Metaanalyse: Campbell et al. 2026, Genitaltrakt-Infektionen und Samenqualität [s004]
Fragestellung. Beeinträchtigen Infektionen des männlichen Urogenitaltrakts die Samenparameter, Fortpflanzungsergebnisse und die Ergebnisse assistierter Reproduktion? Die Arbeit stammt aus der Urologie der Universität Florida (Gainesville) in Zusammenarbeit mit der Biostatistik [s004].
Methodik und Einschlusskriterien. Kontrollvergleichsstudien aus PubMed, Web of Science und Embase, die Männer mit dokumentierter Infektion des Urogenitaltrakts mit nicht infizierten Kontrollen verglichen. Zielgrößen: Samenvolumen, Konzentration, Motilität, Morphologie, Prävalenz von Antispermien-Antikörpern, natürliche Schwangerschaft, Fehlgeburt, klinische Schwangerschaft, Befruchtung und Lebendgeburt [s004]. Suchzeitraum und Registrierung nennt der Abstract nicht.
Umfang. 51 Studien erfüllten die Kriterien für die qualitative Synthese, 35 gingen in die quantitative Metaanalyse ein. Binäre Zielgrößen (Schwangerschaft, Antikörper und andere) wurden in nur fünf Studien berichtet [s004].
Gepoolte Ergebnisse (Mittelwertdifferenz, 95-%-Konfidenzintervall).
| Zielgröße | Differenz | 95-%-KI | Heterogenität |
|---|---|---|---|
| Samenvolumen | −0,37 ml | −0,64 bis −0,09 | im Abstract nicht einzeln angegeben |
| Spermienkonzentration | −6,65 Mio./ml | −11,17 bis −2,14 | I² 90 % |
| Progressive Motilität | −5,93 Prozentpunkte | −9,07 bis −2,78 | im Abstract nicht einzeln angegeben |
| Gesamtzahl der Spermien | −47,15 Mio. | −91,42 bis −2,88 | im Abstract nicht einzeln angegeben |
| Normale Morphologie | −0,76 Prozentpunkte | −1,19 bis −0,33 | im Abstract nicht einzeln angegeben |
Gesamtmotilität, Vitalität und DNA-Fragmentierungsindex unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Die Heterogenität über alle Zielgrößen war erheblich (I² 66 bis 95 %) [s004].
Binäre Ergebnisse. Eine HPV-Infektion war mit einer erhöhten Prävalenz von Antispermien-Antikörpern verbunden (OR 10,63; 95-%-Konfidenzintervall 1,49 bis 75,93). Die meisten Schwangerschafts- und Lebendgeburtsergebnisse unterschieden sich nicht signifikant zwischen Infizierten und Kontrollen. Eine Hepatitis-B-Infektion war mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko verbunden (OR 1,43; 1,05 bis 1,93). Die ART-spezifischen Ergebnisse seien begrenzt und im Allgemeinen nicht signifikant gewesen [s004].
Schlussfolgerung der Autoren. Infektionen des Urogenitaltrakts seien mit Beeinträchtigungen ausgewählter Samenparameter assoziiert, insbesondere bei unfruchtbaren Populationen. Wegen erheblicher Heterogenität und überwiegend beobachtender Studiendesigns sei Vorsicht geboten; prospektive Studien mit standardisierten diagnostischen und Berichtsrahmen seien nötig, um die klinische Relevanz zu klären [s004].
Einordnung und Kritik.
- Größenordnung der Effekte. Die Konzentrationsdifferenz von −6,65 Mio./ml bezieht sich auf gemittelte Studien mit sehr unterschiedlichen Ausgangswerten; bei einem I² von 90 % ist der gepoolte Wert ein Durchschnitt sehr unterschiedlicher Einzelbefunde. Die untere Grenze des Konfidenzintervalls der Gesamtzahl (−2,88 Mio.) liegt nahe null, die obere (−91,42 Mio.) ist mehr als 30-mal so groß, was die statistische Unsicherheit zeigt.
- Gemischte Erreger. Der Abstract fasst „Infektionen“ (bakterielle, virale) zusammen. Die einzelnen Erreger werden nur bei den binären Ergebnissen genannt (HPV, Hepatitis B). Zum Beispiel Chlamydia trachomatis oder Ureaplasma werden im Abstract nicht gesondert ausgewiesen.
- Binäre Ergebnisse auf kleiner Basis. Die auffälligen Odds Ratios (HPV und Antikörper 10,63 mit einem Intervall von 1,49 bis 75,93; Hepatitis B und Fehlgeburt 1,43) beruhen auf nur fünf Studien mit binären Zielgrößen insgesamt; das extrem weite Intervall bei HPV zeigt, dass der Effekt kaum eingegrenzt ist.
- Kein Effekt auf den DFI. Das Ergebnis steht im Gegensatz zu Farahani [s089], wo bei Bakteriospermie ein höherer DFI gefunden wurde (Differenz 3,518). Der Abstract von Campbell macht keine Angaben, ob Studien mit Bakteriospermie berücksichtigt wurden oder wie viele Studien den DFI betrafen.
- Population. Die Autoren bewerten die Effekte als „insbesondere in unfruchtbaren Populationen“ ausgeprägt; der Unterschied zu fruchtbaren Männern wird im Abstract nicht beziffert.
- Verzerrungsrisiko, Publikationsbias, Protokollregistrierung. Im Abstract nicht angegeben und deshalb hier nicht beurteilbar.
- Interessenkonflikte. Alle sechs Autoren erklären, nichts offenlegen zu müssen [s004].
Aussagekraft. Die Arbeit hat den breitesten Zugang zur Frage „Infektion und Samenparameter“ (51 beziehungsweise 35 Studien) und liefert Effekte in Originaleinheiten, was die Einordnung erleichtert. Wegen der Heterogenität und des Beobachtungsdesigns ist sie nur für die Aussage „Assoziation“ geeignet. Die Schwangerschafts- und Geburtsdaten tragen keine Aussage. Nur der Abstract lag vor.
