Hier ist die Samenanalyse der Standardendpunkt. Die folgenden Studien sind nach Fragestellung geordnet: große Serien und Prognosefaktoren, Spermienparameter nach der Umkehr, Immunologie und Medikamente, Technikvergleiche, Studien aus dem asiatischen Raum, deutsch- und französischsprachige Kosten- und Entscheidungsanalysen.
Große Serien und Prognosefaktoren
Belker et al. 1991: Vasovasostomy Study Group, 1.469 mikrochirurgische Umkehr-Operationen (USA) [s383]. Titel: „Results of 1,469 microsurgical vasectomy reversals by the Vasovasostomy Study Group.“ (The Journal of urology, 1991). Fünf Zentren, neun Jahre. Von 1.247 Männern mit Erstoperation hatten 865 von 1.012 (86 %) mit Samenanalyse Spermien im Ejakulat; Schwangerschaft bei 421 von 810 Paaren (52 %) mit Angaben. Nach Verschlussintervall: unter 3 Jahren Durchgängigkeit 97 % und Schwangerschaft 76 %, 3 bis 8 Jahre 88 % und 53 %, 9 bis 14 Jahre 79 % und 44 %, 15 Jahre und mehr 71 % und 30 %. Zweischicht- und modifizierte Einschichtmethode gleich gut; bei beidseitig fehlenden Spermien in der intraoperativen Flüssigkeit und Vasovasostomie (statt Vasoepididymostomie) Durchgängigkeit 50 von 83 (60 %), Schwangerschaft 20 von 65 (31 %); Spermiengranulom und Anästhesieart ohne Einfluss; Wiederholungsoperationen weniger erfolgreich: 222 Eingriffe, Durchgängigkeit 150 von 199 (75 %), Schwangerschaft 52 von 120 (43 %). Eine Klassikerstudie von 1991; Beobachtungsdaten, Technik und Methode der Zeit.
Boorjian et al. 2004: Verschlussintervall und Spermiengranulom (USA) [s346]. Titel: „The impact of obstructive interval and sperm granuloma on outcome of vasectomy reversal.“ (The Journal of urology, 2004). 213 mikrochirurgische Umkehr-Operationen eines Operateurs. Durchgängigkeit 91 %, 88 %, 91 % und 89 % bei Intervallen unter 5, 5 bis 10, 10 bis 15 und mehr als 15 Jahren; Schwangerschaftsraten 89, 82 und 86 % bis 15 Jahre, bei mehr als 15 Jahren signifikant niedriger (44 %; p < 0,05). Mindestens einseitiges Spermiengranulom: Durchgängigkeit 95 % gegenüber 78 % ohne (p = 0,07, nicht signifikant); Schwangerschaftsrate ohne Unterschied. Die Autoren sehen die Umkehr bei Intervallen unter 15 Jahren der IVF/ICSI überlegen, darüber gleichwertig oder besser (Aussage der Autoren). Die Schwangerschaftsraten von 82 bis 89 % liegen weit über dem Metaanalysewert von 73 % [s247] und über anderen Serien; sie stammen von einem einzelnen Operateur, was die Übertragbarkeit einschränkt.
Magheli et al. 2010: Verschlussintervall und Spermiengranulom (Deutschland, USA) [s312]. Titel: „Impact of obstructive interval and sperm granuloma on patency and pregnancy after vasectomy reversal.“ (International journal of andrology, 2010). 334 Patienten mit vollständiger Nachbeobachtung. Kein Zusammenhang von Spermiengranulom oder Verschlussintervall mit Durchgängigkeit und Schwangerschaft; einziger unabhängiger Prädiktor der postoperativen Fruchtbarkeit war das Alter der Partnerin (p = 0,015). Der Befund widerspricht der Metaanalyse [s247], die für ein Intervall unter 10 Jahren höhere Raten findet, ein Beispiel für die Inkonsistenz der Literatur.
Fuchs et al. 2002: Umkehr 15 Jahre oder mehr nach Vasektomie (USA) [s353]. Titel: „Vasectomy reversal performed 15 years or more after vasectomy: correlation of pregnancy outcome with partner age and with pregnancy results of in vitro fertilization with intracytoplasmic sperm injection.“ (Fertility and sterility, 2002). 173 Männer, retrospektiv, ein Operateur. Schwangerschaftsraten 49 %, 39 % und 25 % bei Intervallen von 15 bis 19, 20 bis 25 und mehr als 25 Jahren; nach Alter der Partnerin 64 % (unter 30), 49 % (30 bis 35), 32 % (36 bis 40), 28 % (über 40). Gesamtrate 43 %, ähnlich den 40 % der ICSI bei obstruktiver Azoospermie; 62 % brauchten eine ein- oder beidseitige Epididymovasostomie.
Kolettis et al. 2002: Intervalle von mindestens 10 Jahren (USA) [s355]. Titel: „Outcomes for vasectomy reversal performed after obstructive intervals of at least 10 years.“ (Urology, 2002). Retrospektiv, drei Operateure. Gesamtschwangerschaftsrate 37 %; Durchgängigkeit/Schwangerschaft bei Intervallen von 10 bis 15, 16 bis 19 und mindestens 20 Jahren 74/40 %, 87/36 % und 75/27 %; Rate lebender Geburten insgesamt 35 %. Bei einer angenommenen Lebendgeburtenrate von 25 % pro ICSI-Zyklus werde die Rate der Umkehr erst ab einem Verschlussintervall von mindestens 20 Jahren übertroffen, bei 28,6 % pro Zyklus ab mindestens 15 Jahren. Die ICSI-Vergleichswerte sind angenommene Zahlen.
Gerrard et al. 2007: Alter der Partnerin und Schwangerschaftsrate (USA, zwei Zentren) [s332]. Titel: „Effect of female partner age on pregnancy rates after vasectomy reversal.“ (Fertility and sterility, 2007). 294 Patienten. Durchgängigkeit 90, 89, 90, 86 und 83 % bei Partnerinnen von 20 bis 24, 25 bis 29, 30 bis 34, 35 bis 39 und ab 40 Jahren; Schwangerschaftsraten 67, 52, 57, 54 und 14 %. Bei Partnerinnen ab 40 Jahren 14 % gegenüber 56 % bei jüngeren.
Lipshultz et al. 2026: multizentrische Kohorte zu Ergebnissen und Langzeitverlauf (USA) [s25]. Titel: „Vasectomy reversal outcomes and long-term kinetics: a multiinstitutional cohort.“ (Fertility and sterility, 2026). Acht Zentren, 4.568 Patienten, davon 2.398 mit mindestens zwei Samenanalysen und 1.222 mit mindestens einer Kontrolle nach über einem Jahr. Durchgängigkeit nach einem Jahr je nach Operateur 54 bis 93 % (Median der Operateure 82 %), mediane Spermienkonzentrationen 0 bis 18,5 Mio./ml (Median der Operateure 10,3 Mio./ml). Fast alle operativen und postoperativen Faktoren unterschieden sich zwischen den Operateuren; der Anteil von Epididymovasostomien stieg linear mit der Zeit seit der Vasektomie. Die Spermiendurchgängigkeit und -konzentration nahmen im Verlauf im Allgemeinen ab, waren aber überraschend invers mit der Zeit seit der Vasektomie korreliert. Die Spermienprüfung nach einem Jahr unterschied zwischen den Operateuren am besten; Patienten mit Kontrolle nach über einem Jahr hatten schlechtere Ergebnisse als ohne, was nach den Autoren darauf hinweise, dass spätere Ergebnisse überpessimistisch seien, weil schlecht verlaufende Patienten überrepräsentiert sind. Stärke: größte verfügbare Serie, Operateurvergleich. Schwäche: überwiegend retrospektiv, uneinheitliche Datenerhebung.
Amarin und Obeidat 2005: Vasovasostomie und Vasoepididymostomie bei 382 Männern (Jordanien, Patienten in London) [s339]. Titel: „Patency following vasectomy reversal. Temporal and immunological considerations“ (Saudi medical journal, 2005). 382 Männer mit ein- oder beidseitiger Mikrochirurgie, 1997 bis 2001. Mittleres Alter 44,6 Jahre, mittleres Intervall seit der Vasektomie 12,8 Jahre. Die Gesamt-Durchgängigkeit betrug 62,9 %. Spermien im Ejakulat fanden sich bei 85,3 % bei einem Intervall unter 5 Jahren, 75,3 % bei 5 bis 10 Jahren, 50,3 % bei 10 bis 15 Jahren und 26,9 % bei über 15 Jahren. Antispermien-Antikörper waren bei 31 Patienten (9,1 %) positiv, davon hatten 12 (38,7 %) Spermien im Ejakulat; sie gingen mit schlechterer Zahl, Beweglichkeit und Form einher. Stärken: große Serie, klare Staffelung nach Intervall. Schwächen: Das Intervall ist mit dem Alter von Patient und Partnerin verknüpft; Schwangerschaften werden im Abstract nicht berichtet; trotz Autorenadresse gehören die Daten nicht zur Patientenpopulation des arabischen Raums.
Spermienparameter nach der Umkehr und ihre Aussagekraft
Majzoub et al. 2017: Spermiogramm nach Umkehr, neue Referenzwerte und Schwangerschaft (Cleveland Clinic) [s225]. Titel: „Vasectomy reversal semen analysis: new reference ranges predict pregnancy.“ (Fertility and sterility, 2017). Retrospektive Fall-Kontroll-Studie, 139 Patienten (2010 bis 2014); mittleres Verschlussintervall 9,5 ± 1,2 Jahre. Spontanschwangerschaft bei 49,6 % (69 von 139), verknüpft mit besserer Qualität der intraoperativen Samenleiterflüssigkeit und mit postoperativer Spermienkonzentration, Beweglichkeit und strenger Morphologie. Spontanschwangerschaften wurden auch bei Konzentration unter 5 Mio./ml (15 %), Beweglichkeit unter 10 % (21,3 %) und normaler Morphologie unter 1 % (14,8 %) berichtet. Folgerung der Autoren: Die WHO-Normwerte von 2010 sagten die Fruchtbarkeit nach Umkehr nicht gut voraus; niedrigere Werte könnten bei vorher fruchtbaren Männern genügen. Dies ist der zentrale Beleg für die Frage, was „Spermienqualität“ nach Refertilisierung heißt.
Yang et al. 2007: Kinetik der Rückkehr beweglicher Spermien (USA) [s336]. Titel: „The kinetics of the return of motile sperm to the ejaculate after vasectomy reversal.“ (The Journal of urology, 2007). Retrospektive Kohorte, 150 Patienten (Alter im Mittel 42,9 Jahre, Nachbeobachtung im Mittel 12,5 Monate). Bei beweglichen Spermien im Samenleiter hatten 95 % nach sechs Monaten Durchgängigkeit gegenüber 76 % ohne bewegliche Spermien (p = 0,04). Ein Verschlussintervall von höchstens 8 Jahren und Vasovasostomie (statt Epididymovasostomie) sagten eine raschere Durchgängigkeit in den ersten drei Monaten voraus; das Patientenalter hatte keinen Einfluss.
Shin et al. 2012: Spermienkonzentration einen Monat nach Einschicht-Vasovasostomie (Chonbuk, Korea) [s292]. Titel: „Preoperative factors influencing postoperative results after vasovasostomy“ (The world journal of men's health, 2012). Retrospektiv, 97 Einschicht-Vasovasostomien (2003 bis 2010). Einteilung nach Spermienkonzentration einen Monat danach: Azoospermie (I), Oligospermie (II), normal (III). Das mittlere Obstruktionsintervall betrug 9,69 (I), 6,02 (II) und 7,82 Jahre (III; p = 0,035). 32 Männer mit seriellen Samenanalysen (1, 3, 6 Monate): Alter, Intervall und FSH ohne Unterschied; die natürliche Schwangerschaftsrate war in den Gruppen mit Abnahme der Konzentration niedriger, aber nicht signifikant. Schlussfolgerung: Die Spermienkonzentration hängt mit dem Intervall zwischen Vasektomie und Umkehr zusammen.
Amjadi et al. 2023: einschichtige makroskopische gegen zweischichtige mikroskopische Vasovasostomie (Iran) [s121]. Titel: „One-layer macroscopic verus two-layer microscopic vasovasostomy: Our experience in two referral hospitals.“ (Urologia, 2023). 100 Patienten, zwei Kliniken, 2014 bis 2017. Fruchtbarkeitsrate in beiden Gruppen 15 %; signifikanter Unterschied nur im Anteil normaler Spermienmorphologie je nach Technik (p = 0,045); Spermienzahl und Beweglichkeit ohne Unterschied. Schlussfolgerung der Autoren: gleichwertige Ergebnisse, aber niedrige Spermienzahl, Beweglichkeit und Normalmorphologie nach der Operation, weshalb assistierte Reproduktion nötig werde. Die Angaben im Abstract zu Schwangerschaftsinzidenzen (87,5 % und 58,3 % nach 15 und 24 Monaten, 98,7 % und 95,8 % bei einseitiger Anastomose nach 13 und 15 Monaten) sind kumulative Schätzungen einer Überlebenszeitanalyse und widersprechen der Fruchtbarkeitsrate von 15 %; der Abstract klärt dies nicht.
Barretta et al. 2026: roboterassistierte Vasovasostomie, Langzeitergebnisse (Einzelzentrum) [s07]. Titel: „Robot-assisted vasovasostomy for vasectomy reversal: long-term outcomes from a high-volume tertiary centre.“ (Journal of robotic surgery, 2026). Retrospektive Analyse prospektiv geführter Daten, 60 Männer (Alter Median 42 Jahre, IQR 38 bis 47; Intervall Median 6 Jahre, IQR 4 bis 9), 2008 bis 2025. Funktionelle Durchgängigkeit (≥ 1 Mio./ml) bei 56 (93,3 %); unter 44 Männern mit Kinderwunsch Spontanschwangerschaft bei 36 (81,8 %). Aktives Rauchen war mit geringerer Durchgängigkeit assoziiert (explorative Univariatanalyse). Kein Vergleich mit konventioneller Technik.
Parekattil et al. 2012: roboterassistierte gegen rein mikrochirurgische Umkehr [s290]. Titel: „Robotic assisted versus pure microsurgical vasectomy reversal: technique and prospective database control trial.“ (Journal of reconstructive microsurgery, 2012). Erste prospektiv kontrollierte klinische Studie zum Vergleich; der Abstract nennt keine Zahlen und berichtet von kürzerer Operationsdauer und rascherer Erholung der postoperativen Gesamtzahl beweglicher Spermien. Die Aussage lässt sich ohne Zahlen nicht prüfen.
Immunologie und Medikamente
Meinertz et al. 1990: Antispermien-Antikörper und Fruchtbarkeit nach Vasovasostomie (Dänemark) [s388]. Titel: „Antisperm antibodies and fertility after vasovasostomy: a follow-up study of 216 men.“ (Fertility and sterility, 1990). 216 Männer, Nachweis von IgG-, IgA- und sekretorischem IgA an der Spermienmembran mittels gemischter Antiglobulinreaktion. Konzeptionsrate bei reiner IgG-Antwort 85,7 %, bei zusätzlichem IgA nur 42,9 %; bei IgA auf 100 % der Spermien 21,7 %; bei IgA auf allen Spermien und starker Immunantwort (Serumtiter mindestens 256) 0 %.
Abouelgreed et al. 2024: Antispermien-Antikörper und Schwangerschaftsraten nach Umkehr (Ägypten, Vereinigte Arabische Emirate) [s88]. Titel: „Effects of antisperm antibodies post vasectomy reversal on pregnancy rates.“ (Archivio italiano di urologia, andrologia : organo ufficiale [di] Societa italiana di ecografia urologica e nefrologica, 2024). Retrospektive Aktenauswertung mit Telefoninterviews, Mai 2015 bis April 2023. 145 Akten geprüft; Medianalter bei der Operation 43 Jahre, mittlere Verschlussdauer 7,7 Jahre, Medianalter der Partnerinnen 29 Jahre; 80 % beidseitige Vasovasostomie. Nach Antispermien-Antikörpern (ASA) im ersten Spermiogramm hatten 60 Patienten (41,4 %) niedrige (unter 50 %) und 85 (58,6 %) hohe Werte (mindestens 50 %). Telefonisch erreicht wurden 48 Männer: Von 19 mit niedrigen ASA-Werten erzielten 13 (68,4 %) eine Schwangerschaft, davon 6 (31,6 %) spontan; von 29 mit hohen ASA-Werten 21 (72,4 %), davon 11 (38 %) spontan (Fisher-Test p = 0,2). Schlussfolgerung: kein signifikanter Zusammenhang der ASA mit Schwangerschaftsrate oder Empfängnisart. Schwächen: Nur 48 der 145 Männer (33 %) lieferten Ergebnisdaten, mit entsprechender Auswahlverzerrung; sehr kleine Gruppen, daher geringe statistische Trennschärfe (ein fehlender Unterschied ist kein Beleg für Gleichheit); die Schwangerschaftsrate hängt auch vom Alter der Partnerin ab, das nicht adjustiert wurde.
Trost et al. 2025: iPRED-Studie, Prednison nach Umkehr, randomisiert (USA) [s79]. Titel: „Impact of prednisone on vasectomy reversal outcomes (iPRED study): results from a randomized, controlled clinical trial.“ (Fertility and sterility, 2025). 75 Männer, 73 mit Einjahresdaten (Kontrolle 25, Pred High 14, Pred PRN 11, Pred Low 23). Schwangerschaftsraten nach 12 Monaten: Kontrolle 65 %, Pred Low 67 %, Pred High 17 %, Pred PRN 38 %; Pred High und Pred PRN wurden wegen niedrigerer Schwangerschaftsraten in der Zwischenauswertung vorzeitig beendet. Durchgängigkeit insgesamt 99 %, ohne Unterschiede bei Durchgängigkeit und Spermienkonzentrationen (Median der Mediane 5 bis 16 Mio./ml). Hochdosiertes Prednison verringerte die Schwangerschaftsrate unabhängig von der Spermienkonzentration, dosisabhängig; Dosen von 5 bis 20 mg beeinflussten die Spermienkonzentration nicht. Stärke: randomisiert, registriert (NCT04788823). Schwäche: sehr kleine Arme, vorzeitiger Abbruch zweier Arme.
White et al. 2024: niedrig dosiertes Prednison bei sich verschlechternden Samenparametern nach Vasovasostomie (USA) [s111]. Titel: „Low-dose prednisone is an effective rescue for deteriorating semen parameters following vasovasostomy.“ (International braz j urol : official journal of the Brazilian Society of Urology, 2024). Retrospektiv, acht Patienten; alle verbesserten die Gesamtzahl beweglicher Spermien (Median +6 Mio., relativ +433 %); Konzentration und Beweglichkeit verbesserten sich ebenfalls; keine Nebenwirkungen. Sehr kleine Fallserie ohne Kontrollgruppe; der Befund steht im Spannungsverhältnis zur randomisierten Studie [s79], die bei höherer Dosis weniger Schwangerschaften sah.
Technikvergleiche und Wiederholungsoperationen
Yahyazadeh et al. 2021: einseitige gegen beidseitige Vasovasostomie (Iran) [s176]. Titel: „Vasectomy reversal: Unilateral versus bilateral vasovasostomy.“ (Andrologia, 2021). 95 Patienten (42 einseitig, 53 beidseitig); Durchgängigkeit 88,1 % (38) gegenüber 88,7 % (48; p = 0,907), Schwangerschaften 22 (52,4 %) gegenüber 29 (54,7 %; p = 0,713); in der multivariaten Analyse sagte nur die Dauer des Verschlusses die Durchgängigkeit voraus (OR 1,112; p = 0,037). Die Autoren schlagen vor, einseitig zu operieren, um Zeit und Kosten zu sparen (Aussage der Autoren). Ein Gegensatz zu den Daten von Liang et al. bei kindlicher Hernienoperation [s184], wo die beidseitige Anastomose besser abschnitt; die Populationen unterscheiden sich.
Friedrich et al. 2006: zweischichtige mikrochirurgische Vasovasostomie, Patientenbefragung und Vergleich mit der einschichtigen Technik (Deutschland) [s337]. Titel: „Erfolgsraten der zweischichtigen mikrochirurgischen Vasovasostomie. Ergebnisse einer Patientenbefragung und Vergleich mit der einschichtigen Technik.“ (Aktuelle Urologie, 2006). 141 Operierte 1996 bis 2001, Fragebogen an 90, Antwort von 63 (70 %); mittleres Intervall 9,5 Jahre. Durchgängigkeit 86 %, Geburtenrate 24 %; keine schweren oder mittelschweren Komplikationen. Historische Vergleichsgruppe (n = 64; Einschichttechnik unter der Lupe, mittleres Intervall 6,9 Jahre): Durchgängigkeit 87 %, Schwangerschaftsrate 48 %. Die hohen Schwangerschaftsraten über 80 % aus früheren Veröffentlichungen ließen sich nicht reproduzieren; die Zweischichttechnik biete keine besseren Ergebnisse. Schwächen: Rücklauf 70 % von 90 von 141, die Geburtenrate beruht auf Befragung, historische Kontrolle.
Lorenzini et al. 2021: Re-Umkehr nach gescheiterter Vasovasostomie (Brasilien) [s169]. Titel: „Vasectomy re-reversal: effectiveness and parameters associated with its success.“ (International braz j urol : official journal of the Brazilian Society of Urology, 2021). 18 Patienten, mittleres Alter 44,11 ± 6,55 Jahre. Spermien in der Samenleiterflüssigkeit beidseitig bei 8, einseitig bei 4, fehlend bei 6. Nach der Re-Umkehr Normozoospermie bei 9, Oligozoospermie bei 3, Azoospermie bei 6; Durchgängigkeit 66,67 %; nur der intraoperative Spermiennachweis hing mit dem Erfolg zusammen (p < 0,01). Sehr kleine Gruppe.
Heidenreich et al. 2000: mikrochirurgische Vasovasostomie im Zeitalter der Reproduktionsmedizin, Kosten-Nutzen-Analyse (Deutschland) [s362]. Titel: „Die mikrochirurgische Vasovasostomie im Zeitalter der modernen Reproduktionsmedizin. Eine Kosten-Nutzen-Analyse.“ (Der Urologe. Ausg. A, 2000). 157 zweischichtige mikrochirurgische Vasovasostomien 1993 bis 1998 (mittleres Verschlussintervall 7,6 Jahre, Spanne 0,5 bis 18): Durchgängigkeit 77 %, Schwangerschaftsrate 52 %, lokale Komplikationen 4,7 %. MESA/ICSI bei 69 Paaren und TESE/ICSI bei 42 Paaren: Schwangerschaftsraten 22,5 % und 19,5 %. Kosten pro Lebendgeburt nach Vasovasostomie 2.800 Euro, nach MESA/TESE-Zyklus 14.100 Euro; Mehrlingsgeburten 15,8 % nach ICSI, 0,7 % nach Vasovasostomie. Die Vergleichsgruppen unterscheiden sich in der Indikation (Nebenhodenverschlüsse, Hodenatrophie), nicht nur in der Technik; die Kostenangaben stammen aus dem Jahr 2000.
Juárez del Dego Pendás et al. 2009: Vasektomie-Umkehr mit systematischer Kryokonservierung testikulärer Spermien (Spanien) [s319]. Titel: „Reversión de vasectomía con criopreservación sistemática de espermatozoides testiculares (Vasektomie-Umkehr mit systematischer Kryokonservierung testikulärer Spermien)“ (Revista Internacional de Andrología 7(4):215-221, 2009). Ein Behandlungsprogramm mit vereinfachter ambulanter mikrochirurgischer Umkehr in Lokalanästhesie (Einebenentechnik) und gleichzeitiger TESE zur Kryokonservierung; 48 Paare. Spermien im Ejakulat bei 85,5 %, Spontanschwangerschaftsrate 45,8 %; unter Einbeziehung assistierter Reproduktion (inklusive 12,5 %) insgesamt 58,3 % Schwangerschaften. Die Autoren sehen in dieser Kombination den bevorzugten Weg (Aussage der Autoren). Schwäche: Einzelzentrum, keine Kontrollgruppe, die zusammengezählte Schwangerschaftsrate vermischt Wege.
Panasowski und Arkatow 2020: mikrochirurgische Wiederherstellung bei obstruktiver Azoospermie nach Vasektomie (Russland) [s195]. Titel: „МЕТОДЫ ХИРУРГИЧЕСКОГО ЛЕЧЕНИЕ ЯТРОГЕННЫХ ФОРМ ВАЗАЛЬНОЙ АЗООСПЕРМИИ (Methoden der chirurgischen Behandlung iatrogener Formen der vasalen Azoospermie)“ (Sciences of Europe, 2020). 28 Männer mit nachgewiesener obstruktiver Azoospermie nach beidseitiger Vasektomie zur Verhütung; andere Ursachen der Azoospermie wurden ausgeschlossen. Mit einer zweischichtigen Technik unter starker optischer Vergrößerung sei die Durchgängigkeit in 87 % wiederhergestellt worden und bei 63 % der Paare sei eine natürliche Schwangerschaft eingetreten; die zweischichtige Naht sei der einschichtigen überlegen. Schwächen: Der Abstract nennt weder Teilnehmerzahlen je Technik noch Nachbeobachtungszeit, den Zeitabstand zur Vasektomie oder einen statistischen Test; die Aussage zur Überlegenheit der zweischichtigen Naht ist damit nicht überprüfbar.
Studien aus dem asiatischen Raum zur Vasovasostomie
Hirao et al. 1983: früheste japanische Fallberichte (zwei Männer) [s390]. Titel: „Experience with microsurgical two-layer vasovasostomy“ (Hinyokika kiyo. Acta urologica Japonica, 1983). 36-Jähriger drei Jahre nach Vasektomie, Spermien im Vasalfluid, später Vater; 43-Jähriger zehn Jahre nach Vasektomie mit Spermiengranulom, ebenfalls Vater. Autoren: kürzere Dauer und ein vorhandenes Granulom erhöhen die Wahrscheinlichkeit der Fertilitätswiederherstellung (zwei Fälle, keine Aussage zur Häufigkeit).
Kim et al. 2005: wiederholte Vasektomie-Umkehr (Seoul) [s343]. Titel: „A different female partner does not affect the success of second vasectomy reversal“ (Journal of andrology, 2005). 44 Patienten mit wiederholter Umkehr. Durchgängigkeit 86,4 % (38 Männer), Schwangerschaft ohne Reproduktionstechnik 56,8 % (25 Paare). Zwischen gleicher und anderer Partnerin kein Unterschied (57,1 % gegenüber 56,3 %; p = 0,954). Partnerin unter 35 Jahren: Odds Ratio 4,13 (95-%-KI 1,06 bis 16,10; p = 0,041); Fläche unter der ROC-Kurve für das Partnerinnenalter 73,0 % (56,8 bis 89,2; p = 0,011). Autoren: erneute Umkehr bleibe sinnvoll, der Erfolg nehme mit dem Alter der Partnerin ab. Schwäche: 44 Männer, breites Konfidenzintervall.
Hsieh et al. 2005: Einschicht-Vasovasostomie mit Lupenbrille gegen Mikroskop (Taiwan, Chang Gung) [s342, s341]. Titel: „Loupe-assisted modified one-layer vasovasostomy“ (Archives of andrology, 2005). Titel: „Loupe-assisted vs microsurgical technique for modified one-layer vasovasostomy: is the microsurgery really better?“ (BJU international, 2005). [s342]: 32 Männer (28 bis 64 Jahre), modifizierte Einschicht-Vasovasostomie nur mit 3-facher Lupenbrille; Vasektomiedauer 9,2 ± 4,8 Jahre, Operationsdauer 150 ± 35 Minuten, Durchgängigkeit 89 % (25/28), Schwangerschaft 39 % (11/28) nach mindestens zwei Jahren. [s341]: 74 Männer, davon 42 mit Mikroskop und 32 mit Lupe: Durchgängigkeit und Schwangerschaft 91 % und 43 % gegenüber 89 % und 39 %, kein signifikanter Unterschied, Operation mit Lupe signifikant kürzer. Die 32 Lupenpatienten entsprechen vermutlich [s342]. Schwäche: retrospektiv, nicht randomisiert.
Jee et al. 2010: Einschicht-Vasovasostomie mit Mikroskop oder Lupe (CHA-Universität, Korea) [s310]. Titel: „One-layer vasovasostomy: microsurgical versus loupe-assisted“ (Fertility and sterility, 2010). 50 Männer mit Azoospermie nach Vasektomie; als „retrospektiv mit Randomisierung“ bezeichnet (widersprüchlich). Operationsdauer 106,4 ± 10,3 gegenüber 78,3 ± 5,7 Minuten. Bei durchgängigen Männern sechs Monate danach Spermienkonzentration 21,5 gegenüber 20,7 Mio./ml und Beweglichkeit 32,5 % gegenüber 30,8 % ohne signifikanten Unterschied. Durchgängigkeit 96 % (24/25) gegenüber 72 % (18/25) (signifikant), Schwangerschaft 40 % (10/25) gegenüber 28 % (7/25) (nicht signifikant); vier Strikturen, alle in der Lupengruppe. Autoren: Das Mikroskop gehe mit höherer Durchgängigkeit einher.
Jeon et al. 2017: Lupen-Vasovasostomie mit Prolene-Stent (Ulsan, Korea) [s223]. Titel: „Loupe-Assisted Vasovasostomy Using a Prolene Stent: A Simpler Vasectomy Reversal Technique“ (The world journal of men's health, 2017). 82 Männer; Alter 39,8 Jahre, Intervall 6,6 Jahre (1 bis 19), Operationsdauer 87,0 Minuten; Durchgängigkeit 90,2 %, natürliche Schwangerschaft 45,1 %. Der Erfolg sank mit der Zeit seit der Vasektomie (Odds Ratio 0,869; 95-%-KI 0,760 bis 0,993; p = 0,039). Intervall über 7 Jahre (n = 31): 80,6 % und 51,6 %; bis 7 Jahre (n = 51): 96,1 % und 41,2 %.
Peng et al. 2013: Vasovasostomie, Dauer der Obstruktion (Peking, chinesischsprachig) [s280]. Titel: „Efficacy of microsurgical vasectomy reversal on patients after vasectomy“ (Beijing da xue xue bao. Yi xue ban = Journal of Peking University. Health sciences, 2013). 41 Männer (Alter 45 Jahre, Dauer 12 Jahre), 40 Vasovasostomien (6 mit zusätzlicher seitlicher, 1 mit beidseitiger Vasoepididymostomie). Nachverfolgt wurden 36 (5 verloren). Bei Obstruktion unter 15 Jahren (n = 25): Durchgängigkeit 84 % (21/25), Spermiendichte 2 bis 46 Mio./ml, Beweglichkeit 0 bis 60 %, natürliche Vaterschaft 29 % (6/21; mehr als 6 Monate Nachbeobachtung); über 15 Jahre (n = 11): Durchgängigkeit 64 % (7/11) und Vaterschaft 14 % (1/7). Autoren: Der Erfolg hänge von der Dauer ab.
Wang et al. 2020: Einschicht-Vasovasostomie über Stent gegen Zweischicht-Mikrochirurgie (Fujian) [s192]. Titel: „Comparison of low-power magnification one-layer vasovasostomy with stent and microscopic two-layer vasovasostomy for vasectomy reversal“ (International journal of impotence research, 2020). 42 Männer, Einschicht-Vasovasostomie über Stent mit niedriger Vergrößerung (23) gegenüber Zweischicht-Mikrochirurgie (19). Operationsdauer 62 ± 8 gegenüber 133 ± 15 Minuten (p < 0,001), Durchgängigkeit 95,7 % gegenüber 94,7 % (p > 0,999), je eine Nebenhodenentzündung. Autoren: nicht randomisiert, prospektive Prüfung nötig.
Ren et al. 2023: Multizenterstudie aus sieben chinesischen Kliniken mit 448 Umkehr-Fällen aus 13 Jahren [s132]. Titel: „Vasectomy reversal in China during the recent decade: insights from a multicenter retrospective investigation“ (Asian journal of andrology, 2023). Telefonbefragung. Das jährliche Operationsvolumen vervierfachte sich nach Einführung der Zwei-Kind-Politik 2015. Nicht mikrochirurgische Operation und lange Vasektomiedauer waren mit niedrigerer Durchgängigkeit verbunden. Allgemeine Schwangerschaftsrate 27,2 %, bei Partnerinnen über 35 Jahren stärkerer Abfall; nur bei 35,5 % dieser Partnerinnen war vor dem Eingriff die Fruchtbarkeit untersucht worden. Stärken: große Zahl, mehrere Zentren. Schwächen: retrospektiv, Telefonbefragung, uneinheitliche Techniken.
Wang et al. 2026: modifizierte Einschicht- gegen formale Zweischicht-Vasovasostomie (Zhejiang) [s50]. Titel: „Comparison of modified one-layer and formal two-layer microsurgical vasovasostomy for vasectomy reversal“ (Basic and clinical andrology, 2026). 62 Männer (2017 bis 2024), modifizierte Einschicht- (35) gegenüber formaler Zweischicht-Vasovasostomie (27). Operationsdauer 118,89 ± 7,99 gegenüber 152,52 ± 9,31 Minuten (p < 0,001), Durchgängigkeit 91,43 % (32/35) gegenüber 92,59 % (25/27) (p = 0,448), Schwangerschaft 34,29 % (12/35) gegenüber 37,04 % (10/27) (p = 0,822); Spermienkonzentration und Beweglichkeit ohne Unterschied. Einzelner Operateur, retrospektiv.
Matsuda et al. 1993: mikrochirurgische Vasovasostomie und Epididymovasostomie bei Samenwegsobstruktion (Japan) [s378]. Titel: „Microsurgical vasovasostomy and epididymovasostomy for seminal tract obstruction: cause of obstruction and operative outcome“ (Nihon Hinyokika Gakkai zasshi. The japanese journal of urology, 1993). Japanischsprachiges Original (englische Zusammenfassung): 42 Männer mit Samenwegsobstruktion (Ursache Vasektomie 7, kindliche Leistenbruchoperation 15, Nebenhodenentzündung 5, Young-Syndrom 3, andere 12; 28 beidseitig). Nach 51 Operationen, darunter 11 Reoperationen bei 9 Männern: Durchgängigkeit 83,3 %, Normalisierung des Samenbefunds 21,4 %, Schwangerschaft 31,0 %; Erfolg der Vasovasostomie 57,7 %, der Epididymovasostomie 78,3 %. Ungünstig wirkten Young-Syndrom, Obstruktion über 10 Jahre, fehlende Spermien im Vasalfluid, hohes FSH und Anomalien der Samenwege; Antispermien-Antikörper im Serum hatten keinen Einfluss auf die Schwangerschaftsrate.
Schmerz nach Vasektomie und Operationen zur Linderung [s289, s263]. Titel: „Efficacy of vasectomy reversal according to patency for the surgical treatment of postvasectomy pain syndrome“ (International journal of impotence research, 2012). [s289] (Yonsei, Korea): 32 Männer mit Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom, 22 befragt (Alter 45,09 Jahre; Nachbeobachtung 3,22 Jahre); Durchgängigkeit 68,2 % (15/22), Schwangerschaft 36,4 % (8/22); Schmerzskala 6,64 auf 1,14 (p < 0,001); Schmerzabnahme in der Durchgängigkeitsgruppe größer (6,00 gegenüber 4,43; p = 0,011), ebenso die Zufriedenheit (p = 0,014). Titel: „A comparison of epididymectomy with vasectomy reversal for the surgical treatment of postvasectomy pain syndrome“ (International urology and nephrology, 2014). [s263]: 50 Männer mit Post-Vasektomie-Schmerz; 20 Epididymektomie, 16 Umkehr; Schmerzskala 6,78 auf 1,13 (p < 0,001), kein Unterschied zwischen den Verfahren (p = 0,227) und in der Zufriedenheit (p = 0,124); Durchgängigkeit und Schwangerschaft nach Umkehr wurden erhoben, die Zahlen nennt der Abstract nicht. Beides sind kleine, retrospektive Befragungsstudien; die Samenqualität ist nicht Hauptendpunkt.
Tierversuche zur Samenleiterchirurgie
Pampal et al. 2023: Ratte, Anastomosetechniken und Kontraktionen des Samenleiters (Ankara) [s131]. Titel: „The effects of different vasovasostomy techniques on motility of vas deferens (vas motility following vasovasostomy)“ (World journal of urology, 2023). 24 Ratten in vier Gruppen: Kontrolle; Durchtrennung des Samenleiters mit mikroskopischer, makroskopischer Anastomose oder Annäherung ohne Naht. Nach 12 Wochen wurden die linken Samenleiter auf Kontraktionen unter elektrischer Feldstimulation und Arzneistoffen geprüft. Nach makroskopischer Anastomose stiegen die Kontraktionsantworten, nach reiner Annäherung sanken sie; nach mikroskopischer Anastomose stieg nur die zweite Phase bei maximaler Frequenz. Die Autoren folgern, ein Verfahren mit geringer Schädigung des Samenleiters könne die Motilität günstig beeinflussen. Genaue p-Werte sind im Abstract nicht genannt; die Bedeutung für die Befruchtungsfähigkeit ist ungeprüft.
Nasir et al. 2014 (Ankara) [s266] und Kadioglu et al. 2014 (Istanbul, Australien) [s261]: zwei Rattenversuche zur Überbrückung langer Samenleiterdefekte mit gegensätzlichem Ergebnis. Titel: „Comparison of different autogenous graft materials for reconstruction of large segment vas deferens defect: experimental study in rat“ (Urology journal, 2014). Titel: „Interpositional substitution of free vas deferens segment autografts in rat: feasibility and potential implications“ (BMC urology, 2014). In [s266] wurden 42 Ratten mit Samenleiter-, Arterien- (Carotis) und Venentransplantaten (Jugularis) von 1,0 oder 1,5 cm (Defekte von 30 % und 50 % der Samenleiterlänge; je Untergruppe n = 7) versorgt: Es zeigte sich in keinem Transplantat Durchgängigkeit, Spermiengranulome entstanden an der hodenseitigen Naht; die Autoren sehen die Vasoepididymostomie als einzige Behandlung großer Defekte. In [s261] bekamen 15 Ratten beidseits ein 2,5 cm langes, nicht durchblutetes Samenleiter-Autotransplantat: 9 von 15 Tieren (60 %) zeugten Nachwuchs, 24 Transplantate (80 %) waren durchgängig und lebensfähig, bei 6 (20 %) entstanden große Granulome an der proximalen Naht; die Vorwärtsbeweglichkeit lag bei 76 % gegenüber 78 % in der Kontrolle (p > 0,05). Mögliche Gründe sind das unterschiedliche Transplantatmaterial (Gefäße gegenüber Samenleiter) und die Längen; die Abstracts prüfen das nicht. Beide Arbeiten lassen keinen Schluss auf Menschen zu.
Demir et al. 2021: Ratte, End-zu-End-Naht mit Umhüllung durch Amnionmembran (Kırıkkale) [s163]. Titel: „Contribution of amniotic membrane to the healing of iatrogenic vas deferens injury“ (Turkish journal of medical sciences, 2021). 40 Ratten in vier Gruppen zu je 10: ohne Eingriff, Samenleiterdurchtrennung mit Spontanheilung, End-zu-End-Naht, End-zu-End-Naht mit Umhüllung durch Amnionmembran. Nach 60 Tagen heilten die Nähte mit Amnion besser mit geringerer Stenose; Unterschiede zeigten sich bei Lumendurchgängigkeit (p = 0,009), Verwachsungen (p = 0,02) und Auseinanderweichen der Enden (p = 0,03). Die Autoren betonen, dass die Anwendung beim Menschen weitere Studien braucht. Spermienbefunde wurden nicht berichtet.
Einordnung der Beobachtungsstudien zur Vasovasostomie
Übereinstimmend sind folgende Befunde: Die Durchgängigkeit ist hoch (in großen Serien etwa 85 bis 90 %), die Schwangerschaftsrate deutlich niedriger und von der Partnerin und dem Verschlussintervall abhängig [s383, s332, s353]. Bewegliche Spermien oder Spermien in der Samenleiterflüssigkeit sagen den Erfolg voraus [s336, s169]. Die Spermienparameter nach Umkehr bleiben oft unter den Normwerten, ohne dass dies eine Schwangerschaft ausschließt [s225, s121]. Offen sind der Einfluss des Verschlussintervalls (widersprüchliche Serien: die Metaanalyse [s247] und die Serien von Belker, Fuchs und Kolettis [s383, s353, s355] finden einen Einfluss, Magheli et al. [s312] und Boorjian et al. [s346] bis 15 Jahre nicht), die Rolle des Roboters (Daten nur aus Beobachtungsserien), die Wirkung von Glukokortikoiden (eine kleine randomisierte Studie mit Schaden bei hoher Dosis [s79] gegen eine kleine Fallserie mit Nutzen bei niedriger [s111]) und die einheitliche Definition des Erfolgs [s25]. Die deutsche Serie mit niedrigerer Geburtenrate [s337] ist die auffälligste Abweichung von den amerikanischen Serien. Die Gewissheit ist für Durchgängigkeit und Prädiktoren mäßig, für Spätergebnisse und Medikamente niedrig bis sehr niedrig.