Hodentorsion
Bei der Hodentorsion hängt das Ergebnis weniger von der Operationstechnik als von der Dauer der Durchblutungsstörung ab. Wichtig ist außerdem ein Befund aus einer älteren Studie: Hoden, die zur Torsion neigen, könnten schon vorher eine gestörte Spermatogenese haben [s389]. Die Samenqualität nach Torsion ist daher nicht allein eine Folge des Ereignisses. Aus dem asiatischen Sprachraum stammen kaum aktuelle Samenbefunde.
Studien am Menschen mit Samen-, Hormon- oder Vaterschaftsdaten
Anderson et al. 1986: Schicksal der Hoden nach einseitiger Torsion (Großbritannien) [s389]. Titel: „The fate of the human testes following unilateral torsion of the spermatic cord.“ (British journal of urology, 1986). Prospektiv, 56 Patienten mit akuter Torsion, kontralaterale Hodenbiopsie bei der Orchidopexie, Kontrolle nach 3 bis 6 Monaten. Die Dauer der Torsion korrelierte eng mit der Atrophie (p < 0,001), nicht aber mit der späteren Spermienkonzentration. Bei 20 von 35 Patienten bestand histologisch eine vorbestehende partielle Reifungsstörung der Spermatogenese; 15 von 19 mit dieser Auffälligkeit hatten eine Oligozoospermie, alle mit normaler Histologie hatten normale Spermienkonzentrationen. Antispermien-Antikörper kaum nachweisbar. Folgerung: Hoden, die zur Torsion neigen, zeigten bereits eine beeinträchtigte Spermatogenese. Die Aussage stammt aus einer einzigen Biopsiestudie und wurde in dieser Recherche nicht in einer neueren Studie bestätigt.
Anderson et al. 1992: Samenqualität und Hormone nach akuter Hodentorsion (USA) [s380]. Titel: „Semen quality and endocrine parameters after acute testicular torsion.“ (The Journal of urology, 1992). 16 postpubertäre Patienten: 9 mit Detorsion und beidseitiger Orchidopexie, 7 mit ipsilateraler Orchiektomie und kontralateraler Orchidopexie; Vergleich mit nachweislich fruchtbaren Samenspendern. Samenqualität nach Detorsion ohne signifikanten Unterschied zu Kontrollen (p = 0,25), aber FSH erhöht. Orchiektomiegruppe (mittlere Torsion 69 Stunden): Samenqualität signifikant vermindert (p = 0,001), mittlere Spermiendichte 29,0 Mio./ml, FSH auffällig. Die Autoren schließen auf Schäden auch im kontralateralen Hoden unabhängig von der Therapie; bei früher Detorsion bleibe die Samenqualität wahrscheinlich im Normbereich. Sehr kleine Gruppen. Nicht zu verwechseln mit der Studie von Anderson et al. 1986 [s389]; es sind andere Erstautoren.
Bartsch et al. 1980: Spätergebnisse nach Hodentorsion (Österreich) [s391]. Titel: „Testicular torsion: late results with special regard to fertility and endocrine function.“ (The Journal of urology, 1980). 42 Patienten nach Detorsion und Fixation, bei 30 postpubertären exokrine und endokrine Funktion. Bei Detorsion binnen 8 Stunden normale Hodengröße und nur geringe Veränderungen; bei Verzögerung über 8 Stunden deutliche Verkleinerung. Die Samenqualität war bei 15 normal, bei 3 fraglich, bei 12 pathologisch; selbst bei Detorsion innerhalb von 4 Stunden war die exokrine Funktion nur bei 50 % normal. FSH und LH bei den Auffälligen höher. Eine frühe Arbeit mit kleinen Gruppen.
Tryfonas et al. 1994: späte Ergebnisse nach Torsion im Kindesalter (Griechenland) [s374]. Titel: „Late postoperative results in males treated for testicular torsion during childhood.“ (Journal of pediatric surgery, 1994). 75 Fälle 1979 bis 1991, elf Orchiektomien, 64 Detorsionen mit Orchidopexie beider Hoden; 25 Patienten nach 1 bis 12 Jahren nachuntersucht, bei vier postpubertären eine Samenanalyse. Atrophie korrelierte mit Dauer der Symptome und Operationsbefund; bei Torsion über 24 Stunden mit fraglicher Vitalität war die Atrophie die Regel. Samenwerte werden im Abstract nicht berichtet.
Ichikawa et al. 1993: Hodenfunktion nach Samenstrangtorsion (Chiba, Japan) [s376]. Titel: „Testicular function after spermatic cord torsion“ (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 1993). 24 Männer nach Samenstrangtorsion, 12 mit beidseitiger Orchidopexie, 12 mit Orchiektomie der betroffenen und Orchidopexie der Gegenseite. Spermiendichte und Gesamtspermienzahl waren in der Orchiektomiegruppe signifikant niedriger (jeweils p < 0,05), das FSH signifikant höher (p < 0,05). Alle Männer der Orchidopexiegruppe hatten dauerhaft normale Samen- und Hormonwerte. In der Orchiektomiegruppe zeigten 4 von 8 Männern mit mehr als zwei Jahren Nachbeobachtung weiterhin eine Oligozoospermie (unter 20 × 10⁶/ml; einer azoosperm); sie waren bei der Operation signifikant älter (p < 0,05), die Dauer der Torsion unterschied sich nicht. Die Autoren sehen frühzeitige bilaterale Orchidopexie als günstig und eine Orchiektomie bei Jüngeren als weniger schädlich für den Gegenhoden. Schwäche: 12 gegen 12 Männer, nicht randomisiert, die Gruppen unterscheiden sich im Eingriff und im Verlauf der Torsion.
Aggarwal et al. 2022: Langzeitfolgen der Hodentorsion (Indien) [s139]. Titel: „Long-term impact of testicular torsion and its salvage on semen parameters and gonadal function.“ (Indian journal of urology : IJU : journal of the Urological Society of India, 2022). Ambispektive Studie 2014 bis 2019; von 85 Patienten wurden 67 erreicht (44 Orchiektomie, 23 Hodenerhalt), Nachbeobachtung im Mittel 42 ± 12 Monate. Mediane Zeit bis zur Vorstellung 48 Stunden (Orchiektomie) gegenüber 12 Stunden (Erhalt). Etwa 47 % der Erhaltgruppe entwickelten eine Atrophie. Testosteron war in der Orchiektomiegruppe und bei Atrophie signifikant niedriger; übrige Hormone, Samenanalyse und Erektionsfunktion vergleichbar. Antispermien-Antikörper im Normbereich. Schwäche: 67 von 85 erreicht, kleine Gruppen.
Törzsök et al. 2022: Langzeitnachbeobachtung nach Hodentorsion, prospektiv (Österreich) [s154]. Titel: „Long-Term Follow-Up after Testicular Torsion: Prospective Evaluation of Endocrine and Exocrine Testicular Function, Fertility, Oxidative Stress and Erectile Function.“ (Journal of clinical medicine, 2022). 49 Patienten, mittlere Nachbeobachtung 101 Monate (25 explorative Operation, 20 Detorsion, 4 Orchiektomie); Samenanalyse inklusive oxidativer Stress (MyOxSIS). Oxidativer Stress, Erektionsfunktion und Spermiogrammkategorien unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen; Hodenerhalt war mit mehr Rundzellen (p = 0,002) und höherem FSH (p = 0,003) verbunden; oxidativer Stress korrelierte negativ mit Spermienkonzentration (p < 0,001) und Gesamtzahl (p = 0,006). Nur vier Orchiektomierte; die Aussage zur Orchiektomie stützt sich auf sehr wenige Fälle.
Almekaty et al. 2023: Azoospermie und Spermiengewinnung bei postpubertärer Torsion (Ägypten) [s120]. Titel: „Azoospermia and Sperm Retrieval in Post-Pubertal Testicular Torsion; Benefits and limitations.“ (Urology, 2023). Prospektiv, 62 Patienten (Alter Median 19 Jahre, IQR 18 bis 20,7; Torsionsdauer Median 32,5 Stunden, IQR 18,3 bis 48). Hodenerhalt gelang bei 20 (32,3 %), Orchiektomie bei 42. Die Torsionsdauer war der unabhängige Prädiktor des Hodenerhalts (OR 0,75; 95-%-KI 0,61 bis 0,93; p = 0,008). Alle Fälle erhielten eine konventionelle testikuläre Spermienextraktion zur Kryokonservierung, erfolgreich bei 58 (93,5 %; 40 aus dem betroffenen, 18 aus dem kontralateralen Hoden). Nach sechs Monaten hatten 21 (33,8 %) eine Azoospermie, 19 (45,2 %) nach Orchiektomie und 2 (10 %) nach Orchidopexie (p = 0,006). Ein auffälliger kontralateraler Hoden war der unabhängige Prädiktor (OR 92; 8,4 bis 101,5; p < 0,001; die Intervallangabe im Abstract ist so wörtlich wiedergegeben). Azoospermie gehe mit höherem FSH und LH und niedrigerem Testosteron einher. Die Schlussfolgerung der Autoren ist die Kryokonservierung zum Operationszeitpunkt. Stärke: prospektiv mit Samenanalyse. Schwäche: das ungewöhnlich breite OR-Intervall, das auf wenige Ereignisse hindeutet.
Yang et al. 2021: Einfluss unterschiedlicher Behandlungen der einseitigen Torsion auf die langfristige Fruchtbarkeit (China, chinesischsprachig) [s179]. Titel: „Influence of different treatments of unilateral testicular torsion on the long-term fertility of the patient“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2021). 92 Fälle 2000 bis 2014, 77 ausgewertet (40 Orchiektomie, 37 Orchidopexie). Nach Orchiektomie gegenüber Orchidopexie: Samenvolumen 4,09 ± 0,89 gegenüber 4,11 ± 0,76 ml, Konzentration 27,60 ± 7,58 gegenüber 27,74 ± 6,80 Mio./ml, Beweglichkeit 60,14 ± 14,50 gegenüber 60,29 ± 16,36 %, progressiv bewegliche 38,37 ± 10,88 gegenüber 38,82 ± 9,73 %, abnorme Formen 29,80 ± 7,29 gegenüber 29,55 ± 7,03 %; natürliche Schwangerschaftsrate 75,0 % (30 von 40) gegenüber 83,8 % (31 von 37); Zeit bis zur Schwangerschaft 18,0 ± 5,7 gegenüber 14,6 ± 3,8 Monate (alle p > 0,05). Die Autoren sehen nach Orchiektomie eine geringere Samenqualität ohne signifikante Fruchtbarkeitsminderung. Die berichteten Mittelwerte unterscheiden sich kaum (zum Beispiel Beweglichkeit 60,14 gegenüber 60,29 %); die Aussage „niedrigere Samenqualität“ der Autoren lässt sich aus den Mittelwerten nicht ablesen.
Milivojevic et al. 2025: Hodenatrophie nach Torsion bei Kindern (Serbien) [s68]. Titel: „Testicular Atrophy Following Torsion in Pediatric Patients: Results of a Long-Term Follow-Up.“ (Urology, 2025). 103 Patienten (mittleres Alter 12,9 ± 3,0 Jahre), sonographisch nachbeobachtet nach Detorsion (Median 65 Monate); Gruppen nach Interventionszeitpunkt (< 6 Stunden, 6 bis 12 Stunden, > 12 Stunden). Ein vorhandener Hoden bei 100 % in Gruppe 1, 64,7 % in Gruppe 2, 20,8 % in Gruppe 3 (p < 0,001); Hodenvolumen in Gruppe 1 größer; homogene Struktur bei 20 (55,6 %) in Gruppe 1 und bei keinem in den Gruppen 2 und 3. Die Autoren sehen ein Atrophierisiko über dem der Literatur und einen möglichen Einfluss erhaltener, aber heterogener Hoden auf die Fruchtbarkeit. Keine Samenparameter. Der Abstract nennt für die Gruppe 1 „alle Fälle“, aber keine Fallzahl.
Epidemiologie, Verfahrensvergleich und Notfallversorgung [s264, s143, s67, s08, s230, s03]. Titel: „A nationwide epidemiological study of testicular torsion in Korea“ (Journal of Korean medical science, 2014). [s264] (Korea, Register des Urologenverbands 2006 bis 2011): jährliche Torsionsfälle 225, 250, 271, 277, 345 und 210; Inzidenz 1,1 je 100.000 Männer, bei unter 25-Jährigen 2,9 je 100.000; Hodenerhalt insgesamt 75,7 %. Titel: „The incidence of testicular torsion and testicular salvage rate in Korea over 10 years: A nationwide population-based study“ (Investigative and clinical urology, 2022). [s143] (Korea, Krankenversicherungsdaten 2009 bis 2019): Inzidenz 2,02 je 100.000 Personenjahre, bei unter 19-Jährigen 6,99; Hodenerhalt 75,22 %, bei Kindern 79,91 %; hohe Orchiektomierate bei Säuglingen und den Ältesten. Titel: „Diagnostic and treatment strategies for testicular torsion“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2025). [s67] (Hebei, China, chinesischsprachig): 134 einseitige Torsionen innerhalb von 48 Stunden, mediane Alter 15 Jahre, Dauer bis zur Vorstellung 15 Stunden, Torsionsgrad 360°; 21 Orchiektomien, 113 Erhalte; die Orchiektomie war bei längerer Dauer und größerem Torsionswinkel häufiger (p < 0,05); manuelle Detorsion mit Operation (28 Männer, 1 Resektion, 3,6 %) gegenüber Operation allein (68 Männer, 7 Resektionen, 10,3 %) ohne signifikanten Unterschied; der abgerufene Abstract bricht dort ab. Titel: „The role of manual detorsion in the management of testicular torsion in the emergency department: A single-group observational study“ (Medicine, 2026). Başaran et al. 2026 [s08] (Düzce, Türkei): 41 Patienten (Median 16 Jahre, Quartilsabstand 13 bis 27) mit akutem Hodenschmerz oder Schwellung, bei denen in der Notaufnahme eine manuelle Detorsion erfolgte; Schmerz bei 92,68 %, rechts 51,22 %. Als Ersteingriff wurden 65,85 % operiert, 34,15 % manuell behandelt und später elektiv operiert. Die manuelle Detorsion war bei Beschwerdedauer bis 6 Stunden am wirksamsten (63,64 %; p = 0,056); nach elektiver Operation (1 bis 14 Tage) trat keine neue Torsion auf, und keine Orchiektomie war nötig; von den orchiektomierten Patienten hatten 5 von 6 mindestens 13 Stunden Beschwerden. Schwächen: retrospektiv, keine Vergleichsgruppe, p = 0,056 ist nicht signifikant, Samenwerte fehlen. Titel: „Профилактическая орхопексия в лечении детей с заворотом яичк (Prophylaktische Orchidopexie in der Behandlung von Kindern mit Hodentorsion)“ (Российский вестник детской хирургии, анестезиологии и реаниматологии, 2017). Schtschedrow und Beresnjak 2017 [s230] (Russland): Aus 472 Patienten mit Hodentorsion hatten 24 eine beidseitige asynchrone Torsion; nach der ersten Torsion wurde der Gegenhoden nach einer eigenen Methode fixiert. Die Fixation zeigte keine Komplikationen und verhindere die asynchrone Torsion; die Autoren halten sie für alle Patienten mit Hodentorsion für angezeigt (Aussage der Autoren). Die Aussage zum Nutzen stützt sich auf die Beobachtung, dass im Verlauf ausblieb, was ohne Fixation eingetreten wäre; eine Kontrollgruppe ohne Fixation wird im Abstract nicht ausgewertet. Titel: „Neonatal unilateral testicular torsion in the first 16 hours of life: A case report and literature review“ (Medicine, 2026). Abu-Sharikh et al. 2026 [s03] (Hebron, Palästina): Fallbericht eines 16 Stunden alten Jungen mit extravaginaler 360-Grad-Torsion rechts, infarziertem Hoden, Orchiektomie, vorbeugender Orchidopexie links; Heilung ohne Komplikationen; die Autoren betonen die Bedeutung frühen Erkennens für die spätere Fruchtbarkeit. Die Arbeiten [s264, s143, s67] berichten keine Samenparameter; sie zeigen nur, wie häufig der Hoden erhalten werden kann.
Nagasawa et al. 2022: Fallbericht, autoimmunes polyglanduläres Syndrom Typ 4 nach Torsion und Orchidopexie (Japan, japanischsprachig) [s161]. Titel: „精巣捻転後の原発性精巣機能低下症:その発症に自己免疫学的機序の関与が強く示唆された症例 (Primäre Hodenfunktionsstörung nach Hodentorsion: ein Fall, bei dem ein autoimmuner Mechanismus stark nahegelegt wurde)“ (Reproductive Immunology and Biology, 2022). 30-jähriger Mann mit wiederholter Torsion links, nach der Orchidopexie ein autoimmunes polyglanduläres Syndrom Typ 4 (primäre Hoden- und Nebennierenrindeninsuffizienz); die Hodenspermiengewinnung ergab keine Spermien, und eine Testosteronsubstitution stellte die Spermatogenese nicht wieder her. Ein Einzelfall mit Hypothese zu einem autoimmunen Mechanismus.
Tierversuche zur Torsion
Goto 1991: Wistar-Ratten, Schaden des Gegenhodens nach einseitiger Torsion (Yokohama) [s384]. Titel: „Histological and immunohistochemical studies on the damage of contralateral testis following the unilateral testicular torsion in Wistar rats“ (Nihon Hinyokika Gakkai zasshi. The japanese journal of urology, 1991). Nach experimenteller einseitiger Torsion entstand der Schaden des Gegenhodens nur bei erwachsenen Tieren, 3 bis 5 Wochen danach, mit starker Abnahme der Spermatozyten, Fehlen von Spermatiden und Spermien und zahlreichen Tubuli nur mit Sertoli-Zellen; Tubulusdurchmesser und das Verhältnis von Gegenhodengewicht zu Körpergewicht waren signifikant niedriger (p < 0,05). In der Immunfluoreszenz färbte nur das Serum der Tiere mit Gegenhodenschaden Spermatiden und Spermien an, was auf Antispermien-Antikörper hinweist. Die Autoren sehen eine humorale Immunreaktion als einen der Mechanismen.
Wen et al. 2013: junge Ratten, Detorsion gegen Orchiektomie (China, chinesischsprachig) [s282]. Titel: „Histological effects of unilateral spermatic cord torsion without removal of the ipsilateral necrotic testis on the contralateral testis in rats“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2013). 33 junge Ratten in drei Gruppen (Schein 11, Torsion mit Erhalt 12, Torsion mit Orchiektomie 10); 720°-Torsion links, nach 96 Stunden Detorsion oder Orchiektomie, Auswertung nach drei Monaten. Testosteron ohne Unterschied; Antispermien-Antikörper positiv bei nur einem Tier der Erhaltungsgruppe. Deutliche morphologische Veränderungen des Gegenhodens bei 1, 3 und 0 Tieren (Schein, Erhalt, Orchiektomie). Das Volumen des Gegenhodens war in beiden Torsionsgruppen um 19 % und 21 % größer (p < 0,05). Die Orchiektomie veränderte die Histologie des Gegenhodens nicht wesentlich. Tiermodell, kleine Gruppen. Die beiden Rattenstudien widersprechen sich: [s282] findet nach Orchiektomie keinen nennenswerten Schaden des Gegenhodens an jungen Sprague-Dawley-Ratten, [s384] findet einen Schaden an erwachsenen Wistar-Ratten.
Ischämie-Reperfusion bei der Ratte [s18, s42, s92]. Titel: „Effects of Iloprost on TRPM7-Mediated Apoptosis and Oxidative Stress in an Experimental Testicular Torsion-Detorsion Model“ (International journal of molecular sciences, 2026). Kaya Tektemur et al. 2026 [s18] (Elazığ, Türkei): 35 Ratten in fünf Gruppen; 60 Minuten Torsion, danach Iloprost (2 µg/kg), Auswertung nach 48 Stunden. Iloprost verbesserte den oxidativen Status (gesamte Antioxidanskapazität stieg, Oxidanskapazität sank), verringerte aber Gewebeschaden, Apoptoserate, TRPM7- und Bax-Expression nicht signifikant. Titel: „Time-dependent protective effects of syringic acid following testicular torsion-detorsion: an experimental rat model“ (Acta cirurgica brasileira, 2026). Sabuncu et al. 2026 [s42] (Istanbul): 48 Ratten, Torsion 720 Grad über 2 Stunden, Reperfusion 4 oder 24 Stunden, Syringinsäure 10 mg/kg: bessere Antioxidanswerte und Entzündungs- und Apoptosemarker (p < 0,05), niedrigere Cosentino- und höhere Johnsen-Werte (p < 0,05), kein Unterschied bei Malondialdehyd. Titel: „Comparison of the therapeutic effect of platelet-rich plasma and injectable platelet-rich fibrin on testicular torsion/detorsion injury in rats“ (Scientific reports, 2024). Eisa et al. 2024 [s92] (Zagazig, Ägypten): 40 Ratten, 1080 Grad über 3 Stunden; thrombozytenreiches Plasma oder injizierbares thrombozytenreiches Fibrin 3 Stunden nach Detorsion in den Hoden; nach 30 Tagen waren Samenqualität und Hormone in den behandelten Gruppen besser, beim Fibrin mehr (p < 0,001). Die Befunde der drei Arbeiten sind unverbunden und auf Tiere beschränkt; sie belegen, dass nach Torsion ein Keimzellverlust messbar ist, sagen aber über Menschen wenig aus.
Einordnung der Beobachtungsstudien zur Hodentorsion
Die Studien stützen, dass das Zeitfenster bis zur Operation den Hodenerhalt und die Atrophie bestimmt [s68, s139, s120, s391], dass eine Orchiektomie die Hormone (FSH, LH) und mitunter die Spermienkonzentration beeinflusst [s33, s380, s376] und dass die Fruchtbarkeitsunterschiede zwischen Orchiektomie und Orchidopexie klein oder nicht belegbar sind [s179, s154]. Die Vaterschaft als harter Endpunkt fehlt weitgehend. Die Gewissheit ist niedrig.
Hodentumor, hodenerhaltende Operation und Kryokonservierung
Japanische Zentren veröffentlichen hier seit den 1990er Jahren; die Befunde zeigen, dass die Samenqualität bei Hodentumor bereits vor jeder Behandlung eingeschränkt sein kann, dass Chemotherapie sie oft zeitweise weiter verschlechtert und dass eine Wiedererholung möglich, aber nicht sicher ist. Weil Hodenkrebs ein eigenes Thema der Website ist, werden die Studien kurz dargestellt.
Samenqualität vor der Orchiektomie und kurz danach
Petersen et al. 1999: Samenqualität und Hormone vor der Orchiektomie (Dänemark) [s366]. Titel: „Semen quality and reproductive hormones before orchiectomy in men with testicular cancer.“ (Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology, 1999). 83 Patienten mit Hodenkeimzelltumor (Samenanalyse bei 63), 45 mit malignem Lymphom und 141 gesunde Kontrollen (Samen), 193 Registerkontrollen (Hormone). Mediane Spermienkonzentration 15 Mio./ml (Spanne 0 bis 128) gegenüber 48 (0,04 bis 250) bei Lymphom und 48 (0 bis 402) bei Gesunden (jeweils p < 0,001); Gesamtspermienzahl Median 29 Mio. gegenüber 146 und 162 Mio. FSH 5,7 IE/l bei Hodentumor gegenüber 3,3 (Lymphom, p = 0,001) und 4,1 (gesund, p = 0,007); LH niedriger als bei Gesunden (3,6 gegenüber 4,7 IE/l; p = 0,01). Die Spermatogenese sei schon vor der Orchiektomie beeinträchtigt; weder Tumordruck noch allgemeine Krebswirkung erklärten das vollständig. Im Abstract steht für die Gesamtspermienzahl die Einheit Mio./ml; sie ist vermutlich Mio. pro Ejakulat.
Dieckmann et al. 2025: Samenqualität vor gegenüber kurz nach der Orchiektomie (Deutschland, zwei Zentren) [s58]. Titel: „Preoperative semen quality is superior to the quality shortly after orchiectomy in patients with testicular germ cell tumour - a retrospective study from two centres in Germany.“ (Basic and clinical andrology, 2025). Retrospektiv, 163 Patienten vor, 242 kurz nach der Orchiektomie. Alle wichtigen Parameter waren präoperativ besser: Ejakulatvolumen 3 gegenüber 2 ml, Gesamtspermienzahl 56,9 × 10⁶ gegenüber 13 × 10⁶, progressive Beweglichkeit 40 gegenüber 25 %, Azoospermie 4,9 gegenüber 14,9 %. Limitationen laut Autoren: Gruppenvergleich statt intraindividuellem Verlauf, selektive Einschlüsse bei Patienten mit Wunsch nach Kryokonservierung. Die Schlussfolgerung der Autoren (Kryokonservierung vor der Orchiektomie) ist deren Aussage.
Flores et al. 2025: Onko-TESE bei radikaler Orchiektomie (USA) [s61]. Titel: „The Outcomes of Onco-Testis Sperm Extraction at the Time of Radical Orchiectomy.“ (Urology, 2025). 38 Männer mit Azoospermie und Hodentumor (Alter Median 35 Jahre), 42 % bilaterale Tumoren; Spermien wurden bei 24 % gefunden; keine Variable war signifikant mit dem Erfolg assoziiert.
Tomomasa et al. 2002: Samenbefunde nach Orchiektomie bei Keimzelltumor (Teikyo, Japan) [s356]. Titel: „Gonadal function in patients with testicular germ cell tumors“ (Archives of andrology, 2002). 18 Patienten mit Keimzelltumor; Samenbefunde nach Orchiektomie bei 15, davon 6 nach adjuvanter Chemotherapie nachverfolgt. Abnormal waren Samenvolumen bei 5 von 15 (33,3 %), Spermienkonzentration 8 von 15 (53,3 %), Beweglichkeit 13 von 15 (86,7 %), Morphologie 7 von 13 (53,8 %) und Vitalität 9 von 12 (75,0 %). Die Konzentration besserte sich nach der Chemotherapie bei 5 von 6 (83,3 %). FSH, LH und Prolaktin stiegen nach der Orchiektomie bei allen Untersuchten (n = 7), Testosteron stieg bei 4 und sank bei 2. Die Autoren sehen sowohl vorbestehende Defekte als auch Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Achse. Schwäche: sehr kleine Fallzahlen.
Topuz et al. 2021: Spermiogramm vor Orchiektomie wegen Hodentumor (Ankara) [s174]. Titel: „Examination of clinical data and semen analysis results of patients undergoing orchiectomy for testicular tumor“ (Revista da Associacao Medica Brasileira (1992), 2021). 53 Männer (33,51 ± 12,86 Jahre) mit Orchiektomie wegen Hodentumor (2016 bis 2019). Spermiogramm und Kryokonservierung vor der Operation wurden bei 29 (54,7 %) durchgeführt; mittlere Spermienkonzentration 24,21 Mio./ml; Beweglichkeitsgruppen A 0,79 %, B 39,10 %, C 9,83 %, D 22,69 %. Mittlere Tumorgröße 34,68 ± 23,32 mm; multiple Lokalisationen 11,3 %, Mikrolithiasis 13,2 %. Die Autoren schließen, dass die Spermatogenese schon vor der Behandlung durch Tumor und systemische Wirkung beeinträchtigt sei. Schwäche: keine Kontrollgruppe und keine Referenzwerte im Abstract; nur 29 von 53 Männern hatten ein Spermiogramm.
Hamano et al. 2018: Spermien vor der Behandlung eingefroren (Hirosaki, Japan) [s210]. Titel: „Differences in semen characteristics between patients with testicular cancer and other malignancies using various cut-off values“ (International journal of urology : official journal of the Japanese Urological Association, 2018). 111 Patienten mit Tumor, die vor der Behandlung Spermien einfrieren ließen (29 mit Hodenkrebs, 82 mit anderen Tumoren). Die Spermienkonzentration war bei Hodenkrebs niedriger; der Anteil über dem WHO-Grenzwert betrug 41 % gegenüber 66 %. Seminom und Nichtseminom sowie Stadium I gegenüber II und III unterschieden sich nicht; vor der Behandlung bestimmte Samenwerte korrelierten nicht mit dem ICSI-Ergebnis, das als akzeptabel gilt.
Pong et al. 2016: Kryokonservierung vor gonadotoxischer Behandlung (Taipeh) [s240]. Titel: „The Biochemical and Pathological Correlates of Successful Semen Cryopreservation From Patients With Testicular Cancer: A Single Tertiary Center Experience“ (Urology, 2016). 50 Männer (16 bis 36 Jahre). Erfolgreiche Kryokonservierung bei 52 %. AFP (4.113,1 gegenüber 81,2 ng/ml) und Tumorvolumen (77,7 gegenüber 25,5 ml) waren in der Misserfolgsgruppe höher; Verhältnis Seminom zu Nichtseminom 9/17 gegenüber 3/21 (p = 0,066). AFP über 1.000 ng/ml sagte schlechte Qualität mit Sensitivität 0,625 und Spezifität 1,0 voraus (Youden-Index 0,689). Multivariat: AFP (p = 0,013), Tumorvolumen (p = 0,047), AFP über 1.000 ng/ml (p = 0,010). Spermienkonzentration bei Seminom 21,5 gegenüber 11,8 Mio./ml bei Nichtseminom (p < 0,027).
Suzuki et al. 2015: Spermatogenese im Gewebe neben dem Tumor (Dokkyo, Japan) [s253]. Titel: „Spermatogenesis in tumor-bearing testes in germ cell testicular cancer patients“ (Human reproduction (Oxford, England), 2015). 102 Patienten (104 Hoden) mit Keimzelltumor, Johnsen-Score im Abstand von 1 bis 12,5 mm vom Tumorrand. 78 Seminome (mittlerer Johnsen-Score 4,7 ± 2,4) und 26 Nichtseminome (3,9 ± 2,5), kein signifikanter Unterschied. Der Tumordurchmesser war negativ mit der Spermatogenese assoziiert (Regressionskoeffizient −0,422; p < 0,001; multivariat −0,437; p < 0,001). Reife Spermien fanden sich bei 93,0 % der Patienten mit nicht tumorbefallener Gewebebreite ab 7,5 mm und bei 41,3 % darunter (p < 0,001). Die Autoren leiten daraus ab, dass die Spermiengewinnung während der Orchiektomie (Onko-TESE) fern vom Tumor aussichtsreicher sei. Retrospektiv, keine präoperativen Samenwerte als Vergleich.
Hagiuda et al. 2021: Keimzelltumor und Hodenhochstand in der Vorgeschichte (Ichikawa, Japan) [s165]. Titel: „Frequent azoospermia in patients with testicular germ cell cancer and a history of cryptorchidism: a report of nine cases and review of the literature“ (Systems biology in reproductive medicine, 2021). Fallserie mit Übersicht: 9 Männer mit Keimzelltumor und Hodenhochstand in der Vorgeschichte; 5 hatten eine Azoospermie, davon 3 schon vor der Orchiektomie. Die Autoren empfehlen, bei dieser Konstellation Kryokonservierung vor der Orchiektomie oder Onko-TESE zu erwägen (Aussage der Autoren). Sehr kleine Fallzahl.
Selvi et al. 2020: testikuläres Dysgenesiesyndrom und Tumorprognose (Karabük, Türkei) [s188]. Titel: „Effects of testicular dysgenesis syndrome components on testicular germ cell tumor prognosis and oncological outcomes“ (International braz j urol : official journal of the Brazilian Society of Urology, 2020). 69 Patienten mit radikaler Orchiektomie wegen Keimzelltumor (2010 bis 2014); Komponenten des testikulären Dysgenesiesyndroms (Hodenhochstand, Hypospadie, gestörte Samenparameter) wurden aus der Vorgeschichte erfasst. 16 Männer (23,1 %) hatten das Syndrom; im fortgeschrittenen Stadium war es häufiger (36,1 % gegenüber 9,1 %; p = 0,008). Lokalrezidiv 50 % gegenüber 11,3 % (p < 0,001), Fernmetastasen 93,6 % gegenüber 3,8 % und tumorspezifische Sterblichkeit 87,5 % gegenüber 3,8 % (jeweils p < 0,001); rezidivfreie Zeit 13,70 ± 5,13 gegenüber 100,96 ± 2,83 Monaten. Methodische Vorbehalte: Die genannten Prozentwerte (93,6 % von 16 Männern) lassen sich mit ganzen Personenzahlen nicht erzeugen; die Angaben zum Dysgenesiesyndrom beruhen auf der Erinnerung der Patienten; der Effekt ist für eine Gruppe von 16 Männern außergewöhnlich groß und braucht Bestätigung; es handelt sich um Tumorprognose und nicht um Samenqualität.
Erholung nach Chemotherapie, Vaterschaft und Samenbankserien
Okaneya et al. 1993: Fertilität nach Behandlung bei Hodentumor (Shinshu, japanischsprachig) [s379]. Titel: „Fertility after treatment for testicular tumor“ (Nihon Hinyokika Gakkai zasshi. The japanese journal of urology, 1993). 34 Patienten mit Stadium 1 oder 2A überlebten fünf Jahre, bei 18 Patienten mit Stadium 2B oder 3 (nur nichtseminomatös) lag die Fünfjahresüberlebensrate unter 50 %. Bei 3 Patienten normalisierte sich die Spermatogenese 22 Monate nach der Chemotherapie. Fünf Patienten mit retroperitonealer Lymphknotenausräumung und Durchtrennung der unteren Mesenterialarterie hatten gestörte Ejakulation, drei ohne Durchtrennung normale Ejakulation. Die Autoren folgern, dass die chemotherapiebedingte Spermatogenesestörung bei Stadium 1 oder 2 reversibel sei und bei lokalisierten paraaortalen Metastasen die Ausräumung ohne Durchtrennung der unteren Mesenterialarterie erfolgen solle, um die Fertilität zu erhalten (Schlussfolgerung der Autoren).
Ishikawa et al. 2004: Hochdosischemotherapie (Kobe) [s348]. Titel: „Fertility after high-dose chemotherapy for testicular cancer“ (Urology, 2004). 27 Patienten mit Hochdosischemotherapie (Carboplatin 1.250 mg/m², Etoposid 1.500 mg/m², Ifosfamid 7,5 g/m²), 10 mit Nachsorgedaten (Alter bei Behandlung 32,2 ± 8,4 Jahre). Bei 5 von 10 erholte sich die Spermatogenese; Spermienkonzentration 42,4 ± 10,4 Mio./ml, Beweglichkeit 67,2 ± 17,0 %. FSH war bei nicht azoospermen Männern signifikant niedriger (11,7 ± 3,4 gegenüber 32,8 ± 14,4 mIU/ml; p = 0,0472); Alter 28,2 ± 8,7 gegenüber 36,2 ± 6,5 Jahre. Sehr kleine Zahl.
Suzuki et al. 2013: Erholung nach BEP-Chemotherapie (Yokohama) [s281]. Titel: „Regeneration of spermatogenesis after testicular cancer chemotherapy“ (Urologia internationalis, 2013). 49 Patienten (45 mit BEP, 4 mit Hochdosischemotherapie), wiederholte Samenanalysen. Von 45 BEP-Patienten erholten 44 die Spermatogenese. Erholungsrate innerhalb von zwei Jahren nach 1 bis 2, 3 und 4 Zyklen: 83,3 %, 80,0 % und 66,7 %; nach 5 bis 6 Zyklen trat innerhalb von zwei Jahren bei keinem Patienten eine Erholung ein. Alter und Samenwerte vor der Chemotherapie sagten die Erholung nicht voraus.
Namekawa et al. 2016: nach hoher Orchiektomie und Cisplatin-Chemotherapie (Chiba) [s239]. Titel: „Testicular function among testicular cancer survivors treated with cisplatin-based chemotherapy“ (Reproductive medicine and biology, 2016). 35 Patienten (Beobachtungszeit 13,3 ± 5,6 Jahre). Spermien traten bei 85,7 % wieder auf, normale Spermienwerte bei 54,3 %. Unabhängig mit der Normalisierung verbunden waren ein Alter unter 25 Jahren (p = 0,0057), weniger als vier Zyklen (p = 0,0042) und FSH unter 18 mIU/ml am Ende der Chemotherapie (p = 0,0220). Mediane Zeit bis zur Normospermie 40 Monate (22 bis 96).
Ping et al. 2014: Fruchtbarkeit nach Behandlung eines einseitigen Hodentumors (Shanghai) [s269]. Titel: „Fertility outcome of patients with testicular tumor: before and after treatment“ (Asian journal of andrology, 2014). 125 Patienten mit einseitigem Hodentumor (Operation, Chemo- oder Strahlentherapie), 117 (93,6 %) erreicht. Von 81 vor der Diagnose Verheirateten hatten 21 Kinder gezeugt, 6 berichteten Azoospermie. Von 73 Männern, die nach der Behandlung Kinder wollten, zeugten 16 natürlich und 19 mit assistierter Reproduktion; es wurden 37 gesunde Kinder ohne Fehlbildungen geboren. Von den Männern ohne Kind vor der Behandlung bankten 21,9 % (21/96) Spermien, 23,8 % (5/21) setzten sie später ein. Lymphknotenausräumung, Chemo- und Strahlentherapie waren mit ausbleibender Zeugung am stärksten verbunden. Die Autoren empfehlen das Einfrieren von Samen (Aussage der Autoren). Schwächen: Befragung, retrospektiv.
Yamashita et al. 2021: multizentrische Querschnittsbefragung von Hodenkrebsüberlebenden (acht japanische Zentren) [s177]. Titel: „Fertility and reproductive technology use in testicular cancer survivors in Japan: A multi-institutional, cross-sectional study“ (International journal of urology : official journal of the Japanese Urological Association, 2021). 2018 bis 2019: 567 Hodenkrebsüberlebende (Median 43 Jahre); 398 erhielten Chemotherapie (106 mit drei, 147 mit vier Zyklen Cisplatin). Von 153 Männern mit Kryokonservierungsversuch gelang sie bei 133 (87 %). Von 28 Männern, die eingefrorene Spermien nutzten, wurden 17 (61 %) Väter. 72 Männer wurden ohne eingefrorene Spermien Väter, davon 59 (82 %) natürlich. Ohne Chemotherapie wurden 33 von 169 (20 %) Väter ohne Kryosperma, mit Chemotherapie 39 von 398 (10 %; p < 0,05); die Vaterschaftsrate betrug 12 % nach drei und 5 % nach vier Zyklen (p < 0,05). Von 121 Männern mit Kinderwunsch erhielten nur 14 (12 %) eine Beratung zur Fruchtbarkeitsbehandlung. Stärke: größte Stichprobe im Sprachraum. Schwächen: Querschnitt, Selbstauskunft, Rücklaufverzerrung.
Japanische Samenbank-Erfahrungen [s352, s335]. Titel: „Semen cryopreservation for patients with malignant or non-malignant disease: our experience for 10 years“ (Nihon Hinyokika Gakkai zasshi. The japanese journal of urology, 2003). [s352] (Yokohama, 10 Jahre): 154 Patienten (42 Keimzelltumor, 110 andere Tumoren, 2 nichtmaligne). Nur 7 von 35 (20 %) einseitigen Hodentumorpatienten ohne Chemotherapie erfüllten die WHO-Kriterien für Konzentration und Beweglichkeit, aber keiner war azoosperm. Bei Nicht-Keimzelltumoren ohne Chemotherapie erfüllten 20 von 38 (52 %) die Kriterien, mit Chemotherapie nur 9 von 72 (13 %); 29 von 72 (40 %) mit Chemotherapie waren azoosperm. Kryokonserviert wurden 74 von 77 (96 %) Proben ohne und 34 von 75 (45 %) mit Chemotherapie. Titel: „Semen cryopreservation for patients with malignant or non-malignant disease: our 14-year experience“ (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 2007). [s335] (14 Jahre, japanischsprachig): 163 Patienten (72 Keimzelltumor, 76 hämatologisch, 15 andere); 48 (29,4 %) lagerten noch Spermien; nur 6 (3,7 %) hatten sie genutzt; 115 Proben wurden verworfen, meist wegen Erholung der Spermatogenese; nach der Behandlung hatten 20,9 % der Männer mit Hodenkrebs und 57,9 % mit hämatologischer Erkrankung keine Erholung. Die Autoren empfehlen das Einfrieren vor der Behandlung (Aussage der Autoren).
Hodenerhaltende Operation, Einzelhoden, Hodentrauma
Xiao et al. 2019: hodenerhaltende Operation gegen radikale Orchiektomie (Shanghai) [s202]. Titel: „Radical and testis-sparing surgery for primary testicular tumors: A single-center experience“ (Molecular and clinical oncology, 2019). Retrospektive Kohorte mit 158 Patienten, davon 23 mit hodenerhaltender Operation (jünger: 31,9 gegenüber 47,7 Jahre; kleinere Tumoren: 26,0 gegenüber 51,5 mm). Gesamt- und rezidivfreies Überleben ohne Unterschied; die kumulative Vaterschaftsrate war nach Kaplan-Meier in der Erhaltungsgruppe höher als nach radikaler Orchiektomie. Die Gruppen waren nicht vergleichbar (Alter und Tumorgröße), eine Verzerrung durch Auswahl ist wahrscheinlich; die Autoren fordern weitere Untersuchungen.
Kleine Serien zur Hodenerhaltung [s271, s250, s114]. Titel: „Testis-sparing surgery for benign testicular tumor“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2014). [s271] (Nanjing, chinesischsprachig): 8 Männer mit gutartigem Hodentumor; im Mittel 4 Jahre Nachbeobachtung ohne Rezidiv, ohne signifikante Änderung von Testosteron, IIEF-Wert und Samenparametern gegenüber dem Ausgangswert. Titel: „Experiences and outcomes of organ-sparing surgery for testicular tumour with benign tendency“ (Canadian Urological Association journal = Journal de l'Association des urologues du Canada, 2015). [s250] (Nanjing): 11 Patienten, hormonelle und Samenwerte vor und nach der Operation ohne signifikanten Unterschied. Titel: „Testis-sparing microsurgery for benign testis tumor: A report of 16 cases“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2024). [s114] (Qingdao, chinesischsprachig): 16 Männer (Median 23 Jahre), Tumoren im Median 1,85 cm; Testosteron und Samenparameter waren vor der Operation normal und blieben nach 14 bis 40 Monaten im Normbereich; zwei natürliche Konzeptionen nach 16 und 18 Monaten. Alle drei sind kleine, retrospektive Serien ohne Vergleichsgruppe.
Fälle und kleine Berichte [s334, s351, s248]. Titel: „Testicular sperm extraction in patients with persistent azoospermia after chemotherapy for testicular germ cell tumor“ (International journal of urology : official journal of the Japanese Urological Association, 2007). [s334] (Showa, Japan): zwei Männer mit persistierender Azoospermie nach Chemotherapie; die Hodenspermiengewinnung fand beim 32-Jährigen (6 Zyklen BEP und eine Hochdosistherapie) eine Keimzellaplasie mit fokalen Inseln vollständiger Spermatogenese (zwei ICSI-Zyklen ohne Schwangerschaft), beim 33-Jährigen (4 Zyklen) ein Sertoli-Zell-Only-Syndrom (Schwangerschaft nach einem ICSI-Zyklus). Titel: „A case of organ sparing surgery for metachronous bilateral testicular tumor with maintaining testicular function“ (Nihon Hinyokika Gakkai zasshi. The japanese journal of urology, 2004). [s351] (Akita, japanischsprachig): Teilentfernung bei metachronem beidseitigem Tumor; nach drei BEP-Zyklen Azoospermie, Erholung in den Normbereich innerhalb von 18 Monaten, gesundes Kind zwei Jahre später. Titel: „THREE CASE REPORTS OF METACHRONOUS BILATERAL TESTICULAR TUMOR: INVESTIGATION OF SEXUAL FUNCTION AND FERTILITY“ (Nihon Hinyokika Gakkai zasshi. The japanese journal of urology, 2015). [s248] (japanischsprachig): drei Männer mit metachronem beidseitigem Keimzelltumor; einer mit beidseitiger Orchiektomie mit niedrigem Testosteron, hohem LH und FSH und ohne Erektion und Ejakulation; bei den anderen Erektion und Ejakulation erhalten.
Ebiloglu et al. 2024: Hodentrauma, Hormone und Spermiogramm nach einem Jahr (Ankara) [s91]. Titel: „A new grading system for testicular trauma and one-year follow-up results on male testicular function: Gülhane Grading System“ (Ulusal travma ve acil cerrahi dergisi = Turkish journal of trauma & emergency surgery : TJTES, 2024). 41 Patienten (Alter 25,56 ± 6, 16 bis 39 Jahre) mit Hodentrauma, nach dem Gülhane-Schema eingeteilt: Grad 1 konservativ, Grad 2 operative Naht, Grad 3 Orchiektomie. Beidseitig war das Trauma bei 10 (25 %), rechts bei 14 (34 %), links bei 17 (41 %). Nach einem Jahr hatten Patienten mit einseitigem Grad-1-Trauma normale Hormone und Spermiogramme; bei einseitigem Grad 2 oder 3 waren FSH und LH leicht erhöht, Testosteron und Samenwerte normal; bei Grad 3 mit Grad 1 deutlich erhöhte FSH/LH und niedrigere Morphologie; bei Grad 3 mit Grad 2 niedrigere Spermienzahlen; bei Grad 3 beidseits alle übrigen Hormon- und Samenwerte null (so im Abstract). Fazit: Nach einseitigem Trauma gute Erholung unabhängig vom Grad, bei Beidseitigkeit häufiger Testosteronmangel und schlechte Samenwerte. Stärke: Hormone, Ultraschall und Spermiogramm in einer Serie. Schwächen: sehr kleine Untergruppen, keine Zahlen je Untergruppe im Abstract, Eigenentwicklung eines Bewertungsschemas.
Einordnung
Bei Hodentumor ist die Samenqualität schon vor der Orchiektomie vermindert [s366, s58, s356, s174], die Chemotherapie verschlechtert sie meist zeitweise, die Erholung ist nach wenigen Zyklen häufig, nach vielen Zyklen selten [s281, s239, s348]. Ein einzelner Hoden verringert die Chance auf Spermiengewinnung nicht, sofern die Hodengröße ausreicht [s98, s104]. Die Gewissheit ist niedrig bis mäßig; ausführlich gehört das Thema in das Kapitel zu Krebs und Fruchtbarkeit.
Hydrozele, Nebenhodenzysten, Zirkumzision und Prostataoperation
Saber-Khalaf et al. 2026: Hydrozelenoperation bei infertilen Männern, Pilotstudie (Sohag, Ägypten) [s40]. Titel: „Hydrocelectomy versus conservative follow-up for symptomatic hydroceles in infertile men: A pilot study“ (Clinical and experimental reproductive medicine, 2026). Pilotstudie an Männern mit Kinderwunsch seit einem Jahr, symptomatischer Hydrozele über 100 ml und abnormen Samenwerten: 31 wurden operiert, 30 entschieden sich für Beobachtung. Nach 6 Monaten gab es keine signifikanten Unterschiede der Samenanalyse; Schwangerschaften nach einem Jahr 7 (22,58 %) gegenüber 5 (16,67 %), nicht signifikant; mild verminderte Hodengröße nach Operation (p < 0,001); Zufriedenheit über 80 %, Komplikationsrate 15 %, zwei Folgeeingriffe. Primäre Unfruchtbarkeit 65 %. Schwächen: nicht randomisiert („entschieden sich“), Pilot, kleine Zahlen.
Elgergawy et al. 2019: Hydrozele und ICSI-Ergebnisse (Tanta, Ägypten) [s196]. Titel: „Outcomes of Intracytoplasmic Sperm Injection in Infertile Men with Nontense Vaginal Hydrocele: A Prospective Cohort Study“ (Journal of human reproductive sciences, 2019). 60 Männer mit Oligoasthenospermie, mit oder ohne nicht gespannte Hydrozele: Zahl und Beweglichkeit der Spermien waren bei Hydrozele schlechter (p < 0,001), das Hodenvolumen vermindert (p < 0,001); Befruchtungsrate, Embryozahl und -qualität und Schwangerschaftsrate nach ICSI unterschieden sich nicht. Die Autoren folgern, eine Operation der Hydrozele vor ICSI sei nicht angezeigt (Schlussfolgerung der Autoren).
Gamidow et al. 2026: Bovhyaluronidase-Azoximer bei obstruktiver Azoospermie (Moskau) [s12]. Titel: „Pilot study of bovhyaluronidase azoximer in patients with acquired proximal seminal tract obstruction (Originaltitel russisch; hier die englische PubMed-Fassung; deutsch: siehe Titel)“ (Urologiia (Moscow, Russia : 1999), 2026). 80 Männer mit obstruktiver Azoospermie durch erworbenen proximalen Verschluss (Nebenhoden, proximaler Samenleiter), 40 gegen 40 mit Bovhyaluronidase-Azoximer rektal oder intramuskulär, einmalige Kontrolle nach 95 bis 105 Tagen; Spermien erschienen bei 10 von 80 (12,5 %), im Median 0,85 Mio./ml, 1,65 Mio. gesamt, 0,1815 Mio. beweglich gesamt; 6 von 40 (15,0 %) gegenüber 4 von 40 (10,0 %) (p = 0,737). Pilotstudie; die Spermienmenge reiche nicht für eine natürliche Empfängnis.
Firinci et al. 2025: Zirkumzision beim Kaninchen (Erzurum, Türkei) [s60]. Titel: „Neurodegenerative consequences of electrocautery-assisted circumcision on spermatogenesis: A stereological preliminary experimental study in rabbits“ (Medicine, 2025). Kaninchen (18 Tiere): Kontrolle, chirurgische Zirkumzision, monopolare Elektrokoagulationszirkumzision. Die Dichte degenerierter Neurone im Onuf-Kern und in Ganglien sowie die Spermienzahlen: Gruppe I 4 ± 1, 9 ± 3 und 96.891 ± 11.893; Gruppe II 11 ± 4, 154 ± 45 und 93.156 ± 8.365; Gruppe III 121 ± 34, 2.121 ± 318 und 76.783 ± 4.956. Die Autoren nennen p-Werte (I gegen II p < 0,005; II gegen III p < 0,0005; I gegen III p < 0,00001), ohne zu sagen, auf welchen Parameter sie sich beziehen. Sie vermuten, dass die Nervenschädigung die Hodeninnervation stören und die Spermienproduktion mindern könnte. Schwächen: unterschiedliche Tierzahlen (5, 5, 8), nur 3 Wochen Beobachtung, Kaninchen.
Transurethrale Prostataresektion [s140, s16]. Titel: „The Effect of Transurethral Resection of the Prostate on Erectile and Ejaculatory Functions in Patients with Benign Prostatic Hyperplasia“ (Urologia internationalis, 2022). Al Demour et al. 2022 [s140] (Jordanien; 91 Patienten, 41 mit normaler, 50 mit gestörter Erektion): Der IIEF-5 blieb in der ersten Gruppe unverändert (22,88 ± 0,81 gegenüber 22,63 ± 2,63; p = 0,065) und besserte sich in der zweiten, der Verlust der Ejakulationsfunktion war aber signifikant. Titel: „Factors predicting the success of ejaculation preserving transurethral resection of the prostate: a prospective cohort study“ (Prostate international, 2026). Higazy et al. 2026 [s16] (Kairo; 108 Patienten mit ejakulationserhaltender TURP): Die antegrade Ejakulation blieb bei 63 (58,3 %) erhalten; 81,1 % bei Prostata unter 80 g gegenüber 36,4 % bei 80 g und mehr; größeres Prostatavolumen (OR 0,97; 95-%-KI 0,95 bis 0,99; p = 0,018), stärkere intravesikale Prostataprotrusion (OR 0,75; 0,56 bis 0,99; p = 0,023) und ein Mittellappen (OR 0,73; 0,54 bis 0,99; p = 0,048) waren jeweils mit geringerer Wahrscheinlichkeit der Erhaltung verbunden. Beide messen die Ejakulationsfunktion mit Fragebogen und nicht die Samenqualität; die Abgrenzung zur Fragestellung besteht darin, dass Samen die Harnröhre nur bei antegrader Ejakulation erreicht.