Rückenmarksverletzung, Multiple Sklerose und Neurologie · Kapitel 15 von 23

Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

Vorbemerkung. Eine Dosis-Wirkung im Sinn einer abgestuften Exposition liegt beim Menschen nicht vor, weil die "Exposition" (Läsion, Erkrankungsdauer) nicht zugeteilt wird. Als Näherung dienen die Läsionsvollständigkeit und -höhe, die Zeit seit Beginn und die Krankheitsschwere. Eine echte abgestufte Dosis gibt es nur im Tierversuch (graduierte Läsion [s81, s62]) und in einzelnen Interventionsstudien. Alle folgenden Tabellen geben Studienergebnisse wieder, keine Empfehlung.

Läsionsvollständigkeit, Läsionshöhe und Schweregrad

QuellePopulation und DesignBefundEinschränkung
Chéhensse et al. 2013 [s126]Metaanalyse, 45 Studien, n = 3851Ejakulationsrate komplett gegenüber inkomplett: Masturbation oder Koitus 11,8 gegenüber 33,2 %; PVS 47,4 gegenüber 52,8 %; Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation 54,7 gegenüber 78,1 %; bei kompletter Läsion der Zentren Th12 bis L2, S2 bis S4 oder aller Zentren nach PVS 0 % (n = 5, 4, 21)Ejakulation, nicht Samenqualität; kleine Gruppen
Kathiresan et al. 2012 [s137]444 Männer SCI, 61 KontrollenAnteil unvollständiger Läsionen 84 % (Masturbation), 54 % (PVS), 41 % (EEJ); Beweglichkeit 36,9, 25,9, 15,0 % gegenüber 58,0 %Gruppen durch Ejakulationsweg selektiert
Iremashvili et al. 2010 [s144]30 Fälle, 120 Kontrollennormale Parameter: unvollständige Läsion OR 2,6 (95 % CI 1,1 bis 6,1); Masturbation möglich OR 2,7 (1,1 bis 7,1)30 Fälle; retrospektiv
Vargas-Baquero et al. 2020 [s84]27 Männer SCI, 10 SpenderAIS A gegenüber B bis D: geringere progressive Beweglichkeit (p = 0,0040); zervikal gegenüber thorakal: höhere Konzentration (p = 0,0257)retrospektiv, kleine Gruppen
Krebs et al. 2015 [s113]16 Männer SCI, 28 Probenkomplette SCI: geringere Vitalität frischer Proben (p < 0,0001); Tetraplegie: geringere Vitalität vor und Beweglichkeit nach Einfrieren (p < 0,035)kleine Zahl
Chalas et al. 2022 [s57]35 Männer, 18 MonateLäsionshöhe und -vollständigkeit ohne negativen Einfluss auf die Samenqualität im VerlaufPilotstudie
Hultling et al. 1997 [s178]25 PaareSchwangerschaftsrate ohne Zusammenhang mit Läsionshöhekleine Zahl
Alisseril et al. 2021 [s65]23 Männer mit Paraplegiealle 4 Männer mit Höhe oberhalb Th9 ejakulierten; nur somatische Reaktionen signifikant (p = 0,02)kleine Zahl
Arafa et al. 2007 [s158]69 Männer, ProstatamassageSamengewinnung bei Verletzungen oberhalb Th10 signifikant häufigerZahlen fehlen
Momose et al. 1995 [s183]53 Patienten, EEJantegrade Ejakulation bei Blasenlähmung oberes Motoneuron 93 %, unteres Motoneuron 63,6 % (P < 0,05)ohne Kontrolle
Yamamoto et al. 1997 [s180]69 Patienten, EEJantegrade Ejakulation 86,9 %, bei unteraktiver Blase 58,3 %ohne Kontrolle
Mikuriya et al. 1990 [s190]18 komplett, 5 inkomplett, 3 DyspermatismusAnteil missgebildeter Spermien bei kompletter Verletzung am höchstenkeine Zahlen im Abstract
Kaddumi et al. 2020 und 2022 [s81, s62]Ratte Th8, 1/3, 2/3, komplette DurchtrennungEpithelhöhe und Spermatozyten- und Spermatidenschichten sinken mit der Läsionsgröße, am stärksten bei kompletter Durchtrennung; Anteil beweglicher Spermien nur bei Durchtrennung vermindert; Spermienzahl nach 1/3 und Durchtrennung vermindertFallzahlen im Abstract nicht genannt; Nager
Guha und Kumar 2026 [s07]Ratte Th12 (spastisch) und S2 (nicht spastisch)beide Läsionsebenen beeinträchtigen Spermatogenese, Vitalität, Zahl und BeweglichkeitFallzahl nicht im Abstract
Wilkins et al. 2025 [s44]Ratte, Transektion und KontusionSpermienkonzentration abhängig von Vollständigkeit; am niedrigsten bei chronischer kompletter TransektionSamenqualität Nebenbefund
Makino et al. 2026 [s13]69 Männer, komplett, CESAGewinnung 60,9 %; FSH median 4,6 gegenüber 12,9 mIU/ml (Erfolg gegenüber Misserfolg), Grenzwert 5,95 mIU/mlretrospektiv

Lesehilfe. Die Zusammenschau zeigt in der Mehrzahl der Studien: Je vollständiger die Läsion, desto schlechter die Ejakulationsfähigkeit [s126, s137] und, in kleinen Studien, die Samenqualität [s144, s84, s113]; die Ausnahme ist die prospektive Pilotstudie [s57], die keinen Einfluss sah. Die Beziehung ist damit abgestuft im Sinn einer Tendenz, nicht als quantifizierte Dosis-Wirkungs-Kurve. Ein abgestufter Verlauf ist nur im Tiermodell [s81, s62] belegt.

Zeit seit der Verletzung

QuelleDesignBefund zur Zeit
Brackett et al. 1998 [s175]638 Proben von 125 Männern, Querschnittkein Unterschied in Konzentration, Gesamtzahl und Beweglichkeit nach Zeit seit Verletzung (2-Jahres-Intervalle; Verletzungen von 6 Wochen bis 26 Jahren)
Iremashvili et al. 2010 [s145]87 Männer, mindestens zwei Proben im Abstand von mindestens 3 JahrenKonzentration nahm leicht ab, alle anderen Parameter unverändert
Chalas et al. 2022 [s57]35 Männer, 18 Monatekein signifikanter Rückgang im Verlauf
Krebs et al. 2015 [s113]28 Probenkein Unterschied zwischen früh (bis 3 Wochen) und später gewonnenen Proben (p = 0,75)
Vargas-Baquero et al. 2020 [s84]27 Männerkeine signifikante Korrelation mit der Zeit seit Läsion
Momen et al. 2007 [s159]45 Männerkein signifikanter Einfluss von Verletzungsdauer
Kaneko und Miyazaki 1993 [s188]41 Patienten, EEJGesamtspermienzahl nahm mit zunehmendem Abstand von der Verletzung ab; Beweglichkeit schon im ersten Monat niedrig
Patki et al. 2008 [s155]ÜbersichtVeränderungen schon zwei Wochen nach der Verletzung
Koršunov et al. 2021 [s75] (zweite Hand)Übersichtkeine wesentlichen Abweichungen im spinalen Schock; Verschlechterung etwa zwei Wochen nach dem Trauma
Celigoj et al. 2012 [s136]7 Männer, Verletzung vor der Pubertätvor dem 9. Lebensjahr 3 azoosperm; mit 10 Jahren subnormale Gesamtzahl; mit 11,9 Jahren normale Gesamtzahl; Beweglichkeit meist subnormal
Iwahata et al. 2016 [s108]52 Männer, TESEGewinnungsrate bei Verletzung vor höchstens 12 Jahren besser (p = 0,045)
Morelli et al. 2025 [s31]107 TESE-EingriffeGewinnungsrate nicht von der Zeit abhängig (stetig oder kategorial)
Rezaian et al. 2009 [s148]Maus, Tag 1 bis Woche 6CatSper 1 und 2 nach 4 und 6 Wochen herunterreguliert
Nikmehr et al. 2017 [s102]Ratte, Tag 1, 3, 7, 56stärkste Abnahme von Zahl und Beweglichkeit an Tag 3 und 7; Caspase-1 Tag 3 erhöht
Ramezanikhah et al. 2020 [s83]Ratte, Tag 3 bis 28Nlrp3 und IL-1β am Tag 14 hoch; Beweglichkeit und Vitalität am Tag 21 vermindert
Bazrafkan et al. 2018 [s88]Ratte, Tag 1, 3, 7NLRP3-mRNA und Malondialdehyd am Tag 7 erhöht
Huang et al. 2004 [s167]Ratte, chronische SCIspontane Erholung der Spermatogenese bei 7 von 8 unbehandelten Tieren

Lesehilfe. Beim Menschen finden fünf Studien keine Verschlechterung mit zunehmendem Abstand [s175, s145, s57, s84, s159], eine fand eine abnehmende Gesamtspermienzahl [s188], und die Gewinnungsrate bei TESE sprach in einer Serie für, in einer anderen gegen einen Zeiteffekt [s108, s31]. Die Studien nach der Verletzung deuten auf eine frühe Veränderung (innerhalb von Wochen) und danach auf ein weitgehend stabiles Plateau, das jedoch überwiegend auf Querschnittsdaten und Auswahleffekten beruht. Die Tiermodelle zeigen einen Verlauf mit Spitze an Tag 3 bis 14 und teilweiser Erholung [s102, s167].

Gewinnungsweg als Störgröße

VergleichBefundQuelle
Masturbation, PVS, EEJBeweglichkeit 36,9 / 25,9 / 15,0 %; Konzentration 83,3 / 77,4 / 49,8 × 10^6 pro cc[s137]
PVS gegenüber PVSA (Samenleiter)Vorwärtsbeweglichkeit in PVSA höher (P < 0,01), DNA-Fragmentierung in PVS höher (P < 0,05)[s139]
PVS bei SCI gegenüber PVSA bei psychogener AnejakulationBeweglichkeit in psychogener Gruppe höher (P < 0,01)[s140]
EEJ gegenüber PVSkein signifikanter Unterschied für einen Samenparameter[s159]
EEJ, PVS, chirurgischkein Unterschied der frischen Parameter[s94]
EEJ gegenüber TESESchwangerschaft pro Zyklus, Lebendgeburt ohne signifikanten Unterschied[s09, s161]
Frische gegenüber aufgetaute HodenspermienSchwangerschaftsrate pro ICSI bei SCI 64 gegenüber 25 %, bei obstruktiver Azoospermie 76 gegenüber 63 %[s147]
Urin gegenüber Hodenspermien (retrograde Ejakulation, nicht ausschließlich neurogen)Befruchtung 72,84 gegenüber 86,11 %; Lebendgeburt 16,67 gegenüber 52,17 %[s03]
Harnröhre gegenüber Blase (PVS)Spermien in der Harnröhre bei 50 % der Proben; Beweglichkeit in 8 Proben größer[s111]
Antegrade und chirurgische GewinnungSchwangerschaft pro Paar 50 und 75 %[s125]

Lesehilfe. Die Gewinnungsart beeinflusst die gemessene Samenqualität stärker als manche Krankheitsmerkmale. Vergleiche zwischen Studien sind nur bedingt zulässig, und viele Gruppen sind mit der Läsionsvollständigkeit vermengt (Männer mit Masturbationsfähigkeit haben häufiger eine unvollständige Läsion [s137]).

Reversibilität und Interventionsstudien

Die folgenden Studien sind ausschließlich als Ergebnisse berichtet und sagen nichts über die Eignung für den Einzelfall.

InterventionDesign und PopulationErgebnisDauer der WirkungQuelle
Probenecid (Pannexin-1-Hemmung)einarmig, 20 Männer mit SCI, 4 Wochenprogressive Beweglichkeit 19 auf 26 % (p < 0,05); bewegliche Spermien gesamt 15 auf 28 Mio.4 Wochen nach Ende: 27 Mio.[s93]
Anti-ASC-Antikörper in vitro32 ProbenBeweglichkeit 11,5 auf 18,3 %nicht zutreffend (Probe)[s119]
Botulinumtoxin in die Blase11 Männer mit SCIBeweglichkeit in 67 %, Vitalität in 50 % verbessertnicht angegeben[s135]
Mirabegron30 Männer mit SCISpermatogenese histologisch nicht schlechter (besser, p < 0,05)nicht zutreffend[s72]
Midodrin plus PVSRCT-Pilot, 20 Männer mit SCI1 gegenüber 2 Ejakulationen (Midodrin gegenüber Placebo)nicht zutreffend[s115]
Midodrin bei organischer Anejakulation ohne SCIRCT, 128 Männerantegrad 29,5 %, retrograd 13,1 %, beides 14,8 % gegenüber 0 %nicht angegeben[s149]
Imipramin, Pseudoephedrin, beides33 Diabetiker mit retrograder Ejakulationantegrades Ejakulat bei komplett 38,5, 47,8, 61,5 %nicht angegeben[s151]
Endourethrale Kollageninjektion12 Männer Typ-1-Diabetesantegrade Ejakulation bei 11 von 126 Monate (7), 9 Monate (2), 12 Monate (1)[s133]
Endourethrale Injektion30 Männer Typ-1-Diabetesantegrade Emission bei 22 von 30 (73 %)median 7 [2; 12] Monate; 6 Männer mindestens ein Jahr[s117]
Endourethrale Kollageninjektion gegenüber KochsalzRCT (einfach verblindet), 24 MännerVolumen +0,71 ml, Konzentration +45,6 Mio./ml, Beweglichkeit +15,4 Prozentpunkte, progressive +8,4 (Gruppe A)12 Monate beobachtet[s114]
IdebenonEinzelfall (LHON)Beweglichkeit und Vitalität stiegen nach fünf Monatennicht angegeben[s63]
Wiederholte PVS (wöchentlich, 12 Monate)19 Männerkeine signifikante Veränderung eines Parameters12 Monate[s174]
Chirurgische Dekompression und Laminoplastik187 Männer, ohne SamenanalyseIIEF-5 10,24 auf 16,20; Ejakulationskontrolle (PEDT) 10,73 auf 4,542 Jahre; Median 57 Monate[s11]
Testosteron (Tier)Ratte, chronische SCISpermatogenese vollständig wiederhergestellt, aber 30 bis 70 % Tubulusquerschnitte regredientnicht zutreffend[s167]
Erythropoietin-Hydrogel (Tier)24 RattenVitalität und Beweglichkeit besser (p < 0,05)nicht angegeben[s36]
Photobiomodulation (Tier)18 RattenZahl, Beweglichkeit und Vitalität besser (P < 0,001)nicht angegeben[s40]
Melissen-Extrakt (Tier)36 RattenEntzündungsmarker, NLRP3 und Spermienzahl verbessert52 Tage[s29]
Curcumin-Nanomizellen 50 und 100 mg/kg (Tier, Cuprizon)24 Mäusehöhere Dosis: LH, FSH, Testosteron, Spermien verbessertnicht angegeben[s48]
NO-Abfangen (Tier)RatteLipophagie, Testosteron und Spermatogenese wiederhergestelltnicht angegeben[s54]
Testosteron (Tier, Maus)Mausmodell SCIbei sofortiger Gabe weniger apoptotische und abnorme Spermien, bessere Beweglichkeitnicht angegeben[s89]
Melatonin (Tier)Maus Th10Hodenblutfluss, Schrankenproteine verbessert; Spermien nicht gemessennicht angegeben[s103]
Laufbandtraining (Tier)RatteKonzentration höher; zwei Trainingstage pro Woche verbesserten die Beweglichkeit6 Wochen[s44]

Lesehilfe. Beim Menschen gibt es keine kontrollierte Studie, die eine Verbesserung der Samenqualität belegt. Die vorhandenen Interventionsstudien sind einarmig (Probenecid), in vitro (Anti-ASC), nicht randomisiert (Botulinumtoxin, Mirabegron) oder betreffen die Wiederherstellung des Ejakulationsweges (Kollageninjektion, Medikamente), nicht die Spermienqualität. Die Midodrin-Pilotstudie bei SCI [s115] war negativ. Die einzige Studie mit Nachbeobachtung nach Ende der Intervention (Probenecid) zeigt, dass die Werte vier Wochen später nicht zurückgegangen waren [s93]; die Wirkung der Kollageninjektion dagegen ließ nach median sieben Monaten nach [s117]. Eine spontane Reversibilität der SCI-bedingten Samenveränderung ist beim Menschen nicht belegt; im Tier wurde sie teilweise beobachtet [s167]. Die Einfrierstudien zeigen den gegenteiligen Fall: Aufgetaute Proben verlieren Beweglichkeit und Vitalität deutlich (Gesamtbeweglichkeit 19 auf 2,5 %, Vitalität 27 auf 7 % nach median 11 Jahren) [s113], wobei die Schäden bei SCI nicht größer waren als bei Kontrollen [s142] und bei Kanto et al. die Schwangerschaftsrate mit aufgetauten Hodenspermien niedriger war [s147].

Subgruppen außerhalb der Rückenmarksverletzung

ErkrankungSubgruppe oder DosisgrößeBefundQuelle
MSprogredient gegenüber schubförmig-remittierendstärkere und häufigere Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse bei progredientem Verlauf[s156]
MSKrankheitsdauer (11,83 Jahre)niedriges freies Testosteron OR 1,19 (95 % CI 1,06 bis 1,35; p = 0,004)[s16]
MSAlter unter 38 Jahrenfreies Testosteron signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,015)[s16]
MSZahl der SteroidbehandlungenAssoziation mit niedrigem freien Testosteron (p = 0,003)[s16]
MSEDSS 0 bis 2 gegenüber 2,5 bis 5LH 8,146 ± 0,584 und FSH 8,141 ± 1,505 IE/l in der leichten Gruppe signifikant erhöht; Testosteron nicht verändert[s96]
MSDMT-naive RRMS gegenüber 12 Monate DMTkeine Veränderung der Spermienparameter[s78]
MSNatalizumab oder Ocrelizumab, 12 Monatekein Unterschied zu Kontrollen[s69]
MSBehinderungsgrad, Krankheitsaktivität, EDSS, MRTkeine Korrelation mit Hormonen oder Samen[s78, s16, s58]
MSSexualfunktionIIEF korreliert negativ mit Alter, Krankheitsdauer, Schubzahl, EDSS, VAS, BDI[s95]
MS-Modell (Tier)Cuprizon 12 gegenüber 17 WochenTestosteron und Samenparameter nach 12 und 17 Wochen vermindert[s46]
ParkinsonAlter, StadiumSexualstörungen nehmen mit dem Alter zu, nicht mit Hoehn-und-Yahr-Stadium[s172]
ParkinsonStadium, SCOPA-AUT, Altermit sexueller Dysfunktion assoziiert[s42]
ParkinsonAlter, Krankheitsdauer, Stadiummit sexueller Unzufriedenheit assoziiert[s70]
Parkinson-Modell (Tier)Zeit unter Rotenonzeitabhängiger Rückgang von GPR30, GPR120, GPR125[s19]
Diabetes mit retrograder EjakulationDiabetesdauer und HbA1cResponder 15 gegenüber 21 Jahre Dauer (p = 0,04) und HbA1c 7,1 gegenüber 7,8 % (p = 0,04)[s117]
Diabetes mit retrograder EjakulationDiabetesdauer, Alter, HbA1cPrädiktoren mittelschwerer bis schwerer erektiler Dysfunktion: OR 1,70, 1,23, 1,70[s12]
Diabetes mit retrograder EjakulationTyp 1 gegenüber Typ 2Anorgasmie 65,5 gegenüber 30,2 %[s12]
DiabetesNeuropathie ja gegenüber neinkein signifikanter Unterschied der Samenparameter[s186]
DiabetesTyp-2-Diabetes bei TESA-ICSIFehlgeburtsrate 20,83 gegenüber 8,88 % (nicht signifikant)[s82]
Diabetes (Metaanalysen)Diabetes gegenüber NichtdiabetesSamenvolumen, Beweglichkeit vermindert; Zahl nur in [s74][s109, s74]
SMATyp 2 gegenüber Typ 3Fertilitätsstörungen 90,5 % (95 % CI 77,9 bis 100) gegenüber 40 % (18,5 bis 61,5)[s50]
SMAmotorische Schwere, Motor Function MeasureZusammenhang mit den Abweichungen (p < 0,001; p < 0,01)[s50]
Spina bifidaLäsionshöhe, HydrozephalusSchwere der Infertilität korreliere nach Übersicht damit[s91]
Spina bifidaSharrard-Klassifikationpsychogene Erektion und Ejakulation korrelieren[s164]
Schädel-Hirn-Trauma (Tier)Tag 7 gegenüber 21Hoden- und Keimschichtverminderung nimmt mit der Zeit zu[s22]
Schädel-Hirn-Trauma (Mensch)15 bis 35 Tage nach TraumaHodenkanälchen mit differenzierten Zellverbänden nur 41,4 ± 5,7 %[s97]
Zerebralparesemotorische Schwere (GMFCS)erworbener Hodenhochstand am häufigsten bei schwerster Beeinträchtigung (p = 0,017)[s18]

Lesehilfe. Außerhalb der SCI ist eine Abstufung nach Krankheitsschwere nur in einzelnen Studien angedeutet: bei der SMA (Typ und motorische Schwere) [s50], bei der MS (Verlaufsform und Krankheitsdauer, aber nur für Hormone) [s156, s16] und beim diabetischen Ejakulationsversagen (Dauer, HbA1c) [s117]. Bei der Parkinson-Krankheit wurden keine Samenparameter gemessen, daher gibt es keine Dosis-Wirkung für die Samenqualität.

Welche Subgruppen die Literatur nicht beantwortet

  • Alter bei Verletzung: nur eine Studie mit 7 Männern [s136].
  • Medikamente bei MS (DMT) und Samenqualität: zwei kleine Studien mit 12 Monaten Beobachtung [s78, s69]; zu Fingolimod und Teriflunomid nur Konzentrationen im Samen bzw. bei Partnerinnen [s90, s60].
  • Alter und Begleiterkrankungen: in den meisten SCI-Abstracts nicht adjustiert oder nicht berichtet.
  • Frauen und Kinder: nicht Gegenstand; Kinder nur bei Zerebralparese [s18] und SCI [s136].
  • Zeitverlauf der ersten Wochen: nur indirekt [s188, s155, s75] und im Tier [s102, s83, s88].
  • Parkinson: weder Dosis noch Subgruppe untersucht.

Grenzen der Studienlage und Gesamtbild

  1. Die Lücke ist groß, nicht klein. Zu Parkinson, MS und Neuropathie liegen kaum Samenanalysen vor, in den drei außereuropäischen Sprachgruppen (Ostasien, Russland/Türkei/arabischer Raum) keine zu MS, Parkinson oder nicht diabetischer Neuropathie. Echte Samenbefunde liegen fast nur zur Rückenmarksverletzung vor, und dort überwiegend in kleinen Serien.
  2. Befund gegenüber Mechanismus. Ein erheblicher Teil der Quellen untersucht Ejakulations- oder Erektionsfunktion [s11, s28, s06, s12, s154, s99, s164] oder Mechanismen im Tier [s54, s05, s86, s141]; diese Studien belegen nicht, wie die Samenqualität beim Menschen betroffen ist.
  3. Überlappende Kohorten. Siehe Lesehinweis; die Zahl voneinander unabhängiger Beobachtungen ist kleiner als die Quellenzahl.
  4. Publikations- und Auswahlverzerrung. Fertilitätskliniken berichten Erfolgsserien; Männer mit SCI, die nicht in eine Klinik kommen, fehlen. Gewinnungsraten (60,9 bis 86,9 % in den Serien [s13, s108, s147, s183, s180]) sind deshalb nicht auf alle Männer mit SCI übertragbar. Mehrere SCI-Studien schließen nur bereits infertile Männer ein [s130, s139, s140].
  5. Heterogenität der Gewinnungsverfahren (PVS, EEJ, Vasalaspiration, Nebenhoden, Hoden, Prostatamassage) mit unterschiedlich beeinträchtigten Proben.
  6. Alter der Daten. Mehrere zentrale Arbeiten sind über 20 Jahre alt (1988 bis 2001) [s192, s190, s188, s191, s187, s173, s174, s171]; Verfahren, Zählmethoden und ART-Standards haben sich geändert.
  7. Abstracts statt Volltexte. Angaben zu Abstinenzzeit, Gewinnungsart, Ausschlusskriterien, Verblindung und Störgrößen fehlen häufig; einzelne Abstracts enthalten Widersprüche (Ibrahim 2014: obere Grenze unter dem Mittelwert [s119]; Ali 1993: "p > .0005" [s186]; Arafa 2008: unterschiedliche Nenner [s151]; Momen 2007: Streuung ± 0,1 % [s159]; Uca 2018: Gruppengrößen [s95]; Taheri 2025: Standardabweichung größer als Mittelwert [s40]).
  8. Nicht durchsuchbare Quellen. Die chinesische und koreanische Inlandsliteratur (CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia), eLIBRARY.ru, DergiPark, arabische Dienste, Cairn, SciELO, LILACS und die Società Italiana di Andrologia waren nicht erreichbar oder nicht durchsuchbar; eine Aussage "es gibt keine Studie" ist dort nicht zulässig, nur "in den erreichbaren Quellen wurde keine gefunden". Titel, die nur im Titel gefunden wurden (zum Beispiel japanische Arbeiten zu Hodenbiopsie, jahreszeitlichen Samenschwankungen und wiederholter Elektroejakulation), weisen darauf hin, dass die japanische Fachliteratur zu Samenbefunden bei SCI umfangreicher ist, als die abrufbaren Abstracts zeigen.
  9. Gesamtbefund. Belegt ist, dass bei Männern mit Rückenmarksverletzung Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie und DNA-Integrität in vielen, meist kleinen Studien schlechter sind als bei gesunden Kontrollen und dass Gewinnung und ICSI häufig gelingen und Schwangerschaftsraten in mehreren Vergleichsstudien denen anderer Gruppen ähneln [s137, s84, s59, s139, s77, s24, s94, s170]. Für die Multiple Sklerose ist die Lage widersprüchlich, für die Parkinson-Krankheit gibt es keine humanen Daten, für die Neuropathie lässt sich ein eigener Beitrag nicht von Diabetes trennen. Eine Therapieempfehlung wird aus diesen Daten in diesem Kapitel nicht abgeleitet.
Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Rückenmarksverletzung: Samenparameter in großen und mittleren Kollektiven bis Rückenmarksverletzung: Sexual- und Ejakulationsfunktion ohne Samenanalyse
  6. Rückenmarksverletzung: Verfahren der Samengewinnung bis Rückenmarksverletzung: Prospektive und retrospektive Studien mit therapeutischem Eingriff
  7. Multiple Sklerose: humane Studien bis Nicht in diesem Kapitel behandelt: Tierversuche und Einzelfallberichte
  8. Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  9. Leitlinien und Konsensdokumente
  10. Übersichten zum Gesamtbild bis Vibrationsverfahren, Ejakulationsdyssynergie und Fallberichte zur Ejakulation
  11. Operative Gewinnung und Ergebnisse assistierter Reproduktion
  12. Rückenmarksverletzung: Tierversuche bis Neuropathie und Diabetes
  13. Weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) und Zusammenfassende Gewichtung der Studienlage
  14. Mechanismen und biologische Plausibilität
  15. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  16. Englisch bis Japanisch
  17. Koreanisch bis Türkisch
  18. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  19. Limitationen der Evidenz
  20. Offene Forschungsfragen
  21. Praktische Einordnung
  22. Glossar
  23. Quellenverzeichnis
  24. Diagramme
  25. Quellen
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle