G. Kultur- und PCR-Studien: Bakteriospermie und Genitalinfektionen
Die Studien dieses Abschnitts suchen mit Kultur oder spezifischer PCR gezielt nach bekannten Krankheitserregern. Sie liefern das ältere und klinisch vertrautere Bild: Bakterien im Ejakulat als Infektion. Der Unterschied zu den Sequenzierungsstudien liegt in der Frage (Infektion statt Gemeinschaft), in der Methode (nur kultivierbare oder gezielt gesuchte Erreger) und in den Kontrollgruppen. Viele dieser Studien vergleichen unfruchtbare Männer mit „fruchtbaren" Kontrollen, die über ein normales Spermiogramm definiert sind; dann ist der Zusammenhang zwischen Erreger und Spermiogramm schon durch die Gruppenbildung vorgeprägt.
Berjis et al. 2018 [s105]
Originaltitel: Study of seminal infection among an infertile male population in Qom, Iran, and its effect on sperm quality.
- Land: Iran (Qom; Affiliation Infertilitätszentrum Teheran, Untersuchung im Zentrum Jihad Daneshgahi, Qom).
- Design: Als Kohortenstudie bezeichnet, tatsächlich Querschnitt mit Kontrollgruppe; Volltext lag vor.
- Population: Der Abstract nennt 150 unfruchtbare Männer mit auffälligem Spermiogramm und 150 gesunde fruchtbare Männer (300 Proben). Im Methodenteil heißt es dagegen, 300 Männer seien zur Samenanalyse gekommen (zum Teil mit Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen oder schmerzhafter Ejakulation, einige auch nur zur Prüfung ihrer Fruchtbarkeit), und die Kontrollgruppe bestehe aus 100 Männern mit nachgewiesener Vaterschaft in den letzten drei Jahren. Die mediane Dauer der Kinderlosigkeit betrug 3,75 Jahre [s105].
- Exposition: Nachweis von Bakterien im Ejakulat (Kultur).
- Messung: Entnahme nach 3 bis 5 Tagen Karenz mit Händewaschen und Waschen von Penis und Hodensack; Spermiogramm nach WHO; Kultur auf Agar- und EMB-Platten; Identifikation durch Gram-Färbung, Katalase- und Koagulase-Test. Auswertung mit ANOVA, LSD-Test und Fisher-Test [s105].
- Ergebnisse: 63 von 300 Männern (21 %) hatten Bakterien im Ejakulat: Staphylococcus aureus in 39 Proben (61,9 %), koagulasenegative Staphylokokken in 9 (14,28 %), Streptokokken in 9 (14,28 %), Escherichia coli in 6 (9,52 %; der Abstract nennt 9,25 %). Von 59 Männern mit Symptomen hatten 51 positive Kultur, von 241 ohne Symptome 12. Die Mittelwerte (Kontrolle, Infizierte, Nichtinfizierte): Volumen 4,08, 3,14 und 3,74 ml; Konzentration 45,56, 32,21 und 33,49 Mio./ml; Motilität 56,66, 54,32 und 55,45 %; normale Morphologie 18,46, 16,25 und 17,01 %. Der paarweise Vergleich ergab für infizierte Männer gegen Kontrollen Unterschiede bei Konzentration (p = 0,032) und Volumen (p = 0,003), nicht bei Morphologie (p = 0,621) und Motilität (p = 0,492); zwischen Infizierten und Nichtinfizierten unterschied sich nur die Konzentration (p = 0,046) [s105].
- Störgrößen: Keine Adjustierung; Alter und Rauchen sind im Text nicht berichtet.
- Stärken: Große Zahl von Proben; einheitliche Kultur; Vergleich dreier Gruppen.
- Schwächen: Die Beschreibung der Gruppen ist zwischen Abstract und Methoden widersprüchlich (150 gegen 150 gegenüber 300 Patienten und 100 Kontrollen). Die Aussagen des Abstracts zu einzelnen Erregern (alle außer Streptokokken senkten die Konzentration, E. coli senkte die Motilität, E. coli und S. aureus die Morphologie) sind im Ergebnisteil des Volltextes nicht durch Zahlen belegt, und die berichteten Mittelwerte für Motilität und Morphologie unterscheiden sich kaum. Im Text steht an einer Stelle, die Zahl sei signifikant niedriger, mit „p > 0,05". Als Prävalenz bei „unfruchtbaren Männern" wird der Anteil an allen 300 Untersuchten angegeben, die auch Männer ohne Kinderwunschproblem einschließen. Kultur erfasst nur anzüchtbare Aerobier; Kontamination der Probe von der Haut ist nicht ausgeschlossen. Die Autoren selbst erwähnen, dass der Nachweis von Bakterien im Ejakulat nicht notwendig eine Infektion bedeutet [s105].
- Einordnung: Die Studie zeigt eine Prävalenz von 21 % in einer klinischen Gruppe und die Dominanz von Staphylococcus aureus, aber keinen belastbaren Zusammenhang mit der Spermienqualität. Der Zusammenhang zwischen Symptomen und positiver Kultur ist deutlich (51 von 63 Infizierten hatten Symptome) und deckt sich mit dem klinischen Bild einer symptomatischen Infektion [s105].
Heidari Pebdeni et al. 2021 [s090]
Originaltitel: Bacteriospermia and its association with seminal fluid parameters and infertility in infertile men, Kerman, Iran: A cross-sectional study.
- Land: Iran (Kerman, Universität für Medizinische Wissenschaften).
- Design: Querschnittsstudie mit Fall-Kontroll-Vergleich; Volltext lag vor.
- Population: 200 Männer aus Kinderwunschzentren in Kerman (Juli bis Dezember 2019): 100 unfruchtbare Männer (mindestens 12 Monate ohne Schwangerschaft, kein weiblicher Faktor, keine hormonellen oder anatomischen Auffälligkeiten, keine Zeichen einer Genitalinfektion, keine Antibiotika in den letzten zwei Wochen, auffälliges Spermiogramm) und 100 fruchtbare Männer mit normalem Spermiogramm, deren Partnerinnen früher ohne Behandlung schwanger geworden waren. Alter 35,33 ± 7,38 gegen 34,29 ± 7,30 Jahre (p = 0,73) [s090].
- Exposition: Nachweis von Ureaplasma spp., U. urealyticum, U. parvum, Mycoplasma hominis, M. genitalium und Chlamydia trachomatis im Ejakulat.
- Messung: Entnahme nach 2 bis 7 Tagen Karenz mit Waschen von Händen und Genitalbereich; Spermiogramm nach WHO; DNA-Extraktion, Prüfung auf menschliches β-Globin als Kontrolle von PCR-Hemmstoffen, konventionelle PCR für Ureaplasma und M. hominis, verschachtelte PCR für M. genitalium, kommerzieller Test für C. trachomatis, Sanger-Sequenzierung der Produkte. Fisher-Test, logistische Regression [s090].
- Ergebnisse: 122 von 200 Proben (61 %) waren für mindestens einen Erreger positiv. Nachweis bei unfruchtbaren und fruchtbaren Männern: M. genitalium 14 gegen 2 (p < 0,001), C. trachomatis 9 gegen 0 (p < 0,001), M. hominis 7 gegen 16 (p = 0,07), Ureaplasma spp. 41 gegen 33 (p = 0,31), U. urealyticum 2 gegen 3, U. parvum 24 gegen 16 (p = 0,22). In der logistischen Regression waren M. genitalium (OR 8,06; p < 0,001) und C. trachomatis (OR 16; 95-%-KI 1,67 bis 153.179; p = 0,01) mit Unfruchtbarkeit verbunden. Das Spermiogramm war bei den unfruchtbaren Männern erwartungsgemäß schlechter (zum Beispiel progressive Beweglichkeit 16,93 ± 11,50 gegen 45,81 ± 15,05 %, Vitalität 44,04 gegen 73,14 %, Konzentration 51,98 ± 47,37 gegen 65,55 ± 30,39 Mio./ml; p = 0,01). Innerhalb der unfruchtbaren Männer hing M. genitalium mit niedrigerer progressiver Motilität zusammen (22 gegen 33 %; p = 0,04), M. hominis mit kleinerem Volumen (2,8 gegen 3,27 ml; p = 0,03), U. parvum mit einem geringeren Anteil normaler Formen (67,5 gegen 84,7 %; p = 0,02), C. trachomatis mit niedrigerer progressiver Motilität (15,67 gegen 32,27 %; p = 0,03) und Vitalität (22 gegen 63,5 %; p = 0,03) [s090].
- Störgrößen: Alter war ähnlich; sonst keine Adjustierung. Die Kontrollen wurden über ein normales Spermiogramm definiert.
- Stärken: Gleichzeitige Prüfung sechs verschiedener Erreger mit molekularem Nachweis, Kontrolle auf PCR-Hemmung, Sequenzbestätigung, Kontrollen aus denselben Zentren und demselben Zeitraum.
- Schwächen: Der Befund zu C. trachomatis beruht auf 9 Männern ohne einen Fall bei den Kontrollen; das Konfidenzintervall der Odds Ratio (1,67 bis 153.179) zeigt, dass die Schätzung praktisch nicht belastbar ist. Fruchtbare Kontrollen mit normalem Spermiogramm gegen unfruchtbare Männer mit auffälligem Spermiogramm: Der Zusammenhang zwischen Erreger und Samenqualität ist so mit der Gruppenbildung verflochten. Die Gruppen innerhalb der Unfruchtbaren sind sehr klein (zum Beispiel 9 Männer mit C. trachomatis), viele Einzelvergleiche ohne Korrektur. Im Text steht, 74 % der Männer trügen Ureaplasma spp.; die Tabelle zeigt 74 betroffene Männer von 200 (37 %). Es wurde nur das Vorhandensein, nicht die Menge der Erreger gemessen. Das Fehlen klinischer Infektionszeichen war Einschlusskriterium; die Befunde betreffen also Männer ohne Symptome [s090].
- Einordnung: Die Ergebnisse weichen von der Metaanalyse von Farahani ab, die für Chlamydien keinen Unterschied zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Männern fand [s089]: Hier war C. trachomatis nur bei Unfruchtbaren nachweisbar, bei sehr kleinen Zahlen. Die Studie ist ein Beispiel für „Erregernachweis bei Unfruchtbarkeit", ohne dass die Richtung der Wirkung bestimmt werden kann [s090].
Dehghan et al. 2022 [s076]
Originaltitel: The effects of Chlamydia trachomatis, Mycoplasma hominis, and Ureaplasma urealyticum loads on semen quality: Detection and quantitative analysis.
- Land: Iran (Universität für Medizinische Wissenschaften Teheran).
- Design: Fall-Kontroll-Studie mit quantitativer PCR; nur die Zusammenfassung lag vor.
- Population: 130 Samenproben unfruchtbarer und fruchtbarer Männer; mittleres Alter 35,2 ± 6,8 Jahre. Die Gruppengrößen nennt der Abstract nicht; aus den Prozentwerten (3,1 % entsprechen 2 von 65) ergeben sich rechnerisch je 65 Proben [s076].
- Exposition: Last an Chlamydia trachomatis (CT), Mycoplasma hominis (MH) und Ureaplasma urealyticum (UU).
- Messung: DNA-Extraktion, Plasmid-Standards, quantitative Echtzeit-PCR [s076].
- Ergebnisse: Häufigkeit von CT, MH und UU bei unfruchtbaren gegenüber fruchtbaren Männern: 9,2 % gegen 3,1 %, 15,4 % gegen 3,1 % und 15,4 % gegen 3,1 %. Die mittleren Lasten bei den Unfruchtbaren betrugen 6,44 (Spanne 5,31 bis 7), 4,24 (3,37 bis 4,7) und 6,94 log10 Kopien/ml (5,08 bis 8,69) und waren nach Angabe der Autoren signifikant höher als bei den Fruchtbaren. Die Lasten von CT und UU hingen mit den Spermienparametern zusammen, die Last von MH nur mit Motilität, Morphologie und Leukozytenzahl [s076].
- Störgrößen: Im Abstract nicht berichtet.
- Stärken: Quantitative Messung (Last statt nur Nachweis), Fall-Kontroll-Aufbau.
- Schwächen: Nur Abstract geprüft; Gruppengröße, Zusammenhangsmaße und p-Werte nicht im Abstract; die Zahl der positiven Männer ist klein (rechnerisch 6 bis 10 je Erreger bei den Unfruchtbaren); der Schluss der Autoren, fehlende klinische Zeichen sagten nichts über die Samenqualität, ist durch die Daten des Abstracts nicht belegt.
- Einordnung: Die Studie liefert für CT, MH und UU zusätzlich Mengenangaben. Die höheren Lasten bei Unfruchtbaren sind nur als Zusammenhang zu lesen [s076].
Asgari et al. 2025 [s034]
Originaltitel: Molecular Detection of Ureaplasma urealyticum and Enterococcus faecalis in the Seminal Fluid and their Relationship with Semen Quality in Healthy and Infertile Men in Shiraz, Iran (2021-2022).
- Land: Iran (Shiraz, Universität für Medizinische Wissenschaften).
- Design: Fall-Kontroll-Studie mit PCR (2021 bis 2022); nur die Zusammenfassung lag vor.
- Population: 80 unfruchtbare Männer und 80 Männer ohne Fruchtbarkeitsprobleme [s034].
- Exposition: Nachweis von Ureaplasma urealyticum, Enterococcus faecalis und Streptococcus agalactiae im Ejakulat.
- Messung: Spermienmerkmale nach WHO; Nachweis und Bestätigung der Erreger mit PCR [s034].
- Ergebnisse: Die Häufigkeit der Bakteriospermie war bei Unfruchtbaren höher als bei den Kontrollen (p < 0,05). Am häufigsten war bei den Unfruchtbaren Ureaplasma urealyticum (7,5 %; p < 0,05), gefolgt von Enterococcus faecalis (6,25 %; p > 0,05); Streptococcus agalactiae fand sich in keiner auffälligen Probe. Ureaplasma urealyticum beeinflusste Motilität und Morphologie signifikant; der Nachweis von E. faecalis und S. agalactiae führte nach Angabe der Autoren nicht zu auffälligen Spermien. Zwischen den Gruppen gab es keinen Unterschied im Volumen, aber bei Morphologie, Zahl und Gesamtmotilität (p < 0,001) [s034].
- Störgrößen: Im Abstract nicht berichtet.
- Stärken: Molekularer Nachweis; Kontrollgruppe gleicher Größe.
- Schwächen: Nur Abstract; Zahl der positiven Männer klein (7,5 % von 80 sind 6 Männer, rechnerisch); keine Zahlen zu Effekten; keine Angaben zu Kontrollen des Nachweises, zu Alter oder zu Adjustierung.
- Einordnung: Die Befunde bestätigen das Bild der Studien aus dem Iran, dass Ureaplasma urealyticum bei Unfruchtbaren häufiger nachweisbar ist, bei sehr kleinen Fallzahlen [s034, s090, s076].
Eini et al. 2021 [s088]
Originaltitel: Effect of bacterial infection on sperm quality and DNA fragmentation in subfertile men with Leukocytospermia.
- Land: Iran (Hormozgan, Universität für Medizinische Wissenschaften; Fertilitätszentrum).
- Design: Fall-Kontroll-Studie; Volltext lag vor.
- Population: 172 männliche Partner subfertiler Paare (mittleres Alter 38,2 ± 4,3 Jahre; Oktober 2018 bis Januar 2020) und 35 fruchtbare Männer als Kontrollen. Einschluss der Patienten bei mindestens einem Spermienparameter unter dem WHO-Referenzwert, Leukozyten von mindestens 1 Mio./ml oder Symptomen beziehungsweise Vorgeschichte einer Genitalinfektion; Ausschluss bei Antibiotika oder Operation im letzten Monat und anatomischen, hormonellen oder genetischen Auffälligkeiten [s088].
- Exposition: Positive Samenkultur.
- Messung: Entnahme nach 2 bis 5 Tagen Karenz mit Händewaschen und Waschen des Genitalbereichs mit antimikrobieller Seife; Kultur auf sechs Nährmedien, Identifikation mit VITEK 2, positiv ab über 10³ KbE/ml; Leukozyten durch Peroxidase-Färbung; Spermiogramm nach WHO; Vitalität (Eosin-Nigrosin); DNA-Fragmentierung mit dem Chromatin-Dispersionstest [s088].
- Ergebnisse: 112 Proben (65 %) waren steril; 60 (34,88 %) hatten eine Spezies, 6 (3,48 %) mehrere. Am häufigsten war E. faecalis (25 % der positiven, 15 von 60), gefolgt von S. agalactiae und E. coli (je 16,66 %), S. haemolyticus (11,66 %), S. aureus (8,33 %), Proteus (6,66 %) und Klebsiella pneumoniae (5 %). Leukozytospermie und positive Kultur waren verbunden (OR 3,96; 95-%-KI 2,04 bis 7,68; die Tabelle nennt 3,93): 38 von 60 Männern mit positiver Kultur hatten Leukozytospermie, 34 von 112 mit negativer Kultur. Gegenüber Kontrollen (n = 35), nicht infizierten (n = 112) und infizierten Subfertilen (n = 60): Konzentration 75,36, 33,04 und 24,84 Mio./ml; Motilität 67,23, 31,71 und 24,04 %; DNA-Fragmentierung 14,33, 23,50 und 42,21 %; Vitalität 85,03, 67,67 und 55,91 %; normale Morphologie 6,03, 2,83 und 1,75 %. Die Unterschiede zwischen infizierten und nicht infizierten Subfertilen waren bei Motilität, progressiver Motilität, Leukozyten, Fragmentierung, Vitalität und Morphologie signifikant (p < 0,05). Bei den infizierten Männern gab es eine mäßige Korrelation zwischen Leukozytenzahl und DNA-Fragmentierung (R² = 0,23; p < 0,0001) [s088].
- Störgrößen: Keine Adjustierung; Alter ähnlich in den Gruppen (Streuungen sehr groß).
- Stärken: Breite Kultur mit mehreren Medien und automatischer Identifikation; Vitalität und DNA-Fragmentierung zusätzlich; drei Vergleichsgruppen; Odds Ratio mit Konfidenzintervall.
- Schwächen: Die Patientengruppe wurde über auffällige Spermiogramm oder Entzündungszeichen ausgewählt, die Kontrollen sind nur 35 Männer; die Angaben „Mittelwert ± SEM" mit sehr großen Streuungen (zum Beispiel Alter 36,14 ± 18,14) sind nicht plausibel als Standardfehler; Die Kontrollen haben im Mittel 1,80 Mio. Leukozyten/ml und damit mehr als den WHO-Grenzwert von 1 Mio./ml. Chlamydien, Mykoplasmen und Ureaplasmen sind mit der Kultur nicht erfassbar, falsch negative Befunde möglich; Hautkeime können die Probe kontaminieren (so die Autoren). Zu wenige Proben für PCR oder ROS-Messung.
- Einordnung: Eine der wenigen Studien, die Bakteriospermie, Leukozytospermie und DNA-Fragmentierung gemeinsam betrachtet. Die Beobachtung, dass infizierte Proben mehr Leukozyten und mehr DNA-Fragmentierung haben, passt zur Metaanalyse von Farahani (höherer Fragmentierungsindex bei Bakteriospermie) [s089]; sie zeigt Zusammenhang, nicht Ursache, und die Autorenaussage, eine Behandlung verbessere die Schwangerschaftsrate, geht über die Daten hinaus [s088].
Shash et al. 2023 [s074]
Originaltitel: The Impact of Bacteriospermia on Semen Parameters Among Infertile Egyptian Men: A Case-Control Study.
- Land: Ägypten (Universität Kairo).
- Design: Prospektive Fall-Kontroll-Studie (Juni 2021 bis Februar 2022); Volltext lag vor.
- Population: 68 Samenproben von Männern in Kinderwunschabklärung der Andrologie-Ambulanz (Alter 20 bis 50 Jahre, Partnerinnen unter 30 Jahre): 34 mit Bakteriospermie und 34 ohne. Ausgeschlossen wurden Varikozele, genetische Anomalien, endokrine Störungen, Hodenversagen, Erektionsstörungen, Raucher und Antibiotikaeinnahme. Alter 33 ± 5,51 gegen 31,4 ± 5,67 Jahre; Dauer der Kinderlosigkeit 3,53 ± 2,44 gegen 3,18 ± 3,1 Jahre; primäre Unfruchtbarkeit bei 88,2 % und 91,2 % [s074].
- Exposition: Bakteriospermie (Kultur positiv, über 10³ KbE/ml).
- Messung: Spermiogramm nach WHO; Gram-Färbung und Kultur auf Blut- und MacConkey-Agar innerhalb von 3 Stunden; Antibiogramm nach Kirby-Bauer; DNA-Fragmentierung (Halosperm G2) nur an 20 Proben der Bakteriospermie-Gruppe [s074].
- Ergebnisse: Gesamtbeweglichkeit unter 40 % hatten 50 % (17 von 34) der Gruppe mit Bakteriospermie gegen 15 % (5 von 34) der Kontrollen (p = 0,001); normale Formen unter 4 % 23,5 % gegen 0 % (p = 0,003); Volumen unter 1,5 ml 14,7 % gegen 0 % (p = 0,020). Mittelwerte: progressive Motilität 8,24 ± 9,45 gegen 16,91 ± 10,87 % (p = 0,001), Gesamtmotilität 34,56 ± 20,61 gegen 51,03 ± 17,96 % (p = 0,001), normale Formen 27,44 ± 21,23 gegen 40,44 ± 10,69 % (p = 0,002); Volumen (2,90 gegen 3,10 ml) und Gesamtzahl (53,43 gegen 52,21 Mio.) unterschieden sich nicht. Ein auffälliges Spermiogramm hatten 64,71 % gegen 35,29 % (p = 0,015). Isolierte Keime: S. aureus 23 (67,6 %), E. coli 5 (14,7 %), Klebsiella 4 (11,8 %), E. faecalis 2 (5,9 %). 78,3 % der S. aureus-Isolate waren MRSA; Proben mit MRSA (n = 18) hatten niedrigere progressive Motilität (10,00 gegen 16,91 %; p = 0,018) und weniger normale Formen (30,94 gegen 40,44 %; p = 0,043). Von 20 untersuchten Proben hatten 70 % eine DNA-Fragmentierung von mindestens 30 % (Mittel 38,25 ± 14,25 %) [s074].
- Störgrößen: Alter und Dauer der Kinderlosigkeit ähnlich; weitere Adjustierung nicht berichtet.
- Stärken: Strenge Ausschlusskriterien (Raucher, Varikozele); Kontrollen aus derselben Ambulanz; Antibiogramm.
- Schwächen: Auch die „Kontrollen" sind Männer in Unfruchtbarkeitsabklärung; die Zahl ist klein (34 je Gruppe); die Studie verwendet im Methodenteil für unabhängige Gruppen einen „gepaarten t-Test"; die DNA-Fragmentierung wurde nur in einer Gruppe gemessen, ohne Kontrolle; keine Kultur auf Chlamydien, Mykoplasmen und Ureaplasmen (so die Autoren); der Befund „Bakteriospermie verschlechtert die Spermienqualität" ist ein Zusammenhang.
- Einordnung: Die Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen kulturpositiver Bakteriospermie (vor allem S. aureus) und Beweglichkeit und Morphologie in einer klinischen Gruppe. Der MRSA-Befund ist ein Hinweis auf die Bedeutung lokaler Resistenzlage [s074].
Kim et al. 2017 [s109]
Originaltitel: Effects of infections with five sexually transmitted pathogens on sperm quality.
- Land: Südkorea (Cheil General Hospital, Seoul).
- Design: Querschnittsstudie; Volltext lag vor.
- Population: 400 Männer in Fruchtbarkeitsabklärung (Alter 19 bis 40 Jahre, Geschlechtsverkehr in den letzten 12 Monaten). Ausschluss bei Chromosomen- oder Pelvisanomalien, Unfähigkeit zur Ejakulation, Sterilisation, sexuell übertragbarer Infektion im letzten Jahr, Genitalwarzen, Hodentrauma, Kryptorchismus, Varikozele, Samenwegsinfektion sowie Ausfluss oder starken Schmerzen im letzten halben Jahr. Zwei Männer wurden wegen fehlender Infektionsdaten ausgeschlossen; von 398 hatten 86 mindestens einen Erreger, 312 keinen. Insgesamt 19 Männer (15 mit Azoospermie, 2 mit Nekrozoospermie und die 2 mit fehlenden Infektionsdaten) wurden nicht weiter ausgewertet, sodass 381 Männer in die Analyse eingingen. Mittleres Alter 34,98 ± 4,44 und 35,44 ± 4,52 Jahre [s109].
- Exposition: Nachweis von humanen Papillomviren (HPV), Chlamydia trachomatis, Ureaplasma urealyticum, Mycoplasma hominis und Mycoplasma genitalium im Ejakulat.
- Messung: Entnahme nach 3 Tagen Karenz; HPV-Nachweis mit einem DNA-Chip für 36 HPV-Typen; für C. trachomatis, U. urealyticum, M. hominis und M. genitalium ein Flüssig-Mikrokulturtest (MYCOFAST Evolution 2); Spermiogramm nach WHO (5. Auflage) mit computergestützter Analyse; die Untersuchenden wussten nichts von den Patientendaten [s109].
- Ergebnisse: Prävalenz im Ejakulat: HPV 1,57 % (6 Männer; Typen 18, 31, 42, 56, 84 und 91), C. trachomatis 0,79 % (3), U. urealyticum 16,80 % (64), M. hominis 4,46 % (17), M. genitalium 1,31 % (5). 74 Männer hatten einen Erreger, 10 mehrere. Nur beim Nachweis von U. urealyticum war der Anteil normal geformter Spermien niedriger (p < 0,05); bei den übrigen Erregern fanden sich keine signifikanten Unterschiede. In der Untergruppe der Normozoospermie waren bei Infektion mit mindestens einem Erreger Volumen (2,52 ± 0,78 gegen 3,06 ± 1,24 ml; p < 0,05) und Gesamtspermienzahl (213,29 ± 98,02 gegen 301,62 ± 190,80 Mio.; p < 0,05) niedriger [s109].
- Störgrößen: Nicht adjustiert; die Autoren führten die Untergruppe der Normozoospermie ein, um Störgrößen zu verringern.
- Stärken: Große Stichprobe, verblindete Auswertung, Fallzahlberechnung, mehrere Erreger gleichzeitig, strenge Ausschlusskriterien.
- Schwächen: Die Autoren führen die niedrigen Prävalenzen unter anderem auf den Ausschluss von Männern mit früherer Infektion zurück; die Gruppen „infiziert" wurden für den Test zu einer Sammelgruppe zusammengefasst (jede Einzelerregergruppe ist sehr klein); keine Kontrollgruppe fruchtbarer Männer; viele Vergleiche ohne Korrektur; für alle vier Bakterien wurde derselbe Flüssig-Mikrokulturtest eingesetzt, dessen Güte im Text nur über eine Literaturangabe belegt wird (Sensitivität 95 %, Spezifität 98 %).
- Einordnung: Die Studie zeigt, dass in einer Auswahl asymptomatischer Männer die Prävalenz der fünf Erreger niedrig ist und dass nur U. urealyticum mit schlechterer Morphologie zusammenging, was zur Metaanalyse von Farahani (U. urealyticum mit schlechterer Konzentration und Morphologie) passt [s109, s089].
Mendoza-Rodríguez et al. 2023 [s073]
Titel: Cambios en la resistencia a antibióticos en episodios de bacteriospermia sintomática (Veränderungen der Antibiotikaresistenz bei Episoden symptomatischer Bakteriospermie).
- Land: Spanien (Universitätsklinikum Virgen de las Nieves, Granada).
- Design: Retrospektive, deskriptive Querschnittsstudie ohne Kontrollgruppe; Volltext lag vor.
- Population: Alle Samen-Proben von Männern mit klinischem Verdacht auf chronische bakterielle Prostatitis zwischen Januar 2016 und Mai 2021, ohne Ausschlusskriterien; Episoden mit positiver Urinkultur wurden entfernt. Die Tabelle weist rechnerisch 364 Episoden aus (127 Episoden entsprechen 34,89 %); 64,28 % stammten von stationären Patienten, 35,71 % aus ambulanter Versorgung; mittleres Alter 46,56 Jahre [s073].
- Exposition: Nachweis von Bakterien im Ejakulat bei Prostatitis-Symptomen.
- Messung: Kultur auf Bakterien und Pilze, Multiplex-PCR (BD MAX) auf Trichomonas vaginalis, Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae sowie PCR auf Mykoplasmen und Ureaplasmen (ab 2017; 2016 Kultur); Antibiogramm nach CLSI (bis 2019) und EUCAST (ab 2020) [s073].
- Ergebnisse: Häufigster Keim war Enterococcus faecalis (127; 34,89 %), dann Ureaplasma spp. (50; 13,74 %; davon U. urealyticum 19, U. parvum 20, 11 ohne Artangabe) und E. coli (43; 11,81 %, davon 3 mit Breitspektrum-Betalaktamase), Corynebacterium (21; 5,77 %), Streptococcus agalactiae (15; 4,12 %) und Klebsiella spp. (17; 4,67 %). Die Resistenz von E. faecalis gegen Chinolone betrug 11 %, die von E. coli 35 %; gegen Fosfomycin und Nitrofurantoin war die Resistenz beider gering [s073].
- Störgrößen: Nicht anwendbar (keine Gruppenvergleiche).
- Stärken: Große Fallzahl über sechs Jahre; Kombination von Kultur und PCR; Entfernung von Episoden mit positivem Urin; Resistenzdaten.
- Schwächen: Keine Daten zur Samenqualität und keine Kontrollgruppe; Auswahl nach klinischem Verdacht (überwiegend stationär); ein Positivbefund ist nicht gleich Infektion (Kontamination bei der Entnahme ist nicht ausgeschlossen); nur Aussagen zu Häufigkeiten.
- Einordnung: Die Studie ist keine Studie zur Unfruchtbarkeit, sondern liefert Epidemiologie symptomatischer Bakteriospermie in einer spanischen Region. Dass grampositive und „atypische" Bakterien (Enterokokken, Ureaplasmen) überwiegen und nicht E. coli, ist für die Einordnung der Erregerauswahl der Studien dieses Abschnitts hilfreich [s073].
Foronda-García-Hidalgo et al. 2019 [s102]
Titel: Prevalencia en varones de la población general de agentes causantes de infecciones del tracto genital no ulcerativas (Prävalenz von Erregern nichtulzerativer Genitalinfektionen bei Männern der Allgemeinbevölkerung).
- Land: Spanien (Universitätsklinikum Virgen de las Nieves, Granada).
- Design: Retrospektive, deskriptive Querschnittsstudie ohne Kontrollgruppe; Volltext lag vor.
- Population: 3.066 Proben aus 2.693 Episoden bei Männern mit Verdacht auf Genitalinfektion aus der Fachversorgung (Notaufnahme, Urologie, Infektiologie; 2016 bis 2017); mittleres Alter 40,8 ± 16,8 Jahre (1 bis 89). Probenarten: Urethralabstrich oder -urin 1.217, Ejakulat oder Urin nach Ejakulation 1.117, Rektalabstrich 349, nicht definierte Proben 254, Eichelabstrich 79, Mundschleimhaut 33, Genitalulkus 17 [s102].
- Exposition: Nachweis von Erregern nichtulzerativer Genitalinfektionen.
- Messung: Kultur und PCR (BD MAX; ab 2017 auch für Mykoplasmen und Ureaplasmen) [s102].
- Ergebnisse: 451 Proben (14,71 %) waren positiv, davon 310 per Kultur und 141 per PCR. Im Ejakulat und Urin nach Ejakulation waren 154 von 1.117 Proben positiv (12,65 %). Per Kultur: Enterobakterien 18,40 %, Enterococcus 13,75 %, Haemophilus 8,65 %, Neisseria gonorrhoeae 8,43 %, Ureaplasma 5,10 %, Candida 3,77 %. Per PCR: N. gonorrhoeae 28,37 %, Chlamydia trachomatis 26,95 %, Ureaplasma urealyticum 17,73 %, M. hominis und U. parvum 10,64 %, M. genitalium 7,10 %. Das Alter war bei Enterobakterien, Candida und Enterokokken höher, bei N. gonorrhoeae niedriger [s102].
- Störgrößen: Klinische Angaben fehlten (so die Autoren).
- Stärken: Sehr große Zahl an Proben, Kultur und PCR kombiniert.
- Schwächen: Trotz des Titels keine Allgemeinbevölkerung, sondern Männer mit Verdacht auf Infektion in der Fachversorgung; die Prozentwerte beziehen sich auf positive Proben, nicht auf alle Männer; kein Bezug zu Fruchtbarkeit oder Samenqualität; die Mehrzahl der Proben stammt nicht aus dem Ejakulat.
- Einordnung: Die Studie ist Hintergrunddaten für die Erregerlandschaft bei Genitalinfektionen, aber keine Fruchtbarkeitsstudie; Aussagen zur Unfruchtbarkeit lassen sich nicht ableiten [s102].
H. Studien ohne Mikrobiomdaten, die Hintergrund liefern
Die folgenden Arbeiten enthalten keine Messung des Samenmikrobioms. Sie stehen im Quellenverzeichnis dieses Themas und werden hier aufgeführt, weil sie Fragen berühren, die für die Deutung der Mikrobiomstudien wichtig sind: den Einfluss des Alters auf die Samenqualität, die Zusammensetzung klinischer Stichproben, die Größe von Kohorten und die ältere Literatur zur Bakteriospermie. Aus ihnen lässt sich kein Mikrobiom-Befund ableiten.
Ulubay et al. 2022 [s083]
Originaltitel: The effect of aging on semen parameters in normozoospermic men: A cross-sectional study.
- Land: Türkei (Samsun).
- Design: Retrospektive Querschnittsstudie; Volltext lag vor.
- Population: 1.594 Männer mit normalem Spermiogramm, die wegen Unfruchtbarkeit in zwei Kliniken in Samsun vorstellig wurden (Januar 2015 bis Juni 2020); Altersgruppen 18 bis 29 Jahre (n = 629), 30 bis 39 Jahre (n = 775) und 40 bis 49 Jahre (n = 190). Ausgeschlossen wurden Männer mit pathologischem Spermiogramm, Varikozele, Hodenhochstand, Orchidopexie, Hodenoperation oder Einzelhoden [s083].
- Exposition: Alter.
- Messung: Samenanalyse mit einem automatischen Analysegerät (SQA-V Gold) nach den Vorgaben der WHO 2021; Entnahme nach 3 bis 7 Tagen Karenz; Gruppenvergleich mit Kruskal-Wallis und Bonferroni-korrigiertem Mann-Whitney-Test [s083].
- Ergebnisse (Mediane, Altersgruppen I, II, III): Gesamtzahl der Spermien 253,9, 239,9 und 225,7 Mio. (p < 0,001); Konzentration 82,13, 79,83 und 74,8 Mio./ml (p = 0,003); progressive Motilität 48, 44 und 41 % (p < 0,001); normale Morphologie 17, 14 und 12 % (p < 0,001); Gesamtmotilität 58, 55 und 53 %; Volumen 3,1, 2,9 und 2,85 ml. Volumen und Gesamtmotilität waren in Gruppe I höher als in den anderen beiden Gruppen; zwischen Gruppe II und III sahen die Autoren keinen Unterschied (p = 0,61 und p = 0,04, von den Autoren als nicht signifikant gewertet) [s083].
- Störgrößen: Nicht adjustiert; Beschränkung auf Normozoospermie.
- Stärken: Große Stichprobe, einheitliches Analysegerät, klar definierte Ausschlüsse.
- Schwächen: Retrospektiv, Männer einer klinischen Ambulanz, nur Normozoospermie; die Unterschiede sind statistisch deutlich, aber im Betrag klein; Rauchen, BMI und Karenzzeit sind nicht berücksichtigt.
- Einordnung: Die Studie zeigt, dass sich Samenparameter auch bei Männern mit normalem Befund mit dem Alter verschieben. Für die Mikrobiomstudien heißt das: Altersunterschiede zwischen Gruppen können Unterschiede in der Spermienqualität erzeugen, die dann irrtümlich dem Mikrobiom zugeschrieben werden. Mikrobiomdaten enthält die Studie nicht [s083].
Kervancıoğlu et al. 2012 [s118]
Originaltitel: Results of 15 Years Semen Analysis in a Training Hospital Andrology Laboratory
Die Angaben stammen aus dem Recherchedokument für den türkischen Sprachraum (Dokument tr); die Originalarbeit ist bei Europe PMC nicht erfasst.
- Land: Türkei (andrologisches Labor eines Ausbildungskrankenhauses).
- Design: Retrospektive Auswertung von Samenanalysen über 15 Jahre.
- Population: 9.327 Proben von 6.780 Männern (1995 bis 2009); die Zahl der Proben stieg von 293 im Jahr 1995 auf 1.217 im Jahr 2007 [s118].
- Ergebnisse: 35 % der Männer normozoosperm, 4 % azoosperm und 57 % teratozoosperm [s118].
- Störgrößen, Stärken, Schwächen: Eine ausgewählte Patientengruppe eines Labors, die sich nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragen lässt; Mikrobiomdaten fehlen; weitere Angaben liegen nicht vor.
- Einordnung: Bezug zum Thema ist nur der Hintergrund: Teratozoospermie ist in klinischen Stichproben sehr häufig [s118].
Michikawa et al. 2018 (Japan Environment and Children's Study) [s108]
Originaltitel: Baseline Profile of Participants in the Japan Environment and Children's Study (JECS).
- Land: Japan.
- Design: Beschreibung der Ausgangslage einer landesweiten Geburtskohorte; Volltext lag vor.
- Population: 100.778 Schwangerschaften mit Geburt; bei 51.402 (51,0 %) beteiligte sich der Partner. Rechnerisch 95.248 verschiedene Mütter und 49.189 verschiedene Väter; 100.148 Lebendgeburten; Abdeckung der in den Studiengebieten registrierten Lebendgeburten 2013 etwa 45 % [s108].
- Exposition: Umweltfaktoren (Kohorte nicht auf Unfruchtbarkeit ausgerichtet).
- Messung: Fragebögen und Krankenakten; Biospezimen von den Müttern (Blut, Urin, Haar, Nabelschnurblut); Väter füllten einen Fragebogen aus und gaben Blut [s108].
- Ergebnisse: Die Merkmale der Mütter und Kinder ähnelten der nationalen Statistik 2013 [s108].
- Störgrößen, Stärken, Schwächen: Sehr große Stichprobe, aber nach der Beschreibung der Biospezimen wurden weder Samen noch Samenmikrobiom erhoben; die Kohorte erfasst Schwangere und deren Partner, also Paare, die schwanger geworden sind.
- Einordnung: Die Studie hat keinen Mikrobiombezug. Sie wird im japanischen Recherchedokument genannt, weil japanische Samenmikrobiom-Kohorten fehlen: Ein von der Osaka-Universität geführtes Forschungsprojekt zum Samenmikrobiom bei Varikozele (Projektdatenbank, 2022 bis 2024) wird nur als Eintrag ohne Ergebnisse geführt [s108, s081].
Ensslen et al. 1990 [s121]
- Land: Deutschland (Frauenklinik der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen).
- Design: Klinische Beobachtung (Fallserie) ohne Kontrollgruppe; nur die Zusammenfassung lag vor (Europe-PMC-Titel in englischer Übersetzung: „Male subfertility and oral bacterial diseases"; ein deutscher Originaltitel ist dort nicht angegeben).
- Population: Männer, die seit Juni 1987 wegen Sterilität die Frauenklinik aufsuchten; mehr als 70 % der Ehemänner benötigten laut Abstract eine Behandlung wegen Bakteriospermie mit Keimzahlen über 10⁴ KbE/ml. Bei 23 % der Behandelten gelang keine überzeugende Keimreduktion; 36 Patienten mit therapieresistenter Bakteriospermie wurden der Zahnklinik zugewiesen [s121].
- Exposition: Bakteriospermie mit zahnärztlichen Herden.
- Messung: Zahnärztliche Untersuchung, Entfernung der Herde, mikrobiologische Untersuchung intraoperativ entnommener Proben mit spezieller Diagnostik, erneute andrologische Untersuchung sechs Monate nach der Zahnsanierung [s121].
- Ergebnisse: Es fanden sich viele intraorale Herde. Nach den Angaben im Abstract stimmten das Bakterienspektrum der Mundproben und das der Spermiogramme überein, sechs Monate nach Abschluss der Zahnbehandlung waren zwei Drittel der Spermiogramme steril, und Beweglichkeit, Morphologie und Dichte der Spermien hatten sich gebessert [s121].
- Störgrößen: Nicht berichtet; keine Kontrollgruppe, keine Verblindung.
- Stärken: Früher Hinweis auf mögliche Verbindungen zwischen Mundhöhle und Samenflora, mit mikrobiologischem Abgleich.
- Schwächen: Nur 36 selektierte Patienten; die Aussage eines „direkten ursächlichen Zusammenhangs" im Abstract geht über eine unkontrollierte Beobachtung hinaus; ein Zeitverlauf ohne Kontrollgruppe ist nicht von Spontanverlauf, wiederholter Antibiotikagabe oder Messschwankung zu trennen; die Methoden von 1990 sind mit heutigen nicht vergleichbar; die Angabe „über 70 %" bezieht sich auf eine Sprechstundenauswahl.
- Einordnung: Historische Arbeit zur Bakteriospermie, die nur als Abstract belegt ist; sie liefert keine Aussage über die Wirkung einer Maßnahme [s121].
Granouillet et al. 1982 [s124]
- Land: Frankreich (laut Recherchedokument für den französischen Sprachraum); der Europa-PMC-Eintrag nennt keine Affiliation.
- Design: Klinische Studie mit zwei Patientengruppen aus zwei Labors; nur die Zusammenfassung lag vor (Titel: „Étude de la flore bactérienne du sperme chez des hommes infertiles", Untersuchung der Bakterienflora des Spermas bei unfruchtbaren Männern).
- Population: Zwei Gruppen unfruchtbarer Männer (65 und 132 Patienten), untersucht in zwei verschiedenen Labors mit zwei verschiedenen Entnahmemethoden [s124].
- Messung: Kultur der Samenflora [s124].
- Ergebnisse: Die bakteriologischen Befunde waren in beiden Gruppen ähnlich. Isoliert wurden unter anderem beta-hämolysierende Streptokokken, Proteus, Staphylococcus epidermidis, Micrococcus, Corynebakterien, vergrünende Streptokokken, Klebsiella, Pseudomonas, Enterobacter, Bacillus, Neisseria, Escherichia coli, anaerobe Staphylokokken und Streptokokken, Pilze und Achromobacter. 20 % der Patienten waren ohne klinische Zeichen chronisch infiziert, vermutlich von der Prostata aus, mit mehr als 3.000 Bakterien je ml Samen. Ein Zusammenhang zwischen bakteriologischen Daten und den physikalischen und zytologischen Eigenschaften des Spermas bestand nicht, außer beim pH: Samen mit niedrigem pH waren meist azoosperm und stark kontaminiert [s124].
- Störgrößen, Stärken, Schwächen: Im Abstract keine Zahlen zur Statistik; keine Kontrollgruppe fruchtbarer Männer; unterschiedliche Entnahmemethoden; die Kultur erfasst nur anzüchtbare Keime.
- Einordnung: Historischer Beleg dafür, dass schon 1982 eine große Vielfalt von Keimen im Samen gefunden wurde, ohne dass sich ein klarer Zusammenhang mit der Samenqualität ergab [s124].
I. Humanproben aus einer überwiegend tierexperimentellen Studie
Ding et al. 2020 (Humananteil) [s097]
Originaltitel: Impairment of spermatogenesis and sperm motility by the high-fat diet-induced dysbiosis of gut microbes.
Die Studie von Ding et al. ist im Kern ein Tierversuch (Stuhltransplantation bei Mäusen) und wird in einem anderen Kapitel behandelt. Hier steht nur der Humananteil.
- Land: China (Frauen- und Kinderkrankenhaus Qingdao, Labor).
- Design: Klinische Querschnittsanalyse als Teil einer Tierstudie.
- Population: 60 Männer im Alter von 22 bis 45 Jahren, die im Labor zur routinemäßigen Samenanalyse kamen (gesunde Männer und Patienten mit Asthenozoospermie, Oligozoospermie und Teratozoospermie); Stuhl-, Samen- und Blutproben [s097].
- Messung: Stuhl-Mikrobiom mit 16S-Sequenzierung (V3 bis V4), Spermienqualität mit computergestützter Analyse, Endotoxin im Plasma [s097].
- Ergebnisse: Die kombinierte Häufigkeit von Bacteroides und Prevotella im Stuhl war negativ mit der Spermienbeweglichkeit korreliert, der Endotoxinspiegel im Blut positiv mit der Häufigkeit von Bacteroides (jeweils n = 60). Die Häufigkeit von Prevotella copri zeigte eine zweigipflige Verteilung (unter 3 % oder 15 bis 80 %); bei den Proben mit mehr als 15 % (n = 20) bestand eine negative Korrelation mit der Beweglichkeit (r = −0,56; p = 0,011), bei den Proben unter 3 % (n = 40) keine [s097].
- Störgrößen: Nicht berichtet.
- Stärken: Humandaten ergänzen den Tierversuch; Endotoxin als mechanistischer Messwert.
- Schwächen: Nur 60 Proben; nachträgliche Auswahl der Untergruppe nach der Häufigkeit (mehr als 15 %); die Korrelation der Gesamtgruppe mit P. copri war nicht signifikant; Querschnitt.
- Einordnung: Der Humananteil passt zum Prevotella-Befund mehrerer Samenstudien, untersucht aber den Stuhl und nicht das Ejakulat [s097].