Fragestellung und Abgrenzung
Die Studie fragt: Was berichtet die Fachliteratur darüber, ob und wie die Rückenmarksverletzung, die Multiple Sklerose, die Parkinson-Krankheit, Neuropathien und weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) die Samenqualität des Mannes verändern? Epilepsie und Antiepileptika werden an anderer Stelle behandelt; die dazu gefundenen Arbeiten wurden bewusst nicht übernommen. „Neuropathie“ wurde weit gefasst, im Mittelpunkt steht die diabetische autonome Neuropathie mit retrograder Ejakulation und Anejakulation, weil dazu die meisten Daten vorliegen. Bei Diabetes insgesamt ist ein neuropathischer Anteil nicht von den übrigen Stoffwechselwirkungen trennbar; solche Arbeiten werden mit diesem Vorbehalt geführt. Die Studie enthält keine Therapieempfehlung. Wo Leitlinien, Autoren oder Studien Verfahren nennen, wird das als Inhalt der jeweiligen Quelle wiedergegeben.
Wie recherchiert wurde
Die Recherche fand am 5. Oktober 2026 in drei parallelen Sprachgruppen statt: Gruppe a (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch), Gruppe b (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch) und Gruppe c (Russisch, Arabisch, Türkisch). Die PubMed-Webseite war nicht nutzbar. Stattdessen dienten die REST-Schnittstelle von Europe PMC und die E-utilities der NCBI (Suche, Zusammenfassungen, Abstracts) als Hauptzugang. Ergänzend wurden, je nach Erreichbarkeit, die Programmierschnittstelle von HAL (französische Archive), Dialnet (Spanien), J-STAGE und CiNii (Japan), CyberLeninka (Russland) und TR Dizin (Türkei) abgefragt, außerdem die Seiten der Leitlinienherausgeber (European Association of Urology, American Urological Association gemeinsam mit der American Society for Reproductive Medicine). Gesucht wurde mit Titel- und Abstractbegriffen, Sprachfiltern, Publikationstypen und, wo möglich, nach Herkunft der Autoren.
Die drei Rechercheberichte enthielten zusammen 213 Einträge. Nach Zusammenführung von Dubletten (dieselbe Arbeit in mehreren Gruppen gefunden) bleiben 192 Quellen. Sie tragen in dieser Studie die Kennungen s01 bis s192, die in eckigen Klammern zitiert werden. Von den 192 Quellen haben 169 eine PubMed-Kennung (PMID), 23 nicht (darunter Leitlinien, russische, türkische und spanische Zeitschriftenbeiträge, eine Doktorarbeit, ein Buchkapitel und ein Protokoll einer Expertenrunde).
Erreichbarkeit der Datenbanken
Das Ergebnis einer Recherche hängt davon ab, welche Quellen zugänglich waren. Die Berichte halten fest:
| Dienst | Zustand am 5. Oktober 2026 |
|---|---|
| Europe PMC (REST) | erreichbar, Hauptquelle |
| NCBI-E-utilities | erreichbar (Ratenbegrenzung beachtet) |
| PubMed-Webseite | vorgabegemäß nicht genutzt |
| EAU- und AUA/ASRM-Leitlinienseiten | erreichbar, Seitentext ausgewertet |
| Cochrane Library | nur Skript-Hülle; Ersatzprüfung über Europe PMC ergab kein einschlägiges Review |
| AWMF-Register | nur Skript-Gerüst, keine Suche möglich |
| HAL, Dialnet, J-STAGE, CiNii, CyberLeninka, TR Dizin | erreichbar, teils nur Titel oder ohne Abstract |
| Cairn, SciELO, LILACS (Webportale) | durch Bot-Schutz oder Sicherheitsabfrage blockiert |
| CNKI, DBpia, arabische Dienste | keine Verbindung |
| Wanfang, KCI, KoreaMed, DergiPark, e-Marefa | erreichbar, aber ohne auslesbare Trefferliste oder ohne Abonnement |
| eLIBRARY.ru | Zugriff verweigert (HTTP 403) |
| ESHRE-Leitlinienseite, Società Italiana di Andrologia | Fehlerseite beziehungsweise keine nutzbare Suche |
Die Folge ist klar zu benennen: Die chinesische und koreanische Inlandsliteratur, arabischsprachige Primärliteratur, türkische Hochschulzeitschriften (DergiPark), alles, was nur in eLIBRARY.ru steht, sowie brasilianische und lateinamerikanische Quellen (SciELO, LILACS) konnten nicht durchsucht werden. Für diese Räume ist nur die Aussage „in den erreichbaren Quellen wurde keine gefunden“ zulässig, nicht „es gibt keine“. Mehrere Titel japanischer Arbeiten zu Samenbefunden bei Rückenmarksverletzung wurden gefunden, ließen sich aber ohne Abstract nicht auswerten; sie sind nicht in die 192 Quellen aufgenommen. Das deutet an, dass die japanische Fachliteratur umfangreicher ist, als die Abstracts zeigen.
Zusammensetzung des Materials
Die Quellen stammen aus den Jahren 1988 bis 2026. 85 sind seit 2020 erschienen, 46 vor 2010, 20 vor dem Jahr 2000. Die Sprachraum-Zuordnung in den Daten erlaubt Mehrfachnennungen (eine englischsprachige Arbeit aus Japan trägt zum Beispiel „en“ und „ja“). Gezählt wurden: Englisch 159, Chinesisch 24, Japanisch 24, Persisch (Iran) 22, Russisch 15, Französisch 14, Türkisch 8, Italienisch 7, Spanisch 6, Arabisch 5, Koreanisch 3, Usbekisch 1. Das Persische erscheint, obwohl der Auftrag den arabischen Raum nannte: Der Iran ist nicht arabisch, liefert aber den größten Teil der klinischen Samenanalysen bei Rückenmarksverletzung und die einzige klinische Samenstudie bei Multipler Sklerose (siehe unten); die Arbeiten wurden daher als eigener Block („fa“) geführt. Deutschsprachige Originalarbeiten zur Samenqualität bei diesen Erkrankungen wurden nicht gefunden. Eine AWMF-Leitlinie zum Thema konnte nicht gefunden werden; das Register ließ sich nicht durchsuchen, ihr Fehlen ist also nicht belegt. Portugiesischsprachige Quellen mit Abstract fanden sich nicht.
Nach Studientyp (aus den Angaben der Quellen gezählt) enthält das Material vier Leitlinien [s04, s08, s34, s45] (die EAN-Leitlinie [s34] äußert sich im Abstract nicht zu Samenqualität oder Fertilität), vier Metaanalysen [s126, s56, s74, s109], 29 Tierversuche (darunter eine Übersicht zum EAE-Tiermodell [s38]), 13 Fallberichte, drei randomisierte kontrollierte Studien [s115, s114, s149], zwei Mendelsche Randomisierungen [s49, s53] sowie eine große Zahl retrospektiver Fallserien, Querschnitts- und Fall-Kontroll-Studien. Ein Umbrella-Review von 26 systematischen Übersichten bewertete 17 davon als „kritisch niedrig“ und 6 als „niedrig“ in der Qualität (AMSTAR 2) [s14]. Von den drei randomisierten Studien untersucht eine ausdrücklich Männer ohne Rückenmarksverletzung [s149], eine hat 10 Teilnehmer je Arm [s115], eine 24 Teilnehmer [s114].
Wie Zahlen behandelt wurden
Ausgewertet wurden Abstracts, bei Leitlinien der abgerufene Seitentext. Volltexte wurden nicht gelesen. Folgen: Abstinenzzeit, Gewinnungsart, Ausschlusskriterien, Verblindung und viele Nebenbefunde sind meist nicht beurteilbar; manche Abstracts nennen keine Zahlen oder nur p-Werte. Zahlen, Konfidenzintervalle und p-Werte stammen wörtlich aus den abgerufenen Texten; wo sie fehlen, steht das ausdrücklich da. Abgeleitete Werte (zum Beispiel 30 von 400 gleich 7,5 %) sind als solche gekennzeichnet. Mittelwerte mit Standardabweichung werden nicht als Konfidenzintervalle ausgegeben. Zwei Abstracts enthalten Angaben, die rechnerisch nicht plausibel sind (Streuung größer als der Mittelwert in einer Rattenstudie [s40]; eine obere Konfidenzgrenze unter dem Mittelwert in einer Laborstudie [s119]); solche Zahlen wurden nicht für Aussagen verwendet. Die Einschätzung von Stärken und Schwächen ist eine methodische Einordnung des Studiendesigns und keine Aussage der Originalautoren.
Die Referenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 6. Auflage 2021) stehen nicht in den 192 Quellen. Sie wurden gesondert über die NCBI-E-utilities und Europe PMC aus der Fachliteratur abgerufen (Campbell und Mitarbeiter 2021, PMID 33528873; Boitrelle und Mitarbeiter 2021, PMID 34947899; Paffoni und Mitarbeiter 2022, PMID 35849333; Wang und Mitarbeiter 2022, PMID 34996596) und im Hintergrund-Abschnitt mit Namen und PMID zitiert, nicht mit s-Kennung.
Skala für Evidenzstärke und Gewissheit
Evidenzstärke bezeichnet das Studiendesign:
- A: randomisierte Studie oder systematische Übersicht mit Metaanalyse.
- B: kontrollierte Beobachtungsstudie (Fall-Kontroll-, Kohortenstudie, Register, Mendelsche Randomisierung).
- C: unkontrollierte Serie, Querschnittsstudie ohne Vergleichsgruppe, Laborstudie am Menschen.
- D: Fallbericht, Tierversuch, narrative Übersicht, Expertenmeinung.
Gewissheit drückt aus, wie sehr sich eine Aussage auf die Daten stützen lässt: hoch (mehrere unabhängige, ausreichend große kontrollierte Studien mit konsistentem Ergebnis), mäßig (konsistent in mehreren Studien, aber Einschränkungen bei Größe, Auswahl oder Überschneidung), niedrig (wenige, kleine oder widersprüchliche Studien), sehr niedrig (Einzelstudien, Abstract ohne Zahlen, Tiermodell oder Datenlücke). Abgewertet wurde bei überlappenden Kollektiven, Selektion nach Ejakulationsfähigkeit oder Infertilität und fehlendem Konfidenzintervall. Es handelt sich um eine transparente Einordnung durch die Autoren dieser Studie, nicht um ein validiertes Bewertungssystem wie GRADE; eine formale Qualitätsbewertung jeder Einzelstudie fand nicht statt.
Überschneidungen und Interessenkonflikte
Die Zahl der Quellen überschätzt die Zahl unabhängiger Beobachtungen. Ein großer Teil der englischsprachigen Studien zur Rückenmarksverletzung stammt aus dem Male Fertility Research Program der Universität Miami (Patienten 1991 bis 2011, ausdrücklich genannt in [s137, s145, s68]; durch gemeinsame Autoren vermutlich auch [s144, s175, s136, s131, s93, s119, s100]). Die Fallzahlen dürfen nicht addiert werden. Weitere Gruppen: die japanischen Elektroejakulationsserien aus Nara und Osaka [s183, s180, s181], die taiwanischen Berichte [s170, s176, s165], die Moskauer Diabetes-Serien [s133, s132, s117, s114] und die zwei Laborstudien aus Shandong, die dieselben 16 Spender als Kontrolle verwenden [s139, s140]. Die beiden Studien an Männern mit schubförmiger MS aus Catania stammen aus derselben Arbeitsgruppe [s78, s69]. Die iranischen Tierversuche zum Inflammasom stammen überwiegend aus wenigen Laboren.
Interessenkonflikte, soweit aus den Abstracts erkennbar: Der Erfahrungsbericht zur Elektroejakulation stammt vom Entwickler des Geräts [s123]; zwei Autoren der Anti-ASC-Studie halten ein Patent zur Behandlung von Entzündung nach Verletzung des Zentralnervensystems mit Antikörpern gegen Inflammasom-Proteine [s119]; die Studie zu Fingolimod im Samen stammt von einem Hersteller [s90]; die randomisierte Kollagenstudie nutzt ein kommerzielles Medizinprodukt [s114].
Grenzen
Die Literatur ist nach der Recherche ungleich verteilt: Die Rückenmarksverletzung dominiert, die Multiple Sklerose ist dünn belegt, bei Parkinson fehlen humane Samenstudien völlig, bei nichtdiabetischen Neuropathien fehlen sie ebenfalls. Fertilitätskliniken berichten Erfolgsserien; Männer, die nie in eine Klinik kommen, fehlen. Publikationsverzerrung ist wahrscheinlich. Gewinnungsverfahren (Masturbation, Vibration, Elektroejakulation, chirurgische Gewinnung) liefern unterschiedlich beeinträchtigte Proben und sind mit Läsionsmerkmalen vermengt, sodass Vergleiche zwischen Studien nur bedingt zulässig sind. Viele Arbeiten sind über 20 Jahre alt; Zählmethoden, WHO-Normwerte und Behandlungsstandards haben sich geändert. Tierversuche (Ratte, Maus) mit Läsionen auf Höhe Th8 bis Th10 sind auf den Menschen nur eingeschränkt übertragbar. Diese Studie kann deshalb Muster beschreiben und Lücken benennen, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen beweisen.