Dieser Abschnitt ist nach Eingriffen gegliedert. Innerhalb jeder Gruppe stehen zuerst die quantitativen Zusammenfassungen (Metaanalysen mit Konfidenzintervallen), dann systematische Übersichten ohne gepoolte Schätzer und zuletzt erzählende Übersichten.
Hypospadie
Für die Hypospadie gibt es keine Metaanalyse zur Samenqualität; die vorhandenen Übersichten stützen sich auf wenige, überwiegend kleine Primärstudien oder werten andere Endpunkte (Sexualfunktion, Operationspraxis) aus.
Siregar et al. 2026: systematische Übersicht zu Sexualfunktion und Fruchtbarkeit nach Hypospadiekorrektur im Kindesalter [s46]. Titel: „Investigating adult male sexual function and fertility after childhood hypospadias repair surgery - a systematic review.“ (BMC urology, 2026). Design: systematische Übersicht nach PRISMA mit Suche in PubMed, Embase und Scopus und Qualitätsbewertung mit der Newcastle-Ottawa-Skala. Von 288 zunächst gefundenen Artikeln erfüllten 14 die Einschlusskriterien; sie umfassten zusammen 6.737 Teilnehmende für Fruchtbarkeitsergebnisse und 933 für Sexualfunktion. Die Studienqualität wird als durchschnittlich bewertet. Ergebnis: Bei distaler Hypospadie fielen Sexualfunktion und Fruchtbarkeit günstiger aus als bei proximalen Formen; bei diesen seien Ejakulationsstörungen, eine geringere Samenqualität und Infertilität häufiger. Stärken: breite Datenbasis. Schwächen: Der Abstract nennt keine gepoolten Effektschätzer; die Endpunkte (Vaterschaft, Samenparameter) sind uneinheitlich, die Primärstudien überwiegend klein oder registerbasiert, und die Autoren fordern ausdrücklich eine multizentrische Bestätigung. Einordnung: Die Übersicht stützt das Muster „Schweregrad der Fehlbildung bestimmt das Ergebnis“, ohne eine Größenordnung angeben zu können.
Effendi et al. 2025: systematische Übersicht mit Metaanalyse zur Sexualfunktion nach Hypospadiekorrektur [s59]. Titel: „Adult Sexual Function Following Hypospadias Repair in Childhood: A Systematic Review and Meta-Analysis of Long-Term Patient Outcomes.“ (Urology, 2025). PRISMA-Übersicht mit gepoolten Inzidenzen aus 13 Studien. Gepoolte Häufigkeit erektiler Dysfunktion 12 % (95-%-Konfidenzintervall 7 bis 19 %), sexuelle Unzufriedenheit 16 % (95-%-KI 12 bis 22 %); erhebliche Heterogenität durch unterschiedliche Operationstechniken, Populationen und Nachbeobachtungsdauern. Relevanz für die Samenqualität: nur indirekt, denn Spermienparameter sind kein Endpunkt. Stärke: quantitative Zusammenfassung. Schwächen: hohe Heterogenität, Patientenberichte, keine Samenanalyse.
Geada et al. 2024: Übersichtsarbeit zu Langzeitfolgen häufiger kinderurologischer Operationen für Fortpflanzung und Sexualität [s95]. Titel: „Long-term impact of commonly performed operations in pediatric urology on reproductive and sexual health.“ (Therapeutic advances in urology, 2024). Narrative Übersicht, die Studien mit großen Fallzahlen priorisiert (Chordee, Hypospadie, hintere Harnröhrenklappen, Varikozele, Hodenhochstand, Hodentorsion). Zur Hypospadie berichten die Autoren, Operierte gäben eine verminderte Penislänge an, Zufriedenheit, Libido und Samenqualität seien aber mit Kontrollen vergleichbar. Zu den übrigen Eingriffen: frühere Varikozelenbehandlung gehe mit besseren Langzeitergebnissen einher, frühere Orchidopexie mit besseren Fruchtbarkeitsraten; nach einseitiger Orchiektomie wegen Torsion seien die Samenparameter vermindert, die Fruchtbarkeitsrate dagegen nicht beeinträchtigt. Schwächen: keine systematische Suche, im Abstract keine Zahlen; die Aussagen fassen andere Arbeiten zusammen und werden in diesem Kapitel an den Primärquellen geprüft.
Spinoit et al. 2021: Fruchtbarkeit und Sexualität bei angeborenen urologischen Erkrankungen, männliche Aspekte [s173]. Titel: „Fertility and sexuality issues in congenital lifelong urology patients: male aspects.“ (World journal of urology, 2021). PubMed-Übersicht (Stand Dezember 2018) zu Spina bifida, Blasenekstrophie-Epispadie-Komplex und Hypospadie. Berichtet wird unter anderem, dass etwa 75 % der Männer mit Spina bifida eine erektile Dysfunktion haben und bei 25 % aller Hypospadiepatienten eine Penisverkrümmung (Chordee) besteht; schwerere Hypospadie sei mit mehr Komplikationen verbunden. Samenparameter werden im Abstract nicht beziffert. Der Nutzen liegt im Rahmen, nämlich im Übergang von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin, nicht in Spermiendaten.
Kunz 2026: „Hypospadie als chronisches Problem? – Nachsorge, Versorgung und Komplikationsmanagement im Jugend- und Erwachsenenalter“ (deutschsprachige Übersicht, englischer Abstract) [s22]. Titel: „Hypospadie als chronisches Problem? – Nachsorge, Versorgung und Komplikationsmanagement im Jugend- und Erwachsenenalter.“ (Aktuelle Urologie, 2026). Beschrieben wird das Spektrum später Folgeprobleme (Harnröhrenstrikturen, Fisteln, Nachträufeln, Divertikel, Restverkrümmung, Narben, wiederkehrende Harnwegsinfekte, Lichen sclerosus) und die Schwierigkeit, dass Erwachsene oft weder Schweregrad noch Operationstechnik kennen. Spermienparameter kommen im Abstract nicht vor. Die Arbeit zeigt, dass die Datenlage im Erwachsenenalter auch durch fehlende Dokumentation der Primäroperation erschwert wird.
Einordnung der Übersichten zur Hypospadie. Die drei Übersichten mit Aussagen zur Fruchtbarkeit [s46, s95, s173] liefern keine gepoolten Schätzer für die Samenqualität. Das Gesamtbild beruht auf wenigen Primärstudien, die im Beobachtungsteil dieses Kapitels einzeln besprochen werden. Die Gewissheit ist niedrig.
Leistenbruchoperation
Drei Fragen werden in der Literatur getrennt behandelt: Verändert die Netzoperation beim Erwachsenen Samenqualität und Hormone? Kann der Eingriff, vor allem im Kindesalter, den Samenleiter verletzen? Gefährdet er die Durchblutung des Hodens? Zur ersten Frage liegen Übersichten mit Gesamtzahlen im fünfstelligen Bereich vor, zur zweiten und dritten fehlen quantitative Zusammenfassungen weitgehend.
Kordzadeh et al. 2017: systematische Übersicht mit gepoolter Analyse zur männlichen Infertilität nach Leistenbruchreparatur [s224]. Titel: „Male infertility following inguinal hernia repair: a systematic review and pooled analysis.“ (Hernia : the journal of hernias and abdominal wall surgery, 2017). Suche in Medline, Scopus, Embase und Cochrane Library von 1966 bis Oktober 2015 nach PRISMA, Qualitätsprüfung mit CASP; zehn Studien mit 35.740 Patienten. Ergebnisse: Die Spermienbeweglichkeit könne nach jeder Art der Reparatur beeinflusst sein, aber nur in der unmittelbaren Zeit nach der Operation (bis 48 Stunden). Eine obstruktive Azoospermie wurde bei 0,03 % der offenen Operationen und bei 2,5 % der beidseitigen laparoskopischen Operationen (TAP) mit Netz beobachtet; männliche Infertilität bei 0,8 % der offenen Netzoperationen, ohne Zusammenhang mit leichtem oder schwerem Netz. Die Autoren folgern, dass die Reparatur ohne Netz keinen Einfluss auf Fruchtbarkeit und obstruktive Azoospermie habe und dass bei beidseitiger Netzoperation männliche Infertilität in die Aufklärung noch nicht abgeschlossener Familienplanung gehöre (Aussage der Autoren). Stärke: große Gesamtzahl. Schwächen: nur zehn Studien bei sehr unterschiedlichen Designs; der Abstract schlüsselt nicht auf, auf wie vielen Fällen die 2,5 % bei beidseitiger laparoskopischer Operation beruhen; die Erhebungsmethoden (Spermiogramm gegenüber Fallmeldung) sind nicht einheitlich.
Dong et al. 2018: systematische Übersicht mit deskriptiver Analyse zu Netz und männlicher Infertilität [s208]. Titel: „Does the use of hernia mesh in surgical inguinal hernia repairs cause male infertility? A systematic review and descriptive analysis.“ (Reproductive health, 2018). Cochrane Library, PubMed, Embase, Web of Science und eine chinesische biomedizinische Datenbank; Jadad-Score und Oxford-Evidenzstufen. 29 Studien mit 36.552 Patienten, darunter sieben randomisierte Studien mit 616 Patienten und zehn klinische Studien mit 1.230 Patienten (Netz gegen kein Netz); sechs randomisierte Studien von hoher, eine von niedriger Qualität. Ergebnisse: Serum-Testosteron, LH und FSH sanken in der laparoskopischen gegenüber der offenen Gruppe, das Hodenvolumen stieg nur leicht ohne Signifikanz; Hoden- und Sexualfunktion blieben nach TAPP und TEP unverändert. Leichtgewichtige Netze (VyproII, Timesh) verminderten die Spermienbeweglichkeit nach einem Jahr stärker als schwere (Marlex), nach drei Jahren bestand kein Unterschied mehr. Offene Verfahren (Lichtenstein, Mesh-Plug, präperitoneale Netzplatzierung, vordere spannungsfreie Reparatur) verursachten keine Infertilität. Schlussfolgerung der Autoren: kein signifikanter Effekt auf die männliche Fruchtbarkeit. Schwächen: rein deskriptiv, keine gepoolten Effektmaße im Abstract, überwiegend kurze Nachbeobachtung; die Aussage „Hormone sanken“ steht neben „Hodenfunktion unverändert“, ohne dass der Abstract Zahlen nennt.
Tekatli et al. 2012: Übersicht zu Mechanismus, Erfassung und Häufigkeit männlicher Infertilität nach Leistenbruchoperation [s294]. Titel: „Mechanism, assessment, and incidence of male infertility after inguinal hernia surgery: a review of the preclinical and clinical literature.“ (American journal of surgery, 2012). Übersicht präklinischer und klinischer Literatur (Embase, MEDLINE, Cochrane). Tiermodelle zeigen erhebliche Effekte auf die Samenstrangstrukturen, ausgeprägter bei Netzreparaturen; die wenigen klinischen Studien mit begrenzten Patientenzahlen deuteten nicht auf einen klinischen Einfluss auf die Fruchtbarkeit des Menschen hin. Gefordert werden Studien mit beidseitig Erkrankten. Der Abstract nennt keine Zahlen.
Muff et al. 2026: Cochrane-Übersicht, laparoskopische gegen offene Reparatur beim kindlichen Leistenbruch [s31]. Titel: „Laparoscopic versus open repair for paediatric inguinal hernia.“ (The Cochrane database of systematic reviews, 2026). Zwölf randomisierte Studien mit 1.247 Kindern, Nachbeobachtung zwei Monate bis zwei Jahre. Rezidive: OR 0,64 (95-%-KI 0,26 bis 1,61; p = 0,35; neun Studien, 1.099 Teilnehmende; niedrige Sicherheit der Evidenz). Komplikationen der Clavien-Dindo-Stufe 3b bis 4: OR 1,82 (95-%-KI 0,07 bis 47,61; p = 0,72). Keine intraoperativen Verletzungen berichtet. Wichtig für das Thema: Weder Hodenatrophie noch Samenleiterverletzung noch Fruchtbarkeit sind Zielgrößen dieser Übersicht; chronische Schmerzen und Langzeitkomplikationen wurden in keiner Studie berichtet. Die Übersicht belegt damit vor allem, dass für die Frage nach Spermien- und Hodenfolgen der Kinderoperation randomisierte Daten fehlen.
Eurlings et al. 2024: systematische Übersicht mit Metaanalyse zur Hodendurchblutung nach kindlicher Leistenbruchoperation [s93]. Titel: „Testicular Vascularization after Pediatric Inguinal Hernia Repair: A Systematic Review and Meta-Analysis.“ (Children (Basel, Switzerland), 2024). Zehn Studien, sechs davon in der Metaanalyse. Nach offener Operation war die Hodendurchblutung kurzzeitig (1 Tag bis 1 Woche) vermindert, nach laparoskopischer Operation nicht; im längeren Verlauf (1 bis 6 Monate) fand sich kein erhöhter Gefäßwiderstand mehr, die Störung scheint vorübergehend. Die Folgen für Hodenfunktion und Samenqualität im Erwachsenenalter bleiben unklar. Der Abstract nennt keine Effektgrößen.
Russischsprachige Übersichten [s204, s205, s85]. Titel: „Паховая герниопластика и мужское здоровье (Leistenhernioplastik und männliche Gesundheit)“ (Research'n Practical Medicine Journal, 2019). Kulchenko 2019 [s204]: Der Leistenbruch betreffe etwa 5 bis 10 % der Bevölkerung, in Russland würden 370.000 Hernioplastiken jährlich durchgeführt; nach dem Rückgang der Rezidive seien Infektion, Schmerzen, Missempfindungen im Skrotum und Pathospermie in den Vordergrund getreten, der Einfluss von Bruch und Operation auf die Spermatogenese sei umstritten. Titel: „Паховые грыжи и грыжесечение как причины нарушения репродуктивной функции у мужчин (Leistenbrüche und Herniotomie als Ursachen einer Störung der reproduktiven Funktion bei Männern)“ (Новости хирургии, 2019). Magomedbekow und Magomedow 2019 [s205]: Zusammenschau spannungsbehafteter und spannungsfreier Verfahren; viele Autoren sähen einen Einfluss spannungsbehafteter Plastik, für die spannungsfreie Plastik werde ein positiver Einfluss gezeigt, zugleich mehrten sich Hinweise auf Durchblutungsstörungen des Samenleiters mit venöser Hypertonie im Kontaktbereich zum Implantat; randomisierte Studien seien nötig. Titel: „ГЕРНИОПЛАСТИКА-ВЛИЯНИЕ НА МУЖСКУЮ ФЕРТИЛЬНОСТЬ (ЛИТЕРАТУРНЫЙ ОБЗОР) (Hernioplastik und ihr Einfluss auf die männliche Fertilität (Literaturübersicht))“ (Universum: медицина и фармакология, 2025). Gasijewa et al. 2025 [s85]: Weltweit würden über eine Million Polypropylennetze jährlich implantiert; das Netz löse eine Fibroblastenreaktion aus, die zu Verwachsungen mit dem Samenstrang und zu einem kleineren Samenleiterdurchmesser führen könne; eine zusätzliche Schicht über dem Transplantat vermindere die implantatassoziierte Entzündung. Alle drei sind Literaturübersichten ohne eigene Zahlen im Abstract; sie zeigen den Dissens, ohne ihn mit Daten aufzulösen.
Einordnung der Übersichten zum Leistenbruch. Die beiden Übersichten mit Gesamtzahlen im Bereich von 35.000 Patienten [s224, s208] kommen übereinstimmend zu keinem Nachweis einer klinisch relevanten Infertilität nach Leistenbruchoperation beim Erwachsenen, räumen aber seltene obstruktive Azoospermien ein, besonders nach beidseitiger Netzreparatur. Beide beruhen auf heterogenen Primärstudien ohne einheitliche Erhebung. Für das Kind liegt keine Übersicht mit Samendaten vor [s31, s93]. Die Gewissheit ist für den Erwachsenen niedrig bis mäßig, für das Kind sehr niedrig.
Vasektomie
Zur Vasektomie selbst gibt es zwei Teilfragen mit Bezug zur Samenqualität: wie schnell und wie vollständig die Spermien aus dem Ejakulat verschwinden und wie das kontrolliert wird, und ob der Eingriff Hoden und Spermatogenese verändert.
Griffin et al. 2005: systematische Übersicht zur Nachkontrolle nach Vasektomie [s340]. Titel: „How little is enough? The evidence for post-vasectomy testing.“ (The Journal of urology, 2005). 56 Studien (Suche bis März 2003; Medline, Current Contents, Cochrane Library, Embase). Einschluss, wenn Daten zu mindestens einer der Größen Zeit oder Zahl der Ejakulationen bis zur Azoospermie, Schwangerschaft, wiederholter Vasektomie oder Histologie des Samenleiters vorlagen. Die Zeit bis zur Azoospermie schwankte; der Median des Anteils azoospermer Männer lag nach drei Monaten und nach 20 Ejakulationen stets über 80 %. Ein kleiner Anteil („14,845 or 1.4 %“, so wörtlich im Abstract, auch nach Gegenprüfung am PubMed-Original) zeigte anhaltend unbewegliche Spermien, einige davon wurden später azoosperm; das Wiederauftreten unbeweglicher Spermien wurde in sieben Studien beschrieben, bis zu 22 Monate nach dem Eingriff. Die Autoren sehen die Evidenz für ein Protokoll mit einer Probe nach drei Monaten und 20 Ejakulationen; für die histologische Untersuchung des entnommenen Samenleiters fand sich keine Evidenz. Stärke: umfassende Suche. Schwächen: heterogene Primärstudien; die Angabe „14,845 or 1.4 %“ ist im Abstract nicht erläutert und deshalb nur mit Vorbehalt verwendbar.
Khalafalla et al. 2024: erzählende Übersicht zur Samenanalyse nach Vasektomie (Katar) [s101]. Titel: „Post-Vasectomy Semen Analysis: What's All the Fuss about?“ (Diagnostics (Basel, Switzerland), 2024). Die Vasektomie sei mit über 98 % Erfolg ein verlässliches Verhütungsmittel, aber nicht fehlerfrei; die Kontrolle erfolge meist 8 bis 16 Wochen danach; als Erfolg gelte bei frischer, nicht zentrifugierter Probe Azoospermie, seltene unbewegliche Spermien oder weniger als 100.000 unbewegliche Spermien pro Milliliter. Heimtests seien bequem, aber nicht immer zuverlässig; Leitlinien und Praxis wichen voneinander ab. Keine eigenen Daten; als Orientierung für die Definition von Erfolg und Fehlschlag brauchbar.
Übersichten aus dem chinesischsprachigen Raum und aus Taiwan [s178, s57]. Titel: „Review of Vasectomy Complications and Safety Concerns“ (The world journal of men's health, 2021). Die Übersicht aus Chengdu [s178] hält fest, dass die Spermienqualität nach der Vasektomie nur sehr langsam sinke und dass Vasovasostomie und ICSI Paaren später helfen können. Titel: „The review of the long-term health risks associated with vasectomy“ (International journal of impotence research, 2025). Die Übersicht aus Taiwan [s57] sieht keinen überzeugenden Beleg für Langzeitrisiken der Vasektomie und behandelt auch Antispermien-Antikörper und Hormonveränderungen. Beide Abstracts nennen keine Zahlen.
Roth et al. 2025: routinemäßige Spermienkryokonservierung vor Vasektomie, Scoping-Review mit Kosten-Wirksamkeits-Modell (USA) [s75]. Titel: „Routine Sperm Cryopreservation Before Vasectomy Is not Cost-effective and Does not Increase Live Birth Rates Compared to Surgical Sperm Retrieval or Vasectomy Reversal.“ (Urology, 2025). Scoping-Review plus Modellrechnung mit drei Szenarien. Kosten pro Lebendgeburt nach Kryokonservierung 140.247 US-Dollar (Spanne 48.232 bis 552.807) gegenüber 20.458 US-Dollar (Spanne 20.458 bis 30.698) bei Wiederherstellung der Fruchtbarkeit; Schwangerschaftsrate in der Fertilitätswiederherstellungsgruppe 62 % (Spanne 44 bis 66 %) gegenüber 46 % (36 bis 58 %). Die Modellannahmen stammen aus Literaturwerten, nicht aus einer Vergleichsstudie; es ist eine Kostenrechnung, keine Messung der Samenqualität.
Einordnung. Zum Verschwinden der Spermien nach Vasektomie liegt eine tragfähige systematische Übersicht vor [s340]. Zur Frage, ob die Vasektomie die Keimdrüse verändert, gibt es keine Metaanalyse; die Befunde stehen im Beobachtungsteil.
Refertilisierung nach Vasektomie (Vasovasostomie und Vasoepididymostomie)
Dies ist der Bereich mit der dichtesten Studienlage zur Spermienqualität, weil die Samenanalyse hier der Standardendpunkt ist. Unterschieden werden Durchgängigkeit (Patency, meist Spermien im Ejakulat) und Schwangerschaft; dazwischen liegen die Samenparameter, die nach der Wiederherstellung oft niedriger sind als bei Gesunden.
Herrel et al. 2015: Metaanalyse mikrochirurgischer Vasovasostomie [s247]. Titel: „Outcomes of microsurgical vasovasostomy for vasectomy reversal: a meta-analysis and systematic review.“ (Urology, 2015). 31 Studien mit 6.633 Patienten; mittleres Alter bei der Umkehr 38,9 Jahre, mittleres Verschlussintervall 7,2 Jahre. Mittlere stichprobengewichtete Durchgängigkeits- und Schwangerschaftsraten 89,4 % und 73,0 %. Vergleich Verschlussintervall unter 10 Jahren gegen mindestens 10 Jahre: gepoolte Inzidenzverhältnisse (IR) 1,17 (95-%-KI 1,09 bis 1,25) für die Durchgängigkeit und 1,24 (1,12 bis 1,38) für die Schwangerschaft. Modifizierte Einschichttechnik gegenüber Zweischichttechnik: IR 1,04 (1,00 bis 1,08). Weitere Prädiktoren (Spermiengranulom, Qualität der Samenleiterflüssigkeit, weibliche Faktoren) waren wegen zu weniger Studien nicht poolbar. Stärken: große Fallzahl, Zufallseffektemodell. Schwächen: nur englischsprachige Studien, uneinheitliche Definitionen der Durchgängigkeit (die Autoren fordern einheitliche Definitionen), gewichtete Mittelwerte bei heterogenen Serien.
Seth et al. 2024: systematische Übersicht mit Metaanalyse zu makroskopischer, mikrochirurgischer und roboterassistierter Vasovasostomie [s106]. Titel: „Vasovasostomy: A systematic review and meta-analysis comparing macroscopic, microsurgical, and robot-assisted microsurgical techniques.“ (Andrology, 2024). Bei PROSPERO registriert; 95 Studien verschiedener Designs, Gesamtstichprobe 48.132. Gepoolte Durchgängigkeit: roboterassistiert 94,4 %, rein mikrochirurgisch 87,5 %, makroskopisch 83,7 %; gepoolte Schwangerschaftsrate mikrochirurgisch gegenüber makroskopisch 47,4 gegenüber 43,7 %; die definitive Schwangerschaftsrate der Robotertechnik sei noch offen. Schwächen: heterogene Studien (Beobachtung, nicht randomisiert) bei großen Unterschieden der Operateure und Zentren, der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle; die Autoren fordern randomisierte Studien.
Elzanaty et al. 2012: systematische Übersicht zu Prädiktoren der Samenleiterdurchgängigkeit [s288]. Titel: „Vasovasostomy and predictors of vasal patency: a systematic review.“ (Scandinavian journal of urology and nephrology, 2012). Nach der besten verfügbaren Evidenz hänge die Durchgängigkeit von der Operationsfrequenz des Operateurs ab (bessere Ergebnisse bei mindestens zehn Eingriffen jährlich); Ein- und Zweischichttechnik seien gleichwertig; die Durchgängigkeit sei hoch bei klarer intraoperativer Samenleiterflüssigkeit auf mindestens einer Seite und auch bei langem Verschlussintervall. Postoperative Samenqualität und Alter der Partnerin bestimmten die Chance auf spontane Empfängnis. Im Abstract stehen keine Effektschätzer; es handelt sich um eine narrative systematische Übersicht.
Farber et al. 2019: Kinetik der Spermienrückkehr und Spätversagen [s197]. Titel: „The Kinetics of Sperm Return and Late Failure Following Vasovasostomy or Vasoepididymostomy: A Systematic Review.“ (The Journal of urology, 2019). 24 Artikel (PubMed, 1960 bis 2017, englischsprachig, nur mikrochirurgisch). Die mittlere Zeit bis zur Durchgängigkeit lag nach Vasovasostomie bei 1,7 bis 4,3 Monaten, nach Vasoepididymostomie bei 2,8 bis 6,6 Monaten. Spätversagen: 0 bis 12 % nach Vasovasostomie, 1 bis 50 % nach Vasoepididymostomie; mittlere Zeit bis zum Spätversagen 9,7 bis 13,6 bzw. 6 bis 14,2 Monate. Die Heterogenität schränkt den Vergleich der Serien ein. Die Autoren folgern, die Kryokonservierung von Spermien solle besprochen werden (Aussage der Autoren).
Scovell et al. 2015: Metaanalyse, Spermien in der Samenleiterflüssigkeit und Durchgängigkeit [s252]. Titel: „Association between the presence of sperm in the vasal fluid during vasectomy reversal and postoperative patency: a systematic review and meta-analysis.“ (Urology, 2015). Vier Fallserien und zwei retrospektive Kohorten mit 1.293 Patienten; mittleres Alter 37,8 Jahre, mittleres Verschlussintervall 7,1 Jahre. Die Chance auf Durchgängigkeit war bei Spermien oder Spermienteilen in der Flüssigkeit 4,1-fach höher (OR 4,1; 95-%-KI 2,3 bis 7,3; I² = 22 %). Die Autoren mahnen zur Vorsicht, weil nur zwei Kohortenstudien aussagekräftige Daten lieferten; die methodische Qualität der vorhandenen Evidenz sei schlecht.
Wang et al. 2023: Metaanalyse der Vasoepididymostomie mit Invaginationstechnik (Peking) [s135]. Titel: „Outcomes of microsurgical vasoepididymostomy using intussusception technique: a systematic review and meta‑analysis.“ (Scientific reports, 2023). 25 Beobachtungsstudien (von 273 geprüften Artikeln), 1.400 Männer; mittlere Durchgängigkeit 69,3 % (95-%-KI 64,6 bis 73,6 %; I² = 63,7 %). Bewegliche Spermien in der Nebenhodenflüssigkeit (RR 1,52; 95-%-KI 1,18 bis 1,97; p = 0,001), beidseitige Anastomose (RR 1,32; 1,15 bis 1,50; p < 0,0001) und distale Anastomose (RR 1,42; 1,09 bis 1,85; p = 0,009) gingen mit höheren Durchgängigkeitsraten einher.
Wan et al. 2023: Metaanalyse der Vasoepididymostomie (Hainan) [s134]. Titel: „Current progress on the curative effects of vasoepididymostomy for patients with obstructive azoospermia: An updated systematic review and meta-analysis of human studies“ (Andrology, 2023). 51 englischsprachige Studien, 2.853 Männer. Durchgängigkeit 67,20 % (95-%-KI 63,30 bis 71,10 %), natürliche Schwangerschaft 40,05 % (35,30 bis 45,60 %). Beidseitig gegenüber einseitig RR 1,42 (1,25 bis 1,61); Cauda/Corpus RR 1,17 (1,04 bis 1,32), Cauda RR 1,20 (1,03 bis 1,41). Gefäßschonende Technik 83,60 % (75,40 bis 91,70 %) gegenüber üblicher 65,20 % (61,40 bis 69,10 %). Der Abstract notiert die p-Werte uneinheitlich als „p < 0,00“ und „p < 0,04“. Schwächen: nur Beobachtungsstudien, Heterogenität im Abstract nicht berichtet, nur englischsprachige Literatur.
Xiao et al. 2024: Metaanalyse der Zweinaht-Intussuszeption, einarmig gegenüber doppelarmig [s113]. Titel: „Comparative evaluation of double- and single-armed two-suture longitudinal intussusception techniques in microsurgical vasoepididymostomy: An updated systematic review and meta-analysis“ (PloS one, 2024). 24 Studien, 1.574 Männer. Durchgängigkeit etwa 68 % (63 bis 72 %), Zeit bis zur Durchgängigkeit 4,63 Monate (4,15 bis 5,12), Spermienkonzentration 26,90 Mio./ml, Beweglichkeit 23,74 %, natürliche Schwangerschaft 38 % (31 bis 46 %). Kein Unterschied zwischen einarmig und doppelarmig.
Zhu et al. 2026: aktualisierte Metaanalyse der mikrochirurgischen Vasoepididymostomie [s52]. Titel: „Treatment Efficacy of Microsurgical Vasoepididymostomy for Obstructive Azoospermia: An Updated Systematic Review and Meta-Analysis.“ (Andrology, 2026). 56 Studien, 3.204 Männer. Durchgängigkeit, Schwangerschaft und relative Schwangerschaft (natürliche Schwangerschaften bei Partnern mit Durchgängigkeit): Seit-zu-Ende/Ende-zu-Ende 65,0, 23,0 und 38,0 %; longitudinale Intussuszeption (LIVE) 68,0, 27,0 und 40,0 % (Unterschied nicht signifikant). Die Dreinaht-Querintussuszeption (TIVE) hatte mit 89,0 % eine höhere Durchgängigkeit als die Zweinaht-Querintussuszeption (72,0 %) und die longitudinale (58,0 %; p < 0,01). Einarmig gegenüber doppelarmig: 69,0 gegenüber 64,0 % Durchgängigkeit, 31,0 gegenüber 26,0 % Schwangerschaft, 46,0 gegenüber 39,0 % relative Schwangerschaft (alle nicht signifikant). Gefäßschonend einarmig 83,0 % gegenüber klassisch 67,0 % (p < 0,01), Schwangerschaft 38,0 gegenüber 31,0 %, relative Schwangerschaft jeweils 47,0 %. Bilaterale Operation, Genitalinfektion und bewegliche Spermien waren mit höherer Durchgängigkeit verbunden. Späte Fehlschläge 23,0 % insgesamt, bei Ende-zu-Ende/Seit-zu-Ende 32,0 % gegenüber 15,0 % bei Intussuszeption (p = 0,03). Konfidenzintervalle nennt der Abstract nicht.
Gemeinsame Einschränkung der vier Vasoepididymostomie-Metaanalysen [s134, s135, s113, s52]. Die eingeschlossenen Primärstudien überschneiden sich erheblich; eine zusammenfassende Zahl aus mehreren dieser Arbeiten wäre eine Doppelzählung und wird hier nicht gebildet. Alle beruhen ausschließlich auf Beobachtungsstudien mit uneinheitlicher Definition der Durchgängigkeit und möglicher Publikationsverzerrung.
Ghaleb et al. 2026: Langzeitdurchgängigkeit und Schwangerschaft nach Vasovasostomie, Übersicht [s14]. Titel: „Long-term patency and pregnancy after vasovasostomy: a comprehensive review.“ (Archivio italiano di urologia, andrologia : organo ufficiale [di] Societa italiana di ecografia urologica e nefrologica, 2026). Nur vier Studien mit Langzeitdurchgängigkeit und sechs mit Schwangerschaftsraten (jeweils mindestens 12 Monate). Durchgängigkeit 77 bis 99 % (mittlere Nachbeobachtung 25 Monate); definiert als jedes Spermium in fünf Studien, als mehr als 1 Million Spermien/ml in einer. Mit der Definition „mehr als 1 Million“ lag die Durchgängigkeit bei 77 % nach 12 Monaten und fiel auf 33 %, wenn mindestens 30 % bewegliche Spermien verlangt wurden. Schwangerschaftsraten 28 bis 54 % (mittlere Nachbeobachtung 21 Monate). Die Zahlen zeigen, wie stark die Qualität der Spermien (Beweglichkeit) die Bewertung des Erfolgs verändert. Schwäche: nur PubMed, wenige Studien.
Dubin et al. 2021: Umkehr gegen Spermiengewinnung mit künstlicher Befruchtung, Übersicht (USA) [s164]. Titel: „Vasectomy reversal vs. sperm retrieval with in vitro fertilization: a contemporary, comparative analysis.“ (Fertility and sterility, 2021). Beide Wege seien vernünftig; die Schwangerschaftsraten seien insgesamt ähnlich; ohne Versicherungsdeckung sei die Umkehr oft kosteneffektiver, bei weiblichem Fruchtbarkeitsfaktor oft die assistierte Befruchtung; Antispermien-Antikörper trügen nach erfolgreicher Umkehr wahrscheinlich nicht zur Infertilität bei. Der Abstract nennt keine Zahlen.
Huyghe et al. 2023: systematische Übersicht zu Operationen zur Verbesserung der männlichen Fruchtbarkeit (Frankreich) [s126]. Titel: „Chirurgies visant à améliorer la fertilité masculine. (Operationen zur Verbesserung der männlichen Fruchtbarkeit)“ (Progres en urologie : journal de l'Association francaise d'urologie et de la Societe francaise d'urologie, 2023). Vasovasostomie: Durchgängigkeit 70 bis 97 %, Schwangerschaft 30 bis 76 %; Vasoepididymostomie: Durchgängigkeit 80 bis 84 %, Schwangerschaft 40 bis 44 %. Als Prädiktoren natürlicher Schwangerschaft werden Verschlussdauer und Alter der Partnerin genannt. Transurethrale Resektion der Ejakulationsgänge verbessere die Samenparameter bei 63 bis 83 %, Spontanschwangerschaft in 12 bis 31 %; die subinguinale mikrochirurgische Varikozelenoperation habe Rezidivraten unter 4 %. Nur PubMed-Suche; die Zahlen sind Spannen aus Primärstudien, nicht gepoolt.
Deutsch- und französischsprachige Übersichten zur Entscheidung zwischen Umkehr und assistierter Fortpflanzung [s108, s20, s313]. Titel: „Kinderwunsch nach Vasektomie : Refertilisierung oder medizinisch assistierte Reproduktionstechniken?“ (Urologie (Heidelberg, Germany), 2024). Soave et al. 2024 [s108]: Bis zu 6 % der Männer entwickelten nach Vasektomie einen erneuten Kinderwunsch; es bestehe kein Unterschied bei Schwangerschafts- und Geburtenrate zwischen Refertilisierung und MESA/TESE mit assistierter Reproduktion; mit MESA/TESE trete die Schwangerschaft schneller ein; die Refertilisierung sei kosteneffektiver und weniger belastend; auch bei höherem Alter der Partnerin sei die Kombination Refertilisierung plus TESE kosteneffektiver. Keine Zahlen zur Spermienqualität. Titel: „Vasektomie Reversal : Literature Review.“ (Wiener medizinische Wochenschrift (1946), 2026). Kollitsch et al. 2026 [s20] (Wiener Medizinische Wochenschrift): 5 bis 7 % der Männer wünschten eine Wiederherstellung der Fruchtbarkeit; Durchgängigkeit und Schwangerschaft nach Vasovasostomie etwa 88 % und 47 %, nach Vasoepididymostomie etwa 64 % und 31 %; roboterassistierte Mikrochirurgie zeige erste gute Ergebnisse, der konventionelle mikrochirurgische Eingriff bleibe der Standard; neue Scoring-Systeme sollen Vasektomiereue vorhersagen. Der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle. Titel: „Désir de grossesse après vasectomie: vasovasostomie ou procréation médicalement assistée? (Schwangerschaftswunsch nach Vasektomie: Vasovasostomie oder medizinisch assistierte Fortpflanzung?)“ (Revue medicale suisse, 2010). Mroue et al. 2010 [s313] (Schweiz, französischsprachig): kumulative Schwangerschaftsrate der Vasovasostomie 28 bis 40 %; Schwangerschaftsraten nach ICSI 29 bis 41 % pro Transfer, kumulativ 60 bis 80 %; das Alter der Partnerin und die Zeit seit der Vasektomie seien die wichtigsten Faktoren; Fehlbildungsraten nach ICSI in diesem Kollektiv seien nicht untersucht; beide Wege würden nicht erstattet.
Japanische und chinesische Übersichten [s214, s142, s349]. Titel: „Vasovasostomy and vasoepididymostomy: Review of the procedures, outcomes, and predictors of patency and pregnancy over the last decade“ (Reproductive medicine and biology, 2018). Namekawa et al. 2018 [s214] (Japan): Übersicht der letzten zehn Jahre mit mittlerer Durchgängigkeit von 87 % und mittlerer Schwangerschaftsrate von 49 % nach mikrochirurgischer Vasovasostomie oder Vasoepididymostomie bei Vasektomie-Umkehr; Obstruktionsintervall, Granulom und intraoperativer Spermiennachweis sagten die Durchgängigkeit voraus, Alter der Partnerin und die gleiche Partnerin die Schwangerschaft; roboterassistierte Techniken werden genannt; narrative Übersicht, keine Metaanalyse. Titel: „Advances in the study of vasovasostomy under the microscope“ (Zhonghua nan ke xue = National journal of andrology, 2022). Cao et al. 2022 [s142] (chinesischsprachig): Übersicht zur Vasovasostomie unter dem Mikroskop (mikrochirurgisch, roboterassistiert, laparoskopisch assistiert) ohne Zahlenangaben im Abstract. Titel: „Diagnosis and treatment of obstructive azoospermia“ (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 2004). Muguruma et al. 2004 [s349] (Japan): Übersicht zur obstruktiven Azoospermie mit Operationen (Vasovasostomie, Epididymovasostomie, transurethrale Ejakulationsgangresektion) und eigenen Ergebnissen, ohne Zahlen im Abstract; die Autoren betonen, dass Patienten mit obstruktiver Azoospermie keine unnötige assistierte Reproduktion erhalten sollten (Aussage der Autoren).
Einordnung der Übersichten zur Refertilisierung. Übereinstimmend zeigen die Zusammenfassungen: Die Durchgängigkeit nach Vasovasostomie ist hoch (gewichtet 89,4 % [s247]; roboterassistiert, mikrochirurgisch und makroskopisch 94,4, 87,5 und 83,7 % [s106]), die Schwangerschaftsrate deutlich niedriger und von Partnerinnenalter und Verschlussintervall abhängig [s247, s126, s313]. Spermien oder Spermienteile in der Samenleiterflüssigkeit [s252] und bewegliche Spermien im Nebenhodenfluid [s135, s52] sagen die Durchgängigkeit voraus. Nach Vasoepididymostomie liegt die Durchgängigkeit in den vier Metaanalysen zwischen etwa 65 und 69 % [s134, s135, s113, s52], bei Schwangerschaftsraten um 23 bis 40 % je nach Definition. Wie stark die Definition von „Erfolg“ das Bild verschiebt, zeigt die Übersicht von Ghaleb et al., in der die Durchgängigkeit von 77 auf 33 % fällt, wenn bewegliche Spermien verlangt werden [s14]. Offen sind der Einfluss des Verschlussintervalls (siehe die widersprüchlichen Serien im Beobachtungsteil), die Rolle der Robotertechnik und die einheitliche Definition des Erfolgs. Die Gewissheit ist für die Durchgängigkeit und ihre Prädiktoren mäßig, für Spätergebnisse niedrig.