Vorbemerkung. Eine Dosis-Wirkung im Sinn einer abgestuften Exposition liegt beim Menschen nicht vor, weil die "Exposition" (Läsion, Erkrankungsdauer) nicht zugeteilt wird. Als Näherung dienen die Läsionsvollständigkeit und -höhe, die Zeit seit Beginn und die Krankheitsschwere. Eine echte abgestufte Dosis gibt es nur im Tierversuch (graduierte Läsion [s81, s62]) und in einzelnen Interventionsstudien. Alle folgenden Tabellen geben Studienergebnisse wieder, keine Empfehlung.
Läsionsvollständigkeit, Läsionshöhe und Schweregrad
| Quelle | Population und Design | Befund | Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Chéhensse et al. 2013 [s126] | Metaanalyse, 45 Studien, n = 3851 | Ejakulationsrate komplett gegenüber inkomplett: Masturbation oder Koitus 11,8 gegenüber 33,2 %; PVS 47,4 gegenüber 52,8 %; Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation 54,7 gegenüber 78,1 %; bei kompletter Läsion der Zentren Th12 bis L2, S2 bis S4 oder aller Zentren nach PVS 0 % (n = 5, 4, 21) | Ejakulation, nicht Samenqualität; kleine Gruppen |
| Kathiresan et al. 2012 [s137] | 444 Männer SCI, 61 Kontrollen | Anteil unvollständiger Läsionen 84 % (Masturbation), 54 % (PVS), 41 % (EEJ); Beweglichkeit 36,9, 25,9, 15,0 % gegenüber 58,0 % | Gruppen durch Ejakulationsweg selektiert |
| Iremashvili et al. 2010 [s144] | 30 Fälle, 120 Kontrollen | normale Parameter: unvollständige Läsion OR 2,6 (95 % CI 1,1 bis 6,1); Masturbation möglich OR 2,7 (1,1 bis 7,1) | 30 Fälle; retrospektiv |
| Vargas-Baquero et al. 2020 [s84] | 27 Männer SCI, 10 Spender | AIS A gegenüber B bis D: geringere progressive Beweglichkeit (p = 0,0040); zervikal gegenüber thorakal: höhere Konzentration (p = 0,0257) | retrospektiv, kleine Gruppen |
| Krebs et al. 2015 [s113] | 16 Männer SCI, 28 Proben | komplette SCI: geringere Vitalität frischer Proben (p < 0,0001); Tetraplegie: geringere Vitalität vor und Beweglichkeit nach Einfrieren (p < 0,035) | kleine Zahl |
| Chalas et al. 2022 [s57] | 35 Männer, 18 Monate | Läsionshöhe und -vollständigkeit ohne negativen Einfluss auf die Samenqualität im Verlauf | Pilotstudie |
| Hultling et al. 1997 [s178] | 25 Paare | Schwangerschaftsrate ohne Zusammenhang mit Läsionshöhe | kleine Zahl |
| Alisseril et al. 2021 [s65] | 23 Männer mit Paraplegie | alle 4 Männer mit Höhe oberhalb Th9 ejakulierten; nur somatische Reaktionen signifikant (p = 0,02) | kleine Zahl |
| Arafa et al. 2007 [s158] | 69 Männer, Prostatamassage | Samengewinnung bei Verletzungen oberhalb Th10 signifikant häufiger | Zahlen fehlen |
| Momose et al. 1995 [s183] | 53 Patienten, EEJ | antegrade Ejakulation bei Blasenlähmung oberes Motoneuron 93 %, unteres Motoneuron 63,6 % (P < 0,05) | ohne Kontrolle |
| Yamamoto et al. 1997 [s180] | 69 Patienten, EEJ | antegrade Ejakulation 86,9 %, bei unteraktiver Blase 58,3 % | ohne Kontrolle |
| Mikuriya et al. 1990 [s190] | 18 komplett, 5 inkomplett, 3 Dyspermatismus | Anteil missgebildeter Spermien bei kompletter Verletzung am höchsten | keine Zahlen im Abstract |
