Schilddrüsenerkrankungen und Spermienqualität · Kapitel 2 von 21

Aufbau und Methodik dieser Studie

Fragestellung und Recherche. Gefragt wurde nach dem Einfluss von Hypothyreose (manifest und subklinisch), Hyperthyreose (vor allem Morbus Basedow), Hashimoto-Thyreoiditis und Jodmangel (sowie Jodüberschuss) auf die Spermienqualität. Die Recherche lief am 5. Oktober 2026 in drei Teilgruppen nach Sprachräumen: Gruppe A (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch), Gruppe B (Chinesisch, Japanisch, Koreanisch) und Gruppe C (Russisch, Arabisch, Türkisch). Die PubMed-Webseite war gesperrt und wurde nicht benutzt. Stattdessen dienten die REST-Schnittstelle von Europe PMC und die NCBI-E-utilities (efetch) als Hauptweg; hinzu kamen je nach Sprachraum die HAL-Schnittstelle (A), J-STAGE, CiNii Research, KCI und KoreaMed (B) sowie CyberLeninka und TRDizin (C). Für die Leitlinien wurden die Seiten der AUA/ASRM und der EAU abgerufen.

Ein- und Ausschluss. Aufgenommen wurden Arbeiten, deren Abstract oder Volltext tatsächlich vorlag und die Männer, Samenparameter, Spermatogenese, Hoden, Leydig- und Sertoli-Zellen oder die Hormonachse des Mannes betreffen. Ausgeschlossen wurden die umfangreiche Literatur zur weiblichen Fertilität und zu Schilddrüsenautoimmunität bei Frauen mit IVF, Arbeiten, in denen die Schilddrüse nur ein Nebenmesswert war, sowie (in Gruppe C) bewusst die persischsprachige Literatur aus dem Iran mit einer begründeten Ausnahme [s03]. Die drei Teilberichte führten zunächst 117, 46 und 51 Quellen; nach dem Zusammenführen doppelt erfasster Arbeiten (18 Fälle, etwa [s03], [s07], [s50]) blieben 196 Quellen, die in dieser Studie mit den Kennungen s01 bis s196 zitiert werden.

Was die Sammlung enthält. Nach dem Designfeld der Quellenliste sind rund 90 Einträge Tierversuche, Zellstudien oder Hypothesenarbeiten mit Tierversuch (grobe Zählung); 25 Einträge sind Übersichten, Metaanalysen, ein Umbrella-Review oder eine Leitlinie. Die übrigen sind Studien und Fallberichte am Menschen. Nach Jahrzehnten verteilen sich die Quellen so: bis 1999 28, 2000 bis 2009 42, 2010 bis 2019 58, ab 2020 68. Die Sprachangaben der Quellen sind mehrfach belegbar (eine Arbeit kann zwei Sprachen tragen): 171 Einträge tragen Englisch, 14 Russisch, 8 Japanisch, 5 Chinesisch, 4 Ukrainisch und einer Deutsch. Für 25 Einträge existiert keine PubMed-Kennung (russisch- und ukrainischsprachige Arbeiten, japanische Arbeiten aus J-STAGE, zwei HAL-Einträge und die Leitlinie); sie sind nur über die jeweils genannte Quelle belegt.

Die erste Grenze: überwiegend Abstracts. Fast alle Aussagen beruhen auf Abstracts, bei wenigen Arbeiten auf frei zugänglichen Volltexten (zum Beispiel [s66], [s36], [s06], [s121]). Konfidenzintervalle, Adjustierungen, Ein- und Ausschlusskriterien, die im Abstract fehlen, sind als „nicht berichtet“ zu lesen, nicht als „nicht vorhanden“. Zahlen in dieser Studie stammen aus den Abstracts beziehungsweise Volltexten der Quellenarbeiten; wo ein Abstract keine Zahl nennt, steht keine. Wo mehrere Fassungen derselben Arbeit voneinander abweichen, ist das ausgewiesen.

Die zweite Grenze: Zugang. Nicht durchsuchbar waren unter anderem die Cochrane-Webseite (nur eine Skriptoberfläche), die AWMF-Leitlinienregister, SciELO, LILACS, Dialnet, Cairn, die Datenbank der Italienischen Gesellschaft für Andrologie, CNKI, Wanfang, DBpia, eLIBRARY.ru, DergiPark, die Arab World Research Source, Mandumah und weitere arabische Verzeichnisse. Nicht in PubMed indizierte romanisch-, deutsch-, chinesisch-, russisch-, türkisch- und arabischsprachige Inlandsliteratur ist daher nur teilweise erfasst. Dass in einem Sprachraum nichts gefunden wurde, ist eine Lücke dieser Recherche und kein Beleg dafür, dass nichts existiert. Über Europe PMC wurde zum Beispiel in der Cochrane-Datenbank nach Reviews zu männlicher Subfertilität gesucht und keiner zur Schilddrüse des Mannes gefunden; das ist ein Befund.

Die dritte Grenze: Überlappung und Abhängigkeit. Mehrere Quellen sind nicht unabhängig. Die drei Kunming-Auswertungen [s47], [s50], [s59] stammen aus demselben Zentrum mit teils überlappenden Zeiträumen und zählen nicht als drei Bestätigungen. Die Übersichten von Krassas und Mitarbeitern [s125, s152] fußen zum Teil auf den Primärstudien derselben Erstautorengruppe [s162, s130] und bestätigen sie nicht unabhängig. Drei ukrainische Arbeiten desselben Erstautors [s81, s82, s83] haben nahezu gleiche Zahlen in mehreren Kenngrößen, was auf überlappende Stichproben hindeutet. Von den Übersichten, die Zahlen aus anderen Studien wiedergeben [s111, s25], wurden die Primärstudien nicht abgerufen; ihre Zahlen sind Zweitangaben. Eine Arbeit zu Hunden [s38] ist wegen auffälliger Ähnlichkeit ihrer Hormontabelle mit der Humantabelle in [s82] mit Vorsicht zu lesen und wird in dieser Studie nicht für Zahlen herangezogen.

Zurückgezogene Arbeit. Die Studie von Tahmaz und Mitarbeitern aus dem Jahr 2000 zu Hypothyreose, Levothyroxin und Zink bei Ratten [s167] ist in Europe PMC als „Retracted Publication“ gekennzeichnet (abgerufen am 5. Oktober 2026). Sie bleibt in der Quellenliste, wird aber nicht als Evidenz verwendet.

Einordnung der Evidenz. Für die Rubriken „Evidenzstärke“ und „Gewissheit“ wurde kein formales GRADE-Verfahren durchgeführt, sondern eine einfache Einschätzung nach folgenden Regeln. Evidenzstärke richtet sich nach Studiendesign, Fallzahl, Kontrollgruppe und Übereinstimmung mehrerer Studien: „nicht vorhanden“ (keine Studie dieses Designs), „sehr gering“ (Fallberichte, kleine Serien, uneinheitliche Befunde), „gering“ (kleine bis mittlere kontrollierte oder große Querschnittsstudien), „mäßig“ (mehrere prospektive Studien oder Metaanalysen mit gleicher Richtung). Eine „hohe“ Evidenzstärke wurde für keine Fragestellung vergeben. Gewissheit beschreibt, wie sicher die genannte Richtung des Befunds ist, nach Abzug von Abstract-Beschränkung, Überlappung, Selektion (die meisten Männer stammen aus Kinderwunschzentren) und Störfaktoren. Die Skala lautet niedrig, mittel, hoch. Beide Angaben sind Urteile dieser Studie und nicht Aussagen der Quellen.

Haltung zu Empfehlungen. Diese Studie spricht keine Therapie- oder Untersuchungsempfehlung aus. Viele Autoren der Quellen empfehlen Schilddrüsenscreening bei infertilen Männern, andere raten davon ausdrücklich ab [s130, s143, s158, s97, s164]; beides wird in den Kapiteln als Position der Autoren wiedergegeben. Wörtliche Zitate sind selten; fremdsprachige Titel stehen im Original, bei nicht englischen und nicht deutschen Titeln mit deutscher Übersetzung in Klammern.

Alle Kapitel und Anhänge (24)
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aufbau und Methodik dieser Studie
  3. Hintergrund
  4. Studienlage: Metaanalysen und Übersichten
  5. Genetische Epidemiologie: Mendelsche Randomisierung und Hyperthyreose beim Mann
  6. Hypothyreose beim Mann: klinische Serien mit Samenanalyse und Subklinische Hypothyreose und Schilddrüsenwerte innerhalb der Referenzbereiche: Querschnitts- und Kohortenstudien
  7. Prävalenz von Schilddrüsenstörungen und Autoimmunität bei Männern mit Fertilitätsproblemen bis Autoimmunthyreoiditis: kleine Behandlungsbeobachtungen
  8. Radiojod bei Schilddrüsenkrebs und Hyperthyreose: Kohorten und Fallberichte und Zusammenfassende Einordnung der Beobachtungsstudien
  9. Hyperthyreose beim Mann: Hormonachse und Samenparameter bis Übersichtsarbeiten
  10. In-vitro-Studien an menschlichen Spermien und Zellkulturen bis Befunde, die sich widersprechen
  11. Mechanismen und biologische Plausibilität
  12. Dosis-Wirkung, Subgruppen und Reversibilität
  13. Englisch bis Spanisch
  14. Chinesisch bis Arabisch
  15. Türkisch
  16. Widersprüche und ihre mögliche Erklärung
  17. Limitationen der Evidenz
  18. Offene Forschungsfragen
  19. Praktische Einordnung
  20. Glossar
  21. Quellenverzeichnis
  22. Diagramme
  23. Quellen
  24. Prüfprotokoll der Quellenkontrolle