Rückenmarksverletzung: Tierversuche
Tierversuche liefern Mechanismen, deren Übertragbarkeit auf den Menschen begrenzt ist: Querschnittsmodelle bei Nagern haben andere Ejakulationsphysiologie, Haltungsbedingungen und Zeitverläufe, und die Läsionen liegen meist bei Th8 bis Th10. Die Stichproben sind klein, und Abstracts nennen meist keine Effektgrößen mit Konfidenzintervallen. Die iranischen Modelle stammen überwiegend aus denselben Arbeitsgruppen.
Mäuse und weitere Modelle. Rezaian et al. 2009 [s148] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 75 Mäuse (SCI, Sham, Kontrolle, je 25), Kontusion Th9, Nebenhodenspermien am Tag 1 und nach 1, 2, 4 und 6 Wochen, RT-PCR für CatSper-Gene (Kalziumkanäle der Spermienbeweglichkeit). Die Rückenmarksverletzung beeinträchtigte Spermatogenese sowie Spermienqualität und -quantität; CatSper 1 und 2 waren nach 4 und 6 Wochen signifikant herunterreguliert; alle Spermienparameter reduziert (keine Zahlenwerte im Abstract). Yuan et al. 2017 [s103] (Th10, Melatonin): Hodenblutfluss vermindert, Malondialdehyd und Myeloperoxidase erhöht, ZO-1 und Occludin vermindert; Melatonin kehrte dies um; Spermien nicht gemessen. Zhuang et al. 2024 [s54] (Ratte; Tier- und Zellversuche; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): SCI-Modell mit niedrigem Testosteron und Spermatogenesestörungen; Stickstoffmonoxid (NO) im Hoden erhöht, Lipophagie in Zwischenzellen vermindert (über den AMPK/mTOR/ULK1-Weg), M1-Makrophagen als Hauptquelle von NO; NO-Abfangen (CPTIO) stellte Lipophagie, Testosteron und in vivo die Spermatogenese wieder her; Fallzahlen und Effektgrößen im Abstract nicht genannt. Choobineh et al. 2016 [s107] und 2018 [s89] (Mausmodell): exogenes Testosteron senkte SOD- und GPx-Aktivität sowie den Malondialdehyd-Spiegel (kein signifikanter Abfall des Proteincarbonyls; Gesamtantioxidanzkapazität in den Behandlungsgruppen unverändert); in [s89] verminderten sich bei sofortiger Gabe der Anteil apoptotischer und abnormer Spermien, und Beweglichkeit sowie Johnsen- und Miller-Score verbesserten sich; die CADM1-Expression im Hoden war nach SCI vermindert. Dies sind Modellbefunde. Dashtdar und Valojerdi 2008 [s152] (Tierart im Abstract nicht angegeben): Durchtrennung bei Th9; nach 5 Tagen akute Entzündung des Samenbläschenepithels und Ultrastrukturveränderungen; rein morphologisch, Reversibilität offen.
Ratten. Kaddumi et al. 2020 [s81] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt) und 2022 [s62]: chronische SCI auf Höhe Th8 in drei Schweregraden (dorsales Drittel, dorsale zwei Drittel, komplette Durchtrennung), Fallzahlen nicht genannt. [s81] (Histologie): Durchmesser der Hodenkanälchen und Epithelhöhe in allen SCI-Gruppen vermindert; Spermatozyten- und Spermatidenschichten bei 1/3 und 2/3 vermindert, am stärksten bei kompletter Durchtrennung; die Autoren schließen, die ventralen Funikuli seien für die Spermatogenese bedeutsam. [s62] (Samenparameter): Spermienzahl nach 1/3 SCI und kompletter Durchtrennung gegenüber der Norm signifikant vermindert, bei Durchtrennung auch gegenüber den anderen SCI-Gruppen; der Anteil beweglicher Spermien nur bei Durchtrennung gegenüber allen anderen Gruppen vermindert, der Anteil schnell progressiv beweglicher Spermien in allen SCI-Gruppen vermindert; Serumhormone und Fruktose im Samen änderten sich nicht signifikant. Huang et al. 2004 [s167] (chronische SCI, Testosteron-Kapseln): spontane Erholung der Spermatogenese bei 7 von 8 unbehandelten SCI-Ratten; exogenes Testosteron stellte sie vollständig wieder her, aber 30 bis 70 % der Tubulusquerschnitte blieben regredient; Spermien unbehandelter SCI-Ratten mit geringerer Beweglichkeit, Vitalität und mitochondrialem Potenzial. Guha und Kumar 2026 [s07]: thorakale (Th12, spastisch) und sakrale (S2, nicht spastisch) Kontusion mit Sham; beide Modelle beeinträchtigten das Sexualverhalten, Degeneration der Hodenkanälchen, geringere Epithelhöhe, Störung der Blut-Hoden-Schranke (Occludin, ZO-1), Unterdrückung von Spermatogenesemarkern (STRA8, SCP3, PIWIL1, TNP1), Verminderung von Spermienvitalität, -zahl und -beweglichkeit sowie mehr Formveränderungen; erstes Modell mit Unterscheidung nach Läsionsebene. Wilkins et al. 2025 [s44] (Wistar-Ratte, Transektion und Kontusion): epidurale Rückenmarksstimulation auf den lumbalen Ejakulationsgenerator 3, 14 und 70 Tage nach Verletzung, Laufbandtraining zwei- oder fünfmal pro Woche über 6 Wochen; die Stimulation löste die Expulsionsphase zuverlässig, die Emissionsphase gelegentlich aus; die Spermienkonzentration hing von Vollständigkeit und Zeit seit der Verletzung ab und war bei chronischer kompletter Transektion am niedrigsten; Training erhöhte die Konzentration, zwei Trainingstage pro Woche verbesserten die Beweglichkeit signifikant; die Samenqualität ist Nebenbefund. Gaikwad et al. 2026 [s05] (Sprague-Dawley-Ratten, koreanische Zeitschrift, Erstautor mit Affiliation in Chicago): Studie 1 mit Kontusion bei 8 Ratten gegenüber 8 Sham-Tieren; nach vier Wochen akute Durchtrennung und intrathekale Infusion von Kochsalz oder Gastrin-releasing-Peptid (GRP 20-29, 0,2 nmol); GRP, nicht Kochsalz, löste Ejakulationsreflexe aus und verstärkte durch Stimulation des dorsalen Penisnervs ausgelöste Reflexe gleichermaßen in SCI- und Sham-Gruppe; die Autoren vermuten, eine Verminderung von GRP in lumbalen spinothalamischen Zellen könne zur Ejakulationsstörung nach SCI beitragen; gemessen wird die Reflexantwort, nicht die Samenqualität.
Iranische Entzündungsmodelle. Talebi et al. 2007 [s160]: 45 Wistar-Ratten, Läsion bei Th10, Nebenhodenspermien nach 8 Wochen; progressive Beweglichkeit und normale Morphologie signifikant verändert (p < 0,05); Anilinblau- und Chromomycin-A3-Test nicht signifikant, Natriumdodecylsulfat- und Acridinorange-Test signifikant (p < 0,001). Ramezanikhah et al. 2020 [s83] (Ratten, Th10, Gewichtsfall; Tag 3, 7, 14, 21, 28): Nlrp3 und Interleukin-1β stiegen am Tag 14 stark; IL-1β und IL-18 an Tag 14 und 21 mit Zerfall des Tubulusepithels, Keimzellapoptose, mehr abnormen Spermien und verminderter Beweglichkeit und Vitalität am Tag 21. Bazrafkan et al. 2018 [s88] (20 Ratten; Tag 1, 3, 7): NLRP3-mRNA am Tag 7 signifikant erhöht (p ≤ 0,05), ebenso Malondialdehyd. Nikmehr et al. 2017 [s102] (25 Ratten; Tag 1, 3, 7, 56 und Kontrolle): starke Abnahme von Spermienzahl und Beweglichkeit, besonders an Tag 3 und 7; Caspase-1 am Tag 3 erhöht (p = 0,009); negative Korrelationen zu Spermienzahl (r = -0,555; p = 0,01) und progressiver Beweglichkeit (r = -0,524; p = 0,02). Interventionsmodelle: Rasekh et al. 2025 [s36] (24 Ratten, Erythropoietin-Hydrogel; aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): Vitalität und Beweglichkeit bei SCI vermindert (p < 0,01), unter Hydrogel besser (p < 0,05), Malondialdehyd nahm ab, Superoxiddismutase zu; Histologie nicht vollständig normalisiert. Taheri et al. 2025 [s40] (18 Ratten, Photobiomodulation): Spermienzahl, Beweglichkeit und Vitalität bei SCI vermindert, IL-1β und TNF-α erhöht, unter Photobiomodulation besser (P < 0,001); die im Abstract genannten Mittelwerte mit Streuung (zum Beispiel Standardabweichung größer als Mittelwert) sind nicht interpretierbar und werden nicht zitiert. Khazaei et al. 2025 [s29] (36 Ratten, Läsion durch Aneurysma-Clip, 52 Tage, Melissen-Extrakt): Entzündungsmarker, Lipidperoxidation, NLRP3-Expression und Spermienzahl in den Behandlungsgruppen gegenüber Vehikel verbessert. Die Interventionsstudien zeigen vor allem den SCI-bedingten Hodenschaden im Modell; Rückschlüsse auf den Menschen sind daraus nicht möglich.
Hundestudie. Perrin [s110] und Koršunov [s75] beziehen sich auf eine Hundestudie (Beweglichkeit und Spermatogenese nach drei Wochen deutlich beeinträchtigt), deren Primärarbeit nicht abgerufen wurde.
Multiple Sklerose
Das Bild ist dünn und widersprüchlich. Es gibt zwei Studien mit Samenanalyse bei Männern mit MS: die iranische Fall-Kontroll-Studie von Safarinejad [s156] und die kleinen italienischen Studien von D'Amico [s78, s69]. Weitere Studien betreffen Hormone oder Sexualfunktion, die umgekehrte Fragerichtung (Männerinfertilität als Risikofaktor für spätere MS) oder Tiermodelle.
Safarinejad 2008 [s156] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt, Teheran). Fall-Kontroll-Studie, 68 Männer mit MS (ab 18 Jahren) und 48 altersgleiche gesunde Kontrollen. Zwei Blutproben im Abstand von 15 Minuten (LH, FSH, Prolaktin, Testosteron, Östradiol, SHBG), GnRH- und hCG-Test, Samenanalyse. Die basalen Serumspiegel für LH, FSH und Testosteron lagen bei MS signifikant niedriger (p = 0,01); nach GnRH-Analogon stiegen FSH und LH bei MS nicht signifikant an (der im Abstract genannte Wert p = 0,001 ist nicht eindeutig zugeordnet). Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen waren bei MS niedriger als bei Kontrollen. Patienten mit progredienter MS hatten stärkere und häufigere Störungen der Achse als solche mit schubförmig-remittierender MS. Die Autoren sprechen von hypogonadotropem Hypogonadismus und Fertilitätsbeeinträchtigung bei den meisten MS-Patienten. Stärken: umfangreiche Endokrinologie, Kontrollgruppe, die einzige gefundene klinische Studie mit Samenanalyse bei MS-Männern ohne Behandlungsbezug. Schwächen: keine Zahlenwerte der Spermiogrammparameter, keine Angaben zu Medikation, Krankheitsdauer oder Abstinenzzeit; derselbe Autor wie die SCI-Studie von 2003 [s169]; eine unabhängige Replikation fehlt.
D'Amico et al. 2020 [s78]. Prospektive Fall-Kontroll-Studie (Catania): Männer von 18 bis 55 Jahren mit gesicherter RRMS ohne bisherige DMT; 38 von 41 Patienten ausgewertet (40,3 ± 12,3 Jahre), Kontrollen aus dem Andrologiezentrum; Messung bei Diagnose und 12 Monate nach der ersten DMT. Keine Unterschiede in Gonadensteroiden oder Spermienparametern, außer dem freien Testosteron, das bei RRMS niedriger war (Median 0,09 gegenüber 1,4; p < 0,0001; im Abstract ohne Einheit). Keine Korrelation mit Behinderungsgrad oder Krankheitsaktivität; nach 12 Monaten DMT kein Unterschied zum Ausgangswert. Die Autoren schließen, RRMS beeinträchtige die Fertilität möglicherweise nicht. Stärken: prospektiv, DMT-naive Männer. Schwächen: kleine Stichprobe, Kontrollen aus einem Andrologiezentrum. D'Amico et al. 2021 [s69]. 16 Männer mit RRMS unter Natalizumab oder Ocrelizumab und 16 gematchte gesunde Kontrollen; Gonadensteroide und Spermienparameter bei Diagnose und nach 12 Monaten; kein Unterschied zu den Kontrollen zu beiden Zeitpunkten. Schwächen: 16 Männer, ein Jahr Beobachtung, gleiche Arbeitsgruppe wie [s78]; eine Überlappung der Teilnehmer ist nicht ausgeschlossen.
Hormonelle Studien ohne Samenanalyse. Rościszewska-Żukowska et al. 2026 [s16]: Fall-Kontroll-Studie, 126 Männer mit RRMS unter DMT (18 bis 67 Jahre) und 35 Kontrollen; Spermienparameter nennt der Abstract nicht. 118 (93,6 %) hatten normales Gesamttestosteron; niedriges Gesamttestosteron bei 2 (1,6 %) der MS-Patienten und 2 (5,7 %) der Kontrollen; niedriges freies Testosteron bei 53 (43,7 %) der MS-Patienten und 12 (34,3 %) der Kontrollen; bei unter 38-Jährigen war freies Testosteron signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,015). Längere Krankheitsdauer (11,83 Jahre) war mit niedrigem freien Testosteron assoziiert (OR 1,19; 95 % CI 1,06 bis 1,35; p = 0,004), ebenso die Zahl der Steroidbehandlungen (p = 0,003); kein Zusammenhang mit EDSS, MRT-Befunden oder DMT-Typ. Diaconu et al. 2022 [s58]: Querschnittsstudie, 64 Männer mit MS wurden mit einem klinischen Instrument gescreent, 50 (78 %) positiv; 46 wurden mit Morgen-Testosteron untersucht, davon 5 unter der Normgrenze; Testosteron korrelierte außer mit dem BMI weder mit demografischen noch mit Krankheitsparametern und sagte weder EDSS- noch T25-FW-Progression noch MRT-Aktivität voraus; Spermien nicht untersucht. Burdin et al. 2018, Гормональная функция гипофиза и яичек при эректильной дисфункции у больных рассеянным склерозом (Hormonfunktion von Hypophyse und Hoden bei erektiler Dysfunktion von Patienten mit Multipler Sklerose) [s96] (Moskau): 32 MS-Patienten mit leichtem Defizit (EDSS 0 bis 2), 20 mit mäßigem Defizit (EDSS 2,5 bis 5), 28 gesunde Männer und 37 Männer mit funktionellen Sexualstörungen. Kontrollmittelwerte: LH 7,005 ± 0,653 IE/l, FSH 8,011 ± 1,723 IE/l, Testosteron 2,839 ± 0,390 µg/l, Prolaktin 148,0 ± 20,84 µIE/ml. In Gruppe 1 lagen die Hormone im Normbereich, LH (8,146 ± 0,584 IE/l) und FSH (8,141 ± 1,505 IE/l) waren statistisch signifikant erhöht, Prolaktin lag signifikant über dem Wert der Gesunden und der Gruppe 2; nur bei drei Patienten der Gruppe 2 niedriges Testosteron und erhöhtes LH; ein pathologischer Hormonbefund wurde insgesamt nicht gesehen, der Testosteronspiegel wich nicht signifikant von den Kontrollen ab. Schwächen: keine Samenanalyse, Auswahl wegen erektiler Dysfunktion. Die Befunde stehen im Gegensatz zu [s156].
Sexualfunktion. Uca et al. 2018, Multipl Sklerozlu Erkek Hastalarda Cinsel Disfonksiyonun Değerlendirilmesi (Beurteilung der sexuellen Dysfunktion bei männlichen Patienten mit Multipler Sklerose) [s95] (Nöropsikiyatri Arşivi): 61 Männer mit MS, 60 gesunde Männer; VAS und BDI bei MS signifikant höher, IIEF und alle SF-36-Teilwerte signifikant niedriger (p < 0,05); mittlerer EDSS 2,75 ± 2,42; Depression (BDI mindestens 17) bei 62,5 % der MS-Patienten und 11,7 % der Kontrollen (p < 0,001); der IIEF korrelierte negativ mit Alter, Krankheitsdauer, Schubzahl, Ehejahren, EDSS, VAS und BDI. Die Gruppeneinteilung (45 plus 19 gleich 64) passt nicht zu den 61 Patienten; keine Samenparameter. Barnaulov 2014, Положительный гонадотропный эффект фитотерапии больных рассеянным склерозом и другими заболеваниями неврологического профиля (Positiver gonadotroper Effekt der Phytotherapie bei Patienten mit Multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen) [s124]: anekdotische Einzelfallberichte über Kräutermischungen; die einzige Samenangabe lautet, bei einem Ehemann sei das Spermiogramm ohne Pathologie gewesen; ohne Zahlen und Kontrollen; die Arbeit belegt weder einen Zusammenhang zwischen MS und Samenqualität noch eine Wirkung. Safarinejad zeigt in der Midodrin-Studie [s149], dass MS-Patienten das beste Ansprechen hatten (nur Ejakulationsfähigkeit). Seager [s123] nennt MS unter den Indikationen der EEJ und bringt erste Schwangerschaften bei Paaren mit MS-kranken Männern mit dem Gerät in Verbindung (Erfahrungsbericht, ohne Zahlen).
Umgekehrte Fragerichtung. Glazer et al. 2018 [s92]: registerbasierte Kohortenstudie (dänisches IVF-Register, verknüpft mit dem dänischen MS-Register), 51.063 Männer, deren Partnerinnen 1994 bis 2015 in dänischen Kinderwunschkliniken behandelt wurden; 24.011 mit männlicher Faktor-Infertilität, 27.052 Referenz; medianes Alter 34 Jahre. Höheres Risiko für prävalente MS (OR 1,61; 95 % CI 1,04 bis 2,51) und, nicht signifikant, für inzidente MS (HR 1,28; 95 % CI 0,76 bis 2,17); mögliche gemeinsame Ursachen: Hypogonadismus, gemeinsame Genetik oder autoimmune Komponente. Schwächen: Männer in Kinderwunschbehandlung, wenige MS-Fälle; die Frage der Samenqualität bei bekannter MS bleibt unbeantwortet. Shahraki et al. 2023 [s56] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): Metaanalyse (Suche bis Juni 2021; 197 Artikel, nach Duplikaten 109; 3 Studien in der Metaanalyse; 2090 MS-Fälle, 3.895.562 Kontrollen; 114 infertile Männer in der MS-Gruppe, 139.716 in der Kontrollgruppe); gepoolte OR 1,87 (95 % CI 0,89 bis 3,94; I² = 86,1 %, P = 0,001). Die Autoren folgern, es bestehe kein Zusammenhang; diese Schlussfolgerung stützt sich auf ein nicht signifikantes Intervall, das mit einer erhöhten OR vereinbar bleibt; die Heterogenität ist sehr hoch, es sind nur drei Studien. Die Studie von Glazer [s92] gehört vermutlich zu diesen drei, was der Abstract nicht ausdrücklich sagt. Die Mendelsche Randomisierung von Li et al. 2024 [s49] prüft dagegen die direkte Richtung (MS als Exposition): bidirektionale Zwei-Stichproben-Analyse (Shanxi) mit MS-GWAS-Daten als Instrumenten und "abnormalen Spermien" als Endpunkt; IVW, MR-Egger, MR-PRESSO; kausaler Zusammenhang zwischen MS und abnormalen Spermien mit OR 1,090 (95 % CI 1,017 bis 1,168; p = 0,014), Sensitivitätsanalysen bestätigten Robustheit. Einordnung: kleiner Effekt, Intervall nahe 1, ein breiter, nicht näher definierter Endpunkt, keine klinische Samenanalyse. Ein Brief zur Mendelschen Randomisierung in der Gegenrichtung (Shu und Hong 2024; keine direkte Assoziation) wurde mangels abrufbarem Abstract nicht als Quelle geführt.
Übersichten. Toljan und Briggs 2024 [s51]: Scoping-Review nach PRISMA (nur PubMed), 34 Studien, vier Themen (sexuelle Dysfunktion, erektile Dysfunktion, Fertilität, Familienplanung); sexuelle Dysfunktion bei Männern mit MS 35 bis 72 %; nur eine Minderheit bespricht dies mit dem Behandlungsteam; es könne einen Zusammenhang zwischen MS und Männerinfertilität geben, der aber auch durch verändertes Sexualverhalten bedingt sein könne; große Wissenslücke zu DMT und Familienplanung. Geng et al. 2023 [s55] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): narrative Übersicht; erektile Dysfunktion, Ejakulationsstörungen, verminderte Libido, verminderte Spermienqualität und beeinträchtigte Fertilität; mögliche Mechanismen genetische Faktoren, Autoimmunität, chronische Entzündung, psychische Faktoren und Medikamente; keine Zahlen im Abstract. Massarotti et al. 2021 [s71]: drei offene Fragen (verursacht MS an sich Infertilität; Zusammenhang mit infertilitätsfördernden Zuständen; Einfluss von DMT auf die Gonadenfunktion). Hammad et al. 2024 [s47]: von 19 Artikeln beschrieben 11 eine positive Korrelation zwischen niedrigem Testosteron und Achsenstörung bei MS. Nezamzadeh et al. 2025 [s32]: MS könne bei jungen Erwachsenen sexuelle Dysfunktion und Infertilität verursachen. Shin et al. 2025 [s38]: Übersicht zum EAE-Tiermodell mit systemischer Entzündung und möglicher Beteiligung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse.
Arzneimittel im Samen. David et al. 2018 [s90]: multizentrische offene Studie (Novartis; keine chinesische, japanische oder koreanische Primärstudie), 13 Männer unter Fingolimod seit mindestens 6 Monaten mit je einer Samen- und Blutprobe; die Konzentrationen von Fingolimod und Fingolimod-Phosphat im Samen entsprachen im Gleichgewichtszustand denen im Blut; geschätzt 47,5 ng in 10 ml Ejakulat; die rechnerische Belastung einer Partnerin liegt um etwa das 400-Fache (Fingolimod) bzw. 2400-Fache (Fingolimod-Phosphat) unter den Werten ohne beobachtete Wirkung der Tierstudien; gemessen wurden Konzentrationen, nicht Spermienparameter; industrienahe Studie. Guarnaccia et al. 2022 [s60]: Teriflunomid war bei 4 von 10 Partnerinnen von Männern unter 14 mg täglich nachweisbar (Mittelwert 0,046 µg/ml); betrifft die Übertragung des Wirkstoffs, nicht die Samenqualität.
Tiermodelle der Demyelinisierung. Dorikhani et al. 2024 [s46]: 20 Mäuse (je 10), 12 Wochen 0,2 % Cuprizon, dann 5 Wochen Absetzen; Myelingehalt im Nucleus arcuatus nach 12 Wochen signifikant vermindert, Testosteron nach 12 und 17 Wochen signifikant vermindert, Höhe des Keimepithels, Interstitium und Zahl der Keimepithelzellen signifikant vermindert, Spermienzahl, Beweglichkeit und Vitalität nach 12 und 17 Wochen signifikant vermindert; die Autoren vermuten eine Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse durch chronische Demyelinisierung. Koohpeyma et al. 2024 [s48] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt): 24 Mäuse, 2 % Cuprizon im Futter, drei Gruppen (nur Cuprizon; Cuprizon plus Curcumin-Nanomizellen 50 oder 100 mg/kg); mit der höheren Dosis stiegen LH, FSH, Testosteron und totale antioxidative Kapazität, Malondialdehyd sank, Keimzellzahlen, Hodengewicht, Spermienzahl, -morphologie, -vitalität und -beweglichkeit verbesserten sich; die Kontrollgruppe ohne Cuprizon ist im Abstract nicht klar. Teymoori et al. 2025 [s41]: 40 Mäuse, Hodenatrophie, verminderter Tubulusdurchmesser und Epitheldicke unter Cuprizon; geprüft wurden Pflanzenwirkstoffe, deren Befunde hier nicht als Wirksamkeit gelesen werden. Die Cuprizon-Modelle zeigen im Tier eine Hodenschädigung bei Demyelinisierung;
Parkinson-Krankheit
Befundlage. Es wurde keine Studie gefunden, die beim Menschen Samenqualität oder Spermienparameter bei Parkinson-Krankheit untersucht. Das ist ein Befund der Recherche, kein Beweis für das Fehlen solcher Studien: Titel- und Abstractsuchen in Europe PMC (Parkinson mit sperm, semen, fertility, testosterone in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch) sowie Suchen in J-STAGE, CiNii, CyberLeninka und TR Dizin lieferten dazu keine Treffer. Die Datenbanken eLIBRARY.ru, DergiPark, CNKI, KCI und arabische Dienste waren nicht durchsuchbar; für diese Räume gilt nur "in den erreichbaren Quellen wurde keine gefunden".
Fragebogen- und Übersichtsarbeiten. Sakakibara et al. 2001 [s172] (Chiba): Fragebogen zu Beckenorganfunktionen bei 115 Parkinson-Patienten (52 Männer, 63 Frauen; 35 bis 69 Jahre, Hoehn-und-Yahr-Stadium im Mittel 3, alle unter Levodopa) und 391 Kontrollen (271 Männer, mittleres Alter 48). Bei den Männern der Parkinson-Gruppe waren häufiger vermindert: Libido (83 %), Geschlechtsverkehr (88 %), Orgasmus (87 %), Erektion (79 %) und Ejakulation (79 %); Sexualstörungen nahmen mit dem Alter zu, nicht mit dem Hoehn-und-Yahr-Stadium. Schwächen: Fragebogen ohne Samenanalyse; die Kontrollen waren im Mittel 11 Jahre jünger, was ein erheblicher Störfaktor ist; Medikamenteneffekte sind nicht von der Erkrankung zu trennen. Varlıbaş et al. 2025 [s42]: Querschnittsstudie, 76 Patienten mit idiopathischem Parkinson (41 Männer, 35 Frauen, Hoehn und Yahr 1 bis 3, ohne Diabetes); 53,9 % mit sexueller Dysfunktion (ASEX); Betroffene waren älter, im höheren Stadium, hatten höhere SCOPA-AUT-Werte (p < 0,001) und häufiger Bluthochdruck (p = 0,001); Impulskontrollstörung 6,5 %; keine Angabe zu Ejakulation oder Samen. Gül et al. 2021, Parkinson Hastalığında Cinsel Fonksiyon Bozukluğu Prevalansı (Prävalenz sexueller Funktionsstörungen bei Parkinson-Krankheit) [s70] (Van Tıp Dergisi): 70 Patienten (30 Frauen, 40 Männer), Männer stärker durch sexuelle Unzufriedenheit und erektile Dysfunktion beeinträchtigt als Frauen (65 % gegenüber 46,6 %); von 16 Patienten mit sehr ausgeprägter erektiler Dysfunktion hatten 2 (12,5 %) eine leichte, 3 (18,75 %) eine mittlere und 11 (68,75 %) eine schwere Form (p < 0,05); keine Kontrollgruppe. Rafetto et al. 2026 [s15] und Salardaine et al. 2025 [s37] (systematische Übersicht in einer französischen Zeitschrift) beschreiben sexuelle Funktionsstörungen (Verlangen, Erregung, Orgasmus, Ejakulation); Hypersexualität sei selten und meist unter dopaminerger Therapie; Zahlen fehlen im Abstract. Bourque et al. 2021 [s67]: Männer mit Parkinson hätten niedrigere Androgenspiegel; Androgenbehandlungen hätten bisher keine ausreichend positiven Effekte gezeigt; Samenqualität ist kein Thema. Živolupov et al. 2015, Нейрогенная копулятивная дисфункция у мужчин: теоретические аспекты, дифференциальная диагностика и рациональная терапия (Neurogene kopulative Dysfunktion bei Männern: theoretische Aspekte, Differentialdiagnostik und rationale Therapie) [s116] (Terapevtičeskij archiv): Übersicht mit kleiner Beobachtung (40 Männer mit lumbosakraler Radikulopathie oder leichtem bis mittelschwerem Schädel-Hirn-Trauma); eine Tabelle nennt Prävalenzen sexueller Funktionsstörungen (Parkinson 60 %, Rückenmarkverletzung 25 bis 95 %, MS 62 bis 83 %, diabetische Polyneuropathie 100 %; Quellen nicht erkennbar); Samenparameter fehlen.
Tierversuche. Awogbindin et al. 2020 [s76]: Rotenon-Rattenmodell, 21 Tage; dopaminerge Neurodegeneration in Substantia nigra und Hypothalamus; Hypospermatogenese (wenige SPACA-1-exprimierende Nebenhodenspermien mit Formveränderungen, wenige Spermien im Lumen, weniger Spermatiden und postmeiotische Keimzellen), gestörte Blut-Hoden-Schranke (Occludin), verstärkte Caspase-3-Aktivierung, schwächere SRY- und GADD45g-Expression, verminderter Serum-Testosteron bei unverändertem FSH, oxidativer Schaden und Hemmung der Acetylcholinesterase im Hoden, obwohl Rotenon im Hoden nicht nachweisbar war. Die Autoren sehen eine mögliche Vermittlung über die Hirn-Hypothalamus-Hoden-Verbindung, unabhängig von der Hypophyse. Schwächen: Rotenon ist ein systemisches Toxin, keine Fallzahlen im Abstract, nicht auf den Menschen übertragbar. Ünver Saraydin und Ergin 2026 [s19] (aus zwei Recherchesträngen zusammengeführt; Sivas): Ratten mit Rotenon (2 mg/kg täglich, 20 Tage): Gewichtsverlust (z = -4,292; p < 0,001), weniger Tyrosinhydroxylase in der Substantia nigra, im Hoden zeitabhängiger Rückgang von GPR30, GPR120 und GPR125; keine Spermienanalyse, keine Hormonwerte; die Biomarker-Idee ist Hypothese. Kobayashi et al. 2019, パーキンソン病様症状を催す遺伝子改変マウスの雄性不妊解析 (Analyse der männlichen Unfruchtbarkeit bei gentechnisch veränderten Mäusen mit Parkinson-ähnlichen Symptomen) [s86] (Kongressabstract, J-STAGE): homozygote TH-GFP-Transgenmäuse zeigen Tremor, Akinese und männliche Unfruchtbarkeit; die Spermatogenese ist im Spermatozytenstadium arretiert, elongierte Spermatiden und spätere Zellen fehlen; höherer Tracer-Einstrom in die Blut-Hoden-Schranke; Fgf2 und die Testosteron-Synthase Cyp17a1 vermindert; die Insertion löscht Exon 2 des Gens Ugt8a. Nach Deutung der Autoren verursacht dieser Gendefekt der Transgenlinie beide Merkmale; es ist also kein Befund zur Parkinson-Krankheit des Menschen.
Neuropathie und Diabetes
Neuropathie ist der dünnste Bereich: Reine Studien zu Polyneuropathie und Samenqualität wurden nicht gefunden. Es gibt Arbeiten zur diabetischen Ejakulationsstörung, die nur teilweise ausdrücklich neuropathisch begründet wird. Die EAU-Leitlinie [s04] beschreibt, dass autonome Neuropathie zu erektiler Dysfunktion und Ejakulationsstörungen führe, von verzögerter über retrograde Ejakulation bis Anejakulation, abhängig vom Grad der sympathischen Beteiligung.
Humane Samenanalysen bei diabetischer Neuropathie. Ali et al. 1993, Semen analysis in insulin-dependent/non-insulin-dependent diabetic men with/without neuropathy [s186]: vergleichende Querschnittsstudie mit 100 insulinabhängigen (IDDM) und 314 nicht insulinabhängigen (NIDDM) Diabetikern mit und ohne objektiven Hinweis auf Neuropathie (15 bis 80 Jahre, Diabetesdauer 1 bis 33 Jahre) und altersgleichen Nichtdiabetikern. Gesamtspermienleistung und Konzentration waren bei neuropathischen Diabetikern beider Typen deutlich höher (im Abstract als "p > .0005" geschrieben, vermutlich p < 0,0005; beim erneuten Abruf bestätigt); Beweglichkeit und Samenvolumen waren um etwa 30 beziehungsweise 60 % geringer, die Morphologie unverändert. Kein signifikanter Unterschied zwischen neuropathischen und nicht neuropathischen Diabetikern; die Autoren deuten auf endokrine Ursachen und diskutieren Leydig-Zell-Hyperplasie und Atonie von Blase und Harnröhre. Einordnung: Die Studie ist alt; der fehlende Unterschied zwischen Diabetikern mit und ohne Neuropathie ist ein Gegenargument zu einer rein neuropathischen Erklärung. Ali und Rakkah 2007, Neurophysiological role of sildenafil citrate (Viagra) on seminal parameters in diabetic males with and without neuropathy [s157] (Mekka): kontrollierte Studie mit 50 IDDM- und 50 NIDDM-Männern, jeweils mit und ohne Neuropathie, und 50 nicht diabetischen Kontrollen (20 bis 65 Jahre); chronische Gabe von 100 mg Sildenafil; bei neuropathischen Männern sanken Gesamtspermienleistung und Konzentration signifikant (p < 0,001), Beweglichkeit und Samenvolumen stiegen um etwa 40 % beziehungsweise 48 %; bei Diabetikern ohne Neuropathie kein signifikanter Unterschied. Schwächen: Behandlungs- und Neuropathie-Effekt sind vermischt, Ausgangswerte und Untergruppengrößen fehlen, die vorgeschlagene Mechanik wurde nicht gemessen; Design, Altersspannen und Formulierungen ähneln der Studie von 1993 [s186] stark, was ein Grund zur Vorsicht ist; ein Beleg für eine Wirkung ist die Studie nicht.
Retrograde Ejakulation und Gewinnung. Arafa und El Tabie 2008 [s151]: prospektive Interventionsstudie, 33 Diabetiker mit retrograder Ejakulation (23 komplett, 10 partiell), drei aufeinanderfolgende Behandlungsserien mit Imipramin 25 mg zweimal täglich, Pseudoephedrin 120 mg zweimal täglich oder beidem. Bei kompletter retrograder Ejakulation antegrades Ejakulat bei 10 Patienten (38,5 %) mit Imipramin, 11 (47,8 %) mit Pseudoephedrin, 16 (61,5 %) mit beiden; bei partieller verbesserten sich Volumen, Spermienzahl, Gesamt- und progressive Beweglichkeit. Die Prozentwerte beziehen sich offenbar auf unterschiedliche Nenner (10 von 26 entsprechen 38,5 %, aber nur 23 Patienten hatten komplette retrograde Ejakulation); das ist aus dem Abstract nicht auflösbar. Adel Domínguez et al. 2026 [s01]: Leserbrief zu Mazindol bei Aspermie durch diabetische Neuropathie; abgerufen wurde nur der Einleitungsabsatz. Lu et al. 2014 [s121] (Jinan): 21 anejakulatorische Diabetiker, bei denen Medikamente und PVS versagt hatten; Gewinnung durch retrograde Ejakulation (n = 10) oder Prostatamassage (n = 8); Befruchtungsrate 78,3 % gegenüber 66,6 %, Rate guter Embryonen 56,6 % gegenüber 48,8 %, Schwangerschaften 50 % gegenüber 37,5 %; kein signifikanter Unterschied; 21 im Eingang, 18 in den Gruppen, Differenz nicht erklärt. Liu et al. 2020 [s82] (Xi'an): 1219 Männer mit Azoospermie oder retrograder Ejakulation, TESA-ICSI 2015 bis 2019; 54 mit Typ-2-Diabetes, 1165 ohne; verfügbare Embryonen 75,20 ± 26,40 % gegenüber 78,36 ± 23,25 %, hochwertige Embryonen 46,49 ± 30,37 % gegenüber 47,55 ± 28,57 %, Fehlgeburtsrate 20,83 % gegenüber 8,88 %; alle Unterschiede nicht signifikant; geringe Power; nicht neurologisch angelegt. Li et al. 2026 [s12] (Baoding): 115 Diabetiker (39,9 Jahre) mit gesicherter retrograder Ejakulation; 80,0 % vollständige retrograde Ejakulation, 54,8 % mittelschwere bis schwere erektile Dysfunktion, 39,1 % Anorgasmie; Typ-1-Diabetiker hatten häufiger Anorgasmie (65,5 % gegenüber 30,2 %); Prädiktoren der erektilen Dysfunktion: Diabetesdauer (OR 1,70; P < 0,001), Alter (OR 1,23; P < 0,001), HbA1c (OR 1,70; P = 0,004); keine Samenparameter, keine Neuropathiemessung. Kim et al. 2012 [s138]: koreanische Umfrage an 275 Diabetespatienten; 124 (45,1 %) berichteten urogenitale Beschwerden, davon 93 (75,0 %) Miktionsstörungen und 61 (49,2 %) Sexualstörungen; Selbstauskunft ohne Neuropathie-Diagnostik und ohne Samenanalyse. Chen und Xiao 2011, [Changes of nerve growth factor and M3 subtype muscarinic receptor in the seminal vesicle of diabetic rats] (Veränderungen von Nervenwachstumsfaktor und muskarinischem M3-Rezeptor in der Samenblase diabetischer Ratten) [s141] (Zhonghua Nan Ke Xue): 15 Ratten (10 Streptozotocin-Diabetes, 5 Kontrollen), Befund nach acht Wochen: weniger glatte Muskelzellen, dünneres Zytoplasma, gestörte Struktur; mittlere integrierte optische Dichte M3 0,0187 ± 0,0024 (Kontrolle) gegenüber 0,0100 ± 0,0015, NGF 0,0209 ± 0,0085 gegenüber 0,0412 ± 0,0117 (beide P < 0,01); als Hinweis auf eine autonome Neuropathie der Samenblase gedeutet; keine Samenparameter.
Russische Serien zur autonomen diabetischen Neuropathie. Die Arbeiten stammen aus derselben Moskauer Gruppe und überschneiden sich in den Patienten. Kurbatov et al. 2013, Коррекция ретроградной эякуляции у больных сахарным диабетом 1-го типа (Korrektur der retrograden Ejakulation bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1) [s133]: unkontrollierte Serie mit 12 Patienten (25,7 ± 6,1 Jahre) mit absoluter retrograder Ejakulation, endourethrale Kollageninjektion in den Blasenhals (Operationsdauer 16 ± 7 Minuten, Kollagen 9 ± 4 ml); antegrade Ejakulation wiederhergestellt bei 11 von 12; Nachbeobachtung bei 10 über 12 Monate: Wirkung bei 7 Patienten 6 Monate, bei 2 Patienten 9 Monate, bei einem 12 Monate; natürliche Schwangerschaft bei den Partnerinnen von 2 Patienten (eine Fehlgeburt, eine Geburt in der 39. Woche). Samenwerte nach dem Eingriff (Mittelwert ± Standardabweichung [Spannweite]): Volumen 0,25 ± 0,14 ml [0,1 bis 0,35]; Konzentration 93 ± 62,2 Millionen/ml [7 bis 180]; lebende Spermien 61,7 ± 24,5 % [29 bis 88]; Beweglichkeit A + B 10 ± 6,8 % [0 bis 22]; unbewegliche 81,4 ± 17,5 %; normal geformte 18,5 ± 12 % [1 bis 41]. Die Schwangerschaften traten bei Patienten mit der höchsten Konzentration normaler Spermien auf. Kurbatov et al. 2013, Восстановление фертильности у больных сахарным диабетом 1-го типа (Wiederherstellung der Fertilität bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1) [s132]: Übersicht mit Zwischenbericht zu 10 Patienten derselben Technik; bei 9 von 10 (90 %) der physiologische Spermienweg wiederhergestellt; 2 Schwangerschaften; die Übersicht nennt Neuropathien bei 65 bis 80 % der Diabetiker, urogenitale Neuropathie bei 10 bis 20 %, erektile Dysfunktion bei 50 bis 60 %. Kurbatov et al. 2015, Диагностика и лечение анэякуляции как проявления урогенитальной формы автономной диабетической полинейропатии (Diagnostik und Behandlung der Anejakulation als Manifestation der urogenitalen Form der autonomen diabetischen Polyneuropathie) [s117]: 30 Patienten mit Typ-1-Diabetes und absoluter retrograder Ejakulation; Alter 32 [30; 35] Jahre, Diabetesdauer 17 [12; 22] Jahre, HbA1c 7,4 % [6,9; 8,0]; Stimulationsneurografie des N. pudendus (Mittelwert ± Standardabweichung gegenüber Norm): M-Antwort-Amplitude 0,89 ± 0,17 mV (Norm über 3,5), Leitungsgeschwindigkeit 14,2 ± 2,5 m/s (über 19,7), residuale Latenz 7,6 ± 1,6 ms (unter 3,0), Reizschwelle 80 ± 17 mA (unter 20); Korrelation zwischen HbA1c und Leitungsgeschwindigkeit r = -0,41 (p = 0,012). Nach endoskopischer Injektion eines volumenbildenden Materials unter die Schleimhaut der hinteren Harnröhre antegrade Emission bei 22 von 30 (73 %), Wirkdauer 7 [2; 12] Monate; bei 6 Patienten mindestens ein Jahr; natürliche Zeugung bei den Partnerinnen von 4 Patienten, 3 Lebendgeburten (10 %), eine Fehlgeburt. Samenwerte der 22 Responder (Median [Quartile]): Volumen 0,9 ml [0,5; 1,5]; Konzentration 65 Mio./ml [32; 113]; Beweglichkeit A + B 17 % [14; 37]; normale Formen 20 % [11; 35]; Asthenozoospermie bei 83 %. Responder und Nicht-Responder unterschieden sich in der Diabetesdauer (15 [10; 21] gegenüber 21 [16; 23] Jahre; p = 0,04) und im HbA1c (7,1 % [6,8; 7,7] gegenüber 7,8 % [7,5; 8,0]; p = 0,04). Bei den Männern mit spontaner Zeugung lagen Volumen 1,2 ml [0,9; 1,6], Konzentration 35 Mio./ml [27; 65], Beweglichkeit A + B 29 % [18; 39], normale Formen 18 % [13; 20] (WHO-2010-Referenz: mindestens 1,5 ml, 15 Mio./ml, 40 %, 4 %). Stärken: elektrophysiologische Absicherung der Neuropathie, Quartile, offene Mitteilung des Misserfolgs. Schwächen: einarmig, keine Kontrolle, kleine Stichprobe, Samenwerte nur bei Respondern. Kurbatov et al. 2015 [s114] (J Sex Med): randomisierte, einfach verblindete Studie (1:1), 24 Patienten mit Typ-1-Diabetes und kompletter retrograder Ejakulation, die auf Imipramin nicht angesprochen hatten; Gruppe A endourethrale Kollageninjektion in den Blasenhals, Gruppe B Kochsalz; 23 schlossen ab. In Gruppe A (Ausgangswert bis 12 Monate): antegrades Volumen mittlere Differenz 0,71 ml, Konzentration 45,6 Mio./ml, Gesamtbeweglichkeit 15,4 Prozentpunkte, progressive Beweglichkeit 8,4 Prozentpunkte (jeweils p < 0,05); gegenüber Gruppe B waren primäre und sekundäre Endpunkte (außer IIEF-5) signifikant besser; Konfidenzintervalle und Gruppenwerte fehlen im Abstract. Die Aussage betrifft die Wiederherstellung des antegraden Wegs, nicht die Spermienqualität an sich. Judovskij et al. 1995, Анэякуляция: этиология и патогенез, классификация, клинические аспекты (Anejakulation: Ätiologie und Pathogenese, Klassifikation, klinische Aspekte) [s184]: 43 Patienten mit Anejakulation (1983 bis 1993); häufigste Ursachen Operationen an Prostata und Blasenhals (25,6 %) und Diabetes (18,6 %); Erscheinungsformen retrograde Ejakulation (51,2 %), gestörte Emission (27,9 %) und Aspermie (20,9 %); keine Samenparameter. Syrkaševa et al. 2016, Ретроградная эякуляция и мужской фактор бесплодия (обзор литературы) (Retrograde Ejakulation und männlicher Infertilitätsfaktor, Literaturübersicht) [s112]: retrograde Ejakulation macht etwa 0,3 bis 2 % der Männer in der Infertilitätsberatung aus; etwa 80 % der Fälle entfielen auf Diabetes, Prostataresektion, Blasenhalsoperationen oder Lymphadenektomie; eine zitierte Studie (16 Paare, 35 ICSI-Zyklen) nennt 51,2 % Schwangerschaftsrate; kein einheitliches Protokoll, die Datenlage reiche für einen Vergleich der Verfahren nicht aus. Tjuzikov et al. 2026, Мужские репродуктивные нарушения при сахарном диабете (Männliche Fortpflanzungsstörungen bei Diabetes mellitus) [s21]: narrative Übersicht; diabetische Neuropathie trete bei 30 bis 50 % der Diabetiker auf; die urogenitale Neuropathie senke die Sensibilität und störe die Reflexbögen von Erektion und Ejakulation.
Diabetes insgesamt (nicht neuropathiespezifisch). Pergialiotis et al. 2016 [s109]: Metaanalyse von Beobachtungsstudien; Diabetes vermindert das Samenvolumen (MD −0,66 ml; 95 % CI −1,10 bis −0,22) und den Anteil beweglicher Zellen (MD −14,29 %; 95 % CI −22,76 bis −5,82) und erhöht FSH (MD 0,47 mIU/ml; 95 % CI 0,01 bis 0,93) bei auf Infertilität untersuchten Männern; keine Beeinflussung der Gesamtspermienzahl (MD 13,16 × 10^6; 95 % CI −22,75 bis 49,07), der normalen Morphologie (−3,06 %; 95 % CI −6,25 bis 0,14), von LH (0,65 mIU/ml; 95 % CI −0,84 bis 2,13) und Testosteron (−0,18 ng/ml; 95 % CI −0,60 bis 0,24); wegen erheblicher Heterogenität seien feste Schlüsse nicht möglich. Zhong et al. 2021 [s74]: Metaanalyse mit 44 Studien (20.367 adipöse, 1386 diabetische Männer); Diabetes gegenüber Nichtdiabetikern: Samenvolumen MD −0,45 (95 % CI −0,63 bis −0,27; p < 0,001), Spermienzahl MD −13,12 (95 % CI −18,43 bis −7,82; p < 0,001), Konzentration MD −11,73 (95 % CI −21,44 bis −2,01; p = 0,02), progressive Beweglichkeit MD −14,37 (95 % CI −21,79 bis −6,96; p = 0,001), Testosteron MD −0,37 (95 % CI −0,63 bis −0,12; p = 0,004). Alaei et al. 2025 [s23]: Übersicht zu Chromatinschäden und epigenetischen Effekten bei Diabetes. Ein auf die Neuropathie zurückführbarer Anteil lässt sich aus diesen Arbeiten nicht abgrenzen, siehe [s186].
Andere Neuropathien. In den Suchläufen mit "peripheral neuropathy", "polyneuropathy", "Charcot-Marie-Tooth", "autonomic neuropathy" und Entsprechungen in anderen Sprachen kam keine Studie mit Spermien- oder Samenparametern. Einziger Fall: Orssaud et al. 2022 [s63], Fallbericht eines Mannes mit Leberscher hereditärer Optikusneuropathie (mtDNA-bedingt); mit 30 Jahren zwei Jahre Kinderwunsch ohne Erfolg, geringe Spermienbeweglichkeit und hoher Anteil morphologischer und ultrastruktureller Abnormitäten, auffällige Nebenhodenmarker; nach fünf Monaten Idebenon (zur Sehverbesserung verordnet) stiegen Beweglichkeit und Vitalität, es kam zu einer natürlichen Konzeption. Ein einzelner Fall ohne Kontrolle belegt keinen Kausalzusammenhang. Peripher einzuordnen ist auch Gao et al. [s06] (Pudendusneuropathie als eine von mehreren Ursachen von Ejakulationsstörungen, ohne Samenparameter).