Die Literatur besteht aus Kohorten zum Spermiogramm nach Vasektomie (darunter spanisch- und französischsprachige Serien), aus wenigen Untersuchungen am Menschen zu Hoden, Hormonen und Ejakulatvolumen und aus Tierversuchen zur Spermatogenese nach Samenleiterverschluss.
Spermiogramm nach Vasektomie: Dauer bis zur Azoospermie, Restspermien, Rekanalisation
Labrecque et al. 2006: frühe Rekanalisation nach Vasektomie, randomisierte Studie plus Beobachtungsstudie (Kanada) [s338]. Titel: „Frequency and patterns of early recanalization after vasectomy.“ (BMC urology, 2006). Auswertung der Verlaufsdiagramme von 826 Männern (randomisierter Vergleich von Samenleiterdurchtrennung mit und ohne Faszieninterposition) und 389 Männern (Beobachtungsstudie zur Kauterisation). Die vermutete frühe Rekanalisation zeigte sich als sehr niedrige Spermienkonzentration in den ersten zwei Wochen mit anschließender Rückkehr großer Spermienzahlen; Gesamtanteil 13 % (95-%-KI 12 bis 15 %), am höchsten bei Ligatur und Durchtrennung ohne Faszieninterposition (25 %), am niedrigsten bei thermischer Kauterisation mit Faszieninterposition (0 %); die höchsten Anteile bei den als Vasektomieversager eingestuften Männern. Schwäche: „vermutete“ Rekanalisation, beurteilt anhand von Diagrammen durch drei Gutachter.
Labrecque et al. 1998: Wirksamkeit und Komplikationen in zwei Kliniken der Region Québec (französischsprachiger Originaltitel) [s369]. Titel: „Efficacité et complications associées à la vasectomie dans deux cliniques de la région de Québec. (Wirksamkeit und Komplikationen der Vasektomie in zwei Kliniken der Region Québec)“ (Canadian family physician Medecin de famille canadien, 1998). Retrospektive Kohorte, 1.223 Männer 1994 bis 1996, No-Scalpel-Technik; Privatklinik (n = 775, Tantalklammern) gegenüber Familienplanungsklinik (n = 448, Kauterisation mit Faszieninterposition). Komplikationsbedingte Konsultationen 5,0 % (39) gegenüber 12,3 % (55; p < 0,001); frühe oder späte Rekanalisation bei 2,8 % (15) gegenüber 1,2 % (4) der Männer mit Spermiogramm (p < 0,14). Fazit der Autoren: weniger Komplikationen in der Privatklinik, aber höhere Wirksamkeit in der Familienplanungsklinik; Unterschiede der Technik erklärten dies teilweise.
Cháfer Rudilla et al. 2007 (a): Einfluss des Analyseprozesses auf Auftreten und Verschwinden von Spermien nach Vasektomie (Spanien) [s330]. Titel: „Influencia del proceso analítico en la aparición y desaparición de los espermatozoides del semen tras la vasectomia. (Einfluss des Analyseverfahrens auf Auftreten und Verschwinden der Spermien im Ejakulat nach Vasektomie)“ (Actas urologicas espanolas, 2007). Retrospektiv, Albacete 2002 bis 2004: 984 Vasektomien, 1.430 Samenproben (im Mittel 2 pro Patient). Präanalytisch waren 134 Proben (9,4 %) nicht vollständig gesammelt, 269 Männer (18,8 %) lieferten weniger als 2 ml; analytisch waren 432 Ejakulate (30,5 %) extrem zähflüssig, 62 (4,3 %) enthielten viele Zellen; postanalytisch hatten 153 Patienten (20,9 %) wechselnd negative und positive Befunde mit seltenen unbeweglichen Spermien. Schlussfolgerung der Autoren: Zwei Proben je Patient seien nötig; ein negativer Befund solle als Wert unter der Nachweisgrenze angegeben werden. Laborbefunde einer einzelnen Einrichtung.
Cháfer Rudilla et al. 2007 (b): Bewertung eines Protokolls zur Kontrolle der Vasektomie (Spanien) [s331]. Titel: „Evaluación de un protocolo para el control de la vasectomía y modificaciones a realizar. (Bewertung eines Protokolls zur Kontrolle der Vasektomie und notwendige Änderungen)“ (Actas urologicas espanolas, 2007). Gleiches Kollektiv: 67 % lieferten Proben, nur 55,5 % erreichten die Freigabekriterien; im Mittel zwei Proben, 39,6 % gaben nur eine, mehr als 23 % mehr als drei ab. 43 technische Misserfolge, 4 frühe Rekanalisationen (0,5 %), eine späte (0,1 %), 13 Patienten (1,7 %) erneute Vasektomie. Die Autoren schlagen zwei Untersuchungen im sechsten und siebten Monat vor.
Gómez de Vicente et al. 2004: natürlicher Verlauf der Spermienklärung nach Vasektomie (Spanien) [s347]. Titel: „La historia natural del aclaramiento de espermatozoides en el semen tras la vasectomía. (Der natürliche Verlauf der Spermienklärung im Ejakulat nach Vasektomie)“ (Actas urologicas espanolas, 2004). 239 aufeinanderfolgende ambulante Vasektomien 1998 bis 1999, Nachbeobachtung 41 bis 853 Tage (Mittel 144, Median 104), Kaplan-Meier-Analyse. Anhaltend Spermien bei 31 Patienten (13 %) am Ende; 10 Patienten (4,2 %) brachen die Nachsorge trotz positiver Probe ab. Zeit bis zur negativen Probe 58 bis 362 Tage (Mittel 133, Median 99); die Wahrscheinlichkeit, 200 bzw. 260 Tage nach der Vasektomie azoosperm zu sein, lag bei 80 bzw. 90 %. Die Autoren halten mindestens 200 Tage für nötig, um bei 80 % alle Spermien zu klären, und schlagen die erste Probe nach sieben Monaten vor (Aussage der Autoren).
Estigarribia Benítez et al. 2022: klinische Bedeutung von Spermien in Spermiogrammen nach Vasektomie, Serie von 2.168 Patienten (Spanien) [s147]. Titel: „Significación clínica de la presencia de espermatozoides en los seminogramas posvasectomía. Análisis de una serie de 2.168 pacientes. (Klinische Bedeutung von Spermien in Spermiogrammen nach Vasektomie. Analyse einer Serie von 2.168 Patienten)“ (Revista internacional de andrologia, 2022). Querschnittsanalyse von 2.168 Vasektomien 2010 bis 2017; 1.807 Patienten eingeschlossen, 1.297 azoosperm nach drei Monaten, 501 mit unbeweglichen Restspermien. Nur 24 dieser 501 hatten mehr als 100.000 Spermien/ml; bei 9 Fällen waren bewegliche Spermien nachweisbar. Alle mit unbeweglichen Spermien wurden mit monatlichen Spermiogrammen verfolgt: Azoospermie nach im Mittel 4,5 Monaten (Spanne 4 bis 10 Monate), im Mittel 2,5 Untersuchungen, unabhängig vom Ausgangswert; alle mit beweglichen Spermien brauchten einen Zweiteingriff. Die Autoren schließen, serielle Kontrollen bis zum negativen Spermiogramm seien entbehrlich (Aussage der Autoren). Die Zahlen 1.297 + 501 ergeben 1.798, nicht die genannten 1.807; der Abstract erklärt die Differenz nicht.
Hourié et al. 2017: Praxis und Kosten der Vasektomie, französische Einzelzentrumserfahrung (Frankreich) [s222], mit der Abschlussarbeit derselben Kohorte [s234]. Titel: „Évaluation des pratiques et des coûts de la vasectomie. Expérience monocentrique française. (Bewertung von Praxis und Kosten der Vasektomie. Französische Einzelzentrumserfahrung)“ (Progres en urologie : journal de l'Association francaise d'urologie et de la Societe francaise d'urologie, 2017). Retrospektive Kohorte, 45 Patienten, Juli 2001 bis Mai 2016, mittleres Alter 41,3 Jahre; die Bedenkzeit wurde bei 24 % nicht eingehalten; schriftliche Einwilligung bei 89 %; im Kontrollspermiogramm waren 54,3 % azoosperm, wobei die Drei-Monats-Frist bei 23 % nicht eingehalten wurde; kein Patient bereute den Eingriff; mittlere Kosten 660,63 Euro, mittlerer Ertrag 524,50 Euro, Verlust 136,13 Euro. Sehr kleine Stichprobe; der Wert liegt in der Beschreibung der französischen Praxis nach dem Gesetz vom 4. Juli 2001. Titel: „Évaluation des pratiques et impact micro-économique de la vasectomie : expérience monocentrique française (Bewertung der Praxis und der mikroökonomischen Auswirkung der Vasektomie: französische Einzelzentrumserfahrung)“ (Masterarbeit (HAL-DUMAS), 2016). Die Abschlussarbeit [s234] (HAL, 2016) beschreibt dieselbe Kohorte und gibt ergänzend an, dass präventive Kryokonservierung in 78 % der Fälle angeboten wurde und dass das Kontrollspermiogramm in 22 % nicht durchgeführt wurde; als zusätzliche Evidenz zählt sie nicht.
Sim et al. 2024: Histologie des Samenleiters bei Vasektomie (Italien) [s107]. Titel: „Vasectomy histology: Is it still useful?“ (Archivio italiano di urologia, andrologia : organo ufficiale [di] Societa italiana di ecografia urologica e nefrologica, 2024). Retrospektiv, 388 Patienten 2018 bis 2022, 191 (49,2 %) mit Spermiogramm nach Vasektomie. Kein signifikanter Unterschied bei azoospermen Proben (95,4 % gegenüber 91,2 %), Proben mit seltenen unbeweglichen Spermien (2,6 % gegenüber 8,8 %) und Proben mit Spermien (2,0 gegenüber 0 %) zwischen vollständig und einseitig unvollständig durchtrenntem Samenleiter in der Histologie; vier Revisionen, drei wegen der Histologie. Die Autoren sehen eine Rolle der Histologie bei geringer Spermiogramm-Teilnahme. Schwäche: kleine Zahlen in den Untergruppen, deshalb keine Aussage zur Gleichwertigkeit.
Davies et al. 1990: Langzeitverlauf nach „special clearance“ (Oxford) [s387]. Titel: „The long-term outcome following "special clearance" after vasectomy.“ (British journal of urology, 1990). Von 6.067 ambulanten Vasektomien 1980 bis 1985 erhielten 151 Männer (2,5 %) eine „special clearance“ (weniger als 10.000 Spermien/ml in zwei aufeinanderfolgenden Proben mindestens sieben Monate nach der Operation). Von diesen lieferten nach mindestens drei Jahren 50 Männer eine Probe, alle bis auf einen waren azoosperm; keine Schwangerschaft durch Versagen der Vasektomie bekannt. Schwäche: Nachbeobachtung nur bei 50 von 151.
Beder et al. 2020: klinische Auswirkung der britischen Laborleitlinie (Großbritannien) [s182]. Titel: „The clinical impact of British guidelines on post-vasectomy semen analysis.“ (Central European journal of urology, 2020). Retrospektiv, Vasektomien 2014 bis 2018, vor und nach Einführung der Leitlinie von 2016. Die Erkennung seltener unbeweglicher Spermien stieg von 18 % auf 27 % (p < 0,01); vor der Einführung benötigte kein Patient eine besondere Freigabe, danach 10; die Kosten der Samenverarbeitung stiegen auf das Fünffache. Die erste Probe zeigte Azoospermie oder seltene unbewegliche Spermien bei 97,5 %. Die Autoren schlagen vor, die britische Empfehlung an die europäische anzugleichen, bei der eine Freigabe nach einer einzelnen nicht zentrifugierten Probe möglich ist. Schwäche: Einzelzentrum, Vorher-Nachher-Vergleich.
Yılmaz und Yıldız 2019: Erektionsfunktion und Lebensqualität nach 212 Vasektomien (Izmir, Türkei) [s203]. Titel: „DOES VASECTOMY AFFECT ERECTILE FUNCTIONS AND QUALITY OF LIFE?“ (İzmir Eğitim ve Araştırma Hastanesi Tıp Dergisi, 2019). Prospektive Beobachtung von 212 aufeinanderfolgenden Vasektomien (No-Scalpel-Technik) mit IIEF- und SF-36-Fragebögen am Operationstag und nach 3, 6 und 12 Monaten. Der mittlere IIEF-Wert stieg signifikant (p < 0,05), SF-36 blieb unverändert (p > 0,05). Bei 18 Patienten fanden sich nach sechs Monaten noch bewegliche Spermien; 12 wurden erneut vasektomiert, 6 lehnten ab; 186 Patienten wurden prospektiv ausgewertet; ein Hämatom (0,45 %). Die Studie misst nicht die Samenqualität, sondern Erektion und Lebensqualität; der Bezug zur Fragestellung besteht über die Verbleibquote beweglicher Spermien (18 von 212 nach 6 Monaten, aus den Zahlen berechnet 8,5 %) und die Re-Vasektomie.
Technik- und Praxisserien aus China und Japan [s265, s80, s87, s34]. Titel: „Percutaneous no-scalpel vasectomy via one puncture in China“ (Urology journal, 2014). [s265] (China): 150 Männer mit modifizierter einstichiger Vasektomie gegenüber 120 mit Standardverfahren; Operationsdauer 9,8 Minuten, ein Wundheilungsproblem (0,67 %); keine Samenangaben. Titel: „Application of sterilization of vas deferens by irrigation in clinic“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2025). [s80] (China, chinesischsprachig): 86 Männer, 50 Standardvasektomie gegenüber 36 Spülverfahren; Alter 32,0 ± 5,5 gegenüber 31,0 ± 6,3 Jahre, Hodenvolumen 16,0 ± 4,8 gegenüber 17,0 ± 4,4 ml, Spermienkonzentration vor dem Eingriff 39,6 ± 20,2 gegenüber 40,2 ± 22,6 × 10⁶/ml, Testosteron 4,3 ± 0,8 gegenüber 4,4 ± 0,8 ng/ml; Erholungsdauer (nach „künstlicher Obstruktionsazoospermie“) und Zufriedenheit unterschieden sich signifikant (p < 0,05), die Durchgängigkeit zwischen beiden Hodenkanälchen-Seiten ebenfalls (91,7 % gegenüber 83,3 %; p < 0,05); die Angabe ist im Abstract nicht eindeutig zugeordnet. Titel: „オフィスユロロジーでの精管結紮術の実際とラーニングカーブ (Vasektomie in der Praxis: Vorgehen und Lernkurve)“ (北関東医学, 2025). [s87] (Japan, japanischsprachig, J-STAGE): 234 Vasektomien einer Praxis (2010 bis 2025), in fünf Perioden unterteilt; mittlere Operationsdauer von 27,0 Minuten (95-%-KI 25,8 bis 28,2) auf 21,5 Minuten (19,7 bis 23,3; p = 0,00166); Nebenwirkungen: Wundinfektion 0,9 %, Nebenhodenentzündung 3,4 %, Blutung oder Hämatom 2,6 %; Azoospermie bestätigt bei 93,2 % nach der ersten und 94,9 % nach der zweiten Kontrolle; eine Reoperation (0,4 %); 11 Männer (4,7 %) ohne Samenkontrolle. Titel: „A CASE OF PREGNANCY POST VASECTOMY“ (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 2026). [s34] (Japan, japanischsprachig): Fallbericht eines 43-Jährigen, Vasektomie mit Skalpell und doppelter Ligatur ohne Mukosakauterisation; einen Monat danach zwei unbewegliche Spermien im gesamten Gesichtsfeld, acht Monate später Schwangerschaft der Partnerin und 10 bis 20 bewegliche Spermien je Gesichtsfeld, vermutet wurde eine Rekanalisation; die Autoren betonen die Aufklärung auch der Partnerin. Alle sind Einzelzentrumsserien ohne Vergleichsgruppe zur Spermienqualität.
Hoden, Hormone und Ejakulatvolumen nach Vasektomie
Raleigh et al. 2004: Stereologie des menschlichen Hodens nach Vasektomie (Australien) [s350]. Titel: „Stereological analysis of the human testis after vasectomy indicates impairment of spermatogenic efficiency with increasing obstructive interval.“ (Fertility and sterility, 2004). Retrospektiv; Hodenbiopsien von 34 Vasektomierten 1 bis 20 Jahre nach dem Eingriff (bei der Vasovasostomie entnommen) und 10 normalen Männern (Kontrollen bei der Vasektomie). Die Vasektomie ging mit weniger Keimzellen der späten Spermatogenesestufen einher: Pachytän-Spermatozyten −18 %, runde Spermatiden −40 %, elongierende Spermatiden −23 %, elongierte Spermatiden −39 %. Der Spermatidenverlust hing mit der Dauer des Verschlusses zusammen. Die gesamte Fibrose war 2,7-fach erhöht und stieg ebenfalls mit dem Verschlussintervall. Keine Beziehung zu Spermienantikörpern oder zu Spermienzahlen bis zwei Jahre nach Vasovasostomie. Stärke: quantitative Stereologie. Schwäche: Die Männer wurden bei der Umkehr biopsiert, also selektiert; kleine Kontrollgruppe.
Xiang et al. 2013: Langzeiteffekt der Vasektomie auf die Spermatogenese des Mannes (Sichuan, China) [s283]. Titel: „Long-term effect of vasectomy on spermatogenesis in men: a morphometric study.“ (Asian journal of andrology, 2013). Querschnitt, Hodenbiopsie bei Leistenbruchoperation: 51 Männer ab 50 Jahren, 25 Kontrollen und 26 Vasektomierte (22 bis 42 Jahre nach beidseitiger Vasektomie). In sieben Vasektomierten und einem Kontrollmann bestand das Gewebe fast nur aus Bindegewebe. Bei den übrigen 43 keine signifikanten Unterschiede in Hoden- und Nebenhodengröße, Histologie, Tubulusdurchmesser und Volumenanteil. Die Autoren schließen auf ein statisches Gleichgewicht von Spermienproduktion und -abbau, vermutlich durch Altersdegeneration oder vasektomiebedingte Fibrose. Schwächen: kleine Gruppen, ältere Männer, altersbedingter Zusammenhang nicht trennbar, Biopsie nur bei Hernienpatienten, keine Samenanalyse; die Studie sagt nichts über den Zeitraum kurz nach der Vasektomie. Ein weiterer Hinweis, wie eng die Themen Hernie und Vasektomie verknüpft sind.
Naelitz et al. 2026: Änderungen des Samenvolumens nach Vasektomie (USA) [s32]. Titel: „Changes in Semen Volume Following Vasectomy: A Retrospective Case-Control Analysis.“ (Andrology, 2026). Retrospektive Fall-Kontroll-Studie, 957 Männer (319 Vasektomierte, 638 Kontrollen im Verhältnis 1:2 nach Alter gematcht). Ausgangsvolumen 3,51 ± 1,51 ml in beiden Gruppen (p = 0,98); späteres Volumen 3,07 ± 1,42 gegenüber 3,19 ± 1,60 ml (p = 0,22). In beiden Gruppen sank das Volumen leicht (Vasektomierte −0,44 ml, Kontrollen −0,32 ml; beide p < 0,0001), der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant (p = 0,19); multivariabel β = 0,04 ml (p = 0,50). Die Vasektomie selbst verändere das Samenvolumen nicht. Stärke: Kontrollgruppe, die die Alterung herausrechnet. Schwäche: selektierte Männer mit normalem Ausgangsbefund, retrospektiv, nur ein Zentrum.
Cao et al. 2007: hochauflösender Ultraschall des Nebenhodens mehr als zehn Jahre nach Vasektomie (Sichuan, chinesischsprachig) [s329]. Titel: „Ultrasonographic changes in the epididymis after long-term vasectomy“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2007). 64 Männer mehr als zehn Jahre nach Vasektomie und 60 Männer ohne Vasektomie, die wegen Nebenhodenbeschwerden überwiesen worden waren. Nach Vasektomie waren häufiger verdickt: Nebenhodenkörper 64,1 % gegenüber 15,0 %, Cauda 78,1 % gegenüber 51,7 %, alle drei Abschnitte 42,2 % gegenüber 8,3 %; Ektasie der Nebenhodenkanälchen 54,7 % gegenüber 8,3 %; erhöhte Durchblutung seltener (15,6 % gegenüber 61,7 %). Schwäche: Die Kontrollen waren ebenfalls Patienten mit Nebenhodenindikation, keine Samenanalyse.
Shi et al. 2017: Androgene bei Männern ab 40 Jahren nach Vasektomie (Zunyi, chinesischsprachig) [s228]. Titel: „Vasectomy has no obvious longterm influence on the levels of serum androgens in aging males“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2017). Querschnitt an 437 Männern ab 40 Jahren (232 vasektomiert, 205 nicht). Roh waren Gesamttestosteron (16,01 ± 5,41 gegenüber 17,39 ± 6,57 nmol/l), SHBG (58,91 ± 36,89 gegenüber 70,28 ± 40,90 nmol/l) und LH (8,86 ± 6,49 gegenüber 10,85 ± 11,73 IU/l) nach Vasektomie höher und der freie Testosteronindex niedriger (0,33 ± 0,15 gegenüber 0,30 ± 0,12; alle p < 0,05; Reihenfolge der Werte: nicht vasektomiert gegenüber vasektomiert). Nach Adjustierung blieb kein Unterschied (Gesamttestosteron β = 1,015, 95-%-KI −0,180 bis 2,210; SHBG β = 5,118, −2,069 bis 12,305; LH β = 1,011, −0,811 bis 2,834). Autoren: kein deutlicher Langzeiteinfluss auf Androgene. Schwäche: Querschnitt, keine Samenanalyse.
Zhao et al. 2018: Hormone, PSA und Lebensqualität nach Vasektomie (China) [s218]. Titel: „Long-term safety, health and mental status in men with vasectomy“ (Scientific reports, 2018). 485 vasektomierte Männer und 1.940 Männer ohne Vasektomie. In der multiplen linearen Regression hatten fast alle Faktoren (Hormone, PSA, Blutchemie) keinen Zusammenhang mit der Vasektomie, mit Ausnahme von vier Maßen: Somatik-Wert der Aging-Males-Symptoms-Skala 0,31 (95-%-KI 0,02 bis 0,61), SF-36-Gesamtwert −18,8 (−32,00 bis −5,60), „Role emotional“ −6,28 (−10,34 bis −2,22) und „Mental health“ −1,55 (−3,08 bis −0,02). Keine langfristige Wirkung auf Sexualhormone, kein höheres PSA. Schwäche: Querschnitt, Selektion, keine Samenanalyse.
Cho et al. 2011: Skrotalschmerz und Nebenhodendurchmesser nach Nadelstich-Vasektomie (Seoul) [s299]. Titel: „Associations of ultrasonographic features with scrotal pain after vasectomy“ (Korean journal of urology, 2011). Prospektive Studie: 178 Männer mit Nadelstich-Vasektomie, 114 mit Befragung und Ultraschall nach zwei Monaten (Alter im Mittel 36,3 Jahre). Zwischen 23 Männern mit Skrotalschmerz und 91 ohne bestanden keine Unterschiede im Durchmesser von Nebenhodenkopf und -körper. Die Autoren vermuten andere Schmerzursachen als die Obstruktion.
Zhang et al. 2013: Nebenhodenstauung nach Vasektomie (China, chinesischsprachig) [s284]. Titel: „High-frequency ultrasonography for epididymal stasis after vasectomy“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2013). 23 Männer mit Nebenhodenstauung nach Vasektomie (5 leicht, 11 mittel, 7 schwer). Ultraschall zeigte bei 14 beidseitig vergrößertes Nebenhodenvolumen. Konservativ gebessert wurden 18 (5, 11 und 2 der jeweiligen Gruppen); 5 schwere Fälle wurden mit konservativer Behandlung und Rückgängigmachung der Vasektomie entlastet.
Tierversuche zur Spermatogenese nach Samenleiterverschluss
Ribas-Maynou et al. 2022: Spermienabbau nach Vasektomie bei Mäusen (Spanien/USA) [s151]. Titel: „Sperm degradation after vasectomy follows a sperm chromatin fragmentation-dependent mechanism causing DNA breaks in the toroid linker regions.“ (Molecular human reproduction, 2022). Vasektomierte Mäuse, Comet-Test und Pulsfeld-Gelelektrophorese 1, 2 und 3 Wochen nach der Operation. Der Olive-Tail-Moment (DNA-Doppelstrangbrüche) im Samenleiter lag bei 21,78 ± 2,29, 19,71 ± 1,79 und 32,59 ± 1,81 gegenüber 7,04 ± 1,03, 10,10 ± 1,29 und 8,64 ± 0,85 nach Scheinoperation (p < 0,001); ähnlich im unteren Nebenhodenabschnitt (Cauda epididymidis), nicht im Nebenhodenkopf (p > 0,05). Die Brüche lagen überwiegend in den Toroid-Linker-Regionen (15 bis 145 kb). Die Autoren deuten dies als aktivierten Abbaumechanismus der Spermien-DNA im Samenleiter, wenn die Spermien nicht ejakuliert werden können. Übertragbarkeit auf den Menschen offen.
Ren et al. 2011: Ratte, beidseitige Vasektomie (Japan) [s304]. Titel: „Effect of short period vasectomy on FSH, LH, inhibin and testosterone secretions, and sperm motility in adult male rats“ (Experimental animals, 2011). Nach beidseitiger Vasektomie stieg das Nebenhodengewicht, die Spermatogenese war histologisch geschädigt (mehrkernige Riesenzellen in Tubuli, degenerierende Spermatiden im Nebenhoden). LH, FSH und Testosteron fielen nur an Tag 3, das hemmende Inhibin war an Tag 3 erhöht. Die computergestützten Beweglichkeitsmaße (gerade und gekrümmte Geschwindigkeit, Kopfauslenkung) nahmen ab Tag 60 ab. Autoren: Vasektomie senkt die Beweglichkeit ab Tag 60; frühe Hormonwirkung gering.
Ma et al. 2016: Ratte, einseitige Doppelligatur ohne Durchtrennung (China) [s238]. Titel: „Morphometric study of the testis and reproductive tract (including sperm granuloma) after vasectomy in mature rats“ (Asian journal of andrology, 2016). 12 Tiere, Entnahme nach 37 Tagen. Bei 5 von 12 Hoden fand sich ausgeprägte Spermatogenese-Schädigung (Spermatiden und Spermatozyten in 43 % der Tubulusprofile erschöpft), verbunden mit kleineren oder fehlenden Spermiengranulomen; bei den 7 übrigen normaler Befund mit im Mittel um 111 % erhöhtem Lumenvolumen und größeren Granulomen. Rete-testis-Dicke im Mittel +66 %. Autoren: Die Schädigung ist auch bei der Ratte druckvermittelt und hängt vom Granulom ab.
Zhang et al. 2012: Beagle, Vasektomie nach 12 Monaten (China) [s295]. Titel: „Long-term reproductive consequences of no-scalpel vasectomy in beagles“ (Journal of Huazhong University of Science and Technology. Medical sciences = Hua zhong ke ji da xue xue bao. Yi xue Ying De wen ban = Huazhong keji daxue xuebao. Yixue Yingdewen ban, 2012). 5 vasektomierte gegen 5 scheinoperierte Tiere. Das Tubulusepithel war ungeordnet, es fanden sich Atrophie und Apoptose in Hoden, Nebenhoden und Samenleiter. Die Autoren sehen die vollständige Samenleiterobstruktion nicht als absolut sicher für die spätere Umkehrbarkeit und fordern druckentlastende Verfahren. Sehr kleine Gruppen.
Qu et al. 2008: Maus, Vasektomie und Autoimmunorchitis (Tokio) [s324]. Titel: „Caput epididymitis but not orchitis was induced by vasectomy in a murine model of experimental autoimmune orchitis“ (Reproduction (Cambridge, England), 2008). Vasektomie allein löste keine Entzündung aus; Scheinvasektomie plus Immunisierung mit Keimzellen erzeugte Autoimmunorchitis ohne Nebenhodenentzündung; Vasektomie plus Immunisierung dagegen verhinderte die Orchitis und führte zu einer Entzündung des Nebenhodenkopfes mit T-Zellen, B-Zellen und Makrophagen und erhöhter IL-6- und IL-10-mRNA; die Autoantikörper richteten sich gegen das Akrosom reifer Spermatiden und Spermien. Grundlagenstudie; Bezug zur Fertilität nur mittelbar.
Kubota et al. 2001: Ratte, Mechanismus der Spermatogenese-Störung nach Samenleiterligatur (Japan, japanischsprachig) [s361]. Titel: „ラット精管結紮後の造精機能障害発生機序の研究 (Studie zum Entstehungsmechanismus der Spermatogenesestörung nach Samenleiterligatur bei der Ratte)“ (日本泌尿器科学会雑誌, 2001). Zehn Wochen alte Wistar-Ratten, linker Samenleiter ligiert, Auswertung nach 1, 2, 5 und 10 Wochen. Ab Woche 5 nahm auf der Ligaturseite die Zahl apoptotischer Keimzellen deutlich zu (Woche 5 und 10: p < 0,01), begleitet von höherer iNOS-Expression und verstärktem Eintritt von NFκB p65 in die Zellkerne. Die Autoren sehen eine Beteiligung von iNOS und NFκB an der apoptosevermittelten Spermatogenesestörung.
Şahintürk et al. 2020: Ratte, einseitige Vasektomie, Stereologie (Türkei) [s191]. Titel: „Deneysel Vazektominin Farklı Dönemlerde Erişkin Sıçan Testisinde Oluşturduğu Değişikliklerin Histomorfometrik İncelemesi (Histomorphometrische Untersuchung der Veränderungen im Hoden erwachsener Ratten in verschiedenen Zeiträumen nach experimenteller Vasektomie)“ (ANADOLU KLİNİĞİ TIP BİLİMLERİ DERGİSİ, 2020). 48 Wistar-Ratten; einseitige Vasektomie gegenüber alleinigem Bauchschnitt, Entnahme des linken Hodens nach 1, 12 und 24 Wochen (je Gruppe 8 Tiere). Nach 1 und 12 Wochen fanden sich höhere Dichten von Spermatogonien, Sertoli- und Myoidzellen und weniger Spermatiden; nach 24 Wochen waren die Zellen der Samenkanälchen vermindert. Kollagenfasern nahmen zu, abhängig von der Zeit seit der Vasektomie; Riesenzellen im Kanälchenlumen nach 1 Woche. Die Autoren erklären dies mit einem Ausgleichsmechanismus in der Basalkammer und einem Druckanstieg durch Spermiengranulom im Nebenhoden, der Spermatiden ablösen lasse. Stärke: Scheinoperationskontrolle, quantitative Stereologie.
Lisowa 2016: Blockade der Samenleiter und Spermatogenese (Grodno, Belarus; Tierart nicht genannt) [s243]. Titel: „Влияние блокады семявыносящих протоков на сперматогенез (Einfluss der Blockade der Samenleiter auf die Spermatogenese)“ (Журнал Гродненского государственного медицинского университета, 2016). Nach 30 Tagen kleinerer Durchmesser der Samenkanälchen und kleineres Kernvolumen der interstitiellen Zellen, verformte Ultrastruktur der Blut-Hoden-Schranke und deutlich weniger entwickelte Keimzellen einschließlich Spermien. Die Tierart wird im Abstract nicht genannt, Zahlen fehlen.
Einordnung der Beobachtungsstudien zur Vasektomie
Zum Verschwinden der Spermien gibt es eine gute Evidenzbasis: Die meisten Männer sind nach etwa drei Monaten und 20 Ejakulationen azoosperm, ein einstelliger bis niedriger zweistelliger Prozentsatz hat noch Restspermien, und die Dauer reicht in spanischen Serien bis zu mehr als sechs Monaten [s347, s147]. Frühe Rekanalisation ist technikabhängig und häufiger, als lange angenommen [s338]. Für die Hodenmorphologie zeigen Biopsien nach längerem Verschluss weniger Spermatiden und mehr Fibrose [s350], nach Jahrzehnten aber ein Gleichgewicht ohne Unterschied zur Kontrolle [s283]; das Samenvolumen bleibt gleich [s32]. Die Hormonlage unterscheidet sich nach Adjustierung nicht [s228, s218]. Die Aussagekraft ist durch die Selektion der biopsierten Männer begrenzt; die Spermatogenese-Schädigung wird überwiegend im Tier belegt [s304, s238, s295, s361, s191]. Die Evidenz ist für alle Aussagen niedrig bis mäßig.