Rückenmarksverletzung, Multiple Sklerose und Neurologie · Kapitel 22 von 23

Glossar

Die Begriffe sind alphabetisch geordnet. Die Erklärungen sind allgemein gehalten und dienen dem Verständnis der Studie; sie ersetzen keine medizinische Definition im Einzelfall.

Anejakulation. Ausbleiben des Samenergusses trotz sexueller Erregung oder Stimulation; bei Rückenmarksverletzung, Diabetes und Multipler Sklerose beschrieben [s04].

Anorgasmie. Fehlen des Orgasmus; bei Diabetikern mit retrograder Ejakulation berichtet [s12].

ASIA / AIS (Klassifikation nach Schädigungsgrad). Skala der Rückenmarksverletzung; Grad A bedeutet komplette, die Grade B bis D bedeuten inkomplette Läsion [s144, s84].

ASC. Eiweiß („apoptosis-associated speck-like protein containing a caspase activation and recruitment domain“), Bestandteil des Inflammasoms; im Samenplasma und in Spermien von Männern mit Rückenmarksverletzung nachgewiesen [s131].

Asthenozoospermie. Verminderte Beweglichkeit der Spermien; das kennzeichnende Merkmal der Samenqualität nach Rückenmarksverletzung [s155].

Autonome Dysreflexie. Überschießende Reaktion des vegetativen Nervensystems bei Reizen unterhalb einer hohen Rückenmarksläsion; in Studien als Komplikation der Vibrationsstimulation und der Elektroejakulation genannt [s115, s188].

Azoospermie. Fehlen von Spermien im Ejakulat; bei der obstruktiven Form liegt ein Abflusshindernis vor (bei SCI als funktionelle Obstruktion beschrieben), bei der nichtobstruktiven eine Störung der Spermienbildung [s31, s25].

Blut-Hoden-Schranke. Zellverbindungen im Hoden, die die Keimzellen vom Blut abschirmen; Marker sind Occludin und ZO-1, die in Tiermodellen gestört waren [s07, s76].

CatSper. Kalziumkanäle in der Spermienmembran, die für die Beweglichkeit gebraucht werden; im Mausmodell der Rückenmarksverletzung herunterreguliert [s148].

Cauda epididymidis. Unteres Ende des Nebenhodens, in dem Spermien gespeichert werden [s84, s13].

Comet-Assay. Laborverfahren zur Messung von DNA-Brüchen in einzelnen Zellen [s142, s59].

Cuprizon-Modell. Tiermodell der Demyelinisierung, bei dem Mäuse Cuprizon im Futter erhalten; als Modell für Multiple Sklerose genutzt [s46, s48, s41].

DMT (krankheitsmodifizierende Therapie). Dauerbehandlung der Multiplen Sklerose, die den Krankheitsverlauf beeinflussen soll [s78, s16].

DNA-Fragmentation. Anteil von Spermien mit Brüchen im Erbgut; bei Männern mit Rückenmarksverletzung erhöht [s84, s59, s139].

Doppelstrangbruch / Einzelstrangbruch. Arten des DNA-Schadens; der Anteil der Doppelstrangbrüche war bei SCI im Median 57,5 % gegenüber 4,6 % bei Normozoospermen [s59].

EAE (experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis). Tiermodell der Multiplen Sklerose [s38].

EDSS (Expanded Disability Status Scale). Skala für den Behinderungsgrad bei Multipler Sklerose [s16, s96].

Elektroejakulation (EEJ). Auslösen der Ejakulation durch elektrische Stimulation über eine Rektalsonde, meist bei Männern mit Rückenmarksverletzung [s183, s180, s123].

Ejakulationsdyssynergie. Beschriebenes Muster nach Rückenmarksverletzung, bei dem sich Spermien eher in der prostatischen Harnröhre als in der Blase finden [s111].

FSH / LH. Von der Hypophyse gebildete Hormone, die die Hodenfunktion steuern; ein niedriger FSH-Wert war in zwei Serien mit erfolgreicher operativer Spermiengewinnung verbunden [s13, s108].

GnRH / hCG-Test. Stimulationstests der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse [s105, s98, s156].

Hazard Ratio (HR). Verhältnis von Ereignisraten zwischen Gruppen; bei der dänischen Registerstudie 1,28 für inzidente MS [s92].

Hypogonadismus. Unterfunktion der Hoden mit niedrigem Testosteron; hypogonadotrop, wenn der Antrieb aus der Hypophyse fehlt [s156, s47].

ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion). Verfahren der assistierten Reproduktion, bei dem eine einzelne Samenzelle in die Eizelle eingebracht wird [s147, s31].

IIEF-5. Fragebogen zur Erektionsfunktion; höhere Werte bedeuten eine bessere Funktion [s11, s28, s154].

Inflammasom. Eiweißkomplex, der Entzündungsbotenstoffe (Caspase-1, Interleukin-1β, Interleukin-18) aktiviert; bei SCI im Samenplasma und im Hoden erhöht beschrieben [s131, s83, s102].

I² (Heterogenität). Maß dafür, wie stark Ergebnisse in einer Metaanalyse voneinander abweichen; bei der MS-Metaanalyse 86,1 % [s56].

Johnsen-Score. Bewertung der Spermienbildung in Hodengewebe [s39, s24].

Konditionale logistische Regression. Statistisches Verfahren für gematchte Fall-Kontroll-Daten; bei der Miami-Fall-Kontroll-Studie verwendet [s144].

Komplette / inkomplette Läsion. Vollständige beziehungsweise teilweise Unterbrechung der Nervenbahnen im Rückenmark [s144, s126].

Konfidenzintervall (KI). Spanne plausibler Werte für die wahre Größe eines Effekts, meist als 95-%-Intervall angegeben; ein Intervall, das den Nullwert (bei Verhältniszahlen die 1) einschließt, bedeutet keinen statistisch gesicherten Effekt [s56].

Kryokonservierung. Einfrieren von Samenzellen; bei SCI reduzierte die Lagerung die Beweglichkeit deutlich [s113].

Leydig-Zellen / Sertoli-Zellen. Hodenzellen; Leydig-Zellen bilden Testosteron, Sertoli-Zellen unterstützen die Spermienbildung [s54, s97].

Mendelsche Randomisierung (MR). Genetisch abgeleitetes Verfahren zur Prüfung von Ursache und Wirkung; in zwei Quellen zu MS und zu Schlaganfall verwendet [s49, s53].

Midodrin. Wirkstoff, der in zwei randomisierten Studien auf Auslösung der Ejakulation geprüft wurde [s115, s149].

Mirabegron. Medikament, das bei Blasenfunktionsstörung nach SCI verwendet wurde und in einer Studie auf Effekte für die Spermienbildung untersucht wurde [s72].

MS / RRMS. Multiple Sklerose / schubförmig remittierende Verlaufsform [s69, s78].

Normozoospermie. Samenparameter innerhalb der Referenzwerte der WHO [s59].

Odds Ratio (OR). Verhältnis der Chancen zwischen Gruppen; Wert 1 bedeutet keinen Unterschied [s144].

Onuf-Kern. Kerngebiet im Sakralmark (S2 bis S4), das Beckenbodenmuskeln steuert; für die rhythmisch-kräftige Ejakulation von Bedeutung [s126].

Oxidationsstress. Überschuss reaktiver Sauerstoffverbindungen, gemessen etwa über Malondialdehyd; an Spermienschäden beteiligt [s84, s36].

PDE5-Hemmer. Wirkstoffgruppe, die bei Erektionsstörungen eingesetzt wird; in Leitlinien und Übersichten für die Erektionsfunktion genannt [s34, s14].

PEDT (Premature Ejaculation Diagnostic Tool). Fragebogen zur vorzeitigen Ejakulation; höhere Werte bedeuten stärkere Auffälligkeit [s11, s28].

Penisvibrationsstimulation (PVS). Auslösen der Ejakulation durch einen Vibrator an der Eichel, bei intaktem Ejakulationsreflexbogen; in den Leitlinien als vorrangiges Stimulationsverfahren bei Rückenmarksverletzung genannt [s04, s08, s100].

PESA / TESA / TESE / CESA. Verfahren zur chirurgischen Gewinnung von Spermien: perkutane Nebenhodenaspiration, testikuläre Aspiration, testikuläre Extraktion und Nebenhodenaspiration aus der Cauda epididymidis [s104, s43, s108, s13].

Placebo / Sham. Scheinbehandlung beziehungsweise Scheinoperation als Kontrolle [s115, s07].

Probenecid. Wirkstoff, der den Pannexin-1-Kanal hemmt und in einer einarmigen Studie bei SCI geprüft wurde [s93].

Pudendusneurographie. Messung der Nervenleitung des Schamnervs, in einer Moskauer Serie zur Sicherung der Neuropathie verwendet [s117].

Retrograde Ejakulation. Rückfluss des Samens in die Blase, nachweisbar durch Spermien im Urin nach dem Samenerguss; bei Diabetes und Rückenmarksverletzung beschrieben [s04, s45, s52].

Rotenon-Modell. Tiermodell der Parkinson-Krankheit durch Vergiftung mit Rotenon [s19, s76].

SCI. Rückenmarksverletzung („spinal cord injury“) [s126].

Spinale Muskelatrophie (SMA). Erbliche neuromuskuläre Erkrankung; bei Typ 2 und 3 in einer Studie mit Fertilitätsstörungen bei 65,9 % der Männer [s50].

Spermiogramm. Laboruntersuchung des Ejakulats auf Volumen, Konzentration, Beweglichkeit, Vitalität und Form [s145, s137].

Teratozoospermie / Oligozoospermie. Hoher Anteil missgebildeter Spermien beziehungsweise niedrige Spermienkonzentration [s117, s94].

TUNEL-Test. Laborverfahren, das DNA-Brüche und damit apoptotische Spermien anzeigt [s130, s139].

Vitalität. Anteil lebender Spermien, unabhängig von der Beweglichkeit [s113, s159].

WHO-Referenzwerte. Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation für Samenparameter; eine Quelle bezieht sich ausdrücklich auf die Ausgabe 2010 [s117, s144].

Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Rückenmarksverletzung: Samenparameter in großen und mittleren Kollektiven bis Rückenmarksverletzung: Sexual- und Ejakulationsfunktion ohne Samenanalyse
  6. Rückenmarksverletzung: Verfahren der Samengewinnung bis Rückenmarksverletzung: Prospektive und retrospektive Studien mit therapeutischem Eingriff
  7. Multiple Sklerose: humane Studien bis Nicht in diesem Kapitel behandelt: Tierversuche und Einzelfallberichte
  8. Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  9. Leitlinien und Konsensdokumente
  10. Übersichten zum Gesamtbild bis Vibrationsverfahren, Ejakulationsdyssynergie und Fallberichte zur Ejakulation
  11. Operative Gewinnung und Ergebnisse assistierter Reproduktion
  12. Rückenmarksverletzung: Tierversuche bis Neuropathie und Diabetes
  13. Weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) und Zusammenfassende Gewichtung der Studienlage
  14. Mechanismen und biologische Plausibilität
  15. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  16. Englisch bis Japanisch
  17. Koreanisch bis Türkisch
  18. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  19. Limitationen der Evidenz
  20. Offene Forschungsfragen
  21. Praktische Einordnung
  22. Glossar
  23. Quellenverzeichnis
  24. Diagramme
  25. Quellen
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle