Rückenmarksverletzung, Multiple Sklerose und Neurologie · Kapitel 10 von 23 · Studienlage: Klinische Studien, Leitlinien und Tierversuche › Rückenmarksverletzung: Samenqualität beim Menschen

Übersichten zum Gesamtbild bis Vibrationsverfahren, Ejakulationsdyssynergie und Fallberichte zur Ejakulation

Übersichten zum Gesamtbild

Mehrere Übersichten fassen dasselbe Muster zusammen: oft normale Spermienzahl bei deutlich verminderter Beweglichkeit und Vitalität. Anderson et al. [s87] beschreiben, dass nahezu jeder Aspekt der männlichen Reproduktion betroffen sei, mit herabgesetzter Beweglichkeit bei oft normaler Zahl. Patki et al. [s155] schreiben, dass die Samenqualität bei SCI schlecht sei, Veränderungen schon zwei Wochen nach der Verletzung aufträten und abnorme Beweglichkeit und Vitalität kennzeichnend seien; die Spermienzahl sei bei der Mehrzahl nicht abnorm; die Asthenozoospermie sei multifaktoriell, genannt werden Seminalplasma, Art des Blasenmanagements und die neurogene Beeinträchtigung der Ejakulation. Ibrahim et al. 2022 [s61] (Miami-Gruppe) geben an, etwa 90 % der Männer mit SCI entwickelten eine Ejakulationsstörung und nur 10 % könnten durch Masturbation oder beim Geschlechtsverkehr ejakulieren; PVS führe bei Verletzungen auf Höhe Th10 oder höher in bis zu 86 % zum Ejakulat, in 90 % dieser Ejakulate seien bewegliche Spermien, in etwa 75 % mehr als 5 Millionen bewegliche Spermien. Perrin et al. 2010, [The spinal cord injured patient: semen quality and management by Assisted Reproductive Technology] (Der Patient mit Rückenmarksverletzung: Samenqualität und Behandlung durch assistierte Reproduktion) [s146], nennen, dass nur 10 % der Männer mit SCI ohne medizinische Hilfe Kinder zeugen könnten, bei normaler Spermienkonzentration und abnorm niedriger Beweglichkeit und Vitalität. Perrin et al. 2016 im Buchkapitel Fertility issues in men with spinal cord injury [s110] fassen zusammen, dass in einer Hundestudie Beweglichkeit und Spermatogenese drei Wochen nach der Verletzung deutlich beeinträchtigt waren; bei chronischer SCI beim Menschen sei die Skrotaltemperatur durch die sitzende Haltung und gestörte Thermoregulation erhöht, und die Konzentration reaktiver Sauerstoffspezies im Samenplasma sei hoch und umgekehrt mit der Beweglichkeit korreliert. François 1995, [Genital sexual and procreation disorders in patients with spinal cord injuries] (Genitale Sexual- und Fortpflanzungsstörungen bei Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s182], beschreibt in einem frühen Überblick Hilfen zur Fortpflanzung, darunter die Punktion des Samenleiters. Vidal Samsó 1993, Lesión medular e infertilidad masculina (Rückenmarksverletzung und männliche Infertilität) [s189] (Rehabilitación, Band 27, Heft 4, S. 285 bis 291), hält laut Abstract fest, dass die Fertilitätsstörungen nach Rückenmarksverletzung schwer und Schwangerschaften nach erworbener Paraplegie oder Tetraplegie selten seien, und beschreibt die Techniken der Samengewinnung und die Veränderungen von Menge und Zusammensetzung des Samens; Zahlen enthält der Abstract nicht. Neuere Übersichten zu Oxidationsstress, Entzündung und DNA-Schädigung [s10, s20] sowie zur Fertilitätsprotektion nach Rückenmarks-, Becken- und Schädel-Hirn-Verletzungen [s26] nennen im Abstract keine neuen Primärzahlen. Dimitriadis et al. 2010 [s143] fassen zusammen, Männer mit SCI hätten Störungen der Erektion, der Ejakulation und der Fortpflanzungsfähigkeit; die Defekte beträfen den Samentransport in die hintere Harnröhre und die Expulsion sowie die sekretorische Funktion von Leydig-Zellen, Sertoli-Zellen und akzessorischen Drüsen, und die Samenqualität sei bei Gewinnung per PVS oder EEJ vermindert; als erste Linie wird in dieser Übersicht die PVS genannt. Der Umbrella-Review von Manuli et al. 2026 [s14] bewertete 26 systematische Übersichten, von denen 17 als "kritisch niedrig" und 6 als "niedrig" (AMSTAR 2) eingestuft wurden; am kohärentesten sei die Evidenz für PDE5-Hemmer bei erektiler Funktion nach SCI; Samenqualität ist im Abstract kein Endpunkt. Einordnung: Diese Texte sind Übersichten ohne eigene Poolingmethodik; sie belegen vor allem, dass das Muster "normale Zahl, schlechte Beweglichkeit" in der Fachliteratur konsistent beschrieben wird.

Aus dem russischen Sprachraum liegt die narrative Übersicht Koršunov et al. 2021, Мужской фактор бесплодия при травматической болезни спинного мозга (Männlicher Infertilitätsfaktor bei traumatischer Rückenmarkserkrankung) [s75], vor. Sie hat keine Suchstrategie, und alle Zahlen stammen aus zweiter Hand; sie werden daher hier nur markiert wiedergegeben ("nach [s75], Primärquelle nicht abgerufen"). Nach dieser Übersicht seien keine wesentlichen Abweichungen im Spermiogramm in der Phase des spinalen Schocks gefunden worden, die Ejakulatqualität verschlechtere sich etwa zwei Wochen nach dem Trauma; im Hundemodell sei die mittlere aktive Beweglichkeit bis zum 21. Tag von 62,9 auf 20,1 % gesunken (p = 0,008), die Gesamtzahl der Spermien von 42,3 auf 29,4 Millionen (nicht signifikant); Hodenbiopsien bei 28 Männern hätten erhaltene Spermatogenese 1, 3 und 6 Monate nach dem Trauma in 39, 48 und 80 % gezeigt, was die Autoren als mögliche Umkehrbarkeit lesen. Hypogonadismus komme bei SCI bis zu 46 % vor, ein gesicherter Einfluss der Hormone auf die Spermatogenese sei nicht belegt. Der Text enthält Wiedergabefehler (er spricht zum Beispiel von "Spermatophor-Flagellen", gemeint sind die Flagellen der Spermien), und die Schlussfolgerung, sexuelle Funktionsstörungen seien bei SCI "nicht akut", ist nicht begründet. Die türkische Übersicht Açıkgöz et al. 2012, Spinal kord yaralanmalı olgularda cinsel işlev ve üreme bozuklukları (Sexuelle und Fortpflanzungsstörungen bei Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s134], fasst für 1982 bis 2011 die Neuroanatomie zusammen: Die sympathische, parasympathische und motorisch-sensible Innervation der Genitalien liege in den Segmenten Th11 bis L2, S2 bis S4 beziehungsweise S2 bis S3; bei Läsionen oberhalb von Th10 blieben nach dem Text autonome, somatische, Vibrations- und Elektroejakulation erhalten, bei thorakolumbalen Läsionen (Th11 bis L2) sei nur noch die EEJ möglich. Die Fortpflanzungsstörung beruhe auf der Kombination aus erektiler Dysfunktion, Ejakulationsversagen und abnormalen Samenparametern. Der Abstract enthält Widersprüche zwischen türkischer und englischer Fassung; die Aussagen sind nur als grobe Orientierung zu lesen. Çelik et al. 2016 [s106] beschreiben als Fallbericht eine Hodentorsion bei einem Mann mit SCI, die wegen fehlender Schmerzempfindung unterhalb der Läsion schwer zu diagnostizieren sei; Samendaten fehlen.

Metaanalyse zur Ejakulation: Chéhensse et al. 2013 [s126]

Systematische Übersicht mit Metaanalyse (Embase, PubMed, EBSCOhost, Cochrane Library). Aus 523 Studien gingen 45 mit zusammen n = 3851 Patienten mit SCI ein; ausgeschlossen waren Studien mit rektaler elektrischer Stimulation. Bei kompletter SCI trat Ejakulation nach Masturbation beziehungsweise Koitus bei 11,8 % (n = 1161) auf, nach PVS bei 47,4 % (n = 597) und nach Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation bei 54,7 % (n = 309). Bei inkompletter SCI waren es 33,2 % (n = 343), 52,8 % (n = 305) und 78,1 % (n = 32). Bei kompletter Läsion der sympathischen Zentren (Th12 bis L2), der parasympathischen und somatischen Zentren (S2 bis S4) oder aller Ejakulationszentren (Th12 bis S5) kam es nach PVS bei keinem Patienten zur Ejakulation (n = 5, n = 4, n = 21); nach Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation bei 4,9 % (n = 61), 30,8 % (n = 26) und 0 % (n = 16). Die Ejakulation nach PVS oder Acetylcholinesterase-Hemmern war bei 97,9 % (n = 48) der Patienten mit kompletter Läsion strikt oberhalb des Onuf-Kerns (S2 bis S4) rhythmisch-kräftig; eine komplette Läsion der Segmente S2 bis S4 schloss rhythmisch-kräftige Ejakulation aus (n = 5). Sank die Läsion auf L3 und tiefer, ging die Ejakulationsrate deutlich zurück. Die Autoren folgern, die Segmente zwischen L2 und S2 enthielten wahrscheinlich einen spinalen Ejakulationsgenerator beim Menschen (L3 bis L5). Stärke: größte quantitative Zusammenfassung zur Ejakulation nach SCI. Schwächen: gepoolt wurden Ejakulationsraten, keine Samenparameter; einzelne Gruppen sind sehr klein (n = 4 bis 32); der Abstract nennt keine Konfidenzintervalle und keine Heterogenität.

Die Miami-Datenbank: Beweglichkeit, Läsionsvollständigkeit, Verlauf

Kathiresan et al. 2012 [s137]. Retrospektive Chartanalyse des Male Fertility Research Program der Universität Miami, 1991 bis 2011. Von 528 Männern mit SCI erfüllten 444 die Einschlusskriterien (Ejakulation durch Masturbation n = 43, PVS n = 243, EEJ n = 158); Kontrollgruppe waren 61 gesunde Männer mit Proben durch Masturbation. Spermienbeweglichkeit: 36,9 % (SCI, Masturbation), 25,9 % (PVS; p < 0,001), 15,0 % (EEJ; p < 0,001), 58,0 % in der Kontrollgruppe (p < 0,001 gegenüber der SCI-Masturbationsgruppe). Spermienkonzentration (antegrad) 83,3 × 10^6 pro cc (Masturbation), 77,4 × 10^6 (PVS), 82,0 × 10^6 (Kontrolle) und 49,8 × 10^6 in der EEJ-Gruppe (p < 0,001). Unvollständige Läsionen: 84 % in der Masturbationsgruppe, 54 % bei PVS (p < 0,01), 41 % bei EEJ (p < 0,001). Stärke: große Fallzahl, einheitliches Zentrum. Schwächen: retrospektiv; die Gruppen sind durch die Ejakulationsfähigkeit selektiert, die mit der Läsionsvollständigkeit vermengt ist (siehe die Anteile unvollständiger Läsionen); keine Angabe zur Abstinenzzeit im Abstract.

Iremashvili et al. 2010, Fall-Kontroll [s144]. Retrospektive Fall-Kontroll-Analyse derselben Datenbank (500 Männer, 400 mit antegradem Ejakulat). Fälle: 30 Männer mit nach WHO-Kriterien normalem Volumen, normaler Konzentration und normaler Beweglichkeit; Kontrollen: 120 gematchte übrige Männer. Nur 30 von 400 hatten normale Parameter (7,5 %, eigene Berechnung aus den genannten Zahlen). Unvollständige Läsion (ASIA B bis D) war mit normalen Parametern assoziiert (OR 2,6; 95 % CI 1,1 bis 6,1; p = 0,028), ebenso die Möglichkeit, per Masturbation zu ejakulieren (OR 2,7; 95 % CI 1,1 bis 7,1; p = 0,037). Weitere Faktoren waren nicht prädiktiv. Stärke: konditionale logistische Regression mit Konfidenzintervallen. Schwächen: nur 30 Fälle, breite Intervalle, retrospektiv.

Iremashvili et al. 2010, Längsschnitt [s145]. 87 Männer mit mindestens zwei Samengewinnungen im Abstand von mindestens 3 Jahren; verallgemeinertes gemischtes lineares Modell. Mittleres Alter 30,1 Jahre (16 bis 48), mittlere Zeit seit Verletzung zum ersten Eingriff 7,1 Jahre (1 bis 26). Die Spermienkonzentration nahm leicht ab, alle anderen Parameter einschließlich Gesamtspermienzahl blieben unverändert; die Autoren schließen auf kein klinisch relevantes Fortschreiten. Schwäche: Selektion auf Männer mit mehrfacher Teilnahme; die frühe Phase nach der Verletzung ist nicht abgedeckt.

Brackett et al. 1998 [s175]. Retrospektive Analyse querschnittlicher Daten: 638 Proben von 125 Männern mit Verletzungen zwischen 6 Wochen und 26 Jahren zurück; Gewinnung durch PVS, EEJ und Masturbation. Kein Unterschied in Konzentration, Gesamtspermienzahl oder Beweglichkeit in Abhängigkeit von der Zeit seit der Verletzung (Intervalle von 2 Jahren). Schwäche: Querschnittsvergleich, keine echte Verlaufsbeobachtung; mehrere Proben desselben Mannes werden im Abstract nicht gesondert behandelt.

Celigoj et al. 2012, Verletzung vor der Pubertät [s136]. Von 533 Männern erfüllten 7 das Kriterium einer traumatischen SCI mit höchstens 11,9 Jahren zum Zeitpunkt der Verletzung (Alter 4,4 bis 11,9 Jahre). Drei Männer mit Verletzung vor dem 9. Lebensjahr waren azoosperm; einer mit Verletzung im Alter von 10 Jahren hatte eine subnormale Gesamtspermienzahl; die mit 11,9 Jahren Verletzten hatten normale Gesamtspermienzahlen, vergleichbar mit im Erwachsenenalter Verletzten. In den meisten Ejakulaten mit Spermien war die Beweglichkeit subnormal und vergleichbar mit der Erwachsener. Schwäche: nur 7 Männer, keine Kontrollgruppe.

Sønksen et al. 1999, wiederholte Ejakulation [s174]. Prospektive Interventionsstudie mit 19 anejakulatorischen Männern: PVS mindestens einmal wöchentlich über 12 Monate (Amplitude 2,5 mm, 100 Hz), Samenanalyse zu Beginn und alle 3 Monate; bei 9 Männern einseitige Hodenbiopsie vor und nach 12 Monaten. Normale Spermienzahlen bei niedriger Beweglichkeit zu Beginn; kein Parameter änderte sich signifikant über 12 Monate; alle Hormonwerte blieben im Normbereich. Von 9 Biopsien zeigten 6 (67 %) normale Spermatogenese zu Beginn, ohne überzeugende Veränderung danach. Die Autoren schließen, Stauung in den Samenwegen durch seltene Ejakulation sei nicht die Ursache der schlechten Samenqualität. Schwächen: 19 Männer, keine Kontrollgruppe, Biopsien nur bei 9.

Naderi und Safarinejad 2003 [s169] (Teheran; in synthese.json aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt). Querschnittliche Fall-Kontroll-Studie mit 55 Männern mit SCI, 36 gesunden altersgleichen Freiwilligen und 34 nicht verletzten infertilen Männern; gemessen wurden FSH, LH, Testosteron, Östradiol, Prolaktin, LHRH-Stimulationstest, Samenanalyse und Hodenvolumen. Acht SCI-Männer hatten niedriges basales LH, vier niedriges FSH, 16 erniedrigte Basalwerte beider Gonadotropine; von den Männern mit niedrigen Gonadotropinen hatten 9 niedriges Testosteron und 7 eine Hyperprolaktinämie. Die LH- und FSH-Antwort auf LHRH war gegenüber gesunden Kontrollen erhöht, aber nur bei SCI mit erniedrigten Gonadotropinen signifikant. Das Hodenvolumen unterschied sich nicht von den Kontrollen; das mittlere Ejakulatvolumen war niedriger (nicht signifikant). Spermienbeweglichkeit und Anteil normaler Formen waren gegenüber gesunden Kontrollen vermindert, nicht aber gegenüber infertilen Kontrollen. 51 % und 86 % der SCI-Männer hatten nach Angabe der Autoren mindestens eine hormonelle Auffälligkeit beziehungsweise eine Störung der Achse (die Zuordnung der beiden Werte ist im Abstract nicht eindeutig). Schlussfolgerung der Autoren: Hypogonadotropismus, wahrscheinlich durch gestörte neurale oder hormonelle Bahnen zwischen Hypothalamus und Hypophyse, könne zur Beeinträchtigung der Samenqualität beitragen. Stärken: zwei Kontrollgruppen, dynamische Hormontests. Schwächen: Querschnitt; Zahlenwerte fehlen im Abstract; keine Kausalität.

Chalas et al. 2022 [s57]. Prospektive longitudinale Pilotstudie über 18 Monate, 35 Männer mit SCI (18 bis 60 Jahre, mittleres Alter 29,4 ± 6,4), Samengewinnung alle 6 Monate (bis zu vier Ejakulate), Granulozyten und Elastase als Entzündungsmarker, Spermien-DNA-Fragmentation als Oxidationsstressmarker. Normale Gesamtspermienzahl, verminderte Beweglichkeit und Vitalität, vermehrte Formabweichungen, im Mittel erhöhte Rundzellen und Granulozyten. Weder Entzündungs- noch Oxidationsstressmarker, Läsionshöhe oder -vollständigkeit, Alter oder Zeit seit Verletzung hatten einen negativen Einfluss auf die Samenqualität im Verlauf; ein signifikanter Rückgang wurde nicht gesehen. Die Autoren sprechen von Pilotdaten. Schwächen: kleine Stichprobe, kurze Beobachtung.

Weitere Samenanalysen: Kairo, Iran, Spanien, Shandong, Italien

Momen et al. 2007, Kairo [s159]. Querschnittsstudie der Andrologie-Abteilung der Universität Kairo, 45 Männer mit SCI; Gewinnung durch Masturbation (n = 2), kräftige Prostatamassage (n = 13), PVS (n = 13) oder EEJ (n = 17). Mittleres Volumen 2,3 ± 1,9 ml; Spermienkonzentration 85,0 ± 83,8 Millionen/ml; Beweglichkeit 11,6 % (angegebene Streuung ± 0,1 %, offensichtlich ein Schreib- oder Berechnungsfehler); Vitalität 18,5 ± 5,2 %; normale Formen 17,5 ± 3,4 %; Eiterzellen 6,0 ± 8,2 Millionen/ml. Gesamtbeweglichkeit (13,4 ± 9,9 gegenüber 7,1 ± 6,8) und progressive Beweglichkeit (4,4 ± 3,9 gegenüber 2,2 ± 2,1) waren bei Männern mit niedrigerer Skrotaltemperatur signifikant höher. Zwischen EEJ und PVS bestand für keinen Samenparameter ein signifikanter Unterschied; Alter, seltene Ejakulation, Verletzungsdauer und Hormonprofil hatten keinen signifikanten Einfluss. Die Autoren sehen als wahrscheinlichste Ursache die erhöhte Skrotaltemperatur. Schwächen: keine gesunde Kontrollgruppe in der abgerufenen Zusammenfassung, gemischte Gewinnungswege, kleine Untergruppen; der Temperaturzusammenhang ist korrelativ.

Arafa et al. 2007, Kairo [s158]. Prospektive Serie, 69 Männer mit SCI, Prostatamassage zur Samengewinnung, Hormonbestimmung. Prostatasekret ließ sich bei 51 Männern (73,9 %) gewinnen, Spermien nur bei 22 (31,9 %). Deren Ejakulat zeigte eine Asthenoteratozoospermie mit verminderter Vitalität und vermehrten Leukozyten. Die Gewinnung gelang bei Verletzungen oberhalb von Th10 signifikant häufiger. Einordnung: Die Qualitätsaussage bezieht sich auf die selektierte Teilgruppe, bei der die Massage Spermien lieferte; Zahlen zu Beweglichkeit oder Morphologie fehlen im Abstract.

Salsabili et al. 2006, Teheran [s163]. Vergleichende Querschnittsstudie: 22 infertile Männer mit SCI, 20 mit Varikozele, 28 mit idiopathischer Infertilität; Chromatinreife mit Anilinblau. Der Score war in allen Gruppen hoch (über 75 %, entsprechend Unreife), bei SCI aber höher (98 % gegenüber 89 % und 88 %; p < 0,01). Mittlere Beweglichkeit und Morphologie: SCI 15,5 % und 15 %, Varikozele 43 % und 15 %, idiopathisch 62,5 % und 54 %. Spermienzahlen lagen in allen Gruppen im Referenzbereich; die Chromatinreife korrelierte nicht mit dem Spermiogramm. Schwächen: kleine Gruppen, keine gesunde Kontrolle. Salsabili et al. 2009 [s150]: Fall-Kontroll-Studie, 93 Männer mit SCI, 145 neurologisch Gesunde; Zink und Kupfer im Samenplasma hingen bei SCI mit der Beweglichkeit zusammen (korrelativ, keine weiteren Zahlen im Abstract). Talebi et al. 2013, Yazd [s130]: 30 infertile Männer mit SCI und 30 gesunde fertile Spender; Konzentration, Beweglichkeit und Morphologie waren bei SCI signifikant vermindert (p < 0,05), die Anteile reaktiver Spermien in Anilinblau-, Chromomycin-A3-, Toluidinblau-, Acridinorange- und TUNEL-Test signifikant erhöht (p < 0,05). Schwäche: nur bereits infertile Männer mit SCI (Selektion), Kontrollen sind selektierte Spender.

Vargas-Baquero et al. 2020 [s84]. Retrospektive deskriptive Studie (Toledo und Madrid), 27 Männer mit SCI (PVS) gegenüber 10 normozoospermen fertilen Spendern. SCI: schlechtere progressive Beweglichkeit (p = 0,0002), höhere Spermien-DNA-Fragmentation (p < 0,00005), höhere pro-oxidative Kapazität (p = 0,0191), mehr Leukozytospermie (p < 0,00005). Keine signifikante Korrelation der Samenqualität mit der Zeit seit der Läsion; die Abstinenzzeit korrelierte positiv mit der DNA-Fragmentation (r = 0,486; p = 0,041). Bei zervikaler Läsion war die Spermienkonzentration höher als bei thorakaler (p = 0,0257); komplette Läsionen (AIS A) hatten geringere progressive Beweglichkeit als inkomplette (AIS B bis D; p = 0,0040). Die Autoren vermuten Ansammlung und Zerfall von Spermien im Cauda epididymidis. Schwächen: nur 10 Kontrollen, retrospektiv, Hypothese nicht direkt geprüft.

Gosálvez et al. 2022 [s59]. Fall-Kontroll-Laborstudie, 20 Männer mit SCI und 27 normozoosperme Spender; TwoTails-Comet-Assay zur Unterscheidung von Einzel- (SSB) und Doppelstrangbrüchen (DSB); DNase-Aktivität im Samenplasma bei 15 Personen. Anteil DSB bei SCI median 57,5 % gegenüber 4,6 % bei Normozoospermen (p = 0,000); der Anteil SSB war bei Normozoospermen höher (6,0 % gegenüber 2,5 %; p = 0,022). Das Verhältnis DSB zu SSB betrug bei SCI 3,3, bei Normozoospermen 0,9. Hohe DNase-Aktivität im Samenplasma der SCI-Gruppe. Schwächen: kleine Gruppen; Spender sind nicht altersgleich und nicht mit gleichem Gewinnungsweg gewonnen. Bartolomé-Nebreda et al. 2021 [s66]: 15 Männer mit SCI und erhöhter DNA-Fragmentation gegen 15 Spender; zellfreie DNA-Bande bei etwa 150 Basenpaaren (gelegentlich 90) in allen SCI-Proben, nicht bei Spendern; DNase im Samenplasma aktiv, verdaute sie aber nicht. Rein deskriptiv.

Qiu et al. 2012 [s139] und [s140]. Zwei Arbeiten derselben Gruppe (Shandong) mit denselben 16 Kontrollspendern; sie sind keine unabhängigen Replikationen. In [s139] (Journal of Andrology) wurden 12 infertile Männer mit SCI (perkutane Vasalspermien-Aspiration, PVSA), 14 Männer mit SCI (PVS) und 16 Spender verglichen (HOS-Test, Chromatindispersion, TUNEL, Mehrfarben-FISH für die Chromosomen 13, 18, 21, X, Y). Der Anteil beweglicher und normal geformter Spermien, der HOS/Eosin-Test und die DNA-Fragmentierung unterschieden sich zwischen SCI und Kontrolle signifikant (P < 0,05 und P < 0,01). Die Vorwärtsbeweglichkeit war in der PVSA-Gruppe größer als in der PVS-Gruppe (P < 0,01), die DNA-Fragmentierung in der PVS-Gruppe höher (P < 0,05). Aneuploidieraten der SCI-Patienten: 1,5- bis 1,6-fach höher für 13, 18 und 21, 2,3- bis 2,4-fach höher für X und Y (P < 0,001). Rundzellen in der PVS-Gruppe 1 bis 12 Millionen/ml. In [s140] (Journal of Assisted Reproduction and Genetics) standen 18 infertile Männer mit SCI (PVS) 14 Männern mit psychogener Anejakulation (PVSA) gegenüber: Beweglichkeit, normale Morphologie und DNA-Fragmentierung unterschieden sich zwischen SCI und Kontrolle signifikant; die Beweglichkeit war in der psychogenen Gruppe höher (P < 0,01), die DNA-Fragmentierung in der SCI-PVS-Gruppe höher (P < 0,05); Aneuploidie bei SCI 2,4-fach erhöht für 13, 18 und 21 und 2,2-fach für X und Y (P < 0,0001); Rundzellen 1 bis 8 Millionen/ml. Die Autoren lassen offen, ob erhöhte Hodentemperatur, Harnwegsinfektion oder andere Faktoren ursächlich sind. Einschränkung: Gewinnungsverfahren und Erkrankung sind in beiden Vergleichen vermischt; Verletzungshöhe, -dauer und Alter fehlen im Abstract; die Gruppen sind sehr klein.

Cito et al. 2020 [s77]. Retrospektive monozentrische Fall-Kontroll-Studie, 53 Paare mit SCI gegenüber 140 Paaren mit idiopathischer männlicher Infertilität, 210 frische IVF/ICSI-Zyklen. Ejakulatvolumen median 1,5 ml gegenüber 3,1 ml (p < 0,01); Spermienkonzentration und Gesamtzahl höher bei SCI; progressive Beweglichkeit 5,0 % gegenüber 35,0 % (p < 0,01); normale Befruchtung 46,0 % gegenüber 71,0 % (p < 0,01); Gesamtbefruchtungsrate 50,0 % gegenüber 75 %. Schwangerschaftsrate pro Zyklus 21,4 % (SCI) gegenüber 31,4 % und Lebendgeburtenrate 20,0 % gegenüber 27,1 %, ohne signifikante Unterschiede bei Schwangerschafts-, Fehlgeburts- und Lebendgeburtenrate pro Zyklus. Stärke: direkter Vergleich mit Kontrollgruppe. Schwäche: Kontrollgruppe mit anderer Infertilitätsursache.

Čehić et al. 2025 [s24]. Retrospektive Kohorte, 156 infertile Paare mit Azoospermie: 82 Männer mit SCI (TESA, kryokonservierte Spermien, ICSI), 74 mit obstruktiver Azoospermie. Die Spermienqualität war bei SCI schlechter, aber nicht signifikant; Zenica- und Johnsen-Score zeigten schlechtere Befunde bei SCI (p = 0,001 und p = 0,000). Keine signifikanten Unterschiede bei Embryozahl (p = 0,698), Schwangerschaftsrate pro Zyklus (p = 0,979), klinischer Schwangerschaftsrate pro Transfer (p = 0,987) und Geburtenrate pro Transfer (p = 0,804).

Einordnung nach Sprachräumen. Keine der türkischen Arbeiten zur SCI enthält eigene Samenparameter: Engin-Üstün et al. [s161] vergleichen Verfahren nach Schwangerschaftsrate (siehe unten), Açıkgöz et al. [s134] und Çelik et al. [s106] sind Übersicht und Fallbericht. Die Moskauer Arbeiten zur diabetischen Neuropathie und die Petersburger Serie [s104] liefern Samenwerte nur für Männer mit wiederhergestelltem oder gewonnenem Ejakulat.

Spermienantikörper, Hormone und Hormonprovokation

Dahlberg und Hovatta 1989 [s191]. Querschnittsstudie mit 16 Männern mit SCI, Test auf Antispermien-Antikörper (MAR-Test, Agglutination). Alle hatten Anejakulation ohne Hilfsmittel; sieben ejakulierten extern durch Vibrator oder EEJ, sieben hatten retrograde Ejakulation, bei zweien wurde kein Samen gewonnen. Spermiendichte im externen Ejakulat durchschnittlich 405 × 10^6/ml bei 10 bis 45 % Beweglichkeit. Kein Mann hatte Antispermien-Antikörper, auch nicht bei bis zu 30 Jahren Dauer; die Autoren schließen, Anejakulation und Spermienretention lösten keine Antikörperbildung aus. Beretta et al. 1993, [Anti-sperm antibodies in dysspermia in spinal cord injury patients] (Antispermien-Antikörper bei Dysspermie von Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s187] (Archivio Italiano di Urologia, Andrologia; italienischsprachig): zwei Gruppen anejakulatorischer Männer mit SCI, 16 ohne und 13 mit Harnwegsinfektion; Spermienantikörper bei 12 % der ersten und 38 % der zweiten Gruppe. Das Ergebnis steht im Gegensatz zu [s191]; Infektionsstatus, Testverfahren und Ejakulationsform kommen als Erklärung infrage, was die Abstracts aber nicht klären.

Bauman et al. 2016 [s105]. Prospektive Stimulationsstudie, 30 gesunde Männer mit chronischer SCI (37 ± 10 Jahre) und 38 Kontrollen; 100 µg GnRH intravenös, 4000 IE hCG intramuskulär. Der Anteil der GnRH-Responder war bei SCI ähnlich wie bei Kontrollen (FSH 22 Männer [73 %], LH 23 Männer [76 %]); die SCI-Responder hatten eine stärkere FSH-Antwort (p < 0,05), die LH-Fläche unter der Kurve war tendenziell größer (p = 0,06). Die Testosteronantwort auf hCG war in allen Gruppen ähnlich. Die Autoren sehen einen fehlenden hypothalamischen Antrieb der Gonadotropin-Freisetzung bei chronischer SCI. Bauman et al. 2017 [s98]. 30 Männer mit chronischer SCI (16 eugonadal mit Testosteron über 12,1 nmol/l, 14 hypogonadal) und Männer ohne Verletzung (11 eugonadal, 27 hypogonadal), hCG in drei Dosen (400, 2000, 4000 IE) an zwei Tagen. Die mittlere Testosteronantwort unterschied sich zwischen SCI und Kontrollen nicht und war ausreichend; die Autoren schließen auf keine primäre testikuläre Störung und stützen frühere Befunde einer sekundären testikulären Funktionsstörung bei der Mehrzahl der Männer mit SCI und niedrigem Testosteron. Beide Studien untersuchten keine Samenparameter.

Japanische Hormon- und Frühbefunde. Mikuriya et al. 1990, 脊髄損傷患者の生殖機能の検討 (Untersuchung der Fortpflanzungsfunktion bei Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s190] (Nihon Hinyokika Gakkai Zasshi, Kanagawa): Samenbefunde bei 18 Patienten mit kompletter, 5 mit inkompletter Verletzung und 3 mit "Dyspermatismus" (erzwungene Ejakulation). Die Spermienzahl blieb in allen drei Gruppen relativ hoch, die Beweglichkeit war überall vermindert, der Anteil missgebildeter Spermien war bei kompletter Verletzung am höchsten. Hormone (Radioimmunoassay): 27 Patienten im akuten und 47 im chronischen Stadium (ab drei Monaten), bei 8 Verlaufskontrolle; FSH war in beiden Stadien niedrig, LH und Testosteron neigten im chronischen Stadium zu höheren Werten, Testosteron war bei allen acht Verlaufsfällen erhöht. Die Autoren schließen auf eine vorübergehende Störung der Leydig-Zellfunktion. Schwächen: keine Kontrollgruppe, keine Zahlen im Abstract. Kaneko und Miyazaki 1993, 電気刺激による射精障害患者からの精液採取法の研究 (Untersuchung der Samengewinnung durch elektrische Stimulation bei Patienten mit Ejakulationsstörung) [s188]: 41 Patienten (40 mit SCI, einer nach radikaler Rektumoperation) mit EEJ nach Brindley und/oder modifiziert nach Seager. Samenabgabe gelang bei 11 von 18 mit der Brindley-Technik und bei 24 von 29 mit der Seager-Technik. Häufigste Komplikationen waren autonome Dysreflexie und Schmerz, nach Stimulationsende rasch abklingend. Zur Samenqualität: Die Gesamtspermienzahl nahm mit zunehmendem Abstand von der Verletzung ab; auch im ersten Monat nach der Verletzung war die Beweglichkeit niedrig, was die Autoren als Hinweis auf eine frühe Funktionsstörung von Hoden und Nebenhoden deuten. Schwächen: keine Kontrollgruppe, überlappende Untergruppen, keine Zahlenwerte zur Spermienzahl.

In-vitro-Untersuchung zur Stimulation. Saito et al. 1999 [s173] (International Journal of Urology): Unter monopolarer Impulsstimulation sanken Beweglichkeitsrate und Geschwindigkeit menschlicher Spermien in Elektrodennähe mit steigender Impulszahl und Stromstärke; in der Mitte zwischen den Elektroden änderte sich nichts; bei mehr als 80 V pro 2 mm standen die Spermien unabhängig vom Ort still. Bei Nachbildung der klinischen rektalen Sonden-Elektroejakulation (Sinusstrom, 50 V pro 10 mm, 60 Sekunden) änderte sich die Beweglichkeit außerhalb des Elektrodenbereichs nicht; die Autoren schließen, die klinische EEJ scheine die Beweglichkeit nicht zu beeinträchtigen. Schwäche: Probenzahl im Abstract nicht genannt; Modell.

Kryokonservierung

Krebs et al. 2015 [s113]. Querschnittsstudie an der Samenbank einer Rehabilitationsklinik; 28 Proben von 16 Männern mit SCI, vor und median 11 Jahre (95 % CI 7 bis 13) nach Kryokonservierung. Vor dem Einfrieren: Ejakulatvolumen median 1,7 ml (95 % CI 1 bis 3), Konzentration median 106 × 10^6/ml (95 % CI 82 bis 132), Gesamtbeweglichkeit 19 % (95 % CI 13 bis 22), Vitalität 27 % (95 % CI 19 bis 45). Nach dem Auftauen sank die Gesamtbeweglichkeit auf 2,5 % (95 % CI 0 bis 4; p < 0,0001) und die Vitalität auf 7 % (95 % CI 6 bis 13; p < 0,0001). Kein Unterschied zwischen früh (bis 3 Wochen) und später gewonnenen Proben (p = 0,75); komplette SCI verminderte die Vitalität frischer Proben (p < 0,0001), Tetraplegie die Vitalität vor und die Beweglichkeit nach dem Einfrieren (p < 0,035). Schwäche: kleine Zahl, Vorher-Nachher-Vergleich ohne Kontrollgruppe ohne SCI.

Da Silva et al. 2010 [s142]. Prospektive kontrollierte Studie mit Männern mit und ohne SCI-bedingte Anejakulation; Einfrieren im Test-Eigelb-Puffer, Comet-Assay und Mitochondrienaktivität. Vor dem Einfrieren keine Unterschiede bei Konzentration und Gesamtzahl; bei SCI geringeres Volumen, verminderte Morphologie, mehr Rundzellen und Neutrophile. In beiden Gruppen führte das Einfrieren zu mehr DNA-Fragmentation, geringerer Mitochondrienaktivität und geringerer Beweglichkeit; der Beweglichkeitsrückgang war in der Kontrollgruppe größer. Die Schäden seien bei SCI nicht größer gewesen. Fallzahlen nennt der Abstract nicht. Reignier et al. 2018 [s94]. Retrospektive Kohorte, 78 Männer mit SCI, Überweisung zur Kryokonservierung 1998 bis 2013, Vergleichsgruppe alle ICSI-Zyklen der IVF-Einheit 2009 bis 2014. Gewinnung: 37 EEJ, 37 PVS, 4 chirurgisch. Niedriges Ejakulatvolumen bei 33 %, Oligozoospermie bei 37 %; bei 77 Männern bewegliche Spermien. Kein Unterschied der frischen Parameter zwischen den Gewinnungsgruppen. 20 Männer erhielten ICSI mit fünf Lebendgeburten, 4 eine intrauterine Insemination; die Ergebnisse mit aufgetauten Spermien waren nach Angabe der Autoren mit der infertilen Vergleichspopulation vergleichbar. Bechoua et al. 2013 [s125]. Retrospektive Kohorte in Dijon über 17 Jahre, 19 Männer (6 Tetraplegiker, 13 Paraplegiker, mittleres Alter 25,2 ± 5,6 Jahre); zehn mit antegradem Ejakulat, neun mit chirurgischer Gewinnung; Befruchtungsraten 57 % und 55 %, Teilungsraten 90 % und 93 %; von 8 Paaren mit ICSI wurden 5 schwanger (50 % pro Paar antegrad, 75 % chirurgisch). Sehr kleine Zahlen. Kanto et al. [s147] (siehe unten) fanden bei SCI-Paaren eine Schwangerschaftsrate pro ICSI mit frischen Hodenspermien von 64 % gegenüber 25 % mit aufgetauten, bei obstruktiver Azoospermie 76 % gegenüber 63 %.

Entzündungsproteine und Proteom beim Menschen

Zhang et al. 2013 [s131]. Prospektive Laborstudie, je 28 Männer mit und ohne SCI; ELISA für Caspase-1, Interleukin (IL) 1β und IL-18 im Samenplasma, Western Blot für ASC und Caspase-1 in Spermienfraktionen. ASC, Caspase-1, IL-1β und IL-18 waren im Samenplasma der SCI-Gruppe gegenüber Kontrollen erhöht; ASC und Caspase-1 auch in den Spermien (ASC in Akrosom, Äquatorialsegment und Mittelstück, Caspase-1 im Mittelstück); nach Angabe der Autoren der erste Nachweis von ASC im menschlichen Samen. Schwächen: Korrelation; keine p-Werte im Abstract. Pacheco de Melo et al. 2025 [s33]: 8 Männer mit SCI und 8 Kontrollen; Inflammasom-Proteine sowie β-2-Mikroglobulin, Cystatin-S und zwei Biglycan-Isoformen erhöht; keine Zahlen im Abstract. Da Silva et al. 2013 [s127]: 12 SCI-Patienten (6 EEJ, 6 PVS), 10 Kontrollen; 638 Proteine (MS^E) und 18 (2D-SDS-PAGE); Prozesse zu Aktin, Muskelfunktion und Eisenhomöostase nur in EEJ- und PVS-Gruppen, Antwort auf Wasserstoffperoxid und erhöhte Immunantwort nur in der PVS-Gruppe; Gewinnungsweg und Läsionsmerkmale sind vermengt.

Interventionen in der Probe und am Menschen (als Studienergebnisse)

Ibrahim et al. 2014 [s119]. Prospektive In-vitro-Untersuchung an Samenproben von 32 Männern mit SCI: unbehandelt gegenüber Probe mit Anti-ASC-Antikörper, IgG als Kontrolle. Die mittlere Beweglichkeit stieg von 11,5 % (95 % CI 6,3 bis 16,7) auf 18,3 % (95 % CI 11,8 bis 24,8); in der Untergruppe mit Ausgangsbeweglichkeit 6 bis 40 % von 13,3 % (95 % CI 9,3 bis 17,3) auf 23,9 % (95 % CI 14,7 bis 23,0). Die obere Grenze steht so im Abstract (beim erneuten Abruf über Europe PMC bestätigt) und liegt unter dem Mittelwert; vermutlich ein Druckfehler der Quelle. IgG änderte die Beweglichkeit nicht; die Gesamtzahl beweglicher Spermien nahm zu. Einschränkungen: In-vitro-Versuch, kleine Zahl; zwei Autoren halten ein Patent zur Behandlung von Entzündung nach ZNS-Verletzung mit Antikörpern gegen Inflammasom-Proteine. Ibrahim et al. 2018 [s93]. Prospektive einarmige Kohortenstudie, 20 Männer mit SCI; Probenecid (Hemmstoff des Pannexin-1-Kanals) für 4 Wochen (250 mg zweimal täglich in Woche 1, danach 500 mg zweimal täglich), Samenanalyse vor, nach der Behandlung und 4 Wochen später. Die Beweglichkeit verbesserte sich bei jedem Teilnehmer; progressive Beweglichkeit im Mittel von 19 % auf 26 % (p < 0,05), schnelle lineare Beweglichkeit von 5 % auf 17 % (p < 0,001), anhaltend in der Nachbeobachtung. Gesamtzahl beweglicher Spermien 15 Mio. vor, 28 Mio. nach, 27 Mio. in der Nachbeobachtung; die Konzentration blieb unverändert (52, 53, 53 Mio.). Gut vertragen. Schwächen: kein Placebo, keine Randomisierung, keine Fertilitätsendpunkte. Camargo et al. 2021 [s68]: 9 Männer mit SCI unter Probenecid (4 Wochen); Proteomik: 783 Proteine, 17 nahmen ab, 6 zu; hypothesengenerierend.

Caremel et al. 2012 [s135]. Retrospektive Fallserie, 11 Männer mit kompletter Läsion von C5 bis Th6, die Botulinumtoxin in die Blasenwand wegen Überaktivität erhalten hatten, mit Ejakulationstests vorher und nachher. Kein Patient behielt eine natürliche Ejakulation; nach der Behandlung nahm die retrograde Ejakulation (Vibrostimulation) in 46 % zu, das Samenvolumen in 77 % ab (von durchschnittlich 1,8 ml auf 1 ml); die Samenqualität war leicht verbessert (Beweglichkeit in 67 %, Vitalität in 50 %, Samenkultur in 43 %). Schwächen: 11 Männer, keine Kontrolle, Mechanismus nur gedeutet. Okada et al. 2021, Mirabegron [s72]. 30 Patienten mit SCI (20 bis 48 Jahre), alle mit TESE; 10 mit Mirabegron 50 mg/Tag über mehr als 2 Jahre, 20 ohne Anticholinergika und ohne Mirabegron. Kein Unterschied der Spermiengewinnungsrate (p = 0,083); histologisch bessere Spermatogenese in der Mirabegron-Gruppe (p < 0,05); die Autoren schließen, die therapeutische Dosis schädige die Spermatogenese nicht. Schwächen: nicht randomisiert, nur Männer mit ohnehin indizierter TESE, Verletzungsdauer und -höhe im Abstract nicht angegeben.

Midodrin. Leduc et al. 2015 [s115]: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie. Von 78 angesprochenen Männern mit SCI-bedingter Anejakulation (Läsion oberhalb Th10, über 1 Jahr) wurden 23 (Läsionshöhe C4 bis Th9) randomisiert, 20 schlossen ab (je 10). Ejakulation bei 1 Teilnehmer der Midodringruppe und bei 2 der Placebogruppe; autonome Dysreflexie unter PVS bei drei Patienten. Die Autoren sehen keine bessere Rate antegrader Ejakulation mit Midodrin. Die einzige randomisierte placebokontrollierte Studie zur Anejakulation bei SCI in der Sammlung, aber zu klein für eine sichere Aussage. Safarinejad 2009 [s149]: randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie bei organischer Anejakulation ohne SCI (der Titel schließt SCI ausdrücklich aus), n = 128 (je 64). Placebo: bei niemandem Ejakulation; Midodrin: antegrad bei 18 (29,5 %), retrograd bei 8 (13,1 %), antegrad plus retrograd bei 9 (14,8 %) (alle p = 0,01); das beste Ansprechen hatten Patienten mit Multipler Sklerose, das schlechteste Patienten mit beidseitiger Sympathektomie; nach dem Abstract verbesserte Midodrin die Ejakulationsfunktion in dosisabhängiger Weise (Dosis 7,5 bis 15 mg pro Tag in Stufen); 4 Teilnehmer (6,3 %) brachen wegen Nebenwirkungen ab. Die Prozentangaben beziehen sich im Abstract offenbar auf 61 ausgewertete Patienten; Gruppengrößen pro Ursache fehlen. Die Studie belegt keine Wirkung bei SCI. Hadiji et al. 2013, [Evaluation of the management of erectile and ejaculatory dysfunction in a series of 90 patients with spinal cord injuries] (Bewertung der Behandlung von Erektions- und Ejakulationsstörungen in einer Serie von 90 Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s128]: retrospektive monozentrische Studie bei 90 Patienten mit Läsion des Conus medullaris (komplette Läsion S2 bis S4); Behandlungsversuche mit Prostaglandin E1, PDE5-Hemmern und Papaverin bei 77 von 90 (85,55 %); PVS (teils mit Midodrin) bei 74 von 90 (82,22 %). Ansprechen auf PGE1 und PDE5-Hemmer 81,63 % und 30,76 %; die Kombination aus Vibration und Midodrin verbesserte die Ejakulation in 52,63 %; Orgasmus fehlte bei allen. Schwäche: Ejakulationsergebnis nicht nach Samenqualität aufgeschlüsselt.

Vibrationsverfahren, Ejakulationsdyssynergie und Fallberichte zur Ejakulation

Chong et al. 2017 [s100]. Prospektive Cross-over-Studie, 15 Männer mit SCI, drei PVS-Methoden (ein FertiCare-Gerät; Glans zwischen zwei FertiCare-Geräten; Glans zwischen den beiden Vibrationsflächen des Viberect-X3). Ejakulationsraten bei allen Methoden hoch; die Latenz war mit dem Viberect-X3 signifikant länger, der Viberect-X3 wurde von den Teilnehmern schlechter bewertet; zwischen den ersten beiden Methoden kein Unterschied. Zahlen stehen nicht im Abstract. Alisseril et al. 2021 [s65]. Prospektive Beobachtungsstudie, 23 Männer mit Paraplegie (33,2 ± 6,8 Jahre), zwei PVS-Versuche mit Hochamplituden-Vibrator; alle vier Männer mit neurologischer Höhe oberhalb Th9 ejakulierten; von den klinischen Parametern war nur das Auftreten somatischer Reaktionen während PVS signifikant (p = 0,02). Soler et al. 2016 [s111]. Prospektive Beobachtungsstudie, 33 Männer mit Anejakulation bei sexueller Stimulation; PVS nach Blasenkatheterisierung mit Pufferlösung, danach Katheter in die Harnröhre und anschließend Blase; 42 Versuche bei 22 Patienten. In 21 Proben (50 %) von 12 Patienten (11 mit SCI, 1 mit Diabetes) fanden sich Spermien in der prostatischen Harnröhre; die Beweglichkeit war in 8 Proben größer, die Zahl in 10 höher als in den Blasenproben; 10 Proben aus der Harnröhre konnten eingefroren werden gegenüber 5 aus der Blase. Vier von fünf wiederholt untersuchten Patienten hatten ein reproduzierbares Muster ("Ejakulationsdyssynergie"). Schwäche: kleine Stichprobe, keine Schwangerschaftsergebnisse.

Japanische Elektroejakulations- und Fallberichte. Momose et al. 1995 [s183]: 328 Versuche bei 53 Patienten (19 bis 47 Jahre; 1 bis 38 Jahre nach Verletzung), Seager-Gerät; antegrade Ejakulation bei 46 (86,8 %); bei Blasenlähmung vom Typ oberes Motoneuron 93 %, beim Typ unteres Motoneuron 63,6 % (P < 0,05); Beweglichkeit im Durchschnitt nur 17,2 %; künstliche Insemination in 54 Versuchen bei 11 Ehefrauen, zwei dokumentierte Geburten. Yamamoto et al. 1997, 脊髄損傷患者に対する Electroejaculation と人工授精について (Elektroejakulation und künstliche Befruchtung bei Patienten mit Rückenmarksverletzung) [s180]: 69 Patienten (14 zervikal, 49 thorakal, 6 lumbal; mittleres Alter 30 Jahre, mittleres Intervall seit Verletzung 9 Jahre); antegrade Ejakulation bei 60 (86,9 %), bei unteraktiver Blase nur 58,3 %; Volumen 0,05 bis 5,2 ml (Mittel 1,0 ml), Konzentration 0 bis 546 Mio./ml (Mittel 40,3), Beweglichkeit 0 bis 70 % (Mittel 9,4 %); assistierte Reproduktion in 87 Anwendungen (AIH 80, IVF 2, ICSI 5) bei 15 Paaren: 4 Schwangerschaften (AIH 2, ICSI 2), 3 gesunde Lebendgeburten. Yamamoto et al. 1997, Fallbericht [s181]: ein tetraplegischer Mann zeugte mit EEJ und ICSI ein Kind (keine Spermienwerte im Abstract). Die drei Arbeiten [s183, s180, s181] stammen aus demselben Urologieprogramm. Hazama et al. 1988, [A case of a complete paraplegic fathering a girl following artificial insemination after an intrathecal neostigmine injection] (Ein Fall eines komplett Querschnittgelähmten, der nach intrathekaler Neostigmin-Injektion und künstlicher Befruchtung eine Tochter zeugte) [s192]: im zehnten Versuch 3 ml Samen mit 240 Mio. Spermien/ml, davon 5 % beweglich; Schwangerschaft und Geburt eines Mädchens; die Versuche 1 bis 9 führten nicht zur Befruchtung. Nagai et al. 1998 [s177]: ein SCI-Fall mit Anejakulation, drei IUI mit Samen nach intrathekalem Neostigmin ohne Schwangerschaft, dann IVF mit Embryotransfer (Ejakulatvolumen 4,5 ml, 33 Mio./ml, Beweglichkeit 33 %) und Drillingsgeburt; der zweite Fall war nicht neurologisch gesichert. Otani et al. 1994 [s185]: 28-jähriger Mann mit kompletter zervikaler Verletzung (C5); nach intrakavernöser Papaverin-Selbstinjektion kehrte die Ejakulation zurück; die Partnerin gebar nach normalem Verkehr ein Mädchen; keine Samenanalyse. Kyono et al. 2001 [s171]: Mann mit Klinefelter-Syndrom (47,XXY) und SCI; aus einer Hodenbiopsie wurden bewegliche Spermien gewonnen, drei von vier injizierten Eizellen befruchtet, eine Schwangerschaft mit Herzaktion in der sechsten Woche; die Doppelerkrankung verbietet eine Übertragung auf typische SCI-Fälle. Soda et al. 2025, [Testicular Sperm Extraction in an Unmarried Male Patient with Spinal Cord Injury: A Case Report] (Hodenspermienextraktion bei einem unverheirateten männlichen Patienten mit Rückenmarksverletzung: Fallbericht) [s39] (Hinyokika Kiyo, japanischsprachig): 32-jähriger Mann, Verletzung der Halswirbelsäule mit 23 Jahren, TESE in Narkose wegen Gefahr der autonomen Hyperreflexie, Johnsen-Score 10,0, Kryokonservierung; die Kosten wurden nicht von der Krankenversicherung gedeckt.

Seager 2014 [s123] und Expertenrunde 2014 [s118]. Seager, Использование электроэякуляции у мужчин с невозможностью естественного семяизвержения: 30-летний опыт (Einsatz der Elektroejakulation bei Männern ohne natürliche Ejakulation: 30 Jahre Erfahrung) [s123], russische Übersetzung eines Erfahrungsberichts des Geräteentwicklers: früherer Bericht (1990) mit 266 Patienten, mehr als 2 500 Verfahren, daraus 37 Schwangerschaften; insgesamt mehr als 4 000 Verfahren ohne gemeldete unerwünschte Wirkungen; Ejakulation meist bei 5 bis 12 W und 300 bis 600 mA. Starker Interessenkonflikt; die Aussage "100 % Erfolg" bezieht sich auf Gewinnung, nicht auf Qualität; keine Samenparameter. Методы сбора эякулята: преимущества, недостатки и влияние на показатели спермограммы (Methoden der Ejakulatgewinnung: Vorteile, Nachteile und Einfluss auf das Spermiogramm) [s118] ist das Protokoll einer Diskussion auf dem XIII. Kongress der Russischen Urologischen Gesellschaft (Moskau, 6. bis 8. November 2013): Božedomov hält die EEJ nur bei Rückenmarkverletzten unter lokaler Betäubung für anwendbar; durch das Fehlen eines normalen Sexuallebens enthalte das Ejakulat stark erhöht "alte" Spermien mit beginnender Apoptose und DNA-Defekten, ihr Einsatz könne weniger wirksam und sicher sein als bei Spermien aus Nebenhoden oder Hoden. Das sind Expertenmeinungen ohne Datenerhebung; die Aussage zu "alten" Spermien ist eine Hypothese.

Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Rückenmarksverletzung: Samenparameter in großen und mittleren Kollektiven bis Rückenmarksverletzung: Sexual- und Ejakulationsfunktion ohne Samenanalyse
  6. Rückenmarksverletzung: Verfahren der Samengewinnung bis Rückenmarksverletzung: Prospektive und retrospektive Studien mit therapeutischem Eingriff
  7. Multiple Sklerose: humane Studien bis Nicht in diesem Kapitel behandelt: Tierversuche und Einzelfallberichte
  8. Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  9. Leitlinien und Konsensdokumente
  10. Übersichten zum Gesamtbild bis Vibrationsverfahren, Ejakulationsdyssynergie und Fallberichte zur Ejakulation
  11. Operative Gewinnung und Ergebnisse assistierter Reproduktion
  12. Rückenmarksverletzung: Tierversuche bis Neuropathie und Diabetes
  13. Weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) und Zusammenfassende Gewichtung der Studienlage
  14. Mechanismen und biologische Plausibilität
  15. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  16. Englisch bis Japanisch
  17. Koreanisch bis Türkisch
  18. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  19. Limitationen der Evidenz
  20. Offene Forschungsfragen
  21. Praktische Einordnung
  22. Glossar
  23. Quellenverzeichnis
  24. Diagramme
  25. Quellen
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle