Die Einstufung folgt der im Abschnitt „Aufbau und Methodik dieser Studie“ erläuterten Skala. Evidenzstärke beschreibt das Studiendesign (A bis D), Gewissheit die Verlässlichkeit der Aussage nach Fallzahl, Überschneidungen und Abstract-Lage (hoch, mäßig, niedrig, sehr niedrig). Keine Aussage der Studie erreicht die Gewissheit „hoch“.
- Rückenmarksverletzung: normale Zahl, geringe Beweglichkeit. Konzentration oft im Referenzbereich, Beweglichkeit und Vitalität vermindert; Beweglichkeit je nach Gewinnungsweg 36,9 %, 25,9 % und 15,0 % gegenüber 58,0 % bei Kontrollen [s137]; ähnliche Befunde in Kairo (Beweglichkeit 11,6 %, Vitalität 18,5 %, 45 Männer) [s159], in Spanien [s84] und im Iran [s163]. Evidenzstärke B bis C, Gewissheit mäßig (große, aber überlappende Datenbank, Gewinnungsweg und Läsionsmerkmale vermengt).
- Nur eine Minderheit hat normale Samenwerte. 30 von 400 Männern (7,5 %, abgeleitet aus den Angaben der Studie) erfüllten die WHO-Kriterien für Volumen, Konzentration und Beweglichkeit; inkomplette Läsion (Odds Ratio 2,6; 95-%-Konfidenzintervall 1,1 bis 6,1) und Ejakulation durch Masturbation (OR 2,7; 1,1 bis 7,1) waren mit normalen Werten verbunden [s144]. B, Gewissheit niedrig bis mäßig (30 Fälle, breite Intervalle).
- Ejakulation ist ein eigenes Problem. Bei kompletter Läsion Ejakulation nach Masturbation oder Koitus 11,8 %, nach Vibration 47,4 %, nach Acetylcholinesterase-Hemmer plus Masturbation 54,7 %; bei inkompletter Läsion 33,2 %, 52,8 % und 78,1 % [s126]. A (Metaanalyse), Gewissheit mäßig (kleine Einzelgruppen, keine Konfidenzintervalle im Abstract).
- Kein belegter Verfall mit der Zeit seit der Verletzung. Longitudinal über mindestens 3 Jahre (87 Männer) blieben alle Parameter bis auf eine leicht sinkende Konzentration unverändert [s145]; 638 Proben von 125 Männern ohne Zeiteffekt [s175]; 18 Monate Beobachtung bei 35 Männern [s57]. Offen bleibt die Frühphase: Bereits zwei Wochen nach der Verletzung werden Veränderungen beschrieben [s155]. B bis C, Gewissheit niedrig bis mäßig.
- Mögliche Mechanismen sind nur teilweise gesichert. Entzündungsproteine im Samenplasma [s131], Oxidationsstress und DNA-Fragmentation [s84, s59], erhöhte Aneuploidieraten [s139, s140], zentral bedingte Veränderungen der Hormonachse [s105, s98, s169]. C bis D, Gewissheit niedrig bis sehr niedrig (Gruppen von 8 bis 55 Männern, Tierversuche, selektierte Patienten).
- Assistierte Reproduktion gelingt häufig. Spermiengewinnung aus dem Hoden 80,7 % [s108], 81,3 % [s31], 86 % [s147]; Schwangerschaftsraten bei ICSI nicht signifikant verschieden von Vergleichsgruppen [s77, s24] beziehungsweise vergleichbar mit der infertilen Referenzpopulation einer Einheit [s94]; die Beweglichkeit im Ejakulat war 5,0 % gegenüber 35,0 %, die normale Befruchtungsrate 46,0 % gegenüber 71,0 % [s77]. Die Zahlen stammen aus Zentren mit Auswahlverzerrung. B bis C, Gewissheit mäßig.
- Multiple Sklerose: widersprüchliche Samenbefunde. 68 Männer mit verminderten Samenwerten und Hypogonadotropie [s156] gegenüber 38 und 16 Männern ohne Unterschied, in einer der beiden Studien nur beim freien Testosteron [s78, s69]. B, Gewissheit sehr niedrig.
- Multiple Sklerose und männliche Infertilität: Zusammenhang unsicher. Dänisches Register: OR 1,61 (1,04 bis 2,51) für prävalente MS, Hazard Ratio 1,28 (0,76 bis 2,17) für inzidente MS [s92]; Metaanalyse mit drei Studien OR 1,87 (0,89 bis 3,94), Heterogenität 86,1 % [s56]; Mendelsche Randomisierung OR 1,09 (1,017 bis 1,168) für MS und abnorme Spermien [s49]. A bis B, Gewissheit niedrig.
- Parkinson-Krankheit: Datenlücke. Keine humane Samenstudie in den erreichbaren Quellen; sexuelle Funktionsstörungen sind häufig berichtet (53,9 % im ASEX bei 76 Männern und Frauen) [s42], Tierdaten nur aus dem Rotenon-Modell [s76, s19]. D, Gewissheit sehr niedrig.
- Neuropathie: nur Diabetes belegt, und nicht neuropathiespezifisch. Metaanalysen: Beweglichkeit minus 14,29 Prozentpunkte (95-%-KI minus 22,76 bis minus 5,82) [s109] beziehungsweise minus 14,37 (minus 21,79 bis minus 6,96) [s74]; ein Unterschied zwischen Diabetikern mit und ohne Neuropathie fehlte in einer älteren Studie [s186]. A bis B, Gewissheit niedrig.
- Genetisch bedingte neuromuskuläre Erkrankungen. Spinale Muskelatrophie: Fertilitätsstörung bei 65,9 % (51,3 bis 80,4), bei Typ 2 90,5 %, bei Typ 3 40,0 % [s50]. C, Gewissheit niedrig bis mäßig (eine Querschnittsstudie, die Hälfte der Männer ohne Fertilitätsdaten).
- Es fehlt kontrollierte Evidenz zur Behandlung der Samenqualität. Drei randomisierte Studien betreffen die Wiederherstellung der Ejakulation (Samenparameter nur als sekundärer Endpunkt bei [s114]) und nicht die Samenqualität als Hauptziel [s115, s114, s149]; Probenecid und Anti-ASC-Antikörper wurden nur in einarmigen beziehungsweise Laborstudien geprüft [s93, s119]. C bis D, Gewissheit sehr niedrig. Das ist ein Befund über die Literatur, kein Behandlungshinweis.