Operationen und Anatomie: Hypospadie, Leistenbruch, Vasektomie · Kapitel 5 von 31 · Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

Hodenhochstand und Orchidopexie bis Gesamteinordnung der Übersichten

Hodenhochstand und Orchidopexie

Der Hodenhochstand (Kryptorchismus) ist der Hodenbefund mit der längsten Forschungsgeschichte zur Samenqualität. Die Operation verlegt den Hoden in den Hodensack; die Samenqualität im Erwachsenenalter spiegelt aber meist die Grundstörung, die frühe Schädigung der Keimzellreifung, wider.

Adnyana et al. 2025: beidseitiger gegenüber einseitigem Hodenhochstand nach Orchidopexie (Erwachsene), Metaanalyse [s55]. Titel: „Does bilateral undescended testis have worst testicular function than unilateral cases? A meta-analysis of adult orchidopexy patients.“ (Archivio italiano di urologia, andrologia : organo ufficiale [di] Societa italiana di ecografia urologica e nefrologica, 2025). Zehn Studien mit 563 beidseitigen und 1.259 einseitigen Fällen; Datenbanken PubMed, ScienceDirect und Google Scholar (ohne Embase). Nach beidseitiger Orchidopexie: FSH höher (Mittelwertdifferenz 3,77 IE/l; 95-%-KI 1,65 bis 5,89), LH höher (1,27 IE/l; 0,27 bis 2,26), Inhibin B niedriger (−44,86 pg/ml; −69,58 bis −20,15) und Azoospermie häufiger (OR 2,3; 1,57 bis 3,37). Dies ist die quantitativ klarste Aussage zur Samenqualität in dieser Literatur. Schwächen: keine Embase-Suche; die Gruppen unterscheiden sich in Schweregrad und Operationsalter; Beobachtungsdaten.

Kaushal et al. 2025: Zeitpunkt der Orchidopexie und Ersatzendpunkte der Fruchtbarkeit, Metaanalyse [s64]. Titel: „Timing of orchidopexy and effect on surrogate outcomes for fertility: a systematic review and meta-analysis.“ (Pediatric surgery international, 2025). Systematische Übersicht mit Metaanalyse (PRISMA, fünf Datenbanken, GRADE); 16 Studien. Fünf Studien mit 1.855 Hoden: kein signifikanter Unterschied der Hodenatrophie bei Operation vor dem 12. Lebensmonat (OR 1,05; 95-%-KI 0,49 bis 2,23; I² = 0 %); drei Studien mit 757 Hoden: kein signifikanter Unterschied der postoperativen Komplikationen (OR 1,15; 0,44 bis 2,99; I² = 36 %). Die Sicherheit der Evidenz wird für beide Endpunkte als niedrig bewertet. Wichtig: Die Arbeit prüft Atrophie und Komplikationen, nicht Spermienparameter; die breiten Konfidenzintervalle lassen einen Effekt in beide Richtungen zu. Nach den Autoren empfehlen aktuelle Leitlinien die Orchidopexie zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat.

Henriksen et al. 2025: Vaterschaft nach Behandlung des Hodenhochstands, systematische Übersicht [s63]. Titel: „Paternity After Treatment of Cryptorchidism: A Systematic Review.“ (Journal of clinical medicine, 2025). PRISMA, PROSPERO (CRD420251010710), Medline, Embase und PubMed 1990 bis Februar 2025, Bewertung nach Newcastle-Ottawa; sechs Studien. Fünf von sechs fanden höhere Vaterschaftsraten nach einseitigem als nach beidseitigem Hodenhochstand. Eine große Studie zeigte eine um 5 % höhere Notwendigkeit assistierter Reproduktion je sechs Monate Verzögerung der Operation, mit deutlich höherer Nutzung nach Operation später als 18 Monate. Bilateraler Hodenhochstand und verzögerte Orchidopexie seien mit geringerer Fruchtbarkeit und mehr assistierter Reproduktion verbunden. Stärke: Fokus auf das harte Ergebnis Vaterschaft. Schwächen: nur sechs Studien, kein gepoolter Schätzer im Abstract; „5 %“ ist der Wert einer einzelnen Studie.

Pantjoro et al. 2025: tastbarer gegenüber nicht tastbarem Hodenhochstand, Metaanalyse hormoneller Marker [s71]. Titel: „Evaluating hormonal differences in post-orchidopexy patients: a meta-analysis of palpable vs. nonpalpable undescended testis.“ (Archivio italiano di urologia, andrologia : organo ufficiale [di] Societa italiana di ecografia urologica e nefrologica, 2025). Vier Studien mit 207 Patienten (160 tastbar, 47 nicht tastbar). Kein signifikanter Unterschied bei FSH (Mittelwertdifferenz 0,78 IE/l; −0,34 bis 1,90; p = 0,14), LH (−0,17; −0,45 bis 0,12; p = 0,25) und Testosteron (−0,08; −0,64 bis 0,48; p = 0,78). Schwäche: sehr kleine Gruppe der nicht tastbaren Fälle.

Li et al. 2026: Serum-Inhibin B nach Orchidopexie, Metaanalyse [s24]. Titel: „Changes in Serum Inhibin B Following Orchiopexy for Cryptorchidism: A Systematic Review and Meta-Analysis of Endocrine Recovery.“ (Journal of visualized experiments : JoVE, 2026). Sechs Studien mit selbstkontrolliertem Design, 394 Jungen. Bei Nachbeobachtung nach sechs Monaten war Inhibin B nach der Operation höher als davor (Mittelwertdifferenz 14,03 pg/ml; 95-%-KI 4,05 bis 24,01; p = 0,014; I² = 67,5 %); FSH (−0,03 IE/l; −0,30 bis 0,24) und LH (−0,02; −0,07 bis 0,04) unverändert. Die Daten nach einem und zwölf Monaten seien begrenzt und inkonsistent. Inhibin B im Kindesalter ist ein Ersatzmarker für die Sertoli-Zell-Funktion, nicht für spätere Spermienzahlen.

Rajagukguk et al. 2026: Hormon- plus Operationstherapie gegenüber alleiniger Operation, Metaanalyse [s37]. Titel: „Impact of hormonal and surgical interventions versus surgery alone on fertility potential in undescended testes: A systematic review and meta-analysis.“ (Journal of pediatric urology, 2026). Neun Studien mit 652 Patienten. Mehr Spermatogonien je Tubulus mit kombinierter Therapie (Mittelwertdifferenz 0,23; 95-%-KI 0,07 bis 0,38; p = 0,003), ausgeprägter bei beidseitigem Hodenhochstand (0,35; 0,17 bis 0,53); keine Verbesserung bei Spermienzahl, Inhibin B oder Testosteron; FSH etwas niedriger (−0,77 IE/l; −1,29 bis −0,26). Die Autoren sehen keinen klaren Langzeitnutzen und fordern Studien mit Spermienzahl und Vaterschaft als Endpunkten.

Hadziselimovic 2024: Standpunktartikel zur hormonellen Behandlung des Hodenhochstands [s97]. Titel: „Advocating hormonal treatment to prevent adult in-fertility in patients diagnosed with congenital un-descended testes.“ (International braz j urol : official journal of the Brazilian Society of Urology, 2024). Übersicht aus der Sicht des Autors: Der nordische Konsens von 2007 habe die Hormonbehandlung wegen schlechter Sofortergebnisse und möglicher Nebenwirkungen verworfen; der Autor hält dagegen, dass eine gestörte Minipubertät eine der häufigsten Ursachen nichtobstruktiver Azoospermie bei Hodenhochstand sei und GnRH-Agonisten nach der Operation Unfruchtbarkeit verhindern könnten, und er hält die Hitzetheorie für nicht überzeugend belegt. Argumentierende Übersicht ohne neue Daten im Abstract; sie steht im Gegensatz zur Metaanalyse von Rajagukguk et al. [s37].

Qin et al. 2025: Spermiengewinnung und ICSI-Ergebnisse bei Azoospermie nach Orchidopexie, Metaanalyse (Wuhan) [s73]. Titel: „Sperm recovery and ICSI outcomes in non-obstructive azoospermia with cryptorchidism treated by orchiopexy: a systematic review and meta-analysis.“ (Reproductive biomedicine online, 2025). 23 Artikel mit 1.496 Patienten mit nichtobstruktiver Azoospermie und Orchidopexie. Gesamte Spermiengewinnungsrate pro TESE-Zyklus 60,9 % (95-%-KI 55,7 bis 66,2 %); klinische Schwangerschaftsrate pro ICSI-Zyklus 37,6 % (29,1 bis 46,1 %; 913 Zyklen) und Lebendgeburtenrate 32,6 % (24,9 bis 40,4 %; 799 Zyklen). Alter bei TESE und Orchidopexie, Hodenvolumen, FSH, LH und Testosteron beeinflussten die Gewinnungsrate nicht; es wurden keine wirksamen Prädiktoren gefunden.

He et al. 2024: mikrochirurgische TESE nach Orchidopexie, Metaanalyse (Fujian) [s99]. Titel: „Microdissection testicular sperm extraction outcomes in azoospermic patients post-orchidopexy surgery: A systematic review and meta-analysis.“ (PloS one, 2024). Neun Studien mit 935 Patienten; Gesamtgewinnungsrate 57 % (95-%-KI 51 bis 63 %). Bei erfolgreicher Gewinnung war die Orchidopexie in jüngerem Alter erfolgt (−3,35 Jahre; −6,34 bis −0,36) und die Mikro-TESE in höherem Alter (1,81 Jahre; 1,17 bis 2,45); die Lage des Hodens (hoch skrotal, Leistenkanal, intraabdominell) beeinflusste die Rate (p < 0,05); Hormone und Hodenvolumen nicht. Das Intervall von der Orchidopexie bis zur Mikro-TESE war bei erfolgloser Gewinnung kürzer (34,09 Monate; 0,40 bis 67,77). Die Autoren raten zu möglichst früher Orchidopexie und mahnen, bei spät erkanntem Hodenhochstand nicht unmittelbar nach der Orchidopexie die Mikro-TESE durchzuführen (Aussagen der Autoren).

Kim et al. 2023: Azoospermie nach Orchidopexie und TESE, Metaanalyse (Seoul) [s128]. Titel: „Azoospermic Men with a History of Cryptorchidism Treated by Orchiopexy Have Favorable Outcomes after Testicular Sperm Extraction: A Systematic Review and Meta-Analysis.“ (The world journal of men's health, 2023). 13 Studien (1995 bis 2021) mit Orchidopexie in der Vorgeschichte und Azoospermie. Gesamtgewinnungsrate 63,3 % (95-%-KI 57,6 bis 68,6 %; I² = 62,4 %), klinische Schwangerschaftsrate 30,1 % (22,6 bis 38,8 %; I² = 69,9 %). Kein Unterschied zwischen beidseitiger und einseitiger Orchidopexie (RR 1,02; 0,89 bis 1,16; p = 0,79); Orchidopexie vor dem Alter von 10 Jahren erhöhte die Gewinnungsrate (RR 1,25; 1,06 bis 1,47; p = 0,008); die Rate lag höher als bei idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie (RR 1,90; 1,40 bis 2,58; p < 0,0001). Schwächen: nur Beobachtungsstudien, mäßige bis erhebliche Heterogenität, Spermiengewinnung und Operationsalter nicht kausal zu deuten.

Widerspruch innerhalb der drei TESE-Metaanalysen [s73, s99, s128]. Kim et al. und He et al. finden einen Vorteil früher Orchidopexie auf die Gewinnungsrate, Qin et al. keinen Einfluss des Operationsalters. Die Metaanalysen schließen teilweise dieselben Primärstudien ein, wählen aber unterschiedliche Vergleiche (Alterschwelle 10 Jahre gegenüber stetigem Alter); die Abstracts erklären den Unterschied nicht. Auch bei der Seitigkeit besteht eine Spannung: Kim et al. finden bei der Gewinnungsrate keinen Unterschied zwischen beidseitiger und einseitiger Orchidopexie, während die Einzelstudie von Ismaeil et al. [s17] 40 gegenüber 17,9 % berichtet (siehe Beobachtungsteil).

Li et al. 2018: Metaanalyse zu Prädiktoren der Spermiengewinnung bei Mikro-TESE (Wuhan) [s212]. Titel: „Predictive value of FSH, testicular volume, and histopathological findings for the sperm retrieval rate of microdissection TESE in nonobstructive azoospermia: a meta-analysis“ (Asian journal of andrology, 2018). 21 Artikel zur Vorhersage der Gewinnungsrate bei nichtobstruktiver Azoospermie (nicht auf Hodenhochstand beschränkt). Flächen unter der zusammenfassenden ROC-Kurve: FSH 0,6119, Hodenvolumen 0,6389, Hypospermatogenese 0,6758, Reifungsstopp 0,5535, Sertoli-Zell-Only 0,2763. Diagnostische Odds-Verhältnisse: Hodenvolumen 1,98, Hypospermatogenese 16,49, Reifungsstopp 1,26; Sensitivität 0,80, 0,30 und 0,27, Spezifität 0,35, 0,98 und 0,76. Alle Faktoren hätten begrenzten Vorhersagewert; die Histologie helfe etwas. Die Fläche für Sertoli-Zell-Only liegt unter 0,5 und wird im Abstract nicht erklärt.

Florou et al. 2023: Orchidopexie im Kindes- und Jugendalter und Hodenkrebs, Metaanalyse [s124]. Titel: „Orchidopexy for congenital cryptorchidism in childhood and adolescence and testicular cancer in adults: an updated systematic review and meta-analysis of observational studies.“ (European journal of pediatrics, 2023). Sechs Studien (drei Fall-Kontroll, drei Kohorten) mit 371.681 Patienten und 1.786 Hodentumoren; gepoolte OR 3,99 (95-%-KI 2,80 bis 5,71; I² = 51 %). Die Orchidopexie im ersten Lebensjahr verhindere Hodenschäden und senke das Gesamtkrebsrisiko (Aussage der Autoren). Dies betrifft das Tumorrisiko, nicht die Samenqualität.

Deutsch- und französischsprachige Übersichten [s302, s241, s315]. Titel: „Hodenhochstand und Infertilität unter besonderer Berücksichtigung der interdisziplinären Leitlinie.“ (Der Urologe. Ausg. A, 2011). Mathers et al. 2011 [s302] (Der Urologe A, deutsch): Hodenhochstand betreffe bis zu einem Drittel der Frühgeborenen und 2 bis 5 % der Reifgeborenen; nach drei Monaten sinke die Häufigkeit auf 1 bis 2 %; nach den meisten Studien sei ein Abwarten nach sechs Monaten nicht gerechtfertigt; sicher sei nur, dass etwa 90 % der unbehandelten Männer mit beidseitigem Hodenhochstand eine Azoospermie entwickeln, bei den übrigen Konstellationen seien Fruchtbarkeit und Vaterschaftswahrscheinlichkeit nicht vorhersehbar. Dies ist die einzige deutsche Quelle mit explizitem Bezug zur interdisziplinären Leitlinie. Titel: „Hodenhochstand und Fertilität.“ (Der Urologe. Ausg. A, 2016). Rübben 2016 [s241] (Der Urologe A, deutsch): Azoospermie bei etwa 10 % der Männer mit einseitigem und etwa 32 % mit beidseitigem Hodenhochstand; etwa 10 bis 20 % der Männer mit diagnostizierter Infertilität hätten eine Orchidopexie in der Vorgeschichte; der Abstract nennt die Fragestellung (welche Faktoren im ersten Lebensjahr die spätere Spermatogenese bestimmen), keine Antwort. Titel: „Cryptorchidie: de la physiopathologie à l'infertilité. (Kryptorchismus: von der Pathophysiologie zur Infertilität)“ (Gynecologie, obstetrique & fertilite, 2010). Robin et al. 2010 [s315] (französischsprachig): narrative Übersicht; der Hodenhochstand sei der am besten charakterisierte Risikofaktor für verminderte Fruchtbarkeit und Hodenkrebs; hormonelle, genetische und Umweltfaktoren kämen als Ursachen in Frage; keine Zahlen.

Japanische und chinesische erzählende Übersichten [s333, s245, s27, s77]. Titel: „Future treatment strategies for cryptorchidism to improve spermatogenesis“ (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 2007). Kojima et al. 2007 [s333] (Nagoya, japanischsprachig): Orchidopexie fördere die Fruchtbarkeit, garantiere aber bei beidseitigem Hodenhochstand nicht die spätere Vaterschaft; die Vaterschaft sei bei früherem beidseitigem, nicht aber einseitigem Hodenhochstand gegenüber Kontrollen signifikant vermindert; nach eigenen Ergebnissen sei bei etwa 20 % der pubertären Jungen nach Orchidopexie auch mit Hodenspermiengewinnung und ICSI kein Spermiennachweis im Hoden zu erwarten; die Autoren empfehlen kein Abwarten bei beidseitiger Orchidopexie in der Kindheit, besonders bei erhöhtem FSH und kleinem Hodenvolumen, und diskutieren Wachstumsfaktor-, Gen- und Stammzelltherapien als Zukunftsoptionen (Aussagen der Autoren). Titel: „Individualized Treatment Guidelines for Postpubertal Cryptorchidism“ (The world journal of men's health, 2015). Chung und Lee 2015 [s245] (Pusan): narrative Übersicht mit einem vorgeschlagenen individualisierten Behandlungsablauf für den postpubertären Hodenhochstand, erwähnt das erhöhte Tumorrisiko und die Abwägung gegen Orchiektomie; keine Zahlen. Titel: „Cryptorchidism and infertility: what do we know so far?“ (Asian journal of andrology, 2026). Übersicht aus Jinan [s27]: Der Hodenhochstand schädige über erhöhte Temperatur und Druck, Apoptose von Keim- und Sertoli-Zellen, gestörte Hypothalamus-Hypophysen-Achse, oxidativen Stress, Antispermien-Antikörper und Verlust von Ad-Spermatogonien; unilaterale Fälle könnten über eine Nervenverletzung den Gegenhoden beeinflussen. Titel: „The timing of cryptorchidism surgery: analysis of the contradiction between guideline consensus and clinical practice implementation“ (Pediatric surgery international, 2025). Übersicht aus Chongqing [s77]: Die Leitlinien empfehlen die Hodenfixation innerhalb von 6 bis 18 Monaten, viele Kinder würden später operiert; Gründe seien Ethnie, Begleitfehlbildungen, wirtschaftlicher Status und Stadium.

Einordnung der Übersichten zum Hodenhochstand. Übereinstimmend zeigen die Zusammenfassungen: Nach beidseitigem Hodenhochstand ist die Samenqualität deutlich schlechter als nach einseitigem (Azoospermie OR 2,3; 95-%-KI 1,57 bis 3,37 [s55]; Vaterschaft in fünf von sechs Studien höher nach einseitigem Befund [s63]). Unklar ist, ob die Operation vor dem 12. Lebensmonat die Hodenatrophie senkt (OR 1,05; 0,49 bis 2,23 [s64]); für Spermienzahlen oder Vaterschaft fehlen randomisierte oder gut kontrollierte Studien. Keine Übersicht in dieser Auswahl vergleicht Operierte mit nicht operierten Männern. Die Gewissheit ist für den Unterschied zwischen beidseitigem und einseitigem Hodenhochstand mäßig, für den Nutzen früher Operation niedrig.

Hodentorsion

Nasr et al. 2026: Orchidopexie gegenüber Orchiektomie bei Hodentorsion, Metaanalyse [s33]. Titel: „Gonadal function and fertility outcomes after orchiopexy versus orchiectomy for testicular torsion: A systematic review and meta-analysis.“ (Journal of pediatric surgery, 2026). PRISMA, mehrere Datenbanken, Newcastle-Ottawa-Skala, GRADE, Zufallseffektemodell; elf Studien mit 538 Teilnehmenden (197 Orchiektomie, 341 Orchidopexie). Nach Orchiektomie waren FSH (standardisierte Mittelwertdifferenz 1,63; p < 0,0001) und LH (1,31; p < 0,0001) höher; Testosteron (Mittelwertdifferenz 0,31 ng/ml; p = 0,4) und Inhibin B (−0,14; p = 0,87) waren vergleichbar. Die Spermienkonzentration war nach Orchiektomie niedriger (−18 Mio./ml; p = 0,01), nicht aber Spermiengesamtzahl (13,9 Mio.; p = 0,43), Normalform (4,97 %; p = 0,12) und Gesamtbeweglichkeit (4,05 %; p = 0,49). Die gepoolte Rate ipsilateraler Atrophie nach Orchidopexie lag bei 38 %, vermutlich abhängig von der Ischämiedauer. Die Autoren folgern, dass die Wahl des Eingriffs den Hormonhaushalt und die meisten Samenparameter nicht wesentlich beeinflusse, und betonen fehlende verlässliche Vaterschaftsdaten. Stärken: breite Datenbanksuche, Bewertung der Evidenzgewissheit. Schwächen: Konfidenzintervalle und Heterogenität stehen nicht im Abstract; die Gruppen sind nicht randomisiert, und die Orchiektomie erfolgt bei schwerer Schädigung, sodass die Gruppen nicht vergleichbar sind; die Zahl der Männer mit Samenanalyse je Gruppe wird nicht genannt.

Übersichten zu Fixationsmethoden und Pathophysiologie [s117, s306]. Titel: „Современные подходы к фиксации яичка после устранения внутриоболочечной тестикулярной торсии (Moderne Ansätze zur Fixation des Hodens nach Beseitigung der intravaginalen Hodentorsion)“ (Экспериментальная и клиническая урология, 2024). Sablin et al. 2024 [s117] (russisch): Übersicht über 43 Quellen (PubMed und eLibrary) zu Fixationsmethoden nach Torsion; in jedem dritten Fall werde der gedrehte Hoden für nicht lebensfähig gehalten und entfernt; vier Gruppen von Methoden (Knotennähte ohne Hüllmodellierung; Fenestrierung, Umstülpung oder Resektion der Hodenhülle; Dartos-Tasche; exotische Verfahren); die Anomalie vom Typ „Glockenklöppel“ finde sich in der Mehrzahl der Fälle; die Autoren stellen fest, dass es zu den Methoden sehr wenige Analysen gibt. Titel: „Inverted testis: pathogenesis, diagnostics, treatment (Hodentorsion: Pathogenese, Diagnostik, Behandlung)“ (Сибирское медицинское обозрение, 2011). Belyj 2011 [s306] (russisch): Übersicht zu Pathogenese, Ischämie-Reperfusionsschaden, Ultraschall- und Szintigraphiekriterien, kritischer Bewertung der manuellen Detorsion und Prinzipien der Operation. Beide ohne eigene Zahlen.

Einordnung. Für die Torsion liegt genau eine Metaanalyse vor [s33]. Sie spricht für gleichwertige Hormonwerte (bis auf FSH und LH) und die meisten Samenparameter nach beiden Verfahren, mit niedrigerer Spermienkonzentration nach Orchiektomie; Vaterschaftsdaten fehlen. Die Gewissheit ist niedrig.

Hodenentfernung bei Tumor und weitere Operationen am Hoden

Die Literatur zu Hodentumoren und Fruchtbarkeit ist Gegenstand eines eigenen Themas dieser Website (Krebs und Fruchtbarkeit) und wird hier nur gestreift.

Pape et al. 2025: onkologische Behandlungen und Fruchtbarkeitsprognose, Metaanalyse [s72]. Titel: „Oncological treatments have limited effects on the fertility prognosis in testicular cancer: A systematic review and meta-analysis.“ (Andrology, 2025). 30 Studien mit 13.718 Männern nach einseitigem Hodenkrebs in der qualitativen und 23 in der quantitativen Synthese. Gepoolte Infertilitätsprävalenz 14 % (95-%-KI 9 bis 21 %), Azoospermie 8 % (6 bis 12 %); bei Patienten mit guter Prognose und Standardtherapie 4 % (2 bis 10 %). Die Studie bezieht sich auf Therapien nach der Orchiektomie, nicht auf den Eingriff allein.

Weitere Übersichten zu Hodentumor und Fruchtbarkeit [s221, s198, s62, s66, s15]. Titel: „Fertility preservation of patients with testicular cancer“ (Reproductive medicine and biology, 2017). Hirosaki 2017 [s221]: Chemo- und Strahlentherapie schädigen die Spermatogenese, die retroperitoneale Lymphknotenausräumung die Ejakulation; Hodenspermiengewinnung nach Chemotherapie könne gelingen; gelagerte Spermien würden selten (8 %) genutzt, die Konzeptionsraten bei Nutzung seien nicht schlechter. Titel: „Impacts of treatments of testicular tumor on the sexual and reproductive functions of the patients“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2019). Shanxi 2019 [s198] (chinesischsprachig): beschreibt Mechanismen therapiebedingter Veränderungen der Sexual- und Fortpflanzungsfunktion bei Hodentumor. Titel: „Best evidence summary for the fertility management in testicular cancer patients“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2025). Changsha 2025 [s62] (chinesischsprachig): Evidenzzusammenfassung aus 21 Dokumenten (4 klinische Entscheidungen, 8 Leitlinien, 4 Expertenkonsense, 3 systematische Übersichten, 2 Metaanalysen) mit 33 Evidenzaussagen in sechs Bereichen (Fruchtbarkeitsbeurteilung, Beratung, Zeitpunkt und Verfahren der Fertilitätserhaltung, Antitumortherapie und Fertilität, Zeitpunkt der Empfängnisverhütung). Titel: „Microdissection testicular sperm extraction for men with nonobstructive azoospermia who have a testicular tumor in situ at the time of sperm retrieval“ (Asian journal of andrology, 2025). Peking 2025 [s66]: Übersicht zur Onko-Mikro-TESE bei nichtobstruktiver Azoospermie und gleichzeitigem Hodentumor (Technik, Erfolgsfaktoren, bildgebende Hilfen, ethische Abwägung) ohne Zahlenangaben im Abstract. Titel: „Testiskanseri hastalarında fertilitenin korunması: Mevcut durum ve klinik zorluklar (Fertilitätserhalt bei Patienten mit Hodenkrebs: aktueller Stand und klinische Herausforderungen)“ (Androloji Bülteni, 2026). Taşkapu et al. 2026 [s15] (türkisch, englische Zusammenfassung): erzählende Übersicht zum Fertilitätserhalt bei Hodenkrebs; der Hodenkrebs sei die häufigste solide Krebserkrankung bei 15- bis 44-jährigen Männern; radikale inguinale Orchiektomie, Chemotherapie und Bestrahlung könnten bis zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führen; Kryokonservierung sei der wichtigste Weg, werde aber nur bei etwa 30 bis 40 % der Patienten genutzt; Hindernisse bestünden auf Seite von Ärzten und Patienten sowie wirtschaftlich und soziokulturell.

Nebenhodenzysten und Samenwege [s206]. Titel: „Современный взгляд на лечение кист придатка яичка как фактора обструктивной азооспермии (Moderner Blick auf die Behandlung von Nebenhodenzysten als Faktor der obstruktiven Azoospermie)“ (Вестник урологии, 2019). Sarkisjan und Winogradow 2019 [s206] (russisch): Literaturübersicht zu Nebenhodenzysten als Ursache der obstruktiven Azoospermie; minimalinvasive Verfahren wie die Sklerotherapie seien den traditionellen Operationen an Wirksamkeit und Sicherheit nicht unterlegen; Daten zum Einfluss auf die Fruchtbarkeit fehlten praktisch.

Varikozelenoperation (Exkurs)

Die Varikozelenoperation hat eine sehr große Literatur (Hunderte Treffer, viele kleine Studien). Hier werden die Metaanalysen und Übersichten dargestellt, die in der Quellenliste geführt werden; eine vollständige Aufarbeitung gehört in ein eigenes Thema. Für die Metaanalysen gilt: Sie fassen überwiegend Beobachtungsstudien zusammen.

Persad et al. 2021: Cochrane-Übersicht, operative oder radiologische Behandlung der Varikozele bei subfertilen Männern [s171]. Titel: „Surgical or radiological treatment for varicoceles in subfertile men.“ (The Cochrane database of systematic reviews, 2021). 48 randomisierte Studien mit 5.384 Teilnehmenden (Suche am 4. April 2020; GRADE). Behandlung gegenüber keiner oder verzögerter Behandlung: Lebendgeburt unklar (RR 2,27; 95-%-KI 0,19 bis 26,93; 2 Studien, n = 204; I² = 74 %; sehr niedrige Sicherheit); Schwangerschaft möglicherweise erhöht (RR 1,55; 1,06 bis 2,26; 13 Studien, n = 1.193; I² = 65 %; niedrige Sicherheit; 21 % Schwangerschaftschance bei keiner oder verzögerter Behandlung, 22 bis 48 % nach Behandlung). Operativ gegenüber radiologisch: Schwangerschaft RR 1,13 (0,75 bis 1,70; 5 Studien, n = 456; niedrige Sicherheit), Rezidiv RR 1,31 (0,82 bis 2,08; 3 Studien, n = 380). Mikroskopische subinguinale Operation gegenüber anderen Verfahren: Schwangerschaft RR 1,18 (1,02 bis 1,36; 12 Studien, n = 1.473; mäßige Sicherheit), Rezidiv RR 0,48 (0,29 bis 0,79; 14 Studien, n = 1.565; mäßige Sicherheit). Samenparameter sind keine Hauptendpunkte dieser Cochrane-Übersicht; sie berichtet Lebendgeburt, Schwangerschaft, Nebenwirkungen und Rezidive. Die Autoren sehen die Evidenz als begrenzt und fordern Studien mit Lebendgeburt als Endpunkt.

Agarwal et al. 2023: Auswirkung der Varikozelenkorrektur auf Samenparameter im Vergleich zu unbehandelten Kontrollen, Metaanalyse [s119]. Titel: „Impact of Varicocele Repair on Semen Parameters in Infertile Men: A Systematic Review and Meta-Analysis.“ (The world journal of men's health, 2023). 16 Studien mit 2.420 infertilen Männern mit klinischer Varikozele (1.424 behandelt, 996 unbehandelt). Standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) für Spermienkonzentration 1,739 (95-%-KI 1,129 bis 2,349; I² = 97,6 %), Gesamtspermienzahl 1,894 (0,566 bis 3,222; I² = 97,8 %), progressive Beweglichkeit 3,301 (2,164 bis 4,437; I² = 98,5 %), Gesamtbeweglichkeit 0,887 (0,036 bis 1,738; I² = 97,3 %), Normalform 1,673 (0,876 bis 2,470; I² = 98,5 %); Samenvolumen ohne Unterschied (SMD 0,313; −0,242 bis 0,868). Publikationsbias für Konzentration und progressive Beweglichkeit. Die Autoren sprechen von „hoher Evidenz“; die Heterogenität (I² um 98 %) und die überwiegend nicht randomisierten Primärstudien sprechen für Zurückhaltung bei dieser Bewertung.

Baazeem et al. 2011: Metaanalyse und Übersicht der Varikozelenkorrektur [s298]. Titel: „Varicocele and male factor infertility treatment: a new meta-analysis and review of the role of varicocele repair.“ (European urology, 2011). Vier randomisierte Studien zur Schwangerschaft bei Oligozoospermie: gepooltes OR 2,23 (95-%-KI 0,86 bis 5,78; p = 0,091), nicht signifikant. Prospektive Vorher-Nachher-Studien: Spermienkonzentration +12,32 Mio./ml (9,45 bis 15,19; p < 0,0001; 22 Studien), Gesamtbeweglichkeit +10,86 % (7,07 bis 14,65; 17 Studien), progressive Beweglichkeit +9,69 % (4,86 bis 14,52; p = 0,003; 5 Studien). Die Autoren schließen, ein Beleg für höhere Spontanschwangerschaftsraten sei nicht schlüssig, die Samenparameter besserten sich aber. Vorher-Nachher-Daten ohne Kontrollgruppe sind für die Regression zur Mitte anfällig.

Zhou et al. 2015: Metaanalyse zur Varikozelenoperation bei Jugendlichen (China) [s255]. Titel: „Effect of varicocelectomy on testis volume and semen parameters in adolescents: a meta-analysis“ (Asian journal of andrology, 2015). Sieben Studien (randomisierte und nicht randomisierte). Der mittlere Hodenvolumenunterschied zwischen Operation und Beobachtung betrug 2,9 ml (95-%-KI 0,6 bis 5,2) auf der Varikozelenseite und 1,5 ml (0,3 bis 2,7) auf der gesunden Seite (p < 0,05); bei den Samenparametern ergaben sich keine signifikanten Unterschiede (Konzentration 13,7 × 10⁶/ml, −1,4 bis 28,8, p = 0,075; Gesamtbeweglichkeit 2,5 %, −3,6 bis 8,6, p = 0,424; normale Morphologie 2,9 %, −3,0 bis 8,7, p = 0,336). Die Autoren fordern gut geplante randomisierte Studien.

Metaanalysen aus dem Netzwerk des Global Andrology Forum und verwandte Arbeiten [s36, s53, s70, s38, s02, s150]. Titel: „Sperm DNA Fragmentation in Men with Varicocele: A Systematic Review and Meta-Analysis“ (The world journal of men's health, 2026). [s36] (40 Studien eingeschlossen, 35 in der quantitativen Synthese; Spermien-DNA-Fragmentierung bei Varikozele): höhere Fragmentierung (Mittelwertdifferenz 15,34; 95-%-KI 9,74 bis 20,9; p < 0,001), niedrigere Konzentration (−29 Mio./ml; −37 bis −21), niedrigere Gesamtzahl (−188 Mio.; −325 bis −52; p = 0,007), geringere Vitalität (−5,7 %; −8,6 bis −2,8), Gesamtbeweglichkeit (−17 %; −29,0 bis −5,3; p = 0,004), progressive Beweglichkeit (−17 %; −23 bis −11) und normale Formen (−3,1 %; −4,3 bis −1,8); Volumen und Gesamtzahl beweglicher Spermien unterschieden sich nicht (−113 Mio.; −244,0 bis 18,1; p = 0,09). Titel: „Impact of Varicocele on Reproductive Hormones in Men: A Systematic Review and Meta-Analysis“ (The world journal of men's health, 2026). [s53] (32 Studien; Hormone, Hodenvolumen und Samen bei Varikozele gegenüber Männern ohne): FSH +2,18 IU/l (1,37 bis 2,99), LH +0,63 (0,08 bis 1,17; p = 0,02), Gesamttestosteron −0,71 ng/ml (−1,20 bis −0,23; p = 0,004); Hodenvolumen rechts −1,40 ml (−2,69 bis −0,12) und links −2,97 ml (−4,03 bis −1,91); Konzentration −34,72 Mio./ml (−48,41 bis −21,03), Beweglichkeit −20,62 % (−29,69 bis −11,55), Vitalität −14,75 % (−24,60 bis −4,90), normale Form −10,15 % (−16,53 bis −3,78). Titel: „Impact of Varicocele Repair on Assisted Reproductive Technique Outcomes in Infertile Men: A Systematic Review and Meta-Analysis“ (The world journal of men's health, 2025). [s70] (Varikozelektomie vor assistierter Fortpflanzung; 9 Beobachtungsstudien aus 1.554 Artikeln): intrauterine Insemination, klinische Schwangerschaft OR 1,01 (0,42 bis 2,45); ICSI: Befruchtungsrate +10,9 (5,94 bis 15,89), klinische Schwangerschaft OR 1,38 (1,07 bis 1,78), Lebendgeburt OR 2,07 (1,45 bis 2,97). Titel: „Impact of Intraoperative Doppler Ultrasound on Outcomes of Microsurgical Subinguinal Varicocelectomy: A Systematic Review and Meta-Analysis“ (The world journal of men's health, 2026). [s38] (intraoperativer Doppler bei mikrochirurgischer Operation; 7 Studien, 1.044 Patienten; russische Erstautoren): progressive Beweglichkeit +12,10 % (3,47 bis 20,72; p = 0,006); Operationszeit einseitig −5,90 min (−9,78 bis −2,02); erhaltene Arterien +0,44 (0,32 bis 0,57); mehr unterbundene Venen +1,06 (0,80 bis 1,33); keine Unterschiede bei Konzentration, Form, Schwangerschaft, Rezidiv, Hydrozele und Atrophie. Titel: „Effect of Varicocelectomy on Testosterone Parameters in Hypogonadism: A Systematic Review and Meta-Analysis“ (The world journal of men's health, 2026). Aboukhshaba et al. 2026 [s02] (Testosteron nach Varikozelektomie bei Hypogonadismus; 18 Studien, 1.225 Patienten): Testosteron +113,87 ng/dl (103 bis 124,75; p < 0,00001), Erektionswert +3,25 (1,49 bis 5,01); LH −0,28 mIU/ml (p = 0,04). Titel: „Effect of redo varicocelectomy on semen parameters and pregnancy outcome: An original report and meta-analysis“ (Andrologia, 2022). [s150] (Wiederholungsoperation bei Rezidiv; eigene Serie mit 32 Patienten plus 7 Studien): Konzentration +20,281 Mio./ml, Gesamtbeweglichkeit +9,659 %, Zahl beweglicher Spermien +23,258 Mio. und normale Form +4,460 % (jeweils p ≤ 0,001); Schwangerschaftsrate 34,6 %; keine Hormonänderung. Die Zusammenfassungen nennen keine Heterogenität.

Systematische Übersicht aus Russland [s133]. Titel: „Predictors of microsurgical varicocelectomy efficacy in male infertility treatment: critical assessment and systematization“ (Asian journal of andrology, 2023). Schomarufow et al. 2023 [s133]: Gesamtzahl beweglicher Spermien plus Konzentration vor der Operation seien die wichtigsten Prädiktoren; für die Samenverbesserung kämen auch Doppler-Parameter, der DNA-Fragmentierungsindex und die beidseitige Operation hinzu. Keine Effektschätzer im Abstract.

Einordnung. Cochrane-Übersicht, Metaanalysen und Beobachtungsserien kommen zu unterschiedlich starken Aussagen: Die Cochrane-Übersicht sieht eine möglicherweise erhöhte Schwangerschaftsrate bei niedriger Sicherheit und kann zur Lebendgeburt nichts sagen [s171]; die Metaanalyse von Agarwal et al. findet große Verbesserungen aller Samenparameter bei hoher Heterogenität [s119]; die Vorher-Nachher-Analyse von Baazeem et al. findet verbesserte Samenparameter, aber keinen schlüssigen Beleg für höhere Spontanschwangerschaftsraten [s298]. Bei Jugendlichen zeigt die Metaanalyse nur beim Hodenvolumen, nicht bei den Samenparametern signifikante Unterschiede [s255].

Gesamteinordnung der Übersichten

Am besten belegt sind drei Befunde: (1) Nach Vasektomie wird die Azoospermie bei den meisten nach etwa drei Monaten und 20 Ejakulationen erreicht, bei einem Teil dauert es länger [s340]. (2) Nach Refertilisierung sind Spermien im Ejakulat bei etwa 85 bis 90 % nachweisbar, die Schwangerschaftsrate liegt in der Metaanalyse bei 73 % (gewichtet) [s247], die Spermienparameter bleiben oft unter den WHO-Normwerten (siehe Beobachtungsteil [s225]). (3) Beidseitiger Hodenhochstand geht mit deutlich schlechterer Samenqualität einher als einseitiger (OR für Azoospermie 2,3 [s55]). Dünn oder widersprüchlich sind: Hypospadie (keine Metaanalyse zur Samenqualität), Leistenbruch (Übersichten stützen sich auf kleine, kurz beobachtete Studien; der seltene Samenleiterverschluss ist nur als Fallserie belegt), Hodentorsion (eine Metaanalyse mit niedriger Gewissheit) und die Hodenspermiengewinnung nach Hodenhochstand (drei Metaanalysen, die sich beim Einfluss des Operationsalters widersprechen).

Alle Kapitel und Anhänge (35)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Hypospadie bis Refertilisierung nach Vasektomie (Vasovasostomie und Vasoepididymostomie)
  5. Hodenhochstand und Orchidopexie bis Gesamteinordnung der Übersichten
  6. Hypospadie
  7. Erwachsene: randomisierte Studien und prospektive Kohorten mit Samenanalyse bis Kinder: Hodenatrophie, Technikvergleiche, Langzeitbefunde
  8. Tierversuche zu Netz, Naht und Samenstrang und Einordnung der Beobachtungsstudien zum Leistenbruch
  9. Vasektomie
  10. Refertilisierung nach Vasektomie: Vasovasostomie
  11. Vasoepididymostomie und Rekonstruktion bei Nebenhodenverschluss
  12. Samenqualität und Vaterschaft im Erwachsenenalter nach Orchidopexie bis Spermiengewinnung bei nichtobstruktiver Azoospermie nach Hodenhochstand
  13. Operationsalter in der Versorgungsrealität und Einordnung der Beobachtungsstudien zum Hodenhochstand
  14. Hodentorsion bis Hydrozele, Nebenhodenzysten, Zirkumzision und Prostataoperation
  15. Varikozelenoperation: Einzelstudien bis Gesamteinordnung der Beobachtungsstudien
  16. Leitlinien und Konsensdokumente und Hypospadie
  17. Leistenbruchoperation und Vasektomie
  18. Refertilisierung nach Vasektomie (Vasovasostomie, Vasoepididymostomie) und Hodenoperationen: Orchidopexie bei Hodenhochstand
  19. Hodenoperationen: Hodentorsion und Hodenentfernung bei Tumor, Hodentrauma und weitere Eingriffe (Querverweise)
  20. Mechanismen und biologische Plausibilität
  21. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  22. Englisch bis Japanisch
  23. Koreanisch bis Türkisch
  24. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  25. Limitationen der Evidenz
  26. Offene Forschungsfragen
  27. Praktische Einordnung
  28. Glossar
  29. Quellenverzeichnis (Teil 1 von 3)
  30. Quellenverzeichnis (Teil 2 von 3)
  31. Quellenverzeichnis (Teil 3 von 3)
  32. Diagramme
  33. Quellen s01–s197
  34. Quellen s198–s393
  35. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle