Aus der Türkei wurde keine einzige Humanstudie mit Spermiogramm bei Schilddrüsenerkrankung gefunden. Nach der Erstautoren-Affiliation gehören zwölf Arbeiten zum Raum: elf Tier- oder Zellversuche (davon einer, [s167], zurückgezogen) und ein Fallbericht. Sie stammen aus histologischen, physiologischen und tiermedizinischen Instituten in Ankara, Isparta, Konya, Manisa, Şanlıurfa, Eskişehir und Kahramanmaraş und sind in englischsprachigen, in PubMed indizierten Zeitschriften erschienen. Türkischsprachige Originalartikel zum Thema fanden sich weder über TRDizin noch über Europe PMC. Die Such-Schnittstelle von TRDizin antwortete; die Suche nach „tiroid sperm“ ergab 12 Treffer, von denen nur einer einschlägig war (der iranische Grenzfall [s03], siehe unten). DergiPark leitete automatische Abfragen auf eine Verifizierungsseite um und war nicht durchsuchbar. Eine türkische Leitlinie oder ein Register zum Thema wurde nicht gefunden.
Thyreoidektomie und Hypothyreose bei Ratten. In Isparta wurden Ratten im Alter von vier Wochen total thyreoidektomiert und nach zwei, vier oder sechs Wochen untersucht (sechs Gruppen; Tierzahl nicht im Abstract) [s154]. Nach zwei Wochen waren runde Spermatiden vermindert und degenerierte Zellen zahlreich, nach vier und sechs Wochen waren die übrigen Keimzellen weitgehend degeneriert; gegenüber den Kontrollen sanken Außendurchmesser, Lumendurchmesser und Fläche des Keimepithels nach sechs Wochen um 21,10 %, 19,76 % und 40,29 % (jeweils p < 0,001). Es ist nur Histologie, ohne Spermiogramm und ohne Hormonwerte im Abstract. In Kahramanmaraş erhielten 18 trächtige Ratten Propylthiouracil während oder vor der Trächtigkeit; Tubulusdurchmesser und Johnsen-Score der Söhne waren in allen Hypothyreose-Gruppen niedriger, die Aromatase-Expression am Tag 60 vermindert [s92]. Ein gegenläufiger Befund stammt aus Ankara: Bei neugeborenen Ratten mit experimentell hochstehendem Hoden war der Johnsen-Score unter Propylthiouracil höher als ohne (p < 0,05); die Autoren sprechen von einer „protektiven“ Wirkung der vorübergehenden Hypothyreose [s141]. Das zeigt, dass die Wirkung vom Zeitpunkt und von der Ausgangslage abhängt. Eine weitere Ankaraner Arbeit zu Propylthiouracil, Levothyroxin und Zink bei Ratten (Andrologia 2000) ist in Europe PMC als zurückgezogene Publikation gekennzeichnet [s167]. Sie wurde nicht als Evidenz verwendet und geht in keine Auswertung ein.
Gewebeoxidation und Stammzellmarker. Die Gruppe in Konya (Selçuk-Universität) untersuchte in drei Arbeiten mit jeweils drei Rattengruppen (bei zwei Arbeiten 30 Tiere insgesamt) die Gewebeoxidation. Hypothyreose senkte Malondialdehyd und Glutathion in Niere und Hoden gegenüber der Kontrolle, kurzzeitig hochdosiertes Thyroxin steigerte beide über Kontrolle und Hypothyreose (p < 0,001) [s148]; Hyperthyreose durch dreiwöchige Levothyroxin-Gabe erhöhte das Malondialdehyd (p < 0,001), Melatonin senkte es, aber nicht bis auf Kontrollniveau [s147]; nach Entfernung der Zirbeldrüse war es bei Hyperthyreose noch höher [s142]. Das erste Ergebnis steht im Gegensatz zu den ägyptischen Hypothyreose-Studien (Abschnitt Arabisch), in denen Antioxidanzien einen als erhöht beschriebenen Hodenstress senken; ob das an Modell, Dauer oder Messmethode liegt, ist aus den Abstracts nicht zu klären. Alle drei messen Gewebeoxidationsmarker, keine Spermienparameter. In Manisa sank im Thyreotoxikose-Modell (Trijodthyronin 50 µg/100 g täglich über zehn Tage; acht Tiere je Gruppe) die Expression der Stammzellmarker c-kit und Thy-1, ebenso Connexin 43 und Occludin; die Autoren sehen darin einen Zerfall des Hodenmikromilieus, Spermienbefunde gibt es nicht [s102].
Radiojod und Schutzsubstanzen. Die Gruppe an der Harran-Universität in Şanlıurfa prüfte Radiojod (111 MBq) bei Ratten. In der Amifostin-Studie (36 Tiere, je zwölf pro Gruppe, Entnahme am Tag 8) fiel die Spermienbeweglichkeit von 74,58 ± 3,34 % in der Kontrolle auf 18,75 ± 3,76 % nach Radiojod und lag mit Amifostin bei 39,58 ± 3,34 %; der Anteil lebender Spermien betrug 81,91 %, 18,41 % und 41,83 %, die DNA-Fragmentierung 3,08 %, 14,91 % und 9,08 %, das FSH 22,34, 80,04 und 51,63 mIE/ml, die Spermienkonzentration blieb unverändert (75,31, 74,57 und 76,81 Mio./ml) [s84]. Im Text stehen für die DNA-Fragmentierung andere Streuungswerte als in der Tabelle, vermutlich Standardfehler gegenüber Standardabweichung, ohne dass die Arbeit das ausweist; beobachtet wurde nur über acht Tage, es gibt keine Daten zur Erholung. In der zweiten Studie mit demselben Modell (36 Ratten, Melatonin 12 mg/kg von zwei Tagen vor bis eine Woche nach Radiojod) waren Lebensfähigkeit und Beweglichkeit der Nebenhodenspermien in beiden Behandlungsgruppen niedriger als in der Kontrolle (p < 0,001), DNA-Fragmentierung, FSH und apoptotischer Index waren unter Melatonin niedriger als unter Radiojod allein [s74]; weil Beweglichkeit und Lebensfähigkeit auch unter Melatonin niedriger blieben, ist die Aussage der Autoren, Melatonin verhindere die Nebenwirkungen, nur für einzelne Parameter belegt.
Zellkultur, Fallbericht und Grenzfall. In Eskişehir sank an murinen TM3-Leydig- und TM4-Sertoli-Zellen die Zellvitalität unter Levothyroxin konzentrationsabhängig (IC50 im MTT-Test 121,22 µM in TM3 und 114,16 µM in TM4); die Autoren beschreiben die Konzentrationen als überphysiologisch und eine klinische Übertragung als nicht möglich [s13]. Aus Ankara stammt der Fallbericht eines adipösen Jungen mit Hypothyreose bei autoimmuner Thyreoiditis und Hodenvergrößerung ohne wesentliche Leydig-Zell-Stimulation (Van-Wyk-Grumbach-Syndrom); Spermiogramme gibt es nicht [s116]. Der Grenzfall ist eine Studie in der Zeitschrift Molecular Imaging and Radionuclide Therapy, die bei TRDizin gelistet ist, mit Erstautoren aus Schiras (Iran): 25 Männer mit differenziertem Schilddrüsenkarzinom erhielten 150 mCi Radiojod, Hormone und Spermiogramm wurden vor und zwei Wochen nach der Therapie bestimmt [s03]. Das FSH war nach der Therapie höher (p = 0,002); Gesamtspermienzahl, Volumen, Beweglichkeit und schnelle progressive Beweglichkeit lagen höher als vor der Ablation. Die Autoren schließen, 150 mCi hätten die Fertilität nicht beeinträchtigt, und fordern selbst Langzeitstudien. Der Nachbeobachtungszeitraum von zwei Wochen liegt jedoch vor dem Zeitfenster von drei bis sechs Monaten, in dem andere Studien den Schaden sehen; es gibt keine Kontrollgruppe, und der Abstract nennt nicht, ob die Männer vor der Messung hypothyreot waren oder Schilddrüsenhormone einnahmen. Der Volltext war gesperrt. Der Befund eines Spermienanstiegs steht im Gegensatz zum Rattenbefund unter Radiojod [s84, s74] mit anderer Dosis und anderem Messzeitpunkt. Zusammengefasst liefert die Türkei Rattenmodelle, aber weder Humankohorten noch Leitlinien.