Rückenmarksverletzung, Multiple Sklerose und Neurologie · Kapitel 13 von 23 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

Weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) und Zusammenfassende Gewichtung der Studienlage

Weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie)

Spinale Muskelatrophie. Magot et al. 2024 [s50]: deskriptive Querschnittsstudie, 13 französische neuromuskuläre Zentren, Juni 2022 bis Juli 2023, erwachsene Männer mit genetisch gesicherter SMA Typ 2 oder 3, alle vor einer Risdiplam-Behandlung; 68 Patienten (36 SMA2, 32 SMA3), 41 mit Fertilitätsdaten, 33 Spermiogramme. Fertilitätsstörungen bei 27 von 41 (65,9 %; 95 % CI 51,3 bis 80,4), bei SMA2 19 Fälle (90,5 %; 95 % CI 77,9 bis 100), bei SMA3 8 Fälle (40 %; 95 % CI 18,5 bis 61,5); 81 % (27 von 33) der Männer mit Spermiogramm hatten eine abnorme Konzentration, 30 % eine Azoospermie; die Abweichungen hingen mit dem SMA-Typ (p < 0,001), der motorischen Schwere (p < 0,001) und dem Motor Function Measure (p < 0,01) zusammen. Stärken: erste Studie mit Spermiogrammen bei SMA, Konfidenzintervalle. Schwächen: Hälfte der Männer ohne Fertilitätsdaten, selektiv teilnehmende Patienten, Querschnitt. Myotone Dystrophie Typ 1. Ergoli et al. 2020 [s79]: 20 Patienten; etwa 50 % mit Hypospermie und Azoospermie, die übrigen mit Oligo-Astheno-Teratozoospermie; niedrigste AMH-Werte korrelierten am besten mit den Spermienveränderungen; verminderte Expression von DMPK, SIX5 und RSPH6A. Yanovsky-Dagan et al. 2022 [s64]: bei vier Patienten keine Selektion gegen Spermien mit hypermethyliertem DMPK; betrifft Vererbung, nicht Samenqualität. Kennedy-Krankheit. Chen et al. 2025, [Clinical characteristics and genetic analysis of a patient with Kennedy disease with secondary infertility as the initial symptom] (Klinische Merkmale und genetische Analyse eines Patienten mit Kennedy-Krankheit, dessen erstes Symptom die sekundäre Infertilität war) [s25] (Zhonghua Yi Xue Yi Chuan Xue Za Zhi): Fallbericht; fünfjährige sekundäre Infertilität, nichtobstruktive Azoospermie, kleines Hodenvolumen, Samenblasenatrophie, 52 CAG-Wiederholungen im Androgenrezeptor-Gen; ein Einzelfall.

Spina bifida. Deng et al. 2018 [s91] (Übersicht): Infertilität beruhe auf Spermatogenesedefekten und/oder gestörtem Spermientransport, die Schwere korreliere mit Läsionshöhe und Hydrozephalus. Fortingo et al. 2025 [s27] (Abrechnungsdaten): erektile Dysfunktion 7,83 %, Hypogonadismus 7,71 %, meist unbehandelt (66,6 % und 77,4 %). Rague et al. 2025 [s35]: 20 Männer, 70 % ohne Partnerschaft, kein Teilnehmer mit Vaterschaft, viele mit Kinderwunsch. Gotoh et al. 2020 [s80] (Nara): 36-jähriger Mann mit Spina bifida und leichter bis mittelschwerer Erektionsstörung; nach zwei Jahren ohne Schwangerschaft verminderte Samenmenge, Spermiendichte und Beweglichkeit (Zahlenwerte im Abstract nicht genannt); mit ICSI wurde ein gesundes Kind geboren. Shiomi et al. 2006 [s164]: 36 Männer mit Spina bifida angeschrieben, 26 antworteten; psychogene Erektion 85 %, Rigidität 54 %, Ejakulation 88 %, Orgasmus 65 %; psychogene Erektion und Ejakulation korrelierten mit der Sharrard-Klassifikation. Choi et al. 2017 [s99] (Seoul): 47 junge Männer mit Spina bifida; 24 (51,1 %) hatten im vergangenen Monat Geschlechtsverkehr; bei 10 der aktiven Männer (41,7 %) zumindest zeitweise Ejakulationsprobleme; Sexualfunktion und Lebensqualität korrelierten (r = 0,496; P = 0,014); keine Samenanalyse.

Schlaganfall und Myasthenie. Jung et al. 2008 [s154] (Korea): 109 männliche Schlaganfallpatienten (64,93 ± 8,81 Jahre) und 109 altersgleiche Kontrollen; IIEF-5 5,89 ± 7,08 gegenüber 10,67 ± 7,10; mangelnde Libido war mit 59,4 % die häufigste Ursache für fehlenden Verkehr; Läsionen im rechten Kleinhirn und linken Basalganglienbereich gingen mit Ejakulationsstörung bzw. verminderter Libido einher; Fragebogen, keine Samenanalyse. Zhu et al. 2024 [s53]: Zwei-Stichproben-Mendelsche Randomisierung mit umgekehrter Fragerichtung; männliche Infertilität und ein niedrigeres Risiko für Schlaganfall durch Erkrankung der kleinen Gefäße (OR 0,82; 95 % CI 0,68 bis 0,99; p = 0,044), für andere Schlaganfalltypen kein signifikanter Effekt; Konfidenzintervall berührt fast die 1. Wang et al. 2021 [s73] (Myasthenia gravis): 158 Patienten (52 Männer, 106 Frauen) und 161 gesunde Vergleichspersonen; Frauen mit MG hatten signifikant häufiger sexuelle Dysfunktion (48,11 % gegenüber 22,64 %; P < 0,001), bei den Männern ebenfalls häufiger (Zahl im Abstract nicht genannt); Alter (OR 1,13) und Depression (OR 1,53; P = 0,011) waren unabhängige Risikofaktoren; keine Samenparameter.

Schädel-Hirn-Trauma und Zerebralparese. Fedotov et al. 2018, Экспрессия рецептора CD117 в половых железах мужчин при черепно-мозговой травме (Expression des Rezeptors CD117 in den männlichen Keimdrüsen bei Schädel-Hirn-Trauma) [s97] (Rjasan): postmortale Untersuchung, 5 Männer (25 bis 44 Jahre), die 15 bis 35 Tage nach dem Trauma starben, gegen 6 am Unfallort Verstorbene. Kontrollen: mittlere Querschnittsfläche der Hodenkanälchen 35,2 × 10³ ± 3,7 µm². Im späten Verlauf: Kanälchen mit differenzierten Zellverbänden nur 41,4 ± 5,7 %, mit undifferenzierten 31,4 ± 5,8 %, nur mit Sertoli-Zellen 24,2 ± 5,2 %; mittlere Fläche 31,8 × 10³ ± 4,2 µm², um 11 % geringer (p < 0,05); Spermatiden fehlten in den betroffenen Kanälchen. Schwächen: nur 11 Fälle, Autopsiematerial (Intensivtherapie, Fieber und Todesursache können die Befunde beeinflussen), keine Samenanalyse. Usanov 2026, УТКИР БОШ МИЯ ШИКАСТЛАНИШИДА УРУГДОНЛАРНИНГ МОРФОФУНКЦИОНАЛ УЗГАРИШЛАРИ (Morphofunktionelle Veränderungen der Hoden bei akutem Schädel-Hirn-Trauma) [s22] (Samarkand; usbekisch, in einer Zeitschrift mit wirtschaftswissenschaftlichem Titel, fachliche Qualitätssicherung nicht beurteilbar): 30 Ratten; am 7. und 21. Tag Körper-, Hodengewicht und Hodenvolumen signifikant geringer (p < 0,05); Durchmesser der Hodenkanälchen um 4,7, 11,5, 17,7 und 30,1 % vermindert, die Dicke der Keimschicht entsprechend um 1, 8,2, 22,8 und 37,3 % (die vier Zeitpunkte nennt der abgerufene Text nicht); am 21. Tag Tunica albuginea um 29 %, Arteriolendurchmesser um 30,8 % und Zahl der Leydig-Zellen um 55,6 % vermindert; keine Samenparameter. Memiş et al. 2025 [s30] (Kayseri): Mausmodell des wiederholten leichten Schädel-Hirn-Traumas; die Telomerlänge der Spermien sank in der akuten Phase signifikant und stieg in der chronischen Phase nach wiederholtem Trauma wieder an; Rad51, Exo1, Rb1, RNaseH1 und RNaseH2 in ihrer Transkription verändert; Spermienzahl und Beweglichkeit nicht angegeben. Seçim et al. 2026 [s18] (Istanbul): 240 Jungen (1 bis 15 Jahre) mit Zerebralparese; erworbener Hodenhochstand bei 58 (24,2 %); unabhängige Prädiktoren: Frühgeburtlichkeit (OR 2,6; 95 % CI 1,3 bis 5,2), Hüftdysplasie (OR 3,1; 95 % CI 1,2 bis 8,3), Mangelernährung oder Sondenernährung (OR 3,1; 95 % CI 1,6 bis 6,1); Hodenatrophie bei 34,5 % der Jungen mit Hodenhochstand, bei neu erkannten Fällen häufiger als bei bekannten (65,4 % gegenüber 9,4 %; p < 0,001); spätere Fertilität nicht untersucht.

Zusammenfassende Gewichtung der Studienlage

Nach Erkrankung und Evidenzart ergibt sich folgende Übersicht. Die Zählung nennt Quellen aus synthese.json, nicht unabhängige Beobachtungen.

ErkrankungHumane SamenanalysenRandomisierte StudienMetaanalysen und LeitlinienTiermodelleGesamteinschätzung
Rückenmarksverletzungviele, meist klein, retrospektiv, mit überlappenden Kollektiven [s137, s144, s145, s175, s84, s59, s139, s140, s130, s163, s159, s77, s24]eine Pilotstudie ohne Samenendpunkt [s115]Metaanalyse nur zur Ejakulation [s126]; Leitlinien zur Gewinnung [s04, s45, s08]zahlreich, überwiegend Nager, Läsion Th8 bis Th10 [s148, s81, s62, s167, s07 u. a.]Muster "Zahl oft normal, Beweglichkeit und Vitalität vermindert" in vielen Kollektiven beschrieben; Ursachen nur zum Teil geklärt
Multiple Skleroseeine Studie mit Samenanalyse und Hypogonadotropie [s156], zwei kleine Studien ohne Unterschied [s78, s69]keine zur SamenqualitätRegisterstudie und Metaanalyse zur umgekehrten Fragerichtung [s92, s56]; Mendelsche Randomisierung in direkter Richtung [s49]Cuprizon-Modelle [s46, s48, s41]dünn und widersprüchlich
Parkinson-Krankheitkeinekeinekeinezwei Rotenon-Studien und eine Transgenlinie [s76, s19, s86]keine humane Evidenz zur Samenqualität
Neuropathie (diabetisch)eine ältere Studie [s186], eine mit vermischtem Behandlungseffekt [s157]; Samenwerte nach Eingriffen [s117, s133]eine kleine, nach Abstract einfach verblindete Studie zur Wiederherstellung des Ejakulationsweges [s114]Diabetes insgesamt: zwei Metaanalysen [s109, s74]Samenblasen-Histologie [s141]neuropathie-spezifischer Beitrag nicht abgrenzbar
WeitereSMA [s50], myotone Dystrophie [s79], Einzelfälle [s63, s25, s80]keinekeineSchädel-Hirn-Trauma [s22, s30]wenige Einzelbefunde
Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Rückenmarksverletzung: Samenparameter in großen und mittleren Kollektiven bis Rückenmarksverletzung: Sexual- und Ejakulationsfunktion ohne Samenanalyse
  6. Rückenmarksverletzung: Verfahren der Samengewinnung bis Rückenmarksverletzung: Prospektive und retrospektive Studien mit therapeutischem Eingriff
  7. Multiple Sklerose: humane Studien bis Nicht in diesem Kapitel behandelt: Tierversuche und Einzelfallberichte
  8. Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  9. Leitlinien und Konsensdokumente
  10. Übersichten zum Gesamtbild bis Vibrationsverfahren, Ejakulationsdyssynergie und Fallberichte zur Ejakulation
  11. Operative Gewinnung und Ergebnisse assistierter Reproduktion
  12. Rückenmarksverletzung: Tierversuche bis Neuropathie und Diabetes
  13. Weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) und Zusammenfassende Gewichtung der Studienlage
  14. Mechanismen und biologische Plausibilität
  15. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  16. Englisch bis Japanisch
  17. Koreanisch bis Türkisch
  18. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  19. Limitationen der Evidenz
  20. Offene Forschungsfragen
  21. Praktische Einordnung
  22. Glossar
  23. Quellenverzeichnis
  24. Diagramme
  25. Quellen
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle