Der größte Teil der Literatur außerhalb der Samenanalysen beantwortet die praktische Frage, wie Spermien gewonnen werden und welche Schwangerschaftsraten folgen. Gewinnungsraten sind wegen Selektion (nur Männer, die in eine Klinik kommen) nicht auf alle Männer mit SCI übertragbar.
Sønksen et al. 1997 [s179]. Retrospektive Analyse von 28 anejakulatorischen Männern mit SCI; alle konnten ejakulieren, 79 % durch PVS, 21 % durch EEJ; Gesamtspermienzahl median 65 Mio. (0,1 bis 480), Beweglichkeit median 13 % (1 bis 60 %); 9 von 28 Paaren (32 %) erreichten 10 Schwangerschaften (4 Selbstinsemination, 3 IUI, 1 IVF, 2 ICSI). Hultling et al. 1997 [s178]. 25 Paare, 52 Zyklen, 81 Eizellentnahmen, 47 Embryotransfers; Gesamtspermienzahlen sehr variabel (0,01 bis 978 × 10^6); Befruchtungsrate vor ICSI 30 %, mit ICSI 88 %; kein Zusammenhang der Schwangerschaftsrate mit Spermienzahl, Läsionshöhe oder Befruchtungstechnik; 16 klinische Schwangerschaften, 11 Geburten; kumulative Schwangerschaftsrate pro Paar 56 %. Engin-Üstün et al. 2006 [s161] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt; Gülhane, Ankara): 44 Männer mit Paraplegie durch Minen- und Schussverletzungen, 1998 bis 2005: 8 EEJ, 26 TESE, 10 Prostatamassage; acht Einlingsschwangerschaften (2, 4, 2); die Lebendgeburtenrate unterschied sich nicht signifikant. Das Design ist unterpowert (EEJ n = 8) und beweist keine Gleichwertigkeit. Kanto et al. 2009 [s147]: 22 Paare mit SCI; TESE-Spermien bei 19 von 22 (86 %), Befruchtungsrate 236 von 364 (65 %); 14 von 19 Paaren erreichten 18 Schwangerschaften mit 22 Kindern (pro Paar 74 %, pro ICSI 54 %); kein Unterschied zur obstruktiven Azoospermie bei der ersten ICSI (je 68 %); die Autoren vermuten, Hodenspermien von Männern mit SCI vertrügen das Einfrieren schlechter. Iwahata et al. 2016 [s108]. Retrospektive Einzelzentrum-Kohorte (Dokkyo), 52 Männer; Gewinnung bei 42 von 52 (80,7 %); ICSI bei 37 mit Schwangerschaft bei 32 (86,5 %); Baby-take-home-Rate 70,2 %; bei erfolgreicher Extraktion größeres Hodenvolumen, kürzere Zeit seit der Verletzung, niedrigere LH- und FSH-Werte (FSH am stärksten assoziiert); bei Verletzung vor höchstens 12 Jahren bessere Gewinnungsrate (p = 0,045); nicht für das Alter adjustiert. Morelli et al. 2025 [s31] (vier italienische Zentren, 2011 bis 2021): 32 Personen mit Tetraplegie und 75 mit Paraplegie, 107 TESE-Eingriffe, medianes Alter 33 Jahre, mediane Zeit seit Verletzung 9 Jahre; Gewinnungsrate 81,3 %; von 87 Patienten erhielten 33 ICSI, 63,6 % wurden nach einem Zyklus schwanger, Lebendgeburtenrate (endgültig) 90,5 %; in der logistischen Regression war die Gewinnungsrate nicht von der Zeit seit der Verletzung abhängig. Das widerspricht [s108] (Schwelle 12 Jahre); mögliche Erklärungen (Auswahl, Stichprobe) klären die Abstracts nicht. Makino et al. 2026 [s13] (Fukuoka; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 69 Männer mit kompletter Lähmung der unteren Körperhälfte und Anejakulation, Nebenhoden-Spermienaspiration (CESA) 2010 bis 2023; Spermien bei 42 (60,9 %); FSH median 4,6 mIU/ml bei Erfolg gegenüber 12,9 mIU/ml bei Misserfolg; FSH war der stärkste Prädiktor, Grenzwert 5,95 mIU/ml; bei Erfolg Konzentration median 32 Mio./ml und Beweglichkeit 56 %; bei 35 Männern mit ART 56 klinische Schwangerschaften und 45 Lebendgeburten in 146 Transferzyklen (mehrere Schwangerschaften je Paar gezählt); registriert unter UMIN000055045. Haghdani et al. 2026 [s09] (Yazd; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 37 Männer mit SCI, 18 EEJ- und 36 TESE-Zyklen (2017 bis 2023); 21 (38,8 %) chemische und 19 (35,18 %) klinische Schwangerschaften, Lebendgeburtenrate 20,3 %; EEJ gegenüber TESE: chemisch 44,4 % gegenüber 36,1 % (p = 0,55), klinisch 33,3 % gegenüber 36,1 % (p = 0,89), Lebendgeburt 22,2 % gegenüber 19,4 % (p = 0,81); Auswertung pro Zyklus bei nur 37 Männern, zu klein für einen Gleichwertigkeitsbeleg. Deng und Zhang 2026 [s03]: 23 Männer mit kompletter retrograder Ejakulation (nicht ausschließlich neurogen): 14 mit Hodenspermien, 9 mit Spermien aus dem Urin; Befruchtung 86,11 % gegenüber 72,84 % (p = 0,022), hochwertige Embryonen 29,03 % gegenüber 13,79 % (p = 0,043), klinische Schwangerschaft 60,87 % gegenüber 27,78 % (p = 0,048), Lebendgeburt 52,17 % gegenüber 16,67 % (p = 0,017). Wei et al. 2025 [s43] (Zhejiang; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 9 Männer mit hoher Paraplegie (31,89 ± 4,83 Jahre, Verletzungsdauer 1 bis 13 Jahre), TESA mit ICSI; Spermien bei allen neun gewonnen; sechs Paare (66,7 %) erreichten Schwangerschaft und Lebendgeburt; Angst bei drei, Depression bei vier Patienten. Hibi et al. 2008 [s153]: retrograde Vasalspermien-Aspiration bei acht Patienten mit neurogener Anejakulation nach SCI, bei allen bewegliche Spermien für ICSI kryokonserviert, klinische Schwangerschaften bei acht Paaren (Bezugsgröße nicht eindeutig). Komiya et al. 2004 [s168], Titel in der Datenbank englisch "Clinical results of infertility treatment to male patients with spinal cord injury" (Klinische Ergebnisse der Infertilitätsbehandlung bei männlichen Patienten mit Rückenmarksverletzung; japanischsprachig): 16 Männer, EEJ oder TESE; 14 Schwangerschaften bei 10 Paaren, 11 Lebendgeburten bei 7 Paaren, 4 Fehlgeburten; kein auffälliger Unterschied in Konzentration und Beweglichkeit zwischen erfolgreicher und erfolgloser Gruppe.
Taiwan. Shieh et al. 2003 [s170]: 10 infertile Männer mit SCI; EEJ, danach je nach Befund IUI, ICSI, chirurgische Gewinnung, Kryokonservierung oder Spendersamen; 7 klinische Schwangerschaften (88 %) bei sieben Paaren mit ICSI-Zyklen, kumulative Schwangerschaftsrate je Paar 80 % (8/10); die Autoren sehen ICSI-Ergebnisse mit SCI-Spermien als vergleichbar mit denen von Männern ohne SCI an; im Abstract kein statistischer Test. Chen et al. 1998 [s176]: Fallbericht; zwei EEJ ohne bewegliche Spermien, Vasalaspiration 26 Mio./ml bei 3 % Beweglichkeit; ICSI mit aufgetauten Spermien (5 Mio./ml, 1 % Beweglichkeit) führte zu Zwillingen. Chen et al. 2005 [s165]: Ehemann mit Th10-Paraplegie, Ehefrau mit L2-Paraplegie; zwei EEJ ergaben 0,1 bis 0,3 Mio. Spermien/ml bei 5 bis 20 % Beweglichkeit; ICSI mit aufgetauten Spermien führte zur Geburt eines gesunden Mädchens. Die drei Taiwan-Arbeiten stammen aus derselben Gruppe.
Weitere Arbeiten zur SCI. Korneev und Zasseev 2017, Преодоление бесплодия у мужчин с ретроградной эякуляцией и анэякуляцией (Überwindung der Infertilität bei Männern mit retrograder Ejakulation und Anejakulation) [s104] (Sankt Petersburg): retrospektive Serie 1998 bis 2013, 82 Männer (35 ± 15 Jahre), retrograde Ejakulation bei 54 (66 %), Anejakulation bei 28 (34 %); die retrograde Ejakulation entstand am häufigsten bei Diabetes, die Aspermie meist durch traumatische Rückenmarkverletzung. Bei 48 der 54 (89 %) fanden sich bewegliche Spermien im Urin für ICSI; bei 6 (11 %) wurde PESA/TESA durchgeführt, bei allen mit Erfolg; Schwangerschaftsrate pro Transfer 52 %; bei Aspermie PESA/TESA bei allen erfolgreich, 50 % pro Transfer. Keine Aufschlüsselung nach SCI und Diabetes, die Raten beziehen sich auf Transfers, deren Zahl nicht genannt ist. Morrison et al. 2017 [s101] (Jamaika): 45 Männer mit traumatischer SCI, erektile Dysfunktion 90,7 %, 73,3 % ohne Ejakulationsmöglichkeit, 71,1 % mit Kinderwunsch, niemand an assistierte Reproduktion überwiesen; betrifft die Versorgung, nicht die Samenqualität. López García-Moreno 2013, Doktorarbeit La lesión medular como factor de riesgo de disfunción sexual en el varón (Die Rückenmarksverletzung als Risikofaktor für sexuelle Funktionsstörung beim Mann) [s129] (Salamanca): 187 urologisch beurteilte Männer; Männer mit SCI hatten signifikant häufiger Ejakulationsstörungen, die Kontrollen (mit höherem Alter) häufiger verminderte Lust, erektile Dysfunktion und vorzeitige Ejakulation und höhere Angst- und Depressionswerte; Samenqualität wurde im Abstract nicht untersucht. Gao et al. 2026 [s06]: systematische Übersicht (PROSPERO CRD420261372301) zu lumbosakralen Erkrankungen und Ejakulationsstörung, 24 Studien; Ejakulationsstörungen standen im Zusammenhang mit Bandscheibenvorfall, Cauda-equina-Syndrom, Spinalkanalstenose, Tarlov-Zysten, Spina bifida, ankylosierender Spondylitis und Pudendusneuropathie; ein ursächlicher Zusammenhang bleibe nach den Autoren unbewiesen; die Samenqualität ist kein Endpunkt. Cheng et al. 2026 [s02]: Einzelzentrum-Studie (Dalian) mit dynamischer transrektaler Sonographie bei 20 Patienten mit kompletter retrograder Ejakulation (10 Diabetes, 10 Harnröhrenstriktur); drei Funktionstypen, der SCI-Typ ("Koordinationsstörung") wurde nur literaturbasiert ergänzt, eigene SCI-Patienten wurden nicht untersucht. Sakakibara et al. 2026 [s17]: Übersicht zur urogenitalen Dysfunktion bei neurologischen Erkrankungen ohne Samenparameter. Zhang und Li 2020 [s85]: Übersicht zur Genitalsensibilität nach SCI. Sakamoto 2014 [s122]: Übersicht zu geschlechtsdimorphen Kerngebieten des Lenden- und Sakralmarks. Fan und Liu 2005, [Penile vibratory stimulation and electroejaculation in the treatment of ejaculatory dysfunction] (Penisvibration und Elektroejakulation bei der Behandlung von Ejakulationsstörungen) [s166] (Zhonghua Nan Ke Xue, chinesischsprachig): rund 80 % der Männer mit Ejakulationsstörung bei intaktem Reflexbogen (oberhalb Th10) könnten mit PVS antegrad ejakulieren; die Übersicht nennt PVS als erste Wahl. Liu et al. 2014, [Spinal gastrin-releasing peptide system mediates sexual function of males: advances in studies] (Das spinale Gastrin-releasing-Peptid-System vermittelt die männliche Sexualfunktion: Stand der Forschung) [s120]: Neurone im oberen Lendenmark (L3, L4) projizieren zum unteren Lendenmark (L5, L6) und setzen GRP frei; pharmakologische GRP-Rezeptor-Stimulation stellte bei kastrierten Ratten Penisreflexe und Ejakulation wieder her. Ruan et al. 2006, [Peripheral nerve injury and male sexual dysfunction] (Periphere Nervenverletzung und männliche Sexualfunktionsstörung) [s162] (Fa Yi Xue Za Zhi): Kurzübersicht zur autonomen und somatischen Innervation ohne Daten.
Funktionsverläufe nach Wirbelsäulenverletzung, ohne Samenanalyse. Li et al. 2026 [s11] (Peking): 187 Männer mit zervikaler Rückenmarksverletzung ohne Fraktur oder Luxation, Laminoplastik, Nachbeobachtung median 57 Monate; Ausgangsbefund 97,3 % Erektionsstörung, 86,6 % Ejakulationsstörung; nach 2 Jahren IIEF-5 von 10,24 auf 16,20 (P < 0,05), 72,7 % mit normaler oder leicht eingeschränkter Erektionsfunktion; Ejakulationskontrolle normalisierte sich bei 87,7 % (PEDT von 10,73 auf 4,54, P < 0,05). Korrelationen der Erholung nach Spearman: ASIA-Grad vor der Operation ρ = -0,700 bis -0,754, Zeit bis zur Operation ρ = -0,402 bis -0,372, Rückenmarkssignalveränderung (HCS) ρ = -0,325 bis -0,341, minimales und mediales Torg-Pavlov-Verhältnis ρ = 0,716 bis 0,772 beziehungsweise 0,690 bis 0,746, Kompressionsrate ρ = -0,707 bis -0,752 (alle P < 0,001). Der Abstract unterscheidet nicht, ob mit "Ejakulationsstörung" vorzeitige Ejakulation (der PEDT misst diese) oder Anejakulation gemeint ist; keine Samenanalyse. Gao et al. 2025 [s28]: 117 Männer mit Brust-/Lendenwirbelfraktur und inkompletter SCI (dieselbe Klinik, andere Population); IIEF-5 vor der Verletzung 19,5 ± 6,4, danach 8,7 ± 8,0, nach zwei Jahren 17,5 ± 7,1; PEDT 5,3 ± 3,1, 6,9 ± 5,2 und 6,4 ± 5,1; etwa 70 % erreichten nach zwei Jahren wieder das Vorverletzungsniveau (rückblickende Angabe). Beide Studien sind komplementär, nicht unabhängig, und sagen nichts über die Spermienqualität.