Die Begriffe sind alphabetisch geordnet. Die Erklärungen sind allgemein gehalten und dienen dem Verständnis der Studie; sie ersetzen keine medizinische Definition im Einzelfall.
Anejakulation. Ausbleiben des Samenergusses trotz sexueller Erregung oder Stimulation; bei Rückenmarksverletzung, Diabetes und Multipler Sklerose beschrieben [s04].
Anorgasmie. Fehlen des Orgasmus; bei Diabetikern mit retrograder Ejakulation berichtet [s12].
ASIA / AIS (Klassifikation nach Schädigungsgrad). Skala der Rückenmarksverletzung; Grad A bedeutet komplette, die Grade B bis D bedeuten inkomplette Läsion [s144, s84].
ASC. Eiweiß („apoptosis-associated speck-like protein containing a caspase activation and recruitment domain“), Bestandteil des Inflammasoms; im Samenplasma und in Spermien von Männern mit Rückenmarksverletzung nachgewiesen [s131].
Asthenozoospermie. Verminderte Beweglichkeit der Spermien; das kennzeichnende Merkmal der Samenqualität nach Rückenmarksverletzung [s155].
Autonome Dysreflexie. Überschießende Reaktion des vegetativen Nervensystems bei Reizen unterhalb einer hohen Rückenmarksläsion; in Studien als Komplikation der Vibrationsstimulation und der Elektroejakulation genannt [s115, s188].
Azoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat; bei der obstruktiven Form liegt ein Abflusshindernis vor (bei SCI als funktionelle Obstruktion beschrieben), bei der nichtobstruktiven eine Störung der Spermienbildung [s31, s25].
Blut-Hoden-Schranke. Zellverbindungen im Hoden, die die Keimzellen vom Blut abschirmen; Marker sind Occludin und ZO-1, die in Tiermodellen gestört waren [s07, s76].
CatSper. Kalziumkanäle in der Spermienmembran, die für die Beweglichkeit gebraucht werden; im Mausmodell der Rückenmarksverletzung herunterreguliert [s148].
Cauda epididymidis. Unteres Ende des Nebenhodens, in dem Spermien gespeichert werden [s84, s13].
Comet-Assay. Laborverfahren zur Messung von DNA-Brüchen in einzelnen Zellen [s142, s59].
Cuprizon-Modell. Tiermodell der Demyelinisierung, bei dem Mäuse Cuprizon im Futter erhalten; als Modell für Multiple Sklerose genutzt [s46, s48, s41].
DMT (krankheitsmodifizierende Therapie). Dauerbehandlung der Multiplen Sklerose, die den Krankheitsverlauf beeinflussen soll [s78, s16].
DNA-Fragmentation. Anteil von Spermien mit Brüchen im Erbgut; bei Männern mit Rückenmarksverletzung erhöht [s84, s59, s139].
Doppelstrangbruch / Einzelstrangbruch. Arten des DNA-Schadens; der Anteil der Doppelstrangbrüche war bei SCI im Median 57,5 % gegenüber 4,6 % bei Normozoospermen [s59].
EAE (experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis). Tiermodell der Multiplen Sklerose [s38].
EDSS (Expanded Disability Status Scale). Skala für den Behinderungsgrad bei Multipler Sklerose [s16, s96].
Elektroejakulation (EEJ). Auslösen der Ejakulation durch elektrische Stimulation über eine Rektalsonde, meist bei Männern mit Rückenmarksverletzung [s183, s180, s123].
Ejakulationsdyssynergie. Beschriebenes Muster nach Rückenmarksverletzung, bei dem sich Spermien eher in der prostatischen Harnröhre als in der Blase finden [s111].
FSH / LH. Von der Hypophyse gebildete Hormone, die die Hodenfunktion steuern; ein niedriger FSH-Wert war in zwei Serien mit erfolgreicher operativer Spermiengewinnung verbunden [s13, s108].
GnRH / hCG-Test. Stimulationstests der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse [s105, s98, s156].
Hazard Ratio (HR). Verhältnis von Ereignisraten zwischen Gruppen; bei der dänischen Registerstudie 1,28 für inzidente MS [s92].
Hypogonadismus. Unterfunktion der Hoden mit niedrigem Testosteron; hypogonadotrop, wenn der Antrieb aus der Hypophyse fehlt [s156, s47].
ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion). Verfahren der assistierten Reproduktion, bei dem eine einzelne Samenzelle in die Eizelle eingebracht wird [s147, s31].
IIEF-5. Fragebogen zur Erektionsfunktion; höhere Werte bedeuten eine bessere Funktion [s11, s28, s154].
Inflammasom. Eiweißkomplex, der Entzündungsbotenstoffe (Caspase-1, Interleukin-1β, Interleukin-18) aktiviert; bei SCI im Samenplasma und im Hoden erhöht beschrieben [s131, s83, s102].
I² (Heterogenität). Maß dafür, wie stark Ergebnisse in einer Metaanalyse voneinander abweichen; bei der MS-Metaanalyse 86,1 % [s56].
Johnsen-Score. Bewertung der Spermienbildung in Hodengewebe [s39, s24].
Konditionale logistische Regression. Statistisches Verfahren für gematchte Fall-Kontroll-Daten; bei der Miami-Fall-Kontroll-Studie verwendet [s144].
Komplette / inkomplette Läsion. Vollständige beziehungsweise teilweise Unterbrechung der Nervenbahnen im Rückenmark [s144, s126].
Konfidenzintervall (KI). Spanne plausibler Werte für die wahre Größe eines Effekts, meist als 95-%-Intervall angegeben; ein Intervall, das den Nullwert (bei Verhältniszahlen die 1) einschließt, bedeutet keinen statistisch gesicherten Effekt [s56].
Kryokonservierung. Einfrieren von Samenzellen; bei SCI reduzierte die Lagerung die Beweglichkeit deutlich [s113].
Leydig-Zellen / Sertoli-Zellen. Hodenzellen; Leydig-Zellen bilden Testosteron, Sertoli-Zellen unterstützen die Spermienbildung [s54, s97].
Mendelsche Randomisierung (MR). Genetisch abgeleitetes Verfahren zur Prüfung von Ursache und Wirkung; in zwei Quellen zu MS und zu Schlaganfall verwendet [s49, s53].
Midodrin. Wirkstoff, der in zwei randomisierten Studien auf Auslösung der Ejakulation geprüft wurde [s115, s149].
Mirabegron. Medikament, das bei Blasenfunktionsstörung nach SCI verwendet wurde und in einer Studie auf Effekte für die Spermienbildung untersucht wurde [s72].
MS / RRMS. Multiple Sklerose / schubförmig remittierende Verlaufsform [s69, s78].
Normozoospermie. Samenparameter innerhalb der Referenzwerte der WHO [s59].
Odds Ratio (OR). Verhältnis der Chancen zwischen Gruppen; Wert 1 bedeutet keinen Unterschied [s144].
Onuf-Kern. Kerngebiet im Sakralmark (S2 bis S4), das Beckenbodenmuskeln steuert; für die rhythmisch-kräftige Ejakulation von Bedeutung [s126].
Oxidationsstress. Überschuss reaktiver Sauerstoffverbindungen, gemessen etwa über Malondialdehyd; an Spermienschäden beteiligt [s84, s36].
PDE5-Hemmer. Wirkstoffgruppe, die bei Erektionsstörungen eingesetzt wird; in Leitlinien und Übersichten für die Erektionsfunktion genannt [s34, s14].
PEDT (Premature Ejaculation Diagnostic Tool). Fragebogen zur vorzeitigen Ejakulation; höhere Werte bedeuten stärkere Auffälligkeit [s11, s28].
Penisvibrationsstimulation (PVS). Auslösen der Ejakulation durch einen Vibrator an der Eichel, bei intaktem Ejakulationsreflexbogen; in den Leitlinien als vorrangiges Stimulationsverfahren bei Rückenmarksverletzung genannt [s04, s08, s100].
PESA / TESA / TESE / CESA. Verfahren zur chirurgischen Gewinnung von Spermien: perkutane Nebenhodenaspiration, testikuläre Aspiration, testikuläre Extraktion und Nebenhodenaspiration aus der Cauda epididymidis [s104, s43, s108, s13].
Placebo / Sham. Scheinbehandlung beziehungsweise Scheinoperation als Kontrolle [s115, s07].
Probenecid. Wirkstoff, der den Pannexin-1-Kanal hemmt und in einer einarmigen Studie bei SCI geprüft wurde [s93].
Pudendusneurographie. Messung der Nervenleitung des Schamnervs, in einer Moskauer Serie zur Sicherung der Neuropathie verwendet [s117].
Retrograde Ejakulation. Rückfluss des Samens in die Blase, nachweisbar durch Spermien im Urin nach dem Samenerguss; bei Diabetes und Rückenmarksverletzung beschrieben [s04, s45, s52].
Rotenon-Modell. Tiermodell der Parkinson-Krankheit durch Vergiftung mit Rotenon [s19, s76].
SCI. Rückenmarksverletzung („spinal cord injury“) [s126].
Spinale Muskelatrophie (SMA). Erbliche neuromuskuläre Erkrankung; bei Typ 2 und 3 in einer Studie mit Fertilitätsstörungen bei 65,9 % der Männer [s50].
Spermiogramm. Laboruntersuchung des Ejakulats auf Volumen, Konzentration, Beweglichkeit, Vitalität und Form [s145, s137].
Teratozoospermie / Oligozoospermie. Hoher Anteil missgebildeter Spermien beziehungsweise niedrige Spermienkonzentration [s117, s94].
TUNEL-Test. Laborverfahren, das DNA-Brüche und damit apoptotische Spermien anzeigt [s130, s139].
Vitalität. Anteil lebender Spermien, unabhängig von der Beweglichkeit [s113, s159].
WHO-Referenzwerte. Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation für Samenparameter; eine Quelle bezieht sich ausdrücklich auf die Ausgabe 2010 [s117, s144].