| Kaddumi et al. 2020 und 2022 [s81, s62] | Ratte Th8, 1/3, 2/3, komplette Durchtrennung | Epithelhöhe und Spermatozyten- und Spermatidenschichten sinken mit der Läsionsgröße, am stärksten bei kompletter Durchtrennung; Anteil beweglicher Spermien nur bei Durchtrennung vermindert; Spermienzahl nach 1/3 und Durchtrennung vermindert | Fallzahlen im Abstract nicht genannt; Nager |
| Guha und Kumar 2026 [s07] | Ratte Th12 (spastisch) und S2 (nicht spastisch) | beide Läsionsebenen beeinträchtigen Spermatogenese, Vitalität, Zahl und Beweglichkeit | Fallzahl nicht im Abstract |
| Wilkins et al. 2025 [s44] | Ratte, Transektion und Kontusion | Spermienkonzentration abhängig von Vollständigkeit; am niedrigsten bei chronischer kompletter Transektion | Samenqualität Nebenbefund |
| Makino et al. 2026 [s13] | 69 Männer, komplett, CESA | Gewinnung 60,9 %; FSH median 4,6 gegenüber 12,9 mIU/ml (Erfolg gegenüber Misserfolg), Grenzwert 5,95 mIU/ml | retrospektiv |
Lesehilfe. Die Zusammenschau zeigt in der Mehrzahl der Studien: Je vollständiger die Läsion, desto schlechter die Ejakulationsfähigkeit [s126, s137] und, in kleinen Studien, die Samenqualität [s144, s84, s113]; die Ausnahme ist die prospektive Pilotstudie [s57], die keinen Einfluss sah. Die Beziehung ist damit abgestuft im Sinn einer Tendenz, nicht als quantifizierte Dosis-Wirkungs-Kurve. Ein abgestufter Verlauf ist nur im Tiermodell [s81, s62] belegt.
Zeit seit der Verletzung
| Quelle | Design | Befund zur Zeit |
|---|---|---|
| Brackett et al. 1998 [s175] | 638 Proben von 125 Männern, Querschnitt | kein Unterschied in Konzentration, Gesamtzahl und Beweglichkeit nach Zeit seit Verletzung (2-Jahres-Intervalle; Verletzungen von 6 Wochen bis 26 Jahren) |
| Iremashvili et al. 2010 [s145] | 87 Männer, mindestens zwei Proben im Abstand von mindestens 3 Jahren | Konzentration nahm leicht ab, alle anderen Parameter unverändert |
| Chalas et al. 2022 [s57] | 35 Männer, 18 Monate | kein signifikanter Rückgang im Verlauf |
| Krebs et al. 2015 [s113] | 28 Proben | kein Unterschied zwischen früh (bis 3 Wochen) und später gewonnenen Proben (p = 0,75) |
| Vargas-Baquero et al. 2020 [s84] | 27 Männer | keine signifikante Korrelation mit der Zeit seit Läsion |
| Momen et al. 2007 [s159] | 45 Männer | kein signifikanter Einfluss von Verletzungsdauer |
| Kaneko und Miyazaki 1993 [s188] | 41 Patienten, EEJ | Gesamtspermienzahl nahm mit zunehmendem Abstand von der Verletzung ab; Beweglichkeit schon im ersten Monat niedrig |
| Patki et al. 2008 [s155] | Übersicht | Veränderungen schon zwei Wochen nach der Verletzung |
| Koršunov et al. 2021 [s75] (zweite Hand) | Übersicht | keine wesentlichen Abweichungen im spinalen Schock; Verschlechterung etwa zwei Wochen nach dem Trauma |
| Celigoj et al. 2012 [s136] | 7 Männer, Verletzung vor der Pubertät | vor dem 9. Lebensjahr 3 azoosperm; mit 10 Jahren subnormale Gesamtzahl; mit 11,9 Jahren normale Gesamtzahl; Beweglichkeit meist subnormal |
| Iwahata et al. 2016 [s108] | 52 Männer, TESE | Gewinnungsrate bei Verletzung vor höchstens 12 Jahren besser (p = 0,045) |
| Morelli et al. 2025 [s31] | 107 TESE-Eingriffe | Gewinnungsrate nicht von der Zeit abhängig (stetig oder kategorial) |
| Rezaian et al. 2009 [s148] | Maus, Tag 1 bis Woche 6 | CatSper 1 und 2 nach 4 und 6 Wochen herunterreguliert |
| Nikmehr et al. 2017 [s102] | Ratte, Tag 1, 3, 7, 56 | stärkste Abnahme von Zahl und Beweglichkeit an Tag 3 und 7; Caspase-1 Tag 3 erhöht |
| Ramezanikhah et al. 2020 [s83] | Ratte, Tag 3 bis 28 | Nlrp3 und IL-1β am Tag 14 hoch; Beweglichkeit und Vitalität am Tag 21 vermindert |
| Bazrafkan et al. 2018 [s88] | Ratte, Tag 1, 3, 7 | NLRP3-mRNA und Malondialdehyd am Tag 7 erhöht |
| Huang et al. 2004 [s167] | Ratte, chronische SCI | spontane Erholung der Spermatogenese bei 7 von 8 unbehandelten Tieren |
Lesehilfe. Beim Menschen finden fünf Studien keine Verschlechterung mit zunehmendem Abstand [s175, s145, s57, s84, s159], eine fand eine abnehmende Gesamtspermienzahl [s188], und die Gewinnungsrate bei TESE sprach in einer Serie für, in einer anderen gegen einen Zeiteffekt [s108, s31]. Die Studien nach der Verletzung deuten auf eine frühe Veränderung (innerhalb von Wochen) und danach auf ein weitgehend stabiles Plateau, das jedoch überwiegend auf Querschnittsdaten und Auswahleffekten beruht. Die Tiermodelle zeigen einen Verlauf mit Spitze an Tag 3 bis 14 und teilweiser Erholung [s102, s167].
Gewinnungsweg als Störgröße
| Vergleich | Befund | Quelle |
|---|---|---|
| Masturbation, PVS, EEJ | Beweglichkeit 36,9 / 25,9 / 15,0 %; Konzentration 83,3 / 77,4 / 49,8 × 10^6 pro cc | [s137] |
| PVS gegenüber PVSA (Samenleiter) | Vorwärtsbeweglichkeit in PVSA höher (P < 0,01), DNA-Fragmentierung in PVS höher (P < 0,05) | [s139] |
| PVS bei SCI gegenüber PVSA bei psychogener Anejakulation | Beweglichkeit in psychogener Gruppe höher (P < 0,01) | [s140] |
| EEJ gegenüber PVS | kein signifikanter Unterschied für einen Samenparameter | [s159] |
| EEJ, PVS, chirurgisch | kein Unterschied der frischen Parameter | [s94] |
| EEJ gegenüber TESE | Schwangerschaft pro Zyklus, Lebendgeburt ohne signifikanten Unterschied | [s09, s161] |
| Frische gegenüber aufgetaute Hodenspermien | Schwangerschaftsrate pro ICSI bei SCI 64 gegenüber 25 %, bei obstruktiver Azoospermie 76 gegenüber 63 % | [s147] |
| Urin gegenüber Hodenspermien (retrograde Ejakulation, nicht ausschließlich neurogen) | Befruchtung 72,84 gegenüber 86,11 %; Lebendgeburt 16,67 gegenüber 52,17 % | [s03] |
| Harnröhre gegenüber Blase (PVS) | Spermien in der Harnröhre bei 50 % der Proben; Beweglichkeit in 8 Proben größer | [s111] |
| Antegrade und chirurgische Gewinnung | Schwangerschaft pro Paar 50 und 75 % | [s125] |
Lesehilfe. Die Gewinnungsart beeinflusst die gemessene Samenqualität stärker als manche Krankheitsmerkmale. Vergleiche zwischen Studien sind nur bedingt zulässig, und viele Gruppen sind mit der Läsionsvollständigkeit vermengt (Männer mit Masturbationsfähigkeit haben häufiger eine unvollständige Läsion [s137]).
Reversibilität und Interventionsstudien
Die folgenden Studien sind ausschließlich als Ergebnisse berichtet und sagen nichts über die Eignung für den Einzelfall.
| Intervention | Design und Population | Ergebnis | Dauer der Wirkung | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Probenecid (Pannexin-1-Hemmung) | einarmig, 20 Männer mit SCI, 4 Wochen | progressive Beweglichkeit 19 auf 26 % (p < 0,05); bewegliche Spermien gesamt 15 auf 28 Mio. | 4 Wochen nach Ende: 27 Mio. | [s93] |
| Anti-ASC-Antikörper in vitro | 32 Proben | Beweglichkeit 11,5 auf 18,3 % | nicht zutreffend (Probe) | [s119] |
| Botulinumtoxin in die Blase | 11 Männer mit SCI | Beweglichkeit in 67 %, Vitalität in 50 % verbessert | nicht angegeben | [s135] |
| Mirabegron | 30 Männer mit SCI | Spermatogenese histologisch nicht schlechter (besser, p < 0,05) | nicht zutreffend | [s72] |
| Midodrin plus PVS | RCT-Pilot, 20 Männer mit SCI | 1 gegenüber 2 Ejakulationen (Midodrin gegenüber Placebo) | nicht zutreffend | [s115] |
| Midodrin bei organischer Anejakulation ohne SCI | RCT, 128 Männer | antegrad 29,5 %, retrograd 13,1 %, beides 14,8 % gegenüber 0 % | nicht angegeben | [s149] |
| Imipramin, Pseudoephedrin, beides | 33 Diabetiker mit retrograder Ejakulation | antegrades Ejakulat bei komplett 38,5, 47,8, 61,5 % | nicht angegeben | [s151] |
| Endourethrale Kollageninjektion | 12 Männer Typ-1-Diabetes | antegrade Ejakulation bei 11 von 12 | 6 Monate (7), 9 Monate (2), 12 Monate (1) | [s133] |
| Endourethrale Injektion | 30 Männer Typ-1-Diabetes | antegrade Emission bei 22 von 30 (73 %) | median 7 [2; 12] Monate; 6 Männer mindestens ein Jahr | [s117] |
| Endourethrale Kollageninjektion gegenüber Kochsalz | RCT (einfach verblindet), 24 Männer | Volumen +0,71 ml, Konzentration +45,6 Mio./ml, Beweglichkeit +15,4 Prozentpunkte, progressive +8,4 (Gruppe A) | 12 Monate beobachtet | [s114] |
| Idebenon | Einzelfall (LHON) | Beweglichkeit und Vitalität stiegen nach fünf Monaten | nicht angegeben | [s63] |
| Wiederholte PVS (wöchentlich, 12 Monate) | 19 Männer | keine signifikante Veränderung eines Parameters | 12 Monate | [s174] |
| Chirurgische Dekompression und Laminoplastik | 187 Männer, ohne Samenanalyse | IIEF-5 10,24 auf 16,20; Ejakulationskontrolle (PEDT) 10,73 auf 4,54 | 2 Jahre; Median 57 Monate | [s11] |
| Testosteron (Tier) | Ratte, chronische SCI | Spermatogenese vollständig wiederhergestellt, aber 30 bis 70 % Tubulusquerschnitte regredient | nicht zutreffend | [s167] |
| Erythropoietin-Hydrogel (Tier) | 24 Ratten | Vitalität und Beweglichkeit besser (p < 0,05) | nicht angegeben | [s36] |
| Photobiomodulation (Tier) | 18 Ratten | Zahl, Beweglichkeit und Vitalität besser (P < 0,001) | nicht angegeben | [s40] |
| Melissen-Extrakt (Tier) | 36 Ratten | Entzündungsmarker, NLRP3 und Spermienzahl verbessert | 52 Tage | [s29] |
| Curcumin-Nanomizellen 50 und 100 mg/kg (Tier, Cuprizon) | 24 Mäuse | höhere Dosis: LH, FSH, Testosteron, Spermien verbessert | nicht angegeben | [s48] |
| NO-Abfangen (Tier) | Ratte | Lipophagie, Testosteron und Spermatogenese wiederhergestellt | nicht angegeben | [s54] |
| Testosteron (Tier, Maus) | Mausmodell SCI | bei sofortiger Gabe weniger apoptotische und abnorme Spermien, bessere Beweglichkeit | nicht angegeben | [s89] |
| Melatonin (Tier) | Maus Th10 | Hodenblutfluss, Schrankenproteine verbessert; Spermien nicht gemessen | nicht angegeben | [s103] |
| Laufbandtraining (Tier) | Ratte | Konzentration höher; zwei Trainingstage pro Woche verbesserten die Beweglichkeit | 6 Wochen | [s44] |
Lesehilfe. Beim Menschen gibt es keine kontrollierte Studie, die eine Verbesserung der Samenqualität belegt. Die vorhandenen Interventionsstudien sind einarmig (Probenecid), in vitro (Anti-ASC), nicht randomisiert (Botulinumtoxin, Mirabegron) oder betreffen die Wiederherstellung des Ejakulationsweges (Kollageninjektion, Medikamente), nicht die Spermienqualität. Die Midodrin-Pilotstudie bei SCI [s115] war negativ. Die einzige Studie mit Nachbeobachtung nach Ende der Intervention (Probenecid) zeigt, dass die Werte vier Wochen später nicht zurückgegangen waren [s93]; die Wirkung der Kollageninjektion dagegen ließ nach median sieben Monaten nach [s117]. Eine spontane Reversibilität der SCI-bedingten Samenveränderung ist beim Menschen nicht belegt; im Tier wurde sie teilweise beobachtet [s167]. Die Einfrierstudien zeigen den gegenteiligen Fall: Aufgetaute Proben verlieren Beweglichkeit und Vitalität deutlich (Gesamtbeweglichkeit 19 auf 2,5 %, Vitalität 27 auf 7 % nach median 11 Jahren) [s113], wobei die Schäden bei SCI nicht größer waren als bei Kontrollen [s142] und bei Kanto et al. die Schwangerschaftsrate mit aufgetauten Hodenspermien niedriger war [s147].
Subgruppen außerhalb der Rückenmarksverletzung
| Erkrankung | Subgruppe oder Dosisgröße | Befund | Quelle |
|---|---|---|---|
| MS | progredient gegenüber schubförmig-remittierend | stärkere und häufigere Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse bei progredientem Verlauf | [s156] |
| MS | Krankheitsdauer (11,83 Jahre) | niedriges freies Testosteron OR 1,19 (95 % CI 1,06 bis 1,35; p = 0,004) | [s16] |
| MS | Alter unter 38 Jahren | freies Testosteron signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,015) | [s16] |
| MS | Zahl der Steroidbehandlungen | Assoziation mit niedrigem freien Testosteron (p = 0,003) | [s16] |
| MS | EDSS 0 bis 2 gegenüber 2,5 bis 5 | LH 8,146 ± 0,584 und FSH 8,141 ± 1,505 IE/l in der leichten Gruppe signifikant erhöht; Testosteron nicht verändert | [s96] |
| MS | DMT-naive RRMS gegenüber 12 Monate DMT | keine Veränderung der Spermienparameter | [s78] |
| MS | Natalizumab oder Ocrelizumab, 12 Monate | kein Unterschied zu Kontrollen | [s69] |
| MS | Behinderungsgrad, Krankheitsaktivität, EDSS, MRT | keine Korrelation mit Hormonen oder Samen | [s78, s16, s58] |
| MS | Sexualfunktion | IIEF korreliert negativ mit Alter, Krankheitsdauer, Schubzahl, EDSS, VAS, BDI | [s95] |
| MS-Modell (Tier) | Cuprizon 12 gegenüber 17 Wochen | Testosteron und Samenparameter nach 12 und 17 Wochen vermindert | [s46] |
| Parkinson | Alter, Stadium | Sexualstörungen nehmen mit dem Alter zu, nicht mit Hoehn-und-Yahr-Stadium | [s172] |
| Parkinson | Stadium, SCOPA-AUT, Alter | mit sexueller Dysfunktion assoziiert | [s42] |
| Parkinson | Alter, Krankheitsdauer, Stadium | mit sexueller Unzufriedenheit assoziiert | [s70] |
| Parkinson-Modell (Tier) | Zeit unter Rotenon | zeitabhängiger Rückgang von GPR30, GPR120, GPR125 | [s19] |
| Diabetes mit retrograder Ejakulation | Diabetesdauer und HbA1c | Responder 15 gegenüber 21 Jahre Dauer (p = 0,04) und HbA1c 7,1 gegenüber 7,8 % (p = 0,04) | [s117] |
| Diabetes mit retrograder Ejakulation | Diabetesdauer, Alter, HbA1c | Prädiktoren mittelschwerer bis schwerer erektiler Dysfunktion: OR 1,70, 1,23, 1,70 | [s12] |
| Diabetes mit retrograder Ejakulation | Typ 1 gegenüber Typ 2 | Anorgasmie 65,5 gegenüber 30,2 % | [s12] |
| Diabetes | Neuropathie ja gegenüber nein | kein signifikanter Unterschied der Samenparameter | [s186] |
| Diabetes | Typ-2-Diabetes bei TESA-ICSI | Fehlgeburtsrate 20,83 gegenüber 8,88 % (nicht signifikant) | [s82] |
| Diabetes (Metaanalysen) | Diabetes gegenüber Nichtdiabetes | Samenvolumen, Beweglichkeit vermindert; Zahl nur in [s74] | [s109, s74] |
| SMA | Typ 2 gegenüber Typ 3 | Fertilitätsstörungen 90,5 % (95 % CI 77,9 bis 100) gegenüber 40 % (18,5 bis 61,5) | [s50] |
| SMA | motorische Schwere, Motor Function Measure | Zusammenhang mit den Abweichungen (p < 0,001; p < 0,01) | [s50] |
| Spina bifida | Läsionshöhe, Hydrozephalus | Schwere der Infertilität korreliere nach Übersicht damit | [s91] |
| Spina bifida | Sharrard-Klassifikation | psychogene Erektion und Ejakulation korrelieren | [s164] |
| Schädel-Hirn-Trauma (Tier) | Tag 7 gegenüber 21 | Hoden- und Keimschichtverminderung nimmt mit der Zeit zu | [s22] |
| Schädel-Hirn-Trauma (Mensch) | 15 bis 35 Tage nach Trauma | Hodenkanälchen mit differenzierten Zellverbänden nur 41,4 ± 5,7 % | [s97] |
| Zerebralparese | motorische Schwere (GMFCS) | erworbener Hodenhochstand am häufigsten bei schwerster Beeinträchtigung (p = 0,017) | [s18] |
Lesehilfe. Außerhalb der SCI ist eine Abstufung nach Krankheitsschwere nur in einzelnen Studien angedeutet: bei der SMA (Typ und motorische Schwere) [s50], bei der MS (Verlaufsform und Krankheitsdauer, aber nur für Hormone) [s156, s16] und beim diabetischen Ejakulationsversagen (Dauer, HbA1c) [s117]. Bei der Parkinson-Krankheit wurden keine Samenparameter gemessen, daher gibt es keine Dosis-Wirkung für die Samenqualität.
Welche Subgruppen die Literatur nicht beantwortet
- Alter bei Verletzung: nur eine Studie mit 7 Männern [s136].
- Medikamente bei MS (DMT) und Samenqualität: zwei kleine Studien mit 12 Monaten Beobachtung [s78, s69]; zu Fingolimod und Teriflunomid nur Konzentrationen im Samen bzw. bei Partnerinnen [s90, s60].
- Alter und Begleiterkrankungen: in den meisten SCI-Abstracts nicht adjustiert oder nicht berichtet.
- Frauen und Kinder: nicht Gegenstand; Kinder nur bei Zerebralparese [s18] und SCI [s136].
- Zeitverlauf der ersten Wochen: nur indirekt [s188, s155, s75] und im Tier [s102, s83, s88].
- Parkinson: weder Dosis noch Subgruppe untersucht.
Grenzen der Studienlage und Gesamtbild
- Die Lücke ist groß, nicht klein. Zu Parkinson, MS und Neuropathie liegen kaum Samenanalysen vor, in den drei außereuropäischen Sprachgruppen (Ostasien, Russland/Türkei/arabischer Raum) keine zu MS, Parkinson oder nicht diabetischer Neuropathie. Echte Samenbefunde liegen fast nur zur Rückenmarksverletzung vor, und dort überwiegend in kleinen Serien.
- Befund gegenüber Mechanismus. Ein erheblicher Teil der Quellen untersucht Ejakulations- oder Erektionsfunktion [s11, s28, s06, s12, s154, s99, s164] oder Mechanismen im Tier [s54, s05, s86, s141]; diese Studien belegen nicht, wie die Samenqualität beim Menschen betroffen ist.
- Überlappende Kohorten. Siehe Lesehinweis; die Zahl voneinander unabhängiger Beobachtungen ist kleiner als die Quellenzahl.
- Publikations- und Auswahlverzerrung. Fertilitätskliniken berichten Erfolgsserien; Männer mit SCI, die nicht in eine Klinik kommen, fehlen. Gewinnungsraten (60,9 bis 86,9 % in den Serien [s13, s108, s147, s183, s180]) sind deshalb nicht auf alle Männer mit SCI übertragbar. Mehrere SCI-Studien schließen nur bereits infertile Männer ein [s130, s139, s140].
- Heterogenität der Gewinnungsverfahren (PVS, EEJ, Vasalaspiration, Nebenhoden, Hoden, Prostatamassage) mit unterschiedlich beeinträchtigten Proben.
- Alter der Daten. Mehrere zentrale Arbeiten sind über 20 Jahre alt (1988 bis 2001) [s192, s190, s188, s191, s187, s173, s174, s171]; Verfahren, Zählmethoden und ART-Standards haben sich geändert.
- Abstracts statt Volltexte. Angaben zu Abstinenzzeit, Gewinnungsart, Ausschlusskriterien, Verblindung und Störgrößen fehlen häufig; einzelne Abstracts enthalten Widersprüche (Ibrahim 2014: obere Grenze unter dem Mittelwert [s119]; Ali 1993: "p > .0005" [s186]; Arafa 2008: unterschiedliche Nenner [s151]; Momen 2007: Streuung ± 0,1 % [s159]; Uca 2018: Gruppengrößen [s95]; Taheri 2025: Standardabweichung größer als Mittelwert [s40]).
- Nicht durchsuchbare Quellen. Die chinesische und koreanische Inlandsliteratur (CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia), eLIBRARY.ru, DergiPark, arabische Dienste, Cairn, SciELO, LILACS und die Società Italiana di Andrologia waren nicht erreichbar oder nicht durchsuchbar; eine Aussage "es gibt keine Studie" ist dort nicht zulässig, nur "in den erreichbaren Quellen wurde keine gefunden". Titel, die nur im Titel gefunden wurden (zum Beispiel japanische Arbeiten zu Hodenbiopsie, jahreszeitlichen Samenschwankungen und wiederholter Elektroejakulation), weisen darauf hin, dass die japanische Fachliteratur zu Samenbefunden bei SCI umfangreicher ist, als die abrufbaren Abstracts zeigen.
- Gesamtbefund. Belegt ist, dass bei Männern mit Rückenmarksverletzung Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie und DNA-Integrität in vielen, meist kleinen Studien schlechter sind als bei gesunden Kontrollen und dass Gewinnung und ICSI häufig gelingen und Schwangerschaftsraten in mehreren Vergleichsstudien denen anderer Gruppen ähneln [s137, s84, s59, s139, s77, s24, s94, s170]. Für die Multiple Sklerose ist die Lage widersprüchlich, für die Parkinson-Krankheit gibt es keine humanen Daten, für die Neuropathie lässt sich ein eigener Beitrag nicht von Diabetes trennen. Eine Therapieempfehlung wird aus diesen Daten in diesem Kapitel nicht abgeleitet.