Der Hodenhochstand ist das Thema mit der größten Zahl direkter Samenbefunde, überwiegend aus retrospektiven Serien. Gemeinsames Muster: Auch nach operativer Verlagerung bleibt die Hodengröße oft kleiner, und Samenstörungen sind häufig; Aussagen zum Zeitpunkt der Operation sind nur teilweise belegt. Keine Studie in dieser Auswahl vergleicht Operierte mit nicht operierten Männern.
Samenqualität und Vaterschaft im Erwachsenenalter nach Orchidopexie
Lee et al. 2001: Fruchtbarkeit nach beidseitigem Hodenhochstand (Pittsburgh, USA) [s359]. Titel: „Fertility after bilateral cryptorchidism. Evaluation by paternity, hormone, and semen data.“ (Hormone research, 2001). Kohorte mit Fragebogen und einer Untergruppe mit Untersuchung, Hormonen und Samenanalyse; Operationen 1955 bis 1975. Vaterschaftsraten unter denen, die versucht hatten, Kinder zu zeugen: 65,3 % bei früher beidseitig, 89,7 % bei früher einseitig (p < 0,001) und 93,2 % bei Kontrollen (p < 0,001). Die beidseitige Gruppe hatte signifikant niedrigere Spermiendichte und Inhibin-B-Werte und höhere FSH- und LH-Werte. Stärke: Vaterschaft als harter Endpunkt und eine Kontrollgruppe. Schwäche: Operationen vor Jahrzehnten, spätere Operationsalter als heute.
Cortes et al. 2001: Fruchtbarkeit und Neoplasien bei 1.335 Jungen mit Biopsie bei der Operation (Dänemark) [s357]. Titel: „Cryptorchidism: aspects of fertility and neoplasms. A study including data of 1,335 consecutive boys who underwent testicular biopsy simultaneously with surgery for cryptorchidism.“ (Hormone research, 2001). Biopsien (1.638 Präparate) bei der Orchidopexie. Keimzellen fehlten ab dem Alter von 18 Monaten; bei 30 % (61 von 202) der beidseitigen und 18 % (88 von 496) der einseitigen Fälle, mit zunehmender Häufigkeit mit dem Alter. Bei den 140 inzwischen Erwachsenen: normale Spermienzahl bei 19 % (14 von 75) nach beidseitiger und 83 % (54 von 65) nach einseitiger Orchidopexie; Verdacht auf Unfruchtbarkeit bei 56 % (42 von 75) bzw. 8 % (5 von 65) (jeweils p < 0,00005). Die Spermatogonienzahl pro Tubulus bei der Operation war mit der späteren Spermienzahl verknüpft, bei den früher beidseitigen Fällen, nicht bei einseitigen (p = 1,0). Das Risiko für Infertilität bei fehlenden Keimzellen lag bei 78 bis 100 % (beidseitig) und 33 % (einseitig). Neoplasierisiko 5 % (7 von 150) bei intraabdominellem Hoden, abnormen äußeren Genitalien oder bekanntem abnormen Karyotyp, gegenüber 0 % (0 von 1.185) ohne diese Merkmale. Die Autoren empfehlen eine Operation vor dem Alter von 15 bis 18 Monaten (Schlussfolgerung der Autoren).
Trsinar et al. 2009: Fruchtbarkeitspotenzial nach einseitiger und beidseitiger Orchidopexie (Slowenien) [s321]. Titel: „Fertility potential after unilateral and bilateral orchidopexy for cryptorchidism.“ (World journal of urology, 2009). 68 Männer (25 bis 30 Jahre), 49 einseitig operiert. Nach beidseitiger gegenüber einseitiger Orchidopexie: verminderte Spermienkonzentration (p = 0,047), Beweglichkeit (p = 0,003), Inhibin B (p = 0,036) und Hodenvolumen (p = 0,040). In der beidseitigen Gruppe starke negative Korrelation zwischen Inhibin B und FSH (p < 0,001; rs = −0,772), Spermienkonzentration positiv mit Inhibin B (rs = 0,627) und negativ mit FSH (rs = −0,435). Bei einseitiger Operation vor dem Alter von 8 Jahren: höheres Inhibin B (p = 0,006) und Hodenvolumen (p = 0,007), niedrigeres FSH (p = 0,01). Kleine Gruppen; der Abstract nennt keine Korrektur für Mehrfachvergleiche.
Cortes et al. 1996: Fruchtbarkeitspotenzial nach einseitiger Orchidopexie mit Biopsie (Dänemark) [s371]. Titel: „Fertility potential after unilateral orchiopexy: simultaneous testicular biopsy and orchiopexy in a cohort of 87 patients.“ (The Journal of urology, 1996). 87 Jungen im Alter von 10 bis 12 Jahren; im Erwachsenenalter Daten von 56 (Hormone, Hodenvolumen) und 54 (Samenanalyse). Die Zahl der Spermatogonien je Tubulusquerschnitt korrelierte mit dem Volumen des operierten und des gesamten Hodens. Bei 1 % oder weniger (ungefähr nur Sertoli-Zellen) hatten 33 % später 5 Mio. Spermien/ml oder weniger; bei mehr als 1 % war die spätere Samenqualität gegenüber der Bevölkerung nicht signifikant vermindert. Die Autoren sehen die Behandlung vor dem Alter von 15 Monaten auch bei einseitiger Form als folgerichtig (Schlussfolgerung der Autoren).
Lipshultz et al. 1976: Hodenfunktion nach Orchidopexie bei einseitigem Hodenhochstand (USA) [s392]. Titel: „Testicular function after orchiopexy for unilaterally undescended testis.“ (The New England journal of medicine, 1976). 29 Männer (21 bis 35 Jahre), operiert mit 4 bis 12 Jahren, gegen 30 Kontrollen. Testosteron nicht signifikant verschieden, LH nur leicht höher; mittlere Spermiendichte nur ein Drittel der Kontrollen (p < 0,001), FSH-Antwort auf GnRH verdoppelt (p < 0,001). Folgerung der Autoren: Die Spermatogenese könne nach Orchidopexie abnorm sein; Männer mit einseitigem Hodenhochstand hätten möglicherweise beidseitige Hodenanomalien. Eine Klassikerstudie von 1976, mit damaligen Methoden.
Vinardi et al. 2001: Hodenfunktion nach Behandlung in der Kindheit (Italien) [s360]. Titel: „Testicular function in men treated in childhood for undescended testes.“ (Journal of pediatric surgery, 2001). 57 Männer (mittleres Alter 19 Jahre), 47 einseitig und 10 beidseitig; 37 nach hormoneller Vorbehandlung (LHRH, dann hCG) operiert. Hodenvolumen unter 12 ml bei 6 von 64 Hoden (9,3 %); LH, FSH und Testosteron im Normbereich; FSH invers mit Volumen (p = 0,002), Spermienkonzentration (p = 0,013), Beweglichkeit (p = 0,023) und normalen Formen (p = 0,019) verknüpft. Kein Zusammenhang zwischen Operationsalter und Samenqualität; unter direkt Operierten bessere Spermienzahlen als nach Hormonvorbehandlung.
D'Agostino et al. 1996 [s372] und 1993 [s375]: Hodenhochstand und Fruchtbarkeit im Erwachsenenalter (Italien, italienischsprachig). Titel: „Criptorchidismo e fertilità: valutazione in età adulta. (Kryptorchismus und Fruchtbarkeit: Beurteilung im Erwachsenenalter)“ (La Pediatria medica e chirurgica : Medical and surgical pediatrics, 1996). Titel: „Criptorchidismo e fertilità: valutazione in età adulta. (Kryptorchismus und Fruchtbarkeit: Beurteilung im Erwachsenenalter)“ (La Pediatria medica e chirurgica : Medical and surgical pediatrics, 1993). Zwei Einträge mit gleichlautendem Abstract: 172 Erwachsene mit einseitigem oder beidseitigem Hodenhochstand, im Kindesalter operiert; Spermiogramm, Schwellungstest der Spermienmembran, Antispermien-Antikörper. Die Fruchtbarkeit sei bei beidseitigem Hodenhochstand deutlich vermindert gegenüber einseitigem; Azoospermie bei 18 % der beidseitigen Fälle; Operationszeitpunkt und anatomische Lage beeinflussten die Fruchtbarkeit nicht. Beide Einträge werden getrennt geführt, beschreiben aber offenbar dieselbe Kohorte; sie sind nicht als unabhängige Evidenz zu werten.
Crespo Chozas et al. 1999: gonadale Funktion bei postpubertären Patienten nach Behandlung des Kryptorchismus in der Kindheit (Spanien) [s364]. Titel: „Evaluación de la función gonadal en pacientes postpuberales tratados de criptorquidia en la infancia. (Bewertung der Gonadenfunktion bei postpubertären Patienten, die in der Kindheit wegen Kryptorchismus behandelt wurden)“ (Anales espanoles de pediatria, 1999). 20 Männer (mittleres Alter 17,35 Jahre). FSH bei 3 erhöht, bei 17 normal; 14 mit normaler Spermatogenese (mehr als 20 Mio./ml); bei 7 (35 %; 5 einseitig, 2 beidseitig) unter 20 Mio./ml (Spanne 0,8 bis 18,4 Mio./ml); die drei mit erhöhtem FSH hatten eine Oligozoospermie. Der Abstract gibt 20 Männer an, aber „14 + 7“ ergibt 21; die Differenz bleibt unerklärt.
Fernández Valadés et al. 2001: Kernreife der Spermien bei Hodenhochstand in der Vorgeschichte (Spanien) [s358]. Titel: „Alteraciones de la madurez nuclear en espermatozoides de varones con antecedentes de criptorquidia. (Veränderungen der Kernreife in Spermien von Männern mit Kryptorchismus in der Vorgeschichte)“ (Cirugia pediatrica : organo oficial de la Sociedad Espanola de Cirugia Pediatrica, 2001). Fall-Kontroll-Vergleich der Kernproteine: mangelhafte Umwandlung von Histonen in Protamine bei Männern mit Hodenhochstand in der Vorgeschichte, mit verbliebenen unreifen Histonen. Keine Zahlen im Abstract. Der Befund ist ein Beispiel für Spermienqualität jenseits des Spermiogramms.
Calleja Aguayo et al. 2012: Fruchtbarkeitsbefragung nach Operation im Kindesalter (Spanien) [s286]. Titel: „Encuesta de fertilidad en pacientes operados de criptorquidia en edad pediátrica. (Fruchtbarkeitsbefragung bei im Kindesalter wegen Kryptorchismus operierten Patienten)“ (Cirugia pediatrica : organo oficial de la Sociedad Espanola de Cirugia Pediatrica, 2012). Fragebogen an 278 Erwachsene, 94 Antworten (33,8 %); 53 hatten versucht, Kinder zu bekommen, 44 (83,1 %) mit Erfolg; 34 (64,2 %) als fruchtbar eingestuft (mittlere Zeit bis zur Schwangerschaft 4,15 Monate); 19 (35,8 %) versuchten länger als 12 Monate, 10 erreichten es (18,9 %; 5 % natürlich, 2 mit Ovulationsbehandlung, 3 mit IVF); 9 (16,9 %) blieben ohne Kind. Keine signifikanten Unterschiede nach Lage, Operationsalter oder Spermiendichte; signifikanter Unterschied zwischen natürlicher Vaterschaft und einseitigem oder beidseitigem Hodenhochstand. Schwäche: geringer Rücklauf (33,8 %), Auswahlverzerrung.
Okuno et al. 1992: Samenbefund nach Orchidopexie vor der Pubertät (Kyoto, japanischsprachig) [s382]. Titel: „Long-term outcome of cryptorchism after orchiopexy“ (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 1992). 43 Männer, vor der Pubertät operiert und bei der Untersuchung über 15 Jahre alt (Nachbeobachtung 11 bis 23 Jahre; 39 einseitig, 4 beidseitig). Mit den Grenzwerten 20 × 10⁶/ml und 50 % Beweglichkeit: bei einseitigem Hodenhochstand normaler Samenbefund bei 16 (61,5 %), Oligozoospermie bei 8 (30,8 %), Asthenozoospermie bei 1 (3,8 %), Azoospermie bei 1 (3,8 %); bei beidseitigem 3 (75,0 %) normal, 1 (25,0 %) Azoospermie. Von 8 verheirateten Männern mit einseitigem Hodenhochstand hatten 7 (87,5 %) Kinder. Die Spermienkonzentration korrelierte nicht umgekehrt mit dem Alter bei der Operation; das Volumen des gesunden Hodens war größer als das des betroffenen, und die Konzentration neigte zur Korrelation mit dem Volumen des gesunden Hodens. Die Prozentzahlen beziehen sich auf die Männer mit Samenanalyse (bei einseitigem Befall 26), nicht auf alle 39.
Sumiya et al. 1991: Fruchtbarkeit nach Orchidopexie bei einseitigem Hodenhochstand (Chiba, japanischsprachig) [s386]. Titel: „Fertility after orchiopexy for unilateral retention testis“ (Nihon Hinyokika Gakkai zasshi. The japanese journal of urology, 1991). Die Spermienkonzentration sank mit dem Alter bei der Operation, begleitet von steigenden Gonadotropinen und kleinerer Hodengröße. Die Verschlechterung der Spermien hing stärker mit der Größe des normal deszendierten Gegenhodens zusammen als mit der des operierten Hodens; die Gonadotropine korrelierten umgekehrt mit der Größe des Gegenhodens. Folgerung der Autoren: Die Fruchtbarkeit nach einseitiger Orchidopexie hänge vom Alter bei der Operation und von der Entwicklung des gegenseitigen Hodens ab. Fallzahl im Abstract nicht genannt.
Ismailow et al. 2012: angeborene Erkrankungen der Leisten-Skrotal-Region, Samenbefunde nach Korrektur (Tadschikistan, russisch) [s296]. Titel: „Исходы хирургического лечения врождённых заболеваний пахово-мошоночной области у детей (Ergebnisse der chirurgischen Behandlung angeborener Erkrankungen der Leisten-Skrotal-Region bei Kindern)“ (Вестник Авиценны, 2012). Retrospektive Analyse von 245 Patienten im Alter von 16 bis 32 Jahren, von denen 212 operiert wurden: Kryptorchismus 92, Hydrozele 51, Leistenhernie 48, Spermatozele 21. Ein Drittel der wegen Kryptorchismus im Kindesalter Operierten hatte schon im jungen Erwachsenenalter hormonelle Zeichen einer sekretorischen Unfruchtbarkeit. Die Abnahme der spermatogenen Funktion hing nicht von der Lage des Hodens, vom Alter bei der Operation oder von der Operationsmethode ab. Das Ejakulat von 92 Patienten wurde 15 bis 22 Jahre (im Mittel 17,5 ± 2,5) nach der Korrektur untersucht: Pathospermie bei 81, davon dominierte die Astheno-Teratozoospermie (53,4 %, n = 39; die Zahlen im Abstract passen nicht zueinander, 39 von 81 sind 48 %). FSH wurde bei 51 Patienten bestimmt; erhöhte Werte bei einseitiger Hydrozele 5 (11,3 %), bei beidseitiger 1 (14,2 %). Schwächen: keine Vergleichsgruppe; innere Widersprüche in den Prozentangaben; „Kinder“ im Titel, aber Patienten bis 32 Jahre; Einzelzentrum.
Pimenowa 2009: Beobachtung nach Korrektur des einseitigen Hodenhochstands (Saratow, russisch) [s322]. Titel: „Характер нарушений репродуктивной системы при одностороннем крипторхизме (Art der Störungen des Fortpflanzungssystems bei einseitigem Kryptorchismus)“ (Саратовский научно-медицинский журнал, 2009). Beobachtung von Kindern und Jugendlichen mit einseitigem Hodenhochstand vor der Operation sowie von jungen Männern nach Korrektur im Kindesalter: Hodenvolumen und Durchblutung waren bei allen auf der betroffenen Seite vermindert; es bestanden Veränderungen der Prostata und der Samenblasen bei Jugendlichen und bei Männern im Langzeitverlauf; minimale Veränderungen im Hormonregelkreis bei Erwachsenen; kein antispermaler Autoimmunprozess im Verlauf nach Verlagerung; im Langzeitverlauf Veränderungen im Ejakulat. Keine Zahlen im Abstract.
Morosow et al. 2016: Langzeitergebnisse nach operierter einseitiger Kryptorchidie (Russland) [s244]. Titel: „Оценка репродуктивной системы и расчет риска развития субфертильности у пациентов с односторонним крипторхизмом (Beurteilung des Fortpflanzungssystems und Berechnung des Risikos einer Subfertilität bei Patienten mit einseitigem Kryptorchismus)“ (Детская хирургия, 2016). 100 Männer langfristig nach operierter einseitiger Kryptorchidie (60 nach Orchidopexie, 40 nach Orchiektomie), dazu prospektiv 48 Jungen vor der Operation und 36 gesunde Jungen. Bei Männern nach Orchidopexie waren Volumen des verlagerten Hodens und seines Nebenhodens halb so groß wie auf der Gegenseite und viermal kleiner als bei Männern nach Orchiektomie (womit der Abstract vermutlich den verbliebenen Hoden meint; er präzisiert das nicht). Testosteron, FSH, LH, Prolaktin und Antispermien-Antikörper lagen bei den meisten im Normbereich. Das mittlere Prostatavolumen war nach Orchiektomie um 58,3 % größer als nach Orchidopexie; diffuse Veränderungen und Sklerosezonen der Prostata zeigten sich bei 47 % nach Orchidopexie gegenüber 15 % nach Orchiektomie. Aus dem Spermiogramm wurden fünf Hauptrisikofaktoren für fruchtbarkeitsrelevante Veränderungen abgeleitet und per logistischer Regression ein prozentuales Subfertilitätsrisiko nach Orchidopexie berechnet; die Zahlen nennt der Abstract nicht. Stärken: größte russische Studie mit Orchiektomiegruppe als Vergleich, Einbezug von Prostata und Hormonen. Schwächen: retrospektive Untersuchung, keine Konfidenzintervalle, Risikomodell ohne externe Validierung im Abstract.
Raigorodskaja et al. 2014 [s277] und Isakow et al. 2018 [s219]: Jungen nach Operation wegen einseitigen Kryptorchismus (Russland, Usbekistan). Titel: „Становление пубертата у мальчиков с односторонним крипторхизмом (Pubertätsverlauf bei Jungen mit einseitigem Kryptorchismus)“ (Вестник урологии, 2014). Titel: „К ОЦЕНКЕ ПОЛОВОГО РАЗВИТИЯ МАЛЬЧИКОВ, ОПЕРИРОВАННЫХ ПО ПОВОДУ ОДНОСТОРОННЕГО КРИПТОРХИЗМА (Zur Beurteilung der sexuellen Entwicklung von Jungen, die wegen einseitigen Kryptorchismus operiert wurden)“ (Вестник магистратуры, 2018). Beide Abstracts beschreiben identisch eine prospektive Studie an 32 Jungen (11 bis 15 Jahre) nach Operation wegen einseitigen Kryptorchismus: Hodenhypotrophie auf der operierten Seite bereits bei Pubertätsbeginn und mit fortschreitender Pubertät zunehmend; in [s277] zusätzlich dystrophe Veränderungen der Prostata und keine signifikanten Änderungen von Gonadotropinen und Testosteron. Es handelt sich um zwei Zusammenfassungen mit nahezu gleichem Wortlaut von unterschiedlichen Autorengruppen; die Daten werden hier nur einmal gewertet. Die Gruppe um Morosow und Raigorodskaja liefert mit [s285, s244, s277] einen großen Teil der russischen Langzeit- und Pubertätsbefunde; die Befunde sind also nicht unabhängig voneinander.
Malikow et al. 2022: einzeitige Operation bei Leistenhernie und Kryptorchismus unter optischer Vergrößerung (Tadschikistan) [s160]. Titel: „ХИРУРГИЧЕСКОЕ ЛЕЧЕНИЕ ПАХОВОЙ ГРЫЖИ В СОЧЕТАНИИ С КРИПТОРХИЗМОМ (Chirurgische Behandlung der Leistenhernie in Kombination mit Kryptorchismus)“ (Вестник Авиценны, 2022). 22 Patienten (3 bis 28 Jahre), einzeitig operiert (2005 bis 2020): rechts bei 12 (54,5 %), links bei 8 (36,4 %), beidseitig bei 2 (9,1 %). Ein vorübergehendes Skrotalödem trat bei 3 (13,6 %) auf. Nach 6 Monaten waren alle Hodenmaße (Länge, Volumen) gegenüber dem Ausgangswert signifikant größer (p < 0,05), und die lineare Blutflussgeschwindigkeit in der Hodenarterie auf der betroffenen Seite stieg (p < 0,001); die Größe der verlagerten Hoden glich in allen Altersgruppen außer der Dicke bei 3- bis 5-Jährigen der der gesunden Seite an. Die Autoren sehen eine positive Wirkung auf die Fruchtbarkeit. Schwächen: Samenbefunde fehlen; kein Vergleichskollektiv; die Auswirkung auf die Fertilität ist daher Interpretation.
Saruhan et al. 2014: einseitig unbehandelter inguinaler Hoden (Türkei) [s259]. Titel: „Tek taraflı tedavi edilmemiş inguinal testis hastalarında endokrin fonksiyonlar ve spermatogenez (Endokrine Funktionen und Spermatogenese bei Patienten mit einseitig unbehandeltem inguinalem Hoden)“ (Yeni Üroloji Dergisi, 2014). 14 junge Männer (Durchschnitt 21,92 ± 2,23 Jahre) mit einseitig unbehandeltem inguinalem Hoden und normalem anderem Hoden; Spermiogramm bei 8, Hormone bei 11. Testosteron 4,42 ± 1,24 ng/ml, LH 7,56 ± 4,1 mIU/ml, FSH 8,59 ± 6,68 mIU/ml. Eine Azoospermie; Ejakulatvolumen 1,93 ± 1,2 ml, Konzentration 53,8 ± 41,3 Mio./ml, normale Form 78,1 ± 17,1 %, Beweglichkeit (a + b) 41,4 ± 24,2 %. Die Autoren schließen, ein einseitiger inguinaler Hoden führe zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Spermienqualität. Dieser Schluss lässt sich aus den berichteten Werten allein nicht nachvollziehen: Es gibt weder Vergleichsgruppe noch Referenzwerte im Abstract, und bei 8 Männern ist die Streuung groß (Standardabweichung der Konzentration 41,3 Mio./ml).
Koçak et al. 1999: Histologie bei Hodenhochstand nach der Pubertät (Türkei) [s365]. Titel: „Histopathological changes and carcinoma in situ in postpubertal cryptorchid testis“ (Türkiye Klinikleri Journal of Medical Research, 1999). 42 Männer (20 bis 27 Jahre) mit Hodenhochstand: bei allen abnorme Spermatogenese, bei einem (2,3 %) Carcinoma in situ. Die Autoren folgern, dass nach der Pubertät belassene Hodenhochstand-Hoden nicht zur Fruchtbarkeit beitragen und ein Entartungspotenzial haben können. Älteste Studie im türkischen Teil; Messmethoden und Kontrollen im Abstract nicht beschrieben.
Yenigürbüz et al. 2025: Samenanalyse und Histologie bei einseitigem Hodenhochstand vor Orchiektomie (Istanbul) [s81]. Titel: „Evaluation of semen parameters and histopathological comparison of inguinal and abdominal orchiectomy specimens in late post pubertal men with unilateral undescended testis“ (Basic and clinical andrology, 2025). 51 spätpubertäre Männer mit einseitigem Hodenhochstand, vor der Orchiektomie nach Lage eingeteilt: abdominal 11, inguinal 40; Medianalter beider Gruppen 21 Jahre. Das Hodenvolumen war in der abdominalen Gruppe niedriger (p = 0,002); progressive Beweglichkeit (p = 0,019) und normale Form (p = 0,029) waren in der inguinalen Gruppe höher; histopathologisch gab es keinen Unterschied (p > 0,05). Die Autoren leiten daraus eine mögliche Rolle des inneren Leistenrings ab. Stärken: Samenanalyse und Histologie am selben Kollektiv. Schwächen: nur Männer, die orchiektomiert wurden (Selektion), kleine abdominale Gruppe (11), keine Kontrolle mit normalem Hoden.
Jeong et al. 2014: später Hodenhochstand bei Erwachsenen (Pusan, Korea) [s260]. Titel: „Clinical characteristics and treatment of cryptorchidism in adults: a single center experience“ (The world journal of men's health, 2014). 20 erwachsene Patienten. Bei 17 mit einseitigem Befund betrug das Alter bei der Operation 31,1 ± 12,5 Jahre; 14 hatten einen tastbaren, kleinen Hoden (Lage inguinal 14, prepubisch 2, intraabdominal 1). 14 von 15 Männern mit Operationswunsch erhielten eine Orchidopexie. Von 6 verheirateten Männern hatten 4 Kinder. Die Hodenbiopsie bei 12 Männern war in allen Fällen abnormal, 3 von 4 Samenanalysen abnormal. Bei den 3 Männern mit beidseitigem Befund (Alter 35,7 ± 12,5 Jahre) waren Biopsie und Samenanalyse in allen Fällen abnormal; zwei verheiratete Männer waren kinderlos. Kein Hodentumor in der Nachbeobachtung. Die Autoren halten Orchidopexie mit regelmäßiger Kontrolle für eine geeignete Option (Aussage der Autoren). Schwäche: 20 Männer.
Ryang et al. 2015: Orchiektomiepräparate bei postpubertärem einseitigem Hodenhochstand (Wonju, Korea) [s251]. Titel: „The incidence and histological characteristics of intratubular germ cell neoplasia in postpubertal cryptorchid testis“ (Korean journal of urology, 2015). Präparate von 31 postpubertären Männern (Alter im Mittel 34 Jahre, 17 bis 74) mit einseitigem Hodenhochstand. Ein Mann (3,2 %, 20 Jahre) hatte eine intratubuläre Keimzellneoplasie. Der mittlere Johnsen-Score betrug 3,42 (Spanne 1 bis 9); bei 27 von 31 Männern bestand eine eingeschränkte Spermatogenese mit Score unter 5. Autoren: immunhistochemische Färbungen und die Diskussion einer vorbeugenden Orchiektomie bei postpubertärem Hodenhochstand.
Wu et al. 2026: primäre Orchidopexie nach der Pubertät (China) [s51]. Titel: „Clinical Outcomes of Orchiopexy and the Risk of Malignancy in Postpubertal Cryptorchid Patients“ (Andrology, 2026). 194 Männer (210 nicht deszendierte Hoden) mit primärer Orchidopexie nach der Pubertät (2018 bis 2024), meist hohe Lage (196/210, 93,3 %); betroffenes Hodenvolumen bei einseitigem Befund im Median 6 gegenüber 18 ml. Anatomischer Erfolg nach drei Monaten 80,0 % (148/185), Rezidiv 9,7 %, Atrophie 10,3 %. Bei einseitigem Befund keine Azoospermie, aber 16 von 44 Männern (36,4 %) mit mindestens einer Abweichung in Konzentration, Beweglichkeit oder Morphologie; bei beidseitigem Befund häufig Azoospermie oder extrem niedrige Zahlen. Nur 17 von 200 biopsierten Hoden (8,5 %) hatten einen Johnsen-Score über 8; 71 von 164 Männern (43,3 %) hatten eine schwere Spermatogenesestörung (Score höchstens 3). Hohe Hodenlage: OR 6,50 (95-%-KI 2,15 bis 19,64; p < 0,001), adjustiert 6,01 (1,95 bis 18,49; p = 0,002); größeres Volumen des betroffenen Hodens senkte das Risiko (adjustiert OR 0,78 je ml; 0,64 bis 0,95; p = 0,013). Ein Seminom (0,5 %) 48 Monate nach der Operation bei einer medianen Nachbeobachtung von 54,6 Monaten (12 bis 78). Schlussfolgerung der Autoren: Die Spermatogenese-Schädigung bestehe oft schon vor der Operation und werde durch die Orchidopexie wohl kaum wesentlich rückgängig gemacht; Hauptnutzen seien anatomische Lage, Pathologie und Überwachung. Stärke: große postpubertäre Kohorte mit Histologie. Schwäche: retrospektiv, Einzelzentrum.
Fan et al. 2024: Spermienparameter und ICSI-Ergebnisse nach einseitiger und beidseitiger Orchidopexie (China) [s94]. Titel: „Bilateral versus unilateral orchidopexy: IVF/ICSI-ET outcomes“ (Frontiers in endocrinology, 2024). Reproduktionszentrum einer Frauen- und Kinderklinik: 99 infertile Männer nach Orchidopexie vor dem ersten IVF/ICSI-Zyklus. Nach einseitiger gegenüber beidseitiger Orchidopexie waren Spermienkonzentration (28,09 ± 27,99 gegenüber 7,99 ± 14,68; p = 0,001) und Vitalität (33,34 ± 22,52 gegenüber 11,95 ± 17,85; p = 0,001) höher, ICSI wurde seltener benötigt (66,07 % gegenüber 95,35 %; p < 0,001). Befruchtungsrate, klinische Schwangerschaft, Lebendgeburt und Fehlbildungen waren ähnlich; der Anteil von Jungen unter den Geburten war bei beidseitiger Orchidopexie niedriger (27,27 % gegenüber 58,62 %; p = 0,026). Autoren: Ein beidseitiger Eingriff in der Vorgeschichte bedeute schlechtere Spermienparameter und höheren ICSI-Bedarf, aber keinen Unterschied in der Lebendgeburtenrate. Schwächen: Einrichtung der Reproduktionsmedizin, Selektion, Jungenanteil bei kleiner Zahl.
Hormonmarker und Hodengröße bei Kindern nach Orchidopexie
Huang et al. 2024: Anti-Müller-Hormon und Inhibin B nach Orchidopexie im ersten Lebensjahr (Fujian) [s100]. Titel: „Evaluating testicular function changes in unilateral cryptorchid chinese infants underwent orchidopexy in the first year of life“ (International urology and nephrology, 2024). Prospektive Kohorte: 51 Säuglinge mit einseitigem Leistenhoden, orchidopexiert im ersten Lebensjahr, gegen 42 gesunde Kontrollen. Nach 6 und 12 Monaten stieg das Hodenvolumen (nach Angabe des Abstracts auf 0,98 ± 0,12 und 1,01 ± 0,12 ml; die Angabe ist nicht eindeutig als Zuwachs oder Absolutwert gekennzeichnet) und das Anti-Müller-Hormon von 76,40 ± 15,77 auf 81,52 ± 15,32 und 87,50 ± 15,36 ng/ml, blieb aber signifikant unter dem der Kontrollen (jeweils p < 0,001); Inhibin B stieg und lag nach 6 Monaten über dem der Kontrollen (p < 0,001). Der Hodenatrophie-Index betrug 16,7 % nach 6 und 8,6 % nach 12 Monaten. Die Autoren empfehlen die frühestmögliche Behandlung (Aussage der Autoren).
Imaji et al. 2015: Gründe verspäteter Operation und Hodenatrophie (Japan, japanischsprachig) [s256]. Titel: „当科における精巣固定術施行症例の手術時期遅延理由および精巣萎縮についての検討 (Untersuchung zu den Gründen verspäteter Operationen und zur Hodenatrophie bei Orchidopexien in unserer Abteilung)“ (日本小児外科学会雑誌, 2015). 109 Hodenfixationen (2008 bis 2014; 48 rechts, 38 links, 23 beidseitig; mittleres Alter 2 Jahre 3 Monate, Median 1 Jahr 7 Monate). Atrophie (mindestens 20 % Volumenverlust im Ultraschall oder deutlicher Tastbefund): 15 von 76 Kindern bei Operation vor dem 2. Lebensjahr gegenüber 15 von 33 bei Operation ab dem 2. Lebensjahr (p = 0,01). Autoren: Aufklärung über den empfohlenen Zeitpunkt sei nötig.
Ahn et al. 2014: Orchidopexien nach dem fünften Lebensjahr (Seoul National University) [s257]. Titel: „Reasons for delayed orchiopexies in a korean tertiary care hospital“ (Korean journal of urology, 2014). 160 Orchidopexien nach dem fünften Lebensjahr (etwa 15 % aller Orchidopexien 2004 bis 2012). Hauptgründe der Verzögerung lagen bei den Eltern; erworbener Hodenhochstand 21 Fälle (13,1 %), meist mit Hypospadie. Operationsschwierigkeiten durch kurzen Samenstrang in 48 Fällen (30,2 %); das Hodenvolumen war im Vergleich zu altersgleichen Normwerten deutlich kleiner. Autoren: Der empfohlene Zeitpunkt werde oft verfehlt.
Aksoy et al. 2017: erneute Operation nach erfolgloser Orchidopexie (Türkei) [s229]. Titel: „Inguinal re-operation after an unsuccessful primary orchiopexy: Approach through internal oblique muscle incision“ (Yeni Üroloji Dergisi, 2017). 28 Patienten (29 Hoden, einer beidseits) mit erneuter Operation, Durchschnittsalter bei der Reoperation 12 ± 5,7 Jahre (2 bis 27). Bei 19 Hoden von 18 Patienten gelang die Re-Orchidopexie; bei 10 von 19 (52,6 %) wurde zur spannungsfreien Mobilisation von Samengefäßen und Samenleiter der innere schräge Bauchmuskel eingeschnitten. Intraoperativ fanden sich ein offener Processus vaginalis bei 6 (31,5 %) und eine misslungene Bruchoperation bei 3 (15,7 %); 10 Hoden wurden wegen Atrophie oder kurzen Samenstrangs entfernt. 11 der 19 Patienten (57,8 %) kamen zur Nachuntersuchung (im Mittel 37,4 ± 27,9 Monate, 4 bis 95): alle Hoden lagen ohne Atrophie im Skrotum. Der Abstract nennt, dass bei Postpubertären Samenanalyse und Hodenvolumen erhoben wurden, berichtet die Ergebnisse aber nicht. Anatomisch bemerkenswert ist der Zusammenhang mit der Leistenbruchoperation: Fehlschlag einer früheren Leistenoperation bei 3 von 19 Hoden.
Abdelmohsen 2026: laparoskopische Orchidopexie bei nicht tastbaren Hoden (Kairo) [s01]. Titel: „Laparoscopic management of intra-abdominal undescended testes: Diagnostic limitations, technique variability, and risk factors for postoperative testicular atrophy“ (Journal of pediatric urology, 2026). Retrospektive Kohorte von Jungen unter 18 Jahren (2015 bis 2025): von 332 Fällen erfüllten 282 die Kriterien (53 einzeitig mit Gefäßerhalt, 128 Fowler-Stephens, 101 Traktion). Klinische Atrophie trat bei 65 (23,0 %) auf: 13,2 %, 29,7 % und 19,8 % (p < 0,001). Unabhängige Prädiktoren (bereinigte Hazard Ratio): Fowler-Stephens 2,61, Volumen klein für das Alter 3,45, nicht messbares Volumen 2,41, hypoplastisches Aussehen 2,62 und Anomalien von Samenleiter oder Nebenhoden 4,28; Alter und Erfahrung des Operateurs waren nicht signifikant. Übereinstimmung klinischer und Ultraschallbefunde κ = 0,78. Konfidenzintervalle stehen im Abstract nicht. Relevanz: Atrophie als Surrogat für verlorene Samenbildung; die Anomalie von Samenleiter und Nebenhoden als stärkster Prädiktor ist ein anatomischer Befund.
Elgaili Salah und Elssayed Ahmed 2022: Laparoskopie bei nicht tastbarem Hoden (Sudan) [s145]. Titel: „The role of laparoscopy in non-palpable undescended testicle: Analysis and review of the experience from two cities in Sudan“ (African journal of paediatric surgery : AJPS, 2022). Fallserie: Alter 18 Monate bis 65 Jahre (Mittel 12,4), 94 Patienten (67,2 %) älter als 5 Jahre; bei 12 (8,4 %) war Unfruchtbarkeit das Leitsymptom. Der Ultraschall fand bei mehr als der Hälfte den Hoden nicht. Einzeitige laparoskopische Orchidopexie bei 90 (62,9 %), Orchiektomie bei 13 (9,1 %), Hoden nicht gefunden bei 12 (8,4 %), gestufte Verfahren bei 28 (19,6 %). Komplikationen bei 14 (9,8 %): Blutung, Samenleiterverletzung, Hodenatrophie. Die Gesamtzahl (etwa 140) wird im Abstract nicht ausdrücklich genannt und ist aus den Prozentwerten berechnet. Auffällig ist das hohe Alter bei Operation, das einen späten Zugang zur Versorgung anzeigt.
Ghanem et al. 2024: Erwachsene nach einseitiger Orchidopexie im Kindesalter, Sexualfunktion und seelische Belastung (Jazan, Saudi-Arabien) [s96]. Titel: „Long-term outcomes of erectile function in adult orchidopexy patients“ (Asian journal of urology, 2024). 58 erwachsene Männer nach einseitiger Orchidopexie im Kindesalter, mit Kontrollgruppe. Erhoben wurden IIEF-15, Testosteron, FSH, Samenanalyse, Vaterschaftsraten sowie Angst, Depression und Stress. Die IIEF-Bereichswerte unterschieden sich nicht, die erektile Dysfunktion war aber bei den Orchidopexie-Patienten häufiger (p = 0,000 laut Abstract); bei im Median 16,3 Jahren Nachbeobachtung hatten 15,5 % mäßige bis schwere erektile Dysfunktion. Angst 72,4 % gegenüber 20,7 %, Depression 19,0 % gegenüber 5,2 %, Stress 60,3 % gegenüber 10,3 % (jeweils p < 0,05); erektile Dysfunktion korrelierte negativ mit Angst (r = −0,518), Depression (r = −0,448) und Stress (r = −0,591) und hing mit Alter, Unfruchtbarkeit und niedrigem Testosteron zusammen. Die erhobenen Samenparameter und Vaterschaftsraten stehen nicht im Abstract. Schwächen: Der Widerspruch zwischen unverändertem IIEF-Bereichswert und höherer Dysfunktionsrate wird nicht erklärt; kleine Gruppe, Selbstauskünfte.
Sütçü et al. 2026: Jungen mit Hodenhochstand in der pädiatrischen Endokrinologie (Istanbul) [s49]. Titel: „Clinical, hormonal, and genetic spectrum of cryptorchidism: a comprehensive evaluation of patients referred for pediatric endocrinological assessment“ (Journal of pediatric endocrinology & metabolism : JPEM, 2026). 99 Jungen, die nach Orchidopexie endokrinologisch vorgestellt wurden: Frühgeburt 23,2 %, beidseitig 50,5 %, Hodenatrophie 34,3 %, Skrotumhypoplasie 18,2 %, Mikropenis 12,1 %, Hypospadie 10,1 %. Bei hCG-Test zeigten 72,7 % eine unzureichende Testosteronantwort; die gezielte Gen-Diagnostik erreichte in einer Hochrisikogruppe eine diagnostische Ausbeute von 45,4 %; 44,4 % hatten einen nicht isolierten Hodenhochstand (syndromal 17,2 %). Die Autoren schließen, dass viele überwiesene Fälle komplexe syndromale oder endokrine Zustände seien. Schwäche: eine bereits ausgewählte Überweisungskohorte; die Ergebnisse gelten nicht für den typischen isolierten Hodenhochstand.
Fallbericht Azher 2025 [s56]. Titel: „Familial novel androgen receptor gene variant associated with bilateral cryptorchidism and severe male infertility: A case report“ (Urology case reports, 2025). Mann mit schwerer Oligo-Astheno-Teratozoospermie und beidseitigem Hodenhochstand (Mekka); neue AR-Variante p.Tyr364His (partielle Funktionsstörung vorhergesagt), gleiche Variante beim Bruder mit Hodenhochstand und Zeichen partieller Androgenresistenz. Ein Fall ohne Gruppenaussage.
Fallbericht Seminom nach beidseitiger Orchidopexie bei Oligozoospermie [s320]. Titel: „Testicular tumor detected in a male infertility patient with prior orchiopexy“ (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 2009). 37-Jähriger mit hochgradiger Oligozoospermie, beidseitiger Orchidopexie in der Vorgeschichte und einem Seminom im linken Hoden (Japan, japanischsprachig); die Autoren weisen auf den Zusammenhang zwischen männlicher Infertilität und Hodenkrebs nach Orchidopexie hin. Ein Einzelfall.
Spermiengewinnung bei nichtobstruktiver Azoospermie nach Hodenhochstand
Ismaeil et al. 2026: Spermiengewinnung bei Männern mit und ohne Hodenhochstand (Beni-Suef, Ägypten) [s17]. Titel: „Surgical sperm retrieval in cases with non obstructive azoospermia, comparative study between maldescended and normal positioned testis.“ (Urologia, 2026). Retrospektiv, 869 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie und Mikrodissektions-TESE (2016 bis 2023); 777 mit skrotal gelegenen Hoden, 92 mit Hodenhochstand (66 inguinal, 24 abdominal, 2 gemischt). Gewinnungsrate 36,8 % bei skrotal gelegenen gegenüber 23,9 % bei Hodenhochstand (p = 0,015), kein Spermium bei abdominellen oder gemischten Hoden; inguinal 33,3 %. Frühere Orchidopexie (12,4 ± 9,4 Jahre) gegenüber späterer (24,9 ± 13,8 Jahre): 37,2 % gegenüber 12,2 % (p = 0,007); einseitig 40 % gegenüber beidseitig 17,9 % (p = 0,0517). Die Autoren sehen die höhere Rate besonders bei Orchidopexie vor 16,5 Jahren. Stärke: große Serie mit Lagebeschreibung. Schwächen: retrospektiv; Patienten mit Azoospermie bilden eine Auswahl (Männer mit Hodenhochstand und Spermien im Ejakulat sind nicht erfasst); Alter bei der Operation und Dauer sind verwechselbar; der Schwellenwert 16,5 Jahre wirkt datengetrieben; Konfidenzintervalle fehlen. Das Ergebnis zur Seitigkeit steht im Widerspruch zur Metaanalyse von Kim et al. [s128].
Osaka et al. 2020: Mikro-TESE bei beidseitigem Hodenhochstand und nichtobstruktiver Azoospermie (Saitama, Japan) [s186]. Titel: „Testicular volume in non-obstructive azoospermia with a history of bilateral cryptorchidism may predict successful sperm retrieval by testicular sperm extraction“ (Reproductive medicine and biology, 2020). 52 Männer mit nichtobstruktiver Azoospermie und beidseitigem Hodenhochstand in der Vorgeschichte. In der Gruppe mit Spermienfund waren das mittlere Hodenvolumen größer, LH, FSH und BMI niedriger; in der multivariaten Analyse war das Hodenvolumen unabhängig mit dem Erfolg verbunden. Zahlen nennt der Abstract nicht.
Xu et al. 2023: schrittweise Mini-Inzision bei Mikro-TESE nach Hodenhochstand (China) [s136]. Titel: „Stepwise mini-incision microdissection testicular sperm extraction in NOA patients with a history of cryptorchidism: a case-control study“ (Basic and clinical andrology, 2023). Fall-Kontroll-Studie: 73 Mikro-TESE-Eingriffe bei Männern mit nichtobstruktiver Azoospermie nach Hodenhochstand, schrittweise Mini-Inzision (37) gegenüber Standard (36). Gesamte Gewinnungsrate 68,5 % (50/73); 78,4 % (29/37) gegenüber 58,3 % (21/36) (p = 0,1); im ersten Mini-Schritt allein 46,0 % (17/37). Operationsdauer 72,6 ± 33,9 gegenüber 90,4 ± 36,4 Minuten (p = 0,04). Orchidopexie bis zum 10. Lebensjahr: 79,5 % (31/39) gegenüber 55,9 % (19/34) (p = 0,03). Keine Komplikationen (Nachbeobachtung mindestens 6 Monate). Schwäche: kleine, nicht randomisierte Gruppen.
Sangwan et al. 2021: nichtobstruktive Azoospermie mit und ohne Hodenhochstand in der Vorgeschichte, Wege zur Elternschaft (Frankreich) [s172]. Titel: „Non-obstructive idiopathic azoospermia vs azoospermia with antecedents of cryptorchidism: ways and probabilities of becoming parents.“ (Basic and clinical andrology, 2021). Eine Gruppe mit 125 Männern mit idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie und eine mit 55 Männern mit operiertem Hodenhochstand. Mehr als die Hälfte wurde Eltern; Hauptweg bei idiopathischer Form Spender-Samen oder Embryospende (72 %), bei Hodenhochstand mehrheitlich Kind nach TESE-ICSI (58,8 %). Die Zahlen der Gewinnungsraten stehen nicht im Abstract. Abstract zweisprachig (Englisch, Französisch).
Dauvergne 2016: Azoospermie und Hodenhochstand in der Vorgeschichte, andrologische Betreuung und assistierte Reproduktion bei 314 Patienten (HAL, französisch, Abschlussarbeit) [s231]. Titel: „Azoospermie et antécédent de cryptorchidie : analyse de la prise en charge andrologique et en assistance médicale à la procréation d'une population de 314 patients (Azoospermie und Hodenhochstand in der Vorgeschichte: Analyse der andrologischen Betreuung und der assistierten Reproduktion bei 314 Patienten)“ (Masterarbeit (HAL-DUMAS), 2016). 314 Patienten mit Azoospermie und Hodenhochstand in der Vorgeschichte, 1995 bis 2014 (249 ohne anderen Risikofaktor). Positive TESE-Rate 61,4 % gegenüber 40 % bei idiopathischer nichtobstruktiver Azoospermie (p = 0,0000009); mit positiver TESE assoziiert: Alter bei Orchidopexie, FSH, Hodenvolumen und Histologie; Seitigkeit ohne Einfluss; kein Einfluss des Hodenhochstands auf die ICSI-Ergebnisse. Eine nicht begutachtete Abschlussarbeit; das Ergebnis deckt sich mit den Metaanalysen [s128, s73, s99].
Hasirci et al. 2024 (Ankara) [s98] und Özer et al. 2024 (Adana) [s104]: Mikro-TESE bei solitärem Hoden. Titel: „Parameters affecting the success rate of microscopic testicular sperm extraction in male patients with a solitary testis and non-obstructive azoospermia“ (International urology and nephrology, 2024). Titel: „Microdissection testicular sperm extraction in non-obstructive azoospermic patients with solitary testis: a retrospective case-control study“ (Revista internacional de andrologia, 2024). Mikrodissektions-TESE bei nichtobstruktiver Azoospermie und solitärem Hoden (angeboren oder erworben, etwa nach Orchiektomie). [s98]: multizentrisch, 74 Männer mit solitärem Hoden gegenüber 74 abgestimmten Männern mit zwei Hoden aus 2.770; Spermien gewonnen bei 40 (54,1 %) gegenüber 42 (56,76 %); FSH und LH waren bei solitärem Hoden höher (p < 0,01), und größere Hoden gingen bei Spermiengewinnung mit höherer Erfolgsrate einher (p < 0,05). [s104]: 45 Patienten, Abstimmung 1:3; Gewinnungsrate 51,1 % gegenüber 50,4 %; Unterschied nur bei FSH und LH; Komplikationen unverändert. Beide Studien stützen, dass ein einzelner Hoden die Chance auf Spermiengewinnung nicht verringere, sofern die Hodengröße ausreicht. Schwächen: kleine Zahlen; angeborener und erworbener Einzelhoden werden in [s104] gemeinsam betrachtet.