Dieses Kapitel stellt jede einschlägige Arbeit der Datenbasis einzeln dar. Es beschränkt sich auf Studien am Menschen und auf Zusammenfassungen, die sich auf Studien am Menschen stützen; Tierversuche und Zellstudien sind nicht Gegenstand dieses Kapitels. Die Angaben stammen aus den Rechercheberichten und aus den bei der Recherche abgerufenen Abstracts und, wo ausdrücklich vermerkt, aus Volltexten. Einzelne Kernzahlen (Cai [s39], Santi [s10], Bahreiny [s27], Wang [s15], Zhao [s50], Poppe [s143]) wurden für dieses Kapitel erneut gegen den PubMed-Eintrag über die NCBI-E-utilities bzw. Europe PMC geprüft und stimmten mit den Berichten überein. Wo nur ein Abstract vorlag, sind Konfidenzintervalle, Adjustierungen und Ausschlusskriterien, die dort fehlen, als „nicht berichtet" zu lesen, nicht als „nicht vorhanden". Dieses Kapitel gibt keine Therapieempfehlung; Empfehlungen, die Autorinnen und Autoren aussprechen, werden als deren Schlussfolgerung gekennzeichnet.
Als Rahmen vorweg: Für die Frage, ob Schilddrüsenerkrankungen die Spermienqualität beeinflussen, liegt in der gesamten Datenbasis keine Metaanalyse vor, die Hypothyreose, Hashimoto-Thyreoiditis oder Jodmangel unmittelbar mit Samenparametern verknüpft. Die vorhandenen Metaanalysen betreffen (1) die subklinische Hyperthyreose mit Schwerpunkt auf Hormonwerten [s27] und (2) die Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs, also die Folge einer Behandlung und nicht die Schilddrüsenfunktionsstörung selbst [s39, s10]. Hinzu kommen ein Umbrella-Review zu allgemeinen Risikofaktoren der männlichen Infertilität [s15], ein Scoping Review zum Jod [s20] und eine größere Zahl narrativer Übersichten. Die Literatur ist damit auf der Ebene der Evidenzsynthese dünn.
Systematische Übersichten mit Metaanalyse
Bahreiny et al. 2024: subklinische Hyperthyreose beim Mann [s27]
Quelle. Bahreiny SS, Ahangarpour A, Rajaei E, Sharifani MS, Aghaei M: Meta-Analytical and Meta-Regression Evaluation of Subclinical Hyperthyroidism's Effect on Male Reproductive Health: Hormonal and Seminal Perspectives. Reproductive Sciences 2024 [s27]. Die Autorengruppe stammt von der Medizinischen Universität Ahvaz (Iran).
Design und Methodik. Systematische Übersicht mit Metaanalyse und Metaregression. Die Suche erstreckte sich von Januar 2000 bis Februar 2024 über mehrere Datenbanken. Die Einschlusskriterien waren nach dem PICO-Schema formuliert: männliche Personen mit subklinischer Hyperthyreose, Messung von Fortpflanzungshormonen und Samenqualität, Vergleich mit gesunden Kontrollen. Die Effektstärken wurden als standardisierte mittlere Differenz (SMD) in einem Random-Effects-Modell gepoolt. Der Abstract nennt 748 Teilnehmer; die Zahl der eingeschlossenen Studien nennt er nicht [s27].
Ergebnisse (alle Zahlen aus dem Abstract).
- LH war bei subklinischer Hyperthyreose niedriger (SMD −0,20; p = 0,007), FSH höher (SMD 0,25; p = 0,002), Testosteron unverändert (SMD −0,05; p = 0,50) [s27].
- Schilddrüsenprofil: fT3 höher (SMD 0,15; p < 0,001), fT4 höher (SMD 0,08; p = 0,002), TSH niedriger (SMD −2,00; p < 0,001) [s27].
- Zur Samenqualität heißt es im Abstract lediglich, es seien „nachteilige Effekte" beobachtet worden; Zahlen dazu nennt der Abstract nicht [s27].
- Die Autoren folgern, dass Schilddrüsengesundheit in die Abklärung männlicher Infertilität einbezogen werden sollte und dass schon geringe Abweichungen der Schilddrüsenhormone Folgen für die Fortpflanzung haben könnten (Schlussfolgerung der Autoren) [s27].
Stärken. Der Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten, das Random-Effects-Modell und die Metaregression sind methodisch angemessen. Es ist die einzige Metaanalyse der Datenbasis, die ausdrücklich die subklinische Hyperthyreose beim Mann behandelt.
Schwächen. Im Abstract fehlen Konfidenzintervalle, Heterogenitätsmaße (I², τ²), die Zahl der Studien, Angaben zur Qualitätsbewertung der Primärstudien und zum Publikationsbias; die Samenergebnisse sind nicht quantifiziert, obwohl der Titel „Seminal Perspectives" ankündigt. Die standardisierten Differenzen der Hormone sind klein (0,08 bis 0,25 im Betrag); der TSH-Wert von −2,00 ist bei einer über ein supprimiertes TSH definierten Erkrankung per Definition zu erwarten und enthält keine Information über Fertilität. Die Beurteilung wird zusätzlich dadurch erschwert, dass in unserer eigenen Datenbasis nur eine einzige Primärstudie mit Männern mit subklinischer Hyperthyreose auftaucht, und zwar mit sechs Betroffenen [s97]; welche Primärarbeiten die 748 Teilnehmer beitragen, lässt sich aus dem Abstract nicht nachvollziehen. Im Abstract wird die subklinische Hyperthyreose mit der Abkürzung „SCH" bezeichnet, die in der übrigen Literatur für die subklinische Hypothyreose steht; bei der Übernahme von Zahlen ist deshalb auf die Zuordnung zu achten.
Einordnung. Die Arbeit liefert Hormonverschiebungen von geringer Größe und nicht quantifizierte Samenbefunde. Für die Frage der Spermienqualität ist sie anhand des Abstracts nicht überprüfbar; dafür wären Volltext und Zusatztabellen nötig.
Cai et al. 2023: Radiojod bei differenziertem Schilddrüsenkarzinom und männliche Gonadenfunktion [s39]
Quelle. Cai Y, Yang Y, Pang X, Li S: The effect of radioactive iodine treatment for differentiated thyroid cancer on male gonadal function: a meta-analysis. Endocrine Connections 2023 (Abteilung für Nuklearmedizin, Affiliated Hospital of North Sichuan Medical College, Nanchong, China) [s39].
Design und Methodik. Systematische Suche in PubMed, Embase, Web of Science, OVID, Scopus und Wanfang bis 10. Juni 2022. Von 1958 Treffern gingen sechs Artikel in die quantitative Analyse ein. Mittlere Differenzen (MD) mit 95-%-Konfidenzintervall wurden mit ReviewManager 5.4.1 berechnet; die Auswertung wurde nach der Länge der Nachbeobachtung (höchstens 6 Monate gegenüber mindestens 12 Monate) unterteilt [s39].
Ergebnisse (mittlere Differenzen mit 95-%-KI).
| Größe | Nachbeobachtung | MD | 95-%-KI | p |
|---|---|---|---|---|
| FSH | ≥ 12 Monate | −2,64 | −5,61 bis 0,33 | 0,08 |
| FSH | ≤ 6 Monate | −7,65 | −13,95 bis −1,34 | 0,02 |
| Inhibin B | ≥ 12 Monate | 66,38 | 8,39 bis 124,37 | 0,02 |
| Inhibin B | ≤ 6 Monate | 116,27 | 43,56 bis 188,98 | 0,002 |
| LH | gesamt | −0,87 | −2,04 bis 0,30 | 0,15 |
| Testosteron | gesamt | −1,69 | −7,29 bis 3,90 | 0,55 |
Der Abstract beschreibt das FSH nach Radiojod als erhöht (nur in der Frühphase signifikant), Inhibin B als erniedrigt (zu beiden Zeitpunkten signifikant), LH und Testosteron als nicht signifikant erhöht. Die Vorzeichen der Differenzen (negativ für FSH, positiv für Inhibin B) sind mit einer Definition „Wert vor der Therapie minus Wert nach der Therapie" vereinbar; der Abstract sagt das nicht ausdrücklich, es ist hier eine Lesart aus der Beschreibung. Die Autoren schließen, die männliche Gonadenfunktion könne innerhalb von 6 Monaten nach Radiojod vorübergehend beeinträchtigt sein und danach wieder in den Normbereich zurückkehren (Schlussfolgerung der Autoren) [s39].
Stärken. Breite Datenbanksuche einschließlich einer chinesischen Datenbank, Konfidenzintervalle, Unterteilung nach Nachbeobachtungszeit.
Schwächen. Nur sechs Studien; Heterogenitätsmaße, Qualitätsbewertung der Einzelstudien und Angaben zur Dosis fehlen im Abstract. Endpunkte sind Hormone; Spermienparameter sind im Abstract nicht gepoolt. Die Teilgruppen „höchstens 6 Monate" und „mindestens 12 Monate" können sich auf unterschiedliche Primärstudien stützen, sodass der scheinbare zeitliche Verlauf nicht innerhalb derselben Männer gemessen sein muss. Inhibin B ist laut Abstract auch nach 12 Monaten und länger noch signifikant verändert (p = 0,02), was mit der Schlussfolgerung einer Rückkehr zum Normalwert nicht ohne Weiteres vereinbar ist; der Abstract erklärt diese Spannung nicht.
Santi et al. 2026: Radiojod und männliche Reproduktionsgesundheit, FSH [s10]
Quelle. Santi D, Spaggiari G, Granata ARM, Piticchio T, Paoli D, Lombardo F, Simoni M, Pallotti F: Radioactive iodine and male reproductive health in thyroid cancer survivors: evidence of delayed gonadal dysfunction. Journal of Endocrinological Investigation 2026 (Modena, Enna, Rom; Italien) [s10].
Design und Methodik. Systematische Übersicht mit Metaanalyse über Studien, die FSH vor und nach Radiojodgabe bei Männern mit differenziertem Schilddrüsenkarzinom berichten. Primärer Endpunkt war die FSH-Veränderung im Zeitverlauf, sekundär LH und Samenparameter. Eingeschlossen wurden sieben Studien mit zusammen 460 Männern. Es wurde eine Metaregression auf Alter und Radiojoddosis durchgeführt, ergänzt durch Sensitivitätsanalysen [s10].
Ergebnisse.
- FSH war 12 Monate nach Radiojod signifikant höher (mittlere Differenz 6,56 IE/l; p < 0,001), nicht aber nach 3 oder 6 Monaten [s10].
- Die Metaregression zeigte, dass der FSH-Anstieg mit höherem Alter und höherer Dosis zunahm [s10].
- Weder LH noch die Standardsamenparameter änderten sich signifikant [s10].
- Die Heterogenität war sehr hoch (I² = 99 %); die Sensitivitätsanalysen bestätigten die Befunde [s10].
- Die Autoren sprechen von einer verzögerten, dosisabhängigen FSH-Erhöhung als möglichem Hinweis auf eine subklinische Beeinträchtigung der Hodenfunktion, insbesondere der Spermatogenese, und fordern prospektive Studien mit Langzeitendpunkten sowie Untersuchungen qualitativer Spermienveränderungen einschließlich der DNA-Integrität (Schlussfolgerung der Autoren) [s10].
Stärken. Gezielte Fragestellung zu einem klinisch gut messbaren Marker; Metaregression, die Alter und Dosis als Einflussgrößen prüft; Sensitivitätsanalysen.
Schwächen. Eine Heterogenität von I² = 99 % bedeutet, dass der gepoolte Mittelwert kaum noch einen einheitlichen Effekt beschreibt. Der Abstract nennt kein Konfidenzintervall für die mittlere Differenz. FSH ist ein indirekter Marker; die Standardsamenparameter blieben unverändert. Mit sieben Studien ist die Metaregression statistisch schwach.
Gegenüberstellung der beiden Radiojod-Metaanalysen
Die beiden Metaanalysen kommen für den zeitlichen Verlauf des FSH zu entgegengesetzten Mustern: Bei Cai war FSH früh (höchstens 6 Monate) signifikant erhöht und nach 12 Monaten und mehr nicht mehr signifikant [s39]; bei Santi war es nach 3 und 6 Monaten nicht signifikant verändert, nach 12 Monaten dagegen signifikant erhöht [s10]. Die Abstracts erklären den Widerspruch nicht. Naheliegende, aber aus den Abstracts nicht belegte Gründe sind die unterschiedliche Studienauswahl (sechs gegenüber sieben Studien), unterschiedliche Aktivitäten und die extreme Heterogenität. Beide Arbeiten stimmen darin überein, dass LH und Testosteron sich nicht klar verändern. Für Inhibin B liegt nur bei Cai ein gepoolter Wert vor [s39]. Die Primärstudien beider Übersichten sind aus den Abstracts nicht identifizierbar; ob sie sich überlappen, bleibt offen.
Umbrella-Review und Scoping Review
Wang et al. 2026: Umbrella-Review zu Risikofaktoren der männlichen Infertilität [s15]
Quelle. Wang QH, Ye JJ, Chen ZY, Zhang CC, Liao XY, Zheng L, Chen K, Tu X, Liu LR, Wei Q, Bao YG: Current risk factors for male infertility and semen parameters: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses. Asian Journal of Andrology 2026 (Urologie, West China Hospital, Universität Sichuan, Chengdu) [s15].
Design und Methodik. Umbrella-Review; Suche in Web of Science, MEDLINE und Embase von Januar 2000 bis Februar 2025. Endpunkte waren Infertilität, Samenvolumen, Spermienkonzentration, Spermiengesamtzahl, Morphologie, Beweglichkeit und progressive Beweglichkeit. Eingeschlossen wurden 43 Studien (systematische Übersichten und Metaanalysen) mit 67 Risikofaktoren; 249 Effektgrößen wurden einzeln nach GRADE bewertet: 136 (54,6 %) mit sehr niedriger, 59 (23,7 %) mit niedriger und 54 (21,7 %) mit moderater Vertrauenswürdigkeit. Eine hohe Vertrauenswürdigkeit wird im Abstract nicht genannt [s15].
Ergebnisse zur Schilddrüse. Hyperthyreose wird neben Typ-1-Diabetes, metabolischem Syndrom, systemischem Lupus erythematodes, chronischer Prostatitis und Leukozytospermie unter den Erkrankungen genannt, die das Risiko abnormer Samenparameter erhöhen können. Die Hypothyreose wird im Abstract nicht erwähnt; Hashimoto-Thyreoiditis und Jod ebenfalls nicht. Die Autoren weisen darauf hin, dass bei einigen der zugrunde liegenden Studien keine Kausalität gesichert ist [s15].
Stärken. Systematische Zusammenschau mit einheitlicher GRADE-Bewertung; Ausweis, wie schwach die Vertrauenswürdigkeit der meisten Effektgrößen ist.
Schwächen und Einordnung. Für die Hyperthyreose liefert der Abstract weder die zugrunde liegende Metaanalyse noch die Effektgröße noch die GRADE-Stufe. Es ist deshalb nicht zu entscheiden, ob sich die Nennung auf die Metaanalyse von Bahreiny [s27] stützt (in den Abstracts nicht belegt). Aus der Nennung lässt sich nur ableiten, dass die Hyperthyreose in der übergeordneten Literatur als möglicher Risikofaktor geführt wird, nicht, wie belastbar die Aussage ist; bei über der Hälfte aller bewerteten Effektgrößen lag die Vertrauenswürdigkeit bei „sehr niedrig".
Nazeri et al. 2025: Scoping Review zu Jodstatus und Fertilität [s20]
Quelle. Nazeri P, Chashmyazdan M, Masoumi M, Bagheri M, Taghva Nakhjiri M, Shafaatdoost M et al.: A Scoping Review on Iodine Status and Fertility: Results From Human Studies. Nutrition Reviews 2025 [s20].
Design. Scoping Review mit 26 Humanstudien (2000 bis Februar 2025) zu Jodstatus und Fertilität bei Frauen und Männern. Beim Mann betrachteten die Studien Samenparameter und Testosteron [s20].
Befunde. Sowohl Jodmangel als auch Jodüberschuss könnten die reproduktive Gesundheit des Mannes beeinträchtigen; die Befunde zur Jodsupplementierung seien gemischt, die Evidenz begrenzt [s20].
Einordnung. Ein Scoping Review kartiert die Literatur, bewertet aber weder das Verzerrungsrisiko noch fasst es Effekte statistisch zusammen. Der Abstract nennt keine Effektschätzer und keine Aufteilung nach Geschlecht (wie viele der 26 Studien Männer betreffen, geht aus ihm nicht hervor). Die Aussage „Mangel und Überschuss könnten schaden" ist eine Zusammenfassung heterogener Studien und keine quantitative Aussage.
Narrative Übersichten
Die folgenden Arbeiten sind narrative Zusammenfassungen ohne eigene Effektschätzer. Sie spiegeln den Wissensstand ihrer Zeit und stützen sich zu großen Teilen auf dieselben wenigen Primärstudien, vor allem auf die Serien der Arbeitsgruppe um Krassas [s162, s130] und auf die Radiojodstudien [s140]. Dass mehrere Übersichten dasselbe sagen, ist deshalb kein unabhängiger Beleg. Alle Zusammenfassungen liegen, soweit nicht anders vermerkt, nur als Abstract vor. Die Reihenfolge folgt dem Erscheinungsjahr, beginnend mit der ältesten Arbeit.
Maran 2003 [s157]. Thyroid hormones: their role in testicular steroidogenesis, Archives of Andrology. Grundlagenübersicht. Nach dem Abstract stimuliert T3 in Sertoli-Zellen die Laktatsekretion sowie die mRNA-Expression von Inhibin-alpha, Androgenrezeptor, IGF-I und IGFBP-4 und hemmt die von Müller-Hemmstoff, Aromatase, Östradiolrezeptor und androgenbindendem Protein; in Leydig-Zellen erhöhe es die Zahl der LH-Rezeptoren und die mRNA steroidogener Enzyme. Juvenile Hypothyreose bzw. transiente neonatale Hypothyreose führe zu Makroorchie und höherer täglicher Spermienproduktion. Einordnung: Mechanismen aus Zell- und Tierversuchen; keine klinischen Befunde.
Meikle 2004 [s153]. The interrelationships between thyroid dysfunction and hypogonadism in men and boys, Thyroid. Die Übersicht beschreibt, dass die primäre Hypothyreose mit einem hypogonadotropen Hypogonadismus einhergehen kann, der unter Schilddrüsenhormonersatz reversibel sei; das freie Testosteron sei bei Hypothyreose vermindert und normalisiere sich unter Schilddrüsenhormon. Bei Männern mit Hyperthyreose seien Testosteron, SHBG und Östradiol erhöht, eine Gynäkomastie häufig, die LH-Antwort auf GnRH überhöht und die Antwort auf hCG vermindert. Radiojod verursache dosisabhängig eine Störung der Spermatogenese und einen FSH-Anstieg über bis zu etwa zwei Jahre; die Erholung erfolge meist nach 18 Monaten, bei hohen Dosen seien dauerhafte Keimzellschäden möglich. Stärke: breite endokrinologische Einordnung, die laut Titel auch Jungen einschließt. Schwäche: narratives Verfahren, im Abstract keine Zahlen.
Krassas und Pontikides 2004 [s152]. Male reproductive function in relation with thyroid alterations, Best Practice & Research Clinical Endocrinology & Metabolism. Nach dieser Übersicht verändert die Hyperthyreose Sexualsteroidstoffwechsel, Spermatogenese und Fertilität, vor allem die Beweglichkeit der Spermien; die Veränderungen bildeten sich nach Erreichen der Euthyreose zurück. Die Hypothyreose wirke subtiler und reversibel; eine schwere juvenile Hypothyreose könne mit einer Pubertas praecox einhergehen; Daten zur Infertilität bei Hypothyreose seien spärlich. Radiojod bei Schilddrüsenkarzinom könne die Hodenfunktion vorübergehend beeinträchtigen, der Schaden sei bei Mehrfachgaben kumulativ, die Spermienkonservierung sei zu erwägen (Wertung der Autoren). Einordnung: Der Erstautor ist zugleich Autor der kontrollierten Primärstudien zur Hyperthyreose [s162] und zur Hypothyreose [s130]; die Übersicht fasst also zu einem erheblichen Teil eigene Arbeiten zusammen.
Trokoudes, Skordis und Picolos 2006 [s144]. Infertility and thyroid disorders, Current Opinion in Obstetrics and Gynecology. Behandelt beide Geschlechter mit Schwerpunkt auf der Frau. Für den Mann hält sie fest, dass die Thyreotoxikose einen signifikanten, aber reversiblen Effekt auf die Spermienbeweglichkeit habe und dass Radiojod in Ablationsdosen die Gonaden vorübergehend beeinflussen könne, die Fertilität aber nicht senke und die Fehlbildungsrate der Nachkommen nicht erhöhe (Aussage der Autoren). Schwäche: Der männliche Teil ist knapp, der Abstract enthält keine Zahlen.
Wagner, Wajner und Maia 2008 [s134] und 2009 [s127]. Zwei Grundlagenübersichten aus derselben Arbeitsgruppe. Die Arbeit von 2008 beschreibt, dass T3 die Proliferation und Reifung der Sertoli-Zellen sowie die postnatale Leydig-Zell-Differenzierung und Steroidogenese steuert und dass Schilddrüsenhormonrezeptoren in Hodenzellen vorkommen [s134]. Die Arbeit von 2009 hält fest, dass die Rolle der Schilddrüsenhormone im erwachsenen Hoden weiterhin umstritten sei und neuere Daten eine Beteiligung an Differenzierung und Überleben von Keimzellen nahelegten [s127]. Sie sind für das klinische Bild nur als Begründung der biologischen Plausibilität von Bedeutung, nicht als Evidenz für einen Effekt beim erwachsenen Mann.
Ceccarelli, Canale und Vitti 2008 [s128]. Radioactive iodine (131I) effects on male fertility, Current Opinion in Urology. Übersicht zu Radiojod und männlicher Fertilität. Bei Krebspatienten zeigten die meisten Artikel einen mit der kumulativen Dosis zusammenhängenden Schaden des Keimepithels; die kleinen Dosen bei Hyperthyreose würden meist ohne Sterilitätsrisiko vertragen, und die durch die Hyperthyreose selbst verursachte Störung sei wahrscheinlich größer als die durch Radiojod. Bei Hyperthyreose verschlechtere Radiojod das Spermiogramm nicht, sondern verbessere es bei Betroffenen. Die Autoren halten bei Patienten mit voraussichtlich mehreren Behandlungen eine Beurteilung der Hodenfunktion und gegebenenfalls Kryokonservierung für ratsam (Wertung der Autoren). Einordnung: Die Autorengruppe hat selbst die Primärstudie zur Hodenfunktion nach Radiojod bei Hyperthyreose durchgeführt [s140].
Krassas, Poppe und Glinoer 2010 [s125]. Thyroid function and human reproductive health, Endocrine Reviews. Die umfassendste Übersicht der Datenbasis: Die männliche Reproduktion werde sowohl durch Thyreotoxikose als auch durch Hypothyreose beeinträchtigt; die Thyreotoxikose verursache Anomalien der Beweglichkeit, die Hypothyreose Anomalien der Morphologie, die sich bei Euthyreose normalisierten. Diese Aussagen decken sich mit den Primärdaten von [s162] und [s130], die vom selben Erstautor stammen; die Übersicht ist daher keine unabhängige Bestätigung. Das Konzept „Hyperthyreose stört die Beweglichkeit, Hypothyreose die Morphologie" stützt sich nach der Datenbasis auf je eine kontrollierte Studie mit 23 bzw. 25 Patienten.
Rajender, Monica, Walter und Agarwal 2011 [s118]. Thyroid, spermatogenesis, and male infertility, Frontiers in Bioscience (Elite Edition). Die Übersicht kommt zu dem Schluss, abnorme Schilddrüsenwerte beeinträchtigten Samenqualität und Fertilität über Hodengröße, Beweglichkeit und Ejakulatvolumen; die Infertilität sei reversibel, aber es fehlten Studien an postpubertären Männern. Einordnung: Der Hinweis auf fehlende Studien an postpubertären Männern ist ein Befund über eine Lücke in der Literatur, die auch in der vorliegenden Datenbasis nur teilweise geschlossen ist.
Shelkownikowa und Dogadin 2013 [s111] (Sibirskoe medicinskoe obozrenie; russisch: Современные представления о взаимосвязи гормонов щитовидной железы и гонад у мужчин, deutsch: Moderne Vorstellungen zum Zusammenhang von Schilddrüsen- und Keimdrüsenhormonen bei Männern). Aus Krasnojarsk. Der Beginn einer Hypothyreose habe zunächst nur geringen Einfluss auf Hodenmorphologie, Testosteron und Spermatogenese; eine lange unkompensierte Hypothyreose verzögere dagegen die Reifung der Hoden und störe die Spermatogenese; die Herstellung der Euthyreose beim Erwachsenen führe zur Wiederherstellung von Spermatogenese und Reproduktionsfunktion. Neonatale und präpubertäre Hypothyreose steigere die Zahl der Sertoli-Zellen um 157 % bei verzögerter Reifung, pubertäre Hyperthyreose beende deren Entwicklung früh. Für sexuelle Störungen nach Erreichen der Euthyreose (acht bis sechzehn Wochen) werden 14,75 % bei Hyperthyreose und 64,3 % bei Hypothyreose angegeben, für vorzeitigen Samenerguss 72,1 % bei 43 Männern mit Hyperthyreose. Die Quellenstudien hinter diesen Zahlen wurden nicht abgerufen; es handelt sich um Zweitangaben. Der Wert von 64,3 % entspricht dem Anteil, den die Studie von Carani für verminderte Lust, verzögerte Ejakulation und erektile Dysfunktion bei 14 hypothyreoten Männern angibt [s146]; ob dies die Quelle ist, geht aus der Übersicht nicht hervor.
Li und Yao 2016 [s96] (Zhonghua Nan Ke Xue; Titel in der englischen Übersetzung „Influence of thyroid dysfunction on male sexual and reproductive functions and its mechanisms", deutsch: Einfluss von Schilddrüsenfunktionsstörungen auf die männliche Sexual- und Fortpflanzungsfunktion und deren Mechanismen). Aus Nanjing. Nach dem englischen Abstract (rund 600 Zeichen) können Schilddrüsenfunktionsstörungen Wachstum, Stoffwechsel und die Synthese und Sekretion von Sexualsteroiden beeinflussen; Patienten mit Hyper- oder Hypothyreose könnten nicht nur eine vorzeitige Ejakulation, sondern auch eine erektile Dysfunktion entwickeln; Schilddrüsenhormone beeinflussten Leydig-Zellen, Sertoli-Zellen und die Spermatogenese. Der Volltext war nicht zugänglich; Effektgrößen enthält der Abstract nicht. Der Beitrag belegt vor allem, dass das Thema in der chinesischen Andrologie als Fachgegenstand geführt wird.
La Vignera, Vita, Condorelli et al. 2017 [s88] und La Vignera und Vita 2018 [s78]. Impact of thyroid disease on testicular function (Endocrine) und Thyroid dysfunction and semen quality (International Journal of Immunopathology and Pharmacology, Editorial). Nach den Abstracts sind bei Hyperthyreose SHBG höher, freies und bioverfügbares Testosteron niedriger, Asthenozoospermie, Oligozoospermie und Teratozoospermie häufiger, ebenso die vorzeitige Ejakulation; bei Hypothyreose seien die Hormonveränderungen gegenläufig, vor allem die Morphologie sei vermindert. Die Autoren betrachten Schilddrüsenhormone als Regulatoren von Proliferation, Steroidogenese, Beweglichkeit und testikulärem Redoxstatus und empfehlen Schilddrüsenfunktionstests im Abklärungsprogramm (Empfehlung der Autoren). Einordnung: Die Autorengruppe hat auch Primärarbeiten zum Thema vorgelegt (eine In-vitro-Studie an Spermien [s69] und die Selenstudie [s52]); die Übersichten sind insofern nicht unabhängig von diesen.
Chereshnev, Pichugova, Beikin et al. 2021 [s53]. Pathogenesis of Autoimmune Male Infertility: Juxtacrine, Paracrine, and Endocrine Dysregulation, Pathophysiology. Aus Jekaterinburg. Die Übersicht nennt die Hypothyreose neben Hyperprolaktinämie und Hypoandrogenismus unter den systemischen Faktoren, die die Bildung von Antispermien-Autoantikörpern begünstigen. Daten werden im Abstract nicht berichtet. Für die Hashimoto-Frage ist dies ein theoretischer Ansatzpunkt (Autoimmunität könnte sich auf die Hoden erstrecken), kein Befund.
Dosiou 2020 [s63]. Thyroid and Fertility: Recent Advances, Thyroid (Stanford). Die Übersicht behandelt, was seit den Schwangerschaftsleitlinien der American Thyroid Association 2017 neu bekannt wurde, überwiegend zur Frau. Für den Mann ist nur ein Satz relevant: Es seien neue Daten zur potenziellen Gonadentoxizität von Radiojod berichtet worden, gestützt auf die Eierstockreserve und chromosomale Anomalien in Spermien. Die zugrunde liegende Studie nennt der Abstract nicht; die Aussage passt zum Befund erhöhter chromosomaler Spermienanomalien nach Radiojod bei Bourcigaux [s73].
Mazzilli, Medenica, Di Tommaso et al. 2023 [s41]. The role of thyroid function in female and male infertility: a narrative review, Journal of Endocrinological Investigation. Suche in PubMed bis 2021. Bei der Frau sei die Schilddrüsenfunktionsstörung häufig mit Infertilität assoziiert; beim Mann sei der Zusammenhang umstritten, wenngleich über Sertoli- und Leydig-Zellen und die Spermatogenese biologisch plausibel. Die Autoren raten, die Schilddrüsenfunktion bei beiden Partnern zu überwachen (Empfehlung der Autoren). Einordnung: Die Aussage „umstritten" ist die vorsichtigste Formulierung unter den Übersichten und entspricht dem Gesamtbild der Primärstudien.
Anelli, Gatta, Pirola et al. 2024 [s26]. Thyroid impairment and male fertility: a narrative review of literature, The Aging Male. Suche in PubMed, Web of Science und Scopus bis 31. Mai 2023; ausgewertet wurden 31 Tier- und 26 Humanstudien, die „widersprüchliche Ergebnisse" zeigten. Hypo- und Hyperthyreose schienen Ejakulation und Erektion zu beeinträchtigen. Die Autoren schreiben, Leitlinien empfählen kein systematisches Screening bei Männern subfertiler Paare, wohl aber bei Ejakulations- und Erektionsstörungen oder veränderten Samenparametern. Welche Leitlinien gemeint sind, nennt der Abstract nicht; die für dieses Kapitel gelesene AUA/ASRM-Leitlinie enthält eine solche Aussage nicht [s28]. Die Übersicht nennt als eine der wenigen narrativen Arbeiten die Zahl der ausgewerteten Humanstudien und bestätigt die uneinheitliche Datenlage.
Khudair, Khudair, Niinuma et al. 2025 [s19]. From deficiency to excess: the impact of iodine excess on reproductive health, Frontiers in Endocrinology (Medizinische Universität von Bahrain). Mini-Review zum Jodüberschuss; der Volltext wurde ausgewertet. Sie berichtet Zahlen aus Studien, die hier nicht im Original abgerufen wurden: In einer Studie an 1.098 fertilen chinesischen Männern hätten diejenigen mit Jodüberschuss (Urin-Jod ≥ 200 µg/l) gegenüber denen mit optimaler Zufuhr (100 bis unter 200 µg/l) ein um 5 % höheres Ejakulatvolumen, eine um 26 % niedrigere Spermienkonzentration, eine um 20 % geringere Spermienzahl und eine um 1,48 Monate längere Zeit bis zur Schwangerschaft gehabt, bei unveränderter Beweglichkeit (die Primärstudie ist [s66]). In einer spanischen Studie an 96 Paaren in der Infertilitätsabklärung (mediane Urin-Jodkonzentration 97,6 µg/l) seien bei höheren Samen- bzw. Urinjodwerten häufiger veränderte Morphologie und eine geringere Zahl beweglicher Spermien aufgetreten; bei Männern, die iodiertes Salz nutzten, habe der mediane Jodgehalt im Samen bei 16,5 µg/l gegenüber 11,7 µg/l bei nicht iodiertem Salz gelegen (Primärstudie [s89]). Für Ratten mit dem Hundert- und Fünfhundertfachen der empfohlenen Jodmenge werden dosis- und dauerabhängige Funktionseinbußen berichtet. Die Review bewertet die beiden Humanstudien selbst als Querschnittsstudien, die keine Kausalität belegen. Die Autoren betonen, der Jodüberschuss sei weniger erforscht als der Jodmangel. Eigene Daten enthält die Arbeit nicht; die Zahlen sind Zweitangaben.
Uschakowa und Mitarbeiter 2025 [s25] (Vestnik Sankt-Peterburgskogo universiteta. Medicina; russisch: Влияние нарушений функции щитовидной железы на репродуктивную систему, deutsch: Einfluss von Schilddrüsenfunktionsstörungen auf das Fortpflanzungssystem; Autoren aus Kasachstan bzw. Russland). Die Übersicht beschreibt die Hypothyreose als assoziiert mit Hemmung der Gonadotropinsekretion, Hyperprolaktinämie, niedrigerem Testosteron und schlechterer Spermaqualität, die Hyperthyreose mit gestörter Sexualhormonregulation und verstärkter Aromatisierung. Als einzigen quantitativen Befund zur männlichen Fertilität nennt sie eine Studie an Männern in Kinderwunschbehandlung: Subklinische Hypothyreose sei mit erhöhter Spermien-DNA-Fragmentierung assoziiert, mit einem Odds Ratio von 1,64 (p = 0,010) für eine Fragmentierung über 25 % und 1,61 (p = 0,029) für über 30 %, stärker bei Männern mit auffälligen Spermaparametern; die absoluten Gruppenunterschiede seien nicht signifikant gewesen. Diese Zahlen weichen von den adjustierten Odds Ratios der Studie von Zhao ab (1,43 und 1,84) [s50]; welche Primärstudie gemeint ist, ob eine andere Adjustierung zugrunde liegt oder ein Übertragungsfehler vorliegt, ist ohne den Primärtext nicht zu klären. Für die Zahlen dieser Übersicht gilt daher: Sie werden nicht übernommen, maßgeblich ist die Primärstudie [s50]. Konfidenzintervalle nennt die Übersicht nicht.
Leitlinie
Brannigan et al. 2024: AUA/ASRM-Leitlinie „Updates to male infertility" (2020, ergänzt 2024) [s28]. Gelesen wurde der vollständige Text der Leitlinienseite. Schilddrüsenerkrankungen werden darin nur an drei Stellen erwähnt: erstens bei den Ursachen wiederholter Schwangerschaftsverluste als endokrine Probleme der Partnerin („female partner endocrine issues (e.g., thyroid and diabetes)"); zweitens im Abschnitt „Other Comorbidities", wo Einzelstudien zu Begleiterkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck, multiple Sklerose, sexuell übertragbare Infektionen, Schilddrüsenerkrankungen) „uncertain associations with male infertility" gezeigt hätten; drittens bei der Hyperprolaktinämie, die durch Hypothyreose erhöht sein kann: Bei Männern ohne Hypophysenadenom solle die Behandlung der Grunderkrankung (zum Beispiel Hypothyreose) im Mittelpunkt stehen. Es gibt keine eigene Leitlinienaussage zur Schilddrüsendiagnostik beim infertilen Mann. Im Literaturverzeichnis wird die Arbeit von Poppe 2006 geführt [s143]. Das Kapitel „Male Infertility" der EAU-Leitlinie wurde gelesen (145.834 Zeichen) und enthält keine Erwähnung von Schilddrüse oder TSH; da kein Ausgabenjahr erkennbar war, ist es keine Quelle der Datenbasis. Inhalte der ESHRE- und der AWMF-Leitlinien waren nicht abrufbar; zu ihnen kann daher keine Aussage gemacht werden.
Zusammenschau der Übersichten
| Arbeit | Typ | Gegenstand beim Mann | Zahlen | Kernaussage |
|---|---|---|---|---|
| Bahreiny 2024 [s27] | Metaanalyse | subklinische Hyperthyreose | SMD ohne KI | kleine Hormonverschiebungen, Samenbefunde nicht quantifiziert |
| Cai 2023 [s39] | Metaanalyse | Radiojod, Schilddrüsenkarzinom | MD mit KI | FSH früh erhöht, Inhibin B erniedrigt |
| Santi 2026 [s10] | Metaanalyse | Radiojod, Schilddrüsenkarzinom | MD, I² | FSH erst nach 12 Monaten erhöht, I² = 99 % |
| Wang 2026 [s15] | Umbrella-Review | allgemeine Risikofaktoren | GRADE-Verteilung | Hyperthyreose genannt, Hypothyreose nicht |
| Nazeri 2025 [s20] | Scoping Review | Jodstatus | keine | Mangel und Überschuss könnten schaden |
| Narrative Übersichten | siehe oben | Hypo-, Hyperthyreose, Radiojod, Jod | meist keine | Hyperthyreose: Beweglichkeit; Hypothyreose: Morphologie und Androgene; durchweg als reversibel beschrieben |
| AUA/ASRM 2024 [s28] | Leitlinie | Begleiterkrankungen | keine | Zusammenhang „uncertain", keine eigene Empfehlung |
Gesamteinschätzung. Auf der Ebene der Übersichten ist die Evidenz in zwei Punkten dünn: Für Hypothyreose, Hashimoto-Thyreoiditis und Jodmangel gibt es keine Metaanalyse mit Samenparametern, und die Metaanalysen zu Hyperthyreose und Radiojod stützen sich auf Hormonmarker mit sehr hoher Heterogenität oder fehlenden Konfidenzintervallen. Die narrativen Übersichten wiederholen einen Kern aus wenigen kleinen Primärstudien. Die jüngere narrative Übersicht mit benannter Studienzahl spricht von „widersprüchlichen" Ergebnissen [s26], die Leitlinie führt den Zusammenhang als „unsicher" [s28].