Die Angaben zu Evidenzstärke und Gewissheit sind eine qualitative Einschätzung dieser Studie (Erläuterung im Abschnitt „Aufbau und Methodik“), kein formales GRADE-Verfahren.
- Es fehlen randomisierte Studien am Menschen. Keine Studie der Sammlung weist durch Zufallszuteilung nach, dass die Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung die Spermienqualität verbessert; die Interventionsstudien sind einarmig oder nicht randomisiert [s130, s60, s52, s70, s107]. Evidenzstärke: nicht vorhanden. Gewissheit der Lücke: hoch (im Rahmen der durchsuchten Datenbanken).
- Überfunktion (Hyperthyreose, Morbus Basedow): verminderte Beweglichkeit, rückläufig unter Euthyreose. Beweglichkeit 28 ± 8 % gegenüber 57 ± 7 % bei Kontrollen (p < 0,01), nach der Behandlung 45 ± 7 % (p < 0,05) [s162]; Asthenozoospermie bei 85,7 % von 21 Männern [s169]; Taschkent: aktiv bewegliche Formen 25,3 % gegenüber 59,3 % [s121]. Evidenzstärke: gering (kleine, kontrollierte Beobachtungsstudien). Gewissheit: mittel für die Richtung, niedrig für die Größe.
- Hormonachse bei Überfunktion: hohes SHBG, vermindertes bioverfügbares Testosteron, überschießende LH-Antwort. Das Gesamttestosteron kann dabei hoch oder normal sein [s169, s178, s110, s115, s172, s181]. Evidenzstärke: gering bis mäßig (mehrere kleine Studien in dieselbe Richtung). Gewissheit: mittel.
- Unterfunktion (Hypothyreose): uneinheitlich. Verminderte Morphologie (p < 0,0001) bei 25 Männern [s130] gegenüber unveränderter Morphologie bei induzierter Hypothyreose (10 Männer) [s180]; keine Korrelation von Funktionsstörung und Samenparametern bei 305 Männern [s164]. Evidenzstärke: sehr gering bis gering. Gewissheit: niedrig.
- Subklinische Hypothyreose und DNA-Fragmentierung. DFI ≥ 25 %: 20,57 % gegenüber 14,49 % (adjustiertes OR 1,43; 95-%-KI 1,09 bis 1,88); DFI ≥ 30 %: 11,72 % gegenüber 6,74 % (OR 1,84; 1,34 bis 2,52), jedoch ohne signifikanten Mittelwertunterschied (19,7 % gegenüber 18,9 %; p = 0,07) [s50]. Einzelne weitere Arbeiten gehen in dieselbe Richtung [s21]. Evidenzstärke: gering (eine große Querschnittsstudie eines Zentrums). Gewissheit: niedrig bis mittel.
- Väterliche subklinische Hypothyreose und Behandlungsergebnis. Bei IVF/ICSI waren die Spermienparameter gleich, die klinische Schwangerschaftsrate aber niedriger (0,32 gegenüber 0,42; p = 0,009), nur bei Männern ab 35 Jahren [s59]. Die Arbeit überlappt vermutlich mit zwei weiteren Kunming-Auswertungen [s47, s50]. Evidenzstärke: sehr gering. Gewissheit: niedrig.
- Große Kohorten: kleine, hormonspezifische Zusammenhänge innerhalb der Referenzbereiche. Bei 5142 Männern gingen niedrigeres freies T3 mit Oligozoospermie (aOR 1,434 bis 1,785) [s07], bei 8478 Männern niedrigstes FT3-Quartil mit Asthenozoospermie (aOR 1,23) einher [s16]. Die Effekte sind klein, die Richtung nicht für alle Hormone einheitlich. Evidenzstärke: gering. Gewissheit: niedrig.
- Hashimoto-Thyreoiditis und Antikörper beim Mann: kein belastbarer Befund. Erhöhte TPO-Antikörper korrelierten in einer Kohorte mit Pathozoospermie (p = 0,036) [s164], in einer anderen fand sich kein Unterschied [s143]; eine einarmige Selenstudie mit 20 Männern ist ohne Kontrolle [s52]. Evidenzstärke: sehr gering. Gewissheit: niedrig.
- Jod: U-förmige Beziehung in einer großen Querschnittsstudie, sonst kaum Humandaten. Konzentration 41,21 (Mangel), 70,86 (optimal), 57,13 Mio./ml (Überschuss) bei 1098 fertilen Männern [s66]. Evidenzstärke: gering. Gewissheit: niedrig (eine Spoturinprobe, keine Schilddrüsenhormone gemessen).
- Radiojod bei Schilddrüsenkrebs: vorübergehende, dosisabhängige Beeinträchtigung der Spermatogenese. FSH stieg von 5,4 ± 0,77 auf 21,3 ± 2,4 IE/l und erholte sich nach 18 Monaten [s168]; nach 3,7 GBq waren Spermienkonzentration und Morphologie nach 13 Monaten erholt [s73]. Bei Mehrfachgaben bleiben Veränderungen häufiger [s100]. Evidenzstärke: mäßig (mehrere prospektive Studien, Metaanalysen). Gewissheit: mittel bis hoch für die Richtung; die Metaanalysen widersprechen sich im Zeitverlauf des FSH [s39, s10].
- Genetische Analyse spricht gegen einen kausalen Effekt auf diagnostizierte Infertilität. Odds Ratio für TSH 1,06 (95-%-KI 0,86 bis 1,30) bei Männern; das Ergebnis betrifft den Endpunkt „Infertilität“, nicht einzelne Samenparameter [s36]. Evidenzstärke: mäßig für den Endpunkt, keine für Samenparameter. Gewissheit: mittel.
- Tierversuche zeigen den Zeitpunkt als entscheidenden Faktor. Transiente neonatale Hypothyreose steigerte bei Ratten die tägliche Spermienproduktion im Erwachsenenalter um 83 bis 136 % [s179], anhaltender Mangel senkte Hodengewicht und Keimzellzahl [s163, s132]. Die Übertragung auf den erwachsenen Mann ist offen. Evidenzstärke für den Menschen: nicht vorhanden. Gewissheit der Tierbefunde: mittel.