Rückenmarksverletzung, Multiple Sklerose und Neurologie · Kapitel 7 von 23 · Studienlage: Beobachtungsstudien

Multiple Sklerose: humane Studien bis Nicht in diesem Kapitel behandelt: Tierversuche und Einzelfallberichte

Multiple Sklerose: humane Studien

Für die Multiple Sklerose gibt es eine einzige ältere Studie mit Samenanalyse und Hormontests bei erwachsenen Männern, zwei kleine prospektive Studien mit Spermiogramm unter krankheitsmodifizierender Therapie sowie mehrere Hormon- und Sexualfunktionsstudien. Aus Japan, Korea, Russland und der Türkei wurde keine Studie mit eigenen Samenanalysen bei MS-Patienten gefunden [s49, s55, s96, s95].

Safarinejad 2008: Endokrines Profil, Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse und Samenqualität bei MS (Teheran) [s156]

Originaltitel: Evaluation of endocrine profile, hypothalamic-pituitary-testis axis and semen quality in multiple sclerosis

Design. Fall-Kontroll-Studie mit 68 Männern mit MS (18 Jahre und älter) und 48 altersgleichen gesunden Kontrollen. Zwei Blutproben im Abstand von 15 Minuten (LH, FSH, Prolaktin, Testosteron, Östradiol, SHBG), GnRH- und hCG-Test zur Beurteilung der Achse, Samenanalyse. Ergebnisse. Die basalen Serumspiegel für LH, FSH und Testosteron lagen bei MS-Patienten signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,01); nach GnRH-Analogon stiegen FSH und LH bei MS nicht signifikant an (die Angabe "p = 0,001" ist im Abstract nicht eindeutig zugeordnet). Gesamtspermienzahl, Beweglichkeit und Anteil normaler Formen waren bei MS niedriger als bei Kontrollen. Patienten mit progredientem Verlauf hatten stärkere und häufigere Störungen der Achse als solche mit schubförmig-remittierender MS. Die Autoren schließen auf einen hypogonadotropen Hypogonadismus mit Fertilitätsbeeinträchtigung, mit Schäden auf hypophysärer und testikulärer Ebene.

Stärken. Umfangreiche Endokrinologie mit Stimulationstests, Kontrollgruppe; die einzige gefundene klinische Studie mit Samenanalyse bei einem größeren MS-Kollektiv. Schwächen. Der Abstract gibt keine Zahlenwerte der Spermiogrammparameter, keine Konfidenzintervalle und keine Angaben zu Medikation (Immuntherapien, Steroide), Krankheitsdauer oder Abstinenzzeit; Einzelzentrum; derselbe Autor wie bei der SCI-Studie von 2003 [s169]; eine unabhängige Replikation fehlt.

Einordnung. Ein ausgeprägter Befund (verminderte Gesamtzahl, Beweglichkeit und Normalformen sowie Hypogonadotropie) steht gegen die späteren Studien ohne Unterschied [s78, s69] und gegen die überwiegend normalen Gesamttestosteronwerte [s16, s58, s96]. Unterschiede in Krankheitsdauer, Therapie, Krankheitsform und Einschlusskriterien kommen als Ursachen infrage; die Abstracts erlauben keinen Schluss, welche Studie die Verhältnisse besser abbildet.

D'Amico et al. 2020: Gonadensteroide und Spermienqualität bei RRMS (Catania) [s78]

Originaltitel: Gonadal Steroids and Sperm Quality in a Cohort of Relapsing Remitting Multiple Sclerosis: A Case-Control Study.

Design. Prospektive Fall-Kontroll-Studie. Eingeschlossen waren Männer von 18 bis 55 Jahren mit gesicherter schubförmig remittierender MS (RRMS), die noch keine krankheitsmodifizierende Therapie (DMT) hatten; 38 von 41 Patienten wurden ausgewertet (Alter 40,3 ± 12,3 Jahre); die Kontrollen stammten aus dem Andrologiezentrum. Messung zur Diagnose und 12 Monate nach der ersten DMT. Ergebnisse. Keine Unterschiede in Gonadensteroiden oder Spermienparametern, außer dem freien Testosteron, das bei RRMS-Patienten niedriger war (Median 0,09 gegenüber 1,4; p < 0,0001; im Abstract ohne Einheit). Keine Korrelation mit Behinderungsgrad oder Krankheitsaktivität; nach 12 Monaten DMT kein Unterschied zum Ausgangswert. Die Autoren schließen, RRMS beeinträchtige die Fertilität möglicherweise nicht. Stärken. Prospektiv, Kontrollgruppe, DMT-naive Männer, Verlauf unter Therapie. Schwächen. Kleine Stichprobe; Einheit des freien Testosterons fehlt im Abstract; die Kontrollen sind Männer, die ein Andrologiezentrum aufgesucht haben (mögliche Selektion mit Fertilitätsproblemen); die Aussage "keine Beeinträchtigung" ist bei dieser Stichprobengröße vorsichtig zu lesen, weil das Fehlen eines signifikanten Unterschieds kein Beleg für Gleichheit ist.

D'Amico et al. 2021: Natalizumab und Ocrelizumab [s69]

Originaltitel: Male fertility in relapsing-remitting multiple sclerosis patients treated with natalizumab and ocrelizumab: A prospective case-control study.

Prospektive Fall-Kontroll-Studie mit 16 Männern mit RRMS unter Natalizumab oder Ocrelizumab und 16 gematchten gesunden Kontrollen; Gonadensteroide und Spermienparameter bei der Diagnose und nach 12 Monaten Therapie. Kein Unterschied zu den Kontrollen zu beiden Zeitpunkten. Die Autoren sehen keinen Einfluss der beiden Medikamente auf die Fertilität in dieser Kohorte. Schwächen. 16 Männer, ein Jahr Beobachtung, gleiche Arbeitsgruppe wie [s78]; eine Überlappung der Teilnehmer ist im Abstract nicht ausgeschlossen.

Rościszewska-Żukowska et al. 2026: Testosteron bei RRMS [s16]

Originaltitel: Testosterone in Relapsing-Remitting Multiple Sclerosis: A Case-Control Study.

Fall-Kontroll-Studie mit 126 Männern mit RRMS unter DMT (18 bis 67 Jahre) und 35 Kontrollen. Spermienparameter nennt der Abstract nicht. 118 (93,6 %) hatten normales Gesamttestosteron; niedriges Gesamttestosteron fand sich nur bei 2 (1,6 %) der MS-Patienten und 2 (5,7 %) der Kontrollen; niedriges freies Testosteron bei 53 (43,7 %) der MS-Patienten und 12 (34,3 %) der Kontrollen; bei unter 38-jährigen MS-Patienten war das freie Testosteron signifikant niedriger als bei Kontrollen (p = 0,015). Längere Krankheitsdauer (11,83 Jahre) war mit niedrigem freien Testosteron assoziiert (OR 1,19; 95 % CI 1,06 bis 1,35; p = 0,004); die Zahl der Steroidbehandlungen ebenfalls (p = 0,003). Kein Zusammenhang mit EDSS, MRT-Befunden oder DMT-Typ. Stärken. Vergleichsweise große MS-Gruppe, Konfidenzintervall für den Hauptprädiktor. Schwächen. Nur 35 Kontrollen; keine Samenanalyse; der Unterschied beim freien Testosteron (43,7 % gegenüber 34,3 %) wird nur in der Altersuntergruppe signifikant, was auf eine Subgruppenanalyse hindeutet; die Prozentwerte (zum Beispiel 53 von 126 = 42,1 %) weichen vom Abstract (43,7 %) ab, vermutlich wegen eines anderen Nenners; dies ist nicht aufklärbar.

Diaconu et al. 2022: Hypogonadismus bei MS [s58]

Originaltitel: Hypogonadism in men with multiple sclerosis: Prevalence and clinical associations.

Querschnittsstudie; 64 Männer mit MS wurden mit einem klinischen Instrument gescreent; 50 (78 %) hatten ein positives Ergebnis, 46 wurden mit Morgen-Testosteron untersucht, davon 5 unter der Normgrenze. Testosteron korrelierte außer mit dem Körpergewicht (BMI) weder mit demografischen noch mit Krankheitsparametern und sagte weder EDSS- noch T25-FW-Progression noch MRT-Aktivität voraus. Spermien: nicht untersucht. Einordnung. 5 von 46 mit niedrigem Testosteron (etwa 11 %, eigene Berechnung) steht im Gegensatz zu Safarinejad [s156]; der Screening-Anteil von 78 % bezeichnet Symptome und nicht gemessenen Hypogonadismus.

Burdin et al. 2018: Hypophysen- und Hodenhormone bei MS mit erektiler Dysfunktion (Moskau) [s96]

Originaltitel: Гормональная функция гипофиза и яичек при эректильной дисфункции у больных рассеянным склерозом (deutsch: Hormonfunktion von Hypophyse und Hoden bei erektiler Dysfunktion von Patienten mit Multipler Sklerose)

Design. Querschnittsvergleich: 32 MS-Patienten mit leichtem neurologischem Defizit (EDSS 0 bis 2; Gruppe 1) und 20 mit mäßigem Defizit (EDSS 2,5 bis 5; Gruppe 2); Kontrollen: 28 gesunde Männer (23 bis 47 Jahre) und 37 Männer (21 bis 46 Jahre) mit funktionellen Sexualstörungen. LH, FSH, Testosteron und Prolaktin im Serum (Radioimmunoassay). Ergebnisse. Kontrollmittelwerte: LH 7,005 ± 0,653 IE/l, FSH 8,011 ± 1,723 IE/l, Testosteron 2,839 ± 0,390 µg/l, Prolaktin 148,0 ± 20,84 µIE/ml. In Gruppe 1 lagen die Hormone im Normbereich, LH, FSH und Prolaktin am oberen, Testosteron am unteren Rand; LH (8,146 ± 0,584 IE/l) und FSH (8,141 ± 1,505 IE/l) waren statistisch signifikant erhöht, aber nach Angabe der Autoren weniger stark als in Gruppe 2 (für diese Gruppe stehen im abgerufenen Text keine Mittelwerte). Prolaktin lag in Gruppe 1 signifikant über dem Wert der Gesunden und der Gruppe 2. Nur bei drei Patienten der Gruppe 2 fanden sich niedriges Testosteron und erhöhtes LH. Ein "pathologischer" Hormonbefund bei MS wurde insgesamt nicht gesehen; der Testosteronspiegel wich nicht signifikant von den Kontrollen ab. Stärken. Eine der wenigen Hormonstudien bei MS-Männern aus Russland; zwei Schweregradgruppen; zwei Kontrollgruppen. Schwächen. Keine Samenanalyse; Auswahl wegen erektiler Dysfunktion; keine Konfidenzintervalle. Einordnung. Der Befund (LH und FSH erhöht, nicht erniedrigt) widerspricht dem hypogonadotropen Befund von Safarinejad [s156]; der Unterschied kann mit der Auswahl (Männer mit erektiler Dysfunktion) und mit Laborverfahren zusammenhängen.

Barnaulov 2014: Phytotherapie bei MS und anderen neurologischen Erkrankungen [s124]

Originaltitel: Положительный гонадотропный эффект фитотерапии больных рассеянным склерозом и другими заболеваниями неврологического профиля (deutsch: Positiver gonadotroper Effekt der Phytotherapie bei Patienten mit Multipler Sklerose und anderen neurologischen Erkrankungen)

Anekdotische Einzelfallberichte über Kräutermischungen bei Männern mit verminderter Potenz; die einzige Samenangabe lautet, bei einem Ehemann einer schwer erkrankten Patientin sei "das Spermiogramm ohne Pathologie" gewesen. Es gibt keine Zahlen, keine Kontrollgruppe und keine standardisierte Erhebung. Einordnung: Die Arbeit belegt weder einen Zusammenhang zwischen MS und Samenqualität noch eine Wirkung der genannten Mischungen; sie wird nur wegen ihrer Zugehörigkeit zum russischsprachigen Fachdiskurs aufgeführt.

Uca et al. 2018: Sexuelle Dysfunktion bei Männern mit MS (Türkei) [s95]

Originaltitel: Multipl Sklerozlu Erkek Hastalarda Cinsel Disfonksiyonun Değerlendirilmesi (deutsch: Beurteilung der sexuellen Dysfunktion bei männlichen Patienten mit Multipler Sklerose)

Fall-Kontroll-Querschnittsstudie mit 61 Männern mit MS und 60 gesunden Männern; EDSS, Beck-Depressionsskala (BDI), visuelle Analogskala für Schmerz (VAS), IIEF, SF-36. Eingeteilt wurden 45 Patienten mit EDSS unter 5,5 und 19 mit EDSS über 5,5 (die Summe 64 stimmt nicht mit den 61 Patienten überein). VAS und BDI waren bei MS signifikant höher, IIEF und alle SF-36-Teilwerte signifikant niedriger (p < 0,05). Mittlerer EDSS 2,75 ± 2,42. Eine Depression (BDI mindestens 17) fand sich bei 62,5 % der MS-Patienten und 11,7 % der Kontrollen (p < 0,001). Der IIEF korrelierte negativ mit Alter, Krankheitsdauer, Schubzahl, Ehejahren, EDSS, VAS und BDI. Stärken. Fall-Kontroll-Struktur, standardisierte Skalen. Schwächen. Keine Samenparameter, keine Hormone; die Zahlenabweichung in der Gruppengröße ist ein Qualitätsmangel des Abstracts. Einordnung. Hinweis auf eine Beeinträchtigung der Sexualfunktion, nicht der Samenqualität.

Glazer et al. 2018: Männliche Infertilität und MS-Risiko, dänische Registerstudie [s92]

Originaltitel: Male factor infertility and risk of multiple sclerosis: A register-based cohort study.

Design. Registerbasierte Kohortenstudie; Verknüpfung des dänischen nationalen IVF-Registers mit dem dänischen MS-Register. 51.063 Männer, deren Partnerinnen von 1994 bis 2015 in dänischen Kinderwunschkliniken behandelt wurden; 24.011 mit männlicher Faktor-Infertilität, 27.052 Referenz; medianes Alter bei Beginn 34 Jahre. Ergebnisse. Höheres Risiko für prävalente MS (OR 1,61; 95 % CI 1,04 bis 2,51) und, nicht signifikant, für inzidente MS (HR 1,28; 95 % CI 0,76 bis 2,17). Als mögliche gemeinsame Ursachen werden Hypogonadismus, gemeinsame Genetik oder eine autoimmune Komponente genannt. Stärken. Landesweite Daten, große Stichprobe, Konfidenzintervalle. Schwächen. Weitgehend Männer in Kinderwunschbehandlung; wenige MS-Fälle (breites Intervall); prävalente MS kann die Fertilität erst nach der Diagnose beeinflusst haben (umgekehrte Kausalität möglich); die Beziehung zur Samenqualität bei bekannter MS ist damit nicht beantwortet. Einordnung. Der signifikante Befund bei prävalenter MS, der nicht signifikante bei inzidenter MS: Für ein erhöhtes Risiko vor dem Krankheitsbeginn spricht das Ergebnis nur schwach.

Li et al. 2024: Zwei-Stichproben-Mendelsche Randomisierung, MS und abnorme Spermien [s49]

Originaltitel: Multiple sclerosis and abnormal spermatozoa: A bidirectional two-sample mendelian randomization study.

Bidirektionale Mendelsche Randomisierung (Shanxi); genomweite Assoziationsdaten zur MS dienten als Instrumentalvariablen, Endpunkt "abnorme Spermien"; Methoden: inverse Varianzgewichtung (IVW), MR-Egger, MR-PRESSO; Sensitivität: Cochran-Q-Test, MR-Egger-Achsenabschnitt, Leave-one-out, Trichterdiagramm. Ergebnis. Ursächlicher Zusammenhang zwischen MS und abnormalen Spermien, Odds Ratio 1,090 (95 % CI 1,017 bis 1,168; p = 0,014); die Sensitivitätsanalysen bestätigten Genauigkeit und Robustheit; die Autoren fordern, Fortpflanzungsfragen bei Männern mit MS zu beachten. Einordnung. Der Effekt ist klein (OR 1,09), das Intervall liegt nahe an 1; Mendelsche Randomisierung auf Basis genomweiter Daten bildet die klinische Samenanalyse nicht ab; "abnorme Spermien" ist im Abstract nicht näher definiert; Fallzahlen nennt der Abstract nicht. Ein zeitgleich erschienener Brief aus Wenzhou (Shu und Hong 2024) behandelt laut Titel die Gegenrichtung und berichtet keinen direkten Zusammenhang; ein Abstract war nicht abrufbar, der Brief wird nicht als Quelle geführt.

Pharmakokinetik im Samen: Fingolimod und Teriflunomid [s90, s60]

Originaltitel: Determination of Seminal Concentration of Fingolimod and Fingolimod-Phosphate in Multiple Sclerosis Patients Receiving Chronic Treatment With Fingolimod.; Teriflunomide levels in women whose male sexual partner is on teriflunomide for relapsing multiple sclerosis.

David et al. (2018): multizentrische offene Studie des Herstellers; 13 Männer unter Fingolimod seit mindestens 6 Monaten gaben je eine Samen- und Blutprobe. Die Konzentrationen von Fingolimod und Fingolimod-Phosphat im Samen entsprachen im Gleichgewichtszustand denen im Blut; geschätzte Menge in 10 ml Ejakulat: 47,5 ng. Die rechnerische Belastung einer Partnerin liegt um etwa das 400-Fache (Fingolimod) beziehungsweise 2400-Fache (Fingolimod-Phosphat) unter den Werten ohne beobachtete Wirkung (NOAEL) der Tierversuche zur Embryo-Fetalentwicklung; die Autoren halten ein Risiko für den Fötus für äußerst unwahrscheinlich. Guarnaccia et al. (2022): Teriflunomid war bei 4 von 10 Partnerinnen von Männern unter 14 mg täglich nachweisbar (Mittelwert 0,046 µg/ml). Einordnung: Beide Studien messen die Übertragung des Wirkstoffs, nicht Spermienparameter; die Fingolimod-Studie ist industrienah und gilt nur für diese Wirkstoffe.

Parkinson-Krankheit: humane Studien

Eine humane Studie, die Samenqualität oder Spermienparameter bei Parkinson-Krankheit untersucht, wurde in keinem der durchsuchten Sprachräume gefunden. Dies ist ein Befund der Recherche und kein Beweis für das Fehlen solcher Studien (siehe die Hinweise zur Erreichbarkeit der Datenbanken in der Gesamtstudie).

Sakakibara et al. 2001: Fragebogen zu Beckenorganfunktionen (Chiba) [s172]

Originaltitel: Questionnaire-based assessment of pelvic organ dysfunction in Parkinson's disease.

Querschnittsstudie mit 115 Parkinson-Patienten (52 Männer, 63 Frauen; Alter 35 bis 69, im Mittel 59 Jahre; mittlere Krankheitsdauer 6 Jahre; mittleres Hoehn-und-Yahr-Stadium 3; alle unter Levodopa mit oder ohne Dopaminagonisten) und 391 Kontrollpersonen (271 Männer, 120 Frauen; mittleres Alter 48). Bei den Männern der Parkinson-Gruppe waren häufiger vermindert als bei den Kontrollen: Libido (83 %), Geschlechtsverkehr (88 %), Orgasmus (87 %), Erektion (79 %) und Ejakulation (79 %). Der Beantwortungsgrad der Sexualfragen lag bei Männern bei 88 % (Parkinson) beziehungsweise 95 % (Kontrolle). Sexualfunktionsstörungen nahmen mit dem Alter zu, nicht aber mit dem Hoehn-und-Yahr-Stadium; Blasen- und Darmstörungen stiegen mit dem Stadium. Stärken. Kontrollgruppe, hohe Rücklaufquote. Schwächen. Fragebogen ohne Samenanalyse; die Kontrollen (Gesundheitsuntersuchung, im Mittel 11 Jahre jünger) sind nicht altersgleich, ein erheblicher Störfaktor, weil Sexualstörungen mit dem Alter zunehmen; Medikamenteneffekte (Levodopa, Bromocriptin) sind nicht von der Erkrankung zu trennen. Einordnung. Die Studie sagt nichts über die Spermienqualität; sie zeigt, dass Ejakulationsstörungen bei Parkinson häufig berichtet werden.

Varlıbaş et al. 2025: Autonome Dysfunktion und sexuelle Dysfunktion (Türkei) [s42]

Originaltitel: Relationship between autonomic dysfunction and sexual dysfunctions in Parkinson's patients.

Querschnittsstudie mit 76 Patienten mit idiopathischem Parkinson (41 Männer, 35 Frauen; Hoehn und Yahr 1 bis 3; ohne Diabetes). 53,9 % hatten sexuelle Dysfunktion (ASEX). Patienten mit Dysfunktion waren älter, im höheren Stadium, hatten höhere SCOPA-AUT-Werte (kardiovaskulär, urinär, gastrointestinal; p < 0,001) und häufiger Bluthochdruck (p = 0,001). Impulskontrollstörung 6,5 %. Schwächen. Männer und Frauen gemeinsam ausgewertet; zu Ejakulation oder Sperma gibt es keine Angabe; keine Kontrollgruppe im Abstract.

Gül et al. 2021: Sexuelle Funktionsstörung bei Parkinson (Van, Türkei) [s70]

Originaltitel: Parkinson Hastalığında Cinsel Fonksiyon Bozukluğu Prevalansı (deutsch: Prävalenz sexueller Funktionsstörungen bei Parkinson-Krankheit)

Querschnittsstudie an einer neurologischen Ambulanz, September 2019 bis März 2020; 70 Patienten (30 Frauen, 40 Männer); bei Männern IIEF-5. Männer waren stärker durch sexuelle Unzufriedenheit und erektile Dysfunktion beeinträchtigt als Frauen (65 % gegenüber 46,6 %). Von 16 Patienten mit sehr ausgeprägter erektiler Dysfunktion hatten 2 (12,5 %) eine leichte, 3 (18,75 %) eine mittlere und 11 (68,75 %) eine schwere Form (p < 0,05). Unzufriedenheit hing mit Alter, Krankheitsdauer und fortgeschrittenem Stadium zusammen. Schwächen. Kleine Querschnittsstudie ohne Kontrollgruppe, ohne Samenparameter.

Einordnung zur Parkinson-Krankheit. Die drei Studien belegen Beeinträchtigungen von Sexualfunktion und Ejakulation. Sie sagen nichts über Spermienparameter. Die einzigen Hinweise auf eine Hodenbeteiligung stammen aus Tiermodellen, die in einem anderen Kapitel behandelt werden [s76, s19, s86].

Neuropathie und Diabetes

Ali et al. 1993: Samenanalyse bei Diabetikern mit und ohne Neuropathie [s186]

Originaltitel: Semen analysis in insulin-dependent/non-insulin-dependent diabetic men with/without neuropathy.

Design. Vergleichende Querschnittsstudie; 100 insulinabhängige (IDDM) und 314 nicht insulinabhängige (NIDDM) Diabetiker mit und ohne objektiven Hinweis auf Neuropathie (Alter 15 bis 80 Jahre, Diabetesdauer 1 bis 33 Jahre) und altersgleiche Nichtdiabetiker. Ergebnisse. Deutlich höhere Gesamtspermienleistung und Konzentration bei neuropathischen Diabetikern beider Typen (im Abstract "p > .0005" geschrieben, vermutlich p < 0,0005); Beweglichkeit und Samenvolumen waren um etwa 30 beziehungsweise 60 % geringer, die Morphologie unverändert. Kein signifikanter Unterschied zwischen neuropathischen und nicht neuropathischen Diabetikern; die Autoren deuten dies als Hinweis auf endokrine Ursachen und diskutieren eine Leydig-Zell-Hyperplasie und eine Atonie von Blase und Harnröhre. Stärken. Große Gesamtzahl, objektive Neuropathiekriterien, Kontrollen. Schwächen. Alte Studie; keine Zahlenwerte und keine Konfidenzintervalle im Abstract; die Untergruppengrößen sind nicht genannt; die endokrine Erklärung ist nicht geprüft. Einordnung. Die einzige humane Samenanalyse mit Neuropathie-Stratifizierung. Der fehlende Unterschied zwischen Diabetikern mit und ohne Neuropathie ist ein Gegenargument zu einer rein neuropathischen Erklärung der Samenveränderungen.

Ali und Rakkah 2007: Sildenafil bei Diabetes mit und ohne Neuropathie (Saudi-Arabien) [s157]

Originaltitel: Neurophysiological role of sildenafil citrate (Viagra) on seminal parameters in diabetic males with and without neuropathy

Kontrollierte klinische Studie: 50 Männer mit insulinabhängigem und 50 mit nicht insulinabhängigem Diabetes, jeweils mit und ohne objektiven Neuropathiebefund (Untergruppengrößen im Abstract nicht angegeben), und 50 nicht diabetische Kontrollen; Alter 20 bis 65 Jahre, Diabetesdauer 1 bis 20 Jahre; chronische Gabe von 100 mg Sildenafil, Spermiogramm. Bei Männern mit Neuropathie (beide Diabetestypen) sanken Gesamtspermienleistung und Spermienkonzentration signifikant (p < 0,001); Beweglichkeit und Samenvolumen stiegen nach Angabe um etwa 40 % beziehungsweise 48 %; Morphologie und Bewegungsqualität blieben unverändert. Bei Diabetikern ohne Neuropathie bestand kein signifikanter Unterschied. Schwächen. Behandlungseffekt und Neuropathie-Effekt sind vermischt; Ausgangswerte fehlen im Abstract; die vorgeschlagene Mechanik (Hodenhyperplasie, Nekrose, Kollagenablagerung) wurde nicht gemessen; der Rückgang der Spermienzahl bei gleichzeitigem Anstieg des Volumens ist nicht erklärt. Einordnung. Aussagekraft gering; kein Beleg für eine Wirkung.

Li et al. 2026: Diabetes mit retrograder Ejakulation, 115 Patienten (Baoding) [s12]

Originaltitel: Retrospective study of 115 patients with diabetes mellitus complicated by retrograde ejaculation.

Retrospektive Studie an 115 Diabetikern (mittleres Alter 39,9 Jahre) mit gesicherter retrograder Ejakulation. 80,0 % hatten vollständige retrograde Ejakulation, 54,8 % eine mittelschwere bis schwere erektile Dysfunktion und 39,1 % Anorgasmie ("dreifache Dysfunktion"). Typ-1-Diabetiker, obwohl jünger und mit höherem Testosteron als Typ-2-Patienten, hatten schlechtere funktionelle Ergebnisse, darunter signifikant häufiger Anorgasmie (65,5 % gegenüber 30,2 %). Unabhängige Prädiktoren einer mittelschweren bis schweren erektilen Dysfunktion in der multivariaten logistischen Regression: Diabetesdauer (OR 1,70; p < 0,001), Alter (OR 1,23; p < 0,001) und HbA1c (OR 1,70; p = 0,004); Rauchen und Alkohol waren nicht signifikant. Die Autoren sehen die retrograde Ejakulation selten isoliert, sondern als Teil eines komplexen Syndroms. Schwächen. Retrospektiv, ein Zentrum, keine Kontrollgruppe ohne retrograde Ejakulation, keine Samenparameter, Neuropathie im Abstract nicht gemessen.

Liu et al. 2020: TESA-ICSI bei Typ-2-Diabetes (Xi'an) [s82]

Originaltitel: Effects of testicular sperm aspiration upon first cycle ICSI-ET for type 2 diabetic male patients.

Retrospektive Kohorte; 1219 Männer mit Azoospermie oder retrograder Ejakulation, TESA-ICSI von 2015 bis 2019; 54 mit Typ-2-Diabetes, 1165 ohne Diabetes. Verfügbare Embryonen (75,20 ± 26,40 % gegenüber 78,36 ± 23,25 %) und Rate hochwertiger Embryonen (46,49 ± 30,37 % gegenüber 47,55 ± 28,57 %) waren bei Diabetes etwas niedriger, die Fehlgeburtsrate höher (20,83 % gegenüber 8,88 %); alle Unterschiede waren nicht signifikant, ebenso wenig Schwangerschaft, Einnistung, Befruchtung und Teilungsrate. Schwächen. Nicht neurologisch angelegt; mit nur 54 Diabetikern ist die Teststärke für Unterschiede in der Fehlgeburtsrate gering.

Kim et al. 2012: Wahrnehmung urogenitaler Komplikationen bei Diabetes (Korea) [s138]

Originaltitel: Survey on the perception of urogenital complications in diabetic patients.

Querschnittsumfrage an 275 Diabetespatienten: 32,4 % ohne Kenntnis, 30,5 % mit etwas Kenntnis, 37,1 % mit detaillierter Kenntnis urogenitaler Komplikationen. 124 Patienten (45,1 %) berichteten urogenitale Beschwerden: 93 (75,0 %) Miktionsstörungen, 61 (49,2 %) Sexualstörungen (Libidoverlust, Erektions- und Ejakulationsstörungen). Schwächen. Subjektive Selbstauskunft ohne Neuropathie-Diagnostik und ohne Samenanalyse; Wert vor allem als Hinweis auf geringes Problembewusstsein.

Lu et al. 2014: Spermiengewinnung bei anejakulatorischen Diabetikern (Jinan) [s121]

Originaltitel: Sperm retrieval in anejaculatory diabetic men who failed in drug treatment and penile vibratory stimulation during blood sugar under control.

Klinische Fallserie: 21 anejakulatorische Diabetiker, bei denen Medikamente und PVS bei kontrolliertem Blutzucker versagt hatten. Samengewinnung durch retrograde Ejakulation bei 10 Patienten (Gruppe A) und durch Prostatamassage bei 8 Patienten (Gruppe B). Befruchtungsrate 78,3 % (A) gegenüber 66,6 % (B), Rate guter Embryonen 56,6 % gegenüber 48,8 %, Schwangerschaften 50 % gegenüber 37,5 % (insgesamt acht Einlingsschwangerschaften bei 18 Männern: fünf in A, drei in B). Kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Schwächen. Sehr kleine Gruppen; 21 Männer im Eingang, aber nur 18 in den Gruppen (Differenz im Abstract nicht erklärt).

Kurbatov et al. 2013 bis 2015: Endourethrale Injektion bei retrograder Ejakulation (Moskau) [s133, s117, s114]

Originaltitel: Коррекция ретроградной эякуляции у больных сахарным диабетом 1-го типа (deutsch: Korrektur der retrograden Ejakulation bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1); Диагностика и лечение анэякуляции как проявления урогенитальной формы автономной диабетической полинейропатии (deutsch: Diagnostik und Behandlung der Anejakulation als Manifestation der urogenitalen Form der autonomen diabetischen Polyneuropathie); Correction of Retrograde Ejaculation in Patients with Diabetes Mellitus Using Endourethral Collagen Injection: Preliminary Results

Die drei Arbeiten der Moskauer Gruppe überschneiden sich teilweise in den Patienten und dürfen nicht als unabhängige Bestätigungen gezählt werden. [s133]: unkontrollierte Fallserie mit 12 Patienten (Alter 25,7 ± 6,1 Jahre) mit absoluter retrograder Ejakulation bei Typ-1-Diabetes; endourethrale Injektion von Kollagen in den Blasenhals. Antegrade Ejakulation bei 11 von 12 wiederhergestellt; Nachbeobachtung bei 10 Patienten über 12 Monate; die Wirkung hielt bei 7 Patienten 6 Monate, bei 2 Patienten 9 Monate und bei einem Patienten 12 Monate an. Zwei natürliche Schwangerschaften bei den Partnerinnen, eine endete nach 8 Wochen in einer Fehlgeburt, eine in einer Geburt in der 39. Woche. Samenwerte nach dem Eingriff (Mittelwert ± Standardabweichung [Spannweite]): Volumen 0,25 ± 0,14 ml [0,1 bis 0,35]; Konzentration 93 ± 62,2 Millionen/ml [7 bis 180]; lebende Spermien 61,7 ± 24,5 % [29 bis 88]; Beweglichkeit A + B 10 ± 6,8 % [0 bis 22]; unbewegliche 81,4 ± 17,5 %; normal geformte 18,5 ± 12 % [1 bis 41]. Die beiden Schwangerschaften traten bei Patienten mit der höchsten Konzentration normaler Spermien auf. [s117]: prospektive unkontrollierte Fallserie mit 30 Patienten mit Typ-1-Diabetes und absoluter retrograder Ejakulation (Alter 32 [30; 35] Jahre; Diabetesdauer 17 [12; 22] Jahre; HbA1c 7,4 % [6,9; 8,0]); bei allen fanden sich in der postorgastischen Urinprobe viele Spermien und eine Blasenhalsinsuffizienz; 29 Männer hatten keine eigenen Kinder. Stimulationsneurografie des N. pudendus (Mittelwert ± Standardabweichung gegenüber Norm): M-Antwort-Amplitude 0,89 ± 0,17 mV (Norm über 3,5), Leitungsgeschwindigkeit 14,2 ± 2,5 m/s (über 19,7), residuale Latenz 7,6 ± 1,6 ms (unter 3,0), Reizschwelle 80 ± 17 mA (unter 20); Korrelation zwischen HbA1c und Leitungsgeschwindigkeit r = -0,41, p = 0,012. Antegrade Emission bei 22 von 30 (73 %) wiederhergestellt; Wirkdauer 7 [2; 12] Monate. Natürliche Zeugung bei den Partnerinnen von 4 Patienten (13 %), 3 Lebendgeburten (10 %), eine Fehlgeburt in Woche 8. Samenwerte der 22 Responder (Median [Quartile]): Volumen 0,9 ml [0,5; 1,5]; Konzentration 65 Millionen/ml [32; 113]; Beweglichkeit A + B 17 % [14; 37]; normale Formen 20 % [11; 35]; Asthenozoospermie bei 83 % der Responder. Responder und Nicht-Responder unterschieden sich in der Diabetesdauer (15 [10; 21] gegenüber 21 [16; 23] Jahre; p = 0,04) und im HbA1c (7,1 % [6,8; 7,7] gegenüber 7,8 % [7,5; 8,0]; p = 0,04). Bei den Männern, bei denen spontane Zeugung eintrat, lagen die Samenwerte bei Volumen 1,2 ml [0,9; 1,6], Konzentration 35 Millionen/ml [27; 65], Beweglichkeit A + B 29 % [18; 39], normalen Formen 18 % [13; 20]; zum Vergleich werden WHO-Referenzwerte von 2010 genannt (mindestens 1,5 ml, 15 Millionen/ml, 40 % und 4 %). [s114]: randomisierte, einfach verblindete Studie (1:1), 24 Patienten mit Typ-1-Diabetes und kompletter retrograder Ejakulation, die auf Imipramin nicht angesprochen hatten; Gruppe A endourethrale Kollageninjektion, Gruppe B endourethrale Kochsalzinjektion; 23 schlossen ab. In Gruppe A stieg das antegrade Volumen um im Mittel 0,71 ml, die Konzentration um 45,6 Millionen/ml, die Gesamtbeweglichkeit um 15,4 Prozentpunkte und die progressive Beweglichkeit um 8,4 Prozentpunkte (jeweils p < 0,05); gegenüber Gruppe B waren die primären und sekundären Endpunkte (außer IIEF-5) signifikant besser. Konfidenzintervalle stehen im Abstract nicht. Stärken. Elektrophysiologische Absicherung der Neuropathie (ungewöhnlich in dieser Literatur), Quartilen, Vergleich mit WHO-Referenz, offene Mitteilung des Misserfolgs bei 8 Patienten ([s117]); [s114] ist die einzige randomisierte Studie im russischsprachigen Material. Schwächen. Sehr kleine, überwiegend einarmige Serien; die Samenwerte betreffen nur Männer mit wiederhergestellter antegrader Ejakulation (Selektion); Wirkdauer median nur 7 Monate; [s114] ist einfach verblindet, mit einem kommerziellen Medizinprodukt und mit Co-Autoren aus Italien. Einordnung. Die Studien beschreiben die Wiederherstellung des antegraden Ejakulationswegs und keine Samenqualität bei diabetischer Neuropathie insgesamt; dass Konzentration und Beweglichkeit in [s114] "zunehmen", liegt methodisch nahe daran, dass mehr Ejakulat die Harnröhre statt der Blase erreicht. Die Samenwerte der Responder in [s117] (Asthenozoospermie bei 83 %, aber Konzentration und normale Formen im Referenzbereich) zeigen, dass auch nach Wiederherstellung die Beweglichkeit häufig vermindert bleibt.

Arafa und El Tabie 2008: Medikamentöse Behandlung der retrograden Ejakulation bei Diabetes [s151]

Originaltitel: Medical treatment of retrograde ejaculation in diabetic patients: a hope for spontaneous pregnancy.

Prospektive Interventionsstudie mit 33 Diabetikern mit retrograder Ejakulation (23 komplett, 10 partiell); drei aufeinanderfolgende Behandlungsserien mit Imipramin 25 mg zweimal täglich, Pseudoephedrin 120 mg zweimal täglich oder beidem. Bei kompletter retrograder Ejakulation entstand antegrades Ejakulat bei 10 Patienten (38,5 %) mit Imipramin, bei 11 (47,8 %) mit Pseudoephedrin und bei 16 (61,5 %) mit beiden; bei partieller verbesserten sich Volumen, Spermienzahl, Gesamt- und progressive Beweglichkeit. Schwäche. Die Prozentwerte beziehen sich auf unterschiedliche Nenner (10 von 26 entsprechen 38,5 %, aber nur 23 Patienten hatten komplette retrograde Ejakulation); die Zuordnung ist aus dem Abstract nicht nachvollziehbar. Die Studie ist eine Ergebnisbeschreibung ohne Empfehlung; Kontrollgruppe und Randomisierung fehlen.

Weitere neurologische Erkrankungen

Magot et al. 2024: Spinale Muskelatrophie als Störung der Spermatogenese (Frankreich) [s50]

Originaltitel: Spinal muscular atrophy is also a disorder of spermatogenesis.

Design. Deskriptive Querschnittsstudie in 13 französischen neuromuskulären Zentren (Juni 2022 bis Juli 2023); erwachsene Männer mit genetisch gesicherter SMA Typ 2 oder 3, alle vor einer Behandlung mit Risdiplam. 68 Patienten (36 SMA2, 32 SMA3); 41 mit Fertilitätsdaten (Vaterschaft, Spermiogramm), 33 Spermiogramme. Ergebnisse. Fertilitätsstörungen bei 27 von 41 (65,9 %; 95 % CI 51,3 bis 80,4), bei SMA2 bei 19 (90,5 %; 95 % CI 77,9 bis 100), bei SMA3 bei 8 (40 %; 95 % CI 18,5 bis 61,5). Von den Männern mit Spermiogramm hatten 81 % (27 von 33) eine abnorme Konzentration; 30 % eine Azoospermie. Die Abweichungen hingen mit dem SMA-Typ (p < 0,001), der motorischen Schwere (Zeitpunkt des Gehverlusts, Rollstuhldauer; p < 0,001) und dem Motor Function Measure (p < 0,01) zusammen. Stärken. Erste Studie mit Spermiogrammen bei SMA; Konfidenzintervalle. Schwächen. Die Hälfte der Männer ohne Fertilitätsdaten (27 von 68); selektiv teilnehmende Patienten; Querschnitt; die Obergrenze 100 % und die Intervallbreiten (zum Beispiel 18,5 bis 61,5 bei SMA3) zeigen die kleinen Untergruppen. Einordnung. Die Studie legt nahe, dass die Spermatogenese bei der schweren Verlaufsform eingeschränkt ist; ob dies am Gendefekt selbst oder an der motorischen Behinderung liegt, kann der Abstract nicht entscheiden.

Ergoli et al. 2020 und Yanovsky-Dagan et al. 2022: Myotone Dystrophie Typ 1 [s79, s64]

Originaltitel: Study of expression of genes potentially responsible for reduced fitness in patients with myotonic dystrophy type 1 and identification of new biomarkers of testicular function.; DMPK hypermethylation in sperm cells of myotonic dystrophy type 1 patients.

Ergoli und Mitarbeiter: Fall-Kontroll-Laborstudie mit 20 Patienten; etwa 50 % mit Hypospermie und Azoospermie, die übrigen mit Oligo-Astheno-Teratozoospermie; die niedrigsten AMH-Werte korrelierten am besten mit den Spermienveränderungen; die Expression von DMPK, SIX5 und RSPH6A war vermindert. Yanovsky-Dagan und Mitarbeiter: Laborstudie mit vier Patienten; keine Selektion gegen Spermien mit hypermethyliertem DMPK; die Arbeit betrifft die Vererbung, nicht die Samenqualität. Einordnung: Bei der myotonen Dystrophie Typ 1 sind Samenveränderungen häufig beschrieben, die Fallzahl von 20 und das Fehlen eines Konfidenzintervalls im Abstract erlauben keine Prävalenzschätzung.

Spina bifida: Deng et al. 2018 [s91] (Übersicht, siehe oben), Fortingo et al. 2025 [s27], Rague et al. 2025 [s35], Choi et al. 2017 [s99], Shiomi et al. 2006 [s164]

Originaltitel: Prevalence and treatment patterns of erectile dysfunction and hypogonadism in men with spina bifida: a retrospective study.; Perspectives of Young Men With Spina Bifida on Fertility Potential and Future Parenthood.; Sexual Function and Quality of Life in Young Men With Spina Bifida: Could It Be Neglected Aspects in Clinical Practice?; Sexuality and seeking medical help for erectile dysfunction in young adults with spina bifida.

Fortingo und Mitarbeiter: retrospektive Abrechnungsdatenstudie (MarketScan 2008 bis 2017); erektile Dysfunktion 7,83 %, Hypogonadismus 7,71 %, meist unbehandelt (66,6 % und 77,4 %). Rague und Mitarbeiter: qualitative Interviewstudie mit 20 Männern; 70 % ohne Partnerschaft, kein Teilnehmer mit Vaterschaft, viele mit Kinderwunsch. Choi und Mitarbeiter (Seoul): 47 junge Männer mit Spina bifida; 24 von 47 (51,1 %) hatten im vergangenen Monat Geschlechtsverkehr; bei 10 Patienten (41,7 %) der aktiven Männer traten zumindest zeitweise Ejakulationsprobleme auf; Korrelation zwischen Sexualfunktion und Lebensqualität r = 0,496 (p = 0,014). Shiomi und Mitarbeiter (Japan): 36 Männer angeschrieben, 26 antworteten; positive Raten für psychogene Erektion 85 %, Rigidität der Erektion 54 %, Ejakulation 88 %, Orgasmus 65 %; psychogene Erektion und Ejakulation korrelierten mit der Sharrard-Klassifikation. Einordnung: Keine dieser Studien enthält Samenparameter; die niedrigen Raten behandelter Probleme (Fortingo) und die niedrige Partnerschaftsrate (Rague) zeigen, dass Fortpflanzungsfragen in dieser Gruppe versorgungsseitig kaum angekommen sind. Abrechnungsdaten erfassen nur dokumentierte Diagnosen und unterschätzen daher vermutlich die tatsächliche Häufigkeit.

Schlaganfall, Myasthenia gravis, Schädel-Hirn-Trauma, Zerebralparese

Originaltitel: Sexual dysfunction in male stroke patients: correlation between brain lesions and sexual function.; Sexual dysfunction in patients with myasthenia gravis.; Causal associations of male infertility with stroke: a two-sample Mendelian randomization study.; Экспрессия рецептора CD117 в половых железах мужчин при черепно-мозговой травме (deutsch: Expression des Rezeptors CD117 in den männlichen Keimdrüsen bei Schädel-Hirn-Trauma); Prevalence and risk factors of acquired undescended testis in boys with cerebral palsy: A cross-sectional study

Jung et al. 2008 [s154] (Korea): Fragebogenstudie mit 109 männlichen Schlaganfallpatienten (64,93 ± 8,81 Jahre) und 109 altersgleichen Kontrollen; IIEF-5 5,89 ± 7,08 gegenüber 10,67 ± 7,10; mangelnde Libido war mit 59,4 % die häufigste Ursache für fehlenden Verkehr; Läsionen im rechten Kleinhirn und linken Basalganglienbereich gingen mit Ejakulationsstörung beziehungsweise verminderter Libido einher. Schwächen: Fragebogen, keine Samenanalyse, keine Angaben zu Medikamenten und Komorbidität im Abstract; der niedrige IIEF-5 auch bei Kontrollen deutet auf eine insgesamt belastete Altersgruppe. Wang et al. 2021 [s73] (West China Hospital): 158 Myasthenia-gravis-Patienten (52 Männer, 106 Frauen) und 161 Gesunde; Frauen mit MG hatten signifikant häufiger sexuelle Dysfunktion (48,11 % gegenüber 22,64 %; p < 0,001); bei den Männern war sie ebenfalls häufiger (genaue Zahl und Test im Abstract nicht genannt); Alter (OR 1,13; 95 % CI 1,06 bis 1,21; p < 0,001) und HAMD-Depressionswert (OR 1,53; 95 % CI 1,0 bis 2,13; p = 0,011) waren unabhängige Risikofaktoren; der männliche Anteil ist klein, Samenparameter wurden nicht erhoben. Zhu et al. 2024 [s53]: Zwei-Stichproben-Mendelsche Randomisierung zu männlicher Infertilität und Schlaganfall; Hinweis auf ein niedrigeres Risiko für Schlaganfall durch Erkrankung der kleinen Gefäße bei männlicher Infertilität (OR 0,82; 95 % CI 0,68 bis 0,99; p = 0,044); für andere Schlaganfalltypen kein signifikanter Effekt; geringe Heterogenität, kein erkennbarer Pleiotropie-Hinweis, aber "Stabilität nicht optimal"; die Autoren sprechen von einem möglichen protektiven Effekt und mahnen zur Vorsicht; die Fragerichtung ist umgekehrt, und das Konfidenzintervall berührt fast die 1. Fedotov et al. 2018 [s97] (Rjasan): postmortale histologische Untersuchung; 5 Männer (25 bis 44 Jahre), die 15 bis 35 Tage nach Schädel-Hirn-Trauma starben, gegen 6 gleichaltrige Männer, die am Unfallort starben. Kontrollen: mittlere Querschnittsfläche der Hodenkanälchen 35,2 × 10³ ± 3,7 µm². Verstorbene im späten Verlauf: Kanälchen mit differenzierten Zellverbänden nur 41,4 ± 5,7 %, mit undifferenzierten Zellverbänden 31,4 ± 5,8 %, Kanälchen nur mit Sertoli-Zellen 24,2 ± 5,2 %; mittlere Querschnittsfläche 31,8 × 10³ ± 4,2 µm², um 11 % geringer als bei den Kontrollen (p < 0,05); Spermatiden fehlten in den betroffenen Kanälchen; CD117 war in den Spermatogonien stärker exprimiert. Stärken: seltene menschliche Hodenhistologie nach Hirnverletzung. Schwächen: nur 11 Fälle; Autopsiematerial (Intensivtherapie, Medikamente, Fieber und Todesursache können die Befunde beeinflussen); keine Samenanalyse; keine Konfidenzintervalle; unklar, ob der Hoden vor dem Trauma gesund war. Seçim et al. 2026 [s18] (Istanbul): Querschnittsstudie mit 240 Jungen (1 bis 15 Jahre) mit Zerebralparese; erworbener Hodenhochstand bei 58 (24,2 %); am häufigsten bei der schwersten motorischen Beeinträchtigung (p = 0,017); unabhängige Prädiktoren: Frühgeburtlichkeit (OR 2,6; 95 % CI 1,3 bis 5,2), Hüftdysplasie (OR 3,1; 95 % CI 1,2 bis 8,3), Mangelernährung oder Sondenernährung (OR 3,1; 95 % CI 1,6 bis 6,1); Hormonwerte unterschieden sich nicht; Hodenatrophie bei 34,5 % der Jungen mit Hodenhochstand, bei neu erkannten Fällen deutlich häufiger als bei bekannten (65,4 % gegenüber 9,4 %; p < 0,001). Die Arbeit betrifft Kinder und den Hodenstand, nicht die Samenqualität; die spätere Fertilität wurde nicht untersucht.

Cheng et al. 2026: Dynamische transrektale Sonographie bei kompletter retrograder Ejakulation [s02]

Originaltitel: A mechanistic, imaging-based classification of complete retrograde ejaculation: insights from dynamic transrectal ultrasonography.

Einzelzentrum-Studie (Dalian) bei 20 Patienten mit kompletter retrograder Ejakulation: 10 mit Diabetes, 10 mit Harnröhrenstriktur; der SCI-Typ wurde nur literaturbasiert ergänzt. Drei Funktionstypen: "Koordinationsstörung" (SCI-assoziiert, verzögerter Blasenhalsschluss bei fehlender Erschlaffung des äußeren Harnröhrenschließmuskels), "unvollständiger Schluss" (Striktur) und "vollständiges Blasenhalsversagen" (Diabetes). Einordnung: Für SCI wurden keine eigenen Patienten untersucht; die Autoren nennen das selbst als Einschränkung und fordern Validierung in größeren, prospektiven, multizentrischen Studien.

Nicht in diesem Kapitel behandelt: Tierversuche und Einzelfallberichte

Die tierexperimentellen Arbeiten (Nagermodelle der Rückenmarksverletzung, Cuprizon-Modell der Demyelinisierung, Rotenon-Modell der Parkinson-Krankheit, Modelle des Schädel-Hirn-Traumas und des Diabetes) liefern Mechanismen, deren Übertragbarkeit begrenzt ist; sie stehen in einem eigenen Kapitel [s148, s81, s103, s167, s54, s07, s44, s36, s40, s48, s76, s19, s05, s86, s141, s30, s62, s160, s152, s107, s89, s83, s88, s102, s29, s46, s41, s22]. Dasselbe gilt für Einzelfallberichte [s01, s63, s192, s39, s177, s181, s171, s185, s176, s165, s80, s25, s106]. Eine kurze Aufzählung dient der Vollständigkeit; die Befunde werden dort besprochen.

Alle Kapitel und Anhänge (26)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Rückenmarksverletzung: Samenparameter in großen und mittleren Kollektiven bis Rückenmarksverletzung: Sexual- und Ejakulationsfunktion ohne Samenanalyse
  6. Rückenmarksverletzung: Verfahren der Samengewinnung bis Rückenmarksverletzung: Prospektive und retrospektive Studien mit therapeutischem Eingriff
  7. Multiple Sklerose: humane Studien bis Nicht in diesem Kapitel behandelt: Tierversuche und Einzelfallberichte
  8. Zusammenschau der Beobachtungsstudien
  9. Leitlinien und Konsensdokumente
  10. Übersichten zum Gesamtbild bis Vibrationsverfahren, Ejakulationsdyssynergie und Fallberichte zur Ejakulation
  11. Operative Gewinnung und Ergebnisse assistierter Reproduktion
  12. Rückenmarksverletzung: Tierversuche bis Neuropathie und Diabetes
  13. Weitere neurologische Erkrankungen (ohne Epilepsie) und Zusammenfassende Gewichtung der Studienlage
  14. Mechanismen und biologische Plausibilität
  15. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  16. Englisch bis Japanisch
  17. Koreanisch bis Türkisch
  18. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  19. Limitationen der Evidenz
  20. Offene Forschungsfragen
  21. Praktische Einordnung
  22. Glossar
  23. Quellenverzeichnis
  24. Diagramme
  25. Quellen
  26. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle