlinie wurde nicht geöffnet; es werden daher keine Leitlinieninhalte wiedergegeben. Ob es Leitlinienaussagen zu Probiotika oder zum Samenmikrobiom im deutschsprachigen Raum gibt, bleibt offen. Mehrere Volltexte waren automatisiert nicht abrufbar, sodass für diese Studien nur Abstracts vorliegen. Die deutsche Sicht beruht deshalb auf wenigen Quellen, und die internationale Kernliteratur, die das deutsche Recherche-Dokument ergänzend heranzieht, ist deutlich umfangreicher als die deutschsprachige.
Was es an eigener Literatur gibt. Drei Arbeiten bilden den deutschsprachigen Kern, von denen die beiden älteren in der Sache anders fragen als die heutige Sequenzierungsforschung.
Ensslen, Riedel, Bieniek und Hafner (Zentralblatt für Gynäkologie 1990, Aachen) berichten, dass mehr als 70 % der Ehemänner, die seit Juni 1987 die Frauenklinik der RWTH Aachen wegen Sterilität aufsuchten, wegen einer Bakteriospermie mit Keimzahlen über 10⁴ KbE/ml behandelt werden mussten [s121]. Bei 23 % der Behandelten gelang keine überzeugende Keimreduktion. 36 Patienten mit therapieresistenter Bakteriospermie wurden in die Zahnklinik überwiesen. Dort fanden sich zahlreiche intraorale Herde, die saniert wurden; das Keimspektrum der Mundproben und die Spermiogramme waren nach den Angaben identisch. Sechs Monate nach Abschluss der Zahnbehandlung waren zwei Drittel der Spermiogramme bereits steril, und Spermienparameter wie Motilität, Morphologie und Dichte besserten sich. Die Autoren schließen auf einen direkten ursächlichen Zusammenhang zwischen einer symptomatischen zahnmedizinischen Primärerkrankung und der Bakteriospermie, die vermutlich zu Subfertilität führe. Das ist eine klinische Beobachtung ohne Kontrollgruppe, nur als Abstract belegt und mit heutigen Methoden nicht vergleichbar. Das deutsche Recherche-Dokument weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Arbeit nicht mit heutigen Methoden vergleichbar ist.
Ludwig, Dimitrakov, Diemer, Huwe und Weidner (Der Urologe A 2001, Gießen) haben das Prostatitis-Syndrom und seine Folgen für die Ejakulatqualität übersichtsartig dargestellt [s120]. Der Abstract hält fest, Entzündungen und Infektionen des männlichen Genitaltrakts seien ein wichtiger und potenziell auf Therapie ansprechender Faktor der männlichen Unfruchtbarkeit. Eine standardisierte Diagnostik sei Voraussetzung, um Veränderungen des Ejakulats zu beurteilen. Neben Leuko- und Bakteriospermie würden Entzündungsmediatoren wie Zytokine und reaktive Sauerstoffspezies als Pathomechanismen diskutiert. Klinische Studien zur Ejakulatqualität bei den verschiedenen Formen des Prostatitis-Syndroms hätten widersprüchliche Ergebnisse geliefert, und nur die antimikrobielle Therapie sei als Behandlungsoption ausreichend beschrieben. Für die Zukunft sei entscheidend, neuartige funktionelle und molekulare Parameter einzubeziehen.
Der Kommentar in Aktuelle Urologie 2022 (Heft 53/3, Seiten 218 bis 219) trägt den Titel „Infertilität des Mannes: Welche Rolle spielen das Darm-, Urin- und Spermamikrobiom?“ und bespricht nach dem deutschen Recherche-Dokument die Arbeit von Lundy und Kollegen [s075]. Für diese Quelle liegt in Europe PMC kein Abstract vor; der für dieses Kapitel abgerufene Datensatz war leer. Zum Inhalt lässt sich daher nur sagen, was Titel und Verlagsangabe hergeben. Es ist ein Kommentar, keine Primärstudie. Die besprochene Originalarbeit [s092] ist im englischen Abschnitt dargestellt.
Dazu kommt die deutschsprachige Recherche selbst als Befund: Nach den Recherche-Daten gibt es zu Probiotika bei Männern aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz keine eigenen Studien, mit Ausnahme der Schweizer Mikrobiomstudie von Baud und Kollegen [s101], die im französischen Abschnitt dargestellt wird.
Die international genutzte Kernliteratur im deutschen Dokument. Weil die eigene Literatur so schmal ist, stützt sich das deutsche Recherche-Dokument auf internationale Arbeiten. Die wichtigsten Ergänzungen, soweit sie nicht in anderen Abschnitten ausführlich stehen:
Cannarella und Kollegen (Andrology 2026) untersuchten in einer prospektiven Querschnittsstudie 100 eugonadale Männer an einer universitären Endokrinologie- und Andrologieabteilung [s005]. Gemessen wurden die Konzentrationen von Laktobazillen, anaeroben und fakultativen Bakterien im Ejakulat, Serum-LH, -FSH und -Testosteron sowie die konventionellen Spermienparameter und Leukozyten; mit Regressionsmodellen wurden Schwellen für eine Konzentration über 16 Millionen/ml und eine progressive Motilität über 30 % bestimmt. Die Laktobazillenkonzentration korrelierte positiv mit der Spermienkonzentration (r = 0,42; p < 0,001). Leukozytenkonzentration und Anteil unreifer Keimzellen (Spermatiden) im Ejakulat zeigten negative Korrelationen (r = −0,35; p = 0,002 beziehungsweise r = −0,37; p < 0,001; die Bezugsgröße nennt der Abstract nicht ausdrücklich). Anaerobe und fakultative Bakterien korrelierten negativ mit der progressiven Motilität (r = −0,77; p < 0,001) und positiv mit dem Spermatidenanteil (r = 0,72; p < 0,001). Das Verhältnis von Laktobazillen zu Gesamtbakterien korrelierte negativ mit der Leukozytenkonzentration (r = −0,96; p < 0,001) und dem Spermatidenanteil (r = −0,89; p < 0,001) und positiv mit der progressiven Motilität (r = 0,95; p < 0,001). Alle Korrelationen blieben nach Adjustierung signifikant; die Konzentrationen und das Verhältnis galten als starke Prädiktoren mit hoher Sensitivität und Spezifität. Das deutsche Recherche-Dokument ordnet die Arbeit nach Italien ein. Es merkt zu Recht an, dass ein Koeffizient von r = −0,96 ungewöhnlich hoch ist und der unabhängigen Replikation bedarf. Das Abstract nennt weder das Messverfahren der Bakterien noch die Zahl der Proben je Gruppe; die Studie ist eine Querschnittsstudie, und die Autoren betonen selbst, Kausalität müsse erst bestätigt werden.
Henkel (Journal of Clinical Medicine 2024) ist eine narrative Übersicht zu Leukozytospermie und Bakteriospermie [s051]. Sie nennt Unfruchtbarkeit ein global unterschätztes Gesundheitsproblem (knapp 190 Millionen Betroffene, etwa 17,5 % der Menschen im Lebensverlauf; männlicher Faktor etwa 7 %), eine berichtete Prävalenz männlicher Genitaltrakt-Infektionen von 10 bis 35 % und Leukozytospermie bei 30 % der unfruchtbaren und bis zu 20 % der fruchtbaren Männer. Nach WHO gelten Leukozyten über 1 × 10⁶ peroxidasepositive Zellen/ml als Grenzwert; für Bakterien seien Gram-Färbung und Kultur der Goldstandard, PCR und Sequenzierung erweiterten das Erregerspektrum. Die WHO-Anleitung nenne keinen Grenzwert für bakterielle Kontamination, mehrere Studien betrachteten Proben mit mehr als 10³ KbE/ml als bakteriospermisch (die französische Recherche weist darauf hin, dass in der Mehrzahl der von Neto zusammengefassten Studien der Schwellenwert bei 10⁴ KbE/ml liegt [s054]). Die Pathomechanismen umfassten die direkte Wechselwirkung der Bakterien mit Keimzellen, spermientoxische Substanzen sowie Zytokine und reaktive Sauerstoffspezies mit oxidativem Stress. Die Übersicht hält fest, dass für das Management der Leukozytospermie keine spezifische Strategie verfügbar sei; Spermienseparationstechniken senkten die Bakterienlast bei assistierter Reproduktion deutlich, und Kontamination mit Hautkommensalen sei durch Hygiene zu vermeiden.
Probiotika-Studien aus dem Iran stehen im deutschen Dokument im Vordergrund und werden dort kritisch gewürdigt. Gholipour und Kollegen (Iranian Journal of Medical Sciences 2026) randomisierten 110 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie dreifach verblindet auf ein Probiotikum (Familact), ein Antioxidans (Sperigen) oder Placebo, täglich über drei Monate, in zwei akademischen Zentren (Isfahan und Yazd; Studienzeitraum Juli 2021 bis April 2022) [s007]. Laut Volltext (für dieses Kapitel aus Europe PMC abgerufen) wurden 203 Männer auf Eignung geprüft; eingeschlossen wurden Männer unter 45 Jahren mit WHO-Kriterien unterhalb der 5. Perzentile (Konzentration unter 15 Millionen/ml, normale Morphologie unter 4 %, Motilität A+B+C unter 40 %); ausgeschlossen waren unter anderem Pyospermie, Varikozele, Raucher und Prostatitis. Die Gruppen umfassten 38 (Antioxidans), 35 (Probiotikum) und 37 (Placebo) Männer, Alter im Mittel 34,3 ± 4,5 Jahre; die Therapietreue lag bei 92,7 %, 97,2 % und 94,9 %. Familact ist ein Synbiotikum mit mehreren Laktobazillen-, Streptococcus-thermophilus- und Bifidobakterien-Stämmen sowie Fructooligosacchariden; Sperigen enthält B-Vitamine, Vitamin A, C und E, Selen, Zink, Glutathion, L-Carnitin, L-Arginin, Coenzym Q10 und anderes. Je Teilnehmer wurden je zwei Proben vor und drei Monate nach der Intervention gemessen, gemittelt und computergestützt analysiert. Die gemischten Modelle (mit Zentrum als festem Effekt) ergaben signifikante Zeit-mal-Gruppe-Interaktionen für Konzentration (F[2,107] = 5,976; p = 0,003), Motilität (F[2,106] = 13,453; p < 0,001) und Morphologie (F[2,107] = 29,254; p < 0,001), nicht für das Volumen (p = 0,71). Die adjustierten Mittelwerte (Ausgangswert auf drei Monate) betrugen für die Konzentration (Millionen/ml) im Probiotikum-Arm 5,13 auf 10,42, im Antioxidans-Arm 5,03 auf 8,55, im Placebo-Arm 4,79 auf 4,91; für die Motilität (%) 23,54 auf 46,65, 22,16 auf 26,58 und 21,72 auf 22,75; für die Morphologie (%) 1,60 auf 4,31, 1,47 auf 2,21 und 1,47 auf 1,52. Probiotikum gegen Placebo: Konzentrationsdifferenz 5,51 Millionen/ml (p = 0,007), Motilität p = 0,001, Morphologie p < 0,001; Probiotikum gegen Antioxidans: Motilität p = 0,009, Morphologie p < 0,001, Konzentration p = 0,89; Antioxidans gegen Placebo: keine signifikante Differenz. Ein Teilnehmer der Probiotikagruppe brach wegen Blähungen ab. Das Abstract liest sich, als seien 10,42, 46,65 und 4,31 „Verbesserungen“; tatsächlich sind es adjustierte Mittelwerte nach drei Monaten, die Ausgangswerte stehen in Tabelle 2 des Volltexts. Stärken sind Randomisierung, Dreifachverblindung, Placebo und Vergleichsgruppe; Schwächen sind die niedrigen absoluten Werte (die Morphologie verbessert sich von 1,60 auf 4,31 %, die Konzentration von 5,13 auf 10,42 Millionen/ml und bleibt damit weit unterhalb der als Einschlusskriterium genannten Referenzgrenzen), die Dreimonatsdauer, der Surrogat-Endpunkt und die Beschränkung auf zwei Zentren eines Landes. Die Autoren schreiben selbst, ein starker Schluss erfordere weitere belastbare Studien.
Abbasi und Kollegen (International Journal of Reproductive Biomedicine 2021) untersuchten 56 Männer mit idiopathischer Unfruchtbarkeit dreifach verblindet mit FamiLact 500 mg gegen Placebo über 80 Tage [s085]. Konzentration, Motilität und normale Morphologie waren unter Verum höher (p < 0,05); im behandelten Arm sanken auch Lipidperoxidation und DNA-Fragmentierung (p ≤ 0,02), unter Placebo nur die DNA-Fragmentierung. Der abgerufene Abstract war abgeschnitten, weitere Zahlen wurden nicht berichtet. Zarehoroki und Kollegen (International Journal of Urology 2026) randomisierten 73 Männer mit idiopathischer Oligoasthenoteratozoospermie doppelblind auf Sperigen plus Placebo oder Sperigen plus 500 mg Synbiotikum (FamiLact) über drei Monate [s028]. Die Kombination verbesserte die mittlere Veränderung der progressiven Motilität stärker (p = 0,001) und verminderte den Anteil unbeweglicher Spermien (p = 0,018); für die DNA-Fragmentierung nennt der Abstract p = 0,001, ohne die Richtung eindeutig zu formulieren, die Schlussfolgerung spricht von Verbesserung. In beiden Armen besserten sich innerhalb der Gruppe alle Parameter außer der nicht progressiven Motilität im Arm mit Sperigen und Placebo. Zu beachten: Hier gibt es keinen reinen Placebo-Arm, die Kontrollgruppe nahm ein Antioxidans, und die Abstract-Aussage „much more effective than using an antioxidant alone“ gilt für diesen Vergleich. Das deutsche Dokument weist ausdrücklich darauf hin, dass mehrere dieser Studien aus derselben Region und teils derselben Arbeitsgruppe stammen und dasselbe Produkt verwenden. Ein Studienprotokoll von Shamsi-Goushki und Kollegen (Trials 2026) kündigt eine doppelblinde randomisierte Studie mit 84 übergewichtigen und adipösen Männern in Kerman an (vier Arme: kalorienreduzierte MIND-Diät oder Standard-Diät, jeweils mit Probiotikum oder Placebo; drei Monate; Registrierung IRCT20240313061277N1 im Iranischen Studienregister) [s023]. Ergebnisse liegen nicht vor.
Übersichten und paarbezogene Befunde. Oliveira und Kollegen werteten vier randomisierte Studien bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit aus und berichten antioxidative Effekte und bessere Spermienparameter, vor allem der Motilität [s055]. Corbett und Kollegen fanden bei Paaren in Kinderwunschbehandlung vier eingeschlossene Studien; beide Studien mit männlichen Probanden und oralen Probiotika verbesserten die Motilität, die Evidenz zu klinischen Schwangerschaftsraten blieb widersprüchlich [s087]. Eine Metaanalyse zu vaginalen Probiotika vor Embryotransfer (Maleki-Hajiagha und Kollegen, 2025; sechs Studien, 850 Teilnehmerinnen) fand klinische Schwangerschaften bei 157 von 419 (37,47 %) gegenüber 136 von 431 (31,55 %) mit RR 1,19 (p = 0,07), keine signifikanten Unterschiede bei biochemischer (RR 1,04; p = 0,74) und fortlaufender Schwangerschaft (RR 1,09; p = 0,53) und eine nicht signifikante Verringerung des Fehlgeburtsrisikos (RR 0,67; p = 0,12) [s042]. Das betrifft die Frau, ist aber für den Gedanken eines gemeinsamen Genitalmikrobioms des Paares relevant, den auch Grande und Kollegen mit der Forderung nach Studien zur „couple genital microbiota“ aufgreifen [s050]. Antonio und Kollegen (Journal of Infectious Diseases 2009) zeigten bei 90 jungen Frauen (14 bis 21 Jahre) für das vaginale Probiotikum L. crispatus CTV-05 (Kapseln mit 10⁶ oder 10⁸ KbE, zweimal täglich über drei Tage), dass 36 von 40 Frauen (90 %) ohne L.-crispatus-Besiedlung zu Beginn kolonisiert wurden, aber nur 24 von 47 (51 %) mit vorbestehender Besiedlung (P < 0,001), und dass Geschlechtsverkehr mit Kondom (OR 6,3; 95-%-KI 1,3 bis 29,4) oder ohne (OR 75,5; 95-%-KI 6,9 bis 820,6) die Besiedlung seltener machte [s119]. Das belegt einen Einfluss des Samens auf die vaginale Flora, aber nichts zur männlichen Fruchtbarkeit. Die größte Querschnittsstudie, Mowla und Kollegen, wird vom deutschen Dokument aus Großbritannien aufgeführt und ist im englischen Abschnitt beschrieben [s043]; die spanische Studie am Paar (Huerga López) erscheint im spanischen Abschnitt [s040].
Regionale Besonderheiten und Methodik. Die in den Quellen erkennbare Region der Probiotika-Studien ist überwiegend der Iran, ergänzt durch Italien, Spanien und Brasilien (letzteres über eine Übersicht). Der Hinweis auf die Spermatogenese von etwa drei Monaten, den das deutsche Dokument zur Deutung kurzer Beobachtungszeiträume gibt, stammt ausdrücklich nicht aus den abgerufenen Quellen, sondern ist Hintergrundwissen und wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Zur Datenbanklage: Die Suche mit Sprachfilter Deutsch liefert für das Thema fast nur ältere Arbeiten; die moderne Debatte spielt sich im englischsprachigen Teil von PubMed ab. Für Leser, die deutschsprachige Quellen suchen, heißt das: Ein deutschsprachiger Primärbefund zu Samenmikrobiom oder Probiotika bei Unfruchtbarkeit wurde in dieser Recherche nicht gefunden, und das ist als Recherchelücke zu lesen, nicht als Beweis für ihr Fehlen.