# Rückenmarksverletzung, Multiple Sklerose, Parkinson, Neuropathie und weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) und die Samenqualität: Eine Auswertung der internationalen Literatur

Quelle: https://bosslevel.eu/recherche/neurologie-rueckenmark.html · Stand 22. Oktober 2026 · Redaktion: Bernd Peter (bosslevel.eu) · 73.652 Wörter, 192 Quellen

> Mit KI-Unterstützung aus Fachliteratur in zwölf Sprachräumen zusammengestellt. Zahlen stammen überwiegend aus Abstracts. Keine individuelle Diagnose, keine Therapieempfehlung.

## Kurzantwort

Bei Rückenmarksverletzung ist die Spermienkonzentration oft normal, Beweglichkeit und Vitalität sind jedoch deutlich vermindert. Bei Multipler Sklerose widersprechen sich drei kleine Studien. Für Parkinson fehlen Samenstudien am Menschen, bei Neuropathie ist nur Diabetes belegt, ohne dass sich ein neuropathiespezifischer Anteil abgrenzen lässt. Die Gewissheit ist insgesamt niedrig bis mäßig, weil kontrollierte Studien zur Samenqualität fehlen.

## Häufige Fragen

### Wie verändert eine Rückenmarksverletzung die Samenqualität?

Das wiederkehrende Muster lautet: Die Spermienkonzentration ist oft normal, Beweglichkeit und Vitalität sind deutlich vermindert. In der größten Auswertung lag die mittlere Beweglichkeit je nach Gewinnungsweg zwischen 15,0 und 36,9 Prozent, bei gesunden Kontrollen bei 58,0 Prozent. Die Gewissheit ist mäßig, weil viele Studien aus wenigen Arbeitsgruppen stammen und sich überschneiden.

### Haben Männer mit Rückenmarksverletzung meist normale Samenwerte?

Nein, normale Werte sind die Ausnahme. In einer großen Datenbank erfüllten nur 30 von 400 Männern alle WHO-Kriterien für Volumen, Konzentration und Beweglichkeit, das sind 7,5 Prozent. Eine inkomplette Läsion und die Fähigkeit zur Ejakulation durch Masturbation gingen häufiger mit normalen Werten einher. Wegen der kleinen Zahl ist die Gewissheit niedrig bis mäßig.

### Wird die Samenqualität mit den Jahren nach der Verletzung schlechter?

Mehrere Studien fanden über Jahre keine fortschreitende Verschlechterung, die Werte verliefen eher auf einem Plateau. Offen bleibt die Frühphase in den ersten Wochen und Monaten, die beim Menschen kaum untersucht ist. Tierversuche und einzelne Übersichten beschreiben dort rasche Veränderungen. Eine belastbare Aussage zum Verlauf ab dem Unfallzeitpunkt ist daher nicht möglich.

### Beeinflusst Multiple Sklerose die Spermienqualität?

Das ist unklar. Nur drei kleine Studien werteten Samenproben aus und widersprechen sich: Eine iranische Studie fand verminderte Samenwerte und eine Hypogonadotropie, zwei italienische Studien an Männern mit schubförmiger MS fanden keinen Unterschied zu Kontrollen. Auch der Zusammenhang mit männlicher Infertilität ist uneinheitlich. Die Gewissheit ist sehr niedrig.

### Gibt es Studien zu Parkinson und Samenqualität?

In den erreichbaren Quellen fand sich keine Studie, die beim Menschen Samen oder Spermien bei Parkinson untersuchte. Vorhanden sind Fragebogenstudien zur Sexualfunktion und zwei Rattenstudien im Rotenon-Modell. Daraus lässt sich für die Samenqualität nichts ableiten. Die Gewissheit ist sehr niedrig, es handelt sich um eine Datenlücke.

### Verursacht eine Neuropathie schlechtere Spermien?

Die Literatur betrifft fast nur Diabetes. Zwei Metaanalysen fanden bei Diabetes ein geringeres Samenvolumen und eine geringere Beweglichkeit. Ein auf die Neuropathie zurückführbarer Anteil ist nicht abgrenzbar. Gut belegt ist, dass eine autonome Neuropathie eine retrograde Ejakulation oder Anejakulation verursachen kann, bei der keine Probe entsteht oder der Samen in die Blase fließt.

### Warum ist die Ejakulation bei Rückenmarksverletzung ein eigenes Problem?

Die Ejakulation ist das erste Hindernis, noch vor der Samenqualität. Eine Metaanalyse fand bei kompletter Läsion nach Masturbation oder Geschlechtsverkehr eine Ejakulation bei 11,8 Prozent, nach Penisvibrationsstimulation bei 47,4 Prozent. Bei inkompletter Läsion lagen die Raten höher. Viele Studien beantworten nur, ob eine Probe gewonnen werden kann, nicht wie gut die Spermien sind.

### Wie sicher ist die Studienlage insgesamt?

Die Gewissheit ist insgesamt niedrig bis mäßig, keine Aussage erreicht die Stufe hoch. Es gibt keine randomisierte Studie, die die Samenqualität als Hauptziel untersucht. Ausgewertet wurden überwiegend Abstracts, viele Studien sind klein und stammen aus wenigen Arbeitsgruppen. Die Studie enthält keine Therapieempfehlung und kann Muster beschreiben, aber keine Ursachen beweisen.

*Stand 5. Oktober 2026*

## Kurzfassung

**Fragestellung.** Diese Studie trägt zusammen, was die erreichbare Fachliteratur über den Zusammenhang zwischen neurologischen Erkrankungen und der Samenqualität berichtet. Betrachtet werden die Rückenmarksverletzung, die Multiple Sklerose, die Parkinson-Krankheit, Neuropathien (vor allem die diabetische autonome Neuropathie) und einzelne weitere Erkrankungen. Epilepsie und Antiepileptika sind ausdrücklich nicht Gegenstand. Grundlage sind 192 Quellen aus den Jahren 1988 bis 2026, gefunden in drei Sprachgruppen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch; Chinesisch, Japanisch und Koreanisch; Russisch, Arabisch und Türkisch). Ausgewertet wurden überwiegend die Abstracts, nicht die Volltexte. Die Studie enthält keine Therapieempfehlung.

**Rückenmarksverletzung.** Fast die gesamte belastbare Datenlage betrifft diese Erkrankung. Das wiederkehrende Muster lautet: Die Spermienkonzentration ist oft normal, Beweglichkeit und Vitalität sind deutlich vermindert. In der größten Auswertung (444 Männer, Miami) lag die mittlere Beweglichkeit bei 36,9 % (Gewinnung durch Masturbation), 25,9 % (Vibrationsstimulation) und 15,0 % (Elektroejakulation), bei gesunden Kontrollen bei 58,0 % [s137]. Nur 30 von 400 Männern erfüllten alle WHO-Kriterien für Volumen, Konzentration und Beweglichkeit; eine inkomplette Läsion und die Fähigkeit zur Ejakulation durch Masturbation waren mit normalen Werten verbunden [s144]. Die Ejakulation selbst ist das erste Hindernis: Eine Metaanalyse über 45 Studien (3851 Männer) fand bei kompletter Läsion nach Masturbation oder Geschlechtsverkehr eine Ejakulation bei 11,8 %, nach Penisvibrationsstimulation bei 47,4 % [s126]. Mehrere Studien fanden keine fortschreitende Verschlechterung über die Jahre nach der Verletzung [s145, s175, s57]. Als Mechanismen werden Entzündungsproteine, oxidativer Stress, DNA-Schäden, Stauung in den Samenwegen und hormonelle Veränderungen diskutiert; ein Teil dieser Befunde stammt aus kleinen Gruppen oder aus Tierversuchen. Nach assistierter Reproduktion fanden mehrere Studien Schwangerschaftsraten, die nicht signifikant von denen vergleichbarer Gruppen abwichen [s77, s24, s94]. Die Spermiengewinnung aus dem Hoden gelang in Serien bei 80,7 % bis 86 % der Männer [s108, s31, s147].

**Multiple Sklerose.** Nur drei kleine Studien werteten Samenproben aus. Sie widersprechen sich: Eine iranische Studie (68 Männer) fand verminderte Samenwerte und eine Hypogonadotropie [s156], zwei italienische Studien an Männern mit schubförmiger MS fanden keinen Unterschied zu Kontrollen, in einer davon nur beim freien Testosteron [s78, s69]. Die umgekehrte Fragerichtung (männliche Infertilität als Risikofaktor für MS) ergibt ein uneinheitliches Bild [s92, s56, s49].

**Parkinson-Krankheit.** In keinem der drei Sprachräume fand sich eine Studie, die beim Menschen Samen oder Spermien untersuchte. Vorhanden sind Fragebogenstudien zur Sexualfunktion und zwei Rattenstudien im Rotenon-Modell [s76, s19].

**Neuropathie.** Die Literatur betrifft fast nur Diabetes. Zwei Metaanalysen fanden bei Diabetes ein geringeres Samenvolumen und eine geringere Beweglichkeit [s109, s74]; ein auf die Neuropathie zurückführbarer Anteil ist nicht abgrenzbar [s186]. Gut belegt ist, dass autonome Neuropathie eine retrograde Ejakulation oder Anejakulation verursachen kann [s04].

**Weitere Erkrankungen.** Bei spinaler Muskelatrophie hatten 65,9 % der Männer mit Fertilitätsdaten eine Fertilitätsstörung (95-%-Konfidenzintervall 51,3 bis 80,4) [s50]. Für myotone Dystrophie, Spina bifida, Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall und weitere Erkrankungen liegen nur Einzelstudien vor.

**Gesamtbild.** Es gibt keine randomisierte Studie, die die Samenqualität bei einer dieser Erkrankungen als Hauptziel untersucht. Die drei randomisierten Studien der Sammlung betreffen die Wiederherstellung der Ejakulation und sind klein [s115, s114, s149]. Die Gewissheit ist daher insgesamt niedrig bis mäßig, bei Parkinson und Neuropathie (ohne Diabetes) fehlen Daten. Deutschsprachige Originalarbeiten wurden nicht gefunden.

## Das Wichtigste in Kürze

Die Einstufung folgt der im Abschnitt „Aufbau und Methodik dieser Studie“ erläuterten Skala. Evidenzstärke beschreibt das Studiendesign (A bis D), Gewissheit die Verlässlichkeit der Aussage nach Fallzahl, Überschneidungen und Abstract-Lage (hoch, mäßig, niedrig, sehr niedrig). Keine Aussage der Studie erreicht die Gewissheit „hoch“.

1. **Rückenmarksverletzung: normale Zahl, geringe Beweglichkeit.** Konzentration oft im Referenzbereich, Beweglichkeit und Vitalität vermindert; Beweglichkeit je nach Gewinnungsweg 36,9 %, 25,9 % und 15,0 % gegenüber 58,0 % bei Kontrollen [s137]; ähnliche Befunde in Kairo (Beweglichkeit 11,6 %, Vitalität 18,5 %, 45 Männer) [s159], in Spanien [s84] und im Iran [s163]. *Evidenzstärke B bis C, Gewissheit mäßig* (große, aber überlappende Datenbank, Gewinnungsweg und Läsionsmerkmale vermengt).

2. **Nur eine Minderheit hat normale Samenwerte.** 30 von 400 Männern (7,5 %, abgeleitet aus den Angaben der Studie) erfüllten die WHO-Kriterien für Volumen, Konzentration und Beweglichkeit; inkomplette Läsion (Odds Ratio 2,6; 95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 6,1) und Ejakulation durch Masturbation (OR 2,7; 1,1 bis 7,1) waren mit normalen Werten verbunden [s144]. *B, Gewissheit niedrig bis mäßig* (30 Fälle, breite Intervalle).

3. **Ejakulation ist ein eigenes Problem.** Bei kompletter Läsion Ejakulation nach Masturbation oder Koitus 11,8 %, nach Vibration 47,4 %, nach Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation 54,7 %; bei inkompletter Läsion 33,2 %, 52,8 % und 78,1 % [s126]. *A (Metaanalyse), Gewissheit mäßig* (kleine Einzelgruppen, keine Konfidenzintervalle im Abstract).

4. **Kein belegter Verfall mit der Zeit seit der Verletzung.** Longitudinal über mindestens 3 Jahre (87 Männer) blieben alle Parameter bis auf eine leicht sinkende Konzentration unverändert [s145]; 638 Proben von 125 Männern ohne Zeiteffekt [s175]; 18 Monate Beobachtung bei 35 Männern [s57]. Offen bleibt die Frühphase: Bereits zwei Wochen nach der Verletzung werden Veränderungen beschrieben [s155]. *B bis C, Gewissheit niedrig bis mäßig.*

5. **Mögliche Mechanismen sind nur teilweise gesichert.** Entzündungsproteine im Samenplasma [s131], Oxidationsstress und DNA-Fragmentation [s84, s59], erhöhte Aneuploidieraten [s139, s140], zentral bedingte Veränderungen der Hormonachse [s105, s98, s169]. *C bis D, Gewissheit niedrig bis sehr niedrig* (Gruppen von 8 bis 55 Männern, Tierversuche, selektierte Patienten).

6. **Assistierte Reproduktion gelingt häufig.** Spermiengewinnung aus dem Hoden 80,7 % [s108], 81,3 % [s31], 86 % [s147]; Schwangerschaftsraten bei ICSI nicht signifikant verschieden von Vergleichsgruppen [s77, s24] beziehungsweise vergleichbar mit der infertilen Referenzpopulation einer Einheit [s94]; die Beweglichkeit im Ejakulat war 5,0 % gegenüber 35,0 %, die normale Befruchtungsrate 46,0 % gegenüber 71,0 % [s77]. Die Zahlen stammen aus Zentren mit Auswahlverzerrung. *B bis C, Gewissheit mäßig.*

7. **Multiple Sklerose: widersprüchliche Samenbefunde.** 68 Männer mit verminderten Samenwerten und Hypogonadotropie [s156] gegenüber 38 und 16 Männern ohne Unterschied, in einer der beiden Studien nur beim freien Testosteron [s78, s69]. *B, Gewissheit sehr niedrig.*

8. **Multiple Sklerose und männliche Infertilität: Zusammenhang unsicher.** Dänisches Register: OR 1,61 (1,04 bis 2,51) für prävalente MS, Hazard Ratio 1,28 (0,76 bis 2,17) für inzidente MS [s92]; Metaanalyse mit drei Studien OR 1,87 (0,89 bis 3,94), Heterogenität 86,1 % [s56]; Mendelsche Randomisierung OR 1,09 (1,017 bis 1,168) für MS und abnorme Spermien [s49]. *A bis B, Gewissheit niedrig.*

9. **Parkinson-Krankheit: Datenlücke.** Keine humane Samenstudie in den erreichbaren Quellen; sexuelle Funktionsstörungen sind häufig berichtet (53,9 % im ASEX bei 76 Männern und Frauen) [s42], Tierdaten nur aus dem Rotenon-Modell [s76, s19]. *D, Gewissheit sehr niedrig.*

10. **Neuropathie: nur Diabetes belegt, und nicht neuropathiespezifisch.** Metaanalysen: Beweglichkeit minus 14,29 Prozentpunkte (95-%-KI minus 22,76 bis minus 5,82) [s109] beziehungsweise minus 14,37 (minus 21,79 bis minus 6,96) [s74]; ein Unterschied zwischen Diabetikern mit und ohne Neuropathie fehlte in einer älteren Studie [s186]. *A bis B, Gewissheit niedrig.*

11. **Genetisch bedingte neuromuskuläre Erkrankungen.** Spinale Muskelatrophie: Fertilitätsstörung bei 65,9 % (51,3 bis 80,4), bei Typ 2 90,5 %, bei Typ 3 40,0 % [s50]. *C, Gewissheit niedrig bis mäßig* (eine Querschnittsstudie, die Hälfte der Männer ohne Fertilitätsdaten).

12. **Es fehlt kontrollierte Evidenz zur Behandlung der Samenqualität.** Drei randomisierte Studien betreffen die Wiederherstellung der Ejakulation (Samenparameter nur als sekundärer Endpunkt bei [s114]) und nicht die Samenqualität als Hauptziel [s115, s114, s149]; Probenecid und Anti-ASC-Antikörper wurden nur in einarmigen beziehungsweise Laborstudien geprüft [s93, s119]. *C bis D, Gewissheit sehr niedrig.* Das ist ein Befund über die Literatur, kein Behandlungshinweis.

## Aufbau und Methodik dieser Studie

### Fragestellung und Abgrenzung

Die Studie fragt: Was berichtet die Fachliteratur darüber, ob und wie die Rückenmarksverletzung, die Multiple Sklerose, die Parkinson-Krankheit, Neuropathien und weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) die Samenqualität des Mannes verändern? Epilepsie und Antiepileptika werden an anderer Stelle behandelt; die dazu gefundenen Arbeiten wurden bewusst nicht übernommen. „Neuropathie“ wurde weit gefasst, im Mittelpunkt steht die diabetische autonome Neuropathie mit retrograder Ejakulation und Anejakulation, weil dazu die meisten Daten vorliegen. Bei Diabetes insgesamt ist ein neuropathischer Anteil nicht von den übrigen Stoffwechselwirkungen trennbar; solche Arbeiten werden mit diesem Vorbehalt geführt. Die Studie enthält keine Therapieempfehlung. Wo Leitlinien, Autoren oder Studien Verfahren nennen, wird das als Inhalt der jeweiligen Quelle wiedergegeben.

### Wie recherchiert wurde

Die Recherche fand am 5. Oktober 2026 in drei parallelen Sprachgruppen statt: Gruppe a (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch), Gruppe b (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch) und Gruppe c (Russisch, Arabisch, Türkisch). Die PubMed-Webseite war nicht nutzbar. Stattdessen dienten die REST-Schnittstelle von Europe PMC und die E-utilities der NCBI (Suche, Zusammenfassungen, Abstracts) als Hauptzugang. Ergänzend wurden, je nach Erreichbarkeit, die Programmierschnittstelle von HAL (französische Archive), Dialnet (Spanien), J-STAGE und CiNii (Japan), CyberLeninka (Russland) und TR Dizin (Türkei) abgefragt, außerdem die Seiten der Leitlinienherausgeber (European Association of Urology, American Urological Association gemeinsam mit der American Society for Reproductive Medicine). Gesucht wurde mit Titel- und Abstractbegriffen, Sprachfiltern, Publikationstypen und, wo möglich, nach Herkunft der Autoren.

Die drei Rechercheberichte enthielten zusammen 213 Einträge. Nach Zusammenführung von Dubletten (dieselbe Arbeit in mehreren Gruppen gefunden) bleiben **192 Quellen**. Sie tragen in dieser Studie die Kennungen s01 bis s192, die in eckigen Klammern zitiert werden. Von den 192 Quellen haben 169 eine PubMed-Kennung (PMID), 23 nicht (darunter Leitlinien, russische, türkische und spanische Zeitschriftenbeiträge, eine Doktorarbeit, ein Buchkapitel und ein Protokoll einer Expertenrunde).

### Erreichbarkeit der Datenbanken

Das Ergebnis einer Recherche hängt davon ab, welche Quellen zugänglich waren. Die Berichte halten fest:

| Dienst | Zustand am 5. Oktober 2026 |
|---|---|
| Europe PMC (REST) | erreichbar, Hauptquelle |
| NCBI-E-utilities | erreichbar (Ratenbegrenzung beachtet) |
| PubMed-Webseite | vorgabegemäß nicht genutzt |
| EAU- und AUA/ASRM-Leitlinienseiten | erreichbar, Seitentext ausgewertet |
| Cochrane Library | nur Skript-Hülle; Ersatzprüfung über Europe PMC ergab kein einschlägiges Review |
| AWMF-Register | nur Skript-Gerüst, keine Suche möglich |
| HAL, Dialnet, J-STAGE, CiNii, CyberLeninka, TR Dizin | erreichbar, teils nur Titel oder ohne Abstract |
| Cairn, SciELO, LILACS (Webportale) | durch Bot-Schutz oder Sicherheitsabfrage blockiert |
| CNKI, DBpia, arabische Dienste | keine Verbindung |
| Wanfang, KCI, KoreaMed, DergiPark, e-Marefa | erreichbar, aber ohne auslesbare Trefferliste oder ohne Abonnement |
| eLIBRARY.ru | Zugriff verweigert (HTTP 403) |
| ESHRE-Leitlinienseite, Società Italiana di Andrologia | Fehlerseite beziehungsweise keine nutzbare Suche |

Die Folge ist klar zu benennen: Die chinesische und koreanische Inlandsliteratur, arabischsprachige Primärliteratur, türkische Hochschulzeitschriften (DergiPark), alles, was nur in eLIBRARY.ru steht, sowie brasilianische und lateinamerikanische Quellen (SciELO, LILACS) konnten nicht durchsucht werden. Für diese Räume ist nur die Aussage „in den erreichbaren Quellen wurde keine gefunden“ zulässig, nicht „es gibt keine“. Mehrere Titel japanischer Arbeiten zu Samenbefunden bei Rückenmarksverletzung wurden gefunden, ließen sich aber ohne Abstract nicht auswerten; sie sind nicht in die 192 Quellen aufgenommen. Das deutet an, dass die japanische Fachliteratur umfangreicher ist, als die Abstracts zeigen.

### Zusammensetzung des Materials

Die Quellen stammen aus den Jahren 1988 bis 2026. 85 sind seit 2020 erschienen, 46 vor 2010, 20 vor dem Jahr 2000. Die Sprachraum-Zuordnung in den Daten erlaubt Mehrfachnennungen (eine englischsprachige Arbeit aus Japan trägt zum Beispiel „en“ und „ja“). Gezählt wurden: Englisch 159, Chinesisch 24, Japanisch 24, Persisch (Iran) 22, Russisch 15, Französisch 14, Türkisch 8, Italienisch 7, Spanisch 6, Arabisch 5, Koreanisch 3, Usbekisch 1. Das Persische erscheint, obwohl der Auftrag den arabischen Raum nannte: Der Iran ist nicht arabisch, liefert aber den größten Teil der klinischen Samenanalysen bei Rückenmarksverletzung und die einzige klinische Samenstudie bei Multipler Sklerose (siehe unten); die Arbeiten wurden daher als eigener Block („fa“) geführt. Deutschsprachige Originalarbeiten zur Samenqualität bei diesen Erkrankungen wurden nicht gefunden. Eine AWMF-Leitlinie zum Thema konnte nicht gefunden werden; das Register ließ sich nicht durchsuchen, ihr Fehlen ist also nicht belegt. Portugiesischsprachige Quellen mit Abstract fanden sich nicht.

Nach Studientyp (aus den Angaben der Quellen gezählt) enthält das Material vier Leitlinien [s04, s08, s34, s45] (die EAN-Leitlinie [s34] äußert sich im Abstract nicht zu Samenqualität oder Fertilität), vier Metaanalysen [s126, s56, s74, s109], 29 Tierversuche (darunter eine Übersicht zum EAE-Tiermodell [s38]), 13 Fallberichte, drei randomisierte kontrollierte Studien [s115, s114, s149], zwei Mendelsche Randomisierungen [s49, s53] sowie eine große Zahl retrospektiver Fallserien, Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien. Ein Umbrella-Review von 26 systematischen Übersichten bewertete 17 davon als „kritisch niedrig“ und 6 als „niedrig“ in der Qualität (AMSTAR 2) [s14]. Von den drei randomisierten Studien untersucht eine ausdrücklich Männer ohne Rückenmarksverletzung [s149], eine hat 10 Teilnehmer je Arm [s115], eine 24 Teilnehmer [s114].

### Wie Zahlen behandelt wurden

Ausgewertet wurden **Abstracts**, bei Leitlinien der abgerufene Seitentext. Volltexte wurden nicht gelesen. Folgen: Abstinenzzeit, Gewinnungsart, Ausschlusskriterien, Verblindung und viele Nebenbefunde sind meist nicht beurteilbar; manche Abstracts nennen keine Zahlen oder nur p-Werte. Zahlen, Konfidenzintervalle und p-Werte stammen wörtlich aus den abgerufenen Texten; wo sie fehlen, steht das ausdrücklich da. Abgeleitete Werte (zum Beispiel 30 von 400 gleich 7,5 %) sind als solche gekennzeichnet. Mittelwerte mit Standardabweichung werden nicht als Konfidenzintervalle ausgegeben. Zwei Abstracts enthalten Angaben, die rechnerisch nicht plausibel sind (Streuung größer als der Mittelwert in einer Rattenstudie [s40]; eine obere Konfidenzgrenze unter dem Mittelwert in einer Laborstudie [s119]); solche Zahlen wurden nicht für Aussagen verwendet. Die Einschätzung von Stärken und Schwächen ist eine methodische Einordnung des Studiendesigns und keine Aussage der Originalautoren.

Die Referenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 6. Auflage 2021) stehen nicht in den 192 Quellen. Sie wurden gesondert über die NCBI-E-utilities und Europe PMC aus der Fachliteratur abgerufen (Campbell und Mitarbeiter 2021, PMID 33528873; Boitrelle und Mitarbeiter 2021, PMID 34947899; Paffoni und Mitarbeiter 2022, PMID 35849333; Wang und Mitarbeiter 2022, PMID 34996596) und im Hintergrund-Abschnitt mit Namen und PMID zitiert, nicht mit s-Kennung.

### Skala für Evidenzstärke und Gewissheit

**Evidenzstärke** bezeichnet das Studiendesign:

- **A:** randomisierte Studie oder systematische Übersicht mit Metaanalyse.
- **B:** kontrollierte Beobachtungsstudie (Fall-Kontroll-, Kohortenstudie, Register, Mendelsche Randomisierung).
- **C:** unkontrollierte Serie, Querschnittsstudie ohne Vergleichsgruppe, Laborstudie am Menschen.
- **D:** Fallbericht, Tierversuch, narrative Übersicht, Expertenmeinung.

**Gewissheit** drückt aus, wie sehr sich eine Aussage auf die Daten stützen lässt: *hoch* (mehrere unabhängige, ausreichend große kontrollierte Studien mit konsistentem Ergebnis), *mäßig* (konsistent in mehreren Studien, aber Einschränkungen bei Größe, Auswahl oder Überschneidung), *niedrig* (wenige, kleine oder widersprüchliche Studien), *sehr niedrig* (Einzelstudien, Abstract ohne Zahlen, Tiermodell oder Datenlücke). Abgewertet wurde bei überlappenden Kollektiven, Selektion nach Ejakulationsfähigkeit oder Infertilität und fehlendem Konfidenzintervall. Es handelt sich um eine transparente Einordnung durch die Autoren dieser Studie, nicht um ein validiertes Bewertungssystem wie GRADE; eine formale Qualitätsbewertung jeder Einzelstudie fand nicht statt.

### Überschneidungen und Interessenkonflikte

Die Zahl der Quellen überschätzt die Zahl unabhängiger Beobachtungen. Ein großer Teil der englischsprachigen Studien zur Rückenmarksverletzung stammt aus dem Male Fertility Research Program der Universität Miami (Patienten 1991 bis 2011, ausdrücklich genannt in [s137, s145, s68]; durch gemeinsame Autoren vermutlich auch [s144, s175, s136, s131, s93, s119, s100]). Die Fallzahlen dürfen nicht addiert werden. Weitere Gruppen: die japanischen Elektroejakulationsserien aus Nara und Osaka [s183, s180, s181], die taiwanischen Berichte [s170, s176, s165], die Moskauer Diabetes-Serien [s133, s132, s117, s114] und die zwei Laborstudien aus Shandong, die dieselben 16 Spender als Kontrolle verwenden [s139, s140]. Die beiden Studien an Männern mit schubförmiger MS aus Catania stammen aus derselben Arbeitsgruppe [s78, s69]. Die iranischen Tierversuche zum Inflammasom stammen überwiegend aus wenigen Laboren.

Interessenkonflikte, soweit aus den Abstracts erkennbar: Der Erfahrungsbericht zur Elektroejakulation stammt vom Entwickler des Geräts [s123]; zwei Autoren der Anti-ASC-Studie halten ein Patent zur Behandlung von Entzündung nach Verletzung des Zentralnervensystems mit Antikörpern gegen Inflammasom-Proteine [s119]; die Studie zu Fingolimod im Samen stammt von einem Hersteller [s90]; die randomisierte Kollagenstudie nutzt ein kommerzielles Medizinprodukt [s114].

### Grenzen

Die Literatur ist nach der Recherche ungleich verteilt: Die Rückenmarksverletzung dominiert, die Multiple Sklerose ist dünn belegt, bei Parkinson fehlen humane Samenstudien völlig, bei nichtdiabetischen Neuropathien fehlen sie ebenfalls. Fertilitätskliniken berichten Erfolgsserien; Männer, die nie in eine Klinik kommen, fehlen. Publikationsverzerrung ist wahrscheinlich. Gewinnungsverfahren (Masturbation, Vibration, Elektroejakulation, chirurgische Gewinnung) liefern unterschiedlich beeinträchtigte Proben und sind mit Läsionsmerkmalen vermengt, sodass Vergleiche zwischen Studien nur bedingt zulässig sind. Viele Arbeiten sind über 20 Jahre alt; Zählmethoden, WHO-Normwerte und Behandlungsstandards haben sich geändert. Tierversuche (Ratte, Maus) mit Läsionen auf Höhe Th8 bis Th10 sind auf den Menschen nur eingeschränkt übertragbar. Diese Studie kann deshalb Muster beschreiben und Lücken benennen, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen beweisen.

## Hintergrund

### Warum Neurologie und Samenqualität zusammengehören

Die Samenqualität hängt an drei Dingen: an der Bildung der Spermien im Hoden, an ihrer Reifung, Speicherung und Beimischung von Sekreten in den Samenwegen und an der Ejakulation, die das Ergebnis nach außen bringt. Das Nervensystem berührt alle drei. Es steuert die Ejakulation über Reflexbögen im unteren Rückenmark, es reguliert über Hypothalamus und Hypophyse die Hormonachse des Hodens, und es beeinflusst über Blase, Körpertemperatur, Infektionsneigung und Medikamente die Umgebung der Spermien. Wer die Frage „Wie wirkt sich eine neurologische Erkrankung auf den Samen aus?“ stellt, muss deshalb zwei Ebenen trennen: die Fähigkeit, überhaupt eine Probe zu erzeugen, und die Qualität der Spermien in dieser Probe. Viele Studien dieser Sammlung beantworten nur die erste Frage.

### Biologie: vom Hoden zur Ejakulation

Die Neuroanatomie der Ejakulation wird in den Quellen übereinstimmend beschrieben. Die Ejakulation besteht aus zwei Phasen, der Emission (Transport der Spermien und der Sekrete der Anhangsdrüsen in die hintere Harnröhre) und der Expulsion (Austreibung nach außen); Defekte bei Rückenmarksverletzung betreffen den Samentransport in die hintere Harnröhre und die Expulsion sowie die sekretorische Funktion von Leydig-Zellen, Sertoli-Zellen und Anhangsdrüsen [s143]. Im Tierversuch ließ sich elektrisch die Expulsionsphase zuverlässig, die Emissionsphase nur gelegentlich auslösen [s44]. Eine türkische Übersicht ordnet die sympathische Innervation der Genitalien den Rückenmarksegmenten Th11 bis L2, die parasympathische S2 bis S4 und die somatisch-sensible S2 bis S3 zu; die Zusammenfassung enthält allerdings Widersprüche zwischen ihrer türkischen und englischen Fassung und gilt nur als grobe Orientierung [s134]. Die Metaanalyse von Chéhensse und Mitarbeitern kommt aus Ejakulationsraten zu dem Schluss, dass die Segmente zwischen L2 und S2 beim Menschen wahrscheinlich einen spinalen Ejakulationsgenerator enthalten (L3 bis L5); eine komplette Läsion der Segmente S2 bis S4 schloss eine rhythmisch-kräftige Ejakulation aus [s126]. Die EAU-Leitlinie hält fest, dass die Vibrationsstimulation den Ejakulationsreflex auslöst und dafür ein intaktes lumbosakrales Rückenmarkssegment nötig ist [s04]. Grundlagenarbeiten beschreiben geschlechtsdimorphe Kerngebiete im Lenden- und Sakralmark und ein Gastrin-releasing-Peptid-System, das Erektions- und Ejakulationsreflexe vermittelt und von Androgenen reguliert wird [s122, s120, s05].

Bei der **retrograden Ejakulation** schließt der Blasenhals nicht, der Samen fließt in die Blase. Eine dynamische Ultraschalluntersuchung beschrieb drei Funktionstypen (Koordinationsstörung, unvollständiger Schluss, vollständiges Blasenhalsversagen); für die Rückenmarksverletzung stützt sich diese Einteilung nur auf Literatur, nicht auf eigene Patienten [s02]. Die Diagnose beruht auf dem Spermiennachweis im Urin nach der Ejakulation; es fehlt Konsens über genaue Kriterien, und ein bedeutender Teil der Fälle bleibt wahrscheinlich undiagnostiziert [s52, s45]. Bei Männern mit Rückenmarksverletzung wurde außerdem eine „Ejakulationsdyssynergie“ beschrieben: Spermien fanden sich in 50 % der Proben in der prostatischen Harnröhre statt in der Blase [s111].

Der Hoden bildet in den Keimkanälchen die Spermien und in den Leydig-Zellen Testosteron. Eine Blut-Hoden-Schranke schützt die Keimzellen; ihre Störung (veränderte Occludin- und ZO-1-Expression) wurde im Tierversuch nach Rückenmarksverletzung und im Parkinson-Modell beschrieben [s07, s76]. Die Hormonachse folgt dem Schema Hypothalamus, Hypophyse, Hoden: Gonadotropin-Releasing-Hormon, Luteinisierendes Hormon (LH) und Follikelstimulierendes Hormon (FSH), Testosteron. Dieses Schema prüften Studien mit Stimulationstests an Männern mit Rückenmarksverletzung [s105, s98]. Die Skrotaltemperatur gilt in mehreren Quellen als möglicher Einflussfaktor; bei sitzender Haltung und gestörter Thermoregulation sei sie erhöht [s110], und bei Männern mit niedrigerer Skrotaltemperatur waren Gesamt- und progressive Beweglichkeit signifikant höher [s159]. Das untere Ende des Nebenhodens (Cauda epididymidis) dient als Speicher; eine Studie vermutet bei Rückenmarksverletzung eine Ansammlung und einen Zerfall von Spermien dort, ohne dies direkt zu prüfen [s84].

### Die Erkrankungen und ihre Begriffe

**Rückenmarksverletzung (spinal cord injury, SCI).** Sie wird nach Höhe (Tetraplegie bei zervikaler, Paraplegie bei thorakaler und lumbaler Läsion) und nach Vollständigkeit eingeteilt. Die Skala der American Spinal Injury Association (ASIA) unterscheidet komplette (Grad A) von inkompletten Läsionen (Grad B bis D); mehrere Studien dieser Sammlung verwenden diese Einteilung [s144, s84]. Die Läsion am Conus medullaris (sakrale Segmente S2 bis S4) und das Cauda-equina-Syndrom betreffen gezielt die Zentren der Ejakulation und der Blasenentleerung [s128, s06]. Das Übersichtsreferat von Koršunov und Mitarbeitern nennt unter Berufung auf die WHO etwa 500 000 neue Rückenmarksverletzungen pro Jahr, mehr als 70 % davon bei Männern; es ist ein narratives Referat, die Zahlen stammen aus zweiter Hand [s75].

**Multiple Sklerose (MS).** Die entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems verläuft schubförmig-remittierend (RRMS) oder fortschreitend. Der Behinderungsgrad wird mit der Expanded Disability Status Scale (EDSS) angegeben [s96, s95]. Für die Fragestellung sind drei Aspekte relevant: Die Erkrankung selbst, die krankheitsmodifizierenden Therapien (zum Beispiel Natalizumab, Ocrelizumab, Fingolimod, Teriflunomid [s69, s90, s60]) und die Möglichkeit eines gemeinsamen Hintergrunds von Autoimmunität, Hypogonadismus oder Genetik [s92]. Als Tiermodell der Demyelinisierung dient die Cuprizon-Fütterung der Maus [s46, s48, s41], als Modell der Autoimmunität die experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis [s38].

**Parkinson-Krankheit.** Die neurodegenerative Erkrankung wird in den Quellen nach Hoehn und Yahr eingestuft [s42, s172]. Hypersexualität tritt selten und meist unter dopaminerger Therapie auf [s37]; Männer mit Parkinson haben nach einer Übersicht niedrigere Androgenspiegel [s67]. Als Tiermodell dient das Pflanzengift Rotenon [s76, s19]; es wirkt auch direkt mitochondrial toxisch und lässt daher Befunde nicht eindeutig dem Dopaminverlust zuordnen [s19].

**Neuropathie.** Die diabetische autonome Neuropathie betrifft die vegetativen Nerven von Blase, Genitale und Samenwegen. Eine russische Übersicht nennt eine Neuropathie bei 30 bis 50 % der Menschen mit Diabetes [s21]; die Moskauer Gruppe sicherte sie bei Typ-1-Diabetes mit Stimulationsneurografie des Nervus pudendus ab (Leitungsgeschwindigkeit 14,2 ± 2,5 m/s bei einer Norm über 19,7 m/s) [s117]. Nichtdiabetische Neuropathien (zum Beispiel Charcot-Marie-Tooth) tauchten in den Suchläufen mit Samenbezug nicht auf.

**Weitere Erkrankungen.** Spinale Muskelatrophie (SMA Typ 2 und 3) [s50], myotone Dystrophie Typ 1 [s79, s64], Kennedy-Krankheit mit 52 CAG-Wiederholungen im Androgenrezeptor-Gen [s25], Spina bifida [s91, s99, s164], Schädel-Hirn-Trauma [s97, s22, s30], Zerebralparese [s18], Schlaganfall [s154, s53], Myasthenia gravis [s73] und die Leber-Optikusneuropathie [s63]. Für die meisten dieser Erkrankungen gibt es einzelne Studien, für viele nur Fragebogendaten.

### Wege der Beeinflussung

Aus den Quellen lassen sich sechs Wege ableiten, auf denen eine neurologische Erkrankung die Samenqualität beeinflussen könnte. Sie schließen sich nicht aus.

1. **Ejakulation und Samengewinnung:** Anejakulation, verzögerte oder retrograde Ejakulation verhindern, dass überhaupt eine Probe entsteht [s126, s04].
2. **Aufenthalt der Spermien in den Samenwegen:** Bei seltener Ejakulation verweilen Spermien lange; ein Experte vermutet „alte“ Spermien mit DNA-Defekten (Hypothese, ohne Daten) [s118]. Gegen eine reine Stauungserklärung spricht, dass wöchentliche Vibrationsstimulation über 12 Monate keinen Parameter änderte [s174].
3. **Entzündung und oxidativer Stress:** erhöhte Entzündungsproteine (ASC, Caspase-1, Interleukin 1β und 18) im Samenplasma [s131], Leukozytospermie und Oxidationsstress [s84], zellfreie DNA [s66].
4. **Direkte Hodenwirkung und Hormonachse:** Veränderungen der Keimkanälchen im Tiermodell [s81, s62, s148] und beim Menschen nach Schädel-Hirn-Trauma (Obduktionsmaterial) [s97]; zentral bedingte Hormonveränderungen [s105, s98, s169].
5. **Begleitumstände:** Harnwegsinfektion [s187], Blasenmanagement und Medikamente (Mirabegron [s72], Botulinumtoxin in der Blasenwand [s135]).
6. **Genetik und primäre Erkrankung der Muskel- oder Nervenzelle:** bei SMA, myotoner Dystrophie und Kennedy-Krankheit kann das ursächliche Gen selbst die Spermatogenese beeinflussen [s50, s79, s25].

Verfahren zur Spermiengewinnung wirken zusätzlich auf das Messergebnis: Penisvibrationsstimulation (PVS), Elektroejakulation (EEJ) mit einer Rektalsonde, Prostatamassage, Spermienaspiration aus dem Samenleiter oder Nebenhoden und die testikuläre Spermienextraktion (TESE) liefern Proben mit unterschiedlicher Qualität [s137, s139]. Die Elektroejakulation schädigte in einem In-vitro-Modell die Beweglichkeit außerhalb des Elektrodenbereichs nicht [s173].

### Messgrößen

Das Spermiogramm umfasst Volumen, Konzentration, Gesamtzahl, Beweglichkeit (gesamt, progressiv; in älteren Arbeiten in Klassen A bis D, so die Moskauer Studien mit „A+B“ [s117]), Vitalität und Anteil normaler Formen (Morphologie). Dazu kommen in den Quellen Rundzellen und Leukozyten [s139, s159], der hypoosmotische Schwelltest [s139], Chromatinkondensation (Anilinblau [s163]) und DNA-Integrität (Comet-Assay, TUNEL [s130, s84, s59]), Aneuploidie mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung [s139] und Hodenhistologie (Johnsen-Score [s39, s24]). Für die Hormonachse werden FSH, LH, Testosteron und Prolaktin gemessen, teils mit Stimulationstests [s169, s105]. Funktionelle Skalen sind der Internationale Index der erektilen Funktion (IIEF-5) [s11, s28, s154], der Premature Ejaculation Diagnostic Tool (PEDT) [s11] und die Arizona Sexual Experience Scale (ASEX) [s42]. Als klinische Endpunkte dienen Gewinnungsrate, Befruchtungs-, Schwangerschafts- und Lebendgeburtenrate. Wichtig für die Lektüre: Eine hohe Gewinnungsrate nach TESE sagt nichts über die Qualität des Ejakulats, und Schwangerschaftsraten hängen auch von der Partnerin und vom Verfahren ab.

### WHO-Referenzwerte 2021

Die 6. Auflage des WHO-Laborhandbuchs wurde im Juli 2021 veröffentlicht; das erste Handbuch erschien 1980, seither folgten fünf weitere Auflagen (Boitrelle und Mitarbeiter 2021, PMID 34947899). Die Referenzbevölkerung der 6. Auflage umfasst 3589 fertile Männer aus 10 Studien (Paffoni und Mitarbeiter 2022, PMID 35849333); die Autoren der zugrunde liegenden Analyse nennen mehr als 3500 Personen aus zwölf Ländern und fünf Kontinenten (Campbell und Mitarbeiter 2021, PMID 33528873). Eine Tabelle in der Übersicht von Boitrelle nennt dagegen 13 Länder und sechs Kontinente; diese Angabe stimmt mit den beiden anderen Quellen nicht überein und wird hier nicht verwendet. Die Werte sind die unteren fünften Perzentilen von Männern, deren Partnerin innerhalb von 12 Monaten auf natürlichem Weg schwanger wurde:

| Parameter | WHO 2010 (5. Auflage) | WHO 2021 (6. Auflage) |
|---|---|---|
| Ejakulatvolumen (ml) | 1,5 (1,4 bis 1,7) | 1,4 (1,3 bis 1,5) |
| Spermienkonzentration (Millionen/ml) | 15 | 16 |
| Gesamtzahl (Millionen/Ejakulat) | 39 (33 bis 46) | 39 (35 bis 40) |
| Gesamtbeweglichkeit (%) | 40 (38 bis 42) | 42 (40 bis 43) |
| Progressive Beweglichkeit (%) | 32 (31 bis 34) | 30 (29 bis 31) |
| Vitalität (%) | 58 (55 bis 63) | 54 (50 bis 56) |
| Normale Formen (%) | 4 (3 bis 4) | 4 (3,9 bis 4) |

Klammerwerte sind 95-%-Konfidenzintervalle laut Boitrelle (2021). Die Konzentration 16 Millionen/ml stammt aus der Zusammenfassung von Campbell (2021), der Wert 15 Millionen/ml für 2010 aus der Wiedergabe der damaligen Referenzwerte in einer Moskauer Studie [s117]; für beide liegt hier kein Konfidenzintervall vor.

Drei Hinweise sind für die Einordnung der Studien wichtig. Erstens sind diese Werte nach den Herausgebern nur eine Möglichkeit, Ergebnisse zu deuten; die fünfte Perzentile allein genüge nicht, um männliche Infertilität zu diagnostizieren, und sie trenne nicht fertile von subfertilen Männern (Campbell 2021; Boitrelle 2021). Zweitens verzichtet die 6. Auflage auf feste Referenzgrenzen zugunsten „klinischer Entscheidungsgrenzen“, schlägt aber für die Basisparameter keine vor (Boitrelle 2021). Drittens verwendet das Handbuch die Begriffe Normo-, Astheno-, Terato- und Nekrozoospermie nicht mehr (Boitrelle 2021), während die Studien dieser Sammlung sie durchgehend nutzen und überwiegend nach den Werten von 2010 oder früher bewerteten. Wo diese Studie „normal“ oder „vermindert“ schreibt, folgt sie der jeweiligen Originalarbeit.

### Häufigkeit der Probleme in den Quellen

Die Angaben zur Häufigkeit schwanken stark und stammen häufig aus zweiter Hand. Nach Übersichten kann nur ein kleiner Teil der Männer mit Rückenmarksverletzung ohne medizinische Hilfe Kinder zeugen: etwa 10 % [s146], nach einem anderen Referat etwa 5 % [s75]; etwa 90 % entwickeln eine Ejakulationsstörung [s61]. In Jamaika hatten von 45 Männern 90,7 % eine erektile Dysfunktion und 73,3 % keine Ejakulationsmöglichkeit, 71,1 % wünschten Kinder, niemand war an eine Reproduktionsmedizin überwiesen [s101]. Die EAU-Leitlinie nennt unter Berufung auf Kinsey eine Anejakulation bei 0,14 % der Allgemeinbevölkerung und eine retrograde Ejakulation bei 0,3 bis 2 % der Patienten in Kinderwunschsprechstunden; Diabetes könne diese Rate erhöhen (34,6 % in einer kontrollierten Studie, 6 % und 8,8 % in zwei Serien) [s04]. Sexuelle Dysfunktion betrifft nach einem Scoping-Review 35 bis 72 % der Männer mit MS [s51], nach einer Querschnittsstudie 53,9 % von 76 Patienten mit Parkinson (Männer und Frauen) [s42]. Hypogonadismus komme bei Rückenmarksverletzung bis zu 46 % vor, ein gesicherter Einfluss auf die Spermatogenese sei aber nicht belegt [s75]. Diese Spannen zeigen vor allem, wie unterschiedlich Populationen, Definitionen und Erhebungswege sind.

### Zur Geschichte der Forschungsfrage

Die Literatur der Sammlung beginnt mit Einzelfällen und Verfahrensberichten. Ein japanischer Fallbericht beschreibt, wie 1986 nach intrathekaler Neostigmin-Injektion bei einem seit 1971 komplett querschnittgelähmten Mann (Samenvolumen 3 ml, 240 Millionen Spermien/ml, davon 5 % beweglich) beim zehnten Versuch eine Schwangerschaft entstand; er sei der vierte derartige Fall in der japanischen Literatur [s192]. Dahlberg und Hovatta fanden 1989 bei 16 Männern keine Antispermien-Antikörper trotz bis zu 30 Jahren Anejakulation [s191]; eine italienische Studie von 1993 fand sie bei 12 % und 38 % der beiden untersuchten Gruppen [s187]. Mikuriya und Mitarbeiter beschrieben 1990 in Japan hohe Spermienzahlen bei verminderter Beweglichkeit und deuteten die Hormonbefunde als vorübergehende Störung der Leydig-Zellen [s190].

Anfang der 1990er Jahre standen die Techniken der Samengewinnung im Mittelpunkt. Kaneko und Miyazaki verglichen die Elektroejakulation nach Brindley mit der modifizierten Technik nach Seager (Samenabgabe bei 11 von 18 beziehungsweise 24 von 29 Patienten) [s188]; Momose und Mitarbeiter berichteten 1995 über die erste große japanische Serie mit 53 Patienten und 328 Versuchen [s183]; der Geräteentwickler Seager beschreibt 30 Jahre Erfahrung [s123]. Zeitgleich entstanden Überblicke auf Französisch und Spanisch [s182, s189] und eine russische Fallserie zur Anejakulation [s184]. Für den Diabetes verglich Ali 1993 in einer Samenanalyse Männer mit und ohne Neuropathie [s186].

In den späten 1990er Jahren trat die assistierte Reproduktion hinzu: Hultling und Mitarbeiter berichteten über Eizellentnahmen und Embryotransfers bei 25 Paaren [s178], Yamamoto und Mitarbeiter über ein Kind nach Elektroejakulation und intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) [s181], Chen und Mitarbeiter über eine Schwangerschaft mit eingefrorenen Spermien aus dem Samenleiter und Nebenhoden [s176]. Gleichzeitig fragten Brackett und Mitarbeiter anhand von 638 Proben, ob die Samenqualität nach der Verletzung fortschreitend sinkt [s175], und Sønksen und Mitarbeiter prüften, ob wiederholte Ejakulation sie ändert [s174].

Seit 2000 verschob sich der Schwerpunkt auf Ursachen. Studien aus dem Iran verbanden Hormonachse und Samenqualität [s169], die Miami-Gruppe analysierte ihre Datenbank (normale Samenwerte als Ausnahme [s144], stabiler Verlauf [s145], Einfluss des Ejakulationswegs [s137]), und seit 2013 rücken Entzündungsmechanismen in den Vordergrund [s131, s119]. Die Metaanalyse zur spinalen Ejakulationskontrolle erschien 2013 [s126]. Für die Multiple Sklerose liegen die frühe iranische Studie von 2008 [s156] und zwei italienische von 2020 und 2021 vor [s78, s69]; die umgekehrte Frage nach männlicher Infertilität als Risikofaktor wurde seit 2018 mit Registerdaten, Metaanalyse und Mendelscher Randomisierung bearbeitet [s92, s56, s49]. Zu Parkinson reicht die Literatur der Sammlung von einer Fragebogenstudie von 2001 [s172] bis zu Rattenstudien von 2020 und 2026 [s76, s19].

Die jüngsten Dokumente zeigen, dass das Thema Eingang in Leitlinien gefunden hat: die EAU-Leitlinie 2026 [s04], die gemeinsame AUA/ASRM-Leitlinie (veröffentlicht 2020, geändert 2024), die einen Zusammenhang der MS mit männlicher Infertilität als „unsicher“ bezeichnet [s45], und die französische Leitlinie zur Fertilitätsprotektion bei Rückenmarksverletzung [s08]. Ein Umbrella-Review von 2026 bewertete dagegen 17 von 26 systematischen Übersichten zur Sexualgesundheit nach neurologischen Erkrankungen als „kritisch niedrig“ und 6 als „niedrig“ in der Qualität [s14]. Das Bild der Forschungsfrage ist damit zweigeteilt: eine seit 1988 gewachsene, aber kleinteilige Literatur zur Rückenmarksverletzung und eine kaum entwickelte zu den übrigen Erkrankungen.

## Studienlage: Metaanalysen und Übersichten

### Vorbemerkung zu Umfang und Methode dieses Kapitels

Dieses Kapitel gibt die Studienlage zu Rückenmarksverletzung (SCI), Multipler Sklerose (MS), Parkinson-Krankheit, Neuropathie und weiteren neurologischen Erkrankungen (ohne Epilepsie) in Bezug auf die Samenqualität wieder. Es gliedert sich in zwei Teile: zuerst die zusammenfassenden Arbeiten (Metaanalysen, systematische und narrative Übersichten, Leitlinien), dann die Beobachtungsstudien am Menschen. Tierversuche, Einzelfallberichte und randomisierte Interventionsstudien sind nicht Gegenstand der beiden Hauptabschnitte; sie werden an anderer Stelle der Gesamtstudie behandelt und hier nur dort erwähnt, wo sie zum Verständnis oder zur Abgrenzung nötig sind.

Drei Hinweise zur Belastbarkeit gelten durchgehend. Erstens beruhen alle Angaben auf den in der Recherche abgerufenen Zusammenfassungen (Abstracts) beziehungsweise bei Leitlinien auf dem abgerufenen Seitentext, nicht auf Volltexten. Wo ein Abstract eine Angabe nicht enthält, steht das ausdrücklich da. Die Einschätzungen zu Stärken und Schwächen sind methodische Einordnungen des jeweiligen Studiendesigns und keine Aussagen der Originalautoren. Zweitens stammt ein großer Teil der Primärliteratur zur Rückenmarksverletzung aus einem einzigen Zentrum (Male Fertility Research Program der Universität Miami, Patientenkollektive aus den Jahren 1991 bis 2011); Studien aus derselben Datenbank sind nicht unabhängig voneinander, und ihre Fallzahlen dürfen nicht addiert werden [s137, s144, s145, s175, s136]. Ähnliches gilt für mehrere japanische, taiwanesische, iranische und Moskauer Arbeitsgruppen, die bei den einzelnen Studien vermerkt werden. Drittens enthält dieses Kapitel keine Therapieempfehlung. Wo Leitlinien oder Autoren Verfahren bevorzugen, wird dies als Aussage des jeweiligen Dokuments wiedergegeben.

Die Literaturlage ist zwischen den Erkrankungen sehr ungleich verteilt. Für die Rückenmarksverletzung existiert der mit Abstand größte Bestand. Für die Multiple Sklerose liegen wenige kleine Spermiogramm-Studien vor. Für die Parkinson-Krankheit wurde in allen durchsuchten Sprachräumen keine einzige humane Studie gefunden, die Spermienparameter untersucht [s15, s37, s42, s67, s172, s70]. Für die Neuropathie gibt es praktisch nur diabetesbezogene Arbeiten. Eine Metaanalyse oder systematische Übersicht zur Samenqualität nach Rückenmarksverletzung wurde in der Recherche nicht gefunden; auch in der Cochrane Library fand sich über eine Ersatzsuche in Europe PMC kein einschlägiger Review. Die einzige Metaanalyse zur SCI betrifft die Häufigkeit der Ejakulation und nicht deren Qualität [s126].

### Metaanalysen

#### Chéhensse et al. 2013: Metaanalyse zur spinalen Ejakulationskontrolle [s126]

*Originaltitel:* The spinal control of ejaculation revisited: a systematic review and meta-analysis of anejaculation in spinal cord injured patients.

**Design und Methodik.** Systematische Übersicht mit Metaanalyse; durchsucht wurden Embase, PubMed, EBSCOhost und die Cochrane Library. Aus 523 Studien gingen 45 in die Auswertung ein, zusammen n = 3851 Patienten mit Rückenmarksverletzung. Eingeschlossen wurden Studien, die das Auftreten antegrader Ejakulation in Abhängigkeit von der neurologischen Charakterisierung der Läsion berichteten; ausgeschlossen wurden Studien mit rektaler elektrischer Stimulation. Gepoolt wurden Ejakulationsraten, keine Samenparameter.

**Ergebnisse bei kompletter Läsion.** Ejakulation trat nach Masturbation oder Koitus bei 11,8 % (n = 1161) auf, nach Penisvibrationsstimulation (PVS) bei 47,4 % (n = 597) und nach Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation bei 54,7 % (n = 309).

**Ergebnisse bei inkompletter Läsion.** Die entsprechenden Raten betrugen 33,2 % (n = 343), 52,8 % (n = 305) und 78,1 % (n = 32).

**Ergebnisse nach Läsionsebene.** Bei kompletter Läsion der sympathischen Zentren (Th12 bis L2), der parasympathischen und somatischen Zentren (S2 bis S4) oder aller Ejakulationszentren (Th12 bis S5) kam es nach PVS bei keinem Patienten zur Ejakulation (n = 5, n = 4 beziehungsweise n = 21). Nach Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation ejakulierten in diesen drei Gruppen 4,9 % (n = 61), 30,8 % (n = 26) und 0 % (n = 16). Die Ejakulation nach PVS oder Acetylcholinesterase-Hemmern war bei 97,9 % (n = 48) der Patienten mit kompletter Läsion strikt oberhalb des Onuf-Kerns (S2 bis S4) rhythmisch-kräftig; eine komplette Läsion der Segmente S2 bis S4 schloss eine rhythmisch-kräftige Ejakulation aus (n = 5). Wurde die Zahl der verletzten Segmente zwischen Th12 und L2 berücksichtigt, sank die Ejakulationsrate deutlich, sobald die Läsion bis L3 oder tiefer reichte. Die Autoren folgern, dass die Segmente zwischen L2 und S2 wahrscheinlich einen spinalen Ejakulationsgenerator beim Menschen enthalten (L3 bis L5).

**Stärken.** Größte quantitative Zusammenfassung zur Ejakulation nach SCI; mehrere Datenbanken; Auswertung getrennt nach Vollständigkeit und Höhe der Läsion. Die Leitlinie der European Association of Urology stützt ihre Aussagen zu den Ansprechraten ausdrücklich auf diese Arbeit [s04].

**Schwächen.** Es werden Ejakulationsraten gepoolt, keine Samenparameter; die Einzelgruppen sind teils sehr klein (n = 4 bis 32); Konfidenzintervalle und Heterogenitätsmaße stehen im Abstract nicht. Die Raten für Masturbation und Koitus, PVS und Medikamentenkombination stammen aus unterschiedlichen Studien mit unterschiedlichen Patientengruppen; ein direkter Vergleich der Verfahren ist deshalb nur eingeschränkt zulässig.

**Einordnung.** Die Arbeit beantwortet die Voraussetzung jeder Samenanalyse bei SCI, nämlich ob und mit welchem Verfahren überhaupt antegrades Ejakulat gewonnen werden kann. Sie ist die Grundlage der Aussage, dass bei kompletter Läsion in der Mehrzahl der Fälle eine Hilfestellung erforderlich ist. Zur Samenqualität selbst trägt sie nichts bei; das Fehlen einer entsprechenden Metaanalyse ist ein eigener Befund dieser Studienlage.

#### Pergialiotis et al. 2016: Diabetes und funktionelle Spermienmerkmale [s109]

*Originaltitel:* Diabetes mellitus and functional sperm characteristics: A meta-analysis of observational studies.

**Design.** Metaanalyse von Beobachtungsstudien; Fallzahl im Abstract nicht angegeben. Die Arbeit betrifft Diabetes insgesamt und nicht gezielt die diabetische Neuropathie.

**Ergebnisse (gewichtete Mittelwertdifferenzen, 95-%-Konfidenzintervalle).** Diabetes war mit einem verminderten Samenvolumen verbunden (MD -0,66 ml; 95 % CI -1,10 bis -0,22) und mit einem verminderten Anteil beweglicher Zellen (MD -14,29 %; 95 % CI -22,76 bis -5,82). Das FSH war höher (MD 0,47 mIU/ml; 95 % CI 0,01 bis 0,93), und zwar bei Männern, die wegen Infertilität untersucht wurden. Keine Beeinflussung zeigte sich für die Gesamtspermienzahl (MD 13,16 × 10^6; 95 % CI -22,75 bis 49,07), den Anteil normaler Morphologie (-3,06 %; 95 % CI -6,25 bis 0,14), LH (0,65 mIU/ml; 95 % CI -0,84 bis 2,13) und Testosteron (-0,18 ng/ml; 95 % CI -0,60 bis 0,24). Die Autoren halten wegen erheblicher Heterogenität feste Schlüsse nicht für möglich.

**Stärken.** Konfidenzintervalle für alle Endpunkte berichtet; die Intervalle von Gesamtzahl und Morphologie machen die Unsicherheit sichtbar. **Schwächen.** Hohe Heterogenität; Einschlusspopulation teilweise wegen Infertilität untersucht (Selektion); keine Trennung nach Neuropathie. **Einordnung.** Die Metaanalyse stützt eine Minderung von Volumen und Beweglichkeit bei Diabetes. Ob der Anteil, der auf eine autonome Neuropathie zurückgeht, relevant ist, lässt sich aus ihr nicht ablesen; dazu steht lediglich die ältere Studie von Ali und Mitarbeitern zur Verfügung [s186].

#### Zhong et al. 2021: Diabetes, Adipositas, Spermienparameter und Testosteron [s74]

*Originaltitel:* Association of diabetes and obesity with sperm parameters and testosterone levels: a meta-analysis.

**Design.** Metaanalyse mit 44 Studien; 20.367 adipöse und 1386 diabetische Männer. Für Diabetes ergaben sich gegenüber Nichtdiabetikern folgende gepoolte Mittelwertdifferenzen: Samenvolumen MD -0,45 (95 % CI -0,63 bis -0,27; p < 0,001), Spermienzahl MD -13,12 (95 % CI -18,43 bis -7,82; p < 0,001), Konzentration MD -11,73 (95 % CI -21,44 bis -2,01; p = 0,02), progressive Beweglichkeit MD -14,37 (95 % CI -21,79 bis -6,96; p = 0,001) und Testosteron MD -0,37 (95 % CI -0,63 bis -0,12; p = 0,004).

**Stärken.** Große Zahl eingeschlossener Studien; alle Hauptendpunkte mit Konfidenzintervall. **Schwächen.** Die diabetische Untergruppe ist mit 1386 Männern deutlich kleiner als die adipöse; der Abstract nennt keine Heterogenitätsmaße; keine Trennung nach Typ des Diabetes oder nach Neuropathie. **Einordnung.** Im Gegensatz zu Pergialiotis et al. [s109] zeigt diese Metaanalyse auch eine verminderte Spermienzahl und Konzentration. Der Unterschied kann in der Studienauswahl und in der Population liegen (Pergialiotis: Männer, die wegen Infertilität untersucht wurden); die Abstracts erlauben keine abschließende Klärung. Für die Fragestellung dieser Studie sind beide Arbeiten nur Randbefunde, weil die Neuropathie nicht abgegrenzt ist.

#### Shahraki et al. 2023: Männliche Infertilität und späteres MS-Risiko [s56]

*Originaltitel:* Male Factor Infertility and Risk of Multiple Sclerosis (MS): A Systematic Review and Meta-Analysis

**Fragerichtung.** Die Arbeit untersucht die umgekehrte Richtung der hier interessierenden Frage: Ist männliche Infertilität ein Risikofaktor für eine spätere Multiple Sklerose?

**Design und Methodik.** Systematische Übersicht mit Metaanalyse; durchsucht wurden PubMed, Embase, Scopus, Web of Science, Google Scholar und graue Literatur bis Juni 2021. 197 Artikel wurden gefunden, nach Entfernung von Duplikaten 109; in die Metaanalyse gingen 3 Studien ein.

**Ergebnisse.** Zusammen 2090 MS-Fälle und 3.895.562 Kontrollen; 114 infertile Männer in der MS-Gruppe und 139.716 in der Kontrollgruppe. Gepoolte Odds Ratio für männliche Infertilität und die Chance, MS zu entwickeln: 1,87 (95 % CI 0,89 bis 3,94); Heterogenität I² = 86,1 % (P = 0,001). Die Autoren schließen, es bestehe kein Zusammenhang.

**Stärken.** Breite Datenbanksuche einschließlich grauer Literatur. **Schwächen.** Nur drei Studien; sehr hohe Heterogenität; ein breites Konfidenzintervall. **Einordnung.** Der Schluss "kein Zusammenhang" stützt sich auf ein nicht signifikantes Intervall, das eine erhöhte Odds Ratio nicht ausschließt (der Punktschätzer liegt bei knapp 2). Die Studie von Glazer et al. [s92] gehört vermutlich zu den drei eingeschlossenen Arbeiten; der Abstract sagt das nicht ausdrücklich. Zur Samenqualität bei bestehender MS sagt die Arbeit nichts.

### Systematische Übersichten, Scoping- und Umbrella-Reviews

#### Gao et al. 2026: Lumbosakrale Erkrankungen und Ejakulationsstörung [s06]

*Originaltitel:* The association between ejaculatory dysfunction and lumbosacral disorders: a systematic review of an underrecognized clinical link.

Systematische Übersicht (PROSPERO CRD420261372301); Suche in PubMed, Web of Science, Embase und Scopus bis zum 31. Dezember 2025; 24 Studien erfüllten die Kriterien. Ejakulationsstörungen standen im Zusammenhang mit Bandscheibenvorfall, Cauda-equina-Syndrom, Spinalkanalstenose, Tarlov-Zysten, Spina bifida, ankylosierender Spondylitis und Pudendusneuropathie. Als Phänotypen werden vorzeitige, verzögerte, schwache und retrograde Ejakulation, Anejakulation und Anorgasmie beschrieben. Die Funktion verbesserte sich häufig nach Behandlung der Grunderkrankung. Die Autoren nennen als Einschränkungen kleine Stichproben, heterogene Endpunkte und schwache Studiendesigns; ein ursächlicher Zusammenhang bleibe unbewiesen. **Einordnung:** Die Übersicht betrifft die Ejakulationsfunktion, nicht die Samenqualität. Ihr Wert liegt darin, den Kreis neurologisch-orthopädischer Ursachen für Ejakulationsstörungen abzustecken, die zur Spermiengewinnung relevant werden können. Da der Abstract keine gepoolten Zahlen nennt, ist die Stärke der Zusammenhänge nicht beurteilbar.

#### Salardaine et al. 2025: Typologie sexueller Störungen bei idiopathischer Parkinson-Krankheit [s37]

*Originaltitel:* Typology of sexual disorders in idiopathic Parkinson's disease, a systematic review.

Systematische Übersicht in einer französischen Zeitschrift; Fallzahl im Abstract nicht angegeben. Beschrieben werden Beeinträchtigungen von Verlangen, Erregung, Orgasmus und Ejakulation; Männer hätten häufig eine hohe Prävalenz erektiler Dysfunktion und Ejakulationsprobleme; Hypersexualität sei selten und trete meist unter dopaminerger Therapie auf. Zahlen nennt der Abstract nicht. **Einordnung:** Samenparameter sind kein Thema der Übersicht. Sie ist der einzige systematische Beitrag zur Sexualfunktion bei Parkinson in der Sammlung und belegt damit auch, dass die Fachliteratur Fortpflanzungsparameter bei dieser Erkrankung nicht in den Blick nimmt.

#### Toljan und Briggs 2024: Scoping-Review zur männlichen Sexual- und Reproduktionsgesundheit bei MS [s51]

*Originaltitel:* Male sexual and reproductive health in multiple sclerosis: a scoping review.

Scoping-Review nach PRISMA, nur PubMed durchsucht, 34 Studien; vier Themenfelder: sexuelle Dysfunktion, erektile Dysfunktion, Fertilität und Familienplanung. Sexuelle Dysfunktion trete bei Männern mit MS in 35 bis 72 % auf; nur eine Minderheit bespreche dies mit dem Behandlungsteam; MS-Behinderung und Depression gingen mit sexueller Dysfunktion einher. PDE5-Hemmer erschienen bei erektiler Dysfunktion wirksam. Es könne einen Zusammenhang zwischen MS und männlicher Infertilität geben, der aber auch durch verändertes Sexualverhalten bedingt sein könne; bei der krankheitsmodifizierenden Therapie und der Familienplanung bestehe eine große Wissenslücke. **Stärken:** Überblick über vier Themenfelder. **Schwächen:** Nur eine Datenbank, keine Qualitätsbewertung der Einzelstudien im Abstract; ein Scoping-Review fasst keine Effekte statistisch zusammen. **Einordnung:** Die Spanne von 35 bis 72 % ist breit, weil Definitionen und Instrumente der Einzelstudien verschieden sind. Für die Samenqualität liefert die Arbeit keine eigene Aussage.

#### Nezamzadeh et al. 2025: MS, Harnwegsinfektionen und Infertilität [s32]

*Originaltitel:* Multiple sclerosis, urinary tract infections and infertility: a comprehensive scoping review.

Scoping-Review; Fallzahl im Abstract nicht angegeben. Aussage: MS könne bei jungen Erwachsenen sexuelle Dysfunktion und Infertilität verursachen. Zahlen im Abstract fehlen. **Einordnung:** Die Arbeit verknüpft Infertilität und Harnwegsinfektionen bei MS, was mechanistisch für die Samenqualität (Leukozyten, Entzündung) relevant sein könnte; der Abstract belegt das jedoch nicht.

#### Hammad et al. 2024: MS und Hypogonadismus [s47]

*Originaltitel:* Multiple sclerosis and hypogonadism: is there a relationship?

Übersichtsarbeit mit 19 Artikeln. Von den 19 Artikeln beschrieben 11 eine positive Korrelation zwischen niedrigem Testosteron und einer Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse bei MS. **Einordnung:** Die Auswahl der 19 Artikel und die Qualitätsbewertung sind im Abstract nicht beschrieben. Die Einzelstudien zu Hormonen sind widersprüchlich (siehe die Beobachtungsstudien zu MS in diesem Kapitel [s156, s78, s58, s16, s96]); die Zahl 11 von 19 ist ein Zählergebnis und kein gepoolter Effekt.

#### Manuli et al. 2026: Umbrella-Review zur Sexualgesundheit nach neurologischen Erkrankungen [s14]

*Originaltitel:* Sexual Health After Neurological Disorders: A Comprehensive Umbrella Review of Treatment Evidence.

Umbrella-Review über 26 systematische Übersichten. Nach AMSTAR 2 wurden 17 Übersichten als von "kritisch niedriger" und 6 als von "niedriger" Qualität eingestuft. Am kohärentesten sei die Evidenz für PDE5-Hemmer bei erektiler Funktion nach Rückenmarksverletzung; Samenqualität ist im Abstract kein Endpunkt. **Einordnung:** Dieser Befund ist für die Gesamtstudie bedeutsam. Selbst im Bereich der Sexualfunktion, der besser untersucht ist als die Samenqualität, beurteilt der Umbrella-Review die Mehrzahl der vorhandenen Übersichten als methodisch schwach (23 von 26 in den beiden untersten Kategorien).

#### Französische Leitlinie zur Fertilitätsprotektion bei Rückenmarksverletzung 2025 [s08]

*Originaltitel:* Fertility preservation in men with spinal cord injury: The 2025 French guidelines.

**Design.** Leitlinie, begründet durch eine systematische Übersicht nach PRISMA (Zeitraum Januar 1990 bis Juni 2024); 434 Publikationen wurden gesichtet, 115 erfüllten die Einschlusskriterien. Drei Fragen standen im Mittelpunkt: Indikationen und Verfahren der Fertilitätsprotektion, Zeitpunkt und Überwachung, Senkung des Infertilitätsrisikos.

**Aussagen laut Abstract.** Manuelle Samengewinnung durch Masturbation könne als Erstlinie erwogen werden. Wenn Masturbation scheitert oder unmöglich ist, werde PVS empfohlen, besonders bei suprasakralen Läsionen. Scheitert die PVS, könne Elektroejakulation als Zweitlinie angeboten werden, um bei Läsionen unterhalb Th10 ein retrogrades Ejakulat zu erhalten (so im Abstract formuliert). Ohne verwertbare Spermien nach diesen Verfahren seien chirurgische Techniken (Hodenbiopsie, Spermiengewinnung aus Nebenhoden oder Samenleiter) möglich.

**Stärken und Schwächen.** Systematische Methodik, französischsprachig und damit eine der wenigen nicht englischen Leitlinien zum Thema. Der Abstract nennt keine Evidenzgrade, keine Qualität der eingeschlossenen Studien und keine Zahlen zu Samenparametern; der Volltext wurde nicht ausgewertet. **Einordnung:** Die Leitlinie regelt die Reihenfolge der Gewinnungsverfahren; sie gibt keine Auskunft darüber, wie schlecht die Samenqualität bei SCI tatsächlich ist.

### Leitlinien und Konsensdokumente

#### EAU-Leitlinie Sexuelle und reproduktive Gesundheit, Ausgabe 2026 [s04]

*Originaltitel:* EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health: Male Infertility und Ejakulationsstörungen

**Design.** Leitlinie der European Association of Urology; die abgerufene Kapitelseite beschreibt eine begrenzte Aktualisierung (Ausgabe 2026) eines erstmals 2020 veröffentlichten Dokuments. Ausgewertet wurde der Seitentext, nicht die Literaturbasis jedes einzelnen Satzes.

**Ejakulationsstörungen.** Nach Kinsey et al. (in der Leitlinie zitiert) haben 0,14 % der Allgemeinbevölkerung eine Anejakulation. Als häufigste Ursachen nennt der Text Rückenmarksverletzung, Diabetes mellitus und Multiple Sklerose. Bei den meisten Männern mit SCI sei ärztliche Hilfe der einzige Weg zur Ejakulation; Masturbation führe zu den niedrigsten Ejakulationsraten, höhere Ansprechraten ließen sich mit PVS oder mit Acetylcholinesterase-Hemmern gefolgt von Masturbation erreichen; dabei stützt sich die Leitlinie auf die Metaanalyse von Chéhensse et al. [s126].

**Retrograde Ejakulation.** Sie werde bei 0,3 bis 2 % der Patienten in Kinderwunschsprechstunden berichtet; Diabetes könne diese Rate über eine autonome Neuropathie erhöhen. In einer kontrollierten Studie hätten 34,6 % der diabetischen Männer eine retrograde Ejakulation gehabt, in einer Serie von 54 Diabetikern mit sexueller Funktionsstörung 6 %, bei 57 Männern mit Typ-1-Diabetes (18 bis 50 Jahre) mindestens 8,8 %. In der Ursachentabelle der retrograden Ejakulation stehen neurogen unter anderem Rückenmarksverletzung, Cauda-equina-Läsionen, Multiple Sklerose, autonome Neuropathie, Parkinson-Krankheit und Diabetes mellitus; unter den neurogenen Ursachen verzögerter und ausbleibender Ejakulation stehen auch die diabetische autonome Neuropathie, die Multiple Sklerose und die Rückenmarksverletzung.

**Anejakulation.** Bei Anejakulation durch Lymphadenektomie oder Neuropathie sowie bei Männern mit Rückenmarksverletzung sei die PVS die Erstlinientherapie (im Text als "first-line therapy" bezeichnet); sie löse den Ejakulationsreflex aus, der ein intaktes lumbosakrales Rückenmarkssegment voraussetze. Eine Kombination aus Midodrin und PVS habe bei 158 Männern mit SCI in knapp 65 % zur Ejakulation geführt (in der Leitlinie zitierte Quelle: Soler et al. 2008). Bei schlechter Samenqualität oder retrograder Ejakulation könne ein Paar in ein IVF-Programm eintreten. Für Anorgasmie nennt der Text PVS, Elektroejakulation oder testikuläre Spermienextraktion (TESE) als Optionen der Spermiengewinnung.

**Hypogonadismus.** Die Ursachentabelle führt die Rückenmarksverletzung sowohl unter den Ursachen des primären als auch des sekundären (hypogonadotropen) Hypogonadismus auf.

**Stärken.** Aktuelle Ausgabe, systematisch gepflegt, Quellen benannt. **Schwächen.** Der Leitlinientext zu SCI und Samenqualität ist knapp; die Zahlen stammen aus Primärquellen, die hier nicht einzeln geprüft wurden. Die Spanne der Prävalenzen retrograder Ejakulation bei Diabetes (6 % bis 34,6 %) macht sichtbar, wie stark sie von Population und Definition abhängt.

#### AUA/ASRM-Leitlinie "Diagnosis and Treatment of Infertility in Men" (veröffentlicht 2020, geändert 2024) [s45]

*Originaltitel:* Diagnosis and Treatment of Infertility in Men: AUA/ASRM Guideline

Gemeinsame Leitlinie der American Urological Association und der American Society for Reproductive Medicine; der Seitentext wurde abgerufen. Bei Männern mit Aspermie könne chirurgische Spermiengewinnung oder induzierte Ejakulation (Sympathomimetika, Vibrationsstimulation oder Elektroejakulation) je nach Zustand des Patienten und Erfahrung des Behandlers durchgeführt werden (Statement 33, Evidenzstufe "Expert Opinion"). Retrograde Ejakulation könne bei verschiedenen Neuropathien vorliegen; genannt werden Diabetes und Rückenmarksverletzung, daneben die retroperitoneale Lymphknotenausräumung; die Diagnose beruhe auf der Analyse des Urins nach der Ejakulation. Viele Männer mit Emissionsstörung bei Rückenmarksverletzung oder psychogener Anejakulation könnten auf Vibrationstherapie ansprechen; bei anhaltender Störung seien Elektroejakulation oder chirurgische Gewinnung denkbar. Für den Vergleich der Verfahren bei Ejakulationsstörungen lägen nur begrenzte Daten vor. Bei anderen Begleiterkrankungen, darunter Multiple Sklerose, bestünden nur "unsichere Assoziationen" mit männlicher Infertilität (Literaturverweis auf Glazer et al. 2018 [s92]).

**Stärken.** Institutionenübergreifend; Verfahren benannt. **Schwächen.** Die Statements zu Aspermie und retrograder Ejakulation haben das Niveau der Expertenmeinung; zu den hier behandelten Erkrankungen gibt es keinen eigenen Abschnitt. **Einordnung:** Die Leitlinie führt die MS ausdrücklich als Erkrankung mit nur unsicherer Assoziation zur Infertilität; diese Einschätzung deckt sich mit der geringen Zahl direkter Studien.

#### EAN/EFAS/INUS-Leitlinie zu neurogenen Harn- und Sexualsymptomen [s34]

*Originaltitel:* European Academy of Neurology (EAN)/European Federation of Autonomic Societies (EFAS)/International Neuro-Urology Society (INUS) Guidelines for Practising Neurologists on the Assessment and Treatment of Neurogenic Urinary and Sexual Symptoms (NEUROGED Guidelines).

Leitlinie nach dem ADAPTE-Verfahren mit AGREE-II-Bewertung und modifiziertem Delphi-Verfahren (mindestens 80 % Konsens); insgesamt 38 Aussagen: 11 evidenzbasierte Empfehlungen, 19 Good-Practice-Aussagen und 8 konsensbasierte Empfehlungen. Zur Sexualität werden eine umfassende Sexualanamnese sowie Gleitmittel, Vibratoren und PDE5-Hemmer genannt. Der Abstract nennt weder Samenqualität noch Fertilität. **Einordnung:** Die Leitlinie der neurologischen Fachgesellschaften adressiert Sexualsymptome, nach dem Abstract aber nicht die Samenqualität; dies bestätigt die Lücke zwischen Neurologie und Reproduktionsmedizin.

#### Veiga Álvarez et al. 2024: Spermiengewinnung aus dem Urin bei retrograder Ejakulation [s52]

*Originaltitel:* Recuperación de espermatozoides de la orina en hombres con eyaculación retrógrada. (Gewinnung von Spermien aus dem Urin bei Männern mit retrograder Ejakulation)

Dokument der Kommission für Andrologie und assistierte Reproduktion der spanischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin (SEQC-ML). Inhalt laut Abstract: Definition der retrograden Ejakulation und Diagnoseverfahren, Nachweis von Spermien im Urin nach der Ejakulation, Aufbereitung und Verwendung der gewonnenen Spermien in der assistierten Reproduktion. Die Diagnose beruhe auf dem Spermiennachweis im Urin bei Männern mit Aspermie oder mit Oligozoospermie bei niedrigem oder normalem Samenvolumen; es fehle ein Konsens über genaue Diagnosekriterien, nur sehr wenige Studien beschrieben sie, und ein bedeutender Teil der Patienten bleibe wahrscheinlich undiagnostiziert. Neurogene Ursachen werden im Abstract nicht aufgeschlüsselt. **Einordnung:** Die Bedeutung liegt in der Diagnostik, wie sie bei Diabetes und SCI vorkommt [s04, s45].


### Narrative Übersichten zur Rückenmarksverletzung

Narrative Übersichten haben keine nachvollziehbare Suchstrategie und keine Qualitätsbewertung der Einzelstudien. Sie belegen vor allem, was die Fachliteratur als gesichertes Wissen darstellt, und zeigen, aus welchen Primärquellen dieses Wissen stammt. Die Zahlen in diesen Arbeiten sind Zahlen aus zweiter Hand.

#### Anderson et al. 2018 [s87] und Patki et al. 2008 [s155]

*Originaltitel:* Spinal cord injury and male infertility-a review of current literature, knowledge gaps, and future research. sowie Effects of spinal cord injury on semen parameters.

Anderson und Mitarbeiter beschreiben, dass bei Rückenmarksverletzung nahezu jeder Aspekt der männlichen Reproduktion betroffen ist, mit herabgesetzter Spermienbeweglichkeit bei oft normaler Zahl; sie benennen Wissenslücken und künftigen Forschungsbedarf. Patki und Mitarbeiter schreiben, die Samenqualität sei bei SCI schlecht, Veränderungen träten schon zwei Wochen nach der Verletzung auf, und kennzeichnend seien eine abnorme Beweglichkeit und Vitalität; bei der Mehrzahl der Männer sei die Spermienzahl nicht abnorm. Die Ursache der Asthenozoospermie sei multifaktoriell; als wichtige Einflüsse nennen sie die Zusammensetzung des Seminalplasmas, die Art des Blasenmanagements und die neurogene Beeinträchtigung der Ejakulation. **Einordnung:** Beide Texte geben das Grundmuster "normale Zahl, schlechte Beweglichkeit und Vitalität" wieder, das auch in den Primärstudien dieses Kapitels wiederkehrt [s137, s57, s169, s159]. Die Aussage "Veränderungen nach zwei Wochen" wird im russischen Referat (siehe unten [s75]) im Zusammenhang mit Hundedaten genannt; für den Menschen ist sie in den hier vorliegenden Abstracts nicht direkt belegt.

#### Perrin et al. 2010 [s146] und 2016 [s110]; François 1995 [s182]; Vidal Samsó 1993 [s189]; Açıkgöz et al. 2012 [s134]

*Originaltitel:* [The spinal cord injured patient: semen quality and management by Assisted Reproductive Technology]. (Der Patient mit Rückenmarksverletzung: Samenqualität und Behandlung durch assistierte Reproduktion); Fertility issues in men with spinal cord injury; [Genital sexual and procreation disorders in patients with spinal cord injuries]. (Genitale Sexual- und Fortpflanzungsstörungen bei Patienten mit Rückenmarksverletzung); Lesión medular e infertilidad masculina (deutsch: Rückenmarksverletzung und männliche Infertilität); Spinal kord yaralanmalı olgularda cinsel işlev ve üreme bozuklukları (deutsch: Sexuelle und Fortpflanzungsstörungen bei Patienten mit Rückenmarksverletzung)

Die französische Übersicht von Perrin und Mitarbeitern (2010) gibt an, dass nur etwa 10 % der Männer mit SCI ohne medizinische Hilfe Kinder zeugen könnten, und beschreibt normale Spermienkonzentrationen bei abnorm niedriger Beweglichkeit und Vitalität. Das Buchkapitel von 2016 fasst zusammen: In einer Studie an Hunden mit SCI waren Spermienbeweglichkeit und Spermatogenese drei Wochen nach der Verletzung deutlich beeinträchtigt; bei chronischer SCI beim Menschen sei die Skrotaltemperatur durch die sitzende Haltung und eine gestörte Thermoregulation erhöht, und die Konzentration reaktiver Sauerstoffspezies im Samenplasma sei hoch und mit der Spermienbeweglichkeit umgekehrt korreliert. François (1995, französisch) gibt einen frühen Überblick über Hilfen zur Fortpflanzung bei querschnittgelähmten Männern, darunter die Punktion des Samenleiters. Der spanische Übersichtsartikel von Vidal Samsó (1993, Rehabilitación 27(4), S. 285 bis 291) hält fest, dass die Fertilitätsstörungen nach Rückenmarksverletzung schwer und Schwangerschaften nach erworbener Paraplegie oder Tetraplegie selten seien, dass das Interesse an Untersuchung und Behandlung gewachsen sei und die Aussichten auf Nachkommen verbessert habe; beschrieben werden Samengewinnung und Veränderungen von Menge und Zusammensetzung des Samens (keine Zahlen im Abstract). Die türkische Übersicht von Açıkgöz, Aşçı und Büyükalpelli (2012; PubMed-Recherche 1982 bis 2011) ordnet die Innervation der Genitalien den Segmenten Th11 bis L2 (sympathisch), S2 bis S4 (parasympathisch) und S2 bis S3 (somatisch) zu. Bei Läsionen oberhalb von Th10 blieben nach ihrer Darstellung autonome, somatische, Vibrations- und Elektroejakulation erhalten, bei thorakolumbalen Läsionen (Th11 bis L2) sei nur noch die Elektroejakulation möglich. Die Fortpflanzungsstörung beruhe auf der Kombination aus erektiler Dysfunktion, Ejakulationsversagen und abnormalen Samenparametern. **Einordnung:** Die türkische Zusammenfassung weist nach Einschätzung der Recherche Widersprüche zwischen der türkischen und der englischen Fassung des Abstracts auf; ihre Aussagen sind nur als grobe Orientierung zu lesen. Die französischen und spanischen Texte belegen, dass das Thema im romanischen Sprachraum seit den frühen 1990er Jahren behandelt wird; eigene Daten zur Samenqualität enthalten sie im Abstract nicht.

#### Ibrahim et al. 2022: Penisvibrationsstimulation aus Patientensicht [s61]

*Originaltitel:* Penile Vibratory Stimulation for Semen Retrieval in Men with Spinal Cord Injury: Patient Perspectives.

Narrative Übersicht der Miami-Arbeitsgruppe. Nach dieser Darstellung entwickeln etwa 90 % der Männer mit SCI eine Ejakulationsstörung, und nur 10 % könnten durch Masturbation oder beim Geschlechtsverkehr ejakulieren. PVS führe bei Verletzungen auf Höhe Th10 oder höher in bis zu 86 % zum Ejakulat; in 90 % dieser Ejakulate seien bewegliche Spermien, in etwa 75 % mehr als 5 Millionen bewegliche Spermien. **Einordnung:** Die Zahlen stammen aus der eigenen Primärliteratur der Autoren; die Arbeit ist daher keine unabhängige Bestätigung der in [s137] und [s100] berichteten Befunde.

#### Neuere Übersichten zu Oxidationsstress, Entzündung, Fertilitätsprotektion: Katopodis et al. 2026 [s10], Zikopoulos et al. 2026 [s20], Cohen et al. 2025 [s26]

*Originaltitel:* Sexual Dysfunction and Infertility in Male Patients With Spinal Cord Injury: A Narrative Review.; Spinal Cord Injury-Related Male Infertility: Oxidative Stress, Inflammation, and Sperm DNA Damage.; Fertility preservation in males with spinal cord, pelvic, and other injuries potentially impacting male fertility.

Die drei jüngsten Übersichten zur SCI und männlichen Infertilität vertiefen Sexual- und Fertilitätsstörungen (Katopodis: narrative Übersicht zu sexueller Dysfunktion und Infertilität), Oxidationsstress, Entzündung und Spermien-DNA-Schäden (Zikopoulos) sowie die Fertilitätsprotektion bei Rückenmarks-, Becken- und weiteren Verletzungen (Cohen). Die Abstracts enthalten keine neuen Primärzahlen. **Einordnung:** Sie zeigen, dass sich der Schwerpunkt der Diskussion von der reinen Beschreibung hin zu Mechanismen (Oxidationsstress, Entzündung, DNA-Fragmentation) und Fertilitätserhalt verschoben hat; die Evidenz stammt weiterhin aus den hier einzeln besprochenen kleinen Studien.

#### Koršunov et al. 2021: Männlicher Infertilitätsfaktor bei traumatischer Rückenmarkserkrankung [s75]

*Originaltitel:* Мужской фактор бесплодия при травматической болезни спинного мозга (deutsch: Männlicher Infertilitätsfaktor bei traumatischer Rückenmarkserkrankung)

**Design.** Narratives Übersichtsreferat "öffentlich zugänglicher Quellen" aus Moskau, ohne Suchstrategie, ohne Einschlusskriterien und ohne Bewertung der Studienqualität. Alle Zahlen stammen aus zweiter Hand und werden hier "nach [s75]" wiedergegeben.

**Berichtete Zahlen.** Weltweit erleiden nach Angabe der Weltgesundheitsorganisation jährlich etwa 500.000 Menschen eine Rückenmarksverletzung, bis zu 90 % durch Verkehrsunfälle und Stürze, mehr als 70 % der Betroffenen sind Männer. Etwa 90 bis 95 % der Männer seien infertil, nur etwa 5 % könnten ohne spezialisierte Hilfe ein Kind zeugen. In der Phase des spinalen Schocks seien keine wesentlichen Abweichungen im Spermiogramm gefunden worden; die Ejakulatqualität verschlechtere sich etwa zwei Wochen nach dem Trauma. Im Hundemodell sank bis zum 21. Tag die mittlere aktive Beweglichkeit von 62,9 auf 20,1 % (p = 0,008), die Gesamtzahl der Spermien von 42,3 auf 29,4 Millionen (nicht signifikant), die Dichte haploider Zellen im Hoden von 75,6 auf 48,3 % (p = 0,028); reife Spermatiden pro Tubulusquerschnitt betrugen 13,6 gegenüber 43,9 (p = 0,02). Hodenbiopsien bei 28 Männern zeigten erhaltene Spermatogenese 1, 3 und 6 Monate nach dem Trauma in 39, 48 und 80 % der Fälle; die Autoren leiten daraus eine mögliche Umkehrbarkeit ab. Bei 50 Männern im späten Verlauf (im Mittel 8 Jahre nach der Verletzung) war die Spermatogenese bei 28 erhalten. Hypogonadismus komme bei SCI bis zu 46 % vor; ein gesicherter Einfluss der Hormone auf die Spermatogenese sei nicht belegt. Hohe Spermien-DNA-Fragmentation gehe mit schlechteren Schwangerschafts- und Geburtsraten in der assistierten Reproduktion einher. Als mögliche Ursachen der Beweglichkeitsminderung werden neurotrophe Störungen, erhöhte Hodentemperatur, Infektion und Entzündung, Veränderungen der Samenplasma-Zusammensetzung, Inflammasom-Komponenten, oxidativer Stress, verminderte Testosteronbildung und Apoptose genannt. Die Schwangerschafts- und Geburtsraten bei Männern mit SCI seien in einer Studie von Coccia et al. mit denen einer Kontrollgruppe mit idiopathischer Infertilität vergleichbar gewesen; die entsprechende Primärstudie liegt hier als [s77] vor.

**Stärken.** Gute neuroanatomische Einordnung. **Schwächen.** Keine systematische Methodik; Zahlen aus zweiter Hand; Wiedergabefehler sind nicht auszuschließen (der Text spricht zum Beispiel von "Spermatophor-Flagellen", gemeint sind offenbar die Flagellen der Spermien); die Schlussfolgerung, sexuelle Funktionsstörungen seien bei SCI "nicht akut", ist nicht begründet. **Einordnung:** Die Biopsiezahlen (39, 48, 80 %) sind die einzigen Angaben zur Frühphase beim Menschen in der gesamten Sammlung, aber nicht mit der Primärquelle überprüft; sie dürfen nur als Hinweis gelesen werden.

#### Dimitriadis et al. 2010 [s143], Fan und Liu 2005 [s166], Zhang und Li 2020 [s85]

*Originaltitel:* Erectile function and male reproduction in men with spinal cord injury: a review.; [Penile vibratory stimulation and electroejaculation in the treatment of ejaculatory dysfunction]. (deutsch: Penisvibrationsstimulation und Elektroejakulation bei der Behandlung von Ejakulationsstörungen); Male genital sensation after spinal cord injury: a review.

Dimitriadis und Mitarbeiter (Übersicht, international besetzt) fassen zusammen: Männer mit SCI haben Störungen der Erektion, der Ejakulation und der Fortpflanzungsfähigkeit; Defekte beträfen den Samentransport in die hintere Harnröhre und die Expulsion, die sekretorische Funktion von Leydig-Zellen, Sertoli-Zellen und akzessorischen Drüsen; die Samenqualität sei bei Gewinnung per Penisvibration oder Elektroejakulation vermindert. Als erste Linie der Samengewinnung nennen die Autoren die PVS, danach Elektroejakulation oder chirurgische Gewinnung. Die chinesischsprachige Übersicht von Fan und Liu (2005, Tongji-Krankenhaus) gibt an, rund 80 % aller Männer mit Ejakulationsstörung bei intaktem Ejakulationsreflexbogen (oberhalb von Th10) könnten mit PVS antegrade Ejakulation erreichen; bei Störungen des zentralen oder peripheren Nervensystems einschließlich chirurgischer Nervenverletzung könne Elektroejakulation erfolgreich sein. Zhang und Li (2020, Wuhan) behandeln die Genitalsensibilität nach SCI: Sensibilitätsstörungen störten Erektion und Ejakulation und minderten Erregung und Befriedigung; Samenparameter enthält die Arbeit nicht. **Einordnung:** Alle drei sind Übersichten ohne Methodenangabe im Abstract; sie zeigen, dass die Fachgemeinschaft in drei Sprach- und Kulturräumen dasselbe Grundmuster beschreibt.

#### Sakakibara et al. 2026 [s17], Sakamoto 2014 [s122], Liu et al. 2014 [s120], Ruan et al. 2006 [s162]

*Originaltitel:* Urogenital dysfunction in neurological diseases.; Sexually dimorphic nuclei in the spinal cord control male sexual functions.; [Spinal gastrin-releasing peptide system mediates sexual function of males: advances in studies]. (deutsch: Das spinale Gastrin-releasing-Peptid-System vermittelt die männliche Sexualfunktion: Stand der Forschung); [Peripheral nerve injury and male sexual dysfunction]. (deutsch: Periphere Nervenverletzung und männliche Sexualfunktionsstörung)

Sakakibara, Yamamoto und Uchiyama (Nature Reviews Neurology 2026) geben einen Überblick über urogenitale Störungen bei Schlaganfall, Alzheimer-Krankheit, Marklagererkrankung, Normaldruckhydrozephalus, Parkinson-Krankheit, Lewy-Körper-Demenz, Multisystematrophie, SCI, MS und Spina bifida, darunter Libidoverlust sowie Störungen von Erektion, Ejakulation und Orgasmus; Samenparameter fehlen im Abstract. Sakamoto (2014) beschreibt geschlechtsdimorphe Kerngebiete im Lenden- und Sakralmark, die Peniseflexe und Sexualverhalten steuern; Schäden des unteren Rückenmarks führten zu Erektions- und Ejakulationsstörungen. Die chinesischsprachige Übersicht von Liu und Mitarbeitern (2014) beschreibt, dass Neurone im oberen Lendenmark (L3, L4) zum unteren Lendenmark (L5, L6) projizieren und Gastrin-releasing-Peptid freisetzen, das Erektions- und Ejakulationsreflexe reguliert; das System werde von Androgenen reguliert, und eine Stimulation des Rezeptors habe bei kastrierten Ratten Peniseflexe und Ejakulation wiederhergestellt. Die chinesischsprachige Kurzübersicht von Ruan und Mitarbeitern (2006) hält fest, dass die Genitalorgane autonom und somatisch innerviert werden und dasselbe Symptom durch verschiedene verletzte Nerven entstehen kann (keine Daten im Abstract). **Einordnung:** Diese Arbeiten sind Grundlagenüberblicke zur Ejakulationsphysiologie. Sie erklären, warum Läsionshöhe und -vollständigkeit die Ejakulation bestimmen, enthalten aber keine Befunde zur Samenqualität.

#### Seager 2014 und Expertenrunde 2014: russischsprachige Beiträge zur Elektroejakulation [s123, s118]

*Originaltitel:* Использование электроэякуляции у мужчин с невозможностью естественного семяизвержения: 30-летний опыт (deutsch: Einsatz der Elektroejakulation bei Männern ohne natürliche Ejakulation: 30 Jahre Erfahrung); Методы сбора эякулята: преимущества, недостатки и влияние на показатели спермограммы (deutsch: Methoden der Ejakulatgewinnung: Vorteile, Nachteile und Einfluss auf das Spermiogramm)

Der Erfahrungsbericht von Seager (russische Übersetzung eines US-Beitrags des Geräteentwicklers, Washington D.C.) nennt einen früheren Bericht (1990) über 266 Patienten mit Rückenmarksverletzung, mehr als 2.500 Verfahren mit 37 Schwangerschaften und insgesamt mehr als 4.000 Verfahren ohne gemeldete unerwünschte Wirkungen; das Gerät sei in 52 Ländern in Gebrauch, Ejakulation trete meist bei 5 bis 12 W und 300 bis 600 mA ein, ein Verfahren dauere etwa 20 Minuten. Als Indikationen werden neben der SCI MS, Spina bifida, Diabetes und Zustand nach retroperitonealer Lymphknotenausräumung genannt. Die Aussage "100 % Erfolg" bezieht sich auf die Gewinnung von Ejakulat, nicht auf dessen Qualität. **Schwächen:** hoher Interessenkonflikt (Entwickler und Anbieter), keine Vergleichsgruppe, keine Samenparameter. Das Protokoll einer Expertendiskussion auf dem XIII. Kongress der Russischen Urologischen Gesellschaft (Moskau 2013) zeigt eine zurückhaltende Haltung: Božedomov hält die Elektroejakulation nur bei Rückenmarksverletzten unter lokaler Betäubung für anwendbar, das Volumen sei meist klein, die Daten seien nicht repräsentativ, weil die Nebenhoden bei der Ejakulation gewöhnlich nicht entleert würden; durch das Fehlen eines normalen Sexuallebens enthalte das Ejakulat stark erhöht "alte" Spermien mit beginnender Apoptose und DNA-Defekten. Er berichtet, bei mehr als 5.000 untersuchten Patienten (mehr als 15.000 Samenproben) sei die Vibrationsstimulation kein einziges Mal nötig gewesen. **Einordnung:** Reine Expertenmeinungen ohne Datenerhebung; die Hypothese "alter" Spermien passt zu den DNA-Befunden bei SCI [s84, s59], wird in der Quelle selbst aber nicht belegt.

#### Übersichten zu Spina bifida, Parkinson-Krankheit, MS und Diabetes

**Deng et al. 2018 [s91]** (Spina bifida): Die Infertilität beruhe auf Spermatogenesedefekten oder gestörtem Spermientransport, die Schwere korreliere mit Läsionshöhe und Hydrozephalus. *Originaltitel:* Sexual dysfunction and infertility in the male spina bifida patient.

**Rafetto et al. 2026 [s15]** (Parkinson, klinischer Wegweiser) beschreibt sexuelle Funktionsstörungen mit Beeinträchtigung von Verlangen, Erregung, Orgasmus und Ejakulation; Zahlen nennt der Abstract nicht. **Bourque et al. 2021 [s67]** (Androgene und Parkinson) berichten, Männer mit Parkinson hätten niedrigere Androgenspiegel; Androgenbehandlungen hätten bisher keine ausreichend positiven Effekte gezeigt, Tiermodelle seien uneinheitlich; Samenqualität ist kein Thema. *Originaltitel:* Evaluation and management of male sexual dysfunction in Parkinson's disease: A clinical road map.; Androgens and Parkinson's Disease: A Review of Human Studies and Animal Models.

**Geng et al. 2023 [s55]** nennen bei jungen Männern mit MS erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen, verminderte Libido, verminderte Spermienqualität und beeinträchtigte Fertilität; als mögliche Mechanismen werden genetische Faktoren, Autoimmunität, chronische Entzündung, psychische Faktoren und Medikamente genannt (keine Zahlen im Abstract) [s55]. **Massarotti et al. 2021 [s71]** stellen drei offene Fragen: Verursacht MS an sich Infertilität? Besteht ein Zusammenhang mit infertilitätsfördernden Zuständen? Wie beeinflussen krankheitsmodifizierende Therapien die Gonadenfunktion? **Shin et al. 2025 [s38]** beschreiben das Tiermodell der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis mit systemischer Entzündung und möglicher Beteiligung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. *Originaltitel:* Impact of multiple sclerosis on male sexual and reproductive health.; Effect of Multiple Sclerosis and Its Treatments on Male Fertility: Cues for Future Research.; Reproductive Dysfunction in Experimental Autoimmune Encephalomyelitis, an Animal Model of Multiple Sclerosis.

**Alaei et al. 2025 [s23]** (Diabetes, Chromatinschäden und epigenetische Effekte) und **Tjuzikov et al. 2026 [s21]** (männliche Fortpflanzungsstörungen bei Diabetes): Diabetische Neuropathie trete bei 30 bis 50 % der Diabetiker auf; die urogenitale Neuropathie senke die Sensibilität und störe die Reflexbögen von Erektion und Ejakulation. **Syrkaševa et al. 2016 [s112]** (retrograde Ejakulation und männlicher Infertilitätsfaktor): Die retrograde Ejakulation mache etwa 0,3 bis 2 % der Männer in der Infertilitätsberatung aus; als neurogene Faktoren würden Rückenmarksschäden und Neuropathien (diabetische Neuropathie, MS) genannt; etwa 80 % der Fälle entfielen auf Diabetes, Prostataresektion, Blasenhalsoperationen oder retroperitoneale Lymphadenektomie; eine zitierte Studie (16 Paare, 35 ICSI-Zyklen) nenne eine Schwangerschaftsrate von 51,2 %; es gebe kein einheitliches Protokoll, und die Datenlage reiche für einen Vergleich der Verfahren nicht aus. **Kurbatov et al. 2013 [s132]** (Literaturübersicht mit Zwischenbericht zu 10 Patienten): Neuropathien kämen bei 65 bis 80 % der Diabetiker vor, urogenitale Neuropathie bei 10 bis 20 %, erektile Dysfunktion bei 50 bis 60 % der Männer mit Diabetes. **Živolupov et al. 2015 [s116]** nennen in einer Tabelle Prävalenzen sexueller Funktionsstörungen bei neurologischen Erkrankungen (Parkinson-Krankheit 60 %, Rückenmarksverletzung 25 bis 95 %, MS 62 bis 83 %, diabetische Polyneuropathie 100 %); die Quellen sind im abgerufenen Text nicht erkennbar. *Originaltitel:* Diabetes and male infertility: A review of sperm chromatin damage and epigenetic effects.; Мужские репродуктивные нарушения при сахарном диабете: патофизиологические механизмы, причинно-следственные связи и возможности эмпирической фармакотерапии (deutsch: Männliche Fortpflanzungsstörungen bei Diabetes mellitus: pathophysiologische Mechanismen, Kausalzusammenhänge); Ретроградная эякуляция и мужской фактор бесплодия (обзор литературы) (deutsch: Retrograde Ejakulation und männlicher Infertilitätsfaktor (Literaturübersicht)); Восстановление фертильности у больных сахарным диабетом 1-го типа (deutsch: Wiederherstellung der Fertilität bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1); Нейрогенная копулятивная дисфункция у мужчин: теоретические аспекты, дифференциальная диагностика и рациональная терапия (deutsch: Neurogene kopulative Dysfunktion bei Männern: theoretische Aspekte, Differentialdiagnostik und rationale Therapie)

**Einordnung der Übersichten zu MS, Parkinson, Neuropathie.** Die Prävalenzspannen (zum Beispiel MS 35 bis 72 % [s51] gegenüber 62 bis 83 % [s116] oder die Angabe 100 % für diabetische Polyneuropathie) sind nicht vergleichbar, weil Instrumente, Definitionen und Stichproben nicht angegeben sind. Sie betreffen die Sexualfunktion, nicht die Samenqualität. Für keine dieser Erkrankungen existiert eine Übersicht, die Spermienparameter systematisch zusammenfasst.

#### Zusammenschau der zusammenfassenden Arbeiten

Aus den zusammenfassenden Arbeiten lassen sich vier Befunde festhalten, die keine Therapieempfehlung enthalten. Erstens: Die einzige Metaanalyse zur SCI betrifft die Ejakulationsfähigkeit [s126]; zur Samenqualität liegt keine Metaanalyse vor. Zweitens: Die einzigen Metaanalysen mit Samenparametern betreffen Diabetes insgesamt [s109, s74] und unterscheiden nicht nach Neuropathie. Drittens: Die einzige Metaanalyse mit MS-Bezug beantwortet die umgekehrte Frage und ist mit drei Studien, einer Heterogenität von 86,1 % und einem Konfidenzintervall von 0,89 bis 3,94 nicht aussagekräftig [s56]. Viertens: Die Leitlinien [s04, s45, s08, s34] regeln Verfahren der Spermiengewinnung und kennen für MS nur "unsichere Assoziationen", für Parkinson und nicht diabetische Neuropathien keine Aussage zur Samenqualität. Die methodische Qualität der vorhandenen Übersichten zur Sexualgesundheit wird im Umbrella-Review überwiegend als kritisch niedrig oder niedrig bewertet [s14].


## Studienlage: Beobachtungsstudien

Dieser Abschnitt behandelt Querschnitts-, Fall-Kontroll- und Kohortenstudien am Menschen sowie klinische Serien. Er beginnt mit der Rückenmarksverletzung, für die der größte Bestand vorliegt, und geht dann zu Multipler Sklerose, Parkinson-Krankheit, Neuropathie und weiteren Erkrankungen über. Die Reihenfolge innerhalb der Rückenmarksverletzung folgt der Fragestellung: Samenparameter, Verlauf, Hormone, Mechanismen im Samenplasma und an den Spermien, Kryokonservierung, Gewinnungsverfahren, Ergebnisse der assistierten Reproduktion und Sexualfunktion.

### Rückenmarksverletzung: Samenparameter in großen und mittleren Kollektiven

#### Kathiresan et al. 2012: Samenqualität nach Masturbation, PVS und Elektroejakulation [s137]

*Originaltitel:* Semen quality in ejaculates produced by masturbation in men with spinal cord injury.

**Design und Population.** Retrospektive Chartanalyse im Male Fertility Research Program der Universität Miami, 1991 bis 2011. Von 528 Männern mit SCI erfüllten 444 die Einschlusskriterien; sie ejakulierten durch Masturbation (n = 43), PVS (n = 243) oder Elektroejakulation (EEJ; n = 158). Kontrollgruppe: 61 gesunde Männer, die per Masturbation Proben abgaben.

**Ergebnisse.** Die Spermienbeweglichkeit betrug in der SCI-Masturbationsgruppe 36,9 %, in der PVS-Gruppe 25,9 % (p < 0,001), in der EEJ-Gruppe 15,0 % (p < 0,001) und in der Kontrollgruppe 58,0 % (p < 0,001 gegenüber der SCI-Masturbationsgruppe). Die Spermienkonzentration (antegrad) lag bei 83,3 × 10^6 pro cc (Masturbation), 77,4 × 10^6 (PVS), 82,0 × 10^6 (Kontrolle) und 49,8 × 10^6 in der EEJ-Gruppe (p < 0,001). Unvollständige Läsionen fanden sich bei 84 % der Masturbationsgruppe, 54 % der PVS-Gruppe (p < 0,01) und 41 % der EEJ-Gruppe (p < 0,001).

**Stärken.** Große Fallzahl, einheitliches Zentrum, Kontrollgruppe. **Schwächen.** Retrospektiv; die Gruppen sind durch die Ejakulationsfähigkeit selektiert, sodass Gewinnungsverfahren und Läsionsvollständigkeit vermengt sind; der Abstract nennt keine Abstinenzzeit und keine Konfidenzintervalle.

**Einordnung.** Selbst Männer mit SCI, die durch Masturbation ejakulieren können (überwiegend unvollständige Läsion), haben eine deutlich niedrigere Beweglichkeit (36,9 %) als gesunde Kontrollen (58,0 %), während die Konzentration vergleichbar ist. Die Beweglichkeit nimmt von Masturbation über PVS zu EEJ weiter ab; ob dies am Verfahren, an der Läsion oder an beidem liegt, lässt sich mit diesem Design nicht trennen.

#### Iremashvili et al. 2010: Männer mit normaler Samenqualität nach SCI [s144]

*Originaltitel:* A minority of men with spinal cord injury have normal semen quality--can we learn from them? A case-control study.

**Design.** Retrospektive Fall-Kontroll-Analyse aus derselben Miami-Datenbank (500 Männer, davon 400 mit antegradem Ejakulat; 400 wurden ausgewertet). Fälle: 30 Männer mit nach WHO-Kriterien normalem Volumen, normaler Konzentration und normaler Beweglichkeit. Kontrollen: 120 gematchte übrige Männer; konditionale logistische Regression.

**Ergebnisse.** Nur 30 von 400 hatten normale Parameter (7,5 %, eigene Berechnung aus den genannten Zahlen). Eine unvollständige Läsion (ASIA B bis D) war mit normalen Parametern assoziiert (Odds Ratio 2,6; 95 % CI 1,1 bis 6,1; p = 0,028); ebenso die Möglichkeit, per Masturbation zu ejakulieren (OR 2,7; 95 % CI 1,1 bis 7,1; p = 0,037). Weitere Faktoren waren nicht prädiktiv.

**Stärken.** Konditionale Regression, Konfidenzintervalle berichtet. **Schwächen.** Nur 30 Fälle; die Konfidenzintervalle sind breit (untere Grenzen bei 1,1); retrospektive Daten; dieselbe Datenbank wie [s137]. **Einordnung.** Die Ergebnisse passen zu [s137]: Unvollständige Läsion und Ejakulation durch Masturbation gehen mit besserer Samenqualität einher.

#### Momen et al. 2007: Samenparameter und Ursachen bei SCI (Kairo) [s159]

*Originaltitel:* Semen parameters in men with spinal cord injury: changes and aetiology

**Design und Population.** Querschnittsstudie der Andrologie-Abteilung der Universität Kairo mit 45 Männern mit Rückenmarksverletzung. Samengewinnung durch Masturbation (n = 2), kräftige Prostatamassage (n = 13), PVS (n = 13) oder Elektroejakulation (n = 17).

**Ergebnisse.** Mittleres Volumen 2,3 ± 1,9 ml; Spermienkonzentration 85,0 ± 83,8 Millionen/ml; Beweglichkeit 11,6 % (angegebene Streuung ± 0,1 %); Vitalität 18,5 ± 5,2 %; normale Formen 17,5 ± 3,4 %; Eiterzellen 6,0 ± 8,2 Millionen/ml (erhöht). Gesamtbeweglichkeit (13,4 ± 9,9 gegenüber 7,1 ± 6,8) und progressive Beweglichkeit (4,4 ± 3,9 gegenüber 2,2 ± 2,1) waren bei Männern mit niedrigerer Skrotaltemperatur signifikant höher. Zwischen Elektroejakulation und Vibrationsstimulation bestand für keinen Samenparameter ein signifikanter Unterschied. Alter, seltene Ejakulation, Verletzungsdauer und Hormonprofil hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Samenparameter. Die Autoren sehen als typisches Spermiogramm bei SCI normales Volumen und normale Zahl bei verminderter Beweglichkeit und Vitalität, wenigen normalen Formen und vielen Eiterzellen; als wahrscheinlichste Ursache nennen sie die erhöhte Skrotaltemperatur.

**Stärken.** Eine der wenigen klinischen Samenstudien aus dem arabischen Raum; Hodentemperatur und Hormone einbezogen. **Schwächen.** Keine gesunde Kontrollgruppe in der abgerufenen Zusammenfassung; gemischte Gewinnungsmethoden (die Methode beeinflusst die Samenqualität selbst); kleine Untergruppen; keine Konfidenzintervalle; die Streuung "± 0,1 %" bei der Beweglichkeit ist offensichtlich ein Schreib- oder Berechnungsfehler. Der Zusammenhang mit der Skrotaltemperatur ist korrelativ, nicht kausal belegt. **Einordnung.** Das Muster entspricht [s137] und [s169]; der Befund "kein Einfluss der Verletzungsdauer" deckt sich mit den Verlaufsstudien (siehe unten).

#### Naderi und Safarinejad 2003: Hormonprofile und Samenqualität (Teheran) [s169]

*Originaltitel:* Endocrine profiles and semen quality in spinal cord injured men

**Design.** Querschnittliche Fall-Kontroll-Studie mit 55 Männern mit SCI, 36 gesunden altersgleichen Freiwilligen und 34 nicht verletzten infertilen Männern. Gemessen wurden FSH, LH, Testosteron, Östradiol, Prolaktin, der LHRH-Stimulationstest, die Samenanalyse und das Hodenvolumen.

**Ergebnisse.** Acht SCI-Männer hatten niedriges basales LH, vier niedriges FSH, 16 erniedrigte Basalwerte beider Gonadotropine. Von den Männern mit niedrigen Gonadotropinen hatten neun niedriges Testosteron und sieben eine Hyperprolaktinämie. Östradiol war in allen Gruppen ähnlich. LH und FSH reagierten auf LHRH stärker als bei gesunden Kontrollen, signifikant aber nur bei SCI-Männern mit erniedrigten Basalwerten. Das Hodenvolumen unterschied sich nicht von den Kontrollen; das mittlere Ejakulatvolumen war niedriger (nicht signifikant). Spermienbeweglichkeit und Anteil normaler Formen waren gegenüber gesunden Kontrollen vermindert, nicht aber gegenüber infertilen Kontrollen. Nach dem Abstract hatten "51 % und 86 %" der SCI-Männer mindestens eine hormonelle Auffälligkeit beziehungsweise eine Störung der Achse (die Zuordnung der beiden Prozentwerte ist im Abstract nicht erklärt). Die Autoren schließen auf einen Hypogonadotropismus, wahrscheinlich durch gestörte neurale oder hormonelle Bahnen zwischen Hypothalamus und Hypophyse, der zur Beeinträchtigung der Samenqualität beitragen könne.

**Stärken.** Zwei Kontrollgruppen, dynamischer Hormontest. **Schwächen.** Querschnitt; Einschluss und Gewinnungsmethode im Abstract nicht beschrieben; keine Zahlenwerte der Spermienparameter. **Einordnung.** Die Beweglichkeitsminderung gegenüber Gesunden, aber nicht gegenüber infertilen Männern ohne SCI, zeigt, dass der Befund nicht SCI-spezifisch sein muss; er kann auch für andere Formen der Infertilität gelten.

#### Mikuriya et al. 1990: Fortpflanzungsfunktion bei SCI (Japan) [s190]

*Originaltitel:* [The male reproductive function in patients with spinal cord injury]. (deutsch: Die männliche Fortpflanzungsfunktion bei Patienten mit Rückenmarksverletzung)

Japanischsprachige Untersuchung aus dem Rehabilitationszentrum Kanagawa. Samenbefunde wurden bei 18 Patienten mit kompletter Verletzung, 5 mit inkompletter Verletzung und 3 mit "Dyspermatismus" erhoben (Gewinnung durch erzwungene Ejakulation). Die Spermienzahl blieb in allen drei Gruppen relativ hoch, die Beweglichkeit war in allen drei Gruppen vermindert; der Anteil missgebildeter Spermien war bei kompletter Verletzung am höchsten. Hormonuntersuchung (Radioimmunoassay) bei 27 Patienten im akuten und 47 im chronischen Stadium (ab drei Monaten nach Verletzung); bei 8 Patienten wurde im Verlauf nachuntersucht. FSH war in beiden Stadien niedrig, LH und Testosteron neigten im chronischen Stadium zu höheren Werten; Testosteron war bei allen acht Verlaufsfällen erhöht. Die Autoren schließen auf eine vorübergehende Störung der Leydig-Zellfunktion. **Schwächen:** keine Kontrollgruppe im Abstract, sehr kleine Gruppen, keine Zahlenwerte im Abstract. **Einordnung:** Als frühe japanische Beschreibung historisch wichtig; sie zeigt dasselbe Grundmuster (Zahl relativ hoch, Beweglichkeit vermindert) 1990 wie die späteren Studien. Der Befund erhöhter Testosteronwerte im chronischen Stadium widerspricht der später häufig berichteten Hypogonadotropie nicht zwingend, weil die Studien unterschiedliche Stadien und Kollektive betrachten.

#### Kaneko und Miyazaki 1993: Samengewinnung durch Elektrostimulation (Japan) [s188]

*Originaltitel:* [Study on semen collection from patients with anejaculation by electrostimulation]. (deutsch: Untersuchung zur Samengewinnung durch Elektrostimulation bei Patienten mit Anejakulation)

41 Patienten (40 mit SCI, einer mit Anejakulation nach radikaler Rektumoperation) erhielten Elektroejakulation nach Brindley und oder modifiziert nach Seager (bipolare Impulse statt Sinusstrom). Samenabgabe gelang bei 11 von 18 Patienten mit der Brindley-Technik und bei 24 von 29 mit der Seager-Technik; auch beim Patienten nach Rektumoperation wurde Samen gewonnen. Häufigste Komplikationen waren autonome Dysreflexie und Schmerz, nach Ende der Stimulation rasch abklingend; die Autoren halten das Verfahren daher für sicherer als die intrathekale Neostigmin-Injektion. Zur Samenqualität: Die Gesamtspermienzahl nahm mit zunehmendem Abstand von der Verletzung ab; auch im ersten Monat nach der Verletzung war die Beweglichkeit niedrig, was die Autoren als Hinweis auf eine frühe Funktionsstörung von Hoden und Nebenhoden deuten. **Schwächen:** keine Kontrollgruppe, Subgruppen überlappen (manche Patienten mit beiden Techniken), Zahlenwerte zur Spermienzahl nicht im Abstract. **Einordnung:** Die Aussage einer mit der Zeit abnehmenden Gesamtspermienzahl steht im Gegensatz zu den späteren Verlaufsstudien [s145, s175, s57]; mögliche Gründe (Querschnittsvergleich, Selektion, Technik) lassen sich anhand der Abstracts nicht klären.

#### Salsabili et al. 2006 und 2009: Chromatinreife, Zink und Kupfer (Teheran) [s163, s150]

*Originaltitel:* Correlation of sperm nuclear chromatin condensation staining method with semen parameters and sperm functional tests in patients with spinal cord injury, varicocele, and idiopathic infertility; Concentration of blood and seminal plasma elements and their relationships with semen parameters in men with spinal cord injury

Die vergleichende Querschnittsstudie von 2006 untersuchte 22 infertile Männer mit SCI, 20 mit Varikozele und 28 mit idiopathischer Infertilität mit Anilinblau-Färbung zur Chromatinreife. Der Gesamtscore war in allen Gruppen hoch (über 75 %, entsprechend Unreife), bei SCI aber höher (98 % gegenüber 89 % und 88 %; p < 0,01). Mittlere Beweglichkeit und Morphologie: SCI 15,5 % und 15 %, Varikozele 43 % und 15 %, idiopathisch 62,5 % und 54 %. Die Spermienzahlen lagen in allen Gruppen im Referenzbereich; die Chromatinreife korrelierte nicht mit dem Spermiogramm. Die Fall-Kontroll-Studie von 2009 (93 Männer mit SCI, 145 neurologisch Gesunde) fand, dass Zink und Kupfer im Samenplasma bei SCI mit der Spermienbeweglichkeit zusammenhingen (korrelativ, keine weiteren Zahlen im Abstract). **Schwächen:** kleine Gruppen, keine gesunde Kontrolle (2006), Selektion infertiler Männer; die Chromatinfärbung ist ein nicht klinisch validierter Zusatzmarker. **Einordnung:** Hinweise auf eine gestörte Kernreife bei SCI, die in anderen Gruppen unabhängig gefunden wurde (siehe DNA-Studien unten).

### Rückenmarksverletzung: Verlauf nach der Verletzung

Die Frage, ob sich die Samenqualität mit der Zeit nach der Verletzung verschlechtert, ist praktisch bedeutsam, weil sie den Zeitpunkt einer Fertilitätsprotektion berührt. Die verfügbaren Studien sind überwiegend querschnittlich oder auf Männer mit mehrfacher Teilnahme beschränkt.

#### Iremashvili et al. 2010: Längsschnittstudie [s145]

*Originaltitel:* Semen quality remains stable during the chronic phase of spinal cord injury: a longitudinal study.

**Design.** Longitudinale Auswertung von 87 Männern mit mindestens zwei Samengewinnungen im Abstand von mindestens 3 Jahren; verallgemeinertes gemischtes lineares Modell. Mittleres Alter 30,1 Jahre (Spanne 16 bis 48), mittlere Zeit seit Verletzung zum ersten Eingriff 7,1 Jahre (Spanne 1 bis 26). **Ergebnis.** Die Spermienkonzentration nahm leicht ab; alle anderen Parameter einschließlich der Gesamtspermienzahl blieben unverändert. Die Autoren schließen auf kein klinisch relevantes Fortschreiten in den Jahren nach der Verletzung. **Stärken.** Wiederholte Messungen derselben Männer. **Schwächen.** Selektion auf Männer mit mehrfacher Teilnahme; die frühe Phase nach der Verletzung ist nicht abgedeckt (im Mittel 7,1 Jahre nach der Verletzung beginnend); Miami-Datenbank, nicht unabhängig von [s137] und [s144].

#### Brackett et al. 1998: Nimmt die Samenqualität nach der Verletzung ab? [s175]

*Originaltitel:* Semen quality in spinal cord injured men: does it progressively decline postinjury?

Retrospektive Analyse querschnittlicher Daten; 638 Proben von 125 Männern mit Verletzungen zwischen 6 Wochen und 26 Jahren zurück; Gewinnung durch PVS, EEJ und Masturbation. **Ergebnis.** Kein Unterschied in Konzentration, Gesamtspermienzahl oder Beweglichkeit in Abhängigkeit von der Zeit seit der Verletzung (Intervalle von 2 Jahren). **Stärken.** Viele Proben. **Schwächen.** Querschnittsvergleich und keine echte Verlaufsbeobachtung; mehrere Proben desselben Mannes werden im Abstract nicht gesondert behandelt (Abhängigkeit der Messungen); Miami-Datenbank.

#### Chalas et al. 2022: Prospektive Pilotstudie über 18 Monate [s57]

*Originaltitel:* Prospective analysis over time of semen parameters in spinal cord-injured patients: Results of a pilot study.

**Design.** Prospektive longitudinale Pilotstudie über 18 Monate; 35 Männer mit SCI (Alter 18 bis 60 Jahre, mittleres Alter 29,4 ± 6,4); Samengewinnung alle 6 Monate (bis zu vier Ejakulate); Granulozyten und Elastase als Entzündungsmarker, Spermien-DNA-Fragmentation als Oxidationsstressmarker. **Ergebnisse.** Normale Gesamtspermienzahl, verminderte Beweglichkeit und Vitalität, vermehrte Formabweichungen; Rundzellen und Granulozyten im Mittel erhöht. Weder Entzündungs- noch Oxidationsstressmarker, Läsionshöhe oder -vollständigkeit, Alter oder Zeit seit der Verletzung hatten im Verlauf einen negativen Einfluss auf die Samenqualität; ein signifikanter Rückgang wurde nicht gesehen. Die Autoren sprechen von Pilotdaten. **Stärken.** Prospektiv, mehrere Messungen pro Person, Entzündungs- und Oxidationsmarker. **Schwächen.** Kleine Stichprobe, kurze Beobachtung; die Studie wurde zusätzlich über das französische Archiv HAL gefunden (kein eigenes Kollektiv). **Einordnung.** Unabhängig von der Miami-Datenbank, mit gleichem Ergebnis wie [s145] und [s175]: kein messbares Fortschreiten.

#### Celigoj et al. 2012: Verletzung vor der Pubertät [s136]

*Originaltitel:* Semen quality in men who sustained a spinal cord injury during the prepubertal period.

Retrospektive Chartanalyse von 533 Männern; 7 erfüllten das Kriterium einer traumatischen SCI mit höchstens 11,9 Jahren zum Zeitpunkt der Verletzung. Das Alter bei Verletzung lag zwischen 4,4 und 11,9 Jahren. Drei Männer mit Verletzung vor dem 9. Lebensjahr waren azoosperm; einer mit Verletzung im Alter von 10 Jahren hatte eine subnormale Gesamtspermienzahl; die mit 11,9 Jahren Verletzten hatten normale Gesamtspermienzahlen, vergleichbar mit im Erwachsenenalter Verletzten. In den meisten Ejakulaten mit Spermien war die Beweglichkeit subnormal und vergleichbar mit der Erwachsener. **Stärken.** Erste formale Auswertung dieser seltenen Untergruppe. **Schwächen.** Nur 7 Männer; keine Kontrollgruppe; Aussagen zum Alterseffekt sind rein deskriptiv.

#### Sønksen et al. 1999: Wiederholte Ejakulation über 12 Monate [s174]

*Originaltitel:* Effect of repeated ejaculation on semen quality in spinal cord injured men.

**Design.** Prospektive Studie mit 19 anejakulatorischen Männern; PVS mindestens einmal wöchentlich über 12 Monate (Amplitude 2,5 mm, 100 Hz), Samenanalyse zu Beginn und alle 3 Monate; bei 9 Männern einseitige Hodenbiopsie vor und nach 12 Monaten. **Ergebnis.** Normale Spermienzahlen bei niedriger Beweglichkeit zu Beginn; kein Parameter änderte sich über 12 Monate signifikant; alle Hormonwerte blieben im Normbereich. Von 9 Biopsien zeigten 6 (67 %) zu Beginn eine normale Spermatogenese, ohne überzeugende Veränderung danach. Die Autoren schließen, dass Stauung in den Samenwegen durch seltene Ejakulation nicht die Ursache der schlechten Samenqualität sei. **Stärken.** Biopsiedaten; regelmäßige Intervention. **Schwächen.** 19 Männer, keine Kontrollgruppe, Biopsien nur bei 9. **Einordnung.** Der Befund steht im Gegensatz zur Hypothese "alter" Spermien aus dem russischen Expertenprotokoll [s118] und zur Vermutung einer Ansammlung und eines Zerfalls von Spermien im unteren Nebenhodenende (Cauda epididymidis) bei [s84]; die Hypothesen sind mit den vorhandenen Daten nicht entschieden.

### Rückenmarksverletzung: Hormone

#### Bauman et al. 2016: Provokationstests der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse [s105]

*Originaltitel:* Provocative stimulation of the hypothalamic-pituitary-testicular axis in men with spinal cord injury.

**Design.** Prospektive Stimulationsstudie mit 30 gesunden Männern mit chronischer SCI (37 ± 10 Jahre) und 38 Kontrollen ohne Verletzung. 100 µg GnRH intravenös zur Prüfung der Gonadotropin-Freisetzung, 4000 IE hCG intramuskulär zur Prüfung der Testosteron-Sekretion. **Ergebnisse.** Der Anteil der Responder auf die GnRH-Stimulation war bei SCI ähnlich wie bei Kontrollen (FSH 22 Männer [73 %], LH 23 Männer [76 %]); die SCI-Responder hatten eine stärkere FSH-Antwort (p < 0,05), die LH-Fläche unter der Kurve war tendenziell größer (p = 0,06). Die Testosteronantwort auf hCG war in allen Gruppen ähnlich. Die Autoren sehen einen fehlenden hypothalamischen Antrieb der Gonadotropin-Freisetzung bei chronischer SCI. **Stärke.** Standardisierte Provokationstests. **Schwäche.** Samenparameter wurden nicht untersucht.

#### Bauman et al. 2017: hCG-Dosisabhängigkeit [s98]

*Originaltitel:* Testicular responses to hCG stimulation at varying doses in men with spinal cord injury.

Prospektive Studie mit 30 Männern mit chronischer SCI (Dauer über 1 Jahr; 16 eugonadal mit Testosteron über 12,1 nmol/l, 14 hypogonadal bis 12,1 nmol/l) und Männern ohne Verletzung (11 eugonadal, 27 hypogonadal); hCG in drei Dosen (400, 2000 und 4000 IE) an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Die mittlere Testosteronantwort unterschied sich zwischen SCI und Kontrollen nicht und war in allen Gruppen ausreichend. Die Autoren schließen, dass keine primäre testikuläre Störung vorliege, und stützen frühere Befunde einer sekundären testikulären Funktionsstörung bei der Mehrzahl der Männer mit SCI und niedrigem Testosteron. **Schwäche:** Fokus auf Testosteron, nicht auf Spermatogenese. **Einordnung beider Studien zusammen mit [s169]:** Sie sprechen für eine zentral (hypothalamisch-hypophysär) bedingte Komponente der gonadalen Störung bei SCI, belegen aber keine Beziehung zur Samenqualität. Der Befund fehlender primärer Hodenschädigung steht im Kontrast zu den histologischen und DNA-Befunden anderer Studien; der Widerspruch ist nicht aufgelöst.


### Rückenmarksverletzung: Entzündung, Oxidationsstress, DNA und Chromatin beim Menschen

Mehrere kleine Fall-Kontroll-Studien suchen nach den Gründen der verminderten Beweglichkeit. Sie sind Laborstudien an Samenproben, die Korrelationen und keine Ursachen belegen, und sie stammen zum Teil aus denselben Arbeitsgruppen.

#### Zhang et al. 2013: Inflammasom im Samen von Männern mit SCI [s131]

*Originaltitel:* Involvement of the inflammasome in abnormal semen quality of men with spinal cord injury.

**Design und Methodik.** Prospektive Fall-Kontroll-Laborstudie, je 28 Männer mit und ohne SCI. ELISA für Caspase-1, Interleukin (IL) 1β und IL-18 im Samenplasma, Western Blot für ASC (apoptosis-associated speck-like protein containing a caspase activation and recruitment domain) und Caspase-1 in Spermienfraktionen, Immunzytochemie. **Ergebnisse.** ASC, Caspase-1, IL-1β und IL-18 waren im Samenplasma der SCI-Gruppe gegenüber den Kontrollen erhöht; ASC und Caspase-1 auch in den Spermien. ASC lag im Akrosom, im Äquatorialsegment und im Mittelstück, Caspase-1 im Mittelstück. Nach Angabe der Autoren ist es der erste Nachweis von ASC im menschlichen Samen. **Stärken.** Gleich große Gruppen, mehrere Nachweisverfahren. **Schwächen.** Korrelation, kein Nachweis von Kausalität am Menschen; p-Werte stehen im Abstract nicht. **Einordnung.** Diese Befunde bilden die Grundlage der später am Menschen geprüften Hypothese, dass Entzündungsproteine die Beweglichkeit mindern [s119, s93]; nach den gemeinsamen Autoren gehört die Arbeit vermutlich zur Miami-Arbeitsgruppe.

#### Pacheco de Melo et al. 2025: Inflammasom-Proteine und Samenqualität [s33]

*Originaltitel:* Spinal cord injury and male infertility: Effect of the inflammasome proteins on semen quality.

Querschnittsstudie mit 8 Männern mit SCI und 8 Kontrollen: Inflammasom-Proteine waren erhöht; zusätzlich waren β-2-Mikroglobulin, Cystatin-S und zwei Biglycan-Isoformen erhöht. **Schwächen:** sehr kleine Gruppe, keine Zahlenwerte im Abstract. **Einordnung:** Bestätigt qualitativ [s131] in einer unabhängigen, aber sehr kleinen Stichprobe.

#### Da Silva et al. 2013: Proteom des Samenplasmas nach Gewinnungsverfahren [s127]

*Originaltitel:* Differential seminal plasma proteome according to semen retrieval in men with spinal cord injury.

Experimentelle Proteomstudie mit 12 SCI-Patienten (6 EEJ, 6 PVS) und 10 Kontrollen; 638 Proteine (MS^E) und 18 (2D-SDS-PAGE) wurden identifiziert. Prozesse zu Aktin, Muskelfunktion und Eisenhomöostase fanden sich nur in den EEJ- und PVS-Gruppen, die Antwort auf Wasserstoffperoxid und eine erhöhte Immunantwort nur in der PVS-Gruppe. **Schwächen:** sehr kleine Gruppen; Gewinnungsmethode mit Läsionsmerkmalen vermengt. **Einordnung:** Hypothesengenerierend.

#### Vargas-Baquero et al. 2020: Häufigkeit und Ursachen der Spermien-DNA-Fragmentation [s84]

*Originaltitel:* The incidence and etiology of sperm DNA fragmentation in the ejaculates of males with spinal cord injuries.

**Design.** Retrospektive deskriptive Studie (Toledo und Madrid) mit 27 Männern mit SCI (PVS), verglichen mit 10 normozoospermen fertilen Spendern. **Ergebnisse.** Männer mit SCI hatten schlechtere progressive Beweglichkeit (p = 0,0002), höhere Spermien-DNA-Fragmentation (p < 0,00005), höhere pro-oxidative Kapazität (p = 0,0191) und mehr Leukozytospermie (p < 0,00005). Keine signifikante Korrelation der Samenqualität mit der Zeit seit der Läsion; die Abstinenzzeit korrelierte positiv mit der DNA-Fragmentation (r = 0,486; p = 0,041). Bei zervikaler Läsion war die Spermienkonzentration höher als bei thorakaler (p = 0,0257); komplette Läsionen (AIS A) hatten geringere progressive Beweglichkeit als inkomplette (AIS B bis D; p = 0,0040). Die Autoren vermuten eine Ansammlung und einen Zerfall von Spermien im unteren Nebenhodenende (Cauda epididymidis). **Stärken.** Mehrere Parameter gleichzeitig. **Schwächen.** Nur 10 Kontrollen; retrospektiv; die Hypothese zur Ursache wurde nicht direkt geprüft. **Einordnung.** Der Befund einer positiven Korrelation der Abstinenzzeit mit der DNA-Fragmentation passt zur Hypothese der Alterung gespeicherter Spermien, ist aber mit r = 0,486 in einer kleinen Untergruppe nur ein Hinweis.

#### Gosálvez et al. 2022: Einzel- und Doppelstrangbrüche der Spermien-DNA [s59]

*Originaltitel:* Sperm DNA damage in men with spinal cord injury: the relative incidence of single- and double-strand DNA breaks.

**Design.** Fall-Kontroll-Laborstudie mit 20 Männern mit SCI und 27 normozoospermen Spendern; TwoTails-Comet-Assay zur Unterscheidung von Einzelstrang- (SSB) und Doppelstrangbrüchen (DSB); DNase-Aktivität im Samenplasma bei 15 Personen. **Ergebnisse.** Der Anteil DSB betrug bei SCI median 57,5 % gegenüber 4,6 % bei Normozoospermen (p = 0,000); der Anteil SSB war bei Normozoospermen höher (6,0 % gegenüber 2,5 %; p = 0,022). Das Verhältnis DSB zu SSB betrug bei SCI 3,3, bei Normozoospermen 0,9. Eine hohe DNase-Aktivität im Samenplasma der SCI-Gruppe wurde bestätigt. **Stärken.** Differenzierter DNA-Schadenstest. **Schwächen.** Kleine Gruppen; die Spender sind keine altersgleichen Männer ohne SCI mit gleichem Gewinnungsweg. **Einordnung.** Der Anteil von 57,5 % Doppelstrangbrüchen ist deutlich; die Vergleichsgruppe erlaubt aber nicht, den Anteil der SCI selbst vom Anteil des Gewinnungsverfahrens zu trennen.

#### Bartolomé-Nebreda et al. 2021: Zellfreie DNA und DNase im Ejakulat [s66]

*Originaltitel:* Free circulating DNA and DNase activity in the ejaculates of men with spinal cord injury.

Retrospektive deskriptive Laborstudie mit 15 Männern mit SCI und erhöhter DNA-Fragmentation gegenüber 15 Spendern: In allen SCI-Proben fand sich eine zellfreie DNA-Bande bei etwa 150 Basenpaaren (gelegentlich 90), bei den Spendern nicht; DNase im Samenplasma war aktiv, verdaute die DNA aber nicht. **Einordnung:** Rein deskriptiv, kleine Gruppen; in derselben spanischen Arbeitsgruppe wie [s84, s59].

#### Talebi et al. 2013: Chromatinkondensation, DNA-Integrität und Apoptose (Yazd) [s130]

*Originaltitel:* Sperm chromatin condensation, DNA integrity, and apoptosis in men with spinal cord injury

**Design.** Fall-Kontroll-Studie; 30 infertile Männer mit SCI und 30 gesunde Spender mit nachgewiesener Fertilität. Methoden: Anilinblau, Chromomycin A3, Toluidinblau, Acridinorange, TUNEL. **Ergebnisse.** Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie waren bei SCI signifikant vermindert (p < 0,05); die Anteile reaktiver Spermien in den Chromatin- und TUNEL-Tests waren signifikant erhöht (p < 0,05). Die meisten reaktiven Spermien lagen über dem Grenzwert. **Schwächen.** Nur infertile Männer mit SCI, daher keine Aussage zur Gesamtheit der Männer mit SCI; die Kontrollen sind selektierte Spender. **Einordnung.** Übereinstimmung mit [s84, s59] in der Richtung; aufgrund der Selektion überschätzt die Studie vermutlich den Anteil auffälliger Männer.

#### Qiu et al. 2012: Spermienqualität nach PVS und perkutaner Samenleiter-Aspiration; Aneuploidie [s139, s140]

*Originaltitel:* Quality of sperm obtained by penile vibratory stimulation and percutaneous vasal sperm aspiration in men with spinal cord injury.; Sperm chromosomal aneuploidy and DNA integrity of infertile men with anejaculation.

**Design (Journal of Andrology).** Vergleichende Laborstudie aus der Provinz Shandong: 12 infertile Männer mit SCI (perkutane Samenleiter-Aspiration, PVSA), 14 Männer mit SCI (PVS), 16 Spender. Hypoosmotischer Schwelltest (HOS), Chromatindispersionstest, TUNEL-Test und Mehrfarben-FISH für die Chromosomen 13, 18, 21, X und Y. **Ergebnisse.** Der Anteil beweglicher Spermien, normaler Morphologie, normaler HOS/Eosin-Färbung und die DNA-Fragmentierung unterschieden sich zwischen SCI und Kontrolle signifikant (p < 0,05 und p < 0,01). Die Vorwärtsbeweglichkeit war in der PVSA-Gruppe größer als in der PVS-Gruppe (p < 0,01), die DNA-Fragmentierung in der PVS-Gruppe höher als in der PVSA-Gruppe (p < 0,05). Rundzellen pro ml bei PVS: 1 bis 12 Millionen. Die Aneuploidieraten waren bei SCI für die Chromosomen 13, 18 und 21 um das 1,5- bis 1,6-Fache und für X und Y um das 2,3- bis 2,4-Fache erhöht (p < 0,001).

**Zweite Arbeit derselben Gruppe (Journal of Assisted Reproduction and Genetics).** 18 infertile Männer mit SCI (PVS) gegenüber 14 Männern mit psychogener Anejakulation (PVSA) bei denselben 16 Spendern. Beweglichkeit, normale Morphologie und DNA-Fragmentierung unterschieden sich zwischen SCI und Kontrolle signifikant (p < 0,05 und p < 0,01); die Beweglichkeit war in der psychogenen Gruppe höher als in der SCI-PVS-Gruppe (p < 0,01), die DNA-Fragmentierung der SCI-PVS-Gruppe höher (p < 0,05). Aneuploidie bei SCI: 2,4-fach erhöht für 13, 18 und 21, 2,2-fach erhöht für X und Y (p < 0,0001). Rundzellen: 1 bis 8 Millionen pro Milliliter. Die Autoren lassen offen, ob erhöhte Hodentemperatur, Harnwegsinfektion oder andere Faktoren ursächlich sind.

**Stärken.** Direkter Vergleich mit gesunden fertilen Spendern; mehrere unabhängige DNA-Tests; chromosomale Analyse mit FISH. **Schwächen.** Sehr kleine Gruppen; die beiden SCI-Gruppen unterscheiden sich im Gewinnungsverfahren, sodass Verfahren und Patientenmerkmale vermischt sind; in der zweiten Arbeit wurde die psychogene Vergleichsgruppe mit einem anderen Verfahren (PVSA) gewonnen als die SCI-Gruppe (PVS); Verletzungshöhe, -dauer und Alter sind im Abstract nicht angegeben. Die Kontrollen beider Arbeiten sind dieselben 16 Spender; die Ergebnisse sind keine voneinander unabhängigen Replikationen. **Einordnung.** Ob die höhere Aneuploidie nur der Selektion infertiler Männer zuzuschreiben ist, bleibt offen.

### Rückenmarksverletzung: Antikörper gegen Spermien

#### Dahlberg und Hovatta 1989 [s191] und Beretta et al. 1993 [s187]

*Originaltitel:* Anejaculation following spinal cord injury does not induce sperm-agglutinating antibodies.; [Anti-sperm antibodies in dysspermia in spinal cord injury patients]. (Antispermien-Antikörper bei Dysspermie von Patienten mit Rückenmarksverletzung)

Dahlberg und Hovatta untersuchten in einer Querschnittsstudie 16 Männer mit SCI auf Antispermien-Antikörper (MAR-Test, Agglutinationstest). Alle hatten Anejakulation ohne Hilfsmittel; sieben ejakulierten extern durch Vibrator oder EEJ, sieben hatten retrograde Ejakulation, bei zweien wurde kein Samen gewonnen. Die Spermiendichte im externen Ejakulat betrug durchschnittlich 405 × 10^6/ml bei 10 bis 45 % Beweglichkeit. Kein Mann hatte Antispermien-Antikörper, auch nicht bei bis zu 30 Jahren Dauer; die Autoren schließen, dass Anejakulation und Spermienretention keine Antikörperbildung auslösen. Beretta und Mitarbeiter (italienisch, 1993) untersuchten zwei Gruppen anejakulatorischer Männer mit SCI, 16 ohne und 13 mit klinischer und laborchemischer Harnwegsinfektion. Spermienantikörper fanden sich bei 12 % der ersten und bei 38 % der zweiten Gruppe; die Autoren weisen auf widersprüchliche Berichte hin. **Einordnung:** Die Befunde stehen im Gegensatz zueinander; der Unterschied könnte mit Infektionsstatus, Testverfahren und Ejakulationsform zusammenhängen, was die Abstracts nicht klären. Prozentwerte bei 16 und 13 Männern entsprechen etwa 2 und 5 Personen; Konfidenzintervalle sind nicht berichtet und wären sehr breit.

### Rückenmarksverletzung: Kryokonservierung

#### Krebs et al. 2015: Spermienqualität nach langer Kryolagerung [s113]

*Originaltitel:* Cross-sectional study of the sperm quality in semen samples from spinal cord injured men after long-term cryopreservation.

**Design.** Querschnittsstudie an der Samenbank einer Rehabilitationsklinik; 28 Proben von 16 Männern mit SCI, vor und median 11 Jahre nach der Kryokonservierung (95 % CI 7 bis 13 Jahre). **Ergebnisse.** Vor dem Einfrieren: Ejakulatvolumen Median 1,7 ml (95 % CI 1 bis 3), Spermienkonzentration Median 106 × 10^6/ml (95 % CI 82 bis 132 × 10^6), Gesamtbeweglichkeit 19 % (95 % CI 13 bis 22), Vitalität 27 % (95 % CI 19 bis 45). Nach dem Auftauen sank die Gesamtbeweglichkeit auf 2,5 % (95 % CI 0 bis 4; p < 0,0001) und die Vitalität auf 7 % (95 % CI 6 bis 13; p < 0,0001). Kein Unterschied zwischen früh (bis 3 Wochen) und später gewonnenen Proben (p = 0,75); komplette SCI verminderte die Vitalität frischer Proben (p < 0,0001), Tetraplegie die Vitalität vor und die Beweglichkeit nach dem Einfrieren (p < 0,035). **Stärken.** Lange Lagerzeit, Konfidenzintervalle. **Schwächen.** Kleine Zahl; Vorher-Nachher-Vergleich ohne Kontrollgruppe ohne SCI; mehrere Proben pro Mann (28 Proben von 16 Männern). **Einordnung.** Der Befund, dass früh nach der Verletzung (bis 3 Wochen) gewonnene Proben nicht besser waren als spätere, stützt die Verlaufsstudien ohne Verschlechterung [s145, s175, s57].

#### Da Silva et al. 2010: Ist Kryokonservierung bei SCI-bedingter Anejakulation eine Option? [s142]

*Originaltitel:* Is sperm cryopreservation an option for fertility preservation in patients with spinal cord injury-induced anejaculation?

Prospektive kontrollierte Studie mit Männern mit und ohne SCI-bedingte Anejakulation (Fallzahlen im Abstract nicht genannt); Kryokonservierung im Test-Eigelb-Puffer; Comet-Assay (DNA-Fragmentation) und Mitochondrienaktivität. Vor dem Einfrieren gab es keine Unterschiede bei Konzentration und Gesamtzahl; bei SCI waren Ejakulatvolumen und Morphologie geringer, Rundzellen und Neutrophile häufiger. In beiden Gruppen führte das Einfrieren zu mehr DNA-Fragmentation, geringerer Mitochondrienaktivität und geringerer Beweglichkeit, wobei der Beweglichkeitsrückgang in der Kontrollgruppe größer war. Die Schäden seien bei SCI nicht größer gewesen als bei Kontrollen. **Einordnung:** Im Gegensatz zur Vermutung, Spermien von Männern mit SCI vertrügen das Einfrieren schlechter [s147], zeigt diese Studie keinen größeren Kryoschaden; die Fallzahlen sind im Abstract nicht genannt, eine Gewichtung ist daher nicht möglich.

#### Reignier et al. 2018 und Bechoua et al. 2013: Kryokonservierte Spermien und ART-Ergebnis [s94, s125]

*Originaltitel:* Sperm cryopreservation and assisted reproductive technology outcome in patients with spinal cord injury.; Outcomes with intracytoplasmic sperm injection of cryopreserved sperm from men with spinal cord injury.

Reignier und Mitarbeiter: retrospektive Kohorte; 78 Männer mit SCI, überwiesen zur Spermakryokonservierung 1998 bis 2013; Vergleichsgruppe alle ICSI-Zyklen der IVF-Einheit 2009 bis 2014. Gewinnung: 37 EEJ, 37 PVS, 4 chirurgisch. Niedriges Ejakulatvolumen bei 33 %, Oligozoospermie bei 37 %; bei 77 Männern bewegliche Spermien, die eingefroren wurden. Kein Unterschied der frischen Parameter zwischen den Gewinnungsgruppen. 20 Männer erhielten ICSI mit fünf Lebendgeburten, 4 eine intrauterine Insemination. Fazit der Autoren: Ergebnisse mit aufgetauten Spermien vergleichbar mit der infertilen Vergleichspopulation. **Stärken:** Vergleich mit Referenzgruppe. **Schwächen:** kleine Zahl behandelter Paare, retrospektiv; die Arbeit wurde auch als HAL-Eintrag gefunden. Bechoua und Mitarbeiter (Dijon): retrospektive Kohorte über 17 Jahre (1995 bis 2011), 19 Männer (6 Tetraplegiker, 13 Paraplegiker, mittleres Alter 25,2 ± 5,6 Jahre); zehn mit antegradem Ejakulat (PVS bei 9, Geschlechtsverkehr bei 1), neun mit chirurgischer Gewinnung. Befruchtungsraten 57 % und 55 %, Teilungsraten 90 % und 93 %. Von 8 Paaren mit ICSI wurden 5 schwanger; Schwangerschaftsrate pro Paar 50 % (antegrad) und 75 % (chirurgisch). Die Autoren halten die Verwendung eingefrorener Spermien in sehr speziellen Situationen für gerechtfertigt. **Schwäche:** sehr kleine Zahlen, Literaturvergleich nur narrativ. **Einordnung:** Beide Studien zeigen, dass aufgetaute Spermien in Einzelfällen zu Lebendgeburten führten; sie liefern wegen der kleinen Zahlen keine belastbaren Raten.

### Rückenmarksverletzung: Sexual- und Ejakulationsfunktion ohne Samenanalyse

Diese Studien betreffen die Voraussetzung der Samengewinnung, nicht die Samenqualität.

#### López García-Moreno 2013: Rückenmarksverletzung als Risikofaktor für sexuelle Dysfunktion (Salamanca) [s129]

*Originaltitel:* La lesión medular como factor de riesgo de disfunción sexual en el varón (Die Rückenmarksverletzung als Risikofaktor für sexuelle Funktionsstörung beim Mann)

**Design.** Doktorarbeit, Fall-Kontroll-Studie mit 187 Männern, die wegen sexueller Dysfunktion urologisch beurteilt wurden. Fälle: Erwachsene mit traumatischer Rückenmarksverletzung seit mehr als einem Jahr; Kontrollen: Erwachsene mit sexueller Dysfunktion seit mehr als einem Jahr ohne Auffälligkeit der sakralen Metamere. Anamnese, Fragebögen zu Sexualfunktion, Angst, Depression, Selbstwert, Penis-Doppler und neurophysiologische Untersuchungen. **Ergebnisse laut Abstract.** Das Alter war in der Kontrollgruppe signifikant höher; Männer mit SCI hatten signifikant häufiger Ejakulationsstörungen, die Kontrollen häufiger verminderte Lust, erektile Dysfunktion und vorzeitige Ejakulation; die Kontrollen hatten höhere Angst- und Depressionswerte; die systolische Spitzengeschwindigkeit in beiden Penisarterien war bei SCI signifikant höher. Fazit: Außer Ejakulations- und Orgasmusstörungen war sexuelle Dysfunktion in der Kontrollgruppe häufiger. **Schwächen.** Doktorarbeit; die Kontrollgruppe hat anderes Alter und eine eigene Dysfunktion. **Einordnung.** Belegt die Häufigkeit von Ejakulationsstörungen bei SCI, nicht Spermienparameter.

#### Hadiji et al. 2013: Läsion des Conus medullaris, 90 Patienten (französischsprachig) [s128]

*Originaltitel:* [Evaluation of the management of erectile and ejaculatory dysfunction in a series of 90 patients with spinal cord injuries]. (Bewertung der Behandlung von Erektions- und Ejakulationsstörungen in einer Serie von 90 Patienten mit Rückenmarksverletzung)

Retrospektive monozentrische Studie mit 90 Patienten mit Läsion des Conus medullaris (komplette Läsion der sakralen Segmente S2 bis S4). IIEF-15, Erektionsbewertung, Behandlungsversuche mit Prostaglandin E1, PDE5-Hemmern und Papaverin bei 77 von 90 (85,55 %); PVS (teils mit Midodrin) bei 74 von 90 (82,22 %) mit systematischer Spermiensuche im Urin. Das Ansprechen auf PGE1 und PDE5-Hemmer betrug 81,63 % beziehungsweise 30,76 %; die Kombination aus Vibrationsmassage und Midodrin verbesserte die Ejakulation in 52,63 % der Fälle; ein Orgasmus fehlte bei allen. **Schwächen.** Ejakulationsergebnis nicht nach Samenqualität aufgeschlüsselt; deskriptive Auswertung. **Einordnung.** Zeigt, dass bei Läsion der sakralen Segmente die Ejakulation nur in etwa der Hälfte der behandelten Fälle verbessert wurde, entsprechend dem Befund der Metaanalyse, dass eine komplette S2-S4-Läsion die rhythmisch-kräftige Ejakulation ausschließt [s126].

#### Morrison et al. 2017: Sexual- und Fertilitätsstörungen bei Männern mit SCI in Jamaika [s101]

*Originaltitel:* Evaluation of sexual and fertility dysfunction in spinal cord-injured men in Jamaica.

Querschnittsstudie mit 45 Männern mit traumatischer SCI. Erektile Dysfunktion 90,7 %; 73,3 % ohne Ejakulationsmöglichkeit; 71,1 % mit Kinderwunsch; niemand wurde an assistierte Reproduktion überwiesen. **Einordnung:** Die Studie betrifft die Versorgungslage, nicht die Samenqualität; sie zeigt eine Versorgungslücke im Zugang zur assistierten Reproduktion.

#### Li et al. 2026 [s11] und Gao et al. 2025 [s28]: Erholung der Sexualfunktion nach Wirbelsäulenverletzung (Peking)

*Originaltitel:* Multidimensional predictive factor analysis of sexual function prognosis in male patients following cord injury without fracture or dislocation.; Effect and prognosis of thoracolumbar fracture combined with incomplete spinal cord injury on male sexual function.

Li und Mitarbeiter: retrospektive Kohortenstudie, 187 Männer mit zervikaler Rückenmarksverletzung ohne Fraktur oder Luxation, operiert mit posteriorer Laminoplastik; Nachbeobachtung nach 3 Monaten, 2 Jahren und zum Schluss (Median 57 Monate). Erhoben wurden ASIA-Skala, IIEF-5, PEDT und das ISCI-MSF Basic Data Set; radiologisch das minimale und mediane Torg-Pavlov-Verhältnis (TPRmin, TPRmedian), die Rückenmarkskompressionsrate und hohe Rückenmarkssignale (HCS) im MRT. Ausgangsbefund: 97,3 % Erektionsstörung, 86,6 % Ejakulationsstörung. Nach 2 Jahren verbesserte sich der mittlere IIEF-5 von 10,24 auf 16,20 (p < 0,05); 72,7 % hatten normale oder leicht eingeschränkte Erektionsfunktion (p < 0,05). Die Ejakulationskontrolle normalisierte sich bei 87,7 % (mittlerer PEDT von 10,73 auf 4,54; p < 0,05). Korrelationen der Erholung (Spearman): ASIA-Grad vor der Operation ρ = -0,700 bis -0,754, Zeit bis zur Operation ρ = -0,402 bis -0,372, HCS ρ = -0,325 bis -0,341, TPRmin ρ = 0,716 bis 0,772, TPRmedian ρ = 0,690 bis 0,746, Kompressionsrate ρ = -0,707 bis -0,752 (alle p < 0,001). Gao und Mitarbeiter (dieselbe Klinik): 117 Männer mit Brust- oder Lendenwirbelfraktur und inkompletter SCI; IIEF-5 vor der Verletzung 19,5 ± 6,4, nach der Verletzung 8,7 ± 8,0; PEDT vor der Verletzung 5,3 ± 3,1, danach 6,9 ± 5,2; nach zwei Jahren IIEF-5 17,5 ± 7,1 und PEDT 6,4 ± 5,1; etwa 70 % erreichten nach zwei Jahren wieder das Vorverletzungsniveau der Sexualfunktion. **Stärken.** Große Kohorte (Li), lange Nachbeobachtung, validierte Instrumente, bildgebende Prädiktoren. **Schwächen.** Retrospektiv, ein Zentrum, nur operierte Patienten, keine Samenanalyse; der Abstract unterscheidet nicht, ob "Ejakulationsstörung" vorzeitige Ejakulation (PEDT misst diese) oder Anejakulation meint, sodass die Aussage zur "Normalisierung der Ejakulationskontrolle" nicht auf die Fähigkeit zur Samengewinnung übertragbar ist; der "Wert vor der Verletzung" in Gao et al. ist eine rückblickende Angabe. Beide Studien stammen aus derselben Abteilung und sind komplementär, nicht unabhängig. **Einordnung.** Zeigt, dass bei inkompletten Läsionen und früher Operation die Sexualfunktion häufig zurückkehrt; für die Samenqualität folgt daraus nichts.


### Rückenmarksverletzung: Verfahren der Samengewinnung

Welches Verfahren angewandt wird, bestimmt zugleich, welche Samenqualität gemessen wird. Die folgenden Studien liefern Gewinnungsraten und Merkmale der Proben.

#### Chong et al. 2017: Drei PVS-Methoden im Cross-over [s100]

*Originaltitel:* Comparison of three methods of penile vibratory stimulation for semen retrieval in men with spinal cord injury.

Prospektive Cross-over-Studie mit 15 Männern mit SCI, drei PVS-Methoden (ein FertiCare-Gerät; Glans zwischen zwei FertiCare-Geräten; Glans zwischen den beiden Vibrationsflächen des Viberect-X3). Die Ejakulationsraten waren bei allen Methoden hoch; die Latenz war mit dem Viberect-X3 signifikant länger, und er wurde von den Teilnehmern schlechter bewertet; zwischen den ersten beiden Methoden bestand kein Unterschied. Zahlenwerte stehen im Abstract nicht. **Stärke:** Cross-over-Design. **Schwäche:** nur 15 Männer.

#### Alisseril et al. 2021: Vorhersage der Ejakulation durch Vibrator [s65]

*Originaltitel:* Clinical Predictors of Vibrator-Assisted Ejaculation following Spinal Cord Injury: A Prospective Observational Study.

Prospektive Beobachtungsstudie mit 23 Männern mit Paraplegie (mittleres Alter 33,2 ± 6,8 Jahre), zwei PVS-Versuche mit einem Hochamplituden-Vibrator; logistische Regression mit neurologischer Höhe, Reflexen und somatischen Reaktionen. Alle vier Männer mit neurologischer Höhe oberhalb Th9 ejakulierten; von den klinischen Parametern war nur das Auftreten somatischer Reaktionen während PVS statistisch signifikant (p = 0,02). **Schwäche:** sehr kleine Zahl; nur Paraplegiker.

#### Soler et al. 2016: Ejakulationsdyssynergie [s111]

*Originaltitel:* Evidence of a new pattern of ejaculation in men with spinal cord injury: ejaculation dyssynergia and implications for fertility.

Prospektive Beobachtungsstudie mit 33 Männern mit Anejakulation bei sexueller Stimulation; PVS nach Blasenkatheterisierung mit Pufferlösung (Ferticult), danach Katheter in die Harnröhre und anschließend Blase. 42 Versuche bei 22 Patienten. In 21 Proben (50 %) von 12 Patienten (11 mit SCI, 1 mit Diabetes) fanden sich Spermien in der prostatischen Harnröhre; die Beweglichkeit war in 8 Proben größer, die Zahl in 10 höher als in den Blasenproben; 10 Proben aus der Harnröhre konnten eingefroren werden gegenüber 5 aus der Blase. Vier von fünf wiederholt untersuchten Patienten hatten ein reproduzierbares Muster. Die Autoren sprechen von "Ejakulationsdyssynergie". **Stärke:** neues, reproduzierbares Phänomen. **Schwäche:** kleine Stichprobe; keine Schwangerschaftsergebnisse. **Einordnung:** Das Phänomen deutet darauf hin, dass ein Teil der "fehlenden" Spermien nicht fehlt, sondern an anderer Stelle des Harntrakts vorliegt; es ergänzt die Diagnostik der retrograden Ejakulation [s52].

#### Saito et al. 1999: Wirkung elektrischer Stimulation auf menschliche Spermien in vitro [s173]

*Originaltitel:* Direct and indirect effects of electrical stimulation on the motility of human sperm.

In-vitro-Untersuchung an menschlichen Ejakulat- und gewaschenen Spermienproben (Probenzahl im Abstract nicht genannt) zur Frage, ob elektrische Stimulation Spermien schädigt, relevant für die Elektroejakulation bei SCI. Unter monopolarer Impulsstimulation sanken Beweglichkeitsrate und Geschwindigkeit der Spermien in Elektrodennähe mit steigender Impulszahl und Stromstärke, trotz niedriger Spannung; in der Mitte zwischen den Elektroden änderte sich nichts. Bei extrem hoher Spannung (mehr als 80 V pro 2 mm) standen die Spermien unabhängig vom Ort still. Bei Nachbildung der klinischen rektalen Sonden-Elektroejakulation (Sinusstrom, 50 V pro 10 mm, 60 Sekunden) änderte sich die Beweglichkeit der Spermien außerhalb des Elektrodenbereichs nicht. Die Autoren schließen, die klinische Elektroejakulation scheine die Beweglichkeit nicht zu beeinträchtigen. **Stärke.** Kontrollierte Laborbedingungen mit computergestützter Samenanalyse. **Schwäche.** Probenzahl im Abstract nicht genannt; ein Modell, das die Verhältnisse im Körper nicht vollständig abbildet. **Einordnung.** Falls die Elektrode die Spermien nicht schädigt, ist die niedrigere Beweglichkeit nach EEJ [s137] nicht dem Strom, sondern der Läsion oder dem Gewinnungsweg zuzuschreiben; diese Schlussfolgerung beruht aber auf einem Laborversuch.

#### Arafa et al. 2007: Prostatamassage zur Samengewinnung (Kairo) [s158]

*Originaltitel:* Prostatic massage: a simple method of semen retrieval in men with spinal cord injury

Prospektive klinische Serie mit 69 Männern mit SCI; Prostatamassage als Versuch der Samengewinnung, Hormonbestimmung (FSH, LH, Prolaktin, Testosteron). Gruppe A: Spermien gewonnen; Gruppe B: keine Spermien. Prostatasekret ließ sich bei 51 Männern (73,9 %) gewinnen, bei 18 nicht. Spermien wurden nur bei 22 Männern (31,9 %) gewonnen. Das Ejakulat dieser 22 zeigte eine Asthenoteratozoospermie mit verminderter Vitalität und vermehrten Leukozyten. Die Gewinnung gelang bei Verletzungen oberhalb von Th10 signifikant häufiger. **Bewertung.** Die Arbeit sagt mehr über die Gewinnung als über die Qualität; die Qualitätsaussage bezieht sich auf eine ausgewählte Teilgruppe (nur Männer, bei denen die Massage Spermien lieferte). Zahlen zu Beweglichkeit oder Morphologie nennt der Abstract nicht.

#### Momose et al. 1995 [s183] und Yamamoto et al. 1997 [s180]: Elektroejakulation in Japan

*Originaltitel:* Electroejaculation in patients with spinal cord injury: first report of a large-scale experience from Japan.; [Electroejaculation and assisted reproductive techniques in the patients with spinal cord injury]. (deutsch: Elektroejakulation und assistierte Reproduktionstechniken bei Patienten mit Rückenmarksverletzung)

Momose und Mitarbeiter: erste großangelegte japanische Serie mit rektaler Sondenstimulation (Gerät nach Seager); 328 Versuche bei 53 Patienten im Alter von 19 bis 47 Jahren, 1 bis 38 Jahre nach der Verletzung. Antegrade Ejakulation bei 46 Patienten (86,8 %). Bei Patienten mit Blasenlähmung vom Typ "oberes Motoneuron" erzielten 93 % eine antegrade Ejakulation, beim Typ "unteres Motoneuron" 63,6 % (p < 0,05). Die Samenanalyse zeigte eine Beweglichkeit von nur 17,2 %. Künstliche Insemination mit dem Samen des Ehemanns (AIH) wurde in 54 Versuchen bei 11 Ehefrauen durchgeführt; es kam zu zwei dokumentierten Geburten. Yamamoto und Mitarbeiter (japanischsprachig): 69 Patienten (14 zervikal, 49 thorakal, 6 lumbal; mittleres Alter 30 Jahre, mittleres Intervall seit Verletzung 9 Jahre) mit Seager-Gerät. Antegrade Ejakulation bei 60 Patienten (86,9 %); bei Patienten mit unteraktiver Blase nur 58,3 %. Ejakulatvolumen 0,05 bis 5,2 ml (Mittel 1,0 ml); Spermienkonzentration 0 bis 546 Millionen/ml (Mittel 40,3 Millionen/ml); Beweglichkeit 0 bis 70 % (Mittel 9,4 %). Assistierte Reproduktion in 87 Anwendungen (AIH 80, IVF 2, ICSI 5) bei 15 Paaren; es entstanden 4 Schwangerschaften (AIH 2, ICSI 2) mit 3 gesunden Lebendgeburten. **Stärken.** Für die Zeit große Serien. **Schwächen.** Keine Vergleichsgruppe; Beweglichkeit nur als Durchschnittswert; die Schwangerschaftsrate je Versuch ist aus den Abstracts nicht berechenbar; beide Serien stammen aus derselben Urologie-Arbeitsgruppe, Patienten können in mehreren Berichten vorkommen. **Einordnung.** Die mittlere Beweglichkeit der durch Elektroejakulation gewonnenen Proben liegt in beiden Serien (17,2 % und 9,4 %) im Bereich der EEJ-Gruppe von Kathiresan (15,0 %) [s137]; zusammen mit den Befunden aus Kairo [s159] ergibt sich ein über Länder und Jahrzehnte konsistentes Bild.

#### Hibi et al. 2008, Komiya et al. 2004 und Shieh et al. 2003: Serien aus Japan und Taiwan [s153, s168, s170]

*Originaltitel:* Retrograde vasal sperm aspiration in anejaculatory patients with spinal cord injury.; [Clinical results of infertility treatment to male patients with spinal cord injury]. (deutsch: Klinische Ergebnisse der Infertilitätsbehandlung bei männlichen Patienten mit Rückenmarksverletzung); A protocol of electroejaculation and systematic assisted reproductive technology achieved high efficiency and efficacy for pregnancy for anejaculatory men with spinal cord injury.

Hibi und Mitarbeiter: retrograde Vasalspermien-Aspiration bei acht Patienten mit neurogener Anejakulation nach SCI (2004 bis 2007), elf Eingriffe unter Lokalanästhesie mit Samenstrangblock. Bei allen Patienten wurden ausreichend bewegliche Spermien gewonnen und für ICSI kryokonserviert; klinische Schwangerschaften bei acht Paaren (zwei laufende, sechs Geburten gesunder Kinder; die Bezugsgröße ist im Abstract nicht eindeutig). Komiya und Mitarbeiter (japanischsprachig): 16 Männer mit SCI, behandelt 1994 bis 2002; Spermiengewinnung per Elektroejakulation oder TESE; AIH, IVF und ICSI. 14 Schwangerschaften bei 10 Paaren, 11 gesunde Lebendgeburten bei 7 Paaren, 4 Fehlgeburten; zwei Partnerinnen noch schwanger. Zwischen erfolgreicher und erfolgloser Gruppe bestand kein auffälliger Unterschied in Spermienkonzentration und -beweglichkeit; das Durchschnittsalter der schwanger gewordenen Partnerinnen war etwas niedriger. Shieh und Mitarbeiter (Taiwan): prospektive klinische Studie mit 10 infertilen Männern mit SCI (1995 bis 2001); Elektroejakulation führte zur Samenabgabe; je nach Samenbefund IUI, ICSI, chirurgische Gewinnung, Kryokonservierung oder Spendersamen. Ein Paar wurde nach der zweiten EEJ-Behandlung mit IUI schwanger; sieben Paare erhielten 8 ICSI-Zyklen (4 mit frischen Elektroejakulaten, 2 mit kryokonservierten Proben, 2 mit kryokonservierten Proben und Pentoxifyllin). 7 klinische Schwangerschaften (88 %), 2 endeten mit einer Fehlgeburt; ein Paar wurde mit ICSI aus kryokonservierten Vasalspermien schwanger, ein weiteres mit Spendersamen. Kumulative Schwangerschaftsrate je Paar 80 % (8 von 10). Befruchtungs- und Schwangerschaftsraten der ICSI-Zyklen mit Spermien von SCI-Männern seien mit denen von Männern ohne SCI vergleichbar gewesen. **Schwächen.** Nur zehn bis sechzehn Männer pro Serie; keine statistischen Tests für die Vergleiche im Abstract von Shieh; Fallserien ohne Kontrollgruppe.

#### Korneev und Zasseev 2017 und Judovskij et al. 1995: Retrograde Ejakulation und Anejakulation in Russland [s104, s184]

*Originaltitel:* Преодоление бесплодия у мужчин с ретроградной эякуляцией и анэякуляцией (deutsch: Überwindung der Infertilität bei Männern mit retrograder Ejakulation und Anejakulation); Анэякуляция: этиология и патогенез, классификация, клинические аспекты (deutsch: Anejakulation: Ätiologie und Pathogenese, Klassifikation, klinische Aspekte)

Korneev und Zasseev: retrospektive Einzelzentrum-Serie aus Sankt Petersburg (1998 bis 2013) mit 82 Männern (Alter 35 ± 15 Jahre) aus unfruchtbaren Ehen mit Ejakulationsstörung: retrograde Ejakulation bei 54 (66 %), Anejakulation bei 28 (34 %). Retrograde Ejakulation entstand am häufigsten bei Diabetes mellitus, seltener nach endoskopischen Operationen am Blasenhals; bei der Mehrzahl der Männer mit Aspermie war die Ursache eine traumatische Rückenmarksverletzung; hinzu kamen psychogene Aspermie und zwei Männer mit primärer idiopathischer Aspermie. Spermiengewinnung aus Urin nach Orgasmus (nach Alkalisierung) bei retrograder Ejakulation; bei Anejakulation ohne verwertbare Spermien im Urin perkutane Aspiration aus Nebenhoden oder Hoden (PESA/TESA); danach IVF mit ICSI. Bei 48 der 54 Männer mit retrograder Ejakulation (89 %) fanden sich lebende, bewegliche Spermien im Urin; bei 6 (11 %) waren Zahl und Qualität im Urin unzureichend, bei ihnen gelang durch PESA/TESA bei allen eine Gewinnung; Schwangerschaftsrate pro Transfer 52 %. Bei den Männern mit Aspermie gelang die Gewinnung durch PESA/TESA bei allen, die Schwangerschaftsrate pro Transfer betrug 50 %. **Schwächen.** Retrospektiv; keine Aufschlüsselung nach SCI und Diabetes; keine Konfidenzintervalle; keine Samenparameter in Zahlen; die Raten beziehen sich auf Transfers, und die Zahl der Transfers ist im abgerufenen Text nicht genannt. Judovskij, Segal und Puzin (1995): historische Fallserie mit 43 Patienten mit Anejakulation (1983 bis 1993, Semaschko-Institut); häufigste Ursachen Operationen an Prostata und Blasenhals (25,6 %) und Diabetes mellitus (18,6 %); Erscheinungsformen: retrograde Ejakulation (51,2 %), gestörte Emission in die Harnröhre (27,9 %) und Aspermie (20,9 %); als führende pathogenetische Faktoren werden periphere Neuropathie, chirurgische Schädigung des inneren Blasenschließmuskels und psychosexuelle Störungen genannt. **Schwächen:** sehr kleine Zahl, keine Samenparameter, kein Kontrollkollektiv. **Einordnung:** Beide zeigen, dass im russischsprachigen Raum die Ejakulationsstörung selbst, nicht die Samenqualität, im Mittelpunkt steht.

### Rückenmarksverletzung: Ergebnisse assistierter Reproduktion

Diese Studien sind Beobachtungsstudien zu Gewinnungsraten und Behandlungsergebnissen. Sie erlauben keinen Rückschluss auf die Fertilität ohne Behandlung, und Fertilitätskliniken berichten tendenziell Erfolgsserien.

#### Sønksen et al. 1997: Schwangerschaften nach assistierter Ejakulation [s179]

*Originaltitel:* Pregnancy after assisted ejaculation procedures in men with spinal cord injury.

Retrospektive Analyse von 28 anejakulatorischen Männern mit SCI. Alle konnten ejakulieren, 79 % durch PVS und 21 % durch EEJ. Gesamtspermienzahl median 65 Mio. (Spanne 0,1 bis 480), Beweglichkeit median 13 % (1 bis 60 %). 9 von 28 Paaren (32 %) erreichten 10 Schwangerschaften (4 Selbstinsemination, 3 intrauterine Insemination, 1 IVF, 2 ICSI). **Einordnung:** Frühe Serie; der Nenner "28 Männer" bezieht sich auf alle Behandelten, nicht auf Paare, die eine Schwangerschaft anstrebten; keine Konfidenzintervalle.

#### Hultling et al. 1997: Assistierte Ejakulation und IVF (Schweden) [s178]

*Originaltitel:* Assisted ejaculation and in-vitro fertilization in the treatment of infertile spinal cord-injured men: the role of intracytoplasmic sperm injection.

Longitudinale deskriptive Studie mit 25 Paaren, 52 Zyklen, 81 Eizellentnahmen, 47 Embryotransfers. Die Gesamtspermienzahlen waren sehr variabel (0,01 bis 978 × 10^6). Befruchtungsrate vor ICSI 30 %, mit ICSI 88 %. Kein Zusammenhang der Schwangerschaftsrate mit Spermienzahl, Läsionshöhe oder Befruchtungstechnik. 16 klinische Schwangerschaften, 11 Geburten; kumulative Schwangerschaftsrate pro Paar 56 %. **Einordnung:** Die Zahl von 30 % Befruchtung vor ICSI gegenüber 88 % mit ICSI legt nahe, dass die Spermienfunktion bei klassischer IVF eingeschränkt ist; Details der Gruppen und der Vergleichbarkeit stehen im Abstract nicht.

#### Engin-Üstün et al. 2006: Drei Gewinnungsverfahren bei SCI (Ankara) [s161]

*Originaltitel:* Comparison of three sperm retrieval techniques in spinal cord-injured men: pregnancy outcome.

Retrospektive Kohorte; 44 Männer mit Paraplegie durch Minen- und Schussverletzungen, 1998 bis 2005: 8 EEJ, 26 TESE, 10 Prostatamassage. Acht Einlingsschwangerschaften (2, 4 und 2). Die Lebendgeburtenrate unterschied sich nicht signifikant zwischen den Verfahren. **Schwächen.** Spezielle Population (Kriegsverletzungen), kleine Gruppen, keine Konfidenzintervalle, keine Samenparameter; der Vergleich ist unterpowert und belegt keine Gleichwertigkeit.

#### Kanto et al. 2009: Frische Hodenspermien bei SCI (Japan) [s147]

*Originaltitel:* Fresh testicular sperm retrieved from men with spinal cord injury retains equal fecundity to that from men with obstructive azoospermia via intracytoplasmic sperm injection.

Retrospektive Studie mit 22 Paaren mit SCI. TESE-Spermien bei 19 von 22 (86 %); Befruchtungsrate 236 von 364 (65 %); von 19 Paaren erreichten 14 insgesamt 18 Schwangerschaften mit 22 Kindern (Schwangerschaftsrate pro Paar 74 %, pro ICSI 54 %). Kein Unterschied zur Gruppe mit obstruktiver Azoospermie bei der ersten ICSI (je 68 %). Die Schwangerschaftsrate pro ICSI mit frischen Hodenspermien war bei SCI signifikant höher als mit eingefrorenen (64 % gegenüber 25 %), bei obstruktiver Azoospermie nicht (76 % gegenüber 63 %). Die Autoren vermuten, dass Hodenspermien von Männern mit SCI das Einfrieren schlechter vertragen. **Stärken.** Direkter Vergleich mit einer Kontrollgruppe; Aufschlüsselung nach frischen und aufgetauten Spermien. **Schwächen.** Retrospektiv; kleine Fallzahl; Unterschiede der frischen und aufgetauten Gruppe können durch Zyklusmerkmale (Alter der Partnerin, Zeitpunkt) beeinflusst sein; die Angaben "14 Einlinge und 4 Zwillinge" im Abstract ergeben 22 Kinder und sind damit konsistent. **Einordnung.** Der Befund steht im Gegensatz zu [s142], wo kein größerer Kryoschaden bei SCI gefunden wurde; die Studien messen aber Verschiedenes (Schwangerschaftsrate gegenüber Laborparametern).

#### Iwahata et al. 2016: TESE bei SCI-bedingter Anejakulation (Dokkyo, Japan) [s108]

*Originaltitel:* Testicular sperm extraction for patients with spinal cord injury-related anejaculation: A single-center experience.

Retrospektive Einzelzentrum-Kohorte mit 52 Männern. Spermiengewinnung bei 42 von 52 (80,7 %); ICSI bei 37 mit Schwangerschaft bei 32 (86,5 %); Baby-take-home-Rate 70,2 %. Bei erfolgreicher Extraktion waren Hodenvolumen größer, die Zeit seit der Verletzung kürzer und LH und FSH niedriger; FSH hatte die stärkste Assoziation. Bei Verletzung vor höchstens 12 Jahren war die Gewinnungsrate signifikant besser (p = 0,045). **Stärken.** Vergleichsweise große Serie; Hormon- und Volumenparameter erfasst. **Schwächen.** Retrospektiv, keine Kontrollgruppe; die Zeit seit der Verletzung ist mit dem Alter verknüpft und im Abstract nicht adjustiert; der p-Wert von 0,045 liegt nahe der Signifikanzgrenze. Die Autoren empfehlen eine frühe TESE (Aussage der Studie, nicht dieses Kapitels).

#### Morelli et al. 2025: Zeit seit der Verletzung und Spermiengewinnungsrate (Italien) [s31]

*Originaltitel:* Does the time from spinal cord injury affect the sperm retrieval rate in testicular sperm extraction? A multicenter cross-sectional study.

Multizentrische Querschnittsstudie aus vier italienischen Zentren, 2011 bis 2021; 32 Personen mit Tetraplegie und 75 mit Paraplegie, 107 TESE-Eingriffe, medianes Alter 33 Jahre (IQR 29 bis 38), mediane Zeit seit Verletzung 9 Jahre (IQR 3 bis 14). Spermiengewinnungsrate 81,3 %. 33 von 87 Patienten erhielten ICSI, 63,6 % wurden nach einem Zyklus schwanger, die endgültige Lebendgeburtenrate betrug 90,5 %. In der logistischen Regression war die Gewinnungsrate nicht von der Zeit seit der Verletzung abhängig (stetig oder kategorial). **Stärken.** Mehrere Zentren; Regressionsanalyse. **Schwächen.** Querschnitt; Selektion auf Männer mit TESE. **Einordnung.** Der Befund widerspricht Iwahata et al. [s108] (Zeiteffekt mit Schwelle bei 12 Jahren); mögliche Erklärungen sind Unterschiede bei Auswahl und Stichprobe, die Abstracts klären das nicht. Die Zeit seit der Verletzung als Prädiktor der TESE-Ausbeute ist damit nicht gesichert.

#### Cito et al. 2020: Reproduktionsergebnisse bei SCI gegenüber idiopathischer Infertilität (Italien) [s77]

*Originaltitel:* Reproductive Outcomes in Infertile Men With Spinal Cord Injury (SCI): A Retrospective Case-Control Analysis.

**Design.** Retrospektive monozentrische Fall-Kontroll-Studie; 53 Paare mit SCI und 140 Paare mit idiopathischer männlicher Infertilität, 210 frische IVF/ICSI-Zyklen. Die Patienten mit SCI erhielten zunächst PVS, bei Nichtansprechen Elektroejakulation, danach wurde TESA angeboten. **Ergebnisse.** Ejakulatvolumen median 1,5 ml gegenüber 3,1 ml (p < 0,01); Spermienkonzentration und Gesamtzahl waren bei SCI höher; progressive Beweglichkeit 5,0 % gegenüber 35,0 % (p < 0,01); normale Befruchtung 46,0 % gegenüber 71,0 % (p < 0,01); Gesamtbefruchtungsrate 50,0 % gegenüber 75 %. Eine Tendenz zu höherer Schwangerschaftsrate pro Zyklus bei den Kontrollen (31,4 % gegenüber 21,4 %) und Lebendgeburtenrate (27,1 % gegenüber 20,0 %) war nicht signifikant; ebenso wenig die Fehlgeburtsrate. **Stärken.** Direkter Vergleich mit Kontrollgruppe; Zyklen als Einheit. **Schwächen.** Die Kontrollgruppe hat eine andere Infertilitätsursache; keine Angabe zur Anpassung für weibliche Faktoren im Abstract; die Zyklen derselben Paare sind nicht unabhängig. **Einordnung.** Die Beweglichkeit (5 % gegenüber 35 %) und die Befruchtungsrate sind bei SCI deutlich geringer, die Lebendgeburtenrate pro Zyklus aber nicht signifikant verschieden; bei 210 Zyklen ist die Studie für den Nachweis kleiner Unterschiede nicht ausreichend gepowert.

#### Čehić et al. 2025: SCI gegenüber obstruktiver Azoospermie  [s24]

*Originaltitel:* Reproductive characteristics and success rate of intracytoplasmic sperm microinjection in spinal cord injury infertile men: Retrospective cohort study.

Retrospektive Kohorte mit 156 infertilen Paaren mit Azoospermie des Mannes: 82 Männer mit SCI (TESA, kryokonservierte Spermien, ICSI) und 74 mit obstruktiver Azoospermie. Die Spermienqualität war bei SCI schlechter, aber nicht signifikant; der Zenica- und der Johnsen-Score zeigten schlechtere Befunde bei SCI (p = 0,001 und p = 0,000). Keine signifikanten Unterschiede bei Embryozahl (p = 0,698), Schwangerschaftsrate pro Zyklus (p = 0,979), pro Embryotransfer, klinischer Schwangerschaftsrate pro Transfer (p = 0,987) und Geburtenrate pro Transfer (p = 0,804). **Einordnung.** Histologisch schlechtere Befunde bei vergleichbaren Behandlungsergebnissen; der Abstract nennt keine weiteren Merkmale der Paare.

#### Haghdani et al. 2026: ICSI mit Spermien aus Elektroejakulation oder TESE (Iran) [s09]

*Originaltitel:* Comparison of intracytoplasmic sperm injection outcomes in men with spinal cord injury using sperm retrieved by electroejaculation and testicular sperm extraction methods: A retrospective cohort study

Retrospektive Kohorte 2017 bis 2023; 37 Männer mit SCI, 18 EEJ-Zyklen und 36 TESE-Zyklen. Insgesamt 21 (38,8 %) chemische und 19 (35,18 %) klinische Schwangerschaften, Lebendgeburtenrate 20,3 %. Keine Unterschiede EEJ gegenüber TESE: chemische Schwangerschaft 44,4 % gegenüber 36,1 % (p = 0,55), klinische 33,3 % gegenüber 36,1 % (p = 0,89), Lebendgeburt 22,2 % gegenüber 19,4 % (p = 0,81). **Schwächen.** Auswertung pro Zyklus bei nur 37 Männern (Mehrfachzyklen pro Person); die Fallzahl reicht nicht, um Gleichwertigkeit zu belegen.

#### Makino et al. 2026: Nebenhoden-Spermienaspiration (Japan) [s13]

*Originaltitel:* Cauda epididymal sperm aspiration as a novel approach for spinal cord injury associated male infertility.

Retrospektive Kohorte, 69 Männer mit kompletter Lähmung der unteren Körperhälfte und Anejakulation (Fukuoka, 2010 bis 2023), Nebenhoden-Spermienaspiration aus dem Cauda epididymidis (CESA). Spermien in 42 Fällen (60,9 %). FSH median 4,6 mIU/ml bei Erfolg gegenüber 12,9 mIU/ml bei Misserfolg; FSH war der stärkste Prädiktor, ROC-Grenzwert 5,95 mIU/ml. Bei erfolgreicher Gewinnung median 32 Mio./ml Konzentration, Beweglichkeit 56 %. Bei 35 Männern mit ART: 56 klinische Schwangerschaften und 45 Lebendgeburten in 146 Transferzyklen. Registriert bei UMIN (UMIN000055045). **Stärken.** Aktuelle, vergleichsweise große Serie; Registrierung. **Schwächen.** Retrospektiv, ein privates Zentrum, Selektion (Männer mit Zugang zur ART); die Schwangerschaftszahl je Paar ist aus dem Abstract nicht ableitbar (56 Schwangerschaften bei 35 Männern bedeutet, dass mehrere je Paar gezählt wurden); der Median der Konzentration beschreibt nur die erfolgreichen Fälle. **Einordnung.** Der Zusammenhang niedrigerer FSH-Werte mit Erfolg findet sich auch bei Iwahata [s108] (andere Kohorte aus Japan); zwei Studien aus demselben Land mit derselben Tendenz, aber keine unabhängige Replikation aus anderen Ländern.

#### Deng und Zhang 2026: Testikuläre Spermien gegenüber Urinspermien bei kompletter retrograder Ejakulation [s03]

*Originaltitel:* Clinical outcomes of in vitro fertilization using testicular sperm versus urinary-recovered sperm in men with complete retrograde ejaculation: A single-center, retrospective, comparative study.

Retrospektive Vergleichsstudie mit 23 Männern mit kompletter retrograder Ejakulation (nicht ausschließlich neurogen): 14 mit Hodenspermien (TS), 9 mit Spermien aus dem Urin (URS). TS gegenüber URS: Befruchtung 86,11 % gegenüber 72,84 % (p = 0,022); hochwertige Embryonen 29,03 % gegenüber 13,79 % (p = 0,043); klinische Schwangerschaft 60,87 % gegenüber 27,78 % (p = 0,048); Lebendgeburt 52,17 % gegenüber 16,67 % (p = 0,017). **Schwächen.** Kleine Gruppen; Ursachen nicht auf Neurologie begrenzt; viele Vergleiche bei Gruppengrößen von 14 und 9. **Einordnung.** Alle genannten p-Werte liegen unter 0,05, drei davon knapp (0,043 bis 0,048); ohne Angaben zur Mehrfachtestung ist die Aussage mit Vorsicht zu lesen. Die Studie steht hier, weil retrograde Ejakulation bei Diabetes und SCI vorkommt.

#### Wei et al. 2025: TESA und ICSI bei hoher Paraplegie (Zhejiang) [s43]

*Originaltitel:* Nursing support for testicular sperm aspiration and intracytoplasmic sperm injection in patients with high paraplegia: a retrospective case series.

Retrospektive Fallserie mit 9 Männern mit hoher Paraplegie (mittleres Alter 31,89 ± 4,83 Jahre, Verletzungsdauer 1 bis 13 Jahre); TESA mit anschließender ICSI (Januar 2021 bis Oktober 2023). Lebensfähige Spermien wurden bei allen neun ohne Komplikationen gewonnen; acht Paare setzten die ICSI fort, bei allen entstanden lebensfähige Embryonen. Sechs Paare (66,7 %) erreichten Schwangerschaft und Lebendgeburt; ein Fall endete mit einer Fehlgeburt durch Trauma; ein Paar hatte keine übertragbaren Embryonen. Psychologische Skalen: drei Patienten mit Angst, vier mit Depression, die meisten mit mäßiger bis hoher sozialer Unterstützung; WHOQOL-BREF 82 bis 91. Die Autoren sehen in der umfassenden Pflege einen Erfolgsfaktor (Aussage der Studie). **Schwächen.** Neun Fälle, kein Vergleich, der Pflegeeffekt ist nicht gemessen.

### Rückenmarksverletzung: Prospektive und retrospektive Studien mit therapeutischem Eingriff

Die folgenden Arbeiten sind keine reinen Beobachtungsstudien, weil eine Behandlung gegeben wurde. Sie werden hier knapp im Befund wiedergegeben, weil sie Samenparameter berichten; eine Empfehlung ist damit nicht verbunden. Randomisierte Studien sind als solche gekennzeichnet.

**Ibrahim et al. 2018 [s93]: Probenecid.** Prospektive einarmige Kohortenstudie, 20 Männer mit SCI. Probenecid für 4 Wochen (250 mg zweimal täglich in Woche 1, danach 500 mg zweimal täglich), Samenanalyse vor, nach der Behandlung und 4 Wochen später. Die Beweglichkeit verbesserte sich bei jedem Teilnehmer; progressive Beweglichkeit im Mittel von 19 % auf 26 % (p < 0,05), schnelle lineare Beweglichkeit von 5 % auf 17 % (p < 0,001); die Verbesserung hielt in der Nachbeobachtung an. Gesamtzahl beweglicher Spermien: 15 Mio. vor, 28 Mio. nach, 27 Mio. in der Nachbeobachtung; die Konzentration blieb unverändert (52, 53 und 53 Mio.). Probenecid, ein Hemmstoff des Pannexin-1-Kanals, wurde gut vertragen. **Schwächen:** kein Placebo, keine Randomisierung, keine Fertilitätsendpunkte. **Camargo et al. 2021 [s68]:** Prospektive Studie mit 9 Männern mit SCI unter Probenecid (4 Wochen); Proteomik des Samenplasmas: 783 Proteine, 17 nahmen ab, 6 zu; hypothesengenerierend. *Originaltitel:* Oral probenecid improves sperm motility in men with spinal cord injury.; Proteomic insight of seminal plasma in spinal cord injured men submitted to oral probenecid treatment for improved motility.

**Ibrahim et al. 2014 [s119]: Neutralisierung von ASC in vitro.** Prospektive In-vitro-Untersuchung an Samenproben von 32 Männern mit SCI; unbehandelte Proben gegenüber Proben mit Anti-ASC-Antikörper, IgG als Kontrolle. Die mittlere Spermienbeweglichkeit stieg von 11,5 % (95 % CI 6,3 bis 16,7) auf 18,3 % (95 % CI 11,8 bis 24,8); der Effekt war am deutlichsten in der Untergruppe mit Ausgangsbeweglichkeit 6 bis 40 % (von 13,3 % [95 % CI 9,3 bis 17,3] auf 23,9 % [95 % CI 14,7 bis 23,0]; die obere Grenze steht im abgerufenen Abstract so und liegt unter dem Mittelwert, was ein Fehler der Quelle sein dürfte). IgG änderte die Beweglichkeit nicht; die Gesamtzahl beweglicher Spermien nahm zu. **Interessenkonflikt:** Zwei Autoren halten ein Patent zur Behandlung von Entzündung nach ZNS-Verletzung mit Antikörpern gegen Inflammasom-Proteine. **Schwächen:** In-vitro-Versuch, kleine Zahl. *Originaltitel:* Neutralization of ASC improves sperm motility in men with spinal cord injury.

**Leduc et al. 2015 [s115]: Midodrin bei SCI-bedingter Anejakulation, randomisiert.** Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie. Von 78 angesprochenen Männern mit SCI-bedingter Anejakulation (Läsion oberhalb Th10, über 1 Jahr) wurden 23 (Läsionshöhe C4 bis Th9) randomisiert, 20 schlossen ab (je 10 in den Midodrin- und Placebogruppen). Ejakulation bei 1 Teilnehmer der Midodringruppe und bei 2 der Placebogruppe. Autonome Dysreflexie unter PVS trat bei drei Patienten auf. Die Autoren sehen keine bessere Rate antegrader Ejakulation mit Midodrin. **Einordnung:** Die einzige randomisierte placebokontrollierte Studie zur Anejakulation bei SCI in der Sammlung; für eine sichere Aussage viel zu klein. *Originaltitel:* Midodrine in patients with spinal cord injury and anejaculation: A double-blind randomized placebo-controlled pilot study.

**Safarinejad 2009 [s149]: Midodrin bei organischer Anejakulation ohne SCI, randomisiert.** Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n = 128 (je 64). Placebo: bei niemandem Ejakulation; Midodrin: antegrad bei 18 (29,5 %), retrograd bei 8 (13,1 %) und antegrad plus retrograd bei 9 (14,8 %) (alle p = 0,01); das beste Ansprechen hatten Patienten mit MS, das schlechteste Patienten mit beidseitiger Sympathektomie; 4 Teilnehmer (6,3 %) brachen wegen Nebenwirkungen ab. **Einordnung:** Die Studie belegt keine Wirkung bei SCI; die Prozentangaben beziehen sich auf 61 Patienten der Auswertung, die Gruppengrößen pro Ursache nennt der Abstract nicht. *Originaltitel:* Midodrine for the treatment of organic anejaculation but not spinal cord injury: a prospective randomized placebo-controlled double-blind clinical study

**Caremel et al. 2012 [s135]: Botulinumtoxin in die Blasenwand.** Retrospektive Fallserie, 11 Männer mit kompletter Läsion von C5 bis Th6 mit Ejakulationstests vor und nach der Injektion. Kein Patient behielt eine natürliche Ejakulation; nach der Behandlung nahm die retrograde Ejakulation (Vibrostimulation) in 46 % zu, das Samenvolumen in 77 % ab (von durchschnittlich 1,8 ml auf 1 ml). Die Samenqualität war leicht verbessert: Beweglichkeit in 67 %, Vitalität in 50 %, Samenkultur in 43 % verbessert. **Schwächen:** 11 Männer, keine Kontrollgruppe; der Mechanismus (Ausbreitung des Toxins, weniger Harnwegskontamination) ist nur gedeutet. *Originaltitel:* Side effects of intradetrusor botulinum toxin injections on ejaculation and fertility in men with spinal cord injury: preliminary findings.

**Okada et al. 2021 [s72]: Mirabegron.** Vergleichende Studie, 30 Patienten mit SCI (20 bis 48 Jahre), alle mit TESE; 10 hatten Mirabegron 50 mg/Tag über mehr als 2 Jahre, 20 weder Anticholinergika noch Mirabegron. Kein Unterschied in der Spermiengewinnungsrate (p = 0,083); histologisch hatten die Mirabegron-Patienten eine bessere Spermatogenese (p < 0,05). Die Autoren schließen, die therapeutische Dosis habe die Spermatogenese nicht geschädigt. **Schwächen:** nicht randomisiert; nur Männer, die ohnehin eine TESE hatten; die bessere Histologie kann auf Unterschiede in Verletzungsdauer und -höhe beruhen, die im Abstract nicht angegeben sind. *Originaltitel:* Does mirabegron deteriorate spermatogenesis? A lesson from spinal cord injury cases.


### Multiple Sklerose: humane Studien

Für die Multiple Sklerose gibt es eine einzige ältere Studie mit Samenanalyse und Hormontests bei erwachsenen Männern, zwei kleine prospektive Studien mit Spermiogramm unter krankheitsmodifizierender Therapie sowie mehrere Hormon- und Sexualfunktionsstudien. Aus Japan, Korea, Russland und der Türkei wurde keine Studie mit eigenen Samenanalysen bei MS-Patienten gefunden [s49, s55, s96, s95].

#### Safarinejad 2008: Endokrines Profil, Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse und Samenqualität bei MS (Teheran) [s156]

*Originaltitel:* Evaluation of endocrine profile, hypothalamic-pituitary-testis axis and semen quality in multiple sclerosis

**Design.** Fall-Kontroll-Studie mit 68 Männern mit MS (18 Jahre und älter) und 48 altersgleichen gesunden Kontrollen. Zwei Blutproben im Abstand von 15 Minuten (LH, FSH, Prolaktin, Testosteron, Östradiol, SHBG), GnRH- und hCG-Test zur Beurteilung der Achse, Samenanalyse. **Ergebnisse.** Die basalen Serumspiegel für LH, FSH und Testosteron lagen bei MS-Patienten signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,01); nach GnRH-Analogon stiegen FSH und LH bei MS nicht signifikant an (die Angabe "p = 0,001" ist im Abstract nicht eindeutig zugeordnet). Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen waren bei MS niedriger als bei Kontrollen. Patienten mit progredientem Verlauf hatten stärkere und häufigere Störungen der Achse als solche mit schubförmig-remittierender MS. Die Autoren schließen auf einen hypogonadotropen Hypogonadismus mit Fertilitätsbeeinträchtigung, mit Schäden auf hypophysärer und testikulärer Ebene.

**Stärken.** Umfangreiche Endokrinologie mit Stimulationstests, Kontrollgruppe; die einzige gefundene klinische Studie mit Samenanalyse bei einem größeren MS-Kollektiv. **Schwächen.** Der Abstract gibt keine Zahlenwerte der Spermiogrammparameter, keine Konfidenzintervalle und keine Angaben zu Medikation (Immuntherapien, Steroide), Krankheitsdauer oder Abstinenzzeit; Einzelzentrum; derselbe Autor wie bei der SCI-Studie von 2003 [s169]; eine unabhängige Replikation fehlt.

**Einordnung.** Ein ausgeprägter Befund (verminderte Gesamtzahl, Beweglichkeit und Normalformen sowie Hypogonadotropie) steht gegen die späteren Studien ohne Unterschied [s78, s69] und gegen die überwiegend normalen Gesamttestosteronwerte [s16, s58, s96]. Unterschiede in Krankheitsdauer, Therapie, Krankheitsform und Einschlusskriterien kommen als Ursachen infrage; die Abstracts erlauben keinen Schluss, welche Studie die Verhältnisse besser abbildet.

#### D'Amico et al. 2020: Gonadensteroide und Spermienqualität bei RRMS (Catania) [s78]

*Originaltitel:* Gonadal Steroids and Sperm Quality in a Cohort of Relapsing Remitting Multiple Sclerosis: A Case-Control Study.

**Design.** Prospektive Fall-Kontroll-Studie. Eingeschlossen waren Männer von 18 bis 55 Jahren mit gesicherter schubförmig remittierender MS (RRMS), die noch keine krankheitsmodifizierende Therapie (DMT) hatten; 38 von 41 Patienten wurden ausgewertet (Alter 40,3 ± 12,3 Jahre); die Kontrollen stammten aus dem Andrologiezentrum. Messung zur Diagnose und 12 Monate nach der ersten DMT. **Ergebnisse.** Keine Unterschiede in Gonadensteroiden oder Spermienparametern, außer dem freien Testosteron, das bei RRMS-Patienten niedriger war (Median 0,09 gegenüber 1,4; p < 0,0001; im Abstract ohne Einheit). Keine Korrelation mit Behinderungsgrad oder Krankheitsaktivität; nach 12 Monaten DMT kein Unterschied zum Ausgangswert. Die Autoren schließen, RRMS beeinträchtige die Fertilität möglicherweise nicht. **Stärken.** Prospektiv, Kontrollgruppe, DMT-naive Männer, Verlauf unter Therapie. **Schwächen.** Kleine Stichprobe; Einheit des freien Testosterons fehlt im Abstract; die Kontrollen sind Männer, die ein Andrologiezentrum aufgesucht haben (mögliche Selektion mit Fertilitätsproblemen); die Aussage "keine Beeinträchtigung" ist bei dieser Stichprobengröße vorsichtig zu lesen, weil das Fehlen eines signifikanten Unterschieds kein Beleg für Gleichheit ist.

#### D'Amico et al. 2021: Natalizumab und Ocrelizumab [s69]

*Originaltitel:* Male fertility in relapsing-remitting multiple sclerosis patients treated with natalizumab and ocrelizumab: A prospective case-control study.

Prospektive Fall-Kontroll-Studie mit 16 Männern mit RRMS unter Natalizumab oder Ocrelizumab und 16 gematchten gesunden Kontrollen; Gonadensteroide und Spermienparameter bei der Diagnose und nach 12 Monaten Therapie. Kein Unterschied zu den Kontrollen zu beiden Zeitpunkten. Die Autoren sehen keinen Einfluss der beiden Medikamente auf die Fertilität in dieser Kohorte. **Schwächen.** 16 Männer, ein Jahr Beobachtung, gleiche Arbeitsgruppe wie [s78]; eine Überlappung der Teilnehmer ist im Abstract nicht ausgeschlossen.

#### Rościszewska-Żukowska et al. 2026: Testosteron bei RRMS [s16]

*Originaltitel:* Testosterone in Relapsing-Remitting Multiple Sclerosis: A Case-Control Study.

Fall-Kontroll-Studie mit 126 Männern mit RRMS unter DMT (18 bis 67 Jahre) und 35 Kontrollen. Spermienparameter nennt der Abstract nicht. 118 (93,6 %) hatten normales Gesamttestosteron; niedriges Gesamttestosteron fand sich nur bei 2 (1,6 %) der MS-Patienten und 2 (5,7 %) der Kontrollen; niedriges freies Testosteron bei 53 (43,7 %) der MS-Patienten und 12 (34,3 %) der Kontrollen; bei unter 38-jährigen MS-Patienten war das freie Testosteron signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,015). Längere Krankheitsdauer (11,83 Jahre) war mit niedrigem freien Testosteron assoziiert (OR 1,19; 95 % CI 1,06 bis 1,35; p = 0,004); die Zahl der Steroidbehandlungen ebenfalls (p = 0,003). Kein Zusammenhang mit EDSS, MRT-Befunden oder DMT-Typ. **Stärken.** Vergleichsweise große MS-Gruppe, Konfidenzintervall für den Hauptprädiktor. **Schwächen.** Nur 35 Kontrollen; keine Samenanalyse; der Unterschied beim freien Testosteron (43,7 % gegenüber 34,3 %) wird nur in der Altersuntergruppe signifikant, was auf eine Subgruppenanalyse hindeutet; die Prozentwerte (zum Beispiel 53 von 126 = 42,1 %) weichen vom Abstract (43,7 %) ab, vermutlich wegen eines anderen Nenners; dies ist nicht aufklärbar.

#### Diaconu et al. 2022: Hypogonadismus bei MS [s58]

*Originaltitel:* Hypogonadism in men with multiple sclerosis: Prevalence and clinical associations.

Querschnittsstudie; 64 Männer mit MS wurden mit einem klinischen Instrument gescreent; 50 (78 %) hatten ein positives Ergebnis, 46 wurden mit Morgen-Testosteron untersucht, davon 5 unter der Normgrenze. Testosteron korrelierte außer mit dem Körpergewicht (BMI) weder mit demografischen noch mit Krankheitsparametern und sagte weder EDSS- noch T25-FW-Progression noch MRT-Aktivität voraus. Spermien: nicht untersucht. **Einordnung.** 5 von 46 mit niedrigem Testosteron (etwa 11 %, eigene Berechnung) steht im Gegensatz zu Safarinejad [s156]; der Screening-Anteil von 78 % bezeichnet Symptome und nicht gemessenen Hypogonadismus.

#### Burdin et al. 2018: Hypophysen- und Hodenhormone bei MS mit erektiler Dysfunktion (Moskau) [s96]

*Originaltitel:* Гормональная функция гипофиза и яичек при эректильной дисфункции у больных рассеянным склерозом (deutsch: Hormonfunktion von Hypophyse und Hoden bei erektiler Dysfunktion von Patienten mit Multipler Sklerose)

**Design.** Querschnittsvergleich: 32 MS-Patienten mit leichtem neurologischem Defizit (EDSS 0 bis 2; Gruppe 1) und 20 mit mäßigem Defizit (EDSS 2,5 bis 5; Gruppe 2); Kontrollen: 28 gesunde Männer (23 bis 47 Jahre) und 37 Männer (21 bis 46 Jahre) mit funktionellen Sexualstörungen. LH, FSH, Testosteron und Prolaktin im Serum (Radioimmunoassay). **Ergebnisse.** Kontrollmittelwerte: LH 7,005 ± 0,653 IE/l, FSH 8,011 ± 1,723 IE/l, Testosteron 2,839 ± 0,390 µg/l, Prolaktin 148,0 ± 20,84 µIE/ml. In Gruppe 1 lagen die Hormone im Normbereich, LH, FSH und Prolaktin am oberen, Testosteron am unteren Rand; LH (8,146 ± 0,584 IE/l) und FSH (8,141 ± 1,505 IE/l) waren statistisch signifikant erhöht, aber nach Angabe der Autoren weniger stark als in Gruppe 2 (für diese Gruppe stehen im abgerufenen Text keine Mittelwerte). Prolaktin lag in Gruppe 1 signifikant über dem Wert der Gesunden und der Gruppe 2. Nur bei drei Patienten der Gruppe 2 fanden sich niedriges Testosteron und erhöhtes LH. Ein "pathologischer" Hormonbefund bei MS wurde insgesamt nicht gesehen; der Testosteronspiegel wich nicht signifikant von den Kontrollen ab. **Stärken.** Eine der wenigen Hormonstudien bei MS-Männern aus Russland; zwei Schweregradgruppen; zwei Kontrollgruppen. **Schwächen.** Keine Samenanalyse; Auswahl wegen erektiler Dysfunktion; keine Konfidenzintervalle. **Einordnung.** Der Befund (LH und FSH erhöht, nicht erniedrigt) widerspricht dem hypogonadotropen Befund von Safarinejad [s156]; der Unterschied kann mit der Auswahl (Männer mit erektiler Dysfunktion) und mit Laborverfahren zusammenhängen.

#### Barnaulov 2014: Phytotherapie bei MS und anderen neurologischen Erkrankungen [s124]

*Originaltitel:* Положительный гонадотропный эффект фитотерапии больных рассеянным склерозом и другими заболеваниями неврологического профиля (deutsch: Positiver gonadotroper Effekt der Phytotherapie bei Patienten mit Multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen)

Anekdotische Einzelfallberichte über Kräutermischungen bei Männern mit verminderter Potenz; die einzige Samenangabe lautet, bei einem Ehemann einer schwer erkrankten Patientin sei "das Spermiogramm ohne Pathologie" gewesen. Es gibt keine Zahlen, keine Kontrollgruppe und keine standardisierte Erhebung. **Einordnung:** Die Arbeit belegt weder einen Zusammenhang zwischen MS und Samenqualität noch eine Wirkung der genannten Mischungen; sie wird nur wegen ihrer Zugehörigkeit zum russischsprachigen Fachdiskurs aufgeführt.

#### Uca et al. 2018: Sexuelle Dysfunktion bei Männern mit MS (Türkei) [s95]

*Originaltitel:* Multipl Sklerozlu Erkek Hastalarda Cinsel Disfonksiyonun Değerlendirilmesi (deutsch: Beurteilung der sexuellen Dysfunktion bei männlichen Patienten mit Multipler Sklerose)

Fall-Kontroll-Querschnittsstudie mit 61 Männern mit MS und 60 gesunden Männern; EDSS, Beck-Depressionsskala (BDI), visuelle Analogskala für Schmerz (VAS), IIEF, SF-36. Eingeteilt wurden 45 Patienten mit EDSS unter 5,5 und 19 mit EDSS über 5,5 (die Summe 64 stimmt nicht mit den 61 Patienten überein). VAS und BDI waren bei MS signifikant höher, IIEF und alle SF-36-Teilwerte signifikant niedriger (p < 0,05). Mittlerer EDSS 2,75 ± 2,42. Eine Depression (BDI mindestens 17) fand sich bei 62,5 % der MS-Patienten und 11,7 % der Kontrollen (p < 0,001). Der IIEF korrelierte negativ mit Alter, Krankheitsdauer, Schubzahl, Ehejahren, EDSS, VAS und BDI. **Stärken.** Fall-Kontroll-Struktur, standardisierte Skalen. **Schwächen.** Keine Samenparameter, keine Hormone; die Zahlenabweichung in der Gruppengröße ist ein Qualitätsmangel des Abstracts. **Einordnung.** Hinweis auf eine Beeinträchtigung der Sexualfunktion, nicht der Samenqualität.

#### Glazer et al. 2018: Männliche Infertilität und MS-Risiko, dänische Registerstudie [s92]

*Originaltitel:* Male factor infertility and risk of multiple sclerosis: A register-based cohort study.

**Design.** Registerbasierte Kohortenstudie; Verknüpfung des dänischen nationalen IVF-Registers mit dem dänischen MS-Register. 51.063 Männer, deren Partnerinnen von 1994 bis 2015 in dänischen Kinderwunschkliniken behandelt wurden; 24.011 mit männlicher Faktor-Infertilität, 27.052 Referenz; medianes Alter bei Beginn 34 Jahre. **Ergebnisse.** Höheres Risiko für prävalente MS (OR 1,61; 95 % CI 1,04 bis 2,51) und, nicht signifikant, für inzidente MS (HR 1,28; 95 % CI 0,76 bis 2,17). Als mögliche gemeinsame Ursachen werden Hypogonadismus, gemeinsame Genetik oder eine autoimmune Komponente genannt. **Stärken.** Landesweite Daten, große Stichprobe, Konfidenzintervalle. **Schwächen.** Weitgehend Männer in Kinderwunschbehandlung; wenige MS-Fälle (breites Intervall); prävalente MS kann die Fertilität erst nach der Diagnose beeinflusst haben (umgekehrte Kausalität möglich); die Beziehung zur Samenqualität bei bekannter MS ist damit nicht beantwortet. **Einordnung.** Der signifikante Befund bei prävalenter MS, der nicht signifikante bei inzidenter MS: Für ein erhöhtes Risiko vor dem Krankheitsbeginn spricht das Ergebnis nur schwach.

#### Li et al. 2024: Zwei-Stichproben-Mendelsche Randomisierung, MS und abnorme Spermien [s49]

*Originaltitel:* Multiple sclerosis and abnormal spermatozoa: A bidirectional two-sample mendelian randomization study.

Bidirektionale Mendelsche Randomisierung (Shanxi); genomweite Assoziationsdaten zur MS dienten als Instrumentalvariablen, Endpunkt "abnorme Spermien"; Methoden: inverse Varianzgewichtung (IVW), MR-Egger, MR-PRESSO; Sensitivität: Cochran-Q-Test, MR-Egger-Achsenabschnitt, Leave-one-out, Trichterdiagramm. **Ergebnis.** Ursächlicher Zusammenhang zwischen MS und abnormalen Spermien, Odds Ratio 1,090 (95 % CI 1,017 bis 1,168; p = 0,014); die Sensitivitätsanalysen bestätigten Genauigkeit und Robustheit; die Autoren fordern, Fortpflanzungsfragen bei Männern mit MS zu beachten. **Einordnung.** Der Effekt ist klein (OR 1,09), das Intervall liegt nahe an 1; Mendelsche Randomisierung auf Basis genomweiter Daten bildet die klinische Samenanalyse nicht ab; "abnorme Spermien" ist im Abstract nicht näher definiert; Fallzahlen nennt der Abstract nicht. Ein zeitgleich erschienener Brief aus Wenzhou (Shu und Hong 2024) behandelt laut Titel die Gegenrichtung und berichtet keinen direkten Zusammenhang; ein Abstract war nicht abrufbar, der Brief wird nicht als Quelle geführt.

#### Pharmakokinetik im Samen: Fingolimod und Teriflunomid [s90, s60]

*Originaltitel:* Determination of Seminal Concentration of Fingolimod and Fingolimod-Phosphate in Multiple Sclerosis Patients Receiving Chronic Treatment With Fingolimod.; Teriflunomide levels in women whose male sexual partner is on teriflunomide for relapsing multiple sclerosis.

David et al. (2018): multizentrische offene Studie des Herstellers; 13 Männer unter Fingolimod seit mindestens 6 Monaten gaben je eine Samen- und Blutprobe. Die Konzentrationen von Fingolimod und Fingolimod-Phosphat im Samen entsprachen im Gleichgewichtszustand denen im Blut; geschätzte Menge in 10 ml Ejakulat: 47,5 ng. Die rechnerische Belastung einer Partnerin liegt um etwa das 400-Fache (Fingolimod) beziehungsweise 2400-Fache (Fingolimod-Phosphat) unter den Werten ohne beobachtete Wirkung (NOAEL) der Tierversuche zur Embryo-Fetalentwicklung; die Autoren halten ein Risiko für den Fötus für äußerst unwahrscheinlich. Guarnaccia et al. (2022): Teriflunomid war bei 4 von 10 Partnerinnen von Männern unter 14 mg täglich nachweisbar (Mittelwert 0,046 µg/ml). **Einordnung:** Beide Studien messen die Übertragung des Wirkstoffs, nicht Spermienparameter; die Fingolimod-Studie ist industrienah und gilt nur für diese Wirkstoffe.

### Parkinson-Krankheit: humane Studien

Eine humane Studie, die Samenqualität oder Spermienparameter bei Parkinson-Krankheit untersucht, wurde in keinem der durchsuchten Sprachräume gefunden. Dies ist ein Befund der Recherche und kein Beweis für das Fehlen solcher Studien (siehe die Hinweise zur Erreichbarkeit der Datenbanken in der Gesamtstudie).

#### Sakakibara et al. 2001: Fragebogen zu Beckenorganfunktionen (Chiba) [s172]

*Originaltitel:* Questionnaire-based assessment of pelvic organ dysfunction in Parkinson's disease.

Querschnittsstudie mit 115 Parkinson-Patienten (52 Männer, 63 Frauen; Alter 35 bis 69, im Mittel 59 Jahre; mittlere Krankheitsdauer 6 Jahre; mittleres Hoehn-und-Yahr-Stadium 3; alle unter Levodopa mit oder ohne Dopaminagonisten) und 391 Kontrollpersonen (271 Männer, 120 Frauen; mittleres Alter 48). Bei den Männern der Parkinson-Gruppe waren häufiger vermindert als bei den Kontrollen: Libido (83 %), Geschlechtsverkehr (88 %), Orgasmus (87 %), Erektion (79 %) und Ejakulation (79 %). Der Beantwortungsgrad der Sexualfragen lag bei Männern bei 88 % (Parkinson) beziehungsweise 95 % (Kontrolle). Sexualfunktionsstörungen nahmen mit dem Alter zu, nicht aber mit dem Hoehn-und-Yahr-Stadium; Blasen- und Darmstörungen stiegen mit dem Stadium. **Stärken.** Kontrollgruppe, hohe Rücklaufquote. **Schwächen.** Fragebogen ohne Samenanalyse; die Kontrollen (Gesundheitsuntersuchung, im Mittel 11 Jahre jünger) sind nicht altersgleich, ein erheblicher Störfaktor, weil Sexualstörungen mit dem Alter zunehmen; Medikamenteneffekte (Levodopa, Bromocriptin) sind nicht von der Erkrankung zu trennen. **Einordnung.** Die Studie sagt nichts über die Spermienqualität; sie zeigt, dass Ejakulationsstörungen bei Parkinson häufig berichtet werden.

#### Varlıbaş et al. 2025: Autonome Dysfunktion und sexuelle Dysfunktion (Türkei) [s42]

*Originaltitel:* Relationship between autonomic dysfunction and sexual dysfunctions in Parkinson's patients.

Querschnittsstudie mit 76 Patienten mit idiopathischem Parkinson (41 Männer, 35 Frauen; Hoehn und Yahr 1 bis 3; ohne Diabetes). 53,9 % hatten sexuelle Dysfunktion (ASEX). Patienten mit Dysfunktion waren älter, im höheren Stadium, hatten höhere SCOPA-AUT-Werte (kardiovaskulär, urinär, gastrointestinal; p < 0,001) und häufiger Bluthochdruck (p = 0,001). Impulskontrollstörung 6,5 %. **Schwächen.** Männer und Frauen gemeinsam ausgewertet; zu Ejakulation oder Sperma gibt es keine Angabe; keine Kontrollgruppe im Abstract.

#### Gül et al. 2021: Sexuelle Funktionsstörung bei Parkinson (Van, Türkei) [s70]

*Originaltitel:* Parkinson Hastalığında Cinsel Fonksiyon Bozukluğu Prevalansı (deutsch: Prävalenz sexueller Funktionsstörungen bei Parkinson-Krankheit)

Querschnittsstudie an einer neurologischen Ambulanz, September 2019 bis März 2020; 70 Patienten (30 Frauen, 40 Männer); bei Männern IIEF-5. Männer waren stärker durch sexuelle Unzufriedenheit und erektile Dysfunktion beeinträchtigt als Frauen (65 % gegenüber 46,6 %). Von 16 Patienten mit sehr ausgeprägter erektiler Dysfunktion hatten 2 (12,5 %) eine leichte, 3 (18,75 %) eine mittlere und 11 (68,75 %) eine schwere Form (p < 0,05). Unzufriedenheit hing mit Alter, Krankheitsdauer und fortgeschrittenem Stadium zusammen. **Schwächen.** Kleine Querschnittsstudie ohne Kontrollgruppe, ohne Samenparameter.

**Einordnung zur Parkinson-Krankheit.** Die drei Studien belegen Beeinträchtigungen von Sexualfunktion und Ejakulation. Sie sagen nichts über Spermienparameter. Die einzigen Hinweise auf eine Hodenbeteiligung stammen aus Tiermodellen, die in einem anderen Kapitel behandelt werden [s76, s19, s86].

### Neuropathie und Diabetes

#### Ali et al. 1993: Samenanalyse bei Diabetikern mit und ohne Neuropathie [s186]

*Originaltitel:* Semen analysis in insulin-dependent/non-insulin-dependent diabetic men with/without neuropathy.

**Design.** Vergleichende Querschnittsstudie; 100 insulinabhängige (IDDM) und 314 nicht insulinabhängige (NIDDM) Diabetiker mit und ohne objektiven Hinweis auf Neuropathie (Alter 15 bis 80 Jahre, Diabetesdauer 1 bis 33 Jahre) und altersgleiche Nichtdiabetiker. **Ergebnisse.** Deutlich höhere Gesamtspermienleistung und Konzentration bei neuropathischen Diabetikern beider Typen (im Abstract "p > .0005" geschrieben, vermutlich p < 0,0005); Beweglichkeit und Samenvolumen waren um etwa 30 beziehungsweise 60 % geringer, die Morphologie unverändert. Kein signifikanter Unterschied zwischen neuropathischen und nicht neuropathischen Diabetikern; die Autoren deuten dies als Hinweis auf endokrine Ursachen und diskutieren eine Leydig-Zell-Hyperplasie und eine Atonie von Blase und Harnröhre. **Stärken.** Große Gesamtzahl, objektive Neuropathiekriterien, Kontrollen. **Schwächen.** Alte Studie; keine Zahlenwerte und keine Konfidenzintervalle im Abstract; die Untergruppengrößen sind nicht genannt; die endokrine Erklärung ist nicht geprüft. **Einordnung.** Die einzige humane Samenanalyse mit Neuropathie-Stratifizierung. Der fehlende Unterschied zwischen Diabetikern mit und ohne Neuropathie ist ein Gegenargument zu einer rein neuropathischen Erklärung der Samenveränderungen.

#### Ali und Rakkah 2007: Sildenafil bei Diabetes mit und ohne Neuropathie (Saudi-Arabien) [s157]

*Originaltitel:* Neurophysiological role of sildenafil citrate (Viagra) on seminal parameters in diabetic males with and without neuropathy

Kontrollierte klinische Studie: 50 Männer mit insulinabhängigem und 50 mit nicht insulinabhängigem Diabetes, jeweils mit und ohne objektiven Neuropathiebefund (Untergruppengrößen im Abstract nicht angegeben), und 50 nicht diabetische Kontrollen; Alter 20 bis 65 Jahre, Diabetesdauer 1 bis 20 Jahre; chronische Gabe von 100 mg Sildenafil, Spermiogramm. Bei Männern mit Neuropathie (beide Diabetestypen) sanken Gesamtspermienleistung und Spermienkonzentration signifikant (p < 0,001); Beweglichkeit und Samenvolumen stiegen nach Angabe um etwa 40 % beziehungsweise 48 %; Morphologie und Bewegungsqualität blieben unverändert. Bei Diabetikern ohne Neuropathie bestand kein signifikanter Unterschied. **Schwächen.** Behandlungseffekt und Neuropathie-Effekt sind vermischt; Ausgangswerte fehlen im Abstract; die vorgeschlagene Mechanik (Hodenhyperplasie, Nekrose, Kollagenablagerung) wurde nicht gemessen; der Rückgang der Spermienzahl bei gleichzeitigem Anstieg des Volumens ist nicht erklärt. **Einordnung.** Aussagekraft gering; kein Beleg für eine Wirkung.

#### Li et al. 2026: Diabetes mit retrograder Ejakulation, 115 Patienten (Baoding) [s12]

*Originaltitel:* Retrospective study of 115 patients with diabetes mellitus complicated by retrograde ejaculation.

Retrospektive Studie an 115 Diabetikern (mittleres Alter 39,9 Jahre) mit gesicherter retrograder Ejakulation. 80,0 % hatten vollständige retrograde Ejakulation, 54,8 % eine mittelschwere bis schwere erektile Dysfunktion und 39,1 % Anorgasmie ("dreifache Dysfunktion"). Typ-1-Diabetiker, obwohl jünger und mit höherem Testosteron als Typ-2-Patienten, hatten schlechtere funktionelle Ergebnisse, darunter signifikant häufiger Anorgasmie (65,5 % gegenüber 30,2 %). Unabhängige Prädiktoren einer mittelschweren bis schweren erektilen Dysfunktion in der multivariaten logistischen Regression: Diabetesdauer (OR 1,70; p < 0,001), Alter (OR 1,23; p < 0,001) und HbA1c (OR 1,70; p = 0,004); Rauchen und Alkohol waren nicht signifikant. Die Autoren sehen die retrograde Ejakulation selten isoliert, sondern als Teil eines komplexen Syndroms. **Schwächen.** Retrospektiv, ein Zentrum, keine Kontrollgruppe ohne retrograde Ejakulation, keine Samenparameter, Neuropathie im Abstract nicht gemessen.

#### Liu et al. 2020: TESA-ICSI bei Typ-2-Diabetes (Xi'an) [s82]

*Originaltitel:* Effects of testicular sperm aspiration upon first cycle ICSI-ET for type 2 diabetic male patients.

Retrospektive Kohorte; 1219 Männer mit Azoospermie oder retrograder Ejakulation, TESA-ICSI von 2015 bis 2019; 54 mit Typ-2-Diabetes, 1165 ohne Diabetes. Verfügbare Embryonen (75,20 ± 26,40 % gegenüber 78,36 ± 23,25 %) und Rate hochwertiger Embryonen (46,49 ± 30,37 % gegenüber 47,55 ± 28,57 %) waren bei Diabetes etwas niedriger, die Fehlgeburtsrate höher (20,83 % gegenüber 8,88 %); alle Unterschiede waren nicht signifikant, ebenso wenig Schwangerschaft, Einnistung, Befruchtung und Teilungsrate. **Schwächen.** Nicht neurologisch angelegt; mit nur 54 Diabetikern ist die Teststärke für Unterschiede in der Fehlgeburtsrate gering.

#### Kim et al. 2012: Wahrnehmung urogenitaler Komplikationen bei Diabetes (Korea) [s138]

*Originaltitel:* Survey on the perception of urogenital complications in diabetic patients.

Querschnittsumfrage an 275 Diabetespatienten: 32,4 % ohne Kenntnis, 30,5 % mit etwas Kenntnis, 37,1 % mit detaillierter Kenntnis urogenitaler Komplikationen. 124 Patienten (45,1 %) berichteten urogenitale Beschwerden: 93 (75,0 %) Miktionsstörungen, 61 (49,2 %) Sexualstörungen (Libidoverlust, Erektions- und Ejakulationsstörungen). **Schwächen.** Subjektive Selbstauskunft ohne Neuropathie-Diagnostik und ohne Samenanalyse; Wert vor allem als Hinweis auf geringes Problembewusstsein.

#### Lu et al. 2014: Spermiengewinnung bei anejakulatorischen Diabetikern (Jinan) [s121]

*Originaltitel:* Sperm retrieval in anejaculatory diabetic men who failed in drug treatment and penile vibratory stimulation during blood sugar under control.

Klinische Fallserie: 21 anejakulatorische Diabetiker, bei denen Medikamente und PVS bei kontrolliertem Blutzucker versagt hatten. Samengewinnung durch retrograde Ejakulation bei 10 Patienten (Gruppe A) und durch Prostatamassage bei 8 Patienten (Gruppe B). Befruchtungsrate 78,3 % (A) gegenüber 66,6 % (B), Rate guter Embryonen 56,6 % gegenüber 48,8 %, Schwangerschaften 50 % gegenüber 37,5 % (insgesamt acht Einlingsschwangerschaften bei 18 Männern: fünf in A, drei in B). Kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. **Schwächen.** Sehr kleine Gruppen; 21 Männer im Eingang, aber nur 18 in den Gruppen (Differenz im Abstract nicht erklärt).

#### Kurbatov et al. 2013 bis 2015: Endourethrale Injektion bei retrograder Ejakulation (Moskau) [s133, s117, s114]

*Originaltitel:* Коррекция ретроградной эякуляции у больных сахарным диабетом 1-го типа (deutsch: Korrektur der retrograden Ejakulation bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1); Диагностика и лечение анэякуляции как проявления урогенитальной формы автономной диабетической полинейропатии (deutsch: Diagnostik und Behandlung der Anejakulation als Manifestation der urogenitalen Form der autonomen diabetischen Polyneuropathie); Correction of Retrograde Ejaculation in Patients with Diabetes Mellitus Using Endourethral Collagen Injection: Preliminary Results

Die drei Arbeiten der Moskauer Gruppe überschneiden sich teilweise in den Patienten und dürfen nicht als unabhängige Bestätigungen gezählt werden. **[s133]:** unkontrollierte Fallserie mit 12 Patienten (Alter 25,7 ± 6,1 Jahre) mit absoluter retrograder Ejakulation bei Typ-1-Diabetes; endourethrale Injektion von Kollagen in den Blasenhals. Antegrade Ejakulation bei 11 von 12 wiederhergestellt; Nachbeobachtung bei 10 Patienten über 12 Monate; die Wirkung hielt bei 7 Patienten 6 Monate, bei 2 Patienten 9 Monate und bei einem Patienten 12 Monate an. Zwei natürliche Schwangerschaften bei den Partnerinnen, eine endete nach 8 Wochen in einer Fehlgeburt, eine in einer Geburt in der 39. Woche. Samenwerte nach dem Eingriff (Mittelwert ± Standardabweichung [Spannweite]): Volumen 0,25 ± 0,14 ml [0,1 bis 0,35]; Konzentration 93 ± 62,2 Millionen/ml [7 bis 180]; lebende Spermien 61,7 ± 24,5 % [29 bis 88]; Beweglichkeit A + B 10 ± 6,8 % [0 bis 22]; unbewegliche 81,4 ± 17,5 %; normal geformte 18,5 ± 12 % [1 bis 41]. Die beiden Schwangerschaften traten bei Patienten mit der höchsten Konzentration normaler Spermien auf. **[s117]:** prospektive unkontrollierte Fallserie mit 30 Patienten mit Typ-1-Diabetes und absoluter retrograder Ejakulation (Alter 32 [30; 35] Jahre; Diabetesdauer 17 [12; 22] Jahre; HbA1c 7,4 % [6,9; 8,0]); bei allen fanden sich in der postorgastischen Urinprobe viele Spermien und eine Blasenhalsinsuffizienz; 29 Männer hatten keine eigenen Kinder. Stimulationsneurografie des N. pudendus (Mittelwert ± Standardabweichung gegenüber Norm): M-Antwort-Amplitude 0,89 ± 0,17 mV (Norm über 3,5), Leitungsgeschwindigkeit 14,2 ± 2,5 m/s (über 19,7), residuale Latenz 7,6 ± 1,6 ms (unter 3,0), Reizschwelle 80 ± 17 mA (unter 20); Korrelation zwischen HbA1c und Leitungsgeschwindigkeit r = -0,41, p = 0,012. Antegrade Emission bei 22 von 30 (73 %) wiederhergestellt; Wirkdauer 7 [2; 12] Monate. Natürliche Zeugung bei den Partnerinnen von 4 Patienten (13 %), 3 Lebendgeburten (10 %), eine Fehlgeburt in Woche 8. Samenwerte der 22 Responder (Median [Quartile]): Volumen 0,9 ml [0,5; 1,5]; Konzentration 65 Millionen/ml [32; 113]; Beweglichkeit A + B 17 % [14; 37]; normale Formen 20 % [11; 35]; Asthenozoospermie bei 83 % der Responder. Responder und Nicht-Responder unterschieden sich in der Diabetesdauer (15 [10; 21] gegenüber 21 [16; 23] Jahre; p = 0,04) und im HbA1c (7,1 % [6,8; 7,7] gegenüber 7,8 % [7,5; 8,0]; p = 0,04). Bei den Männern, bei denen spontane Zeugung eintrat, lagen die Samenwerte bei Volumen 1,2 ml [0,9; 1,6], Konzentration 35 Millionen/ml [27; 65], Beweglichkeit A + B 29 % [18; 39], normalen Formen 18 % [13; 20]; zum Vergleich werden WHO-Referenzwerte von 2010 genannt (mindestens 1,5 ml, 15 Millionen/ml, 40 % und 4 %). **[s114]:** randomisierte, einfach verblindete Studie (1:1), 24 Patienten mit Typ-1-Diabetes und kompletter retrograder Ejakulation, die auf Imipramin nicht angesprochen hatten; Gruppe A endourethrale Kollageninjektion, Gruppe B endourethrale Kochsalzinjektion; 23 schlossen ab. In Gruppe A stieg das antegrade Volumen um im Mittel 0,71 ml, die Konzentration um 45,6 Millionen/ml, die Gesamtbeweglichkeit um 15,4 Prozentpunkte und die progressive Beweglichkeit um 8,4 Prozentpunkte (jeweils p < 0,05); gegenüber Gruppe B waren die primären und sekundären Endpunkte (außer IIEF-5) signifikant besser. Konfidenzintervalle stehen im Abstract nicht. **Stärken.** Elektrophysiologische Absicherung der Neuropathie (ungewöhnlich in dieser Literatur), Quartilen, Vergleich mit WHO-Referenz, offene Mitteilung des Misserfolgs bei 8 Patienten ([s117]); [s114] ist die einzige randomisierte Studie im russischsprachigen Material. **Schwächen.** Sehr kleine, überwiegend einarmige Serien; die Samenwerte betreffen nur Männer mit wiederhergestellter antegrader Ejakulation (Selektion); Wirkdauer median nur 7 Monate; [s114] ist einfach verblindet, mit einem kommerziellen Medizinprodukt und mit Co-Autoren aus Italien. **Einordnung.** Die Studien beschreiben die Wiederherstellung des antegraden Ejakulationswegs und keine Samenqualität bei diabetischer Neuropathie insgesamt; dass Konzentration und Beweglichkeit in [s114] "zunehmen", liegt methodisch nahe daran, dass mehr Ejakulat die Harnröhre statt der Blase erreicht. Die Samenwerte der Responder in [s117] (Asthenozoospermie bei 83 %, aber Konzentration und normale Formen im Referenzbereich) zeigen, dass auch nach Wiederherstellung die Beweglichkeit häufig vermindert bleibt.

#### Arafa und El Tabie 2008: Medikamentöse Behandlung der retrograden Ejakulation bei Diabetes [s151]

*Originaltitel:* Medical treatment of retrograde ejaculation in diabetic patients: a hope for spontaneous pregnancy.

Prospektive Interventionsstudie mit 33 Diabetikern mit retrograder Ejakulation (23 komplett, 10 partiell); drei aufeinanderfolgende Behandlungsserien mit Imipramin 25 mg zweimal täglich, Pseudoephedrin 120 mg zweimal täglich oder beidem. Bei kompletter retrograder Ejakulation entstand antegrades Ejakulat bei 10 Patienten (38,5 %) mit Imipramin, bei 11 (47,8 %) mit Pseudoephedrin und bei 16 (61,5 %) mit beiden; bei partieller verbesserten sich Volumen, Spermienzahl, Gesamt- und progressive Beweglichkeit. **Schwäche.** Die Prozentwerte beziehen sich auf unterschiedliche Nenner (10 von 26 entsprechen 38,5 %, aber nur 23 Patienten hatten komplette retrograde Ejakulation); die Zuordnung ist aus dem Abstract nicht nachvollziehbar. Die Studie ist eine Ergebnisbeschreibung ohne Empfehlung; Kontrollgruppe und Randomisierung fehlen.

### Weitere neurologische Erkrankungen

#### Magot et al. 2024: Spinale Muskelatrophie als Störung der Spermatogenese (Frankreich) [s50]

*Originaltitel:* Spinal muscular atrophy is also a disorder of spermatogenesis.

**Design.** Deskriptive Querschnittsstudie in 13 französischen neuromuskulären Zentren (Juni 2022 bis Juli 2023); erwachsene Männer mit genetisch gesicherter SMA Typ 2 oder 3, alle vor einer Behandlung mit Risdiplam. 68 Patienten (36 SMA2, 32 SMA3); 41 mit Fertilitätsdaten (Vaterschaft, Spermiogramm), 33 Spermiogramme. **Ergebnisse.** Fertilitätsstörungen bei 27 von 41 (65,9 %; 95 % CI 51,3 bis 80,4), bei SMA2 bei 19 (90,5 %; 95 % CI 77,9 bis 100), bei SMA3 bei 8 (40 %; 95 % CI 18,5 bis 61,5). Von den Männern mit Spermiogramm hatten 81 % (27 von 33) eine abnorme Konzentration; 30 % eine Azoospermie. Die Abweichungen hingen mit dem SMA-Typ (p < 0,001), der motorischen Schwere (Zeitpunkt des Gehverlusts, Rollstuhldauer; p < 0,001) und dem Motor Function Measure (p < 0,01) zusammen. **Stärken.** Erste Studie mit Spermiogrammen bei SMA; Konfidenzintervalle. **Schwächen.** Die Hälfte der Männer ohne Fertilitätsdaten (27 von 68); selektiv teilnehmende Patienten; Querschnitt; die Obergrenze 100 % und die Intervallbreiten (zum Beispiel 18,5 bis 61,5 bei SMA3) zeigen die kleinen Untergruppen. **Einordnung.** Die Studie legt nahe, dass die Spermatogenese bei der schweren Verlaufsform eingeschränkt ist; ob dies am Gendefekt selbst oder an der motorischen Behinderung liegt, kann der Abstract nicht entscheiden.

#### Ergoli et al. 2020 und Yanovsky-Dagan et al. 2022: Myotone Dystrophie Typ 1 [s79, s64]

*Originaltitel:* Study of expression of genes potentially responsible for reduced fitness in patients with myotonic dystrophy type 1 and identification of new biomarkers of testicular function.; DMPK hypermethylation in sperm cells of myotonic dystrophy type 1 patients.

Ergoli und Mitarbeiter: Fall-Kontroll-Laborstudie mit 20 Patienten; etwa 50 % mit Hypospermie und Azoospermie, die übrigen mit Oligo-Astheno-Teratozoospermie; die niedrigsten AMH-Werte korrelierten am besten mit den Spermienveränderungen; die Expression von DMPK, SIX5 und RSPH6A war vermindert. Yanovsky-Dagan und Mitarbeiter: Laborstudie mit vier Patienten; keine Selektion gegen Spermien mit hypermethyliertem DMPK; die Arbeit betrifft die Vererbung, nicht die Samenqualität. **Einordnung:** Bei der myotonen Dystrophie Typ 1 sind Samenveränderungen häufig beschrieben, die Fallzahl von 20 und das Fehlen eines Konfidenzintervalls im Abstract erlauben keine Prävalenzschätzung.

#### Spina bifida: Deng et al. 2018 [s91] (Übersicht, siehe oben), Fortingo et al. 2025 [s27], Rague et al. 2025 [s35], Choi et al. 2017 [s99], Shiomi et al. 2006 [s164]

*Originaltitel:* Prevalence and treatment patterns of erectile dysfunction and hypogonadism in men with spina bifida: a retrospective study.; Perspectives of Young Men With Spina Bifida on Fertility Potential and Future Parenthood.; Sexual Function and Quality of Life in Young Men With Spina Bifida: Could It Be Neglected Aspects in Clinical Practice?; Sexuality and seeking medical help for erectile dysfunction in young adults with spina bifida.

Fortingo und Mitarbeiter: retrospektive Abrechnungsdatenstudie (MarketScan 2008 bis 2017); erektile Dysfunktion 7,83 %, Hypogonadismus 7,71 %, meist unbehandelt (66,6 % und 77,4 %). Rague und Mitarbeiter: qualitative Interviewstudie mit 20 Männern; 70 % ohne Partnerschaft, kein Teilnehmer mit Vaterschaft, viele mit Kinderwunsch. Choi und Mitarbeiter (Seoul): 47 junge Männer mit Spina bifida; 24 von 47 (51,1 %) hatten im vergangenen Monat Geschlechtsverkehr; bei 10 Patienten (41,7 %) der aktiven Männer traten zumindest zeitweise Ejakulationsprobleme auf; Korrelation zwischen Sexualfunktion und Lebensqualität r = 0,496 (p = 0,014). Shiomi und Mitarbeiter (Japan): 36 Männer angeschrieben, 26 antworteten; positive Raten für psychogene Erektion 85 %, Rigidität der Erektion 54 %, Ejakulation 88 %, Orgasmus 65 %; psychogene Erektion und Ejakulation korrelierten mit der Sharrard-Klassifikation. **Einordnung:** Keine dieser Studien enthält Samenparameter; die niedrigen Raten behandelter Probleme (Fortingo) und die niedrige Partnerschaftsrate (Rague) zeigen, dass Fortpflanzungsfragen in dieser Gruppe versorgungsseitig kaum angekommen sind. Abrechnungsdaten erfassen nur dokumentierte Diagnosen und unterschätzen daher vermutlich die tatsächliche Häufigkeit.

#### Schlaganfall, Myasthenia gravis, Schädel-Hirn-Trauma, Zerebralparese

*Originaltitel:* Sexual dysfunction in male stroke patients: correlation between brain lesions and sexual function.; Sexual dysfunction in patients with myasthenia gravis.; Causal associations of male infertility with stroke: a two-sample Mendelian randomization study.; Экспрессия рецептора CD117 в половых железах мужчин при черепно-мозговой травме (deutsch: Expression des Rezeptors CD117 in den männlichen Keimdrüsen bei Schädel-Hirn-Trauma); Prevalence and risk factors of acquired undescended testis in boys with cerebral palsy: A cross-sectional study

**Jung et al. 2008 [s154] (Korea):** Fragebogenstudie mit 109 männlichen Schlaganfallpatienten (64,93 ± 8,81 Jahre) und 109 altersgleichen Kontrollen; IIEF-5 5,89 ± 7,08 gegenüber 10,67 ± 7,10; mangelnde Libido war mit 59,4 % die häufigste Ursache für fehlenden Verkehr; Läsionen im rechten Kleinhirn und linken Basalganglienbereich gingen mit Ejakulationsstörung beziehungsweise verminderter Libido einher. Schwächen: Fragebogen, keine Samenanalyse, keine Angaben zu Medikamenten und Komorbidität im Abstract; der niedrige IIEF-5 auch bei Kontrollen deutet auf eine insgesamt belastete Altersgruppe. **Wang et al. 2021 [s73] (West China Hospital):** 158 Myasthenia-gravis-Patienten (52 Männer, 106 Frauen) und 161 Gesunde; Frauen mit MG hatten signifikant häufiger sexuelle Dysfunktion (48,11 % gegenüber 22,64 %; p < 0,001); bei den Männern war sie ebenfalls häufiger (genaue Zahl und Test im Abstract nicht genannt); Alter (OR 1,13; 95 % CI 1,06 bis 1,21; p < 0,001) und HAMD-Depressionswert (OR 1,53; 95 % CI 1,0 bis 2,13; p = 0,011) waren unabhängige Risikofaktoren; der männliche Anteil ist klein, Samenparameter wurden nicht erhoben. **Zhu et al. 2024 [s53]:** Zwei-Stichproben-Mendelsche Randomisierung zu männlicher Infertilität und Schlaganfall; Hinweis auf ein niedrigeres Risiko für Schlaganfall durch Erkrankung der kleinen Gefäße bei männlicher Infertilität (OR 0,82; 95 % CI 0,68 bis 0,99; p = 0,044); für andere Schlaganfalltypen kein signifikanter Effekt; geringe Heterogenität, kein erkennbarer Pleiotropie-Hinweis, aber "Stabilität nicht optimal"; die Autoren sprechen von einem möglichen protektiven Effekt und mahnen zur Vorsicht; die Fragerichtung ist umgekehrt, und das Konfidenzintervall berührt fast die 1. **Fedotov et al. 2018 [s97] (Rjasan):** postmortale histologische Untersuchung; 5 Männer (25 bis 44 Jahre), die 15 bis 35 Tage nach Schädel-Hirn-Trauma starben, gegen 6 gleichaltrige Männer, die am Unfallort starben. Kontrollen: mittlere Querschnittsfläche der Hodenkanälchen 35,2 × 10³ ± 3,7 µm². Verstorbene im späten Verlauf: Kanälchen mit differenzierten Zellverbänden nur 41,4 ± 5,7 %, mit undifferenzierten Zellverbänden 31,4 ± 5,8 %, Kanälchen nur mit Sertoli-Zellen 24,2 ± 5,2 %; mittlere Querschnittsfläche 31,8 × 10³ ± 4,2 µm², um 11 % geringer als bei den Kontrollen (p < 0,05); Spermatiden fehlten in den betroffenen Kanälchen; CD117 war in den Spermatogonien stärker exprimiert. Stärken: seltene menschliche Hodenhistologie nach Hirnverletzung. Schwächen: nur 11 Fälle; Autopsiematerial (Intensivtherapie, Medikamente, Fieber und Todesursache können die Befunde beeinflussen); keine Samenanalyse; keine Konfidenzintervalle; unklar, ob der Hoden vor dem Trauma gesund war. **Seçim et al. 2026 [s18] (Istanbul):** Querschnittsstudie mit 240 Jungen (1 bis 15 Jahre) mit Zerebralparese; erworbener Hodenhochstand bei 58 (24,2 %); am häufigsten bei der schwersten motorischen Beeinträchtigung (p = 0,017); unabhängige Prädiktoren: Frühgeburtlichkeit (OR 2,6; 95 % CI 1,3 bis 5,2), Hüftdysplasie (OR 3,1; 95 % CI 1,2 bis 8,3), Mangelernährung oder Sondenernährung (OR 3,1; 95 % CI 1,6 bis 6,1); Hormonwerte unterschieden sich nicht; Hodenatrophie bei 34,5 % der Jungen mit Hodenhochstand, bei neu erkannten Fällen deutlich häufiger als bei bekannten (65,4 % gegenüber 9,4 %; p < 0,001). Die Arbeit betrifft Kinder und den Hodenstand, nicht die Samenqualität; die spätere Fertilität wurde nicht untersucht.

#### Cheng et al. 2026: Dynamische transrektale Sonographie bei kompletter retrograder Ejakulation [s02]

*Originaltitel:* A mechanistic, imaging-based classification of complete retrograde ejaculation: insights from dynamic transrectal ultrasonography.

Einzelzentrum-Studie (Dalian) bei 20 Patienten mit kompletter retrograder Ejakulation: 10 mit Diabetes, 10 mit Harnröhrenstriktur; der SCI-Typ wurde nur literaturbasiert ergänzt. Drei Funktionstypen: "Koordinationsstörung" (SCI-assoziiert, verzögerter Blasenhalsschluss bei fehlender Erschlaffung des äußeren Harnröhrenschließmuskels), "unvollständiger Schluss" (Striktur) und "vollständiges Blasenhalsversagen" (Diabetes). **Einordnung:** Für SCI wurden keine eigenen Patienten untersucht; die Autoren nennen das selbst als Einschränkung und fordern Validierung in größeren, prospektiven, multizentrischen Studien.

### Nicht in diesem Kapitel behandelt: Tierversuche und Einzelfallberichte

Die tierexperimentellen Arbeiten (Nagermodelle der Rückenmarksverletzung, Cuprizon-Modell der Demyelinisierung, Rotenon-Modell der Parkinson-Krankheit, Modelle des Schädel-Hirn-Traumas und des Diabetes) liefern Mechanismen, deren Übertragbarkeit begrenzt ist; sie stehen in einem eigenen Kapitel [s148, s81, s103, s167, s54, s07, s44, s36, s40, s48, s76, s19, s05, s86, s141, s30, s62, s160, s152, s107, s89, s83, s88, s102, s29, s46, s41, s22]. Dasselbe gilt für Einzelfallberichte [s01, s63, s192, s39, s177, s181, s171, s185, s176, s165, s80, s25, s106]. Eine kurze Aufzählung dient der Vollständigkeit; die Befunde werden dort besprochen.


### Zusammenschau der Beobachtungsstudien

**Rückenmarksverletzung.** Das Grundmuster "normale oder nahezu normale Spermienzahl bei deutlich verminderter Beweglichkeit und Vitalität, vermehrten Rundzellen und Leukozyten" wird in Studien aus mindestens fünf Ländern und über drei Jahrzehnte hinweg übereinstimmend beschrieben [s137, s57, s169, s179, s190, s183, s180, s159, s163]. Quantitativ liegt die Beweglichkeit in den Serien je nach Gewinnungsverfahren zwischen etwa 5 und 37 % (Masturbation 36,9 %, PVS 25,9 %, EEJ 15,0 % in der Miami-Datenbank [s137]; EEJ 17,2 % und 9,4 % in japanischen Serien [s183, s180]; Gesamtbeweglichkeit 11,6 % in Kairo [s159]; progressive Beweglichkeit 5,0 % bei Cito et al. [s77]) gegenüber 58,0 % bei gesunden Kontrollen [s137]. Diese Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, weil Beweglichkeit uneinheitlich definiert ist (progressiv, gesamt) und die Gewinnungsverfahren selbst die Probe verändern.

**Verlauf.** Vier Studien mit unterschiedlichem Design finden kein messbares Fortschreiten der Samenqualität in den Jahren nach der Verletzung [s145, s175, s57, s113]; die Studie von Kaneko und Miyazaki beschreibt dagegen eine abnehmende Gesamtspermienzahl [s188], und Iwahata et al. finden eine bessere TESE-Ausbeute bei kürzerer Zeit seit der Verletzung [s108], was Morelli et al. nicht bestätigen [s31]. Die frühe Phase (Wochen bis Monate nach der Verletzung) ist beim Menschen nahezu ohne Daten; die dazu verfügbaren Angaben stammen aus einem Referat [s75] und aus einer Probe der Samenbank [s113]. Wer aus diesen Befunden Schlüsse über den richtigen Zeitpunkt ziehen wollte, überschritte die Datenlage.

**Läsionsmerkmale.** Unvollständige Läsion und die Möglichkeit, durch Masturbation zu ejakulieren, gehen mit besserer Samenqualität einher [s137, s144, s84]; die Ejakulationsfähigkeit selbst hängt von Höhe und Vollständigkeit der Läsion ab [s126, s65, s158]. Die Läsionsmerkmale sind mit dem Gewinnungsverfahren verflochten; keine Studie trennt beides sauber.

**Mechanismen.** Beim Menschen sind erhöhte Entzündungsproteine im Samenplasma [s131, s33], eine erhöhte DNA-Fragmentation mit überwiegend Doppelstrangbrüchen [s84, s59], gestörte Chromatinreife [s130, s163], erhöhte Aneuploidieraten [s139, s140], eine erhöhte Skrotaltemperatur [s159] und hormonelle Veränderungen mit zentraler Komponente [s169, s105, s98] beschrieben. Alle Befunde sind korrelativ, stammen aus kleinen Gruppen (8 bis 55 Männer) und überwiegend aus drei bis vier Arbeitsgruppen. Eine Studie widerspricht der Hypothese der Stauung (Sønksen: kein Effekt wiederholter Ejakulation über 12 Monate [s174]).

**Assistierte Reproduktion.** Gewinnungsraten durch TESE oder Nebenhodenaspiration liegen in den Serien zwischen 60,9 % und 86 % [s13, s108, s31, s147]; Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten sind in den Vergleichsstudien mit Männern ohne SCI nicht signifikant verschieden [s77, s24], aber die Studien sind klein und retrospektiv, und die Konfidenzintervalle fehlen. Fertilitätskliniken berichten tendenziell Erfolgsserien; Männer, die keine Klinik erreichen, fehlen [s101].

**Multiple Sklerose.** Eine einzige Fall-Kontroll-Studie mit Samenanalyse bei 68 Männern berichtet Hypogonadotropie und schlechtere Spermienparameter [s156]; zwei kleine prospektive Studien finden bei RRMS-Männern keinen Unterschied [s78, s69]; Hormonstudien widersprechen sich [s58, s16, s96]. Die Registerstudie [s92] und die Mendelsche Randomisierung [s49] betreffen indirekte Fragen und liefern kleine Effekte mit Intervallen nahe 1.

**Parkinson-Krankheit.** Keine humane Samenstudie; Sexualfunktion ist beeinträchtigt [s172, s42, s70].

**Neuropathie.** Humane Samendaten bei Neuropathie stammen fast ausschließlich aus dem Diabetes-Umfeld [s186, s157, s117]; die einzige Studie mit Stratifizierung nach Neuropathie fand keinen Unterschied zwischen Diabetikern mit und ohne Neuropathie [s186]. Nicht diabetische Neuropathien wurden in keinem Sprachraum mit Samenparametern gefunden.

**Weitere Erkrankungen.** Bei der spinalen Muskelatrophie sind Fertilitätsstörungen bei 65,9 % (95 % CI 51,3 bis 80,4) und Spermiogrammveränderungen bei 81 % der untersuchten Männer berichtet [s50]; bei der myotonen Dystrophie Typ 1 etwa die Hälfte mit Hypospermie oder Azoospermie [s79]; für Schlaganfall, Myasthenia gravis, Spina bifida und Zerebralparese liegen nur Funktions- und Befragungsdaten vor [s154, s73, s164, s99, s27, s35, s18].

**Methodische Gesamtbewertung.** Fünf Schwächen kehren durchgehend wieder. Erstens kleine Fallzahlen, in vielen Studien unter 30 Männern, mit fehlenden Konfidenzintervallen. Zweitens Selektion: infertile Männer, Männer in Kinderwunschkliniken, Männer mit erfolgreicher Gewinnung. Drittens Vermengung von Erkrankung, Läsionsmerkmal und Gewinnungsverfahren. Viertens überlappende Kollektive (Miami, Yazd, Nara und Osaka, Taiwan, Moskau, Catania, Peking), sodass die Zahl unabhängiger Beobachtungen kleiner ist als die Zahl der Quellen. Fünftens fehlende Standardisierung (Abstinenzzeit, Beweglichkeitsdefinition, Referenzwerte), die in den Abstracts nicht erkennbar ist. Die Befunde erlauben deshalb Aussagen über Muster und Richtungen, nicht über Effektgrößen in der Gesamtheit der Betroffenen. Eine Therapieempfehlung lässt sich aus den Beobachtungsstudien nicht ableiten und wird hier nicht gegeben.

**Lesehinweis.** Dieses Kapitel wertet die in synthese.json geführten 192 Quellen aus. Ausgewertet wurden nach den Rechercheberichten in der Regel Abstracts, bei Leitlinien der abgerufene Seitentext, nicht die Volltexte. Zahlen, Konfidenzintervalle und p-Werte stehen so, wie sie in den abgerufenen Texten stehen. Wo ein Abstract eine Angabe nicht enthält, steht das ausdrücklich da. Die Einschätzungen zu Stärken und Schwächen sind methodische Einordnungen des Studiendesigns und keine Aussagen der Originalautoren. Das Kapitel enthält keine Therapieempfehlung. Wo Leitlinien oder Autoren ein Vorgehen als Erstlinie bezeichnen oder anraten, wird das als Aussage des jeweiligen Dokuments wiedergegeben. Titel in anderen Sprachen als Englisch und Deutsch stehen im Original, mit deutscher Übersetzung in Klammern. Abkürzungen: SCI = Rückenmarksverletzung (spinal cord injury); PVS = Penisvibrationsstimulation; EEJ = Elektroejakulation; TESE und TESA = testikuläre Spermienextraktion beziehungsweise -aspiration; ICSI = intrazytoplasmatische Spermieninjektion; MS = Multiple Sklerose; RRMS = schubförmig remittierende MS; DMT = krankheitsmodifizierende Therapie; CI = Konfidenzintervall; OR = Odds Ratio; MD = mittlere Differenz.

**Wie die Literatur verteilt ist.** Der Bestand ist sehr ungleich. Für die Rückenmarksverletzung liegt die große Mehrheit der Arbeiten vor, darunter Samenanalysen, Tierversuche und viele Berichte zu Gewinnung und Verwendung von Spermien. Für die Multiple Sklerose gibt es wenige kleine Spermiogramm-Studien, dazu eine Registerstudie und eine Metaanalyse zur umgekehrten Fragerichtung, eine Mendelsche Randomisierung in der direkten Richtung und Übersichten. Für die Parkinson-Krankheit liegt keine einzige abgerufene Studie vor, die beim Menschen Spermien oder Ejakulat untersucht. Für die periphere Neuropathie liegen praktisch nur diabetesbezogene Arbeiten vor. Nicht diabetische Neuropathien (zum Beispiel Charcot-Marie-Tooth oder Polyneuropathien anderer Ursache) tauchten in den Suchläufen mit Samenbezug nicht auf. Epilepsie ist ausdrücklich nicht Gegenstand dieses Kapitels. Eine Metaanalyse oder systematische Übersicht zur Samenqualität nach SCI wurde nicht gefunden; die einzige Metaanalyse zur SCI [s126] betrifft die Häufigkeit der Ejakulation, nicht deren Qualität. Außerhalb des Englischen besteht die Literatur überwiegend aus Übersichten, Kapiteln, Fallberichten und einzelnen kleinen Studien; belastbare Primärdaten zur Samenqualität stammen fast ausschließlich aus englischsprachigen Zeitschriften.

**Wichtig für das Lesen der Fallzahlen.** Viele Arbeiten stammen aus denselben Arbeitsgruppen und überschneiden sich in den Patientenkollektiven. Das gilt für die Miami-Datenbank (1991 bis 2011), die in [s137, s145, s68] ausdrücklich genannt wird und der durch gemeinsame Autoren vermutlich auch [s144, s175, s136, s131, s93, s119, s100] zuzurechnen sind, für die japanischen Elektroejakulationsserien aus Nara bzw. Osaka [s183, s180, s181], für die drei Taiwan-Arbeiten [s170, s176, s165], für die zwei Shandong-Arbeiten mit denselben 16 Kontrollspendern [s139, s140] und für die Moskauer Diabetes-Serien [s133, s132, s117, s114]. Diese Fallzahlen dürfen nicht addiert werden, und eine scheinbare Bestätigung durch eine zweite Arbeit derselben Gruppe ist keine unabhängige Replikation. Ebenso sind Quellen, die in synthese.json aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt wurden (zum Beispiel [s161, s169, s156, s149, s130, s139, s148, s81, s36, s40, s09, s13, s108, s147, s72, s43, s54, s55, s56, s48, s19]), hier nur einmal gezählt.

## Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche

### Leitlinien und Konsensdokumente

Keine der gefundenen Leitlinien widmet den hier behandelten Erkrankungen einen eigenen Abschnitt zur Samenqualität. Leitlinien äußern sich zur Ejakulation, zur Spermiengewinnung und zur Diagnostik der retrograden Ejakulation. Die Aussagen zur Samenqualität selbst sind knapp.

**EAU-Leitlinie Sexuelle und reproduktive Gesundheit, Ausgabe 2026 [s04].** Abgerufen wurde der Seitentext der European Association of Urology, der eine begrenzte Aktualisierung eines erstmals 2020 veröffentlichten Dokuments nennt. Zur Anejakulation führt der Text Kinsey et al. an, wonach 0,14 % der Allgemeinbevölkerung eine Anejakulation haben; als häufigste Ursachen werden Rückenmarksverletzung, Diabetes mellitus und Multiple Sklerose genannt. Bei den meisten Männern mit SCI sei ärztliche Hilfe der einzige Weg zur Ejakulation; Masturbation führe zu den niedrigsten Ejakulationsraten, höhere Ansprechraten ließen sich mit PVS oder mit Acetylcholinesterase-Hemmern gefolgt von Masturbation erreichen. Die Leitlinie stützt sich dabei auf die Metaanalyse von Chéhensse et al. [s126]. Für Anejakulation durch Lymphadenektomie oder Neuropathie und bei Männern mit Rückenmarksverletzung bezeichnet der Text die PVS als "first-line therapy"; sie löse den Ejakulationsreflex aus, der ein intaktes lumbosakrales Rückenmarkssegment voraussetze. Eine Kombination aus Midodrin und PVS habe in einer in der Leitlinie zitierten Quelle (Soler et al. 2008) bei 158 Männern mit SCI in knapp 65 % zur Ejakulation geführt. Zur retrograden Ejakulation nennt die Leitlinie eine Häufigkeit von 0,3 bis 2 % in Kinderwunschsprechstunden; Diabetes könne die Rate über eine autonome Neuropathie erhöhen. Zitiert werden 34,6 % retrograde Ejakulation in einer kontrollierten Studie an diabetischen Männern, 6 % in einer Serie von 54 Diabetikern mit sexueller Funktionsstörung und mindestens 8,8 % bei 57 Männern mit Typ-1-Diabetes (18 bis 50 Jahre). In der Ursachentabelle stehen neurogen unter anderem Rückenmarksverletzung, Cauda-equina-Läsionen, Multiple Sklerose, autonome Neuropathie, Parkinson-Krankheit und Diabetes mellitus. Bei schlechter Samenqualität oder retrograder Ejakulation könne ein Paar in ein IVF-Programm eintreten. Für Anorgasmie nennt der Text PVS, EEJ oder TESE als Optionen der Spermiengewinnung. Die Ursachentabelle des Hypogonadismus führt die Rückenmarksverletzung sowohl beim primären als auch beim sekundären (hypogonadotropen) Hypogonadismus. Stärke: aktuell, die Quellen sind benannt. Schwäche: Die Zahlen stammen aus Primärquellen, die hier nicht einzeln geprüft wurden; der Text zu SCI und Samenqualität ist knapp.

**AUA/ASRM-Leitlinie "Diagnosis and Treatment of Infertility in Men" (veröffentlicht 2020, geändert 2024) [s45].** Bei Männern mit Aspermie könne chirurgische Spermiengewinnung oder induzierte Ejakulation (Sympathomimetika, Vibrationsstimulation oder Elektroejakulation) je nach Zustand des Patienten und Erfahrung des Behandlers durchgeführt werden (Statement 33, Evidenzstufe "Expert Opinion"). Retrograde Ejakulation könne bei verschiedenen Neuropathien vorliegen; die Leitlinie nennt Diabetes und Rückenmarksverletzung und beschreibt die Diagnose über die Analyse des Urins nach der Ejakulation. Viele Männer mit Emissionsstörung bei Rückenmarksverletzung oder psychogener Anejakulation könnten auf Vibrationstherapie ansprechen; bei anhaltender Störung seien EEJ oder chirurgische Gewinnung denkbar. Für den Vergleich der Verfahren liegen nach der Leitlinie nur begrenzte Daten vor. Zur Multiplen Sklerose und anderen Begleiterkrankungen bestünden nur "unsichere Assoziationen" mit männlicher Infertilität (Verweis auf Glazer et al. [s92]). Schwäche: Die Statements haben Expertenmeinungs-Niveau; ein eigener Abschnitt zu den hier behandelten Krankheiten fehlt.

**Französische Leitlinie zur Fertilitätsprotektion bei Rückenmarksverletzung [s08].** Guillot-Tantay et al., *Fertility preservation in men with spinal cord injury: The 2025 French guidelines* (The French journal of urology; in synthese.json mit dem Jahr 2026 geführt). Die Leitlinie beruht auf einer systematischen Übersicht nach PRISMA (Januar 1990 bis Juni 2024): 434 Publikationen wurden gesichtet, 115 erfüllten die Einschlusskriterien; die drei Fragen betrafen Indikationen und Verfahren der Fertilitätsprotektion, Zeitpunkt und Überwachung sowie die Senkung des Infertilitätsrisikos. Nach dem Abstract kann manuelle Samengewinnung durch Masturbation als Erstlinie erwogen werden. Scheitert sie oder ist sie unmöglich, werde PVS empfohlen, besonders bei suprasakralen Läsionen. Scheitert die PVS, könne EEJ als Zweitlinie angeboten werden, um bei Läsionen unterhalb Th10 ein retrogrades Ejakulat zu erhalten (so im Abstract formuliert). Ohne verwertbare Spermien seien chirurgische Techniken (Hodenbiopsie, Spermiengewinnung aus Nebenhoden oder Samenleiter) möglich. Zahlen zu Samenparametern, Evidenzgrade und die Qualität der eingeschlossenen Studien nennt der Abstract nicht; der Volltext wurde nicht ausgewertet.

**EAN/EFAS/INUS-Leitlinie zu neurogenen Harn- und Sexualsymptomen (NEUROGED) [s34].** Panicker et al. 2025: Leitlinie nach dem ADAPTE-Verfahren mit AGREE-II-Bewertung und modifiziertem Delphi-Verfahren (mindestens 80 % Konsens), insgesamt 38 Aussagen (11 evidenzbasierte Empfehlungen, 19 Good-Practice-Aussagen, 8 konsensbasierte Empfehlungen). Zur Sexualität nennt der Abstract eine umfassende Sexualanamnese sowie Gleitmittel, Vibratoren und PDE5-Hemmer. Samenqualität und Fertilität kommen im Abstract nicht vor: Die neurologische Fachgesellschaft adressiert Sexualsymptome, nach Abstract aber nicht die Samenqualität.

**Konsensdokument zur Gewinnung von Spermien aus dem Urin [s52].** Veiga Álvarez et al., *Recuperación de espermatozoides de la orina en hombres con eyaculación retrógrada* (Gewinnung von Spermien aus dem Urin bei Männern mit retrograder Ejakulation), Dokument der Kommission für Andrologie und assistierte Reproduktion der spanischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin (SEQC-ML), 2024. Es definiert die retrograde Ejakulation, beschreibt den Spermiennachweis im Urin nach der Ejakulation sowie die Aufbereitung und Verwendung der Spermien in der assistierten Reproduktion. Es fehle Konsens über genaue Diagnosekriterien, nur sehr wenige Studien beschrieben sie, und ein bedeutender Teil der Patienten bleibe wahrscheinlich undiagnostiziert. Neurogene Ursachen werden im Abstract nicht aufgeschlüsselt.

**Was nicht gefunden wurde.** Eine AWMF-Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden; das Register ließ sich nicht durchsuchen, was nicht bedeutet, dass keine Leitlinie besteht. Eine ESHRE-Aussage zum Thema konnte nicht ausgewertet werden (die abgerufene Adresse führte auf eine Fehlerseite). In Russland, der Türkei und dem arabischen Raum wurde keine Leitlinie zur Samenqualität bei diesen Erkrankungen gefunden; aus Japan, China und Korea ebenfalls nicht. Ein Cochrane-Review zum Thema wurde über Europe PMC nicht gefunden.

### Rückenmarksverletzung: Samenqualität beim Menschen

#### Übersichten zum Gesamtbild

Mehrere Übersichten fassen dasselbe Muster zusammen: oft normale Spermienzahl bei deutlich verminderter Beweglichkeit und Vitalität. Anderson et al. [s87] beschreiben, dass nahezu jeder Aspekt der männlichen Reproduktion betroffen sei, mit herabgesetzter Beweglichkeit bei oft normaler Zahl. Patki et al. [s155] schreiben, dass die Samenqualität bei SCI schlecht sei, Veränderungen schon zwei Wochen nach der Verletzung aufträten und abnorme Beweglichkeit und Vitalität kennzeichnend seien; die Spermienzahl sei bei der Mehrzahl nicht abnorm; die Asthenozoospermie sei multifaktoriell, genannt werden Seminalplasma, Art des Blasenmanagements und die neurogene Beeinträchtigung der Ejakulation. Ibrahim et al. 2022 [s61] (Miami-Gruppe) geben an, etwa 90 % der Männer mit SCI entwickelten eine Ejakulationsstörung und nur 10 % könnten durch Masturbation oder beim Geschlechtsverkehr ejakulieren; PVS führe bei Verletzungen auf Höhe Th10 oder höher in bis zu 86 % zum Ejakulat, in 90 % dieser Ejakulate seien bewegliche Spermien, in etwa 75 % mehr als 5 Millionen bewegliche Spermien. Perrin et al. 2010, [The spinal cord injured patient: semen quality and management by Assisted Reproductive Technology] (Der Patient mit Rückenmarksverletzung: Samenqualität und Behandlung durch assistierte Reproduktion) [s146], nennen, dass nur 10 % der Männer mit SCI ohne medizinische Hilfe Kinder zeugen könnten, bei normaler Spermienkonzentration und abnorm niedriger Beweglichkeit und Vitalität. Perrin et al. 2016 im Buchkapitel *Fertility issues in men with spinal cord injury* [s110] fassen zusammen, dass in einer Hundestudie Beweglichkeit und Spermatogenese drei Wochen nach der Verletzung deutlich beeinträchtigt waren; bei chronischer SCI beim Menschen sei die Skrotaltemperatur durch die sitzende Haltung und gestörte Thermoregulation erhöht, und die Konzentration reaktiver Sauerstoffspezies im Samenplasma sei hoch und umgekehrt mit der Beweglichkeit korreliert. François 1995, [Genital sexual and procreation disorders in patients with spinal cord injuries] (Genitale Sexual- und Fortpflanzungsstörungen bei Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s182], beschreibt in einem frühen Überblick Hilfen zur Fortpflanzung, darunter die Punktion des Samenleiters. Vidal Samsó 1993, *Lesión medular e infertilidad masculina* (Rückenmarksverletzung und männliche Infertilität) [s189] (Rehabilitación, Band 27, Heft 4, S. 285 bis 291), hält laut Abstract fest, dass die Fertilitätsstörungen nach Rückenmarksverletzung schwer und Schwangerschaften nach erworbener Paraplegie oder Tetraplegie selten seien, und beschreibt die Techniken der Samengewinnung und die Veränderungen von Menge und Zusammensetzung des Samens; Zahlen enthält der Abstract nicht. Neuere Übersichten zu Oxidationsstress, Entzündung und DNA-Schädigung [s10, s20] sowie zur Fertilitätsprotektion nach Rückenmarks-, Becken- und Schädel-Hirn-Verletzungen [s26] nennen im Abstract keine neuen Primärzahlen. Dimitriadis et al. 2010 [s143] fassen zusammen, Männer mit SCI hätten Störungen der Erektion, der Ejakulation und der Fortpflanzungsfähigkeit; die Defekte beträfen den Samentransport in die hintere Harnröhre und die Expulsion sowie die sekretorische Funktion von Leydig-Zellen, Sertoli-Zellen und akzessorischen Drüsen, und die Samenqualität sei bei Gewinnung per PVS oder EEJ vermindert; als erste Linie wird in dieser Übersicht die PVS genannt. Der Umbrella-Review von Manuli et al. 2026 [s14] bewertete 26 systematische Übersichten, von denen 17 als "kritisch niedrig" und 6 als "niedrig" (AMSTAR 2) eingestuft wurden; am kohärentesten sei die Evidenz für PDE5-Hemmer bei erektiler Funktion nach SCI; Samenqualität ist im Abstract kein Endpunkt. Einordnung: Diese Texte sind Übersichten ohne eigene Poolingmethodik; sie belegen vor allem, dass das Muster "normale Zahl, schlechte Beweglichkeit" in der Fachliteratur konsistent beschrieben wird.

Aus dem russischen Sprachraum liegt die narrative Übersicht Koršunov et al. 2021, *Мужской фактор бесплодия при травматической болезни спинного мозга* (Männlicher Infertilitätsfaktor bei traumatischer Rückenmarkserkrankung) [s75], vor. Sie hat keine Suchstrategie, und alle Zahlen stammen aus zweiter Hand; sie werden daher hier nur markiert wiedergegeben ("nach [s75], Primärquelle nicht abgerufen"). Nach dieser Übersicht seien keine wesentlichen Abweichungen im Spermiogramm in der Phase des spinalen Schocks gefunden worden, die Ejakulatqualität verschlechtere sich etwa zwei Wochen nach dem Trauma; im Hundemodell sei die mittlere aktive Beweglichkeit bis zum 21. Tag von 62,9 auf 20,1 % gesunken (p = 0,008), die Gesamtzahl der Spermien von 42,3 auf 29,4 Millionen (nicht signifikant); Hodenbiopsien bei 28 Männern hätten erhaltene Spermatogenese 1, 3 und 6 Monate nach dem Trauma in 39, 48 und 80 % gezeigt, was die Autoren als mögliche Umkehrbarkeit lesen. Hypogonadismus komme bei SCI bis zu 46 % vor, ein gesicherter Einfluss der Hormone auf die Spermatogenese sei nicht belegt. Der Text enthält Wiedergabefehler (er spricht zum Beispiel von "Spermatophor-Flagellen", gemeint sind die Flagellen der Spermien), und die Schlussfolgerung, sexuelle Funktionsstörungen seien bei SCI "nicht akut", ist nicht begründet. Die türkische Übersicht Açıkgöz et al. 2012, *Spinal kord yaralanmalı olgularda cinsel işlev ve üreme bozuklukları* (Sexuelle und Fortpflanzungsstörungen bei Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s134], fasst für 1982 bis 2011 die Neuroanatomie zusammen: Die sympathische, parasympathische und motorisch-sensible Innervation der Genitalien liege in den Segmenten Th11 bis L2, S2 bis S4 beziehungsweise S2 bis S3; bei Läsionen oberhalb von Th10 blieben nach dem Text autonome, somatische, Vibrations- und Elektroejakulation erhalten, bei thorakolumbalen Läsionen (Th11 bis L2) sei nur noch die EEJ möglich. Die Fortpflanzungsstörung beruhe auf der Kombination aus erektiler Dysfunktion, Ejakulationsversagen und abnormalen Samenparametern. Der Abstract enthält Widersprüche zwischen türkischer und englischer Fassung; die Aussagen sind nur als grobe Orientierung zu lesen. Çelik et al. 2016 [s106] beschreiben als Fallbericht eine Hodentorsion bei einem Mann mit SCI, die wegen fehlender Schmerzempfindung unterhalb der Läsion schwer zu diagnostizieren sei; Samendaten fehlen.

#### Metaanalyse zur Ejakulation: Chéhensse et al. 2013 [s126]

Systematische Übersicht mit Metaanalyse (Embase, PubMed, EBSCOhost, Cochrane Library). Aus 523 Studien gingen 45 mit zusammen n = 3851 Patienten mit SCI ein; ausgeschlossen waren Studien mit rektaler elektrischer Stimulation. Bei kompletter SCI trat Ejakulation nach Masturbation beziehungsweise Koitus bei 11,8 % (n = 1161) auf, nach PVS bei 47,4 % (n = 597) und nach Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation bei 54,7 % (n = 309). Bei inkompletter SCI waren es 33,2 % (n = 343), 52,8 % (n = 305) und 78,1 % (n = 32). Bei kompletter Läsion der sympathischen Zentren (Th12 bis L2), der parasympathischen und somatischen Zentren (S2 bis S4) oder aller Ejakulationszentren (Th12 bis S5) kam es nach PVS bei keinem Patienten zur Ejakulation (n = 5, n = 4, n = 21); nach Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation bei 4,9 % (n = 61), 30,8 % (n = 26) und 0 % (n = 16). Die Ejakulation nach PVS oder Acetylcholinesterase-Hemmern war bei 97,9 % (n = 48) der Patienten mit kompletter Läsion strikt oberhalb des Onuf-Kerns (S2 bis S4) rhythmisch-kräftig; eine komplette Läsion der Segmente S2 bis S4 schloss rhythmisch-kräftige Ejakulation aus (n = 5). Sank die Läsion auf L3 und tiefer, ging die Ejakulationsrate deutlich zurück. Die Autoren folgern, die Segmente zwischen L2 und S2 enthielten wahrscheinlich einen spinalen Ejakulationsgenerator beim Menschen (L3 bis L5). Stärke: größte quantitative Zusammenfassung zur Ejakulation nach SCI. Schwächen: gepoolt wurden Ejakulationsraten, keine Samenparameter; einzelne Gruppen sind sehr klein (n = 4 bis 32); der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle und keine Heterogenität.

#### Die Miami-Datenbank: Beweglichkeit, Läsionsvollständigkeit, Verlauf

**Kathiresan et al. 2012 [s137].** Retrospektive Chartanalyse des Male Fertility Research Program der Universität Miami, 1991 bis 2011. Von 528 Männern mit SCI erfüllten 444 die Einschlusskriterien (Ejakulation durch Masturbation n = 43, PVS n = 243, EEJ n = 158); Kontrollgruppe waren 61 gesunde Männer mit Proben durch Masturbation. Spermienbeweglichkeit: 36,9 % (SCI, Masturbation), 25,9 % (PVS; p < 0,001), 15,0 % (EEJ; p < 0,001), 58,0 % in der Kontrollgruppe (p < 0,001 gegenüber der SCI-Masturbationsgruppe). Spermienkonzentration (antegrad) 83,3 × 10^6 pro cc (Masturbation), 77,4 × 10^6 (PVS), 82,0 × 10^6 (Kontrolle) und 49,8 × 10^6 in der EEJ-Gruppe (p < 0,001). Unvollständige Läsionen: 84 % in der Masturbationsgruppe, 54 % bei PVS (p < 0,01), 41 % bei EEJ (p < 0,001). Stärke: große Fallzahl, einheitliches Zentrum. Schwächen: retrospektiv; die Gruppen sind durch die Ejakulationsfähigkeit selektiert, die mit der Läsionsvollständigkeit vermengt ist (siehe die Anteile unvollständiger Läsionen); keine Angabe zur Abstinenzzeit im Abstract.

**Iremashvili et al. 2010, Fall-Kontroll [s144].** Retrospektive Fall-Kontroll-Analyse derselben Datenbank (500 Männer, 400 mit antegradem Ejakulat). Fälle: 30 Männer mit nach WHO-Kriterien normalem Volumen, normaler Konzentration und normaler Beweglichkeit; Kontrollen: 120 gematchte übrige Männer. Nur 30 von 400 hatten normale Parameter (7,5 %, eigene Berechnung aus den genannten Zahlen). Unvollständige Läsion (ASIA B bis D) war mit normalen Parametern assoziiert (OR 2,6; 95 % CI 1,1 bis 6,1; p = 0,028), ebenso die Möglichkeit, per Masturbation zu ejakulieren (OR 2,7; 95 % CI 1,1 bis 7,1; p = 0,037). Weitere Faktoren waren nicht prädiktiv. Stärke: konditionale logistische Regression mit Konfidenzintervallen. Schwächen: nur 30 Fälle, breite Intervalle, retrospektiv.

**Iremashvili et al. 2010, Längsschnitt [s145].** 87 Männer mit mindestens zwei Samengewinnungen im Abstand von mindestens 3 Jahren; verallgemeinertes gemischtes lineares Modell. Mittleres Alter 30,1 Jahre (16 bis 48), mittlere Zeit seit Verletzung zum ersten Eingriff 7,1 Jahre (1 bis 26). Die Spermienkonzentration nahm leicht ab, alle anderen Parameter einschließlich Gesamtspermienzahl blieben unverändert; die Autoren schließen auf kein klinisch relevantes Fortschreiten. Schwäche: Selektion auf Männer mit mehrfacher Teilnahme; die frühe Phase nach der Verletzung ist nicht abgedeckt.

**Brackett et al. 1998 [s175].** Retrospektive Analyse querschnittlicher Daten: 638 Proben von 125 Männern mit Verletzungen zwischen 6 Wochen und 26 Jahren zurück; Gewinnung durch PVS, EEJ und Masturbation. Kein Unterschied in Konzentration, Gesamtspermienzahl oder Beweglichkeit in Abhängigkeit von der Zeit seit der Verletzung (Intervalle von 2 Jahren). Schwäche: Querschnittsvergleich, keine echte Verlaufsbeobachtung; mehrere Proben desselben Mannes werden im Abstract nicht gesondert behandelt.

**Celigoj et al. 2012, Verletzung vor der Pubertät [s136].** Von 533 Männern erfüllten 7 das Kriterium einer traumatischen SCI mit höchstens 11,9 Jahren zum Zeitpunkt der Verletzung (Alter 4,4 bis 11,9 Jahre). Drei Männer mit Verletzung vor dem 9. Lebensjahr waren azoosperm; einer mit Verletzung im Alter von 10 Jahren hatte eine subnormale Gesamtspermienzahl; die mit 11,9 Jahren Verletzten hatten normale Gesamtspermienzahlen, vergleichbar mit im Erwachsenenalter Verletzten. In den meisten Ejakulaten mit Spermien war die Beweglichkeit subnormal und vergleichbar mit der Erwachsener. Schwäche: nur 7 Männer, keine Kontrollgruppe.

**Sønksen et al. 1999, wiederholte Ejakulation [s174].** Prospektive Interventionsstudie mit 19 anejakulatorischen Männern: PVS mindestens einmal wöchentlich über 12 Monate (Amplitude 2,5 mm, 100 Hz), Samenanalyse zu Beginn und alle 3 Monate; bei 9 Männern einseitige Hodenbiopsie vor und nach 12 Monaten. Normale Spermienzahlen bei niedriger Beweglichkeit zu Beginn; kein Parameter änderte sich signifikant über 12 Monate; alle Hormonwerte blieben im Normbereich. Von 9 Biopsien zeigten 6 (67 %) normale Spermatogenese zu Beginn, ohne überzeugende Veränderung danach. Die Autoren schließen, Stauung in den Samenwegen durch seltene Ejakulation sei nicht die Ursache der schlechten Samenqualität. Schwächen: 19 Männer, keine Kontrollgruppe, Biopsien nur bei 9.

**Naderi und Safarinejad 2003 [s169]** (Teheran; in synthese.json aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt). Querschnittliche Fall-Kontroll-Studie mit 55 Männern mit SCI, 36 gesunden altersgleichen Freiwilligen und 34 nicht verletzten infertilen Männern; gemessen wurden FSH, LH, Testosteron, Östradiol, Prolaktin, LHRH-Stimulationstest, Samenanalyse und Hodenvolumen. Acht SCI-Männer hatten niedriges basales LH, vier niedriges FSH, 16 erniedrigte Basalwerte beider Gonadotropine; von den Männern mit niedrigen Gonadotropinen hatten 9 niedriges Testosteron und 7 eine Hyperprolaktinämie. Die LH- und FSH-Antwort auf LHRH war gegenüber gesunden Kontrollen erhöht, aber nur bei SCI mit erniedrigten Gonadotropinen signifikant. Das Hodenvolumen unterschied sich nicht von den Kontrollen; das mittlere Ejakulatvolumen war niedriger (nicht signifikant). Spermienbeweglichkeit und Anteil normaler Formen waren gegenüber gesunden Kontrollen vermindert, nicht aber gegenüber infertilen Kontrollen. 51 % und 86 % der SCI-Männer hatten nach Angabe der Autoren mindestens eine hormonelle Auffälligkeit beziehungsweise eine Störung der Achse (die Zuordnung der beiden Werte ist im Abstract nicht eindeutig). Schlussfolgerung der Autoren: Hypogonadotropismus, wahrscheinlich durch gestörte neurale oder hormonelle Bahnen zwischen Hypothalamus und Hypophyse, könne zur Beeinträchtigung der Samenqualität beitragen. Stärken: zwei Kontrollgruppen, dynamische Hormontests. Schwächen: Querschnitt; Zahlenwerte fehlen im Abstract; keine Kausalität.

**Chalas et al. 2022 [s57].** Prospektive longitudinale Pilotstudie über 18 Monate, 35 Männer mit SCI (18 bis 60 Jahre, mittleres Alter 29,4 ± 6,4), Samengewinnung alle 6 Monate (bis zu vier Ejakulate), Granulozyten und Elastase als Entzündungsmarker, Spermien-DNA-Fragmentation als Oxidationsstressmarker. Normale Gesamtspermienzahl, verminderte Beweglichkeit und Vitalität, vermehrte Formabweichungen, im Mittel erhöhte Rundzellen und Granulozyten. Weder Entzündungs- noch Oxidationsstressmarker, Läsionshöhe oder -vollständigkeit, Alter oder Zeit seit Verletzung hatten einen negativen Einfluss auf die Samenqualität im Verlauf; ein signifikanter Rückgang wurde nicht gesehen. Die Autoren sprechen von Pilotdaten. Schwächen: kleine Stichprobe, kurze Beobachtung.

#### Weitere Samenanalysen: Kairo, Iran, Spanien, Shandong, Italien

**Momen et al. 2007, Kairo [s159].** Querschnittsstudie der Andrologie-Abteilung der Universität Kairo, 45 Männer mit SCI; Gewinnung durch Masturbation (n = 2), kräftige Prostatamassage (n = 13), PVS (n = 13) oder EEJ (n = 17). Mittleres Volumen 2,3 ± 1,9 ml; Spermienkonzentration 85,0 ± 83,8 Millionen/ml; Beweglichkeit 11,6 % (angegebene Streuung ± 0,1 %, offensichtlich ein Schreib- oder Berechnungsfehler); Vitalität 18,5 ± 5,2 %; normale Formen 17,5 ± 3,4 %; Eiterzellen 6,0 ± 8,2 Millionen/ml. Gesamtbeweglichkeit (13,4 ± 9,9 gegenüber 7,1 ± 6,8) und progressive Beweglichkeit (4,4 ± 3,9 gegenüber 2,2 ± 2,1) waren bei Männern mit niedrigerer Skrotaltemperatur signifikant höher. Zwischen EEJ und PVS bestand für keinen Samenparameter ein signifikanter Unterschied; Alter, seltene Ejakulation, Verletzungsdauer und Hormonprofil hatten keinen signifikanten Einfluss. Die Autoren sehen als wahrscheinlichste Ursache die erhöhte Skrotaltemperatur. Schwächen: keine gesunde Kontrollgruppe in der abgerufenen Zusammenfassung, gemischte Gewinnungswege, kleine Untergruppen; der Temperaturzusammenhang ist korrelativ.

**Arafa et al. 2007, Kairo [s158].** Prospektive Serie, 69 Männer mit SCI, Prostatamassage zur Samengewinnung, Hormonbestimmung. Prostatasekret ließ sich bei 51 Männern (73,9 %) gewinnen, Spermien nur bei 22 (31,9 %). Deren Ejakulat zeigte eine Asthenoteratozoospermie mit verminderter Vitalität und vermehrten Leukozyten. Die Gewinnung gelang bei Verletzungen oberhalb von Th10 signifikant häufiger. Einordnung: Die Qualitätsaussage bezieht sich auf die selektierte Teilgruppe, bei der die Massage Spermien lieferte; Zahlen zu Beweglichkeit oder Morphologie fehlen im Abstract.

**Salsabili et al. 2006, Teheran [s163].** Vergleichende Querschnittsstudie: 22 infertile Männer mit SCI, 20 mit Varikozele, 28 mit idiopathischer Infertilität; Chromatinreife mit Anilinblau. Der Score war in allen Gruppen hoch (über 75 %, entsprechend Unreife), bei SCI aber höher (98 % gegenüber 89 % und 88 %; p < 0,01). Mittlere Beweglichkeit und Morphologie: SCI 15,5 % und 15 %, Varikozele 43 % und 15 %, idiopathisch 62,5 % und 54 %. Spermienzahlen lagen in allen Gruppen im Referenzbereich; die Chromatinreife korrelierte nicht mit dem Spermiogramm. Schwächen: kleine Gruppen, keine gesunde Kontrolle. **Salsabili et al. 2009 [s150]:** Fall-Kontroll-Studie, 93 Männer mit SCI, 145 neurologisch Gesunde; Zink und Kupfer im Samenplasma hingen bei SCI mit der Beweglichkeit zusammen (korrelativ, keine weiteren Zahlen im Abstract). **Talebi et al. 2013, Yazd [s130]:** 30 infertile Männer mit SCI und 30 gesunde fertile Spender; Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie waren bei SCI signifikant vermindert (p < 0,05), die Anteile reaktiver Spermien in Anilinblau-, Chromomycin-A3-, Toluidinblau-, Acridinorange- und TUNEL-Test signifikant erhöht (p < 0,05). Schwäche: nur bereits infertile Männer mit SCI (Selektion), Kontrollen sind selektierte Spender.

**Vargas-Baquero et al. 2020 [s84].** Retrospektive deskriptive Studie (Toledo und Madrid), 27 Männer mit SCI (PVS) gegenüber 10 normozoospermen fertilen Spendern. SCI: schlechtere progressive Beweglichkeit (p = 0,0002), höhere Spermien-DNA-Fragmentation (p < 0,00005), höhere pro-oxidative Kapazität (p = 0,0191), mehr Leukozytospermie (p < 0,00005). Keine signifikante Korrelation der Samenqualität mit der Zeit seit der Läsion; die Abstinenzzeit korrelierte positiv mit der DNA-Fragmentation (r = 0,486; p = 0,041). Bei zervikaler Läsion war die Spermienkonzentration höher als bei thorakaler (p = 0,0257); komplette Läsionen (AIS A) hatten geringere progressive Beweglichkeit als inkomplette (AIS B bis D; p = 0,0040). Die Autoren vermuten Ansammlung und Zerfall von Spermien im Cauda epididymidis. Schwächen: nur 10 Kontrollen, retrospektiv, Hypothese nicht direkt geprüft.

**Gosálvez et al. 2022 [s59].** Fall-Kontroll-Laborstudie, 20 Männer mit SCI und 27 normozoosperme Spender; TwoTails-Comet-Assay zur Unterscheidung von Einzel- (SSB) und Doppelstrangbrüchen (DSB); DNase-Aktivität im Samenplasma bei 15 Personen. Anteil DSB bei SCI median 57,5 % gegenüber 4,6 % bei Normozoospermen (p = 0,000); der Anteil SSB war bei Normozoospermen höher (6,0 % gegenüber 2,5 %; p = 0,022). Das Verhältnis DSB zu SSB betrug bei SCI 3,3, bei Normozoospermen 0,9. Hohe DNase-Aktivität im Samenplasma der SCI-Gruppe. Schwächen: kleine Gruppen; Spender sind nicht altersgleich und nicht mit gleichem Gewinnungsweg gewonnen. **Bartolomé-Nebreda et al. 2021 [s66]:** 15 Männer mit SCI und erhöhter DNA-Fragmentation gegen 15 Spender; zellfreie DNA-Bande bei etwa 150 Basenpaaren (gelegentlich 90) in allen SCI-Proben, nicht bei Spendern; DNase im Samenplasma aktiv, verdaute sie aber nicht. Rein deskriptiv.

**Qiu et al. 2012 [s139] und [s140].** Zwei Arbeiten derselben Gruppe (Shandong) mit denselben 16 Kontrollspendern; sie sind keine unabhängigen Replikationen. In [s139] (Journal of Andrology) wurden 12 infertile Männer mit SCI (perkutane Vasalspermien-Aspiration, PVSA), 14 Männer mit SCI (PVS) und 16 Spender verglichen (HOS-Test, Chromatindispersion, TUNEL, Mehrfarben-FISH für die Chromosomen 13, 18, 21, X, Y). Der Anteil beweglicher und normal geformter Spermien, der HOS/Eosin-Test und die DNA-Fragmentierung unterschieden sich zwischen SCI und Kontrolle signifikant (P < 0,05 und P < 0,01). Die Vorwärtsbeweglichkeit war in der PVSA-Gruppe größer als in der PVS-Gruppe (P < 0,01), die DNA-Fragmentierung in der PVS-Gruppe höher (P < 0,05). Aneuploidieraten der SCI-Patienten: 1,5- bis 1,6-fach höher für 13, 18 und 21, 2,3- bis 2,4-fach höher für X und Y (P < 0,001). Rundzellen in der PVS-Gruppe 1 bis 12 Millionen/ml. In [s140] (Journal of Assisted Reproduction and Genetics) standen 18 infertile Männer mit SCI (PVS) 14 Männern mit psychogener Anejakulation (PVSA) gegenüber: Beweglichkeit, normale Morphologie und DNA-Fragmentierung unterschieden sich zwischen SCI und Kontrolle signifikant; die Beweglichkeit war in der psychogenen Gruppe höher (P < 0,01), die DNA-Fragmentierung in der SCI-PVS-Gruppe höher (P < 0,05); Aneuploidie bei SCI 2,4-fach erhöht für 13, 18 und 21 und 2,2-fach für X und Y (P < 0,0001); Rundzellen 1 bis 8 Millionen/ml. Die Autoren lassen offen, ob erhöhte Hodentemperatur, Harnwegsinfektion oder andere Faktoren ursächlich sind. Einschränkung: Gewinnungsverfahren und Erkrankung sind in beiden Vergleichen vermischt; Verletzungshöhe, -dauer und Alter fehlen im Abstract; die Gruppen sind sehr klein.

**Cito et al. 2020 [s77].** Retrospektive monozentrische Fall-Kontroll-Studie, 53 Paare mit SCI gegenüber 140 Paaren mit idiopathischer männlicher Infertilität, 210 frische IVF/ICSI-Zyklen. Ejakulatvolumen median 1,5 ml gegenüber 3,1 ml (p < 0,01); Spermienkonzentration und Gesamtzahl höher bei SCI; progressive Beweglichkeit 5,0 % gegenüber 35,0 % (p < 0,01); normale Befruchtung 46,0 % gegenüber 71,0 % (p < 0,01); Gesamtbefruchtungsrate 50,0 % gegenüber 75 %. Schwangerschaftsrate pro Zyklus 21,4 % (SCI) gegenüber 31,4 % und Lebendgeburtenrate 20,0 % gegenüber 27,1 %, ohne signifikante Unterschiede bei Schwangerschafts-, Fehlgeburts- und Lebendgeburtenrate pro Zyklus. Stärke: direkter Vergleich mit Kontrollgruppe. Schwäche: Kontrollgruppe mit anderer Infertilitätsursache.

**Čehić et al. 2025 [s24].** Retrospektive Kohorte, 156 infertile Paare mit Azoospermie: 82 Männer mit SCI (TESA, kryokonservierte Spermien, ICSI), 74 mit obstruktiver Azoospermie. Die Spermienqualität war bei SCI schlechter, aber nicht signifikant; Zenica- und Johnsen-Score zeigten schlechtere Befunde bei SCI (p = 0,001 und p = 0,000). Keine signifikanten Unterschiede bei Embryozahl (p = 0,698), Schwangerschaftsrate pro Zyklus (p = 0,979), klinischer Schwangerschaftsrate pro Transfer (p = 0,987) und Geburtenrate pro Transfer (p = 0,804).

**Einordnung nach Sprachräumen.** Keine der türkischen Arbeiten zur SCI enthält eigene Samenparameter: Engin-Üstün et al. [s161] vergleichen Verfahren nach Schwangerschaftsrate (siehe unten), Açıkgöz et al. [s134] und Çelik et al. [s106] sind Übersicht und Fallbericht. Die Moskauer Arbeiten zur diabetischen Neuropathie und die Petersburger Serie [s104] liefern Samenwerte nur für Männer mit wiederhergestelltem oder gewonnenem Ejakulat.

#### Spermienantikörper, Hormone und Hormonprovokation

**Dahlberg und Hovatta 1989 [s191].** Querschnittsstudie mit 16 Männern mit SCI, Test auf Antispermien-Antikörper (MAR-Test, Agglutination). Alle hatten Anejakulation ohne Hilfsmittel; sieben ejakulierten extern durch Vibrator oder EEJ, sieben hatten retrograde Ejakulation, bei zweien wurde kein Samen gewonnen. Spermiendichte im externen Ejakulat durchschnittlich 405 × 10^6/ml bei 10 bis 45 % Beweglichkeit. Kein Mann hatte Antispermien-Antikörper, auch nicht bei bis zu 30 Jahren Dauer; die Autoren schließen, Anejakulation und Spermienretention lösten keine Antikörperbildung aus. **Beretta et al. 1993, [Anti-sperm antibodies in dysspermia in spinal cord injury patients] (Antispermien-Antikörper bei Dysspermie von Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s187]** (Archivio Italiano di Urologia, Andrologia; italienischsprachig): zwei Gruppen anejakulatorischer Männer mit SCI, 16 ohne und 13 mit Harnwegsinfektion; Spermienantikörper bei 12 % der ersten und 38 % der zweiten Gruppe. Das Ergebnis steht im Gegensatz zu [s191]; Infektionsstatus, Testverfahren und Ejakulationsform kommen als Erklärung infrage, was die Abstracts aber nicht klären.

**Bauman et al. 2016 [s105].** Prospektive Stimulationsstudie, 30 gesunde Männer mit chronischer SCI (37 ± 10 Jahre) und 38 Kontrollen; 100 µg GnRH intravenös, 4000 IE hCG intramuskulär. Der Anteil der GnRH-Responder war bei SCI ähnlich wie bei Kontrollen (FSH 22 Männer [73 %], LH 23 Männer [76 %]); die SCI-Responder hatten eine stärkere FSH-Antwort (p < 0,05), die LH-Fläche unter der Kurve war tendenziell größer (p = 0,06). Die Testosteronantwort auf hCG war in allen Gruppen ähnlich. Die Autoren sehen einen fehlenden hypothalamischen Antrieb der Gonadotropin-Freisetzung bei chronischer SCI. **Bauman et al. 2017 [s98].** 30 Männer mit chronischer SCI (16 eugonadal mit Testosteron über 12,1 nmol/l, 14 hypogonadal) und Männer ohne Verletzung (11 eugonadal, 27 hypogonadal), hCG in drei Dosen (400, 2000, 4000 IE) an zwei Tagen. Die mittlere Testosteronantwort unterschied sich zwischen SCI und Kontrollen nicht und war ausreichend; die Autoren schließen auf keine primäre testikuläre Störung und stützen frühere Befunde einer sekundären testikulären Funktionsstörung bei der Mehrzahl der Männer mit SCI und niedrigem Testosteron. Beide Studien untersuchten keine Samenparameter.

**Japanische Hormon- und Frühbefunde.** Mikuriya et al. 1990, 脊髄損傷患者の生殖機能の検討 (Untersuchung der Fortpflanzungsfunktion bei Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s190] (Nihon Hinyokika Gakkai Zasshi, Kanagawa): Samenbefunde bei 18 Patienten mit kompletter, 5 mit inkompletter Verletzung und 3 mit "Dyspermatismus" (erzwungene Ejakulation). Die Spermienzahl blieb in allen drei Gruppen relativ hoch, die Beweglichkeit war überall vermindert, der Anteil missgebildeter Spermien war bei kompletter Verletzung am höchsten. Hormone (Radioimmunoassay): 27 Patienten im akuten und 47 im chronischen Stadium (ab drei Monaten), bei 8 Verlaufskontrolle; FSH war in beiden Stadien niedrig, LH und Testosteron neigten im chronischen Stadium zu höheren Werten, Testosteron war bei allen acht Verlaufsfällen erhöht. Die Autoren schließen auf eine vorübergehende Störung der Leydig-Zellfunktion. Schwächen: keine Kontrollgruppe, keine Zahlen im Abstract. Kaneko und Miyazaki 1993, 電気刺激による射精障害患者からの精液採取法の研究 (Untersuchung der Samengewinnung durch elektrische Stimulation bei Patienten mit Ejakulationsstörung) [s188]: 41 Patienten (40 mit SCI, einer nach radikaler Rektumoperation) mit EEJ nach Brindley und/oder modifiziert nach Seager. Samenabgabe gelang bei 11 von 18 mit der Brindley-Technik und bei 24 von 29 mit der Seager-Technik. Häufigste Komplikationen waren autonome Dysreflexie und Schmerz, nach Stimulationsende rasch abklingend. Zur Samenqualität: Die Gesamtspermienzahl nahm mit zunehmendem Abstand von der Verletzung ab; auch im ersten Monat nach der Verletzung war die Beweglichkeit niedrig, was die Autoren als Hinweis auf eine frühe Funktionsstörung von Hoden und Nebenhoden deuten. Schwächen: keine Kontrollgruppe, überlappende Untergruppen, keine Zahlenwerte zur Spermienzahl.

**In-vitro-Untersuchung zur Stimulation.** Saito et al. 1999 [s173] (International Journal of Urology): Unter monopolarer Impulsstimulation sanken Beweglichkeitsrate und Geschwindigkeit menschlicher Spermien in Elektrodennähe mit steigender Impulszahl und Stromstärke; in der Mitte zwischen den Elektroden änderte sich nichts; bei mehr als 80 V pro 2 mm standen die Spermien unabhängig vom Ort still. Bei Nachbildung der klinischen rektalen Sonden-Elektroejakulation (Sinusstrom, 50 V pro 10 mm, 60 Sekunden) änderte sich die Beweglichkeit außerhalb des Elektrodenbereichs nicht; die Autoren schließen, die klinische EEJ scheine die Beweglichkeit nicht zu beeinträchtigen. Schwäche: Probenzahl im Abstract nicht genannt; Modell.

#### Kryokonservierung

**Krebs et al. 2015 [s113].** Querschnittsstudie an der Samenbank einer Rehabilitationsklinik; 28 Proben von 16 Männern mit SCI, vor und median 11 Jahre (95 % CI 7 bis 13) nach Kryokonservierung. Vor dem Einfrieren: Ejakulatvolumen median 1,7 ml (95 % CI 1 bis 3), Konzentration median 106 × 10^6/ml (95 % CI 82 bis 132), Gesamtbeweglichkeit 19 % (95 % CI 13 bis 22), Vitalität 27 % (95 % CI 19 bis 45). Nach dem Auftauen sank die Gesamtbeweglichkeit auf 2,5 % (95 % CI 0 bis 4; p < 0,0001) und die Vitalität auf 7 % (95 % CI 6 bis 13; p < 0,0001). Kein Unterschied zwischen früh (bis 3 Wochen) und später gewonnenen Proben (p = 0,75); komplette SCI verminderte die Vitalität frischer Proben (p < 0,0001), Tetraplegie die Vitalität vor und die Beweglichkeit nach dem Einfrieren (p < 0,035). Schwäche: kleine Zahl, Vorher-Nachher-Vergleich ohne Kontrollgruppe ohne SCI.

**Da Silva et al. 2010 [s142].** Prospektive kontrollierte Studie mit Männern mit und ohne SCI-bedingte Anejakulation; Einfrieren im Test-Eigelb-Puffer, Comet-Assay und Mitochondrienaktivität. Vor dem Einfrieren keine Unterschiede bei Konzentration und Gesamtzahl; bei SCI geringeres Volumen, verminderte Morphologie, mehr Rundzellen und Neutrophile. In beiden Gruppen führte das Einfrieren zu mehr DNA-Fragmentation, geringerer Mitochondrienaktivität und geringerer Beweglichkeit; der Beweglichkeitsrückgang war in der Kontrollgruppe größer. Die Schäden seien bei SCI nicht größer gewesen. Fallzahlen nennt der Abstract nicht. **Reignier et al. 2018 [s94].** Retrospektive Kohorte, 78 Männer mit SCI, Überweisung zur Kryokonservierung 1998 bis 2013, Vergleichsgruppe alle ICSI-Zyklen der IVF-Einheit 2009 bis 2014. Gewinnung: 37 EEJ, 37 PVS, 4 chirurgisch. Niedriges Ejakulatvolumen bei 33 %, Oligozoospermie bei 37 %; bei 77 Männern bewegliche Spermien. Kein Unterschied der frischen Parameter zwischen den Gewinnungsgruppen. 20 Männer erhielten ICSI mit fünf Lebendgeburten, 4 eine intrauterine Insemination; die Ergebnisse mit aufgetauten Spermien waren nach Angabe der Autoren mit der infertilen Vergleichspopulation vergleichbar. **Bechoua et al. 2013 [s125].** Retrospektive Kohorte in Dijon über 17 Jahre, 19 Männer (6 Tetraplegiker, 13 Paraplegiker, mittleres Alter 25,2 ± 5,6 Jahre); zehn mit antegradem Ejakulat, neun mit chirurgischer Gewinnung; Befruchtungsraten 57 % und 55 %, Teilungsraten 90 % und 93 %; von 8 Paaren mit ICSI wurden 5 schwanger (50 % pro Paar antegrad, 75 % chirurgisch). Sehr kleine Zahlen. Kanto et al. [s147] (siehe unten) fanden bei SCI-Paaren eine Schwangerschaftsrate pro ICSI mit frischen Hodenspermien von 64 % gegenüber 25 % mit aufgetauten, bei obstruktiver Azoospermie 76 % gegenüber 63 %.

#### Entzündungsproteine und Proteom beim Menschen

**Zhang et al. 2013 [s131].** Prospektive Laborstudie, je 28 Männer mit und ohne SCI; ELISA für Caspase-1, Interleukin (IL) 1β und IL-18 im Samenplasma, Western Blot für ASC und Caspase-1 in Spermienfraktionen. ASC, Caspase-1, IL-1β und IL-18 waren im Samenplasma der SCI-Gruppe gegenüber Kontrollen erhöht; ASC und Caspase-1 auch in den Spermien (ASC in Akrosom, Äquatorialsegment und Mittelstück, Caspase-1 im Mittelstück); nach Angabe der Autoren der erste Nachweis von ASC im menschlichen Samen. Schwächen: Korrelation; keine p-Werte im Abstract. **Pacheco de Melo et al. 2025 [s33]:** 8 Männer mit SCI und 8 Kontrollen; Inflammasom-Proteine sowie β-2-Mikroglobulin, Cystatin-S und zwei Biglycan-Isoformen erhöht; keine Zahlen im Abstract. **Da Silva et al. 2013 [s127]:** 12 SCI-Patienten (6 EEJ, 6 PVS), 10 Kontrollen; 638 Proteine (MS^E) und 18 (2D-SDS-PAGE); Prozesse zu Aktin, Muskelfunktion und Eisenhomöostase nur in EEJ- und PVS-Gruppen, Antwort auf Wasserstoffperoxid und erhöhte Immunantwort nur in der PVS-Gruppe; Gewinnungsweg und Läsionsmerkmale sind vermengt.

#### Interventionen in der Probe und am Menschen (als Studienergebnisse)

**Ibrahim et al. 2014 [s119].** Prospektive In-vitro-Untersuchung an Samenproben von 32 Männern mit SCI: unbehandelt gegenüber Probe mit Anti-ASC-Antikörper, IgG als Kontrolle. Die mittlere Beweglichkeit stieg von 11,5 % (95 % CI 6,3 bis 16,7) auf 18,3 % (95 % CI 11,8 bis 24,8); in der Untergruppe mit Ausgangsbeweglichkeit 6 bis 40 % von 13,3 % (95 % CI 9,3 bis 17,3) auf 23,9 % (95 % CI 14,7 bis 23,0). Die obere Grenze steht so im Abstract (beim erneuten Abruf über Europe PMC bestätigt) und liegt unter dem Mittelwert; vermutlich ein Druckfehler der Quelle. IgG änderte die Beweglichkeit nicht; die Gesamtzahl beweglicher Spermien nahm zu. Einschränkungen: In-vitro-Versuch, kleine Zahl; zwei Autoren halten ein Patent zur Behandlung von Entzündung nach ZNS-Verletzung mit Antikörpern gegen Inflammasom-Proteine. **Ibrahim et al. 2018 [s93].** Prospektive einarmige Kohortenstudie, 20 Männer mit SCI; Probenecid (Hemmstoff des Pannexin-1-Kanals) für 4 Wochen (250 mg zweimal täglich in Woche 1, danach 500 mg zweimal täglich), Samenanalyse vor, nach der Behandlung und 4 Wochen später. Die Beweglichkeit verbesserte sich bei jedem Teilnehmer; progressive Beweglichkeit im Mittel von 19 % auf 26 % (p < 0,05), schnelle lineare Beweglichkeit von 5 % auf 17 % (p < 0,001), anhaltend in der Nachbeobachtung. Gesamtzahl beweglicher Spermien 15 Mio. vor, 28 Mio. nach, 27 Mio. in der Nachbeobachtung; die Konzentration blieb unverändert (52, 53, 53 Mio.). Gut vertragen. Schwächen: kein Placebo, keine Randomisierung, keine Fertilitätsendpunkte. **Camargo et al. 2021 [s68]:** 9 Männer mit SCI unter Probenecid (4 Wochen); Proteomik: 783 Proteine, 17 nahmen ab, 6 zu; hypothesengenerierend.

**Caremel et al. 2012 [s135].** Retrospektive Fallserie, 11 Männer mit kompletter Läsion von C5 bis Th6, die Botulinumtoxin in die Blasenwand wegen Überaktivität erhalten hatten, mit Ejakulationstests vorher und nachher. Kein Patient behielt eine natürliche Ejakulation; nach der Behandlung nahm die retrograde Ejakulation (Vibrostimulation) in 46 % zu, das Samenvolumen in 77 % ab (von durchschnittlich 1,8 ml auf 1 ml); die Samenqualität war leicht verbessert (Beweglichkeit in 67 %, Vitalität in 50 %, Samenkultur in 43 %). Schwächen: 11 Männer, keine Kontrolle, Mechanismus nur gedeutet. **Okada et al. 2021, Mirabegron [s72].** 30 Patienten mit SCI (20 bis 48 Jahre), alle mit TESE; 10 mit Mirabegron 50 mg/Tag über mehr als 2 Jahre, 20 ohne Anticholinergika und ohne Mirabegron. Kein Unterschied der Spermiengewinnungsrate (p = 0,083); histologisch bessere Spermatogenese in der Mirabegron-Gruppe (p < 0,05); die Autoren schließen, die therapeutische Dosis schädige die Spermatogenese nicht. Schwächen: nicht randomisiert, nur Männer mit ohnehin indizierter TESE, Verletzungsdauer und -höhe im Abstract nicht angegeben.

**Midodrin.** Leduc et al. 2015 [s115]: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie. Von 78 angesprochenen Männern mit SCI-bedingter Anejakulation (Läsion oberhalb Th10, über 1 Jahr) wurden 23 (Läsionshöhe C4 bis Th9) randomisiert, 20 schlossen ab (je 10). Ejakulation bei 1 Teilnehmer der Midodringruppe und bei 2 der Placebogruppe; autonome Dysreflexie unter PVS bei drei Patienten. Die Autoren sehen keine bessere Rate antegrader Ejakulation mit Midodrin. Die einzige randomisierte placebokontrollierte Studie zur Anejakulation bei SCI in der Sammlung, aber zu klein für eine sichere Aussage. Safarinejad 2009 [s149]: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie bei organischer Anejakulation ohne SCI (der Titel schließt SCI ausdrücklich aus), n = 128 (je 64). Placebo: bei niemandem Ejakulation; Midodrin: antegrad bei 18 (29,5 %), retrograd bei 8 (13,1 %), antegrad plus retrograd bei 9 (14,8 %) (alle p = 0,01); das beste Ansprechen hatten Patienten mit Multipler Sklerose, das schlechteste Patienten mit beidseitiger Sympathektomie; nach dem Abstract verbesserte Midodrin die Ejakulationsfunktion in dosisabhängiger Weise (Dosis 7,5 bis 15 mg pro Tag in Stufen); 4 Teilnehmer (6,3 %) brachen wegen Nebenwirkungen ab. Die Prozentangaben beziehen sich im Abstract offenbar auf 61 ausgewertete Patienten; Gruppengrößen pro Ursache fehlen. Die Studie belegt keine Wirkung bei SCI. Hadiji et al. 2013, [Evaluation of the management of erectile and ejaculatory dysfunction in a series of 90 patients with spinal cord injuries] (Bewertung der Behandlung von Erektions- und Ejakulationsstörungen in einer Serie von 90 Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s128]: retrospektive monozentrische Studie bei 90 Patienten mit Läsion des Conus medullaris (komplette Läsion S2 bis S4); Behandlungsversuche mit Prostaglandin E1, PDE5-Hemmern und Papaverin bei 77 von 90 (85,55 %); PVS (teils mit Midodrin) bei 74 von 90 (82,22 %). Ansprechen auf PGE1 und PDE5-Hemmer 81,63 % und 30,76 %; die Kombination aus Vibration und Midodrin verbesserte die Ejakulation in 52,63 %; Orgasmus fehlte bei allen. Schwäche: Ejakulationsergebnis nicht nach Samenqualität aufgeschlüsselt.

#### Vibrationsverfahren, Ejakulationsdyssynergie und Fallberichte zur Ejakulation

**Chong et al. 2017 [s100].** Prospektive Cross-over-Studie, 15 Männer mit SCI, drei PVS-Methoden (ein FertiCare-Gerät; Glans zwischen zwei FertiCare-Geräten; Glans zwischen den beiden Vibrationsflächen des Viberect-X3). Ejakulationsraten bei allen Methoden hoch; die Latenz war mit dem Viberect-X3 signifikant länger, der Viberect-X3 wurde von den Teilnehmern schlechter bewertet; zwischen den ersten beiden Methoden kein Unterschied. Zahlen stehen nicht im Abstract. **Alisseril et al. 2021 [s65].** Prospektive Beobachtungsstudie, 23 Männer mit Paraplegie (33,2 ± 6,8 Jahre), zwei PVS-Versuche mit Hochamplituden-Vibrator; alle vier Männer mit neurologischer Höhe oberhalb Th9 ejakulierten; von den klinischen Parametern war nur das Auftreten somatischer Reaktionen während PVS signifikant (p = 0,02). **Soler et al. 2016 [s111].** Prospektive Beobachtungsstudie, 33 Männer mit Anejakulation bei sexueller Stimulation; PVS nach Blasenkatheterisierung mit Pufferlösung, danach Katheter in die Harnröhre und anschließend Blase; 42 Versuche bei 22 Patienten. In 21 Proben (50 %) von 12 Patienten (11 mit SCI, 1 mit Diabetes) fanden sich Spermien in der prostatischen Harnröhre; die Beweglichkeit war in 8 Proben größer, die Zahl in 10 höher als in den Blasenproben; 10 Proben aus der Harnröhre konnten eingefroren werden gegenüber 5 aus der Blase. Vier von fünf wiederholt untersuchten Patienten hatten ein reproduzierbares Muster ("Ejakulationsdyssynergie"). Schwäche: kleine Stichprobe, keine Schwangerschaftsergebnisse.

**Japanische Elektroejakulations- und Fallberichte.** Momose et al. 1995 [s183]: 328 Versuche bei 53 Patienten (19 bis 47 Jahre; 1 bis 38 Jahre nach Verletzung), Seager-Gerät; antegrade Ejakulation bei 46 (86,8 %); bei Blasenlähmung vom Typ oberes Motoneuron 93 %, beim Typ unteres Motoneuron 63,6 % (P < 0,05); Beweglichkeit im Durchschnitt nur 17,2 %; künstliche Insemination in 54 Versuchen bei 11 Ehefrauen, zwei dokumentierte Geburten. Yamamoto et al. 1997, 脊髄損傷患者に対する Electroejaculation と人工授精について (Elektroejakulation und künstliche Befruchtung bei Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s180]: 69 Patienten (14 zervikal, 49 thorakal, 6 lumbal; mittleres Alter 30 Jahre, mittleres Intervall seit Verletzung 9 Jahre); antegrade Ejakulation bei 60 (86,9 %), bei unteraktiver Blase nur 58,3 %; Volumen 0,05 bis 5,2 ml (Mittel 1,0 ml), Konzentration 0 bis 546 Mio./ml (Mittel 40,3), Beweglichkeit 0 bis 70 % (Mittel 9,4 %); assistierte Reproduktion in 87 Anwendungen (AIH 80, IVF 2, ICSI 5) bei 15 Paaren: 4 Schwangerschaften (AIH 2, ICSI 2), 3 gesunde Lebendgeburten. Yamamoto et al. 1997, Fallbericht [s181]: ein tetraplegischer Mann zeugte mit EEJ und ICSI ein Kind (keine Spermienwerte im Abstract). Die drei Arbeiten [s183, s180, s181] stammen aus demselben Urologieprogramm. Hazama et al. 1988, [A case of a complete paraplegic fathering a girl following artificial insemination after an intrathecal neostigmine injection] (Ein Fall eines komplett Querschnittgelähmten, der nach intrathekaler Neostigmin-Injektion und künstlicher Befruchtung eine Tochter zeugte) [s192]: im zehnten Versuch 3 ml Samen mit 240 Mio. Spermien/ml, davon 5 % beweglich; Schwangerschaft und Geburt eines Mädchens; die Versuche 1 bis 9 führten nicht zur Befruchtung. Nagai et al. 1998 [s177]: ein SCI-Fall mit Anejakulation, drei IUI mit Samen nach intrathekalem Neostigmin ohne Schwangerschaft, dann IVF mit Embryotransfer (Ejakulatvolumen 4,5 ml, 33 Mio./ml, Beweglichkeit 33 %) und Drillingsgeburt; der zweite Fall war nicht neurologisch gesichert. Otani et al. 1994 [s185]: 28-jähriger Mann mit kompletter zervikaler Verletzung (C5); nach intrakavernöser Papaverin-Selbstinjektion kehrte die Ejakulation zurück; die Partnerin gebar nach normalem Verkehr ein Mädchen; keine Samenanalyse. Kyono et al. 2001 [s171]: Mann mit Klinefelter-Syndrom (47,XXY) und SCI; aus einer Hodenbiopsie wurden bewegliche Spermien gewonnen, drei von vier injizierten Eizellen befruchtet, eine Schwangerschaft mit Herzaktion in der sechsten Woche; die Doppelerkrankung verbietet eine Übertragung auf typische SCI-Fälle. Soda et al. 2025, [Testicular Sperm Extraction in an Unmarried Male Patient with Spinal Cord Injury: A Case Report] (Hodenspermienextraktion bei einem unverheirateten männlichen Patienten mit Rückenmarksverletzung: Fallbericht) [s39] (Hinyokika Kiyo, japanischsprachig): 32-jähriger Mann, Verletzung der Halswirbelsäule mit 23 Jahren, TESE in Narkose wegen Gefahr der autonomen Hyperreflexie, Johnsen-Score 10,0, Kryokonservierung; die Kosten wurden nicht von der Krankenversicherung gedeckt.

**Seager 2014 [s123] und Expertenrunde 2014 [s118].** Seager, Использование электроэякуляции у мужчин с невозможностью естественного семяизвержения: 30-летний опыт (Einsatz der Elektroejakulation bei Männern ohne natürliche Ejakulation: 30 Jahre Erfahrung) [s123], russische Übersetzung eines Erfahrungsberichts des Geräteentwicklers: früherer Bericht (1990) mit 266 Patienten, mehr als 2 500 Verfahren, daraus 37 Schwangerschaften; insgesamt mehr als 4 000 Verfahren ohne gemeldete unerwünschte Wirkungen; Ejakulation meist bei 5 bis 12 W und 300 bis 600 mA. Starker Interessenkonflikt; die Aussage "100 % Erfolg" bezieht sich auf Gewinnung, nicht auf Qualität; keine Samenparameter. Методы сбора эякулята: преимущества, недостатки и влияние на показатели спермограммы (Methoden der Ejakulatgewinnung: Vorteile, Nachteile und Einfluss auf das Spermiogramm) [s118] ist das Protokoll einer Diskussion auf dem XIII. Kongress der Russischen Urologischen Gesellschaft (Moskau, 6. bis 8. November 2013): Božedomov hält die EEJ nur bei Rückenmarkverletzten unter lokaler Betäubung für anwendbar; durch das Fehlen eines normalen Sexuallebens enthalte das Ejakulat stark erhöht "alte" Spermien mit beginnender Apoptose und DNA-Defekten, ihr Einsatz könne weniger wirksam und sicher sein als bei Spermien aus Nebenhoden oder Hoden. Das sind Expertenmeinungen ohne Datenerhebung; die Aussage zu "alten" Spermien ist eine Hypothese.


#### Operative Gewinnung und Ergebnisse assistierter Reproduktion

Der größte Teil der Literatur außerhalb der Samenanalysen beantwortet die praktische Frage, wie Spermien gewonnen werden und welche Schwangerschaftsraten folgen. Gewinnungsraten sind wegen Selektion (nur Männer, die in eine Klinik kommen) nicht auf alle Männer mit SCI übertragbar.

**Sønksen et al. 1997 [s179].** Retrospektive Analyse von 28 anejakulatorischen Männern mit SCI; alle konnten ejakulieren, 79 % durch PVS, 21 % durch EEJ; Gesamtspermienzahl median 65 Mio. (0,1 bis 480), Beweglichkeit median 13 % (1 bis 60 %); 9 von 28 Paaren (32 %) erreichten 10 Schwangerschaften (4 Selbstinsemination, 3 IUI, 1 IVF, 2 ICSI). **Hultling et al. 1997 [s178].** 25 Paare, 52 Zyklen, 81 Eizellentnahmen, 47 Embryotransfers; Gesamtspermienzahlen sehr variabel (0,01 bis 978 × 10^6); Befruchtungsrate vor ICSI 30 %, mit ICSI 88 %; kein Zusammenhang der Schwangerschaftsrate mit Spermienzahl, Läsionshöhe oder Befruchtungstechnik; 16 klinische Schwangerschaften, 11 Geburten; kumulative Schwangerschaftsrate pro Paar 56 %. **Engin-Üstün et al. 2006 [s161]** (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt; Gülhane, Ankara): 44 Männer mit Paraplegie durch Minen- und Schussverletzungen, 1998 bis 2005: 8 EEJ, 26 TESE, 10 Prostatamassage; acht Einlingsschwangerschaften (2, 4, 2); die Lebendgeburtenrate unterschied sich nicht signifikant. Das Design ist unterpowert (EEJ n = 8) und beweist keine Gleichwertigkeit. **Kanto et al. 2009 [s147]:** 22 Paare mit SCI; TESE-Spermien bei 19 von 22 (86 %), Befruchtungsrate 236 von 364 (65 %); 14 von 19 Paaren erreichten 18 Schwangerschaften mit 22 Kindern (pro Paar 74 %, pro ICSI 54 %); kein Unterschied zur obstruktiven Azoospermie bei der ersten ICSI (je 68 %); die Autoren vermuten, Hodenspermien von Männern mit SCI vertrügen das Einfrieren schlechter. **Iwahata et al. 2016 [s108].** Retrospektive Einzelzentrum-Kohorte (Dokkyo), 52 Männer; Gewinnung bei 42 von 52 (80,7 %); ICSI bei 37 mit Schwangerschaft bei 32 (86,5 %); Baby-take-home-Rate 70,2 %; bei erfolgreicher Extraktion größeres Hodenvolumen, kürzere Zeit seit der Verletzung, niedrigere LH- und FSH-Werte (FSH am stärksten assoziiert); bei Verletzung vor höchstens 12 Jahren bessere Gewinnungsrate (p = 0,045); nicht für das Alter adjustiert. **Morelli et al. 2025 [s31]** (vier italienische Zentren, 2011 bis 2021): 32 Personen mit Tetraplegie und 75 mit Paraplegie, 107 TESE-Eingriffe, medianes Alter 33 Jahre, mediane Zeit seit Verletzung 9 Jahre; Gewinnungsrate 81,3 %; von 87 Patienten erhielten 33 ICSI, 63,6 % wurden nach einem Zyklus schwanger, Lebendgeburtenrate (endgültig) 90,5 %; in der logistischen Regression war die Gewinnungsrate nicht von der Zeit seit der Verletzung abhängig. Das widerspricht [s108] (Schwelle 12 Jahre); mögliche Erklärungen (Auswahl, Stichprobe) klären die Abstracts nicht. **Makino et al. 2026 [s13]** (Fukuoka; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 69 Männer mit kompletter Lähmung der unteren Körperhälfte und Anejakulation, Nebenhoden-Spermienaspiration (CESA) 2010 bis 2023; Spermien bei 42 (60,9 %); FSH median 4,6 mIU/ml bei Erfolg gegenüber 12,9 mIU/ml bei Misserfolg; FSH war der stärkste Prädiktor, Grenzwert 5,95 mIU/ml; bei Erfolg Konzentration median 32 Mio./ml und Beweglichkeit 56 %; bei 35 Männern mit ART 56 klinische Schwangerschaften und 45 Lebendgeburten in 146 Transferzyklen (mehrere Schwangerschaften je Paar gezählt); registriert unter UMIN000055045. **Haghdani et al. 2026 [s09]** (Yazd; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 37 Männer mit SCI, 18 EEJ- und 36 TESE-Zyklen (2017 bis 2023); 21 (38,8 %) chemische und 19 (35,18 %) klinische Schwangerschaften, Lebendgeburtenrate 20,3 %; EEJ gegenüber TESE: chemisch 44,4 % gegenüber 36,1 % (p = 0,55), klinisch 33,3 % gegenüber 36,1 % (p = 0,89), Lebendgeburt 22,2 % gegenüber 19,4 % (p = 0,81); Auswertung pro Zyklus bei nur 37 Männern, zu klein für einen Gleichwertigkeitsbeleg. **Deng und Zhang 2026 [s03]:** 23 Männer mit kompletter retrograder Ejakulation (nicht ausschließlich neurogen): 14 mit Hodenspermien, 9 mit Spermien aus dem Urin; Befruchtung 86,11 % gegenüber 72,84 % (p = 0,022), hochwertige Embryonen 29,03 % gegenüber 13,79 % (p = 0,043), klinische Schwangerschaft 60,87 % gegenüber 27,78 % (p = 0,048), Lebendgeburt 52,17 % gegenüber 16,67 % (p = 0,017). **Wei et al. 2025 [s43]** (Zhejiang; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 9 Männer mit hoher Paraplegie (31,89 ± 4,83 Jahre, Verletzungsdauer 1 bis 13 Jahre), TESA mit ICSI; Spermien bei allen neun gewonnen; sechs Paare (66,7 %) erreichten Schwangerschaft und Lebendgeburt; Angst bei drei, Depression bei vier Patienten. **Hibi et al. 2008 [s153]:** retrograde Vasalspermien-Aspiration bei acht Patienten mit neurogener Anejakulation nach SCI, bei allen bewegliche Spermien für ICSI kryokonserviert, klinische Schwangerschaften bei acht Paaren (Bezugsgröße nicht eindeutig). **Komiya et al. 2004 [s168]**, Titel in der Datenbank englisch "Clinical results of infertility treatment to male patients with spinal cord injury" (Klinische Ergebnisse der Infertilitätsbehandlung bei männlichen Patienten mit Rückenmarksverletzung; japanischsprachig): 16 Männer, EEJ oder TESE; 14 Schwangerschaften bei 10 Paaren, 11 Lebendgeburten bei 7 Paaren, 4 Fehlgeburten; kein auffälliger Unterschied in Konzentration und Beweglichkeit zwischen erfolgreicher und erfolgloser Gruppe.

**Taiwan.** Shieh et al. 2003 [s170]: 10 infertile Männer mit SCI; EEJ, danach je nach Befund IUI, ICSI, chirurgische Gewinnung, Kryokonservierung oder Spendersamen; 7 klinische Schwangerschaften (88 %) bei sieben Paaren mit ICSI-Zyklen, kumulative Schwangerschaftsrate je Paar 80 % (8/10); die Autoren sehen ICSI-Ergebnisse mit SCI-Spermien als vergleichbar mit denen von Männern ohne SCI an; im Abstract kein statistischer Test. Chen et al. 1998 [s176]: Fallbericht; zwei EEJ ohne bewegliche Spermien, Vasalaspiration 26 Mio./ml bei 3 % Beweglichkeit; ICSI mit aufgetauten Spermien (5 Mio./ml, 1 % Beweglichkeit) führte zu Zwillingen. Chen et al. 2005 [s165]: Ehemann mit Th10-Paraplegie, Ehefrau mit L2-Paraplegie; zwei EEJ ergaben 0,1 bis 0,3 Mio. Spermien/ml bei 5 bis 20 % Beweglichkeit; ICSI mit aufgetauten Spermien führte zur Geburt eines gesunden Mädchens. Die drei Taiwan-Arbeiten stammen aus derselben Gruppe.

**Weitere Arbeiten zur SCI.** Korneev und Zasseev 2017, Преодоление бесплодия у мужчин с ретроградной эякуляцией и анэякуляцией (Überwindung der Infertilität bei Männern mit retrograder Ejakulation und Anejakulation) [s104] (Sankt Petersburg): retrospektive Serie 1998 bis 2013, 82 Männer (35 ± 15 Jahre), retrograde Ejakulation bei 54 (66 %), Anejakulation bei 28 (34 %); die retrograde Ejakulation entstand am häufigsten bei Diabetes, die Aspermie meist durch traumatische Rückenmarkverletzung. Bei 48 der 54 (89 %) fanden sich bewegliche Spermien im Urin für ICSI; bei 6 (11 %) wurde PESA/TESA durchgeführt, bei allen mit Erfolg; Schwangerschaftsrate pro Transfer 52 %; bei Aspermie PESA/TESA bei allen erfolgreich, 50 % pro Transfer. Keine Aufschlüsselung nach SCI und Diabetes, die Raten beziehen sich auf Transfers, deren Zahl nicht genannt ist. Morrison et al. 2017 [s101] (Jamaika): 45 Männer mit traumatischer SCI, erektile Dysfunktion 90,7 %, 73,3 % ohne Ejakulationsmöglichkeit, 71,1 % mit Kinderwunsch, niemand an assistierte Reproduktion überwiesen; betrifft die Versorgung, nicht die Samenqualität. López García-Moreno 2013, Doktorarbeit *La lesión medular como factor de riesgo de disfunción sexual en el varón* (Die Rückenmarksverletzung als Risikofaktor für sexuelle Funktionsstörung beim Mann) [s129] (Salamanca): 187 urologisch beurteilte Männer; Männer mit SCI hatten signifikant häufiger Ejakulationsstörungen, die Kontrollen (mit höherem Alter) häufiger verminderte Lust, erektile Dysfunktion und vorzeitige Ejakulation und höhere Angst- und Depressionswerte; Samenqualität wurde im Abstract nicht untersucht. Gao et al. 2026 [s06]: systematische Übersicht (PROSPERO CRD420261372301) zu lumbosakralen Erkrankungen und Ejakulationsstörung, 24 Studien; Ejakulationsstörungen standen im Zusammenhang mit Bandscheibenvorfall, Cauda-equina-Syndrom, Spinalkanalstenose, Tarlov-Zysten, Spina bifida, ankylosierender Spondylitis und Pudendusneuropathie; ein ursächlicher Zusammenhang bleibe nach den Autoren unbewiesen; die Samenqualität ist kein Endpunkt. Cheng et al. 2026 [s02]: Einzelzentrum-Studie (Dalian) mit dynamischer transrektaler Sonographie bei 20 Patienten mit kompletter retrograder Ejakulation (10 Diabetes, 10 Harnröhrenstriktur); drei Funktionstypen, der SCI-Typ ("Koordinationsstörung") wurde nur literaturbasiert ergänzt, eigene SCI-Patienten wurden nicht untersucht. Sakakibara et al. 2026 [s17]: Übersicht zur urogenitalen Dysfunktion bei neurologischen Erkrankungen ohne Samenparameter. Zhang und Li 2020 [s85]: Übersicht zur Genitalsensibilität nach SCI. Sakamoto 2014 [s122]: Übersicht zu geschlechtsdimorphen Kerngebieten des Lenden- und Sakralmarks. Fan und Liu 2005, [Penile vibratory stimulation and electroejaculation in the treatment of ejaculatory dysfunction] (Penisvibration und Elektroejakulation bei der Behandlung von Ejakulationsstörungen) [s166] (Zhonghua Nan Ke Xue, chinesischsprachig): rund 80 % der Männer mit Ejakulationsstörung bei intaktem Reflexbogen (oberhalb Th10) könnten mit PVS antegrad ejakulieren; die Übersicht nennt PVS als erste Wahl. Liu et al. 2014, [Spinal gastrin-releasing peptide system mediates sexual function of males: advances in studies] (Das spinale Gastrin-releasing-Peptid-System vermittelt die männliche Sexualfunktion: Stand der Forschung) [s120]: Neurone im oberen Lendenmark (L3, L4) projizieren zum unteren Lendenmark (L5, L6) und setzen GRP frei; pharmakologische GRP-Rezeptor-Stimulation stellte bei kastrierten Ratten Penisreflexe und Ejakulation wieder her. Ruan et al. 2006, [Peripheral nerve injury and male sexual dysfunction] (Periphere Nervenverletzung und männliche Sexualfunktionsstörung) [s162] (Fa Yi Xue Za Zhi): Kurzübersicht zur autonomen und somatischen Innervation ohne Daten.

**Funktionsverläufe nach Wirbelsäulenverletzung, ohne Samenanalyse.** Li et al. 2026 [s11] (Peking): 187 Männer mit zervikaler Rückenmarksverletzung ohne Fraktur oder Luxation, Laminoplastik, Nachbeobachtung median 57 Monate; Ausgangsbefund 97,3 % Erektionsstörung, 86,6 % Ejakulationsstörung; nach 2 Jahren IIEF-5 von 10,24 auf 16,20 (P < 0,05), 72,7 % mit normaler oder leicht eingeschränkter Erektionsfunktion; Ejakulationskontrolle normalisierte sich bei 87,7 % (PEDT von 10,73 auf 4,54, P < 0,05). Korrelationen der Erholung nach Spearman: ASIA-Grad vor der Operation ρ = -0,700 bis -0,754, Zeit bis zur Operation ρ = -0,402 bis -0,372, Rückenmarkssignalveränderung (HCS) ρ = -0,325 bis -0,341, minimales und mediales Torg-Pavlov-Verhältnis ρ = 0,716 bis 0,772 beziehungsweise 0,690 bis 0,746, Kompressionsrate ρ = -0,707 bis -0,752 (alle P < 0,001). Der Abstract unterscheidet nicht, ob mit "Ejakulationsstörung" vorzeitige Ejakulation (der PEDT misst diese) oder Anejakulation gemeint ist; keine Samenanalyse. Gao et al. 2025 [s28]: 117 Männer mit Brust-/Lendenwirbelfraktur und inkompletter SCI (dieselbe Klinik, andere Population); IIEF-5 vor der Verletzung 19,5 ± 6,4, danach 8,7 ± 8,0, nach zwei Jahren 17,5 ± 7,1; PEDT 5,3 ± 3,1, 6,9 ± 5,2 und 6,4 ± 5,1; etwa 70 % erreichten nach zwei Jahren wieder das Vorverletzungsniveau (rückblickende Angabe). Beide Studien sind komplementär, nicht unabhängig, und sagen nichts über die Spermienqualität.

### Rückenmarksverletzung: Tierversuche

Tierversuche liefern Mechanismen, deren Übertragbarkeit auf den Menschen begrenzt ist: Querschnittsmodelle bei Nagern haben andere Ejakulationsphysiologie, Haltungsbedingungen und Zeitverläufe, und die Läsionen liegen meist bei Th8 bis Th10. Die Stichproben sind klein, und Abstracts nennen meist keine Effektgrößen mit Konfidenzintervallen. Die iranischen Modelle stammen überwiegend aus denselben Arbeitsgruppen.

**Mäuse und weitere Modelle.** Rezaian et al. 2009 [s148] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 75 Mäuse (SCI, Sham, Kontrolle, je 25), Kontusion Th9, Nebenhodenspermien am Tag 1 und nach 1, 2, 4 und 6 Wochen, RT-PCR für CatSper-Gene (Kalziumkanäle der Spermienbeweglichkeit). Die Rückenmarksverletzung beeinträchtigte Spermatogenese sowie Spermienqualität und -quantität; CatSper 1 und 2 waren nach 4 und 6 Wochen signifikant herunterreguliert; alle Spermienparameter reduziert (keine Zahlenwerte im Abstract). Yuan et al. 2017 [s103] (Th10, Melatonin): Hodenblutfluss vermindert, Malondialdehyd und Myeloperoxidase erhöht, ZO-1 und Occludin vermindert; Melatonin kehrte dies um; Spermien nicht gemessen. Zhuang et al. 2024 [s54] (Ratte; Tier- und Zellversuche; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): SCI-Modell mit niedrigem Testosteron und Spermatogenesestörungen; Stickstoffmonoxid (NO) im Hoden erhöht, Lipophagie in Zwischenzellen vermindert (über den AMPK/mTOR/ULK1-Weg), M1-Makrophagen als Hauptquelle von NO; NO-Abfangen (CPTIO) stellte Lipophagie, Testosteron und in vivo die Spermatogenese wieder her; Fallzahlen und Effektgrößen im Abstract nicht genannt. Choobineh et al. 2016 [s107] und 2018 [s89] (Mausmodell): exogenes Testosteron senkte SOD- und GPx-Aktivität sowie den Malondialdehyd-Spiegel (kein signifikanter Abfall des Proteincarbonyls; Gesamtantioxidanzkapazität in den Behandlungsgruppen unverändert); in [s89] verminderten sich bei sofortiger Gabe der Anteil apoptotischer und abnormer Spermien, und Beweglichkeit sowie Johnsen- und Miller-Score verbesserten sich; die CADM1-Expression im Hoden war nach SCI vermindert. Dies sind Modellbefunde. Dashtdar und Valojerdi 2008 [s152] (Tierart im Abstract nicht angegeben): Durchtrennung bei Th9; nach 5 Tagen akute Entzündung des Samenbläschenepithels und Ultrastrukturveränderungen; rein morphologisch, Reversibilität offen.

**Ratten.** Kaddumi et al. 2020 [s81] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt) und 2022 [s62]: chronische SCI auf Höhe Th8 in drei Schweregraden (dorsales Drittel, dorsale zwei Drittel, komplette Durchtrennung), Fallzahlen nicht genannt. [s81] (Histologie): Durchmesser der Hodenkanälchen und Epithelhöhe in allen SCI-Gruppen vermindert; Spermatozyten- und Spermatidenschichten bei 1/3 und 2/3 vermindert, am stärksten bei kompletter Durchtrennung; die Autoren schließen, die ventralen Funikuli seien für die Spermatogenese bedeutsam. [s62] (Samenparameter): Spermienzahl nach 1/3 SCI und kompletter Durchtrennung gegenüber der Norm signifikant vermindert, bei Durchtrennung auch gegenüber den anderen SCI-Gruppen; der Anteil beweglicher Spermien nur bei Durchtrennung gegenüber allen anderen Gruppen vermindert, der Anteil schnell progressiv beweglicher Spermien in allen SCI-Gruppen vermindert; Serumhormone und Fruktose im Samen änderten sich nicht signifikant. Huang et al. 2004 [s167] (chronische SCI, Testosteron-Kapseln): spontane Erholung der Spermatogenese bei 7 von 8 unbehandelten SCI-Ratten; exogenes Testosteron stellte sie vollständig wieder her, aber 30 bis 70 % der Tubulusquerschnitte blieben regredient; Spermien unbehandelter SCI-Ratten mit geringerer Beweglichkeit, Vitalität und mitochondrialem Potenzial. Guha und Kumar 2026 [s07]: thorakale (Th12, spastisch) und sakrale (S2, nicht spastisch) Kontusion mit Sham; beide Modelle beeinträchtigten das Sexualverhalten, Degeneration der Hodenkanälchen, geringere Epithelhöhe, Störung der Blut-Hoden-Schranke (Occludin, ZO-1), Unterdrückung von Spermatogenesemarkern (STRA8, SCP3, PIWIL1, TNP1), Verminderung von Spermienvitalität, -zahl und -beweglichkeit sowie mehr Formveränderungen; erstes Modell mit Unterscheidung nach Läsionsebene. Wilkins et al. 2025 [s44] (Wistar-Ratte, Transektion und Kontusion): epidurale Rückenmarksstimulation auf den lumbalen Ejakulationsgenerator 3, 14 und 70 Tage nach Verletzung, Laufbandtraining zwei- oder fünfmal pro Woche über 6 Wochen; die Stimulation löste die Expulsionsphase zuverlässig, die Emissionsphase gelegentlich aus; die Spermienkonzentration hing von Vollständigkeit und Zeit seit der Verletzung ab und war bei chronischer kompletter Transektion am niedrigsten; Training erhöhte die Konzentration, zwei Trainingstage pro Woche verbesserten die Beweglichkeit signifikant; die Samenqualität ist Nebenbefund. Gaikwad et al. 2026 [s05] (Sprague-Dawley-Ratten, koreanische Zeitschrift, Erstautor mit Affiliation in Chicago): Studie 1 mit Kontusion bei 8 Ratten gegenüber 8 Sham-Tieren; nach vier Wochen akute Durchtrennung und intrathekale Infusion von Kochsalz oder Gastrin-releasing-Peptid (GRP 20-29, 0,2 nmol); GRP, nicht Kochsalz, löste Ejakulationsreflexe aus und verstärkte durch Stimulation des dorsalen Penisnervs ausgelöste Reflexe gleichermaßen in SCI- und Sham-Gruppe; die Autoren vermuten, eine Verminderung von GRP in lumbalen spinothalamischen Zellen könne zur Ejakulationsstörung nach SCI beitragen; gemessen wird die Reflexantwort, nicht die Samenqualität.

**Iranische Entzündungsmodelle.** Talebi et al. 2007 [s160]: 45 Wistar-Ratten, Läsion bei Th10, Nebenhodenspermien nach 8 Wochen; progressive Beweglichkeit und normale Morphologie signifikant verändert (p < 0,05); Anilinblau- und Chromomycin-A3-Test nicht signifikant, Natriumdodecylsulfat- und Acridinorange-Test signifikant (p < 0,001). Ramezanikhah et al. 2020 [s83] (Ratten, Th10, Gewichtsfall; Tag 3, 7, 14, 21, 28): Nlrp3 und Interleukin-1β stiegen am Tag 14 stark; IL-1β und IL-18 an Tag 14 und 21 mit Zerfall des Tubulusepithels, Keimzellapoptose, mehr abnormen Spermien und verminderter Beweglichkeit und Vitalität am Tag 21. Bazrafkan et al. 2018 [s88] (20 Ratten; Tag 1, 3, 7): NLRP3-mRNA am Tag 7 signifikant erhöht (p ≤ 0,05), ebenso Malondialdehyd. Nikmehr et al. 2017 [s102] (25 Ratten; Tag 1, 3, 7, 56 und Kontrolle): starke Abnahme von Spermienzahl und Beweglichkeit, besonders an Tag 3 und 7; Caspase-1 am Tag 3 erhöht (p = 0,009); negative Korrelationen zu Spermienzahl (r = -0,555; p = 0,01) und progressiver Beweglichkeit (r = -0,524; p = 0,02). Interventionsmodelle: Rasekh et al. 2025 [s36] (24 Ratten, Erythropoietin-Hydrogel; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): Vitalität und Beweglichkeit bei SCI vermindert (p < 0,01), unter Hydrogel besser (p < 0,05), Malondialdehyd nahm ab, Superoxiddismutase zu; Histologie nicht vollständig normalisiert. Taheri et al. 2025 [s40] (18 Ratten, Photobiomodulation): Spermienzahl, Beweglichkeit und Vitalität bei SCI vermindert, IL-1β und TNF-α erhöht, unter Photobiomodulation besser (P < 0,001); die im Abstract genannten Mittelwerte mit Streuung (zum Beispiel Standardabweichung größer als Mittelwert) sind nicht interpretierbar und werden nicht zitiert. Khazaei et al. 2025 [s29] (36 Ratten, Läsion durch Aneurysma-Clip, 52 Tage, Melissen-Extrakt): Entzündungsmarker, Lipidperoxidation, NLRP3-Expression und Spermienzahl in den Behandlungsgruppen gegenüber Vehikel verbessert. Die Interventionsstudien zeigen vor allem den SCI-bedingten Hodenschaden im Modell; Rückschlüsse auf den Menschen sind daraus nicht möglich.

**Hundestudie.** Perrin [s110] und Koršunov [s75] beziehen sich auf eine Hundestudie (Beweglichkeit und Spermatogenese nach drei Wochen deutlich beeinträchtigt), deren Primärarbeit nicht abgerufen wurde.

### Multiple Sklerose

Das Bild ist dünn und widersprüchlich. Es gibt zwei Studien mit Samenanalyse bei Männern mit MS: die iranische Fall-Kontroll-Studie von Safarinejad [s156] und die kleinen italienischen Studien von D'Amico [s78, s69]. Weitere Studien betreffen Hormone oder Sexualfunktion, die umgekehrte Fragerichtung (Männerinfertilität als Risikofaktor für spätere MS) oder Tiermodelle.

**Safarinejad 2008 [s156]** (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt, Teheran). Fall-Kontroll-Studie, 68 Männer mit MS (ab 18 Jahren) und 48 altersgleiche gesunde Kontrollen. Zwei Blutproben im Abstand von 15 Minuten (LH, FSH, Prolaktin, Testosteron, Östradiol, SHBG), GnRH- und hCG-Test, Samenanalyse. Die basalen Serumspiegel für LH, FSH und Testosteron lagen bei MS signifikant niedriger (p = 0,01); nach GnRH-Analogon stiegen FSH und LH bei MS nicht signifikant an (der im Abstract genannte Wert p = 0,001 ist nicht eindeutig zugeordnet). Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen waren bei MS niedriger als bei Kontrollen. Patienten mit progredienter MS hatten stärkere und häufigere Störungen der Achse als solche mit schubförmig-remittierender MS. Die Autoren sprechen von hypogonadotropem Hypogonadismus und Fertilitätsbeeinträchtigung bei den meisten MS-Patienten. Stärken: umfangreiche Endokrinologie, Kontrollgruppe, die einzige gefundene klinische Studie mit Samenanalyse bei MS-Männern ohne Behandlungsbezug. Schwächen: keine Zahlenwerte der Spermiogrammparameter, keine Angaben zu Medikation, Krankheitsdauer oder Abstinenzzeit; derselbe Autor wie die SCI-Studie von 2003 [s169]; eine unabhängige Replikation fehlt.

**D'Amico et al. 2020 [s78].** Prospektive Fall-Kontroll-Studie (Catania): Männer von 18 bis 55 Jahren mit gesicherter RRMS ohne bisherige DMT; 38 von 41 Patienten ausgewertet (40,3 ± 12,3 Jahre), Kontrollen aus dem Andrologiezentrum; Messung bei Diagnose und 12 Monate nach der ersten DMT. Keine Unterschiede in Gonadensteroiden oder Spermienparametern, außer dem freien Testosteron, das bei RRMS niedriger war (Median 0,09 gegenüber 1,4; p < 0,0001; im Abstract ohne Einheit). Keine Korrelation mit Behinderungsgrad oder Krankheitsaktivität; nach 12 Monaten DMT kein Unterschied zum Ausgangswert. Die Autoren schließen, RRMS beeinträchtige die Fertilität möglicherweise nicht. Stärken: prospektiv, DMT-naive Männer. Schwächen: kleine Stichprobe, Kontrollen aus einem Andrologiezentrum. **D'Amico et al. 2021 [s69].** 16 Männer mit RRMS unter Natalizumab oder Ocrelizumab und 16 gematchte gesunde Kontrollen; Gonadensteroide und Spermienparameter bei Diagnose und nach 12 Monaten; kein Unterschied zu den Kontrollen zu beiden Zeitpunkten. Schwächen: 16 Männer, ein Jahr Beobachtung, gleiche Arbeitsgruppe wie [s78]; eine Überlappung der Teilnehmer ist nicht ausgeschlossen.

**Hormonelle Studien ohne Samenanalyse.** Rościszewska-Żukowska et al. 2026 [s16]: Fall-Kontroll-Studie, 126 Männer mit RRMS unter DMT (18 bis 67 Jahre) und 35 Kontrollen; Spermienparameter nennt der Abstract nicht. 118 (93,6 %) hatten normales Gesamttestosteron; niedriges Gesamttestosteron bei 2 (1,6 %) der MS-Patienten und 2 (5,7 %) der Kontrollen; niedriges freies Testosteron bei 53 (43,7 %) der MS-Patienten und 12 (34,3 %) der Kontrollen; bei unter 38-Jährigen war freies Testosteron signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,015). Längere Krankheitsdauer (11,83 Jahre) war mit niedrigem freien Testosteron assoziiert (OR 1,19; 95 % CI 1,06 bis 1,35; p = 0,004), ebenso die Zahl der Steroidbehandlungen (p = 0,003); kein Zusammenhang mit EDSS, MRT-Befunden oder DMT-Typ. Diaconu et al. 2022 [s58]: Querschnittsstudie, 64 Männer mit MS wurden mit einem klinischen Instrument gescreent, 50 (78 %) positiv; 46 wurden mit Morgen-Testosteron untersucht, davon 5 unter der Normgrenze; Testosteron korrelierte außer mit dem BMI weder mit demografischen noch mit Krankheitsparametern und sagte weder EDSS- noch T25-FW-Progression noch MRT-Aktivität voraus; Spermien nicht untersucht. Burdin et al. 2018, Гормональная функция гипофиза и яичек при эректильной дисфункции у больных рассеянным склерозом (Hormonfunktion von Hypophyse und Hoden bei erektiler Dysfunktion von Patienten mit Multipler Sklerose) [s96] (Moskau): 32 MS-Patienten mit leichtem Defizit (EDSS 0 bis 2), 20 mit mäßigem Defizit (EDSS 2,5 bis 5), 28 gesunde Männer und 37 Männer mit funktionellen Sexualstörungen. Kontrollmittelwerte: LH 7,005 ± 0,653 IE/l, FSH 8,011 ± 1,723 IE/l, Testosteron 2,839 ± 0,390 µg/l, Prolaktin 148,0 ± 20,84 µIE/ml. In Gruppe 1 lagen die Hormone im Normbereich, LH (8,146 ± 0,584 IE/l) und FSH (8,141 ± 1,505 IE/l) waren statistisch signifikant erhöht, Prolaktin lag signifikant über dem Wert der Gesunden und der Gruppe 2; nur bei drei Patienten der Gruppe 2 niedriges Testosteron und erhöhtes LH; ein pathologischer Hormonbefund wurde insgesamt nicht gesehen, der Testosteronspiegel wich nicht signifikant von den Kontrollen ab. Schwächen: keine Samenanalyse, Auswahl wegen erektiler Dysfunktion. Die Befunde stehen im Gegensatz zu [s156].

**Sexualfunktion.** Uca et al. 2018, Multipl Sklerozlu Erkek Hastalarda Cinsel Disfonksiyonun Değerlendirilmesi (Beurteilung der sexuellen Dysfunktion bei männlichen Patienten mit Multipler Sklerose) [s95] (Nöropsikiyatri Arşivi): 61 Männer mit MS, 60 gesunde Männer; VAS und BDI bei MS signifikant höher, IIEF und alle SF-36-Teilwerte signifikant niedriger (p < 0,05); mittlerer EDSS 2,75 ± 2,42; Depression (BDI mindestens 17) bei 62,5 % der MS-Patienten und 11,7 % der Kontrollen (p < 0,001); der IIEF korrelierte negativ mit Alter, Krankheitsdauer, Schubzahl, Ehejahren, EDSS, VAS und BDI. Die Gruppeneinteilung (45 plus 19 gleich 64) passt nicht zu den 61 Patienten; keine Samenparameter. Barnaulov 2014, Положительный гонадотропный эффект фитотерапии больных рассеянным склерозом и другими заболеваниями неврологического профиля (Positiver gonadotroper Effekt der Phytotherapie bei Patienten mit Multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen) [s124]: anekdotische Einzelfallberichte über Kräutermischungen; die einzige Samenangabe lautet, bei einem Ehemann sei das Spermiogramm ohne Pathologie gewesen; ohne Zahlen und Kontrollen; die Arbeit belegt weder einen Zusammenhang zwischen MS und Samenqualität noch eine Wirkung. Safarinejad zeigt in der Midodrin-Studie [s149], dass MS-Patienten das beste Ansprechen hatten (nur Ejakulationsfähigkeit). Seager [s123] nennt MS unter den Indikationen der EEJ und bringt erste Schwangerschaften bei Paaren mit MS-kranken Männern mit dem Gerät in Verbindung (Erfahrungsbericht, ohne Zahlen).

**Umgekehrte Fragerichtung.** Glazer et al. 2018 [s92]: registerbasierte Kohortenstudie (dänisches IVF-Register, verknüpft mit dem dänischen MS-Register), 51.063 Männer, deren Partnerinnen 1994 bis 2015 in dänischen Kinderwunschkliniken behandelt wurden; 24.011 mit männlicher Faktor-Infertilität, 27.052 Referenz; medianes Alter 34 Jahre. Höheres Risiko für prävalente MS (OR 1,61; 95 % CI 1,04 bis 2,51) und, nicht signifikant, für inzidente MS (HR 1,28; 95 % CI 0,76 bis 2,17); mögliche gemeinsame Ursachen: Hypogonadismus, gemeinsame Genetik oder autoimmune Komponente. Schwächen: Männer in Kinderwunschbehandlung, wenige MS-Fälle; die Frage der Samenqualität bei bekannter MS bleibt unbeantwortet. Shahraki et al. 2023 [s56] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): Metaanalyse (Suche bis Juni 2021; 197 Artikel, nach Duplikaten 109; 3 Studien in der Metaanalyse; 2090 MS-Fälle, 3.895.562 Kontrollen; 114 infertile Männer in der MS-Gruppe, 139.716 in der Kontrollgruppe); gepoolte OR 1,87 (95 % CI 0,89 bis 3,94; I² = 86,1 %, P = 0,001). Die Autoren folgern, es bestehe kein Zusammenhang; diese Schlussfolgerung stützt sich auf ein nicht signifikantes Intervall, das mit einer erhöhten OR vereinbar bleibt; die Heterogenität ist sehr hoch, es sind nur drei Studien. Die Studie von Glazer [s92] gehört vermutlich zu diesen drei, was der Abstract nicht ausdrücklich sagt. Die Mendelsche Randomisierung von Li et al. 2024 [s49] prüft dagegen die direkte Richtung (MS als Exposition): bidirektionale Zwei-Stichproben-Analyse (Shanxi) mit MS-GWAS-Daten als Instrumenten und "abnormalen Spermien" als Endpunkt; IVW, MR-Egger, MR-PRESSO; kausaler Zusammenhang zwischen MS und abnormalen Spermien mit OR 1,090 (95 % CI 1,017 bis 1,168; p = 0,014), Sensitivitätsanalysen bestätigten Robustheit. Einordnung: kleiner Effekt, Intervall nahe 1, ein breiter, nicht näher definierter Endpunkt, keine klinische Samenanalyse. Ein Brief zur Mendelschen Randomisierung in der Gegenrichtung (Shu und Hong 2024; keine direkte Assoziation) wurde mangels abrufbarem Abstract nicht als Quelle geführt.

**Übersichten.** Toljan und Briggs 2024 [s51]: Scoping-Review nach PRISMA (nur PubMed), 34 Studien, vier Themen (sexuelle Dysfunktion, erektile Dysfunktion, Fertilität, Familienplanung); sexuelle Dysfunktion bei Männern mit MS 35 bis 72 %; nur eine Minderheit bespricht dies mit dem Behandlungsteam; es könne einen Zusammenhang zwischen MS und Männerinfertilität geben, der aber auch durch verändertes Sexualverhalten bedingt sein könne; große Wissenslücke zu DMT und Familienplanung. Geng et al. 2023 [s55] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): narrative Übersicht; erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen, verminderte Libido, verminderte Spermienqualität und beeinträchtigte Fertilität; mögliche Mechanismen genetische Faktoren, Autoimmunität, chronische Entzündung, psychische Faktoren und Medikamente; keine Zahlen im Abstract. Massarotti et al. 2021 [s71]: drei offene Fragen (verursacht MS an sich Infertilität; Zusammenhang mit infertilitätsfördernden Zuständen; Einfluss von DMT auf die Gonadenfunktion). Hammad et al. 2024 [s47]: von 19 Artikeln beschrieben 11 eine positive Korrelation zwischen niedrigem Testosteron und Achsenstörung bei MS. Nezamzadeh et al. 2025 [s32]: MS könne bei jungen Erwachsenen sexuelle Dysfunktion und Infertilität verursachen. Shin et al. 2025 [s38]: Übersicht zum EAE-Tiermodell mit systemischer Entzündung und möglicher Beteiligung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse.

**Arzneimittel im Samen.** David et al. 2018 [s90]: multizentrische offene Studie (Novartis; keine chinesische, japanische oder koreanische Primärstudie), 13 Männer unter Fingolimod seit mindestens 6 Monaten mit je einer Samen- und Blutprobe; die Konzentrationen von Fingolimod und Fingolimod-Phosphat im Samen entsprachen im Gleichgewichtszustand denen im Blut; geschätzt 47,5 ng in 10 ml Ejakulat; die rechnerische Belastung einer Partnerin liegt um etwa das 400-Fache (Fingolimod) bzw. 2400-Fache (Fingolimod-Phosphat) unter den Werten ohne beobachtete Wirkung der Tierstudien; gemessen wurden Konzentrationen, nicht Spermienparameter; industrienahe Studie. Guarnaccia et al. 2022 [s60]: Teriflunomid war bei 4 von 10 Partnerinnen von Männern unter 14 mg täglich nachweisbar (Mittelwert 0,046 µg/ml); betrifft die Übertragung des Wirkstoffs, nicht die Samenqualität.

**Tiermodelle der Demyelinisierung.** Dorikhani et al. 2024 [s46]: 20 Mäuse (je 10), 12 Wochen 0,2 % Cuprizon, dann 5 Wochen Absetzen; Myelingehalt im Nucleus arcuatus nach 12 Wochen signifikant vermindert, Testosteron nach 12 und 17 Wochen signifikant vermindert, Höhe des Keimepithels, Interstitium und Zahl der Keimepithelzellen signifikant vermindert, Spermienzahl, Beweglichkeit und Vitalität nach 12 und 17 Wochen signifikant vermindert; die Autoren vermuten eine Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse durch chronische Demyelinisierung. Koohpeyma et al. 2024 [s48] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 24 Mäuse, 2 % Cuprizon im Futter, drei Gruppen (nur Cuprizon; Cuprizon plus Curcumin-Nanomizellen 50 oder 100 mg/kg); mit der höheren Dosis stiegen LH, FSH, Testosteron und totale antioxidative Kapazität, Malondialdehyd sank, Keimzellzahlen, Hodengewicht, Spermienzahl, -morphologie, -vitalität und -beweglichkeit verbesserten sich; die Kontrollgruppe ohne Cuprizon ist im Abstract nicht klar. Teymoori et al. 2025 [s41]: 40 Mäuse, Hodenatrophie, verminderter Tubulusdurchmesser und Epitheldicke unter Cuprizon; geprüft wurden Pflanzenwirkstoffe, deren Befunde hier nicht als Wirksamkeit gelesen werden. Die Cuprizon-Modelle zeigen im Tier eine Hodenschädigung bei Demyelinisierung;

### Parkinson-Krankheit

**Befundlage.** Es wurde keine Studie gefunden, die beim Menschen Samenqualität oder Spermienparameter bei Parkinson-Krankheit untersucht. Das ist ein Befund der Recherche, kein Beweis für das Fehlen solcher Studien: Titel- und Abstractsuchen in Europe PMC (Parkinson mit sperm, semen, fertility, testosterone in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch) sowie Suchen in J-STAGE, CiNii, CyberLeninka und TR Dizin lieferten dazu keine Treffer. Die Datenbanken eLIBRARY.ru, DergiPark, CNKI, KCI und arabische Dienste waren nicht durchsuchbar; für diese Räume gilt nur "in den erreichbaren Quellen wurde keine gefunden".

**Fragebogen- und Übersichtsarbeiten.** Sakakibara et al. 2001 [s172] (Chiba): Fragebogen zu Beckenorganfunktionen bei 115 Parkinson-Patienten (52 Männer, 63 Frauen; 35 bis 69 Jahre, Hoehn-und-Yahr-Stadium im Mittel 3, alle unter Levodopa) und 391 Kontrollen (271 Männer, mittleres Alter 48). Bei den Männern der Parkinson-Gruppe waren häufiger vermindert: Libido (83 %), Geschlechtsverkehr (88 %), Orgasmus (87 %), Erektion (79 %) und Ejakulation (79 %); Sexualstörungen nahmen mit dem Alter zu, nicht mit dem Hoehn-und-Yahr-Stadium. Schwächen: Fragebogen ohne Samenanalyse; die Kontrollen waren im Mittel 11 Jahre jünger, was ein erheblicher Störfaktor ist; Medikamenteneffekte sind nicht von der Erkrankung zu trennen. Varlıbaş et al. 2025 [s42]: Querschnittsstudie, 76 Patienten mit idiopathischem Parkinson (41 Männer, 35 Frauen, Hoehn und Yahr 1 bis 3, ohne Diabetes); 53,9 % mit sexueller Dysfunktion (ASEX); Betroffene waren älter, im höheren Stadium, hatten höhere SCOPA-AUT-Werte (p < 0,001) und häufiger Bluthochdruck (p = 0,001); Impulskontrollstörung 6,5 %; keine Angabe zu Ejakulation oder Samen. Gül et al. 2021, Parkinson Hastalığında Cinsel Fonksiyon Bozukluğu Prevalansı (Prävalenz sexueller Funktionsstörungen bei Parkinson-Krankheit) [s70] (Van Tıp Dergisi): 70 Patienten (30 Frauen, 40 Männer), Männer stärker durch sexuelle Unzufriedenheit und erektile Dysfunktion beeinträchtigt als Frauen (65 % gegenüber 46,6 %); von 16 Patienten mit sehr ausgeprägter erektiler Dysfunktion hatten 2 (12,5 %) eine leichte, 3 (18,75 %) eine mittlere und 11 (68,75 %) eine schwere Form (p < 0,05); keine Kontrollgruppe. Rafetto et al. 2026 [s15] und Salardaine et al. 2025 [s37] (systematische Übersicht in einer französischen Zeitschrift) beschreiben sexuelle Funktionsstörungen (Verlangen, Erregung, Orgasmus, Ejakulation); Hypersexualität sei selten und meist unter dopaminerger Therapie; Zahlen fehlen im Abstract. Bourque et al. 2021 [s67]: Männer mit Parkinson hätten niedrigere Androgenspiegel; Androgenbehandlungen hätten bisher keine ausreichend positiven Effekte gezeigt; Samenqualität ist kein Thema. Živolupov et al. 2015, Нейрогенная копулятивная дисфункция у мужчин: теоретические аспекты, дифференциальная диагностика и рациональная терапия (Neurogene kopulative Dysfunktion bei Männern: theoretische Aspekte, Differentialdiagnostik und rationale Therapie) [s116] (Terapevtičeskij archiv): Übersicht mit kleiner Beobachtung (40 Männer mit lumbosakraler Radikulopathie oder leichtem bis mittelschwerem Schädel-Hirn-Trauma); eine Tabelle nennt Prävalenzen sexueller Funktionsstörungen (Parkinson 60 %, Rückenmarkverletzung 25 bis 95 %, MS 62 bis 83 %, diabetische Polyneuropathie 100 %; Quellen nicht erkennbar); Samenparameter fehlen.

**Tierversuche.** Awogbindin et al. 2020 [s76]: Rotenon-Rattenmodell, 21 Tage; dopaminerge Neurodegeneration in Substantia nigra und Hypothalamus; Hypospermatogenese (wenige SPACA-1-exprimierende Nebenhodenspermien mit Formveränderungen, wenige Spermien im Lumen, weniger Spermatiden und postmeiotische Keimzellen), gestörte Blut-Hoden-Schranke (Occludin), verstärkte Caspase-3-Aktivierung, schwächere SRY- und GADD45g-Expression, verminderter Serum-Testosteron bei unverändertem FSH, oxidativer Schaden und Hemmung der Acetylcholinesterase im Hoden, obwohl Rotenon im Hoden nicht nachweisbar war. Die Autoren sehen eine mögliche Vermittlung über die Hirn-Hypothalamus-Hoden-Verbindung, unabhängig von der Hypophyse. Schwächen: Rotenon ist ein systemisches Toxin, keine Fallzahlen im Abstract, nicht auf den Menschen übertragbar. Ünver Saraydin und Ergin 2026 [s19] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt; Sivas): Ratten mit Rotenon (2 mg/kg täglich, 20 Tage): Gewichtsverlust (z = -4,292; p < 0,001), weniger Tyrosinhydroxylase in der Substantia nigra, im Hoden zeitabhängiger Rückgang von GPR30, GPR120 und GPR125; keine Spermienanalyse, keine Hormonwerte; die Biomarker-Idee ist Hypothese. Kobayashi et al. 2019, パーキンソン病様症状を催す遺伝子改変マウスの雄性不妊解析 (Analyse der männlichen Unfruchtbarkeit bei gentechnisch veränderten Mäusen mit Parkinson-ähnlichen Symptomen) [s86] (Kongressabstract, J-STAGE): homozygote TH-GFP-Transgenmäuse zeigen Tremor, Akinese und männliche Unfruchtbarkeit; die Spermatogenese ist im Spermatozytenstadium arretiert, elongierte Spermatiden und spätere Zellen fehlen; höherer Tracer-Einstrom in die Blut-Hoden-Schranke; Fgf2 und die Testosteron-Synthase Cyp17a1 vermindert; die Insertion löscht Exon 2 des Gens Ugt8a. Nach Deutung der Autoren verursacht dieser Gendefekt der Transgenlinie beide Merkmale; es ist also kein Befund zur Parkinson-Krankheit des Menschen.

### Neuropathie und Diabetes

Neuropathie ist der dünnste Bereich: Reine Studien zu Polyneuropathie und Samenqualität wurden nicht gefunden. Es gibt Arbeiten zur diabetischen Ejakulationsstörung, die nur teilweise ausdrücklich neuropathisch begründet wird. Die EAU-Leitlinie [s04] beschreibt, dass autonome Neuropathie zu erektiler Dysfunktion und Ejakulationsstörungen führe, von verzögerter über retrograde Ejakulation bis Anejakulation, abhängig vom Grad der sympathischen Beteiligung.

**Humane Samenanalysen bei diabetischer Neuropathie.** Ali et al. 1993, *Semen analysis in insulin-dependent/non-insulin-dependent diabetic men with/without neuropathy* [s186]: vergleichende Querschnittsstudie mit 100 insulinabhängigen (IDDM) und 314 nicht insulinabhängigen (NIDDM) Diabetikern mit und ohne objektiven Hinweis auf Neuropathie (15 bis 80 Jahre, Diabetesdauer 1 bis 33 Jahre) und altersgleichen Nichtdiabetikern. Gesamtspermienleistung und Konzentration waren bei neuropathischen Diabetikern beider Typen deutlich höher (im Abstract als "p > .0005" geschrieben, vermutlich p < 0,0005; beim erneuten Abruf bestätigt); Beweglichkeit und Samenvolumen waren um etwa 30 beziehungsweise 60 % geringer, die Morphologie unverändert. Kein signifikanter Unterschied zwischen neuropathischen und nicht neuropathischen Diabetikern; die Autoren deuten auf endokrine Ursachen und diskutieren Leydig-Zell-Hyperplasie und Atonie von Blase und Harnröhre. Einordnung: Die Studie ist alt; der fehlende Unterschied zwischen Diabetikern mit und ohne Neuropathie ist ein Gegenargument zu einer rein neuropathischen Erklärung. Ali und Rakkah 2007, *Neurophysiological role of sildenafil citrate (Viagra) on seminal parameters in diabetic males with and without neuropathy* [s157] (Mekka): kontrollierte Studie mit 50 IDDM- und 50 NIDDM-Männern, jeweils mit und ohne Neuropathie, und 50 nicht diabetischen Kontrollen (20 bis 65 Jahre); chronische Gabe von 100 mg Sildenafil; bei neuropathischen Männern sanken Gesamtspermienleistung und Konzentration signifikant (p < 0,001), Beweglichkeit und Samenvolumen stiegen um etwa 40 % beziehungsweise 48 %; bei Diabetikern ohne Neuropathie kein signifikanter Unterschied. Schwächen: Behandlungs- und Neuropathie-Effekt sind vermischt, Ausgangswerte und Untergruppengrößen fehlen, die vorgeschlagene Mechanik wurde nicht gemessen; Design, Altersspannen und Formulierungen ähneln der Studie von 1993 [s186] stark, was ein Grund zur Vorsicht ist; ein Beleg für eine Wirkung ist die Studie nicht.

**Retrograde Ejakulation und Gewinnung.** Arafa und El Tabie 2008 [s151]: prospektive Interventionsstudie, 33 Diabetiker mit retrograder Ejakulation (23 komplett, 10 partiell), drei aufeinanderfolgende Behandlungsserien mit Imipramin 25 mg zweimal täglich, Pseudoephedrin 120 mg zweimal täglich oder beidem. Bei kompletter retrograder Ejakulation antegrades Ejakulat bei 10 Patienten (38,5 %) mit Imipramin, 11 (47,8 %) mit Pseudoephedrin, 16 (61,5 %) mit beiden; bei partieller verbesserten sich Volumen, Spermienzahl, Gesamt- und progressive Beweglichkeit. Die Prozentwerte beziehen sich offenbar auf unterschiedliche Nenner (10 von 26 entsprechen 38,5 %, aber nur 23 Patienten hatten komplette retrograde Ejakulation); das ist aus dem Abstract nicht auflösbar. Adel Domínguez et al. 2026 [s01]: Leserbrief zu Mazindol bei Aspermie durch diabetische Neuropathie; abgerufen wurde nur der Einleitungsabsatz. Lu et al. 2014 [s121] (Jinan): 21 anejakulatorische Diabetiker, bei denen Medikamente und PVS versagt hatten; Gewinnung durch retrograde Ejakulation (n = 10) oder Prostatamassage (n = 8); Befruchtungsrate 78,3 % gegenüber 66,6 %, Rate guter Embryonen 56,6 % gegenüber 48,8 %, Schwangerschaften 50 % gegenüber 37,5 %; kein signifikanter Unterschied; 21 im Eingang, 18 in den Gruppen, Differenz nicht erklärt. Liu et al. 2020 [s82] (Xi'an): 1219 Männer mit Azoospermie oder retrograder Ejakulation, TESA-ICSI 2015 bis 2019; 54 mit Typ-2-Diabetes, 1165 ohne; verfügbare Embryonen 75,20 ± 26,40 % gegenüber 78,36 ± 23,25 %, hochwertige Embryonen 46,49 ± 30,37 % gegenüber 47,55 ± 28,57 %, Fehlgeburtsrate 20,83 % gegenüber 8,88 %; alle Unterschiede nicht signifikant; geringe Power; nicht neurologisch angelegt. Li et al. 2026 [s12] (Baoding): 115 Diabetiker (39,9 Jahre) mit gesicherter retrograder Ejakulation; 80,0 % vollständige retrograde Ejakulation, 54,8 % mittelschwere bis schwere erektile Dysfunktion, 39,1 % Anorgasmie; Typ-1-Diabetiker hatten häufiger Anorgasmie (65,5 % gegenüber 30,2 %); Prädiktoren der erektilen Dysfunktion: Diabetesdauer (OR 1,70; P < 0,001), Alter (OR 1,23; P < 0,001), HbA1c (OR 1,70; P = 0,004); keine Samenparameter, keine Neuropathiemessung. Kim et al. 2012 [s138]: koreanische Umfrage an 275 Diabetespatienten; 124 (45,1 %) berichteten urogenitale Beschwerden, davon 93 (75,0 %) Miktionsstörungen und 61 (49,2 %) Sexualstörungen; Selbstauskunft ohne Neuropathie-Diagnostik und ohne Samenanalyse. Chen und Xiao 2011, [Changes of nerve growth factor and M3 subtype muscarinic receptor in the seminal vesicle of diabetic rats] (Veränderungen von Nervenwachstumsfaktor und muskarinischem M3-Rezeptor in der Samenblase diabetischer Ratten) [s141] (Zhonghua Nan Ke Xue): 15 Ratten (10 Streptozotocin-Diabetes, 5 Kontrollen), Befund nach acht Wochen: weniger glatte Muskelzellen, dünneres Zytoplasma, gestörte Struktur; mittlere integrierte optische Dichte M3 0,0187 ± 0,0024 (Kontrolle) gegenüber 0,0100 ± 0,0015, NGF 0,0209 ± 0,0085 gegenüber 0,0412 ± 0,0117 (beide P < 0,01); als Hinweis auf eine autonome Neuropathie der Samenblase gedeutet; keine Samenparameter.

**Russische Serien zur autonomen diabetischen Neuropathie.** Die Arbeiten stammen aus derselben Moskauer Gruppe und überschneiden sich in den Patienten. Kurbatov et al. 2013, Коррекция ретроградной эякуляции у больных сахарным диабетом 1-го типа (Korrektur der retrograden Ejakulation bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1) [s133]: unkontrollierte Serie mit 12 Patienten (25,7 ± 6,1 Jahre) mit absoluter retrograder Ejakulation, endourethrale Kollageninjektion in den Blasenhals (Operationsdauer 16 ± 7 Minuten, Kollagen 9 ± 4 ml); antegrade Ejakulation wiederhergestellt bei 11 von 12; Nachbeobachtung bei 10 über 12 Monate: Wirkung bei 7 Patienten 6 Monate, bei 2 Patienten 9 Monate, bei einem 12 Monate; natürliche Schwangerschaft bei den Partnerinnen von 2 Patienten (eine Fehlgeburt, eine Geburt in der 39. Woche). Samenwerte nach dem Eingriff (Mittelwert ± Standardabweichung [Spannweite]): Volumen 0,25 ± 0,14 ml [0,1 bis 0,35]; Konzentration 93 ± 62,2 Millionen/ml [7 bis 180]; lebende Spermien 61,7 ± 24,5 % [29 bis 88]; Beweglichkeit A + B 10 ± 6,8 % [0 bis 22]; unbewegliche 81,4 ± 17,5 %; normal geformte 18,5 ± 12 % [1 bis 41]. Die Schwangerschaften traten bei Patienten mit der höchsten Konzentration normaler Spermien auf. Kurbatov et al. 2013, Восстановление фертильности у больных сахарным диабетом 1-го типа (Wiederherstellung der Fertilität bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1) [s132]: Übersicht mit Zwischenbericht zu 10 Patienten derselben Technik; bei 9 von 10 (90 %) der physiologische Spermienweg wiederhergestellt; 2 Schwangerschaften; die Übersicht nennt Neuropathien bei 65 bis 80 % der Diabetiker, urogenitale Neuropathie bei 10 bis 20 %, erektile Dysfunktion bei 50 bis 60 %. Kurbatov et al. 2015, Диагностика и лечение анэякуляции как проявления урогенитальной формы автономной диабетической полинейропатии (Diagnostik und Behandlung der Anejakulation als Manifestation der urogenitalen Form der autonomen diabetischen Polyneuropathie) [s117]: 30 Patienten mit Typ-1-Diabetes und absoluter retrograder Ejakulation; Alter 32 [30; 35] Jahre, Diabetesdauer 17 [12; 22] Jahre, HbA1c 7,4 % [6,9; 8,0]; Stimulationsneurografie des N. pudendus (Mittelwert ± Standardabweichung gegenüber Norm): M-Antwort-Amplitude 0,89 ± 0,17 mV (Norm über 3,5), Leitungsgeschwindigkeit 14,2 ± 2,5 m/s (über 19,7), residuale Latenz 7,6 ± 1,6 ms (unter 3,0), Reizschwelle 80 ± 17 mA (unter 20); Korrelation zwischen HbA1c und Leitungsgeschwindigkeit r = -0,41 (p = 0,012). Nach endoskopischer Injektion eines volumenbildenden Materials unter die Schleimhaut der hinteren Harnröhre antegrade Emission bei 22 von 30 (73 %), Wirkdauer 7 [2; 12] Monate; bei 6 Patienten mindestens ein Jahr; natürliche Zeugung bei den Partnerinnen von 4 Patienten, 3 Lebendgeburten (10 %), eine Fehlgeburt. Samenwerte der 22 Responder (Median [Quartile]): Volumen 0,9 ml [0,5; 1,5]; Konzentration 65 Mio./ml [32; 113]; Beweglichkeit A + B 17 % [14; 37]; normale Formen 20 % [11; 35]; Asthenozoospermie bei 83 %. Responder und Nicht-Responder unterschieden sich in der Diabetesdauer (15 [10; 21] gegenüber 21 [16; 23] Jahre; p = 0,04) und im HbA1c (7,1 % [6,8; 7,7] gegenüber 7,8 % [7,5; 8,0]; p = 0,04). Bei den Männern mit spontaner Zeugung lagen Volumen 1,2 ml [0,9; 1,6], Konzentration 35 Mio./ml [27; 65], Beweglichkeit A + B 29 % [18; 39], normale Formen 18 % [13; 20] (WHO-2010-Referenz: mindestens 1,5 ml, 15 Mio./ml, 40 %, 4 %). Stärken: elektrophysiologische Absicherung der Neuropathie, Quartile, offene Mitteilung des Misserfolgs. Schwächen: einarmig, keine Kontrolle, kleine Stichprobe, Samenwerte nur bei Respondern. Kurbatov et al. 2015 [s114] (J Sex Med): randomisierte, einfach verblindete Studie (1:1), 24 Patienten mit Typ-1-Diabetes und kompletter retrograder Ejakulation, die auf Imipramin nicht angesprochen hatten; Gruppe A endourethrale Kollageninjektion in den Blasenhals, Gruppe B Kochsalz; 23 schlossen ab. In Gruppe A (Ausgangswert bis 12 Monate): antegrades Volumen mittlere Differenz 0,71 ml, Konzentration 45,6 Mio./ml, Gesamtbeweglichkeit 15,4 Prozentpunkte, progressive Beweglichkeit 8,4 Prozentpunkte (jeweils p < 0,05); gegenüber Gruppe B waren primäre und sekundäre Endpunkte (außer IIEF-5) signifikant besser; Konfidenzintervalle und Gruppenwerte fehlen im Abstract. Die Aussage betrifft die Wiederherstellung des antegraden Wegs, nicht die Spermienqualität an sich. Judovskij et al. 1995, Анэякуляция: этиология и патогенез, классификация, клинические аспекты (Anejakulation: Ätiologie und Pathogenese, Klassifikation, klinische Aspekte) [s184]: 43 Patienten mit Anejakulation (1983 bis 1993); häufigste Ursachen Operationen an Prostata und Blasenhals (25,6 %) und Diabetes (18,6 %); Erscheinungsformen retrograde Ejakulation (51,2 %), gestörte Emission (27,9 %) und Aspermie (20,9 %); keine Samenparameter. Syrkaševa et al. 2016, Ретроградная эякуляция и мужской фактор бесплодия (обзор литературы) (Retrograde Ejakulation und männlicher Infertilitätsfaktor, Literaturübersicht) [s112]: retrograde Ejakulation macht etwa 0,3 bis 2 % der Männer in der Infertilitätsberatung aus; etwa 80 % der Fälle entfielen auf Diabetes, Prostataresektion, Blasenhalsoperationen oder Lymphadenektomie; eine zitierte Studie (16 Paare, 35 ICSI-Zyklen) nennt 51,2 % Schwangerschaftsrate; kein einheitliches Protokoll, die Datenlage reiche für einen Vergleich der Verfahren nicht aus. Tjuzikov et al. 2026, Мужские репродуктивные нарушения при сахарном диабете (Männliche Fortpflanzungsstörungen bei Diabetes mellitus) [s21]: narrative Übersicht; diabetische Neuropathie trete bei 30 bis 50 % der Diabetiker auf; die urogenitale Neuropathie senke die Sensibilität und störe die Reflexbögen von Erektion und Ejakulation.

**Diabetes insgesamt (nicht neuropathiespezifisch).** Pergialiotis et al. 2016 [s109]: Metaanalyse von Beobachtungsstudien; Diabetes vermindert das Samenvolumen (MD −0,66 ml; 95 % CI −1,10 bis −0,22) und den Anteil beweglicher Zellen (MD −14,29 %; 95 % CI −22,76 bis −5,82) und erhöht FSH (MD 0,47 mIU/ml; 95 % CI 0,01 bis 0,93) bei auf Infertilität untersuchten Männern; keine Beeinflussung der Gesamtspermienzahl (MD 13,16 × 10^6; 95 % CI −22,75 bis 49,07), der normalen Morphologie (−3,06 %; 95 % CI −6,25 bis 0,14), von LH (0,65 mIU/ml; 95 % CI −0,84 bis 2,13) und Testosteron (−0,18 ng/ml; 95 % CI −0,60 bis 0,24); wegen erheblicher Heterogenität seien feste Schlüsse nicht möglich. Zhong et al. 2021 [s74]: Metaanalyse mit 44 Studien (20.367 adipöse, 1386 diabetische Männer); Diabetes gegenüber Nichtdiabetikern: Samenvolumen MD −0,45 (95 % CI −0,63 bis −0,27; p < 0,001), Spermienzahl MD −13,12 (95 % CI −18,43 bis −7,82; p < 0,001), Konzentration MD −11,73 (95 % CI −21,44 bis −2,01; p = 0,02), progressive Beweglichkeit MD −14,37 (95 % CI −21,79 bis −6,96; p = 0,001), Testosteron MD −0,37 (95 % CI −0,63 bis −0,12; p = 0,004). Alaei et al. 2025 [s23]: Übersicht zu Chromatinschäden und epigenetischen Effekten bei Diabetes. Ein auf die Neuropathie zurückführbarer Anteil lässt sich aus diesen Arbeiten nicht abgrenzen, siehe [s186].

**Andere Neuropathien.** In den Suchläufen mit "peripheral neuropathy", "polyneuropathy", "Charcot-Marie-Tooth", "autonomic neuropathy" und Entsprechungen in anderen Sprachen kam keine Studie mit Spermien- oder Samenparametern. Einziger Fall: Orssaud et al. 2022 [s63], Fallbericht eines Mannes mit Leberscher hereditärer Optikusneuropathie (mtDNA-bedingt); mit 30 Jahren zwei Jahre Kinderwunsch ohne Erfolg, geringe Spermienbeweglichkeit und hoher Anteil morphologischer und ultrastruktureller Abnormitäten, auffällige Nebenhodenmarker; nach fünf Monaten Idebenon (zur Sehverbesserung verordnet) stiegen Beweglichkeit und Vitalität, es kam zu einer natürlichen Konzeption. Ein einzelner Fall ohne Kontrolle belegt keinen Kausalzusammenhang. Peripher einzuordnen ist auch Gao et al. [s06] (Pudendusneuropathie als eine von mehreren Ursachen von Ejakulationsstörungen, ohne Samenparameter).

### Weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie)

**Spinale Muskelatrophie.** Magot et al. 2024 [s50]: deskriptive Querschnittsstudie, 13 französische neuromuskuläre Zentren, Juni 2022 bis Juli 2023, erwachsene Männer mit genetisch gesicherter SMA Typ 2 oder 3, alle vor einer Risdiplam-Behandlung; 68 Patienten (36 SMA2, 32 SMA3), 41 mit Fertilitätsdaten, 33 Spermiogramme. Fertilitätsstörungen bei 27 von 41 (65,9 %; 95 % CI 51,3 bis 80,4), bei SMA2 19 Fälle (90,5 %; 95 % CI 77,9 bis 100), bei SMA3 8 Fälle (40 %; 95 % CI 18,5 bis 61,5); 81 % (27 von 33) der Männer mit Spermiogramm hatten eine abnorme Konzentration, 30 % eine Azoospermie; die Abweichungen hingen mit dem SMA-Typ (p < 0,001), der motorischen Schwere (p < 0,001) und dem Motor Function Measure (p < 0,01) zusammen. Stärken: erste Studie mit Spermiogrammen bei SMA, Konfidenzintervalle. Schwächen: Hälfte der Männer ohne Fertilitätsdaten, selektiv teilnehmende Patienten, Querschnitt. **Myotone Dystrophie Typ 1.** Ergoli et al. 2020 [s79]: 20 Patienten; etwa 50 % mit Hypospermie und Azoospermie, die übrigen mit Oligo-Astheno-Teratozoospermie; niedrigste AMH-Werte korrelierten am besten mit den Spermienveränderungen; verminderte Expression von DMPK, SIX5 und RSPH6A. Yanovsky-Dagan et al. 2022 [s64]: bei vier Patienten keine Selektion gegen Spermien mit hypermethyliertem DMPK; betrifft Vererbung, nicht Samenqualität. **Kennedy-Krankheit.** Chen et al. 2025, [Clinical characteristics and genetic analysis of a patient with Kennedy disease with secondary infertility as the initial symptom] (Klinische Merkmale und genetische Analyse eines Patienten mit Kennedy-Krankheit, dessen erstes Symptom die sekundäre Infertilität war) [s25] (Zhonghua Yi Xue Yi Chuan Xue Za Zhi): Fallbericht; fünfjährige sekundäre Infertilität, nichtobstruktive Azoospermie, kleines Hodenvolumen, Samenblasenatrophie, 52 CAG-Wiederholungen im Androgenrezeptor-Gen; ein Einzelfall.

**Spina bifida.** Deng et al. 2018 [s91] (Übersicht): Infertilität beruhe auf Spermatogenesedefekten und/oder gestörtem Spermientransport, die Schwere korreliere mit Läsionshöhe und Hydrozephalus. Fortingo et al. 2025 [s27] (Abrechnungsdaten): erektile Dysfunktion 7,83 %, Hypogonadismus 7,71 %, meist unbehandelt (66,6 % und 77,4 %). Rague et al. 2025 [s35]: 20 Männer, 70 % ohne Partnerschaft, kein Teilnehmer mit Vaterschaft, viele mit Kinderwunsch. Gotoh et al. 2020 [s80] (Nara): 36-jähriger Mann mit Spina bifida und leichter bis mittelschwerer Erektionsstörung; nach zwei Jahren ohne Schwangerschaft verminderte Samenmenge, Spermiendichte und Beweglichkeit (Zahlenwerte im Abstract nicht genannt); mit ICSI wurde ein gesundes Kind geboren. Shiomi et al. 2006 [s164]: 36 Männer mit Spina bifida angeschrieben, 26 antworteten; psychogene Erektion 85 %, Rigidität 54 %, Ejakulation 88 %, Orgasmus 65 %; psychogene Erektion und Ejakulation korrelierten mit der Sharrard-Klassifikation. Choi et al. 2017 [s99] (Seoul): 47 junge Männer mit Spina bifida; 24 (51,1 %) hatten im vergangenen Monat Geschlechtsverkehr; bei 10 der aktiven Männer (41,7 %) zumindest zeitweise Ejakulationsprobleme; Sexualfunktion und Lebensqualität korrelierten (r = 0,496; P = 0,014); keine Samenanalyse.

**Schlaganfall und Myasthenie.** Jung et al. 2008 [s154] (Korea): 109 männliche Schlaganfallpatienten (64,93 ± 8,81 Jahre) und 109 altersgleiche Kontrollen; IIEF-5 5,89 ± 7,08 gegenüber 10,67 ± 7,10; mangelnde Libido war mit 59,4 % die häufigste Ursache für fehlenden Verkehr; Läsionen im rechten Kleinhirn und linken Basalganglienbereich gingen mit Ejakulationsstörung bzw. verminderter Libido einher; Fragebogen, keine Samenanalyse. Zhu et al. 2024 [s53]: Zwei-Stichproben-Mendelsche Randomisierung mit umgekehrter Fragerichtung; männliche Infertilität und ein niedrigeres Risiko für Schlaganfall durch Erkrankung der kleinen Gefäße (OR 0,82; 95 % CI 0,68 bis 0,99; p = 0,044), für andere Schlaganfalltypen kein signifikanter Effekt; Konfidenzintervall berührt fast die 1. Wang et al. 2021 [s73] (Myasthenia gravis): 158 Patienten (52 Männer, 106 Frauen) und 161 gesunde Vergleichspersonen; Frauen mit MG hatten signifikant häufiger sexuelle Dysfunktion (48,11 % gegenüber 22,64 %; P < 0,001), bei den Männern ebenfalls häufiger (Zahl im Abstract nicht genannt); Alter (OR 1,13) und Depression (OR 1,53; P = 0,011) waren unabhängige Risikofaktoren; keine Samenparameter.

**Schädel-Hirn-Trauma und Zerebralparese.** Fedotov et al. 2018, Экспрессия рецептора CD117 в половых железах мужчин при черепно-мозговой травме (Expression des Rezeptors CD117 in den männlichen Keimdrüsen bei Schädel-Hirn-Trauma) [s97] (Rjasan): postmortale Untersuchung, 5 Männer (25 bis 44 Jahre), die 15 bis 35 Tage nach dem Trauma starben, gegen 6 am Unfallort Verstorbene. Kontrollen: mittlere Querschnittsfläche der Hodenkanälchen 35,2 × 10³ ± 3,7 µm². Im späten Verlauf: Kanälchen mit differenzierten Zellverbänden nur 41,4 ± 5,7 %, mit undifferenzierten 31,4 ± 5,8 %, nur mit Sertoli-Zellen 24,2 ± 5,2 %; mittlere Fläche 31,8 × 10³ ± 4,2 µm², um 11 % geringer (p < 0,05); Spermatiden fehlten in den betroffenen Kanälchen. Schwächen: nur 11 Fälle, Autopsiematerial (Intensivtherapie, Fieber und Todesursache können die Befunde beeinflussen), keine Samenanalyse. Usanov 2026, УТКИР БОШ МИЯ ШИКАСТЛАНИШИДА УРУГДОНЛАРНИНГ МОРФОФУНКЦИОНАЛ УЗГАРИШЛАРИ (Morphofunktionelle Veränderungen der Hoden bei akutem Schädel-Hirn-Trauma) [s22] (Samarkand; usbekisch, in einer Zeitschrift mit wirtschaftswissenschaftlichem Titel, fachliche Qualitätssicherung nicht beurteilbar): 30 Ratten; am 7. und 21. Tag Körper-, Hodengewicht und Hodenvolumen signifikant geringer (p < 0,05); Durchmesser der Hodenkanälchen um 4,7, 11,5, 17,7 und 30,1 % vermindert, die Dicke der Keimschicht entsprechend um 1, 8,2, 22,8 und 37,3 % (die vier Zeitpunkte nennt der abgerufene Text nicht); am 21. Tag Tunica albuginea um 29 %, Arteriolendurchmesser um 30,8 % und Zahl der Leydig-Zellen um 55,6 % vermindert; keine Samenparameter. Memiş et al. 2025 [s30] (Kayseri): Mausmodell des wiederholten leichten Schädel-Hirn-Traumas; die Telomerlänge der Spermien sank in der akuten Phase signifikant und stieg in der chronischen Phase nach wiederholtem Trauma wieder an; Rad51, Exo1, Rb1, RNaseH1 und RNaseH2 in ihrer Transkription verändert; Spermienzahl und Beweglichkeit nicht angegeben. Seçim et al. 2026 [s18] (Istanbul): 240 Jungen (1 bis 15 Jahre) mit Zerebralparese; erworbener Hodenhochstand bei 58 (24,2 %); unabhängige Prädiktoren: Frühgeburtlichkeit (OR 2,6; 95 % CI 1,3 bis 5,2), Hüftdysplasie (OR 3,1; 95 % CI 1,2 bis 8,3), Mangelernährung oder Sondenernährung (OR 3,1; 95 % CI 1,6 bis 6,1); Hodenatrophie bei 34,5 % der Jungen mit Hodenhochstand, bei neu erkannten Fällen häufiger als bei bekannten (65,4 % gegenüber 9,4 %; p < 0,001); spätere Fertilität nicht untersucht.


### Zusammenfassende Gewichtung der Studienlage

Nach Erkrankung und Evidenzart ergibt sich folgende Übersicht. Die Zählung nennt Quellen aus synthese.json, nicht unabhängige Beobachtungen.

| Erkrankung | Humane Samenanalysen | Randomisierte Studien | Metaanalysen und Leitlinien | Tiermodelle | Gesamteinschätzung |
|---|---|---|---|---|---|
| Rückenmarksverletzung | viele, meist klein, retrospektiv, mit überlappenden Kollektiven [s137, s144, s145, s175, s84, s59, s139, s140, s130, s163, s159, s77, s24] | eine Pilotstudie ohne Samenendpunkt [s115] | Metaanalyse nur zur Ejakulation [s126]; Leitlinien zur Gewinnung [s04, s45, s08] | zahlreich, überwiegend Nager, Läsion Th8 bis Th10 [s148, s81, s62, s167, s07 u. a.] | Muster "Zahl oft normal, Beweglichkeit und Vitalität vermindert" in vielen Kollektiven beschrieben; Ursachen nur zum Teil geklärt |
| Multiple Sklerose | eine Studie mit Samenanalyse und Hypogonadotropie [s156], zwei kleine Studien ohne Unterschied [s78, s69] | keine zur Samenqualität | Registerstudie und Metaanalyse zur umgekehrten Fragerichtung [s92, s56]; Mendelsche Randomisierung in direkter Richtung [s49] | Cuprizon-Modelle [s46, s48, s41] | dünn und widersprüchlich |
| Parkinson-Krankheit | keine | keine | keine | zwei Rotenon-Studien und eine Transgenlinie [s76, s19, s86] | keine humane Evidenz zur Samenqualität |
| Neuropathie (diabetisch) | eine ältere Studie [s186], eine mit vermischtem Behandlungseffekt [s157]; Samenwerte nach Eingriffen [s117, s133] | eine kleine, nach Abstract einfach verblindete Studie zur Wiederherstellung des Ejakulationsweges [s114] | Diabetes insgesamt: zwei Metaanalysen [s109, s74] | Samenblasen-Histologie [s141] | neuropathie-spezifischer Beitrag nicht abgrenzbar |
| Weitere | SMA [s50], myotone Dystrophie [s79], Einzelfälle [s63, s25, s80] | keine | keine | Schädel-Hirn-Trauma [s22, s30] | wenige Einzelbefunde |

## Mechanismen und biologische Plausibilität

Die Mechanismen werden hier in drei Stufen eingeteilt, nach der Art der vorliegenden Belege und nicht nach ihrer Wahrscheinlichkeit im Einzelfall. **Bewiesen** heißt in diesem Kapitel: in mehreren Studien am Menschen beobachtet und mit konsistenter Richtung, nicht notwendig kausal gesichert. **Plausibel** heißt: Hinweise beim Menschen, aber korrelativ, widersprüchlich oder nur in einzelnen Studien, oder gut belegt im Tiermodell mit biologisch nachvollziehbarem Bezug zum Menschen. **Spekulativ** heißt: nur eine Hypothese der Autoren, ein reiner Tierbefund ohne humane Entsprechung oder eine Deutung, die der Abstract selbst nicht prüft. Kausalbeweise im strengen Sinn (Intervention, die die Ursache beseitigt und das Ergebnis ändert) liegen für keinen der Mechanismen beim Menschen vor.

### Zusammenhang der Stufen im Überblick

| Mechanismus | Stufe | Wichtigste Belege | Hauptgrenze |
|---|---|---|---|
| Normale Zahl, verminderte Beweglichkeit und Vitalität nach SCI | bewiesen (als Befund) | [s137, s175, s145, s57, s159, s163, s77, s190, s183, s180] | beschreibt das Muster, nicht seine Ursache |
| Entzündungsprotein-Komplex (Inflammasom) im Samen | bewiesen (Befund), plausibel (Ursache) | [s131, s33, s119, s127] | Korrelation; In-vitro-Neutralisierung nur an Proben; Patentinteresse bei [s119] |
| Oxidationsstress, DNA-Schäden, Chromatin, Aneuploidie | bewiesen (Befund), plausibel (Ursache) | [s84, s59, s66, s130, s139, s140, s163, s113] | kleine Gruppen, teils selektiert auf infertile Männer; Gewinnungsweg vermischt |
| Leukozyten und Rundzellen im Ejakulat | bewiesen (Befund) | [s57, s159, s158, s142, s139, s140] | Ursache offen (Infektion, Stauung, Entzündung) |
| Erhöhte Skrotaltemperatur | plausibel | [s159, s110] | korrelativ in einer Studie; keine Interventionsstudie |
| Stauung und Alterung der Spermien in den Samenwegen | plausibel, strittig | dafür: [s84] (Abstinenzzeit und DNA-Fragmentation), [s118]; dagegen: [s174] | widersprüchliche Daten |
| Zentrale Hormonachse (Hypogonadotropismus) | plausibel, widersprüchlich | [s169, s105, s98, s190, s156] gegenüber [s78, s16, s96] | Samenparameter nicht in allen Studien gemessen |
| Harnwegsinfektion, Blasenmanagement | plausibel | [s155, s187], Hinweis in [s135] | nur Übersichts- und Einzelbefunde |
| Spermienantikörper | nicht belegt | [s191] negativ, [s187] positiv bei Infektion | Studien widersprechen sich |
| Stickstoffmonoxid, Lipophagie, M1-Makrophagen im Hoden | spekulativ (nur Tier) | [s54] | keine humanen Daten |
| Blut-Hoden-Schranke, Spermatogenesemarker | plausibel im Tier, spekulativ beim Menschen | [s103, s07, s76] | keine humanen Daten |
| Spinale Mustergeneratoren (GRP, L3 bis L5) | plausibel (Ejakulationsfunktion), nicht für Samenqualität | [s126, s120, s05, s44] | Funktion, nicht Qualität |
| Direkte nervale Hodenversorgung (Funikuli) | spekulativ (Tier) | [s81, s62] | Nagermodell |
| Dopaminverlust und Hodenrezeptoren (GPR30, GPR120, GPR125) | spekulativ | [s19, s76] | Rotenon ist ein Toxin; keine Spermienanalyse bei [s19] |
| Mendelsche Randomisierung MS und abnormale Spermien | spekulativ | [s49] | OR 1,090, Intervall nahe 1, Endpunkt breit |

### Bewiesen: das Befundmuster und die gemessenen Veränderungen

**Muster.** In sehr unterschiedlichen Kollektiven und Ländern findet sich bei SCI eine oft normale oder nahezu normale Spermienzahl bei deutlich verminderter Beweglichkeit und Vitalität: Miami [s137: Beweglichkeit 36,9 / 25,9 / 15,0 % nach Gewinnungsweg gegenüber 58,0 % bei Kontrollen], Kairo [s159], Teheran [s163, s169], Kanagawa [s190], Nara/Osaka [s183, s180], Sankt Petersburg und Moskau (Samenwerte nur nach Wiederherstellung des Ejakulationsweges) [s104, s117]. Das Muster ist in über 30 Jahren und in mindestens acht Ländern berichtet worden. Es ist damit der am besten gesicherte Befund. Bei kompletter Läsion ist es ausgeprägter [s84, s144, s137]. Einschränkung: Die Übersichten und Kohorten teilen sich Daten (Miami-Datenbank), und die Gewinnungswege PVS und EEJ beeinflussen die Qualität selbst [s137, s139].

**Entzündungsprotein-Komplex.** Die Befunde von Zhang et al. [s131] (28 gegen 28: ASC, Caspase-1, IL-1β, IL-18 im Samenplasma erhöht, ASC und Caspase-1 auch in den Spermien) wurden von Pacheco de Melo et al. [s33] mit Proteomik an 8 gegen 8 Männern in Richtung "Inflammasom-Proteine erhöht" bestätigt, ebenso von da Silva et al. [s127] mit einer erhöhten Immunantwort in der PVS-Gruppe. Das ist eine Beobachtung an kleinen Gruppen in kleinen Studien verschiedener Arbeitsgruppen. Die In-vitro-Zugabe eines Anti-ASC-Antikörpers erhöhte die Beweglichkeit von 11,5 auf 18,3 % [s119]; die Probenecid-Studie [s93] (Pannexin-1-Hemmung) zeigte eine Verbesserung in jedem der 20 Männer, aber ohne Kontrollgruppe. Beide Interventionsarbeiten stützen den Mechanismus nur indirekt: Im ersten Fall war es eine Probe außerhalb des Körpers, im zweiten ein einarmiger Versuch; zudem besteht bei [s119] ein Patentinteresse der Autoren. Tierversuche zeigen die Aktivierung von NLRP3, Caspase-1 und IL-1β im Hoden von Ratten mit einem Maximum an Tag 3 bis 14 [s83, s88, s102] und passen zeitlich zur Entwicklung der Asthenozoospermie. Stufe: Der Befund ist beim Menschen mehrfach beschrieben (bewiesen als Beobachtung); dass er die Beweglichkeitsminderung verursacht, ist plausibel, aber nicht bewiesen.

**Oxidationsstress, DNA-Schäden, Chromatin.** Erhöhte DNA-Fragmentation bei SCI wurde unabhängig in Spanien [s84, s59, s66], im Iran [s130, s163] und in China [s139, s140] gefunden; Gosálvez et al. [s59] zeigten einen Anteil von Doppelstrangbrüchen von median 57,5 % gegenüber 4,6 % bei Normozoospermen und eine hohe DNase-Aktivität im Samenplasma; Bartolomé-Nebreda et al. [s66] fanden eine zellfreie DNA-Bande bei etwa 150 Basenpaaren in allen 15 SCI-Proben. Die Aneuploidieraten waren in der Shandong-Gruppe erhöht (1,5- bis 1,6-fach für die Chromosomen 13, 18 und 21, 2,3- bis 2,4-fach für X und Y) [s139]; ob dies bei allen Männern mit SCI gilt oder durch die Auswahl infertiler Männer erklärt wird, bleibt offen. Vargas-Baquero et al. [s84] sahen eine höhere pro-oxidative Kapazität (p = 0,0191). Tiermodelle zeigen Malondialdehyd-Anstieg [s88, s103] und Wirkung antioxidativer Interventionen [s36, s29, s89]. Einschränkung: Alle Kohorten sind klein, und die Spender-Kontrollen unterscheiden sich im Gewinnungsweg.

### Plausibel: Hypothesen mit gemischter Beleglage

**Skrotaltemperatur.** Momen et al. [s159] fanden bei niedrigerer Skrotaltemperatur eine signifikant höhere Gesamtbeweglichkeit (13,4 ± 9,9 gegenüber 7,1 ± 6,8) und progressive Beweglichkeit (4,4 ± 3,9 gegenüber 2,2 ± 2,1); Perrin et al. [s110] nennen sitzende Haltung und gestörte Thermoregulation. Es fehlt eine kontrollierte Interventionsstudie; die Aussage ist korrelativ.

**Stauung und "alte" Spermien.** Für diese Hypothese sprechen die positive Korrelation zwischen Abstinenzzeit und DNA-Fragmentation (r = 0,486; p = 0,041) bei 27 Männern [s84], der Hypothesenvorschlag des russischen Expertenprotokolls [s118] und der Befund, dass PVSA-gewonnene Spermien aus dem Samenleiter eine bessere Vorwärtsbeweglichkeit und weniger DNA-Fragmentierung zeigten als PVS-Spermien [s139, s140]; letzteres vermischt aber Gewinnungsweg und Patientenmerkmale. Dagegen steht die prospektive Studie von Sønksen et al. [s174]: 12 Monate lang mindestens einmal wöchentlich PVS veränderten bei 19 Männern keinen Samenparameter signifikant, und 6 von 9 Hodenbiopsien zeigten normale Spermatogenese; die Autoren schließen, Stauung sei nicht die Ursache. Auch der Befund, dass schon im ersten Monat nach der Verletzung die Beweglichkeit niedrig ist [s188], und die Befunde zu frühen Veränderungen in Tiermodellen [s102, s83] passen schlecht zu einem reinen Stauungsmodell. Stufe: strittig.

**Zentrale hormonelle Komponente.** Naderi und Safarinejad [s169]: 16 von 55 Männern mit SCI hatten erniedrigte Basalwerte beider Gonadotropine; Bauman et al. [s105] sahen einen fehlenden hypothalamischen Antrieb bei intakter Hypophysenantwort auf GnRH; Bauman et al. [s98] schlossen eine primäre testikuläre Störung aus. Die Japan-Daten (FSH niedrig in [s190]; niedrigeres FSH bei erfolgreicher Spermiengewinnung [s13, s108]) lassen auf eine Beziehung zwischen Achse und Spermatogenese schließen. Ein Befund, dass Hormonwerte keinen Einfluss auf Samenparameter hatten [s159], und die Aussage von Koršunov [s75], ein gesicherter Einfluss der Hormone auf die Spermatogenese sei nicht belegt, stehen dagegen. Bei der MS zeigt die Studie von Safarinejad [s156] Hypogonadotropismus, die Studien [s78, s16, s58, s96] überwiegend normale Gesamttestosteronwerte bei niedrigerem freien Testosteron in [s78, s16]. Stufe: plausibel, widersprüchlich.

**Harnwegsinfektion und Blasenmanagement.** Patki et al. [s155] nennen die Art des Blasenmanagements als Einfluss; Beretta et al. [s187] fanden Spermienantikörper häufiger bei Infektion; die Botulinumtoxin-Serie [s135] beschreibt eine leichte Verbesserung der Samenqualität nach Behandlung der Blasenüberaktivität und deutet dies als weniger Harnwegskontamination. Es sind kleine Studien ohne Kontrolle. Die Studie zu Mirabegron [s72] spricht gegen eine Schädigung der Spermatogenese durch dieses Mittel, ist aber nicht randomisiert.

**Samenantikörper.** Zwei Studien widersprechen sich: kein Mann von 16 mit Antikörpern [s191] gegenüber 12 % und 38 % in zwei Gruppen mit und ohne Infektion [s187]. Stufe: nicht belegt.

**Hodengewebe und Spermatogenese im Tier.** Die Schädigung der Hodenkanälchen nach Rückenmarkverletzung ist in vielen Nagerstudien konsistent beschrieben [s81, s62, s07, s167, s148], mit abgestufter Schwere bei größerer Läsion [s81, s62]. Die Wiederherstellung durch Testosteron war in [s167] unvollständig (30 bis 70 % der Tubulusquerschnitte regredient), spontane Erholung wurde bei 7 von 8 unbehandelten Tieren beobachtet. Beim Menschen gibt es wenige Hodenbiopsien: 6 von 9 mit normaler Spermatogenese [s174]; die Gewinnungsraten bei operativer Spermiengewinnung liegen in Serien bei 60,9 bis 86 % [s13, s108, s147, s31]; nach Koršunov (aus zweiter Hand) war die Spermatogenese in Biopsien 1, 3 und 6 Monate nach dem Trauma in 39, 48 und 80 % erhalten [s75]. Das heißt: Beim Menschen ist der Hoden bei den meisten Männern funktionsfähig, aber nicht bei allen.

**Ejakulationsfunktion (nicht Samenqualität).** Die Ejakulationsfunktion ist von der Samenqualität zu trennen. Chéhensse et al. [s126] begründen aus 45 Studien einen spinalen Ejakulationsgenerator bei L3 bis L5 (nach der Ejakulationsrate bei Läsionen unterschiedlicher Höhe). Das GRP-System im Lendenmark ist im Tier gut belegt [s120, s05]; Wilkins et al. [s44] lösten bei Ratten mit epiduraler Stimulation die Expulsionsphase zuverlässig aus. Diese Mechanismen erklären, warum Männer mit SCI nicht ejakulieren, nicht warum die Spermien in der Probe weniger beweglich sind. Soler et al. [s111] beschreiben eine "Ejakulationsdyssynergie" mit Spermien in der prostatischen Harnröhre und reproduzierbarem Muster; Cheng et al. [s02] unterscheiden drei Funktionstypen der retrograden Ejakulation (Koordinationsstörung, unvollständiger Schluss, Blasenhalsversagen), ohne eigene SCI-Patienten.

**Diabetische autonome Neuropathie.** Die Neuropathie lässt sich elektrophysiologisch zeigen: Kurbatov et al. [s117] fanden bei 30 Männern mit Typ-1-Diabetes und retrograder Ejakulation eine Leitungsgeschwindigkeit des N. pudendus von 14,2 ± 2,5 m/s (Norm über 19,7) und eine M-Antwort-Amplitude von 0,89 ± 0,17 mV (Norm über 3,5), die Leitungsgeschwindigkeit korrelierte mit dem HbA1c (r = -0,41; p = 0,012). In der Samenblase diabetischer Ratten waren die M3-Rezeptor-Färbung vermindert und der Nervenwachstumsfaktor erhöht [s141]. Dem steht die ältere Studie [s186] gegenüber, die zwischen Diabetikern mit und ohne Neuropathie keinen Unterschied der Samenparameter fand, und die Meta-Analysen zu Diabetes insgesamt [s109, s74], die Samenvolumen, Beweglichkeit und teils Zahl mindern, ohne dass der Anteil der Neuropathie abgrenzbar wäre. Stufe: Mechanismus der retrograden Ejakulation plausibel und teils gemessen; Mechanismus der Samenqualitätsminderung durch die Neuropathie unbewiesen.

### Spekulativ: einzelne Hypothesen und Tierbefunde ohne humane Entsprechung

**Stickstoffmonoxid, Lipophagie, Blut-Hoden-Schranke.** Zhuang et al. [s54] beschreiben im Rattenmodell M1-Makrophagen als Hauptquelle von NO, das die Lipophagie in Leydig-Zellen über den AMPK/mTOR/ULK1-Weg stört und die Testosteronbildung mindert; das Abfangen von NO stellte in vivo die Spermatogenese wieder her. Yuan et al. [s103] fanden bei Mäusen ein Absinken von ZO-1 und Occludin und eine Umkehr durch Melatonin; Guha und Kumar [s07] fanden bei thorakaler und sakraler Läsion eine Störung der Blut-Hoden-Schranke und unterdrückte Spermatogenesemarker. Für Parkinson-Modelle fanden Awogbindin et al. [s76] eine gestörte Schranke (Occludin). Es gibt keine humanen Daten zu diesen Wegen; die Übertragbarkeit ist offen.

**Dopaminerge Neurone und Hodenrezeptoren.** Ünver Saraydin und Ergin [s19] schließen aus dem Rückgang von GPR30, GPR120 und GPR125 im Hoden von Rotenon-Ratten, der Verlust dopaminerger Neurone könne die Hodenfunktion über testosteronabhängige Regulation beeinflussen und Hodenrezeptoren könnten Biomarker sein; Awogbindin et al. [s76] sehen eine Vermittlung über die Hirn-Hypothalamus-Hoden-Verbindung. Rotenon wirkt auch direkt toxisch auf Mitochondrien, sodass der Effekt nicht sicher dem Dopaminverlust zuzuschreiben ist; die Biomarker-Aussage ist Spekulation. Die Maus-Transgenlinie [s86] zeigt Parkinson-ähnliche Symptome und Unfruchtbarkeit durch einen gemeinsamen Gendefekt (Ugt8a) und ist kein Beleg für einen Parkinson-Mechanismus beim Menschen. Zu Parkinson beim Menschen fehlt jede Samenstudie [s172, s42, s70].

**Direkte nervale Versorgung des Hodens.** Kaddumi et al. [s81, s62] schließen aus der Ratte, Bahnen im lateralen und ventralen Funiculus auf Th8-Höhe trügen zur nervalen Versorgung des Hodens bei. Beim Menschen ist dies nicht untersucht.

**Mendelsche Randomisierung bei MS.** Li et al. [s49] finden OR 1,090 (95 % CI 1,017 bis 1,168; p = 0,014) für MS und abnormale Spermien. Ein kausaler Effekt dieser Größe auf einen breit definierten Endpunkt ist, auch wenn Sensitivitätsanalysen robust erscheinen, nicht mit klinischen Samenanalysen gleichzusetzen; die einzige klinische Studie mit Hypogonadotropie [s156] und die beiden neueren Studien ohne Unterschied [s78, s69] ergeben kein einheitliches Bild.

**Demyelinisierung und Hypothalamus-Achse (Tiermodell).** Dorikhani et al. [s46] fanden bei Mäusen nach 12 Wochen Cuprizon einen verminderten Myelingehalt im Nucleus arcuatus, vermindertes Testosteron und verminderte Spermienzahl, -beweglichkeit und -vitalität (12 und 17 Wochen); die Hodenschäden bei Cuprizon bestätigten [s48, s41]. Ob die Hodenwirkung auf der Demyelinisierung beruht, geht aus den Abstracts nicht hervor. Eine Übersicht [s38] beschreibt für das EAE-Modell eine systemische Entzündung mit möglicher Beteiligung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse.

**Schädel-Hirn-Trauma.** Fedotov et al. [s97] fanden bei fünf Verstorbenen Hodenatrophie bis zur Keimzellaplasie; der Rattenbefund von Usanov [s22] (Verminderung der Hodengröße und Leydig-Zellzahl am 21. Tag) und die Telomerbefunde bei Mäusen [s30] gehören ebenfalls in diese Gruppe. Das Mechanismus-Bild ist nicht geklärt, und beim Menschen fehlen Samenanalysen.

**Genetik bei SMA, myotoner Dystrophie, Kennedy-Krankheit.** Bei der Kennedy-Krankheit liegt der Defekt im Androgenrezeptor-Gen (52 CAG-Wiederholungen) [s25], bei der myotonen Dystrophie Typ 1 sind AMH und die Expression von DMPK, SIX5 und RSPH6A mit den Spermienbefunden assoziiert [s79], bei der SMA hängen Fertilitätsstörungen mit Typ und motorischer Schwere zusammen [s50]. Ob die Wirkung direkt (Genprodukt im Hoden) oder indirekt (Immobilität, Hormone) ist, geht aus den Abstracts nicht hervor.

## Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität

**Vorbemerkung.** Eine Dosis-Wirkung im Sinn einer abgestuften Exposition liegt beim Menschen nicht vor, weil die "Exposition" (Läsion, Erkrankungsdauer) nicht zugeteilt wird. Als Näherung dienen die Läsionsvollständigkeit und -höhe, die Zeit seit Beginn und die Krankheitsschwere. Eine echte abgestufte Dosis gibt es nur im Tierversuch (graduierte Läsion [s81, s62]) und in einzelnen Interventionsstudien. Alle folgenden Tabellen geben Studienergebnisse wieder, keine Empfehlung.

### Läsionsvollständigkeit, Läsionshöhe und Schweregrad

| Quelle | Population und Design | Befund | Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Chéhensse et al. 2013 [s126] | Metaanalyse, 45 Studien, n = 3851 | Ejakulationsrate komplett gegenüber inkomplett: Masturbation oder Koitus 11,8 gegenüber 33,2 %; PVS 47,4 gegenüber 52,8 %; Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation 54,7 gegenüber 78,1 %; bei kompletter Läsion der Zentren Th12 bis L2, S2 bis S4 oder aller Zentren nach PVS 0 % (n = 5, 4, 21) | Ejakulation, nicht Samenqualität; kleine Gruppen |
| Kathiresan et al. 2012 [s137] | 444 Männer SCI, 61 Kontrollen | Anteil unvollständiger Läsionen 84 % (Masturbation), 54 % (PVS), 41 % (EEJ); Beweglichkeit 36,9, 25,9, 15,0 % gegenüber 58,0 % | Gruppen durch Ejakulationsweg selektiert |
| Iremashvili et al. 2010 [s144] | 30 Fälle, 120 Kontrollen | normale Parameter: unvollständige Läsion OR 2,6 (95 % CI 1,1 bis 6,1); Masturbation möglich OR 2,7 (1,1 bis 7,1) | 30 Fälle; retrospektiv |
| Vargas-Baquero et al. 2020 [s84] | 27 Männer SCI, 10 Spender | AIS A gegenüber B bis D: geringere progressive Beweglichkeit (p = 0,0040); zervikal gegenüber thorakal: höhere Konzentration (p = 0,0257) | retrospektiv, kleine Gruppen |
| Krebs et al. 2015 [s113] | 16 Männer SCI, 28 Proben | komplette SCI: geringere Vitalität frischer Proben (p < 0,0001); Tetraplegie: geringere Vitalität vor und Beweglichkeit nach Einfrieren (p < 0,035) | kleine Zahl |
| Chalas et al. 2022 [s57] | 35 Männer, 18 Monate | Läsionshöhe und -vollständigkeit ohne negativen Einfluss auf die Samenqualität im Verlauf | Pilotstudie |
| Hultling et al. 1997 [s178] | 25 Paare | Schwangerschaftsrate ohne Zusammenhang mit Läsionshöhe | kleine Zahl |
| Alisseril et al. 2021 [s65] | 23 Männer mit Paraplegie | alle 4 Männer mit Höhe oberhalb Th9 ejakulierten; nur somatische Reaktionen signifikant (p = 0,02) | kleine Zahl |
| Arafa et al. 2007 [s158] | 69 Männer, Prostatamassage | Samengewinnung bei Verletzungen oberhalb Th10 signifikant häufiger | Zahlen fehlen |
| Momose et al. 1995 [s183] | 53 Patienten, EEJ | antegrade Ejakulation bei Blasenlähmung oberes Motoneuron 93 %, unteres Motoneuron 63,6 % (P < 0,05) | ohne Kontrolle |
| Yamamoto et al. 1997 [s180] | 69 Patienten, EEJ | antegrade Ejakulation 86,9 %, bei unteraktiver Blase 58,3 % | ohne Kontrolle |
| Mikuriya et al. 1990 [s190] | 18 komplett, 5 inkomplett, 3 Dyspermatismus | Anteil missgebildeter Spermien bei kompletter Verletzung am höchsten | keine Zahlen im Abstract |
| Kaddumi et al. 2020 und 2022 [s81, s62] | Ratte Th8, 1/3, 2/3, komplette Durchtrennung | Epithelhöhe und Spermatozyten- und Spermatidenschichten sinken mit der Läsionsgröße, am stärksten bei kompletter Durchtrennung; Anteil beweglicher Spermien nur bei Durchtrennung vermindert; Spermienzahl nach 1/3 und Durchtrennung vermindert | Fallzahlen im Abstract nicht genannt; Nager |
| Guha und Kumar 2026 [s07] | Ratte Th12 (spastisch) und S2 (nicht spastisch) | beide Läsionsebenen beeinträchtigen Spermatogenese, Vitalität, Zahl und Beweglichkeit | Fallzahl nicht im Abstract |
| Wilkins et al. 2025 [s44] | Ratte, Transektion und Kontusion | Spermienkonzentration abhängig von Vollständigkeit; am niedrigsten bei chronischer kompletter Transektion | Samenqualität Nebenbefund |
| Makino et al. 2026 [s13] | 69 Männer, komplett, CESA | Gewinnung 60,9 %; FSH median 4,6 gegenüber 12,9 mIU/ml (Erfolg gegenüber Misserfolg), Grenzwert 5,95 mIU/ml | retrospektiv |

**Lesehilfe.** Die Zusammenschau zeigt in der Mehrzahl der Studien: Je vollständiger die Läsion, desto schlechter die Ejakulationsfähigkeit [s126, s137] und, in kleinen Studien, die Samenqualität [s144, s84, s113]; die Ausnahme ist die prospektive Pilotstudie [s57], die keinen Einfluss sah. Die Beziehung ist damit abgestuft im Sinn einer Tendenz, nicht als quantifizierte Dosis-Wirkungs-Kurve. Ein abgestufter Verlauf ist nur im Tiermodell [s81, s62] belegt.

### Zeit seit der Verletzung

| Quelle | Design | Befund zur Zeit |
|---|---|---|
| Brackett et al. 1998 [s175] | 638 Proben von 125 Männern, Querschnitt | kein Unterschied in Konzentration, Gesamtzahl und Beweglichkeit nach Zeit seit Verletzung (2-Jahres-Intervalle; Verletzungen von 6 Wochen bis 26 Jahren) |
| Iremashvili et al. 2010 [s145] | 87 Männer, mindestens zwei Proben im Abstand von mindestens 3 Jahren | Konzentration nahm leicht ab, alle anderen Parameter unverändert |
| Chalas et al. 2022 [s57] | 35 Männer, 18 Monate | kein signifikanter Rückgang im Verlauf |
| Krebs et al. 2015 [s113] | 28 Proben | kein Unterschied zwischen früh (bis 3 Wochen) und später gewonnenen Proben (p = 0,75) |
| Vargas-Baquero et al. 2020 [s84] | 27 Männer | keine signifikante Korrelation mit der Zeit seit Läsion |
| Momen et al. 2007 [s159] | 45 Männer | kein signifikanter Einfluss von Verletzungsdauer |
| Kaneko und Miyazaki 1993 [s188] | 41 Patienten, EEJ | Gesamtspermienzahl nahm mit zunehmendem Abstand von der Verletzung ab; Beweglichkeit schon im ersten Monat niedrig |
| Patki et al. 2008 [s155] | Übersicht | Veränderungen schon zwei Wochen nach der Verletzung |
| Koršunov et al. 2021 [s75] (zweite Hand) | Übersicht | keine wesentlichen Abweichungen im spinalen Schock; Verschlechterung etwa zwei Wochen nach dem Trauma |
| Celigoj et al. 2012 [s136] | 7 Männer, Verletzung vor der Pubertät | vor dem 9. Lebensjahr 3 azoosperm; mit 10 Jahren subnormale Gesamtzahl; mit 11,9 Jahren normale Gesamtzahl; Beweglichkeit meist subnormal |
| Iwahata et al. 2016 [s108] | 52 Männer, TESE | Gewinnungsrate bei Verletzung vor höchstens 12 Jahren besser (p = 0,045) |
| Morelli et al. 2025 [s31] | 107 TESE-Eingriffe | Gewinnungsrate nicht von der Zeit abhängig (stetig oder kategorial) |
| Rezaian et al. 2009 [s148] | Maus, Tag 1 bis Woche 6 | CatSper 1 und 2 nach 4 und 6 Wochen herunterreguliert |
| Nikmehr et al. 2017 [s102] | Ratte, Tag 1, 3, 7, 56 | stärkste Abnahme von Zahl und Beweglichkeit an Tag 3 und 7; Caspase-1 Tag 3 erhöht |
| Ramezanikhah et al. 2020 [s83] | Ratte, Tag 3 bis 28 | Nlrp3 und IL-1β am Tag 14 hoch; Beweglichkeit und Vitalität am Tag 21 vermindert |
| Bazrafkan et al. 2018 [s88] | Ratte, Tag 1, 3, 7 | NLRP3-mRNA und Malondialdehyd am Tag 7 erhöht |
| Huang et al. 2004 [s167] | Ratte, chronische SCI | spontane Erholung der Spermatogenese bei 7 von 8 unbehandelten Tieren |

**Lesehilfe.** Beim Menschen finden fünf Studien keine Verschlechterung mit zunehmendem Abstand [s175, s145, s57, s84, s159], eine fand eine abnehmende Gesamtspermienzahl [s188], und die Gewinnungsrate bei TESE sprach in einer Serie für, in einer anderen gegen einen Zeiteffekt [s108, s31]. Die Studien nach der Verletzung deuten auf eine frühe Veränderung (innerhalb von Wochen) und danach auf ein weitgehend stabiles Plateau, das jedoch überwiegend auf Querschnittsdaten und Auswahleffekten beruht. Die Tiermodelle zeigen einen Verlauf mit Spitze an Tag 3 bis 14 und teilweiser Erholung [s102, s167].

### Gewinnungsweg als Störgröße

| Vergleich | Befund | Quelle |
|---|---|---|
| Masturbation, PVS, EEJ | Beweglichkeit 36,9 / 25,9 / 15,0 %; Konzentration 83,3 / 77,4 / 49,8 × 10^6 pro cc | [s137] |
| PVS gegenüber PVSA (Samenleiter) | Vorwärtsbeweglichkeit in PVSA höher (P < 0,01), DNA-Fragmentierung in PVS höher (P < 0,05) | [s139] |
| PVS bei SCI gegenüber PVSA bei psychogener Anejakulation | Beweglichkeit in psychogener Gruppe höher (P < 0,01) | [s140] |
| EEJ gegenüber PVS | kein signifikanter Unterschied für einen Samenparameter | [s159] |
| EEJ, PVS, chirurgisch | kein Unterschied der frischen Parameter | [s94] |
| EEJ gegenüber TESE | Schwangerschaft pro Zyklus, Lebendgeburt ohne signifikanten Unterschied | [s09, s161] |
| Frische gegenüber aufgetaute Hodenspermien | Schwangerschaftsrate pro ICSI bei SCI 64 gegenüber 25 %, bei obstruktiver Azoospermie 76 gegenüber 63 % | [s147] |
| Urin gegenüber Hodenspermien (retrograde Ejakulation, nicht ausschließlich neurogen) | Befruchtung 72,84 gegenüber 86,11 %; Lebendgeburt 16,67 gegenüber 52,17 % | [s03] |
| Harnröhre gegenüber Blase (PVS) | Spermien in der Harnröhre bei 50 % der Proben; Beweglichkeit in 8 Proben größer | [s111] |
| Antegrade und chirurgische Gewinnung | Schwangerschaft pro Paar 50 und 75 % | [s125] |

**Lesehilfe.** Die Gewinnungsart beeinflusst die gemessene Samenqualität stärker als manche Krankheitsmerkmale. Vergleiche zwischen Studien sind nur bedingt zulässig, und viele Gruppen sind mit der Läsionsvollständigkeit vermengt (Männer mit Masturbationsfähigkeit haben häufiger eine unvollständige Läsion [s137]).

### Reversibilität und Interventionsstudien

Die folgenden Studien sind ausschließlich als Ergebnisse berichtet und sagen nichts über die Eignung für den Einzelfall.

| Intervention | Design und Population | Ergebnis | Dauer der Wirkung | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Probenecid (Pannexin-1-Hemmung) | einarmig, 20 Männer mit SCI, 4 Wochen | progressive Beweglichkeit 19 auf 26 % (p < 0,05); bewegliche Spermien gesamt 15 auf 28 Mio. | 4 Wochen nach Ende: 27 Mio. | [s93] |
| Anti-ASC-Antikörper in vitro | 32 Proben | Beweglichkeit 11,5 auf 18,3 % | nicht zutreffend (Probe) | [s119] |
| Botulinumtoxin in die Blase | 11 Männer mit SCI | Beweglichkeit in 67 %, Vitalität in 50 % verbessert | nicht angegeben | [s135] |
| Mirabegron | 30 Männer mit SCI | Spermatogenese histologisch nicht schlechter (besser, p < 0,05) | nicht zutreffend | [s72] |
| Midodrin plus PVS | RCT-Pilot, 20 Männer mit SCI | 1 gegenüber 2 Ejakulationen (Midodrin gegenüber Placebo) | nicht zutreffend | [s115] |
| Midodrin bei organischer Anejakulation ohne SCI | RCT, 128 Männer | antegrad 29,5 %, retrograd 13,1 %, beides 14,8 % gegenüber 0 % | nicht angegeben | [s149] |
| Imipramin, Pseudoephedrin, beides | 33 Diabetiker mit retrograder Ejakulation | antegrades Ejakulat bei komplett 38,5, 47,8, 61,5 % | nicht angegeben | [s151] |
| Endourethrale Kollageninjektion | 12 Männer Typ-1-Diabetes | antegrade Ejakulation bei 11 von 12 | 6 Monate (7), 9 Monate (2), 12 Monate (1) | [s133] |
| Endourethrale Injektion | 30 Männer Typ-1-Diabetes | antegrade Emission bei 22 von 30 (73 %) | median 7 [2; 12] Monate; 6 Männer mindestens ein Jahr | [s117] |
| Endourethrale Kollageninjektion gegenüber Kochsalz | RCT (einfach verblindet), 24 Männer | Volumen +0,71 ml, Konzentration +45,6 Mio./ml, Beweglichkeit +15,4 Prozentpunkte, progressive +8,4 (Gruppe A) | 12 Monate beobachtet | [s114] |
| Idebenon | Einzelfall (LHON) | Beweglichkeit und Vitalität stiegen nach fünf Monaten | nicht angegeben | [s63] |
| Wiederholte PVS (wöchentlich, 12 Monate) | 19 Männer | keine signifikante Veränderung eines Parameters | 12 Monate | [s174] |
| Chirurgische Dekompression und Laminoplastik | 187 Männer, ohne Samenanalyse | IIEF-5 10,24 auf 16,20; Ejakulationskontrolle (PEDT) 10,73 auf 4,54 | 2 Jahre; Median 57 Monate | [s11] |
| Testosteron (Tier) | Ratte, chronische SCI | Spermatogenese vollständig wiederhergestellt, aber 30 bis 70 % Tubulusquerschnitte regredient | nicht zutreffend | [s167] |
| Erythropoietin-Hydrogel (Tier) | 24 Ratten | Vitalität und Beweglichkeit besser (p < 0,05) | nicht angegeben | [s36] |
| Photobiomodulation (Tier) | 18 Ratten | Zahl, Beweglichkeit und Vitalität besser (P < 0,001) | nicht angegeben | [s40] |
| Melissen-Extrakt (Tier) | 36 Ratten | Entzündungsmarker, NLRP3 und Spermienzahl verbessert | 52 Tage | [s29] |
| Curcumin-Nanomizellen 50 und 100 mg/kg (Tier, Cuprizon) | 24 Mäuse | höhere Dosis: LH, FSH, Testosteron, Spermien verbessert | nicht angegeben | [s48] |
| NO-Abfangen (Tier) | Ratte | Lipophagie, Testosteron und Spermatogenese wiederhergestellt | nicht angegeben | [s54] |
| Testosteron (Tier, Maus) | Mausmodell SCI | bei sofortiger Gabe weniger apoptotische und abnorme Spermien, bessere Beweglichkeit | nicht angegeben | [s89] |
| Melatonin (Tier) | Maus Th10 | Hodenblutfluss, Schrankenproteine verbessert; Spermien nicht gemessen | nicht angegeben | [s103] |
| Laufbandtraining (Tier) | Ratte | Konzentration höher; zwei Trainingstage pro Woche verbesserten die Beweglichkeit | 6 Wochen | [s44] |

**Lesehilfe.** Beim Menschen gibt es keine kontrollierte Studie, die eine Verbesserung der Samenqualität belegt. Die vorhandenen Interventionsstudien sind einarmig (Probenecid), in vitro (Anti-ASC), nicht randomisiert (Botulinumtoxin, Mirabegron) oder betreffen die Wiederherstellung des Ejakulationsweges (Kollageninjektion, Medikamente), nicht die Spermienqualität. Die Midodrin-Pilotstudie bei SCI [s115] war negativ. Die einzige Studie mit Nachbeobachtung nach Ende der Intervention (Probenecid) zeigt, dass die Werte vier Wochen später nicht zurückgegangen waren [s93]; die Wirkung der Kollageninjektion dagegen ließ nach median sieben Monaten nach [s117]. Eine spontane Reversibilität der SCI-bedingten Samenveränderung ist beim Menschen nicht belegt; im Tier wurde sie teilweise beobachtet [s167]. Die Einfrierstudien zeigen den gegenteiligen Fall: Aufgetaute Proben verlieren Beweglichkeit und Vitalität deutlich (Gesamtbeweglichkeit 19 auf 2,5 %, Vitalität 27 auf 7 % nach median 11 Jahren) [s113], wobei die Schäden bei SCI nicht größer waren als bei Kontrollen [s142] und bei Kanto et al. die Schwangerschaftsrate mit aufgetauten Hodenspermien niedriger war [s147].

### Subgruppen außerhalb der Rückenmarksverletzung

| Erkrankung | Subgruppe oder Dosisgröße | Befund | Quelle |
|---|---|---|---|
| MS | progredient gegenüber schubförmig-remittierend | stärkere und häufigere Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse bei progredientem Verlauf | [s156] |
| MS | Krankheitsdauer (11,83 Jahre) | niedriges freies Testosteron OR 1,19 (95 % CI 1,06 bis 1,35; p = 0,004) | [s16] |
| MS | Alter unter 38 Jahren | freies Testosteron signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,015) | [s16] |
| MS | Zahl der Steroidbehandlungen | Assoziation mit niedrigem freien Testosteron (p = 0,003) | [s16] |
| MS | EDSS 0 bis 2 gegenüber 2,5 bis 5 | LH 8,146 ± 0,584 und FSH 8,141 ± 1,505 IE/l in der leichten Gruppe signifikant erhöht; Testosteron nicht verändert | [s96] |
| MS | DMT-naive RRMS gegenüber 12 Monate DMT | keine Veränderung der Spermienparameter | [s78] |
| MS | Natalizumab oder Ocrelizumab, 12 Monate | kein Unterschied zu Kontrollen | [s69] |
| MS | Behinderungsgrad, Krankheitsaktivität, EDSS, MRT | keine Korrelation mit Hormonen oder Samen | [s78, s16, s58] |
| MS | Sexualfunktion | IIEF korreliert negativ mit Alter, Krankheitsdauer, Schubzahl, EDSS, VAS, BDI | [s95] |
| MS-Modell (Tier) | Cuprizon 12 gegenüber 17 Wochen | Testosteron und Samenparameter nach 12 und 17 Wochen vermindert | [s46] |
| Parkinson | Alter, Stadium | Sexualstörungen nehmen mit dem Alter zu, nicht mit Hoehn-und-Yahr-Stadium | [s172] |
| Parkinson | Stadium, SCOPA-AUT, Alter | mit sexueller Dysfunktion assoziiert | [s42] |
| Parkinson | Alter, Krankheitsdauer, Stadium | mit sexueller Unzufriedenheit assoziiert | [s70] |
| Parkinson-Modell (Tier) | Zeit unter Rotenon | zeitabhängiger Rückgang von GPR30, GPR120, GPR125 | [s19] |
| Diabetes mit retrograder Ejakulation | Diabetesdauer und HbA1c | Responder 15 gegenüber 21 Jahre Dauer (p = 0,04) und HbA1c 7,1 gegenüber 7,8 % (p = 0,04) | [s117] |
| Diabetes mit retrograder Ejakulation | Diabetesdauer, Alter, HbA1c | Prädiktoren mittelschwerer bis schwerer erektiler Dysfunktion: OR 1,70, 1,23, 1,70 | [s12] |
| Diabetes mit retrograder Ejakulation | Typ 1 gegenüber Typ 2 | Anorgasmie 65,5 gegenüber 30,2 % | [s12] |
| Diabetes | Neuropathie ja gegenüber nein | kein signifikanter Unterschied der Samenparameter | [s186] |
| Diabetes | Typ-2-Diabetes bei TESA-ICSI | Fehlgeburtsrate 20,83 gegenüber 8,88 % (nicht signifikant) | [s82] |
| Diabetes (Metaanalysen) | Diabetes gegenüber Nichtdiabetes | Samenvolumen, Beweglichkeit vermindert; Zahl nur in [s74] | [s109, s74] |
| SMA | Typ 2 gegenüber Typ 3 | Fertilitätsstörungen 90,5 % (95 % CI 77,9 bis 100) gegenüber 40 % (18,5 bis 61,5) | [s50] |
| SMA | motorische Schwere, Motor Function Measure | Zusammenhang mit den Abweichungen (p < 0,001; p < 0,01) | [s50] |
| Spina bifida | Läsionshöhe, Hydrozephalus | Schwere der Infertilität korreliere nach Übersicht damit | [s91] |
| Spina bifida | Sharrard-Klassifikation | psychogene Erektion und Ejakulation korrelieren | [s164] |
| Schädel-Hirn-Trauma (Tier) | Tag 7 gegenüber 21 | Hoden- und Keimschichtverminderung nimmt mit der Zeit zu | [s22] |
| Schädel-Hirn-Trauma (Mensch) | 15 bis 35 Tage nach Trauma | Hodenkanälchen mit differenzierten Zellverbänden nur 41,4 ± 5,7 % | [s97] |
| Zerebralparese | motorische Schwere (GMFCS) | erworbener Hodenhochstand am häufigsten bei schwerster Beeinträchtigung (p = 0,017) | [s18] |

**Lesehilfe.** Außerhalb der SCI ist eine Abstufung nach Krankheitsschwere nur in einzelnen Studien angedeutet: bei der SMA (Typ und motorische Schwere) [s50], bei der MS (Verlaufsform und Krankheitsdauer, aber nur für Hormone) [s156, s16] und beim diabetischen Ejakulationsversagen (Dauer, HbA1c) [s117]. Bei der Parkinson-Krankheit wurden keine Samenparameter gemessen, daher gibt es keine Dosis-Wirkung für die Samenqualität.

### Welche Subgruppen die Literatur nicht beantwortet

- **Alter bei Verletzung:** nur eine Studie mit 7 Männern [s136].
- **Medikamente bei MS (DMT) und Samenqualität:** zwei kleine Studien mit 12 Monaten Beobachtung [s78, s69]; zu Fingolimod und Teriflunomid nur Konzentrationen im Samen bzw. bei Partnerinnen [s90, s60].
- **Alter und Begleiterkrankungen:** in den meisten SCI-Abstracts nicht adjustiert oder nicht berichtet.
- **Frauen und Kinder:** nicht Gegenstand; Kinder nur bei Zerebralparese [s18] und SCI [s136].
- **Zeitverlauf der ersten Wochen:** nur indirekt [s188, s155, s75] und im Tier [s102, s83, s88].
- **Parkinson:** weder Dosis noch Subgruppe untersucht.

### Grenzen der Studienlage und Gesamtbild

1. **Die Lücke ist groß, nicht klein.** Zu Parkinson, MS und Neuropathie liegen kaum Samenanalysen vor, in den drei außereuropäischen Sprachgruppen (Ostasien, Russland/Türkei/arabischer Raum) keine zu MS, Parkinson oder nicht diabetischer Neuropathie. Echte Samenbefunde liegen fast nur zur Rückenmarksverletzung vor, und dort überwiegend in kleinen Serien.
2. **Befund gegenüber Mechanismus.** Ein erheblicher Teil der Quellen untersucht Ejakulations- oder Erektionsfunktion [s11, s28, s06, s12, s154, s99, s164] oder Mechanismen im Tier [s54, s05, s86, s141]; diese Studien belegen nicht, wie die Samenqualität beim Menschen betroffen ist.
3. **Überlappende Kohorten.** Siehe Lesehinweis; die Zahl voneinander unabhängiger Beobachtungen ist kleiner als die Quellenzahl.
4. **Publikations- und Auswahlverzerrung.** Fertilitätskliniken berichten Erfolgsserien; Männer mit SCI, die nicht in eine Klinik kommen, fehlen. Gewinnungsraten (60,9 bis 86,9 % in den Serien [s13, s108, s147, s183, s180]) sind deshalb nicht auf alle Männer mit SCI übertragbar. Mehrere SCI-Studien schließen nur bereits infertile Männer ein [s130, s139, s140].
5. **Heterogenität der Gewinnungsverfahren** (PVS, EEJ, Vasalaspiration, Nebenhoden, Hoden, Prostatamassage) mit unterschiedlich beeinträchtigten Proben.
6. **Alter der Daten.** Mehrere zentrale Arbeiten sind über 20 Jahre alt (1988 bis 2001) [s192, s190, s188, s191, s187, s173, s174, s171]; Verfahren, Zählmethoden und ART-Standards haben sich geändert.
7. **Abstracts statt Volltexte.** Angaben zu Abstinenzzeit, Gewinnungsart, Ausschlusskriterien, Verblindung und Störgrößen fehlen häufig; einzelne Abstracts enthalten Widersprüche (Ibrahim 2014: obere Grenze unter dem Mittelwert [s119]; Ali 1993: "p > .0005" [s186]; Arafa 2008: unterschiedliche Nenner [s151]; Momen 2007: Streuung ± 0,1 % [s159]; Uca 2018: Gruppengrößen [s95]; Taheri 2025: Standardabweichung größer als Mittelwert [s40]).
8. **Nicht durchsuchbare Quellen.** Die chinesische und koreanische Inlandsliteratur (CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia), eLIBRARY.ru, DergiPark, arabische Dienste, Cairn, SciELO, LILACS und die Società Italiana di Andrologia waren nicht erreichbar oder nicht durchsuchbar; eine Aussage "es gibt keine Studie" ist dort nicht zulässig, nur "in den erreichbaren Quellen wurde keine gefunden". Titel, die nur im Titel gefunden wurden (zum Beispiel japanische Arbeiten zu Hodenbiopsie, jahreszeitlichen Samenschwankungen und wiederholter Elektroejakulation), weisen darauf hin, dass die japanische Fachliteratur zu Samenbefunden bei SCI umfangreicher ist, als die abrufbaren Abstracts zeigen.
9. **Gesamtbefund.** Belegt ist, dass bei Männern mit Rückenmarksverletzung Beweglichkeit, Vitalität, Morphologie und DNA-Integrität in vielen, meist kleinen Studien schlechter sind als bei gesunden Kontrollen und dass Gewinnung und ICSI häufig gelingen und Schwangerschaftsraten in mehreren Vergleichsstudien denen anderer Gruppen ähneln [s137, s84, s59, s139, s77, s24, s94, s170]. Für die Multiple Sklerose ist die Lage widersprüchlich, für die Parkinson-Krankheit gibt es keine humanen Daten, für die Neuropathie lässt sich ein eigener Beitrag nicht von Diabetes trennen. Eine Therapieempfehlung wird aus diesen Daten in diesem Kapitel nicht abgeleitet.

## Was die Literatur in den Sprachräumen zeigt

Die Frage, wie Rückenmarksverletzung, Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit, Neuropathie und weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) die Samenqualität verändern, wird in den Sprachräumen sehr unterschiedlich beantwortet. Dieses Kapitel geht die zwölf Sprachräume der Reihe nach durch und fragt jeweils: Welche eigenen Kohorten und Register gibt es, welche Leitlinien, in welchen Fachzeitschriften erscheinen die Arbeiten, welche regionalen Besonderheiten fallen auf, und wie weit ließen sich die Datenbanken des Raums überhaupt erreichen? Wo es kaum eigene Literatur gibt, steht das ausdrücklich da. Zwei Vorbemerkungen gelten für alles Folgende.

Erstens beruht die Auswertung auf Abstracts und, bei Leitlinien, auf abgerufenen Seitentexten, nicht auf Volltexten. Angaben, die nur im Volltext stehen, etwa Abstinenzzeit, Gewinnungsart im Einzelnen oder Ausschlusskriterien, konnten nicht geprüft werden. Wo ein Abstract keine Zahlen nennt, wird das gesagt. Zweitens ist die Zahl der Quellen nicht die Zahl unabhängiger Beobachtungen. Viele Studien einer Region stammen aus denselben Zentren und teilen Patientengruppen; dieses Kapitel weist darauf jeweils hin, damit aus Wiederholung nicht scheinbare Bestätigung wird. Das Kapitel enthält keine Therapieempfehlung. Wo Leitlinien oder Autoren etwas nahelegen, wird nur wiedergegeben, was dort steht.

Vorweg das Gesamtbild: Fast alle Samenbefunde stammen von Männern mit Rückenmarksverletzung (englisch spinal cord injury, SCI). Für Multiple Sklerose gibt es eine Handvoll kleiner Spermiogramm-Studien. Für die Parkinson-Krankheit wurde in keinem Sprachraum eine Studie gefunden, die Spermien oder Ejakulat von Patienten untersucht. Zur Neuropathie liegen praktisch nur diabetesbezogene Arbeiten vor. Diese Verteilung zeigt sich in jedem Sprachraum wieder, nur mit unterschiedlicher Dichte.

**Vergleich der Sprachräume im Überblick.**

Über alle zwölf Sprachräume hinweg ergibt sich ein einheitliches Bild mit regionalen Schwerpunkten. Die belastbarsten Zahlen zur Samenqualität stammen aus englischsprachigen Zeitschriften und betreffen die Rückenmarksverletzung; sie zeigen in vielen Kollektiven das Muster normaler oder nur mäßig veränderter Spermienzahl bei deutlich verminderter Beweglichkeit und Vitalität [s137, s57, s77]. Der französische Raum ergänzt eine Leitlinie und eine prospektive Kohorte, der japanische eine lange Reihe von Elektroejakulations- und Operationsserien, der chinesische Laborstudien zu DNA-Fragmentierung und Aneuploidie, der iranische (als Nachbarraum) Fall-Kontroll-Studien und viele Tiermodelle, der russische das Modell der diabetischen autonomen Neuropathie. Für Multiple Sklerose liegen aus der Gesamtliteratur nur kleine, widersprüchliche Spermiogramm-Studien vor [s156, s78, s69]. Für Parkinson fehlt in jedem Sprachraum eine Samenstudie am Menschen. Deutsch, Portugiesisch und Koreanisch tragen inhaltlich praktisch nichts bei, wobei bei Portugiesisch, Arabisch, Koreanisch und Chinesisch die Datenbanken des Raums nicht erreichbar waren und die Lücke deshalb zum Teil eine Zugangslücke der Recherche ist. Mehrere Kohorten überlappen (Miami, Nara und Osaka, Taiwan, Moskau), sodass die Zahl unabhängiger Beobachtungen deutlich kleiner ist als die Zahl der Quellen.

### Englisch

**Umfang und Rolle.** Die große Mehrzahl der ausgewerteten Quellen ist englischsprachig, und fast alle belastbaren Primärdaten zur Samenqualität stehen in englischsprachigen Zeitschriften. Das gilt auch für Arbeiten aus Ländern, deren Landessprache eine andere ist: Studien aus Japan, China, dem Iran oder Spanien erscheinen meist auf Englisch und sind in den Abschnitten der jeweiligen Regionen noch einmal eingeordnet. Hier geht es um das, was im englischsprachigen Fachdiskurs selbst entstanden ist oder dort seinen Maßstab setzt.

**Die Miami-Datenbank als Rückgrat der SCI-Literatur.** Ein großer Teil der klinischen Samendaten bei Rückenmarksverletzung stammt aus dem Male Fertility Research Program der Universität Miami. Die Auswertung von Kathiresan und Kollegen umfasst Daten von 1991 bis 2011: Von 528 Männern mit SCI erfüllten 444 die Einschlusskriterien (Ejakulation durch Masturbation n = 43, Penisvibrationsstimulation n = 243, Elektroejakulation n = 158), dazu 61 gesunde Kontrollen [s137]. Die Spermienbeweglichkeit lag in der Masturbationsgruppe bei 36,9 %, bei Vibrationsstimulation bei 25,9 % (p < 0,001), bei Elektroejakulation bei 15,0 % (p < 0,001) und in der Kontrollgruppe bei 58,0 %. Die antegrade Spermienkonzentration unterschied sich dagegen nur in der Elektroejakulationsgruppe (49,8 gegenüber 77,4 bis 83,3 Millionen pro cc; Kontrolle 82,0). Zugleich hatten 84 % der Masturbationsgruppe, aber nur 54 % der Vibrations- und 41 % der Elektroejakulationsgruppe eine unvollständige Läsion [s137]. Das ist methodisch wichtig: Der Gewinnungsweg ist mit der Läsionsvollständigkeit vermengt, die Gruppen sind durch die Ejakulationsfähigkeit selektiert, und die Studie ist retrospektiv.

Aus derselben Datenbank stammt eine Fall-Kontroll-Analyse, in der nur 30 von 400 Männern mit antegradem Ejakulat (7,5 %, eigene Berechnung aus den genannten Zahlen) nach den WHO-Kriterien normales Volumen, normale Konzentration und normale Beweglichkeit hatten. Eine unvollständige Läsion (ASIA B bis D) war mit normalen Parametern assoziiert (Odds Ratio 2,6; 95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 6,1), ebenso die Möglichkeit, per Masturbation zu ejakulieren (OR 2,7; 1,1 bis 7,1) [s144]. Eine Längsschnittauswertung von 87 Männern mit mindestens zwei Samengewinnungen im Abstand von mindestens drei Jahren fand eine leichte Abnahme der Spermienkonzentration, sonst keine Veränderung, und die Autoren schließen auf kein klinisch relevantes Fortschreiten [s145]. Eine ältere Querschnittsanalyse von 638 Proben von 125 Männern fand keinen Unterschied in Konzentration, Gesamtzahl oder Beweglichkeit in Abhängigkeit von der Zeit seit der Verletzung [s175]. Zu beachten: Die Fallzahlen dieser Studien dürfen nicht addiert werden, weil die Patientenkollektive überlappen. Auch die Studien zur Entzündungsbiologie (Inflammasom-Proteine im Samenplasma, 28 Männer mit und 28 ohne SCI [s131]) und zu einem In-vitro-Versuch mit Anti-ASC-Antikörper an Proben von 32 Männern [s119] sowie eine einarmige Probenecid-Studie mit 20 Männern [s93] stammen aus dieser Arbeitsgruppe. In der Probenecid-Studie stieg die progressive Beweglichkeit im Mittel von 19 % auf 26 % (p < 0,05); es gab weder Placebo noch Randomisierung noch Fertilitätsendpunkte [s93]. Bei der Antikörper-Studie weisen die Autoren selbst auf ein Patent zweier Beteiligter hin [s119].

**Weitere englischsprachige Kohorten.** Eine prospektive 18-Monats-Pilotstudie an 35 Männern mit SCI fand normale Gesamtspermienzahlen bei verminderter Beweglichkeit und Vitalität und keinen signifikanten Rückgang im Verlauf [s57]. Eine Studie aus Toledo und Madrid verglich 27 Männer mit SCI mit 10 normozoospermen Spendern: schlechtere progressive Beweglichkeit (p = 0,0002), höhere DNA-Fragmentation (p < 0,00005); komplette Läsionen (AIS A) hatten geringere progressive Beweglichkeit als inkomplette (p = 0,0040) [s84]. Eine Fall-Kontroll-Studie fand bei 20 Männern mit SCI einen Anteil von Doppelstrangbrüchen von median 57,5 % gegenüber 4,6 % bei Normozoospermen [s59]. Eine Querschnittsstudie an der Samenbank einer Rehabilitationsklinik untersuchte 28 Proben von 16 Männern vor und im Median 11 Jahre nach der Kryokonservierung: Die Gesamtbeweglichkeit sank von 19 % auf 2,5 %, die Vitalität von 27 % auf 7 % (jeweils p < 0,0001) [s113]. Bei Verletzungen vor der Pubertät, untersucht an nur 7 Männern, waren drei vor dem 9. Lebensjahr Verletzte azoosperm [s136].

**Assistierte Reproduktion.** Eine italienische Fall-Kontroll-Studie in englischer Sprache verglich 53 Paare mit SCI und 140 Paare mit idiopathischer männlicher Infertilität über 210 frische Zyklen: progressive Beweglichkeit 5,0 % gegenüber 35,0 %, normale Befruchtung 46,0 % gegenüber 71,0 %, aber ohne signifikante Unterschiede bei Schwangerschafts-, Fehlgeburts- und Lebendgeburtenrate pro Zyklus [s77]. Eine Kohorte von 156 Paaren mit Azoospermie (82 SCI, 74 obstruktiv) fand keine signifikanten Unterschiede bei Embryozahl und Schwangerschaftsraten [s24]. Eine retrospektive Kohorte von 37 Männern mit 54 Zyklen verglich Elektroejakulation und testikuläre Spermienextraktion (TESE) ohne Unterschiede (klinische Schwangerschaft 33,3 % gegenüber 36,1 %; Lebendgeburt 22,2 % gegenüber 19,4 %) [s09]. Mit 69 Männern ist die Serie zur Nebenhoden-Spermienaspiration aus Fukuoka eine der größeren: Spermien in 42 Fällen (60,9 %), FSH als stärkster Prädiktor [s13]. Sie wird im japanischen Abschnitt genauer behandelt.

**Multiple Sklerose und Parkinson im englischen Schrifttum.** Die Spermiogramm-Studien zur MS sind klein und widersprüchlich. Eine Fall-Kontroll-Studie an 68 Männern mit MS und 48 Kontrollen fand niedrigere basale Spiegel von LH, FSH und Testosteron (p = 0,01) sowie niedrigere Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen; das Abstract nennt dazu keine Zahlenwerte [s156]. Dagegen fand eine prospektive Studie in Catania an 38 Männern mit schubförmig remittierender MS ohne Vorbehandlung keine Unterschiede bei den Spermienparametern, nur das freie Testosteron war niedriger (Median 0,09 gegenüber 1,4; p < 0,0001; Einheit im Abstract nicht angegeben) [s78]. Eine Folgestudie mit 16 Männern unter Natalizumab oder Ocrelizumab fand zu beiden Zeitpunkten keinen Unterschied zu 16 Kontrollen; die Gruppe ist dieselbe wie bei der ersten Studie, eine Überlappung der Teilnehmer ist nicht ausgeschlossen [s69]. Eine Fall-Kontroll-Studie mit 126 Männern unter krankheitsmodifizierender Therapie berichtet zum Testosteron: niedriges Gesamttestosteron bei 2 (1,6 %) der MS-Patienten und 2 (5,7 %) der Kontrollen, niedriges freies Testosteron bei 53 (43,7 %) gegenüber 12 (34,3 %); Spermienparameter nennt der Abstract nicht [s16]. Die umgekehrte Fragerichtung wird im englischen Raum an einem Register beantwortet: Das dänische IVF-Register wurde mit dem MS-Register verknüpft, 51.063 Männer, davon 24.011 mit männlichem Infertilitätsfaktor. Ergebnis: prävalente MS OR 1,61 (95-%-KI 1,04 bis 2,51), inzidente MS HR 1,28 (0,76 bis 2,17) [s92]. Eine Metaanalyse aus drei Studien ergab eine gepoolte OR von 1,87 (0,89 bis 3,94; I² = 86,1 %); die Autoren folgern, es bestehe kein Zusammenhang, was angesichts des breiten Intervalls und der sehr hohen Heterogenität nur eingeschränkt trägt [s56]. Beide Arbeiten beantworten nicht, wie sich eine bestehende MS auf die Samenqualität auswirkt.

Für die Parkinson-Krankheit gibt es im englischen Schrifttum klinische Wegweiser zur sexuellen Funktion [s15], Übersichten zu Androgenen [s67] und zwei Rattenstudien im Rotenon-Modell [s76, s19]. Eine Rattenstudie beschreibt Hypospermatogenese, gestörte Blut-Hoden-Schranke und vermindertes Serum-Testosteron [s76]; Rotenon ist aber ein systemisches Toxin, und die Ergebnisse sind nicht auf den Menschen übertragbar. Beim Menschen wurde keine Samenstudie gefunden.

**Neuropathie.** Die einzige humane Samenanalyse im Zusammenhang mit Neuropathie in englischer Sprache ist eine alte Querschnittsstudie mit 100 insulinabhängigen und 314 nicht insulinabhängigen Diabetikern, die zwischen Diabetikern mit und ohne Neuropathie keinen signifikanten Unterschied fand und damit gegen eine rein neuropathische Erklärung spricht [s186]. Metaanalysen betreffen Diabetes insgesamt: Samenvolumen MD −0,66 ml (95-%-KI −1,10 bis −0,22), Anteil beweglicher Zellen MD −14,29 % (−22,76 bis −5,82) [s109]; in einer weiteren Metaanalyse mit 44 Studien Spermienzahl MD −13,12 (−18,43 bis −7,82) und progressive Beweglichkeit MD −14,37 (−21,79 bis −6,96) [s74]. Ein auf die Neuropathie zurückführbarer Anteil lässt sich daraus nicht abgrenzen. Eine prospektive Interventionsstudie an 33 Diabetikern mit retrograder Ejakulation berichtet antegrades Ejakulat bei 10 (38,5 %) unter Imipramin, 11 (47,8 %) unter Pseudoephedrin und 16 (61,5 %) unter beidem; die Nenner im Abstract sind nicht nachvollziehbar [s151]. Andere Neuropathien (periphere Polyneuropathien, Charcot-Marie-Tooth) tauchten in den Suchläufen mit Samenbezug nicht auf; es gibt einen Einzelfallbericht zur Leberschen Optikusneuropathie [s63].

**Leitlinien.** Drei englischsprachige Leitlinien berühren das Thema. Die Leitlinie der European Association of Urology zu sexueller und reproduktiver Gesundheit (Ausgabe 2026) nennt als häufigste Ursachen der Anejakulation Rückenmarksverletzung, Diabetes mellitus und Multiple Sklerose; bei Männern mit SCI sei Masturbation mit den niedrigsten Ejakulationsraten verbunden, höhere Ansprechraten ließen sich mit Penisvibrationsstimulation oder mit Cholinesterasehemmern plus Masturbation erreichen [s04]. Für die retrograde Ejakulation nennt sie, dass in einer kontrollierten Studie 34,6 % der diabetischen Männer betroffen gewesen seien [s04]. Die gemeinsame AUA/ASRM-Leitlinie hält fest, dass für den Vergleich der Verfahren bei Ejakulationsstörungen nur begrenzte Daten vorliegen, und beschreibt bei MS nur „unsichere Assoziationen“ mit männlicher Infertilität [s45]. Die Leitlinie von EAN, EFAS und INUS zu neurogenen Harn- und Sexualsymptomen (38 Empfehlungen) nennt im Abstract weder Samenqualität noch Fertilität [s34]. Die Aussagen der Leitlinien zu Aspermie haben, soweit abgerufen, Expertenmeinungs-Niveau [s45].

**Übersichten.** Die Evidenzlage wird in englischsprachigen Übersichten als dünn eingeordnet. Ein Umbrella-Review fand 26 systematische Übersichten, von denen 17 mit „kritisch niedriger“ und 6 mit „niedriger“ Qualität (AMSTAR 2) bewertet wurden; Samenqualität war kein Endpunkt [s14]. Die einzige Metaanalyse zur SCI betrifft die Häufigkeit der Ejakulation, nicht deren Qualität: Aus 523 Studien wurden 45 mit 3851 Patienten eingeschlossen; bei kompletter Läsion lag die Ejakulationsrate nach Masturbation oder Koitus bei 11,8 %, nach Vibrationsstimulation bei 47,4 % und nach Cholinesterasehemmer plus Masturbation bei 54,7 %, bei inkompletter Läsion bei 33,2 %, 52,8 % und 78,1 % [s126]. Die Gruppen sind teils sehr klein (n = 4 bis 32), und Konfidenzintervalle stehen im Abstract nicht.

**Datenbankzugang.** Für den englischen Raum war die Erreichbarkeit unproblematisch: Die PubMed-Webseite war gesperrt, aber Europe PMC und die NCBI-E-utilities lieferten Abstracts, die Leitlinienseiten von EAU und AUA waren erreichbar. Die Cochrane Library lieferte nur eine JavaScript-Hülle; ersatzweise wurde über Europe PMC geprüft, und es fand sich kein Cochrane-Review zum Thema. Einschränkung: Die ESHRE-Leitlinienseite führte auf eine Fehlerseite, sodass keine ESHRE-Aussage ausgewertet wurde.

### Deutsch

**Eigene Literatur: praktisch keine.** In Europe PMC und in Titelsuchen fanden sich keine deutschsprachigen Originalarbeiten zur Samenqualität bei den hier behandelten Erkrankungen. Der einzige deutschsprachige Treffer mit Bezug zur Querschnittlähmung betrifft die Begutachtung neuro-urologischer Unfallfolgen im Sinne einer Minderung der Erwerbsfähigkeit und enthält keine Angaben zur Samenqualität; er wird deshalb nicht als Quelle geführt. Das ist ein Befund über die erreichbaren Quellen, nicht der Beweis, dass es keine deutschsprachigen Texte gibt: Studien, die Samenparameter nur als Nebenbefund berichten, und Handbuchkapitel können fehlen.

**Leitlinien.** Eine AWMF-Leitlinie, die die Samenqualität bei Rückenmarksverletzung, Multipler Sklerose, Parkinson oder Neuropathie behandelt, konnte nicht gefunden werden. Das AWMF-Register ließ sich nicht durchsuchen: Die Seite war erreichbar, lieferte aber nur ein JavaScript-Gerüst ohne Inhalt. Dass keine solche Leitlinie besteht, folgt daraus nicht. Für den deutschsprachigen Raum ist im Material nur die europäische EAU-Leitlinie greifbar, die in diesem Kapitel unter Englisch behandelt ist [s04].

**Deutschsprachige Beteiligung an englischen Studien.** Einen indirekten Bezug zum deutschen Sprachraum hat eine multizentrische offene Studie des Herstellers Novartis an 13 Männern unter Fingolimod, an der deutsche Studienzentren beteiligt waren. Gemessen wurden Wirkstoffkonzentrationen im Samen, nicht Spermienparameter: Die Konzentrationen von Fingolimod und Fingolimod-Phosphat im Samen entsprachen im Gleichgewichtszustand denen im Blut, und die geschätzte Menge in 10 ml Ejakulat betrug 47,5 ng; die rechnerische Belastung einer Partnerin liegt nach den Autoren etwa 400-fach (Fingolimod) beziehungsweise 2400-fach (Fingolimod-Phosphat) unter den Werten ohne beobachtete Wirkung im Tierversuch [s90]. Die Arbeit ist industrienah, gilt nur für diese Wirkstoffe und sagt nichts über die Samenqualität aus.

**Fachzeitschriften, Register, Besonderheiten.** Eine Aussage über deutschsprachige Fachzeitschriften ist aus dem Material nicht ableitbar, weil keine Quelle aus einer solchen Zeitschrift stammt. Weder Register noch Kohorten noch Leitlinien mit Samenbezug aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz wurden gefunden. Die dänische Registerstudie zur Männerinfertilität und späteren MS (siehe Englisch) zeigt, was nationale Register leisten könnten [s92]; ein deutschsprachiges Gegenstück wurde nicht gefunden.

**Datenbankzugang.** Europe PMC war erreichbar und erlaubt Sprachfilter; die AWMF-Seite war nicht auswertbar. Weitere deutschsprachige Datenbanken wurden nicht abgefragt. Die Lücke ist damit teils eine Literaturlücke, teils eine Zugangslücke.

### Französisch

**Ein vergleichsweise starker Raum für die Rückenmarksverletzung.** Der französischsprachige Raum ist für die SCI deutlich besser besetzt als jeder andere nicht englische Raum. Hier liegen eine aktuelle Leitlinie, eine prospektive Kohorte, mehrere Kryokonservierungs- und ICSI-Serien, eine randomisierte Pilotstudie und frühe Übersichten vor.

**Leitlinie.** Die französische Leitlinie zur Fertilitätsprotektion bei Rückenmarksverletzung (2025, in der French Journal of Urology 2026 erschienen) stützt sich auf eine systematische Übersicht nach PRISMA für den Zeitraum Januar 1990 bis Juni 2024: 434 Publikationen wurden gesichtet, 115 erfüllten die Einschlusskriterien. Laut Abstract kann manuelle Samengewinnung durch Masturbation als Erstlinie erwogen werden; scheitert sie oder ist sie unmöglich, wird Penisvibrationsstimulation empfohlen, besonders bei suprasakralen Läsionen; scheitert diese, könne Elektroejakulation als Zweitlinie angeboten werden, und ohne verwertbare Spermien kämen chirurgische Techniken in Betracht [s08]. Der Abstract nennt weder Evidenzgrade noch Zahlen zu Samenparametern, und der Volltext wurde nicht ausgewertet. Das Dokument wurde über Europe PMC und als HAL-Spiegel gefunden.

**Kohorten und Studien.** Die prospektive Pilotstudie von Chalas und Kollegen (35 Männer mit SCI, 18 Monate, Entnahme alle 6 Monate) fand normale Gesamtspermienzahlen, verminderte Beweglichkeit und Vitalität, mehr Formabweichungen sowie erhöhte Rundzellen und Granulozyten, aber weder durch Entzündungs- noch Oxidationsstressmarker, Läsionshöhe, Alter oder Zeit seit Verletzung einen negativen Einfluss im Verlauf [s57]. Eine retrospektive Kohorte von 78 Männern mit SCI, überwiesen zur Spermakryokonservierung 1998 bis 2013 (37 Elektroejakulation, 37 Vibrationsstimulation, 4 chirurgisch), fand bei 33 % ein niedriges Ejakulatvolumen und bei 37 % eine Oligozoospermie; 20 Männer erhielten ICSI mit fünf Lebendgeburten, und die Autoren sehen die Ergebnisse mit aufgetauten Spermien als vergleichbar mit der infertilen Vergleichsgruppe [s94]. Eine Serie aus Dijon über 17 Jahre (19 Männer; 6 Tetraplegiker, 13 Paraplegiker) berichtet Befruchtungsraten von 57 % und 55 % und eine Schwangerschaftsrate pro Paar von 50 % (antegrade Gewinnung) beziehungsweise 75 % (chirurgische Gewinnung), bei sehr kleinen Zahlen [s125]. Soler und Kollegen beschrieben bei 33 Männern mit Anejakulation ein neues Ejakulationsmuster, die „Ejakulationsdyssynergie“: In 21 von 42 Proben (50 %) bei 12 Patienten fanden sich Spermien in der prostatischen Harnröhre, in 8 Proben mit höherer Beweglichkeit und in 10 mit höherer Zahl als in der Blase [s111]. Eine retrospektive Studie an 90 Männern mit Läsion des Conus medullaris (Hadiji und Kollegen, auf Französisch) fand, dass Vibrationsmassage plus Midodrin die Ejakulation in 52,63 % der Fälle verbesserte und der Orgasmus bei allen fehlte; das Ejakulationsergebnis ist nicht nach Samenqualität aufgeschlüsselt [s128]. Eine Fallserie an 11 Männern mit kompletter Läsion von C5 bis Th6 sah nach Botulinumtoxin in die Blasenwand eine leicht verbesserte Samenqualität (Beweglichkeit bei 67 %, Vitalität bei 50 %), ohne Kontrollgruppe [s135]. In der randomisierten, placebokontrollierten Pilotstudie zu Midodrin (20 Abgeschlossene) ejakulierten 1 Teilnehmer der Midodrin- und 2 der Placebogruppe; sie ist zu klein für eine sichere Aussage [s115].

**Übersichten, Buchkapitel, Geschichte.** Perrin und Kollegen geben in einem französischen Beitrag an, dass nur 10 % der Männer mit SCI ohne medizinische Hilfe Kinder zeugen könnten, und beschreiben normale Konzentrationen bei abnorm niedriger Beweglichkeit und Vitalität [s146]; ein Kapitel derselben Gruppe verweist auf eine Hundestudie, in der Beweglichkeit und Spermatogenese drei Wochen nach der Verletzung deutlich beeinträchtigt waren, und auf hohe Konzentrationen reaktiver Sauerstoffspezies im Samenplasma mit umgekehrter Korrelation zur Beweglichkeit [s110]. Ein Überblick von 1995 beschreibt Hilfen zur Fortpflanzung bei querschnittgelähmten Männern, darunter die Punktion des Samenleiters [s182].

**Andere Erkrankungen.** Zur Parkinson-Krankheit liegt eine systematische Übersicht in der French Journal of Urology vor, die Störungen von Verlangen, Erregung, Orgasmus und Ejakulation beschreibt, aber im Abstract keine Zahlen und keine Samenparameter nennt [s37]. Zur spinalen Muskelatrophie untersuchte eine Studie in 13 französischen neuromuskulären Zentren 68 erwachsene Männer vor einer Behandlung mit Risdiplam: Fertilitätsstörungen bei 27 von 41 Männern mit Fertilitätsdaten (65,9 %; 95-%-KI 51,3 bis 80,4), bei SMA Typ 2 bei 90,5 % und bei Typ 3 bei 40 %; von 33 Spermiogrammen hatten 81 % eine abnorme Konzentration und 30 % eine Azoospermie [s50]. Die Hälfte der Männer lieferte keine Fertilitätsdaten, und die Teilnahme war selektiv. Ein Einzelfall zur Leberschen Optikusneuropathie beschreibt geringe Spermienbeweglichkeit und abnorme Morphologie; nach fünf Monaten Idebenon stiegen Beweglichkeit und Vitalität, und es kam zu einer natürlichen Konzeption, was keinen Kausalzusammenhang belegt [s63]. Zu Multipler Sklerose und Neuropathie fand sich französischsprachig nichts zu Samen oder Spermien; die Treffer zur MS betrafen Frauen oder die sexuelle Funktion.

**Datenbanken.** Die HAL-Schnittstelle war erreichbar, lieferte aber überwiegend Dubletten von Arbeiten, die ohnehin in PubMed stehen (Chalas, Reignier, die Leitlinie), und ein Buchkapitel. Cairn war durch einen Bot-Schutz blockiert. Die französische Literatur ist damit über Europe PMC und HAL gut, über Cairn nicht erfasst; Aussagen über Cairn-Inhalte sind nicht möglich.

### Italienisch

**Wenig eigene Primärliteratur, aber aktive Zentren.** Eine italienischsprachige Originalarbeit zum Thema wurde gefunden: Beretta und Kollegen untersuchten 1993 in einer italienischen Fachzeitschrift Antispermien-Antikörper bei Dyspermie von Männern mit SCI in zwei Gruppen anejakulatorischer Männer (16 ohne und 13 mit Harnwegsinfektion). Antikörper fanden sich bei 12 % der ersten und bei 38 % der zweiten Gruppe [s187]. Damit steht das Ergebnis im Gegensatz zur Studie von Dahlberg und Hovatta (16 Männer mit SCI, kein Mann mit Antikörpern, auch nicht bei bis zu 30 Jahren Dauer) [s191]. Ob Infektionsstatus, Testverfahren oder Ejakulationsform den Unterschied erklären, lassen die Abstracts offen.

**Italienische Zentren in englischsprachigen Zeitschriften.** Der größere Teil der italienischen Beiträge erscheint auf Englisch. Eine multizentrische Querschnittsstudie aus vier italienischen Zentren (2011 bis 2021) untersuchte 107 TESE-Eingriffe bei 32 Personen mit Tetraplegie und 75 mit Paraplegie: Spermiengewinnungsrate 81,3 %; von 33 Männern mit ICSI wurden 63,6 % nach einem Zyklus schwanger, die endgültige Lebendgeburtenrate betrug 90,5 %. Die Gewinnungsrate hing nicht von der Zeit seit der Verletzung ab [s31]. Das widerspricht einer japanischen Kohorte (Schwelle 12 Jahre) [s108]; Auswahl und Stichprobe könnten Gründe sein, die Abstracts klären das nicht. Die Studie erschien im Archivio Italiano di Urologia e Andrologia, wie auch der Leserbrief zu Mazindol bei Aspermie durch diabetische Neuropathie, von dem nur die Einleitung abgerufen wurde und der deshalb nur als Hinweis auf den Fall gilt [s01]. Die Fall-Kontroll-Studie zu 53 Paaren mit SCI gegenüber 140 Paaren mit idiopathischer Infertilität ist ebenfalls italienisch [s77].

Die italienische MS-Forschung liefert die jüngsten Daten zur Frage, ob eine MS an sich die Samenqualität verändert: Die Arbeitsgruppe aus Catania fand bei Männern mit schubförmig remittierender MS ohne Vorbehandlung keine Unterschiede in den Spermienparametern, nur ein niedrigeres freies Testosteron [s78], und unter Natalizumab oder Ocrelizumab keinen Unterschied zu 16 Kontrollen [s69]. Beide Studien sind klein und stammen aus derselben Gruppe. Eine Übersicht aus Italien benennt drei offene Fragen: ob MS an sich Infertilität verursacht, ob ein Zusammenhang mit infertilitätsfördernden Zuständen besteht und wie krankheitsmodifizierende Therapien die Gonadenfunktion beeinflussen [s71]. Zur myotonen Dystrophie Typ 1 fand eine italienische Gruppe bei 20 Patienten in etwa 50 % Hypospermie oder Azoospermie, die übrigen mit Oligo-Astheno-Teratozoospermie; die niedrigsten AMH-Werte korrelierten am besten mit den Spermienveränderungen [s79].

**Leitlinien, Register, Datenbanken.** Eine italienische Leitlinie zum Thema wurde nicht gefunden. Eine inhaltliche Suche auf den Seiten der Società Italiana di Andrologia war nicht möglich: Die Seite war erreichbar, bot aber keine nutzbare Suche, und eine zweite Adresse war nicht erreichbar. Ein nationales Register mit Samenbezug wurde nicht gefunden. Die italienische Lücke ist daher teils eine Zugangslücke der Recherche.

### Portugiesisch

**Keine auswertbare Literatur gefunden.** Es fand sich keine portugiesischsprachige Quelle mit Abstract zu Samenqualität bei diesen Erkrankungen. In Crossref (SciELO-Präfix 10.1590) kamen für „lesão medular“ und „esclerose múltipla“ in Verbindung mit Sperma und Fertilität nur Arbeiten zu Schmerz, Lebensqualität oder Physiotherapie vor. Ein brasilianisches Dissertationsverzeichnis der Universidade de São Paulo enthielt eine Arbeit zur sexuellen Dysfunktion bei Männern mit Rückenmarksverletzung, deren Seite sich nicht abrufen ließ; sie ist deshalb nicht als Quelle geführt, und ihr Inhalt ist unbekannt.

**Zugang.** SciELO (search.scielo.org) und LILACS (BVS-Portal) waren durch Sicherheitsabfragen blockiert; die Programmierschnittstelle der BVS verlangte einen Schlüssel. Als Ersatz blieben nur Crossref-Abfragen mit SciELO-Präfixen. Die portugiesische Lücke ist damit vor allem eine Zugangslücke: Aus dem Fehlen von Treffern darf nicht geschlossen werden, dass es keine portugiesischsprachigen Studien gibt. Leitlinien, Register oder Kohorten aus Brasilien oder Portugal wurden nicht gefunden. Die portugiesische Sprachgruppe trägt somit zu diesem Kapitel nichts Inhaltliches bei, und jede Aussage über Brasilien oder Portugal bleibt offen.

### Spanisch

**Drei Quellen in spanischer Sprache, dazu spanische Gruppen auf Englisch.** Der spanische Sprachraum liefert drei Quellen in der Landessprache. Die älteste ist ein Übersichtsartikel von 1993 in der Zeitschrift Rehabilitación, „Lesión medular e infertilidad masculina“ (Rückenmarksverletzung und männliche Infertilität). Laut Abstract sind die Fertilitätsstörungen nach Rückenmarksverletzung schwer, Schwangerschaften nach erworbener Paraplegie oder Tetraplegie selten, und das Interesse an Untersuchung und Behandlung sei gewachsen; Zahlen enthält der Abstract nicht [s189]. Sie zeigt, dass das Thema im spanischen Raum seit den frühen 1990er Jahren behandelt wird.

Die zweite ist eine Doktorarbeit der Universität Salamanca (2013): eine Fall-Kontroll-Studie an 187 Männern, die wegen sexueller Dysfunktion urologisch beurteilt wurden. Männer mit traumatischer Rückenmarksverletzung hatten signifikant häufiger Ejakulationsstörungen, die Kontrollen häufiger verminderte Lust, erektile Dysfunktion und vorzeitige Ejakulation und höhere Angst- und Depressionswerte [s129]. Die Samenqualität wurde im Abstract nicht untersucht; die Arbeit belegt die Häufigkeit von Ejakulationsstörungen, nicht Spermienparameter, und die Kontrollgruppe hatte ein anderes Alter und eine eigene Dysfunktion.

Die dritte ist ein Dokument der Kommission für Andrologie und assistierte Reproduktion der spanischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin (SEQC-ML) zur Gewinnung von Spermien aus dem Urin bei retrograder Ejakulation, erschienen 2024 in Advances in Laboratory Medicine. Es beschreibt Definition und Diagnose, die Aufbereitung der Spermien und ihre Verwendung in der assistierten Reproduktion; es fehle Konsens über genaue Diagnosekriterien, und ein bedeutender Teil der Patienten bleibe wahrscheinlich undiagnostiziert. Neurogene Ursachen werden im Abstract nicht aufgeschlüsselt [s52]. Es ist das einzige Konsensdokument einer spanischsprachigen Fachgesellschaft im Material und nur für die Diagnostik der retrograden Ejakulation einschlägig, wie sie bei Diabetes und SCI vorkommt.

**Spanische Kohorten in englischen Zeitschriften.** Die substanziellsten spanischen Beiträge erschienen auf Englisch. Eine Gruppe aus Toledo und Madrid verglich 27 Männer mit SCI (Vibrationsstimulation) mit 10 normozoospermen Spendern: schlechtere progressive Beweglichkeit (p = 0,0002), höhere DNA-Fragmentation (p < 0,00005) und mehr Leukozytospermie (p < 0,00005); die Abstinenzzeit korrelierte positiv mit der DNA-Fragmentation (r = 0,486; p = 0,041), und die Autoren vermuten eine Ansammlung und einen Zerfall von Spermien im Cauda epididymidis [s84]. Dieselbe Gruppe fand mit dem TwoTails-Comet-Assay bei 20 Männern mit SCI einen Anteil von Doppelstrangbrüchen von median 57,5 % gegenüber 4,6 % bei 27 Normozoospermen und eine hohe DNase-Aktivität im Samenplasma [s59], und in einer deskriptiven Studie an je 15 Männern eine zellfreie DNA-Bande bei etwa 150 Basenpaaren in allen SCI-Proben, wobei die DNase aktiv war, die Bande aber nicht verdaute [s66]. Die Kontrollen sind Spender, keine altersgleichen Männer ohne SCI mit gleichem Gewinnungsweg. Weitere Dialnet-Treffer (Kapitel zu Sexualität und Fertilität bei Personen mit Rückenmarksverletzung) hatten im abgerufenen Eintrag keinen Abstract und sind deshalb nicht aufgenommen.

**Datenbanken.** Dialnet war zeitweise durch ein Abfragelimit gesperrt (Fehler 503) und nach Pausen erreichbar; LILACS war blockiert (siehe Portugiesisch). Leitlinien zur Samenqualität bei diesen Erkrankungen und Register aus Spanien oder Lateinamerika wurden nicht gefunden.
### Chinesisch

**Zuschnitt des Raums.** Dem chinesischen Sprachraum sind hier Festland-China, Taiwan und Hongkong zugerechnet, obwohl Taiwan ein eigenes Gesundheitswesen hat. Die Arbeiten stammen überwiegend aus den letzten fünf Jahren und erschienen größtenteils auf Englisch in internationalen Zeitschriften. Die chinesischsprachigen Beiträge in Zeitschriften wie Zhonghua Nan Ke Xue (Chinesische Zeitschrift für Andrologie), Zhonghua Yi Xue Yi Chuan Xue Za Zhi und Fa Yi Xue Za Zhi sind überwiegend Übersichten, Tierversuche und ein Fallbericht; Samenanalysen bei neurologischen Patienten fehlen in dieser Gruppe.

**Laborstudien zur Samenqualität bei SCI.** Die Arbeitsgruppe aus Shandong lieferte zwei Laborvergleiche mit demselben Kontrollkollektiv von 16 Spendern. In der ersten wurden 12 infertile Männer mit SCI (perkutane Vasalspermien-Aspiration), 14 Männer mit SCI (Vibrationsstimulation) und die Spender verglichen: Beweglichkeit, normale Morphologie, hypoosmotischer Schwelltest und DNA-Fragmentierung unterschieden sich signifikant (P < 0,05 und P < 0,01); die Vorwärtsbeweglichkeit war in der Aspirationsgruppe größer als in der Vibrationsgruppe (P < 0,01), die DNA-Fragmentierung dort niedriger (P < 0,05). Die Aneuploidieraten lagen für die Chromosomen 13, 18 und 21 um das 1,5- bis 1,6-Fache, für X und Y um das 2,3- bis 2,4-Fache über der Kontrolle (P < 0,001); im Ejakulat der Vibrationsgruppe fanden sich 1 bis 12 Millionen Rundzellen pro Milliliter [s139]. In der zweiten Arbeit wurden 18 infertile Männer mit SCI (Vibration) mit 14 Männern mit psychogener Anejakulation (Aspiration) verglichen; die Aneuploidie bei SCI war 2,4-fach (13, 18, 21) beziehungsweise 2,2-fach (X, Y) erhöht (P < 0,0001) [s140]. Die Autoren lassen offen, ob erhöhte Hodentemperatur, Harnwegsinfektion oder andere Faktoren ursächlich sind. Methodisch sind Erkrankung und Gewinnungsweg nicht zu trennen, die Gruppen sind sehr klein, und die gemeinsamen Kontrollen machen die beiden Studien zu keiner unabhängigen Replikation.

**Sexualfunktion nach Wirbelsäulenverletzung aus der Orthopädie.** Aus dem Peking-Universitäts-Dritten-Krankenhaus stammen zwei Verlaufsstudien, die nur Erektion und Ejakulationskontrolle betrachten. Bei 187 Männern mit zervikaler Rückenmarksverletzung ohne Fraktur oder Luxation (Nachbeobachtung im Median 57 Monate) lagen zu Beginn bei 97,3 % eine Erektionsstörung und bei 86,6 % eine Ejakulationsstörung vor; nach 2 Jahren stieg der IIEF-5 im Mittel von 10,24 auf 16,20 (P < 0,05), und die Ejakulationskontrolle normalisierte sich bei 87,7 % [s11]. Bei 117 Männern mit Brust- oder Lendenwirbelfraktur und inkompletter SCI sank der IIEF-5 von 19,5 ± 6,4 vor der Verletzung auf 8,7 ± 8,0 danach und stieg nach zwei Jahren auf 17,5 ± 7,1; etwa 70 % erreichten wieder das Niveau vor der Verletzung [s28]. Beide Studien enthalten keine Samenanalyse; der Abstract unterscheidet außerdem nicht, ob mit „Ejakulationsstörung“ vorzeitige Ejakulation oder Anejakulation gemeint ist, sodass die Ergebnisse nicht auf die Fähigkeit zur Samengewinnung übertragbar sind [s11].

**Assistierte Reproduktion.** Aus Zhejiang berichtet eine Fallserie über 9 Männer mit hoher Paraplegie: Spermien wurden bei allen gewonnen, 6 Paare (66,7 %) erreichten Schwangerschaft und Lebendgeburt [s43]. Aus Taiwan stammen drei Arbeiten derselben Gruppe der Nationalen Taiwan-Universitätsklinik: eine prospektive Studie an 10 infertilen Männern mit SCI, in der die kumulative Schwangerschaftsrate je Paar 80 % betrug (8 von 10) und die Autoren Befruchtungs- und Schwangerschaftsraten der ICSI-Zyklen als vergleichbar mit denen von Männern ohne SCI beschreiben, ohne dass das Abstract einen statistischen Test nennt [s170], sowie zwei Fallberichte, einer über eine Schwangerschaft aus aufgetauten Spermien mit 1 % Beweglichkeit nach Vasalaspiration (Zwillingsgeburt) [s176] und einer über ein Paar, bei dem beide Partner querschnittgelähmt waren, mit Geburt eines gesunden Mädchens nach ICSI mit aufgetauten Spermien [s165]. Die drei Arbeiten sind nicht unabhängig.

**Tierversuche und Grundlagen.** Aus Guangdong stammt ein Rattenversuch, nach dem im Hoden nach SCI Stickstoffmonoxid erhöht war und M1-Makrophagen die Hauptquelle waren; NO-Abfangen stellte Lipophagie und Testosteron wieder her und verbesserte in vivo die Spermatogenese. Der Abstract nennt keine Tierzahlen; es sind reine Tierdaten [s54]. Chinesischsprachige Übersichten beschreiben das spinale Gastrin-releasing-Peptid-System (Neurone im oberen Lendenmark L3 und L4 projizieren zum unteren Lendenmark L5 und L6) [s120] und die Penisvibration sowie Elektroejakulation, wobei rund 80 % der Männer mit Ejakulationsstörung bei intaktem Reflexbogen oberhalb von Th10 mit Vibration antegrad ejakulieren könnten (Aussage der Übersicht) [s166]. Eine Übersicht zur Genitalsensibilität nach SCI [s85] und eine systematische Übersicht zu Lumbosakral-Erkrankungen und Ejakulationsstörung (24 Studien, PROSPERO-registriert; Bandscheibenvorfall, Cauda-equina-Syndrom, Spinalkanalstenose und andere; kausaler Zusammenhang unbewiesen) betreffen die Ejakulationsfunktion, nicht die Samenqualität [s06]. Eine Einzelzentrum-Studie mit dynamischer transrektaler Sonographie bei 20 Männern mit kompletter retrograder Ejakulation (10 Diabetes, 10 Harnröhrenstriktur) leitet für SCI nur literaturbasiert einen Funktionstyp ab; für SCI wurden keine eigenen Patienten untersucht [s02].

**Multiple Sklerose: Mendelsche Randomisierung.** Bei MS stammen die einzigen chinesischen Beiträge aus einer Methodik, die in der chinesischen Literatur stark verbreitet ist. Eine bidirektionale Zwei-Stichproben-Mendelsche Randomisierung (Shanxi) fand einen kausalen Zusammenhang zwischen MS und „abnormen Spermien“ mit einer Odds Ratio von 1,090 (95-%-KI 1,017 bis 1,168; p = 0,014) [s49]. Der Effekt ist klein, das Intervall liegt nahe an 1, und „abnorme Spermien“ ist ein breiter, im Abstract nicht definierter Endpunkt; genomweite Assoziationsdaten bilden die klinische Samenanalyse nicht ab. Ein zeitgleich erschienener Brief aus Wenzhou zur Gegenrichtung (männliche Infertilität als Risikofaktor für MS) berichtet laut Titel keinen direkten Zusammenhang; ein Abstract war nicht abrufbar, deshalb wird er nur erwähnt. Eine narrative Übersicht eines reproduktionsmedizinischen Zentrums nennt erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen, verminderte Libido, verminderte Spermienqualität und eingeschränkte Fertilität bei MS, ohne Zahlen [s55]. Eine Mendelsche Randomisierung zu Schlaganfall fand für männliche Infertilität ein niedrigeres Risiko für Schlaganfall durch Erkrankung der kleinen Gefäße (OR 0,82; 95-%-KI 0,68 bis 0,99; p = 0,044), ein fragiler Befund in umgekehrter Fragerichtung [s53]. Eine Studie zur Myasthenia gravis fand bei 158 Patienten sexuelle Dysfunktion bei Frauen in 48,11 % gegenüber 22,64 %; sie stützt sich überwiegend auf Frauen und erhob keine Samenparameter [s73]. Ein Fallbericht aus Yantai beschreibt bei einem Mann mit Kennedy-Krankheit (52 CAG-Wiederholungen im Androgenrezeptor-Gen) eine nichtobstruktive Azoospermie als Erstsymptom [s25].

**Diabetes und Neuropathie.** Aus Baoding stammt eine retrospektive Studie an 115 Diabetikern mit retrograder Ejakulation: 80,0 % mit vollständiger retrograder Ejakulation, 54,8 % mit mittelschwerer bis schwerer erektiler Dysfunktion und 39,1 % mit Anorgasmie; Typ-1-Diabetiker hatten häufiger Anorgasmie (65,5 % gegenüber 30,2 %). Es gibt keine Samenparameter, und die Neuropathie wurde nicht gemessen [s12]. Aus Jinan stammt eine Serie an 21 anejakulatorischen Diabetikern mit Befruchtungsraten von 78,3 % (retrograde Gewinnung) gegenüber 66,6 % (Prostatamassage) bei sehr kleinen Gruppen [s121]. Aus Xi'an kommt eine Kohorte mit 1219 Männern mit Azoospermie oder retrograder Ejakulation, darunter 54 mit Typ-2-Diabetes; Embryo- und Schwangerschaftsparameter unterschieden sich nicht signifikant, die Fehlgeburtsrate war mit 20,83 % gegenüber 8,88 % nominell höher, aber nicht signifikant [s82]. Ein Rattenversuch mit Streptozotocin zeigte in der Samenblase weniger glatte Muskelzellen und eine Verschiebung von Nervenwachstumsfaktor und M3-Rezeptor (beide P < 0,01), als Hinweis auf eine autonome Neuropathie der Samenblase, ohne Samenparameter [s141]. Eine chinesischsprachige Kurzübersicht zur peripheren Nervenverletzung enthält keine Daten [s162].

**Parkinson.** Aus dem chinesischen Raum liegt keine Parkinson-Studie mit Samenbezug vor.

**Leitlinien, Register, Datenbanken.** Leitlinien mit Aussagen zur Samenqualität bei diesen Erkrankungen und Register mit Samenbezug wurden nicht gefunden. CNKI war nicht erreichbar (keine Verbindung), Wanfang lieferte nur ein per JavaScript aufgebautes Gerüst ohne Trefferliste. Die chinesische Inlandsliteratur ohne PubMed-Indexierung konnte also nicht durchsucht werden; Studien, die nur dort erscheinen, fehlen. Erfasst wurden stattdessen die in PubMed indizierten chinesischsprachigen Zeitschriften über Europe PMC und die E-utilities; die Sprachsuche ergab 91 Treffer für SCI-Begriffe, überwiegend zu vorzeitiger Ejakulation und zu Arzneipflanzen, die nicht einschlägig waren.

### Japanisch

**Die älteste und konsistenteste Linie außerhalb des Englischen.** Elektroejakulation, intrathekales Neostigmin, TESE und ICSI bei SCI werden aus Japan seit den späten 1980er Jahren berichtet. Mehrere Beiträge liegen nur auf Japanisch vor und sind ohne Japanischkenntnis international praktisch unsichtbar. Die Kohorten stammen aus wenigen Zentren (Nara, Osaka, Dokkyo, Fukuoka).

**Frühe Befunde zu Samen und Hormonen.** Mikuriya und Kollegen (1990, Nihon Hinyokika Gakkai Zasshi; Titel „脊髄損傷患者の生殖機能の検討“, deutsch „Untersuchung der Fortpflanzungsfunktion bei Patienten mit Rückenmarksverletzung“) fanden bei 18 Patienten mit kompletter, 5 mit inkompletter Verletzung und 3 mit „Dyspermatismus“ eine relativ hohe Spermienzahl bei in allen Gruppen verminderter Beweglichkeit und den höchsten Anteil missgebildeter Spermien bei kompletter Verletzung; FSH war im akuten (27 Patienten) und chronischen Stadium (47 Patienten) niedrig, Testosteron bei allen acht Verlaufsfällen erhöht, und die Autoren schließen auf eine vorübergehende Störung der Leydig-Zellfunktion. Es gibt keine Kontrollgruppe und keine Zahlenwerte im Abstract [s190]. Kaneko und Miyazaki (1993; „電気刺激による射精障害患者からの精液採取法の研究“, „Untersuchung der Samengewinnung durch elektrische Stimulation bei Patienten mit Ejakulationsstörung“) gewannen Samen bei 11 von 18 Patienten mit der Brindley-Technik und bei 24 von 29 mit der Seager-Technik; die Gesamtspermienzahl nahm mit zunehmendem Abstand von der Verletzung ab, und auch im ersten Monat nach der Verletzung war die Beweglichkeit niedrig, was die Autoren als frühe Funktionsstörung von Hoden und Nebenhoden deuten [s188]. In vitro schädigte die klinische rektale Elektroejakulation die Beweglichkeit außerhalb des Elektrodenbereichs nach einer Laborstudie nicht (Aussage der Autoren; Probenzahl nicht genannt) [s173].

**Elektroejakulation in Serien.** Momose und Kollegen (1995): 328 Versuche bei 53 Patienten, antegrade Ejakulation bei 46 (86,8 %), bei Blasenlähmung vom Typ „oberes Motoneuron“ 93 % gegenüber 63,6 % beim Typ „unteres Motoneuron“ (P < 0,05); die Beweglichkeit lag im Mittel bei nur 17,2 %; zwei Geburten nach 54 Inseminationen bei 11 Ehefrauen [s183]. Yamamoto und Kollegen (1997): 69 Patienten, antegrade Ejakulation bei 60 (86,9 %); Volumen im Mittel 1,0 ml, Konzentration im Mittel 40,3 Millionen pro ml, Beweglichkeit im Mittel 9,4 %; in 87 Anwendungen bei 15 Paaren 4 Schwangerschaften mit 3 Lebendgeburten [s180]. Dieselbe Gruppe berichtete einen Einzelfall eines Tetraplegikers mit ICSI [s181]. Die Berichte können dieselben Patienten enthalten und sind nicht unabhängig.

**Operative Gewinnung und ICSI.** Iwahata und Kollegen (Dokkyo): Spermiengewinnung durch TESE bei 42 von 52 Männern (80,7 %), ICSI bei 37 mit Schwangerschaft bei 32 (86,5 %) und Baby-take-home-Rate 70,2 %; bei erfolgreicher Gewinnung waren Hodenvolumen größer, die Zeit seit der Verletzung kürzer und LH und FSH niedriger, FSH mit der stärksten Assoziation; bei Verletzung vor höchstens 12 Jahren war die Gewinnungsrate besser (P = 0,045) [s108]. Makino und Kollegen (private Kinderwunschklinik in Fukuoka, 2010 bis 2023): Nebenhoden-Spermienaspiration bei 69 Männern, Spermien bei 42 (60,9 %), medianes FSH 4,6 gegenüber 12,9 mIU/ml bei Misserfolg, Grenzwert 5,95; bei 35 Männern mit assistierter Reproduktion 56 klinische Schwangerschaften und 45 Lebendgeburten in 146 Transferzyklen [s13]. Kanto und Kollegen: Hodenspermien bei 19 von 22 Männern (86 %), Schwangerschaftsrate je Paar 74 %, je ICSI 54 %; bei SCI war die Rate je Zyklus mit frischen Hodenspermien höher als mit aufgetauten (64 % gegenüber 25 %), bei obstruktiver Azoospermie nicht (76 % gegenüber 63 %) [s147]. Hibi und Kollegen: retrograde Vasalspermien-Aspiration bei 8 Patienten, bei allen ausreichend bewegliche Spermien, sechs Geburten gesunder Kinder [s153]. Komiya und Kollegen (2004; „男性脊髄損傷患者に対する不妊治療の成績“): 16 Männer, 14 Schwangerschaften bei 10 Paaren, 11 Lebendgeburten bei 7 Paaren [s168]. Okada und Kollegen fanden bei 30 SCI-Patienten, von denen 10 über zwei Jahre Mirabegron einnahmen, keinen Unterschied der Gewinnungsrate (P = 0,083) und histologisch eine bessere Spermatogenese (P < 0,05), nicht randomisiert [s72].

**Fallberichte als Zeitdokumente.** Hazama und Kollegen (1988) berichten von einem seit 1971 komplett Querschnittgelähmten, dessen zehnter Versuch nach intrathekalem Neostigmin 3 ml Samen mit 240 Millionen Spermien pro ml bei 5 % Beweglichkeit lieferte und zur Geburt eines Mädchens führte; es sei der vierte entsprechende Fall in der japanischen Literatur [s192]. Weitere Fälle: ein Paar mit SCI und Drillingsgeburt nach IVF (Ejakulatvolumen 4,5 ml, 33 Millionen/ml, 33 % Beweglichkeit) [s177], ein Mann mit Klinefelter-Syndrom und SCI [s171], ein Schwangerschaftsfall nach intrakavernöser Papaverin-Injektion [s185] und ein Fallbericht zur TESE bei einem unverheirateten Mann (2025), bei dem die Kosten wegen des Zwecks der Konservierung nicht von der Krankenversicherung gedeckt wurden [s39].

**MS, Parkinson, Neuropathie, andere Erkrankungen.** Zu MS fanden sich keine Samenanalysen aus Japan: Die J-STAGE-Suche mit „多発性硬化症 精子“ und „多発性硬化症 精液“ ergab 104 und 36 Treffer ohne einschlägigen Beitrag zur Samenqualität, die CiNii-Suche nach „多発性硬化症 精子“ 0 Treffer. Zu Parkinson liegt eine Fragebogenstudie aus Chiba mit 115 Parkinson-Patienten (52 Männer) und 391 Kontrollen vor: Bei Männern waren Libido (83 %), Geschlechtsverkehr (88 %), Orgasmus (87 %), Erektion (79 %) und Ejakulation (79 %) häufiger vermindert; die Kontrollen waren im Mittel 11 Jahre jünger, Medikamenteneffekte sind nicht abgrenzbar, und es gibt keine Samenanalyse [s172]. Ein Kongressabstract zu einer transgenen Mauslinie mit Parkinson-ähnlichen Symptomen und Unfruchtbarkeit (Spermatogenese im Spermatozytenstadium arretiert) führt beides auf den Verlust des Gens Ugt8a zurück und ist daher kein Befund zur Parkinson-Krankheit des Menschen [s86]. Eine Fragebogenstudie an 26 antwortenden Männern mit Spina bifida (von 36 angeschrieben) fand Ejakulation bei 88 % [s164]; ein Einzelfall mit Spina bifida zeigte verminderte Samenmenge, Spermiendichte und Beweglichkeit und führte mit ICSI zu einem gesunden Kind [s80]. Grundlagenübersichten aus Japan [s122] und eine Übersicht zu urogenitalen Störungen bei neurologischen Erkrankungen [s17] enthalten keine Samendaten.

**Nicht auswertbare Titel.** J-STAGE und CiNii lieferten weitere Titel ohne abrufbares Abstract, darunter Studien zu jahreszeitlichen Schwankungen der Samenbefunde bei SCI-Patienten (2005), zur Verbesserung der Samenbefunde durch wiederholte Elektroejakulation (2006), zum Nutzen der Hodenbiopsie (1996) sowie zu MESA/TESE-Ergebnissen (2003). Sie sind nicht als Quellen geführt, weisen aber darauf hin, dass die japanische Fachliteratur zu Samenbefunden bei SCI umfangreicher ist, als die abrufbaren Abstracts zeigen.

**Leitlinien, Register, Datenbanken.** Eine japanische Leitlinie mit Aussagen zur Samenqualität bei diesen Erkrankungen und ein Register wurden nicht gefunden. J-STAGE war erreichbar (Abstracts nur auf einem Teil der Artikelseiten), die CiNii-Opensearch-Schnittstelle lieferte nur Titel.

### Koreanisch

**Kaum eigene Literatur.** Koreanische Beiträge sind in diesem Thema selten und liefern keine Samenanalysen bei neurologischen Erkrankungen. Die Suche in PubMed nach der Sprachkennung Koreanisch ergab für die Themenbegriffe keinen Treffer. Gefunden wurden drei Fragebogenstudien und eine Tierstudie mit koreanischem Bezug.

**Fragebogenstudien.** In einer Studie aus Jinju mit 109 männlichen Schlaganfallpatienten (64,93 ± 8,81 Jahre) und 109 altersgleichen Kontrollen lag der IIEF-5 bei 5,89 ± 7,08 gegenüber 10,67 ± 7,10; mangelnde Libido war mit 59,4 % die häufigste Ursache für fehlenden Verkehr, und Läsionen im rechten Kleinhirn gingen mit Ejakulationsstörung, im linken Basalganglienbereich mit verminderter Libido einher [s154]. Der niedrige Wert auch der Kontrollen deutet auf eine belastete Altersgruppe; Medikation und Komorbidität sind im Abstract nicht angegeben. Eine Studie aus Seoul an 47 jungen Männern mit Spina bifida fand, dass 24 (51,1 %) im vergangenen Monat Geschlechtsverkehr hatten und 10 der 24 (41,7 %) zumindest zeitweise Ejakulationsprobleme angaben [s99]. Eine Umfrage an 275 Diabetespatienten ergab urogenitale Beschwerden bei 124 (45,1 %), Sexualstörungen bei 61 (49,2 % dieser Gruppe); sie ist eine Selbstauskunft ohne Neuropathie-Diagnostik und ohne Samenanalyse und zeigt vor allem ein geringes Problembewusstsein (32,4 % ohne Kenntnis der urogenitalen Komplikationen) [s138].

**Tierstudie.** Die Rattenstudie zur Gastrin-releasing-Peptid-Infusion nach Rückenmarkskontusion erschien in der koreanischen Zeitschrift World Journal of Men's Health, der Erstautor ist aber am Shirley Ryan Ability Lab in Chicago tätig; sie wird im Sprachraumvergleich nur eingeschränkt als koreanisch gezählt. 8 Ratten mit Kontusion und 8 Sham-Tiere; GRP löste Ejakulationsreflexe aus, gemessen wurde die Reflexantwort, nicht Fertilität oder Samenqualität [s05].

**Leitlinien, Register, Datenbanken.** Keine koreanische Leitlinie und kein Register mit Samenbezug wurde gefunden. Die koreanischen Inlandsdatenbanken waren praktisch nicht nutzbar: KCI meldete nur die Gesamtzahl der Datensätze (2.441.320) ohne Trefferliste, KoreaMed lieferte nur ein Suchformular, DBpia war nicht erreichbar. Die Aussage lautet deshalb: In den erreichbaren Quellen wurde keine einschlägige koreanische Samenstudie gefunden; über koreanische Inlandszeitschriften ist keine Aussage möglich. Auch zur MS fand sich aus Japan und Korea nichts.

### Russisch

**Schwerpunkt: Ejakulationsstörung und Spermiengewinnung, nicht Spermatogenese.** Die russischsprachige Literatur zu neurologischen Ursachen beschäftigt sich fast ausschließlich mit retrograder Ejakulation und Anejakulation und mit Verfahren der Spermiengewinnung. Direkte Spermiogramm-Studien bei Rückenmarksverletzung, Multipler Sklerose oder Parkinson fehlen im abgerufenen Material. Eigenständige russische Primärdaten zur Samenqualität bei SCI wurden nicht gefunden; die Übersichten zitieren überwiegend englischsprachige Primärstudien.

**Rückenmarksverletzung.** Koršunov und Kollegen (2021, Zeitschrift Andrologija i genitalnaja chirurgija, Moskau; Titel „Мужской фактор бесплодия при травматической болезни спинного мозга“, deutsch „Männlicher Infertilitätsfaktor bei traumatischer Rückenmarkserkrankung“) legen ein narratives Übersichtsreferat ohne Suchstrategie vor, dessen Zahlen aus zweiter Hand stammen. Genannt werden: etwa 90 bis 95 % der Männer mit traumatischer Rückenmarkserkrankung seien infertil; in der Phase des spinalen Schocks seien keine wesentlichen Abweichungen im Spermiogramm gefunden worden, die Ejakulatqualität verschlechtere sich etwa zwei Wochen nach dem Trauma; im Hundemodell sank bis zum 21. Tag die mittlere aktive Beweglichkeit von 62,9 auf 20,1 % (p = 0,008); bei Hodenbiopsien an 28 Männern war die Spermatogenese 1, 3 und 6 Monate nach dem Trauma in 39, 48 und 80 % erhalten; Hypogonadismus komme bis zu 46 % vor [s75]. Diese Zahlen sind nach dieser Übersicht [s75] zu lesen, nicht als geprüfte Primärbefunde. Wiedergabefehler sind nicht auszuschließen; der Text spricht etwa von „Spermatophor-Flagellen“, gemeint sind die Flagellen der Spermien. Die Übersetzung eines Beitrags des Geräteentwicklers Seager über 30 Jahre Elektroejakulation (mehr als 4 000 Verfahren, Gerät in 52 Ländern in Gebrauch) ist ein Erfahrungsbericht mit Interessenkonflikt und liefert keine Samenparameter [s123]. Ein Diskussionsprotokoll des XIII. Kongresses der Russischen Urologischen Gesellschaft gibt Expertenmeinungen wieder: Božedomov hält die Elektroejakulation nur bei Rückenmarkverletzten für anwendbar und vermutet, dass das Ejakulat durch das Fehlen eines normalen Sexuallebens stark „alte“ Spermien mit beginnender Apoptose und DNA-Defekten enthalte; Vinogradov setzt beide Verfahren nicht ein [s118]. Das ist eine Hypothese ohne Datenerhebung, passend zu den DNA-Befunden bei SCI aus dem Iran [s130], aber nicht selbst belegt.

**Neuropathie bei Diabetes als Hauptmodell.** Die Moskauer Gruppe des Endokrinologischen Forschungszentrums hat die retrograde Ejakulation bei Typ-1-Diabetes als Ausdruck der urogenitalen autonomen Neuropathie bearbeitet. Eine Fallserie an 82 Männern aus einem Sankt Petersburger Reproduktionszentrum (1998 bis 2013, retrograde Ejakulation 66 %, Anejakulation 34 %) fand bei 48 von 54 Männern mit retrograder Ejakulation (89 %) lebende, bewegliche Spermien im Urin; bei den übrigen sechs gelang die Gewinnung mit PESA oder TESA bei allen; Schwangerschaftsraten pro Transfer 52 % und 50 % ohne Angabe der Transferzahlen [s104]. Eine frühe Fallserie mit 43 Patienten mit Anejakulation (1983 bis 1993) nannte als häufigste Ursachen Operationen an Prostata und Blasenhals (25,6 %) und Diabetes (18,6 %) [s184]. Die Fallserie mit endourethraler Kollageninjektion ergab antegrade Ejakulation bei 11 von 12 Patienten und Samenwerte mit 93 ± 62,2 Millionen Spermien pro ml bei 10 ± 6,8 % Beweglichkeit [s133]; eine Folgeserie an 30 Männern mit Typ-1-Diabetes und absoluter retrograder Ejakulation stellte bei 22 (73 %) die antegrade Emission wieder her, mit Medianwerten bei den Respondern von 0,9 ml, 65 Millionen/ml, 17 % Beweglichkeit und 20 % normalen Formen sowie Asthenozoospermie bei 83 % [s117]. Besonders ist die elektrophysiologische Absicherung: Die Stimulationsneurografie des Nervus pudendus zeigte eine M-Antwort-Amplitude von 0,89 ± 0,17 mV (Norm über 3,5) und eine Leitungsgeschwindigkeit von 14,2 ± 2,5 m/s (Norm über 19,7), mit einer Korrelation zwischen HbA1c und Leitungsgeschwindigkeit (r = −0,41; p = 0,012) [s117]. Die Samenwerte betreffen nur Männer mit wiederhergestellter antegrader Ejakulation und erlauben keine Aussage zur Samenqualität bei Diabetes-Neuropathie insgesamt. Eine randomisierte, einfach verblindete Studie an 24 Männern mit Typ-1-Diabetes (Kollagen gegenüber Kochsalz) fand in der Kollagengruppe über 12 Monate eine mittlere Zunahme des antegraden Volumens um 0,71 ml und der Konzentration um 45,6 Millionen/ml (jeweils p < 0,05); sie ist die einzige randomisierte Studie im russischsprachigen Material, aber klein, mit kommerziellem Medizinprodukt, und die Zunahme von Konzentration und Beweglichkeit liegt methodisch nahe daran, dass mehr Ejakulat die Harnröhre statt der Blase erreicht [s114]. Die vier Arbeiten der Moskauer Gruppe [s133, s132, s117, s114] stammen aus derselben Gruppe und überschneiden sich teilweise in den Patienten; sie dürfen nicht als unabhängige Bestätigungen gezählt werden. Übersichten nennen, dass retrograde Ejakulation etwa 0,3 bis 2 % der Männer in der Infertilitätsberatung betrifft und für den Verfahrensvergleich kein einheitliches Protokoll und keine ausreichende Datenlage bestehen [s112], und dass diabetische Neuropathie bei 30 bis 50 % der Diabetiker auftrete [s21].

**Multiple Sklerose und Parkinson.** Für MS wurde im russischen Raum kein Spermiogramm gefunden, nur eine Hormonstudie an 32 Patienten mit leichtem (EDSS 0 bis 2) und 20 mit mäßigem Defizit (EDSS 2,5 bis 5) gegenüber 28 gesunden Männern und 37 Männern mit funktionellen Sexualstörungen: Die Hormone lagen im Normbereich, LH und FSH waren in der leichten Gruppe signifikant erhöht, aber nur bei drei Patienten der mäßigen Gruppe fanden sich niedriges Testosteron und erhöhtes LH; ein pathologischer Hormonbefund wurde insgesamt nicht gesehen [s96]. Das steht im Gegensatz zum hypogonadotropen Hypogonadismus der iranischen Studie [s156]; die Kohorte wurde allerdings wegen erektiler Dysfunktion ausgewählt, und eine Samenanalyse fehlt. Anekdotische Berichte über Kräutermischungen ohne Zahlen belegen weder einen Zusammenhang noch eine Wirkung [s124]. Zur Parkinson-Krankheit gibt es keine Arbeit; eine Übersicht zur neurogenen kopulativen Dysfunktion nennt in einer Tabelle Prävalenzen sexueller Funktionsstörungen (Parkinson 60 %, SCI 25 bis 95 %, MS 62 bis 83 %), ohne erkennbare Quellen und ohne Samenparameter [s116].

**Schädel-Hirn-Trauma als Besonderheit.** Zwei Arbeiten behandeln das Schädel-Hirn-Trauma, ein Thema, das in der westlichen Literatur zur Samenqualität kaum vorkommt. Eine postmortale Untersuchung aus Rjasan an 5 Männern, die 15 bis 35 Tage nach dem Trauma starben, gegenüber 6 Kontrollen fand Hodenkanälchen mit differenzierten Zellverbänden nur zu 41,4 ± 5,7 %, ein „Sertoli-cell-only“-Muster zu 24,2 ± 5,2 % und eine um 11 % geringere Querschnittsfläche (p < 0,05); sie beruht auf 11 Fällen aus Obduktionsmaterial ohne Samenanalyse [s97]. Ein Rattenversuch aus Samarkand an 30 Tieren (usbekisch, kyrillisch, in einer Zeitschrift mit wirtschaftswissenschaftlichem Titel; fachliche Qualitätssicherung nicht beurteilbar) fand geringere Hodengewichte und eine verminderte Keimschicht ohne Samenparameter [s22].

**Leitlinien, Register, Zeitschriften, Datenbanken.** Leitlinien mit Aussagen zur Samenqualität bei diesen Erkrankungen und Register wurden im russischen Raum nicht gefunden. Die Zeitschriften sind unter anderem Andrologija i genitalnaja chirurgija, Urologičeskie vedomosti, Sacharnyj diabet, Trudnyj pacient, Gene i kletki, Terapevtičeskij archiv sowie Urologija i nefrologija. Die Erreichbarkeit war eingeschränkt: eLIBRARY.ru war nicht erreichbar (HTTP 403 auf der Suchmaske), sodass Arbeiten, die nur dort verzeichnet sind, nicht erfasst sind. CyberLeninka ließ sich über die JSON-Schnittstelle abfragen (mehr als 40 russische Suchanfragen), die HTML-Suche lieferte keine auswertbaren Ergebnisse. Europe PMC mit Sprachfilter für Russisch ergab nur 4 thematisch teilweise passende Treffer. Daher gilt nur die Aussage „in den erreichbaren Quellen wurde keine gefunden“.

### Arabisch

**Keine arabischsprachige Primärliteratur erreichbar.** Es konnte keine Arbeit in arabischer Sprache abgerufen werden. Die einbezogenen Arbeiten des arabischen Raums im engeren Sinn (Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien) sind englischsprachig und dünn gesät. Arabischschriftige Suchbegriffe in Europe PMC lieferten keine thematischen Treffer; die Filter für Arabisch ergaben nichts. Die Dienste ASJP, EKB, IASJ und Arab World Research Source waren nicht erreichbar, e-Marefa ignorierte den Suchbegriff und zeigte nur einen allgemeinen Bestand mit Hinweis auf Abonnentenzugang, Mandumah antwortete mit Ratenbegrenzung. Eine Aussage „es gibt keine arabischsprachige Studie“ ist daher nicht zulässig.

**Ägypten.** Eine Querschnittsstudie der Andrologie-Abteilung der Universität Kairo an 45 Männern mit SCI (Samengewinnung durch Masturbation n = 2, Prostatamassage n = 13, Vibrationsstimulation n = 13, Elektroejakulation n = 17) fand ein Volumen von 2,3 ± 1,9 ml, eine Konzentration von 85,0 ± 83,8 Millionen/ml, eine Beweglichkeit von 11,6 %, eine Vitalität von 18,5 ± 5,2 %, normale Formen 17,5 ± 3,4 % und 6,0 ± 8,2 Millionen Eiterzellen pro ml. Männer mit niedrigerer Skrotaltemperatur hatten höhere Gesamtbeweglichkeit (13,4 ± 9,9 gegenüber 7,1 ± 6,8); Alter, seltene Ejakulation, Verletzungsdauer und Hormonprofil hatten keinen signifikanten Einfluss. Die Autoren sehen die erhöhte Skrotaltemperatur als wahrscheinlichste Ursache. Der Zusammenhang ist korrelativ, es gibt keine gesunde Kontrollgruppe im Abstract, und die gemischten Gewinnungsmethoden beeinflussen die Samenqualität selbst [s159]. Ebenfalls aus Kairo stammt eine Untersuchung die Samengewinnung durch Prostatamassage bei 69 Männern mit SCI: Prostatasekret bei 51 (73,9 %), Spermien aber nur bei 22 (31,9 %), mit Asthenoteratozoospermie, verminderter Vitalität und vermehrten Leukozyten; die Gewinnung gelang bei Verletzungen oberhalb von Th10 häufiger [s158].

**Jordanien.** Zwei Rattenversuche der Al-Balqa Applied University mit abgestuften Läsionen auf Th8 (dorsales Drittel, dorsale zwei Drittel, komplette Durchtrennung) zeigten einen verminderten Durchmesser der Hodenkanälchen und eine verminderte Epithelhöhe in allen SCI-Gruppen, die Abnahme der Keimzellschichten am stärksten bei kompletter Durchtrennung [s81], und in der zweiten Arbeit eine verminderte Spermienzahl nach 1/3-Läsion und Durchtrennung sowie einen verminderten Anteil beweglicher Spermien nur nach Durchtrennung; die Serumhormone änderten sich nicht signifikant, was im Gegensatz zu klinischen Hormonbefunden steht [s62]. Die Autoren schließen, dass die ventralen Funikuli für die Spermatogenese bedeutsam sind. Fallzahlen und Zahlenwerte stehen nicht im Abstract; die Übertragbarkeit auf den Menschen ist offen.

**Saudi-Arabien.** Eine kontrollierte Studie aus Mekka mit 100 Diabetikern (jeweils 50 insulinabhängig und nicht insulinabhängig, mit und ohne objektive Neuropathie) und 50 Nichtdiabetikern, die chronisch 100 mg Sildenafil erhielten, ist die einzige Studie im arabischen Raum mit Samenparametern bei diabetischer Neuropathie: Bei Männern mit Neuropathie sanken Gesamtspermienleistung und Konzentration signifikant (p < 0,001), während Beweglichkeit und Volumen um etwa 40 % beziehungsweise 48 % stiegen. Behandlungs- und Neuropathie-Effekt sind vermischt, Ausgangswerte fehlen, und die Aussagekraft ist gering [s157].

**Der Nachbarraum Iran (persischsprachig, nicht arabisch).** Weil Hormon- und Samenstudien am Menschen in der Region überwiegend aus dem Iran stammen, werden sie hier ersatzweise eingeordnet, ohne sie dem arabischen Raum zuzuschlagen. Eine Fall-Kontroll-Studie an 55 Männern mit SCI (36 gesunde und 34 infertile Kontrollen) fand bei 8 niedriges basales LH, bei 4 niedriges FSH und bei 16 erniedrigte Basalwerte beider Gonadotropine; Beweglichkeit und Anteil normaler Formen waren gegenüber gesunden, nicht aber gegenüber infertilen Kontrollen vermindert [s169]. Eine Studie an 22 infertilen Männern mit SCI zur Chromatinreife fand einen höheren Gesamtscore (98 % gegenüber 89 % und 88 % bei Varikozele und idiopathischer Infertilität; p < 0,01) [s163]; eine Fall-Kontroll-Studie an 30 infertilen Männern mit SCI gegenüber 30 fertilen Spendern fand verminderte Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie sowie erhöhte Anteile reaktiver Spermien in Chromatin- und TUNEL-Tests, bei selektierter Gruppe infertiler Männer [s130]. Dazu kommen Zink- und Kupfer-Korrelationen mit der Beweglichkeit (93 Männer mit SCI gegen 145 Gesunde) [s150] und eine ICSI-Kohorte (37 Männer, 54 Zyklen) mit vergleichbaren Raten bei Elektroejakulation und TESE (klinische Schwangerschaft 33,3 % gegenüber 36,1 %; Lebendgeburt 22,2 % gegenüber 19,4 %) [s09]. Bei MS stammt aus dem Iran die einzige gefundene klinische Samenstudie an 68 Männern mit 48 Kontrollen (niedrigere basale Spiegel von LH, FSH und Testosteron, niedrigere Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen; keine Zahlenwerte im Abstract; ein Zentrum, keine Angaben zur Vorbehandlung) [s156]. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie an 128 Männern mit organischer Anejakulation ohne SCI zeigte unter Midodrin antegrade, retrograde und kombinierte Ejakulation bei 18 (29,5 %), 8 (13,1 %) und 9 (14,8 %) gegenüber keinem unter Placebo, mit dem besten Ansprechen bei MS [s149]. Das Material wird durch eine große Gruppe iranischer Tierstudien zum Querschnittmodell dominiert (Ratten und Mäuse; Entzündungs-Inflammasom, Oxidationsstress, Spermienparameter), die konsistente Zeitverläufe zeigen, aber kleine Gruppen und überwiegend gleiche Arbeitsgruppen haben [s160, s148, s152, s83, s88, s102]; ein Cuprizon-Mausmodell der Demyelinisierung ergab verminderte Spermienzahl, Beweglichkeit und Vitalität [s46]. Die iranische Metaanalyse mit 3 Studien zur umgekehrten Fragerichtung (Männerinfertilität und MS) wurde im englischen Abschnitt eingeordnet [s56].

**Leitlinien, Register.** Leitlinien oder Register mit Samenbezug aus dem arabischen Raum wurden nicht gefunden. Gerade Ägypten und Saudi-Arabien tauchten mit einer großen Zahl von Arbeiten zu Antiepileptika und neuropathischen Schmerzmitteln in Rattenmodellen auf, die hier ausdrücklich nicht ausgewertet wurden.

### Türkisch

**Wenige und überwiegend indirekte Arbeiten.** Die türkischen Arbeiten zu den hier behandelten Erkrankungen sind klein an Zahl: ein SCI-Übersichtsartikel, eine Fallserie zu Gewinnungsverfahren, ein Fallbericht, zwei Fragebogenstudien zur Sexualfunktion bei MS und Parkinson, ein Rotenon-Tierversuch, ein Mausversuch zum Schädel-Hirn-Trauma und eine Kinderstudie. Der weit überwiegende Teil der türkischen Literatur zu „Neurologie und Samen“ betrifft Antiepileptika (Valproat, Levetiracetam, Carbamazepin, Zonisamid), die in diesem Kapitel ausdrücklich nicht behandelt werden; für die hier behandelten Erkrankungen bleibt dadurch eine Lücke.

**Rückenmarksverletzung.** Açıkgöz, Aşçı und Büyükalpelli (2012, Türk Üroloji Dergisi; Titel „Spinal kord yaralanmalı olgularda cinsel işlev ve üreme bozuklukları“, deutsch „Sexual- und Fortpflanzungsstörungen bei Fällen mit Rückenmarksverletzung“) fassen in einer narrativen Übersicht (Recherche 1982 bis 2011) die Neuroanatomie zusammen: Die sympathische, parasympathische und motorisch-sensible Innervation der Genitalien liege in den Segmenten Th11 bis L2, S2 bis S4 beziehungsweise S2 bis S3; die Fortpflanzungsstörung bei SCI beruhe auf der Kombination aus erektiler Dysfunktion, Ejakulationsversagen und abnormalen Samenparametern. Die türkische und die englische Abstract-Fassung widersprechen sich teilweise, und eigene Samendaten fehlen [s134]. Engin-Üstün und Kollegen (Gülhane, Ankara) werteten retrospektiv 44 paraplegische Männer mit Landminen- und Schussverletzungen aus (Elektroejakulation n = 8, TESE n = 26, Prostatamassage n = 10): acht Einlingsschwangerschaften (2, 4 und 2), die Lebendgeburtenrate unterschied sich nicht signifikant zwischen den Verfahren; die Studie ist unterpowert und beweist keine Gleichwertigkeit, und Samenparameter fehlen [s161]. Ein Fallbericht aus Istanbul beschreibt eine Hodentorsion bei einem Mann mit SCI, wobei die fehlende Schmerzempfindung unterhalb der Läsion die Diagnose erschwere; Samendaten fehlen [s106].

**Multiple Sklerose und Parkinson.** Eine Fall-Kontroll-Querschnittsstudie (Uca und Kollegen, 2018; Titel „Multipl Sklerozlu Erkek Hastalarda Cinsel Disfonksiyonun Değerlendirilmesi“, deutsch „Bewertung der sexuellen Dysfunktion bei männlichen Patienten mit Multipler Sklerose“) mit 61 Männern mit MS und 60 gesunden Männern fand höhere Schmerz- und Depressionswerte und niedrigere IIEF- und SF-36-Werte (p < 0,05); eine Depression (BDI mindestens 17) bestand bei 62,5 % der MS-Patienten gegenüber 11,7 % (p < 0,001). Die Gruppengrößen im Abstract (45 und 19, Summe 64) stimmen nicht mit den 61 Patienten überein; Samenparameter und Hormone fehlen [s95]. Eine Querschnittsstudie aus Van (Gül und Kollegen, 2021; Titel „Parkinson Hastalığında Cinsel Fonksiyon Bozukluğu Prevalansı“, deutsch „Prävalenz der sexuellen Funktionsstörung bei der Parkinson-Krankheit“) an 70 Parkinson-Patienten (40 Männer) fand bei Männern stärkere sexuelle Unzufriedenheit und erektile Dysfunktion (65 % gegenüber 46,6 % bei Frauen); sie hat keine Kontrollgruppe und keine Samenparameter [s70]. Der Rotenon-Tierversuch aus Sivas (Ratten, 2 mg/kg täglich über 20 Tage) fand eine zeitabhängige Abnahme der Hodenexpression der Rezeptoren GPR30, GPR120 und GPR125, aber keine Spermienanalyse und keine Hormonwerte im Abstract; da Rotenon direkt auf Mitochondrien wirkt, lässt sich der Effekt nicht sicher dem Dopaminverlust zuschreiben, und die Biomarker-Idee ist Spekulation [s19].

**Weitere Erkrankungen.** Ein Mausversuch aus Kayseri zum wiederholten leichten Schädel-Hirn-Trauma fand eine in der akuten Phase verminderte, in der chronischen Phase nach wiederholtem Trauma wieder erhöhte Telomerlänge der Spermien; Spermienzahl und Beweglichkeit nennt der Abstract nicht, der Befund betrifft das Spermiengenom [s30]. Eine Querschnittsstudie aus Istanbul an 240 Jungen mit Zerebralparese fand einen erworbenen Hodenhochstand bei 58 (24,2 %) mit unabhängigen Prädiktoren Frühgeburtlichkeit (OR 2,6; 95-%-KI 1,3 bis 5,2), Hüftdysplasie (OR 3,1; 1,2 bis 8,3) und Mangel- oder Sondenernährung (OR 3,1; 1,6 bis 6,1); Hodenatrophie lag bei 34,5 % der Jungen mit Hodenhochstand vor, bei neu erkannten Fällen deutlich häufiger als bei bekannten (65,4 % gegenüber 9,4 %). Die Studie betrifft Kinder und Hodenstand, nicht die Samenqualität, und die spätere Fertilität wurde nicht untersucht [s18].

**Leitlinien, Register, Datenbanken.** Eine türkische Leitlinie mit Aussagen zur Samenqualität bei diesen Erkrankungen wurde nicht gefunden, ebenso wenig ein Register. TR Dizin war über die Such-Schnittstelle erreichbar (türkische und englische Abstracts liegen in der Antwort; etwa 30 Suchanfragen; der Einzeldatensatz-Endpunkt gab einen Fehler 404). DergiPark antwortete zwar, lud die Suchergebnisse aber per Skript nach, sodass keine Treffer auslesbar waren und keine DergiPark-Arbeit im Material ist. Türkischsprachige Hochschulzeitschriften sind damit nicht vertreten, und die Aussage lautet nur: in den erreichbaren Quellen wurde keine einschlägige Samenstudie gefunden.

## Widersprüche und ihre mögliche Erklärung

Die 192 Quellen dieser Studie widersprechen einander an einer Reihe von Stellen. Nicht jeder Widerspruch ist ein echter: Häufig messen zwei Arbeiten Verschiedenes, untersuchen unterschiedlich ausgewählte Männer oder arbeiten mit Abstufungen derselben Methode, die sich im Abstract nicht erkennen lassen. Dieser Abschnitt sortiert die wichtigsten Konflikte, nennt jeweils die Zahlen beider Seiten und prüft, welche Erklärungen die Datenlage zulässt. Wo die Abstracts keine Entscheidung erlauben, steht das ausdrücklich da. Alle Erklärungen sind Hypothesen dieser Studie, keine Befunde der Originalautoren, sofern nicht anders vermerkt.

### 1. Verschlechtert sich die Samenqualität nach einer Rückenmarksverletzung mit der Zeit?

**Befund A: Keine Verschlechterung im chronischen Verlauf.** In der Miami-Datenbank blieben bei 87 Männern mit mindestens zwei Samengewinnungen im Abstand von mindestens drei Jahren alle Parameter bis auf eine leichte Abnahme der Konzentration unverändert; die mittlere Zeit seit der Verletzung betrug zum ersten Eingriff 7,1 Jahre (Spanne 1 bis 26) [s145]. Eine Querschnittsanalyse von 638 Proben von 125 Männern fand keinen Unterschied in Konzentration, Gesamtspermienzahl oder Beweglichkeit in Abhängigkeit von der Zeit seit der Verletzung [s175]. Die französische Pilotstudie mit 35 Männern und Gewinnungen alle sechs Monate über 18 Monate sah ebenfalls keinen signifikanten Rückgang [s57]. In einer spanischen Serie mit 27 Männern korrelierte die Samenqualität nicht mit der Zeit seit der Läsion [s84]. Bei kryokonservierten Proben unterschieden sich früh (bis drei Wochen nach der Verletzung) und später gewonnene Proben nicht (p = 0,75) [s113].

**Befund B: Frühe Veränderungen und Hinweise auf Abnahme.** Eine Übersicht gibt an, dass sich die Samenqualität schon zwei Wochen nach der Verletzung verändert [s155]. Eine japanische Studie beschreibt, dass die Gesamtspermienzahl mit zunehmendem Abstand von der Verletzung abnahm und die Beweglichkeit schon im ersten Monat niedrig war [s188]. In Tiermodellen lassen sich zeitabhängige Veränderungen über Tage bis Wochen nachzeichnen: Bei der Maus waren CatSper-1- und -2-Gene nach vier und sechs Wochen herunterreguliert [s148], bei der Ratte stiegen Entzündungsmarker am 14. und 21. Tag, mit mehr abnormen Spermien und verminderter Beweglichkeit und Vitalität am 21. Tag [s83]; Caspase-1 war am Tag 3 erhöht, und die Spermienzahl sank besonders an den Tagen 3 und 7 [s102]. Eine russische Übersicht gibt aus zweiter Hand für das Hundemodell an, die aktive Beweglichkeit sei bis zum 21. Tag von 62,9 auf 20,1 % gefallen (p = 0,008) [s75].

**Mögliche Erklärung.** Beide Befundgruppen schließen sich nicht aus. Die menschlichen Längs- und Querschnittsdaten beginnen spät: In der Längsschnittstudie lag der erste Eingriff im Mittel mehr als sieben Jahre nach der Verletzung [s145]; die Verlaufsstudien beschreiben also ein Plateau, nicht den Anfang. Die frühe Phase (Wochen bis Monate) ist beim Menschen kaum untersucht; die dazu zitierten Zahlen stammen aus Tiermodellen, aus einer Übersicht aus zweiter Hand oder aus einer japanischen Studie ohne Zahlenangaben im Abstract [s75, s188]. Hinzu kommt ein Auswahleffekt: Männer, die nach Jahren noch wiederholt Samen abgeben können oder wollen, sind nicht repräsentativ für alle Männer mit Verletzung [s145]. Eine belastbare Aussage zum zeitlichen Verlauf ab dem Unfallzeitpunkt ist mit der vorliegenden Literatur nicht möglich.

### 2. Zeit seit der Verletzung und Erfolg der operativen Spermiengewinnung

Eine japanische Einzelzentrumserie mit 52 Männern fand eine bessere Gewinnungsrate bei Verletzungen innerhalb der vorausgehenden 12 Jahre (p = 0,045); bei erfolgreicher Gewinnung war die Zeit seit der Verletzung kürzer, LH und FSH waren niedriger, das Hodenvolumen größer [s108]. Eine multizentrische italienische Querschnittsstudie mit 107 Eingriffen fand dagegen in der logistischen Regression keine Abhängigkeit der Gewinnungsrate von der Zeit seit der Verletzung, weder stetig noch in Kategorien; die mediane Zeit seit der Verletzung betrug 9 Jahre (Quartile 3 bis 14), die Gewinnungsrate 81,3 % [s31]. In der Japan-Serie lag sie bei 80,7 % [s108]. Die Raten sind also fast gleich; Unterschiede bestehen in der Frage, ob die Zeit seit der Verletzung dazu in Beziehung steht.

**Mögliche Erklärung.** Die Studien unterscheiden sich in der Zahl der Eingriffe (52 gegenüber 107), in der Analyse (Schwellenwert von 12 Jahren gegenüber stetiger und mehrfach kategorialer Analyse) und in der Zusammensetzung (die italienische Studie nennt 32 Personen mit Tetraplegie und 75 mit Paraplegie [s31]; die japanische beschreibt dies im Abstract nicht). Ein drittes Verfahren, die Nebenhodenaspiration, ergab in einer Serie mit 69 Männern eine Gewinnungsrate von 60,9 %; der FSH-Wert war der stärkste Vorhersagefaktor (Median 4,6 mIU/ml bei Erfolg gegenüber 12,9 bei Misserfolg, Grenzwert 5,95) [s13]. Auch in der Japan-Serie hatte FSH die stärkste Assoziation [s108]. Der FSH-Wert könnte somit ein Zwischenglied sein, das Zeit, Hodenvolumen und Gewinnung verbindet; ob das so ist, lässt sich mit den Abstracts nicht prüfen. Die Autoren der japanischen Studie empfehlen eine frühe Gewinnung, die der italienischen sehen keinen Grund, nach langer Zeit davon abzuraten [s108, s31]; diese Schlussfolgerungen werden hier lediglich wiedergegeben und nicht bewertet.

### 3. Frische oder aufgetaute Spermien: gleich gut oder schlechter?

In einer japanischen Serie mit 22 Paaren war die Schwangerschaftsrate je ICSI mit frischen Hodenspermien bei Rückenmarksverletzung signifikant höher als mit aufgetauten (64 % gegenüber 25 %), bei obstruktiver Azoospermie nicht (76 % gegenüber 63 %) [s147]. Eine französische Kohorte mit 78 Männern kam bei aufgetauten Spermien (überwiegend aus Ejakulaten) zu Ergebnissen, die mit einer Vergleichsgruppe infertiler Männer vergleichbar waren: 20 Männer erhielten ICSI mit fünf Lebendgeburten [s94]. Dijon berichtete bei 8 Paaren mit ICSI fünf Schwangerschaften mit kryokonservierten Spermien [s125]. Eine Samenbankstudie fand nach im Median 11 Jahren Lagerung einen starken Rückgang der Gesamtbeweglichkeit von 19 % (95-%-Konfidenzintervall 13 bis 22) auf 2,5 % (0 bis 4) und der Vitalität von 27 % (19 bis 45) auf 7 % (6 bis 13) [s113]. Eine Laborstudie mit Kontrollgruppe fand dagegen, die Schäden durch das Einfrieren seien bei Männern mit Rückenmarksverletzung nicht größer gewesen als bei Kontrollen; der Beweglichkeitsrückgang war in der Kontrollgruppe sogar größer [s142].

**Mögliche Erklärung.** Die Studien beantworten verschiedene Fragen. Die Samenbankstudie misst die Beweglichkeit im Labor, nicht die Befruchtungsfähigkeit [s113]; für ICSI genügen einzelne bewegliche oder vitale Spermien, sodass ein starker Beweglichkeitsverlust nicht zwingend das Behandlungsergebnis bestimmt. Die Daten von Kanto et al. betreffen Spermien aus dem Hoden, die der französischen Kohorte überwiegend Ejakulat (37 Elektroejakulationen, 37 Vibrationsstimulationen, 4 chirurgische Gewinnungen) und die aus Dijon etwa je zur Hälfte Ejakulat und chirurgisch gewonnene Spermien; Hoden- und Ejakulatspermien verhalten sich möglicherweise anders [s147, s94, s125]. Die Zahl der Paare ist in allen Studien klein, Konfidenzintervalle der Schwangerschaftsraten stehen in den Abstracts nicht; für den Unterschied von 64 % zu 25 % nennt der Abstract die Zyklenzahlen nicht [s147]. Die Autoren der japanischen Studie vermuten, dass Hodenspermien von Männern mit Rückenmarksverletzung das Einfrieren schlechter vertragen [s147]; die Laborstudie [s142] spricht, bei im Abstract nicht genannter Fallzahl, nicht dafür. Der Widerspruch bleibt offen.

### 4. Hormonlage bei Multipler Sklerose: Hypogonadismus ja oder nein?

Die Spannweite der Befunde ist die größte der gesamten Studie. Eine iranische Fall-Kontroll-Studie (68 Männer mit MS, 48 Kontrollen) fand signifikant niedrigere basale Werte von LH, FSH und Testosteron (p = 0,01), eine ausbleibende Antwort auf GnRH, niedrigere Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen sowie stärkere Störungen der Achse bei progredientem Verlauf; die Autoren sprechen von hypogonadotropem Hypogonadismus bei den meisten Patienten [s156]. Eine italienische Studie an 38 Männern mit schubförmig-remittierender MS ohne vorherige krankheitsmodifizierende Therapie fand keinen Unterschied bei Gonadensteroiden und Spermienparametern, mit Ausnahme des freien Testosterons (Median 0,09 gegenüber 1,4, p < 0,0001; die Einheit nennt der Abstract nicht) [s78]; eine zweite Studie derselben Arbeitsgruppe mit je 16 Männern und Kontrollen fand unter Natalizumab oder Ocrelizumab keinen Unterschied [s69]. In einer Fall-Kontroll-Studie mit 126 Männern mit RRMS unter Therapie und 35 Kontrollen hatten 93,6 % ein normales Gesamttestosteron, niedriges freies Testosteron fand sich bei 43,7 % der MS-Patienten und 34,3 % der Kontrollen [s16]. In einer Querschnittsstudie lag das Morgentestosteron nur bei 5 von 46 Männern unter der Norm [s58]. Eine russische Studie fand LH und FSH in Gruppe 1 (EDSS 0 bis 2, 32 Patienten) im Mittel leicht höher als bei Gesunden (LH 8,146 gegenüber 7,005 IE/l; FSH 8,141 gegenüber 8,011 IE/l), also in die Gegenrichtung der iranischen Studie, bei nicht abweichendem Testosteron [s96]. Eine Übersicht zählt, dass 11 von 19 Artikeln eine positive Korrelation zwischen niedrigem Testosteron und Achsenstörung beschrieben [s47].

**Mögliche Erklärungen.**

- **Verschiedene Patientenkollektive.** Die iranische Studie schloss Männer mit progredientem und schubförmigem Verlauf ein und fand die stärksten Störungen bei progredienter MS [s156]; die italienische Studie nur therapienaive Männer mit RRMS [s78]; die Studie mit 126 Männern Patienten unter krankheitsmodifizierender Therapie (eine längere Krankheitsdauer von 11,83 Jahren war mit niedrigem freiem Testosteron assoziiert, OR 1,19, 95-%-Konfidenzintervall 1,06 bis 1,35) [s16]; die russische Studie Männer, die wegen erektiler Dysfunktion ausgewählt wurden [s96].
- **Verschiedene Messgrößen.** Gesamttestosteron war überwiegend normal [s16, s58]; das freie Testosteron war in zwei Studien niedriger oder tendenziell niedriger [s78, s16]. Ein Teil des Widerspruchs könnte also in der Wahl des Hormonmaßes liegen.
- **Alter und Kontrollgruppe.** In derselben Studie war das freie Testosteron nur bei unter 38-Jährigen signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,015) [s16]. Die italienischen Kontrollen stammen aus einem Andrologiezentrum [s78]; die Kontrollen der anderen Studien sind in den Abstracts unterschiedlich beschrieben.
- **Replikation fehlt.** Die einzige klinische Studie, die einen ausgeprägten Hypogonadismus und eine verminderte Samenqualität bei MS berichtet, ist eine Einzelstudie eines Autors, der auch die Rückenmarksstudie [s169] mitverfasst hat [s156]; eine unabhängige Wiederholung liegt nicht vor. Die Abstracts nennen weder Medikation noch Krankheitsdauer oder Abstinenzzeit.

Eine Entscheidung zwischen den Befunden erlauben die Abstracts nicht. Als vorsichtigste Lesart gilt: Bei Männern mit RRMS sind die Gesamttestosteronwerte in mehreren Studien überwiegend normal [s16, s58, s78]; eine ausgeprägte Hypogonadotropie ist nur in einer Studie dokumentiert [s156].

### 5. Männliche Infertilität und Multiple Sklerose: Zusammenhang oder nicht?

Die Studien verlaufen in zwei Fragerichtungen, die leicht verwechselt werden. **Infertilität als Risikofaktor für MS:** In einer dänischen Registerkohorte (51.063 Männer) war männliche Infertilität mit prävalenter MS assoziiert (OR 1,61; 95-%-Konfidenzintervall 1,04 bis 2,51), mit inzidenter MS nicht signifikant (HR 1,28; 0,76 bis 2,17) [s92]. Die Metaanalyse von drei Studien kommt auf eine gepoolte OR von 1,87 (0,89 bis 3,94; I² = 86,1 %); die Autoren folgern, es bestehe kein Zusammenhang [s56]. **MS als Ursache abnormer Spermien:** Eine bidirektionale Mendelsche Randomisierung fand einen kausalen Zusammenhang zwischen MS und abnormalen Spermien (OR 1,09; 95-%-Konfidenzintervall 1,017 bis 1,168) [s49]. Ein Scoping-Review hält einen Zusammenhang für möglich, der aber auch durch verändertes Sexualverhalten bedingt sein könne [s51]; die AUA/ASRM-Leitlinie spricht von „unsicheren Assoziationen“ [s45].

**Mögliche Erklärung.** Der scheinbare Widerspruch zwischen „kein Zusammenhang“ [s56] und einem Punktschätzer von 1,87 ist ein Problem der Interpretation: Ein nicht signifikantes Konfidenzintervall, das von 0,89 bis 3,94 reicht, ist mit keinem Effekt ebenso vereinbar wie mit einer deutlichen Erhöhung; die Heterogenität von 86,1 % ist sehr hoch; es gingen nur drei Studien ein [s56]. Die Registerstudie [s92] hat vermutlich zu den drei Studien beigetragen, was der Abstract nicht ausdrücklich sagt. Die Mendelsche Randomisierung [s49] beantwortet eine andere Frage (MS → Spermien) mit einem kleinen Effekt, dessen Konfidenzintervall die 1 fast berührt; der Endpunkt „abnorme Spermien“ ist im Abstract nicht näher definiert. Eine weitere Mendelsche Randomisierung aus demselben Methodenkreis liefert bei anderer Fragestellung einen ähnlich grenzwertigen Effekt: Die OR für männliche Infertilität und Schlaganfall der kleinen Gefäße lag bei 0,82 (0,68 bis 0,99), also in Richtung eines niedrigeren Risikos; die Stabilität des Ergebnisses sei „nicht optimal“ [s53]. Genetisch abgeleitete Effekte sind somit kein Ersatz für Samenanalysen bei MS-Patienten.

### 6. Diabetes und Neuropathie: Spermienzahl hoch, niedrig oder unverändert?

Hier stehen drei Befundtypen gegeneinander. Eine ältere vergleichende Querschnittsstudie mit 100 insulinabhängigen und 314 nicht insulinabhängigen Diabetikern fand bei neuropathischen Diabetikern beider Typen eine höhere Gesamtspermienleistung und Konzentration, bei einer um etwa 30 % verminderten Beweglichkeit und einem um etwa 60 % verminderten Samenvolumen; ein signifikanter Unterschied zwischen neuropathischen und nicht neuropathischen Diabetikern bestand nicht [s186]. Eine Metaanalyse von Beobachtungsstudien fand bei Diabetes ein vermindertes Samenvolumen (mittlere Differenz −0,66 ml; 95-%-Konfidenzintervall −1,10 bis −0,22) und einen verminderten Anteil beweglicher Zellen (−14,29 Prozentpunkte; −22,76 bis −5,82), aber keinen Einfluss auf die Gesamtspermienzahl (Differenz 13,16 × 10^6; −22,75 bis 49,07) [s109]. Die größere Metaanalyse mit 44 Studien fand dagegen eine verminderte Spermienzahl (mittlere Differenz −13,12; −18,43 bis −7,82) und Konzentration (−11,73; −21,44 bis −2,01), außerdem ein vermindertes Volumen (−0,45 ml; −0,63 bis −0,27) und verminderte progressive Beweglichkeit (−14,37; −21,79 bis −6,96) [s74].

**Mögliche Erklärung.** Beweglichkeit und Volumen sind in allen drei Arbeiten niedriger; sie bilden den gemeinsamen Kern [s186, s109, s74]. Der Widerspruch betrifft Zahl und Konzentration. Er kann in den Einschlusskriterien liegen: Die ältere Studie vergleicht mit altersgleichen Nichtdiabetikern [s186]; der Abstract der ersten Metaanalyse formuliert die Befunde zu FSH ausdrücklich für auf Infertilität untersuchte Männer [s109]; die zweite Metaanalyse ist als Auswertung von Diabetes und Adipositas angelegt und enthält 44 Studien [s74]. Welche dieser Unterschiede den Widerspruch tragen, zeigen die Abstracts nicht. Die hohe Heterogenität hat die Autoren der ersten Metaanalyse veranlasst, feste Schlüsse als nicht möglich zu bezeichnen [s109]. Die Autoren der älteren Studie deuten ihren Befund als endokrin und diskutieren eine Leydig-Zell-Hyperplasie [s186]. Ob ein Anteil auf die Neuropathie zurückgeht, lässt sich aus keiner dieser Arbeiten herauslösen, weil neuropathische und nicht neuropathische Diabetiker sich in Samenparametern nicht unterschieden [s186].

Eine Studie aus Mekka, die einzige zu Samenparametern bei diabetischer Neuropathie im arabischen Raum, berichtet bei diabetischen Neuropathikern nach chronischer Sildenafil-Gabe eine Abnahme von Gesamtspermienleistung und Konzentration bei gleichzeitig um etwa 40 % und 48 % gestiegener Beweglichkeit und gestiegenem Volumen; bei Diabetikern ohne Neuropathie bestand kein Unterschied [s157]. Behandlungs- und Neuropathieeffekt sind dort vermischt, Ausgangswerte fehlen im Abstract; die Studie lässt sich nicht als Beleg für eine Wirkung lesen.

**Ein weiterer Zahlenkonflikt: die Häufigkeit der retrograden Ejakulation bei Diabetes.** Die EAU-Leitlinie nennt aus verschiedenen Quellen 34,6 % retrograde Ejakulation in einer kontrollierten Studie, 6 % in einer Serie von 54 Diabetikern mit sexueller Funktionsstörung und mindestens 8,8 % bei 57 Männern mit Typ-1-Diabetes [s04]; eine russische Übersicht gibt für Männer in der Infertilitätsberatung 0,3 bis 2 % retrograde Ejakulation an [s112], eine russische randomisierte Studie führt 5 bis 18 % retrograde Ejakulation durch diabetische Neuropathie an [s114]. Die Spannweite spiegelt vermutlich unterschiedliche Nenner (alle Diabetiker, Diabetiker mit Funktionsstörung, Männer in Kinderwunschsprechstunden) und unterschiedliche Diagnoseverfahren; auf das Fehlen eines Konsenses über die Diagnosekriterien weist eine spanische Konsensarbeit ausdrücklich hin [s52].

### 7. Pharmakologische Auslösung der Ejakulation: sehr unterschiedliche Ansprechraten

Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie bei Rückenmarksverletzung fand Ejakulation bei 1 von 10 Männern unter Midodrin und bei 2 von 10 unter Placebo (kein Vorteil) [s115]. Eine zweite randomisierte Studie mit 128 Männern mit organischer Anejakulation ohne Rückenmarksverletzung fand unter Midodrin antegrade Ejakulation bei 29,5 %, retrograde bei 13,1 % und kombinierte bei 14,8 %, im Placebo-Arm bei niemandem (alle p = 0,01); das beste Ansprechen hatten Männer mit MS [s149]. Die EAU-Leitlinie verweist auf eine Kombination aus Midodrin und Vibrationsstimulation, die bei 158 Männern mit Rückenmarksverletzung in knapp 65 % zur Ejakulation geführt habe (Primärquelle nicht in dieser Studie) [s04]; in einer französischen Serie bei Läsion des Conus medullaris verbesserte Vibration mit Midodrin die Ejakulation in 52,63 % der Fälle [s128]. Eine Metaanalyse berichtet für Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation Ejakulationsraten von 54,7 % (komplette Läsion, n = 309) und 78,1 % (inkomplette Läsion, n = 32) [s126].

**Mögliche Erklärung.** Die Studien sind nicht vergleichbar. Die randomisierte SCI-Studie hat 20 auswertbare Teilnehmer und ist als Pilotstudie zu klein für eine sichere Aussage [s115]; die zweite Studie betrifft ausdrücklich keine Rückenmarksverletzung [s149]; die französische und die in der Leitlinie zitierte Serie sind nicht placebokontrolliert [s128, s04]; die Metaanalyse poolt Ejakulationsraten verschiedener Studien ohne Angabe der Heterogenität im Abstract, die Gruppen reichen von n = 4 bis n = 32 [s126]. Der Vergleich von 1 aus 10 Männern gegenüber 29,5 % gegenüber knapp 65 % ist daher kein Widerspruch im engeren Sinn, sondern Ausdruck unterschiedlicher Populationen, Dosierungen, Begleitverfahren und Zielgrößen. Es handelt sich um Beschreibungen, nicht um Empfehlungen. In keiner dieser Studien steht die Samenqualität im Mittelpunkt; sie betreffen die Fähigkeit zur Ejakulation.

### 8. Elektroejakulation, Vibration, Hodengewinnung: schlechtere Proben, gleiche Schwangerschaftsraten?

In der Miami-Datenbank war die Spermienbeweglichkeit bei Masturbation 36,9 %, bei Vibrationsstimulation 25,9 % und bei Elektroejakulation 15,0 %, gegenüber 58,0 % bei gesunden Kontrollen (n = 43, 243, 158 und 61) [s137]. Die japanischen Elektroejakulationsserien zeigten Beweglichkeiten von im Mittel 17,2 % (53 Männer) [s183] und 9,4 % (69 Männer) [s180]. Dennoch unterscheiden sich die Behandlungsergebnisse in mehreren Vergleichen nicht: In einer iranischen Kohorte (37 Männer, 54 ICSI-Zyklen) waren klinische Schwangerschaft (33,3 % gegenüber 36,1 %) und Lebendgeburt (22,2 % gegenüber 19,4 %) nach Elektroejakulation und TESE gleich [s09]; in einer türkischen Kohorte mit 44 Männern unterschieden sich Lebendgeburten nicht zwischen Elektroejakulation, TESE und Prostatamassage [s161]; ein Vergleich von 82 Männern mit SCI und 74 mit obstruktiver Azoospermie fand keine signifikanten Unterschiede bei Embryozahl, Schwangerschafts- und Geburtenrate [s24]. Ein Vergleich mit idiopathischer Infertilität (53 gegenüber 140 Paare) zeigte bei SCI eine progressive Beweglichkeit von 5,0 % gegenüber 35,0 % und eine normale Befruchtungsrate von 46,0 % gegenüber 71,0 %, aber keine signifikanten Unterschiede der Schwangerschafts-, Fehlgeburts- und Lebendgeburtenrate je Zyklus (Lebendgeburtenrate 20,0 % gegenüber 27,1 %) [s77].

**Mögliche Erklärung.** (1) ICSI umgeht die Beweglichkeit: Für die Befruchtung wird eine einzelne Samenzelle in die Eizelle injiziert, sodass die schlechte Beweglichkeit der Ejakulatproben weniger Gewicht hat. (2) Die Gewinnungsgruppen sind nicht vergleichbar: Unvollständige Läsionen waren bei 84 % der Männer mit Masturbation, 54 % mit Vibration und 41 % mit Elektroejakulation vorhanden [s137]; die Gewinnungsmethode vermengt sich mit der Läsionsvollständigkeit, die selbst mit normalen Samenparametern verbunden ist (OR 2,6; 1,1 bis 6,1) [s144]. (3) Die Vergleiche zwischen Verfahren sind klein und nicht auf Gleichwertigkeit angelegt; ein fehlender signifikanter Unterschied bei 8 gegenüber 26 Männern [s161] oder 18 gegenüber 36 Zyklen [s09] belegt keine Gleichwertigkeit. (4) Die Rate je Zyklus ist keine Rate je Paar; die Studien nutzen unterschiedliche Nenner (je Paar, je Zyklus, je Transfer) [s147, s09, s104], weshalb ihre Prozentwerte nicht ohne Weiteres nebeneinandergestellt werden sollten. Eine russische Expertenrunde vermutet, Ejakulat nach Stimulation enthalte vermehrt „alte“ Spermien mit beginnender Apoptose und DNA-Defekten, sodass Spermien aus Nebenhoden oder Hoden günstiger sein könnten; das ist eine Expertenmeinung ohne Datenerhebung [s118].

### 9. Konkurrierende Erklärungen für die schlechte Beweglichkeit nach Rückenmarksverletzung

Mehrere Mechanismen werden vorgeschlagen, und die Studien stützen oder widerlegen sie unterschiedlich. Eine Übersicht hält die Asthenozoospermie für multifaktoriell; als wichtige Einflüsse nennt sie die Zusammensetzung des Seminalplasmas, die Art des Blasenmanagements und die neurogene Beeinträchtigung der Ejakulation [s155].

- **Stauung und alternde Spermien.** Für diese Hypothese spricht, dass die Abstinenzzeit positiv mit der DNA-Fragmentation korrelierte (r = 0,486; p = 0,041) [s84] und dass die Autoren dieser Studie eine Ansammlung und einen Zerfall von Spermien im unteren Nebenhodenende (Cauda epididymidis) vermuten [s84]. Dagegen spricht eine prospektive Studie: Bei 19 Männern mit Vibrationsstimulation mindestens einmal wöchentlich über 12 Monate änderte sich kein Parameter, und 6 von 9 Biopsien (67 %) zeigten schon zu Beginn eine normale Spermatogenese; die Autoren schließen, Stauung sei nicht die Ursache der schlechten Samenqualität [s174].
- **Hodentemperatur.** Eine Kairoer Studie fand bei niedrigerer Skrotaltemperatur eine höhere Gesamtbeweglichkeit (13,4 gegenüber 7,1) und progressive Beweglichkeit (4,4 gegenüber 2,2) und sieht darin die wahrscheinlichste Ursache; der Zusammenhang ist korrelativ [s159]. Ein Buchkapitel nennt für die chronische Phase eine durch Sitzen und gestörte Thermoregulation erhöhte Skrotaltemperatur [s110].
- **Entzündung (Inflammasom).** ASC, Caspase-1, IL-1β und IL-18 sind im Samenplasma bei Männern mit SCI erhöht (je 28 Männer) [s131]; die Neutralisierung von ASC in vitro erhöhte die mittlere Beweglichkeit von 11,5 % auf 18,3 % [s119]; vier Wochen Probenecid, ein Hemmstoff des Pannexin-1-Kanals, erhöhte in einer einarmigen Studie die Gesamtzahl beweglicher Spermien von 15 auf 28 Millionen [s93]. Gegen eine einfache Entzündungserklärung spricht die französische Pilotstudie: Weder Granulozyten- und Elastasekonzentration noch Oxidationsstressmarker hatten einen negativen Einfluss auf die Samenqualität im Verlauf [s57]. Gegen den Beweiswert der positiven Studien spricht, dass zwei Autoren der ASC-Studie ein Patent für Antikörper gegen Inflammasom-Proteine halten [s119], dass es sich um einen In-vitro-Versuch handelt [s119] und dass die Probenecid-Studie weder Placebo noch Randomisierung noch Fertilitätsendpunkte hatte [s93].
- **DNA- und Chromatinschäden.** Der Anteil der Doppelstrangbrüche lag bei Männern mit SCI im Median bei 57,5 % gegenüber 4,6 % bei Normozoospermen [s59]; in einer iranischen Studie waren Chromatin- und TUNEL-Tests auffällig [s130]. Ob diese Schäden eine Ursache oder eine Folge der schlechten Beweglichkeit sind, ist offen; die Chromatinreife korrelierte in einer weiteren iranischen Studie nicht mit dem Spermiogramm [s163].
- **Zentrale Hormonachse.** In einer Studie hatten 16 von 55 Männern erniedrigte Basalwerte beider Gonadotropine, bei normalem Hodenvolumen [s169]. Provokationstests mit GnRH und hCG sprechen eher für einen fehlenden hypothalamischen Antrieb als für eine primäre testikuläre Störung (die Testosteronantwort auf hCG war in allen Gruppen ähnlich) [s105, s98]. Ein Rattenversuch fand dagegen keine signifikante Änderung der Serumhormone trotz verminderter Spermienzahl [s62].

**Mögliche Erklärung.** Die Befunde sind weniger widersprüchlich als unvollständig: Jede Studie prüft einen Mechanismus an einer anderen Population, mit anderer Gewinnungsart und anderem Zeitpunkt. Dass jede der Hypothesen in kleinen Studien Unterstützung findet, passt zu der von den Übersichtsautoren geäußerten Ansicht, kein Einzelfaktor sei ausschlaggebend [s155]. Aus den Abstracts lässt sich nicht erkennen, welcher Mechanismus bei welchem Mann dominiert.

### 10. Tiermodell und Mensch

Bei der Ratte erholte sich die Spermatogenese in der chronischen Phase bei 7 von 8 unbehandelten Tieren spontan, wobei Spermien weniger beweglich, weniger vital und mit geringerem mitochondrialem Potenzial blieben [s167]. Beim Menschen zeigen die Verlaufsstudien im chronischen Stadium ein Plateau [s145, s175]; für die frühe Phase gibt eine russische Übersicht aus zweiter Hand an, die Spermatogenese sei in Hodenbiopsien 1, 3 und 6 Monate nach dem Trauma in 39, 48 und 80 % der Fälle erhalten gewesen, was die dortigen Autoren als mögliche Umkehrbarkeit deuten [s75]. Die Rattenstudien bilden zudem eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zur Läsionsausdehnung ab (Durchmesser der Hodenkanälchen, Zahl der Spermatozyten- und Spermatidenschichten und Spermienzahl waren bei kompletter Durchtrennung am stärksten betroffen) [s81, s62], die klinisch nur teilweise bestätigt ist (Männer mit kompletten Läsionen hatten geringere progressive Beweglichkeit als solche mit inkompletten, p = 0,0040) [s84]. Beim Menschen ist das typische Bild eine nicht abnorme Konzentration bei niedriger Beweglichkeit [s155, s146, s159]; bei Mäusen und Ratten verschlechtern sich auch Spermienzahl und Hodenhistologie [s148, s102, s81].

**Mögliche Erklärung.** Nager haben eine andere Ejakulationsphysiologie; die Läsionshöhen (Th8 bis Th10) und -arten (Kontusion, Durchtrennung) und die Beobachtungszeiträume (Tage bis Wochen) sind nicht deckungsgleich mit der menschlichen Situation, und die Gruppen sind klein [s148, s81, s83]. Die Tierstudien liefern Hypothesen zu Entzündung, Oxidationsstress und neuroendokriner Steuerung, aber keine Aussage über die Häufigkeit oder Schwere beim Menschen.

### 11. Sexual- und Ejakulationsfunktion nach Verletzung: Erholung oder nicht?

Zwei Verlaufsstudien aus derselben Pekinger Abteilung kommen zu unterschiedlichen Mustern. Bei 187 Männern mit zervikaler SCI ohne Fraktur stieg der IIEF-5 nach zwei Jahren von 10,24 auf 16,20, und der PEDT fiel von 10,73 auf 4,54 [s11]. Bei 117 Männern mit Brust-/Lendenwirbelfraktur und inkompletter SCI sank der IIEF-5 von 19,5 (vor der Verletzung) auf 8,7 und stieg nach zwei Jahren auf 17,5, der PEDT blieb mit 6,9 gegenüber 6,4 praktisch unverändert [s28]. Beide Studien messen Erektion und Ejakulationskontrolle, nicht die Samenqualität; der PEDT erfasst im Kern die vorzeitige Ejakulation, sodass seine „Normalisierung“ nichts über die Fähigkeit zur Samengewinnung aussagt [s11]. Die Unterschiede dürften auf die verschiedenen Populationen (Fraktur ja oder nein, Ausgangswert) und auf die rückblickende Angabe des Vorverletzungswertes zurückgehen [s28].

### 12. Gegenseitig nicht vergleichbare Kennzahlen: „infertil“, „ejakulationsunfähig“, „normale Parameter“

In der Literatur stehen mehrere ähnlich klingende Zahlen, die unterschiedliche Dinge messen. Etwa 90 % der Männer mit SCI entwickelten eine Ejakulationsstörung, nur 10 % könnten durch Masturbation oder beim Geschlechtsverkehr ejakulieren [s61]; nur 10 % könnten ohne medizinische Hilfe Kinder zeugen [s146]; etwa 90 bis 95 % seien infertil und nur etwa 5 % könnten ohne spezialisierte Hilfe ein Kind zeugen (russische Übersicht, aus zweiter Hand) [s75]. Dem steht gegenüber, dass bei kompletter Läsion nur 11,8 % nach Masturbation oder Koitus ejakulierten, bei inkompletter Läsion 33,2 % [s126], dass von 400 Männern mit antegradem Ejakulat in der Miami-Datenbank nur 30 normale Parameter hatten (7,5 %, eigene Berechnung aus den genannten Zahlen) [s144] und dass in Jamaika 73,3 % von 45 Männern keine Ejakulationsmöglichkeit hatten [s101]. Die Zahlen beziehen sich auf (a) Ejakulationsfähigkeit, (b) Vaterschaft ohne Hilfe, (c) „Infertilität“ als Sammelbegriff und (d) Normalität nach WHO-Kriterien; sie dürfen nicht ineinander umgerechnet werden.

### 13. Antikörper gegen Spermien

Bei 16 Männern mit SCI fand sich bei keinem ein Antispermien-Antikörper, auch nicht nach bis zu 30 Jahren Dauer [s191]. In einer italienischen Studie lag der Anteil bei anejakulatorischen Männern mit SCI ohne Harnwegsinfektion bei 12 % und bei Männern mit Infektion bei 38 % (16 und 13 Männer) [s187]. Die Abstracts erklären die Abweichung nicht. Plausible, aber nicht belegte Gründe sind der Infektionsstatus, das Testverfahren und die Ejakulationsform; die Abstracts beider Studien machen dazu keine vergleichbaren Angaben.

### Zwischenbilanz der Widersprüche

Von den dreizehn betrachteten Konflikten sind die meisten durch Unterschiede in Population, Endpunkt oder Auswertung erklärbar, nicht durch echte Gegensätze der Befunde. Wirklich offen bleiben nach Einschätzung dieser Studie vier Fragen: der Verlauf in den ersten Wochen und Monaten nach der Verletzung beim Menschen (Konflikt 1), die Hormonlage bei MS (Konflikt 4), die Frage, ob eingefrorene Spermien von Männern mit SCI schlechter abschneiden (Konflikt 3), und die relative Bedeutung der einzelnen Mechanismen (Konflikt 9).

## Limitationen der Evidenz

Dieser Abschnitt benennt, was die Belastbarkeit der Studie als Ganzes begrenzt. Er gilt für alle Kapitel, die sich auf dieselben 192 Quellen stützen. Die Zählungen in diesem Abschnitt sind eigene Auswertungen der Angaben in `synthese.json` (Designfeld, Titel, Jahr) und deshalb grobe Näherungen: Ein Design, das im Feld nicht eindeutig benannt ist, kann einer anderen Kategorie zugeordnet sein, und die Titelzählung erfasst nur Stichwörter.

### 1. Die Evidenzstufe ist überwiegend niedrig

Nach grober Zählung des Designfeldes entfallen von 192 Quellen etwa 101 auf klinische Beobachtungsstudien (Querschnitt, Fall-Kontroll, Kohorte, Fallserie), 30 auf narrative Übersichten, Buchkapitel und Übersichtsreferate, 29 auf Tierversuche (darunter eine Übersicht zum EAE-Tiermodell [s38]), 13 auf Fallberichte, 11 auf systematische Übersichten, Metaanalysen, Scoping- und Umbrella-Reviews oder Mendelsche Randomisierungen, 5 auf Leitlinien und Konsensdokumente und 3 auf randomisierte Studien [s114, s115, s149]. Alle drei randomisierten Studien betreffen die Wiederherstellung der Ejakulation oder des antegraden Samenweges; keine ist auf Multiple Sklerose oder Parkinson ausgelegt (die Studie [s149] schloss Männer mit organischer Anejakulation unterschiedlicher Ursache ein, darunter MS); die einzige randomisierte Studie bei Rückenmarksverletzung hat 20 auswertbare Teilnehmer und ist als Pilotstudie bezeichnet [s115]. Eine Metaanalyse zur Samenqualität bei Rückenmarksverletzung fand die Recherche nicht; die einzige Metaanalyse zur Rückenmarksverletzung betrifft die Ejakulationshäufigkeit [s126]. Eine Umbrella-Übersicht bewertet 17 von 26 systematischen Übersichten zur sexuellen Gesundheit nach neurologischen Erkrankungen als „kritisch niedrig“ und 6 als „niedrig“ (AMSTAR 2), bei der Samenqualität kein Endpunkt im Abstract [s14].

### 2. Verteilung der Literatur auf die Erkrankungen

Die Literatur ist extrem ungleich verteilt. Nach einer Stichwortzählung in den Titeln nennen etwa 102 der 192 Quellen Rückenmarksverletzung, aber nur etwa 21 Multiple Sklerose, 17 Diabetes und 9 die Parkinson-Krankheit; die Zählungen überschneiden sich, und viele Titel dieser Gruppen betreffen Sexualfunktion oder Tiermodelle statt Samenparameter. Für die **Parkinson-Krankheit** liegt keine einzige Studie am Menschen vor, die Samenqualität oder Spermienparameter untersucht; vorhanden sind Fragebogenstudien zur Sexualfunktion [s37, s42, s70, s172], Übersichten [s15, s67] und Rotenon- oder Genmodelle bei Nagern [s19, s76, s86]. Für die **Multiple Sklerose** gibt es drei kleine Spermiogramm-Studien mit insgesamt widersprüchlichen Ergebnissen [s156, s78, s69] und ansonsten Hormon- und Sexualfunktionsstudien [s16, s58, s95, s96], Übersichten, Tiermodelle und Mendelsche Randomisierungen. Für die **Neuropathie** besteht die Literatur fast ausschließlich aus diabetesbezogenen Arbeiten [s186, s157]; nicht diabetische Neuropathien erscheinen allenfalls als Einzelfall (Leber-Optikusneuropathie [s63]). Die Samenqualität nach einer Rückenmarksverletzung ist dagegen in vielen Kollektiven beschrieben, aber überwiegend in kleinen Studien und aus wenigen Arbeitsgruppen.

### 3. Nur Abstracts, keine Volltexte

Alle Befundberichte, auf denen diese Studie beruht, haben nur Abstracts ausgewertet (bei Leitlinien den abgerufenen Seitentext). Angaben, die nur im Volltext stehen, fehlen: Abstinenzzeit, Ausschlusskriterien, Verblindung, Störgrößenadjustierung, Gewinnungsart im Detail, Fallzahlen einzelner Auswertungen. Viele Abstracts nennen keine Zahlenwerte, so dass sich Effektgrößen nicht beurteilen lassen: Bei den Tierstudien und einer Reihe klinischer Arbeiten steht im Abstract nur „signifikant“ ohne Mittelwerte [s148, s81, s62, s156, s190, s188]. Konfidenzintervalle stehen nur in einer Minderheit der Abstracts; sie ließen sich aus den Angaben nicht rekonstruieren.

### 4. Kleine Stichproben und geringe Aussagekraft einzelner Vergleiche

Die klinischen Studien zur Samenqualität sind klein: 8 Männer mit SCI und 8 Kontrollen [s33], 12 SCI-Patienten und 10 Kontrollen [s127], 15 Männer mit SCI und 15 Spender [s66], 20 Männer mit SCI und 27 Spender [s59], 27 gegenüber 10 [s84], 30 gegenüber 30 [s130], 16 Männer mit RRMS und 16 Kontrollen [s69], 13 Männer unter Fingolimod [s90], 10 Paare mit Teriflunomid [s60]. Für spinale Muskelatrophie, myotone Dystrophie und Kennedy-Krankheit liegen 41 beziehungsweise 20 beziehungsweise 1 Mann vor [s50, s79, s25]. Bei solchen Fallzahlen sind Konfidenzintervalle breit; ein „kein signifikanter Unterschied“ bedeutet nicht „kein Unterschied“. Das gilt besonders für Vergleiche von Gewinnungsverfahren (8 gegenüber 26 Männern [s161]; 18 gegenüber 36 Zyklen [s09]) und für Gleichwertigkeitsaussagen zu ICSI-Ergebnissen.

### 5. Überlappende Kohorten: Die Zahl unabhängiger Beobachtungen ist kleiner als die Quellenzahl

Mehrere Quellen stammen aus derselben Arbeitsgruppe und teils aus denselben Patientenkollektiven, ohne dass die Abstracts die Überlappung klären:

- Miami (Male Fertility Research Program, 1991 bis 2011; teils nach den Abstracts, teils über gemeinsame Autoren zu vermuten): Datenbankstudien zu Ejakulationsweg, Läsionsvollständigkeit, Verlauf, Verletzung vor der Pubertät, Inflammasom, Probenecid und Proteomik [s137, s144, s145, s175, s136, s131, s119, s93, s68, s100]; die Fallzahlen dürfen nicht addiert werden.
- Japan: Die Elektroejakulationsserien aus Nara beziehungsweise Osaka [s183, s180, s181] sind nicht als unabhängig zu zählen.
- Taiwan: Drei Arbeiten der Nationalen Taiwan-Universitätsklinik [s170, s176, s165].
- Shandong: Zwei Laborstudien mit denselben 16 Spendern als Kontrolle [s139, s140].
- Catania: Zwei MS-Studien derselben Arbeitsgruppe, mit nicht ausgeschlossener Überlappung der Teilnehmer [s78, s69].
- Moskau (Endokrinologisches Forschungszentrum): Fallserien und Übersichten zur retrograden Ejakulation bei Typ-1-Diabetes [s133, s132, s117, s114], die in Teilen dieselben Patienten betreffen dürften.
- Pekinger Orthopädie: Zwei Verlaufsstudien zur Sexualfunktion [s11, s28].

Dazu kommen Mehrfachdarstellungen: Der Leitlinientext der EAU und Übersichten zitieren Primärstudien, die selbst in der Quellenliste stehen [s04, s126, s75]; wer solche Quellen gemeinsam zählt, zählt einen Befund doppelt.

### 6. Selektion und Verzerrung

- **Auswahl über die Ejakulationsfähigkeit.** Die Proben der Studien stammen überwiegend von Männern, die ejakulieren oder bei denen eine Stimulation gelingt; Männer ohne Ejakulat und ohne Spermiengewinnung fehlen in den Samenparametern [s137, s144]. Zudem war die Gruppe mit Masturbation überwiegend inkomplett verletzt (84 %), die mit Elektroejakulation zu 41 % [s137].
- **Bereits infertile Männer.** Einzelne Fall-Kontroll-Studien schließen nur infertile Männer mit SCI ein, verglichen mit fertilen Spendern [s130, s163, s139], sodass ihre Befunde nicht für alle Männer mit SCI gelten.
- **Fertilitätskliniken berichten Erfolge.** Die Gewinnungsraten von 60,9 bis 86,9 % in den Serien [s13, s108, s147, s183, s180] gelten für Männer, die in eine Klinik kamen; Männer mit SCI, die nie eine Klinik aufsuchten, bleiben unsichtbar. In Jamaika wurde bei 45 Männern mit SCI keiner an die assistierte Reproduktion überwiesen [s101].
- **Kontrollgruppen.** Spender ohne SCI, Männer mit obstruktiver Azoospermie oder mit idiopathischer Infertilität sind unterschiedlich geeignete Vergleiche; in mehreren Studien sind sie weder altersgleich noch im Gewinnungsweg gleich [s59, s77, s139, s140, s172]. Die Parkinson-Fragebogenstudie vergleicht Patienten mit im Mittel 11 Jahre jüngeren Kontrollen [s172].
- **Publikationsverzerrung.** Es ist plausibel, aber nicht belegt, dass Studien mit Auffälligkeiten häufiger erscheinen als solche ohne; die Studien zu ART-Ergebnissen sind überwiegend Erfolgsserien.

### 7. Messgrößen sind uneinheitlich und teils Ersatzgrößen

- **Ejakulation, Erektion und Hormone sind nicht Samenqualität.** Ein großer Teil der Quellen betrifft Sexualfunktion (IIEF-5, PEDT, Fragebögen), Ejakulationshäufigkeit oder Hormone [s11, s28, s154, s70, s172, s95, s16, s58, s96, s12]. Beispiel: Die Erholung des IIEF-5 nach zwei Jahren [s11, s28] sagt nichts über Spermien aus; der PEDT erfasst im Kern die vorzeitige Ejakulation [s11].
- **Gewinnungsweg und Samenqualität sind verflochten.** Die Methode (Masturbation, Vibration, Elektroejakulation, Prostatamassage, chirurgisch) beeinflusst die Probe selbst; Vergleiche zwischen Studien mit verschiedenen Methoden sind nur bedingt zulässig [s137, s139, s159, s161].
- **Verschiedene Referenzwerte, Abstinenzzeiten und Zählmethoden.** Einzelne Arbeiten beziehen sich auf WHO-Kriterien, in einem Fall ausdrücklich auf die Referenzwerte von 2010 [s117, s144]; über 20 Jahre hat sich die Zähl- und Bewertungspraxis verändert (20 Quellen stammen aus den Jahren bis 1999, 85 ab 2020).
- **Endpunkt „Schwangerschaft“.** Raten je Paar, je Zyklus und je Transfer werden nebeneinander berichtet [s147, s09, s104]; Mehrfachzyklen je Person fließen in manche Auswertungen ein [s09, s13].
- **Mendelsche Randomisierungen und Registerstudien** arbeiten mit Endpunkten wie „abnorme Spermien“ oder „männliche Infertilität“, die im Abstract nicht näher definiert sind [s49, s53, s92].
- **Neuropathie als Begriff.** Die Abstracts messen die Neuropathie selten selbst: Elektrophysiologisch gesichert ist sie in den ausgewerteten Quellen nur in einer Moskauer Serie [s117]; sonst wird sie aus der Diagnose Diabetes oder einem „objektiven Hinweis“ abgeleitet [s186, s157, s12].

### 8. Datenqualität der Abstracts

Mehrere Abstracts enthalten erkennbare Druck- oder Berechnungsfehler, die hier nicht ausgewertet, aber benannt werden: In der ASC-Studie liegt die obere Grenze eines Konfidenzintervalls (23,0) unter dem Mittelwert (23,9) [s119]; in einer Diabetes-Studie steht „p > .0005“ statt vermutlich p < 0,0005 [s186]; bei einer Kairoer Studie lautet die Streuung der Beweglichkeit „± 0,1 %“ [s159]; eine türkische MS-Studie nennt 61 Patienten, aber Untergruppen von 45 und 19 (Summe 64) [s95]; bei einer Photobiomodulationsstudie sind angegebene Streuungen größer als die Mittelwerte [s40]; die Zuordnung zweier Prozentangaben bleibt in einer Hormonstudie unklar (51 % und 86 %) [s169]; bei den Prozentwerten einer Midodrin-Studie beziehen sich die Angaben offenbar auf einen anderen Nenner als die Gruppengröße [s149]; die Nenner einer Studie zur Behandlung der retrograden Ejakulation sind nicht nachvollziehbar [s151]. Solche Fehler zeigen, dass die Zahlen aus Abstracts mit Vorsicht zu lesen sind.

### 9. Interessenkonflikte und Herkunft

Zwei Autoren der ASC-Studie halten ein Patent zu Antikörpern gegen Inflammasom-Proteine [s119]. Der Erfahrungsbericht zur Elektroejakulation stammt vom Geräteentwickler [s123]. Die randomisierte Diabetes-Studie nutzt ein kommerzielles Medizinprodukt eines Moskauer Herstellers [s114]. Die Pharmakokinetikstudie zu Fingolimod ist eine Industriestudie [s90]. Mehrere Arbeiten tragen mit Absicht lediglich Wirkstoffkonzentrationen, nicht Spermienparameter [s90, s60]. Die usbekische Rattenstudie erschien in einer Zeitschrift mit wirtschaftswissenschaftlichem Titel, deren fachliche Qualitätssicherung nicht beurteilbar ist [s22].

### 10. Grenzen der Tierversuche

29 Quellen tragen einen Tierbezug (Ratte, Maus). Die Modelle sind unterschiedlich: Kontusion oder Durchtrennung auf Höhe Th8 bis Th10, Rotenon-Vergiftung oder Gendefekte für Parkinson-ähnliche Zustände, Cuprizon-Fütterung für Demyelinisierung, Streptozotocin für Diabetes [s148, s81, s76, s19, s86, s46, s141]. Rotenon ist ein systemisches Toxin und kein reines Dopaminmodell, die Parkinson-ähnliche Linie hat einen Gendefekt, der vermutlich beide Merkmale verursacht [s19, s76, s86]; Cuprizon führt zu Demyelinisierung, die Parallele zur menschlichen MS ist ein Modell. Viele Tierstudien sind in denselben iranischen Arbeitsgruppen entstanden und stützen sich auf wenige Tiere je Gruppe [s88, s102, s83, s36, s40]; die Abstracts nennen die Gruppengröße oft nicht. Interventionsstudien an Tieren (Hydrogel, Photobiomodulation, Pflanzenwirkstoffe, Melatonin, Testosteron) zeigen modellbezogene Effekte und erlauben keine Rückschlüsse auf den Menschen [s36, s40, s29, s48, s41, s103, s89, s107].

### 11. Sprache, Zugang und Vollständigkeit der Suche

Die Quellenliste enthält Arbeiten aus zwölf Sprachraum-Kennzeichen (die auch die Herkunft der Arbeitsgruppe bezeichnen können; am häufigsten Englisch, Chinesisch, Japanisch, Persisch, Russisch, Französisch), aber, soweit die Recherchen es zeigen, **keine einzige deutschsprachige Originalarbeit** zur Samenqualität bei diesen Erkrankungen; eine AWMF-Leitlinie zum Thema konnte nicht gefunden werden, das Register ließ sich jedoch nicht durchsuchen. Die Abwesenheit einer Studie in der Liste ist daher nie ein Beleg dafür, dass keine existiert. Folgende Quellen und Datenbanken waren nicht oder nur eingeschränkt erreichbar: CNKI, Wanfang, KCI, KoreaMed, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark, SciELO, LILACS, Cairn, die arabischen Datenbanken (unter anderem Arab World Research Source, e-Marefa), der AWMF-Register und die Suche der Società Italiana di Andrologia. Die portugiesische und die italienische Lücke sind teilweise Zugangslücken der Recherche. Die japanische Fachliteratur zu Samenbefunden bei Rückenmarksverletzung ist nach Titelfunden größer, als die abrufbaren Abstracts zeigen; mehrere Titel ohne Abstract (zum Beispiel zu Hodenbiopsien oder jahreszeitlichen Schwankungen der Samenbefunde) konnten nicht ausgewertet werden. Hinzu kommt: Iranische Arbeiten (22 Quellen mit persischem Sprachkennzeichen) dominieren in der Studie die klinischen Hormon- und Samenstudien zur Rückenmarksverletzung und zur MS, obwohl Iran nicht zu den arabischen Ländern gehört und die zugehörige Recherchegruppe auf russisch-, arabisch- und türkischsprachige Quellen ausgerichtet war; das verzerrt den Eindruck, was „im arabischen Raum“ bekannt ist.

### 12. Epilepsie und Medikamente als Störgrößen

Epilepsie und Antiepileptika sind aus dieser Studie bewusst ausgeklammert; sie werden in einem eigenen Bereich behandelt. Das hat eine Folge: Viele Männer mit neurologischen Erkrankungen nehmen Medikamente ein, die die Samenqualität beeinflussen können (zum Beispiel Mittel gegen Blasenüberaktivität, krankheitsmodifizierende Therapien bei MS, dopaminerge Wirkstoffe bei Parkinson), ohne dass die Abstracts dies einheitlich erfassen. Nur wenige Studien prüfen Arzneimittel gezielt: Mirabegron bei SCI [s72], Botulinumtoxin in der Blase [s135], Natalizumab und Ocrelizumab bei MS [s69], Probenecid [s93]. Die Fragestellung „Krankheit oder Medikament“ ist damit in den meisten Studien nicht trennbar.

### 13. Querschnittsdesigns und Kausalität

Die meisten Studien sind Querschnitte oder retrospektive Auswertungen und können die Richtung eines Zusammenhangs nicht klären. Beispiel: Ein Zusammenhang zwischen niedrigem FSH und erfolgreicher Spermiengewinnung [s13, s108] lässt offen, ob FSH den Zustand des Hodens abbildet oder mit anderen Merkmalen zusammenhängt. Auch Mechanismusbefunde wie erhöhte Entzündungsproteine im Samenplasma [s131, s33] sind korrelativ; kausale Hinweise stammen aus In-vitro-Versuchen und einarmigen Studien [s119, s93].

### Zusammenfassende Bewertung der Belastbarkeit

Belastbar im Sinne mehrfach in unterschiedlichen Kollektiven beschrieben ist das Muster „nicht abnorme Konzentration, deutlich verminderte Beweglichkeit und Vitalität“ bei Rückenmarksverletzung [s155, s146, s137, s159, s57, s77]; gleichwohl fehlt eine Metaanalyse. Mäßig gestützt sind die Befunde zu Läsionsvollständigkeit und Ejakulationsweg [s137, s144]. Schwach und widersprüchlich sind die Befunde zu MS [s156, s78, s69], praktisch nicht vorhanden sind Daten zu Parkinson, nicht diabetischer Neuropathie und den meisten anderen Erkrankungen. Die hohe Zahl der Quellen darf nicht mit hoher Evidenzstärke gleichgesetzt werden.

## Offene Forschungsfragen

Die folgenden Fragen ergeben sich aus den Lücken und Widersprüchen der Quellen. Sie sind keine Behandlungsvorschläge, sondern beschreiben, welche Studien fehlen, um die Befunde einzuordnen. Zu jeder Frage steht, woran sie in der vorliegenden Literatur erkennbar wird.

### A. Rückenmarksverletzung

1. **Wie verläuft die Samenqualität in den ersten Wochen und Monaten nach der Verletzung?** Die menschlichen Verlaufsdaten beginnen im Mittel mehr als sieben Jahre nach dem Unfall [s145]; für die Frühphase gibt es Tierdaten [s148, s88, s102, s83], eine japanische Beobachtung ohne Zahlen [s188], Übersichtsangaben [s155] und aus zweiter Hand Biopsiedaten [s75]. Offen ist eine prospektive Kohorte, die ab der Akutphase wiederholt dieselben Männer mit standardisierter Gewinnung untersucht, mit Angabe der Abstinenzzeit und der Läsionsmerkmale.
2. **Welcher Mechanismus bestimmt beim einzelnen Mann die Beweglichkeit?** Stauung und alternde Spermien [s84, s118], Skrotaltemperatur [s159, s110], Inflammasom-Aktivierung [s131, s119], Oxidationsstress und DNA-Schäden [s84, s59], zentrale Hormonachse [s169, s105] und Eigenschaften des Seminalplasmas [s127, s68, s155] werden jeweils in kleinen Studien gestützt, aber nicht gegeneinander gewichtet. Offen ist eine Studie, die mehrere Marker gleichzeitig bei denselben Männern erhebt und Zusammenhänge mit der Beweglichkeit modelliert.
3. **Hängt die Gewinnungsrate bei operativer Spermiengewinnung von der Zeit seit der Verletzung ab?** Eine Studie sieht einen Zeiteffekt (Schwelle 12 Jahre) [s108], eine andere nicht [s31]; FSH ist in zwei Serien der stärkste Prädiktor [s108, s13]. Offen sind gepoolte individuelle Patientendaten aus mehreren Zentren mit einheitlichen Definitionen von Zeit, Läsionshöhe und Hormonstatus.
4. **Wie vergleichen sich Gewinnungsverfahren bei gleicher Läsion?** Weil sich Gewinnungsweg und Läsionsvollständigkeit überschneiden [s137], bräuchte es Vergleiche innerhalb derselben Männer (Cross-over, wie es für drei Vibrationsmethoden bereits gemacht wurde [s100]) oder gematchte Gruppen, mit Schwangerschaftsraten je Paar und kumulativ und mit Konfidenzintervallen statt der bisher überwiegend kleinen Vergleiche [s09, s161, s24].
5. **Wie wirkt sich Einfrieren speziell bei Männern mit Rückenmarksverletzung aus?** Die Befunde reichen von „frische Hodenspermien deutlich besser“ [s147] über „vergleichbar“ [s94, s125] bis zu starkem Beweglichkeitsverlust nach langer Lagerung [s113] und „nicht stärker geschädigt als Kontrollen“ [s142]. Offen sind prospektive, kontrollierte Untersuchungen mit Lagerzeit, Probenart (Ejakulat, Nebenhoden, Hoden) und Befruchtungs- und Geburtsendpunkten.
6. **Welche Bedeutung hat die DNA-Schädigung für das Behandlungsergebnis?** Hohe Anteile von Doppelstrangbrüchen [s59], erhöhte Fragmentation und Aneuploidie [s84, s139, s140] sind beschrieben; ob sie Schwangerschafts- und Geburtsraten voraussagen, wurde in den Quellen nicht systematisch geprüft; eine russische Übersicht nennt einen solchen Zusammenhang, ohne dass die Primärquellen hier ausgewertet wurden [s75]. Offen ist auch, wie die erhöhte Aneuploidie in zwei Laborstudien [s139, s140] mit der Gesundheit von Kindern zusammenhängt; Langzeitdaten zu Kindern fehlen in den Quellen.
7. **Gibt es Unterschiede nach Läsionshöhe, Spastik und Querschnittgrad?** Tierdaten zeigen Unterschiede zwischen thorakaler (spastischer) und sakraler (nicht spastischer) Läsion [s07] und zwischen Läsionsausdehnungen [s81, s62]; beim Menschen sind die Befunde zu kompletten und inkompletten Läsionen mäßig gestützt [s144, s84, s137]. Offen ist, wie weit die Tierbefunde übertragbar sind.
8. **Welche Rolle spielen Arzneimittel der Blasen- und Spastikbehandlung für die Samenqualität?** Mirabegron [s72], Botulinumtoxin in der Blase [s135] und andere Mittel sind nur in kleinen retrospektiven Serien beschrieben. Offen sind kontrollierte Vergleiche mit Samenparametern und Fertilitätsendpunkten.
9. **Lässt sich die Beweglichkeit durch Hemmung von Entzündungswegen verbessern?** Die bisherigen Hinweise stammen aus einem In-vitro-Versuch mit Patientenproben [s119], einer einarmigen Studie mit Probenecid ohne Fertilitätsendpunkte [s93] und einer kleinen Proteomstudie [s68], teilweise von Autoren mit Patentinteresse [s119]. Offen sind unabhängige, placebokontrollierte Studien, die Fertilitätsendpunkte einschließen; diese Frage beschreibt eine Forschungslücke und keine Empfehlung.
10. **Wie gut ist die Wirkung pharmakologischer Auslöser der Ejakulation belegt?** Die einzige placebokontrollierte Studie bei Rückenmarksverletzung hat 20 auswertbare Teilnehmer [s115]; die größere randomisierte Studie betrifft Männer ohne Rückenmarksverletzung [s149]. Offen sind angemessen große randomisierte Studien bei SCI, getrennt nach Läsionshöhe und -vollständigkeit.
11. **Wie häufig bleiben Männer unversorgt?** In Jamaika wurde keiner von 45 Männern an die assistierte Reproduktion überwiesen [s101]; unter 20 jungen Männern mit Spina bifida hatte keiner ein Kind, viele wünschten sich eines [s35]; in einer Umfrage bei Spina bifida suchte keiner ärztliche Hilfe wegen Erektionsstörung [s164], und bei Diabetespatienten hatten 32,4 % keine Kenntnis urogenitaler Komplikationen [s138]. Offen sind Versorgungsstudien zur Aufklärung, Überweisung und Inanspruchnahme.

### B. Multiple Sklerose

12. **Beeinträchtigt MS die Samenqualität, und wenn ja, wie stark?** Es gibt genau drei Spermiogramm-Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen [s156, s78, s69]. Offen ist eine größere Studie mit Stratifizierung nach Verlaufsform (schubförmig oder progredient), EDSS, Krankheitsdauer, Vorbehandlung und mit gleichzeitiger Messung von Gesamt- und freiem Testosteron sowie Gonadotropinen, idealerweise unabhängig von der Arbeitsgruppe der Erstbeschreibung [s156].
13. **Wie wirken krankheitsmodifizierende Therapien auf die Spermatogenese?** Die vorliegenden Daten betreffen kleine Gruppen unter Natalizumab oder Ocrelizumab ohne Unterschied zu Kontrollen [s69], Wirkstoffkonzentrationen im Samen von Fingolimod und Teriflunomid [s90, s60] und Übersichten, die dies als offene Frage benennen [s71, s51]. Offen sind Spermiogramm- und Fertilitätsdaten unter den einzelnen Wirkstoffen über längere Zeiträume.
14. **Besteht eine kausale Beziehung zwischen männlicher Infertilität und MS, und in welche Richtung?** Registerdaten [s92], eine unsichere Metaanalyse [s56] und Mendelsche Randomisierungen mit kleinem Effekt [s49] ergeben kein klares Bild. Offen ist, ob gemeinsame Ursachen (Hypogonadismus, Genetik, Autoimmunität) bestehen [s92] und ob veränderte Sexualkontakte den Befund erklären [s51].
15. **Sind die Befunde aus dem Cuprizon-Modell auf die MS übertragbar?** Chronische Demyelinisierung senkt im Mausmodell Testosteron und Spermienparameter und betrifft den Hypothalamus [s46]; ob dies beim Menschen eine Entsprechung hat, ist nicht untersucht.

### C. Parkinson-Krankheit

16. **Wie ist die Samenqualität bei Männern mit Parkinson-Krankheit?** Es gibt keine humane Studie [s15, s37, s42, s70, s172]. Offen ist eine einfache Querschnittsstudie mit Spermiogramm, Hormonstatus, Krankheitsstadium und Medikation; gleichzeitig wäre zu klären, ob die in Rattenmodellen gefundenen Hodenveränderungen [s19, s76] und die niedrigeren Androgenspiegel bei Männern [s67] eine Entsprechung bei der Samenqualität haben.
17. **Trennen sich Krankheit und Medikation?** Die japanische Fragebogenstudie kann den Einfluss von Levodopa und Dopaminagonisten nicht von der Krankheit trennen [s172]; Studien müssten behandelte und nicht behandelte Männer vergleichen.

### D. Neuropathie

18. **Wie groß ist der neuropathische Anteil an den Samenveränderungen bei Diabetes?** Die einzige vergleichende Studie fand zwischen neuropathischen und nicht neuropathischen Diabetikern keinen Unterschied in den Samenparametern [s186]; neuere Metaanalysen betreffen Diabetes insgesamt [s109, s74]. Offen sind Studien mit objektiver Neuropathie-Diagnostik, wie sie in einer Moskauer Serie mit Pudendus-Neurographie verwendet wurde [s117], kombiniert mit Samenanalysen.
19. **Was ist über nicht diabetische Neuropathien bekannt?** Die Quellen enthalten dazu außer einem Fallbericht zur Leber-Optikusneuropathie [s63] und Übersichten zu peripheren Nervenverletzungen [s162] nichts. Offen ist, ob Charcot-Marie-Tooth-Erkrankungen und andere Polyneuropathien Samenparameter verändern; die Suchläufe der Befundberichte ergaben keine einzige Studie mit Samenbezug.
20. **Wie ist retrograde Ejakulation einheitlich zu diagnostizieren und wie häufig ist sie bei Diabetes?** Die Spannweite von 0,3 bis 34,6 % [s112, s04] und die fehlenden Diagnosekriterien [s52] erfordern einheitliche Definitionen und Studien mit definierten Nennern.
21. **Wie unterscheiden sich Diabetes-Typen?** Die Hinweise auf unterschiedliche Funktionsmuster bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes (zum Beispiel Anorgasmie bei 65,5 % gegenüber 30,2 %) [s12] betreffen nur eine retrospektive Serie ohne Samenparameter.

### E. Weitere neurologische Erkrankungen

22. **Spinale Muskelatrophie, myotone Dystrophie, Kennedy-Krankheit:** Bei spinaler Muskelatrophie ergab eine Studie Fertilitätsstörungen bei 65,9 % und Azoospermie bei 30 % der Männer mit Spermiogramm (alle vor einer Behandlung mit Risdiplam) [s50]; für myotone Dystrophie Typ 1 zeigten 20 Patienten bei etwa der Hälfte Hypospermie oder Azoospermie [s79]; für die Kennedy-Krankheit liegt ein Fallbericht vor [s25]. Offen sind größere Spermiogrammstudien, auch zur Frage, ob sich Befunde unter neuen Therapien ändern.
23. **Schädel-Hirn-Trauma, Zerebralparese, Schlaganfall, Myasthenia gravis, Spina bifida:** Hier sind Hodenhistologie nach Schädel-Hirn-Trauma beim Menschen (11 Fälle, Autopsiematerial [s97]), Tierstudien [s22, s30], der Hodenstand bei Zerebralparese im Kindesalter [s18] und Fragebogendaten zur Sexualfunktion [s154, s73, s99, s164] die einzigen Hinweise. Offen sind Samenanalysen bei erwachsenen Männern und Daten zur späteren Fruchtbarkeit nach Hodenhochstand oder -atrophie in der Kindheit.

### F. Methodische Querschnittsfragen

24. **Standardisierte Endpunkte (Core Outcome Set).** Einheitliche Parameter (Beweglichkeit, Vitalität, Konzentration, Gesamtzahl beweglicher Spermien, DNA-Fragmentation), Abstinenzzeit, Gewinnungsart und Schwangerschaftsendpunkte je Paar und kumulativ wären nötig, damit sich Studien vergleichen und poolen lassen.
25. **Eine Metaanalyse zur Samenqualität nach Rückenmarksverletzung.** Die einzige Metaanalyse betrifft die Ejakulation [s126]; eine Poolung der Samenparameter nach Gewinnungsweg und Läsion mit Heterogenitätsangaben fehlt. Voraussetzung wären Individualdaten oder zumindest eine gemeinsame Auswertung der großen Datenbanken.
26. **Unabhängige Replikation und Datentransparenz.** Wegen überlappender Kohorten (Miami, Nara/Osaka, Taiwan, Moskau) sind unabhängige Zentren nötig; Studienregistrierung sollte Standard sein (in den Abstracts nennen nur wenige Quellen eine Registrierung, so UMIN000055045 [s13] und PROSPERO [s06]).
27. **Übertragbarkeit der Tiermodelle.** Welche Befunde der Nagermodelle (Läsion Th8 bis Th10, Kontusion oder Durchtrennung) am Menschen ein Gegenstück haben, ist offen; sinnvoll wären Modelle mit abgestufter Läsionshöhe und -schwere und mit direkter Verknüpfung zu humanen Biomarkern [s07, s81].
28. **Sprach- und Zugangslücken.** Die in der Recherche nicht erreichbaren Datenbanken (CNKI, KCI, eLIBRARY.ru, DergiPark, SciELO und andere) und die vielen japanischen Titel ohne Abstract sind eine eigene Aufgabe für künftige systematische Übersichten; eine deutschsprachige Leitlinie, die Samenqualität bei diesen Erkrankungen behandelt, wurde nicht gefunden.
29. **Kinder und Heranwachsende.** Für Verletzungen vor der Pubertät liegen sieben Männer vor, von denen drei mit Verletzung vor dem 9. Lebensjahr azoosperm waren [s136]; für Zerebralparese zeigen Daten zum erworbenen Hodenhochstand in der Kindheit ein Risikofeld ohne Daten zur späteren Fertilität [s18]. Offen sind Langzeitstudien.
30. **Psychosoziale und Versorgungsaspekte.** Studien zur Verbindung von psychischer Gesundheit, Partnerschaft, sozialer Unterstützung und dem Erfolg assistierter Reproduktion (zum Beispiel neun Männer mit hoher Paraplegie, mit Angabe von Angst und Depression [s43]) sind bisher Einzelbeobachtungen.

## Praktische Einordnung

**Wichtiger Hinweis.** Dieser Abschnitt ordnet die Befunde ein, damit Leserinnen und Leser sie richtig gewichten können. Er enthält keine Therapieempfehlung und ersetzt weder eine Diagnose noch eine ärztliche Beratung. Studienergebnisse beschreiben Gruppen von Männern unter bestimmten Bedingungen; sie sagen nichts darüber, wie die Samenqualität eines einzelnen Mannes aussieht. Wo Leitlinien Verfahren nennen, wird nur wiedergegeben, was dort steht.

### 1. Drei Fragen, die nicht dasselbe sind

Die Literatur beantwortet drei verschiedene Fragen, die im Alltag oft vermischt werden:

1. **Kann der Mann ejakulieren?** Das hängt von Nervenbahnen und Reflexen ab. Nach Rückenmarksverletzung ejakulierten bei kompletter Läsion 11,8 % nach Masturbation oder Koitus, bei inkompletter 33,2 %; mit Vibrationsstimulation waren es 47,4 % und 52,8 % [s126].
2. **Wie gut sind die Spermien in der Probe?** Das betrifft Konzentration, Beweglichkeit, Vitalität, Form und DNA-Integrität. Bei Rückenmarksverletzung beschreiben viele Studien eine nicht abnorme Konzentration bei deutlich verminderter Beweglichkeit und Vitalität [s155, s146, s137, s159, s57].
3. **Kann ein Paar ein Kind bekommen, und mit welcher Hilfe?** Das hängt zusätzlich von der Partnerin, vom Verfahren der Spermiengewinnung und von der assistierten Reproduktion ab. In mehreren Serien führten Spermien von Männern mit Rückenmarksverletzung nach ICSI zu Schwangerschaften und Geburten; die Raten waren in einzelnen Vergleichen denen anderer Gruppen ähnlich, die Vergleiche waren aber klein [s147, s94, s24, s77, s31, s13].

Eine gute Antwort auf die erste Frage sagt nichts über die zweite, und eine schlechte Beweglichkeit schließt eine Schwangerschaft nicht aus: In einem Vergleich mit idiopathischer Infertilität wichen die Lebendgeburtenraten je Zyklus trotz einer progressiven Beweglichkeit von 5,0 % gegenüber 35,0 % nicht signifikant ab [s77].

### 2. Wo die Datenlage trägt und wo nicht

| Erkrankung | Was die Quellen zeigen | Belastbarkeit |
|---|---|---|
| Rückenmarksverletzung | Muster aus nicht abnormer Konzentration und verminderter Beweglichkeit und Vitalität; komplette Läsion, Ejakulation nur mit Stimulation und niedrige Beweglichkeit hängen zusammen; Gewinnung und ICSI gelingen in vielen Serien [s137, s144, s155, s31, s108] | mäßig; viele kleine Studien, überlappende Kohorten, keine Metaanalyse zur Samenqualität |
| Multiple Sklerose | Drei Spermiogramm-Studien mit widersprüchlichem Ergebnis; Hormonwerte uneinheitlich [s156, s78, s69, s16] | schwach |
| Parkinson-Krankheit | Keine Studie zur Samenqualität beim Menschen; Sexualfunktionsstörungen häufig [s172, s42] | keine |
| Neuropathie | Praktisch nur Diabetes: schlechtere Beweglichkeit und kleineres Volumen in Metaanalysen; retrograde Ejakulation und Anejakulation als Folge autonomer Neuropathie [s109, s74, s04] | schwach bis mäßig, nicht auf die Neuropathie eingrenzbar |
| Weitere Erkrankungen | Einzelstudien, zum Beispiel bei spinaler Muskelatrophie [s50] und myotoner Dystrophie [s79] | sehr schwach |

### 3. Was Männer mit Rückenmarksverletzung aus den Studien mitnehmen können

Die folgenden Punkte beschreiben Befunde, keine Anweisungen.

- **Ein einzelnes Spermiogramm ist stark von der Gewinnungsart abhängig.** Die Beweglichkeit lag in der größten Datenbank bei Masturbation im Mittel bei 36,9 %, bei Vibration bei 25,9 % und bei Elektroejakulation bei 15,0 % [s137]; ein Teil dieses Unterschieds beruht darauf, dass mit den Verfahren unterschiedlich verletzte Männer erfasst werden [s137].
- **Normale Parameter kommen vor, sind aber selten.** Von 400 Männern mit antegradem Ejakulat hatten 30 nach WHO-Kriterien normale Volumen, Konzentration und Beweglichkeit [s144].
- **Die Leitlinien beschreiben eine Abfolge von Verfahren.** Die französische Leitlinie nennt Masturbation als mögliche Erstlinie, die Vibrationsstimulation bei deren Scheitern, die Elektroejakulation als Zweitlinie und chirurgische Verfahren (Hoden-, Nebenhoden- oder Samenleiterspermien), wenn mit den anderen Verfahren keine verwertbaren Spermien gewonnen werden [s08]. Die EAU-Leitlinie beschreibt die Vibrationsstimulation als Erstlinientherapie bei Anejakulation nach Rückenmarksverletzung [s04]; die AUA/ASRM-Leitlinie stuft ihre Aussagen zu induzierter Ejakulation und chirurgischer Gewinnung als Expertenmeinung ein und hält fest, dass für den Vergleich der Verfahren nur begrenzte Daten vorliegen [s45]. Welches Vorgehen im Einzelfall passt, entscheiden Betroffene mit Fachärztinnen und Fachärzten.
- **Zeitfragen sind nicht geklärt.** Die Studien widersprechen sich, ob die Gewinnungsrate mit der Zeit seit der Verletzung sinkt [s108, s31]; die Verlaufsdaten zeigen im chronischen Stadium keine klare Verschlechterung der Samenparameter [s145, s175, s57]. Die französische Leitlinie behandelt Zeitpunkt und Überwachung der Fertilitätsprotektion als eigene Fragen [s08].
- **Eingefrorene Spermien sind in den Studien unterschiedlich gut beschrieben.** Die Ergebnisse reichen von starkem Beweglichkeitsverlust nach langer Lagerung [s113] bis zu vergleichbaren Behandlungsergebnissen mit aufgetauten Spermien [s94, s125] und einem Nachteil bei Hodenspermien in einer Serie [s147]. Eine Beratung zu Kryokonservierung gehört in die Hände von Reproduktionsmedizinerinnen und -medizinern.
- **Begleitende Risiken wurden beschrieben.** Während der Elektroejakulation und der Vibrationsstimulation kann eine autonome Dysreflexie auftreten [s188, s115]; in einem japanischen Fallbericht wurde wegen der Gefahr autonomer Hyperreflexie unter Narkose operiert [s39]. Die Verfahren werden in den Studien unter medizinischer Aufsicht durchgeführt.

### 4. Multiple Sklerose, Parkinson und Neuropathie

- **Multiple Sklerose.** Sexuelle Funktionsstörungen sind häufig (35 bis 72 % der Männer in einem Scoping-Review), werden aber nur von einer Minderheit mit dem Behandlungsteam besprochen [s51]. Ob die Samenqualität bei MS vermindert ist, ist nach der Literatur offen [s156, s78, s69]. Die Studien zu Wirkstoffen im Samen (Fingolimod, Teriflunomid) messen Konzentrationen und keine Spermienqualität [s90, s60]; Entscheidungen zur Medikation gehören in die Hand der behandelnden Neurologin oder des behandelnden Neurologen und dürfen nicht aus solchen Studien abgeleitet werden.
- **Parkinson-Krankheit.** Sexuelle Funktionsstörungen sind in Fragebogenstudien häufig (53,9 % in einer Studie mit Männern und Frauen [s42]; bei Männern in einer japanischen Studie Erektion und Ejakulation bei je 79 % vermindert [s172]), mit Hinweisen auf Zusammenhänge mit Alter, Stadium und autonomen Symptomen [s42]. Über Spermien ist beim Menschen nichts bekannt; Rattenversuche zeigen Veränderungen im Hoden [s19, s76], deren Bedeutung für Männer offen ist.
- **Neuropathie und Diabetes.** Retrograde Ejakulation und Anejakulation sind belegte Folgen der autonomen Neuropathie, die die Spermiengewinnung erschweren können [s04, s151]; diese Befunde betreffen die Ejakulation, nicht notwendigerweise die Zahl oder Qualität der Spermien. Eine Abklärung der Frage, ob Spermien in den Urin gelangen, erfolgt über eine Untersuchung des Urins nach dem Samenerguss; ein Konsens über genaue Diagnosekriterien fehlt [s45, s52].

### 5. Was die Studien nicht sagen

- Sie sagen nicht, dass ein Mann mit einer der genannten Erkrankungen unfruchtbar ist. Viele Männer sind es nicht, und viele Befunde stammen aus Gruppen, die ohnehin wegen Kinderwunsch oder Infertilität in Behandlung waren [s130, s163, s13, s108].
- Sie sagen nicht, welches Verfahren das beste ist; die Vergleiche sind klein und nicht auf Gleichwertigkeit ausgelegt [s09, s161].
- Sie belegen keine Wirkung von Wirkstoffen, Pflanzenextrakten oder anderen Interventionen auf die Samenqualität bei diesen Erkrankungen; die genannten Studien sind einarmig, In-vitro- oder Tierstudien [s93, s119, s36, s40, s48, s41, s29].
- Sie ersetzen kein Spermiogramm. Wer Gewissheit über die eigene Samenqualität sucht, benötigt eine Untersuchung mit standardisierter Probengewinnung in einem andrologischen oder reproduktionsmedizinischen Labor.
- Sie beantworten nicht die Frage nach der Gesundheit späterer Kinder; Hinweise auf erhöhte Aneuploidieraten in Spermien bei Rückenmarksverletzung stammen aus zwei kleinen Laborstudien [s139, s140], und für Männer mit myotoner Dystrophie wurde die Weitergabe der Erkrankung untersucht (keine Selektion gegen Spermien mit hypermethyliertem DMPK, vier Patienten) [s64].

### 6. Themen für das ärztliche Gespräch

Die Quellen zeigen, dass folgende Themen in der Versorgung zu kurz kommen können und in den Fachgebieten Urologie, Andrologie, Neurologie und Reproduktionsmedizin angesiedelt sind: Kinderwunsch bei neurologischer Erkrankung, Fragen zur Samengewinnung und gegebenenfalls zur Kryokonservierung, mögliche Auswirkungen von Medikamenten auf die Samenbildung und Fragen zur Sexualfunktion. Die europäische Leitlinie zu neurogenen Harn- und Sexualsymptomen nennt die umfassende Sexualanamnese als Bestandteil der Versorgung [s34]; Studien beschreiben, dass nur eine Minderheit der Männer mit MS Sexualität mit dem Behandlungsteam bespricht [s51], dass in Jamaika kein Mann mit Rückenmarksverletzung an die assistierte Reproduktion überwiesen wurde [s101] und dass viele Diabetespatienten urogenitale Komplikationen nicht kennen [s138]. Für Eltern von Kindern mit neurologischer Behinderung ist der beschriebene erworbene Hodenhochstand bei Zerebralparese (24,2 % der untersuchten Jungen, abhängig unter anderem von Frühgeburtlichkeit, Hüftdysplasie und Mangelernährung) ein Thema für die kinderärztliche oder kinderurologische Untersuchung [s18]. Auch hier gilt: Die Studie beschreibt ein Risiko in einer Gruppe, sie diagnostiziert kein Kind.

### 7. Einordnung in das Gesamtbild der Studie

Diese Studie hat Epilepsie bewusst ausgeklammert; dort gelten andere Zusammenhänge, die in einem anderen Teil der Gesamtstudie behandelt werden. Für die hier betrachteten Erkrankungen gilt zusammengefasst: Für die Rückenmarksverletzung ist das Bild vergleichsweise klar und zugleich lückenhaft, für Multiple Sklerose uneinheitlich, für Parkinson und die meisten anderen Erkrankungen fehlen Daten. Die Zahl der Quellen sollte nicht als Maß für Gewissheit gelesen werden (siehe Abschnitt „Limitationen der Evidenz“).

## Glossar

Die Begriffe sind alphabetisch geordnet. Die Erklärungen sind allgemein gehalten und dienen dem Verständnis der Studie; sie ersetzen keine medizinische Definition im Einzelfall.

**Anejakulation.** Ausbleiben des Samenergusses trotz sexueller Erregung oder Stimulation; bei Rückenmarksverletzung, Diabetes und Multipler Sklerose beschrieben [s04].

**Anorgasmie.** Fehlen des Orgasmus; bei Diabetikern mit retrograder Ejakulation berichtet [s12].

**ASIA / AIS (Klassifikation nach Schädigungsgrad).** Skala der Rückenmarksverletzung; Grad A bedeutet komplette, die Grade B bis D bedeuten inkomplette Läsion [s144, s84].

**ASC.** Eiweiß („apoptosis-associated speck-like protein containing a caspase activation and recruitment domain“), Bestandteil des Inflammasoms; im Samenplasma und in Spermien von Männern mit Rückenmarksverletzung nachgewiesen [s131].

**Asthenozoospermie.** Verminderte Beweglichkeit der Spermien; das kennzeichnende Merkmal der Samenqualität nach Rückenmarksverletzung [s155].

**Autonome Dysreflexie.** Überschießende Reaktion des vegetativen Nervensystems bei Reizen unterhalb einer hohen Rückenmarksläsion; in Studien als Komplikation der Vibrationsstimulation und der Elektroejakulation genannt [s115, s188].

**Azoospermie.** Fehlen von Spermien im Ejakulat; bei der obstruktiven Form liegt ein Abflusshindernis vor (bei SCI als funktionelle Obstruktion beschrieben), bei der nichtobstruktiven eine Störung der Spermienbildung [s31, s25].

**Blut-Hoden-Schranke.** Zellverbindungen im Hoden, die die Keimzellen vom Blut abschirmen; Marker sind Occludin und ZO-1, die in Tiermodellen gestört waren [s07, s76].

**CatSper.** Kalziumkanäle in der Spermienmembran, die für die Beweglichkeit gebraucht werden; im Mausmodell der Rückenmarksverletzung herunterreguliert [s148].

**Cauda epididymidis.** Unteres Ende des Nebenhodens, in dem Spermien gespeichert werden [s84, s13].

**Comet-Assay.** Laborverfahren zur Messung von DNA-Brüchen in einzelnen Zellen [s142, s59].

**Cuprizon-Modell.** Tiermodell der Demyelinisierung, bei dem Mäuse Cuprizon im Futter erhalten; als Modell für Multiple Sklerose genutzt [s46, s48, s41].

**DMT (krankheitsmodifizierende Therapie).** Dauerbehandlung der Multiplen Sklerose, die den Krankheitsverlauf beeinflussen soll [s78, s16].

**DNA-Fragmentation.** Anteil von Spermien mit Brüchen im Erbgut; bei Männern mit Rückenmarksverletzung erhöht [s84, s59, s139].

**Doppelstrangbruch / Einzelstrangbruch.** Arten des DNA-Schadens; der Anteil der Doppelstrangbrüche war bei SCI im Median 57,5 % gegenüber 4,6 % bei Normozoospermen [s59].

**EAE (experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis).** Tiermodell der Multiplen Sklerose [s38].

**EDSS (Expanded Disability Status Scale).** Skala für den Behinderungsgrad bei Multipler Sklerose [s16, s96].

**Elektroejakulation (EEJ).** Auslösen der Ejakulation durch elektrische Stimulation über eine Rektalsonde, meist bei Männern mit Rückenmarksverletzung [s183, s180, s123].

**Ejakulationsdyssynergie.** Beschriebenes Muster nach Rückenmarksverletzung, bei dem sich Spermien eher in der prostatischen Harnröhre als in der Blase finden [s111].

**FSH / LH.** Von der Hypophyse gebildete Hormone, die die Hodenfunktion steuern; ein niedriger FSH-Wert war in zwei Serien mit erfolgreicher operativer Spermiengewinnung verbunden [s13, s108].

**GnRH / hCG-Test.** Stimulationstests der Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse [s105, s98, s156].

**Hazard Ratio (HR).** Verhältnis von Ereignisraten zwischen Gruppen; bei der dänischen Registerstudie 1,28 für inzidente MS [s92].

**Hypogonadismus.** Unterfunktion der Hoden mit niedrigem Testosteron; hypogonadotrop, wenn der Antrieb aus der Hypophyse fehlt [s156, s47].

**ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion).** Verfahren der assistierten Reproduktion, bei dem eine einzelne Samenzelle in die Eizelle eingebracht wird [s147, s31].

**IIEF-5.** Fragebogen zur Erektionsfunktion; höhere Werte bedeuten eine bessere Funktion [s11, s28, s154].

**Inflammasom.** Eiweißkomplex, der Entzündungsbotenstoffe (Caspase-1, Interleukin-1β, Interleukin-18) aktiviert; bei SCI im Samenplasma und im Hoden erhöht beschrieben [s131, s83, s102].

**I² (Heterogenität).** Maß dafür, wie stark Ergebnisse in einer Metaanalyse voneinander abweichen; bei der MS-Metaanalyse 86,1 % [s56].

**Johnsen-Score.** Bewertung der Spermienbildung in Hodengewebe [s39, s24].

**Konditionale logistische Regression.** Statistisches Verfahren für gematchte Fall-Kontroll-Daten; bei der Miami-Fall-Kontroll-Studie verwendet [s144].

**Komplette / inkomplette Läsion.** Vollständige beziehungsweise teilweise Unterbrechung der Nervenbahnen im Rückenmark [s144, s126].

**Konfidenzintervall (KI).** Spanne plausibler Werte für die wahre Größe eines Effekts, meist als 95-%-Intervall angegeben; ein Intervall, das den Nullwert (bei Verhältniszahlen die 1) einschließt, bedeutet keinen statistisch gesicherten Effekt [s56].

**Kryokonservierung.** Einfrieren von Samenzellen; bei SCI reduzierte die Lagerung die Beweglichkeit deutlich [s113].

**Leydig-Zellen / Sertoli-Zellen.** Hodenzellen; Leydig-Zellen bilden Testosteron, Sertoli-Zellen unterstützen die Spermienbildung [s54, s97].

**Mendelsche Randomisierung (MR).** Genetisch abgeleitetes Verfahren zur Prüfung von Ursache und Wirkung; in zwei Quellen zu MS und zu Schlaganfall verwendet [s49, s53].

**Midodrin.** Wirkstoff, der in zwei randomisierten Studien auf Auslösung der Ejakulation geprüft wurde [s115, s149].

**Mirabegron.** Medikament, das bei Blasenfunktionsstörung nach SCI verwendet wurde und in einer Studie auf Effekte für die Spermienbildung untersucht wurde [s72].

**MS / RRMS.** Multiple Sklerose / schubförmig remittierende Verlaufsform [s69, s78].

**Normozoospermie.** Samenparameter innerhalb der Referenzwerte der WHO [s59].

**Odds Ratio (OR).** Verhältnis der Chancen zwischen Gruppen; Wert 1 bedeutet keinen Unterschied [s144].

**Onuf-Kern.** Kerngebiet im Sakralmark (S2 bis S4), das Beckenbodenmuskeln steuert; für die rhythmisch-kräftige Ejakulation von Bedeutung [s126].

**Oxidationsstress.** Überschuss reaktiver Sauerstoffverbindungen, gemessen etwa über Malondialdehyd; an Spermienschäden beteiligt [s84, s36].

**PDE5-Hemmer.** Wirkstoffgruppe, die bei Erektionsstörungen eingesetzt wird; in Leitlinien und Übersichten für die Erektionsfunktion genannt [s34, s14].

**PEDT (Premature Ejaculation Diagnostic Tool).** Fragebogen zur vorzeitigen Ejakulation; höhere Werte bedeuten stärkere Auffälligkeit [s11, s28].

**Penisvibrationsstimulation (PVS).** Auslösen der Ejakulation durch einen Vibrator an der Eichel, bei intaktem Ejakulationsreflexbogen; in den Leitlinien als vorrangiges Stimulationsverfahren bei Rückenmarksverletzung genannt [s04, s08, s100].

**PESA / TESA / TESE / CESA.** Verfahren zur chirurgischen Gewinnung von Spermien: perkutane Nebenhodenaspiration, testikuläre Aspiration, testikuläre Extraktion und Nebenhodenaspiration aus der Cauda epididymidis [s104, s43, s108, s13].

**Placebo / Sham.** Scheinbehandlung beziehungsweise Scheinoperation als Kontrolle [s115, s07].

**Probenecid.** Wirkstoff, der den Pannexin-1-Kanal hemmt und in einer einarmigen Studie bei SCI geprüft wurde [s93].

**Pudendusneurographie.** Messung der Nervenleitung des Schamnervs, in einer Moskauer Serie zur Sicherung der Neuropathie verwendet [s117].

**Retrograde Ejakulation.** Rückfluss des Samens in die Blase, nachweisbar durch Spermien im Urin nach dem Samenerguss; bei Diabetes und Rückenmarksverletzung beschrieben [s04, s45, s52].

**Rotenon-Modell.** Tiermodell der Parkinson-Krankheit durch Vergiftung mit Rotenon [s19, s76].

**SCI.** Rückenmarksverletzung („spinal cord injury“) [s126].

**Spinale Muskelatrophie (SMA).** Erbliche neuromuskuläre Erkrankung; bei Typ 2 und 3 in einer Studie mit Fertilitätsstörungen bei 65,9 % der Männer [s50].

**Spermiogramm.** Laboruntersuchung des Ejakulats auf Volumen, Konzentration, Beweglichkeit, Vitalität und Form [s145, s137].

**Teratozoospermie / Oligozoospermie.** Hoher Anteil missgebildeter Spermien beziehungsweise niedrige Spermienkonzentration [s117, s94].

**TUNEL-Test.** Laborverfahren, das DNA-Brüche und damit apoptotische Spermien anzeigt [s130, s139].

**Vitalität.** Anteil lebender Spermien, unabhängig von der Beweglichkeit [s113, s159].

**WHO-Referenzwerte.** Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation für Samenparameter; eine Quelle bezieht sich ausdrücklich auf die Ausgabe 2010 [s117, s144].

## Quellenverzeichnis

Vollständige Liste aller 192 Quellen aus `synthese.json`, nach Jahr absteigend und innerhalb des Jahres nach Kennung geordnet. Zitiert wird im Text mit der Kennung in eckigen Klammern. Titel in anderen Sprachen als Englisch oder Deutsch stehen im Original, mit deutscher Übersetzung in Klammern. Wo weder PMID noch DOI vorliegt, steht die abgerufene Adresse.

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## Quellenliste (maschinenlesbar)

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