Metaanalyse: Boujemaa, Suri und Kaur 2026, Mycoplasma hominis und Spermienqualität [s002]
Fragestellung. Wie wirkt sich eine Infektion mit Mycoplasma hominis auf die Spermienqualität unfruchtbarer Männer aus? Mycoplasma hominis ist ein zellwandloses Bakterium der Klasse Mollicutes, das den Urogenitaltrakt oft symptomlos besiedelt und als opportunistischer Erreger gilt; es wird mit nichtgonokokkenbedingter Urethritis, Prostatitis und Nebenhodenentzündung in Verbindung gebracht, seine Rolle bei der männlichen Unfruchtbarkeit ist umstritten. Die Autoren nennen die bisherige Evidenz „begrenzt und uneinheitlich“ [s002].
Methodik. PRISMA-Vorgehen, prospektive Registrierung bei PROSPERO (CRD420251072578), Gliederung nach dem PECOS-Schema: Population unfruchtbare Männer, Exposition M. hominis im Samen, Vergleichsgruppe unfruchtbare Männer ohne M. hominis im Samen. Durchsucht wurden sieben Datenbanken (PubMed/Medline, Embase, Web of Science, Scopus, Cochrane Library, Google Scholar, CINAHL) von Beginn bis 31. Oktober 2025, ergänzt durch Konferenzabstracts und Literaturlisten [s002].
Einschlusskriterien: Kohorten- oder Querschnittsstudie; Studienpopulation Männer mit Unfruchtbarkeit; Samenanalyse nach WHO-Richtlinien; Gruppe infizierter und Kontrollgruppe nicht infizierter unfruchtbarer Männer; ausreichende Daten zur Berechnung der standardisierten Mittelwertdifferenz. Ausschlusskriterien: andere Untersuchungsmaterialien als Samen, kein elektronischer Volltext, andere Sprache als Englisch, Kommentare, Briefe, Editorials, Protokolle, Leitlinien, Abstracts, Übersichten, Tier- und In-vitro-Studien, unzureichende Daten [s002].
Datenextraktion und Statistik. Zwei Autoren sichteten und extrahierten unabhängig, ein dritter entschied bei Uneinigkeit. Zielgrößen waren Mittelwerte und Standardabweichungen. Ausgewertet wurde mit dem Programm Comprehensive Meta-Analysis (Version 3); als Effektmaß wurde die SMD mit 95-%-Konfidenzintervall verwendet, nach den Angaben des Textes „mit der Mantel-Haenszel-Methode“. Heterogenität: Cochrans Q und I²; Random-Effects-Modell bei I² ≥ 50 %, sonst Fixed-Effects-Modell. Untergruppenanalysen nach Studiendesign, Nachweismethode und Region, Metaregression, Leave-one-out-Sensitivitätsanalyse, Funnel-Plot und Egger-Test [s002]. Die Qualität bewertete die Newcastle-Ottawa-Skala (NOS); Studien mit 7 bis 10 Punkten galten als gut, 4 bis 6 als befriedigend, 0 bis 3 als schlecht [s002].
Studienfluss. 1138 Treffer; nach Entfernung von Duplikaten, Studien ohne Volltext und nicht englischsprachigen Arbeiten blieben 168 Volltexte, von denen 157 ausgeschlossen wurden. Es wurden 11 Studien eingeschlossen [s002].
Eingeschlossene Studien. 11 Studien aus den Jahren 2003 bis 2023 in acht Ländern (China 3, Tunesien 2, Jordanien, Kuwait, Korea, Brasilien, Argentinien, Indien je 1); acht Kohorten- und drei Querschnittsstudien. Insgesamt 20.797 unfruchtbare Männer, davon 881 (4,23 %) M.-hominis-positiv. Nachweismethoden: Kultur in 3, PCR in 7, Flow-through-Hybridisierung in 1 Studie [s002]. Die Einzelstudien (positive je untersuchte Männer): Al-Daghistani 2009 (Jordanien) 21 von 99; Al-Sweih 2012 (Kuwait) 25 von 127; Andrade-Rocha 2003 (Brasilien) 145 von 234; Bai 2021 (China) 16 von 195; Gdoura 2007 (Tunesien) 5 von 120; Gdoura 2008 (Tunesien) 7 von 93; Huang 2016 (China) 604 von 19.098; Karthikeyan 2021 (Indien) 3 von 48; Lee 2013 (Korea) 10 von 98; Liu 2014 (China) 30 von 615; Paira 2023 (Argentinien) 15 von 70 [s002].
Rechnerische Anmerkung. Die Studie von Huang 2016 mit 19.098 Männern stellt rund 92 % aller eingeschlossenen Männer (19.098 von 20.797), die kleinste Studie hat 48 Männer, mehrere Studien weisen nur 3 bis 10 positive Männer auf. In der gepoolten SMD (Random-Effects) hängt das Gewicht nicht allein von der Fallzahl ab; das Ausmaß der Dominanz einer einzelnen Studie lässt sich aus dem Text nicht ablesen. Auffällig ist ferner die Studie von Andrade-Rocha 2003 mit 145 von 234 positiven Männern (rund 62 %), weit über dem Gesamtanteil von 4,23 %.
Qualitätsbewertung. NOS-Punktzahlen zwischen 5 und 8; drei Studien „gut“ (Bai 2021: 8; Karthikeyan 2021: 7; Paira 2023: 7), acht „befriedigend“ (Andrade-Rocha und Huang je 6; die übrigen sechs Studien je 5 Punkte). In der Domäne Auswahl erreichte keine Studie das Maximum (keine volle Repräsentativität, keine Begründung der Stichprobengröße, kein Nachweis, dass das Ergebnis zu Beginn fehlte). Bei der Vergleichbarkeit erhielten drei Studien zwei Sterne (zusätzliche Berücksichtigung etwa des Alters), acht nur einen. Die Kohortenstudien bekamen in der Ergebnis-Domäne zwei Sterne, weil keine Angaben zur Nachbeobachtung vorlagen [s002].
Gepoolte Ergebnisse aller zehn Zielgrößen.
| Zielgröße | Studien | SMD (95-%-KI) | p | I² (Q) | Modell |
|---|---|---|---|---|---|
| Spermienkonzentration | 11 | −0,815 (−1,314 bis −0,317) | 0,001 | 94 % (Q 170,347) | Random Effects |
| Ejakulatvolumen | 9 | −0,083 (−0,307 bis 0,140) | 0,47 | 57 % (Q 18,66) | Random Effects |
| pH-Wert des Ejakulats | 4 | 0,586 (0,167 bis 1,006) | 0,006 | 72 % (Q 11,00) | Random Effects |
| Gesamte bewegliche Spermienzahl (TMC) | 3 | −0,294 (−0,666 bis 0,078) | 0,12 | 72 % (Q 7,18) | Random Effects |
| Leukozytenkonzentration | 5 | 0,130 (−0,083 bis 0,344) | 0,23 | 55 % (Q 8,88) | Fixed Effects |
| Schnell progressive Motilität | 4 | −0,536 (−1,533 bis 0,460) | 0,29 | 93 % (Q 43,02) | Random Effects |
| Progressive Motilität | 9 | −0,360 (−0,683 bis −0,037) | 0,03 | 82 % (Q 46,56) | Random Effects |
| Gesamtmotilität | 5 | −0,399 (−0,798 bis 0,000) | 0,05 | 83 % (Q 24,10) | Random Effects |
| Vitalität | 6 | −0,831 (−1,410 bis −0,253) | 0,005 | 85 % (Q 35,18) | Random Effects |
| Normale Morphologie | 8 | −0,631 (−1,178 bis −0,083) | 0,02 | 92 % (Q 87,68) | Random Effects |
Signifikant waren demnach Konzentration, progressive Motilität, Vitalität, Morphologie (jeweils niedriger bei Infizierten) und pH-Wert (höher). Nicht signifikant waren Volumen, TMC, Leukozytenkonzentration, schnell progressive Motilität und Gesamtmotilität (letztere mit p = 0,05 und einer oberen Grenze von exakt 0,000 an der Signifikanzschwelle) [s002]. Die Autoren erklären den Unterschied zwischen progressiver und schnell progressiver Motilität damit, dass die breitere Definition der progressiven Motilität mehr Spermien umfasst und die engere Gruppe weniger statistische Trennschärfe habe.
Publikationsbias. Egger-Test p = 0,10, der Funnel-Plot erscheine weitgehend symmetrisch; die Autoren weisen selbst darauf hin, dass beide Verfahren bei wenigen Studien nur geringe Aussagekraft haben [s002].
Untergruppen und Metaregression (nur Konzentration).
| Moderator | Untergruppe | Studien | SMD (95-%-KI) | I² |
|---|---|---|---|---|
| Kontinent | Asien | 7 | −0,131 (−0,206 bis −0,056) | 61 % |
| Afrika | 2 | −2,809 (−3,421 bis −2,197) | 98 % | |
| Südamerika | 2 | −0,089 (−0,409 bis 0,232), p = 0,59 | 0 % | |
| Studiendesign | Kohorte | 8 | −1,016 (−1,665 bis −0,368), p = 0,002 | 95 % |
| Querschnitt | 3 | −0,190 (−0,655 bis 0,274), p = 0,42 | 38 % | |
| Nachweismethode | PCR | 7 | −1,213 (−2,286 bis −0,140), p = 0,03 | 95 % |
| Kultur | 3 | −0,342 (−0,773 bis 0,088), p = 0,12 | 77 % | |
| Flow-through-Hybridisierung | 1 | −0,142 (−0,567 bis 0,284), p = 0,51 | nicht definiert |
Der Test auf Unterschiede zwischen den Untergruppen war für den Kontinent (p < 0,001), das Studiendesign (p = 0,04) und die Nachweismethode (p < 0,001) signifikant. In der Metaregression waren der Kontinent (p = 0,02) und die Nachweismethode (p = 0,001) signifikante Moderatoren, das Studiendesign nicht (p = 0,36). Die Autoren folgern, dass geografische Lage und diagnostische Methode einen Teil der Heterogenität erklären; die Heterogenität blieb in den Untergruppen (zum Beispiel I² 95 % bei PCR-Studien und bei Kohortenstudien, 98 % bei den afrikanischen Studien) hoch [s002].
Sensitivitätsanalyse. Das sukzessive Weglassen einzelner Studien änderte Richtung und Größenordnung der Konzentrationsdifferenz nicht wesentlich: Der gepoolte SMD lag zwischen −0,954 (−1,654 bis −0,254; p = 0,008) und −0,256 (−0,440 bis −0,073; p = 0,006). Die Autoren halten das Ergebnis deshalb für robust [s002].
Diskussion und Schlussfolgerung der Autoren. Die Ergebnisse stimmten mit Farahani [s089] überein, der ebenfalls negative Wirkungen von M. hominis auf Konzentration, Motilität und Morphologie berichtet. Als mögliche Mechanismen nennen die Autoren unter anderem Spermienagglutination, direkte Anheftung an Spermien (Rezeptor: Sulfogalactoglycerolipid; M. hominis wurde in Kopf- und Flagellumregion menschlicher Spermien intrazellulär lokalisiert), Entzündung, erhöhte Antispermien-Antikörper und erhöhte Stickstoffmonoxid-Spiegel; der höhere pH-Wert könnte auf Ammoniakbildung beim Arginin-Abbau zurückgehen. Auf dieser Grundlage meinen die Autoren, ein Screening auf M. hominis solle bei sexuell aktiven Männern erwogen werden, insbesondere bei Kinderwunschabklärung; sie räumen zugleich ein, dass der Nutzen eines routinemäßigen Screenings und einer Behandlung bei Symptomlosen unsicher bleibe. Diese Screeningempfehlung ist die Meinung der Autoren und wird hier nicht als Empfehlung übernommen [s002].
Kritik und Einordnung.
- Nur unfruchtbare Männer. Beide Gruppen bestehen aus unfruchtbaren Männern (infizierte gegen nicht infizierte). Die Arbeit sagt deshalb etwas über Unterschiede innerhalb unfruchtbarer Männer, nicht darüber, ob M. hominis Unfruchtbarkeit verursacht oder bei Fruchtbaren häufiger oder seltener vorkommt.
- Beobachtungsdesign, Koinfektionen. Die Autoren nennen selbst Koinfektionen mit anderen Erregern (E. coli, Proteus, Enterococcus faecalis, Chlamydia, Ureaplasma, HPV, Herpesviren, Trichomonas, Candida), unterschiedliche WHO-Ausgaben der Samenanalyse und Antibiotikavorbehandlung als mögliche Störgrößen [s002].
- Starke Heterogenität. I² von 55 bis 94 % bei allen Zielgrößen mit mindestens drei Studien; Untergruppen erklären sie nicht.
- Effekt hängt von der Nachweismethode ab. Mit PCR zeigte sich ein signifikanter Unterschied (−1,213), mit Kultur (−0,342) oder Hybridisierung (−0,142) nicht. Dieser Befund spricht dafür, dass Methode und Ergebnis zusammenhängen; er kann auf unterschiedliche Sensitivität der Methoden, unterschiedliche Populationen oder Zufall hindeuten, und die Arbeit erlaubt keine Unterscheidung.
- Unterschiede nach Kontinent. Afrika mit zwei Studien (Tunesien, 5 beziehungsweise 7 positive Männer) zeigt SMD −2,809, Asien −0,131, Südamerika −0,089 (nicht signifikant). Die Gruppe Afrika besteht aus nur zwei Studien mit zusammen 12 positiven Männern.
- Formale Auffälligkeiten. (1) Die Angabe „Mantel-Haenszel“ für SMDs aus Mittelwerten ist ungewöhnlich, weil diese Methode ursprünglich für binäre Daten entwickelt wurde; sie wird hier unverändert aus dem Text wiedergegeben. (2) Für die Leukozytenkonzentration wurde ein Fixed-Effects-Modell verwendet, obwohl der berichtete I² von 55 % über der selbst gesetzten Schwelle von 50 % liegt, und der Text bezeichnet dies als „keine signifikante Heterogenität“. (3) Beim asiatischen Teilergebnis (SMD −0,131; Intervall −0,206 bis −0,056) passt die Breite des Intervalls rechnerisch eher zu einem deutlich kleineren p-Wert als dem berichteten p = 0,01; dies ist eine Rechnung aus den berichteten Zahlen und kein Befund der Autoren.
- Schlussfolgerungen der Autoren zur Verlässlichkeit. Die Autoren schreiben, ihre Ergebnisse seien „verlässlich und wahrscheinlich auf die breitere Bevölkerung übertragbar“; diese Einschätzung steht im Spannungsverhältnis zu den von ihnen selbst genannten Einschränkungen (substanzielle Heterogenität, kleine Studienzahl, Koinfektionen), vor allem da nur Männer aus Unfruchtbarkeitsabklärungen betrachtet wurden.
- Studienbasis und Population. Dominanz einer einzigen sehr großen Studie (Huang 2016, 92 % der Männer) und ein Zeitraum der Studien von 2003 bis 2023; Studien in anderen Sprachen als Englisch und Studien ohne verfügbaren Volltext wurden ausgeschlossen.
Aussagekraft. Mäßig. Die Arbeit ist unter den besprochenen Arbeiten die am besten dokumentierte quantitative Auswertung zu einem einzelnen Erreger: Konzentration, progressive Motilität, Vitalität und Morphologie sind bei infizierten unfruchtbaren Männern im Mittel niedriger, der pH-Wert höher. Wegen der Heterogenität, der kleinen Teilgruppen, der methodenabhängigen Effekte und des Beobachtungsdesigns bleibt sie für Kausalität und für Einzelentscheidungen ungeeignet.
Metaanalyse: Prihadi et al. 2026, Probiotika bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit [s020]
Fragestellung. Verbessert eine Probiotika-Einnahme die Spermienparameter von Männern mit idiopathischer Unfruchtbarkeit? Die Arbeit erschien in der Urologia Colombiana (2026); sie ist in PubMed nicht indexiert, es gibt keine PMID. Die folgenden Angaben stammen von der Seite der Zeitschrift (über eine automatische Zusammenfassung abgerufen) [s020].
Methodik. Durchsucht wurden PubMed, EBSCO, ProQuest und Google Scholar mit Schlagwörtern zu Samenqualität, männlicher Unfruchtbarkeit und Probiotika, ohne Sprach- oder Datumsbeschränkung. Eingeschlossen wurden erwachsene Männer mit idiopathischer Unfruchtbarkeit unter Probiotika gegen Placebo, Standardbehandlung oder keine Intervention. Primäre Zielgrößen: Spermienkonzentration, Volumen und Motilität; sekundär weitere Spermienparameter und unerwünschte Ereignisse. Die Qualität bewertete bei randomisierten Studien das Cochrane-Werkzeug RoB 2, bei nichtrandomisierten ROBINS-I. Random-Effects-Modelle bei I² über 50 %, sonst Fixed-Effects-Modelle; Publikationsbias sollte mit Egger-Test und Funnel-Plot geprüft werden [s020]. Ein Ergebnis zum Publikationsbias und eine Sensitivitätsanalyse werden in der abgerufenen Fassung nicht berichtet.
Eingeschlossene Studien (vier; drei randomisierte, eine einarmige; 156 Teilnehmer).
| Studie | Design und Größe (nach Prihadi) | Intervention | Dauer | Ergebnis laut Prihadi |
|---|---|---|---|---|
| Valcarce 2017 [s112] | einarmige Studie, 9 asthenozoosperme Männer | L. rhamnosus CECT8361 und B. longum CECT7347, 10⁹ KBE/Kapsel, einmal täglich | 12 Wochen | Motilität signifikant verbessert; DNA-Fragmentierung „drastisch“ vermindert |
| Maretti und Cavallini 2017 [s111] | RCT (Pilotstudie), 20 Verum, 21 Kontrolle (Alter 37 und 36 Jahre) | L. paracasei B21060, 5 × 10⁹ KBE, gegen Nahrungsstärke | 6 Monate | Verbesserung von Zahl, Volumen, Konzentration, Motilität, Morphologie, FSH, LH, Testosteron |
| Helli 2022 [s079] | RCT, 25 je Gruppe (Alter etwa 32 bis 33 Jahre) | Mehrstammpräparat (L. casei, L. rhamnosus, L. bulgaricus, L. acidophilus, B. breve, B. longum, S. thermophilus), 2 × 10¹¹ KBE, gegen Maltodextrin | 10 Wochen | Verbesserung von Volumen, Konzentration, Motilität, antioxidativer Kapazität |
| Abbasi 2021 [s085] | RCT, 28 je Gruppe (Alter 34,5 und 33,8 Jahre) | Mehrstammpräparat, 10⁹ KBE, gegen Placebo | 80 Tage | Verbesserung von Konzentration, Motilität und abnormer Morphologie |
Die Teilnehmerzahlen ergeben 9 + 41 + 50 + 56 = 156 [s020].
Gepoolte Ergebnisse (SMD, 95-%-Konfidenzintervall).
| Zielgröße | SMD | 95-%-KI | p | I² |
|---|---|---|---|---|
| Spermienkonzentration | 1,96 | 0,08 bis 3,84 | 0,04 | 95 % |
| Spermienmotilität | 1,28 | 0,28 bis 2,28 | 0,01 | 86 % |
| Ejakulatvolumen | 0,89 | 0,10 bis 1,67 | 0,03 | 79 % |
Qualitätsbewertung. Zwei der drei RCT hatten ein insgesamt niedriges Verzerrungsrisiko; bei einem RCT bestand ein unklares Risiko im Bereich der Ergebnisermittlung (Detection Bias). Die einarmige Studie wurde nach ROBINS-I in allen Domänen als gering bewertet [s020].
Schlussfolgerung der Autoren. Probiotika zeigten Potenzial; größere Studien seien nötig. Als Limitationen nennen die Autoren die kleine Studienzahl in der quantitativen Synthese und die unterschiedlichen Behandlungsdauern, die keine eindeutigen Aussagen zu Behandlungszeiträumen erlaubten. Als Mechanismen führen sie antioxidative Wirkung, Immunmodulation und die Darm-Hoden-Achse an [s020].
Kritik und Einordnung (ausführlich, weil die Arbeit häufig als Beleg zitiert wird).
- Eine der vier Studien ist zurückgezogen. Die Studie von Helli 2022 [s079] wurde 2026 von der Zeitschrift Human Fertility zurückgezogen; die Rückzugsmitteilung (PMID 42050763) nennt in der abgerufenen PubMed-Eintragung keine Begründung [s021]. Damit beruht ein Viertel der Studienzahl und knapp ein Drittel der Teilnehmer (50 von 156) in dieser Metaanalyse auf einer Arbeit, die nicht mehr zum wissenschaftlichen Bestand zählt. Ob die Autoren den Rückzug berücksichtigen konnten, geht aus der abgerufenen Seite nicht hervor; eine Neuberechnung der Metaanalyse ohne diese Studie liegt nicht vor.
- Sehr kleine Datenbasis und gemischte Designs. Vier Studien mit 9 bis 56 Teilnehmern; eine davon ohne Kontrollgruppe (Valcarce). Eine einarmige Studie kann in eine Metaanalyse standardisierter Mittelwertdifferenzen nur über einen Vorher-Nachher-Vergleich einfließen, der Placebo-, Regressions-zur-Mitte- und Messwiederholungseffekte nicht trennt; wie die Autoren dies rechnerisch behandelten, geht aus der abgerufenen Zusammenfassung nicht hervor.
- Extreme Heterogenität. I² von 95, 86 und 79 % bedeuten, dass der gepoolte Wert kaum eine einheitliche Wirkung beschreibt; unterschiedliche Stämme, Dosen (10⁹ bis 2 × 10¹¹ KBE), Dauern (10 Wochen bis 6 Monate), Kontrollsubstanzen und Populationen sind vermischt. Prädiktionsintervalle werden in der abgerufenen Fassung nicht genannt.
- Effektgrößen von etwa 2. Ein SMD von 1,96 bedeutet einen Unterschied von rund zwei Standardabweichungen und ist für Nahrungsergänzungsstudien ungewöhnlich groß; die untere Konfidenzgrenze liegt bei 0,08 (kaum von null verschieden) und die obere bei 3,84. Zum Vergleich ergab die Metaanalyse von 41 Studien zu Antioxidantien (Melhem [s017]) für die Konzentration einen SMD von 1,09 (0,10 bis 2,08) bei sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Zur Frage, wie belastbar ein solcher Wert aus vier Studien ist, siehe Abschnitt zu den Überschneidungen.
- Abweichende Angaben zu den Primärstudien. Prihadi beschreibt Valcarce als einarmige Studie mit 12 Wochen Einnahme; der PubMed-Abstract der Primärarbeit nennt Einnahme über drei und sechs Wochen mit anschließender Nachbeobachtung nach 3 und 6 Wochen und neun asthenozoosperme Männer [s112]. Für Helli nennt Prihadi 25 je Gruppe (zusammen 50), die Primärarbeit 52 Männer mit 26 je Gruppe [s079]; Oliveira führt 50 [s055], Puerta-Suárez 52 [s044]. Bei Abbasi nennt Prihadi 28 je Gruppe (56, wie in der Primärarbeit [s085]); Oliveira nennt 47 [s055]. Die Unterschiede können auf Analyse- gegenüber Randomisierungspopulation oder auf Abschreibfehler zurückgehen; die abgerufenen Texte klären das nicht. Wichtig ist: In die Summe von 156 Teilnehmern geht für Helli die Zahl 50 ein.
- Geringe Suchbreite. Genannt werden vier Quellen (PubMed, EBSCO, ProQuest, Google Scholar); Embase, Scopus und Cochrane werden nicht erwähnt. Die Studie von Asadi 2023 [s064] (RCT mit 78 Männern nach Varikozelenoperation, Konzentration nach drei Monaten 33,7 gegenüber 21,1 Mio./ml, p = 0,046) wurde nicht aufgenommen; ein Suchzeitraum ist in der abgerufenen Fassung nicht angegeben, ein Grund für den Ausschluss ebenso wenig.
- Publikationsbias nicht berichtet. Bei vier Studien haben Funnel-Plot und Egger-Test ohnehin nur sehr geringe Aussagekraft.
- Nur Surrogatendpunkte. Zielgrößen sind Spermiogrammwerte; Schwangerschaften und Geburten werden nicht ausgewertet.
- Textbasis. Die Angaben wurden aus einer automatisch erzeugten Zusammenfassung der Zeitschriftenseite entnommen; die Zahlen stimmen mit den im Abstract genannten SMD-Werten überein.
Aussagekraft. Gering. Die Arbeit zeigt, dass die vier kleinen Studien in dieselbe Richtung wiesen, kann aber wegen der geringen Zahl, der Heterogenität, der zurückgezogenen Einzelstudie und der Mischung von Designs keine verlässliche Effektschätzung liefern.
Systematische Übersicht: Oliveira et al. 2024, Probiotika bei männlicher Unfruchtbarkeit [s055]
Fragestellung. Welche Wirkungen hat eine Probiotika-Supplementierung bei Männern mit Unfruchtbarkeit? Ausgangspunkt der Autoren aus Espírito Santo, Brasilien, ist, dass etwa 15 % der Paare betroffen seien und der männliche Anteil an etwa 50 % der Fälle liege; die Unfruchtbarkeit bleibe häufig unzureichend behandelt [s055].
Methodik. Suche zwischen Februar und März 2022 in PubMed, Cochrane (CENTRAL), Science Direct und SciELO, in Englisch und Portugiesisch, ohne Datumsbeschränkung. Suchstring: (probiotic OR Lactobacillus OR Bifidobacterium) AND („Male infertility“ OR „male fertility“ OR „sperm quality“ OR „sperm motility“ OR oligoasthenoteratozoospermia). Eingeschlossen wurden Originalarbeiten am Menschen und randomisierte klinische Studien; ausgeschlossen Tier- und In-vitro-Studien, Übersichten und Duplikate. Extrahiert wurden Autor, Jahr, Design, Population, Teilnehmerzahl, Nachbeobachtungsdauer, Intervention und Hauptbefunde [s055]. Eine formale Bewertung des Verzerrungsrisikos wird in der Methodik nicht beschrieben.
Studienfluss. 85 Artikel; nach Titel, Abstract und Eignungskriterien vier Studien, alle zwischen 2017 und 2021 veröffentlicht. Alle sind als randomisierte klinische Studien bezeichnet; zwei doppelblind (Helli, Maretti), eine dreifach verblindet (Abbasi) und eine als Crossover-Studie (Valcarce) [s055].
Tabelle der Studien laut Übersicht.
| Studie | Design, Teilnehmer, Dauer | Intervention | Befund |
|---|---|---|---|
| Valcarce 2017 [s112] | randomisiert, 9, 6 Wochen | L. rhamnosus CECT8361 plus B. longum CECT7347, 10⁹ KBE | Motilität erhöht, DNA-Fragmentierung und intrazelluläres H₂O₂ vermindert |
| Maretti und Cavallini 2017 [s111] | randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert, 41, 24 Wochen | L. paracasei B21060 (5 × 10⁹ KBE) plus Arabinogalaktan 1243 mg, Fructooligosaccharid 700 mg, L-Glutamin 500 mg | Volumen, Konzentration, Motilität, Zahl der Spermien, Anteil typischer Formen höher; FSH, LH, Testosteron höher |
| Helli 2022 [s079] | randomisiert, doppelblind, 50, 10 Wochen | L. casei, L. rhamnosus, L. bulgaricus, L. acidophilus, B. breve, B. longum, S. thermophilus (2 × 10¹¹ KBE) | Volumen, Gesamtzahl, Konzentration, Gesamtmotilität, Anteil lebender Spermien höher; antioxidative Gesamtkapazität höher; MDA, CRP, TNF-α niedriger; Testosteron höher und FSH, LH, Prolaktin niedriger, aber nicht signifikant |
| Abbasi 2021 [s085] | randomisiert, dreifach verblindet, 47, 11,4 Wochen | wie Helli, 10⁹ KBE, plus Fructooligosaccharide | Konzentration, Motilität, normale Morphologie höher; Lipidperoxidation und DNA-Fragmentierung niedriger |
Einzelbefunde der Übersicht mit Zahlen.
- Motilität. Alle vier Studien berichteten eine Verbesserung der Motilität. Bei Valcarce stieg der Anteil beweglicher Spermien etwa um das Sechsfache und blieb sechs Wochen nach Ende der Einnahme erhalten [s055].
- Maretti und Cavallini [s111]: progressive Motilität, Konzentration, Morphologie, Volumen und Gesamtzahl jeweils p < 0,01 [s055].
- Helli [s079]: Volumen p = 0,041, Gesamtzahl p = 0,001, Konzentration p = 0,001, Gesamtmotilität p = 0,037, Zahl lebender Spermien p = 0,003 [s055].
- Abbasi [s085]: Motilität p = 0,03, Konzentration p = 0,004, Morphologie p = 0,014 [s055].
- DNA-Fragmentierungsindex. Bei Valcarce fiel der DFI von 25,74 % auf 21,11 % nach drei Wochen und 21,58 % nach sechs Wochen (p < 0,05), korreliert mit der Motilitätsverbesserung. Nach Absetzen blieb die Verbesserung nicht erhalten: 21,64 % drei Wochen und 23,09 % sechs Wochen nach Ende der Einnahme. Bei Abbasi verbesserte sich die DNA-Fragmentierung unter dem Wirkstoff (p = 0,005); auch unter Placebo sank sie, in geringerem Ausmaß (p = 0,03). Die Chromomycin-A3-Färbung (Protamin-Mangel) zeigte keine wesentliche Änderung, wobei der Text hierzu „p = 0,03“ nennt; diese Angabe ist mit der Aussage „keine signifikante Änderung“ nicht ohne Weiteres vereinbar und wird hier unverändert referiert [s055].
- Oxidativer Stress. Valcarce: Der Anteil H₂O₂-positiver Zellen sank von 16,57 ± 3,34 % (Kontrolle) auf 5,02 ± 0,93 % (nach 3 Wochen) und 6,2 ± 1,77 % (nach 6 Wochen); nach Absetzen 7,27 ± 2,37 % und 7,9 ± 1,36 %. In einem Zusatzversuch am Fadenwurm Caenorhabditis elegans erreichten die Stämme Überlebensraten von 58,5 % (L. rhamnosus) und 66 % (B. longum), höher als die Vitamin-C-Positivkontrolle. Helli: antioxidative Gesamtkapazität und Malondialdehyd in Plasma und Samen veränderten sich gegenüber Placebo (p < 0,001 beziehungsweise p = 0,002). Abbasi: Lipidperoxidation (BODIPY) sank von 29,53 ± 19,4 auf 26 ± 18,82 (p = 0,02) [s055].
- Hormone. Maretti: FSH, LH und Testosteron stiegen (p < 0,01), Östradiol und Prolaktin blieben unverändert. Helli: Testosteron stieg, FSH, LH und Prolaktin sanken, jeweils nicht signifikant (p = 0,063; 0,21; 0,109; 0,128). Die Autoren bezeichnen dies als nicht schlüssig [s055].
- Entzündungsmarker. Nur Helli: C-reaktives Protein (p = 0,001) und TNF-α (p = 0,003) gesenkt [s055].
Schlussfolgerung der Autoren. Die Ergebnisse „zeigten den Nutzen“ einer Probiotikabehandlung bei männlicher Unfruchtbarkeit; es handle sich um eine „sichere und erschwingliche“ Behandlung. Zugleich betonen sie die geringe Zahl der Studien und fordern größere Studien zu Wirkmechanismus und Anwendung [s055].
Kritik und Einordnung.
- Keine Bewertung des Verzerrungsrisikos, keine Metaanalyse, keine Konfidenzintervalle. Die Schlussfolgerung „zeigt den Nutzen“ beruht auf einer Zusammenstellung der p-Werte der Einzelstudien.
- Beschreibung der Valcarce-Studie. Die Übersicht nennt sie randomisiert beziehungsweise Crossover mit sechs Wochen; der PubMed-Abstract der Primärarbeit nennt neun asthenozoosperme Männer, die vor, während und nach der Einnahme untersucht wurden, ohne Randomisierung oder Kontrollgruppe zu erwähnen [s112]. Prihadi [s020] führt die Studie als einarmig. Die Qualitätsbewertung bei Puerta-Suárez (6 von 13 Punkten) deutet auf die Schwächen dieses Designs [s044].
- Zurückgezogene Studie. Helli 2022 [s079] ist 2026 zurückgezogen worden [s021]; sie trägt in der Übersicht einen großen Teil der Aussagen zu Entzündungsmarkern (nur Helli) und zu antioxidativer Kapazität.
- Veraltete Suche. Die Suche endete im März 2022 (veröffentlicht 2024); die Studien von Asadi 2023 [s064] oder spätere (Gholipour 2026 [s007], Zarehoroki 2026 [s028]) konnten nicht erfasst werden.
- Uneinheitliche Zahlen. Bei Abbasi nennt die Übersicht 47 Teilnehmer, die Primärarbeit 56 (28 je Gruppe) [s085]; bei Helli 50 gegenüber 52 [s079].
- Aussage „sicher“. Sicherheitsdaten werden in der Übersicht nicht systematisch erhoben; Maretti berichtet nach dem Abstract der Primärarbeit keine Nebenwirkungen in beiden Gruppen [s111]. Die Aussage ist eine Einschätzung der Autoren, kein Ergebnis der Übersicht.
- Hormonwerte. Der Anstieg von FSH und LH unter Maretti wird von den Autoren der Primärarbeit als „verbessert“ bezeichnet; die Übersicht berichtet ihn als Anstieg und bezeichnet die Hormonbefunde insgesamt als kontrovers und nicht schlüssig, ohne die gegenläufigen Befunde bei Helli aufzulösen.
- Präparate. Zwei der vier Studien (Abbasi, Helli) betreffen Mehrstammpräparate, eine ein Präparat mit Prä- und Probiotikum (Maretti), eine zwei definierte Stämme (Valcarce); die Dosis variiert um mehr als zwei Größenordnungen (10⁹ bis 2 × 10¹¹ KBE) [s055].
Aussagekraft. Gering. Die Übersicht ist eine übersichtliche Dokumentation von vier kleinen Studien mit positivem Befund, hat aber keine Bias-Bewertung, keine quantitative Zusammenfassung, keine Berücksichtigung des Rückzugs und veraltete Suchzeiten.
Systematische Übersicht: Shamsi-Goushki et al. 2026, Probiotika und Spermienparameter beim Menschen und im Tier [s022]
Fragestellung. Welche Wirkung haben Probiotika-Interventionen auf Spermienzahl, Motilität, Morphologie und DNA-Integrität beim Menschen und im Tiermodell? Als Hintergrund nennen die Autoren oxidativen Stress und Entzündung als Treiber männlicher Unfruchtbarkeit und die Vermutung, dass Probiotika über die Darmgesundheit wirken [s022].
Methodik. PRISMA-Vorgehen, Suche in PubMed, Scopus und Cochrane Library bis November 2024. Eingeschlossen wurden kontrollierte Studien zu Probiotika und Spermienparametern bei Menschen und Tieren. Extrahiert wurden Studiendesign, Probiotikaart, Dosierung, Interventionsdauer und Ergebnisse. Das Verzerrungsrisiko bewerteten SYRCLE (Tiere) und Cochrane RoB (Menschen) [s022].
Ergebnisse laut Abstract. 15 Studien (5 am Menschen, 10 am Tier). Die Probiotika, überwiegend aus den Gattungen Lacticaseibacillus, Lactiplantibacillus (beide früher Lactobacillus), Limosilactobacillus und Bifidobacterium, hätten Spermienzahl, Motilität, Morphologie und antioxidative Marker „signifikant verbessert“. Als mechanistische Einsichten nennt der Abstract Verminderung von oxidativem Stress und Entzündung und eine bessere Kommunikation zwischen Darm und Hoden. Die Befunde seien „konsistent“, die Heterogenität von Studiendesign und Tierart aber deutlich [s022].
Schlussfolgerung der Autoren. Probiotika zeigten Potenzial; standardisierte Protokolle und Langzeitstudien seien nötig, um Wirksamkeit zu belegen und klinische Leitlinien zu entwickeln [s022].
Kritik und Einordnung (nur Abstract verfügbar).
- Mensch und Tier gemischt. Zwei Drittel der Studien sind Tierstudien (10 von 15); aus dem Abstract geht nicht hervor, wie viele Tiere oder Männer beteiligt waren, und welche Tierarten (vom Modell hängt die Übertragbarkeit ab). Aussagen wie „verbessern Spermienzahl“ gelten daher für den Menschen nur für fünf Studien. Welche fünf Humanstudien es waren, nennt der Abstract nicht; möglicherweise überlappen sie mit den auch von Prihadi, Oliveira und Puerta-Suárez erfassten Studien, was hier nicht überprüft werden konnte [s020, s055, s044].
- Keine Effektgrößen, keine Zahl der Teilnehmer, keine Konfidenzintervalle. Alle Aussagen im Abstract sind qualitativ; ob bei den Humanstudien die zurückgezogene Studie von Helli [s079, s021] enthalten ist, geht aus dem Abstract nicht hervor.
- Widerspruch im Abstract. Die Befunde werden als konsistent beschrieben, zugleich wird eine deutliche Heterogenität von Studiendesign und Tierart genannt. Ergebnisse der Bias-Bewertung werden im Abstract nicht mitgeteilt.
- Keine Aussage zu Schwangerschaft oder Geburt. Der Abstract nennt keine Fortpflanzungsergebnisse.
Aussagekraft. Gering für die Frage nach dem Nutzen beim Menschen; als Zusammenschau von Tier- und Humandaten nützlich für die Plausibilität der postulierten Mechanismen. Tiermodelle beweisen keine Wirkung beim Menschen.
Systematische Übersicht: Corbett, Crosby und McAuliffe 2021, Probiotika bei Paaren mit Unfruchtbarkeit [s087]
Fragestellung. Welche Evidenz gibt es für Probiotika bei Paaren mit Unfruchtbarkeit, insbesondere im Rahmen assistierter Reproduktion? Die Arbeit stammt aus der Geburtshilfe des National Maternity Hospital Dublin. Der primäre Endpunkt war die Änderung der klinischen Schwangerschaftsrate; sekundäre Endpunkte waren Verbesserungen männlicher und weiblicher Fruchtbarkeitsparameter und mikrobielle Befunde [s087].
Methodik. Systematische Suche in MEDLINE (PubMed), CINAHL, EMBASE, Web of Science und Cochrane am 7. Mai 2019, wiederholt am 26. August 2019, mit den Begriffen „subfertility“, „probiotic therapy“, „clinical pregnancy rate“ und „assisted reproductive outcomes“ [s087].
Studienfluss. 882 Artikel, 26 Volltexte geprüft, vier Artikel eingeschlossen [s087].
Ergebnisse laut Abstract. Von den zwei Studien, die den primären Endpunkt berichteten, fand nur eine einen nicht signifikanten Anstieg der klinischen Schwangerschaftsrate (48,0 % auf 58,8 %; p = 0,47) und eine höhere Fehlgeburtsrate in der Probiotika-Gruppe (30 % gegenüber 16,6 %; p = 0,47). Beide Studien mit männlichen Teilnehmern und oraler Probiotika-Gabe zeigten eine signifikant verbesserte Spermienmotilität [s087].
Schlussfolgerung der Autoren. Für männliche Probiotika-Therapie sei ein Nutzen für die Motilität beobachtet worden, für Frauen unter assistierter Reproduktion gebe es widersprüchliche Evidenz; qualitativ hochwertige randomisierte Studien seien nötig [s087].
Kritik und Einordnung.
- Der Abstract nennt die vier Studien nicht namentlich. Welche beiden Studien Männer betrafen, geht aus dem Abstract nicht hervor; die Zuordnung von Studien zu den Zahlen (48,0 % gegenüber 58,8 %; 30 % gegenüber 16,6 %) lässt sich deshalb nicht überprüfen. Auch die Angabe, bei welchem Geschlecht die Probiotika-Gabe in der Studie mit Schwangerschaftsrate erfolgte, fehlt im Abstract.
- Beide Prozentwerte haben dasselbe p = 0,47. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Studie klein ist und keinen belastbaren Unterschied zeigt; der Abstract nennt keine Fallzahl. Die höhere Fehlgeburtsrate (30 % gegenüber 16,6 %) ist ebenfalls nicht signifikant und darf weder als Hinweis auf Schaden noch auf Nutzen gelesen werden.
- Frühe Suche. Die Suche endete im August 2019; spätere Studien (Asadi 2023, Gholipour 2026, Huerga López 2025) sind nicht erfasst [s064, s007, s040].
- Gemischte Population. Männer und Frauen, orale und nicht näher beschriebene andere Gabewege, ART und Nicht-ART in einer Übersicht von nur vier Studien.
- Qualitätsbewertung. Im Abstract nicht angegeben.
Aussagekraft. Gering. Die Arbeit ist wichtig, weil sie früh feststellte, dass klinische Schwangerschafts- und Geburtsdaten fehlen, und dass das Wissen auf Motilitätsdaten aus zwei Studien beruhte. Diese Feststellung hat sich in den späteren Übersichten (Prihadi, Oliveira) nicht geändert.